1. Lebensbeschreibung der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche
(1670)
Der fiktive Verfasser dieses Romans ist Philarchus Grossus von Trommenheim auf Griffsberg.
Die alte Courasche beginnt ihre Lebensgeschichte mit der Darstellung ihrer Schreibmotivation: Während die Textsorte Autobiographie seit den Confessiones des Augustinus als Lebensbeichte angelegt ist, stellt Courasche ihre eigene moralische Verworfenheit dar. Man könne erwarten, dass sie jetzt, wo der Tod nahe sei, Reue über ihr früheres Leben erfasst hätte, damit sie „Hoffnung schöpfen könnte noch endlich die himmlische Barmhertztigkeit zu erlangen“ (Werke I,2, S. 12). Man könne auch verlangen, dass sie ihr Leben, das mit „mit mehrern Missethaten als Jahren / mit mehrern Hurenstücken als Monaten / mit mehrern Diebsgriffen als Wochen / mit mehrern Tod-Sünden als Tagen / und mit mehrern gemeinen Sünden als Stunden beladen“ sei (S. 13), bereue. Stattdessen verspottet sie die traditionelle Lebensbeichte und lacht über diejenigen, die glauben, sie sei zu Reue und Umkehr fähig. Sie stecke viel zu tief im Laster, als dass sie bereuen könne: „als worzu ich ein Stück zu wenig / hingegen aber etlicher / vornemblich aber zweyer zu viel habe; das / so mir manglet / ist die Reu / und was mir manglen solte / ist der Geitz und der Neid“ (S. 15). Neben dieser sexuellen Anspielung werden zwei der Todsünden genannt, Geiz (avaritia) und Neid (invidia), und auch die anderen fünf Todsünden, Zorn (ira), Trägheit (acedia), Wollust (luxuria), Maßlosigkeit (gula) und Stolz (superbia) werden genannt oder lassen sich erschließen. Nun sei sie zu alt, um sich noch zu ändern, rät aber, dass man die Jungen ermahnen solle, dass „sie es aus ihrer Unbesonnenheit nimmermehr so weit soll[en] kommen lassen / als die arme Courage gethan“ (S. 17). Courasche präsentiert sich im Anfangskapitel also als negatives Exempel.
Die Frage der Leser nach dem Grund vorwegnehmend gibt sie gleich die Antwort darauf: „Das thue ich dem Simplicissimo zu Trutz!“ (ebd.). Er habe sie in Sauerbrunnen beleidigt, geschwängert und dann in seiner Lebensbeschreibung verspottet (vgl. oben). Sie wolle sich dadurch an ihm rächen, indem sie durch ihre eigene Lebensgeschichte darstelle, „mit was vor einem erbarn Zobelgen er zu schaffen gehabt“ (ebd.). Sie stellt sich also selbst als verworfene Sünderin dar, um den frommen Simplicissimus als selbstgerechten Sünder zu entlarven, da sich doch gleich und gleich gern zueinander geselle.
Courasche wächst mit dem Namen Libuschka in Bragoditz in Böhmen bei einer Kostfrau auf. Um das Jahr 1607 wurde sie geboren, ihre Eltern kennt sie nicht, diese schicken ihr aber immer wieder Grüße und kleine Geschenke. Bei der Kostfrau lernt sie die typischen Frauenarbeiten der Zeit, Nähen, Sticken und Stricken. Als sie gerade dreizehn Jahre alt ist und anfängt, über ihre Herkunft zu grübeln, im Winter 1620/21, verjagt der bayerische Kurfürst den WinterkönigFriedrich V. von der Pfalz. Weil Bragoditz sich weigert, sich den Bayern zu ergeben, wird es belagert. Die Kostfrau will verhindern, dass Libuschka bei der Eroberung vergewaltigt wird, weshalb sie sie in Männerkleider steckt. Als Bragoditz eingenommen und geplündert wird, werden die Männer getötet und die Frauen vergewaltigt. Libuschka wird für einen Jungen gehalten, nennt sich selbst Janko und wird als Pferdeknecht den bayerischen Truppen einverleibt. Sie wird Page eines Rittmeisters und lässt sich von ihm im Fechten ausbilden, weil sie Gefallen an der Waffenkunst gefunden hat.
