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Des Abts von Marigny Geschichte der Araber unter der Regierung der Califen
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Des Abts von Marigny Geschichte der Araber unter der Regierung der Califen.

Aus dem Französischen.

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Zweyter Theil.

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Berlin und Potsdam, bey Christian Friedrich Voß.

1754.

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Vorrede.

Jetzt wird mir aus der Druckerey gemeldet, daß noch einige Blätter leer bleiben wür den, und ich werde ersuchet, diesen leeren Raum, der in der gelehrten Welt nicht viel anderst, als eine unfruchtbare Haide in einer an genehmen Provinz angesehen wird, mit einigen gu ten Gedanken auszufüllen. So sehr ich meinen Witz bey einem so schönen Buche für entbehrlich gehalten habe, so wohl hat mir doch der Gedanke des Setzers gefallen. Er schien mir aus einem Eyfer, der gelehr ten Welt zu dienen, herzurühren, aus einer Begier de, die Leser wegen ihres ausgelegten Geldes voll kommen schadlos zu halten. Ich setze also meine durch die Uebersetzung bereits ermüdete Feder wie der in Bewegung, und ich fange an zu schreiben. Was neues, was besonderes, was auserlesenes kan man von mir unmöglich verlangen. Die Presse wartet auf mich, und die Messe ist vor der Thür. Ich werde also nur in der grösten Geschwindigkeit einige zufällige Gedanken von dem Nutzen dieses Buches niederschreiben, und am Ende die Leser er suchen, diesmal mit meinem guten Willen, und dem schlechten Nachtische vorlieb zu nehmen. Sie kön nen sich unmöglich über mich beschweren. Denn ich habe die Ehrlichkeit gehabt, ihnen aufrichtig zu gestehen, daß keine sonderliche Tractamente vorfal len werden. Uebersetzen ist sonst eine Arbeit, die eben so ver drüslich ist, als das Abschreiben. Und in der Zunft der Gelehrten werden die Uebersetzer fast nicht besser als die Handlanger angesehen, die nicht selbst Risse machen, oder Gebäude aufführen können. Es müs
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sen gedultige Leute seyn, heist es, und dieß ist alles, was man jetzt bey nahe zu ihrem Lobe hört. Ich, der ich weder zur Erfindung noch zur Nachahmung be sonders aufgelegt bin, habe mich nie daran wagen wollen, ein ausländisches Original abzucopiren. Aber zu dieser Arbeit ließ ich mich willig bereden. Ich habe die Uebersetzung mit Vergnügen, und nicht ohne alle Hofnung, daß ich durch dieselbe meinen Landsleuten nützlich seyn werde, ungefähr beym Anfange des letzten Alphabets übernommen. Wir haben, so viel ich weiß, im Deutschen noch keine Arabische Historie. Die allgemeine Welthistorie ist ein weitläuftiges Werk, und eigentlich nur Ge lehrten nützlich, so, wie sie voll von den allergelehrte sten und wichtigsten Nachrichten, und daß ich viel mit einemmal sage, von Baumgartenschen Anmer kungen ist. Aber wir lesen gern im kleinen die Ge schichte eines alten Volks, ohne durch critische Be trachtungen unterbrochen zu werden. Wir wollen ein Buch haben, daß wir bequem bey uns tragen, und zum Vergnügen lesen können. Wir haben zwar Hübners Duodetzbände. Wir finden darinn wunderbare Historien und ungemein lustige Einfäl le: Aber zum Unglück fehlet die Wahrheit, und das moralischschöne im Vortrage. Also findet der Ver stand und das Herz keine Nahrung. Hingegen werden wir aus der Schule des Hrn. Marigny stets gelehrter, weiser und zufriedener kommen. Ein Volk zu kennen, daß ehemals in der Welt ein so grosses Aufsehen gemacht und in den Zustand von Europa einen so wichtigen Einfluß gehabt: Dieß ist ein Umstand, der diese Historie einem Gelehrten
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schon auf einmal unentbehrlich machet. Wer wür de wohl dem auch nur eine mittelmäßige Stelle auf dem Parnaß einräumen, der nichts von den Bege benheiten der alten Chaldäer oder Egyptier zu sagen wüßte? Noch täglich beschäftigen sich die grösten Männer mit der Entwickelung ihrer Fabeln und man durchwühlet den Schutt der ältesten Ueber bleibsel, um einige bessere Nachrichten ans Tages licht zu bringen. Was hat sich nicht ein Jablonski und ein Plüche in unsern Tagen für Mühe gegeben, in diesen Finsternissen was zu finden? Aber wenn man seine Gedult ganz erschöpft hat, so gesteht man doch endlich, daß man nur aus den hieroglyphischen Figuren neue Muthmassungen herausgebracht ha be. Indessen hält doch niemand die Mühe dieser grossen Gelehrten für überflüßig, weil wir von die sen Völkern durch die Hände der Griechen und Rö mer Wissenschaft und Aberglauben empfangen ha ben. Aber wenn man die Lebensgeschichte des Ca lifen Mamons nebst meinen Anmerkungen durch lesen wird, so wird man überzeugt werden, daß wir den Arabern noch weit mehr von der alten philoso phischen und mathematischen Gelehrsamkeit zu ver danken, und also auch eine weit grössere Verbind lichkeit haben, die Lebensumstände dieses Prinzen kennen zu lernen, der uns mit unsäglichen Kosten die Gelehrsamkeit der alten Welt als einen kostbaren Schatz aufbehalten haben. Diese Wohlthat wird uns noch wichtiger vorkommen, wenn wir bedenken werden, daß damals unter den Christen die Wissen schaften fast ganz und gar unter der Last des Aber glaubens ersticket sind. Es fielen in Italien, den
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alten Sitz der Gelehrsamkeit, die barbarischen Völkerein, welche durch das Lärmen ihrer Waffen auf einmal die stillen Musen aus ihren angenehmen und fruchtbaren Gefilden und Haynen verdrungen haben. Im Orient hingegen beschäftigten sich die Griechen theils mit ihren unnützen Schulzänke reyen und kleinen Streitigkeiten, wovon der Bil derstreit allein schon ein hinlänglicher Beweis ist; theils aber hat die überhandnehmende Macht der Mahumedanischen Betrügerey und Sarazenischen Herrschaft auf einmal alle Bemühungen in den Wissenschaften aufgehoben. Wie merkwürdig ist es nicht daher aus der Geschichte zu lernen, daß GOtt, der für das Wohl der Völker wachet, durch eben dieselbe Nation, welche die Wissenschaften aus Griechenland gröstentheils vertrieben, dieselben den künftigen Zeiten aufbewahret hat? (*) Laßt uns diesen Umstand nicht geringe achten. Er ist ein Be weis, daß die Vorsehung dafür unermüdet sorge, daß mitten unter dem Aberglauben die Vernunft, und selbst in kriegerischen und wilden Zeiten die Mensch lichkeit erhalten werde. Und dieß sind die beyden Mittel, wodurch der Religion, welche auf einmal den Verstand erleuchtet, und das verdorbene Herz bessert, der Eingang in die Welt nach und nach berei tet wird. Mit welchem Vergnügen würde ich nicht 1
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jetzt dieses aus der Folge der Geschichten darthun. Aber ob ich gleich durch einige Jahrhunderte einen weiten Sprung mache, so erweise ich doch diese Anmerkung auf ein mal, wenn ich sage, daß vor der grossen Religionsreinigung, die der Mann GOttes, Lutherus, heldenmüthig ausge führet, die Verbesserung der Wissenschaften unmittelbar vorhergegangen sey. Jetzt habe ich unvermerkt die Leser in einen Gesichtspunct gestellt, aus welchem sie die Wichtigkeit der Arabischen Geschichte mit einemmal übersehen können. Vielleicht ist man jetzt schon überzeugt, daß Hr. Marigny seine Mühe wohl angewendet habe. Aber ich behaupte, daß er sich noch zwo besonderen Gattungen von Gelehrten dadurch verbindlich gemachet, den Theologen und den Mo ralisten. Der Theologe oder vielmehr der Christ ist durch diese Arabische Historie nun in den Stand gesetzt, die Ma homedanische Betrügerey mit ihren eigenen Waffen anzu greifen. Wenn, was soll ich sagen, ein leichtsinniger oder äusserst boshafter Boulainvilliers durch seine Erdichtun gen den Mahomed einem unvorsichtigen Leser unvermerkt als einen grossen, weisen und tugendhaften Mann vereh rungswürdig macht, und demselben die Lügen dieses Betrü gers sehr schmeichelhaft abmahlet: So lehret uns hinge gen Marigny durch eine glaubwürdige Erzählung, daß es ganz natürlich zugegangen sey, wenn ein kriegerisches und mächtiges Volk eine dem verderbten Herzen an sich schon höchst angenehme Lehre in dem sich selbst schwächenden Orient ausgebreitet und beschützet habe. Es ist zwar be trübt, daß wir so mühsam alle Beweise zur Vertheidigung der Christlichen Religion selbst gegen Christen aufsuchen müssen. Indessen ist es auch auf der andern Seite was höchstangenehmes, daß alles der Ehre des Heylandes der Welt dienen, und dieselbe am Ende verherrlichen muß. Es wird nur ein Herz dazu erfordert, das mit einem wahren Eyfer seinem triumphirenden und verherrlichten Könige ergeben ist, so kann man auch in den weltlichen Wissenschaf ten etwas antreffen, womit man ein Opfer der Dankbar keit ins Heiligthum bringen kann.
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Der Moraliste aber wird durch diese ausführliche und natürliche Erzählungen seine Anmerkungen sehr berei chern. Hr. Marigny hat Kleinigkeiten und läppische Din ge weggelassen. Er hat aber auch dabey den gemeinen Feh ler derjenigen, die uns alte Geschichten erzählen, glück lich vermieden, als welche uns oft nichts mehr, als die Geburt, die Kriege und den Tod ihrer Helden beschreiben. Er hingegen ahmet einem Plutarch und Suetonius nach. Er läst die Califen nicht blos in der Wiege, auf dem Thron, dem Schlachtfelde und dem Tod bette erscheinen: Nein, er beschreibt sie uns als Menschen nach ihrem sittlichen Character. Dieß macht seine Erzäh lungen lehrreich und ergötzend. Wir sehen daraus, wie un gefähr ein Mensch denket und handelt, der sich selbst ge lassen ist, der nichts als die Naturgaben und eine ganz an dere, als Europäische Erziehung gehabt hat, und unter einer ganz andern Himmelsgegend gebohren ist. Wir sehen, daß die Vernunft und das <Recht>Necht der Natur allgemein ist: wir bewundern das Natürliche und Einfältige in der Lebensart der Orientaler, und wir legen den lächerlichen Stolz ab, mit welchem wir alle Nationen der Welt, wie ehemals die Griechen, für Barbaren halten. Wie sehr werden wir nicht entzückt, wenn wir das milde, das sanfte Wesen der Mensch heit an einem Prinzen entdecken, den wir uns nicht viel an ders, als den Tatar=Cham vorstellen. Aber wenn wir auch die vielen Empörungen, die öftern Absetzungen und Regi mentsveränderungen unter den Sarazenen lesen, und wenn wir dagegen die ruhige und weise Regierung, die in Europa herrschet, gegen diese Arabische Geschichte halten, so ist es unsere Pflicht, die unendlichen Wohlthaten, welche uns GOtt durch die Christliche Religion erzeiget, mit der vollkommensten Dankbarkeit zu erkennen, und den HErrn zu bitten, daß er einmal dieses sanfte Licht auch in den Mor genländern aufgehen lassen wolle. Geschrieben H. den 23sten Apr. 1754.
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Hassan.(Hassan. Hegire 40. n. C. G. 660) Fünfter Calif.

[] Hassan, der älteste Sohn des verstorbe [] (Ali will sich keinen Nachfolger ernennen.) nen Califen, ward einmüthig an die Stelle seines Vaters erwählt. Man hatte den Ali, sobald man gesehen, daß seine Wunde tödtlich wäre, bewegen wol len, seinen Nachfolger selbst zu ernennen; doch ausser den Ursachen, die dieser Calif haben konnte, niemanden eine Würde aufzutragen, deren Besitz ihm selbst so viel Widerwärtigkei ten verursacht hatte, hielt ihn besonders das Exempel des Propheten davon ab. Dieses stellte er seinen Freunden vor, als sie ihm an lagen, auf einen Nachfolger zu denken. Er sagte, Mahomet habe niemanden zu seinem Nachfolger ernennen wollen; er wolle also ein gleiches thun, und dem Volke die Wahl eines
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(Hassan. Hegire 40. n. C G. 661) Beherrschers überlassen, unter dessen Regie rung es ruhiger lebe, als unter seiner. [] (Hassan wird zum Califen er klärt.) [] Sobald er tod war, erklärten sich die Stim men für den Hassan; und das Volk schwur ihm den Eid der Treue, nachdem er ihnen vorher selbst zugeschworen hatte, sich dem Koran und den Ueberlieferungen gemäß zu verhalten. So schmeichelhaft es ihm seyn mußte, den Thron mit Einwilligung des Volks zu besteigen; so erkannte er doch gar bald, daß er sehr wenig geschickt sey, sich der Last einer Krone nach Würden zu unterziehen. [] (Charakter des Hassan.) [] Seine sanftmüthige und stille Gemüthsart flößte ihm einen Abscheu gegen allen lärmen den Tumult, und besonders gegen das Ge räusche der Waffen ein. Er hatte mehr die Frömmigkeit, als die Tapferkeit seines Vaters geerbt; in dem Winkel einer ruhigen Moschee spielte er seine Person ganz gut; wenn er aber an der Spitze der Trupen stand, so stand er nichts weniger, als an seiner rechten Stelle. [] (Er zieht wider den Moavias aus.) [] Gleichwohl ward er gar bald genöthiget, die Waffen zu ergreifen, und dem Anliegen seiner neuen Unterthanen, welche die Fortsez zung des Krieges wider den Moavias recht eifrig verlangten, ein Genüge zu thun. Er zog also an der Spitze einer starken Armee nach Syrien, von welcher er zwölf tausend Mann unter Anführung des Kais voraus schickte.
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[] Moavias hatte sich gleichfals ins Feld ge(Hassan. Hegire 40. n. C. G. 661) macht, und ging dem Califen entgegen. Kais mit seinen zwölf tausend Mann hielt ihn in seinem Zuge auf, und wehrte den Feind mit vieler Geschicklichkeit ab, ohne eine Schlacht zu wagen, weil er in Vergleichung mit dem Moavias allzuschwach war. Es fielen also nichts als ziemlich hitzige Scharmützel vor; übrigens hielt sich Kais gut verschanzt, und erwartete die Hauptarmee. [] Hassan langte bald darauf an, und man [] (Es entste het ein Auf stand unter seiner Ar mee.) machte sich fertig, dem Feind unter die Au gen zu treten. Als man damit beschäftiget war, ward einer von den Hausgenossen des Califen umgebracht; dieser wollte die Schul digen bestrafen; die Trupen fingen darüber an zu murren, und endlich nahmen auch ih re Anführer an diesem Zanke Theil. Man fing auf beyden Theilen an, in Gegenwart des Califen hitzig zu werden, und endlich schlug der Streit in ein so heftiges Lärmen aus, daß man dem Hassan thätliche Beleidigungen er wies: man schmiß ihn sogar von dem Stuh le, auf welchen er sich gesetzt hatte, und er mußte es noch für ein Glück halten, daß er mit einigen Wunden davon kam. [] Weil sich dieser Zufall nicht weit von Ma [] (Der Calif flüchtet nach Ma dain.) dain zutrug, wohin der Calif seine Trupen geführt hatte, so machte er sich die Nähe die ses Platzes zu Nutze, um sich in demselben
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(Hassan. Hegire 41. n. C. G. 661) zu verschliessen, und gegen die Wuth der Auf rührer in Sicherheit zu setzen. Allein beynahe hätte er in diesem Zufluchtsorte sein Verder ben gefunden, weil ein Vetter des Befehl habers daselbst den niederträchtigen Rath gab, ihn aus dem Wege zu räumen; doch zu al lem Glücke wollte der Befehlshaber einem so schändlichen Anschlage kein Gehör geben. Der Vetter that sein möglichstes, ihn dahin zu bewegen, daß er wenigstens den Califen ge fangen nehmen, und in die Hände des Moa vias liefern möge. Doch auch in dieses Be gehren wollte der Befehlshaber nicht willigen, indem er die heiligen Gesetze der Gastfreyheit, die Gesetze der Ehre, und endlich die Abscheu lichkeit, einen Enkel des Propheten auf sol che Art zu verrathen, zur Ursache anführte. Er erklärte also, daß der Calif bey ihm si cher seyn, und sogar alles mögliche Vergnü gen finden solle. [] (Hassan setzt sich vor, das Ca lifat nieder zulegen.) [] Hassan seines Theils war in der grausam sten Unruhe. Der Uebermuth seiner Tru pen; die Verachtung, welche man künftig ge gen ihn haben würde, wenn er ihnen diese Beschimpfung ungestraft hingehen liesse; die Gefahr, welcher er sich aussetzte, wenn er die Schuldigen zur Strafe ziehen wollte; und endlich der Widerstand, welchen er bey einem Kriege verspürte, dessen Anfang von so übler Vorbedeutung war; dieses alles zusammen brachte ihn endlich auf den Entschluß, einer
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Würde zu entsagen, nach welcher er niemals(Hassan. Hegire 41. n. C. G. 661) einigen Ehrgeitz gehabt hatte, und zu deren Vertheidigung er nicht willens war, seine Ruhe aufzuopfern, oder wohl gar sein Leben dem Glücke der Waffen auszustellen. [] Hassein, sein Bruder, welchem er diesen Vorsatz entdeckte, that sein möglichstes ihn davon abzubringen: doch umsonst stellte er ihm den Schimpf vor, welchen seine Abdan kung seiner ganzen Familie, und besonders dem Andenken des Ali zuziehen würde; er blieb standhaft bey seinem Entschlusse, weil er zuvor sahe, daß er sich durch die freywilli ge Niederlegung seiner Würde den Moavias zum Freunde machen würde, so daß er ihn dieser Aufopfrung wegen schadlos halten, und ihm in einer ruhigen Einsamkeit ein ungestör tes Glück, wie es sich für einen Mann ohne Muth und Ehrgeitz schicke, verschaffen müsse. [] Moavias, welcher überall, und so gar an dem Hofe des Califen seine Kundschafter hatte, be kam von dem Vorsatze des Hassan gar bald Nachricht. Er stellte daher an seine Heerfüh rer Befehl, nichts gegen die Armee des Cali fen zu unternehmen, sondern sich bloß in gu ter Bereitschaft zu halten. Während der Zeit aber bezeugten sich seine heimlichen Freunde, die er um den Hassan hatte, desto würksamer, und wußten alles so geschickt einzurichten, daß sie, ohne dem geringsten Verdachte eines Verständ nisses, ihren Zweck glücklich erreichten.
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(Hassan. Hegire 41. n. C. G. 661) [] Nachdem also Hassan den festesten Schluß gefaßt hatte, so schrieb er an den Moavias, und meldete ihm, daß er die gläubigen Muselmänner [] (Bedingun gen, unter welchen Hassan dem Moa vias das Ca lifat abtre ten will.) nicht länger dem grausamen Unglücke eines in nerlichen Krieges, bloß seiner Erwählung we gen, ausgesetzt sehen könne; er wolle also dem Kriege ein Ende machen, und seinen eignen Vor theil bey Seite setzen. Er sey entschlossen, dem Throne zu entsagen, und damit die Wahl eines neuen Nebenbuhlers nicht Gelegenheit zur Fortsetzung des Krieges geben möge, so wolle er ihm die Krone abtreten. Er fügte hinzu, da ein so beträchtliches Geschenke von seiner Seite auch einige Erkenntlichkeit verdiene, so verlange er, daß man ihm drey Bedingungen eingehen solle. Erstlich solle man ihm die Freyheit lassen, mit dem, was in dem öffentlichen Schaz ze zu Cuffah sey, zu machen, was er wolle. Zwey tens solle man ihm ein Stück Landes im Persi en zum Eigenthume geben. Drittens solle sich Moavias verbindlich machen, das Anden ken des Ali zu schonen, und sich aller Beschim pfungen enthalten. [] Moavias, welcher eine ihm so vortheilhafte Abdankung nicht theuer genug erkaufen konnte, nahm die Bedingungen an; und sogleich ward eine Schrifft aufgesetzt, welche von beyden Theilen unterzeichnet wurde. Moavias be gab sich hierauf zu dem Hassan, und beyde gingen nach Cuffah, wo die Niederlegung vor sich gehen sollte.
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[] Nachdem die Muselmänner zu einer allge(Hassan. Hegire 41. n. C. G. 661) meinen Versammlung in der grossen Moschee zusammengekommen waren, stieg Hassan auf den Rednerstuhl, und dankte zuerst GOtt, [] (Hassan legt das Ca lifat nieder.) welcher ihm die Mittel eingegeben habe, den Frieden unter den Gläubigen wieder her zustellen; hernach aber drückte er sich folgen der Maaßen aus: Moavias, ihr Mu selmänner, machte mir das Califat strei tig, zu welchem ich doch mehr Recht hatte, als er. Ich habe ihm aber lieber mit meinem Schaden nachgeben, als die Vergiessung eures Blutes ansehen wollen. Doch alles das wird nur eine gewisse Zeit dauren, denn alle Dinge in der Welt sind der Veränderung un terworfen. [] Diese letztern Worte hätten bey nahe einen Zank erregt. Movias fiel dem Califen troz zig in die Rede, und stellte ihm sehr lebhaft vor, wie unvorsichtig es gehandelt sey, dem Volke zu verstehen zu geben, daß diese gegen wärtige Veränderung künftig wohl neue Un ruhen verursachen könne. [] Hassan ließ diese Vorwürfe hingehen, und fuhr in seiner Rede ganz ruhig fort, und schlos sie endlich damit, daß er dem Volke sagte; drey Dinge könne er, da er jetzt Ab schied von ihnen nehme, nicht vergessen. Erstlich die grausame Mißhandlung, die man
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(Hassan. Hegire 41. n. C. G. 661) seinem Vater erwiesen. Zweytens die Be schimpfungen, die man ihm selbst an der Spitze der Trupen angethan; und endlich die Ver wegenheit, seine Güter zu plündern, da er eben im Begriff gewesen, den Frieden wieder herzu stellen, damit ein jeder sein Eigenthum ruhig besitzen könne. [] (Die Cuf fahnen wollen dem Hassan den öffentlichen Schatz nicht abfol gen lassen.) [] Als diese Rede zu Ende war, machte sich Hassan zu seiner Abreise fertig, vorher aber wollte er, daß man ihm, den eingegangenen Bedingungen gemäß, alles, was in dem öffent lichen Schatz befindlich, ausliefern solle. Al lein die Cuffahnen sagten ihm rund heraus, daß sie ihm in diesem Stücke keine Gnüge thun könnten; daß dieser Schatz ihnen zugehöre, und daß Moavias nicht darüber zu sagen habe; daß sie also durchaus nicht zugeben würden, daß man ihn wegführe, oder sich nur den geringsten Theil daraus zueigne. [] (Moavias hält ihn schadlos.) [] Diese Wiedersetzung der Cuffahnen war dem Hassan sehr empfindlich. Auch Moavias hat te Ursache, mißvergnügt darüber zu seyn. Un terdessen hielt er es nicht für dienlich, im gerin sten darauf zu dringen. Er war zufrieden, daß er den Zweck erlangt hatte, nach welchem er so lange Zeit gestrebt, und seine einzige Be schäftigung ging dahin, daß er sein Ansehen recht feste gründen möge. Uebrigens ver sprach er dem Hassan, ihn deswegen, was man ihm jetzo versagt, reichlich schadlos zu halten;
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er wieß ihm auch in der That drey Millionen(Hassan. Hegire 41. n. C. G. 661) jährlicher Einkünfte an, und fügte hernach noch von Zeit zu Zeit sehr ansehnliche Geschenke hinzu. [] Hassan reisete mit seinem Bruder Hassein [] (Hassan und sein Bruder be geben sich nach Me dina.) von Cuffah ab, und beyde schlugen ihre Woh nung zu Medina auf, wo sie ein stilles Leben führten, ohne im geringsten an den Unruhen des Staats Theil nehmen zu wollen. Unter dessen versuchte Moavias sie aus dieser Unthä tigkeit zu reissen, als die Charegiten wieder zu den Waffen griffen. Er schrieb an den Hassan, und bat ihn, wieder sie auszuziehen, um sie wenigstens so lange zurücke zu halten, bis er sich selbst ihnen entgegen stellen könne. Doch die Antwort des Hassan zeigte ihm deutlich, daß er sich an den unrechten gewendet habe. Dieser Prinz nehmlich schrieb ihm zurück, daß er allen öffentlichen Geschäften ewig entsagt habe, um den Krieg zu vermeiden; denn wenn er jemals Lust dazu gehabt hätte, so würde er ihn am aller ersten wider ihn selbst geführt haben. [] Auf diese Art brachte er sieben bis acht Jahr, [] (Hassan stirbt.) die er ungefehr noch lebte, in Medina zu. Er starb in dem 49ten Jahre der Hegire, nachdem er nicht älter als sieben und vierzig Jahr geworden war. Man will versichern, Moavias habe sein Ende beschleunigen laßen, indem er seine Frau ihn zu vergiften verlei tet. Er nahm, sagt man, zu diesem Verbre
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(Hassan. Hegire 41. n. C. G. 661) chen deswegen seine Zuflucht, damit er von einer Bedingung loskommen möge, welche er dem Hassan hätte eingehen müssen. Moavias nehmlich hatte sich anheischig gemacht, bey Lebzeiten des Hassan sich keinen Nachfolger zu ernennen, sondern die Wahl einer gewissen Anzahl Männer zu überlassen, welche Hassan dazu aussuchen würde. [] (Moavias verleitet seine Frau ihn zu ver giften.) [] Als Moavias sein Ansehen feste genug ge gründet hatte, kam er auf den Entschluß, das Califat auf seine Familie zu bringen, und sich deswegen gleich Anfangs seinen Sohn Jesid zum Nachfolger zu ernennen. Damit er nun nicht den Vorwürfen des Hassan, wegen Ue bertretung der eingegangenen Bedingungen, möge ausgestellt seyn; so faßte er endlich den Anschlag sich seiner zu entladen. Hierinn um desto glücklicher zu seyn, zog er die Frau des Hassan mit in seine Absicht, und wußte sie so wohl zu gewinnen, daß sie ihren Mann zu ver giften versprach, wenn ihr Moavias versprechen wollte, sie hernach zu heyrathen. [] Als sie das Verbrechen begangen hatte, so lag sie dem Moavias an, sein Wort zu hal ten; doch dieser lachte sie aus, und alles, was er für sie that, war dieses, daß er ihr eine sehr beträchtliche Summe Geldes auszahlen lies. [] Als Hassan dem Tode nahe war, drang sein Bruder, welcher von der Vergiftung et was gemerkt hatte, mit aller Gewalt in ihn,
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ihm denjenigen zu entdecken, welchen er die(Hassan. Hegire 41. n. C. G. 661) ser Schandthat wegen in Verdacht habe, da mit er ihn sogleich an demselben rächen könne. Doch der Sterbende antwortete ihm ganz ge lassen: Mein lieber Bruder, das ganze Leben des Menschen bestehet aus Ta gen, welche schnell verschwinden: laß den Schuldigen in Ruhe; ich und er, wir werden schon zusammen vor GOtt er scheinen. [] Er hatte in seinem Testamente verlangt, ne [] (Aieshe will den Hassan ne ben den Mahomet nicht be graben las sen.) ben seinen Großvater, den Mahomet, begra ben zu werden. Aieshe hatte anfangs darein gewilliget; sie änderte sich aber gar bald, als sie sahe, daß sich die Familie der Ommiaden darwider setze. Sie erklärte daher, daß das Haus, wo Mahomet begraben sey, ihr eigen thümlich zugehöre, und daß sie durchaus nie manden neben den Propheten wolle legen las sen. Sein Körper also ward auf den öffent lichen Kirchhof gebracht. [] Die kurze Dauer seiner Regierung, wel che sich ohngefehr auf sechs Monate belief, ist Ursache gewesen, daß ihn einige Geschicht schreiber nicht einmal unter die Zahl der Ca lifen haben setzen wollen. Ich aber bin dem Ebn - Athir und einigen andern gefolgt, die es nicht für billig gehalten haben, diesen Für sten zu übergehen, weil er doch allerdings die oberste Gewalt geführt, und die kurze Zeit sei
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(Hassan. Hegire 41. n. C. G. 661) nes Regiments nicht machen kann, daß er deswegen nicht eben sowohl ein Calif gewesen sey, als die, welche den Thron verschiedene Jahre besessen. [] Hassan ließ verschiedene Kinder. Der be rühmteste unter seinen Söhnen war Abdallah, dessen Nachkommenschaft in dem Muselmän nischen Reiche sehr grosse Unruhen angerich tet hat. [] Was den Hassein anbelangt, so blieb sein Geschlecht der vornehmste Zweig der Aliden, weil es sich in dem Besitze der Würde des Imams erhielt, welche eine von den vornehm sten in der Religion der Muselmänner ist.

(Moavias.) Moavias.

Sechster Calif.

[] (Anfang der Dyna stie der Om miaden.) [] Sobald Hassan des Califat feyerlich nieder gelegt hatte, trat Moavias in den Besitz dieser Würde, und machte sie in seiner Familie erblich, anstatt, daß sie vorher von der Wahl abgehangen hatte. Mit ihm fängt sich die Dy nastie der Ommiaden an, welche in der Ge schichte der Araber so berühmt ist. Sie hat ih ren Namen von dem Ommiah, dem Uhrälterva ter des Moavias. [] Der Vater dieses Califen hieß Abu- Sofian,
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und war einer von den Häuptern des Stammes(Moavias. Hegire 41. n. C. G. 661) der Koreischiten, aus welchem Stamme auch Mahomet war. Als dieser Prophet zu Aus breitung seiner Lehre die Waffen ergrif, wollten die Koreischiten von dieser Religion durchaus nichts hören, sondern brachten auch ihrer Seits ein Heer auf, welches sie dem Abu=Sofian anzu führen gaben. [] Dieser Feldherr that sich bey verschiedenen Gelegenheiten hervor; doch mit aller Mühe, die er sich gab, konnte er es doch nicht verhin dern, daß Mahomet nicht immer die Oberhand bekommen hätte. Endlich gab er an dem Ta ge des berühmten Sieges bey Beder dem Glücke dieses Propheten nach, und bekannte sich öffentlich zu der Muselmännischen Religion. [] Das Beyspiel eines so ansehnlichen Prosely ten entschied das Schicksal der Koreischiten, so daß sie fast alle Anhänger des Mahomets wur den. Man sagt, dieser neue Muselmann habe sich, bey Ablegung seines Glaubensbekenntnis ses, drey Dinge von dem Propheten ausgebe ten. Erstlich, daß er die Trupen anführen dürfe, die man wieder die Ungläubigen aus schicken würde, damit er seine eigne Halsstar rigkeit, mit welcher er so lange in dem Unglauben verharret sey, gut machen möge. Hierauf ersuchte er den Propheten, den Moa vias seinen Sohn zum Schreiber anzunehmen; und endlich bat er den Mahomet, eine von sei
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(Moavias. Hegire 41. n. C. G. 661) nen Töchtern, Namens Gasah, zu heyrathen. Dieser letzte Vorschlag ward verworfen; in die zwey erstern aber willigte der Prophet. Abu- Sofian bekam also die Führung der Trupen, und Moavias trat in die Dienste des Maho mets, bey welchem er lange Zeit als einer von seinen Schreibern arbeitete. [] Nach seinem Tode setzte sich Moavias bey den Nachfolgern des Mahomet in solches Ansehen, daß er zum Statthalter in Syrien ernennt ward, sobald man diese Provinz erobert hatte. Hier nun wußte er seine Person sowohl zu spielen, daß es ihm endlich gelang, sich wieder alle Re geln zum Califen ausrufen zu lassen. Vermö ge seines grossen Muths und seiner Geschick lichkeit überstieg er alle Hindernisse, die man ihm zur Gelangung zum Throne in Weg legte; und, aller Bemühungen seiner Feinde ungeachtet, ge lang es ihm endlich, alles das, was an seiner Wahl mangelhaft gewesen war, zu verbessern. [] (Die Cha regiten er regen einen neuen Auf stand.) [] Der Anfang seiner Regierung ward durch den Aufstand der Charegiten, welche, wie ich schon gesagt habe, geschworne Feinde aller Un terthänigkeit waren, sehr gewaltsam beunruhi get. Man hatte sie bey ihrem Aufkommen all zusehr vernachläßiget. Den Ali war es zwar geglückt, sie zu schlagen; allein gänzlich unter drücken hatte er sie nicht gekonnt. Die folgen de Regierung, welche sowohl wegen der kurzen Dauer, als wegen der Schwachheit desjenigen,
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welcher den Thron besaß, nicht sehr zu fürchten(Moavias. Hegire 42. n. C. G. 662.) war, entflammte ihren Muth von neuem, und machte ihnen frische Lust zu weitern Unterneh mungen. [] Moavias, welchen die Fehler seiner Vorgän ger klug gemacht hatten, ergrif so gleich die nö thigen Maaßregeln, eine Parthey zu unter drücken, welche seinem Ansehen so sehr entgegen war. Er ließ also die Trupen, die er in Sy rien zusammen gebracht hatte, wieder sie aufbre chen. Doch das Glück wollte mit seiner Hof nung nicht übereinstimmen. Die Syrer wur den bey verschiedenen Gelegenheiten geschlagen, und die siegenden Charegiten wurden dadurch immer trotziger, und zugleich immer furchtbarer. [] Der Calif nahm nunmehr seine Zuflucht zu den Einwohnern von Cuffah, und zu den Völ kern in Irak, und ersuchte sie an diesem Streite Antheil zu nehmen. Er stellte ihnen vor, daß sie alles verbinde, die Waffen wieder Ruchlose zu ergreifen, welche weder Religion noch Ge setz kennten; die also von nichts zurückgehalten würden, sie ohne dem geringsten Vorwand ein mal mit Krieg zu überziehen, und sich ihrer Län der zu bemächtigen. [] Diese Vorstellungen thaten ihre Wirkung. Die Cuffahner und die aus Irak griffen zu den Waffen, und zogen in Schlachtordnung wider die Charegiten aus. Diese sahen nunmehr wohl, daß sie eine starke Parthey wider sich haben
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(Moavias. Hegire 42. n. C. G. 662) würden, wenn die Syrischen Trupen mit die sen verstärkt würden, und wagten also anfangs einige Versuche, sie bey der Neutralität zu er halten. Weil sie unter andern wußten, daß die wenigsten von ihnen den Moavias blos deswegen erkannt hätten, damit das Feuer der bürgerlichen Kriege einmal gelöscht würde, übrigens aber die Art, mit welcher Moavias auf den Thron gelangt war, durchaus nicht bil ligten; so schickten sie einen Abgeordneten an sie, welcher ihnen mit einer ziemlich feinen Wen dung zu verstehen gab, daß sie sehr wohl thun würden, wenn sie sich in den Krieg, den sie den Moavias angekündiget, nicht mengten. [] Nach verschiedenen Unterhandlungen stellte ihnen endlich der Charegitische Abgeordnete vor, daß sie bey ihren Gesinnungen nichts zu fürchten hätten, wenn sie an diesem Kriege kei nen Theil nähmen. Denn, sagte er, den Moavias kann man als unsern gemein schaftlichen Feind betrachten. Wenn er uns unterliegen muß, so seyd ihr eu rem Tyrannen los: Wenn wir ihm aber unterliegen müssen, so seyd ihr von aller Unruhe befreyt, die ihr unsertwegen et wa haben könnt. [] (Die Cha regiten werden ge schlagen.) [] Die aus Irak aber wollten den Absichten der Charegiten durchaus nicht beytreten; sondern glaubten vielmehr, es sey von der äußersten Wichtigkeit, daß alle und jede auf die Ausrot
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tung einer Seckte bedacht seyn müßten, welche(Moavias. Hegire 43. n. C. G. 663) auf eine strafbare Unabhängigkeit, die den Ge setzen, der Religion, und der Gesellschaft zuwi der sey, ziele. Sie griffen sie also in voller Wuth an, und nach verschiedenen Treffen, wo die Tapferkeit sich auf beyden Seiten gleich groß zeigte, fiel endlich eine sehr blutige Schlacht vor, welche das Schicksal der Charegiten ent schied. Die von Irak behielten die Oberhand, und die gegenseitige Parthey ward bey nahe ganz und gar ausgerottet. [] Die Vertilgung dieser Ketzer stellte auf eini [] (Tod des Amru-ben al - As.) ge Zeit die Ruhe in Arabien wieder her. We nigstens findet man in den Geschichten nicht, daß seit dieser Schlacht bis zu Ende des drey und vierzigsten Jahres der Hegire etwas beson ders vorgefallen sey. Dieses Jahr ist durch nichts merkwürdig, als durch den Tod des be rühmten Amru - ben - al - As, welchem sein Muth und seine Einsicht in das Kriegswesen so viel Ehre gemacht. Er war einer von den ersten Helden der Muselmänner, und Maho met sagte von ihm, daß er keinen kenne, welcher mit mehr Aufrichtigkeit der Religion zugethan sey, als er. [] Die Geschwindigkeit seines Geistes, sein Muth, seine Fähigkeit, seine Thaten in Syrien und Aegypten, die Widerwärtigkeiten selbst, die er ausstehen müssen; alles dieses hat ihm bey den Geschichtschreibern die grösten Lobeser
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(Moavias. Hegire 43. n. C. G. 663) hebungen erworben. Er starb in seiner Statt halterschaft Aegypten, die ihm Moavias mit al len Einkünften dieser reichen Provinz, unter der Bedingung, die zur Vertheidigung derselben nöthigen Trupen auf seine Unkosten zu erhalten, abgetreten hatte. [] Ausser den Eigenschaften, die den Amru zu einem grossen Generale machten, hatte er auch noch andere, die ihn bey seiner Nation in sehr grosses Ansehen setzten. Er besaß die Bered samkeit und Dichtkunst in einem sehr hohen Grade. Ehe er ein Muselmann ward, übte er sein Talent wieder den Mahomet, und machte ausserordentlich spöttische Verse auf ihn. Er bezeugte deswegen hernach eine sehr lebhafte Reue, und hielt sogar noch wenig Augenblicke vor seinem Tode eine nachdrückliche Rede an seine Kinder, indem er es nochmals vor ein wah res Unglück erkannte, daß er wieder den Prophe ten geschrieben habe. [] Es war ungefehr um eben die Zeit, als sich Moavias entschloß, einen verdienten Musel mann, Namens Ziad, welcher sich allezeit un ter den Arabern durch seinen Geist, seine Ga ben und seine kriegrische Thaten hervorgethan hatte, für seinen Bruder zu erkennen. Er war zwar eben sowohl, als Moavias, ein Sohn des Abu - Sofian; allein er war niemals dafür er kannt worden, weil er die Frucht eines unrecht mäßigen Umganges war. Aus dieser Ursache
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hatte man ihm auch den Namen Ziad - ben - Abi(Moavias. Hegire 43. n. C. G. 663) hi, ein Sohn des Unbekannten, gegeben. [] Er gab bey guter Zeit sehr glückliche Vorbe deutungen von dem, was er einmal werden kön ne. Der tapfre Amru, welcher ein Kenner derer war, bemerkte ihn einsmals in einer Ver sammlung der Freunde des Propheten, wo er ihn mit besondrer Stärke und Gründlichkeit re den hörte, und von diesem jungen Menschen so eingenommen ward, daß er von ihm sagte, wenn er nicht den Fehler der Geburt hätte, so verdiente er, einmal das Haupt der Araber zu seyn. [] Die Califen, unter welchen er diente, liessen seinen Verdiensten Gerechtigkeit wiederfahren. Besonders that er sich durch die Aufführung hervor, die er in Persien beobachtete, als ihm Ali in dieser weitläuftigen Provinz eine Ver richtung auftrug. Er erlangte auch daselbst gar bald durch seine seltnen Gaben, zu Verwal tung öffentlicher Angelegenheiten, ein sehr grosses Ansehen. [] Als Hassan des Califat aufgab, wollte Ziad [] (Er tritt der Par they der A liden bey.) den Moavias durchaus nicht erkennen, ob er gleich sein natürlicher Bruder war. Die Ehr furcht, die er dem Gedächtnisse des Ali, seines Wohlthäters, schuldig zu seyn glaubte, trieb ihn, sich von dem neuen Califen zu entfernen, und der Parthey der Aliden beyzutreten. [] Moavias, welcher die Verdienste des Ziad [] (Moavias zieht ihn an sich.)
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(Moavias. Hegire 43. n. C. G. 663) einsah, sahe mit Schmerzen, wie nachtheilig ein so ansehnlicher Gegner seiner Parthey seyn kön ne. Er unternahm es also ihn zu gewinnen, und theilte seinen Anschlag dem Mogairah ebn: Said, Befehlshaber zu Cuffah, mit, wel cher sich willig erbot, ihm zu dienen, und den Ziad, wo möglich, von der Parthey der Aliden abzuziehen. Mogairah konnte nun so viel eher hierinne glücklich seyn, je genauer die Freund schaft war, die er mit dem Ziad erhielt, seit dem ihm dieser in einer sehr wichtigen Sache einen grossen Dienst geleistet hatte. (*) [] Mogairah wußte also bey dem Ziad seine Sa chen so geschickt anzubringen, und that ihm übri gens von Seiten des Califen so vortheilhafte Vorschläge, daß erihn endlich gewann. Moa vias empfing ihn an seinem Hofe mit allen mög lichen Merkmalen der Achtung, und versicherte ihm, daß er ihn in kurzem in den Stand setzen wolle, die obersten Stellen des Staats zu ver walten, ohne zu besorgen, daß man ihm länger die Vorwürfe werde machen können, die man ihm zeither gemacht habe. [] (Er er kennt ihn für seinen Bruder.) [] Er ließ auch in der That alle nöthige Erkun 2
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digungen einziehen, und nach vielen vorherge(Moavias. Hegire 43. n. C. G. 663) gangnen Umständen ward endlich der Aus spruch gethan, daß Ziad in der That ein Sohn des Abu - Sofian. Der Calif ließ diesen Aus spruch in einer feyerlichen Versammlung kund thun, wo er öffentlich den Ziad für seinen leibli chen Bruder, und mit ihm aus gleich edeln Blute der Coreischiten ersprungen, folglich der Verwaltung der obersten Stellen des Staats fähig erklärte. Die Familie des Moavias war mit dieser Erkennung sehr übel zufrieden; denn da man den Ziad die Vorzüge der Ommiaden wollte geniessen lassen, so gab dieses zu verschied nen Untersuchungen Anlaß, welche der Ehre eines Mannes, wie Abu - Sofian gewesen war, dessen Andenken bey den Muselmännern die gröste Verehrung genoß, nachtheilig waren. [] Moavias ließ alle Reden, die man über die ses sein Betragen führte, so hingehen, und war blos darauf bedacht, wie er die Gaben des Ziad zum Nutzen des Staats und zur Beför derung seiner eignen Angelegenheiten anwen den wolle. [] Er gab ihm zum Anfange die Statthalter(Hegire 44. n. C. G. 664) schaft von Basrah, wohin er nothwendig einen auf das schleunigste schicken muste, welcher [] (Ziad wird Statthal ter von Bas rah.) gnugsames Ansehen habe, die daselbst seit eini ger Zeit herrschenden Unruhen beyzulegen. Abdallah - ebn - Amer war kurz vorher von der Statthalterschaft dieser Gegend abgesetzt wor
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(Moavias. Hegire 44. n. C. G. 664) den, weil ihm seine allzugroße Gelindigkeit nicht erlaubte, wieder die Räuber zu wüthen, welche das ganze Gebiete durchstreiften. Der Calif hatte den Hareth an seine Stelle geschickt, welcher dem Uebel einigermassen zu steuren such te; allein es war schon zu einer solchen Grösse angewachsen, daß er es unmöglich ganz ausrot ten konnte. Zuletzt also ward Ziad hingeschickt, als derjenige welcher am geschicktesten sey, die genaueste Policey daselbst wieder herzustellen. [] (Er zer streuet die Räuber, welche die Stadt und die umlie gende Ge gend unsi cher mach ten.) [] Sobald er in Basrah angelangt war, stellte er eine allgemeine Versammlung der Musel männer an, und erklärte sich, daß er die nöthi gen Mittel den öffentlichen Unordnungen abzu helfen kenne; ehe er sich aber derselben bediene, wolle er vorher allen denjenigen, die sich etwa schuldig fühlten, den Rath geben, die Stadt auf das schleunigste zu verlassen, weil kein einzi ger von denen, die ihm in die Hände fallen wür den, Gnade zu erwarten habe. [] Kurz darauf ließ er einen Befehl bekannt machen, vermöge dessen ein jeder gleich nach dem Abendgebete sich nach Hause begeben, und derjenige das Leben verlieren sollte, welchen man nach der bestimmten Stunde noch auf der Strassen finden würde. Er ordnete diesertwe gen eine Nachtwache an, deren Officier Macht hatte, einem jeden, den er des Nachts anträffe, über die Klinge springen zu lassen. [] Diese Anstalt konnte mit sehr viel Unbe
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quemlichkeiten verbunden seyn; weil es aber(Moavias. Hegire 44. n. C. G. 664) darauf ankam, einem grossen Uebel abzuhelfen, so bekümmerte man sich um die Folgen, die dar aus entstehen könnten, wenig, sondern fing sogleich die Vollziehung nach aller Strenge an. Dieses scharfe Beyspiel machte bey den andern einen so lebhaften Eindruck, daß sich niemand mehr unterstand des Nachts auszugehen. Un terdessen verlohren den Tag darauf doch noch fünf Personen das Leben; in der dritten Nacht aber war alles sehr ruhig, und es durfte kein einziger mehr getödtet werden. Diese gute Ord nung ward unvermerkt in dieser Stadt wieder hergestellt, und man hörte ferner nichts mehr weder von Diebstählen noch Räubereyen. [] Moavias ward über die Nachricht, daß Bas [] (Er stellt die Policey in verschie denen Pro vinzen wie der her.) rah nunmehr beruhiget sey, um so viel erfreu ter, je mehr er vorher befürchtet hatte, seine Feinde möchten sich die Unordnung, welche in dieser Stadt herrschte, zu Nutze machen, um entweder seine Regierung deswegen zu ver schreyen, oder gar die Urheber derselben in ihre Parthey zu ziehen. Die Strenge des Ziad, und die Klugheit, die er bey Abschaffung ver schiedner andrer in Basrah bemerkten Miß bräuche bezeugt hatte, bewogen den Califen, sich seiner zur Herstellung einer gleichen Ord nung auch in den Persischen Provinzen Sege stan und Chorassan, und den Arabischen Pro vinzen Bathria und Omar zu bedienen. Der Ca lif mußte auf die Geschicklichkeit des Ziad ein
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(Moavias. Hegire 45. n. C. G. 665) sehr grosses Vertrauen setzen, da er ihm auf einmal so viel Aemter gab, deren eines allein ei nem gemeinen Manne zu thun genug gemacht hätte. [] Ziad erfüllte die Hoffnung, die sich der Calif von ihm gemacht hatte, vollkommen; und ob er gleich von der Last der überhäuften Arbeit bey nahe zu Boden gedrückt ward; so zeigte er doch immer, daß er wohl auch noch zu wichti gern Stellen geschickt sey. Da er der strengste Beobachter der Ordnung und Gerechtigkeit war; so unterließ er nichts, was zum Glücke und zur Ruhe des Volks etwas beytragen konn te; zugleich aber regierte er auch auf eine durchaus despotische Art, und litt nicht das ge ringste, was seinem Ansehen den geringsten Ein trag hätte thun können. [] Ein Beyspiel hiervon gab er an der Person des Hakem - ben - Amre, eines Unteranführers. Ziad hatte ihn mit dem Befehl ausgeschickt, sich eines gewissen Platzes zu bemächtigen, in wel chem Unternehmen er auch sehr glücklich war, und ihm sogleich davon Nachricht gab. Ziad antwortete ihm den Augenblick, und befahl ihm, von der Beute alles gemüntzte Gold und Silber bey Seite zu legen, damit es in den öffentlichen Schatz könne gebracht werden. [] Da dieser Befehl demjenigen zuwider war, was in dem Corane wegen der Beute mit aus drücklichen Worten gesagt wird, daß nemlich
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nicht mehr, als der fünfte Theil davon, für die(Moavias. Hegire 45. n. C. G. 665) Schatzkammer aufbewahret werden solle; so hielt Hakem nicht für nöthig demselben zu gehor chen, sondern theilte den Raub, wie gewöhn lich, unter die Soldaten, und hob blos den fünf ten Theil davon auf. Sobald als Ziad davon Nachricht erhielt, ließ er diesen Officier in Ver wahrung nehmen, und würde ihn ohne Zweifel sehr hart bestraft haben, wenn nicht der Tod ihm den Gefangnen aus den Händen geris sen hätte. [] Der Standhaftigkeit des Ziads also war der Calif die Wiederherstellung seines Anse hens in verschiedenen Städten des Muselmän nischen Reichs schuldig. Eine gleiche Ver bindlichkeit hatte er auch gegen einige andre Statthalter, die für ihn in ihren Gebieten das ihrige gethan hatten. Es ist uns aber nicht möglich, eine umständliche Erzählung von dem, was sich während dieser Zeit zugetragen hat, zu geben, weil die Arabischen Geschichtschreiber uns nicht den geringsten Stof dazu geben. [] Eben so sparsam sind sie in ihren Nachrich ten, den Moavias selbst betreffend, gewesen; sie übergehen verschiedene Jahre seines Califats, ohne seines Namens auch nur zu gedenken; und wenn sie ja was von ihm sagen, so sind es(Hegire 46. n. C. G. 666) sehr entbehrliche Kleinigkeiten. In dem 46ten [] (Moavias läßt den Ab darshaman ums Leben bringen.) Jahre der Hegire, zum Exempel, weiß man nichts von ihm, als dieses, daß er auf den
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(Moavias. Hegire 46. n. C. G. 666) Sohn des berühmten Chaled, den Abdarsha man, einen Mann, der eben so tapfer und sei ner Religion eben so ergeben war, als sein Va ter, einen Verdacht warf, und deswegen einen christlichen Sclaven, welcher demselben ange hörte, erkaufte, daß er seinen Herrn, eben als er sich zu einem Unternehmen wider die Grie chen geschickt machte, mit Gifte hinrichten muß te. Der Sclave vollzog zwar das Verbrechen, allein den Lohn, welchen ihm der Calif dieses niederträchtigen Dienstes wegen gab, konnte er nicht lange geniessen. Der Sohn des Ab darshaman, welcher eben, wie sein Grosvater, Chaled hieß, machte sich von Medina auf nach Syrien, wohin der Mörder geflüchtet war, und brachte ihn mit seiner eigenen Hand um. Moavias ließ den Chaled sogleich in Verhaft nehmen, und gab ihm nicht eher seine Freyheit wieder, bis er eine gewisse Summe Geldes, zur Aussöhnung dieses an den Sclaven verüb ten Mordes, bezahlt hatte. [] (Die Ein wohner von Cuffah be leidigen den Ziad.) [] Kurz darauf ereignete sich ein andrer Zufall, welcher sehr viel Aufsehens machte, und zwar zu Cuffah. Ziad, welcher sich in diese Stadt be geben hatte, gieng an einem Versammlungs tage in die Moschee, und stieg auf die Canzel, um an das Volk eine Rede zu halten. Als nun die zum Gebet bestimmte Stunde kam, er hob sich ein Muselmann, Namens Heger, mit ten in der Versammlung, rief überlaut Sa lah, und fing das Gebet an, indem Ziad noch
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redete. Der Redner mußte also aufhören,(Moavias. Hegire 46. n. C. G. 666) weil die ganze Versammlung das angestimmte Gebet fortsetzte. [] Ziad verstellte sich dieser Beschimpfung we gen, stieg von der Canzel herab, und verrichte te mit der Gemeinde das Gebet. Sobald er aber aus der Moschee kam, schrieb er an den Moavias, und mahlte ihm den Heger als einen Mann ab, welcher keine Ehrfurcht weder für den Regenten, noch für die, denen er einen Theil seines Ansehens gegeben, hege. Er be schrieb ihm die Beschimpfung, die ihm dieser Muselmann erwiesen, auf das nachdrücklichste, und fügte hinzu, daß, ohne Ergreifung der schleunigsten Maaßregeln, die Parthey der Ali den zu Cuffah gar bald die Oberhand bekommen würde, und daß dieser Heger allein einen Auf stand zu erregen fähig sey. [] In Erwartung der Antwort des Califen, begab sich Ziad nach Basrah, und ließ einen von seinen Unteranführern in Cuffah, in sei ne Abwesenheit auf das Betragen der Cuffah ner Acht zu haben. Sobald er die Antwort des Moavias erhalten hatte, kehrte er wie der dahin zurück, und erfuhr bey seiner An kunft, daß sein Verweser von einigen Cuffah ner auf das schimpflichste sey mißgehandelt worden, indem sie ihm bey Verrichtung des Gebets Staub in die Augen geworfen. [] Ziad, welcher von dem Califen Befehl er
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(Moavias. Hegire 46. n. C. G. 666) halten hatte, die Schuldigen in Verhaft neh men zu lassen, stellte seine Versammlung an, und hielt, nachdem er auf die Canzel gestie gen, eine sehr nachdrückliche Rede wider die Aufrührer. Er sagte, daß man lange genug gethan, als ob man ihre Unverschämtheiten und ihre Verachtung der obersten Gewalt, wider die sie sich alle Tage, durch Beschim pfung der Bedienten des Califen, aufs neue versündigten, nicht wahrnähme; daß es aber endlich einmal Zeit sey, die Rebellen zu stra fen, und daß er deswegen von dem Haupte der Gläubigen, dem Moavias, ausdrückliche Befehle habe. [] Heger, welcher ein eifriger Anhänger der Aliden war, konnte es nicht leiden, daß man dem Moavias den Titel, Haupt der Gläu bigen, beylegte; und fing also an, überlaut zu schreyen, Ziad sey ein Lügner; er warf ihm sogar Staub ins Gesichte, und verfluchte ihn, den Moavias, und alle seine Anhänger. [] Ziad konnte so ziemlich an sich halten, daß er nicht gleich den Augenblick seinen Zorn aus brechen ließ; er verrichtete sogar das Gebet, und begab sich darauf ganz ruhig in das Schloß, welches in der Stadt war. Den Tag darauf schickte er seine Wache aus, den Heger in Verhaft zu nehmen; doch dieser hat te sich auf diesen Zufall schon gefaßt gemacht, und eine grosse Anzahl Freunde zu Hülfe ge
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rufen, welche der Wache des Ziad, als sie(Moavias. Hegire 46. n. C. G. 666) ankam, sehr heftigen Widerstand thaten. Gleichwohl konnte Heger mit seinem Anhan ge dieser wohlbewafneten Leuten, welche den Rebellen hart zu Leibe gingen, nicht lange die Spitze bieten. Der Tod verschiedner von ih nen erschreckte die andern, und Heger ward endlich mit dreyzehn seiner Freunde gefangen genommen. Ziad ließ sie in Fesseln schlagen, und schickte sie dem Moavias, ihnen ihr Recht wiederfahren zu lassen. [] Der Calif stellte dieserwegen eine Raths [] (Bestra fung der Schuldi gen.) versammlung an, und die Urtheile fielen sehr verschieden aus. Alle kamen zwar darinne überein, daß Heger ein Verbrecher sey, allein über die Art, ihn zu strafen, konnte man nicht eins werden. Einige verdammten ihn zum Tode; andre glaubten, es wäre genug, wenn man ihn, und seine Freunde, in verschiedene Provinzen verbannte. Endlich gewann die Meynung der erstern die Oberhand, weil Ziad sehr dringende Vorstellungen that, und dem Moavias schrieb, daß es in ganz Irak um sein Ansehen würde geschehen seyn, wann er bey einer so wichtigen Gelegenheit eine un zeitige Gnade vorwalten ließe. Sein Schrei ben ward von verschiednen Freunden, die er an dem Hofe hatte, unterstützt, so daß das Todesurtheil nunmehr gesprochen ward. Dem Verbrecher ward, nebst verschiedenen die an seinem Aufstande Theil genommen hatte, der
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(Moavias. Hegire 46. n. C. G. 666) Kopf vor die Füsse gelegt, und nur sechsen davon schenkte der Calif, auf inständiges An halten verschiedener Vornehmen, das Leben. [] Den Arabischen Geschichtschreibern zu Fol ge scheinet es, als ob diese Bestrafung des He ger, und die Vergiftung des Abdarshaman das wichtigste gewesen, was in dem 46ten und 47ten Jahre der Hegire vorgefallen; denn die se ganze Zeit, und sogar einen guten Theil des (Hegire 48. n. C. G. 668) folgenden 48ten Jahres hindurch, findet man nichts, was nur im geringsten, weder die allge meine Geschichte der Araber, noch den Califen insbesondere betreffend, merkwürdig wäre. [] (Die Mu selmänner belagern Constanti nopel, aber vergebens.) [] Gleichwohl hätten die Anstalten genug Stof geben können, die Moavias zur Belagerung Constantinopels machte, als wohin er, zu En de des 48ten Jahres, eine sehr zahlreiche Flotte schickte. Eine Zurüstung von dieser Art hätte die Aufmerksamkeit und die Erkundigungen der Geschichtscheiber weit eher verdient, als eine Menge Nichtswürdigkeiten, womit die Araber ihre Geschichte anzufüllen für gut be funden haben. [] Man weiß also nur überhaupt, daß Moavi as, welcher schon als Statthalter von Syrien auf Anlegung einer Seemacht bedacht gewesen war, sobald er zum Califat gelangte, mit allem Ernste an der Ausführung dieses Anschlages arbeitete. Sobald er in Stande zu seyn glaub te, auf dem Meer erscheinen zu können, rüste
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te er eine Flotte aus, und schickte sie, unter An(Moavias. Hegire 48. n. C. G. 668) führung seines Sohnes Yesid, gegen Constan tinopel. [] Man fing die Belagerung dieser Stadt an. [] (Tod des Abu=Agub.) Sie daurete sehr lange, und fiel sehr unglücklich aus. Das ist es alles, was uns die Schrift steller davon melden. Anstatt uns eine um ständliche Erzählung von diesem so wichtigen Unternehmen, bey welchem sich nothwendig sehr viele besondre Umstände müsten geäussert ha ben, zu geben, melden sie weiter nichts, als daß ein berühmter Heerführer der Muselmän ner, Namens Abu - Agub, ehemals einer von den Gefährten des Mahomets, während dieser Belagerung gestorben, und daß er ohnweit den Mauren der Stadt sey begraben worden. In den nachfolgenden Zeiten hat man an diesem Orte eine Moschee aufgerichtet, welche von den Juden so sehr verehret wird, daß die Sul tane selbst am Tage ihrer Besteigung des Thro nes in Proceßion dahingehen, sich den Degen darinne umgürten zu lassen. [] Derjenige Geschichtschreiber, welcher von(Hegire 49. n. C. G. 669) dem Unternehmen wider Constantinopel noch am weitläuftigsten redet, berichtet, daß Yesid an der Spitze einer gewaltigen Armee gleich Anfangs dem griechischen Kayser Armenien und Natolien weggenommen habe. Diese Eroberung kostete ihn nichts, als einen schnel len Durchmarsch. Er ging darauf über den
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(Moavias. Hegire 49. n. C. G. 669) Hellespont, und machte sich gefaßt Constanti nopel zu belagern, ohne daß die Griechen nur die geringste Bewegung machten, ihm die Zu gänge zu verbieten. Alles, was sie thaten, war dieses, daß sie sich auf den Wällen in gu ter Bereitschaft hielten; in den umliegenden Gegenden aber liessen sie die Araber sich ruhig setzen. Der Umfang der Stadt war so groß, und die Trupen der Muselmänner waren in so kleiner Anzahl, daß sie den Platz unmöglich einschliessen konnten. Dieser Unbequemlich keit ungeachtet wurden sie von den Griechen in vollkommenster Ruhe gelassen, so daß die Sa racenen in den Feldern, welche an den Vorstäd ten lagen, eben so ungehindert aussäeten, und einerndteten, als sie es in ihrem eignen Lande hätten thun können. Nachdem sie zwey Jahr so zugebracht hatten, fingen sie endlich an auf die Stadt ordentliche Angriffe zu wagen, in welchen sie aber so viel Mannschaft verlohren, daß sie die Belagerung aufheben mußten. [] (Unbestän digkeit der africani schen Völ ker.) [] Mitlerweile, als man mit diesem Unterneh men beschäftiget war, machten die africanischen Völker mancherley Bewegungen, und es schien, als ob sie Lust hätten das Joch der Muselmän ner abzuschütteln. Sie hatten sich blos aus Furcht unterworfen; sobald sie sich also in Freyheit merkten, ergriffen sie ihre alte Religi on wieder. Doch kaum liessen sich die Sara cenischen Trupen sehen, als sie sich alle aufs neue zu dem mahometanischen Glauben be kannten.
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[] Moavias gab ihnen einen Statthalter Na(Moavias. Hegire 49. n. C. G. 669) mens Okbad, einen sehr verständigen Mann, welchem es endlich gelang, die Wankelmuth [] (Okbad be festiget sie in der ma hometani schen Reli gion.) dieser Völker auf einen festen Fuß zu bringen, ob es ihm gleich unglaubliche Arbeit und Mühe kostete. Nachdem er vergebens alle Mittel versucht hatte, welche ihm die Gelindigkeit ein gab, so beschloß er zuletzt, Schärfe zu brauchen, und mit dieser gelückte es ihm auch. Er ließ alle diejenigen aufschreiben, welche die vor nehmsten Urheber der in den Provinzen sich häufig ereignenden Veränderungen waren, und gab Befehl, daß man sie alle über die Klin ge solle springen lassen. Er ließ zugleich kund thun, daß er eben so scharf auch ins künftige gegen alle diejenigen seyn wolle, welche die Re ligion des Propheten verlassen würden. [] Die Furcht vor dem Tode machte bey die(Hegire 50. n. C. G. 670) sen Völkern Eindruck. Damit man sich aber gegen ihre Unbeständigkeit noch mehr versichern möge, so ließ Okbad die Stadt Cairoan bauen, welche hernach die Hauptstadt der eigentlich so genannten Provinz Africa ward. Er erwählte ein grosses Stück Landes, wovon ein Theil noch mit Holz bewachsen war, in welchem sich viel Schlangen und wilde Thiere aufhielten, wel che oft sehe grosses Unheil anrichteten. Ubri gens hatte eben dieses Gehölze verschiedenemal den Einwohnern des Landes zu Zeiten ihres Aufstandes zum Zufluchtsorte gedienet, und der Statthalter hatte bey Verfolgung der Re
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(Moavias. Hegire 50. n. C. G. 670) bellen immer sehr viel Hindernisse darinn ange troffen. Er ließ daher alle Bäume umhauen, welche ihm zu Erbauung der neuen Stadt so un gemein dienlich waren. Er legte seinen Sitz daselbst an, und sie ward so zu reden der Mittel punct seiner Gerichtsbarkeit. Sie ward auch in kurzer Zeit durch ihren Handel, durch die Anzahl ihrer Einwohner, und durch das Anse hen, welches sie erlangte, als die Wissenschaf ten in ihr zu blühen anfingen, sehr beträchtlich. [] Die Saracenen bedienten sich dieses Orts auch zur Niederlage ihrer Reichthümer, und die Beute, welche sie ihren Feinden abnahmen. Es konnte alles daselbst sicher seyn, weil die Stadt von dem Ufer sehr weit entlegen war, und die Griechischen und Römischen Flotten also nicht daselbst landen konnten. Es war sogar sehr schwer einen Einfall dahin zu wagen, weil der Statthalter die Zugänge allzuwohl hat te verwahren lassen. [] (Ziad ver langt die Statthal terschaft von Hegiaz.) [] Mittlerweile als Okbad in Africa das Anse hen des Moavias befestigte, war der berühmte Ziad in den verschiednen ihm anvertrauten Ge genden bemüht, die Aliden zum Gehorsam zu bringen. Nachdem er ganz Irak dem Califen unterworfen hatte, so schrieb er an ihn, und bat um die Statthalterschaft von Hegiaz. Die Art, wie er sich in seinem Briefe ausdruckte, gab gnugsam zu erkennen, daß in Irak keine weitere Bewegungen zu befürchten wären,
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und daß er sich eben so leicht auch in den übrigen(Moavias. Hegire 50. n. C. G. 670) Theilen Arabiens eine gute Ordnung wiederher zustellen getraute. Meine linke Hand, schrieb er an den Califen, regieret hier die Völker von Irak, unterdessen aber blei bet meine Rechte müßig. Gieb ihr Ara bien zu regieren, und es wird dich nicht gereuen. [] Moavias, welcher wohl einsahe, wie vor [] (Er stirbt, da er sie in Besitz neh men will.) theilhaft es für ihn sey, einen Mann zu brau chen, der ihm so viel Dienste leisten könnte, gab ihm sogleich die verlangte Statthalterschaft. Die Nachricht davon breitete sich sogleich über all aus; sie war aber nicht allen, die sie vernah men, gleich angenehm. Die Einwohner von Medina unter andern, welche die ausserordent liche Strenge des Ziad fürchteten, waren über seine Ernennung sehr bestürzt. Einer von ih nen Namens Abdallah - eben - Zabeir machte auf die Ausdrücke, deren sich Ziad in seinem Briefe an den Califen bedient, eine Anspie lung, und richtete öffentlich dieses Gebet an GOtt: O GOtt, stelle die rechte Hand zu frieden, die dem Ziad überflüßig ist. Man will gewiß versichern, daß sich kurz dar auf an dem einen Finger dieser Hand ein pesti lenzisches Geschwüre geäussert, woran er ge storben, eben als er auf dem Wege gewesen, sei ne Statthalterschaft in Besitz zu nehmen. Man setzt seinen Tod in das 53te Jahr der
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(Moavias. Hegire 53. n. C. G. 672) Hegire, und in das 672te nach Christi Ge burt. [] In eben diesem Jahre starb auch der be [] (Tod des Chiabalah.) rühmte Chiabalah - ebn - Aihan, der letzte Kö nig oder Fürst der christlichen Araber, wel che den Stamm Gaffan ausmachten. Er hatte unter dem Califate des Omars den ma hometanischen Glauben angenommen, allein er verließ ihn wieder bey Gelegenheit eines Streits, den er mit dem Califen hatte, und blieb bis an seinen Tod unter den Christen. [] Moavias ward durch den Verlust, den er in der Person des Ziads litt, sehr empfind lich gerührt; weil er es fast einzig und allein ihm zu danken hatte, daß sein Ansehen in al len Provinzen des Muselmännischen Reichs auf das festeste gegründet war; und wenn ja noch hier und da einige Aufrührer waren, so durften sie sich doch nicht offenbar zeigen. (Hegire 54. n. C. G. 673) [] Als sich der Calif in dem ruhigen Besitze [] (Moavias macht Da mascus zum Siz ze seines Reichs.) seiner Würde sah, verlegte er seinen Sitz nach Damascus. Er glaubte nicht besser thun zu können, als wenn er zur Hauptstadt seines Reichs einen Ort machte, der sich we gen seiner Lage und seiner Grösse, wegen der Schönheit seiner Gebäude, und besonders we gen der gesunden Luft die Bewunderung aller Fremden zuzog. [] (Er will den Lehrstuhl des Maho) [] Damit er aber diese Stadt den Muselmän nern insbesondre verehrungswürdig machen
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möge, beschloß er, den Lehrstuhl, auf welchem(Moavias. Hegire 34. n. C. G. 673) Mahomet seinen Glauben geprediget hatte, dahin bringen zu lassen, Er glaubte, wann er dieses kostbare Denkmal in die Moschee [] (mets dahin bringen las sen.) von Damascus setzte, und selbst bey Verrich tung des öffentlichen Gebets darauf stiege, so würde das Volk von diesem Anblicke gerührt werden, und für seine Person und Würde mehr Zuneigung und Ehrerbietung bekommen. [] Er sendete also nach Medina, und verlang te, daß man ihm den Lehrstuhl des Mahomets schicken solle, Die Einwohner von Medina wurden darüber bestürzt, und thaten verge bens Vorstellungen, daß man ihnen einen Schatz lassen möge, welcher ihre ganze Trö stung ausmache, besonders da es nunmehr gewiß sey, daß ihre Stadt niemals wieder mit der Gegenwart der Califen würde beehret werden, so wie sie es vor diesem mit der Ge genwart des Propheten gewesen. [] Diese Vorstellungen waren von geringer [] (Die von Medina setzen sich darwider.) Würkung, und man gab Befehl, daß der Lehrstuhl des Mahomets mit Gewalt soll weg genommen werden. Man machte sich also, den Widersetzungen derer von Medina unge achtet, dazu gefaßt; allein eben zu der Zeit ereignete sich eine Sonnenfinsterniß, welche jederman als ein Wunder betrachtete, durch welches sich GOtt selbst über ein so kühnes Unterfangen erklären wolle. Die von Me
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(Moavias. Hegire 54. n. C. G. 673) dina erklärten also, daß sie den Lehrstuhl des Propheten durchaus nicht würden anrühren lassen. Die Abgeordneten des Moavias ih rer Seits waren über einen Zufall, den sie aus Unwissenheit und Aberglauben als ein Zeichen betrachteten, so bestürzt, daß sie nicht weiter darauf bestanden, sondern dem Califen das, was vorgefallen war, berichteten, und Befehl erhielten den Anschlag aufzugeben. [] Kurz darauf nahm Moavias dem Saed die Statthalterschaft von Medina, und gab sie dem Mervan - ebn - Hakem wieder, der sie vor her besessen hatte. Man meldet die Ursache dieser Veränderung nicht. Der Calif befahl sogar dem Mervan das Haus des Saed nie derreissen zu lassen, und sich alles Vermö gens, das er etwann in Hegiaz habe, zu be mächtigen. Der neue Statthalter theilte sei ne Befehle dem Saed mit, und sagte, daß er sich nicht entbrechen könnte sie ins Werk zu stellen; er fügte sogar hinzu, daß er ein glei ches thun könne, wenn er einmal in diese Um stände kommen sollte, und daß ein Statthal ter nothwendig den Befehlen seines Ober haupts gehorchen müsse. [] Er ward aber ungemein bestürzt, als Saed ihm entdeckte, er habe, als er noch in dem Amte gesessen, einen gleichen Befehl seinetwegen er halten gehabt; aus Freundschaft aber, die sie so lange mit einander gepflogen, unterdrückt.
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Er zeigte ihm auch in der That die Briefe des(Moavias. Hegire 54. n. C. G. 673) Moavias, und setzte hinzu, er habe lieber die Ungnade des Califen über sich ziehen, als an dem Untergange seines Freundes Schuld seyn wol len. Mervan ward durch die Großmuth des Saed ungemein gerühret, ahmte seine Auffüh rung noch, und that von allem, was ihm Mo avias befohlen hatte, nichts. Sie glaubten nun mehr beyde, daß sie der Calif nur zu entzweyen gesucht habe, damit ihre Eintracht seinem An sehen kein Nachtheil bringen möge. Mervan schrieb dieserwegen an ihn, und Moavias schien mit seinem Betragen sowohl zu frieden, daß er die gegebene Befehle wiederrufte, und beyde seiner Freundschaft versicherte. [] Noch in eben dem Jahre ertheilte der Calif [] (Obeidal lah wird Statthal ter von Chorassan.) die Statthalterschaft der Provinz Chorassan dem Obeidallah, dem Sohne des Ziad, welcher erst in seinem zwanzigsten Jahre war. Er hat te diese Gnade der Art zu danken, mit welcher er sich bezeugte, als er nach dem Tode seines Va ters dem Moavias von allem, was in den unter der Aufsicht des Ziad gestandenen Provinzen vorgefallen war, Nachricht zu geben kam. Dieser junge Muselmann redete mit so viel Ein sicht, und gab von der Gemüthsart, dem Eifer, und der Aufführung der seinem Vater unter gebenen Aufseher so gute Erläuterungen, daß sich der Calif verwunderte, bey einem so jun gen Menschen so viel Verdienste zu finden, und
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(Moavias. Hegire 54. n. C G. 673) nicht im geringsten anstand, ihm sein ganzes Vertrauen zu schenken, und ihn zum Haupte einer beträchtlichen Provinz zu setzen. [] (Er schlägt die Türken.) [] Moavias konnte sich wegen seiner getroffe nen Wahl nicht anders als Glück wünschen. Obeidallah erwarb sich in kurzem die Freund schaft der ihm anvertrauten Völker, und sie zo gen mit Freuden unter ihm aus, als er den An schlag machte, die Feinde des Staats anzugrei fen. Er ging über den Fluß Gihan, sonst Oxus genannt, und rückte an der Spitze ei ner beträchtlichen Armee wider sie an. Er drang bis an das Gebirge Bokarah ein, wo er die Türken antraf, ihnen eine Schlacht lieferte, sie überwand, und gänzlich so in die Flucht trieb, daß ihre Königin, die bey diesem Treffen zuge gen war, aus Eilfertigkeit sich zu retten einen von ihren Stiefeln verlohren. Für den, der ihn fand, war es ein grosses Glück, weil er so reich mit Edelsteinen besetzt war, daß man ihn bey nahe auf zwey tausend Stück Goldes schätzte. [] (Abdallah wird aus seiner Statthal terschaft zurück be rufen; und bey welcher Gelegen heit?) [] Obeidallah machte sich eben gefaßt seine Er oberung weiter fortzusetzen, als er von dem Cali fen zurück gerufen ward, welcher ihn nach Basrah an die Stelle des Abdallah, des Soh nes Amrn<Amru>, dem er wegen eines Aufstandes in dieser Stadt die Statthalterschaft nehmen müssen, bestimmte. Abdallah predigte eines Tages in der Moschee, und ward von einem
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seiner vornehmsten Zuhörer unterbrochen, wel(Moavias. Hegire 55. n. C. G. 674) cher ihm so gar Staub in die Augen warf. Durch diese Beleidigung ward er aufgebracht, ließ den Muselmann, der ihn so beschimpft hatte, ins Gefängniß bringen, und befahl, weil er das Betragen des Ziad bey einer gleichen Gelegen heit nachahmen wollte, daß man ihm die Hand abhauen sollte, welches auch den Augenblick geschah. [] Verschiedene Feinde, die der Statthalter zu Basrah hatte, und unter welchen sich sehr vor nehme Leute befanden, schrieben an den Moa vias, und beklagten sich sehr heftig über die Grausamkeit des Abdallah, welcher einen der vornehmsten der Stadt, ohne von seinen Ver brechen überzeugt zu seyn, so gemißhandelt ha be. Sie lagen sogar dem Califen inständigst an, den Statthalter zu eben der Strafe nach dem gegenseitigen Vergeltungsrechte zu ver dammen. [] Der Calif erstaunte über den Eifer, mit wel chem die von Basrah ihre Gnugthuung forder ten, und suchte sie durch das Versprechen zu besänftigen, daß er den Abdallah gewiß bestra fen wolle; er stellte ihnen aber auch zugleich vor, daß das Gesetz, worauf sie sich beruften, hier nicht statt finden könne, und verdammte ihn also blos zu einer Geldstrafe. Man er fuhr gar bald, daß dieses Urtheil einzig, und allein die von Basrah zu besänftigen war ge
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(Moavias. Hegire 55. n. C. G. 674) sprochen worden, denn Moavias gab gar bald einen geheimen Befehl, welcher den Abdallah schadlos hielt. Die Geldstrafe ward aus dem öffentlichen Schatze genommen. [] Die Hitze, mit welcher diese Sache war ge trieben worden, gab dem Moavias gnugsam zu verstehen, daß die von Basrah gegen ihren Statthalter sehr schlechte Gesinnungen haben müßten; er sahe also vorher, daß er sein Amt schwerlich länger würde verwalten können, oh ne über lang oder kurz einer neuen Beleidigung ausgesetzt zu seyn, Er beschloß also ihn zurück zu rufen, und setzte den Obeidallah an seine Stelle, wodurch die Provinz Chorassan unter der Aufsicht eines, Namens Aslem, blieb, wel cher einem so wichtigen Posten nichts weniger als gewachsen war; und daher kam es denn auch, daß er bald wieder zurück berufen ward, und Moavias den Zaed, einen Enkel des Califen Othmanns, an seinen Platz setzte. Dieser er hielt sich auch völlig bey dem Ansehen, welches sich Obeidallah daselbst erworben hatte, und füg te noch neue Provinzen zu denjenigen hinzu, von welchen sich die Muselmänner schon Mei ster gemacht hatten. (Hegire 56. n. C. G. 675) [] Der gute Fortgang, den der Calif seit seiner [] (Moavias läßt seinen Sohn für seinen Nachfolger erklären.) Erhöhung fast überall gehabt hatte, war Ursa che, daß er schon seit langer Zeit mit dem wich tigen Anschlage umging, seine Würde erblich zu machen. Endlich nahm er sich vor, ihn
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auszuführen, und den Anfang damit zu ma(Moavias. Hegire 56. n. C. G. 675) chen, daß er seinen Sohn den Yesid zum Nach folger ernennen ließ. Er schickte deswegen in allen Provinzen seines Reichs ein Circular schreiben herum, welchem Zufolge die Syrer, und die aus Irak dem Willen des Moavias sich gemäß erklärten, so daß Yesid bey ihnen ohne Wiederspruch ausgerufen ward. [] In Medina wollte es sich so leichte nicht ge ben. Malec, welchen der Calif zum Befehls haber in dieser Stadt ernannt hatte, hatte zwar den Yesid für den vermeintlichen Erben des Ca lifats wollen erkennen lassen, doch alles, was unter den Einwohnern nur ein wenig vornehm war, wiedersetzte sich ihm. Sie hatten den Hassein, Sohn des Ali, den Abdallah - ebn Amer, den Abdarshaman, Sohn des Abu beckers und Bruder der Aiesha, und den Abdal lah, den Sohn des Zobeir an ihrer Spitze, wel che ohne Umstände erklärten, daß sie es nim mermehr würden geschehen lassen, daß man ei ne Würde, welche allezeit unter den Musel männern von der Wahl abgehangen habe, erb lich machen wolle. Sie stellten vor, daß es bey der Crone einzig und allein auf die Stim men der Nation ankommen müsse, und daß diese nur dem Würdigsten gehöre, so wie es die Wol lensmeinung des Propheten und seiner Nach folger gewesen sey, die sich niemals denje nigen, der nach ihnen regieren solle, ernennt hätten.
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(Moavias. Hegire 57. n. C. G. 676) [] Als der Calif sogleich von dem, was in Me dina vorging, Nachricht erhielt, so glaubte er, daß seine Gegenwart den Sachen ein ganz an ders Ansehen geben werde. Er reisete auch in der That unter einer guten Begleitung dahin, und hatte gleich Anfangs mit der Aiesha we gen der Ursache seiner Reise eine sehr lange Un terredung. Was eigentlich dabey vorgefallen, melden die Geschichtschreiber nicht; dieses aber war der Schluß davon, daß die Einwohner von Hegiaz den Yesid öffentlich für den Nach folger im Califat erkannten. [] Moavias, welchem es so wohl geglückt war, die Privatpersonen von dem Interesse der Häup ter der ihm sich wiedersetzenden Partheyen ab spänstig zu machen, versuchte nunmehr sie selbst auf seine Seite zu ziehen. Er bestieg daher den Rednerstuhl in der Moschee, und hielt nach verrichtetem Gebete, eine sehr nachdrückliche Rede, worinne er zeigte, wie nothwendig es zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe und Ei nigkeit sey, daß diejenigen, die sich der Wahl des Yesid wiedersetzt, dem Exempel derjenigen folg ten, die ihren Gehorsam zu bezeugen nicht un terlassen hätten. Er wendete alle Kräfte seiner Beredsamkeit an, die Gemüther zur Eintracht zu bringen; doch alle seine Bemühungen wa ren vergebens. Die von der andern Parthey liessen sich weder durch seine Vorstellungen, noch durch seine Vorwürfe bewegen, sondern
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blieben standhaft bey ihren einmal gefaßten(Moavias. Hegire 57. n. C. G. 676) Entschlusse. [] Ob es gleich dem Moavias an Unterstützung nicht fehlte, so wollte er gegen seine Gegner doch nicht mit der Schärfe verfahren. Sie standen bey dem Volke in grossem Ansehen, und so gar auch bey denjenigen, die der gegen seitigen Meinung waren; so daß es der Calif bey den Vorstellungen bewenden ließ, ohne im geringsten weiter zu gehen. [] Er ergriff so gar die Gelegenheit, dem Yesid einige gute Lehren zu geben, wie er sich zu ver halten habe, wenn er auf dem Throne sitzen wür de; er zeigte ihm unter andern, was er sowohl von den einen, als von den andern zu befürchten habe. Hassein, sagte er, hat unter sei ner Familie, und sogar unter denen aus Irak einen sehr grossen Anhang; viel leicht wird man ihm zureden, die Waf fen wider dich zu ergreifen; und viel leicht läßt er sich bewegen. Wann er es aber thut, so thut er es gewiß mehr aus wahrer Ehre, als aus einem fal schen Ehrgeitze. Sollte ihn dir also das Glück in die Hände liefern, so ste he nicht einen Augenblick an, ihm sei ne Freyheit wieder zu geben; denn er ist ein Mann von ausserordentlichen Verdiensten. Was den Abdallah=ebn Amer anbelangt, so glaube ich nicht, daß er dir viel Unruhe verursachen wer
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(Moavias. Hegire 57. n. C. G. 676) de; er ist den Pflichten der Religion allzusehr ergeben, als daß er sich viel mit weltlichen Händeln beschäftigen sollte. Auch Abdarshaman ist nicht sehr zu fürchten, obgleich aus einer ganz andern Ursache; er hat sich gänz lich den Weibern und dem Spiele ü berlassen, und ist daher durchaus un geschickt, sich in eine Parthey tief ein zulassen. Abdallah - ebn - Zobeir ist der jenige, für den du dich am meisten in Acht zu nehmen hast, Er ist ein un ruhiger Kopf, und zu allen fähig; er wird dich durch Gewalt und List gleich stark anzugreifen wissen; der Tod al lein kann dich von einem solchen Fein de befreyen. Merke dir also, was ich dir sage; wann du ihn einmal in dei nen Händen hast, so schaff ihn bey Seite. [] Moavias war ungemein vergnügt, daß er eine so wichtige Sache, als die Erbfolge der Crone war, zu Stande gebracht, ohne daß eine so gefährliche Neuerung mehr Unruhe, als die angeführten Widersetzungen verursacht hatte. Er betrachtete seinen Sohn als einen Mann, der zu Erfüllung seiner Absichten voll kommen geschickt sey; doch die Gedanken, die er sich von seinen Verdiensten gemacht hat te, waren auf nichts weniger, als auf etwas
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würkliches gegründet. Er fand Vollkommen(Moavias. Hegire 57. n. C. G. 676) heiten an ihm, weil er ihn beständig mit den Augen eines Vaters angesehen hatte; so aber, wie er würklich war, hatte er ihn niemals ent deckt. [] Yesid war ein Mensch, der weder Tugend, [] (Die Er klärung sei nes Sohnes zum Nach folger wird aufgehal ten.) noch Fähigkeit, noch Religion besaß. Der berühmte Ziad kannte ihn sehr wohl; und that daher sein möglichstes, dem Moavias, wel cher ihn zu Rathe gezogen hatte, den An schlag, die Crone auf seinen Sohn zu brin gen, auszureden. Er hatte ihm vorgestellt, daß es etwas sehr gefährliches sey, die ur sprüngliche Einrichtung eines Staats zu än dern. Was die Verdienste des Yesid anbe langte, so hatte er sich zwar nicht gegen einen Vater allzudeutlich deswegen erklären wollen; er hatte ihm aber doch gnugsam zu verstehen gegeben, daß er ihn nicht für geschickt halte, die Absichten, die Moavias mit ihm habe, würdig zu erfüllen, und daß diese Wahl we der dem Throne noch der Nation Ehre ma chen werde. [] Der Calif war durch die Vorstellungen des Ziad bewegt worden, und hatte daher die Ausführung seines Anschlages noch einige Jahre verschoben: doch sobald er niemanden mehr um sich hatte, der ihm die Wahrheit zu sagen sich unterstand, suchte er sein altes Vor haben wieder vor, und seine väterlichen Nei
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(Moavias. Hegire 57. n. C. G. 676) gungen liessen ihn an einem geliebten Sohne schon alle Eigenschaften sehen, die ihn des bestimmten Platzes würdig machen konnten. Gleichwohl verliefen nach seiner Rückkunft nach Damascus noch zwey Jahr, ehe er sei nen Sohn an der Verwaltung des Califats Theil nehmen ließ. (Hegire 58. n. C. G 677) [] In diesem Zwischenraume melden uns die <Geschichtsschreiber>Geschichtscheiber von dem Reiche der Araber [] (Tod der Aiesha und des Abdars haman.) nichts; alles was sie erzählen, ist der Tod der Aiesha, welche ihre Tage in Medina beschloß, nachdem sie ihr ganzes Leben hindurch bey den Muselmännern in der allergrösten Hochach tung gestanden hatte. Ihr Bruder Abdars haman starb gleichfalls wenige Monate darnach; er war, wie man gesehen hat, einer von den jenigen, die sich der Wahl des Yesid am meisten wiedersetzen. (Hegire 59. n. C. G. 678) [] In dem folgenden Jahre darauf starb Abu Horeirah, einer von den vertrautesten Freun den des Mahomets. Man hat niemals den wahren Namen dieses Muselmanns erfahren können. Denn der, welchen wir eben angeführet haben, ist nichts als eine Zunahme, und bedeu tet so viel als Vater der Katze. Mahomet hatte ihn so genennt, weil er eine Katze, die er beständig mit sich herum trug, ausserordentlich lieb hatte. [] Das sechzigste Jahr der Hegire ist wegen
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der Einsetzung des Yesid merkwürdig. Er(Moavias. Hegire 60. n. C. G. 679) ward öffentlich für den Gehülfen seines Vaters erkannt, und nahm als vermuthlicher Erbe des Califats Sitz. Die Ceremonien dabey waren [] (Einsetzung des Yesid.) sehr feyerlich, und der junge Prinz ward von allen Provinzen des Reichs durch ihre Abgeord neten gehuldiget. [] Ahnaf, ein Vetter des Yesid, und sehr ehr würdiger Greis, reisete gleichfals noch damals aus, um bey dieser Ceremonie mit gegenwärtig zu seyn. Er blieb einige Zeit an dem Hofe des Califen, mittlerweile ihn Moavias, welcher zwar wollte, daß die ganze Welt seinen Sohn für so vollkommen hielte als er, innständig bat, sich mit demselben in einen wahren Umgang ein zulassen, um den Character seines Geistes, sei ne Neigungen, und seine Fähigkeiten zu erfor schen, und ihm eine getreue Rechenschaft davon abzulegen. [] Diese aufgetragene Verrichtung war dem Ahnaf nichts weniger als angenehm; er fand in dem Character des Yesid nichts vortheilhaf tes, und gleichwohl wollte er seinem Bruder seine wahren Gedanken davon nicht entdecken. Er suchte lange Zeit einer umständlichen Er klärung auszuweichen; als er aber im Be griffe war, Damascus zu verlassen, erneuer te der Calif sein Anliegen, worauf ihm Ahnaf nichts mehr, als dieses antwortete: Wann ich lüge, werde ich GOtt mißfallen; rede
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(Moavias. Hegire 60. n. C. G. 679) ich aber die Wahrheit, so muß ich deinen Unwillen befürchten. Du kannst den Yesid besser kennen als ich, wenn du seine Aufführung, seine Sit ten, und seinen Character mir demje nigen Auge untersuchen willst, mit dem du ihn betrachten würdest, wenn er nicht dein Sohn wäre. [] Dieses war genug gesagt, dem Califen we gen der vermeintlichen Verdienste seines Soh nes die Augen zu öfnen; doch dieser so geschick te, so scharfsinnige, und wegen seines feinen Verstandes unter seinem Volke so berühmte Mann war durch seine väterliche Zärtlich keit so verblendet, daß er seine für den Yesid gefaßten Vorurtheile unmöglich ablegen konn te. Er sprach allezeit mit vielem Lobe von ihm, und bewunderte besonders seine seltne Fähigkeit, seine Einsicht, sein majestätisches Ansehen; doch zu allem Unglücke für ihn, und noch mehr für das Volk war er der einzi ge, der diese schönen Eigenschaften an ihm wahrnehmen konnte. [] Und gleichwohl hatte ihn bloß die Meinung von seines Sohnes ausserordentlichen Ver diensten bewogen, sich denselben zum Mitge nossen seiner Regierung zu erwählen. Man erzählt bey dieser Gelegenheit, daß er eins mals das öffentliche Gebet in der Moschee fol gendermassen geschlossen habe: Grosser
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GOtt, du weißt, daß ich, da ich mei(Moavias. Hegire 60. n. C. G. 679) nen Sohn auf den Thron erhoben, ihn für fähig gehalten habe wohl zu regie ren. Befestige ihn auf demselben, HErr, und gieb ihm die Aufführung ein, die dir zu gefallen, und deine Gnade dei nem Volke zuzuziehen vermögend ist. Ist es aber Fleisch und Blut, die mich in meiner Wahl geführet haben, so be festige ihn auf seinem Throne nicht. [] Nunmehr fing Moavias an, allmählig schwach zu werden; er war schon in einem ziemlichen Alter, und die Beschwerlichkeiten des Krie ges, die er zu Befriedigung seines Ehrgei zes über sich nehmen müssen, hatten seine Gesundheit sehr mitgenommen. Ich bin wie das Korn, das man abhauen wird, sagte er eines Tages in einer öffentlichen Re de; mein Regiment hat lange gedau ert; vielleicht sind wir beyde einander satt, und ganz geneigt uns zu trennen. Ich übertreffe alle, die nach mir kom men werden, so wie mich alle über troffen haben, die vor mir gewesen sind. [] Kurz darauf verfiel er in eine grosse Ohn [] (Die letzte Lehre, die Moavias seinem Sohne giebt.) macht, die ihm die Annäherung seiner letzten Stunde verkündigte, Weil Yesid sich eben damals nicht zu Damascus befand, so ließ der Calif den Hauptmann seiner Leibwache, und
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(Moavias. Hegire 60. n. C. G. 679) noch einige andre vor sich kommen, und sag te: Ich befehle euch, zu meinem Soh ne zu gehen, und ihm folgendes von mir zu sagen: [] Bedenke, daß du von den Arabern entspringst; sey also allezeit gegen ihre Abgeordnete willfährig, und höflich. Die Syrer verdienen deine Freundschaft gleichfals; sie haben mir auf den Thron geholfen, und ihnen hast du das Erbtheil, das ich dir lasse, zu dan ken. Halte sie als Unterthanen, de ren Treue alle Proben aushält; siehe aber ja darauf, daß sie sich nicht lange ausser ihren Provinzen aufhalten, weil sie sich in fremden verschlimmern. Was die aus Irak anbelangt, so will fahre ihnen, wann sie auch alle Mo nate einen neuen Statthalter verlangen sollten; denn wenn du aus Liebe zu einem von deinen Dienern ihn in seinem Platze unterstützen wolltest, so wür den diese Völker hundert tausend Schwerdter haben, ihn daraus zu ver jagen. Trägt dir Abdallah, der Sohn des Zobeir, den Frieden an, so schlage ihn nicht aus; greift er dich an, so ver theidige dich; vor allen Dingen aber schone, so viel möglich, das Blut dei ner Unterthanen.
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[] Kurz darauf starb Moavias in dem zwan(Moavias. Hegire 60. n. C G. 679) zigsten Jahr seiner Regierung, und ungefehr in dem fünf und siebenzigsten seines Alters. De [] (Tod des Moavias.) hac der Sohn des Cais, versammlete sogleich das Volk in der Moschee; und nachdem er das Leichentuch des Califen auf dem Pulte ausge breitet, hielt er seine Leichenrede, und verrichte te darauf mit den Anwesenden die Gebete, wel che die Muselmänner für die Todten zu verrich ten gewohnt sind. [] So war das Ende des Moavias, eines Re genten, dessen glänzende Thaten den Muselmän nern alles Lobes würdig zu seyn schienen. Nach dem er bey dem Mahomet Schreiber gewesen, war er zum Statthalter von Syrien ernennt worden; einem sehr wichtigen Platze, den er vier Jahr unter der Regierung des Omars, und zwölf Jahr unter dem Califat des Othmanns besessen. Die Zeit seiner Statthalterschaft und seines Reichs beträgt also ohngefehr vier zig Jahr. [] Er war von einer ziemlich sanftmüthigen Gemüthsart; er ließ zwar mit sich sprechen, und alle, die etwas mit ihm zu thun hatten, muß ten ihn wegen seiner höflichen und leutseeligen Manieren loben. Er hatte einen ungemeinen durchdringenden Geist, und besaß eine ganz be sondere Geschicklichkeit in Erkennung des Cha racters und der Verdienste anderer. Sein Sohn war der einzige, den er nach seiner wahren
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(Moavias. Hegire 60. n. C. G. 679) Beschaffenheit entweder nicht kennen konnte, oder wollte. [] Die Geschichtschreiber loben die Pracht, und die Großmuth dieses Califen ausser der Maas sen. Man versichert, daß, wenn ihn Leute von Stande besucht hätten, so habe er sie allezeit er sucht, alles bey ihm mit zu nehmen, was ihnen anständig gewesen, wenn es auch an silbern Ge schirrn und Edelsteinen noch so etwas seltnes, oder an andern kostbaren Werken noch so etwas unschätzbares gewesen wäre. [] Die strengen Muselmänner ärgerten sich ein wenig an der Pracht seiner Kleidung; denn bis auf ihn hatten die Califen nichts als Kleider von Leinen getragen. Doch so bald er Statt halter in Syrien ward, fing er an sich der Sei de zu bedienen, und trug hernach allezeit sehr reiche Kleider. Er lebte übrigens sehr präch tig, und machte sich kein Gewissen ordentlich Wein zu trinken, welchen Saft seine Vor fahren als ausdrücklich verboten angesehen hatten. [] Dieser grosse Fürst erhob sich über alle Ge setze, um zur höchsten Würde zu gelangen; er hatte sie weder der Wahl der vornehmsten, noch der einmüthigen Beystimmung des Volkes zu danken; er wußte seine Maaßregeln mit dem Amru so wohl zu nehmen, daß die Stimmen der Syrer ihm zu Erhaltung des Califats, der Er nennung des Hassans ungeachtet, welchen die
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Araber auf den Thron gesetzt hatten, hinläng(Moavias. Hegire 60. n. C. G. 679) lich seyn mußten. Seinen Mitbuhler brachte er endlich dahin, daß er zu seinem Vortheile ab dankte. Seine Statsklugheit ward durch sein Glück unterstützt, und legte also die letzte Hand an seine wundersame Erhöhung, in wel cher es ihm auch durch seine grosse Eigenschaf ten sich zu erhalten gelang. [] Man hat ihm eine widerrechtliche Besitzung des Throns nicht vorwerfen können, sondern man muß vielmehr gestehen, daß er ein grosser Re gente, und des Reichs eben so wohl würdig ge wesen, als einer von denen, die es vor ihm ver waltet hatten. Er hatte das Glück, die Gren zen desselben zu erweitern, und den Ruhm, der er ste zu seyn, der die Crone auf seine Nachkommen brachte. Ausserdem haben die Saracenen dem Moavias die Anlegung der Posten und der Seemacht zu danken; zwey Stücke, welche die Grösse und Fähigkeit seines Geistes deutlich zeigen. [] Unterdessen war dieser Calif doch nicht ge [] (Des Mo avias Nei gung zur Poesie.) lehrt, ob er schon einen natürlichen Geschmack hatte, welcher ihm einiger Maassen alles er setzte, was ihm von Seiten der Wissen schaften und Künste abgieng. Dieser Ge schmack machte, daß er allen, die darinne vor treflich waren, wohl wollte; besonders hatte er eine vorzügliche Neigung für die Poeten, wo von er bey allen sich ereignenden Gelegenheiten
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(Moavias. Hegire 60. n. C. G. 679) Proben gab. Die arabischen Schriftsteller er zählen unter andern zwey Begebenheiten, deren ich ganz wohl hier gedenken kann. [] Ein Araber war von dem Richter verdammet worden, daß ihm die Hand solle abgehauen wer den; man stellte ihn daher dem Moavias vor, damit er das Urtheil bestätigen möge. Als der Schuldige vor dem Califen stand, besann er sich auf die Hochachtung, die dieser gegen die Poesie hege, und hatte so viel Gegenwart des Geistes, ihn in vier ausserordentlich schönen Versen um Gnade zu bitten. Moavias ward dadurch so sehr gerührt, daß er dem Schuldi gen sogleich vergab, und ihn in Freyheit setzen ließ. [] Diese Gnade machte um sovielmehr Aufse hens, da es das erstemal war, daß ein gericht lich gesprochenes Urtheil unvollzogen blieb. Denn die Califen hatten in der That, seit Ein richtung ihrer Monarchie, niemals ihr Anse hen bis auf die Einschränkung der bürgerli chen von den Propheten gegebenen Gesetze er streckt. [] Eben diese Neigung des Moavias zur Poe sie kam auch einem jungen Araber ungemein zu statten, so daß er den Augenblick wegen der Be leidigung des Statthalters von Cuffah, der ihm seine Frau entführt hatte, Recht bekam. Die ser unglückliche Ehemann kam zu dem Moavi as, seine Klagen bey ihm anzubringen, und sag
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te ihm über diesen Zufall eine so rührende Ele(Moavias. Hegire 60. n. C. G. 679) gie vor, daß der Calif, welcher durch die starken und bewegenden Ausdrücke bewogen, und durch die glühende Einbildungskraft des jungen Dichters in Erstaunen gesetzt ward, alle andre Geschäfte bey Seite setzte, um dieses auf das schleunigste zu Stande zu bringen. Er schrieb an den Statthalter von Cuffah, und befahl ihm die entführte Frau sogleich wieder zurück zu schicken. Während der Zeit behielt er den jun gen Ehemann an seinem Hofe, und ließ ihm sehr viel Achtung erzeigen. [] Der Statthalter gab eine so übertriebne Ant wort, daß er seine ausschweifende Leidenschaft dadurch deutlich verrieth. Er bat den Califen um Erlaubniß, daß er diese Frau ein ganzes Jahr behalten dürfe; nach Verlauf dieser Zeit wolle er es zufrieden seyn, daß man ihm den Kopf herabschlage. Moavias aber schrieb so gleich wieder zurück, und gab so gemessene Befehle, daß der Statthalter endlich gehor chen mußte. [] Ein so besonderer Zufall reitzte die Neugier de des Califen. Er wollte die Frau sehen, de ren Reitze so viel Ansehen machte. Er fand auch in der That, daß sie von einer bezaubernden Schönheit, und durch ihre blosse Gestalt die allerheftigste Leidenschaft zu erregen geschickt ist. Allein er erstaunte noch viel mehr, als er sie reden hörte. Sie verband mit dem aller
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(Moavias. Hegire 60 n. C. G. 679) verführerischten Ansehen einen Geist, eine Be redsamkeit, eine Reinigkeit der Sprache, eine Zärtlichkeit in den Wendungen und Ausdrük ken, und besonders eine Richtigkeit und Schär fe in Urtheilen, welche Bewunderung ver dienten. [] Moavias kam für Verwunderung ganz aus ser sich, und glaubte eine von den göttlichen Jungfrauen zu sehen, die Mahomet zum Tro ste der Seeligen ins Paradieß gesetzt hat. Er konnte sie nicht satt hören, und legte ihr immer neue Fragen vor, um ihr neue Gelegenheit zu reden zu geben. Nach einer ziemlich langen Unterredung fragte sie endlich der Calif mit ei ner sehr ernsthaften Mine, welchen von bey den sie am meisten liebe, den Statthalter, oder ihren Mann? Die schöne Araberin schwieg eine Zeitlang stille, und Moavias schien schon auf sich selbst böse zu seyn, daß er sie in ei ne solche Verwirrung gesetzt hatte; endlich aber nahm sie mit vielen Feuer wider das Wort, und antwortete auf seine Frage durch eine Lobrede, die sie ihren Manne in Versen hielt, deren Sinn, Ton und Ausdrücke von einer ausserordentlichen Vollkommenheit wa ren. Was für ein Wunder an Geist und Schönheit! rief der Calif voller Er staunen aus. Wie geehrt würde mein Reich seyn, wenn du den Thron mit mir theilen wolltest! Doch da du in
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dein Land wieder zurückzukehren ge(Moavias. Hegire 60. n. C. G. 679) sonnen bist, so ziehe! Wann du aber in Frieden deinen glücklichen Gatten besitzen willst, ohne einen neuen Zufall besorgen zu dürfen; so halte dich in deinem Hause eingeschlossen, und ge he niemals aus, ohne die bezaubernde Schönheit mit einem dicken Schleyer vor den Augen der Sterblichen verbor gen zu haben. [] Als der Calif dieses glückliche Paar vor sich ließ, so gab er beyden die deutlichsten Merk male seiner Achtung. Er ließ ihnen sehr an sehnliche Geschenke reichen; und weil der jun ge Araber erzählt hatte, daß er währender Aufsuchung seiner Frau einen Theil seines Vermögens zugesetzt habe, um die Hinder nisse, die sich seinem Glücke in den Weg stell ten, zu überwinden; so hielt ihn Moavias des wegen schadlos, und erstattete ihm die Unko sten, die er machen müssen, doppelt. Die zwey Gatten kehrten hierauf wieder nach A rabien zurück, wo sie, zu Bezeugung ihrer Dankbarkeit, die Gnade des großmüthigen Califen, welcher sie mit Wohlthaten überschüt tet hatte, überall ausbreiteten. [] Kurz nach dieser Begebenheit starb Moa vias. Die Stadt Damascus, welche sein ordentlicher Sitz gewesen war, ward auch
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(Moavias. Hegire 60. n. C. G. 679) der Ort seines Begräbnisses, so wie hernach alle Califen von der Dynastie der Ommiaden.