Als Dienerin dieses Rittmeisters wird sie Zeugin der Schlacht am Weißen Berg und wünscht sich, ein Mann zu sein und ebenfalls in die Schlacht reiten zu dürfen. Allmählich verliebt sie sich in den Rittmeister, fürchtet aber, sich ihm zu erkennen zu geben. Weiterhin versucht sie, ihre weiblichen Körpermerkmale zu verbergen. Eines Tages gerät sie jedoch mit einem Jungen in Streit und sie prügeln sich. Der Junge greift ihr ins Geschlecht und aus Furcht, er könne seine Entdeckung anderen mitteilen, traktiert sie ihn so übel, dass sie ihn beinahe umgebracht hätte. Nun kann sie hoffen, dass die Scham, von einem Mädchen verprügelt worden zu sein, seinen Mund verschließen würde. Vom Rittmeister zur Rede gestellt, antwortet sie aber verschämt: Sie habe ihn so verprügelt „darumb / daß er mir nach der Courage gegriffen hat / wohin sonst noch keines Manns-Menschen Hände kommen seyn“ (S. 34). Matthias Feldges hat gezeigt, dass Courage in diesem Fall eine wohl schamhaft verfremdende Variante von KurschePelz, weibliche Schambehaarung ist (vgl. Feldges 1969, 55 f.). Dieser Vorfall bringt ihr nicht nur ihren Rufnamen ein, der damit eine Doppelbedeutung erhält (einerseits frz. Mut, Tapferkeit, Beherztheit, andererseits weibliches Geschlechtsteil), sondern auch die Gunst des Rittmeisters, denn als ihr wahres Geschlecht offenbart ist, zeigt sie ihm ihre Brüste und bittet ihn, ihre Jungfräulichkeit zu bewahren, nicht ohne retrospektiv zu bemerken, dass sie diese Verzweiflung nur spielte, um seine sexuelle Begierde zu entfachen.
Während sie hofft, dass der Rittmeister ihr Verhältnis durch eine Hochzeit legitimiert, hält er sie jedoch hin. Schließlich wird er in einer Schlacht schwer verwundet und liegt schon bald im Sterben. Courasche gaukelt ihm vor, sie sei von ihm schwanger, weshalb er sie kurz vor seinem Tod heiratet, um nicht noch mehr Sünde auf sich zu laden. Diesen Vorgang kommentiert sie sarkastisch: „So verkehrt nun gehets in der Welt her / andere nehmen Weiber mit ihnen ehelich zu leben / dieser aber ehelichte mich / weil er wuste daß er solte sterben“ (S. 42). Ihre Hoffnung auf ein finanzielles Auskommen durch sein Erbe zerschlägt sich, als sie feststellt, dass der Rittmeister aus verarmtem Adel stammte und kein Vermögen besaß. So erhält sie nur dessen Pferde, Waffen und Kleider.
Sie will nach Bragoditz zu ihrer Kostfrau zurückkehren, doch weil die Verhältnisse noch zu unsicher sind, lässt sie sich zunächst in Wien bei einer Witwe und ihren beiden Töchtern nieder. Von der Witwe lernt sie, sich modisch zu kleiden, sich zu schminken und alles andere, womit sie die Aufmerksamkeit der Männer erregen kann. Sie studiert vor dem Spiegel Posen und Mimik ein und lernt die Kunst des Komplimentierens, um sich den Schein der Tugendhaftigkeit zu geben. Sie spielt die trauernde Witwe, jedoch nur, um „meine Wahr recht theur an Mann [zu] bringen“ (S. 51). Ihre vermeintliche Keuschheit spricht sich in der Stadt herum und schon bald gilt sie „vor eine halbe Heiliginne“ (ebd.), bis sie endlich die Maskerade aufgibt und die Begierden der Männer erfüllt. Bei der Witwe lernt sie außerdem noch, wie man sich kugelfest macht und anderen die Büchsen zubannt. Sie behauptet, dass sie wahrscheinlich auch das Hexen gelernt hätte, wenn sie noch länger geblieben wäre. Doch als die Wege sicher zu sein scheinen, bricht sie nach Bragoditz auf.