(Yesid.) Yesid. Siebender Calif.

[] (Die von Medina und Mecca wollen den Yesid nicht erkennen.) [] Yesid, Sohn des Moavias, war dreyßig Jahr alt, als er auf den Thron stieg. Die von Medina und Mecca waren die einzigen unter den Saracenen, welche ihn nicht erken nen wollten. Moavias hatte sie durch die we nige Achtung erbittert, die er gegen ihr Recht, zu Ernennung des Oberhaupts gleichfals ihre Stimme geben zu können, bezeugt hatte; sie nahmen sich daher vor, die Verachtung des Vaters an dem Sohn zu rächen, und gaben sich alle mögliche Mühe, ihre Vorrechte wieder gül tig zu machen. [] (Hassein und Abdal lah machen auf das Ca lifat An spruch.) [] Und vielleicht wäre es ihnen geglückt, wann sie sich wegen des Califats nicht selbst in ver schiedene Partheyen zertrennet hätten. Hassein, Sohn des Ali, konnte wegen des Rechts sei ner Geburt darauf Anspruch machen. Andern Theils hatte Abdallah, der Sohn des Zobeir, gleichfals seine Absichten, und beyde wurden durch ansehnliche Partheyen unterstützt, wel che ihre Hofnungen nicht erlöschen liessen. Die allergeringste Unruhe wäre hinlänglich gewe
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sen, auf ihre Seite die schrecklichsten Bewegun(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 679) gen zu verursachen; doch Yesid, ob er gleich die nöthigen Eigenschaften zu Verwaltung ei nes Staats so reichlich nicht besaß, führte sich dennoch Anfangs klüglich genug auf, daß die gute Ordnung erhalten wurde. [] Er nahm sich unter andern wohl in Acht, mit den Oberbedienten und den Statthaltern in den Provinzen, welche sein Vater eingesetzt hat te, einige Veränderungen vorzunehmen. Er schrieb vielmehr an alle, und bestätigte sie in ih ren Bedienungen, indem er ihnen sein Recht über dieselben, als nunmehriger einziger Besiz zer der obersten Gewalt, bekannt machte. [] Weil Yesid übrigens wohl wußte, daß er von niemanden etwas zu fürchten habe, als von dem Hassein und dem Abdallah, so erwehnte er die ser zwey Muselmänner ausdrücklich in seinem Briefe an den Statthalter zu Medina, den Va led, Sohn des Otbad, und befahl ihm, alle mögliche Anstalten vorzukehren, um sie dahin zu vermögen, daß sie ihn huldigen müßten. [] Da dieser Befehl, besonders vor den Augen zwey so angesehener Muselmänner, nicht leicht zu bewerkstelligen war, so begab sich Valed, ehe er das geringste unternahm, vorher zu dem Mervan - Ebn - Hakem, sich mit ihm darüber zu berathschlagen. Mervan war eine sehr wich tige Person, deren sich Moavias bey verschiede
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 679) nen Vorfällen mit vielen Nutzen bedienet hat te. Man meldet aber nicht, warum sich dieser Calif so wenig dankbar gegen ihn erzeigt; denn nachdem er ihm zum Statthalter von Medina ernennt, setzet er ihn, wie man oben gehöret hat, wieder ab, um dem Saed seinen Platz zu geben; er ertheilte ihm diese Statthalterschaft zwar hernach von neuem, allein er nahm sie ihm auch zum andern male wieder, um sie dem Valed - Ebn - Otbad aufzutragen. [] Dieser neue Statthalter kam also, den Mer van um Rath zu fragen, welcher ihm rieth, den Hassein und Abdallah holen zu lassen, und ih nen eher von dem Tode des Moavias nichts zu sagen, bis er sie um ihre Meinung wegen des Rechts befragt, das Yesid zum Califat habe; einer Würde, mit welcher ihn schon sein Vater mit Einstimmung des grösten Theils der Mu selmänner bekleidet hatte. Alsdann fügte er hinzu, solle er sie sogleich nöthigen, ihm den Eid der Treue zu leisten, oder im Falle der Wei gerung ihnen das Leben absprechen. [] Valed ließ, diesem Rathe zu folge, den Hassein und Abdallah zu sich fordern. Sie ant worteten dem Bedienten, welchen der Statt halter deswegen zu ihnen schickte, daß sie nicht unterlassen wollten, sich einzufinden. Weil sie aber, wahrscheinlicher Weise, von dem Tode des Moavias etwas mochten gehöret haben, so konnten sie sich leicht vorstellen, was man von
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ihnen verlangen werde, und richtete daher ihre(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) Maßregeln darnach ein. [] Hassein fand sich zuerst bey dem Statthalter [] (Sie wol len dem Ye sid nicht huldigen.) ein. Er hatte die Vorsicht gebraucht, sich von einer guten Anzahl Freunde begleiten zu lassen, welche er mit dem Befehle an die Thüre stellte, ihm auf das erste Geräusch, welches sie hören würden, zu Hülfe zu kommen. Doch diese Vor sicht ward durch die Art, wie er auf das, was Valed von ihm verlangte, antwortete, über flüßig gemacht. Kaum hatte sich nemlich der Statthalter über die Schuldigkeit, den Yesid zu erkennen, und ihm den Eid der Treue zu leisten, erkläret, als sich Hassein nichts weniger als diesem Antrage wiedersetzte, sondern bloß vorstellte, daß es der Würde des Yesid unan ständig wäre, sich so in geheim huldigen zu las sen, weil man, bey der jetzigen Gesinnung der Gemüther, dergleichen Huldigungen einmal in Zweifel ziehen könnte; er glaube also, eine dergleichen Verrichtung müste nicht im verbor genen, sondern öffentlich in einer feyerlichen Ver sammlung des Volkes geschehen, damit durch die Ceremonie die Sache selbst desto ansehnli cher und unwiedersprechlicher werde. [] Valed, der die Reden des Hassein für auf richtig hielt, schien feiner Meinung zu seyn, und glaubte, daß er wahrhaftig geneigt sey, den Eid der Treue in einer öffentlichen Versamm lung abzulegen; er wollte also nicht weiter in
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) ihn dringen. Hassein nahm hierauf von dem Statthalter Abschied und ging wieder fort. Doch in eben dem Augenblicke sagte Mervan, welcher bey dieser Unterredung gegenwärtig ge wesen war, zu dem Valed: Wenn Hassein nicht gleich auf der Stelle seinen Eid der Treue ablegt, so will ich es dir vor hersagen, daß dieses Handels wegen noch vieles Blut wird vergossen wer den. Zwinge ihn also, oder behalte sei nen Kopf hier. Hassein, welcher noch nicht aus dem Zimmer des Statthalters war, hörte alles, was Mervan sagte; er machte ihm also seiner blutigen Rathschläge wegen sehr heftige Vorwürfe, und begab sich schleunig davon. Als ihn Mervan weggehen sahe, warf er es dem Statthalter vor, daß er sich dieser Gelegenheit nicht besser zu Nutze gemacht, und versicherte ihm, daß er den Hassein gewiß nicht würde wie der zu sehen bekommen. Und in der That be gab sich dieser auch an einen sichern Ort. [] Auch Abdallah, der Sohn des Zobeir, wel cher nach diesem vorgefordert wurde, fand ein Mittel den Statthalter aufzuziehen ohne ihm eine entscheidende Antwort zu geben. Nachdem er sich so bald als möglich von ihm losgemacht, ging er seiner Familie nach, die er auf das schleu nigste aus Medina fortzuziehen, und das Kost barste mit zunehmen befohlen hatte.
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[] Er wählte Mecca zu dem Orte seiner Zu(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) flucht; wohin sich auch Hassein mit seiner gan zen Familie, ausser dem einzigen Mahomet - Ha nifiah, einem Sohn des Ali, und folglich einem [] (Sie flüch ten nach Mecca.) Bruder von ihm, obschon von einer andern Mutter, in Sicherheit begab. [] Bey seiner Abreise gab er ihm diesen Rath: Bleibe in dem Gebürge so lange verbor gen, bis deine Freunde von dem, was vorgegangen, Nachricht erhalten haben, damit sie sich zu deinem Beystande ver sammlen, und unter deiner Anführung etwas unternehmen können. Wenn du dich hernach etwa nach Mecca begeben solltest, so halte dich nicht länger daselbst auf, als du dich auf die Einwohner ge wiß verlassen kannst. Es wäre, sollte man denken, weit natürlicher gewesen, wenn sie ihre Zuflucht mit einander zugleich genommen hät ten, als daß der eine in dem Gebürge herum irren und der Gefahr ausgesetzt seyn mußte, ent weder an allem Mangel zu leiden, oder von den Feinden seine Familie ergriffen zu werden. Doch die Arabischen Geschichtschreiber erzählen diesen Umstand, ohne einige Ursache davon anzu führen, so wie sie es mit mehrern von eben dieser Art machen; und folglich muß man sich mit dem blossen Erzählen begnügen lassen. [] Nachdem also Hassein seinem Bruder die nö thigen Anschläge ertheilt, umarmt er ihn auf
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) das zärtlichste, und machte sich auf den Weg nach Mecca, wo er ohne einigen Zufall anlang te. Abdallah vollendete seine Reise nicht so ruhig. Amru, der Sohn des Said, welcher damals Statthalter in Mecca war, glaubte, es sey seine Schuldigkeit, ihm den Eingang in die Stadt zu verwehren. Er trug es also dem Amer, dem Sohn des Zobeir, einem Bruder des Abdallah, der aber ausserdem sein offenba rer Feind war, auf, mit einiger Mannschaft gegen seinen eignen Bruder auszuziehen. Amer nahm diesen Antrag mit Vergnügen an, und ging dem Abdallah entgegen. Dieser be dachte sich nicht lange, sondern wagte einen An griff; er schlug den Amer, machte ihn zum Ge fangenen, und zog triumphirend in Mecca ein, so sehr sich auch der Statthalter darwider setz te, welcher aber seine Verfolgungen nicht wei ter treiben durfte, weil er wohl sahe, daß die von Mecca gegen diesen Muselmann eine ganz besondere Ehrerbietung hatten, welche durch den letzten Zufall noch um ein grosses gewach sen war. [] Unterdessen war die Gegenwart des Hassein zu Mecca dem Ruhm des Abdallah doch ein we nig nachtheilig; man liebte ihn zwar und ver ehrte ihn, allein Hassein hatte persöhnliche Ei genschaften, die ihm gleichfals sehr viel Hoch achtung erwarben. Er war übrigens von Sei ten seiner Mutter, der Fatime, ein Enkel des
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Mahomets; und mehr brauchte es auch nicht,(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) die Augen und Wünsche der meisten Muselmän ner auf ihn zu richten. [] Ob nun schon der Statthalter von Mecca [] (Amru ebn - Said wird Statt halter von Medina.) Geschicklichkeit und Einsicht genug besaß, so wußte er doch nicht recht, wie er sich gegen so zwey unruhige Personen verhalten sollte. Doch es währte nicht lange, so riß ihn ein Befehl, den er von dem Califen erhielt, aus der ganzen Verwirrung. [] Yesid hatte erfahren, daß Valed mit dem Hassein und Abdallah allzuglimpflich verfahren habe; er nahm ihm also die Statthalterschaft von Medina, und gab sie dem Amru - ebn - Said, dem Statthalter von Mecca. Dieser nahm sie mit so viel grösserm Vergnügen an, je mehr ihn diese neue Stelle sich von einem Orte zu entfernen berechtigte, wo ihm die Gegenwart dieser zwey Muselmänner noth wendig um einen grossen Theil seines bisher genossenen Ansehens würde gebracht haben. [] Ob er schon übrigens dem Yesid sehr erge ben war, so glaubte er doch nicht, daß seine Abwesenheit dem Nutzen dieses Califen viel schaden werde, weil er wohl sahe, daß die beyden Partheyen, die sich Hassein und Ab dallah jeder insbesondre gemacht hatten, aufs höchste nichts, als einige Trennungen unter den Einwohnern verursachen könnten; und daß
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) die Ungewißheit sich für einen von beyden zu erklären, die Hauptsache noch lange zweifel haft lassen werde, da unterdessen der Calif Gelegenheit habe, sich diese Uneinigkeit zu Nutze zu machen, um sein Ansehen zum Scha den derjenigen, die ihn desselben berauben wollten, feste zu setzen. [] (Die Völ ker in Irak tragen dem Hassein die Crone an.) [] Unterdessen war doch dieses Gleichgewicht, welches man zwischen den verschiedenen Par theyen zu seyn glaubte, nicht weiter als dem Scheine nach. Hassein hatte in der That den größten Vortheil auf seiner Seite; und man wurde gar bald durch das Verfahren der Völ ker in Irak davon überzeugt. Diese hatten würklich alle ihre Hofnung auf ihn gegründet, und Moavias war niemals von ihnen anders als ein Tyrann, und unrechtmäßiger Besitzer des Throns betrachtet worden. Sobald sie al so seinen Tod erfuhren, hoften sie, ihr Vorha ben, die Crone wieder auf die Familie des Ali zu bringen, ausführen zu können. [] Die Einwohner von Cuffah schickten in die ser Absicht einige ihrer Vornehmsten ab, den Hassein zu bewegen, daß er mit ihnen über einstimmen möge. Wir betrachten dich, sagten die Abgeordneten, als den recht mäßigen Erben des Califats. Moa vias, den wir verabscheuten, ist nun tod; nimm den Thron wieder in Be sitz, der dir gehört, und den sich
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dieser Tyrann unrechtmäßiger Weise(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) zugeeignet hatte. Wir erkennen dich für unsern Regenten; komm also, und mache die Völker in Irak glücklich; sie lassen dir jetzt durch uns den Eid der Treue leisten, und bitten dich, sie nicht zu verlassen: du wirst sie nicht allein geneigt finden, dich aufzunehmen, son dern sogar ihr Leben für dich aufzu opfern. [] Dieses Betragen rührte den Hassein, und er bezeugte den Abgeordneten alle seine Dank barkeit; er bat sie aber auch, zu überlegen, daß, ohngeachtet sie ihm versicherten, er werde kei ne Hindernisse zu übersteigen finden, es gleich wohl die Klugheit erfordere, bey einer so wich tigen Gelegenheit sehr ernsthafte Betrachtun gen anzustellen, und die allerbesten Maaßre geln zu ergreifen, um die Klippen zu vermei den, auf die man nur allzuoft bey Ausfüh rung eines so grossen Unternehmens zu stos sen pflege. Unterdessen versprach er ihnen doch, was sie ihm jetzt vorgeschlagen, zu ü berlegen: er versicherte sie sogar, seine Bemü hungen darnach einzurichten, wann anders die Vornehmsten von denen, die seine An hänger wären, alle mögliche Klugheit be obachten, und nicht eher losbrechen wollten, als bis es Zeit seyn würde.
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) [] Nachdem Hassein ein so kützliches Unter nehmen lange genug überlegt hatte, so vertrau [] (Hassein schickt den Moslem in seinen An gelegenhei ten nach J rak.) te er sich einem seiner Geschwisterkinder, Na mens Moslem, den er für den geschicktesten hielt, ihm bey diesem Unternehmen nützliche Dienste zu leisten. Er trug ihm auf, nach Irack zu gehen, und gab ihm alle nöthige Vorschrif ten, was er für Maaßregeln zu nehmen habe, um sich der Gesinnungen der Völker daselbst für ihn zu versichern. Wann du sie, sagt er, so findest, wie man sie mir beschrieben hat, und wann sie stark genug sind, sich nicht allein zu vertheidigen, sondern <auch>anch einen Angriff wagen zu können, so kannst du dich, ohne weitere Nachricht von mir, kühnlich an ihre Spitze stel len, und gegen alle diejenigen ausziehen, die sich dir widersetzen wollen. [] Moslem reisete kurz darauf nach Irak ab, und nahm zwey Muselmänner als Vertraute mit, von welchen er sich bey diesem Unterneh men, so wohl in Ansehung ihrer Kenntniß des Landes, als auch ihrer Verbindungen, die sie daselbst unterhielten, grosse Dienste versprechen konnte. Doch kaum hatte er den Fuß nach Irak gesetzt, als er das Unglück hatte, sie beyde durch eine plötzliche Krankheit zu ver lieren. [] Ein so unglücklicher Anfang machte auf das Gemüth des Moslem einen so grossen Ein
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druck, daß er bey nahe ein Unternehmen ganz(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) und gar aufgegeben hätte, das sich mit einer so übeln Vorbedeutung verkündigte. Unterdes sen faßte er doch wieder Muth, begab sich nach Cuffah, und hielt sich lange Zeit daselbst verbor gen, ohne sich einem zu erkennen zu geben, auf den er sich nicht gewiß verlassen konnte. End lich hatten doch diejenigen, an die er sich gewandt, ihre Sache so wohl eingerichtet, daß sie ihm für eine sehr beträchtliche Anzahl Irakianer, wel che alle die Waffen ergreifen wollten, gut waren. [] Ob nun gleich sehr viele um dieses Geheim [] (Noman hält eine Rede an die Cuffahner.) niß wußten, so kam es doch lange Zeit nicht aus, so daß Noman, der Sohn des Baschir, wel cher Statthalter von Cuffah war, eher nichts davon erfuhr, als bis der Entschluß bey nahe gänzlich gefaßt war. Kaum aber hatte er eini gen Verdacht bekommen, als er die Cuffahner in die Moschee zusammenberief, mit dem blossen Degen in der Hand auf den Lehnstuhl stieg, und sie folgender Gestalt anredete: Schon wie der, sagte er, eine neue Gelegenheit zu Unruhen, und innerlichen Trennungen! Es geht das Gerichte, daß sich die Ira kianer für die Aliden waffnen. Ich er mahne euch also insbesondere, bey die sem Zwiste ruhige Zuschauer zu blei ben. Diese Unpartheylichkeit wird euer und mein Glück machen. Sollte ich aber
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) entdecken, daß ein einziger von euch sich darein menget, so schwöre ich euch bey dem lebendigen GOtt, und bey diesem meinem Schwerdt, daß ich ihm keine Gnade will wiederfahren lassen, und daß ich mein Leben lieber verlieren, als dem Califen Yesid ungehorsam werden will. [] Diese Rede, welche bey Umständen gehalten wurde, wobey man vielmehr hätte handeln als reden sollen, ward von denen, die sie angehört, nicht gleich wohl aufgenommen. Einer von ihnen gab es dem Statthalter auch gar bald zu verste hen, indem er zu ihm sagte: Einen solchen Schluß zu fassen komme nun der stärkern Par they zu, aus seiner Rede aber müsse man schliessen, daß die seinige die schwächere sey. Hierauf antwortete Noman weiter nichts, daß man nicht schwach sey, wenn man GOtt ge horche, und stieg von dem Lehrstuhle herab. [] Einige Cuffahner waren mit dieser Auffüh rung des Statthalters nicht zufrieden, und schickten auf das schleunigste nach Damascus, ihn bey dem Yesid zu verklagen. Man melde te dem Califen, was für ein Gerücht sich seit ei niger Zeit in Irak ausgebreitet, was für Be wegungen die Anhänger des Hassein machten, und was für schlechte Maaßregeln der Statt halter dagegen ergriffen.
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[] Der Calif ward über die Nachläßigkeit des(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) Noman erbittert, und stellte so gleich Befehl, ihn abzusetzen, und dem Obeidallah, einen Sohn des berühmten Ziad, seinen Platz zu geben. [] (Noman wird abge setzt; ihm folgt Obei dallah.) Dieser war schon Statthalter von Basrah, doch die gute Meinung die man von ihm hatte, daß er wohl beyden Stellen gewachsen sey, mach te, daß man ihm auch die Statthalterschaft von Cuffah anvertraute, um sie mit jener zugleich zu verwalten. [] Gleich nach erhaltenem Befehle des Califen begab sich Obeidallah nach Cuffah, und da er vorher von den Bewegungen der Aliden Nach richt eingezogen, so entdeckte er gar bald so viel, daß er vermuthen konnte, Hassein werde sich wohl bald selbst in der Stadt einfinden. [] Seine Vermuthung betrog ihn nicht. So bald Moslem den guten Fortgang seines Unter nehmens gesehen, hatte er an den Hassein ge schrieben, daß er sich auf die erste Nachricht zur Reise fertig halten sollte; und kurz darauf hatte er ihm so gar gemeldet, daß er nun nicht länger warten müsse, und hatte ihm sogar den Tag bestimmt, wenn er sich auf den Weg nach Cuffah machen solle. [] Da also Obeidallah alles merkte, was vorge(Schlaues Betragen des Obei dallah.) hen sollte, so wollte er auf eine geschickte Art die Gesinnungen der Cuffahner bey diesen Umstän den gerne auskundschaften. Er hielt den Tag seiner Abreise nach Cuffah also geheim, und ließ
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) unter der Hand ausstreuen, daß Hassein an ei nem gewissen Tage daselbst eintreffen werde. Des Abends nun an eben diesen Tage begab er sich nach Cuffah, und hielt seinen Einzug auf eine solche Art, daß man ihn für den Hassein selbst halten konnte. Er hatte, wie dieser, einen schwarzen Turban, und ein Kleid, welches dem Kleide des Hassan gleich war. Unterwegens fand er eine Menge Einwohner, die er sehr höf lich grüßte; und kurz, er spielte seine Rolle so wohl, daß er für den Hassein angesehen wurde, und Gelegenheit hatte, die Stärke der Aliden, welche in diesem Platze schon beträchtlich war, zu erkennen. Er nahm die Lobeserhebungen, die man dem Hassein zu ertheilen glaubte, auf das verbindlichste an, und hörte sich mehr als einmal einen Gesandten GOttes nennen. [] Allein die Cuffahner blieben nicht lange in diesem Irrthume. Sobald sich Obeidallah auf das Schloß begeben hatte, langten kurz darauf hundert Reuter an, die er zu seiner Be deckung mitgenommen hatte. Nunmehr hielt er es nicht länger verborgen, was er sey, und suchte den Aufstand in seiner Geburt zu ersticken. Damit es aber nicht allzuviel Aufsehen machen möge, so suchte, er bis an die Quelle dieser gan zen Unruhe zurück zugehen; und als er erfuhr, daß Moslem die vornehmste Triebfeder von al lem, was bisher vorgegangen, gewesen sey, so trug er einem seiner Bedienten auf, sich in das Haus dieses Muselmannes einzuschleichen,
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und einen von seinen Leuten zu gewinnen, um(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) auf diese Art hinter seine Geheimnisse zu kom men. [] Dieser Bediente, welches ein sehr verschlage ner Kopf war, hielt es für seine Schuldigkeit, den Befehlen seines Herren nachzukommen. Er machte in dem Hause des Moslem einige Bekanntschaft, und weil er sich für einen eifri gen Aliden ausgab, so machte man ihm länger aus den Bewegungen, die zum Vortheile des Hassein unternommen wurden, kein Geheim niß. Er erfuhr, daß man sich zur Nachtzeit versammle, um über diese wichtige Sache Rath zu halten; und daß man ein genaues Verzeichniß von allen, die zu dieser Parthey getreten, und von den Trupen und Geldsum men, welche jeder dazu hergeben könne, halte. Damit er aber alles desto genauer wissen möge, so ließ er sich dem Moslem selbst vorstellen, dem er seinen Eyfer für die Sache, derentwegen er zu Cuffah Unterhandlung pflege, betheuerte, und zu mehrerer Versicherung desselben einen Beytrag von dreytausend Goldstücken zu thun versprach. Hierauf ward er sogleich in das Buch unter die Anhänger des Hassein einge schrieben, und nunmehr war ihm nichts mehr verborgen. Er sahe sich gar bald im Stande, seinem Herrn eine genaue Nachricht von der Stärke der Aliden, von ihren Anschlägen, und von der Zeit, wenn sie dieselben ausführen woll ten, zu geben. Als er endlich genug zu wissen
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) glaubte, begab er sich wieder zu dem Statthal halter, und ließ sich nicht wieder bey dem Mos lem sehen. [] Diese Verschwindung erweckte einigen Arg wohn. Moslem besorgte, man möchte ihn überfallen, und begab sich also in das Haus des Scharick, eines Emirs von Cuffah, eines eifrigen Aliden, in Sicherheit. Hier nun hielten die vornehmster Vertrauten des Mos lem ihre Berathschlagungen zu Ausführung ihrer Anschläge; weil aber die Wachsamkeit des Statthalters ihnen sehr grosse Hindernisse in den Weg legte, so beschlossen sie, ihn ums Leben zu bringen, so bald man ihn ohne sein Gefolge antreffen würde. [] (Man macht den Anschlag, den Obeidal lah zu töd ten.) [] Die Gelegenheit dazu bot sich ihnen von selbst an, und zwar bey einem Besuche, wel chen der Statthalter bey dem Scharick, wel cher damals sehr gefährlich krank war, able gen wollte. Diese Krankheit hinderte ihn nicht, sich noch immer mit allem, was die Angelegenheiten des Hassein befördern konnte, auf das eifrigste abzugeben: sobald er also die Stunde erfuhr, zu welcher der Statt halter bey ihm seyn wollte, war er mit seinen Anhängern der Meinung, daß man sich die se Gelegenheit zur Ausführung ihres überleg ten Reiches zu Nutze machen müsse. Moslem nahm die Ausführung über sich, und es ward ausgemacht, daß er sich auf den Statthalter
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werfen sollte, wenn der Kranke ein Glas(Yesid. Hegire 60 n. C. G. 680) Wasser verlangen werde. Dieses war das Wahrzeichen, worüber sie einig geworden waren. [] Obeidallah fand sich zu bestimmter Stun de bey dem Scharick ein. Sobald man seine Ankunft gemeldet, versteckte sich Moslem in einen Winkel des Zimmers, wo er nicht konn te gesehen werden; und der Statthalter, wel cher sich nichts übels versah, trat mit einem Muselmanne Namens Hani, welcher ein heimlicher Anhänger des Hassein, und einer von den Mitverschwornen wider den Obei dallah war, in das Zimmer. Dieser Hani war es, bey welchem Moslem, als er nach Cuffah kam, einkehrte, und so lange wohnte, bis er seine Zuflucht in das Haus des Scha rick zu nehmen für nöthig befand. [] Nachdem der Statthalter einige Zeit mit [] (Moslem verfehlt seinen Streich.) dem Kranken gesprochen hatte, so verlangte dieser zu trinken. Moslem machte hierauf einige Bewegung, allein er war nicht stark genug den Streich, den man abgeredet hatte, zu vollführen. Unterdessen hatte doch ein Bedienter des Statthalters das, was vorging, bemerkt, und einigen Verdacht daraus ge schöpft, welchen er seinem Herren mittheilte, und ihn dadurch bewog, dieses Haus auf das schleunigste zu verlassen.
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) [] Hani führte den Statthalter wieder zurück, und als er hierauf in das Zimmer des Scha rick zurückkam, fand er, daß dieser dem Moslem wegen seiner Weichherzigkeit die leb haftesten Vorwürfe machte. Hani konnte sich nicht enthalten ein gleiches zu thun. Was für einen Streich, sagte er, hast du ver fehlt? Diesen Abend hättest du dich im Besitze des Schlosses sehen können; urtheile also, was für Vortheil dem Hassein daraus entsprungen wäre. [] Moslem konnte es nicht leugnen, daß bey gegenwärtigen Umständen dem Hassein ein grosser Dienst geschehen wäre, wenn er den vorgehabten Streich ausgeführet hätte: er ge stand, daß ihn ein Gebot des Propheten zu rückgehalten haben; der Glaube, sagte der Apostel, verdammet den Mord, und ein Gläubiger bringt keinen Menschen hinterlistiger Weise um. Diese Ent schuldigung schien bey einem Umstande, der zum glücklichen Ausgange ihrer Anschläge sehr wesentlich war, ungemein übel angebracht zu seyn. Unterdessen da dieser Streich verfehlt war, so mußte man andre Maaßregeln er greifen, welches auch der Statthalter seiner Seits, ihren Meutereyen Einhalt zu thun, nicht unterließ. [] Scharick entkam seiner Rache, indem er drey Tage nach gedachtem Besuche starb. Die
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ses war das größte Glück, was ihm bey diesen(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) Umständen begegnen konnte; denn der Statt halter hatte sehr genaue Untersuchungen an stellen lassen, und endlich sein Verständniß mit den Irakianern, sowohl als die Gefahr, in welcher er bey ihm gewesen war, ent deckt. [] Man sahe gar bald, daß das Geheimniß [] (Einer von den Anhän gern des Hassein wird in Verhaft ge nommen.) ausgekommen sey, als Hani auf Befehl des Statthalters in Verhaft genommen ward. Anfangs war er Willens gewesen, sich des Mos lem zu versichern; weil man ihn aber nicht gleich finden konnte, so ließ er unterdessen den Hani aufheben, in Hoffnung, daß ihm dieser die Mittel jenen zu bekommen erleichtern würde. [] Sobald Hani vor ihn gestellt war, fragte er ihn, wo Moslem sey? Hani antwortete, er kenne ihn nicht; doch einer von den Leuten des Statthalters überführte ihn so gleich seiner Lü gen, indem er das Verständniß, welches er mit ihm habe, entdeckte. Der Statthalter nahm hierauf wieder das Wort, und sagte mit vielem Ungestüm. Ich muß es den Augen blick wissen, wo er ist. [] Und wenn ich es auch wüßte, sagte Hani trotzig, so wollte ich dir es doch nicht sagen. Obeidallah ward über diese unver schämte Antwort so aufgebracht, daß er sich
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) nicht enthalten konnte, ihm mit einem Streit kolben, den er gleich in der Hand hatte, einen Schlag in das Gesicht zu versetzen. Hani ge rieth darüber in Wuth, zog sein Schwerd, und wollte sich eben auf den Statthalter stürzen, als er von der Wache, welche gegenwärtig war, zu rückgehalten, und sogleich als einer, der den Tod verdienet habe, in das Gefängniß gefüh ret ward. [] Dieser Zufall verursachte unter den Anhän gern, welche Hani in der Statt hatte, ein gros ses Murren. Als endlich gar das Gerüchte ging, als ob man ihn ums Leben gebracht habe, so lief eine Menge Volks mit den Waffen in der Hand auf das Schloß, um diesen Tod an den Urhebern desselben zu rächen. Unterdessen ward dieser Auflauf doch wieder gestillt, indem man erklärte, Hani lebe zwar noch, allein er sey wegen Staatsursachen im Gefängnisse. [] Weiter gingen die Aufrührer nicht. Der Statthalter versammlete hierauf seine Emirs, und begab sich mit ihnen in das Gefängniß, den Hani zu verhören. Doch in eben dem Augenblik ke hörte man von allen Seiten ein Geschrey, die Mannschaft auf dem Schlosse griff zu den Waffen, und man kam eilig zu dem Statthalter, ihm zu sagen, daß man Trupen anrücken sehe, welche mit fliegenden Fahnen auf sie los kämen. [] (Moslem greift zu den Waffen) [] Dieses nun war Moslem, welcher ernsthafte Betrachtungen über das, was vorgefallen
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war, angestellt, und endlich den Entschluß ge(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) faßt hatte, sich öffentlich zu erklären, weil er wohl sahe, daß ihn nunmehr blos die Gewalt gegen die Rache des Obeidallah schützen könne. Er stieg also zu Pferde, und zeigte sich öffentlich in den Gassen von Cuffah. Man gab das Zei chen, worüber man eins geworden war, wenn es Zeit seyn würde zu den Waffen zu greifen; und sogleich kamen die Anhänger so häufig zu sammen, daß er sich bald an der Spitze von ohngefehr vier tausend Mann sahe. Er ließ hierauf zwey Fahnen vortragen, deren eine roth, und die andere grün war, und zog auf diese Art aus der Stadt hinaus, das Schloß zu überfallen; zugleich schickte er einen eignen Boten an den Hassein, welcher ihm in aller möglichsten Eilfertigkeit zu ihm zu stossen ra then mußte. [] Der Statthalter gab überall so gemessene Befehle, und seine Trupen hielten so festen Fuß, daß Moslem stutzig ward, und sich mit seiner Mannschaft nicht weiter fortzurücken wagte. Während der Zeit als Obeidallah den Feind auf diese Weise in Furcht hielt, schickte er verschiedene von seinen Freunden, welches ehrwürdige und vor dem Volke an gesehene Leute waren, in die Stadt, welche den Einwohnern vorstellen mußten, wie un recht es sey, daß sich ihre Mitbürger, einer solchen Sache wegen, dem Unglücke aus setzten.
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) [] Diese Vorstellung ward mit aller mögli chen Behutsamkeit gethan, so daß die meisten Cuffahner über die Gefahr, welche den ih [] (Die Auf rührer ver lassen ihn.) rigen, die zu den Waffen gegriffen hatten, drohte, erschracken, aus der Stadt liefen, und Furcht und Schrecken unter die Mann schaft des Moslem brachten. Eine Musel männin sogar wandte sich an den Anführer selbst, und sagte ihm mit einem drohenden Blicke, daß er sich nun fortmachen könnte, wann es ihn nicht bald reuen sollte. Er ver achtete Anfangs diese Rede, und wartete bloß, bis die übrigen Anhänger, die er in Cuffah hatte, zu ihm stossen würden, um mit offen barer Gewalt das Schloß anzugreifen; doch wie groß war seine Bestürzung, als er sahe, daß die Glieder seiner Trupen immer heller und heller wurden. Alle seine Mannschaft verließ ihn nach und nach, und endlich sahe er sich selbst genöthiget, wieder nach der Stadt zu kehren, weil nicht mehr als ohnge fähr dreyßig Soldaten von vier tausend Mann bey ihm geblieben waren. [] Der Statthalter war erfreut, als er sahe, daß sich die Rebellen von selbst zerstreuten, ob er sich gleich die Gelegenheit, sich des Mos lems zu bemächtigen, nicht zu Nutze machen wollte. Er ließ ihn ganz ruhig in die Stadt wieder zurückkehren, und hofte ihn bald we gen seines Aufruhrs zu bestrafen; übrigens
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gab er sich weiter keine Mühe, als daß er(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) demjenigen, welcher ihm den Moslem liefern würde, eine Belohnung versprach. [] Als dieser also wieder nach Cuffah gekom [] (Moslem nimmt die Flucht.) men war, und beynahe keinen einzigen Freund mehr in dieser Stadt fand, entschloß er sich, den Rest dieses Tages über sorgfältig verbor gen zu bleiben. Sobald der Abend einbrach, machte er sich mit Hülfe der Finsterniß da von, und wagte es nicht einmal, einen Weg weiser mitzunehmen, so sehr mißtrauisch war er gegen einen jeden aus diesem zahlreichen Volke, dessen Unbeständigkeit er auf eine für ihn so schreckliche Art erfahren hatte. [] Weil er auf nichts als auf seine Flucht be dacht war, ohne eigentlich zu wissen, wohin er seinen Weg nehmen muste, so schweifte er sehr weit um, ohne einen sichern Zufluchtsort zu finden. Unterdessen ward er von weitem auf dem Felde einiges Licht gewahr, auf wel ches er zuging, und ein verlassenes und ab gelegenes Haus antraf. Als er an die Thü re klopfte, ward sie ihm von einer alten Frau geöfnet, welche er um ein wenig Wasser zu trinken bat. Er stellte ihr hierauf vor, wie viel Beschwerlichkeiten er ausgestanden habe, und bat sie endlich, ihm zu erlauben, daß er den Rest der Nacht in ihrem Hause zubrin gen dürfe.
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) [] Die Frau entschuldigte sich, und wandte vor, sie habe keinen Ort, wo sie ihn hinlegen könne, indem keine andere Kammer ledig sey, als die Kammer ihres Sohnes, in welche sie aber niemanden bringen dürfe, weil er selbst noch diese Nacht aus Cuffah, wohin er we gen Angelegenheiten gereiset sey, zurückkom men werde; und eben ihn zu erwarten, sey sie so lange aufgeblieben. [] Moslem ließ sich durch diese abschlägliche Antwort nicht abweisen, sondern wiederholte seine Bitte, und drang in sie, ihm wenigstens zu erlauben, daß er unter ihrem Dache den Tag erwarten dürfe. Ihr werdet mir ei nen grossen Dienst erweisen, fügte er hin zu, und es soll euch nicht gereuen. Wer seyd ihr denn? erwiderte hierauf die Frau. Als sich Moslem ihr nun entdeckte, gab sie sich alle Mühe, ihn wohl zu empfangen, und verbarg ihn in einem abgelegten Ort ihres Hau ses. Weil ihm übrigens einige Nahrung sehr nöthig war, wenn er sich anders länger er halten wollte, so brachte sie ihm auch etwas zu essen, und that alles, ihm eine ruhige und gute Nacht zu verschaffen. [] Mitten unter diesen Bewegungen langte der Sohn dieser Frau an. Er erstaunte ü ber die Geschäftigkeit seiner Mutter, und frag te um die Ursache derselben. Anfangs wollte sie ihr Geheimniß verbergen; da sie aber dem
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dringenden Anhalten ihres Sohnes nicht wi(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) derstehen konnte, so gestand sie ihm endlich, daß Moslem von Cuffah entflohen sey, und bey ihr eine Zuflucht gesucht habe, die sie ihm auch mit Vergnügen zugestanden. [] Der junge Muselmann hatte zu Cuffah ge hört, daß der Statthalter demjenigen eine Belohnung versprochen, welcher den Mos lem entdecken würde, und fand also für gut, sich diese Gelegenheit zu Nutze zu machen. Nachdem er also ein wenig ausgeruht hatte, wandte er eine Angelegenheit vor, die ihn wieder in die Stadt zurückrufte, machte sich den Tag darauf bey guter Zeit auf, kam zu dem Obeidallah, und gab ihm von seiner Ent deckung Nachricht. [] Auf diese Nachricht schickte der Statthalter [] (Moslem wird gefan gen genom men, und nach Cuffah geführt.) funfzig Reuter, welche das Haus, in wel chem sich Moslem befand, umringen mußten: Dieser aber, sobald er die Gefahr, die ihm drohete, erfuhr, ergriff seinen Degen, und ging den Reutern entgegen, eben als sie in das Haus einbrechen wollten. Nunmehr ge schah also ein sehr heftiger Angriff, welchen er mit einer erstaunlichen Tapferkeit aushielt; er tödtete verschiedene, und brachte die übrigen zu drey verschiedenenmalen zum weichen. [] Das, was dem Moslem hierbey, ausser sei nem Muthe, einen grossen Vortheil verschaf
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) te, war der Befehl, welchen die Reuter hat ten, ihn zu schonen, weil der Statthalter gerne umständlich von der ganzen Verschwörung un terrichtet seyn wollte, und also durchaus ver boten hatte, ihm das Leben zu nehmen. Un geachtet aber seines männlichen Widerstandes liessen sich die Reuter doch so wenig abweisen, daß es ihnen endlich, ihn wehrlos zu machen, gelang. Nachdem man ihn hierauf fest zu sammen gefesselt hatte, setzte man ihn auf sein eigen Maulthier, und führte ihn nach Cuffah. [] Als der Officier, welcher diese Mannschaft anführete, sahe, daß Moslem einige Thränen fallen ließ, konnte er sich nicht enthalten, ihm deswegen Vorwürfe zu machen; daß nemlich er, als ein Mann, der so viel Tapferkeit gezeigt habe, und an der Spitze eines so kühnen Unter nehmens gewesen sey, sich der Schwachheit, Thränen zu vergiessen, nicht enthalten könne. Moslem antwortete hierauf, daß es nicht sein eignes Unglück, sondern das Unglück des Has sein sey, welches er beweine, indem dieser oh ne Zweifel auf dem Wege nach Cuffah begrif fen wäre. Er war von dem Unglücke, welches diesem Prinzen drohte, so sehr gerührt, daß er versuchen wollte, ihm die Rückkehr nach Mecca rathen zu lassen. Er wandte sich in dieser Ab sicht an einen von den Reutern, welchen er für ein wenig leutseliger ansahe, als die andern; und nachdem er eine Zeit lang mit ihm auf dem
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Wege geschwatzt hatte, gab er ihm zu verstehen,(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) daß er sich eine ansehnliche Belohnung verdie nen könne, wenn er dem Hassein sagen wolle, daß er so gleich wieder zurückkehren, und sich der Stadt Cuffah im geringsten nicht nähern möge. Der Reuter versprach einen Boten dieserwegen abzusenden; der Bothe versprach das Aufgetragene auszurichten; aus der Sache selbst aber ward nichts. [] Unterdessen gelangte Moslem in das Schloß, wo er eine grosse Anzahl Emirs, oder Raths herren, versammlet fand. Sie waren alle in dem Verhörungssale, wo sie nur auf die Ge genwart des Statthalters warteten. Der Ge fangene konnte ohne viel Mühe wahrnehmen, wie sehr die Gemüther wider ihn erbittert wä ren. Man schlug ihm so gar ein Glas Wasser ab, welches er bey seiner Ankunft verlangte, und sagte ihm statt aller Antwort, er könne Ha min trinken. Dieses ist nach der Meinung der Mahometaner ein Gift, welches die Teu fel ganz siedend den Verdammten eingiessen. [] Moslem ließ sich durch einen Anfang, wel cher nichts als trauriges zu verkündigen schien, gar nicht irre machen, sondern nahm vielmehr eine gewisse Standhaftigkeit an; so daß er den Statthalter, als er in den Saal trat, nicht ein mal grüßte. Als es einem, ihm deswegen ei nen Vorwurf zu machen, einkam, gab er ganz trotzig zur Antwort, und wann es auch Yesid
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) selbst wäre, so glaube er doch nicht verbunden zu seyn, ihn zu grüssen, es wäre denn, daß er ihm seine Gnade vorherversichert hätte. [] Als Obeidallah mit den übrigen Emirs Sitz genommen hatte, fing er damit an, daß er dem Moslem die heftigsten Vorwürfe wegen der Unruhen machte, die er zu Cuffah und in dem grösten Theile von Irak, wo alles vorher fried lich gewesen wäre, angerichtet habe. Die Einwohner von Cuffah, antwortete Mos lem unerschrocken, und aus der ganzen Pro vinz sind bereit, dir von dem, was du vorgiebest, das Gegentheil zu bewei sen. Sie haben die Grausamkeiten des Ziad deines Vaters, welche alle Grau samkeiten eines Cosroes, der über diese Völker tyrannisirt, und ihre Städte und Felder mit Blut erfüllet hat, übertrof fen, noch nicht vergessen. Ich kam hie her, diese unglückliche Einwohner einem Fürsten zu unterwerfen, welcher sie nach der Gerechtigkeit und Geiste des Propheten würde regiert haben. [] Der Statthalter ward über diese Rede des Moslem erzürnt, und ließ ihm sehr hart an; unter andern Vorwürfen, die er ihm machte, gab er ihm Schuld, daß er Wein tränke. Mos lem fand sich durch diese Beschuldigung belei digt, und berufte sich deswegen auf das Gerich te GOttes. Endlich, nach langem Wortwech
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sel, sprach ihm der Statthalter sein Todesur(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) theil, und erlaubte ihm, sein Testament zu ma chen. Moslem hatte eben sieben hundert Gold stücken bey sich, die er einem seiner Freunde gab, und ihn beschwor, sogleich dem Hassein auf dem Wege nach Mecca entgegen zu eilen, <und>nnd ihm zu rathen, daß er ja nicht bis nach Cuf fah kommen möge. Einer, welcher diese Re de des Moslem hörte, gab dem Statthalter da von Nachricht, welcher hierauf öffentlich erklär te, daß wenn sich Hassein ruhig zu bleiben ent schliessen wollte, man ihn auf keine Weise beun ruhigen, hingegen auch nicht die geringste Schonung gegen ihn brauchen werde, wenn er sich das geringste zu unternehmen erkühnte. [] Kurz darauf ließ Obeidallah den Moslem [] (Dem Mos lem und Hani wer den die Köp fe abge schlagen.) auf einen erhabnen Ort des Schlosses führen, wo ihm der Kopf abgeschlagen ward. Sein Körper ward hierauf, sowohl als sein Kopf, von oben herunter geworfen. Hani ward an eben diesem Tage enthauptet; die Execution aber ge schah in einer von den Strassen der Stadt Cuf fah. Beyde Köpfe schickte der Statthalter mit einer <umständlichen>unständlichen Beschreibung alles des sen, was vorgefallen war, an den Califen. [] Während dieses blutigen Auftritts in Cuf fah machte sich Hassan fertig, dahin aufzubre [] (Hassein macht sich fertig nach Cuffah zu kommen.) chen, in der gewissen Zuversicht, alles für sich auf das beste zubereitet zu finden. Ausser dem jenigen, was ihm Moslem eben zu der Zeit, da
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) er das Schloß hatte einnehmen wollen, melden lassen, hatte er noch eine grosse Menge sehr drin gender Brief bekommen, in welchen allen die Einwohner von Cuffah den Hassein ersuchten, ihre Wünsche zu erfüllen, und sich auf das bal digste in ihrer Stadt zu zeigen. Sie schickten ihm sogar ein Verzeichniß derjenigen, auf die er ganz gewisse Rechnung machen könne. Der Arabische Geschichtschreiber läßt ihre Anzahl sich bis auf hundert und vierzig tausend be laufen. [] Hassein ward durch eine so glänzende Aus sicht gerührt, und glaubte sich schon auf dem Throne zu sehen. Er schickte einen Vertrauten, Namens Cais, nach Cuffah voraus, um seinen Anhängern seine Ankunft vermelden zu lassen, und ließ hierauf alles zur Abreise fertig machen, ob ihm gleich seine Freunde sehr weise Vorstel lungen, ihn davon abzuhalten, thaten. Ab dallah - ebn - Abbas, ein wegen seiner Tugend und Klugheit sehr ehrwürdiger Greis, kam ausdrücklich zu ihm, ihn von diesem Vorha ben abzurathen. Hassein glaubte seine Gründe hinlänglich zu wiederlegen, und so gar seinen Beyfall zu gewinnen, indem er ihm die in Hän den habenden Briefe zeigte; diese waren nach seiner Meinung eben so viel Unterpfänder, die ihm für einen glücklichen Ausgang gut wären; hierzu fügte er noch mit einer recht freudigen Entzückung, daß er auf den Beystand des Him
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mels hoffe, und also nicht länger anstehen könne,(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) sich an die Spitze so vieler tapfern Männer zu stellen, welche alles für ihn aufopfern wollten. [] Ich will es sehr wohl zufrieden seyn, antwortete der weise Alte, so bald man dich wird versichert haben, daß die Cuffahner den Obeidallah umgebracht, daß sie die Trupen, welche in des Yesid Diensten sind, aus dem Schlosse gejagt, und daß deine Anhänger unumschränkte Herren von der Stadt und der Provinz sind. Was aber ihre blosse Einladung bey ge genwärtigen Umständen anbelangt, so kannst du ja leicht sehen, daß sie keine andre Absicht haben, als die Kriegsfah ne in ihrer Stadt von dir ausgesteckt zu sehen, und dich in Unruhen zu verwik keln, in die sie ihre unruhige Gemüths art stürzt, und aus welchen sie sich ver möge ihrer natürlichen Treulosigkeit so gleich wieder zu reissen gewohnt sind. Du wirst es erfahren, daß die Cuffah ner sich noch einmal in deine grausam sten Feinde verwandeln werden. Was für Beyspiele könnte ich dir nicht hier von anführen, wenn du sie hören woll test. Doch alle diese Vorstellungen konnten den Entschluß des Hassein nicht wankend ma chen, sondern er beharrete bey einem Entschlusse welcher ihn unvermerket zu seinem Verderben leitete.
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) [] Kurz darauf kam auch Abdallah - ebn - Zi beir zu dem Hassein, und hatte wegen seiner Rei se nach Cuffah eine sehr lange Unterredung mit ihm. Seine Meinung war nicht, ihn davon abzubringen. Er sahe vielmehr, daß dieses Un ternehmen nicht anders als unglücklich für ihn ausschlagen könne, und war also über die ausser ordentliche Hitze, mit welcher er sich demselben überließ, sehr vergnügt, weil in dem Falle ei nes wiedrigen Ausganges Abdallah, welcher gleichfals nach dem Throne strebte, seine Hof nung wieder aufblühen sahe, welche, so lange als Hassein lebte, nicht bestehen konnte. [] Unterdessen sprach er doch von seiner Reise nach Cuffah mit ihm, als von einer zu seiner Er hebung zum Califat ganz unnöthige Sache. Er stützte sich hierbey darauf, daß das Volk in die ser Stadt, und überhaupt in dieser ganzen Pro vinz, kein Recht zur Vergebung dieser Würde habe. Er stellte ihm vor, daß dieses Vorrecht allezeit denen von Mecca und Medina zugehört habe, und daß es also besser sey, sich bloß an diese zu halten, als sich nach andern Stimmen umzuthun, deren Rechtmäßigkeit man einmal streitig machen könnte. [] Hassein stellte ihm vor, daß es ihm durchaus unmöglich sey, dem dringenden Anhalten der Cuffahner länger zu widerstehen; es sey zwar wahr, daß die von Mecca und Medina allezeit das Vorrecht, einen Califen zu nennen, gehabt
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hätten; allein ihre wenige Entschlossenheit(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) über ihre Rechte zu halten, habe ohne Zweifel die Cuffahner bewegt, sich diesen Vorzug an zumassen; und übrigens hätten sie ja auch keine andre Absicht dabey, als das Joch der Califen aus dem Hause der Ommiaden, welche alle ihre Gunst, zum Nachtheil der arabischen Völker, gegen die Syrer verschwendeten, abzuschütteln. Abdallah ebn - Zobeir schien diesen Gründen nachzugeben, und sagte beym Abschiede zu dem Hassein: Wann ich eine so ansehnliche Parthey, als du, hätte, so würde ich schon an ihrer Spitze seyn, und den Yesid auf seinem Throne erschüttern. [] Abdallah - ebn - Abbas, dieser weise Alte, wel(Abdallah bemühr sich den Hassein von seiner Reise nach Cuffah ab zubringen.) cher, wie wir gesehen, dem Hassein so vernünf tig zu redete, konnte sich nicht einbilden, daß er gegen seine Gründe nicht sollte empfindlich ge wesen seyn, und kam also nochmals zu ihm, um zu wissen, welchen Entschluß er endlich seinen Vorstellungen zu Folge genommen habe. [] Hassein wiederhohlte gegen ihn dasjenige, was er zu allen, die sich seiner Reise wiedersetz ten, zu sagen pflegte, und was er ihm bey der ersten Unterredung, die sie mit einander gehabt, schon gesagt hatte. Wenigstens, sagte Ab dallah, nimm deine Weiber und deine Kinder nicht mit dir; ich habe dieser wegen die allertraurigsten Ahndungen. Er versuchte hierauf nochmals ihn zu bewegen,
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) indem er ihm von dem Abdallah - ebn - Zobeir sprach, den er als einen Mitbuhler anzusehen habe, welcher sich seine Abwesenheit zu Nutze zu machen nicht unterlassen würde. Du sez zest ihn, sagte er zu dem Hassein, in recht bequeme Umstände; er wird alsdenn der einzige in Mecca seyn, und sich gar bald von der ganzen Provinz Hegiaz Meister machen. Er wünscht nichts so sehr, als deine Abreise: denn du bist sei nen ehrgeitzigen Unternehmungen hier die größte Hinderniß. Du wirst sehen, daß er sie öffentlich bekannt machen wird, so bald er deine Gegenwart nicht mehr wird fürchten dürfen. Ich schwö re dir bey dem lebendigen GOtt, aus ser welchem kein ander GOtt ist, wenn ich glaubte, daß es helfen würde, ich wollte dich bey den Haaren zurückhal ten, um dich an deinem unglücklichen Unternehmen zu hindern. [] Dieser eifrige Muselmann that noch mehr. Weil er wußte, daß Hassein ausdrücklich beschlos sen habe, den Morgen drauf abzureisen, so brachte er die ganze Nacht bey ihm zu, und bat ihn ohn Unterlaß, an die traurigen Folgen mit allem Ernste zu denken, welche ein solcher Schritt ha ben könne; doch er mußte zu seinem Verdrusse wahrnehmen, daß mit einem so ausserordentlich eingenommenen Gemüthe nichts anzufangen sey, und mußte ihn also abreisen lassen.
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[] Hassein machte sich also mit seiner Familie,(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) mit seinen Leuten und einer Anzahl von Freun den, die sich seinem Glücke ergeben hatten, auf den Weg. Seine ganze Begleitung mochte(Hassein reiset nach Cuffah ab.) ungefehr hundert Personen ausmachen. Un terdessen glaubte er, daß sie zu seiner Reise nach Cuffah stark genug sey, weil er bey seiner An kunft alle Anhänger, von welchen ihm Moslem in seinem Einladungsbriefe geschrieben hatte, in Waffen zu finden glaubte. Doch alles das hatte ein ganz ander Ansehen gewonnen; denn der Tag der Abreise des Hassein war gleich derjenige, an welchem der unglückliche Moslem hingerichtet ward. [] Obeidallah hatte von dem Unternehmen des [] (Der Statt halter schickt Tru pen wider ihn aus.) Hassein Nachricht bekommen, und schickte tau send Mann zu Pferde, unter Anführung des Harro - ebn - Yesid, wider ihn aus. Dieser Anführer war zwar dem Obeidallah sehr erge ben, gleichwohl aber war er kein offenbarer Feind des Hassein, und schien sehr geneigt zu seyn, mit ihm auf das gelindeste zu verfahren, wenn er nur seinen Vorsatz aufgeben wollte. [] Als Harro bey einem Orte, mit Namen Ascheraf, nicht weit von dem Euphrat, ange langet war, schickte er eine Anzahl von seinen Leuten aus, Wasser aus diesem Flusse zu ho len; und befahl ihnen zu gleicher Zeit, dem Has sein, wenn sie ihn antreffen sollten, keine Belei digung zuzufügen, sondern ihm vielmehr Bey
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) stand zu leisten, wann er dessen etwa benöthiget seyn sollte, um so viel Wasser zu haben, als er für sich und sein Gefolge brauche. [] (Hassein ladet ihren Anführer ein, auf sei ne Seite zu treten.) [] Diese Befehle wurden genau vollzogen. Man traf den Hassein an, und bezeugte ihm alle mögliche Achtung. Dieser ward durch den schö nen Anschein verführt, und wollte versuchen, ob er diese Mannschaft auf seine Seite ziehen könne; und er verlangte daher mit ihrem Anfüh rer zu sprechen. Als dieses dem Harro gemel det ward; war er sogleich bereit sich mit ihm zu besprechen. In der ziemlich langen Unterre dung, die sie mit einander hatten, sagte ihm Hassein, daß die Cuffahner ihn schon seit lan ger Zeit zu diesem Unternehmen aufgefordert hatten, und daß sie ihn jetzt nur erwarteten, um unter seiner Anführung zu Werke zu gehen: Er fügte hinzu, daß man sich über die Gesin nungen dieses Volks eben nicht wundern dürfe, weil er doch, alles wohl überlegt, gegründete Ansprüche auf das Califat habe. Er führte in dieser Absicht verschiedne Beweise an, und end lich brachte er so gar die Briefe der vornehmsten Einwohner von Cuffah hervor, von welchen die Rechtmäßigkeit seiner Forderungen erkannt würden. Er ersuchte ihn, ein gleiches zu thun, und ihnen beyzutreten, um ihn vorzüglich vor den Nachkommen des Ommiah, welche eine ty rannische angemasete Gewalt über die Musel männer ausübten, zu erkennen.
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[] Ich weis es nicht, und mag es nicht(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) wissen, antwortete Harro, wer diejenigen sind, die dich zu diesem Unternehmen verleitet haben. Ich muß dir aber sa gen, daß es mir sehr verwegen zu seyn scheinet. Ich sehe nicht ab, was du dir für eine Rechnung auf die Briefe der Cuffahner machen kannst. Ich bin nicht einmal so neugierig, sie lesen zu wollen. Alles, was ich weis, ist dieses, daß ich einen ausdrücklichen Befehl habe, dich, sobald ich dich angetrof fen, auf das Schloß von Cuffah zu bringen. Hieraus nun magst du wei ter schliessen. [] Hassein antwortete, daß er eher sterben, als sich einem solchen Befehle ergeben wollte, und befahl sogleich seinen Leuten aufzubrechen. Doch Harro ließ seine Reuter eine Bewegung machen, und schnitt ihnen den Weg ab. Has sein gerieth darüber in Wuth, und stieß die allerschimpflichsten Verfluchungen wider ihn aus. Harro aber schien sehr wenig da durch gerührt, und antwortete ihm bloß: Verdanke es der Hochachtung, die ich gegen deine Mutter, die Fatine, und gegen den Apostel, deinen Großvater, habe; ausserdem würde ich mir selbst deiner Verfluchungen wegen Recht schaffen.
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) [] Er ließ hierauf seine Reuter ein wenig bey Seite gehen, und sagte zu dem Hassein, daß er gar nicht Willens sey, ihm einige Gewalt zu thun; doch könne er sich auch nicht ent brechen, den Befehl, ihn auf das Schloß zu bringen, und ihn bis dahin nicht aus den Augen zu verlieren, zu vollstrecken. Unter dessen, fügte er hinzu, wenn du willst, so wollen wir unsre Maaßregeln so nehmen, daß nicht nur ich von Seiten dessen, der mich schickt, nichts zu be fürchten habe, sondern daß auch du vor aller Gewaltthätigkeit gesichert werdest. Schreibe an den Yesid, und an den Obeidallah; ich will ein glei ches thun. Uebrigens aber nimm dich wohl in Acht; denn wenn du warten willst, bis man dich angreift, so bist du verlohren. [] (Hassein erfährt, daß seine Par they zu Cuf fah zerstreu et worden.) [] Eben da er noch redete, sahe man vier Reu ter anlangen, welche von Cuffah kamen. Als Hassein einen davon, mit Namen Tirmah, erkannte, bat er den Harro ihn herbeykom men zu lassen. Dieser willigte darein, ob gleich nicht ohne einigen Widerwillen, weil er nicht wußte, was Hassein für eine Absicht haben könnte. Als Tirmah sogleich gefragt ward, wie es in Cuffah stehe, so gab er dem Hassein die allertraurigsten Nachrichten. [] Alle die Vornehmsten von Cuffah,
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sagte er, haben sich nunmehr wider dich(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) erklärt. Es ist zwar wahr, daß noch einige Einwohner heimlich ihre Wün sche auf dich richten; allein mache dir nur gewisse Rechnung, daß sie schon morgen bereit seyn werden, den De gen wider dich zu ziehen. Der unglück liche Kais, den du zu Besorgung dei ner Angelegenheiten nach Cuffah ge schickt hattest, ist auf Befehl von der Zinne des Schlosses herabgestürzt wor den, weil er dich und deine ganze Fa milie nicht hat verfluchen wollen. [] Ich glaube nicht, fügte Tirmah hinzu, daß du noch das äusserste wagen willst, welches doch vergebens seyn würde, da du so wenig Volk bey dir hast; denn du must wissen, daß heute die ganze Gegend um Cuffah von allen Seiten mit Trupen angefüllt ist. Gehe nicht weiter fort, ich beschwöre dich; und wenn du eine sichere Zuflucht anneh men willst, so komm mit uns auf un sern Berg Agia; dieser Ort ist so un wegsam, daß man es gewiß nicht wa gen wird, dich daselbst anzugreifen; du kannst so lange daselbst bleiben, als du es für gut befinden wirst. [] Auf solche Nachrichten hätte sich Hassein, sollte man glauben, wieder zurück begeben, und
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(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) einem ganzen Anschlage entsagen sollen, dessen Ausgang nicht anders als unglücklich seyn konnte. Die Gelegenheit war um so viel gün stiger, da es Harro selbst, welcher beständig um ihn war, sehr gerne würde gesehen ha ben, wenn er auf seinen Rückzug hätte wol len bedacht seyn. Doch Hassein, welcher sich von seinen ersten Vorstellungen noch nicht los machen konnte, wollte durchaus seinen Weg verfolgen, und machte sich von neuem wie der auf den Weg nach Cuffah. [] Unterdessen gewannen die Sachen unver merkt ein ganz ander Ansehen. Obeidallah bekam von der Hartnäckigkeit des Hassein Nach richt, und ließ also seinen ersten Vorsatz fah ren, ihn nach Cuffah bringen zu lassen. Er besorgte, das Volk, ob es sich gleich jetzt wi der ihn erklärt habe, möchte, vermöge seiner natürlichen Unbeständigkeit, ihm seine Gunst von neuem schenken. Er schickte daher einen Boten an den Harro, welcher ihm befehlen mußte, den Hassein in einen gewissen Can ton zu führen, wo weder Flecken noch Festun gen waren. Hier nun sollte er mit ihm so lange bleiben, bis er weitere Befehle erhalten würde. [] Kurz darauf ließ der Statthalter ungefehr vier tausend Mann, unter Anführung des Amer - ebn - Said aufbrechen, welcher sich so gleich in die Nachbarschaft des Hassein begab,
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und ihn durch einen Officier nochmals fragen(Yesid. Hegire 60. n. C. G. 680) ließ, was seine Absicht sey, und warum er seinen Aufenthalt in Mecca verlassen habe? [] Hassein, welcher ohne Zweifel über die we nige Wahrscheinlichkeit eines glücklichen Fort ganges Betrachtungen mochte angestellt haben, gab nunmehr eine Antwort von sich, welche ihn aus aller Verwirrung, worinne er sich befand, hätte reissen können, wenn er sie nur ein wenig eher hätte geben wollen. Er sag te also, daß er sich bloß auf das dringende Anhalten der Cuffahner, welche sich ihm un terwerfen wollten, Mecca zu verlassen ent schlossen habe; nunmehr aber, da er erfahren, daß sie ihre Gesinnungen geändert hätten, sey er willens, mit seiner Familie und seinen Freunden wieder nach Mecca zurückzukehren. [] Amer schien über diese Antwort sehr ver gnügt, weil er glaubte, daß sie alle Schwie rigkeiten heben werde. Dieser Heerführer war dem Hassein in der That ergeben; er hat te sogar nicht einmal wider ihn ausziehen wol len, als ihm Obeidallah den Befehl dazu ge geben, und würde es auch gewiß nicht gethan haben, wenn er sich nicht für seinen Drohun gen hätte fürchten müssen. Als man ihm al so die weltlichen Gesinnungen des Hassein hin terbracht hatte, gab er dem Obeidallah in möglichster Eil davon Nachricht, gleichsam als von einer glücklichen Neuigkeit, welche den Frieden wieder herstellen würde.
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(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) [] Doch dieser Statthalter, welcher Anfangs weiter nichts zu verlangen geschienen hatte, als daß Hassein sich wieder nach Hause begeben [] (Obeidallah dringt dar auf, daß Hassein den Yesid er kennen soll.) möchte, hatte gleichfals seine Meinung geän dert. Es kam nun nicht mehr bloß darauf an, ihn von seinem Vorsatze abzubringen, und übri gens seine Stimme als gleichgültig anzusehen; sondern Obeidallah verlangte ausdrücklich, daß Hassein mit allen seinen Anhängern den Yesid für den rechtmäßigen Califen erkennen sollten. Er befahl also der Armee, diese Sache auf das schleunigste zu Stande zu bringen; und damit er durch Gewalt dasjenige erhalten möge, was in gutem schwerlich zu hoffen war, so geboth er diesem Officier, das Lager des Hassein dergestalt einzuschliessen, daß ihm alle Gemeinschaft mit den Flüssen abgeschnitten wäre, damit der Mangel an Wasser, welcher in so heissen und dürren Ländern eine grausame Marter ist, ihn nöthige, die verlangte Einwilligung auf das eheste von sich zu geben. [] Als man dem Hassein den Willen des Statt halters kund gemacht, so ließ dieser dem Amer sagen, daß er mit ihm, zwischen beyden Lägern, eine Unterredung zu haben wünsche. Dieser willigte darein, und nachdem er sich sogleich an den ausgemachten Ort begeben, so that ihm Hassein, welcher nur immer der Nothwendig keit den Yesid zu erkennen zu entwischen suchte, drey Vorschläge. Anfangs schlug er
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ihm vor, nach Damascus zu reisen, und seinen(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) Vergleich mit dem Yesid selbst zur Richtigkeit zu bringen. Hernach schlug er vor, nach Mecca zu rückzukehren, und endlich verlangte er, daß man ihm irgend eine Gegend einräumen solle, wo er die Türken bekriegen könne. [] Amer machte sich diese Antworten zu Nutze, damit er die Befehle des Obeidallah nicht nach der Strenge vollziehen durfte. Er meldete ihm also die Gesinnungen, in welchen sich Hassein würklich befinde, und bat ihn, ihn wissen zu las sen, was er davon gedächte. [] Nachdem Obeidallah die Vorschläge des Hassein untersucht, so wollte er es nicht wagen, ihm die Antwort nach seinem eigenen Gutdünken darauf zu geben. Er ließ also einen angesehe nen Muselmann, Namens Schamer, holen, und fragte ihn um seine Meinung, was er auf diese erhaltene Nachrichten wohl thun solle? Dieser zauderte mit seiner Entscheidung nicht lange. Er sagte dem Statthalter, daß diese Vorschläge verfänglich wären; es sey augen scheinlich, daß Hassein nur Zeit zu gewinnen su che; und seiner Gesinnungen könne man sich auf keine andre Art versichern, als wenn man ihn nöthigte, sich ohne Umschweife in Anse hung des Yesid zu erklären, ihn für den Califen zu erkennen und ihm den Eid der Treue zu leisten.
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(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) [] Diese Meinung brachte den Statthalter zum Entschlusse. Er trug dem Schamer auf, dem Amer selbst davon Nachricht zu geben, und ihm zu sagen, seine Absicht sey, daß er den Hassein, und alle, die sich ergeben würden, gütig aufneh men solle; im Falle der Weigerung aber lasse er ihm befehlen, alles, was sich wiedersetzen wür de, in Stücken zu hauen. Und weil Obeidal lah aus dem, was schon vorgegangen war, Ur sache zu vermuthen hatte, Amer würde, diesen Befehlen nachzukommen, Schwierigkeiten ma chen, so gebot er dem Schamer, diesem Gene rale im Falle des Ungehorsams den Kopf vor die Füsse legen zu lassen, und das Commando an seiner Statt zu übernehmen. Zu gleicher Zeit gab er noch einen besondern Befehl, daß man die Kinder des Ali, welche ihren Bruder den Hassein begleitet hatten, nicht in das gemeine Unglück mit verwickeln sollte. Er trug dem Schamer auf, ihnen sicheres Geleit antragen zu lassen, damit sie sich ungehindert nach Cuffah begeben könnten. [] Nachdem sich Schamer in aller Eil nach Ker bela, wo die Lager des Hassein und Amer stan den, begeben hatte, so theilte er diesem die Be fehle des Obeidallah mit. Er hatte hierauf ei ne Unterredung mit dem Hassein, welcher aber in die Vorschläge, die man ihm that, durchaus nicht willigen wollte; auch die Kinder des Ali schienen sehr wenig geneigt, sich zu ergeben, und
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als man ihnen von dem sichern Geleite, wel(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) ches ihnen der Statthalter anbieten ließ, sprach, antworteten sie mit nichts, als mit einer Beschimpfung darauf: Die Sicherheit, welche von GOtt kömmt, sagten sie, ist si cherer, als die, welche der Sohn der Som miah gewähren kann. (*) Als Amer sa he, daß sich Hassein durch nichts bewegen ließ, und daß er sich übrigens selbst der grösten Ge fahr aussetzte, wenn er den Befehlen des Califen nicht gehorchte, so beschloß er endlich, keine fer nere Nachsicht zu gebrauchen. Er erklärte dem Hassein also, daß das Glück der Waffen nun mehr sein Schicksal entscheiden müsse, und daß er sich länger nicht entbrechen könnte, ihn mit offenbarer Gewalt anzugreifen. [] Hassein ließ hierauf alles sogleich in Bereit [] (Verschiede ne Schar mützel zwi schen den Leuten des Hassein und den Trupen von Cuffah.) schaft setzen, um den Angriff auszuhalten, und weil er im Vergleich seiner Feinde nur sehr we nig Leute bey sich hatte, so richtete er alles derge stalt ein, daß er in seinem Lager nicht konnte 3
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(Yesid. Hegire 61 n. C. G. 680) überfallen werden. Er ließ alle Zelte sehr enge aneinander rücken, damit sie eine Art von Schutzwehr abgeben könnten, und nicht mehr als eine einzige Seite seines Lagers blieb wegen der Gemeinschaft von aussen her offen. Er ließ über dieses noch einen ziemlich breiten Graben um sein Lager ziehen, und eine Menge dürres Schilfrohr hineinwerfen, welches er an zuzünden Willens war, um den Feinden allen Zugang unmöglich zu machen, wenn sie ihn etwa mit Gewalt suchen sollten. [] Hierauf zeigte er sich mit seinem kleinen Hau fen in Schlachtordnung, und ließ sich an der Spitze seiner Soldaten mit eben dem kühnen Stolze sehen, den er nur immer vor einer recht schaffenen Armee hätte zeigen können. Wann er nicht sogleich geschlagen wurde, so lag es nur daran, weil die Feinde ihn nicht mit vereinten Kräfte angreifen wollten, sondern nichts als einzelne Gefechte und blosse Zweykämpfe vor nahmen. So wenigstens erzehlen es die Ara bischen Geschichtschreiber, und diesen muß man es nun wohl nach erzählen, so wenig Wahr scheinlichkeit man auch in ihrem Berichte findet. [] Es ist auch in der That etwas erstaunliches, wenn man eine Armee von beynahe fünftau send Mann, unter Anführung eines Feldher rens, dessen Kopf für den übeln Ausgang stehen soll, sich verschiedne Tage hintereinander, mit
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blossen Ausforderungen, und Spielgefechten(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) begnügen sieht, und dieses zwar gegen etwa hundert Leute, die sie als Aufrührer anzusehen Befehl hatten. [] Diese einzelne Treffen folgten drey ganzer Tage auf einander, an welchen sich die Rit ter des Hassein treflich hervor thaten, und fast allezeit den Sieg davon trugen. [] Als Amer sahe, daß die Tapfersten von seinen Trupen bey diesen einzeln Gefechten [] (Hassein wird getöd tet.) umkamen, so wollte er es nicht mehr zuge ben, daß sich seine Leute ferner einlassen sollten. Er ließ alle seine Trupen auf den Hassein losgehen, und nunmehr war der gan ze Handel gar bald aus. Unterdessen koste te es den Amer doch eine ziemliche Menge Soldaten. Die Leute des Hassein verthei digten sich mit aller Wuth, welche die Ver zweiflung nur immer einflössen kann; doch ihr Anführer bekam einen Hieb mit dem Sä bel über den Kopf, er stürzte zu Boden, und gab in seinem Blute schwimmend, nach drey und dreyßig erhaltenen Wunden, seinen Geist auf. Man schlug ihm den Kopf ab, um ihn dem Obeidallah zu bringen. [] Es war ein Cuffahner, Namens Haula, welchem diese Verrichtung aufgetragen wur de. Er konnte nicht anders als sehr spät nach Cuffah kommen, so daß er, als er bey dem
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(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) Schlosse ankam, die Thore schon verschlossen fand. Er faßte also den Entschluß, wieder in die Stadt zurückzukehren, um die Nacht in seinem Hause zuzubringen, und den Be such bey dem Statthalter erst den Morgen darauf abzustatten. Er weckte seine Frau auf, welche schon schlief, und entdeckte ihr die Ur sache, die ihn so schleunig nach Cuffah ge bracht habe. Ich bringe, sagte er, das allerkostbarste Geschenk mit mir, das man nur immer dem Califen machen kann. Als seine Frau voller Neugierde frag te, was denn dieses sey? so sagte er: Es ist der Kopf des Hassein; hier siehst du ihn; ich soll ihn dem Statthalter brin gen. Die Muselmännin, die dieses hörte, sprang voller Wuth aus dem Bette, nicht zwar als ob sie über diesen Anblick erschrocken sey; die meisten arabischen Weiber waren ge wohnt, ihren Männern mit in den Krieg zu folgen, und dergleichen blutige Schauspiele waren ihnen nichts seltnes: doch weil Hassein durch die Fatime, seine Mutter, ein Enkel des Propheten war, so machte diese einzige Ursache auf dieses Weib einen erstaunlichen Eindruck. Bey dem Gesandten GOt tes, schrie sie, nimmermehr will ich mich wieder zu einem Manne legen, welcher mir den Kopf seines Enkels bringet.
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[] Der Muselmann, welcher, dem Gebrauche(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) seiner Nation gemäß, mehr als eine Frau hatte, ließ sich eine andre kommen, wel che so schwierig nicht war. Unterdessen verhinderte sie doch die Gegenwart dieses Kopfes, welchen man auf einen Tisch gesetzt hatte, am Schlafe, weil sie die ganze Nacht, wie sie sagte, ein helles Licht um diesen Kopf habe hüpfen sehen. [] Den Tag darauf begab sich Haula auf das [] (Der Kopf des Hassein wird dem Statthal ter von Cuf fah ge bracht.) Schloß, und übergab diesen Kopf dem Obei dallah. Dieser betrachtete ihn Anfangs mit einem recht viehischen Vergnügen; endlich ging er gar so weit, daß er ihn mißhandelte, als ob es ein lebendiger Gegenstand gewesen sey, und ihm sogar mit dem Stocke einen Schlag über den Mund versetzte. Ein Alter, welcher zugegen war, hatte die Kühnheit, dem Statthalter, dieses unanständigen Bezeugens wegen, einen Vorwurf zu machen, und sag te, das Haupt des Hassein verdient mehr Ach tung, weil der Mund des Propheten oft auf dem Munde seines Enkels gelegen hat. Obei dallah nahm diesen Verweis sehr übel auf. Du verdienest, sagte er zu dem Alten, daß ich deinen Kopf zu dem Kopf des Has sein legen ließ wegen der Lügen nem lich, die du vorgebracht hast. Doch in Ansehung deines Alters will ich dir es vergeben. Du bist ein Schwär
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(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) mer, geh, und schwatze deine unver schämten Grillen einem andern vor. [] Unterdessen, da er ein wenig über die Rede dieses Alten nachgedacht hatte, sahe er gar bald voraus, daß ihm der Tod des Hassein noch weit andre Vorwürfe verursachen, und der Fanatis mus nicht unterlassen werde, seinen Anhän gern eine Menge Erscheinungen und lächerli che Erzählungen einzugeben, welche zwar an sich selbst zu verachten, gleichwohl aber geschickt wären, die Parthey der Aliden merklich zu ver stärken. [] Uebrigens aber blieb er doch beständig bey seinen ersten Entschliessungen; und die wenige Achtung, die er dem Kopfe des unglücklichen Hassein bezeugte, hatte auch auf sein Betra gen gegen diejenigen von der Familie des Has sein einen Einfluß, welche bey dieser Gelegen heit zu Gefangnen gemacht wurden. [] (Unterre dung zwi schen ihm, und der Zeinab Schwester des Hassein.) [] Man brachte unter andern die Schwester des Hassein, Zeinab, den Sohn dieses unglück lichen Prinzen, Ali, und eine kleine Tochter auf das Schloß. Obeidallah bezeigte sich Anfangs gegen die Zeinab sehr übermüthig. Er sprach von dem Glücke der Waffen des Yesid, und von der Art, mit welcher er den Stolz des Hassein und seiner Anhänger niedergeschlagen habe. [] Zeinab, welche sehr viel Geist, und fast noch mehr Ehrgeitz besaß, antwortete dem Statthal
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ter in eben dem Tone, in welchem er mit ihr(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) gesprochen hatte. Er wollte erwiedern, und die Unterredung ward auf beyden Theilen endlich so hitzig, daß man zu den aller bittersten Vorwürfen kam. Unterdessen, so aufgebracht als Obeidallah war, konnte er sich doch nicht enthalten, den Geist, die Stand haftigkeit und die Großmuth der Zeinab zu lo ben. Er gestand, daß er sie für eine würdige Tochter des Ali erkenne. Und auch diesem Prinzen hielt er hierauf eine weitläuftige Lob rede, indem er öffentlich bekannte, daß er eine sehr beträchtliche Person unter den Muselmän nern gewesen sey, der sich so wohl durch seinen Muth, als durch seine Geschicklichkeit in der Poesie hervorzuthun gewust habe. Daß die Würde eines Poeten unter den Arabern etwas ungemein rühmliches war, haben wie schon gese hen. Sie ging so gar, so zu reden, mit der Tap ferkeit in einem Range. [] Der Lobeserhebungen aber ungeachtet, wel [] (Sie ret tet dem Sohne des Hassein das Leben.) che Obeidallah dem Ali und seiner Tochter der Zeinab ertheilte, faßte er den Entschluß den jun gen Ali, den Sohn des Hassein, um das Leben bringen zu lassen. Zeinab, welche den grausa men Befehl geben hörte, die ihr einen so zärt lich geliebten Vetter rauben sollte, bat für ihn um Gnade, und erbot sich so gar den Tod an seiner Stelle zu leiden. Weil du doch unsers Blutes noch nicht satt bist, sagte sie zu dem
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(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) Statthalter, so fange nur erst mit Ver giessung des meinigen an. Obeidallah schien hierdurch gerühret zu werden. Zeinab fuhr fort, ihm auf das rührenste zuzureden, und endlich erlangte sie für ihren geliebten Vetter Gnade. Dieses war das zweytemal, daß die ses junge Kind in Lebensgefahr schwebte; denn als sein Vater blieb, war es gleichfals ver dammt worden auf dem Schlachtfelde umzu kommen; es ward aber noch von einem Officire gerettet, welcher sich hernach unter dem so schmei chelhaften Namen, Zein Alabedin, das ist, Zierde der Rechtschafnen bekannt machte. [] Was den unglücklichen Hassein anbelangt, so ward sein Körper auf dem Schlachtfelde in der Pläne von Kerbela begraben; und in den nach folgenden Zeiten richtete man an diesem Orte ein sehr prächtiges Mausoleum auf. Der Kopf ward auf Befehl des Obeidallah öffentlich aus gestellt, damit sich das ganze Volk an diesem Anblicke weiden könne. Er ließ ihn so gar in allen Gassen von Cuffah herumtragen, um den jenigen, welche den Aliden noch etwa anhingen, ein Schrecken einzujagen. Gleichwohl aber hatte dieses gräßliche Schauspiel nicht alle Würkung, die sich Obeidallah davon ver sprach. [] (Aufstand in Cuffah bey Gele genheit der) [] Als der Statthalter auf den Lehnstuhl in der Moschee gestiegen war, fuhr er fort das Andenken des Hassein zu mißhandeln, und fing folgender
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gestalt an: GOtt sey gelobet, sagte er, [] (Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) durch den die Parthey der Wahrheit tri umphiret, der dem Yesid, dem Haupte der Gläubigen, beygestanden, und den(von dem Statthal ter wider den Hassein ausgestosse nen Reden.) Lügner, den Sohn des Lügners, den Hassein meine ich, den Sohn des Ali, zu Schanden gemacht hat. Diese Worte machten einen solchen Eindruck bey den Zuhö rern, daß die meisten voller Verdruß aufstan den, und fortgingen. Unter andern erhob sich auch ein sehr verehrungswürdiger Bürger, welcher beyde Augen in den Schlachten verloh ren hatte, und seitdem seine meiste Zeit in der Moschee mit Gebet zubrachte; er richtete seine Rede gegen den Statthalter, und sprach: O Sohn der Mergianah, (*) du Lügner, und Sohn eines Lügners, dir selbst und deinem Vater, und dem, der dich zum Statthalter gemacht hat, kommen diese Titel zu; dir, der du die Kinder des Propheten ermordest, und noch die Spra che rechtschafner Leute führen willst. [] Der hierdurch aufgebrachte Statthalter ließ diesen Muselmann so gleich in Verhaft neh men; doch einige eifrige Anhänger der Aliden übernahmen seine Vertheidigung, und rissen ihn aus den Händen der Wache. Als Obei dallah die Gemüther so aufgebracht sahe, wollte 4
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(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) er den Handel vor dieses mal nicht weiter treiben, aus Furcht, daß er allzuviele würde bestrafen müssen. Wenig Tage darauf aber ließ er den, welcher ihn so beschimpfet hatte, aufheben. Man nahm ihm auf der Stelle das Leben, und sein Körper ward auf dem Platz vor der Moschee an einen Galgen aufgehangen. Dieses Exem pel hielt die <Aufrührer>Anfrührer im Zaume, da ohnedem ihr Aufstand von den vernünftigsten Aliden war gemißbilliget worden. Die meisten hatten sich so gar wider den unvernünftigen Eifer des Mu selmanns erklärt, weil er durch seine allzugrosse Heftigkeit diejenigen von den Cuffahnern, die es mit den Aliden hielten, der äussersten Gefahr ausgesetzt hatte. [] Nachdem Obeidallah seiner Rache hinlängli che Gnüge gethan hatte, schickte er den Kopf des Hassein nach Damascus, wohin er auch die Zeinab mit der übrigen Familie dieses un glücklichen Prinzen abgehen ließ. Dem An führer der Bedeckung, den er mit ihnen reisen ließ, gab er einen Brief an den Yesid mit, in welchem er ihm meldete, daß er ihm hiemit die überzeugendsten Beweise von dem Siege sei ner Trupen, und der gänzlichen Niederlage sei ner Feinde sende. [] (Yesid miß billigt das Betragen des Obei dallah.) [] Dieser Brief ward nicht sowohl aufgenom men, als es sich Obeidallah versprach. Yesid wollte nichts als den Hassein in Schranken hal ten, und sein Tod war ihm eine so traurige
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Nachricht, daß er sich nicht enthalten konnte die(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) Aufführung des Statthalters, welcher in dieser Sache so weit ausgeschweift sey, öffentlich zu schelten. GOtt verfluche den Sohn der Sommiah! schrie er, und konnte sich der Thränen nicht enthalten. Wann er mir den Hassein lebendig geschickt hätte, so wür de ich ihm vergeben haben. GOtt lieb te ihn, ob er es gleich nicht zuließ, daß er seine Absichten erreichte. [] Das Mitleiden, wovon Yesid über das un glückliche Schicksal des Hassein durchdrungen ward, breitete sich auch über seine ganze Fami lie aus, als sie ihm vorgestellt wurde. Er konn te den traurigen Zustand, in welchem die Wei ber, die Kinder, und die Schwester dieses Prin zen sich befanden, nicht ansehen. Er erneuer te seine Verwünschungen des Obeidallah, und sagte in seinem Zorne: GOtt verfluche den Sohn der Sommiah! Wenn diese Wei ber seine Anverwandten wären, würde er sie wohl in einem so elenden Aufzuge haben erscheinen lassen? [] Der junge Ali war der Gegenstand, wel cher ihn am meisten zu rühren schien. Er war mit einer Kette um den Hals von Cuffah nach Damascus gebracht worden, und auf die se Art ward er auch dem Califen vorgestellt. Dem Yesid war es nunmehr sehr lieb, daß er den grausamen Rathschlägen kein Gehör er
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(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) theilt, die man ihm in Ansehung dieses Prinzen gegeben. Denn als man an seinem Hofe den unbiegsamen Stolz des Ali berichtete, welcher auf der ganzen Reise mit den Führern der Be deckung nicht ein Wort habe reden wollen, so stellte einer von seinen Räthen vor, daß die ser junge Prinz einmal sehr furchtbar werden könne, und daß es also sehr wohl gethan sey, wenn man ihn aus dem Wege schafte; denn, sagte er, man muß keinen jungen Hund erziehen, welcher seinen Herrn einmal beissen kann. Doch andre Rathgeber, wel che menschlicher waren, widersetzten sich die ser Grausamkeit, und ihre Meinung behielt die Oberhand. [] Da nun also dieser junge Prinz an dem Hofe erschien, ward Yesid von dem elenden Zustande, in welchem er ihn sahe, auf das heftigste gerührt; er ließ ihn näher treten, und redete ihn mit vieler Freundlichkeit an. Endlich schloß er die Unterredung mit diesen Worten: Dein Vater wollte mich um den Thron bringen; allein GOtt füg te es anders. Der junge Ali antwortete ihm hierauf sogleich mit einer Stelle aus dem Korane: Es geschiehet kein Unglück auf der Welt, welches nicht in die Bücher des Schicksals GOttes geschrieben sey. [] (Streit zwischen) [] Auch die Weiber des Hasseins empfing der
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Calif sehr gnädig, so wie alle Personen, die(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) zu seiner Familie gehörten. Doch plötzlich erhub sich ein Streit, welcher beynahe sehr traurig ausgefallen wäre. Ein vornehmer [] (dem Califen und der Zei nab.) Syrier hatte eine junge Schwester des Has sein, Namens Fatime, bemerkt, welche ihre ältere Schwester die Zeinab begleitete; er er suchte also den Califen um Erlaubniß, sie sich zuzueignen. Zeinab wartete nicht lange auf die Erklärung des Yesid, sondern ergriff sogleich das Wort, und stellte dem Califen vor, der Syrier sey von einer andern Secte, als ihre Schwester, die Gesetze erlaubten es also nicht, sie ihm zu geben. Du selbst, sagte sie trotzig zu dem Califen, bist hierüber nicht Herr. [] Yesid nahm es sehr übel auf, daß man sei ner Gewalt Grenzen setzen wollte, und ant wortete der Zeinab, daß er hierinne thun wol le, was ihm gut dünken werde. Die Mu selmännin aber erwiderte, daß er weder sie, noch die andern Weiber von ihrem Gefolge zwingen könne, ihre Religion zu verändern. Der Calif fuhr hierüber von seinem Stuhle auf, und sprach voll Wuth: Unterstehest du dich, also mit mir zu reden? Dein Vater und dein Bruder sind es, wel che der wahren Religion abgesagt ha ben. Zeinab ließ sich hierdurch nicht irre machen, sondern antwortete in einem spötti
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(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) schen Tone: Du glaubest also, wie ich sehe, auf dem rechten Wege zu seyn? Ohne Zweifel waren dein Vater, und dein Großvater auch darauf. [] Der Calif ward nunmehr weit wüthender, als er zuvor gewesen war, und verging sich sogar soweit, daß er diese Muselmännin durch die allerschimpflichsten Reden mißhandelte. Zeinab aber blieb beständig bey ihrem edeln und gesetzten Stolze, und sagte: So, Yesid? Ich bin ein elendes Weibsbild; du aber, du bist das Haupt der Gläubigen, und mißbrauchest deine Gewalt auf eine so ungerechte Weise? [] Diese wenigen Worte waren dem Califen ein so empfindlicher Vorwurf, daß er darüber roth ward. Er schämte sich, daß er seiner Wuth den Zügel schiessen lassen, und glaub te, seinen Fehler nicht besser gut zu machen, als wenn er sich wieder eben so höflich und sanft müthig erzeigte, als er sich vorher ausgelas sen und wüthend erzeigt hatte. Er befahl die Zeinab und ihr Gefolge in die warmen Bä der zu führen, wohin er ihnen sogleich präch tige Kleider und Erfrischungen von allerley Art nachschickte. [] Der vornehme Syrier glaubte noch immer, der Calif werde sein Ansehen brauchen, ihm die jun ge Fatime zu geben, und wiederholte also seine Bitte. Doch Yesid wies ihn sehr hart ab,
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und befahl ihm, nicht mehr daran zu ge(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) denken. [] Die glückliche Veränderung des Califen, [] (Zuneigung des Yesid zu den zwey Söhnen des Hassein.) und seine Aufmerksamkeit, die er auf diese un glückselige Familie, ihr alle Nothwendigkeiten zu verschaffen, wandte, versüßten ein wenig die Bitterkeit der vergangnen Unglücksfälle. Yesid ließ sie sämmtlich in seinem Pallaste wohnen; man begegnete ihnen mit vieler Ach tung, und er selbst faßte eine solche Freund schaft gegen die zwey Söhne des Hassein, Ali und Amru, daß er fast niemals ausging, ohne den einen oder den andern, und oft alle beyde bey sich zu haben. Chaled, der älteste Sohn des Yesid, machte gleichfals die vertrauteste Verbindung mit ihnen, und dem Califen war es ein ganz besonders Vergnügen, wann er sie sich untereinander die Zeit vertreiben sahe. Als er einsmals den Character des Amru, welcher der jüngste war, erforschen wollte, fragte er ihn, ob er sich wohl mit seinem Sohne dem Chaled schlagen wollte? Warum nicht? antwortete er hitzig; laß uns nur beyden den Säbel herbringen. [] Ein vornehmer Syrier, welcher dabey war, sahe mit Verwunderung den Muth, und die Entschlossenheit dieses jungen Kindes; zugleich aber konnte er nicht unangemerkt lassen, daß diese hervorkommende Eigenschaften der Ruhe des Staats schädlich seyn könnten, und daß
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(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) Amru, wenn er in die Fußtapfen seines Va ters des Hassein treten sollte, vielleicht einmal blutige Unruhen anrichten werde. Nimm dich in Acht, sagte er, und glaube gewiß, daß eine Schlange allezeit ihres gleichen hervorbringt. Yesid merkte zwar ein wenig auf diese Vorherverkündigung; allein seine Zärtlichkeit gegen dieses Kind, und seine Auf merksamkeit auf die übrige ganze Familie verrin gerte er deswegen nicht. [] (Die Fa milie des Hassein kehrt nach Medina zu rück.) [] Sie hatte sich nun schon eine sehr lange Zeit zu Damascus aufgehalten, und war von dem Califen mit Freundschaftsbezeugungen über schüttet worden; gleichwohl bezeugte sie ein sehr höfliches Verlangen, nach Arabien, <und>nnd be sonders nach Medina wieder zurück zu kehren, allwo die Weiber des Hassein ihre Wohnung aufschlagen wollten. Sobald der Calif davon Nachricht erhielt, war er sogleich bereit, ihnen dieses Vergnügen zu machen, und gab die nö thigen Befehle, damit ihnen auf dem Wege nichts gebrechen möge. [] Als der Abschied herbey kam, schien dem Ca lifen ihre Abreise sehr empfindlich zu seyn; das Lebewohl war auf beyden Seiten sehr rührend, und besonders zu dem jungen Ali sagte er bey der letzten Umarmung: Schreibe mir von Zeit zu Zeit; besuche mich auch, so oft du es bequemlich thun kannst, und sey versi chert, daß ich dir alles mögliche Gute erzeigen werde.
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[] Diese ganze Familie verließ also Damascus(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) unter einer zahlreichen Bedeckung, an deren Spitze der Calif einen Officier von Ansehen, Namens Noman - ebn - Baschir, gestellet hatte. Dieser richtete die Befehle des Califen treulich aus, und bezeugte sich auf dem ganzen Wege auf eine Art, welche die Lobsprüche, die man seiner Höflichkeit und Aufmerksamkeit gab, verdiente. Als sie nun nicht weit mehr von Medina waren, sagte Fatime, welche das ausserordentliche Betra gen dieses Officiers gerühret hatte, zu der Zeinab: Dieser Syrier hat uns so viel Höflichkei ten erwiesen; es ist billig, daß wir ihm ein Geschenke machen. Zeinab war gleich fals dieser Meinung, allein die Schwierigkeit war diese, was sie ihm eigentlich geben sollten? denn sie hatten in der That wenig kostbares sonst bey sich, als ihre Armbänder. Fatime sagte, daß man ihm diese geben müsse, und als Zeinab darein gewilliget hatte, überreichten sie ihm das Geschenk mit einer edeln Anständigkeit, und mit Gesinnungen der Dankbarkeit, welche den Werth desselben unendlich vermehrten; sie ent schuldigten sich sogar, daß sie ihm ein so mäßi ges Geschenke machen müsten. Noman aber bat, ihn zu entschuldigen, und schlug es aus. Wann ich, sagte er, meiner Pflicht in Hofnung ei nes zeitlichen Gewinnstes genug gethan hätte, so würde das, was ihr mir anbie tet, mehr als zu hinlänglich seyn; allein alles, was ich gethan habe, ist in der Ab
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(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) sicht geschehen, GOtt zu gefallen, und euch die tiefe Ehrfurcht zu bezeugen, die ich gegen den Propheten, und alles, was ihm angehöret, habe. Er nahm hier auf von ihnen Abschied, und kehrte nach Da mascus zurück. [] Als diese unglückliche Familie also wieder in Medina war, fing sie eine Ruhe zu schmecken an, die sie seit langer Zeit nicht genossen hatte. Doch geschahe dieses nicht eher, als bis sie noch einige Monate das grausame Schicksal des un glücklichen Hassein beweinet hatten. [] (Uneinig keit zwi schen den Schriftstel lern wegen des Be gräbnisor tes des Has sein.) [] Es gibt Schriftsteller, welche versichern, der Kopf dieses Prinzen sey gleichfals wieder nach Medina geschickt worden, wo man ihn neben der Fatime, seiner Mutter, begraben habe. Andre behaupten, er sey zu Damascus geblie ben, wo man ihn an einen Ort, Namens Bal al - Faradis, das ist, die Pforte der Gärten gelegt habe; in den folgenden Zeiten sey er nach Palästina gebracht worden, wo ihn die Ae gyptischen Califen wieder wegnahmen, und zu Großcairo begraben liessen. Oben darüber ward ein Denkmal aufgerichtet, welches den Namen, Meschad - Hassein, das ist, Grab mahl des Martyrers Hassein, bekam. [] Uebrigens findet man dieses Umstandes we gen nichts gewisses. Alles, was man weiß, ist dieses, daß die Anhänger des Ali ganze Bände
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voll Fabeln ausgestreuet, was mit dem Kopfe(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) des Hassein, und an dem Orte, wo sein übriger Körper begraben worden, welches, wie wir ge sagt, bey Kerbela geschehen, vorgegangen seyn solle. Die Schriftsteller halten sich übrigens bey den Wallfahrten sehr lange auf, die man zu seinem Grabe angestellt, und bey den er staunlichen Wundern, welche auf demselben vorgefallen sind. [] Die Perser, welche von der Secte des Ali sind, haben beständig gegen diesen Califen, und seine beyden Söhne, den Hassan und Hassein, welche sie die zwey Herren nennen, eine beson dre Hochachtung getragen. Am meisten aber verehret man den Hassein, den man als einen Märtyrer betrachtet; dieser ist das Orakel, der Heilige, oder vielmehr der Götze dieser Nation; und man giebt vor, wenn Mahomet wie der in die Welt kommen sollte, so würde er über die grosse Ehre, in welcher sein Enkel noch würklich stehet, eifersüchtig zu werden Ur sache haben. [] Der Tod dieses Prinzen gab dem Muselmän [] (Aufstand des Abdal lah, Soh nes des Zo beir.) nischen Reiche seine völlige Ruhe noch nicht wieder. Abdallah, der Sohn des Zobeir, wel cher sich, so lange Hassein gelebt, sehr eingezo gen gehalten, nahm sich nunmehr alle Freyheit, so bald er seinen Tod erfuhr. Er erschien also auf der Bühne, und zeigte dem Yesid, daß er in seiner Person einen von den allerfürchterlichsten Mitbuhlern habe.
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(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) [] Abdallah hatte sich die Hochachtung und das Wohlwollen der Araber durch seinen Eifer in der Religion, noch mehr aber durch seine Leut [] (Man er kennt ihn in Medina für den Califen.) seligkeit und einnehmendes Wesen zu erwerben gewußt. Er wußte die Gemüther so geschickt zu lenken, daß er sie glücklich zu seinem Zwecke brachte, und er feyerlich zu Mecca und Medina zum Califen ausgerufen ward. [] Gleich nach seiner Ausrufung hielt er eine Rede an das Volk, und machte sich den Schmerz, welchen noch immer immer sehr viele wegen des Verlustes des Hassein bezeugten, so wohl zu Nutze, daß er die Gemüther wider den Yesid aufbrachte, und alle Stimmen zu seinem Vortheile vereinte. Er erinnerte in seinen Re den die Tugenden, und grosse Eigenschaften des vortreflichen Enkels ihres Propheten; er mach te eine lebhafte Abschilderung von der Untreue der Cuffahner, die ihn zu sich berufen, und her nach so nichtswürdig verrathen hätten; und als er sahe, was für Gesinnungen die Media ner gegen die Familie dieses Prinzen hatten, so zwang er sich mit einer Achtung und Ehrfurcht von ihr zureden, welche bey der ganzen Na tion eine sehr grosse Würkung zu seinem Vor theile hatte. [] Auf eben diese Weise betrug er sich in Mecca, wohin er sich kurz darauf begab, und wo er mit eben dem Freudengeschrey empfangen ward, als zu Medina. Die Lobreden, die er dem Has
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sein hielt, erweckten die Gesinnungen, welche(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) die von Mecca gegen diesen Prinzen gehabt hat ten, so daß sie nun nichts eifriger verlangten, als seinen Tod zu rächen, und das Joch einer Regierung abzuschütteln, welche daran Ursa che war. [] Yesid ward ausserordentlich bestürzt, als er von diesem Aufstande Nachricht bekam. Er schrieb die allerheftigsten Briefe wider den Abdallah, und schickte sogar an den Statthal ter von Medina ein silbernes Halseisen, mit dem Befehle, es ihm anlegen zu lassen, und ihn so nach Damascus zu schicken. Doch die Parthey des Abdallah war allzu furchtbar ge worden, als daß sich der Statthalter hätte unterstehen dürfen, etwas wider ihn zu unter nehmen. [] Amru - ebn - Said, der Statthalter zu Mecca, befand sich in eben der Verwirrung, als er den Abdallah öffentlich das Califat verwalten sahe. Er hielt es also für nöthig, bey so kritischen Umständen alle mögliche Behutsam keit anzuwenden, weil er wohl merkte, daß er nicht der stärkste sey, so bediente er sich der Verstellung, und schien sich nur deswegen auf ein wenig Ansehen zu stützen, damit er sich mit den Gesinnungen der Menge verei nigen könne. [] Bey diesen Umständen fragte er einen an [] (Der Statt halter von Mecca fragt wegen des) gesehenen Muselmann, Namens Abdallah-ebn
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(Yesid. Hegire 61. n C. G. 680) Amru, um Rath, welcher wegen seiner weit läuftigen Einsicht, und wegen seiner Gelehr samkeit in den jüdischen Büchern, besonders [] (Aufstandes des Abdal lah um Rath.) in den Prophezeyungen des Daniels, über die er damals würklich arbeitete, sehr berühmt war. Als ihn daher der Statthalter um sei ne Meinung von dem, was jetzt zu Mecca und Medina vorgegangen, fragen lassen, so antwortete er ihm ganz zuversichtlich, daß Ab dallah, der Sohn des Zobeir, König werden, und diese Würde bis an seinen Tod behalten werde. [] Durch diesen prophetischen Ausspruch, wel cher sich in ganz Arabien ausbreitete, wur den die Anhänger des Abdallah - ebn - Zobeir weit trotziger; und er selbst war in seinem Be streben nunmehr weit kühner, diejenigen Maaß regeln zu ergreifen, die ihn auf dem Thro ne erhalten könnten. Auf der andern Seite ward auch Amru, der Statthalter von Mec ca, durch diese Vorherverkündigung zurückge halten, und that nicht alles, was er wohl, sich dem neuen Califen zu widersetzen, hätte thun können. [] (Yesid nimmt ihm seine Statthal terschaft.) [] Die Feinde des Amru machten sich diese Ge legenheit zu Nutze, ihm bey dem Yesid einen übeln Streich zu spielen; und man beschul digte ihn öffentlich einer Nachläßigkeit oder Feigherzigkeit, daß er den Abdallah nicht gleich bey dem ersten Ausbruche des Aufstan
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des habe in Verhaft nehmen lassen. Yesid(Yesid. Hegire 61. n. C. G. 680) gerieth in Zorn, setzte den Amru sogleich ab, und setzte den Valed, den Sohn des Otbad, an seine Stelle, welcher sogleich bey seinem Eintritte in die Statthalterschaft von Mecca eine beträchtliche Anzahl Freunde und Anhän ger des Amru in Verwahrung brachte, und es war genug, den vorigen Statthalter gekannt zu haben, um den Gewaltthätigkeiten des Valed ausgesetzt zu seyn. [] Dieses Betragen brachte alle Gemüther(Hegire 62. n. C. G. 681) gleich stark auf, so daß dieses allgemeine Miß vergnügen dem Amru ein vortheilhafter Um stand zu seyn schien, um seine Freunde zu einem Ausbruche zu bringen, welcher nichts andres als glückliche Folgen haben konnte. Er ließ denen, welche gefangen waren, sagen, daß er sich fer tig mache, nach Damascus zu reisen, um dem Califen von allem, was vorgegangen, Nachricht zu geben; wann sie sich also mit ihm verbinden wollten, so müßten sie sich ihre grosse Anzahl zu Nutze machen, und mit Gewalt aus dem Ge fängniß brechen. Er versicherte sie, daß man ihnen zur rechten Zeit beystehen werde, wenn man über sie her fallen möchte, und daß sie eine hinlängliche Anzahl Cameele zu der Reise nach Damascus bereit finden sollten. Amru reisete voraus, und begab sich nach Da [] (Amru rechtfertiget seine Auf führung bey dem Cali fen.) mascus, wo er von dem Califen ziemlich wohl empfangen ward, gleichwohl aber einige Vor
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(Yesid. Hegire 62. n. C. G. 681) würfe aushalten mußte, daß er bey den letztern Vorfällen auf seinen Vortheil so wenig aufmerk sam gewesen sey. Ich bitte das Haupt der Gläubigen, erwiderte Amru, mich zu hö ren. Derjenige, welcher gegenwärtig ist, siehet besser, als der, welcher abwe send ist. Die von Mecca, und die aus der Provinz Hegiaz waren durch ihren Eifer so ausser sich, und ihrer waren so viele, als sie den Abdallah ausriefen, daß die Gewalt, welche ich damals hat te, nicht hinlänglich gewesen wäre, diese Parthey anzugreifen. Andern Theils war Abdallah, welcher mir nicht traue te, beständig auf seiner Hut, und kam niemals als unter Begleitung einer gros sen Anzahl Freunde, zum Vorscheine. Es ist wahr, ich habe mich bey allem, was vorging, sehr gleichgültig gestellt; in der That aber suchte ich nichts, als eine gute Gelegenheit, ihn in Verhaft neh men zu lassen. Ich sahe wohl, daß er bey allem seinem Ansehen, und bey aller seiner Staatsklugheit gleichwohl noch immer sehr furchtsam zu Werke gehen mußte; weil ich Sorge getragen hatte, alle Zugänge der Stadt besetzen zu las sen, so daß niemand herein kommen konnte, welcher mir nicht seinen Na men gesagt. Wann ich fand, daß es Freunde des Abdallah waren, so
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schickte ich sie so gleich wieder zurück,(Yesid. Hegire 62. n. C. G. 681) ohne weitere Untersuchungen anzustel len. Was aber diejenigen betraf, wel che mit ihm in keiner Verbindung zu stehen geschienen, diese fragte ich, was sie in Mecca zu verrichten hätten? ich nöthigte sie, mir zu sagen, wo sie woh nen wollten, und ließ hernach auf alle ihre Unternehmungen genaue Acht ha ben. Siehe, das ist es, was ich zu dei nem Dienste thun zu können glaubte. Nun wird man sehen, wie sich Valed aufführen wird; wann er aber so fort fährt, wie er angefangen hat, so weiß ich gewiß, daß sein Betragen die Behut samkeit, welche ich beobachtet, rechtfer tigen wird. [] Yesid ward von der Rede des Amru so gerüh ret, daß er ihm gestand, er sey übereilt worden. Er redete wider die sehr hart, welche ihn ver dächtig zu machen gesucht, und sagte ihm auf eine sehr verbindliche Art, daß er nunmehr die Gemüthsart seiner Feinde kennen, und daß er gewiß überzeugt sey, keiner von ihnen würde so rechtschaffen handeln, als er. Von diesem Au genblicke an gab er ihm alle sein Vertrauen wie der, und bat ihn, an seinem Hofe zu bleiben, wo er ihm sehr vorzüglich begegnete. [] (Man be klagt sich ü ber den neu en Statt halter von Mecca.) [] Der offentliche Ruf bekräftigte dasjenige gar bald, was Amru dem Califen wegen des neuen Statthalters zu verstehen gegeben hatte. Es
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(Yesid. Hegire 62. n. C. G. 681) liefen aus verschiedenen Gegenden Arabiens Klagen ein, und endlich schrieb auch Abdallah ebn - Zobeir an den Yesid, und machte ihm sehr beissende Vorwürfe, daß er einem Manne die Statthalterschaft von Mecca aufgetragen habe, welcher zu einer so wichtigen Stelle ganz und gar ungeschickt sey. Er ließ ihm so gar muth massen, daß, wenn er den Valed zurückrufen, und einen andern an seine Stelle schicken wollte, mit welchem man Unterhandlung pflegen könn te, es vielleicht zu einem Vergleiche kommen könnte, durch welchen alle diese Unruhen beyge legt würden. [] Dieser Brief verursachte dem Yesid eine aus serordentliche Bestürzung. Er sahe, daß sein Ansehen selbst von seinem Mitbuhler erkannt würde, weil er es ihn sogar da anzuwenden ersuchte, wo man gleichwohl den Abdallah für den Califen erkennt hatte. Uebrigens redete dieser Brief von Frieden, und Yesid, wel cher nichts sehnlicher wünschte, faßte sogleich den Entschluß, alle Hindernisse, welche ihn aufhalten könnten, aus dem Wege zu räu men; er rufte also den Valed zurück, und setz te einen von seinen Anverwandten, Namens Othman, an seine Stelle. Dieses war ein sehr gemeiner Mann, ohne Fähigkeit, ohne [] (Yesid schickt den Othman an seine Stelle.) Erfahrung; mit einem Worte, ganz und gar nicht geschickt, die Zwistigkeiten glücklich bey zulegen, welche das arabische Reich damals zertheilten.
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[] Othman begab sich nach Arabien, und hielt(Yesid. Hegire 62. n. C. G. 681) sich in Medina auf, wo er die Unterwerfung einiger weniger Privatpersonen, die den Ye sid erkannten, für die allgemeine Einwilligung [] (Othman versichert dem Yesid die Unter werfung derer von Medina.) der Nation hielt, und also das Ansehen die ses Prinzen auf das allersicherste befestiget zu seyn glaubte. Ohne eine weitere Untersuchung anzustellen schickte er Abgeordnete nach Da mascus, und ließ dem Califen den völligen Gehorsam derer von Medina versichern. [] Die Gesandtschaft that dem Yesid mehr [] (Die Ab geordneten von Medi na bekom men einen Abscheu vor dem Yesid.) Schaden, als alles, was man bisher wider ihn unternommen hatte. Der wunderbare Anblick eines Hofes, dessen Herr weder Sit ten, noch Religion, noch Aufführung hatte, gab diesen Abgeordneten unglaublichen Stof zum Aergernisse. Yesid hatte in der That nicht die geringste Ehrfurcht für seine Reli gion; und machte sich beynahe eine Ehre dar aus, keine von allen ihren Pflichten zu beob achten. Uebrigens brachte er sein Leben in Faulheit, und nichtswürdigen Ergötzlichkeiten zu; er hatte keine andre Beschäftigung, als sich der guten Tafel und den kostbarsten Schmausereyen zu überlassen, bey welchen man, dem Muselmännischen Gesetze zum Trotze, alle Arten Weine in dem grösten Ue bermaasse trank; die übrige Zeit ward mit Tänzern, mit Gaucklern, und liederlichen Weibspersonen zugebracht.
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(Yesid. Hegire 62. n. C. G. 681) [] Die Abgeordneten von Medina wurden zu Damascus mit vieler Pracht empfangen. Sie blieben eine Zeit lang an dem Hofe des Ca lifen, und als sie wieder wegreiseten, mach te er jedem von ihnen ansehnliche Geschenke. Doch alles, was er nur immer thun konnte, war nicht fähig den Widerwillen und die Ver achtung zu unterdrücken, die sie wider diesen Regenten gefaßt hatten. [] Als sie wieder in ihre Stadt kamen, ver schonten sie den Yesid auf keine Weise; so daß die Abschilderungen, welche sie von den Unordnungen seines Hofes, und besonders von seiner frechen Lebensart machten, alle Ein wohner von Medina wider ihn erbitterten. Sie schämten sich, einem Fürsten unterthan zu seyn, welchen sie für unwürdig ansahen, Män nern zu befehlen, und machten sich also die Zwistigkeiten, die unter ihnen herrschten, zu Nutze, ihm allen Gehorsam gänzlich aufzu sagen. Dieser Bruch machte im Anfang eben nicht viel Aufsehen, weil er bloß in einer be sondern Zusammenkunft dieser Abgeordneten und der Vornehmsten von Medina geschah. Nach einer langen Erzählung der Aergernisse, welche Yesid gab, und der übrigen Klagen, die man wider ihn zu führen hatte, erklärten sie ihn des Thrones unwürdig, und setzten ihn von dem Califate ab.
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[] Yesid erhielt gar bald von den Reden Nach(Yesid. Hegire 62. n. C. G. 681) richt, welche die Abgeordneten von Medina wider ihn und seine Lebensart führten. In [] (Yesid be fiehlt, den Almondir, einen von den Abge ordneten, in Verhaft nehmen zu lassen.) der ersten Hitze seines Zornes wollte er sich an allen Einwohnern dieser Stadt rächen, und Trupen dahin senden; weil er aber erfuhr, daß sich einer von diesen Abgeordneten, Namens Almondir, anstatt nach Medina zu gehen, nach Basrah begeben habe, wo er von ihm eben so verächtlich als die andern rede, so glaubte er, es würde besser gethan seyn, wenn er diesen in Verhaft nehmen liesse, und durch seine Bestrafung den andern ein Schrecken einjagte. Er schrieb also an dem Obeidallah, welcher Statthalter an diesem Orte war, und befahl ihm, den Almondir gefangen zu nehmen. [] Dieser Befehl ward nicht bewerkstelliget. [] (Der Statt halter von Basrah gibt dem Al mondir Ge legenheit zu entflie hen.) Obeidallah, welcher seit langer Zeit ein Freund des Almondir war, wußte ihn auf eine Art aus Basrah zu schaffen, ohne sich der Ungenade des Califen bloß zu stellen. Er sagte ihm, das si cherste Mittel würde dieses seyn, wenn er sich einiger der Vornehmsten des Orts versicherte, und hernach die Zeit des Gebets, sobald es zu Ende sey, erwählte, um öffentlich vorzustellen, daß er wichtiger Angelegenheiten halber nach Basrah gekommen wäre, daß er diese glücklich zu Stan de gebracht, und nunmehr nach Medina wieder zurück zu kehren entschlossen sey; weil er aber erfahren, der Statthalter habe Befehl gegeben,
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(Yesid. Hegire 62. n. C. G. 681) daß niemand diesen Tag ohne seine Erlaubniß aus der Stadt kommen solle, so bäthe er die Ver sammlung, den Obeidallah für ihn zu bitten, damit er seine Angelegenheiten, die ihn nach Medina zurück ruften, abwarten könne. Alles dieses ging so glücklich von statten, als man es vorhergesehen hatte. Die Einwohner verlang ten mit Ungestüm, daß man dem Almondir die Freyheit, aus Basrah reisen zu können, geben solle. Der Statthalter schien einige Schwie rigkeiten machen zu wollen, doch man nöthigte ihn, der gemeinen Meinung beyzupflichten, und er war sehr erfreut, daß er diese Art von Gewaltthätigkeit auszustehen hatte, welche sei nen Freund errettete, und ihn gegen den Un willen des Califen in Sicherheit setzte. [] (Almondir redet auf das heftig ste wider den Cali fen.) [] Die Ankunft des Almondir zu Medina ver mehrte den Haß des Volkes gegen den Yesid um ein grosses. Er trug auf das abscheuliche Bildniß, welches die andern Abgeordneten von diesem Fürsten gemacht hatten, noch neue Far ben, und gestand, ob er gleich sehr ansehnliche Geschenke von ihm erhalten habe, daß er sich dennoch nicht enthalten könnte, öffentlich gegen die unwürdige Aufführung eines Regenten zu reden, welcher die Muselmännische Religion nur dem Namen nach kenne, ohne eine einzige von ihren Pflichten auszuüben; welcher sich aus seinen Ausschweifungen eine Ehre mache, und durch sein Beyspiel seinen ganzen Hof in die abscheulichsten Laster stürze.
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[] Yesid ward über die Flucht des Almondir(Yesid. Hegire 62. n. C. G. 681) und über den nachtheiligen Ruf, den er in Me dina ausbreitete, bestürzt, und schickte den No man - ebn - Baschir in diese Stadt, welcher die [] (Die Ein wohner von Mecca und Medi na erregen einen öf fentlichen Aufstand.) Gemüther wieder auf seine Seite lenken sollte. Diese Unterhandlung hatte keinen Fortgang; und weil dieser Abgesandte endlich im Namen des Califen drohte, welcher gewiß, wie er sag te, Trupen herschicken würde, wenn man sich ihm nicht in gutem unterwerfen wollte, so mach ten sich die von Medina gefaßt, Gewalt mit Ge walt abzuhalten. Sie überlegten alles mit denen von Mecca gemeinschaftlich, und fingen damit an, daß sie die Anführer ihrer Trupen ernennten. Abdallah - ebn - Mothi ward an die Spitze der Coreischiten gestellt, und Abdallah, der Sohn des Hantela, empfing das Commando über die von Medina. [] Unterdessen, ehe noch das geringste vorge nommen ward, schickte man noch eine Gesandt schaft nach Damascus, welche aber eben so we nig, als die vorhergehende, ausrichtete. Ver gebens überschüttete der Calif den Abdallah=ebn Hantela, und die von seinem Gefolge, aus wel chen die Gesandschaft bestand, mit Geschen ken. Die Geschenke des Yesid machten ihn in ih ren Augen des Califats nicht würdiger, und bey ihrer Zurückkunft machten sie von diesem Regenten und seinem Hofe eine eben so nach theilige Abschilderung, als die ersten Unterhänd ler gethan hatten.
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(Yesid. Hegire 63. n. C. G. 682) [] Nunmehr erklärten sich die von Medina öf fentlich wider den Yesid. Ihr Aufstand brach auf eine Art aus, welche ein wenig närrisch [] (Die von Medina setzen den Yesid ab.) war. Als sich das Volk in der Moschee ver sammlet hatte, um die Absetzung des Yesid zu vollziehen, so ging alles so unordentlich zu, daß man unmöglich eine einförmige Aufführung beobachten konnte. Endlich stand einer aus der Menge auf, nahm seinen Turban vom Kop fe, warf ihn auf die Erde, und schrie: Ich sez ze den Yesid vom Califat ab, eben so wie ich meinen Turban von mir werfe. Den Augenblick folgten alle, die um ihm waren, und ihn hören konnten, seinem Beyspiele, und man sahe sogleich eine unzählige Menge Tur bans fliegen, wobey ein jeder die vorgesprochene Formel wiederhohlte. In einem andern Win kel der Moschee zog ein Muselmann seine Schuhe aus, warf sie von sich, und sprach: Ich setze den Yesid ab, so wie ich meine Schuh ausziehe. Die übrigen Muselmän ner, welche neben ihm sassen, thaten in aller Ge schwindigkeit ein gleiches, werfen ihre Schuh von sich, und wiederhohlten, was jener ihnen vorgesagt hatte. Auf diese Art war Yesid auf das feyerlichste seiner Würde entsetzt. [] (Sie nö thigen die Ommia den sich in das Schloß zu ziehen.) [] Nach diesem Ausbruche kann man leicht ur theilen, daß die von Medina keine Mäßigung mehr brauchten. Othman, der Statthalter von Mecca, welcher während dieser Unruhen
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in Medina geblieben war, ward sogleich fort(Yesid. Hegire 63. n. C. G. 682) gejagt, und zugleich sprach man ein Verban nungsurtheil wider die ganze Familie der Om miaden, und sogar wider alle ihre Freunde. Diese aber, anstatt zu gehorchen, bleiben in Medina, und gaben sich zu dem Mervan - ebn Hakem in Sicherheit, welcher Statthalter von diesem Orte war. Die von Medina wurden hierüber aufgebracht, und machten sich so gleich fertig das Schloß zu belagern. Weil aber die Ommiaden tausend und noch mehr Mann stark waren, und der Statthalter auch noch Leute zu seiner Vertheidigung bey sich hatte, so war es eben nicht sehr schwer, die Belagerer abzuhal ten; und unterdessen hatten die Ommiaden Zeit nach Damascus zu schicken, dem Yesid die Ge fahr, worinne sie waren, und den grossen Ver fall, welcher dazu Gelegenheit gegeben, melden zu lassen. [] Der Calif ward durch den Aufstand derer [] (Amru will die wider die Ein wohner von Medi na abge schickten Trupen nicht an führen.) von Medina auf das äusserste erbittert, und unternahm endlich seine Drohungen ins Werk zu stellen, und sie wegen ihrer Verwegenheit zu strafen. Er hielt dieserwegen eine Unterre dung mit dem Amru - ebn - Said, welcher dar inne mit ihm eins war, daß man nicht länger nachsehen könne, sondern nothwendig Trupen nach Medina schicken müsse. Er fügte ver schiedene Rathschläge hinzu, wie man dieses Vorhaben angreifen müsse, und der Calif schien
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(Yesid. Hegire 63. n. C. G. 682) mit seiner Meynung so wohl zufrieden zu seyn, daß er dem Amru vorschlug, sich selbst an die Spitze dieses Unternehmens zu stellen. Die ser aber entschuldigte sich unter verschiedenen Ausflüchten, und unter andern sagte er, da die von Mecca mit denen von Medina gemeinschaft liche Sache gemacht hätten, so würde der Stamm der Koreischiten, welcher einer der vor nehmsten zu Mecca sey, ohne Zweifel an diesem Kriege grossen Antheil nehmen; es würde also sehr viel Blut müssen vergossen werden, woran er keine Schuld haben wolle, weil er mit den Häuptern dieses Stammes allzunahe ver wandt sey. [] (Yesid gibt das Com mando dem Mos lem.) [] Yesid schien seinen Gründen beyzutreten, und drang nicht weiter in ihn. Er wandte sich an den Moslem, den Sohn des Okbad, einen Heerführer von sehr grossen Verdiensten, wel cher aber schon bey Jahren war; doch hinderte ihn dieses nicht, den Antrag des Califen mit Vergnügen anzunehmen. Unterdessen gescha he es doch mehr, die aufrührischen Einwohner von Medina zu bändigen, als den tausend Om miaden zu Hülfe zu kommen, welche in das Schloß geflüchtet waren. Er behauptete, es wären nichtswürdige, weil sie sich bey so starker Anzahl hätten belagern lassen, anstatt daß sie sich mit den Waffen in der Hand durch ihre Feinde hätten durchschlagen, und hernach rühmlich in Sicherheit ziehen sollen. Er schlug
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sogar dem Califen vor, wenn er bey Medina(Yesid. Hegire 63. n. C. G. 682) angelangt wäre, so lange stille zu halten, und nicht eher etwas zu unternehmen, als bis die Belagerten ihren Muth würden gezeigt haben. [] Dieser Rath war nicht nach dem Geschmacke des Yesid; er wollte die Ommiaden durchaus retten, sie möchten es nun verdienen oder nicht, und befahl also dem Moslem nichts zu versäu men, und zu diesem Zwecke zu gelangen; damit aber ein allzugrosses Blutvergiessen verhütet werde, so befahl er ihm zugleich, die Stadt bey seiner Ankunft vorher aufbieten zu lassen, und im Fall einer abschläglichen Antwort dieses den Tag darauf, und noch den dritten Tag darzu, zu wiederholen; wenn aber dieses vergebens gesche hen, so sey weiter kein Mittel übrig, als die Stadt mit Gewalt zu bestürmen, und sich ganze drey Tage hindurch der Plünderung Preis zu geben. Eine AnmerkungAnmeekung aber fügte er noch wegen des jungen Ali und seiner Familie hinzu: Ich weiß, sagte der Calif, daß sie es mit dem Abdallah - ebn - Zobeir nicht halten, und daß sie auf keine Weise an dem Auf stande zu Medina Theil haben; ich will also, daß du auf ihre Erhaltung bedacht seyst. [] Nach Ertheilung dieser Verhaltungsbefehle besahe der Calif die Trupen. Sie beliefen sich auf zwölf tausend Mann Reuterey, und auf fünf tausend Mann Fusvolk; er stellte ihnen
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(Yesid. Hegire 63. n. C. G. 682) den Moslem als Haupt vor, und ließ sie sogleich aufbrechen. (Die Be lagerten Mediner müssen sich auf Gnade ergeben.) [] Die Einwohner von Medina schienen eben nicht sehr unruhig zu werden, als sie die Trupen des Califen bey ihren Mauren anlangen sahen. Sie verwarfen mit Verachtung die Auffor derungen des Moslem, und nöthigten ihn also, sie nach allen Regeln anzugreifen. In der Hitze ihrer ersten Ausschweifungen hielten sie die Belagerung mit vieler Tapferkeit aus; doch als ihre vornehmsten Anführer bey dem Sturme blieben, und sie sich übrigens der Gefahr aus gesetzt sahen, gar bald an allem Mangel zu lei den; so fingen sie an, auf ihre Sicherheit be dacht zu seyn, und schlugen eine Capitula tion vor. [] Allein der General antwortete ihnen, weil sie drey Tage hinter einander die Vorschläge, die er ihnen gethan, ausgeschlagen hätten, so wä re ihnen nunmehr nichts übrig, als sich auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Die Ein wohner sahen auch gar bald, daß es mit ihnen auf das äusserste gekommen sey, und waren also genöthiget, die Gesetze des Siegers anzu nehmen. Sie eröfneten ihre Thore, und Mos lem zog an der Spitze seiner Trupen mit dem dem Degen in der Hand ein. Anfangs ging nicht die geringste Unordnung vor; denn weil der General befohlen hatte, daß man eher nicht einige Bewegung machen solle, als bis er das
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Zeichen dazu gegeben habe, so blieb der Sol(Yesid. Hegire 63. n. C. G. 682) dat ruhig bey seinen Waffen, und erwartete die Befehle. [] Moslem hatte diese Vorsicht deswegen ge [] (Die Fa milie des Ali wird von der Plünde rung be freyet.) braucht, damit er Zeit haben möchte, den Ali, und alle, welche zu der Familie des Hassein gehörten, dem erhaltnen Befehl gemäß zu ret ten. Er ließ sie also suchen, und sie fanden sich in der äussersten Bestürzung ein, als Leute, welche das erste Opfer zu werden glaubten, das man der Rache des Califen aufopfern wolle; doch sie wurden auf eine sehr angenehme Art über rascht, als sie sahen, daß sie der General mit vieler Höflichkeit empfing, sie wegen ihres Ge schicks zufrieden stellte, und besonders dem Ali, welcher an ihrer Spitze war, die allervorzüglich sten Merkmahle der Achtung, ja gar der Ehr furcht, gab. Er ließ ihn auf sein Cameel stei gen, und gab ihm eine zahlreiche Bedeckung, welche ihn, und seine Familie an einen sichern Ort bringen mußte. [] Sobald als Moslem in diesem Stücke alles [] (Medina wird ge plündert.) gehörig angeordnet hatte, gab er das Zeichen, und die Stadt ward der Wuth des Soldaten Preis gegeben. Das Niedermetzeln dabey war er schrecklich, und alles, was nur aufstieß, mußte über die Klinge springen, Gleichwohl entka men noch ungefehr tausend schwangere Weiber, welche aus Mitleid mit ihrem Zustande von dem gemeinen Unglücke ausgenommen wurden. In
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(Yesid. Hegire 64. n. C. G. 683) Ansehung der Plünderung aber ward durchaus kein Unterscheid gemacht, sondern alle Reich thümer der ganzen Stadt wurden die Beute der Soldaten, welche das, was sie nicht fort bringen konnten, verbrannten. [] (Tod des Moslem.) [] Nach vollbrachter Plünderung führte Mos lem seine siegenden Trupen nach Mecca, in der Absicht, sich des Abdallah zu bemächtigen, oder die Stadt bis auf den Grund zu zerstöhren, wann sich die Einwohner etwa wiedersetzen wollten; doch dieser General ward auf seiner Reise von einer Krankheit überfallen, welche [] (Ihm folgt Hozein, und bela gert Mecca.) ihn plötzlich dahin riß. Nachdem der nach ihm folgende Anführer, Namens Hozein, das Commando, welches von Rechts wegen auf ihn kommen mußte, übernommen hatte, so setzte die syrische Armee unter seiner Führung ihren Marsch fort, und langte in kurzem vor den Mauren Meccas an, und machte sogleich mit der BelagerungBelagernng den Anfang. [] Die Unternehmungen der Belagerer hat ten den Fortgang nicht, welchen der General davon erwartete. Sobald Abdallah in diese Stadt gekommen war, hatte er verschiedene vor sichtige Anstalten gemacht. Er hatte beträcht liche Werke anlegen lassen, welche die Annähe rung ungemein schwer machten, so das Hozein, welcher den Platz in weniger Zeit einzubekom men geglaubt hatte, ganzer vierzig Tage die Wälle bestürmen mußte, ohne daß er sie er
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steigen konnte. Gleichwohl bestand er auf die(Yesid. Hegire 64. n. C. G. 683) ser Belagerung so hartnäckig, und war in sei nen Unternehmungen so hitzig, daß es ihm end lich gelang, den einen Theil der Stadt in Brand zu bringen, während der Zeit er auf der andern Seite mit seinen Kriegsmaschinen die ansehnlichsten Gebäude über den Haufen stürzte. Durch diesen Vortheil wurden die Syrer ermuntert, und glaubten, daß nunmehr Mecca gar bald ein gleiches Schicksal mit Me dina erfahren sollte, als eben eine Nachricht anlangte, welche alle diesen Feindseligkeiten Einhalt that. [] Yesid war nicht mehr. Dieser Calif war [] (Tod des Yesid.) zu Havarin, einer Stadt in Syrien, in dem Gebiete Hemes gestorben, nachdem er unge fehr vier Jahr regieret hatte. Sobald diese Nachricht in dem Lager der Syrer ausgebrei tet war, ließ Hozein mit den Bestürmungen inne halten, und verlangte mit dem Abdal lah eine Unterredung zu haben. Als dieser darein gewilliget hatte, mußte er nicht we nig erstaunen, daß ihm Hozein den Vor [] (Abdallah will von der Armee des Hozein nicht zum Califen ausgeru fen seyn.) schlag that, ihn von seiner ganzen Armee zum Califen ausrufen zu lassen. Nachdem er ei nige Zeit über einen so vortheilhaften Antrag nachgedacht hatte, so glaubte er gleichwohl nicht, daß er ihn annehmen könne. Er dank te dem Generale für seinen guten Willen, und sagte ihm, daß er aus Gründen von der äus
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(Yesid. Hegire 64. n. C. G. 683) sersten Wichtigkeit vorjetzo sich seinen Vor schlag nicht zu Nutze machen könne. [] Man sagt uns nicht, was wohl die Be wegungsursache zu dieser abschläglichen Ant wort müsse gewesen seyn. Vielleicht hatte er den Hozein im Verdacht, daß er ihn durch diesen Antrag betrügen wolle. Dem aber sey, wie ihm wolle, er zog sich in seinen Platz wieder zurück, und bald darauf ließ Hozein seine Trupen aufbrechen, und nahm in Begleitung des Mervan - ebn - Hakem, und einer grossen Anzahl Ommiaden, welche wi der die Verfolgungen der Anhänger des Ab dallah bey diesem Statthalter Schutz gesucht hatten, seinen Rückweg nach Syrien. [] (Warum die Musel männer den Yesid verachteten) [] Der Tod des Yesid machte bey seinen Un terthanen wenig Eindruck. Es hatte sich die ser Calif durch seine Schwelgerey und seine Ausschweifungen, und besonders durch seine Verachtung der Religion verhaßt gemacht. Man konnte ihm nicht vorwerfen, daß er sich der einen Secte geneigter erwiesen, als der andern. Er verachtete sie beyde gleich sehr, und machte sich ein Vergnügen daraus, die von dem Mahomet eingeführten Gesetze und Gebräuche öffentlich zu übertreten. Er war der erste Calif, welcher sich unterstanden, ohne Scheu Wein zu trinken, und sich von Ver schnittenen bedienen zu lassen. Seine Nei gung zu den Hunden war über dieses auch ein
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Vorwurf, welchen ihm die gewissenhaften Mu(Yesid. Hegire 64. n. C. G. 683) selmänner, die diese Thiere nicht leiden konn ten, machten. [] Auch zog er sich die Verachtung und den Un willen der Völker durch zwey Laster zu, welche dem Ansehen nach einander ganz zuwider zu seyn schienen; ich meine die Verschwendung und den Geitz, welche beyde er bis auf das äusser ste trieb. Begierig nach fremdem Gute be raubte er oft seine ehrwürdigsten Unterthanen aller ihrer Güter; indem er auf der andern Seite die ansehnlichsten Summen liederlichen Weibspersonen, Musicanten, und niederträch tigen Hofschmeichlern zuwarf. [] Das einzige Verdienst, welches ihm die ara bischen Schriftsteller nicht absprechen, ist seine Stärke in der Poesie. Diese Gabe, welche sonst sehr geschickt ist, einem Regenten Ansehen zu verschaffen, war, wie wir schon gesehen ha ben, bey den Muselmännern in grosser Ach tung; sie ging, so zu reden, mit der Tapferkeit in gleichem Range, und war ein Theil der Lobsprüche der grösten Heerführer. [] Dieser Geschmack an der Poesie war ihm von Kindheit an von seinem Vater, dem Mo avias, beygebracht worden, welcher die Mos lem, die Mutter des Yesid, aus keiner andern Ursache, als wegen ihrer Geschicklichkeit zum Vers machen, geheyrathet hatte. Er war be dacht, die Erlernung der Dichtkunst eineneiuen Theil
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(Yesid. Hegire 64. n. C. G. 683) der Auferziehung seines Sohnes seyn zu lassen; und zu allem Unglücke war es auch das einzige, worinne dieser die Hofnung seines Vaters er füllte; denn ausser diesem hatte er keine einzige von den Eigenschaften, durch welche ein Regent verehrungswürdig, und der Nachwelt schätz bar würde. Die arabischen Schriftsteller haben auch nicht ermangelt diese Anmerkung zu machen, daß wenn das Muselmännische Reich blühen solle, so müsse es in Händen sol cher Fürsten seyn, welche entweder, wie die er sten Califen, der Religion sehr ergeben, oder sehr prächtig und freygebig, wie Moavias, wären; alsdann aber sey alles verlohren, wann ein Prinz, wie Yesid, den Thron besitze, welcher weder Grösse, noch Religion, nach Anständig keit habe. [] Auch die Plünderung der Stadt Medina war ein Schandfleck, welcher fähig war, alle Tugenden des Yesid zu verdunkeln, gesetzt auch, daß es ihm daran nicht gefehlt hätte. Er hat te sich nicht daran gekehrt, daß diese berühmte Stadt den ersten Muselmännern zum Zu fluchtsorte gedienet habe, und daß man daselbst den sterblichen Ueberrest des Propheten, des Stifters der Religion und des Staates, auf bewahre. Alles dieses waren zu schwache Be wegungsgründe, seine Wuth zurück zu halten; er sprach so gar die abscheulichen Gewaltthätig keiten recht, welche seine Trupen ganzer drey
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Tage hindurch daselbst verübt hatten. Es(Yesid. Hegire 64. n. C. G. 683) konnte auch also nicht fehlen, sagen die gottes fürchtigen Muselmänner, die göttliche Gerech tigkeit mußte ihn wegen so vieler Ausschwei fungen strafen, indem sie ihm Cron und Leben in einem Alter nahm, in welchem er beydes noch lange zu besitzen hätte hoffen können. [] Unter seinem Califate brachten die Musel männer die völlige Eroberung von Charassan zu Stande; sie setzte auch die Staaten des Für sten von Sarmankand in Contribution. Diese Feldzüge wurden von dem Salem, dem Sohn des Ziad geführt, welcher erst in seinem vier und zwanzigsten Jahre war. [] Yesid hinterließ verschiedene Kinder; von von welchen aber keines gedacht wird, als des zweyten Moavias, welcher ihm folgte, und des Chaled, welcher nach der Niederlegung seines Bruders keinen Antheil an dem Califate haben konnte, weil er noch allzujung war.

Moavias II.(Moavias II. Hegire 64. n. C. G. 683) Achter Calif.

[] Sobald der Tod des Yesid in Damascus ruchbar geworden war, rief man seinen [] (Character des Moavi as II.) Sohn, den Moavias, zum Califen aus, einen Prinzen von einer sehr zärtlichen Leibesbeschaf
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(Moavias II. Hegire 64. n. C. G. 683) fenheit, auf dessen Leben man sehr wenig Rech nung machen konnte. Die bösen Beyspiele seines Vaters hatten die Erziehung nicht ver dorben, die er von seinen Lehrmeistern empfan gen; und ob er schon der Sohn eines Fürsten war, der sich aus der Gottlosigkeit eine Ehre machte, so erwieß er sich dennoch der Religion sehr ergeben. Er war von der Secte der Ca darier, welche ein Zweig der Motazeliten sind. Diese Sectirer hatten zu ihrem Grundsatze, daß die Handlungen des Menschen einzig und allein von den Bestimmungen seines Willens abhangen, anstatt daß die andern Muselmän ner behaupten, GOtt sey vermöge seiner bestim menden Rathschlüsse die unmittelbare Ursache aller menschlichen Handlungen. Die Cada rier sowohl als die Motazeliten verwarfen diese Gesinnung, weil sie wohl einsahen, daß da durch die Freyheit des Menschen aufgehoben, und GOtt selbst zum Urheber der Sünde ge macht würde. [] Ob nun schon Moavias sowohl durch das [] (Moavias befragt sich um Rath, ob er das Califat an nehmen soll.) Recht seiner Geburt, als auch durch die Ein stimmung der Völker zum Throne berufen ward, so ließ er sich dennoch den Glanz der Cro ne nicht blenden. Er wollte, ehe er sie an nahm, sich um Rath befragen, und zu vor wis sen, ob er auch ihrer Last gewachsen sey. Er ließ also einen ehrwürdigen Muselmann suchen, Namens Omar - al - Macsus, welcher sein Lehr
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meister gewesen war, und auf den er ein grosses(Moavias II. Hegire 64. n. C. G. 683) Vertrauen gesetzt hatte. Er stellte ihm seine Schwierigkeiten vor, und bat ihn, den Aus spruch zu thun, ob er das Califat annehmen solle. [] Omar wollte ihm ohne Zweifel zu verstehen geben, wie wichtig seine Verbindlichkeiten seyn würden, und wie nahe es ihm gehen sollte, wenn er seinem Vater, dem er in der Regie rung folgte, in seiner Aufführung nachahmen wollte; er antwortete ihm also, er habe sich hierbey selbst zu untersuchen; wann er fände, daß er Muth genug habe, seinen Unterthanen genaue Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, und Stärke genug, alle Pflichten dieser blen denden Würde zu beobachten, so könne er sie annehmen; wenn er sich aber in diesen Um ständen nicht fühlte, so wäre der Entschluß leicht, und er könne, ohne sein Gewissen zu verletzen, die Crone nicht anders als aus schlagen. [] Moavias unterdessen nahm sie an. Doch von dem Augenblicke an, da er auf den Thron gestiegen war, fing er an, über seine Ver bindlichkeiten ernsthafte Betrachtungen zu ma chen, und seine einzige Beschäftigung war, zu untersuchen, ob er im Stande seyn werde, sie zu vollziehen. Nach sechs Wochen end lich hatte er seinen Entschluß gefaßt, und dieser war, der Crone durchaus zu entsagen.
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(Moavias II. Hegire 64. n. C. G. 683) [] Nachdem er die vornehmsten Bedienten des Staats versammlen lassen, eröfnete er ihnen sein Vorhaben; er stellte ihnen alle seine Bewegungsgründe vor, und fügte endlich hin [] (Er ent sagt dem Califate.) zu, er habe zwar gern, nach dem Exempel des Abubekers und Omars, ihnen einen Re genten vorschlagen wollen, der es werth sey, ihnen zu befehlen; weil er aber befürchtete, er möchte dadurch gehalten seyn, für den Aus gang dieser Wahl zu stehen, so habe er sich entschlossen, die Regierung bloß und allein niederzulegen, und ihnen die Sorge wegen ei nes Nachfolgers selbst zu überlassen. [] Man machte ihm alle mögliche Vorstellun gen, um ihn zur Beybehaltung einer Würde zu bewegen, welche ihm so rechtmäßiger Wei se zukomme. Endlich schrenkte man sich nur darauf ein, ihn um die Ernennung eines an dern, welcher an seine Stelle zu treten ver diene, zu bitten; doch da dieser junge Prinz auch hierinne bey seinem einmal gefaßten Ent schlusse unbeweglich blieb, so mußte man es sich gefallen lassen. Moavias legte also seine Crone förmlich nieder. Weil man seinen Platz nicht sogleich wieder ersetzen konnte, so erwählten die Damascener, bis zur Ernen [] (Dehak wird zum Staats verweser ernennt.) nung des neuen Califen, einen Staatsver weser. Ihre Wahl fiel auf den Dehak, Sohn des Kais, welcher sich sogleich an das Ruder des Reichs stellte.
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[] Die Ommiaden wurden über den Schritt(Moavias II. Hegire 64. n. C. G. 683) des Moavias ungemein erbittert. Weil sie in der Meinung standen, seine Niederlegung sey die Folge der Rathschläge, die ihm Omar al Macsus gegeben habe, so wurden sie wider diesen Muselmann zu der allergrausamsten Ra che angefeuert. Sie bemächtigten sich seiner, und begruben ihn lebendig. [] Moavias selbst lebte nach seiner Niederle gung nicht lange. Er hatte sich einem sehr eingezognen Leben gewidmet, und sich, sobald er von dem Throne gestiegen war, in ein Zim mer eingeschlossen, aus welchem er fast gar nicht kam. Dieser Entfernung von der Welt ungeachtet, ward er von einer ansteckenden Krankheit ergriffen, an welcher er kurz darauf starb. Andre versichern, er sey in seiner Ein samkeit vergiftet worden. [] Wegen seiner Liebe zur Einsamkeit, die aus der Schwäche seines Temperaments entstand, und ihn sich an das Licht zu machen verhinderte, bekam er den Zunahmen Abu - Leilah, das ist Vater der Nacht. [] Während der Zeit als dieser junge Prinz, der sich der Last einer Crone nicht zu unterziehen getrauete, alle Mittel anwandte, sie von sich abzulehnen, erhuben sich in Arabien Unruhen, welche demjenigen keine allzuglückliche Regie rung versprachen, der an seine Stelle zum Ca lifen erwehlt werden würde.
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(Moavias II. Hegire 64. n. C. G. 683) [] Abdallah, der Sohn des Zobeir, den man schon seit geraumer Zeit zu Medina und Mecca als Califen erkannt hatte, fuhr beständig fort, seine Ansprüche zu behaupten, und erwarb sich von Tag zu Tag neue Anhänger. Auf der an dern Seite hatte auch Obeidallah, welcher zu gleich Statthalter von Basrah und Cuffah war, gewisse Maaßregeln genommen, ob er schon die Absicht nicht hatte, zum Califate zu gelangen; er konnte aber leicht voraussehen, daß für denjenigen, welchen man mit dieser höchsten Würde bekleiden werde, seine Unter nehmungen sehr nachtheilige Folgen haben müßten. [] (Obeidallah läßt sich zum Ober herrn von Basrah er kennen.) [] Er war eben zu Basrah, als man ihm den Tod des Yesid hinterbrachte. Er stieg sogleich auf den Lehnstuhl, und nachdem er den Ein wohnern die Nachricht davon mitgetheilt, gab er ihnen in einer langen Rede alles zu überle gen, was sie hatten ausstehen müssen, seit dem sie unter der Herrschaft der Ommiaden ge standen. Unterdessen rieth er ihnen doch nicht, das Joch gänzlich abzuschütteln; er stell te ihnen nur vor, daß sie, als das aller ansehn lichste Volk des ganzen Reiches, sich gar leicht selbst erhalten, und so lange einen besondern Staat ausmachen könnten, bis die Zwistig keiten beygelegt wären, die jetzt wegen des Califats im Syrien herrschten. Er gab ihnen folglich den Anschlag, einen aus ihren Mitteln
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zu erwählen, welcher der Beschützer ihres Lan(Moavias II. Hegire 64. n. C. G. 683) des genennt zu werden verdiene: Alsdenn könnten sie noch allezeit, wenn sie wollten, den jenigen Califen erkennen, den die Muselmän ner einmüthig würden ernennt haben; fänden sie dieses aber nicht für gut, so würden sie doch im Stande seyn sich selbst zu vertheidi gen, bis man etwa anständigere Maassregeln genommen hätte. [] Die Rede des Obeidallah machte bey den Einwohnern von Basrah Eindruck, und sie wurden sogleich einig, ihn selbst zum Haupte der zu errichtenden Art von Republick zu er nennen. Obeidallah that Anfangs, als ob er diesen Antrag durchaus nicht annehmen wol le; endlich aber ließ er ihr Anhalten statt fin den, und sobald er seine Einwilligung von sich gegeben, leisteten ihm die von Basrah den Eid der Treue, doch unter dem Beding, daß sich ihr Gehorsam nicht weiter erstrecken sollte, als bis man in Syrien wegen der Wahl eines Oberhaupts einig geworden wäre. [] Moavias war erfreut, daß es ihm in Bas [] (Er ver sucht verge bens ein gleiches in Cuffah zu thun.) rah so wohl gelungen war, und schickte so gleich Abgeordnete nach Cuffah, die Einwoh ner daselbst von dem, was vorgegangen sey, zu benachrichtigen, in der gewissen Hofnung, daß sie eine gleiche Aufführung beobachten würden. Allein diese Sache fiel ganz anders
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(Moavias II. Hegire 64 n. C. G. 683) aus, und die Abgeordneten wurden sehr übel empfangen. Man mißhandelte denjenigen, der sich an ihrer Spitze befand, und ob es schon einer von den Befehlshabern des Obei dallah war, so hatte man gleichwohl nicht mehr Hochachtung für seine Person, sondern warf ihm unter der Rede, die er an das Volk hielt, Staub ins Gesichte. [] (Die von Basrah empören sich wider ihn, und nöthigen ihn, sich fortzuma chen.) [] Dieser Zufall brachte die Einwohner von Basrah zu Ueberlegungen. Sobald sie er fuhren, wie weit die Cuffahner von dem Vor schlage des Obeidallah entfernet wären, so fingen sie es an zu bereuen, daß sie sich mit ihrer Einwilligung so übereilt hätten, und wie derruften sogleich den ihm geleisteten Eid der Treue. Die Gemüther wurden je länger je mehr aufgebracht, und endlich war es dem Obei dallah unmöglich, länger in dem Lande zu blei ben; er entschloß sich also, sich in Sicherheit zu bringen, und ließ das Gerüchte ausstreu en, als sey er nach Syrien geflüchtet. [] Ehe er aber wegging, machte er sich das Geld zu Nutze, welches in der Schatzkammer von Basrah verwahret lag. Es belief sich auf sechzehen Millionen, wovon er einen gu ten Theil unter seine Familie vertheilte, und das übrige zu Fortsetzung seiner Unternehmun gen behielt. Allein es fiel ihm unmöglich, sei nen ersten Anschlag wieder aufs feine zu brin gen. Er bot verschiedenen Stämmen an
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sehnliche Summen an, um sie zu bewegen,(Moavias II. Hegire 64. n. C. G. 683) daß sie für ihn die Waffen ergriffen; doch überall fand er abschlägliche Antwort, und so gar seine Anverwandten wollten sich in ei nen so kützlichen Handel nicht einlassen. [] Als er sahe, daß alles verlohren sey, rei sete er, in Begleitung von etwa hundert Per sonen, von Basrah ab. Es war aber Zeit, daß er sich aus dieser Stadt fortmachte; denn der Pöbel, den die Feinde dieses Statthalters wider ihn aufgebracht hatten, warf sich in sein Haus und plünderte es; einige sogar setzten ihm nach, um sich seiner zu bemächtigen, al lein es war unmöglich ihn einzuholen. [] Eben zu dieser Zeit der Flucht des Obei [] (Bewegun gen wegen der Wahl des Nach folgers des Moavias.) dallah geschah es, daß Hozein, der Heerfüh rer der Syrischen Armee, in Damascus an langte, nachdem er die Belagerung von Mec ca aufgehoben hatte. Moavias, der Sohn des Yesid, hatte gleich das Califat wieder nie dergelegt, und alles war wegen eines Nach folgers in der grösten Bewegung. Hozein gestand ohne Schwierigkeit, daß er die Schwä che des Moavias gewußt, und also dem Ab dallah, dem Sohn des Zobeir, von dem Cali fate gesprochen habe; er setzte hinzu, dieser Prinz habe ihn nicht hören wollen; er schiene zufrieden zu seyn, daß man ihn in Arabien für das Oberhaupt erkenne, und bekümmere sich wenig um Syrien.
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(Moavias II. Hegire 64 n. C. G. 683) [] Hozein hatte hierauf eine ziemlich lange Unterredung mit dem Mervan - ebn - Hakem, und mit den übrigen Ommiaden, die ihm nach Damascus gefolgt waren. Er stellte ihnen vor, daß man bey gegenwärtigen Um ständen die Regierung in Syrien auf das schleunigste zur Richtigkeit bringen und sich entweder für den Abdallah, welcher ohne Zweifel den einmüthigen Ruf der Nation nicht ausschlagen würde, oder für einen andern er klären müste, der den Abdallah unterdrücke, welcher sonst immer ein sehr gefährlicher Mit buhler bleiben würde. [] (Abdallah wird von dem Cali fate ausge schlossen.) [] Diese Vorstellungen hätten beynahe sehr glückliche Folgen für den Abdallah gehabt. Dehak, der Sohn des Kais, welcher zu Da mascus commandirte, war ziemlich auf seiner Seite. Mervan selbst, dessen Stimme von einiger Gültigkeit war, erklärte sich für den Abdallah. Doch eben da dieses vorging, kam Obeidallah nach Damascus, und redete mit vieler Heftigkeit gegen den Mervan von sei nem gethanen Vorschlage. Er stellte ihm vor, daß ein Mann von seinem Stande, welche unter den Koreischiten in solchem Ansehen stän de, nicht daran denken müste, sich dem Ab dallah zu unterwerfen, welcher sich für einen offenbaren Feind der Ommiaden erklärt habe. Diese Vorstellungen thaten ihre Würkung, und man dachte nicht mehr daran, ihn in Vorschlag zu bringen.
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[] Doch eben da man dem Abdallah in Sy(Moavias II. Hegire 64. n. C. G. 683) rien schlechte Dienste leistete, schienen seine Angelegenheiten in Arabien immer besser und besser zu werden. Die Flucht des Obeidallah war unter andern ein sehr glücklicher Umstand, [] (Die von Basrah unterwer fen sich dem Abdallah.) welcher ihn Basrah gewinnen ließ. Nach dem die Einwohner dieser Stadt einen Statt halter nach dem andern erwählt und abgesetzt hatten, so schrieben sie an den Abdallah, und unterwarfen sich seinem Ansehen. [] Er hätte glücklich alle Stimmen für sich vereinigen können, wenn er sich mit mehrerer Vorsicht aufgeführt hätte; doch die Unvor sichtigkeit, die er gleich nach dem Tode des Yesid beging, indem er das Gerüchte bestä tigte, als ob er seinem Befehlshaber in Me dina Befehl gegeben habe, alle Ommiaden auszurotten, machte, daß diese den Entschluß faßten, sich in Sicherheit zu bringen, und mit dem Mervan fortzugehen, um unter Be deckung des Hozein und seiner Trupen nach Damascus zu flüchten. Dieser Umstand scha dete den Angelegenheiten des Abdallah unge mein viel, und verhinderte, daß er nicht von dem ganzen Muselmännischen Reiche erkannt wurde. [] (Abdallah wird in ver schiedenen Provinzen für den Ca lifen er kannt.) [] Unterdessen genoß er doch beständig in ei nem sehr grossen Reiche, aus welchem er einen sehr mächtigen Raub machen konnte, den Ti tel und die Vorzüge eines Califen. Auch
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(Moavias II. Hegire 64. n. C. G. 683) die Völker in den Provinzen Irak, Hegiaz, Yemen und Aegypten erkannten ihn. So gar in Syrien hatte er einen beträchtlichen Anhang. Und dieses ist es, was die meisten arabischen Geschichtschreiber verführt hat, ihn unter die Zahl der Califen, und zwar gleich nach dem Moavias II. zu setzen. [] Mich haben verschiedne Ursachen bewogen, dieser Ordnung nicht zu folgen. Denn erst lich hielt ich es nicht für gut, die Dynastie der Ommiaden durch einen Califen zu unterbre chen, welcher nicht aus ihrem Hause war. Zweytens war Abdallah schon unter dem Ye sid zum Califate erhoben worden, und führte seine Regierung auch unter den folgenden Califen, bis auf den Abdalmeleck; ich sehe also keinen Grund, warum er vielmehr auf den einen, als auf den andern von diesen Califen folgen sollte. Endlich kann man das Califat dieses Prinzen als eine Trennung unter den Muselmännern ansehen, welche mit seinem Tode aufhörte; denn gleich darauf erkannten die Provinzen, die ihm unterthan gewesen waren, die Oberherrschaft der Ommiaden wie der. Ich habe es also für unnöthig gehal ten, ihm einen besondern Platz zugeben, und geglaubt, es sey genug, wenn ich das vornehm ste, was ihn betrift, bey Gelegenheit unter der Regierung der Ommiadischen Califen mit anführte.
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Mervan - Ebn - Hakem.(Mervan Ebn=Ha kem. Hegire 64. n. C. G. 683) Neunter Calif.

[] Mervan - ebn - Hakem war der vierte Calif aus dem Hause der Ommiaden, zu wel chem er vermittelst einer Nebenlinie gehörte. Wir haben gesehen, daß sich dieser Prinz zu der Zeit, als Yesid starb, noch in Medina befand, von dannen er in gröster Eil sich wegen des ausgestreuten Gerüchts von dem grausamen Urtheile des Abdallah wider die Ommiaden fortmachte. [] Er langte eben zu Damascus an, als man wegen des Entschlusses des Mervan II. das Califat niederzulegen, welches er nur sehr kurze Zeit besessen, in der grösten Verwirrung war. Wir haben gesehen, daß man die Stim men nicht vereinigen konnte, und also mitt lerweile den Dehak, den Sohn des Kais zum Staatsverweser erklärte; einen Mann, wel cher wegen seiner Fähigkeit, seiner Bedienun gen und besonders wegen seiner Dienste, die er dem ersten Mervan, dem Stifter des Sy rischen Thrones, geleistet hatte, in dem größ ten Ansehen stand. [] Die Ergebenheit, die er gegen den ersten [] (Dehak er klärt sich für den Abdal lah.) Califen der Ommiaden gehabt, erstreckte sich nicht bis auf alle diejenigen, welche zu dieser Familie gehörten. Er verehrte zwar die, wel
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(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) che in gerader Linie von dem Moavias ab stammten; doch als es darauf ankam, die Crone auf eine Nebenlinie zu bringen, so war er dieser Meinung nicht, sondern erklärte sich öffentlich für den Abdallah - ebn Zobeir. [] Doch ungeachtet dieser Wiedersetzungen ward Mervan erwehlt, und fing seine Regierung damit an, diejenigen, die sein Ansehen nicht erkennen wollen, dazu zu zwingen. Dehak, welcher diese Bewegungen voraus gesehen hat te, war auf Gegenanstalten bedacht gewesen. Das Ansehen, welches er sich während seiner Verwesenschaft erworben hatte, machte ihm eine sehr fürchterliche Parthey, die sogleich unter Anführung ihres Hauptes zu den Waf fen griff. Mervan seiner Seits brachte gleich fals Trupen zusammen, und suchte seine Fein de in den Ebenen in Damascus auf, wo sie sich niedergelassen hatten. [] (Er wird ge schlagen und getöd tet.) [] Eine einzige Schlacht entschied den ganzen Zwist. Dehak, welches der Urheber dieser Unruhen war, blieb; der gröste Theil seiner Trupen ward in die Pfanne gehauen, und die übrigen wurden gar bald zerstreuet. Dieser Sieg war eine feyerliche Bekräftigung der Erwählung des Mervan: Seine Soldaten riefen ihn auf dem Schlachtfelde zum Califen aus, und führte ihr in Siegsgepränge nach Damascus zurück.
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[] Doch seine Freude über diesen Sieg daure(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) te nicht länger, als bis man ihm das Verzeich niß von allen seinen Feinden brachte, die in diesem Treffen geblieben waren. Er war viel zu menschlich und grosmüthig, als daß ihm der Tod so vieler tapfern Muselmänner nicht auf das empfindlichste hätte schmerzen sollensol lrn, und konnte sich nicht enthalten auszurufen: Warum hat man mich auch zwingen müßen, an so einem abscheulichen Blut vergiessen Theil zu nehmen? Das Nie dermetzeln war auch in der That sehr schrecklich gewesen; obschon, nach aller Wahrscheinlich keit, bey weiten nicht so beträchtlich, als es die arabischen Schriftsteller machen, welche in die ser einzigen Schlacht achzigtausend Mann auf der Wahlstatt umkommen lassen. [] Als Mervan nach diesem Sieg wieder nach [] (Man nö thiget den Mervan, das Cali fat dem Chaled, Sohne des Yesid, auf zuheben.) Damascus zurückgekommen war, bezog er so gleich den Pallast, in welchem Moavias ge wohnt hatte, und sann auf Mittel, sein Ansehen zu bevestigen. Nunmehr versammelten sich auch die vornehmsten Muselmänner bey ihm, um über die Einrichtung mit ihm zu Rathe zu ge hen, wie es künftig mit der Thronfolge solle gehalten werden. Ehe Mervan noch war gewählt worden, hatte er schon versprechen müssen, daß er seine Würde nicht seinem Sohn, sondern dem Chaled, dem Sohn des Yesid, dem sie von Rechts wegen zukomme, hinterlassen wolle. Diese Folge desto gewisser
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(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) zu machen, hielt man dieses für das sicherste Mit tel, wenn man den Mervan nöthigte, die Mut ter des Chaled zu heyrathen, wodurch er gleich sam der Vormund dieses jungen Prinzen wür de. Uebrigens verließ man sich genugsam auf seine Redlichkeit, daß, wenn er diese Bedingun gen einmal eingegangen wäre, er sie auf das treulichste erfüllen, und einzig und allein den Vortheil seines Mündels vor Augen haben würde. Mervan, welcher alles, was man von ihm verlangte, versprochen hatte, als es dar auf ankam, sich dadurch auf den Thron zu schwingen, war jetzo sehr übel geneigt, sich durch die vorgeschlagene Heyrath neue Ketten an legen zu lassen. Unterdessen, da ihm seine Freun de vorstellten, daß eine abschlägliche Antwort die Syrer wider ihn erbittern würde, die dadurch auf den Verdacht kommen könnten, als wolle er das Califat, zum Nachtheile der Nachkommen des Yesid, auf seine eigene Kinder bringen, so gab er ihren Vorstellungen nach, und ver willigte es also, die Crone gleichsam nur in Ver wahrung zu nehmen. [] (Die von Hemes er kennen den Mervan, und brin gen den No man um.) [] Unterdessen gab er sich doch alle Mühe, sich auf dem Throne so, als auf seinem Eigenthume, festzusetzen. Der Tod des Dehak hatte ihn von einem fürchterlichen Feinde befreyet. Kurz darauf sahe er noch einen andern in der Person des Noman - ebn - Baschir umkommen, welcher in Hemes commandirte. Dieser Heer
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führer war ein eifriger Anhänger des Dehak(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) geworden; als er aber seine Niederlage ver nahm, ergriff er mit seiner Familie und seinen Freunden die Flucht. Nunmehr wurden die von Hemes, welche Anfangs auf seiner Seite gewesen waren, auf einmal anderer Meinung; und, um sich mit dem Califen wieder auszu söhnen, verfolgten sie die Flüchtigen, holten sie ein, hieben dem Noman auf der Stelle den Kopf ab, und brachten seine Leute gefangen nach Hemes. [] Mervan war gewiß überzeugt, daß er von [] (Mervan unterwirft sich Aegyp ten.) dem kleinen Reste, der von dieser Parthey ü brig geblieben war, nichts zu befürchten habe, und beschloß also nach Aegypten zu gehen, wo Abdallah sein Mitbuhler einen sehr beträcht lichen Anhang hatte, welcher durch die Sorg falt seines Unterbefehlshabers, des Hassan=ebn Maleck, von Tag zu Tag stärker ward. In Erwartung, bis er selbst dahin abgehen kön ne, schickte er eine zahlreiche Mannschaft unter Anführung des Amru - ebn - Said, sei nes Anverwandten, dahin. Dieser Heerfüh rer vollzog seinen Befehl mit so glücklichem Erfolge, daß sich dieser Feldzug kaum ange fangen hatte, als schon ganz Aegypten unter die Bothmäßigkeit des Califen gebracht war. Er verjagte den Unterbefehlshaber des Ab dallah, und schlug kurz darauf den Mossab, den Bruder dieses Abdallah, welcher dem Un terbefehlshaber zu Hülfe gekommen war, in
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(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) die Flucht. Auf diesen Sieg folgte die gänz liche Unterwerfung aller Völker dieser Pro vinz, so daß Mervan überhoben seyn konnte, sich selbst dahin zu begeben. Amru kehrte mit Ruhm beladen nach Damascus zurück, die Belohnungen seiner Tapferkeit daselbst zu er halten. [] Doch eben da Aegypten von dem Abdallah ebn - Zobeir absprang, und sich dem Mervan unterwarf, entstanden in andern Provinzen Bewegungen, welche weder dem einen, noch dem andern von diesen Nebenbuhlern eine ru hige Regierung versprachen. [] (Die Pro vinz Coras san will sich für keinen von denen, die auf das Califat An spruch ma chen, erklä ren.) [] Die Provinz Corassan, welche den Yesid erkannt hatte, weigerte sich, auf die Seite des Mervan zu treten. Unterdessen blieb das Volk daselbst der mahometanischen Religion gleichwohl nicht weniger ergeben, sie wollten bloß bey dem Zwiste, welcher das Reich we gen der zwey Califen trennte, neutral bleiben. Sie errichteten also in Erwartung, bis sich die Muselmänner in Erwählung eines einzigen Oberhaupts würden vereiniget haben, eine Regierung unter sich auf, deren Verwaltung dem Salem, Sohne des Ziad, ihrem gewese nen Statthalter, anvertrauet ward. Diese Regierung ward ziemlich ruhig. Salem, welcher von Natur zum Frieden geneigt war, beobachtete in allem, was den einen oder den andern Califen angehen konnte, die genaueste
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Neutralität. Seine einzige Beschäftigung(Mervan. Hegire 64 n. C. G. 683) war, sein Volk klüglich zu regieren, welches ihm auch sowohl gelang, daß er sich unter ih nen in ein solches Ansehen setzte, daß man in den meisten Familien die Kinder, die in die sem Zeitraum zur Welt kamen, Salem nann te. Der arabische Schriftsteller erzählt, mehr als zwanzigtausend Kinder hätten diesen Na men aus Liebe zu ihrem so weisen und gütigen Befehlshaber bekommen. [] Von einer ganz andern Art waren die Be [] (Der Auf stand der Cuffahner in Arabien.) wegungen, die in Arabien entstanden. Die Cuffahner, ein von Natur unbeständiges und flatterhaftes Volk, welches die Parthey der Aliden bald ergriffen, bald wieder aufgegeben hatte, war, wie wir gesehen haben, mit sei ner Treulosigkeit auf das höchste gekommen, indem es den unglücklichen Hassein durch Ver weigerung der versprochenen Hülfe hatte um kommen lassen. [] Auf einmal fühlten sie sich von den heftig sten Gewissensbissen getrieben, und hoften sich dadurch ihrer zu entschlagen, wenn sie den Tod dieses unglücklichen Prinzen an den jenigen rächten, welche die Urheber davon ge wesen wären. Ehe sie aber den Anfang da mit machten, hielten sie verschiedene Berath schlagungen über die Art, wie man mit ei ner so wichtigen Sache zu Werke gehen müsse.
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(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) [] Man versammlete zu diesem Endzwecke alle die angesehensten, frömmsten, klügsten und erfahrensten Männer. Hierunter gehörten Soliman - ebn - Sorad, welches einer von den Begleitern des Propheten gewesen war; Mos sabid - ebn - Nahbadh, ein vertrauter Freund des Ali, Abdallah - ebn - Said, Abdallah=ebn Vahi, und Refaah - ebn - Schaddah. Diese Versammlungen waren ein neuer Sporn, wel cher den Eifer, oder vielmehr die Wuth der Cuffahner wider die Feinde der Aliden an trieb. Es wurden unter andern verschiedene sehr nachdrückliche Reden darinne gehalten, welche alle dahin abzielten, zu zeigen, wie un gerecht es sey, daß diese Völker den Hassein verlassen hätten, und vorzustellen, daß diese strafbare Treulosigkeit sie bey allen Arabern stinkend gemacht habe, und daß sie einen so schimpflichen Schandfleck nicht anders aus löschen könnten, als wenn sie Güter und Le ben daran setzten, die Feinde des Ali, Has san und Hassein mit dem grausamsten Kriege zu überziehen. [] Hierunter konnte man deutlich genug die Ommiaden verstehen, wider die man auch in der That auf eheste auszuziehen beschloß. Der Anschlag zu der Rache, welche die Cuffahner vorhatten, ward in ganz Arabien durch Um laufschreiben bekannt gemacht, in welchen man die Anzahl der Trupen und die <Geldmengen>Geld
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men festsetzte, welche jede Provinz zu diesem(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) grossen Feldzuge beytragen sollte. Man be merkte auch den Ort darinne, wo die Trupen zusammen kommen sollten, und den Tag, an welchen man sie durch die Musterung wolle gehen lassen. Dieses Unternehmen, oder viel mehr dieser Aufstand ward der heilige Krieg genennt; eine Benennung, welche nicht wenig dazu beytrug, die Anzahl der Soldaten zu vermehren, die sich dazu anwerben liessen. Alles gerieth in Arabien in Feuer: man hör te auf allen Seiten von nichts als von Tru pen und Geld reden, und ein jeder wollte zu den Unkosten eines Krieges etwas beytragen, den man zu einer Religionsangelegenheit ge macht hatte. [] Die Umlaufschreiben, die in den verschiede nen Provinzen Arabiens waren ausgestreuet worden, hatte Soliman - ebn - Sarad geschrie ben. Er war es, den man als den Hauptan führer dieses Unternehmens und Beförderer dieses Bundes betrachtete. Man verwilligte ihm auch die Anführung der Trupen. Allein durch diese Anordnung ward die Eifersucht rege gemacht, und es entstanden deswegen sehr viel Widersprüche, besonders von Seiten ei nes berühmten Heerführers, Namens Mok thar oder Almokthar, der während dieser Hän del in Cuffah ankam. [] Dieser berühmte Muselmann war ein [] (Geschichte des Mok thar.)
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(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) Sohn des Obeidallah, und hatte sich von sei ner zartesten Jugend an in den Waffen hervor gethan; er prangte auch nicht mit wenig Wun den, welches die Lobredner seiner Tapferkeit wa ren. Er hatte allezeit die Parthey der Aliden ge nommen; gleichwohl machte man ihm den Vorwurf, als habe er dem Hassan in den ersten Feldzügen, die dieser Calif zu Gründung seines Ansehens habe thun müssen, nicht die eifrigsten Dienste geleistet. Er kam aber gar bald bey den Aliden wieder in Gnaden, als er sich des Hassein sehr hitzig annahm, da die Cuffahner zu seinem Vortheile Bewegungen zu machen anfingen. Er beherbergte eine Zeit lang den Movslem bey sich, welcher, wie wir gesehen haben, des Has sein heimlicher Unterhändler war, und nahm an allen Theil, was damals zum Fortgang der Angelegenheiten dieses Prinzen vorging. Bey dem allen aber führte er sich so vorsichtig auf, daß Obeidallah, welcher Statthalter von Cuf fah war, lange Zeit nicht das geringste von sei nen heimlichen Händeln entdecken konnte. Endlich aber bekam er doch einigen Verdacht, er mochte nun gegründet seyn, wie er wollte, und befragte den Almokthar wegen seiner Auf führung. Doch da sich dieser ohne Zweifel ein wenig allzuheftig mochte vertheidiget haben, so gerieth der Statthalter so ausser sich, daß er ihm einen Schlag mit dem Stocke versetzte, und ihm ein Auge ausschlug; er ließ ihn hierauf so
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gleich in das Gefängniß bringen, wo er bis an(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) den Tod des Hassein bleiben mußte. [] Yesid, welcher damals noch regierte, gab so gleich Befehl, dem Mokthar wieder auf freyen Fuß zu stellen. So übel Obeidallah auch mit diesem Befehle zufrieden war, so mußte er ihn doch endlich vollziehen, und weil er wohl wuß te, daß er einen Mann beleidiget habe, der ge wiß keine Gelegenheit vorbey lassen würde, sich an ihm zu rächen, so ließ er ihm bald darauf andeuten, daß er sich aus Cuffah wegbegeben solle, weil es sein Leben kosten würde, wenn er nur noch drey Tage daselbst verweilte. [] Mokthar faßte den Entschluß, in die Provinz Hegiaz zu flüchten, mit dem festen Vorsatze, sich wegen der erlittenen Beleidigung an dem Obeidallah auf eine recht grausame Art zu rä chen. Er begab sich kurz darauf nach Mecca, und trug dem Abdallah seine Dienste an; er erstaunte aber nicht wenig, da er eine Antwort erhielt, die so schmeichelhaft nicht war, als er sie erwartet hatte. Gleichwohl ward er da durch nicht verdrüßlich, sondern bleib beständig zu Mecca, in Hofnung, daß Abdallah reifere Ueberlegung machen, und die Gleichgültigkeit fahren lassen werde, mit welcher er sein Aner bieten angenommen habe. Wahrhaftig, sagte er oft zu seinen Freunden, Abdallah wird einmal die Dienste des Mokthars nöthiger brauchen, als Mokthar die Dienste des Abdallah.
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(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) [] Ungeachtet der Gleichgültigkeit des Abdal lah blieb Mokthar doch noch verschiedne Mo nate bey ihm. Als er es endlich überdrüßig [] (Er bietet sich den Cuf fahnern an, ihre Tru pen zu füh ren.) ward, seine Gunst durch nichts erwerben zu können, indem niemals an ihn gedacht ward, wenn etwa ein wichtiger Platz zu vergeben war, so faßte er den Endschluß nach Cuffah zu gehen, gleich zu der Zeit, als man daselbst die grossen Anschläge wider die Ommiaden machte. Er war von den Maaßregeln sehr wohl unterrich tet, welche die Aliden genommen hatten, und weil man ihm gemeldet, daß ihnen nichts als ein gleichgesinnter Anführer fehlte, so machte er sich bereit, sich an ihre Spitze zu stellen; er brach auch in der That auf, ob man ihm schon die Nachricht hinterbrachte, daß die Cuffahner den Soliman zu ihrem Feldherrn erwählt hät teu. Die wenige Achtung, die er gegen die sen Mann hegte, überredete ihn, daß es sehr leicht seyn würde, ihn aus dem Sattel zu he ben, und seinen Platz an sich zu ziehen. [] (Seine Ver achtung des Solimans macht ihn Feinde.) [] Diese Sache ging so geschwind nicht, als es sich Mokthar eingebildet hatte, und es wieder fuhren ihm Streiche, welche beynahe seine gan ze Hofnung zu Grunde gerichtet hätten. Als er in Cuffah anlangte, gab er vor, als ob ihn Mahomet - ben Hanifiah, (*) der Sohn des 5
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Ali, abgeschickt hätte, um ihnen mit Rath und(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) That beyzustehen. Die Ankunft eines so be rühmten Heerführers flößte Anfangs den Cuf fahnern ein grosses Vertrauen ein; doch das verächtliche Betragen, welches er gegen den Soliman beobachtete, zog ihm gar bald eine beträchtliche Anzahl Feinde zu. Er redete auf das verächtlichste von diesem General, und stell te vor, daß er durchaus unfähig sey, Trupen anzuführen, und daß er weder Einsicht noch Erfahrung besässe, ein kriegisches Unternehmen glücklich auszuführen. Er gestand es übri gens zu, daß er ein sehr guter Staatsmann sey, und bey Berathschlagungen in dem Cabinete vortreflich zu brauchen sey; daß er aber durch aus derjenige nicht wäre, der sich an der Spitze eines Heeres glücklich entschliessen könne. [] Obgleich vieles wahr war, was Mokthar wegen des Solimans vorstellte, so überwog das grosse Ansehen, worinne dieser stand, dennoch auch die gegründesten Vorwürfe. Die meisten Aliden suchten also fort, sich für ihn zu erklären, und als die Zeit ins Feld zurücken endlich kam, so brach Soliman nach Nokailhal auf, welches der Ort war, den man zum Sam melplatze der Trupen bestimmt hatte.
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(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) [] Mokthar, welcher nicht zweifelte, Soliman werde gar bald so wesentliche Fehler begehen, daß ihn die Aliden zurückrufen müßten, blieb ganz geruhig zu Cuffah, in Hofnung, daß man bey dem ersten Verluste die Zuflucht we gen des Command zu ihm nehmen werde. [] (Man gibt ihm Schuld, er habe sich von Cuffah Meister machen wollen.) [] Allein der Aufenthalt des Mokthars zu Cuf fah erweckte Verdacht. Er mochte nun ge gründet seyn oder nicht, so machten sich ihn doch die Freunde des Solimans zu Nutze, und streu eten aus, Mokthar suche sich unter der Hand eine Parthey zu machen, damit er sich der Stadt Cuffah, und der ganzen Provinz be mächtigen könne. Man belangte ihn so gar deswegen vor dem Richterstuhle des Abdallah ebn - Yesid, welcher damals Statthalter in die ser Statt war, und verlangte von diesem, er solle den Beklagten an Händen und Füssen gefesselt in das Gefängniß werfen lassen. Der Statthalter machte Anfangs Schwierigkeiten, und verlangte wegen des vorgegebenen Ver brechens des Mokthars Erläuterung; allein seine Feinde machten so viel Lärmen, und die Anzahl seiner Ankläger ward so beträchtlich, daß der Statthalter ihren Willen mußte Statt finden lassen. Abdallah ließ also auf das blosse Geschrey dieser Rasenden den Mokthar in Verwahrung bringen, und alles, was er für ihn thun konnte, war dieses, daß er ihn mit den Fesseln an Händen und Füssen, welche seine Feinde begehrt hatten, verschonte.
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[] Während dieses Tumult, den dieser Handel zu(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) Cuffah machte, hatte sich Soliman an die Spiz ze der Trupen gestellt, und hofte in kurzem auf [] (Die Hitze des Volks zum Kriege läßt nach.) zubrechen, um die Ommiaden in Syrien an zugreifen. Allein er ward nicht wenig be stürzt, als er seine Armee durch die Musterung gehen ließ, und sie bey vielen nicht so zahlreich fand, als er geglaubt hatte. Alle der grosse Lermen, welchen die Völker von allen Seiten gemacht hatten, den Tod des Hassein zu rächen, hatte auf einmal nachgelassen, so daß die meisten Provinzen ganz und gar keine Trupen und die andern weit weniger, als sie versprochen, ge schickt hatten. Man sahe aus den Listen, daß diese und jene Provinz, die sich zu sechzehn tau send Mann anheischig gemacht, kaum vier tau send gestellt hatte. Was aber den meisten Eindruck machte, war die Kaltsinnigkeit der Cuffahner selbst, die doch zuerst verlangt hatten, daß man zu den Waffen greifen solle. Sehr viele von denen, welche sich Anfangs ungemein hitzig gezeigt hatten, waren gleichwohl zu Hau se geblieben, es sey nun wegen ihrer natürlichen Unbeständigkeit, oder weil sie Mokthar abspen stig gemacht, der, wie man sagte, mehr als zehn tausend Mann beredet habe, dem Soliman nicht zu folgen. [] Dieser Feldherr ward über einen solchen Ab fall ganz unruhig, und versuchte ein Mittel, von welchem er glaubte, daß es bey einem so
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(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) wunderbaren Volke, deren Einbildungskraft man nur allzuleicht durch etwas ausserordent liches in Bewegung setzen konnte, am besten anschlagen müsse. Er schickte auf das schleu nigste nach Cuffah und ließ den Moezins, oder öffentlichen Ausrufern sagen, daß sie sich in die ganze Stadt zerstreuen, und in allen Stras sen und Moscheen schreyen sollten: Zur Ra che! zur Rache wegen des Hassein! [] (Soliman feuert sie wieder an.) [] Dieser Befehl ward ausgeführt, und die Würkung traf mit der Erwartung des Soli mans überein. Das Rachgeschrey erweckte die Hitze der Cuffahner aufs neue; eine Art von Raserey bemeisterte sich ihrer; ein jeder lief nach den Waffen, und brach in der grös ten Eil nach dem allgemeinen Sammelplatze auf. Die Ankunft dieser neuen Mannschaft tröstete den Soliman ein wenig; so daß er nebst den Hülfsvölkern, die er noch von Ma dain und Basrah erwartete, in kurzem im Stande zu seyn glaubte, in Syrien einrük ken zu können. Der Plan seines Feldzuges war schon völlig eingerichtet. Der Anfang sollte mit der Ermordung des Obeidallah ge schehen, welchen man als den vornehmsten Urheber des Todes des Hassein ansahe; als denn hofte er alle Gewalt gegen die Ommia den anzuwenden, um sie völlig auszurotten. [] Doch nachdem er einen ganzen Monat ge wartet hatte, mußte er endlich mit Verdruß er
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fahren, daß die Trupen, die man ihm ver(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) sprochen hatte, ganz und gar nicht kommen würden. Diese an und für sich selbst schon traurige Nachricht ward es durch die Wür kung, die sie bey seiner Armee hervorbrachte, noch mehr. Seinen Trupen entfiel der Muth, und mehr als tausend Mann gingen durch. [] Soliman befürchtete, dieses nachtheilige Beyspiel möchte noch grössere Unordnungen ver ursachen, und faßte also den Entschluß, seine Trupen aufbrechen zu lassen, und sie in bestän diger Bewegung zu halten. Er rückte bis an den Ort fort, wo das Lager des Hassein gestan den hatte, als er getödtet wurde. Hier hielt er an seine Armee über den Tod dieses Prinzen ei ne sehr nachdrückliche Rede, und vergaß den Antheil nicht, welchen die Cuffahner daran ge habt hatten. Seine Trupen wurden so sehr gerühret, daß sie sich insgesamt auf die Knie warfen, GOtt um Vergebung dieses Verbre chens baten, und einen feyerlichen Eid ablegten, auch den letzten Blutstropfen zu vergiessen, um das Blut des Hassein zu rächen, und durch dieses Opfer die Schande gut zu machen, die sie sich durch die Verlassung eines Enkels des Propheten zugezogen hätten. [] Soliman ward über die Gesinnungen seiner Trupen erfreut, und glaubte, daß er sich die selben zu Nutze machen müste, um auf das schleunigste auf den Feind los zu gehen, ob er
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(Mervan. Hegire 64. n. C. G. 683) schon von verschiedenen Boten, und besonders von dem Abdallah - ebn - Yesid, dem Statthal ter von Cuffah, welcher den Zustand der An gelegenheiten mit kälterm Blute als Soliman überlegte, die kräftigsten Vorstellungen bekam, ja nicht weiter zurücken, sondern vielmehr nach Cuffah zurück zu kommen, und eine günstigere Gelegenheit zu erwarten. Dieser Statthal ter hatte ohne Zweifel von der starken Mann schaft Nachricht bekommen, die Mervan auf die Beine brachte; er rieth also dem Soli man, ein Unternehmen ja nicht fortzusetzen, welches bey der kleinen Anzahl Trupen, die er dem Feinde entgegenstellen könne, nothwen dig einen unglücklichen Ausgang haben müsse. [] Der Feldherr theilte die Nachrichten des Statthalters seinem Kriegesrathe mit; zu glei cher Zeit aber gab er ihm auch zu verstehen, daß vielleicht dieser ein heimlicher Anhänger des Abdallah - ebn - Zobeir sey, und daß vielleicht sein Vorschlag, die Trupen wieder nach Cuf fah zurück zu bringen, keine andre Ursache ha be, als um sie zur Unterstützung dieses vorgeb lichen Califen zu brauchen. [] Der ganze Kriegesrath fiel dem Feldherrn bey, und dieser schrieb sogleich an den Statthal ter, um sich für seine gute Nachricht zu bedan ken, und ihm zugleich zu melden, daß es un möglich sey, den Soldaten die Rückkehr nach Cuffah vorzuschlagen; daß sie das Andenken
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des ermordeten Hassein an nichts als Rache(Mervan. Hegire 65. n. C. G. 684) denken laße; daß er seiner Seits es für seine Schuldigkeit halte, ihrem Eifer nicht zu ent stehen, und übrigens den Ausgang auf die Vorsehung wolle ankommen lassen. [] Soliman machte sich nach Abgang des Bo [] (Soliman setzt die bey den Califen ab.) then wieder auf den Marsch, und rückte bis nach Mesopotamien. In der Ebene vor Ain verdah hielt er stille, um eine öffentliche Cere monie daselbst zu verrichten, deren Beobach tung an seinem Untergange Ursache war. Er hatte es seinen Trupen schon längst vorge schlagen, die beyden Califen Mervan und Abdallah - ebn - Zobeir abzusetzen, und an de ren Stelle einen von den Nachkommen des Ali auf den Thron zu heben. Da man diesen Vorschlag mit so freudigen Zurufungen ange nommen hatte, daß bey nahe eine kleine Ra serey mit unterzulaufen schien, so setzte Soli man die Zeit dazu feste, wenn man auf des Feindes Boden seyn werde. Weil ihm die Gegend von Aiverdah zu den Umständen, die er bey der feyerlichen Absetzung beobachten wollte, sehr geschickt zu seyn schien, so ließ er seine Trupen Halte machen; und ohne die geringste Vorsicht zu brauchen, welche die Klugheit in einem feindlichen Lande anzuwen den befiehlt, beschäftigte er sich mit nichts, als mit Veranstaltungen einer lächerlichen Cere monie, welche für ihn den allerunglücklichsten Ausgang hatte.
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(Mervan. Hegire 65. n. C. G. 684) [] Ehe man sich vorsah, waren die Syrischen Truppen da. Obeidallah wußte, daß sich mit seinem Untergange die Ausführung des bluti [] (Er wird von der Syrischen Armee ü berfallen und geschla gen.) gen Entwurfs, den man wider die Ommia den gemacht hatte, anfangen solle, und hat ten von dem Mervan die Anführung der Tru pen erhalten. Der Calif hatte nichts beßers thun zu können geglaubt, als daß er seine Vertheidigung den Händen eines Mannes an vertrauete, deßen eigner Vortheil es war, sei nen Feind nicht zu schonen. [] Nachdem sich also Obeidallah an der Spitze seiner Armee gleich zu der Zeit gezeigt hatte, da die Trupen des Solimans auf nichts be dacht waren, als wie sie sich der Freude und der Zerstreuung überlassen wollten, und des wegen nicht die geringste Zucht noch Ordnung beobachteten, so war es den Syrern sehr leicht ihren Angrif so einzurichten, daß er nothwen dig den glücklichsten Erfolg haben mußte. Ob nun schon die Araber überrascht wurden, so gelang es ihnen doch, sich in Schlachtord nung zu stellen, um dem Feinde die Spitze zu bieten. Allein ihre Gegenwehr war verge bens, weil sie mit Trupen streiten mußten, welche die ersten Vortheile schon weg hatten. Die Syrer hieben die Trupen des Solimans in die Pfanne. Er selbst kam in der Schlacht um, und nur diejenigen von seiner Armee ka men davon, welche gut genug beritten waren, in der grösten Eil entfliehen zu können.
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[] Seitdem Mervan dem Obeidallah das(Mervan. Hegire 65. n. C. G. 684) Commando der Syrischen Trupen anvertrau et hatte, verließ er sich gänzlich auf die Ta pferkeit und Thätigkeit dieses Generals, und dachte an nichts weiter, als wie er sein Anse hen in Damascus befestigen, und seine Fami lie in Aufnehmen bringen möge. Ohne sich viel an die Aufführung zu binden, zu der man ihn in Ansehung der Kronfolge verbunden hatte, unternahm er es seinen Sohn Abdal meleck an die Stelle des Chaled, des Soh nes Yesid, auf den Thron zu setzen, ob er die sem gleich des Califat zu hinterlaßen eydlich hatte versprechen müßen. [] Ansehnliche Geschenke und noch weit an [] (Mervan läßt seinen Sohn zu seinem Nachfolger erklären.) sehnlichere Versprechungen brachten die Vor nehmsten des Damascenischen Adels auf sei ne Seite. Diese gewonnen wieder andre, und endlich gelang es ihm, seinen Sohn des Thrones zu versichern. Kaum hatte Chaled ebn - Yesid von diesem Handel Nachricht bekom men, als er seine Klagen bey dem Califen anbrachte, und sich sogar in Gegenwart sei nes Hofes sehr harter Ausdrücke gegen ihn bediente. Mervan gerieth hierüber vor Zorn ganz ausser sich, vergaß seiner Würde, und antwortete mit sehr groben Schimpfworten. Er verging sich, nach dem Berichte einiger Schriftsteller so gar so weit, daß er ihn einen Hurensohn nennte. Chaled beklagte sich des
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(Mervan. Hegire 65. n. C. G. 684) wegen voll Wuths bey seiner Mutter, wel che ihn mit dem Versprechen besänftigte, daß sie beyde in kurzer Zeit wegen dieser kränken den Beschimpfungen des Mervan wollten ge rochen seyn. [] (Tod dieses Califen.) [] In der That starb auch dieser Calif kurz darauf. Einige sagen, er sey vergiftet wor den; andre melden, er habe sich unbaß be funden, und da er einsmals fest eingeschlafen sey, so habe ihm seine Frau ein grosses Kopf küßen von Federn auf das Gesicht gelegt, und sich darauf gesetzt, bis er darunter er stickt sey. [] Mervan regierte nur ohngefehr zehn Mo nate. Seine Feinde hatten ihm den Zunamen Ebn - Tarid, das ist der Sohn des Ver bannten gegeben, weil sein Vater Hakem wegen Bekanntmachung eines gewissen Ge heimnisses bey dem Mahomet in Ungnade gefallen, und von ihm verwiesen worden war. In dieser Verbannung war er unter den Re gierungen des Abubeckers und des Omar ge blieben, endlich aber hatte ihn Othmann wie der zurück geruffen, dem man diese Zurückbe ruffung zum Verbrechen machte, als hätte er selbst die abscheulichste Sünde begangen, weil er sich unterstanden ein Urtheil zu wie derruffen, welches der Gesandte GOttes gesprochen hatte.
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Abdalmelek,(Abdalme lek. Hegire 65. n C. G. 684) Zehnter Calif.