Kurz bevor sie ihre Heimatstadt erreicht, wird sie jedoch von einem Trupp Reiter angegriffen und mehrfach vergewaltigt. Ein kaiserlicher Hauptmann rettet sie aus dieser Gefahr. Sie verliebt sich in ihren Retter und heiratet ihn. Da er sparsam ist und ihre Wünsche respektiert, wird die Ehe harmonisch, sie reitet gelegentlich in die Schlacht und macht Beute, dafür erweist sie sich ihm als gute Haushälterin. Das Paar lebt einige Zeit „glückselig und vergnügt“ (S. 63), obwohl er „unvermöglich“, also impotent ist. Dann jedoch schlägt ihr „Fatum“ (ebd.) zu, der Hauptmann wird vor Wiesloch tödlich getroffen und sie ist wieder Witwe.
Courasche trauert um ihren Mann, wird aber schon bald wieder umworben. In der Schlacht bei Wimpfen nimmt sie einen Kornet gefangen und macht reiche Beute. Schließlich gibt sie dem Werben eines italienischen Leutnants nach und heiratet ihn. Nach der Hochzeitsnacht jedoch lässt er sich Knüppel bringen: Er habe gehört, dass sie in ihrer vorherigen Ehe die Hosen angehabt habe. Er wolle nun die Hierarchie ein für allemal festlegen und fordert sie zum Zweikampf heraus. Courasche will lediglich Gleichberechtigung in der Ehe und sich keinem Mann unterordnen. So versucht sie, den Kampf zu vermeiden, doch als der Mann darauf besteht, schlägt sie ihren Mann mit einem Knüppel nieder. Der Leutnant flieht vor dem Spott seiner Kameraden und wird später als Deserteur hingerichtet.
Weil ihr untersagt wird, wieder in die Schlacht zu reiten, und ihr Mann einen Großteil des Geldes mitgenommen hat, muss sie erneut als Prostituierte arbeiten. Trotz des Verbots kämpft sie in der Schlacht bei Höchst und nimmt einen Major gefangen. Der Major hält sie für eine Hexe, weil die Überlegenheit einer Frau über einen Mann ohne die Hilfe des Teufels nicht möglich sei. Auch von anderen Männern im Regiment wird sie zunehmend gemieden und als „Strahl-Hex“ bezeichnet (S. 79). Bald steht sie in dem Ruf, Männern, die ihr zu nahe kommen Unglück zu bringen und die Soldaten sehen sie als Konkurrentin an. Ihre Versuche, einen neuen Ehemann zu bekommen, schlagen deshalb fehl. Als sie gewahr wird, dass sie in diesem Regiment keine Zukunft hat, nimmt sie ihren Abschied und lässt sich in einer Stadt nieder, die sie trotz ihres schlechten Rufs aufnimmt. Für längere Zeit lebt sie ein ruhiges und zurückgezogenes Leben, um ihre Chancen auf einen neuen Ehemann zu verbessern.
Doch weil sich die Patrizier der Stadt nicht mit einer Soldatenhure abgeben wollen und andere nur auf ihr Geld aus sind, verlässt sie die Stadt wieder und kehrt nach Bragoditz zurück. Dort trifft sie ihre Kostfrau wieder, die ihr ihre wahre Identität enthüllt: Ihr Vater sei ein böhmischer Adliger, der sich gegen den Kaiser gestellt habe und vertrieben worden sei. Nun sei er in Diensten des türkischen Kaisers und habe dessen Religion angenommen. Ihre Mutter sei Hofdame der Gräfin und von einfacher Herkunft gewesen. Courasche sei das Produkt einer außerehelichen Beziehung, ihre Mutter habe sie heimlich zur Welt gebracht und sie ihr, der Kostfrau, zur Pflege übergeben. Ihre Eltern hätten sich heimlich um sie gekümmert und sie sei als junge Adlige einem Edelmann zur Ehe versprochen worden, dieser jedoch sei als Meineidiger aufgehängt worden.