[] Abdalmelek, der Sohn des Mervan, ward [] (Des Ab dalmeleks Gleichgül tigkeit ge gen das Ca lifat.) sogleich nach dem Tode seines Vaters auf den Thron gesetzt, und man übergab ihm auch sogleich die Herrschaft über Syrien und Aegypten. Die Schriftsteller melden, als man ihm seine öffentliche Ernennung ange kündiget habe, habe er in tiefen Gedanken bey dem Korane gesessen. Er empfing diese Neuigkeit sehr gelassen, und sogar mit einer Art von Gleichgültigkeit. Er sahe nicht oh ne Verdruß, daß die Zeit der Ruhe und der Einsamkeit nunmehr für ihn vorbey sey, daß er sich den Geschäften würde überlassen müssen, welche die oberste Gewalt begleiten, und daß er nicht mehr der Lesung der Bücher und dem Nachdenken, worinne er beständig sein größtes Vergnügen gesucht, werde oblie gen können. Göttliches Buch, rief er aus, indem er den Koron<Koran> einschloß, dich muß ich also jetzt verlassen. [] Sobald er von dem Throne Besitz genom [] (Er verord net, anstatt nach Mecca nach Jeru salem zu wallfahr ten.) men hatte, sann er auf Maaßregeln, seine Ge walt gültig zu machen, und die Parthey der Aufrührer zu unterdrücken, welche noch im mer sehr fürchterlich war, besonders in Ara bien, wo Abdallah - ebn Zobeir alles anwand te, um den Titel und die Vorzüge des Califats
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(Abdalme lek. Hegire 65 n. C. G. 684) zu behalten. Abdalmelek überlegte unter an dern, daß die Wallfahrten nach Mecca noth wendig seinem Ansehen schaden müßten, weil sie seinem Nebenbuhler Gelegenheit gäben, sei nen Anhang zu verstärken, und das Volk nach und nach gewöhnten, den Abdallah im Besitz der obersten Gewalt zu sehen; er be schloß also diese Wallfahrten zu verbieten. Weil es aber gefährlich gewesen wäre, einen so heiligen Gebrauch zugleich aufzuheben, ohne einen andern, welcher das Volk be schäftigte, einzuführen, so legte er die Wall fahrten nach Jerusalem an, und ließ in dieser Absicht eine sehr beträchtliche Arbeit mit der grossen Moschee in dieser Stadt vornehmen, damit sie ungleich mehr Menschen fassen kön ne. Anstatt des schwarzen Steins, welchen die Muselmänner in der Caabah zu Mecca mit der größten Andacht küßten, ließ der Ca lif den berühmten Stein des Jacobs, von welchem ich unter der Regierung des Omars geredet habe, in die Moschee zu Jerusalem legen. Diese Einrichtung gelang ihm besser, als er gehoft hatte, so daß man gar bald die Syrischen Muselmänner häufig nach Jerusa lem wallfahrten sahe, welcher Ort ihnen ohne dem deswegen bequemer war, weil er ihnen weit näher lag. Uebrigens hatte diese heili ge Gewohnheit die Anmuth der Neuigkeit, das Volk überließ sich also derselben mit ei ner recht fanatischen Hitze, und bezeugte eben
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so viel Eifer den Stein Jacobs zu küssen, als(Abdalme lek. Hegire 65. n. C. G. 684) er vorher gegen den schwarzen Stein bezeugt hatte. [] Zu gleicher Zeit brachte Abdalmelek Tru pen auf die Beine, und richtete seine Sa chen so ein, daß er sich sowohl den ehrgeitzigen Anschlägen des Abdallah, welcher sein Anse hen beständig auszubreiten suchte, als auch den Unternehmungen des Mokthar, der in Arabien um die Aliden zu rächen, und ihre Feinde zu vertilgen, alles verwüstete, zugleich widersetzen konnte. [] Mokthar, welcher auf Anhalten der Freun de des Solimans, ins Gefängniß war gelegt [] (Mokthar wird in Freyheit gesetzt.) worden, hatte sogleich seine Freyheit wieder erhalten, sobald die Niederlage und der Tod dieses Heerführers ruchbar geworden war. Sein erstes war also gewesen, daß er seine al ten Anschläge wieder vorgenommen, und sich an die Spitze der Aliden gestellt hatte, um diejenigen aufzusuchen, die an dem Tode des Hassein Theil gehabt. [] Diese Untersuchung geschah mit einer so [] (Er sucht diejenigen auf, die an dem Tode des Hassein Theil ge habt.) blinden Wuth, daß eine Menge Personen dar über ums Leben kamen, die doch an dem Tode dieses Prinzen völlig unschuldig waren. Man nahm sich nicht Zeit, um die gering sten Untersuchungen anzustellen. Der bloße Verdacht war mehr als hinlänglich, das To desurtheil zu sprechen.
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(Abdalme lek Hegire 65. n. C. G. 684) [] Die vornehmsten Opfer dieser blutigen Verrichtung waren Schamer, der, wie man sagte, den ersten Pfeil wider den Hassein solle losgeschossen haben; Haulah, welcher den Kopf dem Obeidallah gebracht, und Amer ebn - Said, der die Trupen wider diesen Prin zen angeführt hatte. Die zwey Söhne des Amer kamen gleichfals bey dieser Gelegenheit um. Mokthar ließ ihnen die Köpfe abschla gen, und schickte sie beyde an den Mahomet ben - Hanifiah, welcher damals das Haupt von der Familie der Aliden war. [] Weit grausamer verfuhr er noch mit dem Adi, den Sohn des Hakem, welchem man Schuld gab, daß er den Hassein auf dem Schlachtfelde geplündert habe. Mokthar ließ ihn lebendig schinden. Dergleichen blutige Hinrichtungen daureten eine ziemliche Zeit, so daß man durch verschiedene Martern alle hin richtete, von welchen man nur im geringsten entdecken konnte, daß sie an dem Tode des Has sein Theil gehabt. [] Endlich ward Mokthar genöthiget, diese Untersuchung aufzugeben, und auf seine eige ne Sicherheit bedacht zu seyn, Er hatte von zwey Seiten sich gleich stark vorzusehen. Auf der Seite von Mecca ward er von dem Abdallah bedroht, und auf der andern Seite waren die Syrischen Trupen schon in Ara bien eingerückt. Ihr vornehmster Endzweck
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war, wider den Abdallah auszuziehen; gleich(Abdalme lek. Hegire 65. n. C. G. 684) wohl aber mußte er befürchten, sie möchten die Provinz Irak noch vorher überfallen, um gleich Anfangs die Parthey der Aliden zu unterdrücken, die den Syrischen Califen so fürchterlich war. [] Bey diesen Umständen faßte Mokthar den [] (Mokthar bietet seine Dienste dem Abdal lah an, wel cher sie aus schlägt.) Entschluß, an den Abdallah zu schreiben, um sich ihn zum Freunde zu machen, damit er mit ihm gemeinschaftlich dem Abdalmelek die Spitze biethen könne. Er meldete also dem Abdallah, er habe erfahren, daß der Ca lif Trupen wider ihn ausschicke, um ihn in Mecca belagern zulassen, er wolle sich also, wann er es erlaubte, mit ihm vereinigen, und seine Vertheidigung über sich nehmen. Ab dallah aber glaubte Ursache zu haben, dem Mokthar nicht zu trauen, und antwortete ihm, daß er seinen Antrag mit Vergnügen annehmen wolle, allein unter der Bedingung, daß er ihn von seinen Anhängern für den Ca lifen erkennen lasse. [] Weil Mokthar nichts weniger als eine sol [] (Er schickt Trupen, um ihn zu über raschen.) che Bedingung einzugehen geneigt war, so entschloß er sich geraden Weges auf den Ab dallah los zugehen, und ihn, wo möglich zu überraschen. Er schickte in dieser Absicht un ter Anführung des Sergiabil einige Mann schaft nach Medina, und gab ihm die zur
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(Abdalme lek. Hegire 66. n. C. G. 685) Ausführung dieses Anschlages nöthigen Ver haltungsbefehle. [] Abdallah, welcher den Aufbruch der Mann schaft des Mokthar erfahren hatte, schickte gleichfals Trupen gegen der Seite von Me dina, und befahl dem Abbas - ebn - Sehel, welchem er das Commando auftrug, alles an zuwenden, um die Absicht des Mokthars zu entdecken, seine Trupen in Empfang zu neh men, wann sie in der Absicht, ihm wider die Syrer beyzustehen kämen; im Gegentheil aber sie durchaus nicht zu verschonen, wenn er glaubte, daß von Seiten ihrer einige Ver rätherey zu besorgen wäre. [] (Unterre dung der Anführer von den beyden Ar meen.) [] Abbas wandte sich also gegen Medina, und stieß auf den Sergiabil, welcher gleich daselbst eintreffen wollte. Er hatte eine Unterredung mit ihm, worüber er sehr zufrieden war; denn als er ihn fragte, ob er sich für einen Unter thanen des Abdallah erkenne, so stand Ser giabil nicht einen Augenblick an, sich dafür auszugeben. Als ihm aber Abbas vorschlug, ihre Trupen mit einander zu verbinden, und bis nach Dilkora fortzurücken, wo ihm Ab dallah die Armee des Abdalmelek anzugreif fen befohlen habe, so gab Sergiabil gar deut lich zu erkennen, daß das Geständniß seiner Unterwürfigkeit gegen den Abdallah nichts weniger als aufrichtig sey. Er antwortete dem Abbas, daß ihm Mokthar weiter nichts
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befohlen habe, als sich nach Medina zube(Abdalme lek. Hegire 66. n. C. G. 685) geben, und daß er also ohne neue Be fehle von ihm nicht weiter fortrücken könne. [] Diese Versagung des Gehorsams brachte dem Abbas einen so heftigen Argwohn bey, daß er sogleich beschloß, den Sergiabil mit allen seinen Trupen zu verderben. Unterdes sen bediente er sich doch der Verstellung, und that, als ob ihn seine Antwort gar nicht be fremde; er sagte ihm, er thäte sehr wohl, daß er sich seinem Befehl gemäß hielte, er selbst aber wolle für sein Theil der Armee des Ab dalmelek entgegen gehen, sobald seine Tru pen ein wenig würden ausgerastet haben. [] Weil während dieser Unterhandlung das [] (Abbas überfällt die Trupen des Sergia bil, und haut sie in die Pfanne.) Heer des Sergiabils an Lebensmitteln Mangel litt, so schickte ihm Abbas grosmüthig alles, was er brauchte. Auf diese Art ward unter den Soldaten, welche auf dem Marsche viel ausgestanden hatten, der Ueberfluß auf ein mahl wieder hergestellt; sie verliessen ihre Glieder, und zerstreuten sich überall, um Wasser oder was ihnen sonst zur Bereitung der Speisen und der erhaltenen Lebensmit tel nöthig war, herbey zu holen. [] Da Abbas sahe, daß sie durch diese Be wegung in völlige Unordnung gebracht wa ren, so machte er sich den Augenblick zu Nuz ze, um den vorgesetzten Streich zu vollfüh
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(Abdalme lek. Hegire 66. n. C. G. 685) ren. Er fiel plötzlich auf die Mannschaft des Sergiabil, und richtete ein erschreckliches Blutbad an. Ihr Heerführer wollte sie zu sammenbringen, um dem Feinde die Spitze zu bieten, doch er ward selbst auf der Stelle niedergemacht, und alle, die sich um ihn be fanden, wurden in die Pfanne gehauen. End lich that Abbas seinen Trupen wieder Einhalt, ließ das Niedermetzeln aufhören, und schenk te sehr vielen von den Soldaten des Sergia bils Leben und Freyheit. [] Mokthar bekam gar bald von dieser greu lichen Niederlage Nachricht, und schickte so gleich einen Curier an den Mahomet - ben Hanifiah, welcher sich in Mecca befand. Er ließ ihm den erlittenen Verlust melden, und ihm vorstellen, daß da er besonders die Aliden betroffen habe, deren Haupt er vermöge sei ner Geburth sey, so wolle er ihm versprechen, daß er sich ehestens im Stande sehen sollte, diesen Schaden so gleich wieder gut machen zu können, wann er sich an die Spitze einer mächtigen Armee stellen wollte, die sich ihm die Cuffahner in kurzem zu senden anheischich machten. [] Mahomet war gegen das Anerbieten des Mokthars sehr gleichgültig. Er lebte in Mec ca mit den übrigen Aliden, seinen Anver wandten, ganz ruhig, und keiner von ihnen dachte an irgend eine Unruhe; sie waren
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vielmehr die ersten, die ihre Freunde sich fried(Abdalme lek. Hegire 66. n. C. G. 685) lich zu halten, bewegten. Mahomet dankte dem Mokthar für seine Achtung, und für den Eifer, den er für seine Familie bezeugte; zu gleich aber versicherte er ihm, daß er fest ent schlossen sey, zu den Waffen nicht zu greifen; er wolle seine Sache der Hand GOttes über lassen, und unterdessen, bis es der göttlichen Vorsicht gefallen werde, für ihn eine glückli che Aenderung zu treffen, einzig und allein das Gute zu thun, und das Böse zu ver meyden bedacht seyn; er rathe ihm also, sich gleichfals so zu betragen, GOtt zu fürchten, und alle Gelegenheit zum Blutvergiessen zu vermeyden. [] Mokthar hatte sich einer ganz andern Ant wort versehen, und war also nicht wenig be troffen, als er die Gesinnungen des Maho mets vernahm. Er nahm sich unterdessen wohl in Acht, den Cuffahnern den erhaltnen Brief zu zeigen. Er sagte ihnen vielmehr, daß Mahomet ihnen befohlen, alles, was ge recht sey, zu thun, und noch ferner den Un glauben und die Verrätherey zu bekriegen. Er fuhr also fort, nach seinem eignen Gut dünken in einer Angelegenheit zu handeln, in welcher er selbst von dem, der das meiste Antheil daran hätte nehmen sollen, verleugnet wurde; er brachte eine Menge Mißvergnüg te zusammen, welchen es lieb war, daß sie ei
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(Abdalme lek. Hegire 66. n. C. G. 685) de Gelegenheit zu Unruhen unter dem Ver wande, den Tod des Hassein zu rächen, und die Aliden wieder auf den Thron zu setzen, finden konnten. [] (Abdallah läßt den Mahomet und seine Familie einziehen.) [] Unterdessen hielt Abdallah, welcher die Ge sinnungen so wohl der einen, als der andern, wohl kannte, dennoch für gut, als ein listiger Staatsmann, den Mahomet und die übrigen Nachkommen des Ali seiner Sicherheit auf zuopfern. So wenig Antheil sie in der That an den Unruhen, welche Arabien zertrennten, hatten, so dienten sie gleichwohl den Ehrgeizi gen und Aufrührern zum Vorwande; und schon dieses war genug, dem Abdallah auf den grausamen Entschluß zu bringen, sie bey Seite zu schaffen. [] Mahomet=ben=Hanifiah ward also mit sei ner ganzen Familie und nebst ungefehr sieb zehn Personen von den Vornehmsten in Cuf fah eingezogen. Abdallah ließ sie in einem Bezirke einschliessen, in welchem sich der berühmte Brunnen Zemzem (*) befand, und erklärte ihnen, daß er in einer gewissen Zeit, die er ihnen bestimmte, für den Califen erklärt seyn wolle; wann sie sich weigerten ihm zu gehorchen, so können sie gewiß ver 6
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sichert <seyn>seyu, daß sie nach Verlaufung des(Abdalme lek. Hegire 66. n. C. G. 685) Termins keine Gnade mehr würden zu hof fen haben; daß er sie alle wolle hinrichten lassen, und daß ihre Körper sollten zu Asche verbrannt werden, damit nicht die geringste Spur von ihnen übrig bliebe, welche die Rebellen zu neuen Unruhen ermuntern könnte. [] Diese Drohungen waren nicht fähig, die Standhaftigkeit der Aliden zu erschüttern. Mahomet - ben - Hanifiah, ob er gleich als das Haupt der Familie der Wuth des Ab dallah am ersten ausgesetzt war, verlohr un terdessen doch nichts von seiner Gelassenheit. Er unterwarf sich den Schickungen der Vor sicht, und überließ die Entscheidung seines Schicksals dem Himmel. Verschiedene von denen, welche mit ihm gefangen waren, dach te auf gleiche Art nicht; sie fanden Mittel die Wache zu betrügen, und einen Brief nach Cuffah zu schicken, in welchem sie dem Mok thar die traurigen Umstände, in welchen sie sich befanden, meldeten, [] Mokthar faßte sogleich die nöthigen Maaß regeln, sie wieder in Freyheit zu setzen; und damit die Trupen, die er nach Mecca schicken wollte, nicht viel Verdacht erwecken möch ten, so ließ er nur sehr kleine Mannschaften aufbrechen, welche eine nach der andern ohne grosses Aufsehen anlangen könnten, und ohne sich auf dem Wege einander hinderlich zu seyn.
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(Abdalme lek. Hegire 66. n. C. G. 685) An die Spitze dieser Mannschaften stellte er einen Mann von Ansehen, Namens Abu Algiodali, welcher sich auf das geschwindeste in die Gegend von Mecca begab, und aufs höchste nicht mehr als siebenzig Reuter bey sich hatte, welches aber lauter Leute von der allerversuchtesten Tapferkeit waren. Sobald dieser gewiß war, daß auch die übrigen Mann schaften an den bestimmten Orten angelangt wären, so daß er sie auf das erste gegebene Zeichen bey sich haben könnte, so rückte er näher, und that, als ob er in dem Bezirk von Zemzem, wo die Aliden gefangen waren, ein brechen wollte. [] Es war hohe Zeit ihnen zu Hülfe zu kom men; denn die Zeit, die ihnen Abdallah ge setzt hatte, war eben auf dem Puncte zu Ende zu laufen. Man gab ihm davon Nachricht, sobald sich die Trupen vor dem Bezirke von Zemzem sehen liesse; doch weil sie in so klei ner Anzahl waren, so begnügte er sich damit sie zu verachten, und die Sorge sie abzuhal ten, der Wache zu überlassen. Diese wand te auch alle ihre Kräfte an, so daß sich Algio dali stellte, als ob er sich zurückziehen müsse, in der That aber begab er sich an den Ort, wo er den übrigen Trupen, welche er in Hin terhalt gestellt hatte, das Zeichen geben könn te. Hierauf versammelten sich die verschied nen Mannschaften bey ihren Haupte, und
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Algiodali brach aufs neue mit einer Gewalt(Abdalme lek. Hegire 66. n. C. G. 685) auf die Wache los, welcher sie unmöglich wi derstehen konnte. Er wollte eben in den Ort eindringen, wo sich Mahomet befand, als ihm dieser entgegen gelaufen kam, und ihn bat, daß er ja seine Leute, in dem Bezirk von Zemzem einzubrechen, abhalten möchte. Er stellte ihm vor, dieser Ort sey heilig, und er wolle es nicht zugeben, daß er seinetwegen mit dem Blute der Muselmänner entheiliget werde. [] Mitlerweile war Abdallah dazu gekommen, [] (Die Tru pen des Ab dallah wer den geschla gen, und er selbst wird zum Ge fangnen ge macht.) um seine Wache zu unterstützen, und fing gleich Anfangs an, den Algiodali zu bedro hen, daß er ihn auf der Stelle wolle nieder machen lassen, wenn er sich nicht mit seinen Leuten zurückzöge. Algiodali aber hatte durch die ersten erlangten Vortheile Muth bekom men, und antwortete ihm trotzig; wenn man ihm nicht sogleich alle Gefangene von Zem zem auslieferte, so wolle er auf die von Mec ca losstürzen, und sie alle in die Pfanne hau en. Weil Abdallah nicht gesinnt war, in dieses Verlangen zu willigen, so ward den Augenblick der Befehl dazu gegeben. Man schlug seine Trupen, und er selbst ward zum Gefangnen gemacht. [] Unterdessen eilten noch mehrere von Mecca [] (Abdallah und Maho met werden auf freyen Fuß ge stellt.) dem Abdallah zur Hülfe herbey, und der Streit ward nunmehr weit wüthender, als er zuvor gewesen war. Endlich aber drängte
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(Abdalme lek. Hegire 66. n. C. G. 685) sich Mahomet - ben Hanifiah mitten unter den Haufen, und brachte es durch sein Zu reden so weit, daß die Generale ihre Trupen zurückruften. Der Lerm fing an abzuneh men; man trat in eine Unterhandlung, und zuletzt ward ein förmlicher Vertrag daraus. Abdallah ward wieder los gelassen, und Ma homet bekam mit den Seinigen die Freyheit, aus Mecca fortziehen zu können. [] (Mokthar schickt der Armee des Abdalme lek Trupen entgegen.) [] Während der Zeit da Mokthar durch Hülfe seiner untergebenen Anführer die Ali den auf diese Art aus den grausamsten Be drängungen riß, befand er sich selbst in der äussersten Verwirrung, indem die Trupen des Abdalmeleks unter Anführung des Obeidal lah in größter Eil Cuffah näher rückten. Un terdessen ließ er seinen Muth nicht fallen, sondern die instehende Gefahr feuerte ihn nur noch mehr an. Eine gleiche Hitze brachte er auch den Cuffahnern bey, welche nichts mehr wünschten, als die Waffen gegen den zu er greifen, den sie als den Mörder des Hassein ansahen. Mokthar ernannte den Ibrahim ben - Alaschtar zu ihrem Anführer, und da mit er dem Obeidallah nicht Zeit liesse, bis vor Cuffah fortzurücken, so befahl er dem Ibrahim, ihm eiligst entgegen zu gehen, und ihm ein Treffen zu liefern. [] (Die Syrer werden ge schlagen.) [] Dieser Befehl werd mit dem glücklichsten Ausgange vollzogen. Ibrahim traf den O
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beidallah in einer Ebene nicht weit von Cuf(Abdalme lek. Hegire 66. n. C. G. 685) fah, und in der Schlacht, die zwischen ihnen vorfiel, thaten die Cuffahner Wunder der Tapferkeit. Die Syrischen Trupen mußten unterliegen, und wurden in völlige Unord nung gebracht; ein grosser Theil von den Flüchtigen wurde niedergehauen; weit meh rere aber kamen in dem Flusse um, durch wel chen sie schwimmen wollten. Mitten in dem(Obeidallah wird getöd tet.) Treffen ward Obeidallah zum Gefangnen ge macht, und das Todesurtheil ward sogleich über ihn gesprochen. Man machte es mit ihm, wie man es mit dem Hassein gemacht hatte. Man schlug ihm auf dem Schlacht felde den Kopf ab, und schickte diesen eiligst an den Mokthar, welcher sich damahls in dem Schlosse von Cuffah befand. Das war das Ende dieses unversöhnlichen Feindes der Ali den, welcher durch seine fanatische Grausam keit allen denen ein Abscheu geworden war, die noch einige Hochachtung gegen den Has sein hegten. [] Der Tod des Obeidallah war nicht zurei [] (Mokthar erweckt durch seine Grausam keit den Un willen des Volks.) chend, die Rachsucht des Mokthars gegen die Feinde der Aliden zu vergnügen. Er stellte neue Untersuchungen in Cuffah und den be nachbarten Orten an, und überall, wo er ei nige davon antraf, ließ er sie grausam hin richten, ohne einem einzigen Gnade zu erwei sen. Endlich erweckte das Blut dieser Un
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(Abdalme lek. Hegire 67. n. C. G. 686) glücklichen, welches überall floß, den Unwil len des Volks. Man beklagte sich öffentlich über die Unbarmherzigkeit des Mokthars, bis die Gemüther nach und nach so aufge bracht wurden, daß eben die Cuffahner, die mit einer Art von Raserey kurz vorher unter seiner Fahne gestritten hatten, die ersten wa ren, die sich über seine Tyranney beklagten. [] (Sie bewe gen den Mossab die Waffen wi der ihn zu ergreifen.) [] Sie wandten sich an den Mossab - ebn - Zo beir, den Bruder des Abdallah, der sich da mahls in Basrah aufhielt, wohin er auf sei nen Befehl gekommen war, und baten ihn innständigst ihnen zu Hülfe zu kommen. Mos sab ward erfreut, daß er Gelegenheit fand, sich an dem Mokthar wegen der seinem Bru der angethanen Beschimpfung zu rächen, und versprach den Cuffahnern wider ihren Unter drücker auszuziehen, so bald er die dazu erfor derlichen Trupen beysammen haben würde. [] Er schrieb in dieser Absicht an den Moha leb, der als sein Unterbefehlshaber an den Grenzen von Persien stand, und befahl ihm, auf das schleunigste mit seinen Trupen zu ihm zu stossen. Mohaleb gehorchte diesem Befehle, und nachdem Mossab sich noch mit einer beträchtlichen Mannschaft aus Basrah verstärkt hatte, so marschirten sie zusammen auf Cuffah los. [] (Mokthar wird ge schlagen.) [] Kaum hatte Mokthar von ihrer Annähe
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rung Nachricht erhalten, als er an der Spitze(Abdalme lek. Hegire 67. n. C. G. 686) seiner Trupen ausrückte, in Hofnung mit dem Mossab eben sobald fertig zu werden, als mit dem Obeidallah; allein die Sachen lieffen ganz anders. Nachdem sich die beyden Ar meen getroffen hatten, fiel ein sehr hitziges Treffen vor, in welchem man auf der einen Seite sowohl als auf der andern Proben der grösten Tapferkeit, und der äussersten Erbitte rung gegen einander ablegte. Der Sieg blieb lange Zeit unentschieden; endlich aber fingen die Trupen des Mokthars allmächlich an zu weichen. Dieser that sein äusserstes sie wie der zusammen zu bringen, und aufs neue ge gen den Feind zu führen; doch es war ver gebens. Da er also sahe, daß er einem Feinde nicht länger wiederstehen könne, wel cher immer hitziger zu werden schien, je mehr neue Vortheile er erlangte, so faßte er ge schwind den Entschluß, sich mit seinen be sten Trupen in das Schloß von Cuffah zu werfen. [] Der Sieger verfolgte ihn bis dahin, und [] (Er wird in dem Schlosse von Cuffah belagert.) fing den Ort an zu belagern. Die Tapfer keit und Thätigkeit des Mokthars hielten lan ge Zeit die Wuth des Feindes auf. Die Trupen wurden durch das Beyspiel ihres Hauptes angereitzet, und vertheidigten sich mit erstaunlichem Muthe. Der Mangel an Le bensmitteln schwächte ihre Hitze nur sehr we
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(Abdalme lek. Hegire 67. n. C. G. 686) nig, und sie stritten verschiedne Tage wider den Hunger eben so muthig, als sie wider die Belagerer gestritten hatten. Doch da end lich Mokthar zum Unglücke bey einem Stur me sein Leben eingebüßt hatte, so zog sein Verlust den Verlust des Schlosses nach sich, und die Trupen ergaben sich auf Gnade. [] Mossab mißbrauchte seinen Sieg recht grau sam. Er ließ alles niedermachen, was sich in dem Schlosse befand, und ungefehr sieben tausend Mann wurden ohne alles Erbarmen er mordet. [] Gleichwohl kam diese Rache der Rache des Mokthars noch nicht gleich, die er an den vermuthlichen Feinden der Aliden genommen hatte. Er hatte niemals einem einzigen von ihnen Gnade erwiesen; und die Schriftsteller versichern, daß Mokthar, ohne diejenigen zu rechnen, die in den Schlachten umgekommen wären, mehr als funfzig tausend Menschen habe umbringen lassen. Er blieb in dem 67sten Jahre der Hegire, und in dem 67sten seines Alters. [] Die Niederlage des Mokthars würde für den Abdalmelek eine sehr glückliche Begeben heit gewesen seyn, wenn sie nicht das Werk seines Mitbuhlers des Abdallah gewesen wäre. Doch indem dieser Sieg sowohl den einen als den andern von einem Feinde befreyte, so war
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der größte Vortheil gleichwohl auf Seiten(Abdalme lek. Hegire 67. n. C. G. 686) des Abdallah, der nunmehr nicht nur sein Ansehen in Arabien weiter ausbreiten, sondern auch auf neue Unternehmungen ausser den Grenzen dieser Provinz denken konnte. [] Da nunmehr also Abdalmelek keinen an=(Hegire 68. n. C. G. 687) dern Entschluß fassen konnte, als alle seine Kräfte zusammen zu nehmen, um diesen stol [] (Hungers noth in Sy rien.) zen Sieger zu unterdrücken, so machte er alle mögliche Anstalten, und hielt sich eben gefaßt gegen Arabien loszubrechen, als dieser Anschlag durch eine grausame Landplage, die gleich zu der Zeit Syrien befiel, zu nichte gemacht wurde. Diese weitläuftige Provinz ward fast gänzlich durch eine Hungersnoth verheeret; die Krank heiten, welche eine natürliche Folge derselben sind, raften eine beträchtliche Menge Leute hin, so daß Abdalmelek dieses ganze Jahr hin durch verhindert ward, etwas wichtiges zu unternehmen. [] Das folgende Jahr stellte sich der Califan<Calif an>(Hegire 69. n. C. G. 686) der Spitze seiner Trupen ins Feld, in der Ab sicht die Armee des Abdallah anzugreifen, wel(Amru em pört sich wider den Califen.) che noch immer von desselben Bruder Mos sab, dem Ueberwinder des Mokthars, gefüh ret ward. Bey seiner Abreise von Damas cus hatte Abdalmelek das Regiment in dieser Hauptstadt dem Amru - ebn - Said übergeben; doch kaum sahe dieser den Califen entfernt, als er Rotten zu machen anfing, und ver
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(Abdalme lek. Hegire 68. n. C. G. 687) mittelst derselben die Herrschaft von Damas cus an sich riß. [] Sobald Abdalmelek von dieser Frevelthat [] (Die Em pörung wird unter drückt.) Nachricht erhielt, kehrte er nach Damascus zurück, und sahe es bey seiner Ankunft selbst, wie weit Amru seine Empörung getrieben hatte. Dieser Aufrührer erschien an der Spitze einiger Trupen, und wollte dem Cali fen das Feld streitig machen. Der Calif sei nes Theils machte sich auch gefaßt, ihn mit Gewalt wieder zum Gehorsam zu bringen, und der Augenblick war nunmehr nahe, daß sich die Damascener unter einander erwürgen wollten; als plötzlich die Weiber mit ihren Kindern aus den Häusern liefen, sich zwi schen die Partheyen warfen, und sowohl den Califen als den Amru mit grossem Geschrey baten, das Blut der Muselmänner nicht zu vergiessen, sondern sich vielmehr zu vereinen, um den gemeinen Feind der Nation mit zu sammengesetzten Kräften zu bestreiten. Am ru ward durch diesen Zwischenfall gerührt, und da er ohnedem über die Kühnheit seines Unternehmens nachdachte, so war es ihm sehr lieb, daß er die Waffen niederlegen konnte. Einige von den Vornehmsten wandten hier auf ihr Ansehen an, diese Unruhe gänzlich beyzulegen, und brachten es so weit, daß Ab dalmelek es sich gefallen ließ, einen Vergleich einzugehen, ohne die geringste Genugthuung
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wegen der ihm angethanen Beschimpfung von(Abdalme lek. Hegire 69. n. C. G. 688) dem Amru zu fordern. [] Doch dieser Handel fand hierbey sein Be wenden nicht; nach einigen Tagen ließ Ab [] (Amru wird verrätheri scher Weise umge bracht.) dalmelek diesem Aufrührer sagen, daß er mit ihm etwas zu sprechen habe. Als er diesen Befehl erhielt, hatte er eine Gesellschaft von Anverwandten und Freunden bey sich, die ihm alle riethen, nicht zu gehorchen. Seine Frau besonders bestand durchaus auf diesem Ra the, und stellte ihm vor, wie gefährlich es für ihn seyn könne, sich auf diese Art dem Cali fen in die Hände zu liefern. Amru wollte nicht hören; und weigerte sich so gar, Waffen und einige Begleitung mitzunehmen. Weil er aber bey dem Hinausgehen aus seinem Hause einen falschen Tritt that; so zog er ei ne üble Vorbedeutung daraus, und ging wieder zurück seinen Degen zu holen, und vergönnte es, daß ihn ungefehr hundert Freun de zu dem Abdalmelek begleiten durften. [] Sobald er durch das erste Thor des Pal lastes gegangen war, hielt man sein Gefolge auf, und bloß einem jungen Menschen von seinen Hausgenossen ward die Freyheit ihn zu begleiten gelassen. Aus diesem Zufalle hätte er eine weit üblere Vorbedeutung zie hen sollen, als aus dem falschen Tritte, den er bey seinem Ausgange gethan hatte; doch die Geschichtschreiber melden nicht, daß er dar
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(Abdalme lek. Hegire 69. n. C. G. 688) auf Acht gegeben habe: er setzte seinen Weg fort, und trat endlich in das Zimmer des Ab dalmelek. [] Der Calif empfing ihn auf die allerhuld reichste Art. Er ließ ihn bey sich niedersez zen, und unterhielt ihn mit vieler Freundlich keit und Aufrichtigkeit. Nachdem sie sich auf diese Weise eine ziemliche Zeit unterredet hat ten, so befahl Abdalmelek einem von seinen Leuten, dem Amru den Degen zu nehmen; und als dieser nicht geneigt zu seyn schien, sich so gutwillig entwafnen zu lassen, sagte der Calif: Wie Amru? Willstu, daß man dich mit dem Degen neben mir, der ich ohne Waffen bin, soll sitzen sehen? Hieß das nicht ein Mißtrauen in mich setzen, welches mir schimpflich seyn muß.? [] Amru schien ein wenig verwirrt; unter dessen aber gehorchte er doch, und gab seinen Degen ab. Wenige Augenblicke darauf wandte sich der Calif von ihm, sahe ihn mit einer stolzen Mine an, und erklärte ihm, daß er von dem Augenblicke an, da er seine Em pörung vernommen, ihn in Fesseln zu legen beschlossen habe, sobald er von seiner Person Meister seyn würde. Umsonst bat Amru den Califen, zu überlegen, daß er sich selbst ihm in die Hände geliefert habe, und daß das Ver trauen, welches er ihm hierdurch bezeugt, mehr
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Sanftmuth von ihm fordere; Abdalmelek zog(Abdalme lek. Hegire 69. n. C. G. 688) die Fesseln, die er für ihn hatte zurecht ma chen lassen, unter seinem Küssen hervor, und ließ sie ihm an Hände und Füsse legen. [] Der Calif ließ sich an der Beschimpfung, die er einem so berühmten Kriegsobersten, als Amru war, anthat, noch nicht begnügen; er ging so weit, daß er ihn endlich schlug, und mit solcher Heftigkeit wider ein Ruhebette stieß, daß sich der arme Muselmann zwey Zähne da durch ausschlug, welche auf den Boden fielen. Einige Geschichtschreiber melden, der Calif ha be diese beyden Zähne selbst aufgehoben, sie dem Amru gewiesen, und gesagt, daß nunmehr nie mals wieder eine aufrichtige Versöhnung zwi schen ihnen zu erwarten sey. Von dem Au genblicke an faßte er den Entschluß, ihm den Kopf abschlagen zu lassen, und weil gleich zu der Zeit die Stunde des Gebets angekündiget ward, so begab er sich hinaus, und ging in die Moschee, nachdem er vorher seinem Bruder, dem Abdala zis, die Vollziehung seines blutigen Anschlages aufgetragen hatte. [] Schon machte sich Abdalazis gefaßt, diese niederträchtige Verrichtung zu bewerkstelligen, als Amru ihn auf sich loskommen sah, und ihm mit vieler Leutseligkeit vorzustellen wußte, daß er sich durch eine verhaßte Handlung nicht be schimpfen, sondern sie vielmehr einem andern überlassen sollte. Abdalazis ward durch diese
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(Abdalme lek. Hegire 69. n. C. G. 688) Vorstellung gerührt, so daß sich auf einmal alle Unwürdigkeit seines Vorhabens ihm vor die Augen stellte, und ihm soviel Abscheu da für erweckte, daß er seinen Degen wegwarf, und sich aus dem Zimmer wegbegab. [] Als Abdalmelek aus der Moschee wieder zu rück kam, so erstaunte er, den Amru noch le bendig zu finden. Er beschloß also das Werk zeug seiner Rache selbst zu seyn; er ließ sich ei ne Lanze bringen, und versetzte seinem Feinde ei nen sehr heftigen Stoß, welcher aber keine Wür kung that. Er stieß noch einmahl, aber gleich falls vergebens, weil Amru unter seinem Kleide einen Panzer anhatte. Als Abdalmelek es merkte, sprach er lächelnd: So Vetter? Du bist recht wohl vorbereitet hieher ge kommen. Er befahl hierauf seinen Leuten, den Amru auf den Rücken nieder zu werfen, und nachdem er seinen Degen genommen hatte, so suchte er sich selbst einen Ort aus, ihn bequem zu durchbohren, und ermordete ihn also mit eig ner Hand. [] Doch in eben diesem Augenblicke überfiel den Califen ein heftiges Zittern, er fiel auf den Körper des Amru, ohne daß er so viel Macht hatte, sich wieder aufzuhelfen. Seine Leute kamen ihm schleunig zu Hülfe, und trugen ihn auf ein Ruhebette, wo er erst nach einer ge raumen Zeit, wieder zu sich selbst kam.
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[] Mitlerweile dieses in dem Pallaste vorging,(Abdalme lek. Hegire 69. n. C. G. 688) erhob sich haussen ein Gemurre wegen des Am ru. Man war gleich anfangs erstaunt, daß er sich nicht bey dem Gebete zugleich mit dem Ca lifen eingefunden hatte. Bald darauf nahm [] (Der Tod des Amru erregt ei nen Auf stand.) der Verdacht zu, und man argwohnte, daß sich der Calif an ihm gerochen, und ihn entweder er mordet, oder wenigstens ins Gefängniß gewor fen habe. [] Sogleich nahm Johann, der Bruder des Amru, einige von seinen Freunden, und eine Anzahl Sclaven zu sich, an deren Spitze er in den Pallast ging, und seinen Bruder wieder forder te. Weil man ihm den Eingang Anfangs ver weigerte, so sprengte er die Thüren auf, und machte einige von der Wache nieder. Der Calif hatte gar bald so viel Leute versammelt, als nöthig waren, die Mißvergnügten zurück zu bringen; damit es aber mit desto weniger Gefahr geschehen möge, so ließ er den Kopf des Amru zum Fenster hinauswerfen, um hier durch zu verstehen zu geben, daß alle ihre Mü he, diesen Muselmann zu retten vergebens seyn würde. Er befahl zugleich einigen von seinen Leuten, etwas Geld auszuwerfen, um den Pö bel und die Sclaven dadurch aufzuhalten. Die ses geschahe, und unterdessen wurden diejeni gen, welche noch immer in das Innerste des Pallastes mit Gewalt eindringen wollten, glück lich zurück geschlagen. Johann ward bey die
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(Abdalme lek. Hegire 69. n. C. G. 688) ser Gelegenheit zum Gefangnen gemacht, und von dem Califen sogleich den Kopf zu verlieren verurtheilt. Doch Abdalazis bat ihn, die Hin richtung zu verschieben, damit man ihm nicht vorwerfen könne, daß er an einem Tage zwey von seinen Vettern, die beyde aus dem Hause des Ommiah wären, habe umbringen lassen. [] Der Calif gab diesen Vorstellungen seines Bruders nach, und begnügte sich, den Johann, und alle, die man bey diesem Aufstande mit er griffen hatte, ins Gefängniß werfen zu lassen. Sie blieben ungefehr einen Monat darinnen, nach dessen Verlauf Abdalmelek eine Berath schlagung anstellte, um ihr Schicksal zu ent scheiden. Er hatte noch immer den Vorsatz, sie umbringen zu lassen; doch da ihm die mei sten von seinem Räthen vorstellten, daß diese Leute fast alle seine nahen Anverwandten wä ren, so fiel ihre Meynung endlich dahin aus, daß man ihnen die Freyheit wieder geben solle, doch unter der Bedingung, Damascus zu mei den. Der Calif verbannte also, diesem Rathe zu folgen, den Johann und seine Freunde, doch ohne den Ort ihrer Verbannung zu bestimmen; er erlaubte ihnen, sich hinzubegeben, wohin sie wollten, sogar selbst zu seinem Feinde, dem Mossab - ebn - Zobeir, nur versicherte er dabey, wenn sie sich der Waffen wieder ihn zu führen unterstünden, und sie würden ungefehr zu Gefangnen gemacht, so wolle er mit ihnen als mit Rebellen verfahren.
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[] Johann und seine Freunde hielten es für ein(Abdalme lek. Hegire 69. n. C. G. 688) grosses Glück, so guten Kaufs davon zu kom men; sie empfingen das Urtheil ihrer Verban nung mit Vergnügen, und begaben sich nach Irak zu dem Mossab - ebn - Zobeir, welcher noch immer in den Waffen stand, um die Rechte seines Bruders, des Abdallah, wieder den Ab dalmelek zu vertheidigen. [] Dieser hörte unterdessen nicht auf, sein An(Hegire 70. n. C. G. 689) sehen in Arabien auf alle Weise fest zu setzen, ob er gleich sehr schreckliche Hindernisse zu über [] (Abdalme lek macht ein Bünd niß mit den Griechen.) steigen hatte, die ihm die zwey Söhne des Zobeirs in den Weg legten, welche sich in die ser Provinz eine grosse Achtung erworben hat ten. Er ließ sich aber durch nichts abbringen, sondern hielt beständig sein Augenmerk auf diese Seite gerichtet. Dieses war es auch, was ihn auf den Entschluß brachte, mit den Grie chen einen Vergleich einzugehen, welche dieses Jahr in Syrien einfallen wollten. Weil er sich nicht im Stande befand, ihnen die Spitze zu bieten, wenn er anders den Krieg in Ara bien fortsetzen wollte, so wollte er sich lieber mit dem griechischen Kayser vortragen, der sich für eine Abgabe von funfzig tausend Ducaten, die ihm der Calif alle Jahre zu bezahlen gelobte, zu rück zu ziehen versprach. [] Dieser Vergleich ward mit sehr viel Mühe zu Stande gebracht, und man brachte bey nahe
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(Abdalme lek. Hegire 71. n. C. G. 689) ganze siebenzigste Jahr der Hegire damit zu. Sobald es aber mit dieser Angelegenheit seine Richtigkeit hatte, so beschäftigte sich Abdalme lek, der nunmehr von Seiten der Griechen nichts zu befürchten hatte, einzig und allein mit dem Arabischen Kriege, welcher aber doch nicht eher, als in dem ein und siebenzigsten Jahre der Hegire seinen Anfang nehmen konnte. (Hegire 71. n. C. G. 690) Weil er Willens war, sich selbst an die Spitze seiner Trupen zu stellen, so ließ er gleich [] (Er macht sich fertig wider den Abdallah auszuzie hen.) Anfangs alle diejenigen hinrichten, von wel chen er wußte, daß sie an dem Aufruhre des Amru Theil gehabt hatten. Kurz darauf mach te er sich zu dem Aufbruche fertig, welches aber nicht anders als mit Bestreitung der Glieder seines Raths, welche ihm fast alle hierinne entgegen waren, geschehen konnte. Die Noth wendigkeit des Arabischen Krieges gab zwar ein jeder zu; nur das mißbilligte man, daß sich Abdalmelek selbst der Gefahr blos stellen wollte. Man that ihm in dieser Absicht die aller lebhaftesten Vorstellungen; man gab ihm zu überlegen, daß sich gar leicht Mißver gnügte finden könnten, die sich seine Abwesen heit zu Nutze machen würden; daß der Aus schlag des Krieges zweifelhaft sey; daß er das Unglück haben könne, geschlagen zu werden; daß er alle Ommiaden überhaupt der äussersten Gefahr aussetzte, wenn er selbst bliebe, oder zum Gefangnen gemacht würde.
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[] Der Calif mißbilligte ihre Gründe nicht;(Abdalme lek. Hegire 71. n. C. G. 690) gleichwohl versicherte er, daß er denselben un möglich nachgeben könne, weil der vorhabende Krieg auf eine ganz besondere Art geführt wer den müße. Er sagte ihnen auf eine sehr ver bindliche Art, daß wenn es nur darauf ankä me, einen vorzüglich tapfren und erfahrnen Feld herrn an die Spitze der Armee zu stellen, so wiße er wohl, daß er deren mehr als einen in Syrien finden könne, und in diesem Falle wür de er ihren Vorstellungen gar bald Gehör ge ben. Da es aber, fügte er hinzu, nöthig sey, den Mossab nicht allein mit den Waffen anzu greifen, sondern vornehmlich sich der List und der Ränke gegen ihn zu bedienen, so könne er sich hierinne auf niemanden als auf sich selbst verlaßen, und seine Gegenwart sey also durch aus nothwendig, weil er sich leichter alle Um stände und Zufälle zu Nutze machen könnte, wenn er seine eigne Augen dabey brauchte. [] Kurze Zeit darnach brach Abdalmelek auf, und verfügte sich zu der Hauptarmee, die er an einem bestimmten Orte hatte zusammen ziehen laßen. Schon vorher war Chaled - ebn - Aßid, einer von seinen vertrautesten Befehlshabern, vorausgezogen, um in der Gegend von Bas rah einige Versuche zu machen. Der Calif hatte auch verschiedne Kundschafter ausge schickt, welchen, einige von den vornehmsten Freunden des Mossab abspänstig zu machen,
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(Abdalme lek. Hegire 71. n. C. G. 690) aufgetragen war. Er schrieb selbst geraden Weges an den Ibrahim - ebn - Alaschtar, und machte ihm die allergrösten Versprechungen, wenn er zu seiner Parthey übertreten wollte; doch Ibrahim blieb dem Mossab beständig er geben. Er überreichte ihm sogar den Brief des Califen noch versiegelt, und hatte ihn nicht einmal aufzumachen gewürdiget, weil er es leicht errathen konnte, daß er Vorschläge ent halten würde, die sich mit seiner Art zu den ken nicht zusammenräumten; in der That ver sprach ihm auch Abdalmelek nichts geringers, als die Statthalterschaft von Irak, wann er den Mossab verlassen, und in seine Dienste treten wollte. [] (Der Calif findet den Feind, und schlägt ihn.) [] Abdalmelek bekam von dem Ibrahim keine Antwort, Er erfuhr blos durch das allge meine Gerücht, daß Mossab mit den schlei nigsten Tagreisen auf ihn los komme, und daß er gesonnen sey, ihm sogleich ein Treffen zu liefern. Der Calif ging ihm hierauf mit so viel grösserer Zuversicht entgegen, weil er zugleich gehört hatte, daß sich vor diesesmal Omar - ebn - Abdallah und Mohaleb nicht un ter der Armee des Mossab befänden. Diese zwey Kriegsleute furchte Abdalmelek, weil bey de so tapfere, als kluge, so kühne als verschla gene Männer waren. Als er es daher erfuhr, daß sie von dem Mossab entfernt wären, sagte er zu seinen Befehlshabern: Ich halte den
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Sieg nunmehr für gewiß, weil Mos(Abdalme lek. Hegire 71. n. C. G. 690) sab niemanden um sich hat, der ihm zur rechten Zeit zu Hülfe kommen könne. [] Endlich stiessen die zwey Armeen an einem Orte, Namens Maskem, auf einander, wo es auch sogleich zum Treffen kam. Ibrahim ebn - Alaschtar, des Mossabs getreuer Freund, fiel zuerst auf die Syrer, und schlug sich mit ungemein vieler Tapferkeit; er ward aber von dem Mahomet - ebn - Harun, einem Gegner, der seiner werth war, zurück getrieben. Er wagte den Angrif noch einmal, und that Wun der der Tapferkeit, die endlich für ihn den aller unglücklichkeit Ausgang hatten. Weil er sich mit der grösten Unerschrockenheit allen Ge fahren blos stellte, so bekam er einen Streich, welcher ihn todt zu Boden stürzte, [] Der Verlust dieser Anführers zog den Ver lust der ganzen Armee des Mossab nach sich. Seine Reuterey nahm die Flucht; die von Irak verliessen ihn, und alles verkündigte einen nahen Untergang. Mossab erschrack über diesen Abfall, und wußte nicht auf, wen er sein Unglück schieben sollte; er erfuhr es aber nur allzubald, als man ihm den Tod des Ibrahim hinterbrachte. Voller Verzweiflung schrie er: O GOtt! ich habe also keinen Ibrahim mehr! Unterdessen versuchte er doch, seinen Schmerz zu überwinden, und that sein mög lichstes die Trupen wieder zusammen - und die
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(Abdalme lek. Hegire 71. n. C. G. 690) Flüchtigen zurück zubringen. Als er sahe, daß sein Verderben unvermeidlich sey, wollte er wenigstens seinen Sohn Issa, der sich als ein Jüngling von funfzehn Jahren überall, wo es am schärfsten ging, mit der Tapferkeit des aller entschlossensten Soldaten zeigte, der Gefahr entreissen. Mossab hieß ihn also sogleich nach Mecca eilen, und seinem Vetter, dem Ab dallah - ebn - Zobeir, den Abfall derer von Irak zu hinterbringen; doch Issa bat ihm um die Gnade, die Bothschaft einem andern aufzutra gen, und ihm zu erlauben, daß er ihn nicht verlassen dürfe. Dieser junge Muselmann schlug hierauf seinem Vater vor, die äusser sten Kräfte anzuwenden, daß sie sich, so viel mög lich, in der besten Ordnung nach Basrah zu rückziehen könnten, und gab ihm zu überlegen, daß er auf diese Art seine Umstände vielleicht wie der gut machen könne, da er gegentheils ganz gewiß verlohren seyn würde, wenn er dem Feinde die Spitze zu bitten länger fortfahren wollte. Mossab aber, welcher sich einen Rück zug zur Schande rechnete, antwortete ihm: Nein, nein, lieber Sohn; man soll es in Ewigkeit nicht sagen, daß sich ein Mann, wie ich, zu etwas entschlossen ha be, was einer Flucht ähnlich sehen könn te. Er kehrte sich also mit den Trupen, die das Herz hatten, ihm zu folgen, aufs neue ge gen den Feind, und sein Sohn Issa stürzte sich
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gleichfalls wieder in das Gedränge, um zu(Abdalme lek. Hegire 71. n C. G. 690) siegen, oder vielmehr mit seinem Vater zu sterben. [] Unterdessen, weil Abdalmelek über das Glück dieses Tages sehr vergnügt war, und zu gleich durch die Tapferkeit und den natürlichen Wiederstand des Mossab gerührt wurde, so ließ er ihm bey so mißlichen Umständen Gnade anbieten, und versprechen, daß er es hierbey wolle bewenden lassen, wann er sich ergeben wol le. Ob nun gleich Mossab auf das äusserste getrieben ward, so antwortete er doch ganz troz zig, daß Heerführer, wie er, das Schlachtfeld nicht eher zu verlassen pflegten, als bis sie ent weder Sieger oder besiegt wären. Man fuhr also fort, sich zu schlagen, doch währte es nicht mehr sehr lange. Mossab blieb in diesem letzten Handgemenge, nachdem er seinen Sohn vor seinen Augen hatte nieder machen sehen. Die übrigen Trupen wurden gar bald zerstreut, und der Calif trug den allervollständigsten Sieg, den er nur verlangen konnte, davon. [] Hierauf sogleich öfnete Cuffah dem Sieger [] (Die Pro vinz Irak unterwirft sich dem Califen.) seine Thore, und der übrige Theil der Provinz Irak stand auch nicht länger an, sich seiner Herr schaft zu unterwerfen. Der Calif machte sei nen Einzug in die Hauptstadt durch Proben sei ner Gnade und Großmuth glänzend. Er schenkte dem Johann, dem Bruder des Amru, das Leben, welcher gleichwohl den Tod hätte
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(Abdalme lek. Hegire 71. n. C. G. 690) verdient gehabt, weil er sich zu der Parthey des Mossab geschlagen, nachdem er von dem Abdalmelek in Freyheit war gesetzt worden. Johann leistete ihm dafür aus Erkenntlichkeit den Eid der Treue, und trat in seine Dienste. [] Weil der Calif die traurigen Umstände, in welche die Cuffahner damals waren gestürzt worden, erfahren hatte, so hatte er sehr viel Lebensmittel zugleich mit hineinbringen lassen, die er unter sie austheilen ließ. Er selbst gab in dem Schlosse zu Cuffah ein sehr prächtiges Gastmahl, wozu er die vornehmsten Kriegsbe diente und die Angesehendsten aus der Stadt einlud. Während dem Essen ward dem Cali fen der Kopf des Mossab von einem Syrischen Soldaten, der diesen General in dem letzten Treffen getödtet hatte, überreicht. Abdalmelek wollte ihm ein Geschenk von tausend Duca ten machen, doch er schlug sie mit einer sehr un gewöhnlichen Großmuth aus, und sagte zu dem Califen, daß er den Mossab nicht aus Be gierde nach Belohnung, sondern bloß der Eh re wegen, und sich wegen einer angethanen Beleidigung an ihm zu rächen, niedergemacht habe. [] (Aberglau be des Ab dalmelek.) [] Der Anblick dieses blutigen Kopfs gab de nen, welche mit dem Califen bey Tische sassen, zu verschiednen Reden Gelegenheit. Unter andern machte ein alter Kriegsoberster eine An merkung, welche den Abdalmelek ungemein zu
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rühren schien. Er sagte, dieser Kopf sey der(Abdalme lek. Hegire 71. n. C. G. 690) dritte, den er in dieses Schloß habe bringen sehen. Der Kopf des Hassein war dem Obei dallah gebracht worden, der Kopf des Obeidal lah dem Mokthar, und endlich der Kopf des Mossab dem Abdalmelek. Ob nun schon diese Erzehlung mit keiner Betrachtung begleitet ward, so machte sie doch bey dem Califen ei nen erstaunlichen Eindruck. Er sahe sie als die Vorbedeutung eines Unglücks an, daß ihn in diesem Orte bedrohe, und um allen übeln Zufällen vorzubeugen, war es ihm nicht genug, daß er sich auf das eiligste aus dem Schlosse fort machte, sondern er gab auch sogleich Befehl, daß man es ohne Anstand niederreissen, und der Erde gleich machen solle. [] Die Nachricht von dem Tode des Mossab [] (Abdallah hält wegen des Todes des Mossab eine Rede an das Volk.) war gar bald bis nach Mecca gekommen, und dem Abdallah - ebn - Zobeir, seinem Bruder, ungemein empfindlich gewesen. Er theilte seinen Schmerz dem Volke in einer Rede mit, die er zum Lobe des Mossab an dasselbe hielt. Er verband das Lob des Zobeirs, ihres Va ters, damit, und drückte sich wegen der Tugen den, der Gottesfurcht und der grossen Tha ten dieses berühmten Muselmanns sehr stark aus. Endlich schloß er seine Rede auf eine Art, die alle Zuhörer für ihn einnahm. Nach dem er von der Untreue, die den Völkern von Irak, und besonders den Cuffahnern, so na
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(Abdalme lek. Hegire 71. n. C. G. 690) türlich war, eine umständliche Abschilderung gemacht, so verglich er sie mit der grosmüthi gen Beständigkeit derer von Mecca, welche unabläßlich für die Wahrheit zu streiten be harreten; diesertwegen versprach er ihnen auch eine Erkenntlichkeit, die sich nicht eher als mit seinem Tode enden sollte, und fügte noch hin zu, daß, da die Syrischen Trupen wahrschein licher Weise gar bald Mecca belagern würden, er den festen Vorsatz habe, wenn er sie nicht zurückschlagen könne, wenigstens zuerst mit den Waffen in der Hand an der Spitze seiner geliebten Bürger von Mecca zu sterben. [] Doch mitlerweile da dieses Volk von Tag zu Tag neue Proben ihrer Ergebenheit gegen den Abdallah ablegte, verstärkte sich die Par they des Abdalmeleks in den übrigen Gegenden von Arabien ungemein sehr. Der Calif ge wann unter andern eine sehr wichtige Person an dem Mohalleb, dem Unterbefehlshaber des Mossab, welcher sich ihm, sobald er den Tod seines Generals vernommen hatte, unverzüg lich unterwarf. [] (Aufstand der Azara kiten.) [] Dieser Befehlshaber war damals gleich be schäftiget dem Unheile zu steuren, welches die Azarakiten in verschiednen Provinzen von Ara bien anrichteten. Diese Azarakiten waren ein Ast von den Motazeliten, und wollten, eben wie diese, weder in Geistlichen noch in Weltli chen einige Oberherrschaft erkennen. Sie la
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gen nun schon über drey Jahre im Felde, und(Abdalme lek. Hegire 71. n. C. G. 690) verübten alle Arten von Gewaltthätigkeiten und Grausamkeiten. Mohalleb kam mit ih nen sehr oft zusammen, und konnte lange Zeit keinen andern Vortheil über sie davon tragen, als daß er sie verhinderte, sich soweit auszubreiten, als sie es wohl gerne gewolt hätten. [] Der Tod des Mossab gab ihnen Zeit wieder zu Kräften zu kommen, und neuen Muth zu fassen, weil Mohalleb den Entschluß gefaßt hatte, sich zu dem Califen zu begeben, und ihn seines Gehorsams zu versichern. Die Unter werfung eines so angesehenen Kriegsobersten wurde sehr wohl aufgenommen, und damit ihn dieser Schritt nicht gereuen könne, so ward er von dem Abdalmelek, bey Austhei lung verschiedner Bedingungen unter die Gros sen seines Hofes, vorzüglich bedacht. Einer von seinen Brüdern, Baschar, bekam die Statthalterschaft von Cuffah; Chaled die von Basrah, und Mohalleb ward zum Befehls haber von der Provinz Ahuaz, welche mit zu Chusistan gehörte, ernennt; und bekam noch über dieses die Aufsicht über den Tribut aller in dieser Gegend gelegenen Städte. [] Bald darauf machte sich Abdalmelek auf,(Hegire 72. n. C. G. 691) um nach Syrien wieder zurück zu reisen. Man nahm daher den Krieg gegen die Azara [] (Die Azara kiten erhal ten einen) kiten wieder vor, und Chaled selbst nahm die
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(Abdalme lek. Hegire 72. n. C. G. 691) Führung desselben über sich. Die Trupen, die er dahin schickte, übergab er dem Abdalaziz, seinem Bruder; der Ausgang aber machte sei ner Wahl schlechte Ehre. Abdalaziz ward [] (Sieg über die Trupen des Califen.) geschlagen, und seine Frau, die ihn bey diesem Feldzuge hatten begleiten wollen, wurde auf der Flucht zur Gefangnen gemacht. Dieses Weib verursachte unter denen, die sich ihrer bemächtiget hatten, einen grossen Zank, weil sie ein jeder wegen ihrer Schönheit haben wollte. Während des Streits aber that einer von den Vornehmsten, welchen es verdroß, daß man sich über einensolchen Gegenstand im Ernste zankte, den Ausschlag, indem er mit einem Hie be der Gefangnen den Kopf abschlug. [] (Der Ca lif macht dem Chaled deswegen Vorwürfe.) [] Abdalazis, welcher durch seine Niederlage, und durch den Verlust desjenigen, was er am liebsten hatte, gedoppelt gekränkt war, hat te noch dazu den Verdruß, daß er sich den er littenen Schaden mußte zuschreiben lassen. Der Calif drückte sich ganz deutlich in der Ant wort darüber aus, die er dem Chaled auf seinen Brief schrieb, in welchem er ihm den Ausgang der letzten Schlacht gemeldet hatte. Abdal melek tadelte ihn, daß er die Anführung der Trupen einem so wenig erfahrnen Menschen ge geben habe, und fragte ihn, wo denn jetzt der tapfre Mohalleb wäre, und warum er nicht lieber diesen wegen seiner Klugheit so berühmten Kriegsmann gebraucht habe? Schlüßlich be
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fahl er ihm, seine Trupen wieder vollständig(Abdalme lek. Hegire 72. n. C. G. 691) zu machen, und den Krieg gegen die Azaraki ten auf das eheste wieder vorzunehmen; zu gleich band er ihm ein, den Mohalleb zu Ra the zu ziehen, wie dieser Feldzug am besten an zufangen sey, und nichts ohne seinen Rath zu unternehmen. [] Chaled fand sich durch den Befehl, den ihm der Calif gab, ein wenig erniedriget, gleich wohl aber unterwarf er sich ihm, und ließ den Mohalleb wissen, daß er auf das schleu nigste zu ihm kommen möge. Sie verabrede ten mit einander die Art und Weise, wie sie die Azarakiten mit Vortheil angreifen müßten, und brachen bald darnach auf, um ihre Anschläge auszuführen. [] Sie fanden sie bey der Stadt Ahuaz, bis [] (Die Aza rakiten werden ge schlagen.) wohin sie schon fortgerückt waren. Weil Mo halleb wahrnahm, daß die Feinde auf dem nahen Flusse eine grosse Anzahl Fahrzeuge hatten, so wollte er sich derselben gleich Anfangs bemächtigen; doch die Azarakiten kamen ihm zuvor, und weil ihnen die meisten von diesen Fahrzeugen unnütze geworden waren, so steck ten sie dieselben in Brand, damit sich die Tru pen des Califen ihrer nicht wider sie bedienen möchten. Sie zogen sich hierauf in ihre Ver schanzungen zurück, und hielten sich bey nahe zwanzig Tage still, ohne, daß es auf einige Wei se möglich war, mit ihnen handgemein zu wer
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(Abdalme lek. Hegire 72. n. C. G. 691) den. Endlich aber kamen sie hervor, und stell ten sich in Schlachtordnung, da dann eins der blutigsten Treffen vorfiel, als man seit lan ger Zeit gesehen hatte. Nachdem die Azara kiten den Anfall ihrer Feinde mit der äusser sten Tapferkeit eine zimliche Weile ausgehal ten hatten, wurden sie zum weichen genöthiget, und bald darauf in völlige Flucht geschlagen. Man setzte ihnen mit einiger Mannschaft nach, welche alle, die sie erreichen konnten, ohne Gna de niedermachte, und die übrigen bis über die Persischen Grenzen verfolgte. [] Dieser Sieg und die übrigen Vortheile, wel che Abdalmelek nach und nach erhalten hatte, setzte ihn endlich in den Stand, auf die Unter drückung des Abdallah - ebn - Zobeir, welcher von seinen Feinden noch einzig und allein übrig war, ernstlich bedacht zu seyn. Dieser stolze Muselmann erhielt sich noch immer auf dem Thron zu Mecca, wo er sich den Titel eines Califen anmaaßte, den er nicht eher als mit dem Leben fahren zu lassen entschlossen zu seyn schien. [] (Hejage verlangt die Trupen wider den Abdallah anzufüh ren.) [] Abdalmelek brachte also alle seine Trupen zu sammen, um seinen Nebenbuhler anzugreifen, und vertraute das Commando darüber einem sehr berühmten Manne unter den Arabern, Namens Hejage, welcher wegen seiner Bered samkeit eben so berühmt war, als wegen seiner Tapferkeit. Er hatte sich dem Califen zu die
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sem Feldzuge selbst angeboten, und wollte für(Abdalme lek. Hegire 72. n. C. G. 691) den glücklichen Ausgang desselben, zufolge eines Traums, den er gehabt hatte, stehen. Mir hat geträumt, sagte er zu dem Abdalmelek, als hätte ich mich des Sohns des Zo beirs bemächtiget, und zöge ihm die Haut ab. Schicke mich also, du Haupt der Gläubigen, wider ihn aus, und ich will mein Leben verlohren haben, wenn ich ihn dir nicht lebendig oder tod liefere. [] Die Zuversicht, mit welcher Hejage wider den Abdallah auszuziehen verlangte, schien dem Califen eine glückliche Vorbedeutung zu seyn; weswegen er ihm die Anführung der Trupen ohne viel Schwierigkeit vertraute. Hejage machte sich sogleich fertig nach Mecca aufzubrechen, und damit er den Einwohnern dieser Stadt zeigen möge, wie wenig er sie fürchte, so schrieb er ihnen in folgenden Aus drücken: [] Ich melde euch, daß ich ehestens eu [] (Dessen Brief an die von Mecca.) re Stadt belagern werde, und ich will eure Mauren nicht eher verlassen, als bis ich Meister derselben seyn werde. Ich will euch hören, wann ihr mir bil lige Vorschläge thun wollt; denn ich weiß, daß ihr euch unter der Tyran ney des Abdallah befindet, welcher mit seinem Titel sterben will, und sollte es
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(Abdalme lek. Hegire 72. n. C. G. 691) auch unter den Ruinen eurer Stadt seyn. Denket auf euer Wohl. [] Kurz nach Abgang dieses Briefes mach te sich Hejage an der Spitze seiner Trupen auf den Weg; und Abdallah seines Theils hielt sich gefaßt, ihn aufs beste zu empfangen. Weil er ihn aber nicht bis in das Gebiete von Mecca wollte kommen lassen, so schickte er ihm verschiedne Geschwader entgegen, die ihn auf dem Marsch beunruhigen sollten. Diese vor läufigen Unternehmungen fielen für den Ab dallah nicht glücklich aus; in verschiedenen Scharmützeln, die sich von Zeit zu Zeit ereig neten, wurde zwar auf beyden Theilen viel Tapferkeit angewendet, gleichwohl aber zogen die Trupen von Mecca fast allzeit den kür zern. Dieser Vortheile ungeachtet unterließ der Syrische Feldherr nicht seine Armee wäh rend des Marsches von den Statthaltern der verschiednen Provinzen, den Befehlen des Califen gemäß, verstärken zu lassen. [] (Er bela gert Mec ca.) [] Endlich erschien Hejage mit aller seiner Macht vor Mecca, und fing diesen Ort förm lich an zu belagern. Es währte nicht lange, so fing man auch mit vieler Wuth an zu stür men, doch ohne Fortgang, weil sich die Be lagerten mit unglaublicher Tapferkeit verthei digten. Ganzer acht Monate hatten alle Un ternehmungen der Syrer einen mißlichen Aus gang, welche endlich über die grausamen Be
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schwerlichkeiten, die sie auszustehen hatten, zu(Abdalme lek. Hegire 72. n. C. G. 691) murren anfingen. In der That war auch die Witterung so ungestüm geworden, daß es die Trupen, die dem freyen Himmel ausgesetzt [] (Die Sy rer lassen den Muth sinken.) waren, nicht länger ausstehen konnten. Noch weit ärger aber ward es, als ein schreckliches Donnerwetter den Sturm vermehrte, ver schiedene Tage nach einander das abscheulichste Geprassel machte, und zwölf Soldaten unter der Armee erschlug. [] Dieser Zufall benahm ihnen allen Muth. Sie glaubten, der Himmel erkläre sich wider ih re Unternehmungen, und der Tod dieser zwölf Soldaten sey eine gewisse Vorbedeutung des Schicksals, welches sie alle treffen würde, wann sie die Belagerung weiter fortsetzten. [] Hejage war bey diesen Umständen in ziem [] (Hejage macht ih nen wieder Muth.) licher Verwirrrung; nicht zwar, als wenn er aus Schwachheit den Donner für etwas anders, als für eine blosse natürliche Würkung gehalten hätte, sondern weil er kranke Einbil dungskräfte zurechte zu bringen hatte, wel ches in der That nichts kleines war. Zu allem Glücke schlug der Blitz auch in die Stadt ein, und tödtete verschiedene von denen Leuten des Abdallah. Diese Gelegenheit ergrif Hejage, seinen Soldaten wieder Muth zu machen. Ihr sehet, sagte er, daß der Donner eben so wenig eure Feinde als euch ver schonet. Der ganze Unterschied ist die
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(Abdalme lek. Hegire 72. n. C. G. 691) ser, daß ihr GOtt gehorchet, sie aber ihm ungehorsam sind. Diese kurze Rede that ihre Würkung, und die Syrer nahmen die Bestürmungen mit neuen Kräften wie der vor. [] (Abdallah wird von seinen zwey Söh nen ver lassen.) [] Was aber das meiste dazu beytrug, daß sie so muthig wieder auf den Feind loß gingen, war die Nachricht, die sie von den Mißhelligkeiten, die in der Stadt herrschten, erhielten. Die Trupen des Abdallah fingen an über zu ge hen; seine besten Freunde verliessen ihn, und man sahe sogar seine leiblichen Söhne Ham zah und Hobeid in dem Lager anlangen, die sich mit dem Hejage in eine Unterhandlung einliessen, und ein besonders Bündniß mit ihm schlossen. [] (Abdallah wird von seiner Mutter aufgerich tet.) [] Da Abdallah alle seine Kräfte bey den Be schwerlichkeiten einer so langen Belagerung er schöpft hatte, so war es kein Wunder, daß er auf einmal höchst niedergeschlagen ward, indem er sich so verlassen, und seinem völligen Unter gange so nahe sah. Eine einzige Person unter stützte ihn damals noch, und bemühte sich ihm Muth einzusprechen; dieses war seine Mut ter, eine wegen ihres Geistes, ihres Muthes, und ihrer Frömmigkeit sehr berühmte Frau. Sie war eine Enkelin des berühmten Califens Abubecker, und hatte sich beständig dem Adel ihres Herkommens gemäß aufgeführt.
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[] Diese tapfre Muselmännin, ob sie gleich(Abdalme lek. Hegire 73. n. C. G. 692) schon neunzig Jahr alt war, hatte noch ihr ganzes Herz, und einen gegen alle Zufälle un beweglichen Geist erhalten. Sie hatte fast beständig an den verschiedenen Vertheidiguns anstalten zu Mecca Theil genommen; und be sonders hatte sie ihre Sorgfalt verdoppelt, als sie die Verzweifelung, welcher sich ihr Sohn zu überlaßen schien, zu bemerken anfing. Sie begleitete ihn bis auf die Wälle der Stadt; sie ließ ihm Erfrischungen reichen, und theilte auch unter die Soldaten, die den Sturm ab zuschlagen bemühet waren, dergleichen aus. Ihre Gegenwart, ihr Beystand, ihr Rath un terstützte den Muth der Einwohner lange Zeit; allein der Abfall einer Menge der ansehnlich sten Befehlshaber, die zu dem Feind übergin gen, machte, daß Abdallah fast alle Gedanken verlohr. [] Er theilte die grausamen Umstände, in wel che er sich gebracht sahe, seiner Mutter mit, und weil er überlegte, daß er mit den wenigen Tru pen, die ihm noch übrig waren, kaum noch einige Augenblicke länger dem Feinde widerstehen konnte, so fragte er sie, ob es nicht beßer ge than seyn würde, wenn er die Stadt überlie ferte, damit er wenigstens noch vortheilhafte Bedingungen erhalten möge. [] Wider diesen Anschlag setzte sie sich mit aller Gewalt, und gab ihrem Sohne zu überlegen,
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(Abdalme lek. Hegire 73. n. C. G. 692) daß, wenn er sich, sein Leben zu retten, ergeben wollte, er ein Spott aller Ommiaden werden würde, deren Hochachtung er nicht anders er langen könnte, als wenn er bis auf das aller äusserste sich bey dem einmal gemachten Plane zu erhalten suchte. Man muß lieber, sagte sie, den Tod wählen, als seine Schuldigkeit aus den Augen setzen. [] Abdallah schien plötzlich während der Rede seiner Mutter wieder zu sich selbst gekommen zu seyn; und sobald sie aufgehört hatte zu re den, versicherte er sie mit vieler Lebhaftigkeit, daß die großmüthigen Gesinnungen, die sie jetzo entdeckt, auch die Seinigen wären; daß er die Welt nie geliebet habe, noch eben sehr begierig sey zu leben; und daß er sich aus kei ner andern Ursache, als aus Eifer für die Re ligion und für die Ehre GOttes wider den Califen von Syrien empört habe. Er fügte hinzu, daß er gänzlich entschloßen sey, eher zu sterben, als einige Friedensvorschläge von dem Feinde anzunehmen. Er tröstete hierauf seine Mutter wegen eines Zufalls, der ihr un geachtet der Standhaftigkeit, die sie bezeugte, dennoch sehr zu Herzen ginge; er bat sie aber, sich nicht so sehr zu betrüben, sondern nur zu bedenken, daß sie einen Sohn habe, welcher nie den Weg der Bösen gewandelt sey, und sich noch keinen Vorwurf zugezogen habe. Du weißt es, HErr, rief er aus, indem er sich
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zu GOtt wandte, daß ich nicht zu meiner(Abdalme lek. Hegire 73. n. C. G. 692) Rechtfertigung also rede; sondern einzig und allein zur Befriedigung meiner Mutter. [] Hierauf wollte er sich sogleich aufmachen, und auf den Wällen seine Thaten und sein Leben zu beschliessen; seine Mutter aber hielt ihn zurück, und setzte ihm zu seiner Stärkung noch einen Trank von Bisam vor. Sie sagte ihm, wenn er in dem Treffen bliebe, so könne er gewis glauben, daß er als ein Märtyrer stürbe. Abdallah antwortete ihr, daß ihm der Tod nicht schrecklich sey, und daß er sich für nichts fürchtete, als nach dem Tode der Be schimpfung seiner Feinde ausgesetzt zu werden. Sie setzte ihm hierauf nichts entgegen, als die Vergleichung: Wenn das Schaf einmal tod ist, so fühlet es nichts davon, wenn man ihm die Haut abziehet. Nach die sen Worten ließ sie ihn von sich. [] Abdallah zog also sogleich wider den Feind(Abdallah wird bey einem Sturm ge tödtet.) aus; und nachdem er seinen Trupen eben den Muth beygebracht hatte, von welchem er selbst belebt ward, so that er an ihrer Spitze Wun der der Tapferkeit, über welche die Belagerer erstaunten. Er tödtete ihrer eine große An zahl mit eigner Hand, und mit Hülfe seiner Trupen gelang es ihm, alle, welche die Wälle ersteigen wollten, zurückzutreiben, und in den Graben zu stürzen. Endlich aber zwang ihn
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(Abdalme lek. Hegire 73. n. C. G. 692) doch die Menge der Sturmläufer selbst zu weichen; und indem der Feind Fuß vor Fuß mehr Platz gewann, both er ihm noch lange Zeit die Spitze, und machte noch manchen von ihm nieder, bis er völlig umringt ward. Doch auch alsdenn noch, da er zu seiner Ver theidigung nichts mehr um sich hatte, als seine Lanze und seinen Säbel, fand er Mittel eine Weile Obstand<Abstand> zu halten. Er zog sich in ei nen Ort von Mecca zurück, wo er von den Seiten nicht angefallen werden konnte, und schlug mit solcher Wuth um sich, daß der Feind ihm unmöglich beykommen konnte. Weil die Syrischen Soldaten ihn nicht in der Nähe anzugreifen wagten, und auch keine Pfeile mehr hatten, sie aus der Ferne auf ihn los zu schiessen, so brauchten sie alles wider ihn, was ihnen in die Hände kam. Sie schmiessen Steine und Ziegel in solcher Menge auf ihn, daß er un möglich den Würfen ausweichen konnte. Man versichert, als dieser grosse Heerführer das Blut von seinem Kopfe habe herabfliessen se hen, so habe er ausgerufen: Das Blut aus unsern Wunden fällt auf unsere Füsse, und nicht auf unsere Fersen; wodurch er noch den Ausdruck eines Arabischen Dichters zuverstehen geben wollen, daß er dem Feinde den Rücken nicht zugekehrt habe. [] Endlich, nachdem er sich noch einige Zeit vertheidiget hatte, muste er der überlegenen
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Macht der Syrer unterliegen, welche um die(Abdalme lek. Hegire 73. n. C. G. 692) Wette auf ihn los stürzten, ihn vollends töd teten, und ihm den Kopf abhieben. Den Au genblick meldete man seinen Tod dem Hejage, der sich ohne Verzug zur Erden warf, und GOtt für das Glück seiner Waffen dankte. [] Auf diese Art beschloß der berühmte Ab dal lah sein Leben, nachdem er den Titel eines Ca lifen ganzer neun Jahr in Mecca geführet hatte. Alle Geschichtschreiber loben die Grösse seines Muths; zugleich aber kommen sie dar innen überein, daß er ausserordentlich geitzig gewesen sey. Dieses hat zu einem Sprüch worte Gelegenheit gegeben, welches unter den Arabern sehr gebräuchlich ist, nehmlich: Vor dem Abdallah - ebn - Zobeir weiß man von keinem tapfren Manne, welcher nicht freygebig gewesen sey. [] Der Tod dieses grossen Mannes und die [] (Hejage stellt die Wallfahrt nach Mecca wieder her.) Einwohner von Mecca machten dem Califen von Syrien die Eroberung ganz Arabiens ge wis. Das Volk, wenige Rebellen ausgenom men, erkannte den Abdalmelek für den recht mäßigen Califen, und leistete ihm, in die Hän de des Hejage, den Eid der Treue. [] Das ganze folgende Jahr wandte dieser Heerführer dazu an, daß er das Ansehen des Abdalmeleks immer fester und fester gründete; und damit er ihm die Herzen seiner neuen Un
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(Abdalme lek. Hegire 74. n. C. G. 693) terthanen gewinnen möge; so suchte er sie auf der Seite der Religion zu fassen. Er fiel also darauf, die Sachen in Mecca wieder auf den Fuß zustellen, auf welchem sie zu den Zei ten des Mahomets gewesen waren. Er ließ in dieser Absicht alles niederreissen, was Ab dallah zu der grossen Moschee in dieser Stadt hatte fügen lassen, und gab dem ganzen Ge bäude wieder die Gestalt, die es bey Lebzeiten des Propheten gehabt hatte. Diese Verän derung machte vielen eifrigen Muselmännern Vergnügen, und man sahe die Wallfahrten nach Mecca nunmehr weit ansehnlicher wer den, als sie seit langer Zeit gewesen waren. Abdalmelek selbst that eine Reise dahin, und schien über die Aenderungen des Hejage sehr zufrieden zu seyn. [] Dieser Calif hatte kurz nach der Einnahme von Mecca seine Dankbarkeit diesem Heerfüh rer schon erwiesen, indem er zu seinem Vor theile die Statthalterschaften von Hegiaz und Irak mit denen von Chorassan und Segestan verband. Hejage seines Theils hatte sich ge gen diese Gütigkeit auch erkenntlich gewiesen, indem er alle mögliche Maaßregeln ergriffen, verschiedene Trupen von Aufrührern, die von Zeit zu Zeit mit gewafneter Hand erschienen, zum Gehorsam zu bringen. Das einzige, was man ihm vorwarf, war seine Grausamkeit, die er besonders in Medina verübt hatte, wo
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es schien, als ob er entschlossen wäre alle Ein(Abdalme lek. Hegire 74. n. C. G. 693) wohner zu vertilgen, oder wenigstens zu verja gen. Eben so hart verfuhr er mit denen aus Irak und Basrah, die es sich wider den Ca lifen zu empören wagten; und des Geschreys und der verschiedenen Unternehmungen der Auf rührer ungeachtet, war er geschickt genug, oder vielmehr glücklich genug gewesen, alle Feinde des Abdalmelek zu unterdrücken. [] Unterdessen fanden sich doch zwey Aufrührer,(Hegire 75. n. C. G. 694) die ihm zu schaffen genug machten. Der eine nennte sich Saleh, und der andere Schebid. [] (Neuer Auf stand wider den Cali fen.) Sie hatten sich mit einander verschworen den Abdalmelek auf einer Wallfahrt, die er nach Mecca unternommen hatte, umzubringen. Sie begaben sich also unter gleichem Vorwan de dahin; sie wurden aber gar bald genöthi get, wieder weg zufliehen, weil sie erfuhren, daß ihre Verschwörung entdeckt wäre. Doch weit gefehlt, daß sie ihren Entschluß hätten auf geben sollen, so wagten sie es vielmehr sich öf fentlich wider den Califen zu erklären, brach ten einige Trupen zusammen, und fingen mit denselben an eine Gegend in Mesopotamien, welche Provinz damals einen alten Kriegs obersten Namens Mervan, zum Statthalter hatte, zu verwüsten. [] Als dieser Statthalter Nachricht davon be kommen hatte, beschloß er diesem Unheile zu steuren. Weil er aber erfuhr, daß die Rebel<>
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(Abdalme lek. Hegire 75. n. C. G. 694) Rebellen nur sehr wenige Mannschaft hätten, so verachtete er sie, und schickte nur ganz geringe Haufen wieder sie aus, die zwar noch im mer weit stärker waren als die Aufrührer, gleichwohl aber ihnen nichts anhaben konnten, weil Saleh und Schebid nicht einen einzigen Soldaten hatten, der nicht zwanzig andere Muselmänner auf sich zu nehmen vermögend gewesen war. Die Trupen also, die man wi der sie aussendete, wurden beynahe zugleich ge schlagen, und ihr Anführer selbst blieb in ei nem Scharmützel. Dieser Sieg vermehrte bey den Häuptern die Lust zum Aufstande; sie stellten neue Werbungen an, und ihre Tru pen, die bisher fast aus lauter Fußknechten bestanden hatten, waren nunmehr ansehnliche Geschwader Reuterey vermittelst der Pferde geworden, die sie dem Feinde in den letzten Treffen abgenommen hatten. (Hegire 76. n. C. G. 695) [] Hejage ward über die Verwegenheit dieser Rebellen aufgebracht, und schickte unter An [] (Die Re bellen ver lieren eine Schlacht.) führung des Hareth Alhamdani Trupen wider sie aus, mit dem ernstlichen Befehle alles zur Unterdrückung dieser Parthey anzuwen den. Kaum hatte sie dieser Heerführer bey Modbage einem nicht weit von Mossul, der Hauptstadt von Mesopotamien, gelegenen Flecken angetroffen, als er sie sogleich angrif, und mit solcher Heftigkeit in sie drang, daß Saleh, einer von den Häuptern, und eine
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grosse Menge der vornehmsten Officier, bey(Abdalme lek. Hegire 76. n. C. G. 695) dem ersten Anfall blieben. Auch Schebid wäre beynahe in diesem Treffen umgekom men. Er fiel von dem Pferde, und wäre von seiner eignen Reuterey zertreten worden, wann ihn einige von seinen Leuten nicht glück lich noch der Gefahr entrissen hätten. So bald er wieder auf dem Pferde war, wandte er alles mögliche an, dem Feinde Obstalt zu halten, weil er aber sah, daß seine Mannschaft bey dem ersten Anfalle ansehnlich geschmolzen sey, so ent schloß er sich, seine Zuflucht in ein verlasse nes Schloß zu nehmen, welches nicht weit von dem Schlachtfelde entfernt war. Alles dieses geschahe in der schönsten Ordnung; und die Rebellen hielten sich sowohl, daß man es nicht wagte, sie in dem Schlosse anzu greifen. [] Gleichwohl umsetzte man sie in diesem [] (Sie wer den in ei nem Schlosse umringt, welches man an zündet.) Schlosse, und nahm sich vor, sie daselbst um kommen zulassen. Alhamdani ließ eine grosse Menge Holz vor die Thore tragen, und befahl, daß man sie in Brand stecken solle, worauf jeder für sein Theil ein wenig ausru hen könne, weil die Ausgänge des Schlos ses durch das Feuer sicher genug würden ver wahret seyn, als daß man von den Rebellen etwas besorgen dürfe. [] Nachdem diese Befehle vollzogen worden, so waren die Trupen des Alhamdani den ü
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(Abdalme lek. Hegire 76. n. C. G. 695) brigen Theil der Nacht auf nichts weiter als auf ihre Ruhe bedacht, und hoften gewiß, daß der Morgen ihnen keinen einzigen von de nen, die in das Schloß geflüchtet waren, der Versicherung ihres Generals gemäß, ent kommen werde. [] (Sie bre chen durch, und hauen die Armee des Califen in die Pfanne.) [] Als Schebid die Gefahr sahe, die ihm dro hete, wenn er nicht das äusserste anwendete, sich noch diese Nacht in Sicherheit zu setzen, so redete er mit seinen Leuten, und vermochte sie gar leicht, alles mögliche zu versuchen, um sich während der Zeit, da ihre Feinde der größten Sicherheit zu geniessen glaubten, ei nen Ausgang zu machen. Die Noth vermehr te ihren Eifer, so daß ihnen endlich ein Durch bruch gelang, und die Belagerer nicht we nig bestürzt wurden, als sie gegen Mit ternacht den Schebid und seine Soldaten in ihrem Lager sahen, welche alles, was ihnen unter die Hände kam, auf das grausamste niedermetzelten. Alhamdani ließ Lermen blasen, und brachte einige Trupen zusammen, diese Rasende zurück zuhalten, doch alle, die ihnen widerstehen wollten, kamen unter dem Schwerd te des Feindes um und der Feldherr selbst be kam einen heftigen Hieb, der ihn zu Bo den stürzte. Seine Leute kamen ihm noch frühzeitig genug zu Hülfe, daß sie ihn aus dem Gedränge bringen konnten; und weil er sich nicht gefährlich verwundet fand, so woll
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te er es noch einmahl versuchen, den Feind(Abdalme lek. Hegire 76. n. C. G. 695) zurück zu treiben; doch auch dieser neue An grif diente zu nichts, als daß noch einige tap fere Leute mehr niedergemacht wurden. Die übrigen nahmen die Flucht, und der General mußte es noch für sein Glück rechnen, daß er sich mit der Flucht retten konnte. [] Dieser Sieg machte den Schebid noch weit hochmüthiger und kühner, als er gewe sen war; und ob seine Mannschaft gleich nicht zahlreich war, so glaubte er gleichwohl ei nem jeden widerstehen zu können, der sich ihm in Weg stellen würde. Hejage selbst erfuhr es, wie sehr dieses Haupt der Rebellen zu fürch ten sey. Als er in eigener Person wider ihn auszuziehen unternommen hatte, mußte er sich zu seinem Verdruß bey verschiedenen Ge legenheiten mißgehandelt und endlich genöthi get sehen, seine Unternehmungen einzustellen, bis er neue Verstärkungen erhalten habe, um diesem fürchterlichen Feinde den Vortheil aus den Händen zu reissen; er zog sich nach Basrah zurück, und ließ dem Schebid das freye Feld. [] Dieser machte sich die Zeit zu Nutze, und(Hegire 77. n. C. G. 696) hatte die Verwegenheit mit seiner Hand voll Trupen Cuffah anzugreifen. Gleich [] (Sie neh men Cuffah ein.) wohl gelang es ihm sich des Platzes zu be mächtigen. Hier war es, wo ihn Hejage wieder aufsuchte, nachdem er gnugsame Tru
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(Abdalme lek. Hegire 77. n. C. G. 696) den zusammengebracht hatte. Er näherte sich der Stadt mit funfzehn bis sechszehn tausend Mann; und Schebid, welcher nicht [] (Hejage schlägt sie.) mehr als sechs bis sieben hundert Mann um sich hatte, war so verwegen, sich ihm in Schlachtordnung entgegen zu stellen für diese Unbesonnenheit ward er endlich gestraft; denn als es zu dem Treffen kam, so war es, der Tapferkeit des Anführers und der Unerschrok kenheit der Soldaten ungeachtet, nicht mög lich, einem so zahlreichen Heere lange Wider stand zuhalten. Die Rebellen unter dessen thaten Wunder der Tapferkeit; doch als Schebid seinen Bruder, sein Weib und sehr viele von seinen herzhaftesten Soldaten vor seinen Augen umkommen sahe, so ward er genöthiget mit dem kleinen Ueberrest die Flucht zu nehmen. Er nahm seinen Weg gegen die [] (Schebid ersäuft in dem Tigris.) Persischen Grenzen, und noch im Fliehen hieb er von den Syrischen Trupen, die ihm scharf nachsetzten, mehr als hundert Mann nieder. Er fand aber gar bald neue Schwie rigkeiten zu überwinden; denn als er an die Brücke über den Fluß Tigris kam, wollten ihm die Syrer den Uebergang streitig machen. Ob er nun gleich nicht mehr als hundert Mann von seinen Trupen übrig hatte, so versuchte er doch mit Gewalt hinüberzukom men, doch da er eben mit dem Feinde auf der Brücke handgemein geworden war, ward sein Pferd scheu, und sprang mit ihm in den
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Fluß hinab, wo dieser grosse Feldherr ersau(Abdalme lek. Hegire 82. n. C. G. 701) fen mußte. Nachdem sein Körper aus dem Wasser gezogen worden, hieb man ihm den Kopf ab, und schickte ihn an den Hejage. [] Der Tod dieses Anführers machte den Un ruhen ein Ende, welche die Rebellen seit dem Ali in dem Innern des Mahometanischen Reichs erregt hatten. Die Völker lebten ei nige Jahre hindurch ziemlich ruhig; bis in das zwey und achtzigste der Hegire nehmlich, in welchem sich neue Streitigkeiten erhoben, die durch den Haß, den Hejage gegen einen Kriegesobersten, Namens Abdarrahman, hatte, veranlaßt wurden. [] Hejage, der sich ihn gerne vom Halse schaf [] (Abdarrah man wird zum Statt halter von Irak er klärt.) fen wollte, schickte ihn mit sehr wenig Tru pen aus, mit den Türken in ihrem eigenen Gebiete Krieg anzufangen. Abdarrahman gehorchte; da er aber auf dem Marsche von den übeln Gesinnungen des Hejage gegen ihn geheime Nachricht bekam, so theilte er sie sei nen Leuten mit, und gab ihnen zu bedenken, daß man ihnen diese Probe des Gehorsams aus keiner andern Ursache aufgelegt habe, als um sie sämmtlich in diesem Feldzuge umkom men zulassen. So Anführer als Gemeine wurden über den verhaßten Anschlag des He jage erbittert, und beschlossen sich zu rächen. Zu diesem Ende erklärten sie sich anfangs, daß sie ihn nicht länger für den Statthalter von
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(Abdalme lek. Hegire 82. n. C. G. 701) Irak erkennen wollten, sondern leisteten dem Abdarrahman in dieser Würde den Eid der Treue. [] (Er verbin det sich mit den Türken, und erhält verschie dene Vor theile über die Türken.) [] Abdarrahman ward über die Bereitwillig keit seiner Trupen entzückt, und marschirte weiter nach den Türkischen Grenzen zu, je doch in keiner andern Absicht, als mit dem Regenten des Landes ein Bündniß zu schlies sen. Hierauf kehrte er so gleich nach Irak wieder zurück, und machte aus seinem Vor satze, sich an dem Hejage wegen seiner Un treue zu rächen, gar kein Geheimniß. Die ser bekam von dem Anschlage des Abdarrah man sogleich Nachricht, beschloß ihm vorzu kommen, und gieng ihm mit einer sehr zahl reichen Mannschaft entgegen. Dieser Vor sicht ungeachtet, ward Hejage bey dem ersten Anfall geschlagen; und der Sieger, der sich diesen Vortheil zu Nutze machen wollte, warf sich schleunig in die Stadt Basrah, wo er wu ste, daß man seinen Feind verabscheue. [] Die Einwohner empfingen ihn mit Zu rufungen, die für ihn ausserordentlich schmei chelhaft waren; sie gingen so gar in der er sten Hitze so weit, daß sie nicht nur dem He jage als ihrem Statthalter den Gehorsam aufsagten, sondern so gar den Eid der Treue, welchen sie dem Califen geschworen hatten, aufhoben, und dem Abdarrahman an seiner Statt die Huldigung leisteten.
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[] Hejage, der kein Mann war, welcher sei(Abdalme lek. Hegire 82. n. C. G. 701) nem Mitbuhler viel Zeit sich fest zu setzen las sen konnte, versuchte einen zweyten Angrif; doch auch bey diesem mußte er, wie bey dem ersteren, den kürzern ziehen. Abdarrahman wollte sich auch diesen Sieg zu Nutze machen, und begab sich deswegen zu den Cuffahnern, die er wider den Hejage sehr erbittert fand, weil seine Regierung ein unerträgliches Joch für sie geworden war. Die Cuffahner ahm ten den Einwohnern von Basrah nach, so daß Abdarrahman von beyden Orten auf gleiche Art erkannt wurde. Hejage wollte verzwei feln, daß er sein Ansehen durch so viele über ihn an der Spitze seiner Trupen davon getragenen Vortheile vernichtet sehen sollte, und beschloß also das äusserste anzuwenden, diesen schimpflichen Verlust wieder gut zu machen. [] Er rafte so viel Trupen zusammen, als [] (Hejage bringt Tru pen zusam men, und schlägt ihn.) ihm möglich war. Sein Nebenbuhler that seines Theils ein gleiches, und zwar mit einem ungleich glücklichern Fortgange, weil die Här te des Hejage alle Gemüther wider ihn er bittert hatte, so daß man sich viel lieber zu der Fahne des Abdarrahmans schlug, wel ches ein Mann von vieler Leutseligkeit war, oder wenigstens zu seyn schien. Dieser sahe sich also gar bald an der Spitze von hundert tausend Mann, und Hejage würde Mühe ge
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(Abdalme lek. Hegire 82. n. C. G. 701) habt haben genug Trupen zusammen zu brin gen, die sich einem so zahlreichen Heere hät ten entgegen stellen können, wenn ihn nicht Abdalmelek, der nunmehr in diesen Handel persönlich mit verwickelt war, ansehnliche Verstärkungen aus Syrien zugeschickt hätte, mit welchen er sich im Felde zeigen durfte. [] Nachdem sich beyde Armeen auf den Marsch begeben, trafen sie einander bey einem Flecken, Namens Dairkorrah. Sie fürchten bey de einander viel zu sehr, als daß nicht jede auf ihre Sicherheit hätte sollen bedacht gewe sen seyn. Sie suchten beyderseits sich für al len Anfälle zu hüten, und umgaben daher ihre Lager mit starken Verschanzungen. In diesem Stande blieben die Trupen beynahe drey Monate, obschon nicht in einer gänzli chen Unthätigkeit, indem fast kein Tag ver ging, an welchem nicht zwey Kämpfe, oder blutige Scharmützel vorgefallen wären, in welchen das Glück auf beyden Theilen ziem lich gleich blieb. Endlich aber schlug ein Handgemenge, welches sich nur unter ein zeln Geschwadern angefangen hatte, indem es immer durch neue Trupen unterstützt war, zu einem ordentlichen Treffen aus, welches für die Parthey des Abdarrahmans den al lerunglücklichsten Ausgang hatte. Seine Tru pen wurden in eine gänzliche Flucht geschla gen. Er bemühte sich umsonst, sie wieder
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zu sammlen, und in Ordnung zu bringen, und(Abdalme lek. Hegire 82. n. C. G. 701) mußte sich zuletzt selbst unter die Flüchtigen mischen, wollte er anders den Händen seines Feindes entkommen. [] Er wollte seine Zuflucht nach Sahan neh men, ward aber gar bald von einem Trup Reutern aufgefangen, welche ihm nachge setzt hatten. Kaum erfuhr dieses Zentil, der König der Türken, welcher seit dem geschlosse nen Bündnisse ungemein viel Hochachtung für diesen General gefaßt hatte, als er ihn zu befreyen beschloß, und seinen Anschlag auch glücklich vollbrachte. Sobald Hejage davon Nachricht bekam, schickte er Abgeordnete an den Zentil, welche den Abdarrahman zurück fordern mußten, mit einem Bedrohen, daß man im Falle der Weigerung mit der siegenden Armee in sein Land fallen, und alles mit Feuer und Schwerdt verheeren wolle. [] Zentil sahe sich nicht im Stande, so zahl reichen Trupen unter einem Anführer, wel cher kein Schonen kannte, zu widerstehen, und war also wegen der Antwort in der größ ten Verlegenheit. Er wollte sich einen Mann, wie Hejage, nicht gerne zum Feinde machen; und einen Freund, der sich in seinen Staa(Abdarrah man bringt sich selbst um.) ten eine Freystadt versprochen hatte, konnte er nicht anders als höchst ungern ausliefern. In dieser Verwirrung that Abdarrahman
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(Abdalme lek. Hegire 82. n. C. G. 701) selbst durch einen verzweifelten Entschluß den Ausschlag. Da er sich alle Augenblicke fürch ten mußte, seinem Feinde in die Hände zuge rathen, welcher ihn bey seinem Unglück ver höhnen, und mit dem schimpflichsten Tode be legen würde, so beschloß er seinem Leben und Elende auf einmal ein Ende zu machen, und stürzte sich von der Höhe des Hauses herab, welches ihm Zentil zu seinem Aufenthalt ein geräumet hatte. Nach dem Tode dieses Re bellen war der Friede unvermerkt in ganz Arabien wiederhergestellt, und alle Völker er kannten den Califen von Syrien einmüthig für ihr Oberhaupt. (Hegire 83. n. C. G. 702) [] Der mit Ehre überhäufte Hejage war nun auf weiter nichts bedacht, als die Früchte des Friedens zu schmäcken, und das Ansehen des Abdalmeleks in allen von seiner Statthalter schaft über Irak abhangenden Provinzen im mer mehr und mehr zu befestigen. Er ließ an dem Tigris eine Stadt anlegen, der er den Namen Vasser oder Vaßit, welches auf Arabisch die Mitte heißt, gab; und zwar deswegen, weil sie würklich zwischen Cuffah und Basrah mitten inne liegt. (Hegire 86. n. C. G. 705) [] Abdalmelek genoß das Vergnügen nicht lange den Frieden in allen seinen Staaten herrschen zu sehen. Er starb in dem sechs und acht zigsten Jahre der Hegire, im sechzigsten sei nes Alters, und im zwanzigsten seiner Regie
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rung. Ebn - Athir, ein arabischer Schrift(Abdalme lek. Hegire 86. n. C. G. 705) steller, erzehlt, dieser Regent sey von einer Krankheit befallen worden, welche die Aerz te für tödtlich erklärt hätten, wenn man ihm zu trinken geben würde. Unter dessen ward der Durst zuletzt so heftig, daß er ihn unmög lich länger aushalten konnte, weswegen er seinem Sohne, dem Valid, befahl ihm trinken zu reichen. Valid liebte seinen Va ter, und wollte ihm also, in Ansehung des Verbots der Aerzte, nicht gehorchen; als der Calif hierauf von seiner Tochter Fatime ein gleiches verlangte, wiedersetzte sich Va lid; doch Abdalmelek ward zornig, und drohte seinem Sohne, ihn zu enterben, wenn er es seine Schwester nicht würde thun lassen. Va lid mußte es also geschehen lassen, und kaum hatte der Calif das unglückliche Glas Was ser ausgeleeret, als er den Augenblick darauf in eine Ohnmacht fiel, die ihn kurze Zeit her nach gänzlich hinrafte. [] Dieser Calif erweiterte seine Macht weit über die Grenzen seiner Vorfahren, ohne gleichwohl die grossen Eigenschaften anzu wenden, die er, ehe er zur Krone gelangte, besessen hatte. Abulfeda erzehlt ausdrücklich, dieser Prinz habe alle seine Verdienste ver lohren, als er auf den Thron gestiegen; al lein er hatte das Glück vortrefliche Kriegs obersten zu haben, durch deren Hülfe alle sei
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(Abdalme lek. Hegire 86. n. C. G. 705) ne Unternehmungen einen gewünschten Aus gang hatten. [] Man beschuldigte ihn des allerschmutzig sten Geitzes, weswegen er den Zunamen Raschhol Hejer, das ist Schweis des Steins bekam. Man nennte ihn auch A bul Zebab, den Fliegen Vater, und die ses zwar im gegenseitigen Verstande wegen der Würkung, die sein Athem auf dieses Geschmeiß hatte: man versichert nehmlich, er sey so unerträglich stinkend gewesen, daß die Fliegen, die sich seinen Lippen genähert, so gleich davon gestorben wären. [] Er hinterließ vier Söhne, die nach ihm regierten, nehmlich Valid, Soliman, Ye sid und Hescham. Man erzehlt, das Schick sal seiner Kinder sey ihm von einem Mu selmanne, Namens Saad, den man für einen sehr geschickten Traumdeuter gehalten, vorhergesagt worden. Dem Abdalmelek hat te geträumt, als wenn er in dem heiligsten Theile des Tempels zu Mecca gegen die Mauer sein Wasser abgeschlagen, und diesen Traum hatte er in vier verschiedenen Näch ten gehabt. Saad also, welchen er darüber zu Rathe zog, prophezeyte ihm, daß viere von seinen Kindern zu dem Califat gelangen würden; und in der That haben sie auch alle viere den Thron bestiegen. [] (Dieser Ca lif läßt eine) [] Man behauptet, er sey der erste gewesen,
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welcher unter den Arabern Münze ha(Abdalme lek Hegire 86. n. C. G. 705) ben schlagen lassen, da man sich vor ihm bloß der Griechischen und Persischen Münzen bedient habe. Die Innschrift, die Abdal [] (neue Mun ze schlagen.) melek darauf setzen ließ, war: Saget, es sey nur ein einiger GOtt. Dieses Spruchs hatte sich der Calif bedient, wenn er an den griechischen Kayser geschrieben, und gleich darauf hatte er den Namen des Propheten und die Jahrzahl der Hegire gesetzt. Weil diese Art zu schreiben dem Griechischen Kay ser mißfiel, so verlangte er von dem Califen, sie zu ändern, oder gewärtig zu seyn, daß man eine Münze schlagen würde, auf welcher des Mahomets auf eine Art gedacht werden sol le, die ihm vielleicht nicht angenehm seyn möch te. Abdalmelek ward über diese Drohung unwillig, und wollte in dem Formulare sei nes Briefes nichts ändern, sondern verboth vielmehr die griechische Münze, und ließ eine andere schlagen, die in seinen Staaten um laufen solle. Dieses also war der Ursprung der ersten arabischen Münze.

Valid.

(Valid. Hegire 86. n. C. G. 705)

Eilfter Calif.

(Eroberung der Araber unter der Regierung des Valid) [] Valid, der älteste von den Söhnen des Abdalmelek, folgte seinem Vater, und
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(Valid. Hegire 86. n. C. G. 705) bestieg sogleich nach desselben Tode den Thron. Dieser Calif, welcher für sich selbst nichts gethan hatte, ist gleichwohl wegen der ersten Eroberung, welche die Araber unter seiner Regierung machten, einer von den allerbe rühmtesten. Diese Völker breiteten sich durch die Meerenge von Gibraltar bis an das atlan tische Meer aus: sie kamen nach Europa, und nahmen die mittäglichen Provinzen von Spa nien ein. (*) Zugleicher Zeit drangen sie mit ihren Waffen weiter gegen Morgen, wo sie den größten Theil von Indien disseits des Ganges eroberten; desgleichen auch gegen Norden, wo sie sich der Provinzen Chua resem, Transoxane, Turquestan und anderer bemächtigten. (Hegire 88. n. C. G. 707) [] Diese letztern Eroberungen hatte man der Tapferkeit des Catibah - ebn - Moslem, eines [] (Catibah bemächti get sich der Provinz Chuare sem.) berühmten Kriegsobersten zu danken, welches der erste war, der mit seinen Waffen in Chua resem eindrang. Er war zum Statthalter von Chorassan, welches Land an diese Pro 7
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vinz grenzte, ernennt worden, und nachdem er(Valid. Hegire 88. n. C. G. 707) Anfangs in den ihm untergebenen Orten alles in gute Ordnung gebracht hatte, so faßte er den Entschlus durch die Erweiterung des Ara bischen Reichs seinen Namen zu verewigen. [] Er ging also über den Flus Gihon an der Spitze einer furchtbaren Armee, und gelangte ohne viel Hinderniße über die Grenzen von Chuaresem. Von da aber weiter einzudrin gen, fand er verschiedene Schwierigkeiten, weil das Volk zu Vertheidigung seines Vaterlands die Waffen ergriffen hatte. Doch das Bey spiel des Catibah vermehrte den Muth seiner Trupen, so daß die Chuaresmer umsonst zu wiederstehen wagten, und sich gar bald unter das Joch schmiegen mußten. [] Mit diesem Siege war Catibah noch nicht zufrieden. Weil er sahe, daß dieses Volk der [] (Er dringt in Transo xana ein.) Abgötterey ergeben war, so unternahm er, die mahometanische Religion bey ihm einzuführen, welches ihm auch gelang. Er setzte hierauf seine Eroberungen weiter fort, ging über den Oxus, und drang in Transoxanien, einer Pro vinz von Turquestan, ein. Dieser plötzliche Einfall setzte den Magurek, Regenten dieses Landes, in solche Verwirrung, daß er in die Hauptstadt seiner Staaten nach Samarkand fliehen mußte, und nicht einmal Zeit hatte, die zur Vertheidigung nöthigen Trupen aufzu bringen.
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(Valid. Hegire 88. n. C. G. 707) [] Catibah verfolgte ihn, und wollte diesen Ort belagern, er konnte aber weiter nichts thun, als ihn blockirt hatten, weil er die zum Stur [] (Er bela gert Sa markand.) me erforderlichen Maschinen nicht bey sich hat te. Er schloß also die Einwohner so ein, daß sie von aussen her nicht die geringste Ge meinschaft haben konnten. Unterdessen wollte er doch an den Orten, die er für die schwäch sten hielt, einen Angrif versuchen. Dieses Unternehmen gelang nicht; die Einwohner vertheidigten sich sehr tapfer, und trieben die Araber mit einem ansehnlichen Verluste zu rück. [] Diese erlangten Vortheile machten sie über müthig. Sie stiegen auf ihre Wälle, und erzeigten den Belagerern mancherley Beschim pfungen. Unter andern kam man, und hin terbrachte dem Catibah, daß die Belagerten sagten, niemand anders als ein Cameelentrei ber würde ihre Stadt einnehmen können. [] Kaum hatte der General dieses gehört, als er sich auf die Knie warf, und GOtt für eine so gute Nachricht dankte. Seine Offi cier wurden darüber stutzig, und fragten ihn, was ihm denn in dieser Spötterey der Be lagerten so vortheilhaft schien? Mir ist also, antwortete er, die Eroberung dieser Stadt aufbehalten; denn ich erinnere mich, als ich noch jung war, und einen sehr dummen Kopf zu haben schien, so sag
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ten meine Eltern dann und wann zu(Valid. Hegire 88. n. C. G. 707) mir, daß ich zu nichts als zu einem Ca meelentreiber taugen würde. [] Die zuversichtliche Art, mit welcher sich Ca tibah bey diesem sonderbaren Zufalle betrug, machte seinen Trupen neuen Muth, so daß sie Mittel fanden den Mangel des zu Be stürmung eines Platzes nöthigen Geräths durch ihre Tapferkeit und Thätigkeit zu erse hen, und endlich die Einwohner soweit brach ten, daß sie zu kapituliren verlangten, um der Plünderung, und dem gänzlichen Untergange ihrer Stadt, die sich unmöglich länger halten konnte, zu entgehen. Die Uebergabe ward also mit Einwilligung des Catibah unter gewis sen Bedingungen geschlossen, und sie verspra chen einen Tribut von einer Million goldener Denare und drey tausend Sklaven zu ent richten. [] Weil dieser Heerführer um die Ausbreitung [] (Er führet die maho metani sche Religi on ein.) der mahometanischen Religion ungemein be sorgt war, so unternahm er es auch, sie in die ser Stadt anstatt des Götzendienstes einzu führen, Er fing die Einwohner selbst zu un terrichten an, und brachte sie gar bald dahin, daß sie ihre Götzenbilder zerbrachen, und den Dienst eines einzigen GOttes einführten. Er setzte ihnen hierauf Imans, die den Saa men der Religion, den er in ihre Herzen ge streut hatte, zur Reife bringen sollten; endlich
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(Valid. Hegire 88. n. C. G 707) ließ er auch eine prächtige Moschee bauen, wor inne er selbst den Mahometismus öffentlich lehr te, so daß diese Völker in kurzer Zeit recht eifrige Schüler des Propheten wurden. [] Während der Zeit da die Feldherrn des Valid in den entlegensten Provinzen das Schrecken seiner Waffen und ihre Religion ausbreiteten, war der Calif seiner Seits da mit beschäftiget, daß er an verschiedenen Orten zur Ehre des Gesandten GOttes prächtige Moscheen aufführen ließ, damit die Gemüther durch die Majestät dieser Gebäude lebendig gerührt werden, und für die Lehre, die man darinne lehrte, desto grössere Ehrerbietung be kommen möchten. [] Bey der Moschee, die er zu Damascus bauen ließ, machte er einen würklich königli chen Aufwand, und damit sie desto geraumer werden könne, ließ er die Kirche des heil. Jo hannes des Täufers, welche den Christen ge hörte, niederreissen, und brauchte den Platz zur Erweiterung der Moschee. Einige Schrift steller versichern, daß er den Christen vierzig tausend Thaler geboten habe, wann sie ihm ihre Kirche abtreten wollten; weil sie diese aber nicht hätten verkaufen wollen, so habe er sie mit Gewalt weggenommen und abbrechen lassen, ohne ihnen das geringste dafür zu geben. [] Noch unter währendem Baue der Moschee
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zu Damascus gab er Befehl, auch die in Me(Valid. Hegire 88. n. C. G. 707) dina neu zu bauen, welches ihn unsägliche Summen kostete. Er glaubte, er müsse zur Zierde einer Stadt nichts sparen, welche dem Mahomet zum Zufluchtsorte vor seinen Fein den gedienet habe, und wo er sogar gestorben sey, nachdem er den Grund zu einer von den grösten Monarchien in der Welt gelegt hatte. [] Mecca, welches der Geburtsort des Pro pheten war, verdiente gleichfalls die Aufmerk samkeit des Califen. Er ließ daher einen Plan zu dem Gebäude entwerfen, welches er daselbst wollte aufführen lassen; und nachdem er ihn genau untersucht hatte, schickte er seine Bau meister dahin, mit dem Befehle an den Abda laziz, der daselbst Statthalter war, ihnen in allem, was sie zum Baue dieser Moschee für nöthig halten würden, zu Willen zu seyn. [] Man legte sogleich Hand an das Werk, und riß eine sehr ansehnliche Menge von Privat häusern nieder, um einen grossen viereckig ten Platz zu verschaffen, wo man den Grund zu diesem Gebäude warf. Ohne allen Wie derspruch konnte so etwas nicht geschehen, be sonders von Seiten einiger alten Muselmän ner, welche es nicht ohne Verdruß ansehen konnten, daß man von der alten Einfalt des Propheten abgieng, und Gebäude nach allen Regeln der Kunst und des Geschmacks mit ei ner Pracht aufführte, die ihnen mit einer bal
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(Valid. Hegire 88. n. C. G. 707) digen Verzärtlung der Zucht und der Sitten zu drohen schien. [] Gleichwohl verhinderten diese Klagen die (Hegire 89. n. C. G. 708) Fortsetzung der angefangenen Arbeit nicht, und man sahe gar bald stolze Palläste anstatt der baufälligen Hütten, welche die ersten ma hometanischen Patriarchen bewohnt hatten. Die Beschreibung, die uns die Geschichtschrei ber von den vom Valid erbauten Moscheen hinterlassen haben, ist folgende: [] Diese grossen Gebäude machten ein richtiges Viereck, deren äussere Seiten mit drey oder vier Reihen von Galerien so breit, daß zwey Menschen neben einander gehen konnten, ver zieret waren. Jede von diesen Galerien wur de von zierlichen Säulen getragen, zwischen welchen steinerne Erker waren, an welchen man die Bildhauerarbeit eben so wenig als an den Gesimsen der Säulen gespart hatte. An den vier Ecken dieser Moscheen waren vier viel eckigte Thürme von einer recht wunderbaren Baukunst, auf welchen zweymal des Tages sie ben bis acht Morzins (*) und gegen die 8
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verschiednen Gegenden Allah, Allah et cetera rie(Valid. Hegire 89. n. C. G. 708) fen. Dieses war das Zeichen, welches man bey Annäherung der öffentlichen Betstunden zu geben pflegte, damit man sich durch das Waschen und andere gesetzmäßige Ceremoni en darzu vorbereiten könne. Von diesen Mo scheen des Valid hat man fast zu allen andern, welche die Mahometaner in den folgenden Zeiten haben bauen lassen, das Muster ge nommen. [] Valid ließ es an dem zur Ehre seiner Reli(Hegire 90. n. C. G. 709) gion aufgeführten Gebäude nicht genug seyn, sondern trug auch zu gleicher Zeit Sorge, die [] (Abscheu des Valid gegen die Griechen.) Völker der neu eroberten Länder, welche größ ten Theils noch in den Finsternissen des Göz zendienstes versenkt waren, unterrichten zu lassen. So groß aber der Abscheu war, den er gegen die Heiden hatte, so glich er doch bey weiten nicht dem, welchen er gegen die Christen, und besonders gegen die Griechen gefaßt hatte. Er fing gleich Anfangs an den Gebrauch der griechischen Sprache zu verbieten, deren man sich bisher in einem grossen Theile seiner Staa ten sehr häufig bedient hatte, wo man sie so gar in den Schulen lehrte, und zu Verfassung der gerichtlichen und andern öffentlichen Schrif ten anwendete. Kurz darauf kündigte er die ser Nation den Krieg an, weil sie ihm durch die Aufnahme der Armenier, die wider ihn auf gestanden waren, neue Ursache zum Hasse ge geben hatte.
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(Valid. Hegire 90. n. C. G. 709) [] Die Trupen dieses Califen fielen also in Griechenland ein, und nachdem sie verschiedene [] (Er kündigt ihnen den Krieg an.) Gegenden geplündert hatten, so drungen sie bis in die römischen Provinzen, wo sie sich nicht weniger schlecht verwahrter Plätze bemächtig ten. Die Absicht des Valid war, seine Armee nach klein Asien gehen zulassen; seine Feld herrn aber brachten ihn durch die Furcht, von dem Feinde überfallen zu werden, davon ab. Die Soldaten übrigens waren mit so vieler Beute beladen, daß sie genug zu thun hat ten, wenn sie dieselbe nach Syrien bringen wollten. (Hegire 91. und 92. n. C. G. 710 711- und folg.) [] In dem folgenden Jahre drangen die Mu selmänner in Galatien ein, welches sie fast gänz lich verwüsteten, ohne viele Hindernisse von Seiten der Griechen, deren Reich schon seit langer Zeit durch innerliche Unruhen zerrissen war, anzutreffen. Es schien damals, als ob bey ihnen der Thron der Raub des Stärksten geworden wäre. Derjenige, der sich dessen be mächtigte, verübte alle Arten der Grausamkeit gegen den Prinzen, den er absetzte, und kurz darauf ward er selbst der Vorwurf eines neuen Eroberers, der ihm die Krone wieder entriß. [] (Unruhen in dem Griechi schen Rei che.) [] Auf diese Art war Justinianus der zweyte von dem Leontius vom Throne gestossen, und mit abgeschnittener Nase ins Elend verwiesen. Leontius kam bald darauf auch an die Reihe, und ward von dem Absimaro der Crone be
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raubet, der ihn in ein Kloster einschliessen, und(Valid. Hegire 92. n. C. G 711 und folg.) auf eben die Art verstümmeln ließ, wie er es selbst seinen Vorfahren gethan hatte. End lich gelangte Justinian durch neue Umkehrun gen wieder auf den Thron, und überließ sich gänzlich seiner wilden Gemüthsart; er verübte gegen seine Unterthanen unerhörte Grausam keiten, und erfand aus Blutdurst sogar für die jenigen neue Strafen, mit welchen er nicht zu frie den seyn zu können, Ursache zu haben glaubte. Die meisten von den Regenten, welche ihm folg ten, waren eben so grosse Ungeheuer, welche die Menschheit beschimpften, und in der Ge schichte bloß durch ihre Laster bekannt sind. [] Dieses war damals der Zustand des Grie chischen Reichs. Das Volk, welches dem Beyspiel der grossen nur allzuleicht folgt, wenn es darauf ankommt, etwas übels zu thun, überließ sich der Gottlosigkeit, den Wollüsten, und allen Arten von Lastern. Schon für sich selbst unfähig ihren Feinden zu wiederstehen, wandten sie die Kräfte, die ihnen übrig wa ren, zu nichts als zu Erhaltung der Parthey en und innerlichen Kriege an, welche die Ver wüstung der Städte und Länder und die Ver giessung des bürgerlichen Bluts nach sich zo gen. Die Grenzen übrigens waren unbesetzt, und die dem Feinde am nächsten liegenden Oer ter ohne Vertheidigung, so daß seine Erobe rungen einen leichten und offenen Weg fan
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(Valid. Hegire 92. und folg. n. C. G. 711) den, auf welchem sie weder durch Belagerun gen noch Schlachten aufgehalten wurden. [] Dann und wann schien es zwar, als ob diese Völker, vielleicht durch die Erinnerung ihrer alten Tapferkeit ermuntert, aus ihrer Ohnmacht erwachen, und das Joch derjenigen abschütteln wollten, welche kühn genug wa ren, es ihnen mitten in ihrem Lande aufzule gen; allein es war nur immer eine überhin gehende Anscheinung, die ohne Folgen blieb, so daß die Muselmänner, die bey einigen Ge legenheiten; so hitzig genug waren, zurückgetrie ben worden, doch nicht abgeschreckt wurden, neue Anfälle zu wagen. Auf diese Art fielen sie das Griechische Reich zu verschiedenen ma len an, und erschütterten es bis in seine Grund feste, wie man aus der Fortsetzung dieser Ge schichte sehen wird. [] Die schnellen Eroberungen der Muselmän ner unter der Regierung des Valid erwarben diesem Califen den Beynamen des Siegrei chen; nicht als ob er für sich selbst grossen Antheil daran gehabt hätte; nein, sondern er war bloß so glücklich, daß ihm lauter Feld herrn dienten, welchen das Glück wohl wollte, und die sich nach ihrer langen Erfahrung so weislich aufzuführen wußten, daß ihnen fast alle Unternehmungen erwünscht ausschlugen. Ihr Ruhm ward der Ruhm des Califen, wel cher in den Geschichtbüchern eben so sehr ge
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priesen wird, als wenn er selbst in Person die(Valid. Hegire 96. n. C. G. 715) sen Feldzügen beygewohnt, und ihren glückli chen Ausgang durch seine Tapferkeit und Einsicht in die Kriegskunst zuwege gebracht hätte. [] Was seine persönlichen Eigenschaften an belangt, so sind die Geschichtschreiber in der Abbildung, die sie davon machen, nichts we niger als einig. Die syrischen Schriftsteller reden von dem Valid mit den allergrösten Lobsprüchen, und betrachten ihn als einen von den verehrungswürdigsten Prinzen aus dem Hause der Ommiaden. Die Araber hinge gen mahlen ihn als einen ungerechten, hefti gen und grausamen Mann ab, der des Bey namens, Pharaeni Ommiah das ist, Pha rao aus dem Geschlechte der Ommia den, als welchen sie ihm gegeben hatten, voll kommen werth gewesen wäre, indem er alle böse Eigenschaften des zu Moses Zeiten in Aegypten herrschenden Pharaos an sich ge habt hätte. Einige nennen sogar niemals seinen Namen, ohne eine Art von Verwün schung hinzu zu thun, und schreiben zum Exem pel Valid nam pelid, das ist, Valid, dessen Namen verflucht sey. [] Er starb in dem sechs und neunzigsten Jah(Tod dieses Califen.) re der Hegire, und dem siebenhundert und funfzehnten nach Christi Geburt, nachdem er zehn bis eilf Jahre regieret hatte. Ali Macin
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(Valid. Hegire 96. n. C. G. 715) sagt, er sey zu Damascus in dem Begräb nisse der kleinen Pforte beygesetzt worden. Nach eben diesem Schriftsteller ist dieser Ca lif von einer ansehnlichen Länge gewesen; seine Farbe war schwarz braun, das Gesicht von den Blattern sehr gezeichnet, und die Nase stumpf; sonst aber sahe er nicht übel aus. Seiner Kinder wird nirgends gedacht, wohl aber seiner Weiber, deren er, wie man versi chert, drey und sechzig soll gehabt haben. [] Unter dieser Regierung war es, als die christli chen Schriftsteller anfingen den Namen der Saracenen., welchen man seit Omarn dem I. gemeiniglich nur den arabischen Muselmän nern gegeben hatte, allein denjenigen beyzule gen, welche sich zu der mahometanischen Reli gion bekannten, sie mochten in Arabien oder Syrien oder andern Ländern wohnen. [] (Verschiede ne Züge den Hejage be treffend.) [] Ein Jahr vor dem Tode des Valid verloh ren die Ommiaden den berühmten Hejage, welcher sich unter der Regierung des Abdal melek ihren Feinden so schrecklich gemacht hat te. Die arabischen Schriftsteller sagen, daß er gleichfals nicht wenig zur Verherrlichung dieses Califats beygetragen habe; anstatt aber sich in die Beschreibung seiner Thaten einzu lassen, erzehlen sie weiter nichts, als einige be sondere Züge, welche wenig Einfluß in die arabische Geschichte haben, und zu sonst nichts dienen, als daß man den Charakter dieses gros sen Feldherrn daraus kann kennen lernen.
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[] Wir haben in dem Leben des Abdalmeleks(Valid. Hegire 96. n. C. G. 715) gesehen, daß Hejage den Glanz seiner Siege durch seine ausserordentliche Grausamkeiten verdunkelt habe. Blut zu vergiessen war für ihn eine Kleinigkeit; er schien sogar ein Ver gnügen daran zu haben, und rühmte sich, daß er mehr als hundert tausend Menschen ums Leben gebracht habe. [] Gleichwohl hat dieser blutgierige Mann, welcher einem jeden, der sich ihm zuwiederste hen wagte, so fürchterlich war, einige Strah len der Gnade schiessen lassen, welche der Menschheit Ehre bringen. [] Man erzählt unter andern, er habe sich einsmals auf der Jagd verirret, und in der Wüsten einen Araber angetroffen, von welchem er leicht vermuthen können, daß er ihm nicht anders als dem Namen nach bekannt seyn würde. Er fragte ihn also, um sich eine Lust zu machen, wer denn der Hejage sey, von wel chem man so viel in dem Lande rede? Ich habe ihn niemals gesehen antwortete der Araber; das aber weiß ich wohl, daß es ein sehr grausamer und böser Mann ist. Hejage ward ein wenigstutzig, und sagte zu ihm: Kennst du mich denn? Nein, erwiederte der Araber. Lerne also, mein Freund, versetzte Hejage, daß ich eben der Hejage bin, von welchem du so übel sprichst. Der Araber ward hierüber nichts
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(Valid. Hegire 96. n. C. G. 711) weniger als bestürzt, sondern fragte bloß: Kennst du denn mich? Als es Hejage ver neinte, fuhr der Araber fort: Lerne also, daß ich aus dem Hause des Zobeir bin, dessen Nachkommen alle drey Tage im Jahre einen Anfall von Unsinnigkeit ha ben; und dieser heutige Tag ist eben ei ner von den dreyen. So grausam sonst Hejage war, so konnte er sich doch nicht ent halten, über so sinnreiche Abfertigungen zu la chen; weit gefehlt, daß er den Araber wegen seiner Unbesonnenheit hätte strafen sollen, so redete er vielmehr sehr freundlich mit ihm, und fragte ihn, auf welchem Wege er wieder zu seinen Leuten kommen könne, [] Bey einer gleichen Gelegenheit fand sich He jage an dem Ausgange eines Waldes, um welchen ein Hirte seine Schaafe auf der Wey de gehen ließ. Weil er im vollen Galop her bey gekommen war, so war die Heerde scheu geworden, und hatten sich auf allen Seiten zerstreuet. Der Hirte gerieth darüber in Wuth, und verfluchte den Reuter, der ihm unter sei nen Schaafen eine solche Unordnung angerich tet hatte. Hejage hörte es; anstatt aber ver drüßlich darüber zu werden, grüßte er den Hir ten, und wünschte ihm Frieden. Doch der Araber ward von dieser Höflichkeit wenig ge rührt, und antwortete immer im Zorne, daß er seines Theils ihm weder Glück noch Frie
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den wünsche. Hejage that, als ob er ihn nicht(Valid. Hegire 92. n. C. G. 711) verstünde, sondern bat ihn um einen Trunk Wasser, weil er ausserordentlich durstig sey. Der Schäfer aber antwortete ihm trotzig: Wenn du trinken willst, nicht weit von hier ist ein Brunnen, wo du dir Was ser holen kannst; ich bin weder dein Knecht, noch dein Freund, um dich die ser Mühe zu überheben. [] Hejage nahm alles wohl auf, und weil er in der That eine Erfrischung höchst nöthig hatte, so ging er zu dem Brunnen und trank; alsdann aber kam er wieder zurück zu dem Hirten, und fragte ihn, wen er wohl unter allen Menschen für den vollkommensten hielte: Den Mahomet, antwortete der Araber, und wenn du aus Verdruß darüber ber sten solltest. Was sagte du aber von dem Ali? Fügte Hejage hinzu: Man kann nichts starkes genug sagen, versetzte der Hirte, um die Vortreflichkeit dieses gros sen Mannes, des Vetters und Schwie gersohns des Propheten, auszudrücken. Hejage nahm hierauf wieder das Wort, und sagte: Was denkst du aber von dem Ab dalmelek? (Dieser Calif regierte damals noch) und von dem Hejage, seinem Statt halter in beyden Arabien? Der Araber schien hier ein wenig betroffen, er faßte sich aber doch bald wieder, und antwortete, daß er
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(Valid. Hegire 92. n. C. G. 711) den Abdalmelek für einen sehr bösen Regenten halte. Und warum denn? sagte Hejage. Weil er uns, erwiederte der Hirte, den allerschlimmsten Mann, der unter der Sonnen seyn kann, zum Statthalter ge geben hat. [] Indem er noch so redete, flog ein Vogel über sie weg, auf dessen Flug und Geschrey der Araber mit seinen Scheltworten inne hielt, den Hejage genau ansahe, und ihn fragte, wer er wäre? Dieser erstaunte, und wollte die Ursache seiner Neugierde wissen. Das Ge schrey dieses Vogels, sagte der Hirte, lehrt mich, daß nicht weit von hier ein Trup Leute seyn muß, deren Anführer du viel leicht bist. Er sahe wohl, daß er sich nicht betrogen habe; denn in dem Augenblicke er schien das Gefolge des Hejage, und ein jeder bemühete sich ihm seine Freude über die Wie derfindung seines Hauptes zu erkennen zu ge ben. Er machte sich hierauf sogleich fort, und führte den Hirten mit weg, welcher es nunmehr merkte, gegen wen er so frey gespro chen habe, und deswegen dieser Reise sehr gerne überhoben gewesen wäre, wenn er nicht hätte gehorchen müssen. [] Den Tag darauf ließ ihn Hejage zur Mit tagsstunde vor sich kommen, und nöthigte ihn, sich mit ihm zu Tische zu setzen. Er gehorch te; ehe er sich aber niederließ, that er ein sehr
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sonderbares Gebet; denn anstatt der Formel,(Valid. Hegire 92. n. C. G. 711) deren sich die Muselmänner bey Tische bedien ten, sagte er: GOtt gebe, daß ich von dieser Mahlzeit so glücklich wieder auf stehen möge, als ich mich dazu hin setze. [] Dieses Gebet ward bemerket, allein Hejage that nicht, als ob er es verstanden habe. Wäh rend dem Essen fragte er den Araber, ob er sich der Unterredung, die sie gestern mit ein ander gehabt hätten, erinnere? Diese fürchter liche Frage machte bey dem Araber einen star ken Eindruck, und er fing an zu befürchten, dieses Mahl, wobey er soviel Ehre genossen, werde für ihn ein trauriges Ende nehmen. Hejage fügte sogleich hinzu: Du mußt den Augenblick eines von beyden wählen; entweder du mußt mich für den Statt halter der Provinz erkennen, und in mei nen Diensten bleiben, oder ich schicke dich an den Abdalmelek, und lasse ihm deine Gesinnungen gegen ihn entdecken. [] Weil der Araber durch den Vorschlag des Hejage, in seine Dienste zu treten, wieder Muth bekommen hatte, so nahm er denjenigen freyen Ton wieder an, welchen er bey der er sten Unterredung gebraucht hatte, und sagte ganz lachend: Ich wüßte doch noch ein drittes, welches besser wäre, als alles beydes, das du mir vorschlägst; dieses
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(Valid. Hegire 92. n. C. G. 711) nemlich, wenn du mich wieder dahin schicktest, wo du mich weggenommen hast, so daß wir einander niemals mehr zu sehen bekämen. Hejage schien mit die ser unverstellten Antwort so wohl zufrieden zu seyn, daß er den Augenblick in die Abreise des Hirten willigte; er schickte ihn wieder zurück, und schenkte ihn noch zehen tausend silberne Drachmen. [] Ein Zug einer fast ähnlichen Standhaftig keit rettete auch einem Officier das Leben, wel chen dieser General nebst verschiednen andern, die man auf der Flucht der Armee des Ab darrahmans zu Gefangnen gemacht hatte, wollte hinrichten lassen. Weil diese Hinrich tung nach seiner grausamen Gemüthsart vor sei nen Augen geschehen mußte, so war einer von den Gefangnen, der mit ihm zu sprechen ver langte. Als es ihm Hejage erlaubt hatte, so redet der Officier folgender Gestalt: Es wä re höchst billig, Hejage, wenn du mir Gnade wiederfahren liessest; denn ich besinne mich, daß als Abdarrahman dich eines Tages verfluchte, und mit vieler Verachtung von dir redete, ich ihm vor stellte, er habe Unrecht; und von die sem Augenblicke an sind wir beständig einander zuwider geblieben. [] Als ihn Hejage fragte, ob er sein Vorgeben durch einen Zeugen bestärken könne, so nennte
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ihm der Officier einen Gefangnen, welcher zu(Valid. Hegire 92. n. C. G, 711) gleicher Todesstrafe verdammet war. Der General ließ ihn vor sich kommen, und nach dem er ihn abgehört hatte, ertheilte er jenem die gesuchte Gnade. Zugleich aber fragte er den Zeugen, ob er nicht etwa auch zu seiner Vertheidigung etwas gesprochen habe, als Ab darrahman die heftigen Scheltworte wider ihn ausgestossen? Dieser fuhr fort ein Zeugniß nach der Wahrheit abzulegen, und hatte das Herz ihm zu antworten, daß er es nicht für nö thig gehalten habe. Und warum denn nicht? antwortete Hejage ziemlich aufge bracht. Weil ich, antwortete jener ganz standhaft, damals dein Feind war. Diese freye Antwort gefiel dem Generale dermassen, daß er ihm sowohl wie dem andern das Leben schenkte. [] Man könnte noch viel andere Züge anfüh ren, die dem Hejage Ehre machen; der jenigen aber ist eine weit grössere Anzahl, die sein Gedächtniß durch die unerhörte Grausam keiten schänden, welche er sowohl bey der Ar mee als in der Statthalterschaft verübte, so daß er überall, wo er zu gebieten hatte, weit mehr gefürchtet als geliebet ward. [] Er behielt seine wilde Gemüthsart bis an seinen Tod. Man erzählt, er habe in seiner letzten Krankheit einen Sterndeuter zu sich
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(Valid. Hegire 92. n. C. G. 711) kommen lassen, um von ihm zu erfahren, ob er durch seine Kunst nicht entdecken könne, daß vielleicht ein grosser Kriegsheld bald ster ben müste. Nachdem der Sterndeuter eini ge Augenblicke nachgesonnen hatte, antworte te er ihm, daß ein berühmter General, Na mens Kolaid, unverzüglich sterben werde. Ha! schrie Hejage, das bin ich also; denn in meiner Kindheit hat mich meine Mutter so genennt. Anstatt daß ihn der Sterndeuter hätte zufrieden stellen sollen, so bestärkte er ihn vielmehr, und versicherte ihm bey der Gewißheit seiner Kunst, daß er von diesem Lager nicht aufkommen werde. Hejage gerieth darüber in Zorn, und sagte: Ich traue deiner Geschicklichkeit so viel zu, daß ich dich auch in jener Welt um mich zu haben wünsche; ich will dich also immer voran schicken, damit ich dich gleich bey meiner Ankunft finde. Er befahl hierauf würklich, ihm den Kopf abzu schlagen, welches den Augenblick geschah. (Tod des Hejage.) [] Kurz darauf starb er selbst in einem Alter von noch nicht vier und funfzig Jahren. Die ser Tod fällt in das fünf und neunzigste Jahr der Hegire, und in das sieben hundert und vierzehnte nach Chri sti Geburt.
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Soliman.

(Soliman. Hegire 97. n. C. G. 716)

Zwölfter Calif.

[] Nach dem Tode des Valid bestieg Soli [] (Soliman thut sich bey seiner Gelangung zum Thro ne durch seine Gnade hervor.) man - ebn - Abdalmelek, sein Bruder, den Thron, und zeigte gleich Anfangs so viel Gnade und Menschlichkeit, daß er den rühm lichen Zunahmen Mestah - al - kair, das ist Haupt des Guten oder der Güte dadurch erwarb. Er ließ die Thüren der Gefängnisse öfnen, und gab allen, die wegen Schulden oder unglücklicher Zufälle gesessen hatten, die Freyheit wieder. Er erzeigte diese Gnade, ohne daß jemand sich darüber zu beklagen Ur sache finden konnte. Denn die Schulden ließ er aus seinem eignen Schatze bezahlen, und die übrigen Händel legte er so bey, daß je der damit zufrieden war. [] Dieser durch sein gutes Herz so berühmte Calif stand nicht weniger wegen der Eigen schaften seines Geistes, und wegen seiner Be redsamkeit in Ansehen. An dem Tage seiner Ausrufung hielt er eine Rede, die so schön und edel war, daß sie aller Beyfall erlangte, und daß man sich in Zukunft nichts geringes von einem so vollkommenen Prinzen versprechen zu können glaubte. [] Die Folge stimmte mit diesem glücklichen [] (Er setzt verschiede ne Statt halter in den Pro vinzen ab.) Anfange vollkommen überein, und der neue Calif ließ in seiner ganzen Aufführung eine nicht gemeine Grösse der Seelen, eine auf
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(Soliman. Hegire 97. n. C. G. 716) richtige Zuneigung gegen seine Unterthanen, und eine beständige Aufmerksamkeit auf das Beste des Reichs sehen. Unter den vorher gehenden Califen waren die meisten Statt halter der Provinzen nichts als Blutsauger, die sich von dem Blute der Unglücklichen nähr ten. Soliman half diesem Unheile schleunigst ab. Er entsetzte diejenigen ihres Amtes, die desselben unwerth waren, und er gab ihre Stellen solchen Männern, die weder von dem Ehrgeitze noch von dem Eigennutze geplagt wur den, und keinen andern Zweck hatten, als die Ehre des Regenten und das Glück der Völker. [] Zugleich suchte er den Anschlag wieder vor, [] (Er läßt Constanti nopel bela gern.) gegen die Griechen auszuziehen, und sie in ih rer eigenen Hauptstadt Constantinopel anzu greifen. Er ließ zu dieser Absicht eine er staunliche Anzahl Schiffe ausrüsten, und zwey mal hundert tausend Mann übersetzen, die in Thracien eindrungen, und vor Constantinopel rückten. Während der Zeit man es zu Lande belagerte, erschienen funfzehen hundert arabi sche Schiffe, die mit allen Arten von Provi ant und Kriegsgeräthe beladen waren, in dem Gesichte der Stadt, und benahmen ihr also auch von der Westerseite alle Hofnung zur Hülfe. Die Saracenen machten sich auch schon gefaßt, auf dieser Seite einen Sturm auf die Stadt zu wagen; doch eben als
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sie sich darzu vorbereiteten, ließ Leo Isaurus,(Soliman. Hegire 97. n. C. G. 76) welcher damals auf dem griechischen Throne saß, eine Anzahl Branders, die mit griechi schen Feuer angefüllt waren, unter die sara cenische Flotte treiben, die dadurch in die greu lichste Verwirrung gesetzt ward. Die Mu selmänner, welche die schrecklichen Würkun gen dieses Kunstfeuers, das alles, was es an traf, auch mitten in den Fluthen ergriff, nicht kannten, wurden ausserordentlich bestürzt, als sie verschiedene von ihren Schiffen in einem Augenblicke von den Flammen verzehrt sahen. [] Kaum hatten die Trupen, die zu Lande den Angriff wagten, das ihrer Flotte zugestossene Unglück erfahren, als sie die Belagerung auf einmal aufgaben, in die noch übrigen Schiffe eilten, und sich auf das schleunigste zu retten suchten, weil noch einige Hofnung, sich in Sicherheit zu setzen, übrig war. Sie zogen sich in den thracischen Bosphorus, und von da in den Hafen von Salerno, in welchem sie überwinterten. Allein zur Fortsetzung des Unglücks, welches die Muselmänner in die ser Unternehmung zu verfolgen schien, ward die Witterung so unerträglich, daß in den drey Wintermonaten durch die ausserordent liche Kälte und durch den häufigen Schnee, mit welchem die ganze Zeit über das Land be deckt war, der größte Theil der muselmänni schen Armee umkam.
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(Soliman. Hegire. 98. n. C. G. 717) [] Soliman ließ sich dieses im geringsten nicht abschrecken, sondern machte neue Anstalten, um das folgende Jahr Constantinopel einzu [] (Soliman schickt eine zweyte Flotte, wel che zu Grunde ge richtet wird.) nehmen, so viel Widerstand er auch finden möchte. Die muselmännische Armee ging al so mit einer beträchtlichen Anzahl grosser Schiffe, die eine Menge kleiner Fahrzeuge nach sich führte, zur See, und nahm ihre Strasse nach Constantinopel. Diese zweyte Unternehmung schlug noch unglücklicher aus, als die erste. Der Kayser Leo, dem das Glück des vorigen Jahres Muth gemacht hatte, ließ eine grosse Menge Branders, die ihm so gute Dienste gethan hatten, ins Meer setzen, und machte sich gefaßt, um diese neue Ausrüstung in die Asche zu legen. Die Elemente selbst schienen den Griechen beyzustehen. Kaum war die Saracenische Flotte unter Segel ge gangen, als sie von einem schreckliche Stur me überfallen ward, in welchem alle grosse Schiffe an der Thracischen Küste scheiterten. Die kleinern Fahrzeuge entkamen zwar mit Mühe und Noth dem Ungewitter, doch eben da sie sich in Sicherheit setzen wollten, wur den sie von den griechischen Schiffen angetrof fen, die sie theils verbrannten, theils mit fortschleppten, und alle Muselmänner, die man darauf fand, wurden ohne Barmherzig keit niedergemacht. [] Dieser unglückliche Zufall verursachte dem Califen einen tödtlichen Verdruß, und stürz
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te ihn in eine Traurigkeit, die ihn ins Grab(Soliman. Hegire 98. n. C. G. 717) brachte. Die Einnahme von Constantino pel war der einzige Gegenstand seiner Wün sche; und er hatte sich diese Eroberung so fe ste in den Kopf gesetzt, daß er den glücklichen Fortgang seiner Waffen in andern Gegenden für nichts achtete. [] Yesid - ebn - Mahaled, einer von seinen be [] (Die Mu selmänner machen sich Meister von Geor gien.) rühmtesten Heerführern, hatte sich von Ge orgien, einer Provinz des alten Hyrcanien, Meister gemacht. Nachdem er diese Völker unters Joch gebracht, ließ er eine ansehnliche Mannschaft darinne, um sie in der Unterthä nigkeit zu erhalten; er drang hierauf in Ta barestan ein, und wollte sich auch diese Pro vinz unterwürfig machen, welche zweyte Unter nehmung aber Anfangs sehr unglücklich war. Akschid, welches der Regente dieses Landes war, kam ihm entgegen, und lieferte ihm ein Tref fen, dessen Ausschlag völlig für ihn war. Kaum hatten die Völker in Georgien die Nie derlage des Yesid erfahren, als sie sich em pörten, und alle Muselmänner in die Pfanne hieben, welche der General bey ihnen zur Be satzung gelassen hatte. Yesid, der über die se Empörung erbittert worden, beschloß sich deswegen auf die grausamste Art zu rächen, und machte mit dem Akschid Friede. Dieser, welcher nichts mehr verlangte, als die Saracenen von seinen Staaten so weit als möglich entfernt
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(Soliman. Hegire 97. n. C. G. 717) zu wissen, willigte in die Vorschläge des Yesid, und machte ihm noch dazu ansehnliche Ge schenke, so wie er sie einem siegenden Feinde hätte machen können. Er gab ihm sehr viel Sil ber, eine grosse Menge Safran, und vier hundert Sclaven, deren jeder ihm einen präch tigen Turban von seidenem Stoffe auf einem silbernen Teller überreichte. [] Als Yesid von Seiten dieses Prinzen nichts mehr zu befürchten hatte, marschirte er nach Georgien wieder zurück, und both den Rebel len ein Treffen an. Dieses anzunehmen wollte ihr Haupt, Namens Marzaban, nicht wagen, sondern zog sich vielmehr in einen festen Ort, wo er die Trupen des Yesid aufzureiben gedach te, wann sie ihn etwa belagern sollten; doch der Ausgang kam mit seiner Hofnung nicht überein. Der Saracenische General berennte den Platz, und fing kurz darauf an, ihn mit solcher Wuth zu bestürmen, daß er in weni ger Zeit Meister davon ward. Er ließ so gleich alle diejenigen mit dem Tode bestrafen, die den meisten Antheil an dem Aufstande ge habt hatten. Marzaban und seine vornehm sten Officires wurden auf der Stelle gehangen, und vier tausend von den Uebelgesinntesten musten über die Klinge springen. [] Die Unterwerfung dieser Provinz, und ver schiedene andere Vortheile, welche die Musel männer in dieser Zeit davon trugen, hatten
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vielleicht den Verdruß ein wenig vermindern(Soliman. Hegire 97. n. C. G. 716) können, welchen das mißlungene Unterneh men gegen Constantinopel dem Califen verur sacht hatte; doch das Unglück, welches ihn da mals betraf, daß er seinen Sohn Ajub, gegen welchen er eine ausserordentliche Zärtlichkeit hatte, verlohr, erneuerte seinen alten Schmerz, und stürzte ihn wieder in eine Niedergeschla genheit, von welcher er es selbst voraus merkte, daß sie unheilbar seyn würde. [] Von der Zeit an dachte er an die letzten [] (Soliman ernennt den Omar zu seinem Nachfol ger.) Einrichtungen, die er noch vor seinem Aus gange aus der Welt zu machen habe; und weil ihm die Wohlfahrt seiner Unterthanen immer am meisten am Herzen gelegen hatte, so ernennte er ihnen bey Zeiten einen Califen, welcher eben so gut gegen sie möge gesinnet seyn, als er es von jeher gewesen war. [] Da Soliman keinen männlichen Erben hin terließ, so hätte die Krone natürlicher Weise auf den Yesid, seinen Bruder, und gleichfalls einen Sohn des Abdalmelek, kommen sollen; doch weil er bemerkt hatte, daß dieser Prinz die vornehmsten Eigenschaften, die einen gu ten Regenten machen, und ihm die Hochach tung seiner Völker erwerben, noch nicht habe, so stand er nicht einen Augenblick an, ihn von dem Thron auszuschliessen, und ernennte den Omar - ben - Abdalazis, seinen leiblichen Vetter, an seine Stelle.
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(Soliman. Hegire 98. n. C. G. 717) [] Diese Ernennung geschahe nicht öffentlich; und man wußte sogar eher nichts davon, als nach seinem Tode. Kurz ehe er starb, ließ er seinen Vezir den Rhagia zu sich kommen, und befahl ihm, in seiner Gegenwart wieder zu schreiben, daß er nach angestellter reifen Ueberlegung der gemeinen Wohlfahrt zuträg lich zu seyn erachtete, den Omar - ben - Abdala zis zu seinem Nachfolger zu ernennen; er glaube, daß dieser des Thrones am würdigsten sey, und wolle, daß Yesid erst nach ihm zu dem Califat gelangen solle. [] Er unterzeichnete diese Schrift, und ließ sie in seiner Gegenwart versiegeln. Damit er aber desto gewisser seyn möge, daß man seine Einrichtung unverändert lassen werde, ließ er die vornehmsten Muselmänner bey sich ver sammeln, und fragte sie, ob sie es zufrieden wären, daß er ihnen einen Nachfolger ernen ne, dessen Namen er aber nicht eher, als nach seinem Tode bekannt machen wolle. Sie liessen sich insgesammt den Vorschlag des Califen gefallen, und gelobten ihm eydlich an, daß sie denjenigen für ihr Oberhaupt erkennen wollten, den er ihnen dazu zu ernennen, für gut befinden werde. [] (Tod des Soliman.) [] Soliman überlebte diese Anstalten nicht lange; er starb zu Marbek, einer Stadt in Sy rien, in dem fünf und vierzigsten Jahr seines Alters, und ohngefehr in dem dritten seiner Re
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gierung. Einige Schriftsteller schreiben sei(Soliman. Hegire 98. n. C. G. 717) nen Tod einem sehr heftigen Seitenstechen, andere aber einer Unverdaulichkeit zu. Die letztere Meynung scheinet deswegen die gegrün deteste zu seyn, weil sie am besten mit der Ge fräßigkeit übereinstimmt, die diesem Regenten von allen Geschichtschreibern beygeleget wird, und von der man so ziemlich unwahrscheinliche Dinge erzehlt. [] Einige versichern zum Exempel, daß er manchmal zum Frühstücke so viel, als drey ge bratene Schöpskeilen ausmachen, gegessen, und zu Mittage gleichwohl noch mit den Gros sen seines Reiches eine recht gute Mahlzeit ge halten habe. Ueberhaupt ist man darinne ei nig, daß er des Tages mehr als hundert Pfund Fleisch verzehren können. [] Man schildert diesen Califen als einen Mann von ansehnlicher Länge, und sehr guten Mine; von weissem Gesichte, von ziemlich ge schlanken Leibe, dabey aber ein wenig hinkend. Was die Eigenschaften seines Herzens und seines Geistes anbelangt, so ertheilen ihm alle Geschichtschreiber einmüthig die grösten Lob sprüche, und betrachten ihn als einen von den grösten Regenten des muselmännischen Reichs, welcher sich die Wohlfahrt des Staats und das Glück seiner Völker besonders habe lassen angelegen seyn.
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(Soliman. Hegire 99. n. C. G. 718) [] Unter die Regierung dieses Prinzen setzt man den Ursprung der Barmeciden, einer Familie, die nun in der Geschichte der Cali fen bald mit vielem Glanze erscheinen wird. Was man von dem Anfange dieses Hauses unter den Muselmännern erzählt, ist folgen des. Ein Perser, Namens Giafar, der aus dem Geschlechte der alten Könige von Persien entsprungen war, hatte sich während der bür gerlichen Kriege, die sein Vaterland zerrütte ten, aus demselben fortgemacht, war nach Damascus gekommen, und hatte den Soliman um eine Zuflucht in seinen Staaten ersucht. An dem Tage, da er ihm vorgestellt ward, än derte der Calif plötzlich seine Gesichtsfar be, und befahl ihm, sich schleunig zu entfer nen, weil er vermuthete, daß er Gift bey sich habe. Soliman hatte dieses durch Hülfe zweyer Steine gemerkt, die er in einem Arm bande zu tragen pflegte, und die allezeit mit einem kleinen Geräusche an einander stiessen, wenn sich jemand dem Califen mit Gifte nä herte. [] Giafar seines Theils war über den Unwil len des Califens, und über dessen Befehl sich zu entfernen, sehr erschrocken. Er erfuhr aber gar bald durch die verschiedlichen Bewegun gen, die bey Hofe vorfielen, daß jemand bey dem Califen Audienz gehabt habe, von dem man vermuthe, daß er Gift bey sich getra
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gen. Er war hierauf der erste, welcher den(Soliman. Hegire 99. n. C. G. 718) Hof aus aller Bestürzung zog, indem er ent deckte, daß es ganz und gar nicht auf das Le ben des Califen angesehen sey; er selbst habe seit den letzten in seinem Vaterlande entstan denen Empörungen beständig Gift bey sich ge tragen; weil er schon längst gesehen, daß man ihn mit einem schimpflichen Tode drohe, so habe er sich der Grausamkeit seiner Feinde zu entziehen gesucht, und sich einen Ring machen lassen, unter dessen Steine ein solch subtiles Gift verwahrt sey, daß er nur ein ganz klein wenig daran saugen dürfe, um auf der Stel le des Todes zu seyn, und seinen Feinden also das Vergnügen zu berauben, ihn nach Gutdünken zu ermorden. [] Diese Entdeckung beruhigte den ganzen Hof. Giafar erschien wieder vor dem Califen, und hatte nach der Zeit an der Vertraulichkeit die ses Prinzen grossen Antheil. Soliman mach te sich verschiedene gute Rathschläge, die er ihm ertheilte, zu Nutze. Unter andern Ein richtungen, die er in dem muselmännischen Reiche machte, bewog er auch den Califen, eine Münze schlagen zu lassen, die weit we niger Zusatz habe, als die, welche in seinen Staaten im Gange war. Er befahl also alle Münzsorten umzuschmelzen; Giafar bekam die Aufsicht darüber, und in kurzem war alles Geld so rein, daß man in den nachfolgenden
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(Soliman. Hegire 99. n. C. G. 718) Zeiten zwar eben diese Verrichtung wiederhohl te, niemals aber sie zu eben dem Grade der Vollkommenheit bringen konnte. [] Da Giafar oft Gelegenheit hatte bey Ho fe die Unruhen in seinem Vaterlande, und die unglücklichen Umstände zu erzählen, in die er oft gebracht worden, so daß er beynahe zu dem Saugen seines giftigen Ringes die Zuflucht hätte nehmen müssen, so bediente er sich sehr häufig des Worts Barmek, welches in der Persischen Sprache saugen heißt. Die oft malige Wiederhohlung desselben bewog die Syrer einen Zunamen für den Giafar daraus zu machen, so daß sie ihn gemeiniglich Gia far Barmeki nennten. Daher sind auch seine Nachkommen und überhaupt alle von sei ner Familie, die sich in Syrien niederzulassen kamen, Barmekiden genennet worden. So wenigstens wird dieser Umstand von dem Ta varik, einem arabischen Schriftsteller, erzählt.

Omar der II.

Dreyzehenter Calif.

(Omar II. Hegire 99. n. C. G. 718) [] Sobald die Nachricht von Solimans Tode richtig war, so berufte der Vezier Rhagia die Versammlung der vornehmsten Herrn des muselmännischen Reichs zusammen, und über reichte ihnen die Acte, welche ihm der verstor
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bene Calif in Verwahrung gegeben hatte.(Omar II. Hegire 99. n. C. G. 718) Man laß sie vor, und den Augenblick wurde Omar - ben - Abdalazis, den Soliman zum Ca lif ernennt hatte, einmüthig ausgerufen. Man setzte ihn auf den Thron und leistete ihm den Eyd und die Feyerlichkeiten, welche man seiner neuen Würde schuldig war. [] Omar gab gleich in den ersten Augenblik ken nach seiner Erhebung Proben von seiner(Omar ist in seiner Auffüh rung ganz schlecht weg.) Liebe zu einem von allem Prunk und Weit läuftigkeiten entfernten Wesen. Er beobach tete eine Aufführung, die derjenigen ganz ent gegen gesetzt war, welche die ersten Ommia den hatten, deren die meisten die Verschwen dung und den Pracht liebten. Als man ihn abholen wollte, um ihn mit den gewöhnlichen Feyerlichkeiten in die grosse Moschee zu füh ren, wo seine Einweihung geschehen sollte, so übergab man ihm die schönsten Pferde aus dem Marstall seines Vorfahrs, damit er sich aus denselben so viele auslesen könnte, als zu einer so grossen Feyerlichkeit nöthig waren. Omar nahm keines an, sondern ging nebst sei nem ganzen Gefolge zu Fusse in die Moschee. Bey der Rückkehr wollte man ihn in den Pal last der Califen führen, allein er erklärte sich, daß er sein altes Haus wieder beziehen wollte. [] Einige von den angesehensten Muselmän nern glaubten berechtiget zu seyn, etwas wieder diese Entschliessung zu erinnern. Sie
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(Omar II. Hegire 99. n. C. G. 718) baten ihn, wenigstens eine Ursache anzugeben, warum er sich <weigerte>wegerte, den Pallast zu bezie hen, welchen zu bewohnen die Califen, seine Vorgänger, sich verbunden hielten. Er ant wortete hierauf: Ich will weder den An verwandten, noch den Bedienten mei nes Vorgängers beschwerlich fallen, die diesen Pallast noch bewohnen. Ich habe übrigens in meinem Hause alles, was ich nöthig habe. [] Indessen fand diese Mäßigung, welche noth wendig aus einem recht guten Herzen herkom men muste, nicht bey allen den Beyfall, den sie verdiente. Die meisten Hofleute waren vielmehr darüber im höchsten Grade misver gnügt. Denn sie waren alle zu einer prächti gen und stolzen Lebensart gewöhnt. Aber sein Verhalten gegen die Freunde und Nachkömm linge des Ali machte ihm bey dem grösten Theil seiner Unterthanen den empfindlichsten Ver druß. [] Das erste, was er vornahm, war, daß er [] (Er gibt den Aliden die Länderey des Fidac.) den Aliden das Land des Fidac wieder zueig nete, welches ihm ehemals zugehört hatte. Mahomet hatte es seiner Tochter, der Fatime, als sie sich mit Ali vermählte, zur Mitgift ge geben. Omar setzte einen Verwalter auf die ses Gut, und trug ihm auf, die Einkünfte in gleiche Theile unter die Aliden zu verthei len. Diese Vorsorge für eine Familie, wel
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che den Ommiaden äusserst verhaßt war, er(Omar II. Hegire 99. n. C. G. 718) regte vieles Murren. Allein der Calif ver achtete es, und schritt bald hernach zu einem Unternehmen, welches weit mehr zu bedeuten hatte. [] Wir haben bereits gesehen, daß der Name [] (Er unter drückt die Flüche wi der Ali.) Ali unter Moavias, dem ersten Califen von der Herrschaft der Ommiaden, feyerlich ver bannet worden, und daß man die Verord nung gemacht, daß man in den öffentlichen Versammlungen mit Verwünschungen und Flüchen wider dieses Haus los donnern sollte. Und diese Ceremonie wurde seit dem, daß die Ommiaden auf dem Thron waren, jederzeit aufs sorgfältigste beobachtet. Omar allein hatte das Herz, sie wieder abzuschaffen. Und er versuchte es auf folgende Art. [] Er machte einen Juden zu seinem Ver trauten, und nahm mit ihm Abrede, was er zu ihm in der öffentlichen Versammlung sa gen sollte, um dasjenige auszuführen, was er zum Besten der Aliden vorhätte. Nach dieser Vorbereitung erschien einsmals der Jude an dem Hofe des Califen, als dieser eben eine zahlreiche Versammlung von vornehmen Herrn um sich hatte. Als Omar seiner gewahr wur de, so machte er ihm das Compliment, als einem Mann, der zu Damasko was grosses vorstellte, und frug ihn, ob er ihm was beson deres zu sagen hätte. Der Jude antwortete,
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(Omar II. Hegire 99. n. C. G. 718) daß er in einer sehr wichtigen Sache zu ihm käme, und daß er sich die Gnade von ihm aus bäte, daß er ihm seine Tochter zur Ehe geben möchte. [] Omar ganz erstaunt sagte mit einer hefti gen Stimme: Was! wie ist dieß mög lich? Ihr seyd ja nicht von meiner Re ligion. Sogleich erwiederte der Jude: Hat nicht Ali Mahomets Tochter gefreyt? Das ist ganz was anders, sagte Omar: Ali gehörte zu dem gläubigen Volke, und er war ein Befehlshaber über die Gläubigen. Der Jude fuhr fort, und sagte: Wie, war Ali aus dem gläubigen Volke? Wie kömmt es denn, daß ihr alle Tage in den Moscheen Flüche wider ihn aus stosset? [] Omar wendete sich hierauf zu seinen vor nehmsten Hofleuten, und sagte: Euch kommt es nun zu, diesem Juden zu antworten. Ich für meine Person, bin deswegen sehr verlegen. Die Hofbedienten schienen darüber eben so verwirrt zu seyn, als der Ca lif selber. Und als er sah, daß keiner ein Wort dazu sagte, so sprach er: Da die Umstände so beschaffen sind, so erkläre ich, daß ich von nun an diesen öffentlichen Fluch un terdrücke, und an dessen statt soll man diesen Vers aus dem Alcoran hersagen:
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Vergebet uns, o Herr, unsere Feh(Omar II. Hegire 99. n. C. G. 718) ler; und vergebet auch unsern Brü dern, die mit uns einerley Glau ben haben. [] Diese Veränderung machte sogleich ein grosses Aufsehen, fürnemlich unter den Om [] (Diese Auf führung machet die Gemüther der Om miaden dem Calif abgeneigt.) miaden, welche es ohne Verdruß nicht mit ansehen konnten, daß ein Prinz aus ihrem Hause es auf sich genommen, dasjenige über den Haufen zu werfen, was der erste Calif von dieser Familie verordnet hatte, um sei nen Nachkömmlingen eine Ruhe zu verschaf fen, deren sie nicht anders geniessen könnten, als in sofern man den Aliden alle Hofnung, sich einen Anhang zu machen, benommen hätte. Nunmehr gewann es das Ansehen, als wenn diese Unruhe sich ganz unvermerkt wieder legen wollte. Allein, eine so wichtige Ausführung war blos das Werk einer vollkommenen Ver stellung, und bald werden wir den Calif als das Opfer derselben dahin fallen sehen. [] Jetzt ergriff man wieder die Waffen wider(Hegire 100 n. C. G. 719) die Griechen. Und diese Unternehmung zer streute einigermassen die bösen Gesinnungen der Ommiaden wider den Califen. Dieser Prinz unterfing sichs, das Vorhaben auszu führen, welches sein Vorfahr hatte liegen las sen, und er machte dazu die grösten Vorberei tungen.
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(Omar II. Hegire 100 n. C. G. 719) [] Sobald es nur die Jahrszeit erlaubte ins Feld zu rücken, so schickte Omar den Mervan, seinen General, mit einem der furchtbarsten [] (Die Musel männer be lagern Con stantinopel von neuem, aber ver geblich.) Kriegsheere nach Constantinopel ab. Mer van fing die Belagerung mit vieler Hitze an. Allein der Widerstand der Griechen war eben so heftig, und die Belagerer hatten einen sehr beträchtlichen Verlust. Der Heerführer der Saracenen, der da glaubte, daß diese Bela gerung lange dauren würde, schrieb an den Califen, daß er ihm neue Völker und einen starken Vorrath von Lebensmitteln zuschicken möchte. Sogleich seegelten vierhundert wohl bedeckte Kriegsschiffe unter dem Commando des Dehak ab, und Mervan bekam Nachricht, daß dieser ansehnliche Succurs an den Küsten von Thracien ans Land würde gesetzt werden. [] Allein zum grösten Unglück der Saracenen bekam der griechische Kayser den Augenblick Wind davon, und ergriff die sichersten Maas regeln, um diese Hülfe zu vereiteln. Leo I sauricus saß damals auf dem Thron. Die ser Herr, der aus einem gemeinen Soldaten durch seine Unerschrockenheit und durch seinen Muth endlich gar Kayser geworden, fuhr fort täglich neue Proben von seiner Herzhaftigkeit und von seiner Kriegserfahrenheit zu geben; und nachdem er schon in den vorhergehenden Jahren die Ausrüstungen der Saracenen ver nichtet hatte, so versuchte er jetzt eben dieses mit gleichem Glücke.
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[] Dieser Prinz ließ die muselmännische Flot(Omar II. Hegire 100 n. C. G. 719) te zu einer Zeit angreifen, da dieselbe wegen der Ausschweifung und anderer Ursachen hal ber in Unordnung war. Die Griechen be mächtigten sich verschiedener Schiffe, die sich damals noch nicht vertheidigen konnten. Die übrigen wurden sogleich durch die Brander, die eine ziemliche Anzahl derselben in Flammen setzten, ausser Stand gebracht, sich zur Wehre zu stellen. Und nur sehr wenige hatten das Glück, den Händen der Feinde zu entrinnen. [] Den Augenblick verbreitete sich eine allge meine Verwirrung unter dem saracenischen Kriegsheer, welches mit der Belagerung be schäftiget war. Mervan aber sprach den Sol daten wieder Muth ein, und nöthigte sie, die Arbeit mit eben dem Eyfer fortzusetzen, wel chen sie anfangs hatten blicken lassen. Er stellte ihnen vor, daß der Widerstand der Grie chen nicht lange anhalten würde, und daß die scheinbare Unerschrockenheit, welche dieselben affectirten, nichts anders wäre, als das äu serste Bestreben einer Herzhaftigkeit, die den Augenblick den Geist aufgeben würde. [] Allein, die neuen Widerwärtigkeiten, wel che den Saracenen einen Stoß nach dem an dern beybrachten, benahmen ihnen zuletzt al len Muth. Als Mervan bey sich überlegte, daß der kleine Vorrath von Proviant, wel chen man noch hätte retten können, nicht mehr
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(Omar II. Hegire 100 n. C. G. 719) lange währen könnte: so verfiel er darauf, daß er eine ansehnliche Mannschaft nach der Stadt Nicea und Bythinien abschickte, und machte sich die Rechnung, daß er daselbst ei nen guten Vorrath antreffen würde, um sei nem Mangel abzuhelfen. Allein dieser An schlag hatte die unglücklichsten Folgen. In dem dieses Detaschement im Anzuge war, so wurde es von einigen griechischen Herren, die im Begriff waren, sich von ihren Schlössern auf das Gebürge zu flüchten, bemerket. Da diese Herren glaubten, daß sie stark genug wä ren, wenn sich ihre Vasallen mit ihnen verei nigten, die Saracenen zu überfallen: so schick ten sie den Augenblick Abgeordnete in verschie dene Dörfer ab, und liessen die Einwohner er muntern, die Waffen zu ergreifen. In dem Augenblick traten die Gemeinden zusammen, und begaben sich unter der Anführung ihrer Herren auf den Marsch. Sie versteckten sich hinter den Gebüschen, wo die Saracenen vor beyziehen musten: fielen unvermuthet über dieselben her, und hieben sie in die Pfanne. [] Auf der andern Seite verschaften die grie chischen Schiffe, welche die Meerenge bedeck ten, wo das kleine Meer di Marmora mit dem schwarzen Meer zusammen stößt, verschie denen mit Lebensmitteln für die Belagerten versehenen Fahrzeugen den freyen Durchgang. Zugleich hielten sie auch die Schiffe der Sa
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racenen in Furcht, welche die betrübten Wür(Omar II. Hegire 100 n. C. G. 719) kungen des griechischen Feurs, (so selbst im Wasser brennete, und nur mit Eßig gelöscht werden konnte,) nur gar zu stark erfahren hatten, als daß sie sich getrauet hätten, wie der näher zu kommen. Auf diese Art nun war ihnen die Zufuhr der Lebensmittel ganz abgeschnitten, und sie fielen in die äusserste Hungersnoth. Gleichwohl liessen sie sich auch durch diese noch nicht von der Belagerung ab schrecken. Sie stritten also lange Zeit mit dem Hunger. Aber vergebens suchten sie die sen innerlichen Feind durch das Fleisch der Pferde, der Cameele und anderer Lastthiere zu schwächen. Die Pest, der beständige Bundsgenosse des Hungers, drang ins Lager ein, und fiel selbst unter die Belagerten. Da der Calif diese traurige Begebenheit erfuhr, so gab er Mervan Befehl, eine so verderbli che Belagerung aufzuheben, und die Völker an der Seite von Syrien zurück zu führen. [] Dieser Abzug war eben so traurig, als wie die vorigen Unternehmungen gewesen waren. Man muste mit den Elementen streiten: Blitz, Sturm und Winde ängsteten sie auf ihrem Marsch. Ein Theil ihrer Schiffe lit ten Schiffbruch, und es waren nur noch un gefähr funfzehen, welche in den Hafen ein laufen konnten. Allein eben dieses geschah mit genauer Noth und mit der grösten Un ordnung.
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(Omar II. Hegire 100 n. C. G. 719) [] Der Calife, der über einen so grausamen Unglücksfall ganz übermäßig bestürzt war, gab die Schuld von diesem Unglück der Schwach [] (Omar ver folgt die Christen.) heit, die er begangen hätte, den Christen ver schiedene Freyheiten zu ertheilen. Er faßte von Stund an den Schluß, dieselben aufs härteste zu halten, als es ihm nur möglich war, und fing an, sie zu zwingen verschiede ne Gebräuche der Muselmänner zu beobach ten. Er verbot ihnen z. E. Wein zu trin ken, und die in der Mahometanischen Reli gion verbotene Speisen zu essen. Er setzte die Abgaben, welche er ihnen vorgeschrieben, noch um die Hälfte höher an, und er kehrte sich wenig mehr an ihre Eyde, wenn sie mit den Mahometanern in Streit geriethen. (Hegire 101. n. C. G. 720) [] Unterdessen hatte doch diese Verzweiflung des Califs keinen Einfluß in seine Aufführung gegen die Muselmänner. Er fuhr fort, sie beständig mit eben der Gütigkeit und mit eben dem Glimpfe zu regieren, welchen er damals gegen dieselben äusserte, als er zur Krone kam. Gesetzt auch, daß sich einige Streitigkeiten, oder wohl gar eine Art von Aufstand unter derselben hervorthat; so bediente er sich doch so wenig der Schärfe, wie die vorhergehenden Califen, daß er vielmehr alle mögliche Mühe anwendete, um die Gemüther wieder mit ein ander zu versöhnen. Er wußte in allen Fäl len Mittel zu treffen, welche die allergeschick
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testen waren, die Händel mit einem freund(Omar II. Hegire 101. n. C. G. 720) schaftlichen Vergleich zu endigen. [] Schuzib, ein angesehener Muselmann, er [] (Schuzib empöret sich wegen der verbo tenen Ver fluchung des Ali.) regte einen Aufstand unter dem nichtigen Vor wand einiger besondern Meynungen, wel che die Lehre Mahomeds betrafen. Einige der vornehmsten Muselmänner redeten bereits da von, daß man die Waffen ergreifen sollte, um den Aufrührer zum Gehorsam zu brin gen. Allein Omar, der nicht dafür hielt, daß man blos um einiger Meynungen halber Blut vergiessen sollte, stellte denselben vor, daß man nicht so hitzig verfahren müste, und daß er glaubte, man könnte diese Aufruhr durch ein ander Mittel dämpfen. [] Er erwählte diesen Weg. Er schrieb an Schuzib, und befahl ihm, zu ihm zu kom men, und sich gegen ihn besser zu erklären. Habt ihr, schrieb er, nichts anders, als die Verbesserung der Religion und der Regierung im Sinn, so kommet zu mir; wir wollen ohne alles Aufsehen und ohne Verwirrung unsere Ein sichten und Anschläge miteinander untersuchen, und sie gegen einander halten. [] Schuzib, der schon einiges Aufsehen ge macht, hatte nicht das Herz, sich in Person vor dem Califen zu stellen, weil er befürchte
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(Omar II. Hegire 101. n. C. G. 720) te, einige Verweise zu empfangen, oder wohl gar eine Bestrafung wegen der Unruhe, die er erreget hatte. Er schickte daher ein paar Personen, die ihm zugethan waren, und von denen er glaubte, daß sie ihr Geschäfte am besten ausrichten würden. [] Diese Abgeordneten kamen an. Sie tru gen Omar die Scrupel des Schuzibs vor. Es liefen aber dieselben auf nichts anders, als auf das Betragen des Califen gegen die Aliden hin aus. Denn sie bezeugten ausdrücklich, daß sie im übrigen wider seine Person nicht das geringste zu erinnern hätten, und daß ihn alle Welt für den allerbilligsten Fürsten hielt. Al lein sie müsten ihm nur sagen, daß sich viele Personen daran stiessen, daß er, ein Mann aus der Ommiadischen Familie, die Flüche aufgehoben hätte, welche seine Vorgänger wider die Feinde seines Hauses verordnet hät ten, sie setzten hinzu, daß er bey einem sol chen Betragen versichert seyn könnte, er ver dammte zugleich alle Ommiaden, und wäre ge zwungen, alle Bannstralen auf dieselben los zuschiessen, womit man bisher die Aliden ver folget hätte. [] Omar, der sich darein gar nicht finden konnte, wie Menschen blos um einiger Zwi stigkeiten über gewisse Meynungen ihre Ru he so sehr hassen, und auf solche gewaltsame Mittel verfallen könnten, antwortete mit vie
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ler Gelindigkeit: Da dasjenige, warum(Omar II. Hegire 101. n. C. G. 720) ihr jetzo zu mir kommt, die andere, und nicht die gegenwärtige Welt betrift: so glaube ich, daß ich mich sehr ver sündigen würde, wenn ich euch die ses zugestünde. Denn wir lesen nicht, daß GOtt seinem Propheten geboten habe, jemanden zu verfluchen. Und eben so wenig finden wir, daß man entweder öffentlich oder insgeheim auch nur einer Privatperson fluchen soll, man mag gleich in ihrer Aufführung noch so viel Unordnung bemerken. Hat man wohl Pharao, der verwegen genug war, sich göttliche Ehre anzumassen, öffent lich verflucht? Da ihr mich nun für gerecht und billig ansehet, wie könnt ihr denn von mir verlangen, daß ich die Ommiaden, meine Anverwandten, verfluchen soll, sie, die mit mir be ten, die mit mir die Fasten und alle ü brigen Gebote und Gebräuche beobach ten, welche den Muselmännern vorge schrieben sind? [] Die Abgeordneten hörten diese Antwort oh [] (Schuzib verlanget, daß Yesid vom Thron ausgeschlos sen werde.) ne alle Gegenerinnerung an. Hingegen fie len sie auf einen andern Punct, welcher ih nen ebenfals bey ihrem Aufstande zum Vor wand diente. Die Sache betraf die Reichs folge. Da der letzte Calif den Omar zu sei
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(Omar II. Hegire 101. n. C. G. 720) nem nächsten Nachfolger ernennte, so erklär te er zugleich, daß Yesid nach diesem an das Staatsruder kommen sollte. Aber dieser junge Prinz hatte sich in den schlimmsten Ruf gesetzt. Daher wollte ihn Schuzib nebst sei nen Anhängern schlechterdings von der Krone ausgeschlossen wissen. Gnädigster Herr, sagten sie zu Omar, darf wohl ein so ge rechter Prinz, als ihr seyd, wenn er seine Zusagen, die er bey seiner Erhe bung gethan hat, erfüllen will, darf er sich wohl auf seinem Sterbebette ei nen Thronfolger ohne Gottesfurcht, und ohne Religion, kurz einen solchen, als derjenige ist, den man bereits dazu be stimmet hat, erwählen? [] Der Calif, welcher Yesids schlimme Eigen schaften eben so gut, als sie, kannte, stutzte ü ber ihre Vorstellung. Gleichwohl bemühte er sich, sie zufrieden zu stellen, indem er ih nen vorstellte, daß der Fall, wovon sie red ten, noch weit entfernt wäre, und daß man überhaupt das Zukünftige in die Hände der Vorsehung setzen müste. Gnädigster Herr, erwiederten die Abgeordneten ganz hitzig, wir alle kennen Yesid und seine Fehler. Wie wird es dem Reiche ergehen, wenn es einen solchen Prinzen zum Regenten bekömmt? [] Diese Rede machte Omar so bestürzt, daß
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er nichts darauf zu antworten wußte. Er ließ(Omar II. Hegire 101. n. C. G. 720) blos einige Thränen fallen. Endlich erholte er sich wieder, und fertigte die Abgeordneten mit dieser Antwort ab, daß er sich Zeit neh men müste, ihren Antrag zu überlegen, und daß er ihnen nächstens die Antwort zu wissen thun wollte. [] Von der andern Seite erkundigte man sich(Hegire 102 n. C. G. 721) ohne Verzug ganz umständlich nach dem Inn halt dieser Unterredung. Die Ommiaden(Verschwö rung wider den Calif.) wurden dadurch sehr aufgebracht. Sie be fürchteten, es möchte der Calif sich des schlech ten Rufs, in welchen sich Yesid gesetzt, be dienen, um ihn vom Thron abzuhalten, und vielleicht gar die Krone auf eine andere Fa milie bringen. Sie wußten, wie übel er mit ihnen wegen dem Lärmen, den sie damals, als die Verfluchung der Aliden unterdrückt worden, angefangen, zufrieden wäre. Sie berathschlagten sich demnach wegen ihres ge mein schaftlichen Vortheils. Der Schluß die ser Berathschlagung war, daß man sich je eher je lieber den Calif vom Hals schaffen sollte, damit er nicht Zeit hätte, die Maas regeln zu ergreifen, welche sie zu besorgen hätten. [] Sie setzten diese gottlose Entschliessung durch einen dazu erkauften Sclaven des Califen ins Werk. Dieses unglückliche Werkzeug nahm es auf sich, seinem Herrn das Gift, das jene
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(Omar II. Hegire 102 n. C. G. 721) ihm zustellten, beyzubringen. Er brachte ihm dasselbe in einem Trank bey, und die trauri ge Würkung blieb nicht lange aus. [] Ein arabischer Schriftsteller berichtet, daß der Calif nicht das geringste Gegenmittel ha be zu sich nehmen wollen, sondern daß er, da ihm einer seiner Freunde sehr angelegen hätte, sich der angebotenen Hülfe zu bedienen, ge antwortet habe: Ich ergebe mich so ge lassen in den Willen des Höchsten, und ich bin von dem unvermeidlichen und untrüglichen Rathschluß seiner Macht über das unveränderliche Lebensziel ei nes jeden Menschen so überzeugt, daß ich nicht einmal mit meinem Finger mein Ohr reinigen wollte, im Fall, daß meine Genesung davon abhinge. [] Eine so sonderbare Entschliessung legte ihn ins Grab. Er starb, nachdem er ungefehr dritthalb Jahr regiert, und noch nicht das vierzigste Jahr erreichet hatte. Er wurde bey dem Städtgen Maharat begraben, und zwar an dem Ort, den man ehemals das Kloster des H. Simeons nannte. [] Die arabischen Scribenten sind wegen sei ner Tugenden mit einander eins. Alle, die von ihm reden, mahlen ihn mit den vortheil haftesten Farben ab. Man erhebet aber ins besondere sein sanftes und demüthiges Wesen,
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seine Mäßigkeit und Uneigennützigkeit. Er trug(Omar II. Hegire 102 n. C. G. 721) selbst bey den feyerlichsten Begebenheiten die schlechtesten Kleider. [] Mogiuschon, jener berühmte Träumer, will uns versichern, daß er den Omar im Paradis, und zwar in Mahomeds Schoose ruhend gesehen hätte. Zur Rechten hätte er den Abubecker und zur Linken Omar den I. gehabt. Mo giuschon ganz erstaunt über den Vorrang, welchen Omar - ben - Abdalazis über die zween Califen bekommen hätte, habe sich bey einem Engel nach der Ursache erkundiget, der ihm zur Antwort gegeben, daß Abubecker und Omar der I. die Gerechtigkeit und das Gesetz Anfangs und in dem muselmännischen Eifer beobach tet hätten; aber daß Omar - ben - Abdalazis desto grössere Verdienste hätte, weil er es in den ungerechten und verderbten Zeiten gethan habe.

Yesid II.

(Yesid II.)

Vierzehenter Calif.

[] Yesid, Abdamelechs Sohn, bestieg unmit telbar nach Omar den Thron, ob er ihm gleich weder in der Weisheit noch Mäßigung nachfolgte. Ja es schien vielmehr, daß er sich eine Ehre daraus machte, dem Calif ganz un gleich zu werden. Und niemals redete er an
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(Yesid II. Hegire 102 n. C. G. 721) ders, als verkleinerlich, und in der Absicht, sei nen Glanz zu verdunkeln, von demselben. Er entfernte alle diejenigen vom Hofe, welche sein Vorgänger zu seinen Vertrauten gemacht, und er ging so gar damit um, die Statthalter, die jener über die Provinzen gesetzet, wieder zu rück zurufen. [] (Yesid - ben Mahaleb erreget in Arabien ei nen Auf stand.) [] Gleich in dem ersten Jahr seiner Regie rung thaten sich in Arabien grosse Unruhen hervor. Yesid, ein berühmter Hauptmann, hatte sie durch seine listigen Anschläge ange zettelt. Er war der Sohn des Mahalebs, eines angesehenen Muselmannes, der von den Prinzen von Caristan, einer kleinen Provinz in Persien, abstammte. Diese Herren hatten sich durch ihre unerschrockene Herzhaftigkeit ein ungemeines Ansehen erworben. Yesid, der in ihre Fusstapfen trat, kündigte dem Califen den Krieg an, und ging an der Spitze seines Heeres in die arabische Landschaft Irak, wo er eine grosse Menge Volks antraf, die sich zu ihm schlugen. [] Der Calif, der zu keinem Helden gebohren war, kam gleichwohl aus diesem Kriege mit ei ner so guten Manier, als man nimmer ver muthet hätte. Er führete zwar seine Völker nicht selbst an. Aber er gab den Commandostab in die geschicktesten Hände, nemlich in die Hän de des Mosseleimah, seines Bruders, der in diesem Handel eben so viele Geschicklichkeit als Herzhaftigkeit sehen ließ. Er hatte das
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Glück, die Feinde zu schlagen, und sie gänzlich(Yesid II. Hegire 102. n. C. G. 721) zu zerstreuen. Allein diese grossen Vortheile muste er durch verschiedene blutige Schlach ten erkaufen, aus welchen er zwar immer mit Lorbern, aber auch bald mit mehr, bald mit weniger Verlust davon kam. Gleich in der ersten Schlacht blieb Yesid - ben - Mahaleb auf der Wahlstadt liegen, nachdem er den Sieg dem Ueberwinder lange streitig gemacht hatte. Sein Sohn, Moavias, übernahm sogleich das Commando, und widersetzte sich den Arabern so lange, als er nur konnte. Als er aber merkte, daß die Hitze seiner Völker erkaltete, und daß ihnen der Verlust ihrer Befehlsha ber den Muth benommen hätte, so dachte er auf eine anständige Flucht, und zog sich nach Ormus, weil er glaubte, daselbst sicher zu seyn. Allein der Guverneur dieses Ortes, der be reits von seinem Verluste Nachricht bekom men, wegerte sich ihm die Thore zu öfnen. Moavias muste sich also nach einer andern Freystätte umsehen. Mosseleimah, der ihm nachjagte, und der ihm im Nachhauen schon viele Leute in Sand geleget, grif ihn ohne Aufhören bis an den Flus Indus an, wo das letzte Treffen vorging, in welchem Moa vias gleich Anfangs umkam, worauf denn der Rest von den Arabern in Stücken gehauen wurde. [] Und einen eben so guten Fortgang hatten [] (Glück der Saracenen)
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(Yesid II. Hegire 102. n. C. G. 721) auch die Waffen des Califen wider die Tür ken, welche sich in Asien ausgebreitet hatten, und so glücklich gewesen waren, bis in die Pro [] (wider die Türken.) vinz Adyrbeyzan einzudringen, wo vordem das Königreich Meden war. Aber Mosselei mah erfocht über sie einen vollkommenen Sieg, und jagte sie weit aus den Staaten des Ca lifen. (Hegire 103. n. C. G. 722) [] Diese doppelten Vortheile flammten den Muth der Saracenen dergestalt an, daß sie [] (Sie fallen in Frank reich ein.) sichs einfallen liessen, sogar in Frankreichs mit tägige Provinzen einen Einfall zu wagen, und es gelang ihnen auch, nachdem sie sich eines guten Strichs von Spanien bemeistert hatten. Sie überrumpelten die Stadt Nar bonne, und setzten sich daselbst feste. Hierauf rückten sie vor Toulouse, und machten Anstalt zur Belagerung. Allein Eudes, der Graf von Aquitanien, ging ihnen mit einer starken Armee zu Leibe; nöthigte sie, die Belagerung vor Toulouse wider aufzuheben; verfolgte sie auf dem Fusse; fiel sie mit der äussersten Hitze an; schlug sie nahe bey Narbonne, und aus dem Felde, und jagte sie aus ganz Frank reich. [] Indem die Feldherren des Califen sich be schäftigten, die Ehre der Nation an der Spitze des Kriegsheeres zu verfechten: So brachte dieser von Natur weibische und wollüstige Herr seine Zeit unter dem Frauenzimmer zu, und ließ seine Bedienten die Sachen ausmachen.
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[] Unter den Weibern, welche die ordentliche(Yesid II. Hegire 103. n. C. G. 722) Gesellschaft des Califen ausmachten, waren insbesondere zwo, in die er sterblich verliebt war. Die eine hieß Selamah, und die andere [] (Ursache des Todes des Califen Ye sid II.) Hababah. Als dieser Prinz eines Tages mit denselben in einem angenehmen Garten, der am Jordan lag, spatziren ging, so machte er sich den Zeitvertreib, daß er in einer gewissen Weite Weinbeerkörner ausschmiß, welche Ha babah mit vieler Geschicklichkeit mit dem Mun de auffing. Man muß aber wissen, daß eine Weinbeere in Palästina weit grösser ist, als eine Europäische. Zum Unglück blieb eine derselben in dem Halse der schönen Muselmän nin stecken, und verstopfte ihre Luftröhre, daß sie fast auf der Stelle erstickte, und in den Armen des Califen starb. [] Dieser Zufall stürzte ihn in die bitterste Trau rigkeit. Nichts war vermögend, seinen ganz übermäßigen Verdrus zu vermindern. Er suchte vielmehr ein Vergnügen darinn, daß er sich immer weiter in seiner Melancholie ver tiefte. Umsonst machte man Anstalt die Ent seelte zu beerdigen, um den Gegenstand seiner Verzweifelung aus seinen Augen zu entfernen. Er befahl, daß man den Leichnam auf sein Zimmer bringen sollte. Er verschloß sich bey demselben, und weydete daselbst ganzer acht Tage seine Augen an diesem abscheulichen An blick. Allein der ansteckende Gestank, welcher
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(Yesid II. Hegire 103. n. C. G. 722) durch alle Zimmer drang, machte diejenigen endlich verdrießlich, welche in denselben er scheinen musten. Sie stellten dem Calif vor, daß keiner unter ihnen ihm mehr aufwarten könnte, wenn er länger diesen vermoderten Kör per bewachen wollte. Also muste er endlich darein willigen, daß man ihn wegbrachte. [] Man glaubte zwar, daß die Entfernung die ses Gegenstandes seiner Liebe seinen Schmerz schwächen, und die Zeit endlich denselben gar zerstreuen würde. Allein sein lebhaf ter Schmerz schweifte jetzt nur noch mehr aus, und er trieb diese Raserey gar so weit, daß er befahl, den Körper wieder auszugraben, und ihn auf sein Zimmer zu bringen. Aber nie mand wollte diesen Besehl vollziehen. Das Ende einer so ausschweifenden Leidenschaft war die Schwindsucht. Der Prinz, dessen Kräfte nach und nach schwanden, leistete seiner geliebten Hababah in ihrem Grabe Gesell schaft, so wie er es befohlen hatte. (Hegire 104 n. C. G. 723) [] Kurz vor seinem Tode bestimmte er den He scham, einen seiner Brüder, zu seinem Nach folger, und verordnete, daß nach diesem die Krone auf Valid, seinen Sohn, zurückfallen sollte, der damals noch zu jung war, als daß er das Steurruder hätte regie ren können.
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Hescham.

(Hescham. Hegire 104 n. C. G. 723)

Funfzehenter Calif.