Courasche zieht mit ihrer Kostfrau nach Prag, wo sie einen Hauptmann heiratet. Als er wieder einberufen wird, begleitet sie ihn. Weil sie befürchtet, dass er von anderen über ihr vorheriges Leben informiert werden könnte, weiht sie ihn in ihre Vergangenheit ein, wobei sie aber ihre schlimmsten „Hurenstücke“ (S. 102) und die Herkunft ihres Rufnamens verschweigt. Der Hauptmann wird als bedächtig, vernünftig und ansehnlich beschrieben und die beiden führen eine glückliche Ehe. Erneut erweist sie sich als umsichtige Haushälterin. Als er aber in einer Schlacht von einer Kanonenkugel getroffen wird, wird sie wieder zu einer „unglückseeligen Wittib“ (S. 108).
Sie hat jedoch keine Zeit, ihn zu betrauern, denn sie wird ausgerechnet von jenem Major aufgegriffen, den sie in der Schlacht bei Höchst gefangen hatte. Dieser will sich für die Demütigung rächen und verprügelt und vergewaltigt sie; danach übergibt er sie den anderen Offizieren, die sie ebenfalls vergewaltigen. Und als „diese Hengste sich müd gerammelt hatten“ (S. 111), wird sie den Knechten übergeben. Sie muss sich nackt ausziehen und viele Demütigungen über sich ergehen lassen. Sie glaubt, dass sie diese Behandlung für ihre früheren Sünden verdient habe. Die Überlegungen des Majors, einen Hexenprozess gegen sie anzustrengen, werden verworfen, weil sexueller Kontakt mit einer Hexe den Sexualpartner ebenfalls zum Hexer macht und der Prozess so einem „Selbstvernichtungsverfahren“ (Berns 1990, 430) gleichgekommen wäre. Endlich wird sie von einem dänischen Rittmeister gerettet, der sie zu seinem Schloss bringt.
Auf dem Schloss erholt sich Courasche, und weil sie ein Auge auf ihren Retter geworfen hat, beginnt sie, ihn zu umgarnen und endlich stimmt er der Hochzeit zu. Doch seine Familie ist gegen die Heirat, da er ihretwegen seinen Kriegsdienst vernachlässigt und sie von Courasches schlechtem Ruf erfährt. Mittels einer List wird Courasche nach Hamburg gelockt und dort ausgesetzt. Man gibt ihr zu verstehen, dass sie der Sache besser nicht weiter nachgehe. So sieht sich die „Betrügerin betrogen“ (S. 125), sie muss ihre Pläne für ein herrschaftliches Leben aufgeben und wieder ihrer „nächtlichen Handarbeit“ nachgehen (ebd.), um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Bald wird ein junger Reuter ihr neuer Partner und sie verabreden die Hochzeit. Doch der Korporal des Regiments begehrt Courasche ebenfalls und schickt den Reuter unter einem Vorwand weg. Dieser widersetzt sich dem Befehl des Korporals, verletzt ihn und tötet einen anderen Soldaten. Vor dem Militärgericht wird die Schuld des Korporals zwar anerkannt, doch weil er dessen Befehl dennoch hätte befolgen müssen, wird der Reuter hingerichtet. Courasche wird als Stein des Anstoßes aus dem Lager gejagt.
Kaum eine Stunde nach ihrer Vertreibung wird Courasche von zwei Reutern angegriffen, die sie vergewaltigen und ausrauben wollen. Sie wehrt sich und tötet einen von ihnen. Der andere nennt sie eine „Hure / eine Vettel / eine Hex / und gar einen Teuffel“ (S. 133). Ein junger Musketier hilft ihr und nimmt sie mit in sein Regiment, das gerade nach Italien aufbricht. Der junge Musketier ist der spätere Springinsfeld.
Auf dem Weg nach Italien fasst Courasche den Entschluss, eine Marketenderei zu eröffnen, weil die Marketender mehr verdienen als die Offiziere. Als der junge Musketier ihr seine Liebe gesteht, nutzt sie dessen Leidenschaft für sich aus: Sie setzt einen Vertrag auf, den der verliebte Musketier ohne Zögern unterschreibt. Dieser Vertrag legt fest, dass er zwar scheinbar die Geschäftsleitung innehat, faktisch aber ihr in Geschäftsdingen und im Privatleben untergeordnet ist und ihre Befehle zu befolgen hat. Zudem hat sie das Recht, ihn nach dem ersten Befehl, den sie ihm erteilt, zu benennen.
Der Musketier übertrifft mit seinem Eifer und Gehorsam ihre Erwartungen. Als sie ihm den ersten Befehl erteilt, die Pferde im Gras einzufangen – „Spring-ins-felt / und fange unsern Schrecken“ (S. 150) – hat sie Springinsfeld den Namen gegeben, auf den er für den Rest seines Lebens hört. Doch bald beginnt Springinsfeld, sich gegen Courasche aufzulehnen: Er prahlt damit, dass kein Weibsbild ihn betrügen könne und sie wettet daraufhin mit ihm, dass sie ihn noch vor dem Frühstück neunmal betrügen könne. Seinem Wetteinsatz nach soll er lebenslang ihr Sklave sein, wenn ihr das gelinge. Sie gewinnt die Wette und hat damit Springinsfelds Aufsässigkeit fürs Erste unterbunden.
Die Marketenderei blüht, zumal sie nach eigener Angabe mehrere Sorten Fleisch anbietet, nämlich „rohe / gesotten / gebraten oder lebendig“ (S. 155). In ihrer doppelten Tätigkeit als Marketenderin und Prostituierte erwirbt sie mit der Zeit großen Reichtum. Außerdem reitet sie bei jeder Gelegenheit in die Schlacht, um Beute zu machen. Ihre Erfolge steigern aber auch ihre Gier und so erwirbt sie eines Tages einen Flaschenteufel, einen Spiritus familiaris, der ihr finanziellen Reichtum verspricht, solange sie ihn besitzt, aber ewige Verdammnis einbringt, wenn sie stirbt, solange sie ihn besitzt. Zudem müsse sie ihn billiger verkaufen, als sie ihn gekauft habe. Courasche ist unruhig, als sie von der Bewandtnis des Flaschengeists erfährt, tröstet sich aber mit ihrer Jugend.
Tatsächlich floriert nun ihr Geschäft besser als je zuvor und mit Springinsfelds Hilfe, den sie zu einem geschickten Dieb abgerichtet hat, gelingen ihr auch Diebstähle, Einbrüche und Betrügereien, von denen sie voller Stolz berichtet. Bald jedoch beginnt Springinsfeld erneut aufsässig zu werden, er wird faul und verbringt seine Zeit mit Fressen, Saufen und Spielen. Weil seine Kameraden ihn als Pantoffelhelden verspotten, schlägt er ihr eines Nachts betrunken mit aller Kraft ins Gesicht. Es gelingt zwar eine notdürftige Versöhnung, doch Courasche ist bewusst, dass ihr Geselle unsicher geworden ist, und sie hat Angst um ihr Geschäft, weil er pro forma der Besitzer der Marketenderei ist. Deshalb sucht sie nach einer Gelegenheit, ihn loszuwerden, ohne dabei ihr Geschäft zu verlieren. Diese Gelegenheit bietet sich, als er sie eines Nachts im Schlaf packt und versucht, sie ins Feuer zu werfen. Sie wird jedoch rechtzeitig wach und ruft um Hilfe, so dass das Lager zusammenkommt, bevor Springinsfeld seine Absicht ausführen kann. Er behauptet zwar, er habe geträumt, doch weil er diesmal den Profos gegen sich hat, muss er Courasche die Marketenderei offiziell überschreiben und erhält fast nichts aus dem erwirtschafteten Gewinn. Zudem muss er Courasche den Spiritus familiaris abkaufen, den er, nach einigen Versuchen, ihn loszuwerden, ins Feuer wirft.