[] Hescham - ebn - Abdamelech befand sich gerade damals nicht zu Damasko, als Yesid sein Bruder starb. Indessen verhin derte doch diese Abwesenheit seine Ausrufung nicht. Man schickte vielmehr unverzüglich et liche von den vornehmsten Syrischen Herrn, um ihm den Scepter und königlichen Ring zu überbringen. Auf diese Art erfuhr er sowohl den Tod seines Bruders, als seine Erhebung auf den Thron. [] Er reißte bald darauf von Raspha ab, ei ner Syrischen Stadt, wo er sich gemeiniglich aufhielt; begab sich nach Damasko, um von seiner neuen Würde Besitz zu nehmen, und sich von seinen Unterthanen huldigen zu lassen. [] Der Anfang seiner Regierung wurde durch [] (Zeid macht seine An sprüche aufs Cali fat geltend. Hegire 106 n. C. G. 725) die Händel eines gefährlichen Nebenbuhlers sehr beunruhiget. Ich rede von Zeid, dem Enkel des Hassein, und folglich dem Urenkel des Ali, Mahomeds Schwiegersohn. So bald Zeid von Yesids Tode und Heschams Erhö hung Nachricht bekam, so ging er eiligst nach Cuffah, wo sich damals viele Anhänger der Aliden aufhielten. Hier stellte er weitläufti ge Unterredungen mit denselben an. Endlich, nachdem man den gegenwärtigen Zustand der
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(Hescham. Hegire 106 n. C. G. 725) Sachen lange überleget, so befand man, daß jetzt eine gute Gelegenheit da wäre, die Om miaden von dem Throne zu verstossen, den sie unrechtmäsiger Weise bestiegen hätten. Man machte den Schluß, die Sache unverzüglich anzugreifen, und dem neuen Califen keine Zeit zu lassen, sich in seiner Würde fest zu setzen. [] (Man nimmt ihn zu Cuffah als Calif auf.) [] Den Anfang machten sie damit, daß sie Zeid zur Califenwürde erhoben, und ihm den Eyd der Treue schwuren. Die Leute von Cuffah, ein unruhiges Geschlecht, ergriffen mit einem recht fanatischen Eifer diese neue Gelegenheit, wel che sich ihnen darstellte, ihre Unbeständigkeit und Treulosigkeit recht zu zeigen. Sie erkann ten Zeid für ihren Califen, und gaben ihm von ihrem Gehorsam und von ihrer Unterwerfung alle Proben, die ein Herr nur von den aller ergebensten Unterthanen erwarten kann. [] Wiewohl Zeid den Character dieser unruhi gen Leute besser hätte kennen sollen, als die seine Vorfahren aufgeopfert hatten; so beging er doch jetzo die Schwachheit, und baute auf ihre scheinbar gute Gesinnungen güldene Schlösser. Aber ohne Zweifel hielt er sich geschickt genug, die Freundschaft dieses Volks zu erhalten, von dem er glaubte, daß das öftere Abfallen, welches man demselben Schuld gab, nicht sowohl von der Unbeständigkeit desselben, als von der schlechten Sorgfalt, sich diese Na tion ergeben zu machen, herrührte.
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[] Also hielt er einen blossen betrüglichen Schein(Hescham. Hegire 106 n. C. G. 725) für eine wahre Geneigtheit, und ließ sich durch denselben die Augen blenden. Ja er meynte, daß er jetzt mehr, als sonst jemals von der Auf richtigkeit ihrer Bereitwilligkeit versichert seyn müste, weil sich in dem Augenblick, da er ih nen die Nothwendigkeit, auf der Stelle eine Armee auf den Beinen zu haben, um sich ge gen die Ommiaden zu erhalten, vierzehen tau send Menschen anboten, unter seiner Fahne ins Feld zu rücken. [] Zeid nahm ihr Anbieten an, und gab ihnen Generale. Man machte alle Anstalten, um ins Feld zu gehen. Und indem dieses Heer mit gewafneter Hand auf den Feind losging, so setzte inzwischen der neue Calif einen Rath und Minister, welche die Regierung seines Staats besorgen sollten. [] Doch diese grosse Anstalten dienten nur da zu, um diesen Aufstand desto ruchtbarer zu ma chen, da sie indessen denselben auf keine Art beförderten. Der Calif von Syrien durfte sich nicht einmal selbst bemühen, diese Unruhe zu zerstöhren. Die Araber, welche ihm getreu waren, übernahmen für ihn diese Mühe. Ja, er erfuhr nicht eher was von diesem Aufstand, als bis er auch zugleich erfuhr, daß die Auf wiegler bereits wieder ganz zerstreuet wären. [] Als Joseph - ben - Amru, Statthalter in [] (Joseph beredet die)
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(Hescham. Hegire 106. n. C. G. 725) Basrah, Nachricht von der Aufwiegelung zu Cuffah bekommen, so schickte er in der Ge schwindigkeit einige Völker dahin ab. Er stell [] (Cuffahner von Zeid abzutreten.) te an die Spitze derselben geschickte Befehlsha ber, welchen er die Verhaltungsbefehle mitgab. Seine Absicht war, sich Zeids zu bemeistern, ehe sich noch derselbe zur Wehr setzen könnte. Damit aber dieses wichtige Vorhaben ohne Verwirrung und ohne vieles Blutvergiessen zu Stande gebracht werden möchte, so empfahl er ihnen insbesondere diese Klugheit, daß sie alle Gelegenheit ergreifen sollten, die Vornehmsten zu Cuffah zu gewinnen, und alles anzuwenden, um sie entweder durch den Nachdruck ihrer Vorstellungen oder durch Verheissungen von Zeid abwendig zu machen. [] Dieses Mittel that seine erwünschte Wür kung. Man nahm die Vorschläge an, und die ersten, welche sich gewinnen liessen, brachten wieder andere auf ihre Seite. Nunmehr be trachtete man das Unglück, in welches man sich gestürzt hätte, um eine Aufruhr zu unter stützen, welche die Cuffahner über kurz oder lang mit ihrem Blute hätten bezahlen müssen. Kurz, nachdem man alles wohl überleget hatte, so streckten die meisten von denen, welche mit so vieler Hitze die Waffen zu ergreifen schienen, das Gewehr, und gelobten an, Zeid nicht die geringste Hülfe zu leisten. Auf solche Art woll te die Parthey dieses unglücklichen Muselman
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nes, welche anfangs ihr äusserstes zu wagen(Hescham. Hegire 106 n. C. G. 725) schien, um ihm den Weg zum Thron zu bah nen, ihm nicht einmal nur so viel Beystand mehr leisten, daß er den Händen derer ent wischen könnte, welche ihn gefangen nehmen wollten. Mit einem Worte, von vierzehn tausend Männern, welche sich für ihn auf opfern sollten, waren jetzt nicht mehr als un gefähr ein Dutzend übrig, welche für ihn fechten wollten. [] Ungeachtet sich Zeid ganz verlassen sah, so wagte er es doch noch, seinen Feinden die Spitze zu bieten. Aber nicht deswegen, daß er sich schmeichelte, denen zu entgehen, wel che sich seiner Person zu bemächtigen Befehl hatten, sondern er that es darum, weil er lieber mit dem Degen in der Faust sterben, als sich schlechtweg zum Gefangenen machen lassen wollte. Denn er sah es vorher, daß er alsdann seine Tage unter der grausamsten und schändlichsten Marter endigen würde. [] Sobald sich Josephs Leute, die sich dessel(Zeid stirbt.) ben bemeistern sollten, sehen liessen; so zog er sich mit seiner kleinen Mannschaft in einen Ort, wo er glaubte, sein Leben wenigstens für einen hohen Preis zu verkaufen. Und er machte sich auf seinen Tod so gewisse Rech nung, daß, als er diesen Schritt that, er aus rief: Sehet einen Ausgang, der Has seins seinem gleich kommt. Und in der
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(Hescham. Hegire 106 n. C. G. 725) That hatte Zeid eben das Schicksal, welches dieser berühmte Muselmann, sein Grosvater, erleben muste. Nachdem er sein Leben eine Zeitlang auf Unkosten des Lebens sehr vieler seiner Feinde vertheidiget hatte, so empfing er einen tödtlichen Hieb auf den Kopf, der ihn nöthigte, das Schwerdt sinken zu lassen. Er starb bald darauf, und wurde noch denselben Tag zu Cuffah begraben. [] Indessen war Joseph, der sich sehr an die ser glücklichen Unternehmung ergötzte, nur dar über etwas ungehalten, daß seine Leute zuge geben haben, daß man Zeid die Ehre des Begräbnisses erzeiget hat. Er schickte daher den Augenblick den Befehl ab, Zeid wieder auszugraben, und ihn an den gemeinen Gal gen zu henken. Diese Beschimpfung sollte denen zur Warnung dienen, die sichs in Sinn kommen liessen, eben solche Anschläge zu ma chen. Nachher schrieb er an den Hof zu Da masco, und berichtete dem Calif den ganzen Verlauf der Sache. Dieser Prinz bezeugte ihm seine Erkenntlichkeit auf eine Art, die einem Dienst von solcher Wichtigkeit gemäs war, und zugleich gab er ihm Befehl, Zeids Leichnam zu verbrennen, damit nicht das geringste übrig bleiben sollte, welches die erstickte Aufruhr wieder aufblasen könnte. Ahias, der Sohn dieses Aufrührers, flüchtete sich aus dem Cuf fahnischen Gebiete, um den Nachstellungen der
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Freunde des Califs zu entgehen. Er begab(Hescham. Hegire 106 n. C. G. 725) sich nach Balk, einer Stadt in Turkestan. [] Aber da man sich beschäftigte, die Parthey der Aliden zu vertilgen, so that eine andere, und zwar eine weit fürchterlichere ihr Haupt hervor. Wenigstens war sie glücklicher. Denn nach einigen Versuchen, die anfangs nur einen sehr mäßigen Fortgang hatten, hatte sie end lich das Glück, sich in die Califenwürde zu setzen, und ihre Hoheit auf den Trümmern des Ommiadischen Hauses aufzuführen. [] Es ist die Parthey der Abbasiden, die(Hegire 109 n. C. G. 728) ihren Namen von Abbas, einem Sohn des Abdalmotaleh, dem Onkel von Mahomet, be [] (Anfang der Abbasi dischen Parthey.) kommen hat. Dieser Abbas hatte wider sei nen eigenen Vetter, als derselbe seine Mis sion anfing, die Waffen ergriffen; nachher aber wurde er einer der eifrigsten Anhänger desselben. Ja, er setzte sich zuletzt bey den Muselmännern in ein solches Ansehen, daß sie durchaus ihm beynahe eben so viel Ehre er wiesen, als dem Propheten. Man sagt so gar, daß die beyden Califen, Omar I. und Othmann niemals vor ihm vorüber gegangen, ohne ihm Proben von der allergrössesten Hoch achtung zu geben, und wenn sie ihm zu Pfer de begegneten, so stiegen sie alsbald ab, um ihn zu grüssen. [] Die Nachkommen des Abbas wollten die
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(Hescham. Hegire 109 n. C. G. 728) Ommiaden niemals für rechtmäßige Califen erkennen. Und sie ließen sichs recht merken, daß sie dieselben nur blos für gewaltthätige Besitznehmer und Tyrannen hielten, wi der welche sie auch immer heimlich was anfin gen. Es entstanden auch von Zeit zu Zeit Em pörungen, welche diese Prinzen angesponnen hatten. Sie kosteten verschiedene derselben das Leben, und zwar so wohl unter der Regie rung Omars II. und der Nachfolger dessel ben, als insbesondere unter Hescham, dessen Kriegsobersten sich alle Mühe gaben, die Auf wiegler zu verfolgen. Aber alles, was man diesfals thun konnte, war dieses, daß man sie im Zaum hielt. Im übrigen war kein Mittel vorhanden, sie ganz und gar zu däm pfen, und sie kamen immer mit einem neuen Muth wieder auf den Schauplatz. [] Man kann eben nicht sehen, daß Hescham vor sich in diesen mannigfaltigen Unruhen sich viele Mühe gegeben. Und eben so wenig ließt man von ihm in den übrigen Dingen, die seinen Staat betreffen. Und wenn man einige Veränderungen, die er in den Statt halterschaften der Provinzen vorgenommen, ausnimmt, so wird nichts von ihm in den Geschichtbüchern angetroffen, das eine Er zählung verdiente. (Heschams Bild.) [] Die Geschichtschreiber sagen nur überhaupt, daß er ein Mann von Verstande gewesen sey;
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ein Herr, der sich in Geschäften leicht zu fin(Hescham. Hegire 109 n. C. G. 728) den gewußt habe, und der betreibsam, wach sam, und für sich arbeitsam gewesen sey. Al lein, sie mahlen ihn auch zugleich als einen Mann ab, der geitzig war, und das Gut ei nes andern mit scheelen Augen ansah, ja sich nicht selten dasselbe zueignete, um es durch thörichte Ausgaben zu verschwenden. [] Mazin, ein arabischer Scribente, berich tet, daß niemals ein Calif so reich an Tape ten, an Staatskleidern und an allen andern Arten von Kleidungen gewesen sey, als He scham. Denn, setzt er hinzu, die Historie meldet, daß man sechs hundert Ca meele mit seinem Kleidervorrathe be laden, und daß er tausend Gürtel zu den Beinkleidern, und zehen tausend Hemder gehabt habe. [] So geitzig Hescham war, so hatte er doch Einfälle, welche ihn öfters in ganz entsetzli che Ausgaben setzten. Er hatte z. E. einen recht verliebten Geschmack an Pferden, und er kaufte alle, die man ihm nur anbot, wenn sie nur ausnehmend und von gutem Ansehen waren. Er hatte viertausend in seinen mit der grösten Pracht erbauten Marställen ste hen. Ueber dieselben hatten die Stallmeister und die Knechte ihre Wohnungen. [] Also machte seine Kleiderkammer und der Marstall seine ansehnlichste Ausgabe aus.
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(Hescham. Hegire 109 n. C. G. 728) Das übrige seines Geldes verschlos er in der Schatzkammer, wozu er allein den Schlüssel hatte. Nothwendig mußte er hier erstaunen de Summen im Vorrath haben; denn Ma zin, den ich bereits angeführt habe, meldet, daß dieser Prinz für sich sieben hundert Län der gehabt, wovon unter andern zwey ein jedes zehen tausend Drachmen Einkünfte getra gen hat. [] Seine Tafelausgaben waren ganz ausser ordentlich genau eingeschränkt. Unterdessen war die Küche doch immer gut bestellt. Dies kam von den Geschenken her, die man ihm brachte. Da man einmal damit anfing, so machte man sich auch zugleich verbindlich, da mit fortzufahren. Er wußte die schon wieder daran zu erinnern, welche aufgehört hatten, ihm angenehme Dinge zu verehren. Er ver fiel darbey auf Kleinigkeiten, die sich sehr schlecht für einen so grossen Herrn schickten. Zum Exempel; ein Befehlshaber in einem Orte hatte ihm einen grossen Korb von den allerschönsten und besten Fischen seiner Pro vinz zugeschickt. Der Calif schrieb an ihn, um sich theils dafür zu bedanken, theils auch um denselben zugleich um mehrere zu ersuchen. Ich habe, schreibt er, die Fische wohl erhalten, die ihr mir zugeschickt habt. Sie waren ganz ausnehmend schön, und nach dem allerbesten Geschmack. Ich
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bitte euch, mir unverzüglich noch meh(Hescham. Hegire 109 n. C. G. 728) rere zu übermachen und Sorge zu tra gen, daß der Korb wohl verwahret werde, damit man nur keinen davon stehle. [] Ein anderer Bedienter machte ihm ein Ge schenk mit einer grossen Anzahl von einer ge wissen Art Erdäpfel, darunter einige mulstrig waren. Hescham schrieb ihm in eben dem Ton als dem vorigen. Versäumt es nicht, schreibt er ihm, mir nächstens andere zuschicken: Aber laßt sie in Sand legen, daß sie sich nicht an einander stossen. Denn durch das Anreiben ist es gekommen, daß viele derselben verdorben sind. [] Unterdessen rühmt man von ihm, daß er aufs genaueste sein Wort gehalten, und daß er in allen Verträgen, sowohl mit den Feinden des Staats, als mit seinen Unterthanen immer dafür gesorget habe, daß die Artikel, worüber man eins geworden, in allen Puncten erfüllet würden. [] Und eben diese genaue Sorgfalt zeigte er auch in den Pflichten seiner Religion, und er war bey allen Uebungen der Andacht der erste. Man erzählet bey diesem Umstand, daß er sei nem Sohn, der sich eines Tages bey dem öf fentlichen Gebete nicht eingefunden, die heftig sten Verweise gegeben, und als der junge Prinz
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(Hescham. Hegire 109 n. C. G. 728) zu seiner Entschuldigung anführte, daß ihm seine Bediente die Pferde nicht gleich gesattelt hätten, so antwortete ihm Hescham ganz hart: So hättet ihr zu Fusse dahin gehen müs sen. Und von nun an verbiete ichs euch, ein ganzes Jahr hindurch anders, als zu Fusse in die Moschee zu kommen. Der junge Prinz beschwerte sich im geringsten nicht wieder diesen harten Befehl. Er unter warf sich demselben mit derjenigen Bereitwil keit, welche ihm sein sanftes Herz eingab. [] (Valids bö ses Herz.) [] So lenksam hätte auch Valid, Heschams Vetter und bestimmter Nachfolger, seyn müs sen. Dieser Prinz hatte zu nichts Lust, als zum Schwelgen, und verachtete dabey alle Uebungen des Gottesdienstes. Sein Onkel that ihm zwar deswegen sehr nachdrückliche Vorstellungen: Allein, sie hatten bey ihm keine andere Würkung, als daß er einen starken Widerwillen gegen den Hof bekam, den er bald darauf ganz verließ, um sich in einem Lusthause zu verschliessen, wo er sich allen Arten von Ausschweifungen in Gesellschaft einiger lieder lichen Jünglinge überließ. Hier wartete er mit Ungedult auf den Tod seines Vetters, der würklich seit einiger Zeit sehr bettlägerig geworden war. [] Diese so erwünschte Stunde kam endlich herbey. Der Calif, der zu Raspha residirte, ver fiel in ein so schläfriges und unthätiges Wesen,
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daß er zusehens abnahm. Ja, er wurde so(Hescham. Hegire 109 n. C. G. 728) äusserst unwürcksam, daß man ihn für tod hielt. Alsbald schickte man an Valid zween Deputir ten ab, welche ihm diese Nachricht bringen, und ihm die ersten Ehrenbezeugungen erweisen sollten. Dieser Prinz wollte es anfangs auf ihr Wort nicht glauben. Und gleichwie er wuste, daß ihm der Calif nicht gut wäre, also befürchtete er, es möchte dieses Compliment eine Falle seyn, die er ihm stellen ließ, um ihn durch dieses Mittel zu stürzen, indem er ihn anklagen könnte, als wenn er noch bey sei nen Lebzeiten das Califat hätte an sich reissen wollen. Er ergab sich endlich auf den Eyd, welchen ihm die Abgeordneten leisteten, und indem er sich in Gedanken schon auf dem Thron sah, so schickte er in gröster Eil etliche seiner guten Freunde nach Damasco, welche sich in seinem Namen des königlichen Schatzes be mächtigen sollten. [] Dieser Befehl wurde den Augenblick ins(Heschams Tod.) Werk gesetzt. Aber wie bestürzt wurde man nicht, da man erfuhr, daß der für tod gehal tene Calif noch lebte. Doch er lag in einer solchen Ohnmacht, daß die wenigen Tage, die er noch lebte, nichts, als ein, so zu reden, lang anhaltender Todeskampf waren. Da er wie der ein wenig zu sich selber kam, so schickte er einen seiner Bedienten nach Damasco, um aus dem königlichen Schatze eine Summe Gel
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(Hescham. Hegire 109 n. C. G. 728) des zu nehmen, worüber er vor seinem Tode noch ein Vermächtnis machen wollte. Allein Validss Leute, die bereits die Schatzkammer besetzt hatten, wegerten<weigerten> sich, das Geld abfol gen zu lassen, und sie thaten dieses mit desto mehr Herzhaftigkeit, je weniger man von dem sterbenden Califen jetzo mehr zu befürchten hatte. Hescham, der von Natur geitzig war, betrübte sich auf das empfindlichste darüber, daß er nun in dieser Welt gar nichts mehr be sitzen sollte. Ach GOtt! rief er aus, so waren wir denn nichts anders als Va lids Schatzhüter. Dieß waren seine letz ten Worte. Denn gleich darauf gab er sei nen Geist auf. (Hegire 125. n. C. G. 742) [] Kaum war er tod, als Aiyad, sein Secretär, die Schlüssel zur Schatzkammer zu sich nahm, und sie Valid überbrachte. Die übrigen Be dienten beobachteten ebenfals auf der Stelle ein jeder dasjenige, was ihm zukam. Der Pallast dieses Prinzen wurde leer, und alles stand zur Plünderung offen. Jederman strekte nun seine Hände darnach aus, und zwar mit einem solchen Ungestümm, daß, da man nach orientalischem Gebrauche den entseelten Leich nam des Califen waschen wollte, man nichts mehr finden konnte, was zu dieser letzten Eh renbezeugung unentbehrlich war. Und wenn nicht einer seiner Freygelassenen den Sterbe kittel hergegeben hätte, so wäre dieser Prinz,
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der so reich und so begierig war, alles zu besiz(Hescham. Hegire 125. n. C. G. 742) zen, in seinem Tode so bettel arm gewesen, als der Aermste unter allen seinen Unter thanen. [] Hescham starb zu Raspa im 125. Jahr der Hegire, und im 742. nach C. G. seiner Re gierung ungefehr im ein und zwanzigsten. Er hinterließ zween Prinzen, den Solyman, und Moavias, deren wir hernach noch gedenken werden. [] Die Saracenen wagten unter seiner Regie [] (Neuer Einfall der Saracenen in Frank reich.) rung einen neuen Einfall in Frankreich unter der Anführung eines Generals, der bey den Arabischen Scribenten unter dem Namen Ab dalrahman, bey den Französischen aber unter dem Namen Abderame berühmt ist. Eu des, der Herzog von Aquitanien, der sie ehe mals mit französischer Hülfe glücklich zurück getrieben, als sie in seine Länder streiften, hatte nunmehr mit den Franzosen Händel die ihm seine herrschaftlichen Rechte streitig ma chen wollten. [] Als er nun die Gefahr sah, in der er schweb te, sowohl von den Franzosen als Saracenen überfallen zu werden, so machte er mit einem Heerführer der letztern, dem Munuza, der da mals Statthalter des Califen in Puycerdan, einem Lande, das nahe an den pyreneischen Gebürgen liegt, war. Eudes wußte die Un
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(Hescham. Hegire 125. n. C. G. 742) terhandlung mit dem Gouverneur so geschickt einzurichten, daß derselbe ganz auf seine Seite trat, und sich wieder den Calif und die Gene rale desselben erklärte. [] Damit dieses Bündnis seine vollkommene Festigkeit erlangen möchte, so gab der Herzog von Aquitanien dem saracenischen Landvogt seine Tochter zur Gemahlin. Dieser hinge gen versprach ihm, ihn wider alle Streifereyen der Völker des Califen sicher zu stellen. So bald sich Eudes von dieser Seite sicher sah, so griff er die Franzosen an. Allein Carl Mar tell (*) der damals Major Domus und Re gent der Franzosen war, schickte ihn mehr als einmal mit Schlägen nach Hause. [] Abderam, der sich dieser guten Umstände zu einem neuen Einfall bedienet hatte, wurde von Munuza gefangen genommen. Aber diese Hindernis fiel bald wieder weg. Abderame schlug diesen Gouverneur, und verfolgte ihn bis nach Puycerdan. Aber auch hier war er nicht sicher. Von da wollte er zu seinem Schwiegervater flüchten. Allein Abderam, der ihm beständig mit dem grösten Muth zu setzte, ließ ihm keine Zeit dazu, sondern trieb ihn so sehr in die Enge, daß, da Munuza alle Augenblick in die Hände seiner Feinde zu fal len befürchten muste, er sich lieber selbst ums 9
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Leben brachte. Wer war aber unglücklicher(Hescham. Hegire 125. n. C. G. 742) als seine Gemahlin? Denn diese Prinzeßin, die sehr schön war, fiel Abderam in die Hände, der sie unverzüglich an den Califen absendete. [] Hierauf ging dieser General in die Land schaft Guienne, nahm die Hauptstadt Bor deaux weg, setzte über die Dordone, und tritt dem Herzog von Aquitanien unters Gesicht, um ihm ein Treffen zu liefern. Dieser Prinz, der kurz vorher noch Frieden mit Carl Martell gemacht hat, hätte dem Unglück, womit ihm jetzt gedrohet wurde, entgehen können, wenn er nur die französischen Hülfsvölker hätte erwarten wollen. Allein, da er sich selber für stark ge nug hielt, es gegen die Saracenen auszuhal ten, so ließ er sich in eine Schlacht ein, in welcher seine Völker in eine gänzliche Unord nung kamen. Nunmehr rettete er sich durch die Flucht, und ging Carl Martell ent gegen, welcher jetzt über die Loire gehen wollte, um dem Grafen zu Hülfe zukommen. [] Abderam, dessen Muth in der Masse seines Glückes wuchß, folgte dem aquitanischen Her zog auf dem Fusse nach, und fing in Perigord, Saintonge und Poitou eine greuliche Verwü stung an. Er war schon im Begriff, alles in der Stadt Tours in Feur und Flamme zu setzen, als Carl Martell auf einer nachgelegenen Fläche auf ihn stieß. Sieben Tage standen die beyden Kriegsheer gegen einander. Die sechs ersten
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(Hescham. Hegire 125. n. C. G. 742) Tage verflossen unter verschiedenen Scharmüz zeln, deren immer einer hitziger war als der andere. Aber der siebende gab endlich den Ausschlag. Denn es kam zu einem Haupt treffen, worinn die Saracenen bey nahe ganz in die Pfanne gehauen wurden. Abderam selber blieb auf dem Schlachtfelde. Dieser herrliche Tag des Siges verbreitete den Muth wieder über ganz Europa, und die Furcht vor den Saracenen verschwand fast gröstentheils. Die Geschichtschreiber setzen insgemein diese Nie derlage in das 114. J. der Hegire, und in das 632732. J. n. C. G. [] Einige Jahre nachher, das ist, gegen das Jahr 736. n. C. G. fielen die Saracenen abermals in Frankreich ein. Dieses Unglück traf ins besondere das Gebiete von Avignon, und viele Hauptplätze in Lanquedok. Carl Martell schlug sie zum zweytenmal, und entriß ihnen alle Plätze wieder, die sie erobert hatten. [] Aller dieser Niederlagen ungeachtet kam doch dieses kriegerische Volk zwey Jahr hernach wieder in Frankreich, und verwüstete die Land schaft Avignon, und einen grossen Theil von Provence. Aber auch diesmal schlug sie Carl Martell und trieb sie aus den eroberten Plätzen wieder heraus.
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Valid II.

(Valid II. Hegire 125. n. C. G. 742)

Sechzehenter Calif.

[] Unter der Regierung dieses Califen ist nichts merkwürdiges vorgegangen, das entwe der die Araber überhaupt oder diesen Prinzen insbesondere beträfe, der nur blos deswegen auf den Thron gekommen zu seyn scheinet, um denselben durch seine Gottlosigkeit und Schwel gerey zu entunehren<entehren>. [] Indessen hat er doch in seiner Jugend eine grosse Hofnung von sich gemacht, und man sagt, daß er in dem Anfangder<Anfang der> Regierung seines Onkels, des Hescham, in seiner Aufführung viel Klugheit und Vernunft gezeiget habe. Man entdeckte damals an diesem jungen Prin zen nichts stolzes, nichts übermüthiges, nichts, daß einen sonderlichen Hang zu Wollü sten verrathen könnte. Bescheiden, sanft, leut seelig, zum Studiren und zur Eingezogenheit geneigt, sah man ihn als ein rechtes Mu ster der Tugend an, welches dermaleinst der Krone und der Nation Ehre machen würde. [] Allein, wie bald wurden nicht alle diese glän [] (Valids Gottlosig keit.) zende Eigenschaften verdunkelt. Und wie sehr grämte sich nicht Hescham, als er sah, daß die ser junge Prinz, der sein Augapfel war, und den er wie seinen eigenen Sohn liebte, in seinen Pflichten von Tage zu Tage mehr nachließ: Er gab ihm zwar gleich anfangs diesfalls eini
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(Valid II. Hegire 125. n. C. G. 742) ge Erinnerungen, und es schien auch, als wenn sie sehr wohl aufgenommen würden. Allein, ihre erwünschte Würkung blieb aus. Va lid fuhr in seiner Unordnung fort. Und bald verleiteten ihn seine verdorbene Sitten zu einem ruchlosen und atheistischen Leben. Vom Alco ran redete er verächtlich, und man sagt so gar, daß er denselben einsmals in der Gesellschaft junger Leute, die damals seinen kleinen Hof ausmachten, mit Füssen getreten habe. [] Auf diese Art konnte sich der Calif, sein Vetter, der ihm bisher seine Unordnung mit der grösten Liebe vorgehalten, nicht länger mäs sigen, ihm scharfe Verweise über eine so schänd liche That zu geben. Der junge Prinz ant wortete dem Calif mit einer Ungezogenheit, deren niemand fähig ist, als wer es in Lastern schon sehr weit gebracht hat. Damit er aber künf tig dergleichen Strafpredigten nicht mehr an hören dürfte, so entfernte er sich vom Hofe, und begab sich auf das Land nach Arzak, wo er sich bis zu Heschams Tod aufhielt. [] (Seine Ausschwei fungen.) [] Hier war es, wo er die unselige Freyheit hatte, sich seinen Lüsten zu überlassen. Hier schwelgte er, und verübte die schändlichsten Dinge. Und dieses that er desto ungescheu ter, weil er keine andere als junge Leute zu seiner Gesellschaft hatte, die entweder aus Liebe zu einem zügellosen Leben, oder aus Gefällig keit gegen den zukünftigen Erben der Krone
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sich nichts mehr angelegen seyn ließen, als(Valid II. Hegire 125 n. C. G. 742) seinen Leidenschaften zu schmeicheln, und ihn immer mehr in Ausschweifungen zu verwickeln. [] Wiewohl Hescham von dem, was zu Arzak vorging, ausführliche Nachricht hatte; so wollte er doch mit Valid nicht aufs härteste verfah ren. Er begnügte sich damit, daß er eini gen von Valids Cameraden alles Unglück drohete, wenn sie fortfahren würden, den Prin zen in seiner Unordnung zu unterhalten. Aber dieses machte den Calif bey Valid und seinen jungen Herrn nur noch mehr verhaßt. Nun mehr redeten sie von nichts, als von dem glück lichen. Tage, an welchem sie der Tod von einem so verdrüslichen Zuchtmeister auf einmal be freyen, und hingegen einen Prinzen auf den Thron setzen würde, von dessen Gnade sie sich ein rechtes Paradiesleben versprechen könnten. [] Sobald dieser so sehnlich gewünschte Au genblick erschien, reißte Valid von Arzak nach Damasco, um hier vom Thron Besitz zu neh men. Er wurde mit ziemlich grossen An stalten ausgerufen. Und gleichwie die Ein gezogenheit, in welcher er bisher gelebt hatte, wenigstens seine Laster den Augen des Volks entzogen hatte, also wurde er unter dem Wün schen desselben und dem Zujauchzen der Gros sen auf den Thron gesetzt. Denn sie glaubten, daß sie an Valid eben denselben Prinzen, der so grosse Proben der Tugend vor seiner Reise nach Arzak gegeben hatte, haben würden.
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(Valid II. Hegire 125 n. C. G 742) [] Aber der neue Calif gab sich bald zu erken nen. Dieser Prinz, der versichert war, daß er jetzt seine Laster ungestraft ausüben könnte, [] (Er macht sich bey sei nen Unter thanen ver ächtlich.) und der diese Freyheit als einen Anhang der höchsten Gewalt ansah, beobachtete nunmehr weder Maasse noch Wohlstand. Seine Aus schweifungen waren so häufig, so schändlich, und zugleich so offenbar, daß sie ihm die Ver achtung und den Unwillen seiner Unterthanen zuzogen. Selbst seine eigene Anverwandten konnten sich nicht enthalten, sich über das ab scheuliche Aergerniß zu beklagen, welches seine Lebensart in dem Reiche stiftete. Sie wuß ten es wohl, was er für eine verdorbene Ge müthsart habe; aber sie glaubten, daß er zu wenig Vorsicht gebraucht hätte, um seine Feh ler besser zu verstecken, und doch äusserlich noch den Wohlstand zu beobachten. Sie meynten, daß er in Betrachtung seines hohen Rangs wenigstens so lange würde gewartet haben, seine rasenden Einfälle ausbrechen zu lassen, bis er keine andere Zeugen mehr um sich hätte, als einige nichtswürdige Lieblinge, die seine garstige Aufführung mit zu machen gewohnt wären. [] Aber vergebens. Valid war nicht im Stande, sich im geringsten in acht zu nehmen. Er redete öffentlich auf die allerfreyeste Art. Und nachdem er alle Scham abgeleget hatte, so hatte er auch nicht die geringste Hochach
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tung mehr für die Religion, und für die ver(Valid II. Hegire 125 n. C. G. 742) schiedenen Uebungen, welche dieselbe vorschreibt. Dieses aber kam nicht daher, als wenn er etwa an einer andern Religion mehr Gefallen gehabt hätte; nein, er redete durchaus von allen aufs verächtlichste, und folgte einer so wenig als der andern. [] Gleichwohl nahm er eine Wallfahrt nach Mecca vor, um das Aergernis in eine Gegend(Hegire 126 n. C. G. 743) zu bringen, wo man es nur blos dem Namen nach kannte. Da er wuste, daß es nach den(Er ärgert das Volk zu Mecca.) Grundsätzen der Muselmänner, die seine eige nen hätten seyn sollen, verboten sey, sowohl Wein zu trinken, als Hunde zu halten: So verwarf er öffentlich sowohl die eine als die andere Verordnung. Er nahm nicht nur eine grosse Heerde von Jagdhunden mit sich; son dern er stellte auch etlichemal prächtige Gaste reyen an, wobey er seine Unterthanen auf eine doppelte Art ärgerte; einmal durch den Ge brauch des Weins überhaupt, hernach aber durch die unmäßige Verschwendung desselben. [] Die Muselmänner hatten von jeher dieses Gesetz beobachtet, daß keine Frauensperson in ihre Moscheen kommen dürfte, sondern daß sie ihr Gebet nur blos in den äussern Hallen der selben verrichten sollten. Aber Valid, der an nichts gebunden seyn wollte, brach auch dieses Gesetz einer seiner Concubinen zu Gefallen. Er ließ dieselbe sich verkleiden. Aber auch
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(Valid II. Hegire 126 n. C. G. 743) damit begnügte er sich noch nicht, daß er sie in die Moschee geführet hatte; nein, er wollte so gar haben, daß sie ihr Gebet öffentlich an seiner Stelle verrichten sollte. [] Dieses ärgerliche Verfahren wurde nicht sogleich offenbar. Und vielleicht würde man es niemals erfahren haben, wenn der Calif nicht so unvorsichtig gewesen wäre. Allein, da dieser Prinz keine Laster ausübte, daß sie nicht auch zugleich ein Aufsehen machen sollten: also machte er sich auch das lächerliche Ver gnügen, den Muselmännern das Kunststück zu offenbaren, dessen er sich bisher bedient hätte, sie zu äffen. Auf diese Art trug er selber das meiste dazu bey, daß der Abscheu gegen ihn sich von Tag zu Tag vergrösserte. [] Es war nichts natürlicher, als dieses einzu sehen, daß die Angelegenheiten des Staates unter einem solchen Fürsten den Krebsgang gehen müsten. Und in der That, er würde geglaubt haben, die edle Zeit zu verlieren, wenn er nur einige Minuten seinen Wollüsten hätte entziehen müssen, um sie den Regierungs sorgen zu widmen. Er überließ die Sorgen für seine Staaten den Ministern, welche ge meinschaftlich mit den nichtswürdigsten Günst lingen alles nach ihrem Gefallen anordneten, ohne im geringsten sich entweder an die Gesetze, oder an die vornehmsten Gebräuche des Lan des zukehren.
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So viele Streiche, die sich täglich häuften,(Valid II. Hegire 126 n. C. G. 743) erregten ein heftiges Murren, und dieses verur sachte die bittersten Klagen. Sie wurden durch [] (Das Volk murret öf fentlich wi der ihn.) Califs Verwandte aufs nachdrücklichste unter stützt. Insbesondere aber wuste Yesid, sein Vetter, sich der Ausschweifungen und der lie derlichen Aufführung dieses Prinzen dazu zu bedienen, daß er sich unter der Hand einen starken Anhang machte. [] Nunmehr hörte man öffentlich von der gar stigen Lebensart des Califen sprechen. Man sagte es allenthalben ganz frey, daß der Thron und das Heiligthum gleich stark unter einem Prinzen, der Aergernisse mit Aergernissen häuf te, verunehret wären; daß seine Aufführung allen rechtschaffenen Muselmännern Thränen auspreßte; daß die Hofbedienten durch die Bank die gottlosesten Leute wären, welche die se ansteckende Seuche in den Sitten sowohl durch ihre Reden, als durch ihre abscheulichen Grundsätze allenthalben ausbreiteten. [] Da man diese Klagen aller Orten hörte, so hofte Yesid immer stärker, daß ihm sein Vor haben, die Regierung an sich zu bringen, ge lingen werde. Anfangs entschloß er sich, blos damit sich zu begnügen, daß er Valid absetzte. Allein, da er es auf der andern Seite über legte, daß ein verstossener Beherrscher noch immer Mittel hätte, dem neuen Regenten Hän del und Unruhen zu machen: Ward er endlich
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(Valid II. Hegire 126 n. C. G. 743) schlüßig, ihn mit einmal aus dem Wege zu räumen, und glaubte ganz gewis, daß der Tod eines so verachteten und verabscheuungswürdi gen Prinzen von niemand gerochen werden würde. [] (Valid wird in einer Verschwö rung umge bracht.) [] Nachdem nun Yesid sowohl das, was er bey dieser Unternehmung zu hoffen, als auch, was er zu befürchten hatte, gegen einander wohl ab gewogen, so faßte er den Entschluß, ohne allen weitern Aufschub loszubrechen. Er theilte seinen Mitverschwornen die Waffen aus; stell te sich an die Spitze; ging auf den Pallast zu, und drang, nachdem er sich mit der Leibwache herumgeschlagen, durch die ersten Zugänge. Dieser Angriff erregte einen greulichen Lermen, der bis zu den Ohren des Califen kam. Da dieser Prinz merkte, daß es seiner Person gel ten sollte, so grif er zum Gewehr, machte sich mit einem Theil seiner Hofbedienten zum Fech ten gefaßt. Nunmehr waren bereits die Mit verschwornen bis in die geheimsten Zimmer eingedrungen. Sie fielen mit der grösten Hitze über den Calif her. Man muß geste hen, daß er diesen Anfall herzhaft ausgehalten, und sich mit einer Tapferkeit herumgeschlagen habe, die kein Mensch bey ihm gesucht hätte. Allein, nachdem er ihnen eine Zeit lang den Sieg streitig gemacht, so wurde er endlich von der Menge seiner Feinde übermannet, und sank tod zu ihren Füssen nieder.
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[] So war das Ende dieses unglücklichen Ca(Valid II. Hegire 126 n. C. G. 743) lifen beschaffen, welchen alle Geschichtschreiber als einen Herrn abschildern, der sich auf die allergröbste Art allen Arten von Lastern Preis gegeben, und an welchem man nicht einmal einen Schatten von Tugend wahrnehmen kann. [] Hier haben die Leser das Bild, das Ma zine geschildert hat: Valid war von mit telmäßiger Länge; weiß von Farbe, und von einer schönen Bildung; seine Haare fingen bereits an, weiß zu wer den. Was seine Gemüthsart betrift, so war er gottlos, ein Schwelger, von schlimmen Meynungen eingenommen, und ein Sclave aller Laster: Sonst aber war er ein guter Dichter, und sprach sehr wohl. Indessen schränkten sich alle seine Gedanken in den Bezirk von Ergötzlichkeiten und von abwechseln den Arten des Zeitvertreibs ein. Eben dieser Schriftsteller berichtet, daß er dreyzehen Kinder von beyden Geschlechten nachgelassen habe. [] Er starb im 126. J. der Hegire, und im 743. J. n. C. G. seiner Regierung ungefehr 15. Monat. Er hatte etwa das zwey und vierzigste Jahr seines Alters erreicht. [] Bey dem Anfang seiner Regierung wurde [] (Ahias, Zeids Sohn stirbt.)
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(Valid II. Hegire 126 n. C. G. 743) Ahias, der Sohn des Zeids, umgebracht, weil er sich wider Hescham empöret, wie wir schon oben in der Geschichte dieses Califen diesen Umstand bemerket haben. Ahias hatte sich un gefähr bereis sechszehen Jahr in der Stadt Balk, wohin er sich gleich nach seines Vaters Tode geflüchtet, ganz ruhig aufgehalten. Aber zu seinem Unglück wurde er endlich verkund schaftet. Da den Ommiaden viel daran ge legen war, daß sie alles aus dem Wege schaf ten, was den Aliden zum Besten eine Unruhe anstiften konnte, also verurtheilten sie diesen Unglücklichen zum Tode. Er wurde gecreu ziget, wieder abgenommen, verbrannt, und die Asche auf dem Euphrat zerstreuet.

Yesid III.

(Yesid III. Hegire 126 n. C. G. 743)

Siebzehenter Calif.

[] Yesid, Valids I. Sohn und Abdalmelechs Enkel, entriß Valid II. mit dem er leib lich Geschwister Kind war, mit der Krone zu gleich das Leben. [] Er wurde zu Damasco ohne allen Wider spruch zum Califen ausgerufen. Die Re gierung seines Vorgängers hatte die Gemü ther so sehr erbittert, daß man ihm vielen Dank wuste, daß er dieses Ungeheuer erleget. Auf diese Art wurde selbst der Meuchelmord,
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wodurch er sich auf den Thron geschwungen,(Yesid III. Hegire 126. n. C. G. 743) für ihn ein Verdienst, und brachte ihm die Stimmen der vornehmen Syrer zu wege, wel che von freyen Stücken kamen, ihn für ihren Herrn anzunehmen, und ihm den Eid der Treue zu schwören. [] Aber in den übrigen Provinzen kam die [] (Aufstand des Volkes wider den neuen Cali fen.) Sache nicht so ruhig zu Stande. Es zogen sich in denselben hie und da Unglückswol ken zusammen, welche ein nahes Ungewit ter droheten. Yesid erfuhr es bey Zeiten, und er ergrif so weise Maasregeln, daß es ihm gelang, diese gefährliche Unruhen, wel che die Gemüther in Harnisch jagten, zu stil len. In der That, er hatte destomehr Ursa che, deswegen bange zu seyn, weil die Rä delsführer den scheinbaren Grund vor sich hatten, daß sie den Tod eines Herrn rächen wollten, der unschuldiger Weise un ter den Händen der Meuchelmörder, deren Anführer sich ihrer bedient hätte, den Thron zu erobern, sein Leben eingebüsset hat. [] Aber die vornehmste Ursache, warum man besorgen muste, daß die Völker die Waffen ergreifen würden, war diese, daß die soge nannten Bluträcher einen Obersten zum An führer hatten, der eben so furchtbar wegen seiner Herzhaftigkeit und Kriegserfahrenheit war, als er es wegen der Rechtsansprüche, die sich auf seine Herkunft gründeten, gewesen ist.
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(Yesid III. Hegire 129 n. C. G. 743) Ich rede von dem berüchtigten Mervan, der aus dem Hause der Ommiaden abstammte. Er gehörte freylich nur von der Nebenlinie zum regierenden Hause. Aber diese Abstam mungsart war immer schon hinlänglich ge wesen, um einen Anspruch an die Krone zu machen, und diesselbe wegzufischen, wenn das Glück die Bemühungen, die man anwenden konnte, unterstützte. [] Yesid wuste sich als ein geschickter Staats mann mit Ehren aus diesem Handel zu helfen. Leuten, die Meuterey angefangen haben, viel von Billigkeit und Gründen vorpredigen, das hielt er für eine übelangewandte Mühe. Nein er suchte allein den Rädelsführer zu gewinnen, und war versichert, daß, wenn er nur erst die sen auf seiner Seite wieder hätte, so würden die übrigen Widerspenstigen sich bald zerstreu en lassen. [] (Der Calif gewinnt den Rä delsführer, und zer streuet die Aufrührer.) [] Dieser Entschliessung zufolge ließ er sich mit Mervan in Unterhandlung ein, und nach einigen Unterredungen gelang es ihm, den selben auf seine Seite zu bringen, indem er ihm die Statthalterschaft über Mesopotamien, welche eine der einträglichsten im ganzen Rei che war, übergab. Noch denselben Augen blick trat Mervan von seiner Parthey ab, und da die Rebellen sich ihres Haupts beraubet sahen; und keinen andern ausfindig machen konnten, der geschickt genug war, Mervans
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Stelle zu ersetzen, so gingen sie nach und nach(Yesid III. Hegire 126 n. C. G. 743) auseinander, und dieses fürchterliche Gewitter hatte sich wieder zertheilt. [] Aber wieder die Einwohner von Emessa [] (Die Emes ser verhar ren bey ih rer Auf ruhr.) wollte ihm seine Unternehmung nicht so wohl gelingen. Diese Unruhigen suchten darunter was besonders, daß sie um Valids willen die Traur anlegten. Der Calif ließ ihnen zu verstehen geben, daß ihm ihre Aufführung mißfiele, und daß sie wohl thun würden, wenn sie dieselbe änderten. Allein die Emesser kehr ten sich wenig an diese Vorstellung. Durch diesen Eigensinn wurde Yesid so sehr wider sie aufgebracht, daß er Soldaten abschickte, wel che sie von ihren Irrwegen wieder abbringen sollten. Aber umsonst versuchte er dieses Mit tel. Die Emesser griffen vielmehr zu den Waf fen, und zogen in Schlachtordnung aus der Stadt; machten dreyhundert von des Cali fen Soldaten nieder, und jagten die übrigen bis über die angränzenden Oerter ihres Ge biets. [] Unterdessen sieht man doch nicht die gering [] (Der Calif stirbt.) ste Folge, die dieser Handel gehabt haben sollte. Denn der Calif hatte nicht so viel Zeit, entweder eine wichtige Unternehmung zu verwerfen oder dieselbe auszuführen. Er bestieg, wenn ich so reden darf, nur blos den Thron um sich zu zeigen. Denn er ver ließ denselben gleich nach fünf Monaten, und etlichen Tagen wieder.
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(Yesid III. Hegire 126 n. C. G. 743) [] Mazine, der von eines jeden Califen Ge stalt und Gemüthsbeschaffenheit eine Abbil dung gibt, sagt von Yesid III. daß er schwarz braun, mager und von einer mittelmäßigen Grösse gewesen sey, und einen nicht gar an sehnlichen Bart gehabt habe. Was die Ga ben seines Geistes betrift, so gibt eben dieser Schriftsteller zu verstehen, daß er welche ge habt habe, und daß er mit eben so viel An muth als Nachdruck seine Gedanken vorgestel let. In der Erfüllung seiner Zusage war er ungemein gewissenhaft, und ließ denen stren ge Gerechtigkeit wiederfahren, welche sich an ihn wendeten. Man gab ihm den Beyna men Al - Nakes, das ist schlechter Bezah ler, weil er aus grossem Geldmangel den Sold der Soldaten herabsetzte, welchen seine Vor gänger so beträchtlich vermehret hatten.
(Ibrahim. Hegire 127 n. C. G. 744)

Ibrahim.

Achtzehenter Calif.

[] Ibrahim, Yesids Bruder, gelangte gleich unmittelbar nach dem Tode dieses Für sten auf den Thron. Aber seine Regierung war von einer noch weit kürzern Dauer. Denn er genos diese hohe Ehre nicht länger, als zween Monate und etliche Tage. Kaum war er auf dem Thron, als Mervan schon die
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Waffen ergriff, und Anstalt machte, ihn wie(Ibrahim. Hegire 127 n. C. G. 744) der von demselben zu verdringen. Wir ha ben kurz vorher gemeldet, daß Mervan sich wider Yesid aufgelehnet; aber daß man auch Mittel ausfindig gemacht habe, ihn durch die Landvogtey in Mesopotamien wieder zufrieden zu stellen. Allein eine so wichtige Statthal terschaft war auch geschickt, ihn in Stand zu setzen, sein altes Vorhaben wieder hervorzu suchen. Nachdem sich dieser Prinz die Hoch achtung und Liebe des Volkes, das er regier te, erworben hatte, so fing er an stark zu wer ben, und sich grosse Geldsummen anzuschaffen. Auf diese Art bekam er eine ansehnliche Kriegs macht auf die Beine, unter welcher er die schönste Mannszucht einführte. Aber eben so geschickt wuste er auch seiner wahre Absich ten zu verbergen. Ich habe, sprach er, dar unter keine andere Absicht, als die Feinde des Staates zurück zu treiben. Ich suche insbesondere die Aliden im Zaum zu halten, die, wiewohl man schon so oft ihre Anschläge zerstöhret, dennoch dieselben immer wieder auf den Trümmern der alten aufrichten: ei ne Parthey, die beständig was neues wie der das regierende Haus unternimmt. [] Der Vortheil der Ommiaden, den Mer van dem Anschein nach so sehr zu Herzen nahm, hatte ihn gleichwohl nicht abhalten können, Yesid anzufallen. Und man hat ihn
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(Ibrahim. Hegire 127 n. C. G. 744) gesehen, die Waffen auch wider den Nach folger dieses Prinzen, der doch von den Om miaden eben so, wie Mervan selber, abstamm te, ergreifen. [] (Mervan locket die Völker an, daß sie ihn zum Califen annehmen.) [] Dieser ehrgeitzige Prinz wollte diesmal sein grosses Vorhaben ausführen, und die Kro ne auf sein Haupt bringen. Er bediente sich hiezu der Schwachheit des neuen Califen, und stellte vor, daß es diesem Herren ganz und gar an denjenigen Gaben fehlte, die unent behrlich wären, wenn man das Ansehen sei ner Würde behaupten wollte, und daß auf der andern Seite die Feinde der Ommiaden nicht vergessen würden, sich der Schwäche des Prinzen zu bedienen, um dieses Haus zu stürzen, und die Krone einer andern Familie in die Hände zu spielen. Bey diesen Umstän den wäre dem Staate sehr viel daran gelegen, daß man ohne Zögern den neuen Califen ab setzte, und in seine Stelle einen andern von dem Ommiadischen Hause erwählte, der Ver stand, Muth und Kräfte genug hätte, der Ehre dieses Stammes wieder ihren vorigen Glanz zu geben, als welcher durch das schlech te Betragen der meisten von den letztern Ca lifen nur gar zu sehr verdunkelt worden wäre. [] Diese Vorstellungen thaten ihre gute Wür kung. Man wünschte ihm zu dem Vorhaben Glück, das er jetzt entdecket hatte. Voll von Eyfer, das Ansehen der Ommiaden wieder
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empor zu bringen, sagte man zu Mervan, daß(Ibrahim. Hegire 126 n. C. G. 744) in dieser ganzen Familie kein einziger vorhan den wäre, der mit so vielen Verdiensten den Thron zieren könnte als er. Er möchte sich also nur nicht lange bedenken. Da er unter seinem Commando ein so zahlreiches und ihm so sehr ergebenes Heer hätte, so müste man in der Geschwindigkeit ins Feld rücken, und diese wichtige Sache ausführen. Wer konn te über so gewünschte Aufnahme seines An schlags zufriedner seyn als Mervan? Er mach te sich daher unverzüglich auf den Weg nach Damasco. [] Bey dem Durchzug durch Emessa wurde er [] (Die Emes ser ernen nen ihn als Calif.) von den Einwohnern als Calif ausgerufen, und sie gaben ihm zu gleicher Zeit einige Ver stärkungen von Trupen mit, um sein Vor haben zu beschleunigen. Hierauf ging er ge rade auf Damasco zu. [] Ibrahim hatte nicht so bald von dieser [] (Mervan schläget Ibrahims Armee.) fürchterlichen Meuterey und Unternehmung Nachricht bekommen, als er schon in der grösten Hitze seinen Feind entgegen eilte, um demselben ein Treffen zu liefern. Er sahe sich alsbald an der Spitze von achtzig tausend Menschen, mit welchen er auf die Rebellen losgehen konnte. Allein da diese grosse Men ge Volks in der Eil zusammen geraft und ohne alle Kriegszucht war, und keinen Anführer hatte, der sie hätte regieren können, so half
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(Ibrahim. Hegire 127 n. C. G. 744) sie auch dem unglücklichen Ibrahim nicht das geringste. Indessen hat er doch Muth und Standhaftigkeit genug sehen lassen, und mit mehr Tapferkeit gefochten, als man von ihm vermuthet hätte. Doch der herzhafte Mer van zerstreute dieses Heer ohne viele Mühe, Ibrahim aber, der sich von aller Hülfe entblö set sah, ergriff die Flucht als das einzige Mit tel zu seiner Rettung. Er eilte also sporn streichs nach Damasco, um sich daselbst in Sicherheit zu setzen. [] (Ibrahim wird nach gesetzet.) [] Mervan setzte ihm nach, und stand, ehe man sichs vermuthet hätte, vor Damasco. Er war bereits im Begriff, zur Belagerung An stalt zu machen, als die Bürger aus Furcht vor der Plünderung, die Thore öfneten, und sich ihm ergaben. Mervan nahm auf der Stelle Besitz von diesem wichtigen Platz, und seine erste Verrichtung, die er vornahm, war, daß er Ibrahim öffentlich absetzte. Dieß ge schah ohne alle Unruhe, und Ibrahim muste sichs nunmehr gefallen lassen, im verborgenen zu leben. Dieses Unglück hat ihm den Bey namen Ali - Maklu, der abgesetzte gege ben. So verlohr Ibrahim nach einer dritt halb monatlichen Regierung das Califat. [] Die Scribenten stimmen übrigens in der Zeit, die Ibrahim nach seiner Absetzung noch gelebet, nicht mit einander überein. Die einen geben vor, daß er nach drey Monaten sey um
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gebracht worden, und die andern sagen, daß(Ibrahim. Hegire 126 n. C. G. 744) er erst fünf Jahr nachher gestorben sey in dem hundert und zwey und dreyßigsten Jahr nach Mohomeds Flucht.

Mervan II.

(Mervan II. Hegire 127 n. C. G. 744)

Neunzehenter Calif.

[] Mervan, der zweyte dieses Namens, war Mohammeds Sohn und Mervan des I. Urenkel, und folglich ein Sprösling vond em berühmten Stamm der Ommiaden. [] Ein Prinz, der wie Mervan einer der größ= [] (Mervans Zunahme.) ten Helden seiner Zeit gewesen, war auch der geschickteste, die Ehre seines Hauses wider zu erheben, ein Prinz sage ich, der von seiner zarten Kindheit und insbesondere von der Zeit an, da er sich in Mesopotamien aufgehalten, so viele Beweise von einer unerschrockenen Herz haftigkeit gegeben hat. Man nennte ihn nur den Esel; ein Beyname, der was ganz an ders, als bey uns in Europa bedeutet. Es wird einen trägen und plumpen Menschen an zeigen? Nichts weniger als dieses. Eszeiget<Es zeiget> viel mehr die Munterkeit, die Stärke und die Herz haftigkeit des Heerführers an, von welchem wir reden. Dies war eine Metapher, die von den Eseln im Mesopotamien hergenommen ist. Denn in dieser Provinz sind diese Lastträger
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(Mervan II. Hegire 127 n. C. G. 744) stark, fett und unermüdet, und ungemein ge schickt, mitten unter dem Lärmen der Waffen sich gebrauchen zu lassen. Denn sie erschrecken im geringsten nicht vor denselben. Hier ha ben unsere Leser den Grund, (*) warum man 10
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Mervan mit dem Beyworte Al - Hemar be=(Mervan II. Hegire 127. n. C. G. 744) ehret, und warum man insgemein von ihm gesagt hat: Der mesopotamische Esel weiß nicht einmal, was das Fliehen im Krieg für ein Ding sey. [] Dieser berühmte Held, der ein grosses, edel müthiges und unerschrockenes Herz besaß, konn te nicht ohne Verdruß die Schwachheit, die Feigheit und das ausgelassene Wesen einiger von den letztern Ommiaden, die auf dem Thron sassen, mit ansehen. Voll von Eyfer, seinem Hause denjenigen Glanz wieder zu ver schaffen, den es ehemals gehabt hatte, glaub te er, daß er die Krone denen aus den Hän den reissen müste, welche dieselbe entehrten. Er setzte sich dieselbe mit der ruhmwürdigen Entschliessung auf, den Muselmännern zu zeigen, daß sie endlich einmal wieder einen Herrn bekommen hätten, der würdig wäre, sie zu beherrschen. Aber ein wiedriger Zufall, eine von jenen wunderbaren Begebenheiten, davon man den Grund nur allein in den un ergründlichen Tiefen der verborgenen Rath schlüsse derjenigen Macht suchen muß, welche die Schicksale der Reiche und Staaten nach
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(Mervan II. Hegire 127 n. C. G. 744) ihrem Gefallen austheilet; Ein geheimnisvol ler Zufall von dieser Art, sage ich, hat es ge macht, daß die Ommiaden, die sich vorher unter schwachen und lasterhaften Prinzen noch immer erhalten haben, nunmehr ihren Um sturz unter der Regierung eines der allergröß ten Regenten erfahren müssen. Kurz davon zu reden, Mervan war der letzte Ommiade, der auf dem Thron gesessen ist. Sie verloh ren auf ewig die Krone, und sie wurde ihren Nebenbuhlern zu Theil. [] (Alle Pro vinzen neh men Mer van als Ca lifen auf.) [] Doch laßt uns in unserer Erzählung fort fahren. Da Ibrahim geschlagen war, so zog Mervan im Triumph in Damasco ein. Und nachdem er diesen Prinzen abgesetzt, wie wir bereits gesagt haben, so wurde er sogleich als Calif ausgerufen. Egypten, Syrien, Mesopotamien, und die übrigen Landschaften folgten dem Exempel der Damascener nach; erkannten Mervan für ihren Herrn, und schie nen ganz geneigt zu seyn ihm alle Hülfe zu verschaffen, die er nöthig hatte, um sich in seiner neuen Würde zu erhalten. [] Und niemanden war diese Hülfe unentbehrli cher, als einem Prinzen, dessen Regierung vom Anfang bis zum Ende nichts als eine zusam mengekettete Reihe von Unruhe, Aufstand und Kriegen war, die sich nicht eher als mit sei nem Tode endigten. Er hatte nicht nur sei ne Feinde unter den Aliden, sondern auch selbst
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unter den Ommiaden, deren einige den De(Mervan II. Hegire 127 n. C. G. 744) gen ergreifen, um ihn theils zu bestrafen, weil er die Regierung gewaltsamer Weise an sich gerissen; theils auch um Ibrahims Tod zu rächen. [] Hakem und Othman, Valids Söhne, ka [] (Mervan schaft sich die, welche ihn nicht für ihren Herrn er kennen wollen, vom Halse.) men auf den Einfall Volk zu werben, und Mervan anzufallen. Allein ihr Muthwille wurde bald gezüchtiget. Der Calif schlug sie, nahm sie gefangen, und ließ sie beyde hin richten, damit er künftig von so unruhigen Köpfen nichts mehr zu befürchten haben möchte. [] Mit gleich gutem Erfolge ging er auch So(Hegire 128 n. C. G. 745) lyman, dem Prinzen des Califen Hescham, zu Leibe. Ungeachtet ihm derselbe mit einem be [] (Schlägt Solyman, und nimmt ihn gefan gen.) trächtlichen Kriegsheer ein Treffen lieferte, so erhielt doch Mervan über ihn einen vollkomme nen Sieg. Mehr als sechs tausend wurden in Stücken gehauen, und Solyman selber wurde zum Kriegsgefangenen gemacht. Ein Umstand, der Mervan eine schöne Gelegen heit gab, seine Grosmuth zu zeigen. Er er theilte dem Rebellen eine völlige Sicherheit für sein Leben, sobald sich nur derselbe bequem te, ihn für den Califen zu erkennen. Aber im Gefängnis behielt er ihn noch, und nahm ihn und Ibrahim, den er abgesetzet hatte, bey seiner Abreise von Damasco mit sich nach Har tan, der Hauptstadt in Mesopotamien, wo
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(Mervan II. Hegire 128. n. C. G. 745) er sein gewöhnliches Hoflager hatte. Wie es nachher dem armen Ibrahim ergangen, kann man nicht sagen, weil die Geschichtschrei ber seiner nicht weiter gedenken. Er brachte seine Lebenstage in einer solchen Dunkelheit zu, daß man, wie ich bereits gemeldet habe, nicht wohl ausmachen kann, ob er drey Monat nach seiner Gefangennehmung gestorben sey, oder ob er bis an das 132ste Jahr nach Ma homeds Flucht gelebt habe. Mazine berich tet mit einigen andern Schriftstellern, daß ihn Mervan an ein Creutz habe nageln lassen. [] (Solyman entwischt, und schlägt sich zu I brahims Parthey.) [] Was Solyman betrift, so glaubte derselbe, aller ihm ertheilten Freyheiten und gethane nen Versprechungen wegen der Sicherheit sei nes Lebens ungeachtet, nicht, daß er sich dies fals auf Mervans Ehrlichkeit viel verlassen könnte. Sein Aufenthalt an dem Hofe des Califen wurde ihm in die Länge unerträg lich. Was für einen Verdruß muste er nicht täglich empfinden, einen andern Prinzen auf demjenigen Thron zu sehen, zu welchem er ein weit näheres Recht, als jener, zu haben glaubte, weil er in gerader Linie von dem vorhergehenden Regenten abstammte. Er schlich sich also heimlich weg, und reißte in Begleitung einiger seiner vertrautesten Freun de ab, um sich zu einem der berühmtesten A liden, Ibrahim - ebn - Mohammed zu be
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geben, welchen die Anhänger des Ali und die(Mervan II. Hegire 128. n. C. G. 745) aus dem Hause Abbas, oder die Abbasiden, für den Iman, oder den Hohenpriester der Mu selmänner erkannten. Eine Würde, worinn er Mohammed, seinem Vater, nachgefol get ist. [] Solyman gab ihm nebst seinen Gefährten diesen Titel. Ja noch mehr; sie machten ihn sogar zum Califen, und huldigten ihm. Hierauf zeigte ihm Solyman die Officirs, wel che bereit wären, ihr Ebentheur<Abentheur> mit ihm zu verfluchen. Er wieß ihm insbesondere einen gewissen Muselmann, der unter dem Namen Abu - Moslem schon einiges Aufsehen gemacht hatte, und sagte dabey: Ich stelle euch die sen Officier dar, damit ich euch einen zuverläßigen Beweis von der Aufrich tigkeit meiner Absichten geben möge. Ich habe ihn überredet, Mervans Hof zu verlassen, um meinem Exempel zu folgen. [] Es war aber Abu Moslem ein Ommia [] (Er macht Abu=Mos lem vom Calif ab trünnig.) discher Prinz, der sich an Mervans Hofe in ein grosses Ansehen gesetzt. Ungeachtet er noch jung war, so hatte ihn doch der Calif zu den höchsten Ehrenstellen unter der Armee erhoben, und ihm sogar die Statthalterschaft über Mesopotamien, die eine der beträchtlich sten im ganzen Reiche war, gegeben. Man hat uns die Ursachen nicht gemeldet, die ihn
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(Mervan II. Hegire 128. n. C. G. 745) bewogen, den Hof in Syrien zu verlassen, und dabey nicht nur alle Vortheile seines Hauses, sondern auch alle Erkenntlichkeit gegen einen Herrn, der sein Vetter und Wohlthäter war, und dem er Glück und Würden zu verdan ken hatte, ganz bey Seite zu setzen. Genug Solyman wußte die Kunst, durch süsse Worte alle Vorstellungen und Empfindungen in dem Herzen dieses jungen Prinzen zu überwinden. Abu - Moslem ergab sich, wurde verführet, und trat in die Dienste der Abbasiden. Ibra him nahm ihn mit den grösten Ehrenbezeu gungen auf, und ernennte ihn sogleich zum Guverneur von Chorassan. (Hegire 129 n. C. G. 746) [] Sobald es in Arabien bekannt wurde, daß Solyman und Abu - Moslem die Ommiadi [] (Die Auf wiegler thun ihr äusserstes Ibrahim zu unter stützen.) sche Parthey verlassen, und sich zu den Ali den und Abbasiden, welche sich zu Ibrahim gewendet, geschlagen habe; so sah man eine grosse Menge Muselmänner nach Hunain, wo er sich aufhielt, ziehen, die im Begriff wa ren, ihm ihre Dienste anzubieten. Ibrahim machte damals noch keinen Aufzug, der sei ner Würde gemäß war. Aber nunmehr gab ein jeder alles was er nur kostbares hatte, mit Freuden her, um ihn in Stand zu setzen, am Hofe eine bessere Figur zu machen. Ja sie liessen sogar auf ihre Kosten eine Moschee er bauen, weil noch keine zu Hunain war. Und mit einem Wort, Ibrahim hatte in etlichen
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Tagen eine prächtige Hofstatt, wo ihm nichts(Mervan II. Hegire 129. n. C. G. 746) mehr fehlte, als eine hinlängliche Macht, sich gegen einen so furchtbaren Feind, als der Sy rische Calif war, zu schützen. [] Allein an statt, daß Ibrahim auf einen [] (Er stellt eine Wall fahrt nach Mecca an.) so gefährlichen Zeitpunet alle seine Aufmerk samkeit hätte richten sollen: so schien er jetzt mehr lüstern zu seyn, sich den Arabern in sei ner Herrlichkeit zu zeigen, als für seine Si cherheit in Hunain zu sorgen. Er ging mit einer Wallfahrt nach Mecca um, und ließ sich dieses von weitem merken, damit ein jeder seiner Anhänger Zeit hätte, sich dazu anzu schicken. Ein Einfall, an dem auf seiner Seite mehr die Eitelkeit, sich mit einem präch tigen Aufzuge zu zeigen, als die Andacht Theil hatte. Er erschien in der That zu Mecca mit ei nem zahlreichen Gefolge, mit einem grossen Heer von Cameelen und Lastthieren, welche ihm alle Arten von Eßwaaren und Geräthe nach schleppten. Kurz, nichts war vergessen, was zum Großthun und zur Bequemlichkeit die nen konnte. Aber zum Unglück hat man nicht daran gedacht, daß ein zahlreiches Kriegs volk unentbehrlich sey, um diese Caravane un terwegs zu bedecken. [] Mervan, der aller Orten seine Kundschaf(Hegire 130. n. C. G. 747) ter hatte, bekam von dieser Wallfahrt Nach richt, zu einer Zeit, da man erst noch mit der Einrichtung derselben beschäftiget war. Er
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(Mervan II. Hegire 130. n. C. G. 747) fertigte auf der Stelle von Harran, wo er sich aufhielt, einen Curier an den Gouverneur zu Damasco ab, mit dem Befehl, eine fliegen de Armee von auserlesenen Leuten ins Feld zu stellen, und sie im Hinterhalt auf die Strase von Mecca nach Hunain zu verlegen. Die ser Befehl wurde mit der grösten Hurtigkeit ins Werk gesetzt, doch rückten die syrischen Trupen nicht eher in die bestimmten Quartiere ein, als bis Ibrahim mit seinem Gefolge be reits in Mecca eingetroffen war. [] (Die Cara vane wird zerstreut, und Ibra him gefan gen.) [] Der Heerführer der Syrer hatte auf solche Weise Zeit genug, seine Völker so zuverlegen, daß die Caravane ihnen nicht entwischen konn te. Er bewerkstelligte dieses Vorhaben so ge schickt, und verdeckt, daß niemand davon Wind bekommen konnte. Jetzt reißte Ibrahim mit seinem vornehmen Gefolge wieder von Mecca ab; die Syrer eilen aus den Gebüschen her aus; fallen wie Löwen über den unbewehrten Haufen her; machen alles nieder, was sich ihnen widersetzen will, und bringen den Rest in Unordnung. [] Bey dieser unglücklichen Begebenheit ward Ibrahim zum Kriegsgefangenen gemacht. Und darauf war es eigentlich von Mervan an gesehen. Denn deswegen hatte er ausdrück lich verbothen, alles Widerstandes ungeachtet, ihm kein Leyd zu zufügen, sondern denselben lebendig vor ihn zu bringen. Der Sturm
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traf also nur Ibrahims Gefolge. Nachdem(Mervan II. Hegire 130. n C. G. 747) einige der Vornehmsten seines Hofes nieder gemacht waren; so bemächtigte man sich end lich seiner Person. Um die übrigen beküm merte man sich wenig. Man ließ sie immer frey und ungehindert das Reisaus nehmen. [] Dieser hohe Gefangene wurde sogleich nach Harran gebracht, und dem Califen dargestellt, welcher ihn den Augenblick mit Ketten be schweren, und ins Gefängnis legen ließ. Ibra him sah seinen Untergang leicht vorher. Al lein, die Gefahr sein Leben zu verlieren, machte ihn doch lange nicht so bestürzt, als die Verwirrung, welche sich zwischen den Ali den und den Abbasiden hervorthun könnte, wenn er etwa ohne vorher einen Nachfol ger ernennt zu haben sterben sollte. Auf der andern Seite konnte er es unmöglich ohne die äusserste Betrübnis mit ansehen, daß die Ommiaden in Ruhe auf dem Thron so lange sitzen sollten, bis etwa einmal von seinen Stamm ein Prinz auf den Schauplatze treten würde, der ihm die Krone streitig machen, oder wohl gar aus den Händen reissen könnte. [] Wiewohl nun Ibrahim, der sich Tag und [] (Ibrahim ernennt den Abul- Ab: bas zu sei nem Nach folger, den man auch annimmt.) Nacht mit diesen Gedanken schlug, in Fesseln saß, so wagte er es doch, sich einen Nachfol ger zu ernennen. Man kann zwar nicht mit Gewisheit sagen, wie er es angefangen habe. Es melden aber einige Scribenten, daß er
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(Mervan II. Hegire 130. n. C. G. 747) Mittel gefunden, an Abul - Abbas, seinen Bruder zu schreiben, um ihn von seinen ge gen wärtigen Umständen zu benachrichtigen, und ihm zu zeigen, daß er nicht unterlassen wür de, sein Recht, daß er zu der Califenwürde hätte, geltend zu machen, und daß er ihn durch diese schriftliche Acte zu seinem Nachfolger in der Regierung bestimmte. [] Dieses Schreiben wurde richtig an Abul Abbas eingeliefert, welcher dasselbe den Augen blick den Anhängern seines Bruders und über haupt allen Freunden seines Hauses zu lesen gab. Man beweinte Ibrahims Schicksal, der das Unglück gehabt hatte, einem solchen Feind, wie Mervan war, in die Hände zu ge rathen: Doch aber die Zeit nicht mit unnüz zen Klagen zu verlieren, so schritt man unvor züglich zur öffentlichen Einsetzung des Abul Abbas. Die Abbasiden vereinigten sich, und riefen ihn aufs feyerlichste als Califen aus. Damit aber nicht der neue Iman der Gefahr seines Bruders ausgesetzt wäre, so sorgte man zuförderst für ein zahlreiches Heer, welches für seine Sicherheit wachen sollte. (Hegire 131. n. C. G. 748) [] Mittlerweile, da diese Veränderungen in Arabien vorgingen, berathschlagte sich Mer van, was er mit Ibrahim anfangen sollte. Einige seiner Vertrauten waren der Meynung, daß er sich damit begnügen möchte, diesen Un glücklichen zu einem ewigen Gefängnis zu ver
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urtheilen: Denn wenn er ihn, (wie Mervan(Mervan II. Hegire 131. n. C. G. 748) allem Ansehen nach willens war) das Leben näh me, so würde man Gefahr laufen, die ganze Rot te sich auf den Hals zu hetzen. Mervan aber stellte dagegen vor, daß wo er diesen Prinzen im Gefängnis behielte, ganz Arabien die Waf fen ergreifen, und seine Loslassung verlangen würde; im Gegentheil könnte sein Tod auf einmal diesen Händeln ein Ende machen, und den Aufstand dämpfen. [] Er erwählte also das letztere. Es war dem [] (Mervan läst Ibra him um bringen.) nach nichts mehr, als die Art des Todes noch auszumachen. Denn da das Blut eines Imans oder Oberpriesters in den Augen des Volks etwas heiliges ist, so wollte Mervan den Vor wurf nicht haben, daß er es vergossen hätte. Er erwählte also eine Todesart, wobey man kein Blutvergiessen zu befürchten hatte. Denn nach einigen hat er ihn ersäufen, nach andern aber Ibrahims Kopf in einen Sack mit unge löschtem Kalk stecken lassen, darinn er den Au genblick erstickt ist. [] Als Ibrahim sah, daß er indem sein Leben einbüssen würde, so machte er kein Geheimnis mehr daraus, die Mittel zu offenbaren, die er angewendet hätte, um Mervan einen Gegner an die Seite zu setzen, der im Stande wäre, ihm die schlimmsten Händel zu machen, und ihn wegen seiner verübten Grausamkeiten auf eine in die Augen fallende Art zu bestrafen.
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(Mervan II. Hegire 131. n. C. G. 748) Er sagte es also ganz unverhalten, daß es Abul Abbas, sein Bruder sey, den er zu seinem Nach folger ernennt, und daß dieser Prinz jetzo be reits von seiner Würde schon Besitz genom men haben müste. [] (Ibrahims Hinrich tung erre get Unru he.) [] Diese Erklärung machte in Mervans Ge müthe wenig Eindruck. Er sah dieselbe als eine Drohung einer unmächtigen Verzweiflung an, die nicht die geringste Folge haben würde. Allein, die Händel nahmen einen ganz andern Weg, als sich Mervan einbildete. Weit ge fehlt, daß seine Grausamkeit gegen den Iman die Abaßiden hätte in Furcht setzen sollen, so wurden sie durch dieselbe nur noch rasender; sie ruften es allenthalben aus, daß man Ibra hims Tode rächen müste. Nunmehr hätte der Calif in Ansehung Imans alle Gesetze, übertreten, endlich wäre es auch einmal Zeit, dem rechtmäßigen Erben den Thron einzu räumen, den die Ommiaden durch Gewalt thätigkeit eingenommen hätten. [] Diese lärmenden Herolde vermehreten Abul Abbas Parthey ansehnlich. Eine grosse Anzahl von Mißvergnügten versammlete sich bey ihm, welche nichts anders verlangten, als unter sei ner Fahne den Feldzug anzutreten, und sich zu seinem Dienst aufzuopfern. (Hegire 132. n. C. G. 749) [] Indem sich dieser furchtbare Feind der Om miaden zu Cuffah fest setzte, so hob noch ein
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anderer in Persien das Haupt empor, der den(Mervan II. Hegire 132. n. C. G. 749) Titel eines Califen annahm. Er hieß Zulzi min, oder wie andere wollen, Solyman. Doch, es mag der eine oder der andere Name der [] (Zulzimin stiftet eine EmpöruugEmpörung in Persien an.) rechte seyn, dieser neue Calif war noch ver schmitzt genug, ohne sich eben durch seine Tap ferkeit vorher einen grossen Namen erworben zu haben, eine zahlreiche Menge Menschen auf seine Seite zu bringen. Er gebrauchte den rechten Kunstgriff, und verführte die Ge müther durch eine Lehre, die schon an sich sehr scheinbar war, und die er noch dazu durch seinen Witz dem Volke ungemein schmakhaft zu machen wuste. [] Er predigte nemlich, daß der Mensch seiner [] (Seine neue Lehre verschaft ihm einen starken An hang.) Geburt nach frey, und die Freyheit ein ange bohrnes und natürliches Recht wäre. Ein Sclave demnach, und ein jeder anderer Bedien ter hätte das Recht, oder vielmehr die Pflicht auf sich, sobald er nur könnte, das Joch ab zuschütteln, ja sogar seinen Herrn umzubrin gen, wenn sich derselbe wegerte<weigerte>, die Lehre, die er verkündiget, anzunehmen. [] Lehren, die so sehr nach dem Sinn des Pö bels waren, erregten einen grossen Lärmen. Fast alle Sclaven liessen sich anwerben, und ein jeder drang sich dazu, unter dem Schutze eines Fürsten, der die Gerechtsame der Men schen verfechten wollte, das Gewehr zu tragen.
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(Mervan II. Hegire 132. n. C. G. 749) [] Nunmehr hatte Zulzimin eine ungeheure Menge Streiter auf den Beinen. Er muste also wohl darauf denken, wie er sie zu seinem [] (Zulzimin macht den Cathibad zu seinem Feldherrn.) Vortheil geauchen<gebrauchen> wollte. Sich selber kann te er nur gar zu gut, als daß er geglaubt hätte, er würde im Feld grosse Heldenthaten ausrich ten; er hatte aber doch so viel Einsicht, daß er Feldherrn auszusuchen wuste, deren Muth durch eine vollkommene Erfahrung unterstüz zet und regieret wurde. Er hatte damals den berühmten Cathibad bey sich, einen Kriegs mann, der, wie wir gesehen haben, den Ommi aden unter Valids I. Califat so wichtige Dien ste geleistet hatte. Die Scribenten melden uns zwar die Ursache nicht, die ihn bewogen hat, die Parthey der Ommiaden zu verlassen, und sich für Zulzimin zu erklären. Aber das ist ausgemacht, daß er dem letztern mit eben dem Eifer und Muth gedient habe, welchen er damals hat blicken lassen, als er für die Ommiaden fochte. [] (Mervan schickt eine Armee wi der ihn zu Felde.) [] Mervan erfuhr diese Unruhen, welche sein Reich sowohl in Arabien als Persien erschüt terten, bey Zeiten. Doch ohne sich im gering sten zu erschrecken, glaubte er, daß sein Muth und sein Kriegsheer die Aufrührer bald zu paaren treiben würden. Ein grosses Theil seiner Hofnung baute er auf die verschiedenen Vortheile, die seine Feinde trennten. Denn die einen hielten es mit dem Califen von Cuf
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fah und die andern mit dem von Persien. Die(Mervan II. Hegire 132. n. C. G. 749) se Unreinigkeit brachte ihn auf die Gedanken, daß er einen nach dem andern schlagen könnte. Er machte also den Anfang mit Zulzimin, den er mit einem Heer von hundert tausend Mann angriff, die den berühmten Iblin zu ihrem Ge neral hatten, einen Kriegsobersten, der in Mer vans Augen der allergeschickteste war, dem Ca thibad die Spitze zu bieten. [] Diese beyden Feldherrn, deren ein jeder mit [] (Des Cali fen Heer wird ge schlagen.) Entzückung der Gelegenheit entgegen sah, sich recht hervorzuthun, verlohren keinen Augen blick auf einander loszugehen. Mervans Ar mee war stärker, ich will sagen, sie war zahl reicher als das Heer des Zulzimins. Allein dieses Uebergewicht der Kräfte war nicht ver mögend einen tapfern Cathibad abzuschrecken, daß er nicht den Streit angefangen hätte. Dieser erste Angriff geschah mit so vieler Hitze, daß er auf einmal den Sieg entscheidete. Iblin ward geschlagen, und sein Heer gerieth derge stalt in Verwirrung, daß es ihm unmöglich war, die getrennten Glieder wieder zu schlies sen. (*). 11
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(Marw II. Hegire 132. n. C. G. 749) [] Auf diesen ersten Vortheil folgte ein ande rer, der beynahe eben so beträchtlich war. Iblin sammlete das zerstreute Heer wieder, so gut er konnte, und erhielt von Mervan eine neue Verstärkung. Mit dieser schwachen Mannschaft versuchte er aufs neue einen An griff in der festen Entschliessung, die Scharte wieder anszuwetzen. Aber er bekam zum zweytenmal Schläge. Doch dieser Sieg war bey den Ueberwindern mit der allergrösten Bitterkeit vermischt. Sie verlohren ihren [] (Cathibads Tod.) General. Cathibad, der ein wildes Pferd ritt, jagte nach dem Euphrat zu, der gerade damals ausgetreten war, und fiel in einen tiefen Graben, wo er, ohne daß man ihm hätte zu Hülfe kommen können, ersaufen muste. [] (Abdallah plündert Mesopota mien.) [] Da Mervan alle Hände voll zu thun hat te, Zulzimin Widerstand zu thun, so muste er sich auch zugleich wider den Anfall eines fürchterlichen Feindes zur Wehre setzen, der den Degen gezogen hatte, um die Parthey des Abul - Abbas, Califen von Cuffah, zu verfechten. Ich rede von dem berühmten Ab
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dallah, der ein Sohn des Abbas und ein(Mervan II. Hegire 132. n. C. G. 749) Oncle von Iman Ibrahim, Abul - Abbas und Abu Giaffar war. In dem aber Abdallah den Harnisch wider den Califen von Syrien anlegte, so wollte er theils den Tod des J mans, seines Vetters, rächen, theils auch den beyden andern die Califenwürde versichern. Dieses neue Glücksgebäude gedachte er auf dem Schutt des Ommiadischen Hauses, dem er die Zerstöhrung geschworen, aufzuführen. Wie der schnelle Blitz war er in Mesopota mien, und richtete in dieser Provinz eine grosse Verwüstung an. [] Obgleich Mervan mit den Händeln in A rabien, und mit dem Zulziminischen Kriege alle Hände voll zu thun hatte, so ging er jetzt doch mit einem zahlreichen Kriegsheer zu Felde, um, wo nicht zu schlagen, doch wenigstens den Abdallah im Zaum zu halten und ihn zu verhindern, daß er nicht die Landschaft, in welche er den Einfall gethan, bis auf den Grund verwüstete. [] Der Calif marschirte bis vor Mossul, einer angesehenen Stadt in dieser Provinz. Er [] (Der Ca lif gehet in Person sei nem Feind zu Leibe.) schlug sein Lager in der Ebene von Tubat auf, nicht weit von dem Ort, welchen das Heer des Abdallah besetzt hatte. Mervan schickte Kundschafter in das feindliche Lager aus, und glaubte, daß er sich so lange in die Zeit schik ken, und nicht eher was unternehmen müß te, bis er genauere Nachricht eingezogen hätte,
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(Mervan II. Hegire 132. n. C. G. 749) wie es bey Iblins Armee stünde, die sich damals im Angesichte der feindlichen Trupen gelagert hatte. Also schanzte sich Mervan vor der Hand nur gut ein, und war auf nichts mehr, als darauf bedacht, wie er sich wider allen feindlichen Angriff in Sicherheit setzen möchte. Uebrigens wollte er keine Bewe gung eher vornehmen, als bis er wüste, was seine Waffen in Persien ausrichteten. Denn nachdem, daß sie entweder glücklich oder un glücklich seyn würden, wollte er seine Auffüh rung bestimmen. [] Aber ach! er erfuhr nur gar zu bald das unglückliche Schicksal seiner Kriegsvölker. Man brachte ihm die traurige Zeitung, daß sie gänzlich zerstreuet worden wären; Daß J blin, sein Feldherr, auf den er alles gebauet hätte, in dem Treffen geblieben sey, und daß Yesid, der nach demselben den Commando stab geführet, einige Augenblicke hernach das Leben eingebüsset habe. Diese Nachricht war in seinen Ohren wie ein plötzlicher Donner schlag. Doch, er faßte sich den Augenblick wieder, und entschlos sich auf der Stelle mit der Armee aufzubrechen, und auf den siegenden Feind loszugehen. (Mervan geht dem Zulzimin zu Leibe.) [] Dieser Aufbruch war auf gewisse Weise nothwendig. Denn man hinterbrachte ihm, daß Zulzimin, um sich der Hitze seines Heers zu bedienen, sich nach Cathibads Tod an die
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Spitze desselben gestellt, und den Entschluß(Mervan II. Hegire 132. n. C. G. 749) gefaßt habe, in der Eil fortzurücken, das feindliche Heer in Unordnung zu bringen, und dadurch seinen Sieg vollkommen zu machen. Er hatte noch einen andern Grund, seinem Feind, der ihn aufsuchte, gerade entgegen zu gehen. Er muste befürchten, daß er auf ei ner Seite von Zulzimin, und auf der andern von Abdallah möchte angefallen werden. Er glaubte überdieß, daß er diesmal glücklich seyn würde, nicht nur deswegen, weil eine siegende Armee insgemein vor Freude in Un ordnung käme, sondern auch, weil er sich ei nen schlechten Begriff von Zulzimins Tapfer keit machte. [] Doch er betrog sich sehr in dieser erwünsch [] (Er wird geschlagen.) ten Rechnung. Denn als die beyden Kriegs heere endlich auf einander stiessen, so wagte Zulzi min mit so vieler Hitze den Angriff, und unter hielt denselben mit einem so erstaunenswürdigen Eyfer, daß Mervans Soldaten zu verschie denen malen zum Weichen gebracht wurden. Der Calif versuchte alles mögliche, um sie zum stehen zu bringen. Allein sie nahmen auf allen Seiten das Reißaus; und würde Mervan nicht so viele Klugheit und Vorsicht angewendet haben, so würde seine ganze Ar mee auf dem Platze geblieben seyn. Aber da er sah, daß der Feind Miene machte, ihn anzugreifen, so ließ er in der Eil über den
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(Mervan II. Hegire 132. n. C. G. 749) Fluß Zaban, den er im Rücken hatte, eine Brücke schlagen, und durch dieses Mittel ver schafte er sich eine Flucht, die sowohl ihm, als einer grossen Anzahl seiner Völker das Le ben rettete. Man kann nicht in Abrede seyn, daß die starke Ermattung der Feinde ebenfals viel zu dieser glücklichen Flucht beygetragen habe. Denn wenn sie von den vielen Stra patzen und durch das Niedermetzeln ihre Kräf te nicht so sehr erschöpfet hätten, und wo es ihnen möglich gewesen wäre, die Syrer bis an den Fluß zu verfolgen: so würden sie alles, was nicht im Treffen fiel, niedergesäbelt; oder sie würden wenigstens die Flüchtlinge bey dem Uebersetzen so geängstet haben, daß sich in ei ner so grossen Verwirrung die meisten in Fluß gestürzet hätten. Allein das Schicksal, wel ches Mervan zu einem neuen Unglück aufbe halten hatte, schien ihm in diesem traurigen Zustand noch einigermassen günstig zu seyn. Er sammlete also jenseit des Flusses die Ue berbleibsel seines Heeres, und sodann ließ er die Brücke in der Geschwindigkeit hinter sich abwerfen, um den Feinden die Mittel zum Nachsetzen zu benehmen. Auf der andern Seite dachte Zulzimin nicht daran, seine Vortheile höher zu treiben. Er ließ sein Volk auf dem Schlachtfelde eine Zeitlang sich ausruhen, und ging hierauf wieder in Per sien zurück, in der Meynung, daß sich Mervan
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nach einer solchen Niederlage nicht weiter wür(Mervan II. Hegire 132. n. C. G. 749) de gelüsten lassen, ihn zu beunruhigen. [] Doch der Calif fand bald Mittel, sich wie der zu verstärken. Er bekam eine beträchtli [] (Er keh ret mit neu en Trupen wieder nach Mesopota mien zu rück.) che Anzahl von Recruten aus Syrien, und den benachbarten Plätzen, kurz, er erholte sich der gestalt, daß er sich im Stande sah, die Wunden vollkommen wieder zu heilen, welche ihm das Unglück beygebracht hatte. Aber Zulzimin, der sich zurück gezogen, nachzusetzen, hatte er keine Lust. Er hielt vielmehr für rathsam, dem Abdallah zu Leibe zu gehen, der noch nicht aufhörte, Mesopotamien zu verhee ren. Abdallah hatte sein Heer in zween Haufen abgetheilt. Den einen commandirte er selber, und den andern hatte er der Anfüh rung des Abu - Moslem anvertraut. [] Und diesen letztern war Mervan willens,(Hegire 133. n. C. G. 750) zuerst anzugreifen. Alle Freunde der Ommi aden unterstützten dieses Vorhaben, welches für sie eine erwünschte Gelegenheit war, den Abu - Moslem zu züchtigen, der, wiewohl er selbst von ihrem Hause war, dennoch auf eine unverantwortliche Art ihre Parthey verlassen hat, um sich zu der Abbasidischen zuschlagen. Doch dieses Unternehmen lief eben so unglück [] (Sein Heer zerstreuet sich.) lich ab, als das vorige, und zwar wegen einem ausserordentlichen Zufall, der ein augenschein licher Beweis war, daß selbst das Glück dem unglücklichen Mervan den Krieg angekündi
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(Mervan II. Hegire 133. n. C. G. 750) get habe. Die beyden Armeen kamen bey Mossul zusammen. Der Calif entfernte sich einen Augenblick, und stieg auf einen Berg, um nicht nur die Ordnung, die Stellung und die Grösse des feindlichen Heeres in Augen schein zu nehmen, sondern auch um sich die Beschaffenheit und Lage der Gegend bekannt zu machen. [] Alles schien seinen Absichten günstig zu seyn, und er versprach sich vermittelst einer seiner gemachten Entdeckung gemässen Stel lung einen vollkommenen Sieg. Aber, ehe er sich wieder zu seinem Heere begab, muste er einen Augenblick vom Pferde steigen. Da er dieses thun wollte, so ging sein Säbel aus der Scheide, und machte im Fallen ein Geräusche, wovon das Pferd so scheu wurde, daß es mit verhängtem Zügel und in vollem Galopp in das syrische Lager eilte. [] Mervan sah es gleich vorher, was für einen traurigen Eindruck dieser Zufall bey seinen Völkern machen würde. Und seine Vermuh tung war nur gar zu wahr. Denn als man dieses Pferd ohne seinen Herrn ankommen sah, so stellte man sich vor, daß Mervan, wo nicht getödtet, doch wenigstens gefangen worden wä re. Furcht, Schrecken und Bestürzung brei tete sich plötzlich im ganzen Lager aus. Um sonst versuchten die Heerführer ihr äusserstes, die Gemüther wieder zu Ruhe zu bringen,
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oder ihnen wieder einen Muth einzusprechen;(Mervan II. Hegire 133. n. C. G. 750) die Bestürzung und Angst hatten dieselben so sehr eingenommen, daß sich diese ganze Armee, so gros sie war, in verschiedene Haufen trennte, davon sich der eine hie, der andere dorthin schlug, so wie es einem einfiel, oder wo ihn sein Vortheil hinzog. [] Der Calif sah diese Unordnung an, ohne ein Mittel zu sehen, derselben abzuhelfen. Gleichwohl that er sein möglichstes, um nur einiger maassen diesen Schaden wieder zu er setzen. Er rennte unter die Haufen, und such te alles hervor, ihre Feigheit zu überwinden. Aber vergebens. Bitten, Flehen, Vorstellun gen, Drohungen, alles dieses konnte nicht mehr auf die zaghaften und verwirrten Gemüther würken. Ja, er selber muste sich noch glücklich schätzen, daß er für seine Person ein Pferd be kam, um sich mit dem Volke zu retten, und sich in Sicherheit zu bringen. [] Abu - Moslem, der sich über einen Sieg, der ihm so wohlfeil zu stehen kam, innig freu te, wollte sich nicht einmal die Mühe machen, den Zerstreuten nachzuhauen. Er schickte also nur blos einige leichte Trupen den Flüchtlin gen nach, welche den Schrecken unter ihnen noch mehr ausbreiten sollten. Und in der That, es wäre überflüßig gewesen, eine grössere Anzahl zu beordern, um die syri sche Armee ganz und gar zu verderben. Mer
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(Mervan II. Hegire 133. n. C. G. 750) van hatte nun keine andere Wahl mehr, als sich eiligst nach Damasco zu begeben. Denn in dieser Hauptstadt allein konnte er noch Sicherheit wider seine Feinde, die ihm nachsetzten, er warten. [] (Damasco will den Califen nicht ein lassen.) [] Allein, ein Unglück häufte sich aufs andere. Seine eigene Unterthanen versagten ihm den Schutz. Ganz bestürzt über die Zeitung, daß das Heer des Abdallah mit grosser Eilfertigkeit auf Damasco los marschirte, und in etlichen Ta gen diesen Ort belagern würde, stellten sie demjenigen Prinzen, den sie noch immer für ihren Herrn erkannten, vor, da sie nicht im Stande wären, sich dem siegenden Feind zu widersetzen, noch sich entschliessen könnten, Gut und Blut ohne alle Hofnung aufzuopfern, so wären sie entschlossen, dem Sieger die Thore zu öfnen; er möchte also keinen Augenblick verlieren, sich in der Geschwindigkeit zu flüchten, wo er an ders nicht den Feinden in die Hände fallen wollte. [] (Mervan fliehet nach Egypten.) [] Dieser abscheuliche Streich schlug ihm eine tiefe Wunde, aber er konnte ihm doch seinen Muth nicht ganz benehmen. In der äusser sten Noth, in welcher er jetzt steckte, ergriff er dasjenige Mittel, welches noch in seiner Macht stand. Er verließ bey Nacht die Stadt, und nahm alle seine Schätze und Kostbarkeiten mit sich weg. Einige seiner Anverwandten be gleiteten ihn auf dieser Flucht, nebst denen von
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seinen Freunden und Hofleuten, welche beherzt(Mervan II. Hegire 134. n. C. G. 751) genug waren, mit ihm sein Unglück zu theilen. [] Er ging also mit seinem ganzen Gefolge nach Egypten. Als Herr über diese Landschaft glaubte er, daß er darinn einen getreuen An hang antreffen werde, der ihm behülflich seyn würde, sich wieder aufzuhelfen, oder der ihm doch wenigstens allen Beystand leisten werde, um sich in dieser Provinz zu erhalten. Und in der That, er hatte Ursache, mit den Egyp tern vergnügt zu seyn; sie nahmen ihn mit Freuden auf, und schienen bereit zu seyn, ihm allen möglichen Beystand zu leisten. Er fing also an, allmählich wider eine Ruhe zu schmek ken, deren Wehrt er nunmehr desto höher zu schätzen wuste, nachdem er unter der Last der allerhärtesten Unglücksfälle fast ganz entkräftet worden. [] Aber jetzt war der traurige Augenblick, dar inn sein Unglück den äussersten Grad erreichte, erschienen. Für Mervan war nichts mehr zu hoffen übrig. Seine Trübsale sollten sich nicht eher, als mit seinem Leben endigen. Saleh, Abdallahs Bruder, der Befehl hatte, den Un glücklichen nach Damasco zu verfolgen, gab sei nen Völkern einige Tage Ruhe in der Ge gend dieser Haupstatt. Von hier aus berich tete er seinem Bruder Abdallah, daß Mervan nach Egypten geflohen wäre, und meldete ihm, daß wenn er in der Geschwindigkeit einige
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(Mervan II. Hegire 134. n. C. G. 751.) Völker zuschicken würde, so glaubte er, noch zeitig genug dahin zukommen, ehe sich noch derselbe in Vertheidigungsstand setzen könnte. [] (Saleh geht nach Egy pten, um Mervan anzugrei fen.) [] Mervans gänzliche Verderbung auf einer, und die Vertilgung der Ommiaden auf der an dern Seite waren in Abdallahs Augen zwey wichtige Dinge, die man auch für den höch sten Preis erkaufen müste. Er schickte also Saleh die verlangte Hülfe zu, worauf so gleich dieser General den Marsch nach Egypten antrat. [] (Er schlägt ihn.) [] Mervan ging ihm unerschrocken an der Spitze eines Heeres entgegen, dessen Eifer und Muth ihm einen glücklichen Ausgang zu versprechen schien. Einen Theil seiner Hofnung gründete er darauf, daß da Saleh noch nie eine Armee an geführet hätte, derselbe nothwendig Fehler be gehen würde, deren er sich mit leichter Mühe zu seinem Vortheile bedienen könnte. Allein, alle Kriegserfahrenheit, die Mervan hatte, kam ihm dismal garnicht zu statten. Die Hitze und Heftigkeit des Saleh thaten Wunder wi der die Egyptischen Soldaten. Der Widerstand derselben diente zu nichts weiter, als dazu, daß ihrer desto mehr konnten niedergemetzelt wer den. Und zuletzt erklärte sich das Glück nach einem langen und sehr blutigen Gefechte für einen jungen Feldherrn. Er erfocht über ei nen Prinzen, den alle Welt für den grösten Helden der damaligen Zeiten erkannte, einen vollkommenen Sieg.
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[] Nachdem der unglückliche Mervan in dieser(Mervan II. Hegire 134. n. C. G. 752) Schlacht Proben von einer ganz erstaunenden Herzhaftigkeit abgelegt hatte, so kam er mit einer grossen Anzahl Offiziere um, welche ihn [] (Mervans Tod.) nicht überleben wollten. Man fand den Leich nam des Califen auf der Wahlstatt unter den Toden liegen, und hieb ihm den Kopf ab, welchen man an Abdallah schickte. Dieß war das unglückliche Ende des tapfren Mervans, eines Prinzen, dessen Heldenmuth und grosse Seele sich mit einem gleich starken Glanze so wohl in seinen Niederlagen, als in seinen Sie gen zeigten. Er starb im 134. Jahr nach Mahomets Flucht, und im 752 nach unsers Erlösers Geburt. Mit ihm hatte auch die Herrschaft der Ommiaden ein Ende, welche sich vom ein und vierzigsten Jahr an nach Ma homets Flucht, und also ungefähr drey und neunzig Jahr lang erhalten hat. [] Dieser Calif hinterließ zwey Kinder, von deren Schicksal wir keine einstimmige Be richte bey den Scribenten antreffen. Einige derselben melden, daß sich der eine seiner Söh ne nach Spanien begeben, wo er der Stifter der Ommiadischen Monarchie geworden ist, und daß sich der andere in dem glücklichen Arabien niedergelassen habe. Hingegen saget Mazine, daß der älteste Sohn in Ethiopien umgekom men, als wohin er geflohen sey, und daß der andere nach einer langen Gefangenschaft end
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(Mervan II. Hegire 134. n. C. G. 752) lich wider in Freyheit gekommen, und kurz hernach zu Bagded verstorben, und daselbst auch begraben sey. [] Die Herrschaft der Ommiaden wurde durch eine andere wider ersetzet, welche unter dem Namen der Abbasidischen in der Geschichte sehr bekannt ist, und welche ihre Errichtung Abdallah, dem Ueberwinder Mervans, zu ver danken hat. Er war es, der die abbasidischen Prinzen auf den Thron gehoben, und der ihr Ansehen durch die grausamen Maasregeln be festiget hat, die wir ihn haben ergreifen sehen, um das Haus der Ommiaden ganz und gar über einen Haufen zu werfen.
(Aboul- Ab bas. Hegire 134. n. C. G. 752)

Aboul - Abbas - Saffah.

Zwanzigster Calif.

Die Herrrschaft der Abbaßiden hat sich so wohl durch ihre lange Dauer, als auch durch die grossen Männer, so in derselben geblühet haben, sehr berühmt gemacht; beson ders aber ist sie durch den Flor der Wissenschaf ten und Künste, so dieselben unter den Prinzen dieses erlauchten Hauses erhielten, merkwür dig geworden. Alle Abbasiden überhaupt ha ben den Ruhm hinterlassen, daß sie sehr ge lehrt gewesen sind. Die Ommiaden hingegen
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waren nicht allein gröstentheils selbst sehr un(Aboul - Ab bas. Hegire 134 n. C. G. 752) wissend, sondern sahen auch Blutwenig auf Wissenschaft. Ausser ihrem Alcoran kannten sie gar keine Bücher, und alle übrigen hielten sie für unbrauchbar, ja gar für gefährlich Die Abbasiden haben diesen Namen von(Ursprung der Abbaßi den.) Abbas, einem Oheim des Propheten Maho med, erhalten. Dieses Abbas Uhrenkel, wel cher auch Mahomed oder Mohammed hies, war der erste, welcher gegen die Ommiaden sein Recht zum Califat, die er als gewaltsa me Besitzer desselben ansahe, zu behaupten suchte. Seine Ansprüche darauf wurden durch drey seiner Söhne, dem Ibrahim, Abbul - Ab bas, und Abou - Giafar sehr lebhaft unter stützt. Diese wurden hernach alle nach der Reihe, allein nach der Maßgebung der Um stände, worinn sie sich befanden, mit mehr oder weniger Feyerlichkeit zu Califen ernen net. Ibrahim ward, wie wir gesehen haben, nur von einer geringen Anzahl seiner Anhän ger angenommen; daher er auch, ob ihm gleich die Krone aufgesetzt war, mehr einem Prä tendenten derselben, als einem Könige glich. Sein Bruder Aboul - Abbas folgte ihm, und ein Theil von Arabien erkannte gleichfals seine Herrschaft. Allein vor dem Tode Mervans stand er in schlechtem Ansehen, indem eine gros se Anzahl Araber, theils aus Furcht, theils weil sie den Ommiaden noch anhingen, sich
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(Aboul - Ab bas. Hegire 134 n. C. G. 752) nicht unterstanden, sich öffentlich für ihn zu erklären. Doch gleich nach dem Untergange Mer vans gewann alles ein ander Ansehn. A boul - Abbas ward auf den Thron erhaben; sein Bruder Abou - Giafar bestieg denselben nach ihm, und brachte ihn auf die Prinzen seines Stamms, deren Geschichte ich itzo be schreibe. (Aboul - Ab bas wird als Calif ausgeru fen.) Kaum hatte Abdallah die gewisse Nachricht eingezogen, daß Mervan in Egypten erschla gen sey; so ließ er seinen Neffen Aboul - Ab bas, als den einzigen rechtmäßigen Califen der Muselmänner ausrufen. Anstatt, daß sich die Ommiaden und ihre Anhänger diesem Un ternehmen, so die Hofnung ihres Stamms zernichtete, hätten widersetzen sollen; so dach ten sie an weiter nichts, als für ihre eigene Si cherheit Maßregeln ausfindig zu machen. (Abdallah sucht Mit tel, die Om miaden auszurot ten.) Abdallah war gleichfals darauf, aber auf sol che, bedacht, wodurch keiner von ihnen seinen Händen entrinnen möchte. Um diesen Vor satz desto desser auszuführen, so fing er an, sie selbst gegen einander mißtrauisch zu machen. Denen, so ihnen am meisten anzuhängen schie nen, erzeigte er viele Freundschaft, und um sie desto besser zu hintergehen, so ließ er einen General Pardon für alle Ommiaden bekannt machen, die sich zu ihm begeben, dem Califen in seine Hände den Eid der Treue abstatten,
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und wegen des Vorhergegangenen Vergebung(Aboul - Ab bas. Hegire 134. n. C. G. 752) suchen würden. Er gab dabey zu erkennen, daß nachhero ein jeder der Ruhe zu geniessen haben sollte, daß niemand zu befürchten brauch te, es würde ihm nachgestellt werden, und daß mit einem Wort dies das beste Mittel sey, allen Zwietracht, und alle die Unruhen zu hemmen, so bishero unter den Muselmän nern so viele Unordnungen verursacht hätten. Die unglücklichen Ommiaden nahmen die sen von Abdallah gethanen Vorschlag mit Freu den an, weil sie viel Vortheil dabey fanden, in einem Lande bleiben zu können, wo alle ih re Güter und ihre Freunde waren. Sie ver liessen sich auf seine gegebene Versicherung, und eilten recht, damit sie zur bestimmten Zeit an den zur Eidesleistung gewidmeten Ort anlangen möchten. Der verrätherische Abdallah voll von Freu den, daß die blutigen Fallstricke, so er ihnen gelegt hatte, so gute Würkung thaten, begab sich mitten unter die versammleten Ommiaden, und empfing sie mit einem heitern Gesicht, aus welchem nichts als Friede und Vertrag hervorleuchtete. Allein indem es schien, als bereitete er sich, den Eid im Namen des Cali fen dem Prinzen abzunehmen, so umschlossen dazu bestellte Soldaten die Ommiaden, welche sich alle um den Abdallah herum gestellt hat ten, und auf ein gegebenes vorher verabrede
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(Aboul- Ab bas. Hegire 134. n. C. G. 752) tes Zeichen schlugen sie alle auf die vor ih nen stehenden unglücklichen Prinzen mit Streitkolben zu. Nur einer von ihnen ent ging diesem Blutbade, und floh nach langem Herumirren nach Spanien, wo er eine neue HerrschastHerrschaft der Ommiaden gründete. Sobald sie mit dieser grausamen Arbeit fer tig waren, fielen sie über eine grosse Anzahl Muselmänner her, so dem Hause Ommiahs ergeben waren. Endlich befahl Abdallah mit dem Metzeln einzuhalten, und stellte darauf ein Fest an, wodurch er die Barbarey und Grausamkeit aufs allerhöchste trieb. (Des Ab dallah an den Ommi aden bewie sene Grau samkeit.) Er lies die erwürgten Körper der Ommia den in einer Reihe neben einander legen, und befahl sie mit Brettern zu belegen. Nach dem er diese wieder mit Teppichen hatte be decken lassen, so lud er die vornehmsten Be fehlshaber seiner Trupen sich darauf zu bege ben, wie zu einem grossen Feste, ein; damit sie, wie er sagte, das Vergnügen haben möch ten, die letzten Seufzer der Ommiaden mit anzuhören. Es waren in der That viele dar unter, so an ihren empfangenen Wunden noch nicht ganz gestorben waren; die aber itzo durch die Last derer, so an diesem blutigen Fe ste Theil nahmen, ihren Geist aufgeben musten. Durch so viele erschreckliche Thaten war die
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Grausamkeit des Abdallah noch nicht gestillt,(Aboul- Ab bas. Hegire 134. n. C. G. 752) seine Wuth verschonte auch sogar der Gräber der Ommiadischen Califen nicht. Er ließ ihre Cörper ausgraben, und einen Theil da von auf den Schindanger werfen, den andern an den öffentlichen Galgen henken. Nur al lein der Cörper Omars des zweyten, mit dem Zunamen Abdalazis, war hievon ausgenom men. Abdallah hatte jederzeit für die Ver dienste dieses Califen viele Hochachtung bezeugt, und wollte deswegen auch sein Grab nicht entehren. So fing sich die Regierung Aboul - Abbas(Hegire 135. n. C. G. 753) an, der den Beynamen Saffah, oder des Blutvergiessers bekam. Unterdessen hat man doch diesen Califen allezeit von der grau samen Hinrichtung der Ommiaden freygespro chen, und die Schuld deswegen dem unbarm herzigen Abdallah ganz allein beygemessen. Bey dem allem aber muste man doch zugeste hen, daß Aboul - Abbas dieser blutigen Staatskunst ganz allein die Ruhe zu verdan ken hatte, so die kurze Zeit über, da er auf dem Thron saß, in dem Muselmännischen Reiche regierte. Er vergab alle Aemter nach ganz uneingeschränkter Willkühr, ohne daß sich jemand unterstanden hätte, sich im allerge ringsten dagegen zu bewegen. Abdallah trug hiebey die austräglichsten vor sich davon; denn der neue Calif ließ keine Gelegenheit vorbey
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(Aboul- Ab bas. Hegire 135. n. C. G. 753) gehen, ihm Beweise seiner Dankbarkeit zu ge ben, die er ihm dafür schuldig war, daß er eines der reichsten Königreiche in der Welt auf sein Haus gebracht hatte. Alles schien auch diesem Prinzen die längste und glücklichste Regierung zu versprechen. Er war damalen in der Blüte seines Alters; und so vollkommen gesund sein Körper war, so wohl eingerichtet und regelmäßig war auch seine Aufführung. Man erzählt, daß als dieser Prinz sich einmal im Spiegel besehen, und den vortreflichen Wuchs seines Leibes, und seine schöne Gesichtszüge betrachtet, und dabey seine grosse Jugend in Erwägung gezogen hätte, er auf einmal die vernünf tigste Betrachtungen über das geringe Ge wicht aller dieser Vorzüge angestellt habe. Er habe darauf die Augen gen Himmel ge wandt, und folgendes Gebet gethan: HErr, ich spreche nicht, wie Soliman Abdal melechs Sohn, der junge Calif von Da mascus, der immer zu sagen pflegte: Ich bin der Prinz der Jugend. Ich bit te dich um nichts weiter, o mein GOtt! als daß du mir das Leben zu deinem Dienst erhalten mögest, ich flehe dich auch um keine andere Güter, als um die Gesundheit an. Unterdessen schien es doch, als wäre dieser Prinz bey sich überführt gewesen, daß ihm die
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ses einzige Gut, welches er so sehnlich wünsch(Aboul- Ab bas. Hegire 135. n. C. G. 753) te, versagt bleiben sollte. Bey dieser Gelegen heit wird erzählt, er habe einmal eine ziemlich laute Unterredung seiner Sclaven in seinem Vor zimmer mit angehört, welche davon handelte, daß man sich auf ein junges und munteres Alter sehr wenig verlassen könnte. Einer von ihnen, der ohngefehr 5. Jahre jünger seyn mochte, als sein Camerad, stellte die Betrachtung an, daß der Unterschied der Jahre von wenig Wich tigkeit sey, und daß der Tod die Jugend eben so wenig, als das Alter verschonte. So we nig ausserordentliches diese Anmerkung auch enthielt; so lebhaft rührte sie doch den jungen Califen. Er gestand hernach einem seiner Freunde, dem er auch seine geheimsten Gedan ken nicht zu verbergen pflegte, daß diese Un terredung sein Gemüth mit Unruhe erfüllt habe, und daß er seit derselben die traurige Ahndung seines baldigen Todes stets bey sich empfunden habe, wobey es ihm nicht an ders dünckte, als hätte er von dem HErrn über Leben und Tod das Urtheil aussprechen hören, das Ende seiner Regierung sey für der Thür. Kurz hierauf bekam unser Prinz die Kin(Hegire 136. n. C. G. 754 Aboul- Ab bas Tod.) derblattern. Die Einbildung, die er sich mach te, als würde er nicht von dieser Krankheit kom men, machte sie noch gefährlicher. Vergebens wandte man alle mögliche Mittel zu seiner Wiederherstellung an. Der junge Calif starb
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(Aboul- Ab bas. Hegire 136. n. C. G. 754) in seinem achtzehenten Jahre. Die Geschicht schreiber kommen nicht damit überein, ob er Kinder hinterlassen habe? Einige schreiben ihm einen Sohn, Namens Muson, zu, der wieder um einen Sohn Issa gezeugt haben soll, den in der Folge ein Anhang, so er sich gemacht hatte, auf den Thron setzen wollte. Andere hingegen versichern, Aboul=Abbas habe gar keine Kinder nachgelassen, und es wären auch wegen des Califats sonst keine Unruhen ent standen, als die Abdallah erregt, da Abou- Giafar nach seines Bruders Tode wider an seine Stelle zum Regenten aufgenommen ward. Macine sagt, dieser Calif sey zwey und dreyßig und ein halb Jahr alt geworden, und habe zwey Kinder, einen Sohn Namens Ma homed, und eine Tochter, so Rabete geheissen, nachgelassen.
(Almanzor.)

Abou - Giafar - Almanzor.

Ein und zwanzigster Calif.

Abou - Giafar, mit dem Zunamen Alman zor, der sieghafte, folgte seinem Bruder in der Regierung, bekam aber deswegen vielen Streit. Dieser Prinz war eben auf der Reise nach
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Mecca begriffen, wohin man ihm eine Cara(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) vane von Pilgrims, die die Andacht dahin zog, zu begleiten anvertraut hatte, als er den Tod Aboul - Abbas vernahm. Er hatte eben da mals den berühmten Abou - Moslem bey sich, den er sogleich in gröster Eile nach Cuffah schick te, ihn in dieser Stadt zum Califen auszuru fen, und sowohl von dem Volk als den Gros sen den Huldigungseid einzunehmen. Als er in völliger Beschäftigung war, sich in den Besitz dieser neuen Würde, so ihm mit Recht zugehörte, zu setzen, so muste er zu seinem grösten Schrecken die Nachricht hören, daß in Syrien ein mächtiger Feind wider ihn aufgestanden sey, und ihm die Krone streitig zu machen suche. Dieser furchtbare Nebenbuhler war Ab(Abdallah will selbst Calif wer den.) dallah, eben derjenige, der erst vor kur zer Zeit die Regierung der Abbasiden auf die Ruinen des Ommiadischen Hauses ge gründet hatte. Dieser grosse Feldherr, der so viele Mühe angewandt, und so viel Blut vergossen hatte, die Krone auf den Häup tern seiner Neffen fest zu setzen, änderte gleich seine Meynung, sobald Aboul - Abbas Tod er folgte. Durch den Ehrgeitz verblendet gin gen alle seine Absichten einzig dahin, dieselbe nunmehr sich selbst zu erwerben. Er glaubte, daß er den Thron zu besitzen verdiente, den er durch seine Tapferkeit, und durch seine Kriege
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(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) erfochten hatte, und fing an seine Rechte zum Thron zu behaupten. Ehe er aber anfing, sie geltend zu machen, so suchte er die Meynung umzustossen, welche man von der Regierungsfolge im Califat ge habt hatte, so lange die Ommiaden die Herr schaft besessen hatten. Er zeigte, daß ursprüng lich die höchste Würde durch die Wahl verge ben, und allezeit durch die mehrsten Stimmen jemand zugetheilt sey. Er gestand zwar, daß seit den Zeiten Moavias des ersten diese Re gierungsfolge erblich geworden, doch gab er nicht zu, daß diese Ursache seinem Rechte im Wege stehen könnte; indem man allezeit be trachten müste, daß die Regierungsfolge nur blos in dem Hause des Califen erblich sey, sich aber gar nicht auf die Kinder, noch weni ger aber auf die Brüder derer ausdehnen liesse, so die Krone ehedem besessen hätten. Abdallahs Anführen hatte sehr schleinende Gründe für sich, und man konnte in der That nicht behaupten, daß das Recht der Kinder, die Stelle ihrer Eltern einzunehmen, in der grade abstammenden Linie sey fest gesetzet gewesen, in dem Beyspiele genug da waren, daß ein Va ter oft mit Vorbeygehung seines Sohns die Krone seinem Bruder zurück gelassen hatte. Hievon waren genug Beyspiele unter den Om miaden vorhanden. Abdallah brauchte deswe gen so grosse Mühe nicht, sie zu seinem Nutzen
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anzuwenden. Er that es auch, und behaup(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) tete, daß, da der letzte Calif sich selber keinen Nachfolger bestimmt hätte, das Volk hiedurch wiederum das Recht bekäme, sich einen zu er wählen, und selbst diejenigen, die für die Erb folge wären, könnten ihm ganz sicher ihre Stim me geben, indem er selbst aus dem Hause der Abbasiden abstammte, und folglich die auf seine Person ausgefallene Wahl in keine Weise den Gesetzen entgegen wäre, die, so lange die Om miaden den Thron besessen, allezeit beobachtet wären. Dies war nicht der einzige Grund, worauf Abdallah seine Ansprüche stützte. Er brachte ein Heer zusammen, und setzte sich in Bereit schaft, sein Recht auf eine solche Art geltend zu machen, die mehr Eindruck findet, als alle mögliche Gründe und Beweise. Er bekam bald viele Anhänger, die ihm nicht allein der grosse Ruhm, worinn er stand, seine Erfahrung, seine Unerschrockenheit, ja selbst seine Grau samkeit zuzogen, sondern die Gefahr ein Vor wurf seiner Wuth zu werden, wenn man die Waffen für seinen Gegner ergriffe, verursach te auch, daß sich viele auf seine Seite schlugen, ob sie ihn gleich hasseten. Kaum hatte sich Abdallah den Anhang ge macht, so erklärte er sich deutlicher, als er bis her gethan hatte. Er ließ gleich bekannt ma chen, daß er seinen Enkel Almanzor nimmer
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(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) mehr als Calif erkennen würde, so bald er des sen Erhebung auf den Thron erfahren hatte. Zu dem Ende legte er dem Volke alle Ansprü che vor, worauf er sich gründete. Doch er war zu klug dazu, sich lange bey dem Wege des Rechtens aufzuhalten, deswegen ergriff er gleich solche Mittel, so die Streitigkeiten der Prinzen mit mehr Gewisheit entscheiden. (Abdallah führt sein Heer gegen Almanzor.) Er fiel darauf mit seiner Armee, an deren Spitze er sich stellte, in Mesopotamien ein, und ging mit starken Märschen auf Nisibia los, um daselbst seinen Enkel anzugreifen, und ihm, wenn es möglich wäre, die Krone zu nehmen. Der junge Calif ward durch die traurige Nachricht dieses Aufstandes in grosses Schrek ken gesetzt, denn er wuste wohl, daß er sich so wenig auf seine geringe Erfahrung verlassen könnte, als er hingegen die geübte Tapferkeit seines Feindes zu fürchten hatte. Da er eben erst den Thron bestiegen hatte, so hatte er an weiter nichts gedacht, als der Vortheile seiner neuen Würde zu geniessen, und seine Herr schaft in den verschiedenen Provinzen seines Reichs fest zu setzen; und dennoch muste er itzo gleich geschwinde Mittel vorkehren, sich den Aufrührern entgegen zu stellen. Er ließ deswegen in aller Eile viel Trupen anwerben, und untergab sie einem erfahrnen General, dem er die Beschützung seiner Staaten, und seiner Krone gänzlich anvertraute.
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Dis war Abou - Moslem. Ob gleich der(Almanzor Hegire 136 n. C. G. 754) junge Calif diesem General nicht gut war, so überwog doch die Staatskunst seinen Haß. Denn da er wohl einsahe, daß nur dieser al(Abou Moslem bekommt die Anfüh rung über die Völker des Califen.) lein im Stande war, einem Manne, wie Ab dallah, die Spitze zu bieten; so stund er gar nicht an, seine Völker dessen Anführung zu übergeben. Abou - Moslem brach gleich auf, und ging dem Abdallah entgegen. Allein da er die un gemeine Geschicklichkeit dieses Generals nur gar zu wohl kannte, und sich scheuete dem un gewissen Ausgang der Waffen das Schicksal des Califen zu unterwerfen; so war er auf nichts bedacht, als seinen Feind zu ermüden, und in steter Bewegung zu erhalten, ohne je doch eine Hauptschlacht zu wagen, bevor die selbe nicht unvermeidlich wäre, oder daß sich eine gute Gelegenheit dazu darböte. Er bemühte sich deswegen äusserst, die Be wegungen seines Feindes auszuforschen. Auf alle seine Märsche gab er genau, und so auf merksam acht, daß er dessen Absichten errieth, und daß es ihm glückte, sie rückgängig zu machen. Dabey schnitt er dem Feinde alle Zufuhr an Lebensmitteln ab, und hob die Kriegesbedürfnisse, und das Geld, so ihm ge bracht ward, glücklich auf. Hieraus konnte nichts anders folgen, als daß Abdallahs Völ ker häufig davon liefen. Abou - Moslem
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(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) brachte auf diese Art viele Tage zu, und be mühete sich dabey, sich verschiedener wohlver wahrter und fester Posten zu versichern. End lich bediente er sich aller dieser Vortheile, brach auf einmal aus seinem Lager auf, und griff den Abdallah in der gewissen Hofnung an, ei nen entscheidenden Sieg davon zu tragen. (Und schlägt den Abdal lah.) Abdallahs Völker wurden in Stücken ge hauen, und er selbst hatte die gröste Noth sich den Händen seines Feindes zu entziehen. Doch entrann er noch, indem er seine Kleider mit ei nem gemeinen Soldaten verwechselte. Durch diese Verkleidung, die ihn ganz unkenntlich machte, fand er noch das Mittel, der Ver folgung des Siegers zu entgehen. Er floh nach Basrah, wovon damals sein Bruder So liman Stadthalter war, und lebte an diesem Orte verschiedene Monate so verborgen, daß man nicht das geringste von ihm erfuhr. Almanzor empfand zwar das gröste Ver gnügen darüber, daß Abdallah geschlagen war, doch machte ihm der unruhige Geist dieses Generals, sein Ehrgeitz, und seine Un erschrockenheit noch immer tödtliche Sorgen. Nachdem er vorher verschiedene Mittel ihn zu entdecken vergebens angewandt hatte, so be ging er die verabscheuungswürdigste Betrü gerey, um ihn dadurch zu bewegen, daß er selbst seinen Aufenthalt verrathen, und an Hof kommen muste.
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Almanzor stellte sich, als wäre er gänzlich(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) überführt, daß der Friede im muselmännischen Reiche völlig wieder hergestellt sey. Zu dem(Almanzor legt Abdal lah Fall stricke, um ihn an sei nen Hof zu locken.) Ende ließ er durch seine Freunde und Anhänger aussprengen, es thäte ihm sehr leid, daß, da er nun von seinen Unterthanen nichts mehr zu befürchten hätte, sich dennoch viele derselben vor ihm zu scheuen schienen, und sich von sei nem Hofe entfernt hielten. Unter diesen nenn te er den Abdallah besonders, und ließ allent halben bekannt machen, er vergebe ihm al les, wodurch er sich gegen ihn vergangen ha be, und er würde an seinem Hofe eine völli ge Sicherheit finden, wenn er sich dahin be geben wollte. So feyerliche Versicherungen fanden bey Abdallahs Freunden Eindruck, und sie schlos sen einmüthig, dieser Prinz würde nunmehro keine Einwendung machen, sich an des Cali fen Hof einzufinden. Diejenigen, so an dem Orte seines Aufenthalts bey ihm waren, rede ten aus eben dem Ton mit ihm, und riethen ihm, den Califen nicht mehr zu verbittern; denn wenn er sein Erbieten ausschlüge, so könnte es nicht fehlen, daß er in Ansehung des Zu künftigen nicht den heftigsten Argwohn gegen ihn fassen sollte. Abdallah, den die verführerischen Verspre chungen wenig rührten, fand sich gar nicht ge neigt seine Freystatt zu verlassen. Er erin
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(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) nerte sich des gehäßigen Kunstgriffs, dessen er sich, die Ommiaden zu tödten, selbst bedient hatte, noch gar zu wohl, und fürchtete nicht ohne Ursach, man würde mit ihm eben so um gehen, als er es mit diesen unglücklichen Prin zen gemacht hatte. Allein seine Freunde stell ten ihm vor, die itzigen Umstände wären von den damaligen sehr verschieden. Sie sagten ihm, der Calif hätte ihm das Leben und die Krone allein zu danken, ohne ihn würde Aboul - Abbas und Almanzor den Verfolgun gen Mervans nimmer entgangen seyn, und dergleichen Wohlthaten könnte man so leicht nicht vergessen, man würde daher der Red lichkeit und Aufrichtigkeit des Califen das allergröste Unrecht anthun, und ihm ein un vermeidliches Mistrauen beybringen, wenn man bey einer Sache, da er von seiner Seite alles mögliche thäte, die Gemüther zu beru higen, Argwohn gegen ihn blicken liesse. Abdallahs Freunde wiederholten diese Vor stellungen so oft, daß er ihnen endlich nach gab, und den Entschluß faßte, sich zum Cali fen zu begeben. Dieser nahm ihn auch mit allen Kennzeichen der aufrichtigsten Freund schaft auf. Er gab ihm in seinem Pallast eine Wohnung ein, die mit seiner Geburt, und seinem Range übereinstimmte. Die Hofleute machten ihm alle ihre Aufwartung, selbst Al manzor ging oft zu ihm, und unterredete sich
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mit ihm. Nunmehr schien es, als wenn alles(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) dem Abdallah vorwürfe, wie unrecht er daran gehandelt, daß er seinen Neffen in so schlimmen Verdacht gehabt hätte, und er selbst fing an, in diesem Aufenthalt einer Ruhe zu geniessen, die er vergebens suchte, als er sich noch durch die heftigen Bewegungen seines Ehrgeitzes hinreissen ließ. Allein diese scheinende Ruhe war von keiner(Abdallahs Tod.) langen Dauer. Abdallah mochte ohngefehr eine Woche bey Hofe gewesen seyn, als ein betrübter Zufall seinen Tod verursachte, wo bey zugleich eine grosse Menge seiner Freun de, so er auf des Califen Erlaubniß mitgebracht hatte, umkamen. Der Boden des Zimmers, worauf sie mit einander waren, fiel mit einmal ein, und sie wurden alle durch seine Ruine zerschmettert. Man will, der Calif habe die Sache also angestellt, und habe dieses Zimmer auf eine solche Art zubereiten lassen, daß es auf den ersten von ihm gegebenen Wink gleich einstürtzen müste. Wenn er den Abdallah hätte niederstossen lassen, so hätte er ohne Zweifel leichter seinen Endzweck erreichen können, und nicht so viel Kunstgriffe nöthig gehabt, ihm vom Leben zu helfen. Allein man sagt, der Calif habe einen Eid gethan, niemals Gift oder Stahl gegen ihn zu gebrauchen, und habe geglaubet, diese Ausflucht sey hinreichend, sein gegebenes Wort
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(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) aufrecht zu erhalten. Ueberdas glaubte er, diese verkehrte Anstalten würden verursachen, daß man den Tod des Abdallah als einen ohn gefähren Zufall, keinesweges aber als eine angestellte Sache werde ansehen. Ueberhaupt ward Abdallah wenig beklaget. Sein garstiges Verfahren mit den Ommiaden war noch gar zu tief in den Herzen aller Mu selmänner eingeschrieben, als daß sie mit einem Prinzen hätten Mitleiden haben sollen, der sich in der That viel Ruhm erworben hatte, den aber zugleich seine Grausamkeiten noch merkwürdiger, als seine Thaten gemacht hat te. Man hätte Almanzorn noch einiger mas sen wegen des Mordes eines Prinzen entschul digen können, der sich unternahm, ihm die Krone zu rauben, wenn man ihm nur nicht mehr, als diese einzige That vorzuwerfen hätte. Denn sein Bezeugen gegen Abou - Moslem, dem er einzig die Niederlage seiner Feinde zu danken hätte, hängt seinem Andenken einen unauslöschlichen Schandfleck an, und macht, daß man ihn mit Recht als ein Ungeheuer, und ein Muster der Grausamkeit und Treulosig keit verabscheuen muß. Ich habe schon gesagt, daß Almanzor Abou Moslem hassete. Allein die Ursache dieses Hasses verdiente gar nicht, daß ihn Almanzor so lange hegte. Dies ist der Ursprung davon.
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Abou - Moslem machte sich einige Zeit her(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) nach, als Aboul - Abbas auf den Thron der Muselmänner erhoben war, mit einem gros(Ursache des Hasses Alman zors gegen Abou Moslem.) sen Gefolge auf den Weg um nach Mecca zu wallfahrten. Wie er in Chaldäa ankam, so nahm er einen Umweg, dem Califen seine Schuldigkeit zu bezeugen. Er setzte seine Rei se wieder fort, nachdem er einige Zeit an dem Hofe des Califen zugebracht hatte, und bat sich beym Abschiede vom Aboul - Abbas das Amt eines Miragen aus, welches ein Be gleiter der Caravanen ist. Almanzor, der eben damals bey seinem Bruder war, und Abou Moslem wegen des grossen Ansehens, worinn er bey der Armee stand, beneidete, vermochte den Calif, daß er es ihm abschlug. Er hielt darauf selbst darum an, und es ward ihm auch sogleich gegeben. Abou - Moslem, den es heftig verdroß, daß man ihn mit seinem Suchen abgewiesen hat te, verließ darauf den Hof mit grossem Un willen, und nahm sich dabey im Reden we nig in Acht. Kurz darauf reisete Almanzor auch ab, um sein Amt als Mirag anzutre ten, und verwunderte sich sehr, als er unter Wegens den prächtigen Zug des Abou - Mos lem antraf. Zwey hundert Cameele trugen seine bey sich führende Sachen, und zweymal gab er den vornehmsten Pilgrims der Cara vane täglich ofne Tafel. Ausser den Kosten,
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(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) die er auf diese herrliche Gastereyen verwand te, beschenkte er seine Gäste noch dazu. Al manzor befand sich gar nicht im Stande, es ihm gleich zu thun. Ueber das war dieser Prinz von Natur sehr geitzig, und wuste sich gar kein Ansehen zu geben. Dennoch fand er sich durch Abou - Moslems Pracht sehr ge demüthiget; zudem trugen seine Bediente durch ihre Schmeicheleyen alles mögliche bey, ihn noch mehr gegen diesen General zu verbit tern. Mit einem Wort er entschloß sich, sich einen Menschen vom Halse zu schaffen, des sen freygebige Lebensart eine lebendige Mo ral der seinigen war. Dem ohngeachtet verstellte er sich; und als er sich nach dem Tode Aboul - Abbas wieder zum Califen ausrufen ließ, so wurde dieses Geschäfte dem Abou - Moslem zu verrichten aufgetragen. Kurz darauf machte ihn Al manzor, wie ich schon gesagt habe, zum O berbefehlshaber seiner Armee, und schickte ihn dem Abdallah, der mit ihm um die Krone stritt, entgegen. (Almanzors Geitz.) Wir haben schon gesehen, wie viel Klug heit Moslem bey dieser Gelegenheit von sich sehen ließ, und daß er diese Unternehmung glücklicher hinausführte, als man fast hoffen konnte. Sobald die Schlacht gewonnen war, schickte er ihm einen Curier mit der Zeitung des erhaltenen Sieges entgegen, allein anstatt,
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daß ihm dieser Prinz hätte Zeichen seiner Dank(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) barkeit geben sollen, so beging er eine That, die für diesen General eben so beleidigend, als für ihn selbst unanständig war. Sein ungemessener Geitz ließ ihn die Grös se des von Abou - Moslem geleisteten Dien stes gar nicht einsehen. Nunmehr brauchte er einen Feind, dessen Völker in Stücken ge hauen waren, nicht ferner zu fürchten. Da her sahe er auf sonst nichts, als die Beute, welche auch gewiß ansehnlich seyn muste, weil sowohl Abdallah als seine vornehmsten Offi ciers die kostbarsten Waffen, und den präch tigsten Troß bey sich führten. Es lag daher Almanzorn recht am Herzen, genau zu wissen, wie hoch sich die Beute belaufen möchte. Um dieses zu erfahren, schickte er sogleich etliche Abgeordnete mit dem Befehl nach dem Wahl platz, ein genaues Verzeichnis aller daselbst sich befindlichen Reichthümer zu verfertigen. Hier konnte Abou - Moslem, der groß und edel dachte, seine Verachtung und Unwillen nicht länger zurück halten, sondern sagte zu den Abgeordneten, als sie ihm ihre Be fehle einhändigten: Ich habe bisher dem Califen von so viel tausend Feinden, die mein Schwerdt zu seinem Dienst er legt hat, immer richtige Rechnung ab gelegt, daß er gewiß meine Treue we gen der Beute auch nicht in Zweifel zu
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(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) ziehen brauchte. Der Ruhm ist mein einziger Gegenstand, das Geld hinge gen der seinige. Ich habe die gröste Ursach mich über ein so beleidigendes Mißtrauen zu beklagen. (Abou - Moslem wird da durch belei diget, und verläst sei ne Dienste.) Gleich nach dieser gegebenen Antwort dank te Abou - Moslem ab, und wollte nicht nach Egypten und Syrien gehen, da ihm der Ca lif befahl sich dahin zu begeben, und einige daselbst entstandene Unruhen zu stillen; hinge gen ging er nach seiner Statthalterschaft zu rück, und bemühete sich den Frieden und die Ruhe zu erhalten. Hätte er einen Aufstand erregen wollen, so würde er gewiß dem Calif entsetzlich viel zu schaffen gemacht haben. Denn er konnte sich auf die Officiers, Soldaten, und selbst auf die Völker, die unter seiner Herr schaft stunden, ganz sicher verlassen, aber man kann ihm in diesem Stück auch nicht das al lergeringste Schuld geben. Hingegen aber mäßigte er seine Ausdrücke gar nicht, und re dete von Almanzor, und dessen Hofstaat nie ohne Verachtung. (Wege, de ren sich der Calif be dient, ihn zu fangen.) Der Calif, so äusserst rachgierig war, sann die längste Zeit auf Mittel, diesen General zu verderben. Es fiel ihm aber ein, daß es sehr schwer seyn würde, einen Befehlshaber von solchem Ansehen öffentlich anzugreifen. Deswegen bediente er sich der allerniederträch tigsten Wege dazu. Er ließ sich sogar so weit
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herab, daß er sich wegen seines Befehls we(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) gen der von Abdallah gemachten Beute förm lich bey ihm entschuldigen ließ. Ja er warf sich selbst seine Unbedachtsamkeit und Ueber eilung vor, und bat Abou - Moslem ihm das vergangene zu vergeben. Dabey versicherte er ihn seiner Hochachtung, Freundschaft und Erkänntlichkeit, und lud ihn inständig ein, so bald als möglich an seinen Hof zu kommen, und daselbst öffentlich die ausnehmensten Merk maale seiner gegen ihn tragenden guten Gesin nungen anzunehmen. Man bediente sich, diesen grausamen Ver rath desto gewisser auszuführen, niederträch tiger Schmeichler, die allezeit bereit sind, den Lastern und den Leydenschaften ihrer Prinzen ihren Dienst zu weihen. Diese musten sich zu Abou Moslem begeben, und ihm zu Gemüthe führen, daß es unschicklich seyn würde, wenn er sich halsstarrig weigern würde nach Hofe zu kommen; der Calif habe die gehäßigen Meynungen, so demselben böse Leute gegen ihn beygebracht hätten, ganz und gar abge legt, und wünschte nichts eifriger, als ihm seine Erkänntlichkeit für die dem Staate geleiste ten wichtigen Dienste bezeugen zu können. Diese Vorstellungen wurden dem braven Abou - Moslem durch diese zur Arglist und Tücke gewöhnte Leute so wahrscheinlich, und auf so viele Arten vorgebracht, daß er sich end
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(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) lich genöthiget sah, ihrem Anhalten nachzuge ben. Er reiste also wieder nach Hof, und ward von Almanzorn und seinen vornehmsten Bedienten auf eine solche Art bewillkommt, als hätte er in der grösten Gnade des Prin zen gestanden. Ja Almanzor trieb die Ver stellung so hoch, daß er sich verschiedentlich mit ihm allein unterredete, und dabey so viel Offenherzigkeit und Zutrauen gegen ihn be zeugte, daß nothwendig aller Argwohn weg fallen muste. (Der Calif läst den A bou - Mos lem verrä therischer Weise töd ten.) Abou - Moslem lebte daher sehr zufrieden, und machte sich viele Vorwürfe, daß er von diesem Prinzen so lange nachtheilig gedacht hat te, denn er war itzo beständig um ihm, und fand allenthalben die gröste Sicherheit. Endlich brach der betrübte Tag an, an welchem der Calif seine Bosheit aufs höchste zu treiben be schlossen hatte. Er unterredete sich erstlich mit unserm unglücklichen General etwas län ger, als er gewohnt war, und gab darauf ein gewisses Zeichen; worauf so gleich vier zur Vollstreckung seines gottlosen Vorhabens be stellte Henker ins Zimmer traten, über Abou - Moslem herfielen, und ihn mit vielen Sti chen durchbohrten, wovon er auch den Augen blick seinen Geist aufgab. So betrübt war das Ende dieses grosmü thigen Wohlthäters der Abbasiden, und beson ders des verrätherischen Almanzors, dem
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er eben die allerwichtigsten Dienste geleistet(Almanzor. Hegire 136. n. C. G. 754) hatte. Und dennoch hatte der Wütrich an dem Morde dieses grossen Mannes noch nicht ge nug, er wollte auch noch nach dessen Tode sei ne Feindschaft gegen ihn sehen lassen. Aus dieser Ursach ließ er ihn verschiedene Tage nach ein ander in dem Zimmer, wo er getödtet war, bewachen, damit er das Vergnügen haben könnte, ihn anzusehen, und ihn seinen Hofleu ten zu zeigen; ja er hatte die Kühnheit zu sa gen, daß er erst anfinge, würklich regierender Herr zu seyn, nachdem er sich diesen General vom Halse geschaft. Abou - Moslems Tod verursachte solche Be(Aufstand in Choras san, welcher aber gestillt wird.) wegungen, die den Calif in grosse Verlegenheit setzten. Sinam von Nischabour, ein Perser, der von den Reichthümern, die der Erschlage ne in Chorassan besaß, gute Wissenschaft hatte, bemächtigte sich aller seiner Schätze, und wandte einen Theil derselben dazu an, die Provinzen gegen den Calif aufzuwiegeln. Almanzor ließ seine Völker sogleich unter(Hegire 137. n. C. G. 755) der Anführung Giamhours, eines seiner Feld herrn, nach Chorassan aufbrechen, um die Re bellen zu zerstreuen. Diese Unternehmung hatte den glücklichsten Ausgang. Sinam ward in einem einzigen Treffen völlig zu Grunde gerichtet, und da sein ganzer Anhang dadurch
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(Almanzor. Hegire 137. n. C. G. 755) zerstreuet wurde, so war auch der Aufruhr bald gestillt. Bey dieser Gelegenheit zeigte der Calif wieder eine Probe seines Geitzes, und beging durch denselben gereitzt eben den Fehler, den er schon im vorhergehenden Jahre begangen hatte, als Abou - Moslem den Abdallah schlug. Er schickte nemlich wieder einen Abgeordneten ab, der alle gemachte Beute aufzeichnen muste, damit der General nichts davon für sich weg nehmen möchte. Den Giamhour ärgerte dieses unanständige Verfahren heftig. Er gab seiner unterha benden Armee Nachricht davon, und brauchte wenig Mühe sie zu dem Entschlus zu bringen, an seiner Rache Theil zu nehmen, besonders da er ihnen versprach, alle von den Ueberwun denen gemachte Beute unter sie austheilen zu lassen. Er war kaum mit diesem Vortrag zu En de, so entstund plötzlich ein wüstes Geschrey unter der ganzen Armee. Alles lehnte sich gegen den Califen auf, und sein filziger Geitz wurd der einzige Gegenstand, der Beschwer den, und des Scheltens der Soldaten. (Giamhour, wirft sich zum Ober herrn in Chorassan auf.) Giamhour wandte diese Beschaffenheit der Gemüther zu seinem Vortheil an, und bemü hete sich, sie noch mehr und mehr zu erbittern.
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Es brauchte keine grosse Mühe, ihnen die Dien(Almanzor. Hegire 137. n. C. G. 755) ste eines Prinzen verhaßt zu machen, der nichts als seinen Eigennutz kannte, und weder Tu gend noch Tapferkeit belohnte. Als er nun glaubte, daß er sich völlig auf seine Völker verlassen könnte, so legte er die Masque gänz lich ab, und ließ sich zum Oberherrn der Pro vinz ausrufen, wobey er fest entschlossen blieb, den Besitz derselben durch die Waffen zu be haupten. Dieser neue Aufstand breitete das Schrek ken an des Califen Hofe aus. Er muste schleu nig darauf bedacht seyn, Völker anzuwerben, und ihnen einen Feldherrn an die Spitze zu stellen, der im Stande wäre, die Aufrührer zu dämpfen. Hiezu ersahe Almanzor den Mahomed - ebn - Aschaar, welcher auch sogleich mit einem zahlreichen Heer nach Chorassan aufbrach, und den Feind aufsuchte. Giamhour hatte sich unterdessen Mühe ge(Hegire 138. n. C. G. 756) geben, den Feind auszukundschaften, und da er dessen Anrückung vernahm, und erfuhr, daß er ihm an Anzahl weit überlegen sey, so hielt er es nicht für rathsam, ihn in Chorassan zu er warten. Er zog sich daher eiligst zurück, und ging nach Ispaham, wo er sich fest setzte, und Mahomeds Ankunft entgegen sah. Dieser war auch bald darauf da, und setzte ihm dergestalt zu, daß Giamhour alle Hofnung
|| [0394.01]
(Almanzor. Hegire 138. n. C. G. 760) verlohr, sich in diesem Posten länger zu erhal ten. Er verließ ihn also wieder, und floh in die Provinz Aderbijan. Allein Mahomed verfolgte ihn so hitzig, daß er sich genöthiget sahe, es auf ein Treffen ankommen zu lassen, in welchem die Waffen des Califen völlig die Ober hand behielten. Giamhours Trupen wurden in Stücken gehauen, und er selbst würde ein gleiches Schicksal gehabt haben, wenn ihn nicht eine schleunige Flucht Mahomeds Verfolgun gen entzogen hätte. (Hegire 144 n. C. G. 762) Wenig Jahre nachher, als dieser Aufstand gedämpft war, so entstunden wieder neue Un ruhen von einer ganz andern Art. Sie wur den durch eine Secte verursacht, die die Ra vendinen hiessen. Sie hatten diesen Na men von Abdallah - ebn - Ravend, von wel chem die Ravendinen abstammten, und sich stets als eifrige Anhänger der Abbasiden be wiesen. (Ursprung der Raven dinen.) Ohngeachtet ihres Eifers für dieses Hauß fingen sie doch in der Provinz Chorassan, wor aus sie entsprungen waren, viele Unruhen an. Abdallah hatte sich, um seinen Streit mit Abou Moslem zu entscheiden, genöthiget gesehen, zu den Waffen zu greifen. Wir haben gese hen, daß Abdallah verlohr, und daß ein gros ser Theil seiner Freunde, und selbst seiner Verwandten bey dieser Gelegenheit zugleich mit ihm umgekommen sind.
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Dennoch entwischte eine gewisse Anzahl von(Almanzor. Hegire 144 n. C. G. 762) ihnen, und stifteten eine eigene Secte, und predigten die Lehre von der Seelenwanderung, die eines der vornehmsten Hauptstücke ihrer Re ligion ausmachte. So sehr auch diese Secte den Abbasiden anklebte, so stand Almanzor doch ihrentwegen immer in Sorgen, und be fürchtete, daß aus dem grossen Eifer, womit sie ihre Lehre auszubreiten bemühet waren, einmal bey ihnen die Begierde entstehen möch te, sich öffentlich gegen ihn zu empören. Unterdessen konnte man ihnen gar nicht vor werfen, daß sie das geringste gegen den Ca lif unternommen hätten, vielmehr wurde ih nen Schuld gegeben, daß sie diesem Prinzen durchaus solche Ehre erweisen wollten, wel che nach dem Glauben der Muselmänner nur allein der Gottheit zugehöret. Sie fanden sich in grosser Anzahl zu Haschemia ein, wo Almanzor gewöhnlich seine Hofstadt hielt, und hielten daselbst um des Califen Pallast eben die Proceßionen, und zwar mit eben den Ce remonien, als die Muselmänner gewohnt sind, sie um den Tempel zu Mecca anzustellen. Der Calif, welcher nicht wuste, was er von(Der Calif verbietet ihnen die Ausübun gen ihrer Secte.) dem Unternehmen dieser Träumer denken soll te, befahl ihnen, ihre Proceßionen gleich ein zustellen, und einen frommen Gebrauch, der nur allein beym Tempel zu Mecca statt fünde, nicht also zu entheiligen. Aber die Ravendi
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(Almanzor. Hegire 144 n. C. G. 762) nen kehrten sich wenig an dieses Verbot, und fuhren immer so fort, wie sie es angefangen hatten. (Sie fan gen einen Tumult an, werden aber zer streuet.) Da der Calif ihre Hartnäckigkeit sahe, so beschloß er sie mit der Strenge zur Vernunft zu bringen, und ließ einhundert dieser Schwär mer beym Kopf nehmen. Dieses setzte sie an fänglich in ein grosses Schrecken; doch kaum hatten sie sich ein wenig davon erholt, so er griffen sie die Waffen, gingen auf die Ge fängnisse los, erbrachen sie, zogen ihre Freun de heraus, und darauf fingen sie an, auf den Pallast los zu stürmen. Der Calif befand sich dadurch höchst belei diget, stieg geschwind zu Pferde, und führte seine Leibwache und übrige Hausbedienten, an deren Spitze er sich gestellet hatte, gegen sie an, wobey er doch noch hofte, daß sie seine Gegenwart auseinander treiben würde. Aber er muste zu seiner grösten Beschimpfung mit ansehen, daß ihm seine Unterthanen wi derstunden, und ihn mit einer Tapferkeit zurück trieben, die ihn fast das Leben gekostet hätte. Zum guten Glück bekam er noch zu rechter Zeit Hülfe. Man zog ihn aus dem Gedrän ge hervor, und fiel darauf die Träumer an, die auch, nachdem eine grosse Anzahl von ih nen auf dem Platz geblieben war, endlich zer streuet, und gänzlich aus der Stadt getrie ben wurden.
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Dieser Vorfall verursachte, daß ein angese(Almanzor. Hegire 144 n. C. G. 762) hener Officier, Namens Maan, der sich schon seit langer Zeit, um den Verfolgungen der Abbasiden zu entgehen, verborgen gehalten hat te, wieder begnadigt ward. Er war allezeit ein eifriger Anhänger der Ommiaden gewesen, und hatte für sie bey verschiedenen ihm auf getragenen Unternehmungen seinen Muth und Geschicklichkeit sehen lassen. Nachdem aber die Abbasiden den Thron bestiegen hat ten, so muste er nicht ohne Ursach befürchten, er würde mit den Ommiaden und ihren Freun den, die Abdallah nach Mervans Tode hinrich ten ließ, gleiches Schicksal haben. Bisher war er so glücklich gewesen, sein Leben in dem Hause eines seiner Verwandten, wo er sich ver borgen hielt, zu erhalten. Itzt schien ihm aber der Aufruhr der Ravendinen eine bequeme Ge legenheit an die Hand zu geben, sich mit den Abbasiden auszusöhnen. Er lief daher ge schwind aus dem Hause, wo er sich aufgehal ten, rannte nach dem Pallast, wo er sich de nen, die an Almanzors Seite fochten, beyge sellte, und daselbst Wunder der Tapferkeit verrichtete. Er hatte das Glück, dem Prinzen das Leben zu erretten. Dieser vergab ihm auch sogleich das Vergangene, und setzte ihn wieder in den Besitz seiner vorigen Güter und Ehren.(Der Ca lif ent schließt sich Bagdad zu bauen.) Diese Verdrüßlichkeit, die dem Califen in Haschemia begegnet war, machte ihm diesen
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(Almanzor. Hegire 145. n. C. G. 763) Ort gänzlich verhaßt, und würkte den Entschlus in ihm, seine Hofstatt von da weg zu legen. Er faßte darauf den Vorsatz eine neue Stadt zu bauen. Der Ort, den er dazu aussahe, war ein geräumlicher Strich Landes am Tiger flus, auf welchem ehemals die Stadt Seleucia gestanden hatte. (Wie der Calif ent decket, daß er diesen Ort bauen soll.) Als Almanzor noch beschäftiget war, einen seinem Vorhaben gemässen Platz auszufinden, so ging er an einem gewissen Tage mit seinem Gefolge an dem Ufer dieses Flusses spatzieren, und fand diese Gegend so schön, daß er sich entschloß, sich daselbst niederzulassen. Wäh rend der Zeit, daß er sich mit seinen Bedienten davon unterredete, begegnete einem seiner Be gleiter ein Einsiedler, der hier herum seine Ein siedeley aufgeschlagen hatte. Dieser begab sich mit ihm in ein Gespräch, und eröfnete ihm des Califen Vorhaben. Der Einsiedler sagte, es sey ihm wohl bewust, daß nach einer alten Sage hier im Lande auf der gegenwärtigen Wiese eine Stadt gebauet werden sollte, doch sey diese Unternehmung einem Menschen, der Moclas hiesse, vorbehalten, welcher Name aber von Giafar und Almanzor, die der Calif führ te, sehr unterschieden sey. Wie der Bediente wieder zum Almanzor kam, erzählte er ihm sein ganzes Gespräch mit dem Einsiedler. Der Calif hatte kaum
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den Namen Moclas aussprechen hören, so(Almanzor. Hegire 145 n. C. G. 764) stieg er von dem Pferde, fiel auf die Erde, und dankte dem HErrn, daß er ihn zur Aus führung seiner Befehle ausersehen hätte. Seine hierüber erstaunte Begleiter warteten mit der grösten Ungedult auf die Erklärung dieser ausserordentlichen Begebenheit. Der Calif gab ihnen auch dieselbe bald, indem er folgende Rede an sie hielt: Als die Ommiaden noch das Califat besassen, sahe ich mich mit meinen Brüdern, die noch sehr jung waren, aus Armuth genöthiget auf das Land zu ziehen, woselbst wir nach der Reihe das nöthige zu unserm Unterhalte anschaf ten. Den Tag, als mich die Reihe traf, meine Brüder zu bewirthen, befand ich mich aus Mangel des Geldes dazu ausser Stande, ich sahe mich daher ge nöthiget, meiner Amme ein Armband zu nehmen, und es, um etwas Geld in die Hände zu kriegen, zu versetzen. Die ses Weib machte einen grossen Lerm darüber, und erfuhr endlich nach vielem Nachforschen, daß ich den Diebstahl begangen hatte. Im ersten Ausbruch ihres Zorns schalt sie heftig auf mich, und nannte mich unter andern Moclas, (dis war der Name eines zu der Zeit sehr berühmten Spitzbuben) und her
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(Almanzor. Hegire 145. n. C. G. 764) nach hat sie mich, so lange sie lebte, nie mals anders genannt. Ich sehe hier aus deutlich, daß mich GOtt zur Voll streckung dieser Sache ausersehen hat, und ich will auch sogleich anfangen, sie ins Werk zu stellen, weil es ganz of fenbar ist, daß es der Himmel selbst so geordnet hat. Almanzor stach hierauf selbst den Plan zur Stadt um einen Hügel herum ab, auf welchen er sich seinen Pallast zu setzen vorbe hielt. Gleich darauf gab er Befehle, mit dem Bauen anzufangen, welches auch mit einer erstaunenswürdigen Geschwindigkeit betrieben, und fortgesetzt ward. Doch verschiedene un vermuthete Begebenheiten machten demselben einen Einhalt, indem man sich itzo mit wichti gern Sachen beschäftigen muste. (Hegire 146 n. C. G. 764) Mahomed und Ibrahim, beyde Hassans Enkel, und Ali Uhrenkel, ergriffen die Waffen (Der Calif zerstreuet Maho meds und Ibrahims Parthey.) gegen Almanzor, und unternahmen, ihm das Califat streitig zu machen. Ueber das thaten sich in seinem eigenen Hause verschiedene Zwi stigkeiten hervor, die er beyzulegen bedacht seyn muste. Es glückte dem Calif alle diese Un ruhen zu stillen, ja er setzte seine Eroberungen bis in Armenien, Cilicien, und Cappado cien fort. Alle diese erhaltene Vortheile ver ursachten, daß man ihm den prächtigen Zuna men Almanzor, das ist der Siegreiche bey legte.
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Unser Prinz sahe sich nicht so bald nur ei(Almanzor. Hegire 150. n. C. G. 768) nigermassen wieder in Ruhe und Friede ge setzt, als er allen Fleis anwandte, den Bau(Verlegt sei nen Hof nach Bag dad.) der neuen Stadt zu Ende zu bringen. Er genoß auch das Vergnügen, sie nach vielen Jahren, und einer unnachgelassenen Arbeit fertig zu sehen, und verlegte sogleich seine Woh nung dahin. Er gab ihr den Namen Dar al - Salam, (*) welches eine Stadt des Friedens heist; vielleicht aus der Ursache, weil Jerusalem damals auch eine Stadt des Friedens genannt wurde, vielleicht auch weil zu der Zeit, als er sie bewohnte, das musel männische Reich eines allgemeinen Friedens genoß. So groß auch des Califen Geschmack an fänglich an Bagdad war, indem er es als sein Werk ansehen konnte, so fing er doch bald an dieses Orts überdrüßig zu werden, oder verfiel vielmehr in eine Schwermuth, so ihm alle Dinge, die ihm vor Augen kamen, ver drüßlich darstellte. Einige Geschichtschreiber geben vor, er habe einige an eine Mauer ge 12
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(Almanzor. Hegire 150. n. C. G. 768) schriebene Arabische Verse gelesen, und diese hätten auf sein Gemüth einen so starken Ein druck gemacht, daß seine Krankheit daher ent standen sey. In Ansehung der Verse selbst aber sind sie verschiedener Meynung. Einige sagen, sie hätten also gelautet: O Giafar, deine Tage sind zum Ende, die Zeit deines Todes ist da, der Aus spruch des Höchsten ist unwiderruf lich. Andere aber, sie hätten sonst nichts, als folgende allgemeine Sätze enthalten: Die Staaten und die Reichthümer der Welt sind dir nicht gegeben, sondern nur gelie hen worden, niemand gründe sich dar auf, oder mache sich damit groß; wer sein Herz daran hängt, und sein Vertrau en darauf setzt, wird zu Schanden wer den, wenn er sie dem wieder überant worten soll, von dem er sie bekom men hat. Die traurigen Ueberlegungen, wozu ihm (Hegire 158 n. C. G. 775) diese Verse Anlaß gaben, machten sein Herz ganz niedergeschlagen, und verursachten ihm tödtlichen Kummer. Er konnte an keinem Orte aushalten, und ob er gleich um seine Ge danken zu zerstreuen, den Aufenthalt aufs öf terste veränderte, so fand er doch keinen, der sein Gemüth zu beruhigen im Stande gewesen wäre. Deswegen entschloß er sich, eine Wall fahrt nach Mecca anzustellen, ja er bevestig
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te diesen Entschlus noch durch ein Gelübde,(Almanzor. Hegire 158. n. C. G. 775) und hofte durch diese heilige Reise die Herstel lung seiner Gesundheit ohnfehlbar zu er halten. Er brach in Begleitung eines zahlreichen(Er tritt die Wall fahrt nach Mecca an.) Gefolgs auf, unter welchem sein Sohn Ma hadi oder Almahdi mit befindlich war, der ihm bis zu einem gewissen Ort das Geleit ge ben wollte. Kaum mochte er etliche Meilen zurück gelegt haben, so gab diese Reise selbst eine Ursach seiner Schwermuth ab. Er sagte, dis sollte die letzte seyn, die er in seinem Leben thun würde. Es fehlte nicht viel, so wäre er gar wieder umgekehrt, doch den Augenblick darauf entschloß er sich, von neuem sie fortzu setzen, wobey er sagte, er thäte es ganz allein in der Hofnung, daß ihm GOtt dadurch wer de Barmherzigkeit wiederfahren lassen. Mitten auf dem Wege an einem Ort, der Abdavaih hieß, hielt er stille, und machte mit seinem ganzen Gefolge Rasttag. Abaulfara ges erzählt, der Calif habe sich hieselbst einmal des Nachts auf einen Rasen niedergesetzt, um frische Luft zu schöpfen. Hier sey ihm ein helles Licht in die Augen gefallen, welches einen grossen Theil des Luftkreises gegen Morgen zu durchstrichen, und eine helle Spuhr nachge lassen habe, die man noch bey Anbruch des Tages habe bemerken können.
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(Almanzor. Hegire 158. n. C. G. 775) Diese Erscheinung erschreckte ihn gewaltig, und seine schwarzen Dünste vermehrten sich dadurch augenscheinlich. Er glaubte, dies sey ein Bote des Himmels, ihm seinen bevorste henden Tod anzukündigen, er war davon so überführt, daß er sogleich seinen Sohn zu sich rufen ließ, um Abschied von ihm zu nehmen. Mahadi war kaum bey ihm, so gab er ihm diese ausserordentliche Ermahnung. Mein Sohn, ich befehle dir vor al (Lehren, die er seinem Sohn gibt.) len Dingen deine Eltern hochzuschäz zen, welche so zu sagen den Glanz dei ner Würde mit dir theilen, deren Stüz ze sie sind, und von welchen der Ruhm auf dich zurück fällt. Doch ich zwei fele, daß du es thun werdest. Sey ja auf die Erziehung deiner Kin der aufmerksam, begegne ihnen mit Gü te und Liebe; bemühe dich ihrer viele zu zeugen, weil sie dich zur Zeit des Unglücks am besten trösten, und dir hel fen können; aber ich glaube, du wirst es nicht thun. Laß es dir ja nicht einfallen, nach der Abendseite von Bagdad zu bauen, denn du bist nicht dazu ausersehen, diesen Bau völlig zu Stande zu bringen; ich glaube aber, du wirst es dennoch thun. Nimm dich in acht, daß sich deine
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Weiber niemals in die Regierungs(Almanzor. Hegire 158. n. C. G. 775) sachen mischen dürfen. Denn nichts ist gefährlicher als dieses; ich befürchte aber, du wirst es dennoch thun. Sobald diese Rede zu Ende war, beur laubte er seinen Sohn wieder, und befahl ihm gleich, nach Bagdad zu reisen, damit er bey der Hand wäre, wenn ihn der Himmel etwan aus der Welt abfordern sollte. Der Calif verspührte einige Besserung, nach(Almanzors Tod.) dem er einige Tage ausgeruhet hatte, und setzte darauf seine Reise weiter fort. Er war auch schon bis auf einige Meilen bey Mec ca an einem Ort, Maimouns Brunnen genannt, glücklich angelangt. Allein hier über fiel ihn ein Bauchflus, wovon er in kurzer Zeit starb. Sein Körper ward nach Mecca gebracht, und daselbst mit entblöstem Haupte begraben, um dadurch anzuzeigen, daß er ge storben sey, ohne vorher sein gethanes Gelüb de, nach Mecca zu wallfahrten, erfüllen zu können. Dieser Calif wird uns von den Geschicht(Sein Cha racter.) schreibern, als ein Mann von wohlgewachse ner Natur, von magern Gesichte, welches ein ganz dünner Bart umgeben, dargestellt. Er ließ sich sehr leicht sprechen, und bezeugte sich bey seinen Unterthanen sehr leutseelig, allein wenn er öffentlich erschien, so geschahe es im
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(Almanzor. Hegire 158. n. C. G. 775) immer in königlichem Ornat, wobey er sich sehr ernsthaft stellte. Im übrigen war er unruhig, voll Argwohn, verstellt und grausam, besonders wenn es dar auf ankam, daß er sich an seinen Feinden rä chen konnte. Sein Hauptlaster aber war ein unersättlicher Geitz, der ihm auch die Verach tung aller seiner Unterthanen zuzog. Die Cuffahner, bey denen er sich eine geraume Zeit aufgehalten hatte, hatten ihm den Bey namen Douanech gegeben, welches ein Va ter der Pfennige heißt, weil er auf jeden Kopf eine Steuer von einem Pfennig gelegt hatte, um von diesem Gelde um Bagdad einen Graben ziehen zu lassen. Macines sagt, man habe nach seinem Tode in der Schatzkammer sechs hundert Millionen Drachmen, und vier und zwanzig Millionen Gold gefunden.
(Mahadi.)

Mahadi.

Zwey und zwanzigster Calif.

Sobald die Zeitung von Abou - Giafar Almanzors Tode in Bagdad ruchtbar geworden war, ward sein Sohn Mahadi da selbst wieder zum Calif ausgerufen. Er war der dritte aus dem Stamm der Abbasiden, und der zwey und zwanzigste, der nach Maho med den Thron bestieg.
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Der Anfang seiner Regierung ward gleich(Mahadi. Hegire 158. n. C. G. 775) durch etliche Schwärmer beunruhiget, die sich zu Propheten aufwarfen, und sich bey dem(Mahadi zerstreuet die Schwär mer, die Unruhen im Reich anfangen.) Volk, das allezeit dem neuen zufällt, durch die Verkündigung einer neuen Lehre einen gros sen Anhang machten. Mahadi that sehr bald dazu, diese Faction in ihrer Geburt zu erstik ken. Eine ganz geringe Mannschaft, die er gegen sie ausschickte, zerstreute den aufrühre rischen Haufen bald. Hiebey ward einer ih rer Anführer mit Namen Busa gefangen, und nach Bagdad gebracht, wo ihn der Calif auf henken ließ. Nachhero ward die ganze Sa che still. So bald er sein Reich in Ruhe gesetzt sa(Hegire 159. n. C. G. 776) he, so lag ihm besonders die Sorge an dem Herzen, die Gerechtigkeit in Gang zu brin(Der neue Calif erzei get sich gnä dig und grosmü thig.) gen. Er machte selbst den Anfang dazu, in dem er vielen Leuten wichtige Summen wie dergab, so sein Vater von ihnen erprest hatte. Auch ließ er die Gefängnisse öfnen, und be freyete eine grosse Anzahl unglücklicher <Personen>Per souen, die aus keiner andern Ursache darinn verschlossen waren, als weil sie Almanzors un mäßige Auflagen nicht hatten abtragen kön nen. Mit einem Wort seine grosse und erha bene Eigenschaften unterschieden seine Art zu leben himmelweit von seines Vaters Betra gen. Er schien sich das gröste Vergnügen daraus zu machen, die von Almanzorn durch
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(Mahadi. Hegire 159. n. C. G. 776) allerhand unerlaubte Mittel zusammen ge scharrte Schätze unter die Leute zu bringen. Dabey muste er auch die grösten Kosten an (Hegire 160 n. C. G. 777) wenden, den Krieg mit den Griechen fortzu (Erzwingt die Grie chen, den Frieden einzugehen, und ihm Tribut zu bezahlen.) setzen; doch diese wurden ihm reichlich ersetzt. Denn nachdem er viele Siege nach einander über sie erfochten, musten sie um Frieden bit ten, und dabey für ihn so vortheilhafte Be dingungen eingehen, als er vorhin niemals ge hoft hatte. In diesem Kriege gegen die Griechen führ te er seine Völker nicht selbst an, er überließ dies seinem zweyten Sohn, Haroun - al - Ra schid, und hatte auch keine Ursache es zu be reuen. Dieser junge Prinz schlug nicht nur die Feinde verschiedene mal, sondern nahm ih nen auch viele wichtige Plätze weg. Ja er war schon bereit mit seinen Waffen ins Herz des Reichs einzudringen, als ihn die Kayserin Irene um Frieden bat. (Hegire 165. n. C. G. 781.) Diese durch ihre Schönheit und ihren Ehr geitz so berühmte Prinzeßin regierte damals das morgenländische Kayserthum, als Vor münderin für ihren Sohn Constantin, der erst ohngefehr zehen Jahr alt seyn mochte. Diese wichtige Regierung machte ihr so viel zu thun, daß sie dem Calif den Frieden antragen mu ste, der auch, da sie einen jährlichen Tribut von sechzig tausend goldenen Thalern einging,
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gleich geschlossen wurde. Hiedurch befreyte(Mahadi. Hegire 165. n. C. G. 781) sich die Prinzeßin von einer grossen Unbequem lichkeit, die ihr die Muselmänner durch ihre häufige Streifereyen machten, so sie bis an die Thore von Constantinopel fortsetzten. Kaum war diese wichtige Begebenheit zu(Hakem wirft sich zum Pro pheten auf, und spinnet in Choras san einen Aufruhr an.) Stande gebracht, so hörte man schon wieder von innerlichen Unruhen, welche ihren Ur sprung in der Schwärmerey eines gewissen Muselmanns des Hakem mit dem Zunamen Burkai, von dem Arabischen Wort Burka, welches eine Larve heist, hatten. Denn Hakem trug eine silberne Larve vor dem Gesicht, wel ches durch eine Wunde, die er in einer Schlacht bekommen hatte, so verunstaltet war, daß er es nicht mehr ohnbedeckt konnte sehen lassen. Dieser Mensch war so unverschämt sich(Hegire 166 n. C. G. 782) für begeistert auszugeben. Es glückte ihm auch, sich bald einen Anhang zu machen, der die Narrheit so weit trieb, daß er öffentlich behauptete, dieser Betrüger trüge aus keiner andern Ursach die Larve vor dem Gesicht, als damit die Augen durch das strahlende Licht, so aus demselben hervorschösse, nicht möchten ver blendet werden. Er bekam in kurzer Zeit einen sehr grossen(Wird von des Califen Völkern eingeschlos sen.) Zulauf, und nahm in der Provinz Chorassan einige wichtige Plätze weg. Es blieb daher
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(Mahadi. Hegire 166 n. C. G. 782) kein ander Mittel übrig, ihn zum Gehorsam zu bringen, als durch die Anrückung einer Ar mee seinen weitern Unternehmungen Einhalt zu thun. Die ersten Anfälle hielt er stand haft aus; da er aber merkte, daß neue Ver stärkungen gegen ihn anrückten, so war er auf nichts bedacht, als sich in Sicherheit zu setzen. Er warf sich daher in einen Platz, der ihm von Natur so befestiget zu seyn schien, daß er glaubte, den Feinden würde alle Lust vergehen, ihn hier zu belagern. Allein es währte nicht lange, so hatten ihn des Califen Völker hier eingeschlossen. Sie hatten Befehl sich seiner zu bemächtigen, es möchte auch kosten, was es wollte. Die Stadt war nur durch ihre vortheilhafte Lage feste, und diese muste sie ganz allein beschützen, denn die geringe Besatzung, womit sich Burkai hin ein geworfen hatte, konnte den Belagerern keine grosse Hinderungen in den Weg legen. Die Belagerung wurde mit vielem Eifer sort gesetzt, so daß sich Burkai bald in die grau same Nothwendigkeit versetzt sahe, daß ihm nichts übrig blieb, als sich die anständigste Todesart zu erwählen. Er sahe sehr wohl ein, daß ein schimpflicher Tod unvermeidlich wäre, wenn er den Feinden lebendig in die Hände fiele, deswegen hielt er es für das Be ste, sich mit allen seinen Leuten, jedoch auf ei ne solche Art vom Leben zu helfen, wodurch
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seine Betrügerey noch nach seinem Tode in(Mahadi. Hegire 166 n. C. G. 782) Ansehen käme. In dieser Absicht ließ er eine tiefe Grube machen, und sie mit ungelöschtem Kalk aus(Er bringt sich mit sei nen Leuten um.) füllen. Dabey gab er vor, dis sey eine Krie geslist, die er, die Feinde damit zu fangen, er sonnen habe. Zugleich ließ er ein grosses Ge fäß mit Branntewein, und andern flüßigen Sachen, die leicht Feuer fangen, anfüllen; und dies sollte gleichfals ein neuer Fallstrick für den Feind seyn. Unterdessen, da seine Leu te mit dieser Arbeit beschäftiget waren, ver giftete er allen Wein, der ihnen bestimmt war; und da sie endlich mit der ihnen aufgetrage nen Arbeit fertig waren, so nöthigte er sie sich den Wein wohl schmecken zu lassen, und da durch ihre Kräfte zu erfrischen, damit sie de sto besser im Stande seyn möchten, einen Hauptsturm auszuhalten, den der Feind al ler Wahrscheinlichkeit nach den folgenden Tag auf sie thun würde. Sie tranken auch in der That recht tapfer, und starben noch alle den selben Tag, weil der Gift sehr heftig war. So bald Burkai <sahe>sabe, daß sie alle tod wa ren, so schleppte er sie selbst in die mit Kalk angefüllte Grube, wo ihre Cörper auch gleich verzehrt wurden. Nachdem er mit dieser Be schäftigung zu Ende gekommen war, so steck te er die in das Gefäß zusammengegossene Spiritus in Brand, und stürzte sich darauf selbst herein.
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(Mahadi. Hegire 166 n. C. G. 782) Die Belagerer wusten gar nicht, woran sie waren, wie sich den folgenden zum Hauptsturm bestimmten Tag keine Seele auf den Wäl len blicken ließ. Burkai war von ihnen als ein geschickter Zauberer angesehen, und aus dieser Ursache befürchteten sie, er möchte sie alle zusammen durch seine Kunststücke ums Leben bringen, ohne sich die Mühe zu ge ben, sich zu vertheidigen. Von dieser ausserordentlichen Vorstellung eingenommen stunden sie lange Zeit an, ob sie der Einladung eines Weibes folgen sollten, oder nicht, die ihnen eben von der Stadt mauer zurief: Sie sollten sich dem Ort nur ganz dreist nähern, es wäre keine Seele von der Besatzung mehr darinn, und sie wollte ihnen sogleich die Thore öfnen. Sie schloß sie auch würklich auf, und die Belagerer drungen auch endlich, doch unter beständiger Besorgung eines Ueberfalls, hin ein. Der General ward bestürzt, weil er niemand darinn antraf, und erkundigte sich bey dieser Frau nach der Ursache davon, die ihm denn den grausamen Entschluß des Re bellen entdeckte, den er an seiner Person, und allen seinen Leuten ins Werk gestellet hatte. Sie offenbahrte ferner, sie würde selbst, ob sie schon Burkais Beyschläferin gewesen, dem Tode nicht entgangen seyn, wenn sie sich nicht den Augenblick hernach, als er ihr sein Vorha
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haben entdecket, versteckt hätte. Auf die(Mahadi. Hegire 166 n. C. G. 782) se Art endigte sich der von Burkai ange sponnene Aufruhr, und die Provinz Cho rassan, welche anfänglich Mine gemacht hatte, ihn zu unterstützen, ward bald wieder zum Gehorsam gebracht. Dennoch ward das Ansehen, so sich dieser(Seine An hänger fah ren fort, seine Lehre auszubrei ten.) Betrüger durch seine Zauberey unter seinem Anhang gemacht hatte, mit seinem Tode nicht völlig ausgelöscht. Sie behaupteten, weder er, noch jemand von denen, die er bey sich gehabt, wären tod, sondern man würde sie vielmehr bald wieder sehen; man mochte ihnen das Zeugniß der Beyschläferin eines Patriarchen, die alles vorgefallene mit angesehen hatte, noch so viel vorhalten. Sie behaupteten mit der grösten Halsstarrigkeit, man hätte dieses Weib bestochen, daß sie aussagen müsse, Bur kai sey mit seinen Leuten auf die angegebene Art weggekommen. Sie fuhren daher fort, sich auszubreiten, und neue Bekehrte zu ma chen. Jedoch da niemand von ihren Häup tern im Stande war, sie aufrecht zu erhalten, so nahm ihr Haufen immer unmerklich ab, und verlohr sich endlich ganz und gar. Die Hauptlehre dieser Secte war die Seelenwan derung, welche die Ravendinen schon zuvor auf die Bahn gebracht hatten. Burkai be saß dem Ansehen nach viele Geheimnisse der Natur, und dadurch verschafte er seiner Secte anfänglich grössern Fortgang, als die vorherge
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(Mahadi. Hegire 166 n. C. G. 782) hende gehabt hatte. Von seinen Geheimnis sen machte er vornehmlich den Gebrauch, daß er sich dadurch bey seinen Anhängern das Ansehen eines Menschen gab, der mit dem Him mel in einer genauen Verbindung stünde. Es war ohngefehr um eben diese Zeit, als (Hegire 168. n. C. G. 783) sich der Calif entschloß, dem Beyspiele seines (Der Calif wallfahrtet nach Mec ca.) Vaters zu folgen, und nach Mecca eine Wall fahrt anzutreten. Er that es auch, aber mit mehr Staat als Andacht. Denn man hat nachgerechnet, daß er auf dieser Reise fast sechs Millionen Goldes verthan hat. Er nahm eine sehr zahlreiche Begleitung mit, und be wirthete sie unterwegens mit allem möglichen Ueberfluß und Pracht. Er führte eine unend liche Menge von Lebensmitteln bey sich, unter andern hatte er allein zwey hundert Cameele bey sich, die mit Schnee beladen waren, dessen er sich zur Anfrischung der Früchte, und der abgezogenen Wasser bediente, die sein gewöhn liches Getränk waren. Zu Mecca machte er einen ganz übermäs sigen Aufwand, wie es noch kein Calif vor ihm sich zu thun unternommen hatte. Da bey aber erfüllte er die Pflichten seiner Reli gion sehr sorgfältig, und verrichtete sein Ge bet in der Moschee verschiedenemal öffentlich, wobey er äusserlich viel Andacht von sich blik ken ließ. Auf dis Gebet folgten allezeit sehr wichtige Allmosen, die er dem Volk austhei
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len ließ. Der Tempel war daher allemal,(Mahadi. Hegire 167 n. C. G. 783) wenn man wuste, daß er sich dahin begeben würde, ganz voll gestopft. Man erzählt, Mahadi habe an einem ge(Des Man zor Hagiani Uneigen nützigkeit.) wissen Tage, da jedermann mit nichts be schäftigt war, als wie er an seiner Freygebig keit Theil nehmen möchte, seinen Großvezier Manzor Hagiani sein Gebet mit vieler An dacht verrichten erblickt; er habe ihn darinn unterbrochen, und zu ihm gesagt: Warum bittest denn du nichts von mir? Hier auf soll ihm dieser fromme Muselmann geant wortet haben: Es würde das gröste Un recht von mir seyn, wenn ich in dem Hause GOttes von jemand anders als von ihm, etwas erbitten wollte, oder wenn ich daselbst um etwas anders, als um ihn selbst bitten wollte. Als der Calif die Pflichten seiner Religion zu Mecca erfüllt hatte, so wollte er auch da selbst ein Denkmal seiner Wallfahrt hinterlas sen, und bauete zu dem Ende einen prächtigen Eingang an die Moschee, deren Schwibbo gen ihm mit der Schönheit des Gebäudes nicht übereinzustimmen schienen. Kurz darauf reisete er ab, und ging nach Medina, um daselbst bey des Propheten Gra be sein Gebet zu verrichten. Auch an diesem Ort machte er mit den Gebäuden eine Aende
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(Mahadi. Hegire 167 n. C. G. 783) rung, um dadurch der Gegend um die Moschee herum eine freyere Aussicht zu verschaffen. Hier begegnete ihm folgender Zufall. Ein gewisser Mensch überreichte ihm mit vieler Ehr furcht einen Pantoffel, wovon man versicher te, daß ihn Mahomed getragen habe. Der Calif nahm dieses Geschenke willig an, und ließ dem Ueberbringer zehen tausend Drachmen Silber dafür auszahlen. Man muß nicht glauben, als wenn der Calif über führt gewesen wäre, daß dieser Pantoffel würk lich zu Mahomeds Nachlaß gehöre; sondern er hielt es für das klügste, bey einer Sache, die in Medina als ein Glaubensartickel an gesehen ward, nicht den geringsten Zweifel spühren zu lassen. (Seine Achtsam keit, dem Volke keine Aergernis zu geben.) Mahomed, sagte er zu einem seiner Ver trauten, hat vielleicht diesen Pantoffel niemals gesehen, allein hätte ich ihn nicht angenommen, so hätte das Volk, welches überführt ist, daß er dem Pro pheten gehört habe, gewiß gedacht, ich verachtete ihn, und was hätte hieraus nicht für ein Aergernis entstehen können? Diese Wallfahrt flößte dem Calif die rüh rendsten Empfindungen der Frömmigkeit und Religion ein. Er befand sich an Oertern, die man mit Recht den Ursprung und Sitz des muselmännischen Glaubens nennen konnte,
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und schien sehr aufmerksam auf seine Pflich(Mahadi. Hegire 167 n. C. G. 783) ten zu seyn. Er war von Natur freundlich und gesprächig, und obgleich diese Tugenden an sich schön genug sind; so schienen sie doch itzo einen neuen Glanz zu erhalten, da sie durch den Geist der Religion belebt wurden. Bey seiner Abreise von Medina begab er(Hegire 168. n. C. G. 784) sich nach Cuffah, wo er eben die Pracht, und eben das Betragen, wie in den andern Städ ten, wo er sich aufgehalten, beybehielt. Be sonders aber gab er hier eine ausnehmende Probe von seiner Menschenliebe und Güte. Als er eben einstmalen im Begriff war, sein Gebet in der Moschee anzufangen, nä herte sich ihm ein Araber, und sagte, er wünschte die Ehre zu haben, sein Gebet mit ihm zugleich zu verrichten; allein er habe sich noch nicht abgewaschen. (Ein gewisses Ge setz verbietet den Muselmännern, nicht eher zu beten, bevor sie sich nicht gewaschen haben.) Der Calif versprach ihm, mit seinem Gebet so lange anzustehen, bis er sich würde gereinigt haben, und hatte auch in der That die Gefäl ligkeit, so lange, bis er sich gewaschen hatte, damit zu warten. Er fuhr auf diese Art fort seinen Untertha nen überhaupt, und besonders denen, die Ge legenheit hatten um ihn zu seyn, alle mögliche Proben der Güte, Zärtlichkeit, und väterli
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(Mahadi. Hegire 168 n. C. G. 784) chen Liebe zu geben. Diese Gesinnungen wa ren ihm auch würklich tief ins Herz gegeben, und bestanden nach dem eingeführten Gebrauch der mehresten Grossen dieser Erden nicht in blossen Complimenten. Man erzählt hiebey, es habe ihn auf der Rückreise nach seiner Hauptstadt ein so hefti ges Ungewitter überfallen, daß es nicht anders geschienen, als wollte das Feuer des Himmels die ganze Gegend verbrennen. Hier sey Ma hadi, den der Schrecken, worinn er die unglück lichen Einwohner dieser Gefilde erblickt, hef tig gerührt habe, vom Pferde gestiegen, auf die Knie gefallen, und habe ausgerufen: HErr! ist es mein Leben, so du verlan gest, so bin ich bereit, deine gerechte Stra fen auszustehen: aber ich bitte dich, scho ne deiner Gläubigen. (Hegire 169 n. C. G. 785) Bey der Zurückkunft in <Bagdad>Bagda, war das Wohl des Staats, und die Glückseeligkeit sei ner Unterthanen sein einziger Augenmerk. Besonders ließ er es sich angelegen seyn, die Stadthalter in den Provinzen oft zu verän dern, um dadurch zu verhüten, daß sie in ih ren Cantons sich nicht zu viel Ansehen anmas seten. Denn hiedurch war es sonst oft gesche hen, daß das durch sie unterdrückte Volk al len Gehorsam versagt, und sich zum Aufruhr hatte verleiten lassen.
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Gleichfals unterließ er nicht, öfters öffent(Mahadi. Hegire 169 n. C. G. 785) lich Gehör zu geben, wo ein jeder, der etwas zur Verbesserung der Policey, oder zur Ver waltung der Gerechtigkeit vorzubringen ha te, sehr gnädig empfangen ward. Oft for derte er auch die Richter selbst vor sich, die man wegen Ungerechtigkeit und gemachtem Unterschleif verklagte, und bestrafte sie, nach vorhergegangener Untersuchung, nachdem ihr Verbrechen gros war, wobey er auch niemals versäumte, den beleidigten Theil wegen des er littenen Unrechts schadlos zu stellen. Wegen dieser Liebe zur Gerechtigkeit, und(Des Cali fen Tod.) Sorgfalt für das Beste der Unterthanen be tete man ihn in dem ganzen muselmännischen Reiche recht an. Man hatte in langer Zeit keinen so grossen, so leutseeligen, und so freyge bigen Prinzen auf dem Thron gesehen. Die Wünsche, daß der Himmel einem Herrn die Krone, der er so würdig war, lange Zeit erhal ten möchte, liessen gar nicht nach. Dennoch aber ward dieser Calif durch eine der betrübte sten Zufälle zu einer Zeit hinweggenommen, da ihm seine Gesundheit, sein Alter, und seine Neigungen die längste und glücklichste Regie rung zu versprechen schienen. Die Schriftsteller kommen zwar darinn über ein, daß er in seinem zwey und vierzigsten Jahr, und in der hundert undneun und sechzigsten He gire gestorben sey; aber wegen der Ursache
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(Mahadi. Hegire 169 n. C. G. 785) zu seinem Tode sind sie verschiedener Mey nung. Einige wollen, daß dieser Prinz, als er sich (Verschiede ne Mey nungen ü ber die Ur sache seines Todes.) zu Mazabdan, einem von Bagdad weit entlege nen Orte, aufgehalten, von seiner Favoritin eini ge sehr schöne Birnen geschenkt bekommen habe, welche dieser von einer ihrer Gespielinnen ge geben worden. Er habe solche kaum aufge gessen, als er sogleich ein grausames Feuer in seinem Körper empfunden, das ihm alle Ein geweide verbrandt habe. Kein Mittel sey hin reichend gewesen, seine Schmerzen zu lindern, oder den Ursprung des Uebels zu heben, und er sey noch denselben Tag gestorben. Man habe hernach erfahren, daß die Birnen, so der jungen Favoritin gegeben worden, mit einer ganz feinen Nadel, so vorher in ein sehr hef tiges Gift getaucht gewesen, auf eine ganz unmerkliche Art durchstochen gewesen wären. Andere sagen, dieser Prinz sey auf der Jagd, wovon er ein grosser Liebhaber war, und dieses Vergnügen, so zu sagen, zu seiner herr schenden Neigung machte, umgekommen; Er habe einen Hirsch, dem er schon lange nach gesetzt, mit der grösten Hitze verfolgt. Dieses Thier sey in ein Haus geflohen, so einen sehr niedrigen Eingang gehabt habe, und der Prinz, der demselben in vollem Galopp nachgejagt, habe in gröster Geschwindigkeit in das Haus reiten wollen. Er habe sich zwar mit dem
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Leibe auf das Pferd gebückt, habe sich aber beym(Mahadi. Hegire 169 n. C. G. 785) Hereinjagen oben an die Thür so sehr gestos sen, daß er eine gefährliche Verletzung davon bekommen, und kurz darauf verschieden sey. Er hinterließ zween Prinzen. Der erste hieß Hadi, und folgte ihm in der Regierung; der andere hieß Haroum - al - Raschid, oder Ra schid. <Mahadi>Nahadi hielt sehr viel auf den letzten, und er hatte ihm auch bey dem Kriege gegen die Griechen, da er die muselmännischen Völ ker anführte, wichtige Dienste geleistet. Es geschahe ohne Zweifel wegen der gros sen Eigenschaften dieses Prinzen, daß er den Entschluß faßte, die Krone niederzulegen, und sie ihm aufzusetzen; allein Haroun wollte sol che durchaus nicht annehmen. Er ernannte daher seinen ältesten Sohn zu seinem Nach folger. In der Acte, die hierüber aufgesetzt ward, wurde ausdrücklich bestimmt, daß nach Hadis Tode die Krone an Haroun fallen, und den Kindern seines ältesten Sohns nicht zu Theil werden sollte. Man kann sich leicht vorstellen, daß Maha di die Kosten in der Schatzkammer lange nicht so angefüllt hinterließ, als er sie bey seines Va ters Almanzors Tode angetroffen hatte. Seine Pracht, seine Geschenke, ja, man kann wohl sagen, seine Verschwendung hätten die ihm von seinem Vater nachgelassenen unermeßlichen Schätze in kurzer Zeit zerstreuet.
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(Mahadi. Hegire 169. n. C. G. 785) Hingegen war sein Leichenbegräbniß sehr schlecht, ohne darauf zu sehen, daß es auf eine seiner hohen Würde gemässe Art begangen wer den sollte, so war es so wenig feyerlich, daß man den geringsten Mann kaum hätte schlech ter begraben können. Er ward nicht weit von dem Ort begraben, wo er gestorben war. Sein Körper ward unter einen Baum eingescharrt, unter dessen Schatten er sich oft auszuruhen pflegte, wenn er in dieser Gegend gejagt hatte. Macines macht mit wenig Worten folgende merkwürdige Beschreibung von dem armsee ligen Begräbnis dieses Califen, wenn er sagt: Man hatte keinen Sarg, worinn man ihn zu Grabe trug, er ward auf eine alte Thür gelegt, und man scharrte ihn unter einen Nußbaum ein, worunter er sich sonst oft niederzulassen pflegte. In der hundert und vier und sechzigsten He gire ward unter seiner Regierung eines der ausserordentlichsten und merkwürdigsten Luft zeichen wahrgenommen. Die Sonne schien kurz nach ihrem Aufgang auf einmal ihren Schein zu verlieren, ohne daß sie verfinstert, oder daß ein Nebel in der Luft gewesen wäre. Es entstand eine schreckliche Finsterniß dar aus, welche bis gegen Mittag anhielt. Ehe ich mich zu Mahadis Nachfolger wen
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de, muß ich noch vorher einige Züge von sei(Mahadi. Hegire 169 n. C. G. 785) ner Gütigkeit und Leutseligkeit schildern, die sein Lob vermehren. Ich habe sie aus einem arabischen Schriftsteller entlehnt, welcher aber nicht dabey anführt, mit welchen Stellen in seinem Leben sie zusammen hängen. Er fand einmal nöthig, einen seiner Be dienten mit Worten zu bestrafen, und sagte zu ihm: Wenn wirst du doch einmal aufhören Fehler zu begehn; dieser gab ihm die Antwort, so lange es GOtt ge fällt euch zu unserer Wohlfahrt das Le ben zu fristen, werden wir Fehler be gehen, ihr aber uns dieselben vergeben. Ein andermal hatte er sich auf der Jagd(Besondere Begeben heit des Ca lifen.) verirrt, und traf im Walde die Hütte eines arabischen Bauren an. Von Hunger, Durst, und Mattigkeit angetrieben, ging er hinein, und fragte den Bauer, ob er ihm nicht etwas zu seiner Erfrischung geben könnte? Dieser satzte ihm darauf ein Stück grob Brodt, und etwas Mehl vor. Mahadi aber bat ihn sich Mühe zu geben, daß er etwas anders an schafte. Der Bauer ging drauf hin, und holte einen Krug mit Wein, woraus er etli che Züge that. Hierauf frug er den Bauer, ob er ihn kennete: welches derselbe mit nein beantwor tete. Ich bin, sagte darauf der Prinz, einer
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(Mahadi. Hegire 169 n. C. G. 785) der vornehmsten Herren am Hofe des Califen. Darauf trank er noch einmal, und frug wieder, ob er ihn kennete? Der Bauer antwortete, er hätte ihm ja eben gesagt, wer er sey? Nein, antwortete der Calif, ich bin noch ein vornehmerer Mann, als ich dir vorhin entdeckt habe. Beym dritten Trunk wiederholte er seine erste Frage von neuem. Der ungedultige Bauer versetzte, er habe es ihm ja den Augenblick gesagt. Wor auf der Calif wieder antwortete: Nein, ich habe dir noch nicht alles gesagt, ich bin selbst der Calif, vor dem alle Welt zu Füßen fällt. Bey diesen Worten nahm der Bauer, an stat sich ihm zu Füßen zu werfen, seinen Krug, und setzte ihn wieder an den Ort, wo er ihn gefunden hatte. Der hierüber erstaunte Ca lif fragte, was dies bedeuten sollte? Das thue ich darum, sagte der Bauer, weil ich befürchte, ihr möchtet der Prophet seyn, wenn ihr noch einmal tränket, und beym letzten Trunk könntet ihr Lust bekom men, mich zu überreden, daß ihr gar der allmächtige GOtt wäret. Der Calif konnte sich hiebey ohnmüglich des Lachens enthalten. Unterdeßen trafen ihn seine Leute, die seinetwegen in Sorgen gewesen waren, und ihn allenthalben gesucht hatten, hier an. Er erzählte ihnen seine Be
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gebenheit, seinem Wirth aber lies er einen(Mahadi. Hegire 169 n. C. G. 785) neuen Rock, und einen Beutel voll Goldmün zen geben. Der über ein so ansehnliches Ge schenk erfreute Bauer bedankte sich deswe gen aufs beste, und setzte scherzend hinzu; ich werde euch allemal für einen würkli chen Menschen halten, wenn ihr auch eure Eigenschaften gleich bis zum vier ten, oder fünftenmale vermehren wolltet.

Hadi.

(Hadi.)

Drey und zwanzigster Calif.

Hadi ließ sich so gleich nach erhaltner Nach richt von seines Vaters Absterben zu Bag dad wieder zum Califen ernennen, und fertig te an alle Statthalter seiner Provinzen Be nachrichtigungsschreiben aus, worinn er ihnen seine Gelangung zum Thron kund that. Der Anfang seiner Regierung ward durch(Houßain, Alis Uren kel, wirft sich zu Me dina und Mecca zum Calif auf.) die Bewegungen, welche die Aliden, um sich wieder in den Besitz des Califats zu setzen, unternahmen, sehr unruhig gemacht. Ein Ur enkel Alis, Namens Houssain, hatte sich schon seit langer Zeit einen Anhang in Medina zu machen gesucht, und nunmehr glückte es ihm, daß ihn die Einwohner dieser Stadt öffent lich als ihren Califen annahmen. Von hier ging er nach Mecca, und bemühete sich gleich
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(Hadi. Hegire 169 n. C. G. 785) fals dorten sein Ansehen auszubreiten. Doch er fand bey dieser Unternehmung mehr Hinder nisse, als er sich vorgestellt hatte, weil sich da mals eben eine grosse Anzahl Abbasiden der Wallfahrt wegen in Mecca befanden. Dem ohngeachtet erhielt er seinen Zweck, und ward zum Calif erkläret, wobey er denjenigen, so ihm daran hinderlich gewesen waren, mit der alleräussersten Strenge begegnete; hauptsäch lich aber fiel sein Zorn auf die Abbasiden, de ren er so viele er nur habhaft werden konnte, hinrichten ließ. Doch dieser Aufstand ward gleich gedämpft, (Der Calif dämpft die sen Auf stand.) sobald des Califen Armee in Arabien anlang te. Houssains Anhang ward zu verschiedenen malen geschlagen. Alle die mit Waffen ver sehen gefangen wurden, wurden gleich nieder gehauen, und allen, von denen man erfuhr, daß sie der Aliden Parthey gehalten, wurden die Köpfe abgeschlagen. (Houssain wird der Kopf abge schlagen.) Houssain entfloh den Händen der Sieger, und begab sich nach Medina, wo er eine siche re Freystadt zu finden hofte. Allein er ward durch Hadis Völker eingeholt und gefangen genommen. Man schlug ihm den Kopf ab, welches Schicksal auch alle seine Verwandten hatten, die zu Mecca gefangen genommen waren. (Der Calif rottet die) Mit eben solcher Strenge begegnete der
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Calif einer schwärmerischen Secte, welche sich(Hadi. Hegire 169 n C. G. 785) schon seit einiger Zeit bemühet hatte, eine so wohl der muselmännischen Religion, als der(Zendinen aus.) Ordnungen der bürgerlichen Gesellschaft ent gegenlaufende Lehre auszubreiten. Sie sta tuirten zwey ewige Wesen, das eine war gut, das andere böse. Sie behaupteten, man müsse gar nichts eigenthümliches besitzen, und kein Fleisch von Thieren essen. Diese Sectirer hiessen die Zendinen. Sie hatten schon in den letzten Jahren von des Mahadi Califat angefangen, mit ihren Lehr sätzen hervorzurücken. Im Anfang hatte man sie nicht bemerkt, indem man sie als närri sche Leute, die eine gefährliche Gesellschaft aus zumachen gar nicht im Stande wären, an gesehn hatte. Doch da sich ihre Anzahl sehr merklich vermehrte, so konnte man leicht ein sehen, daß ihre Absicht nicht allein dahin ging, die Religion umzustossen; sondern daß sie auch den öffentlichen Gesetzen des Staats, und der Reinigkeit der Sitten gänzlich entgegen wa ren. Mahadi brauchte die Vorsicht, sie gänz lich aus seinen Staaten zu verbannen; der größ te Theil von ihnen zerstreute sich hin und wie der in Asien, ein anderer aber ging nach Eu ropa, und besonders nach Frankreich über, wo sie unter dem Namen der Alotigoenser be kannt gewesen sind. Gleich nach Mahadis Tode kamen unter
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(Hadi. Hegire 169 n. C. G. 785) seines Sohns Regierung einige wieder zurück, dieser aber wandte kräftigere Mittel an, diese Rotte gänzlich zu vertilgen. Er ließ um Bag dad herum eine grosse Menge Galgen setzen, und so viel man nur von den Zendinen, oder andern Leuten, die sich ihrer angenommen hat ten, auftreiben konnte, wurden ohne weitere Umstände daran gehenket. Diese Strenge hatte ihre Würkung; die übrigen nahmen an den Hingerichteten ein Exempel, und in kur zer Zeit hörte man von diesen Aufrührern gar nicht mehr reden. (Hegire 170 n. C. G. 786) Nunmehr, glaubte Hadi, hätte er keine in nerliche Händel weiter zu befürchten. Er (Hadi will seinen Sohn zu seinem Nachfolger ernennen.) fing deswegen an, sich selbst in die allergröste Unruhe zu versetzen, indem er den Entschlus faßte, die höchste Würde auf seine Kinder zu seines Bruders des Harouns Nachtheile fort zupflanzen. Mahadi hatte, wie wir gesehen haben, die Verordnung gemacht, daß das Ca lifat so gleich nach seines ältern Bruders Tode auf diesen zurück fallen sollte, und diese letzte Verordnung war durch den einstimmigen Beyfall aller Grossen des Reichs befestigt worden. Der Calif suchte daher seines Vaters letz ten Willen umzustossen, und ob er gleich nur einen einzigen Sohn, mit Namen Giafar, hat te, der damals nur noch ein Kind war, so faß te er doch den Entschlus, ihn als seinen unmit telbaren Reichsfolger erkennen zu lassen.
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Diesen Vorsatz gab er seinem Vezier dem(Hadi. Hegire 170 n. C. G 786) Jahia zu erkennen. Wir werden aber in der Folge sehen, daß er es mehr in der Absicht that, daß er ihn billigen sollte, als ihn des(Vorstel lungen, so ihm sein Vezier da gegen machte.) wegen um Rath zu fragen. Der Vezier stellte dem Prinzen, als ein weiser und erfahr ner Mann, alle Schwürigkeiten vor Augen, die er bey der Ausführung desselben aus dem Wege zu räumen haben würde. Er sagte ihm, daß Haroun bey allen Grossen wegen sei ner Tapferkeit im grösten Ansehen stünde, daß ihm der Staat die grösten Verbindlichkeiten schuldig wäre, weil er den Krieg gegen Grie chenland so glücklich geführt hätte, und daß er besonders noch der Liebling seiner Mutter, des verstorbenen Califen hinterlassener Gemah lin sey, welche herrschsüchtige Prinzeßin es aber nimmermehr gelassen mit ansehen wür de, daß man ihrem so zärtlich geliebten Sohn ein solches Unrecht zufügte. Auf der andern Seite würden die Muselmänner der Wahl, so er zu treffen gedachte, gewis nicht beypflich ten. Diese Völker wollten einen Prinz zu ihrem Oberhaupt haben, der im Stande wä re, allen Verrichtungen im Califat gehörig vorzustehen, die Armee anzuführen, das Ge bet öffentlich zu verrichten, sie auf der Wall fahrt nach Medina zu begleiten, mit einem Wort: selbst zu regieren. Den Beschlus machte er damit, daß er ihm vorstellte, er glaubte, es würde seiner eigenen Ruhe nichts zuträglicher
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(Hadi. Hegire 170 n. C. G. 786) seyn, als wenn er in dem Testament seines Vaters nicht die geringste Veränderung mach te, oder wenigstens noch so lange wartete, bis der junge Prinz die Jahre erreicht hätte, daß er sich dem Volk selbst zeigen, und dessen Zu neigung gewinnen könnte. Hadi hörte alle diese Betrachtungen von (Der da durch belei digte Calif will ihm das Leben nehmen.) seinem Vezier sehr geruhig an, und stellte sich, als wenn er sie billigte. Jedoch die Vorstel lung, so er sich machte, als widersetzte sich die ser Minister seinem Vorhaben aus keiner an dern Ursache, als weil er mit seinem Bruder Haroun, und mit der Alchizaram, seiner Mut ter, des verstorbenen Califen Gemahlin, in der allergenauesten Verbindung stunde, brach te ihn auf einen blutdürstigen Entschluß, der ihm zur Erhaltung seiner Ruhe nothwendig schien. Er ließ an einem gewissen Abend einen an gesehenen Muselmann, Namens Harthamat, der schon seit langer Zeit seine Vertraulich keit besaß, zu sich rufen. Er führte gegen ihn über seinen Bruder Haroun, und über sei nen Vezier Jahia die bittersten Klagen, beyde, sagte er, unterliessen gar nicht, allerhand ge gen ihm zu unternehmen, und ihn allen sei nen Unterthanen gehäßig zu machen. Er hät te daher die gröste Ursache sich von der Furcht zu befreyen, die er aus ihren geheimen Un terhandlungen schöpfen müste, zu diesem En
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de wäre er entschlossen, sie sich beyde vom(Hadi. Hegire 170 n. C. G. 786) Halse zu schaffen; und ihn hätte er zur Aus führung dieser wichtigen Unternehmung aus ersehen. Harthamat zitterte aus Abscheu für dieser ihm aufgetragenen Ausrichtung. Er warf sich zu des Califs Füssen, und bat sich zur grösten Gnade aus, daß er ihm diesmal von dem Gehorsam diesen blutigen Befehl zu voll strecken loszählen möchte. Der Calif wurde durch seine Widersetzung höchst erbittert, und verließ ihn ohne ihm ein Wort zu sagen. Har thamat, der nunmehro alles für sein eigen Leben befürchtete, unterstund sich nicht wie der zu ihm zu gehen; sondern verbarg sich in den Gemächern der Prinzeßin, des Califen Mutter, wo er sich die Nacht über versteckt halten, und auf Mittel denken wollte, der Wuth des Califen zu entfliehen. Allein eben diese Nacht machte Hartha(Des Cali fen Tod.) mats Furcht ein Ende und befreyete den Haroun Jahia von dem Unglück, so über ih ren Häuptern schwebte. Denn Hadi starb darinn, nachdem er noch nicht völlig achtzehn Monate regiert hatte. Die meisten Geschichtschreiber behaupten(Verschiede ne Ursa chen, so man davon angibt.) einstimmig, daß seine Mutter vielen Antheil an seinem Tod gehabt habe. Diese hochmü thige und regierungssüchtige Prinzeßin, hatte
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(Hadi. Hegire 170 n. C. G. 786) einen großen Theil der öbersten Gewalt an sich gezogen, und war beständig von einer Men ge der vornehmsten Herrn umgeben, die bey ihr Cour machten. Der Calif blieb hiebey gar nicht gelaßen, und lies ihr öfters unter der Hand anbefehlen, sie mögte bey ihrer Le bensart etwas mehr Einschränkung gebrau chen. Da aber dies noch nicht fruchten woll te, so kündigte er ihr an, er würde allen denen Großen, so man inskünftige oft an ihrem Ho fe sehen würde, die Köpfe abschlagen laßen. Man sagt, er habe ihr kurz darauf eine ver giftete Gans in der Hofnung sie durch dies Mittel los zu werden, geschenkt, jedoch da sie aus dem bisherigen kaltsinnigen Bezeigen ih res Sohnes schon vielen Argwohn geschöpft, so hätte sie alle mögliche Vorsicht gebraucht, ihr Leben in Sicherheit zu setzen. Aus dieser Ursach hätte sie die Gans einem Hunde zu freßen gegeben, der auch sogleich davon ge storben sey. Diese Begebenheit, und die Feindschaft so der Calif gegen seinen Bruder blicken ließ, brachten sie auf den Entschluß, ihm zuvorzukom men, und ihn ausser Stand zu setzen, seine Grausamkeit an seinen Blutsfreunden aus üben zu können. Andere sagen, sie haben zwo seiner Beyschläferinnen auf ihre Seite gezo gen, und ihn durch dieselben, da er eben in einem festen Schlaf gelegen, die Küssen über
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den Kopf werfen, und ihn also ersticken las(Hadi. Hegire 170 n. C. G. 786) sen. Noch andere aber behaupten, es sey die Prinzeßin selbst gewesen, die diesen Mord an ihrem Sohn verübt habe. Nigiaristhan, ein arabischer Schriftsteller, er zählt, er sey an einem heftigen Husten gestor ben, der ihn in der Nacht, nachdem er zu vor ein Glas kalt Wasser ausgetrunken, plötz lich überfallen habe. Doch die Art, womit er diesen Umstand berührt, schliest den Argwohn gar nicht aus, daß die Prinzeßin an seinem Tode ganz unschuldig gewesen sey. Man kann dieses leicht aus der Stelle muthmassen, wo er den Harthamath redend einführt, und ihn einem seiner Freunde das mit dem Califen gehabte Gespräch erzählen läst. Dies sind sei ne Worte: Der Calif, sagt er, ließ mich an einem ge wissen Tage zu sich rufen, und redete mich mit folgenden Ausdrücken an: Du siehest, Harthamath, daß der gottlose Jahia, Cha leds Sohn, mein erster Minister, mein offen barer Feind ist. Es gehet kein Tag hin, daß er nicht durch seine Reden die Herzen und Gemüther meiner Unterthanen gegen mich auf zubringen suchen, und ihnen hingegen die An gelegenheiten meines Bruders Haroun bestens zu empfehlen suchen solte. Ich kenne deine Treue, und deine Liebe gegen mich, und habe deswegen mein ganzes Vertrauen auf dich gesetzt. Itzt kannst du mir das sicherste Merkmal deiner Er
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(Hadi. Hegire 170 n. C. G. 786) gebenheit ablegen, wenn du nur ohngesäumt beyder ihre Köpfe bringst. Dieser beyder Tod ist der einzige Weg, der mein Leben, und mei ne Krone in Sicherheit setzen kann. Sobald du hiemit fertig bist, must du gleich alle Aliden, und alle ihre Anhänger, die noch in den Gefängnissen sitzen, niederstossen las sen. Hierauf sollst du mit meinem Heere, worüber ich dich itzo zum obersten Befehlsha ber mache, sobald als möglich, nach Cuffah gehen, und alle Abbasiden, die du daselbst an trifst, vertreiben, und zuletzt den Ort in Brand setzen. Als der Calif, fährt Harthamath fort, mir diesen erschrecklichen Befehl gegeben, und mir dabey auch befohlen hatte, ihn sogleich ins Werk zu setzen, warf ich mich zu seinen Füssen, und unterstand mich, ihm die trauri gen Folgen vorzustellen, die derselbe ohnfehl bar nach sich ziehen würde, und entschuldig te mich dabey, daß ich seinen Willen ohn möglich erfüllen könnte. Der Calif ging dar auf ganz zornig von mir, und bezeugte über meine Vorstellungen und Weigerungen den heftigsten Unwillen. Man kann sich leicht vor stellen, in was für eine Furcht und Verwir rung ich dadurch gesetzt wurde, denn wie sehr war es nicht zu vermuthen, daß er mich um die Gefahr, seine Bosheit unentdeckt zu behal ten, zu vermeiden, würde tödten lassen. Ganz
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zweifelhaft, was ich für einen Entschluß fassen(Hadi. Hegire 170 n. C. G. 786) sollte, lief ich in der Sultanin ihre Gemächer, und hofte daselbst einen Winkel zu finden, wo ich mich verbergen, und den von dem Califen nachgeschickten Mördern würde entgehen kön nen. Es war schon Mitternacht, so hörte ich die Sultanin mich bey meinem Namen rufen. Ich glaubte, ich irrete, weil ich nicht wuste, wie sie meinen Aufenthalt in ihren Gemächern hät te erfahren sollen. (Nachhero habe ich erfah ren, daß mich ein Sclave entdeckt, und der Prinzeßin davon Nachricht gegeben hatte). Ich konnte mir also nichts anders vorstellen, als der Calif würde seiner Mutter sein böses Vorhaben entdeckt, und diese Mittel gefun den haben, ihn auf andere Gedanken zu brin gen. Sie rief mich zum andernmale, und sag te dabey: Komm, komm nur ganz unbesorgt, Harthamath, komm, und sieh den Calif tod auf seinem Bette liegen. Der Prinz war würklich einen Augenblick vorher plötzlich ge storben, nachdem er vorher ein Glas Wasser getrunken, und darauf von einem heftigen Husten befallen war. Dieser Zufall machte mich sehr bestürzt, und ich war noch ganz ausser mir, als sie mir sagte: Gehe geschwind hin, und hinterbringe meinem Sohn Haroun in mei nem Namen dasjenige, so du itzo gesehen hast. Ich begab mich auch den Augenblick zu diesem Prinzen, der sogleich die vornehmsten Staats
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(Hadi. Hegire 170 n. C. G. 786) bedienten zusammen rufen, und sich zum Ca lifen ernennen ließ.
(Haroun=al Raschid.)