Aus Furcht vor Springinsfelds Rache gibt Courasche die Marketenderei auf und lässt sich in Passau nieder. In dieser von Mönchen und Nonnen bevölkerten Stadt fühlt sie sich nicht wohl und zudem stirbt mit der Kostfrau ihre einzige Vertrauensperson. Weil sie aufgrund der Kriegsereignisse um ihren Besitz in Prag fürchtet, reist sie dorthin, um ihn zu retten. Dort merkt sie, dass ihre Schönheit allmählich verblüht, dennoch gelingt es ihr, einen Hauptmann zu heiraten, der jedoch schon kurz nach der Hochzeit fällt. Zudem kann sie keine Beute machen und verfällt aufgrund ihrer Misserfolge in „Melancholia“ (S. 220). Sie zieht in die schwäbische Heimatstadt ihres vierten Mannes und kann eine Weile von dessen Erbe leben. Doch auch hier ist ihr das Glück nicht hold: Erstens ist die Verwandtschaft des vierten Mannes keineswegs erfreut über ihre Ankunft und zudem erreicht der Krieg auch bald diese Stadt: Sie muss Soldaten bei sich einquartieren und schon nach kurzer Zeit ist in ihrem Haus „Tag und Nacht nichts als Fressen und Sauffen / Huren und Buben“ (S. 224). Die Stadtverwaltung duldet ihr Treiben, weil die Soldaten auf diese Weise die Frauen und Töchter der Stadt in Ruhe lassen. Dieses ungezügelte Leben bleibt nicht ohne Folgen: Sie fängt sich die Franzosen (Syphilis) ein und muss sich einer Kur in Sauerbrunnen unterziehen.
In Sauerbrunnen begegnet sie Simplicissimus, schildert die Begegnung jedoch völlig anders als dieser: Während dieser nur an einem erotischen Abenteuer interessiert gewesen sei, wollte sie ihn zum Ehemann gewinnen und habe sich sich entsprechend verhalten. Als er sie verlässt und sie zudem noch der Lächerlichkeit preisgibt, werden ihre Rachegelüste geweckt: Als ihre Magd ein Kind bekommen habe, habe sie es ihm als ihren von ihm gezeugten Sohn untergeschoben. Sie hätte sich sehr darüber amüsiert, als er Strafe zahlen und viel Ärger mit seiner Frau erdulden musste. Sie sei bei der Begegnung bereits vierzig Jahre alt gewesen und ihre Unfruchtbarkeit sei mehr als genügend erwiesen.
Courasche erzählt nun einige weitere Erlebnisse, wobei aber, da der Zweck ihrer Lebensbeschreibung nun erfüllt ist, der komische Aspekt im Vordergrund steht. Sie beschreibt, wie sie beim Geschlechtsverkehr mit einem verheirateten Mann erwischt und aus der Stadt gejagt wurde, nicht ohne dass vorher ihre Habseligkeiten konfisziert wurden. Sie erzählt von ihrem sechsten Ehemann, einem Musketier, der sie heiratet, obwohl sie ihre besten Jahre hinter sich hat. Nach einer Burleske mit diesem Mann als Hauptfigur verliert dieser in einer Schlacht sein Leben. Schließlich gerät sie an eine Horde Zigeuner, von denen sie aufgenommen wird. Sie heiratet den Hauptmann und zieht nun als Zigeunerfürstin mit diesen durch die Lande, wobei sie mehr „Schelmenstück und Diebsgriff ersonnen“ hat (S. 262), als auf ein Ries Papier (= ca. 500 Blatt) passen würde. Mit einer erneuten Spitze gegen Simplicissimus endet ihre Erzählung.
In der „Zugab des Autors“ meldet sich der Schreiber Philarchus Grossus von Trommenheim zu Wort: Er warnt die Männer vor Frauen wie Courasche und vergleicht sie mit mythologischen Frauenfiguren wie der Chimäre, Medusa, den Sirenen und den Danaiden. Von solchen Frauen sei nichts anderes zu erwarten als „allerhand Unreinigkeit / Schand / Spott / Armuth und Elend / und was das meiste ist / ein böß Gewissen“ (S. 263). Wie schlimm eine solche Frau sei, merke man aber erst, wenn es zu spät sei.
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