Haroun - al - Raschid.

Vier und zwanzigster Calif.

(Der Ca lif macht den Vezier Jahia zu seinem Ver trauten.) Wir haben schon gesehen, auf was für Art Haroun den Thron bestiegen. Seine erste Sorge war, diejenigen, denen er die Krone und das Leben zu danken hatte, reichlich zu beloh nen. Vor allen Dingen bestätigte er den Vezier Jahia, der sich des Hadi Vorsatz, ihn von der Regierung auszuschliessen, so muthig widersetzt hatte, in seiner Würde. Dabey setzte er sein ganzes Vertrauen auf diesen Mann, und wollte ihn beständig um sich haben. Diese grosse Vertraulichkeit des Califs ge gen seinen Vezier setzte ihn bald ins gröste Ansehen. Alle benachbarte Fürsten suchten seine Freundschaft, ja es waren einige darun (Er gibt seine Ein willigung zur Ver mählung des Veziers mit der Tochter des Königs von Choza rar.) ter, die den Vorschlag thaten, besondere Ver bindungen mit ihm aufzurichten. Unter an dern trug der König von Chozarar seine Prin zeßin Tochter einem seiner Söhne zur Braut an. Der Vezier entdeckte diesen Vorschlag, der gar zu vortheilhaft war, als daß er ihn hätte verwerfen können, dem Califen, und die ser gab seine Einwilligung auch sehr gerne dazu. Der König von Chozarar schickte ihm
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darauf seine Prinzeßin unter einer zahlreichen(Haroun - al Raschid. Hegire 170 n. C. G. 786) Begleitung der vornehmsten Herren bis an die Gränzen von des Califs Staaten entge gen. Allein sie war kaum wenige Meilen in das muselmännische Reich gekommen, da sie von einer heftigen Colick befallen, und dadurch genöthiget ward, an einem gewissen Ort, der Bardaha heist, zu bleiben. Hier starb sie(Tod dieser Prinzeßin.) auch, nachdem die Krankheit dergestalt zuge nommen hatte, daß alle dagegen gebrauch te Mittel ihre Würkung versagt hatten. Die ser Verlust kränkte den Vezier um desto mehr, weil der Calif dadurch in einen Krieg verwik kelt ward. Der König zu Chozarar beschul digte die Muselmänner, sie hätten seine Toch ter umgebracht. Man weiß zwar nicht, aus was(Hegire 171. n. C. G. 787) für Ursache er diese verhaste Anklage vorbrachte, allein so viel ist gewis, er kündigte dem Calif(Der Kö nig von Chozarar fällt den Ca lif an.) deswegen den Krieg an. Und bald darauf erhielt man zu Bagdad die Nachricht, daß er mit seiner Armee in vollem Anzuge sey, um die muselmännischen Staaten zu überfallen. Diese, die sich eines so geschwinden An griffs nicht versehen hatten, eilten zwar aus allen Kräften, ihre Gränzen zu beschützen. Allein der Calif sahe sich genöthiget, seine be sten Völker gegen Griechenland zu schicken, weil sich mit diesem Reiche eben damals eini ge Irrungen hervor gethan hatten. Aus die ser Ursache konnte er den Chozararen keine an
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(Haroun - al Raschid. Hegire 171. n. C. G. 787) dere, als eine neugeworbene, und in der Kriegsübung unerfahrne Mannschaft entgegen stellen, welche auch im geringsten nicht im Stande war den Feind aufzuhalten, sondern vielmehr theils in Stücken gehauen, theils zerstreuet wurde. Die Sieger plünderten darauf das ganze Land aus, und kehrten mit einer entsetzlichen Menge Gefangenen zurück, die sie alle zu Sclaven machten. (Hegire 172 n. C. G. 788) Hingegen hatten die Waffen des Califen ge gen Griechenland einen bessern Fortgang. (Er erneu ert den Waffen stillstand mit Grie chenland.) Die Kayserin Irene war den Bedingungen nicht nachgekommen, auf welche der Frieden geschlossen war. Haroun schickte ihr deswe gen ein zahlreiches Heer auf den Hals, wel ches ganz klein Asien bis nach Ephesus durch streifte, und alle Provinzen des griechischen Kayserthums verheerte. Nunmehro sahe I rene ein, was sie für einen Fehler begangen hatte, indem sie sich einen mächtigen Feind zuzog, da sie doch in dem innersten des Reichs genug Beschäftigungen vor sich hatte. Sie that ihm deswegen geschwind Friedensvor schläge, welche auch der Calif annahm, und auf dieselben den Waffenstillstand erneuerte, den seine Vorfahren mit ihr eingegangen waren. (Hegire 173. n. C. G. 789) Als Haroun nunmehr von dieser Seite Ruhe hatte, so war er mit Ernst bedacht, sei (Er führt die Künste) ne Gränzen gegen die Anfälle der Chozararen,
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und anderer benachbarter Völker in Sicher(Haroun - al Raschid. Hegire 173. n. C. G. 789) heit zu setzen. Es währte auch nicht lange, so hatte er sie dahin gebracht, daß er sie nicht mehr fürchten durfte. Hierauf war er be mühet sich des gänzlich hergestellten Friedens(und Wissen schaften in seinem Reich ein.) zur Verbesserung seiner Unterthanen anzuwen den, sie gesitteter zu machen, und ihnen die, so zu sagen, angebohrne Barbarey, etwas ab zugewöhnen. Diesen schweren Vorsatz glücklich auszufüh ren schien ihm nichts bequemer zu seyn, als der Nation einen Geschmack an den Wissen schaften beyzubringen. Diesem Grundsatz folgte er auch. Da er selbst viel Verstand und Witz hatte, so war er der erste, der anfing, sich auf die Gelehrsamkeit zu legen. Er be rief die Gelehrten an seinen Hof, empfing sie mit vieler Aufmerksamkeit, und wieß ihnen ansehnliche Belohnungen und Besoldungen an. Er hatte allezeit eine Anzahl auserlese ner Männer bey sich, wenn er in den verschie denen Provinzen seines Reichs herum reisete, ja selbst wenn er an der Spitze seiner Armee stund, und unterredete sich mit ihnen von allerhand gelehrten Materien. Dabey wandte er gewiß recht königliche Ko sten an, um seinen Unterthanen diesen Ge schmack, den er von Natur an den Wissen schaften hatte, gleichfals beyzubringen. Auf seinen Befehl wurden die mehresten griechi
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(Haroun - al Raschid Hegire 173. n. C. G. 789) schen und lateinischen Bücher in das Arabische übersetzt. Hiervon ließ er wieder eine grosse Menge Abschriften nehmen, und sie in sei nem ganzen Reiche vertheilen, damit die Lehr begierigen aus einer so reichen Quelle desto gemächlicher schöpfen könnten. Zu dieser Zeit ward in Arabien Homers Jliade, und Odys ser, nebst den andern Werken der grossen Geister bekannt, die ehedem die Zierden von Athen und Rom gewesen waren. (Hegire 174 n. C. G. 790) Der Geschmack an den Künsten und Wis senschaften führte ohnvermerkt Griechenlands und Italiens Reichthümer nach Arabien hin über. Die Sitten verlohren ihre Rauhigkeit, und die nunmehro aufgeklärten Geister such ten im Nachforschen ihre Nahrung. Man sahe kurz darauf unter diesem Volk berühmte Männer aufstehen, die sich den erhabensten Ruhm erwarben. Haroun hatte den Ruhm, dieses grosse Werk angefangen, und durch sein Beyspiel in den Gang gebracht zu ha ben. Es war aber erst für die Zeiten seiner Nachfolger aufgehoben, daß es zu einer ge wissen Vollkommenheit gelangte. (Hegire 175. n. C. G. 791) Die Vorsorge des Califen blieb nicht allein bey den Wissenschaften stehen, sie erstreckte sich auch auf die innerliche Wohlfahrt des Staats, welche er dadurch, daß er eine wohlgeordnete Policey einführte, und solche Richter setzte, die die Gerechtigkeit zu verwalten fähig wa
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ren, zu befördern bemüht war. Dieser Ei(Haroun - al Raschid. Hegire 175. n. C. G. 791) fer für die Gerechtigkeit brachte ihm inson derheit den Zunamen Al - Raschid zuwege, welcher einen rechtliebenden, und Freund der Gerechtigkeit anzeiget. Jedoch, so sehr sich auch die Geschichtschrei ber bemühen, uns von der Güte, von der Leut seligkeit, und von der Billigkeit dieses Califen den erhabensten Abriß zu machen; so werden wir doch bald verschiedene Züge von ihm ent decken, welche nicht nur einen sehr wunder lichen und eigensinnigen Character, sondern auch sogar viel Arglist, Härte, und eine die Mensch lichkeit verunehrende Barbarey an ihm ver rathen. Womit wollen sie zum Exempel sein Bezeu gen gegen eine sehr angesehene Person aus dem Geschlecht der Aliden entschuldigen, der er erst auf das allerheiligste sein Wort gab, sol ches aber kurz darauf auf eine grausame Art brach? Die Sache verhält sich folgender Gestalt. Er erhielt zu der Zeit, als seine Staaten(Hegire 176 n. C. G. 792) der durch seine Bemühungen und Sorgfalt wiederhergestellten Ruhe stolz genossen, die unangenehme Nachricht, daß in Giorgian, und Dielaim sich ein fürchterlicher Aufstand gegen ihn entsponnen habe, von dem er den Verlust sei ner Krone allerdings besorgen müsse.
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(Haroun - al Raschid. Hegire 176 n. C. G. 792) So viel Mühe man auch angewendet hatte, den Anhang der Aliden auszurotten, so war es doch nicht möglich gewesen, sie gänzlich zu (Jahia, ein Nachkom me Alis, wirft sich zum Cali fen auf.) vertilgen. Jahia, Hassans Sohn, der in ge rader Linie von dem Ali abstammte, hatte das Glück gehabt, den strengen Verfolgungen zu entgehen, wodurch man dieses ganze Haus hatte vertilgen wollen. Er hatte sich hernach unter der Hand einen grossen Anhang gemacht, der endlich in eine völlige Rebellion ausbrach, und mit seiner Ernennung zum Califen den Anfang nahm. Haroun kehrte den Augenblick alle mögliche Mittel vor, diesen Aufstand zu dämpfen. Er schickte den Fadhel mit funfzig tausend Mann den Rebellen entgegen. Wie dieser in der Provinz Chorassan angelanget war, so fand er die beste Gelegenheit sich von des Jahia Cha racter zu unterrichten, und erfuhr, daß er ihn mit leichter Mühe zum Gehorsam bringen würde, wenn er ihm nur einige Achtung be zeugte, und ihm die Hofnung machte, daß ihm der Calif in einen seiner hohen Geburt, und seinen Verdiensten gemässen Zustand versetzen würde. Aus dieser Ursach blieb er in Chorassan stehen, und schickte an den Jahia einen ver trauten Menschen ab, der gegen denselben das zahlreiche Heer, so er bald auf dem Halse ha ben würde, herausstreichen, und ihm zugleich
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die Wege an die Hand geben muste, wie er dem(Haroun - al Raschid. Hegire 176 n. C. G. 792) gedroheten Unglück entgehen könnte. Dabey bemühete er sich insonderheit ihn zu überreden, daß er sich Fadhels friedfertige Gesinnungen in Ansehung seiner zu Nutze machen möchte. Er sagte ihm, dieser General habe schon alles zu seiner Aussöhnung mit dem Califen vorge kehrt, er habe diesem Prinzen versichert, daß man den Aufruhr in Giorgian ihm keines weges beymessen könnte, denn er hätte sich nicht aus der Ursach zum Califen erklären lassen, um die Krone den Abbasiden streitig zu machen, sondern einzig und allein, um die Aliden nicht vor den Kopf zu stossen, die allezeit viel Treu und Zuneigung gegen ihn getragen, und ihn itzo wegen der Vorrechte, die ihm seine Geburt gäbe, gezwungen hätten, ihr Haupt zu werden, und ganz wider seinen Willen den Krieg an zufangen. Mit einem Wort, dieser listige Unterhändler wuste seine Absicht so wohl zu erreichen, daß er den Jahia ganz wankend mach te, und mit ihm die Mittel ausfindig zu machen suchte, wie er erstlich den Zorn des Califen stil len, und hernach den Nachstellungen der Ali den entgehen könnte, welche gewis nicht unter lassen würden, auf Rache gegen ihn bedacht zu seyn, wenn er von ihnen zum Calif über ginge. Als der Unterhändler merkte, daß er schon so weit nachgab, und daß die Sicherheit nur noch
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(Haroun - al Raschid. Hegire 176 n. C. G. 792) den einzigen zu entscheidenden Punct ausmach te, so sahe er den Handel schon als geschlossen an, und that ihm den Vorschlag, so gleich Gi orgian zu verlassen, und sich nach Bagdad zu begeben. Da könnte er den Verzicht auf seine Ansprüche in Harouns Hände selbst thun, wel cher ihm von seiner Seite gewis in Schutz neh men, und ihm seinen Hof zur sichern Frey statt gegen alle diejenigen anbieten würde, welche gegen seine Person etwas böses im Sin ne führten. Indessen lagen dem Jahia noch die Folgen auf dem Herzen, die aus einer so wichtigen That herfliessen könnten, und daher machte er noch immer viele Schwierigkeiten, welche aber die Geschicklichkeit dieses Unterhändelers alle zu heben wuste, so daß er sich endlich entschloß, selbst an den Fadhel zu schreiben, und ihn von seinen Gesinnungen zu unterrichten, er bat ihn dabey, dem Califen davon wieder Nachricht zu geben, und von ihm die Versicherungen einzu holen, auf welchen die Endigung dieser wichti gen Sache einzig beruhete. Der über den glücklichen Fortgang seines (Versiche rungen, so der Calif dem Jahia wegen sei nes Lebens und seiner Freyheit gibt.) Unternehmens erfreute Fadhel berichtete dem Califen sogleich alle Umstände davon. Die ser freute sich an seiner Seite nicht weniger, daß eine so gefährlich anscheinende Rebellion ohne viele Umstände und ohne Blutvergiessen beygelegt war, und schickte ihm einen eigenhän
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dig geschriebenen Schein zurück, worinn er(Haroun - al Raschid. Hegire 176 n. C. G. 792) bey seiner Ehre versicherte, niemals das ge ringste gegen Jahias Leben oder Freyheit zu verfügen, sondern ihm vielmehr mit aller sei ner Geburt gebührender Achtung zu begegnen. Und da er glaubte, daß der Prinz noch einigen Argwohn gegen einige Herrn am Hofe tragen, und aus dieser Ursache neue Schwierigkeiten machen möchte, so ließ er noch dazu gedachten Schein durch die angesehensten Abbasiden, und übrige Grossen des Staats unterschreiben. Dieses so förmliche Diplom ward gleich zu rückgeschickt. Der verschlagene Abgeordnete, der schon das erstemal seine Verrichtungen so glücklich zu Stande gebracht hatte, muste Itzo wieder die Bestellung desselben übernehmen, welche er auch mit erwünschtem Fortgang ver richtete. Wie Jahia das mit des Califen eigener Hand gezeichnete, und mit Einwilli gung der grösten Staatsbedienten ausgefertig te Diplom zu Gesicht bekam, so fielen auf dieser Seite alle seine Einwürfe übern Haufen, auf der andern Seite hingegen fand er sich sehr ver legen, wie er es anzufangen hätte, sich aus den Händen der Aliden loszumachen. Auch aus dieser Verwirrung wuste ihm der Abgeordne te hinaus zu helfen, und so gute Anstalten vor zukehren, daß er aus Giorgian wegkam, ohne daß sich jemand seine Flucht hätte sollen ein fallen lassen. Er führte ihn in gröster Eile nach
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(Haroun - al Raschid. Hegire 176 n. C. G. 792) Chorassan, wo ihn Fadhel an der Spitze sei ner Armee mit den grösten Ehrenbezeugungen empfing. Von hier brachte er ihn nach Bag dad, nachdem er zuvor einige Zeit ausgeru het hatte. (Hegire 177 n. C. G. 793) Hier empfing ihn der Calif mit allen Freund schaftsbezeugungen, welche er nur immer von (Jahia be gibt sich zum Calif, der ihn sehr wohl auf nimmt.) einem Prinzen erwarten konnte, der die gros müthigsten und edelsten Neigungen zu hegen schien. Er redete ihn mit folgenden Worten an: Ihr seyd hier zu Hause, mein Herr, ich theilte gerne den Thron mit euch, wenn ich es nur thun dürfte; übrigens könnt ihr euch ganz allein nach eurem Gutdünken eine Lebensart erwählen, ihr könnt so oft zu mir kommen, als ihr wollet, ich werde euch stets gerne sehen, findet ihr es aber nicht für gut, mich zu besuchen, so bin ich auch davon zufrieden, denn ich will, daß ihr euch gar nicht zwingen, sondern aller Freyheit bedienen sollet. Hierauf ließ er ihm eine prächtige Wohnung in seinem Pallast anweisen, und beorderte ge wisse Bediente zu seiner Aufwartung; mit ei nem Wort, er ließ nicht das geringste aus der Acht, was einem Prinzen, der sich seinen Hän den mit so viel Zuversicht anvertrauet hatte, zum Vergnügen gereichen konnte.
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Jahia von wahrer Erkänntlichkeit gerühret(Haroun - al Raschid. Hegire 177 n. C. G. 793) bereuete es gar nicht, daß er sich hieher bege ben hatte, er wiederholte und bekräftigte viel mehr dem Calif alle Versprechungen und Ver bindlichkeiten, wozu er sich gegen den General Fadhel anheischig gemacht hatte. Nunmeh ro fing er an, seinen Aufenthalt an dem Hofe zu Bagdad fest zu setzen, indem er wohl einsahe, daß er der Ruhe, der er hier genossen, unter den Rebellen nimmer würde theilhaft geworden seyn, und sich zu gleich freute, daß er sich die Gelegenheit zu Nutze gemacht hätte, sich aus dem gefährlichen Garn, worein ihn die Aliden durch ihren Aufstand verwickelt hätten, auf so gute Art herausgezogen hätte. Doch dieser glückliche Zustand war von keiner langen Dauer. Es sey nun, daß es von Harouns natürlicher Unbeständigkeit, oder von der Verhetzung einiger Hofleute herrühr te, das will ich nicht untersuchen. So viel aber ist gewiß, daß er sein Bezeugen gegen den Jahia auf einmal änderte. Ob er gleich einen Nebenbuhler, der von selbst zu ihm geflo hen, sich in seine Hände geliefert, und alles um den edeln Frieden zu erhalten, aufgeopfert hatte, im geringsten nicht zu fürchten hatte; so machte er doch den Schlus, es könnte sich, so lange als er lebte, noch immer eine Parthey für ihn hervorthun, und seine Ansprüche auf
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(Haroun - al Raschid. Hegire 177 n. C. G. 793) das Califat unterstützen. Und dieser brachte ihn zu der grausamen Entschliessung, diesen Prinzen aus dem Wege zu räumen. Fadhel, Giafar, und die andern Barmeciden, bezeug ten einen rechten Abscheu dafür, und thaten alles mögliche den Califen von der Ausfüh rung desselben abzurathen, allein alle ihre Vorstellungen waren unfruchtbar. Und kurze Zeit hernach erfuhr man, daß der unglückliche Jahia umgebracht sey. Alle, welchen die Verbindungen bekannt wa ren, die der Calif mit diesem Prinzen einge gangen war, betrachteten diese schändliche That mit dem gerechtesten Wiederwillen. Die Eh re des Califen litt sehr stark dabey, und es ge hörte lange Zeit dazu, ehe die gehäßigen Ein drücke ausgelöscht wurden, die diese Bosheit gegen ihn auf die Herzen aller Unterthanen gewürket hatte. Jedoch die Zeit macht alles vergessen. Die schlimmen Meynungen, die man deswegen von dem Calif gefast hatte, verschwunden ohn merklich, und man fand selbst Gründe ihn zu rechtfertigen. Die Erhebungen der Schmeich ler, die Bemühungen der Gelehrten, die un ter seinem Schutz blüheten, und am aller meisten der grosse Religionseifer, denn die Andacht, so er beym öffentlichen Gottesdienst von sich blicken ließ, versöhnten ihn in kurzer Zeit mit allen, ja selbst mit denen, die anfäng lich am meisten aufgebracht waren.
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Das allerkräftigste Mittel aber, wodurch er(Haroun - al Raschid. Hegire 179 n. C. G 795) sich alle Herzen wieder eigen machte, war ei ne Reise, die er nach Mecca anstellte, und da bey den Schein eines Menschen von sich sehen(Der Calif gehet zu Fusse nach Mecca.) ließ, der von den Empfindungen der Religion ganz eingenommen ist. Er brach zu Fusse von Bagdad auf, und vollendete auf diese Art den ganzen Weg bis nach Mecca. Von da begab er sich nach Medina, und kehrte wie der nach Bagdad zurück, nachdem er sein Ge bet beym Grabe des Propheten verrichtet hat te. In allen Ländern, die er bey dieser Gelegen heit durchreisete, ließ er die vortheilhaftesten Meynungen von seiner Frömmigkeit, Gnade und Liebe für die Unterthanen zurück. Das erste, so er nach seiner Zurückkunft(Hegire 180 n. C. G. 796) vornahm, war, daß er den durch die Reise un terbrochnen Umgang mit den Gelehrten wieder anfing. Durch die neuen Proben, die er ih nen von seiner Gnade und Zuneigung gab, wur den die Geschichtschreiber, und vornehmlich die Dichter angereitzt, das Lob ihres Wohl thäters bis an den Himmel zu erheben. Wie gut wäre es nicht gewesen, wenn er gesucht hätte, sich alle ihm zugezählte Tugenden zu er werben, oder nur diejenigen, so er schon würk lich besaß, in Ausübung zu bringen. Allein unterdessen, da man seine Aufrich(Hegire 181. n. C. G. 797) tigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheitsliebe so sehr erhob, beging er eine garstige That, die
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(Haroun - al Raschid. Hegire 181. n. C. G. 797) alles wieder verdarb. Das schlimmste dabey war, daß er sie mit Vorsatz beging und keine einzige beschönende Ursach seines Verfahrens anführen konnte. Es war gewis keine Ueber eilung von ihm, denn er ging immer weiter, und nahm gar keine Vorstellung an, ob er gleich gezwungen war, sein eigenes Unrecht zu erkennen. (Geschichte der Bar meciden.) Diese Begebenheit gehet das erlauchte Haus der Barmeciden an, dem der Calif die grösten Verbindlichkeiten hatte, und dennoch dessen Verderben aus einer fast unglaublichen Ursach unterschrieb. Dieser Umstand macht in dem Leben des Califen so viel Aufsehen, daß er wohl verdient, etwas weitläuftig aus ein ander gesetzt zu werden. Ich will deswegen meinen Lesern zuvor ganz kurz anzeigen, wer die Barmeciden gewesen sind, und ihnen die Ursache eröfnen, die sie auf einmal in die gröste Ungnade und in den bedaurungswürdigsten Zustand versetzte, nachdem sie vorher von den Ommiaden und Abbasiden zu dem höchsten Gipfel des Glücks und der Ehren erhoben waren. Ich habe schon bemerkt, daß in den letzten Jahren unter Solimans Regierung ein von den alten persischen Königen abstammender Prinz, Namens Giafar, sich genöthiget sahe, aus seinen Staaten zu flüchten, und sich mit allen seinen Kindern in des Califen Gebiet
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niederließ, ich habe die Ursache angezeigt, war(Haroun - al Raschid. Hegire 181. n. C. G. 797) um man ihm den Zunamen Barmeki, der hernach allen von seinem Namen beygelegt wurde, und solche von der Zeit an die Barme ciden nannte, gegeben hatte. Dieser Giafar wuste sich bey den Ommia(Die Bar meciden, werden von den Om miaden und Abba siden erho ben.) den in die gröste Gunst zu setzen. Seine Kin der waren nicht nur die Erben seiner Klug heit und seines Verstandes, sondern sie erbten auch das Glück ihres Vaters, und bekleideten unter den letzten Califen aus Ommiahs Hau se allemal die vornehmsten Ehrenstellen; und behielten ihr Ansehen, als die Abbasiden sich die höchste Würde eigen gemacht hatten. Unter Harouns Regierung war Jahia, ein Abkömmling von Giafar, das Haupt des bar mecidischen Hauses. Dieser Herr bestätigte ihn in der Würde des Veziers, die er schon unter zwey vorhergehenden Califen mit Ruhm verwaltet hatte. Haroun würdigte ihn einer vollkommenen Gnade, nicht nur seiner grossen Verdienste wegen, sondern er hatte noch eine besondere Ursach ihn hochzuschätzen. Jahia hatte ihn erzogen, er hatte seinen Geist gebil det, und ihm war er sowohl wegen des Fort ganges, so er in den Wissenschaften gemacht hat te, als auch wegen der in seinen Staaten ge machten weisen Verfügungen einzig und allein verbunden. Die Kinder dieses Ministers wurden gleich
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(Haroun - al Raschid. Hegire 181 n. C. G. 897) fals zu den wichtigsten Angelegenheiten, und an das Staats - Ruder gezogen. Fadhel der Aelteste von ihnen saß mit im Geheimden Rath, und erwarb sich überdas den Ruhm des grösten Generals seiner Zeit. Giafar, der zweyte, that sich durch seine grosse Liebe zu den Wissenschaften besonders hervor, und ward als der schönste und bered teste Schriftsteller dieses Jahrhunderts ange sehen. Die beyden Jüngsten, Mahomed, und Meus sa, vermehrten gleichfals den Glanz ihres Stamms, und verwalteten die vornehmsten Aemter mit gröstem Ruhm. Da sie im Schosse der Hoheit und des Ue (Jahia gibt seinen Kin dern Leh ren.) berflusses gebohren waren, so hielt ihr Vater für nöthig, sie bey Zeiten zu lehren, daß sie die Reichthümer recht gebrauchen, und sie blos zur Belohnung der Tugend, und zur Aufhel fung der Unterdrückten anwenden müsten. Er sagte ihnen oft: Seyd großmüthig, und theilet eure Schätze denen reichlich mit, welche ihrer wegen ihrer Künste, ihrer Tugenden, und erlittenen Unglücksfälle würdig sind. Befürchtet dabey nicht, daß eure Reichthümer durch diese Freygebigkeit abnehmen werden. Ja solltet ihr gleich durch die Zulassung GOttes, oder durch die Bosheit der
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Menschen ins künftige davon gebracht(Haroun - al Raschid. Hegire 181. n. C. G. 897) werden, so seyd versichert, daß auch der davon gemachte gute Gebrauch ei nen innerlichen Trost mittheilen wird, der euch zur Zeit der Trübsal auch recht erhalten wird. Solltet ihr ihn aber zur Wollust und zur Ueppigkeit an wenden, so wird euch sein Verlust zur Verzweiflung bringen. Denn alsdenn wird es euch einfallen, daß ihr euch als eigenthümliche Besitzer desselben ange sehen, und ihn doch nur allein zur Ver waltung gehabt habt. Diese vortrefliche Ermahnungen machten auf seine Kinder den lebhaften und glückli chen Eindruck, besonders da sie wusten, daß dieselbe nicht blosse Lehren, sondern mehr einen getreuen Abriß von der Lebensart ihres Va ters darstellten. So wie sie an Alter zunah men, so entwickelten sich ihre Verdienste von Tage zu Tage. Man befand sie bald der höchsten Ehrenstellen würdig, und der Calif bemühete sich schon, sie damit zu bekleiden, als sie nur noch Jünglinge waren. In solcher Gnade stunden sie viele Jahre nach einander, in welchen der Calif nicht nachließ, sic mit Reichthümern und Würden recht zu über schatten. Ihr Vater Jahia legte endlich sein schon(Hegire 182. n. C. G. 798 Giafar) so lange Jahre verwaltetetes Vezierat nieder,
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(Haroun - al Raschid. Hegire 182 n. C. G. 798) welches seinem zweyten Sohn Giafar wieder aufgetragen ward; allein der Geschmack, den dieser an einer geruhigen Lebensart fand, mach (tritt das Vezierat an seinen Bru der Fadhel ab.) te, daß er es auch kurz darauf wieder nieder legte; worauf es dem ältesten Bruder Fadhel gegeben ward, welcher sich bey dieser hohen Würde ebenfals des Ruhms theilhaftig mach te, den sein Vater und Bruder dabey erwor ben hatten. So bald sich Giafar von den Regierungs geschäften befreyt sahe, so dachte er auf nichts als die Zeit zu brauchen, und sich dem Ver gnügen zu überlassen. Der Calif fand hier an nicht weniger Geschmack, und vereinigte sich deswegen so genau mit diesem Favoriten, daß er keinen Augenblick ohne ihn zubringen konnte, und an keiner Veränderung Vergnü gen fand, wenn nicht sein Giafar dabey war, und Antheil daran nahm. Eben so zärtlich liebte der Calif seine Schwe ster Abbassah. Er fand das gröste Vergnü gen darinn, täglich etliche Stunden mit ihr zuzubringen; jedoch verursachte die Liebe, die er zu seinem Favoriten trug, daß ihn zu eben der Zeit nach seiner Gegenwart sehr verlangte, denn die Prinzeßin wohnte an einem abgelege nen Ort im Pallast bey des Califen Weibern, wohin niemand als ihm allein der Zugang of fen stund.
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Doch Haroun wollte seine Neigung erfül(Haroun - al Raschid. Hegire 182 n. C. G. 798) len, und setzte deswegen den Wohlstand an die Seite. Denn ob es sich gleich gar nicht schickte, die Prinzeßin der Gesellschaft ihrer Frauen zu entziehen, und ihr den Umgang mit Personen von anderm Geschlecht zu verstat ten, so entschloß er sich doch dazu, und ließ ihr in seinem Pallast eine Wohnung zurechte machen. Dabey verordnete er, daß sie ins künftige allemal an seiner Tafel speisen sollte. Hiedurch bekam Giafar Gelegenheit, oft ei(Hegire 184. n. C. G. 809) ne liebenswürdige Prinzeßin zu sehen, von der ihm der Calif unzähligemal mit den grösten(Giafar ver liebt sich in Abbassah, des Califen Schwester.) Lobsprüchen erzählt hatte. Ihr edler Anstand, und besonders ihr Geist, und ihr angenehmer Umgang bezauberten ihn gänzlich. Die Prin zeßin ließ an ihrer Seite den Giafar auch nicht unbemerkt, und wuste ihm vor den an dern Hofleuten einen merklichen Vorzug zu geben. Mit einem Wort, sie fanden beyde Geschmack an einander. Die Munterkeit, so die Gastereyen einflößen, das heitere Wesen, und der Scherz der Gäste, alles kam dem Giafar zu statten, ihr die Heftigkeit seiner Lie be erkennen zu geben, und zu entdecken, daß er nicht gehasset würde. Der Calif sahe die ses bald, und ohne sich darüber zu erzürnen, schien er vielmehr geneigt zu seyn, seines Lieb lings Glück zu machen, und gab die schmei chelhafte Hofnung, ihm die Abbassah zur Ge mahlin zu geben.
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(Haroun - al Raschid Hegire 184. n. C. G. 800) Diese Erklärung erfüllte alle Wünsche des Giafar, und die Prinzeßin bezeugte die größ te Bereitwilligkeit den Absichten ihres Bru (Bedingun gen, unter welchen der Calif in ih re Verhey rathung williget.) ders zu folgen. Er faste daher den Vorsatz, diese wichtige Sache mit nächstem zu Stande zu bringen. Doch ehe er seine völlige Ein willigung dazu gab, legte er den beyden Ver liebten die Bedingung auf, daß sie sich nie mals, als in seiner Gegenwart sprechen, und mit einem Wort, als Schwester und Bru der zusammen leben sollten. Alles dieses ward bey einer prächtigen Mahlzeit, wo man den Wein gar nicht schonte, ausgemacht. Denn die meisten Califen von Syrien machten sich gar kein Gewissen, den Wein häufig, ja selbst bey öffentlichen Gelegenheiten zu trinken. Giafar und Abbassah glaubten daher, diese ausserordentliche Bedingung würde mehr eine Würkung der Weindünste als eines überleg ten Entschlusses seyn, sie versprachen daher alles, was der Calif haben wollte, und thaten gar einen Eyd, demselben genau nachzukom men, denn sie glaubten, er würde selbst der erste seyn, der das Lächerliche dieses ausseror dentlichen Verbots einsehen, und es wieder aufheben würde, Auf diese Bedingung ward die Vermäh lung vollzogen, welche jedoch Giafar bald aus dem Wege zu räumen hofte. Allein wie er schrak er nicht, als ihm der Calif mit kaltem
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Geblüt das Verbot wiederholte, sich der Rech(Haroun - al Raschid. Hegire 184. n. C. G. 800) te des Ehestandes mit Abbassah gänzlich zu enthalten, er fügte die Drohung hinzu, daß er ihn auf den Fall, wenn er diesen Befehl überschreiten sollte, gewis würde umbringen lassen. Der arme Giafar muste sich also diesem grausamen Befehl gedultig unterwerfen, und man muß beyden jungen Vermählten nachsa gen, daß sie lange Zeit hinbrachten, ehe sie sich unterstanden, diesem beschwerlichen Gesetz zu wider zu handeln. Jedoch Abbassah, der die Zeit zu lang werden mochte, schickte ihrem Mann ein geschriebenes Gedicht zu, (*) worinn sie die 13
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(Haroun - al Raschid. Hegire 184. n. C. G. 800) Heftigkeit ihrer Leidenschaft sehr lebhaft aus zudrücken wuste. Die Antwort ihres Man nes lautete aus eben dem Ton. Mit einem Wort, sie vergassen des Califen Verbot. Die Folgen davon entdeckten sich bald, und es muste alle mögliche Geschicklichkeit angewandt werden, sie vor dem Califen verborgen zu hal ten. Die verschlagene Abbassah wandte auch allen Fleiß dazu an, und war auch so glück lich, den Calif zu betrügen. Sie ward von einem Sohn entbunden, ohne daß der Hof das geringste davon gemerkt hätte. Das Kind ward sogleich nach Mecca gebracht, und da selbst ganz heimlich auferzogen. (Der Calif bekommt Nachricht davon) Das Geheimniß würde dem Haroun bestän dig verborgen geblieben seyn, wenn es ihm nicht ein elender Sclave offenbahret hätte, vor dem man es ohnmöglich verschwiegen halten konnte. Dem ohngeachtet aber verstellte sich der Calif, und that lange Zeit, als wuste er von nichts. Er erwartete nur die Zeit, da er nach Mecca reiste, um mit seiner Rache los zubrechen, denn an diesem Orte hofte er al le nöthige Erläuterungen einzuziehen. (Hegire 186. n. C. G. 802) Er säumte auch gar nicht, sobald er daselbst angelangt war, alle nur mögliche Nachfor schungen anzustellen, und erfuhr, daß Gia far sein mit der Abbassah erzeugtes Kind würk lich dahin geschickt hatte; jedoch konnte er den
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Ort, wo dieses Kind war, niemals erfahren;(Haroun - al Raschid. Hegire 186. n. C. G. 802) denn man hatte die Vorsorge gebraucht, das selbe aus Mecca wegzubringen, sobald des Califen Reise dahin ruchtbar geworden war; und alles seines Ansehens ohngeachtet konn te er den Ort nicht erfahren, wohin es ge bracht war. Hierüber ward der Calif gegen dieses un(Er töd tet den Gia far nebst der Abbas sah, und rottet die Barmeci den aus.) glückliche Paar so aufgebracht, daß er den Augenblick den Entschluß faste, sie zu verder ben, und zugleich das ganze barmecidische Haus zu vertilgen. Mit dem Giafar ward der An fang gemacht, und ihm der Kopf für die Füs se gelegt. Und darauf wurden Befehle nach Bagdad geschickt, welchen zu Folge die ar me Abbassah gleichfals getödtet ward. (*) Ja 14
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(Haroun - al Raschid. Hegire 186. n. C. G. 802) hia ward mit seinen Kindern ins Gefängniß gesteckt; ihre Güter wurden eingezogen, und diese Ungnade erstreckte sich über alle ihre Ver wandten, welche im ganzen Reich hin und wieder zerstreuet waren; sie wurden alle so gleich gefangen genommen, und der gröste Theil von ihnen muste hernach eines gewalt samen Todes, oder für Elend sterben. (Jahias Be ständigkeit in seinem Unglück.) Dies Ungewitter setzte erst die heldenmü thige Standhaftigkeit und Gelassenheit ihres Haupts, des Jahia, in ein rechtes Licht. Die ser bedaurungswürdige Greis gab mitten unter den Fesseln die vortreflichsten Proben davon, wenn ihn seine Freunde im Gefängnis besuch ten. Denn ob sich gleich der gröste Theil der selben, nach der Mode bey Hofe, so bald er in
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Ungnade gefallen war, gegen ihn erklärt hatten,(Haroun - al Raschid. Hegire 186. n. C. G. 802) so blieb ihm dennoch eine gewisse Anzahl groß müthiger Freunde übrig, die ihn in seinem Un glück nicht verlassen wollten. Sie gaben sich alle Mühe seinen Muth aufzurichten, und ihm zuzusprechen, daß er sein Unglück standhaft ertrüge. Dieser grosse Mann wuste den Werth ihrer Freundschaft nach seiner völligen Grösse zu schätzen, zugleich bewies er aber, daß ihn seine Tugend schon so lange Zeit weit über alle Un glücksfälle erhoben hätte. Er sagte zu ihnen: Ich sehe die Hoheit, und die Reichthü mer als Sachen an, so das Glück den Sterblichen leihet; sie müssen daher zufrieden seyn, wenn sie dieselben eine gewisse Zeit genutzet haben. Der Him mel hat uns ausersehen, daß wir unsern Nachkommen zur Lehre und Hochach tung dienen sollen, sie sollen von uns lernen, daß sich niemand durch seine Gabe muß zum Hochmuth verleiten lassen, sondern einen vernünftigen Ge brauch von denselben machen. GOtt handelt gar nicht ungerecht gegen die Menschen, wenn er ihnen die Güter wieder nimmt, womit er sie überschüt tet hatte; denn er ist sie ihnen im ge ringsten nicht schuldig. Er gibt sie uns in solcher Maasse, und läst sie uns so
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(Haroun - al Raschid. Hegire 186. n. C. G. 802) lange als es ihm gefällt; wer kann es ihm daher verdenken, wenn er sie uns wieder abfordert, und andere damit be glückt? Wir müssen uns in allen Stük ken seinem Willen unterwerfen. Ein Weiser muß niemals nach Reichthum seufzen, er kann ihn zwar annehmen, um dem gemeinen Wesen damit zu die nen, im übrigen aber muß er sich des selben als ein Reisender bedienen, der Ruhe in der Herberge geniest, die er gleich hernach wieder verlassen muß. So edel waren die Gesinnungen dieses vor treflichen Mannes in seinem allergrösten Un glück! Zugleich bemühete er sich seine Kinder zu trösten, die in ein Gefängnis mit ihm ein geschlossen waren, und die, weil sie sich in einem Alter befanden, welches gegen die Reitzungen des Glücks sehr empfindlich ist, auch dessen Schläge stärker fühlten. Einer derselben that ihm einmal die Frage. Wie ist es mög lich, daß uns dieses Elend hat betreffen können, da wir doch jederzeit GOtt und dem Staate mit dem grösten Eifer und Fleiße gedient, niemals was anders gesucht, als jederman gutes zu erzeigen, und uns nicht das geringste gegen den Calif vorzuwerfen haben. Jahia gab folgende Antwort darauf: Viel leicht sind die Klagen eines Unterdrück
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ten gen Himmel gestiegen, und haben(Haroun - al Raschid. Hegire 186. n. C. G. 802) um Rache gegen uns gebeten, weil wir vielleicht ohne unser Wissen versäumt haben, ihm Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Doch die göttliche Barm herzigkeit wird uns diesen Fehler ver geben, weil wir ihn nicht mit Vorsatz begangen haben. Vielleicht ist auch un ser Unglück eine Würkung seiner Gna de, um uns dadurch zu belehren, wie vergänglich die Güter dieser Welt sind. Er will unsern Glauben prüfen, ob wir ihn auch mehr als uns selbst lie ben, und ob wir ihn auch eben sowohl im Leiden als im Wohlergehen anbe ten werden. GOtt handelt allemal gerecht, er mag uns auch in Umstände versetzen worinn er will, er wird uns von unsern Fehlern reinigen, und uns ihm dadurch würdig machen. Was hätte man sich vollkommneres vorstellen können, wenn er noch hätte das Glück gehabt, durch den Strahl des Christenthums erleuchtet zu seyn? Des Califen eigensinnige und ungerechte(Jahia wird umge bracht.) Verbitterung gegen die Barmeciden wurde durch die beschwerlichen und langen Gefäng nisse dieses ehrwürdigen Greises noch nicht gestillt. Er fügte, um sein Unglück auf den höchsten Grad zu bringen, noch die Todesur
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(Haroun - al Raschid. Hegire 186 n. C. G. 802) tel hinzu. Dieser grausame Befehl ward gleich vollzogen. Diejenigen, denen diese abscheuliche Verrichtung aufgetragen war, brachten dem Califen ein Pazier, welches sie auf der Brust des vermeynten Missethäters gefunden hatten. Er hatte eigenhändig diese Worte darauf geschrieben: Der Beschul digte gehet voran, der Ankläger wird ihm bald nachfolgen, sie werden beyde in Gegenwart eines Richters erschei nen, bey dem weder Processe, noch schriftliches Verfahren statt findet. Der unbiegsame Haroun schien bey Lesung dieser Worte gerührt zu werden, es schien ihn zu gereuen, gegen einen verehrungswürdigen Mann so viel Härte gebraucht zu haben, den man doch selbst wegen keines einzigen Fehlers anklagen konnte. Allein diese Veränderung erstreckte sich keines weges auf den Ueberbleib sel von dem erlauchten Hause dieses Mi nisters. Keiner von ihnen ward wieder zu Gnaden aufgenommen, oder in den Besitz seiner Güter gesetzt. Daher sahen sich die meisten, so dem Tode entgangen waren, genöthiget, sich von Bagdad zu entfernen, und durften es nicht wagen, sich an den Orten, wohin sie geflohen waren, zu erkennen zu geben. Sie musten sich zu den allerniedrigsten Arbeiten herab las sen, um sich dadurch nothdürftigen Lebens Un terhalt zu erwerben.
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Harouns gegen dieses unglückliche Haus(Haroun - al Raschid. Hegire 186. n. C. G 802) gefaßter Zorn erstreckte sich gar so weit, daß er dessen Gedächtniß vertilgen wollte. Er mochte aber auch noch so viele Befehle ausge(Der Calif will das Gedächtnis der Barme ciden ver tilgen.) hen lassen, daß man gar nicht von ihnen reden sollte, man gehorchte ihm doch nicht, endlich lies er denen die Todesstrafe ankündigen, die nur die allergeringste Erwähnung der Barme ciden thun würden, und erhielt dadurch seinen Zweck. Allein es trat ein ehrwürdiger Greis auf,(Und läst einen Greis beym Kop fe nehmen, der ihnen Lobreden hält.) dem seine Tugenden mehr Ehrfurcht, als sein hohes Alter erworben hatten, und folgte dem Zuge der Liebe, der Erkänntlichkeit, und Hoch achtung, die sein Herz für die Barmeciden hegte. Er spottete des Califen Befehl, und hielt ihnen öffentlich Lobreden, ohne sich an sei ne Drohungen zu kehren. Mondir, so hieß dieser Greis, kam alle Ta ge, und stellete sich vor einen ihren grösten Pal lästen. Hier prieß er gegen alle vorbeygehen den die grossen Thaten, die Tugenden, und die Grosmuth der Barmeciden, wobey er nicht vergaß die wichtigen Dienste anzuführen, so sie dem Staate geleistet hatten. Sobald der Calif von dieser Verwegenheit des Alten be nachrichtiget ward, ließ er ihn den Augenblick beym Kopf nehmen, und kurz darauf zum To de verdammen. Mondir hörte dis Urtheil mit einer verwunderungswürdigen Standhaf
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(Haroun - al Raschid. Hegire 186. n. C. G. 802) tigkeit an, und bat sich nur zur einzigen Gna de aus, daß man es ihm vor Vollziehung des Urtels erlauben möchte, den Calif auf einen Augenblick zu sprechen. (Wird durch die Vorstel lungen des Greises besänftiget.) Haroun gab ihm diese Erlaubnis. Der Greis kam darauf herein, und hielt eine so nachdrückliche Rede an ihn, daß er sich nicht unterstand ihn zu unterbrechen. Er führte ihm mit eben so viel Heftigkeit, als Unterthä nigkeit die grossen Verbindlichkeiten zu Ge müthe, die das muselmännische Reich den un glücklichen Barmeciden schuldig sey. Du hattest sie auserlesen, grosser Beherr scher der Gläubigen, sagte er zu ihm, un ter deinem Ansehen das Reich zu regie ren, du hattest sie deines Vertrauens gewürdiget, du selbst, du hattest ihre grossen Verdienste, ihren Eifer, und ih re Fähigkeiten eingesehen. Wir sahen es hierauf mit Vergnügen, wie du sie mit Ehre, und Wohlthaten überschüt tetest, und uns selbst lehretest, ihnen Ach tung und Ehrerbietung zu erzeigen: Können nun wohl deine Unterthanen ein Verbrechen begehen, wenn sie die Meynungen beybehalten, die du ihnen selbst beygebracht hast? Wir haben an ihnen stets getreue Unterthanen, kräfti ge Stützen deines Throns, und uner müdete Wohlthäter der Elenden und
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Unterdrückten erblickt, wie kannst du(Haroun - al Raschid. Hegire 186 n. C. G. 802) es denn nun verlangen, daß unsere Her zen alle ihre Wohlthaten, ihre Tugen den, und ihre grossen Thaten mit einem mal vergessen sollen? Denen Undank baren und Niederträchtigen kannst du den Mund zwar verstopfen, allein alle deine Macht ist zu ohnmächtig die Empfindungen des Herzens auszulö schen, ja ich unterstehe mich dir zu ver sichern, daß wenn du Gewalt gebrau chen, und sie durch die Furcht der Stra fen zu dämpfen gedenkest, sie eben da durch noch lebhafter und beständiger werden. Selbst die Ruinen des Bar mecidischen Pallastes würden ihr Lob verkündigen, wenn wir so undankbar seyn, und es verschweigen wollten. Diese Rede machte einen lebhaften Eindruck auf den Calif, ja er schien selbst davon ge rührt zu seyn. Nun glaubte man, würde er anfangen, sein Verfahren gegen die Barme ciden zu bereuen, allein alles, was er that, war, daß er das gegen Mondirn ausgesproch ne Todes Urtel wiederrief, und ihn in Freyheit setzte. Der für Freude entzückte Greis warf sich hierauf zu seinen Füssen, und stattete ihm verbindlichsten Dank ab. Jedoch war er nicht sowohl über seine erhal tene Loslassung, sondern vielmehr darüber er
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(Haroun - al Raschid. Hegire 186 n. C. G. 802) freuet, daß es ihm geglückt war, des Califen Zorn gegen ein ohne Schuld verbannetes Haus in etwas zu stillen. Wie er wieder von der Erde aufstand, und nach Haus gehen wollte, gerieth er in ein rechtes Schrecken, da ihm der Calif ein Geschenk überreichte. Mondir nahm es an, und legte dabey ein neues Zeugniß seiner gegen die Barmeciden tragenden Zunei gung ab, denn er sahe Harouns Freygebigkeit als ein sicheres Merkmaal an, daß demselben das Lob, so er ihnen beygeleget, nicht mißfallen habe, und zeigte das erhaltene Geschenk öffent lich, und rief dabey aus. Schon wieder eine neue Gnade, die mir die Hand der Barmeciden zufliessen läst. (Lobsprüche, so die ara bischen Schrift steller den Barmeci den beyle gen.) Es war daher eine vergebliche Unterneh mung von dem Haroun, daß er das Anden ken eines Stammes auslöschen wollte, der in Hervorbringung grosser Leute so fruchtbar ge wesen war. Die Stimme des Volks rächete die Ungerechtigkeit und Grausamkeit des Re genten. Alle Schriftsteller, sowohl Dichter als Geschichtschreiber, sind mit Lobsprüchen der Barmeciden angefüllt, und man hat angemerkt, daß unter den Arabern niemals ein König oder Sultan, oder Fürst gewesen ist, von dem so viele Schriftsteller geschrieben hatten, als sie es von diesen gethan haben. Ihr zum Wohl thun geneigter Character ist von El- Macin in arabischen Versen verewiget worden. Ihr
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Kinder Barmeki, sagt der Dichter, wie(Haroun - al Raschid. Hegire 186 n. C. G 802) viel Wohlthaten habt ihr der Welt er zeigt, und wie viele würdet ihr dersel ben nicht noch erzeigt haben? Die Erde war eure Braut, itzo aber ist sie eure Witwe. Darinn kommen alle arabische Geschicht(Verschiede ne Mey nungen, über die Ursachen des Un glücks der Barmeci den.) schreiber überein, daß die Ungnade der Bar meciden in gewissen Verdrüßlichkeiten, die Giafar, Jahias Sohn, dem Califen gemacht hatte, ihren Grund habe; allein wegen der Ur sach, so diesen Fürsten gegen seinen Liebling so aufbrachte, sind sie verschiedener Meynung. Einige suchen sie darinn, weil er dem von dem Califen bey seiner Vermählung mit der Ab bassah ihm gegebenen Befehl nicht so genau nachgekommen war. Andere aber versichern, daß, als der Calif den Entschlus gefaßt, den Alidischen Prinzen, Jahia, umzubringen, er die Vollstreckung desselben dem Giafar aufgetra gen, dieser aber sich geweigert habe, seine Hän de mit dem Blute eines Menschen zu beflek ken, dem nicht das geringste aufgebürdet wer den konnte, derselbe diesem Liebling habe den Kopf abschlagen lassen, und darauf sein gan zes Haus gestürzt habe. Noch andere aber wollen behaupten, daß die Ungnade der Bar meciden aus keiner andern Ursache, als aus einer Eifersucht des Califen gegen ihre grossen Reichthümer herrühre. Dieser Fürst hatte
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(Haroun - al Raschid Hegire 186 n. C. G. 802) bey Gelegenheit, als er sich einmahl in den verschiedenen Provinzen seines Reichs besahe, an vielen Orten prächtige Güter und Schlös ser bemerkt, wovon man ihm sagte, sie gehör ten dem Giafar zu. Es muste sich auch zum Unglück für diesen Liebling fügen, daß allent halben, wo der Calif hinkam, und nach dem Besitzer eines prächtigen Schlosses frug, wenn sie auch noch so weit von einander entlegen waren, immer die Antwort lautete: Sie ge hörten dem Giafar. Diese unendlichen Reichthümer mit den ansehnlichsten Gütern, so seine Verwandten noch an andern Orten besassen, zusammen genommen würkten, nach dem Bericht eini ger arabischen Schriftsteller, in Harouns Gemüth viel Furcht und Argwohn; so daß er den Vorsatz faßte, ein so mächtiges Haus auf das baldigste zu verderben, und es ausser Stand zu setzen, daß es ihm in Zukunft scha den könnte. So verschieden sind die Meynungen derer, die von dem Untergang der Barmeciden ge schrieben haben. Ich bin denen gefolgt, die mir das meiste Ansehen zu haben schienen. Un terdessen mag man sich darunter eine Ursach wählen, welche man will, so werden doch alle den Haroun verdammen, und seinem Anden ken einen schlimmen Schandfleck anhängen. Man wird auch zugleich daraus abnehmen
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können, daß wenn er schon in gewisser Ab(Haroun - al Raschid. Hegire 186. n. C. G. 802) sicht den Zunamen des Gerechtigkeitlie benden, wie ich schon angemerkt habe, ver dienet hat; dennoch viel fehlet, daß er sich in seinem Betragen diesem für einen Fürsten so herrlichen Titel allemal sollte gemäß bezeugt haben. Nunmehro will ich in seiner Geschich te fortfahren, deren Faden ich habe abbre chen müssen, um alles, was die Barmeciden anging, in einer Folge darstellen zu können. Mitten unter der Beschäftigung seine Völ ker gesittet zu machen, und den Staat durch(Haroun theilt das Reich un ter seine Kinder.) Einführung allerhand guter Anstalten auf einen bessern Fuß zu setzen, bekam Haroun den Einfall, das Reich unter seine Söhne zu vertheilen, wobey er die Verordnung machte, daß sie in dem Califat auf einander folgen soll ten. Er machte gewis einen schlechten Ge brauch von seiner Klugheit, indem er ein Vor haben ausführte, das nothwendig unter sei nen Kindern die heftigsten Zwistigkeiten erre gen muste; wie solche auch in der That er folgten. Haroun hatte drey Söhne. Der erste hieß Amin, der zweyte Mamon, und der dritte Montassen. Dem ersten fiel Chaldäa, die drey Arabien, Aßyrien, Mesopotamien, Me dien, Syrien, Palästina, und ganz Africa bis an den Ocean zu. Der zweyte erhielt Persien, beyde Indien, Chorassan, Tabare
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(Haroun - al Raschid. Hegire 186. n. C. G. 802) stan, Zabul, Chabul, Mauraralnahar, ein jenseit dem Fluß Oxus gelegenes Land. Mon tassen, der dritte, bekam Armenien, Nato lien, Georgien, Circaßien, und alles Land, was in der Gegend vom Pont - Euxin herum lag. Diese Theilung musten seine Söhne erst lich annehmen, hernach ließ er sie durch die Einwilligung aller Grossen des Reichs bestä tigen, und sie einen Eyd schwören, daß sie nicht davon abgehen wollten. Darauf ließ er sie auf einer Reise nach Mecca durch öffent liche Patente bekannt machen, welche durch einen Herold bey der Thüre der Caabah ab gelesen, und hernach an die Thore des Tem pels zu Mecca angeschlagen wurden. Man muß hierbey wohl inacht nehmen, daß diese solchergestalt eingetheilte Staaten denen, so sie zu Theil geworden waren, nicht mit al ler Oberherrschaft zufielen. Sie musten sich von dem regierenden Califen damit belehnen lassen, welcher allezeit der einzige und wahre Oberherr davon verblieb. (Hegire 187. n. C. G. 803) Haroun war kaum wieder nach Bagdad ge kommen, so empfieng er die Nachricht, daß (Die Grie chen erhal ten die Verlänge rung des Waffen stillstandes.) im griechischen Kayserthum sich viele Verwir rungen hervorgethan hätten. Irene war ab gesetzt worden, und Nicephor, der sich wieder auf den Thron geschwungen hatte, dachte an nichts, als sich darauf fest zu setzen. Er ließ
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an den Calif einen sehr nachdrücklichen Brief(Haroun - al Raschid. Hegire 187. n. C. G. 803) abgehen, der nichts als die Vortheile enthielt, so sie von beyden Seiten dabey finden wür den, wenn sie das Blut ihrer Unterthanen schonten. Er bat ihn darinn, den Waffen stillstand zu verlängern, den er vormals mit der Kayserin Irene getroffen hätte, und erbot sich dabey, die Bedingungen, worauf er ihr zugestanden wäre, aufs allergenaueste zu er füllen. Dem Califen war es sehr gelegen, daß der neue Kayser, ohne daß es ihn einen Mann ko stete, sich zur Erlegung des Tributs verstund, und willigte daher in sein Begehren ein. Kurz darauf verließ er Bagdad, um den Winter in Jerusalem zuzubringen. Da diese Jahrszeit diesesmal ausserordent(Sie fallen die musel männischen Provinzen an.) lich strenge war, so dachte Nicephor, das Eiß würde den Calif verhindern, daß er ihm kei ne Armee entgegen stellen könnte, folglich wür de er itzo die beste Gelegenheit haben, das mu selmännische Reich anzufallen, welches gleich an seine Staaten gränzte. Er ließ auch des wegen seine Völker einen Einfall darein thun, welche alles durch Feuer und Schwerdt ver heerten, und eine ansehnliche Beute nach Hau se brachten. Nicephor hatte seinen Abgesandten Befehl gegeben, eben zu der Zeit, als der Einfall ge
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(Haroun - al Raschid. Hegire 187 n. C. G. 803) schahe, dem Calif viele reichlich mit Diaman ten, und vortreflichen Klingen versehene De gen zu überreichen. Hierdurch wollte er dem Calif ohnvermerkt zu verstehen geben, daß er nicht mehr gewillet sey, ihm den bishero be zahlten Tribut ferner zu entrichten, sondern ihm anstatt des Geldes nichts als Waffen an bieten wollte. Man sagt, der Calif habe auf diese Ausforderung nicht mündlich, sondern durch eine Probe seiner Stärke geantwortet, die alle Anwesenden in Erstaunen gesetzt habe. Er ließ nemlich alle ihm von dem Abge sandten überreichte Schwerdter in ein Bündel zusammen binden, steckte solches in die Erde, und hieb sie mit seinem Säbel in einem einzi gen Streich mitten durch. (Die Mu selmänner vergelten es ihnen.) Allein sobald er die Nachricht erhielt, daß der Kayser es nicht hatte bey der Weigerung den Tribut zu erlegen bewenden lassen, son dern weiter gegangen, und in sein Land ein gefallen war, so folgte er allein den Bewe gungen der Rache, und schickte, so bald es nur die Jahreszeit erlaubte, eine furchtbare Armee aus, die in Griechenland eindrang, Böotien, Romanien, und alle angränzende Länder ver heerte. Allenthalben, wo diese Völker durchzogen, hinterliessen sie die grausamen Spuhren von Blut und Feuer. Ueberdis machten sie eine unermeßlich grosse Beute, und kamen wie
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der ins muselmännische Reich mit einer un(Haroun - al Raschid. Hegire 187 n. C. G. 803) endlichen Anzahl Gefangenen zurück, die alle zu Sclaven gemacht wurden. Unterdessen daß seine Völker zu Lande in die Provinzen des griechischen Kayserthums diesen Einfall thaten, so schickte er noch eine zahlreiche Flotte aus, die in Cypern landete, und diese ganze Insel verwüstete. Sie hat ten sich schon bereit gemacht, die Insel Rho dus auf eben solche Weise zu bewillkommen; allein zum grossen Glück für die Griechen er klärten sich die Elemente gegen die Sarace nen. Ein grausames Ungewitter, so sich auf einmal erhob, richtete einen grossen Theil die ser Flotte zu Grunde, und der andere ward zerstreuet, und suchte in verschiedenen Häfen Sicherheit, bis die Gelegenheit wieder kom men würde ins Meer auszulaufen. Das folgende Jahr suchte der Calif Grie chenland von neuem heim, und fuhr fort, al les auf eben die Art, wie im verwichenen Jah re geschehen war, zu verheeren, weil Nice phor gar nicht nachließ, die Muselmänner zu beunruhigen. Der Kayser ging dem Haroun darauf selbst an der Spitze seiner Armee ent gegen, und lieferte ihm eine Schlacht, deren Ausgang aber für die Griechen sehr unglück lich ablief. Sie wurden aufs Haupt geschla gen, und Nicephor hatte kein Mittel übrig, wo durch er den Califen diesen Sieg fortzu
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(Haroun - al Raschid. Hegire 187 n. C. G. 803) setzen verhindern konnte, als ihn um Frieden zu bitten, und sich von neuem zur Bezahlung des Tributs anheischig zu machen, wovon er sich vorher hatte losmachen wollen. (Hegire 189. n. C. G. 805) Dieser neue Waffenstillstand daurte einige Zeit, in welcher der Calif Zubereitungen vor (Die Grie chen bre chen von neuem mit dem Calif.) kehrte nach Persien zu gehen, und daselbst ei nige sich hervorgethanene Bewegungen beyzu legen, die einen nahen Aufstand zu drohen schienen. Hier wollte der treulose Nicephor noch einmal sein Glück gegen ihn versuchen, ob er gleich immer Schläge bekommen hatte, und wartete nur, bis er erst würde nach Per sien abgegangen seyn, um völlig loszubrechen. Er rückte auch würklich, so bald ihm des Califen Abreise zu Ohren gekommen war, ins Feld, und verwüstete einige muselmänni sche Provinzen. Der Calif äusserte darauf gegen diesen Fürsten, der so wenig Achtung für die Aufrechterhaltung des Friedens bezeugte, den gerechtesten Zorn, ließ das Unternehmen auf Persien gänzlich fahren, fügte zu den zur Ausführung desselben schon bey der Hand habenden Völkern noch neue hinzu, und brach te fast ein Heer von dreymal hundert tausend Mann auf die Beine, an dessen Spitze er sich stellte, und damit gegen Griechenland auf brach. In diesem Feldzuge litten die Griechen weit mehr, als in den vorhergehenden. Der Calif
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rächete sich an dem Kayser auf die grausamste(Haroun - al Raschid. Hegire 189 n. C. G. 805) Weise, indem er alle Oerter, deren er sich be mächtigen konnte, verbrante, und die Einwoh ner niedermetzeln ließ. Besonders ließ er sei ne Wuth an Heraclea, und den benachbarten Städten aus, und schleifte sie bis auf den Grund. Der Griechische Kayser demüthigte(Sie müssen den Frieden durch noch härtere Be dingungen erkaufen.) sich darauf von neuem, und ließ durch abge schickte Bevollmächtigte nochmals um Frie den bitten, den auch der Calif einging, aber dabey die Summe des Tributs erhöhete, und den Kayser einen Eyd schwören ließ, daß er die von den Muselmännern verwüsteten Plätze niemals wieder aufbauen, und die andern in dem Zustande, worinn sie sich itzt befänden, oh ne eine Vermehrung der Festungswerke da von vorzunehmen lassen wollte. Auf diese Bedingungen ward der Friede(Hegire 191. n. C. G. 807) geschlossen, und der Calif marschirte mit seinen Völkern wieder ab, nachdem er sie zuvor einige Zeit hatte ausruhen<auszuruhen>, und sich erquicken lassen. Er ging wieder nach Persien, um da selbst das Vorhaben auszuführen, so im ver wichenen Jahre durch den Krieg mit Griechen land war unterbrochen worden. Die damalen in diesem weitläuftigen Lan(Der Calif gehet nach Persien, und legt die dortigen Händel bey.) de herrschende Unruhen waren durch einige Religionsstreitigkeiten verursacht worden. Ich habe schon gesagt, daß die Zendinen eine eige ne Secte gestiftet hatten, und itzo hatten sie
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(Haroun - al Raschid. Hegire 191. n. C. G. 807) sich einen mächtigen Anhang zuwege gebracht. Da ihre Meynungen den Lehren des Prophe ten gänzlich entgegen waren, so faßte der Ca lif gleich den Vorsatz, durch Hülfe der Waf fen unter seinen Völkern eine gänzliche Ueber einstimmung in Glaubenssachen einzuführen. Doch es fiel ihm bald wieder ein, daß die Menschen fast in allen, und besonders in Glau benssachen, verschiedentlich zu denken pflegten, und daß er folglich ein grosses Blutbad wür de anstellen müssen, wenn er dieses Vorha ben wollte ins Werk richten. Daher faßte er den Entschluß, jedermann in der Religion die Freyheit zu lassen, das zu glauben, was ihn am besten dünkte; dabey aber behielt er sich vor, diejenigen mit der äussersten Stren ge zu bestrafen, die unter dem Schein der Religion die Verfassungen des Staats um zuwerfen suchen, oder unter ihren Landesleu ten die geringsten Unruhen stiften würden. (Hegire 192 n. C. G. 808) Da die Gegenwart des Califen das Volk in solche Verfassungen zu setzen schien, als er es zu sehen wünschte; so war auch die Ruhe in Persien bald wieder hergestellt. Er hielt sich noch einige Zeit daselbst auf, um sich selbst zu versichern, ob die Mittel, die er zur Bey legung der Händel vorzukehren am dienlich sten erachtet hatte, auch ihre Würkung thä ten. Kurz darauf verließ er Persien, und ging nach Mesopotamien, und nahm seinen Aufenthalt in der Stadt Racchah.
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Kurz nach seiner Ankunft hieselbst verfiel(Haroun - al Raschid. Hegire 192 n. C. G. 808) er in eine Traurigkeit und Niedergeschlagen heit, die die Vorboten einer gefährlichen Krank heit zu seyn schienen. Diese Unpäßlichkeit(Ihn er schreckt ein Traum, den er als den Vorboten seines To des ansie het.) war durch einen Traum verursacht, der ihn sehr erschreckt hatte. Es war ihm im Schlaf ein über seinen Kopf ausgestreckter Arm er schienen, der in der Hand eine Faust voll ro ther Erde hielt. Zu gleicher Zeit hörte er ei ne Stimme, die folgende Worte sehr deutlich aussprach. Dies ist die Erde, die dem Haroun zum Begräbniß dienen soll. Darauf ließ sich eine zweyte Stimme hören, und frug, wo ist der Ort seines Begräb nisses? Darauf antwortete die erste Stimme: zu Thous. Der Calif erwachte hierüber voller Furcht und Schrecken, und die durch diesen Traum ihm vorkommende traurige Bilder warfen ihn in eine marternde Tiefsinnigkeit. Darnach fand sein Arzt Mittel ihn wegen dieser Krankheit zu beruhigen, und sagte ihm, es hülfe keine andere Arzeney dagegen, als viele Zerstreuungen; denn da die Ursach seiner Unpäßlichkeit einzig und allein von ei nem Traum herrühre, welcher nichts anders als eine Ausschweifung der Einbildungskraft sey, die durch die aus dem Magen aufsteigen de Dünste gewürkt sey, so brauchte er zu sei ner Genesung kein ander Hülfsmittel, als die Zeit anzuwenden, und er würde seine Gesund
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(Haroun - al Raschid. Hegire 192 n. C. G. 808) heit in kurzem wieder hergestellt sehen, wenn er sich nur viel Veränderungen machte, und da bey viel arbeiten würde. Haroun folgte diesem Rath, und befand (Aufruhr in Samar kand.) würklich, daß die Schreckenbilder, womit der Traum seinen Geist angefüllt hatte, allgemach verschwanden. Zudem thaten sich noch sehr ernsthafte Umstände hervor, die auch seine Gedanken von den traurigen Gegenständen abzogen. Die Provinz Samarkand, und ein Theil der am Fluß Oxus gelegenen Länder re bellirten. Ihr Anführer war ein versuchter Soldat, mit Namen Raphius - ebn - Lith; ein wegen seiner Unerschrockenheit und Verschla genheit sehr gefährlicher Mann. Das Gerücht von diesem Aufstand machte an des Califen Hofe viele Bewegungen. Er schickte einen seiner ersten Bedienten nach Rac chah, und gab ihm Befehl, in der Eil eine namhafte Mannschaft auf die Beine zu brin gen, mit welcher er hernach dem Fortgang der Rebellion selbst Einhalt zu thun gedachte. (Hegire 193. n. C. G. 809) Er brach auch würklich sogleich auf, als die Völker zusammen gekommen waren, und kam mit starken Tagereisen in Giorgian an, wo er wegen einer zugestossenen Unpäßlichkeit, die im Anfang wenig zu bedeuten schien, Hal te machen muste. Er erholte sich auch bald davon, und brach nach Verfliessung einiger Ta
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ge wieder auf, und setzte seine Reise durch(Haroun - al Raschid. Hegire 193. n. C. G. 809) Chorassan fort. Kaum war er in dieser Pro vinz angelangt, so nöthigte ihn wieder eine zu gestossene Schwachheit, zum zweytenmale anzu halten, dabey entschloß er sich, bis zu seiner gänz lichen Genesung hier zu bleiben. Allein wie erschrack er nicht, als er sich nach(Der vorige Traum er schreckt ihn von neuem.) dem Namen des Orts seines itzigen Aufent haltes erkundigte, und die Antwort hörte, daß er Thous hiesse! Kaum hatte er dieses Wort aussprechen hören, so waren alle die traurigen Vorstellungen wieder da, die ihm das verwi chene Jahr so sehr zugesetzt hatten. Seine davon gänzlich erfüllte Einbildungskraft ließ ihn nichts anders als einen nahen Tod erblik ken. Er wandte sich zu seinem Arzt, und sag te mit vieler Bewegung zu ihm: Erinnerst du dich noch wohl, was ich dir von dem Traum erzählt habe, den ich zu Racchah hatte? Siehe, nun bin ich endlich zu Thous, wo ich begraben werden soll. Darauf befahl er dem Mesrour eine Hand voll Erde draussen vor der Stadt her zu ho len, und ihm solche zu bringen. Mesrour vollbrachte diesen Befehl so gleich,(Harouns Tod.) und war kurz darauf wieder da. Als ihn der Calif mit halb entblöstem Arm, und die Faust voll röthlicher Erde haltend erblickte, so rief er aus: Ach, das ist der Arm, und das ist die Erde, die ich im Traum gesehen
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(Haroun - al Raschid. Hegire 193. n. C. G. 809) habe! Von diesem Augenblick an bemächtig te sich die Verwirrung seiner so sehr, daß da her seine Krankheit immer heftiger ward. Kein Hülfsmittel, und keine Arzeney wollten das geringste verfangen. Er quälte sich auf diese Art noch einige Tage fort, worauf er starb, und zu Thous begraben ward. Er hatte ein Alter von sieben und vierzig Jahren erreicht, und ohngefehr drey und zwanzig regieret. In seinem Testament bestätigte er die unter seinen Kindern verfügte Theilung des Reichs, und setzte sie, eines nach dem andern, zu seinen Nach folgern im Califat ein. (Verbin dungen die ses Califen, mit Carl dem Gros sen.) Man will behaupten, er habe die Theilung aus der Ursache angenommen, um dadurch dem Beyspiel Carl des Grossen, Königs in Frankreich, und Kaysers im Occident nachzu ahmen, welcher die Landesstände zu Thion ville zusammen berief, und daselbst seine Län der unter seine drey Söhne theilte, durch die ses Mittel suchte er einen beständigen Frie den unter ihnen zu behaupten. Da der erha bene Ruhm, den sich dieser Prinz durch seine grosse Thaten, und durch seine Liebe zu den Wissenschaften zuwege gebracht hatte, auch bis zu den äussersten Grenzen der Erdkugel erschollen war, so suchte Haroun, der fast eben die Denkungsart, als er, hatte, sich mit ihm genau zu verbinden, und schien sich eine Ehre daraus zu machen, sich diesen Monarchen bey
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den meisten Verbesserungen, so er zum besten(Haroun - al Raschid. Hegire 193 n. C. G. 809) des Staats, und zur Erhaltung der Ordnung in seinen Ländern einführten, zum Muster vor zustellen. Beyde Herren schickten einander wechsels weise Abgesandten zu, und machten sich Ge schenke, die so reichen, und so mächtigen Für sten völlig ähnlich waren. Die Abendländischen Geschichtschreiber legen dem Calif den Na men Aaron statt Haroun bey, wenn sie von dieser Sache reden, jedoch haben beyde Namen im Arabischen einerley Bedeutung. Sie nennen ihn auch einen König von Persi en. Ich will hier die Stelle eines neuen Geschichtschreibers einrücken, wo er von den Carl dem Grossen von dem Calif gemachten Geschenken redet. Fast um eben diese Zeit (es mochte ohn(P. Baar. in seiner Historie von Teutsch land im an dern Theil, S. 490.) gefehr ums Jahr Christi acht hundert und fünfe seyn) kam ein Abgesandter von Aaron dem König von Persien an, und überbrachte reiche Geschenke für den Kayser. Ausser dem Weyhrauch, rei chen Zeugen, Balsamen und allerhand kostbarem Holze waren noch zwey be sonders merkwürdige Stücke dabey. Das eine war ein Gezelt von verwun derungswürdiger Höhe, worinn alle Zimmer befindlich waren, die zu einer vollkommenen Wohnung gehören. Sie
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(Haroun - al Raschid. Hegire 193. n. C. G. 809) waren nach morgenländischem Ge schmack und Gebrauch abgetheilt, und mit den reichsten Persischen Tapeten behangen. Am Ende eines prächtigen Vorsaals, so auf Säulen ruhete, die mit goldenen und silbernen Platten belegt waren, erhob sich ein Thron, von wel chem das mit Edelgesteinen gezierte Gold einen die Augen verblendenden Schein herab warf. Das andere Stück war eine Wasseruhr von ganz beson derer Einrichtung, sie war von Erz, und zeigte die Stunden an, und war ein in den damaligen Zeiten besonder rares Meisterstück. (*) Der König von Persien, fähret eben dieser Autor fort, mach te dem Kayser noch ein Geschenk, wel ches ihm weit angenehmer war; er bot ihm das Eigenthum über die heili gen Oerter an, welches der Kayser auch willig annahm. Diese Sache wird viel leicht einigen Geschichtschreibern Gelegenheit 15
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gegeben haben, daß sie geglaubt haben, Carl(Haroun - al Raschid Hegire 193. n. C. G. 809) der Grosse habe das heilige Land erobert. Es war in der That eine Art der Eroberung, die er aber allein durch seinen grossen Ruhm machte. Und es war gewiß weit glorreicher für ihn, Jeru salem auf diese Art zu erobern, als wenn er sich durch Hülfe der Waffen davon zum Mei ster gemacht hätte. Alle Geschichtschreiber sind einstimmig,(Das Bild des Ha rouns.) wenn sie das Bild von Haroun entwerfen. Sie schildern ihn als einen Fürsten von an sehnlicher Leibeslänge, von wohlproportionir tem Cörper, und von einem majestätischen und offenen Ansehen. In Ansehung seines Characters aber als den tapfersten Helden sei ner Zeiten, der ohne zu Verschwenden aufgehen ließ, und hauptsächlich gegen die Armen un gemein freygebig war, unter welche er alle Ta ge hundert Drachmen Silber austheilte. Ue berdas fand er an den Wissenschaften viel Ge schmack, beschützte die Gelehrten, und fand ein besonderes Vergnügen darinn, sich mit ihnen zu unterreden. Die Dichter waren an sei nem Hofe sehr wohl gelitten, allein da er selbst ein Dichter und grosser Kenner der Po esie war, so wuste er ihre Werke nach ihrem wahren Werth zu beurtheilen, und nahm sonst keine an, als die gekrönt zu wer den verdienten.
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(Amin. Hegire 193 n. C. G. 809)

Amin.

Fünf und zwanzigster Calif.

Gleich den folgenden Tag nach Harouns Tode ward sein ältester Sohn Al=Amin, oder Amin wieder zum Calif ernennet. Die ser Prinz hielt sich damalen zu Bagdad auf, und erfuhr daselbst zu gleicher Zeit die Nach richten von seines Vaters Tode, und seiner Erhebung auf den Thron. Sein wahrer Name hieß eigentlich Mo hammed. Haroun aber gab ihm einen andern, und nannte ihn Al - Amin, so einen Ge treuen bedeutet. Die Ursache aber, warum er ihn so nannte, wird nicht dabey gesagt, und überdas zeigt uns die Geschichte nicht eine Spur an, wodurch man erfahren könnte, daß sich dieser Prinz dieses Beynamens würdig gemacht habe. (Amin will seines Va ters Testa mente nicht nachkom men.) Wir werden vielmehr gewahr werden, daß sein ganzes Betragen jederzeit die gröste Treu losigkeit verrathen habe, wovon er gleich den Augenblick, da er den Thron bestieg, Proben ablegte. Haroun hatte in seinem Testament wegen der Reichsfolge die Verordnung ge macht, daß seine Söhne in der Regierung auf einander folgen sollten. Darneben hatte er in demselben seinem zweyten Sohn Mamon alle in dem kayserlichen Pallaste vorhandene Meubeln vermacht; und verordnet, daß die
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sem Prinzen die Regierung der Provinz Cho(Amin. Hegire 193. n. C. G. 809) rassan, in deren Besitz ihn selbst Haroun ge setzt hatte, eigen bleiben, und daß ihm alle Soldaten, so zu der Zeit darinn lagen, zuge hören sollten, damit er sich im Stande be fände, mit ihnen den in dieser Provinz und in Samarkand entstandenen Aufruhr zu däm pfen. Hierinn bestand der letzte Wille des verstorbenen Califen; er hatte ihn bey seinem Tode noch einmal bekräftiget, und vorhero war er schon sowohl durch die Genehmhaltung aller Grossen des Reichs, als insonderheit des Amin selbst bestärkt worden. Dennoch hatte er nicht sobald den Thron bestiegen, als er schon den Vorsatz faßte, sei nes Vaters Testament in keinem einzigen Punct zu vollziehen. Den Anfang dazu machte er, indem er allen in Chorassan befindlichen Völ kern den Befehl zuschickte, sich ohngesäumt in Bagdad einzufinden. Auf diese Art glaub te er seinem Bruder alle Mittel benommen zu haben, sich dem Vorhaben, welches er noch zu seinem Nachtheil auszuführen gedachte, widersetzen zu können. Man will behaupten, Amin habe diesen(Der Calif ergibt sich den Ergöz zungen.) Anschlag nicht selbst erdacht. Er hatte sich den Ergötzungen viel zu stark ergeben, um an Regierungsgeschäfte denken zu können. Die Zeit wandte er ganz allein an, sich zu belu stigen, und bezeugte für alles, so nur einiger
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(Amin. Hegire 193 n. C. G. 809) massen Arbeit erforderte, einen heftigen Ab scheu. Diese Abneigung für die Geschäfte offenbahrte sich schon in seiner zartesten Kind heit. Haroun war ein Liebhaber der Wissen schaften, und bemühete sich sie seinen Kindern angenehm zu machen, und sie ihnen beyzu bringen. Amin war der einzige, bey dem des Vaters Wünsche fehl schlugen. Er wollte durchaus nichts lernen. Der ganze Nutzen, den er aus seinen Unterweisungen schöpfte, war, daß er einen mittelmäßig guten Vers machte, welches aber damalen in Arabien als gar kein grosses Verdienst angerechnet ward, denn die Poesie war, so zu sagen die natürli che Art des Landes. Amin bediente sich der selben, seine Gemächlichkeit, und seine Liebes begebenheiten zu besingen. Sein Vater ver suchte es einmal, ob er ihn nicht dahin brin gen könnte, ein eben herausgekommenes Buch von sehr merkwürdigem Innhalt zu lesen. Der junge Prinz nahm das Buch, schrieb diese zwey arabische Verse darauf: Ich habe ge nug mit meinen Liebesangelegenheiten zu thun, suchet euch zum Studiren je mand anders aus, und schickte es seinem Vater wieder zu. (Er überläst die Regie rung sei nem Ve zier Fa del.) Amin brachte diese unglückliche Neigung zu den Ergötzlichkeiten, und seine mit den Jah ren zunehmende Unfähigkeit zu regieren mit auf den Thron, und damit er alles, so seine Ge
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mächlichkeit unterbrechen könnte, aus dem We(Amin. Hegire 193. n. C. G. 809) ge räumen möchte, so übertrug er alle Regie rungsgeschäfte einem angesehenen Muselmann, Namens Fadel - ebn - Rabir, und machte ihn zu seinem ersten Vezier. Dieser Minister besaß alle Eigenschaften, die erfordert wurden, einem so sauren Amte mit Ehren vorzustehen. Zu seinem Unglück aber war er mit des Califen Bruder Mamon in Streitigkeiten verwickelt. Aus dieser Ur sache hatte er nicht so bald die höchste Gewalt in die Hände gekriegt, als er sich derselben, und der Schläfrigkeit seines Herrn zu nichts an ders bediente, als in seinem Namen den Ma mon aufs empfindlichste zu beleidigen. Es fiel ihm dabey gar nicht ein, daß die Verbit terung, die er solchergestalt unter den beyden Brüdern stiftete, nothwendig grosse Zerrüttun gen im Reich verursachen würde, die den Ruin der Monarchie nach sich ziehen könnten. Durch diese Anhetzungen des Fadels ge schahe es, daß der neue Calif den Befehl gab, alle Trupen aus Chorassan zurück zu ziehen. Zu gleicher Zeit ließ er seinen Bruder wissen, er habe besondere Ursachen, warum er mit de nen in Bagdad befindlichen Meublen und Schätzen eine andere, als in dem Testament seines Vaters vorgeschriebene Verfügung ma chen müste, er würde daher sehr wohl thun, wenn er sich derselben gänzlich begäbe.
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(Amin. Hegire 193. n. C. G. 809) So sehr auch den Mamon diese Beleidi gung, die ihm noch auf das Zukünftige viel Verdrießlichkeiten anzukündigen schien, ver droß, so hielt er es doch für das beste, sich an noch zu verstellen. Er beklagte sich gar nicht wegen des ihm erzeigten Unrechts, indem man ihn der von seinem Vater nachgelaßnen Sa chen beraubte. Gleichfals schickte er die ab geforderten Völker nach Bagdad, und behielt nur eine kleine Anzahl zurück, um die Rebel len im Zaum zu halten, welche in verschiede nen Orten seiner Statthalterschaft viele Be wegungen machten. Ja, er that noch mehr. Er gab sich alle Mühe, daß ganz Chorassan seinen Bruder zum Califen annehmen muste, und wandte alle mögliche Mittel an, das Volk in der Eintracht, Ruhe und Gehorsam zu unterhalten. Allein jemehr Gelassenheit und Gedult die ser Fürst bewieß, destomehr ward Fadel ge gen ihn aufgebracht, und spielte ihm endlich einen Streich, der aber Amins Verderben nach sich zog. Er strich nemlich gegen den Califen die Liebe und Zuneigung des Volks gegen seinen Bruder heraus, und flößte ihm die Furcht ein, das Volk möchte die Zeit nicht er warten können, ihn auf dem Thron zu sehen, sondern suchen, die von Haroun eingerichte te Reichsfolge durch einen Aufruhr in den Gang zu bringen; es könnte daher sehr leicht
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geschehen, daß man sich bemühete, ihn aus der(Amin. Hegire 193. n. C. G. 809) Welt zu schaffen, um seinen Bruder die Krone aufzusetzen. Dieser anscheinenden Gefahr bey Zeiten zu(Amin lässet seinen Sohn für seinen Nachfolger erklären.) vor zu kommen, rieth Fadel dem Califen, sei nes Vaters gemachte Verordnungen mit Ge walt umzustossen, und seinem Bruder alle Hofnung, jemals zu dem Califate zu gelangen, gänzlich zu benehmen. Zu diesem Ende trieb er ihn an, seinen Sohn sogleich zu seinem un mittelbaren Reichsfolger zu ernennen; wenn dieses würde geschehen seyn, so versicherte er ihn, daß alsdenn Mamon aufhören würde, furchtbar zu seyn. Amin willigte als ein blöder Prinz, der(Hegire 194 n. C. G. 810) seine Bedienten lieber in allen schalten und walten ließ, als sich die Mühe gab, eine Sa che zu überlegen, in alle Vorschläge des Fadels. Dieser kehrte darauf sogleich Mittel vor, seine Absichten auszuführen. Es war ein Gebrauch unter den Arabern, daß der Iman in dem öffentlichen Freytagsgebet erst des Califen, und darauf seines Erben oder vermuthlichen Nachfolgers Erwähnung that. Bis hieher war allezeit nach Amin gleich Mamon ge nannt worden. Allein Fadel machte, daß Mamons Name weggelassen, und an dessen Stelle Amins Sohnes gedacht wurde, der zu der Zeit nur noch ein Kind war. Dabey legte er diesem Kinde den Zunamen Nathek=
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(Amin. Hegire 194 n. C. G. 810) Belhak bey, welches einen bedeutet, der von GOtt und der Wahrheit redet. Diese Erniedrigung des Mamons machte in Bagdad eben nicht viel Aufsehens. Fadel hatte daselbst viele Anhänger, und die, so nicht auf seiner Seite waren, fürchteten seinen Zorn, und unterstunden sich nicht, ihre Meynun gen an den Tag zu legen. Es blieb also alles ganz ruhig, ausser daß einige witzige Köpfe den Einfall hatten: Man möchte den Sohn Amins statt des ihm beygelegten Zu nämens lieber Natha - Billah nennen; welches einen anzeiget, der durch die Gna de GOttes anfängt reden zu lernen. Fadel hatte noch nicht genug daran, den armen Mamon aller seiner Güter und Rech te beraubt zu haben; er muste seinen Geifer auch noch an dem Montassem des Califen jüng sten Bruder auslassen. Es ließ ihn von der Stadthalterschaft in Mesopotamien absetzen, und brachte zu gleicher Zeit den Calif dahin, (Er nimmt dem Mon tassem die Statthal terschaft von Meso potamien.) daß er an den Mamon schrieb, und ihm be fahl sich ungesäumt in Bagdad einzufinden. Doch endlich riß diesem Prinz der Gedults faden ab, da man ihm stets eine Ungerechtig keit über die andere bewieß; und weit davon entfernt, seiner erhaltenen Einladung gemäß nach Bagdad zu reisen, ließ er seinem Bru der die Antwort sagen, daß er sich ohnmög lich aus Chorassan, deren Regierung ihm sein
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Vater anvertrauet habe, wegbegeben könnte,(Amin. Hegire 194 n. C. G. 810.) ohne diese Provinz den Verheerungen der Aufrührer auszusetzen, die seine Gegenwart bisher im Zaum gehalten hätte. Nicht lange darauf hob er die Posten, und(Mamon bricht öf fentlich mit dem Cali fen.) alle Gemeinschaft zwischen Bagdad und Cho rassan auf. Nachdem er auf diese Art den Anfang zum Bruche gemacht hatte, so hielt er nicht länger hinterm Berge, sondern that einen Schritt, wodurch er deutlich genug zu erkennen gab, daß nunmehr alle Hofnung zur Aussöhnung mit seinem Bruder zu Ende sey, und daß ihre Streitigkeiten allein durch des einen Tod könnten entschieden werden. Er ließ alle mit Amins Namen gezeichnete Münzen einschmelzen, und statt desselben sei nen eigenen darauf prägen. Dies war ein offenbahrer Eingriff in die Rechte des Ober herrn; und man konnte daraus leicht urthei len, daß er nunmehro suchen würde, sich die Krone selbst aufzusetzen. So kühn auch dieses Unternehmen war, so(Die Ein wohner in Chorassan hangen dem Ma mon an.) fand sich doch niemand in Chorassan, der sich dagegen gesetzt hätte. Alle Völker, die unter seinem Befehl stunden, boten sich ihm an; er hin gegen bemühete sich wieder auf alle Arten ihr Glück zu machen, Selbst zu der Zeit, als er sich, seinen Bruder in dieser Provinz fest zusetzen, bemühete, äusserte schon jedermann den grösten Widerwillen gegen den Calif, daß
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(Amin. Hegire 194 n. C. G. 810) er seinem Bruder mit so vieler Härte begegne te. Mamon hatte sich daher kaum merken lassen, daß er nicht länger stille zu sitzen ge sonnen sey, als sich jedermann geneigt be zeugte, sich auf seine Seite zu schlagen. Ja man that ihm zuwissen, die ganze Provinz sey bereit die Waffen für ihn zu ergreifen, sobald er für gut befinden würde, Befehl da zu zu ertheilen. (Hegire 195 n. C. G. 811) Mamon war über diese Verfassung der Ge müther um so mehr erfreuet, da sich die Ge (Der Calif kündiget ihm den Krieg an.) legenheit bald darauf ereignete, gegen seinen Bruder Amin Hülfe zu suchen. Dieser Herr war aus mehr als einer Ursach gegen ihn auf gebracht. Einmal weil er sich geweigert an Hof zu kommen, und zweytens weil er sich un terstanden hatte, die mit seinem Bildnis ge prägte Münzen umschmelzen zu lassen. Er kündigte ihm deswegen den Krieg an, und schickte unter des Ali - ben - Issa Anführung ein Heer von sechzig tausend Mann gegen ihn. (Thaher be kommt das Comman do der Ar mee.) Die Zeitung von dem Aufbruch dieses Heers war dem Mamon nicht so bald zu Ohren ge kommen, als er sich die guten Gesinnungen der Chorassaner zu Nutze zu machen, und sich derselben zur Aufrichtung einer Armee zu bedienen suchte, womit er des Califen seiner die Spitze bieten könnte. Allein ein erfahr ner Feldherr mit Namen Thaher, dem er von diesem Vorhaben Nachricht gab, und ihm das Com
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mando derselben auftrug, gab ihm den Rath(Amin. Hegire 195 n. C. G. 811) dabey, nicht sowohl auf die Menge, als auf die Wahl der Trupen Acht zu haben. Er versicherte ihm, daß, wenn er ihm die Sache gänzlich überlassen wollte, er sich mit vier tau send Mann die ganze feindliche Armee zu schla gen getraue; oder wenn dieses ja nicht gesche hen sollte, so hofte er, ihr doch so zuzusetzen, daß sie sich nicht viel besser dabey befinden soll te, als wenn sie aufs Haupt geschlagen wäre. Mamon sahe wohl ein, daß Thaher der gröste General seiner Zeit war, und gab ihm deswegen die Freyheit, bey dieser Gelegenheit alles nach seinem Gutdünken einzurichten. Thaher brachte darauf vier tausend Mann zu sammen, die er selbst auslaß, und rückte mit denselben gegen die Stadt Rei an, weil er wuste, daß Issa in dieser Gegend sein Lager aufgeschlagen hatte. Zehen Meilen von dieser Stadt traf er den Feind an, und stellte sich ihm in Schlachtordnung entgegen. Issa konnte sich nicht vorstellen, daß der Feind ihm mit seiner Hand voll Leute viel zu schaffen machen würde. Deswegen hielt er nicht für nöthig, auf seine Ausforderung zu erscheinen. Denn er dachte, einen so schwachen Haufen zu zerstreuen, hätte er Zeit ge nug übrig. Ganz von diesem Vertrauen ein genommen, machte er nicht die geringste An stalt dem Feind zu begegnen, sondern vertrieb
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(Amin. Hegire 195 n. C. G. 811.) sich die Zeit im Lager herum zu spatziren, die Quartire zu visitiren, und sich mit seinen Offi ciren auf des Thahers Rechnung lustig zu machen, über den sie sich nicht genug verwun dern konnten, daß er die Verwegenheit hatte, sich mit so wenig Leuten einer so zahlrei chen Armee, wie die ihrige, entgegen zu stellen. (Issa, des Califen Ge neral, wird umge bracht.) Daran aber dachte er nicht, daß Thahers Detaschement aus nichts als entschlossenen Leuten bestund, die im Stande wären, alles zu wagen, und alles zu unternehmen. Noch weniger aber stellte er sich vor, daß er der Ge fahr einer Ueberraschung ausgestellt sey, die schlimm für ihn ablaufen könnte, weil er wahrscheinlich muthmassen konnte, daß ihn Thaher nicht attaquiren würde. Dennoch aber geschahe es. Issa begab sich immer von ei nem Quartier ins andere, ohne dabey im ge ringsten auf seiner Hut zu seyn. Dies bemerkte einer von Thahers Soldaten, Namens Da dou, mit dem Zunamen Siah, weil er ganz schwarz war, und faßte den kühnen Entschlus sich der Person dieses Feldherrn zu bemächtigen, zu dessen Ausführung er einige seiner Cameraden mit beredete. Dadou fand darauf würklich Mittel, sich mit seiner Gesellschaft durch einen mit Sträuchen bewachsenen holen Weg ins feindliche Lager zu schleichen, und laurten dem Issa auf. Dieser ließ sich darauf kaum blik
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ken, so war Dadou gleich über ihm her, und(Amin. Hegire 195. n. C. G. 811.) warf ihn aus dem Sattel, ehe ihm seine Leute zu Hülfe kommen konnten. In dieser Noth hielt Issa es für das Beste, sich zu erkennen zu geben, und glaubte, der Soldat würde ihm Quartier geben, wenn er sich ihm entdeckte. Allein dieser wollte von nichts hören, sondern schlug ihm mit einem Säbelstreich den Kopf herunter, den er darauf seinem General brachte. Diese Begebenheit brachte ein solches(Und seine Völker zer streuet.) Schrecken unter des Califen Völker, daß die meisten ihre Fahnen im Stiche liessen, und gegen solche Wagehälse nicht weiter fechten wollten. Vergeblich bemüheten die Officirs ihnen wieder Muth einzusprechen. Es war nicht möglich, sie dahin zu bringen, daß sie die Waffen wieder ergriffen hätten. Sie liefen davon, und wollten von nichts hören. Der über einen mit so wenig Unkosten er(Hegire 196. n. C. G. 812.) fochtenen Sieg erfreute Thaher schickte den Augenblick einen Curier mit der Nachricht(Mamon wird zum Calif aus gerufen.) dieses grossen Vorfalls an den Mamon ab, wobey er ihm zugleich den Kopf des feindli chen Generals überschickte. Wenig Zeit dar nach ging er mit seinen Völkern wieder nach Chorassan zurück, und gab dem Mamon die Versicherung, daß er einen Fürsten wie Amin gar nicht zu fürchten brauchte, dessen Schläf rigkeit und Schwäche sich sowohl auf seine Generals als Soldaten auszudehnen schiene.
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(Amin. Hegire 196 n. C. G. 812) Nunmehro glaubte Mamon brauchte er we niger als jemals zurück zu halten, und faßte den Entschluß sich zum Califen ausrufen zu lassen. Dieser Entschlus war nicht so bald bekannt geworden, als sich alle Völker verei nigten, ihn zu bewegen, daß er nicht länger anstehen möchte, sich einer Krone zu bemächti gen, deren sein Bruder ganz unwürdig sey. (Der Calif bleibt gleich gültig da bey.) Ganz Bagdad ward durch die Nachricht von diesem Aufruhr in die äusserste Bewegung gesetzt. Nur der einzige Amin blieb ruhig dabey, und bezeugte sich bey dieser Nachricht eben so gleichgültig, als er damals geblieben war, wie man ihm den Tod seines Generals, und die Flucht seiner Armee angekündiget hat te. Ein gewisser Geschichtschreiber sagt, er habe sich eben nebst dem Kouter, einem seiner Vertrauten, eine Veränderung durchs Fischen gemacht, als man ihm diese Nachricht gebracht, und habe dem Ueberbringer derselben die Ant wort gegeben: Ach kann ich denn nicht einen Augenblick Ruhe haben. Kouter hat in der Zeit, daß wir hier sind, schon zwey grosse Fische gefangen, und ich habe noch keinen erhaschen können. Die Bothschaft, daß sich sein Bruder zum Califen aufgeworfen, war eben so wenig im Stande den Lauf seine Ergötzlichkeiten zu un terbrechen, so daß ihm auch seine bey dieser Gelegenheit bezeugte Frostigkeit die Verach
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tung von dem grösten Theil seiner Untertha(Amin. Hegire 196 n. C. G. 812.) nen zuzog. Gegen den Fadel seinen ersten Minister war man nicht weniger erbittert, weil er die Schwäche und Faulheit des Ca lifen so sehr mißbrauchte, und dadurch Ursach gab, daß das Feuer der Zwietracht das ganze muselmännische Reich verheerte, und das zwar einzig und allein aus der Ursache, um seine Rache gegen den Mamon, dem er schon lange hatte eins anhängen wollen, auslassen zu können. Da der Calif nicht fähig war, selbst die ge(Mamon theilt seine Armee in zwey Hau fen ab.) ringste Anstalt vorzukehren, so ließ Fadel Völker anwerben, womit er nach Chorassan gehen, und verhindern wollte, daß Mamon da selbst sein Ansehen nicht fest setzen könnte. Allein es war itzo nicht mehr Zeit, andere an zufallen, sondern er muste auf seine eigene Vertheidigung bedacht seyn. Denn Mamon stellte, sobald ihm das Volk gehuldigt hatte, zwey Armeen ins Feld. Die eine führte der brave Thaher, und die andere ein berühm ter General mit Namen Harthamath an. Ehe denen Trupen, die dem Mamon entgegen gestellt werden sollten, die letzte Ordre zum Aufbruch gegeben war, waren diese beyden Generals schon mit ihren Völkern durch zwey unter schiedene Wege mit starken Märschen ins Herz von des Califen Staaten eingedrungen. Darauf vereinigten sie sich wieder zusam(Und nimmt Ha)
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(Amin. Hegire 196 n. C. G. 812) men, und eröfneten den Feldzug mit der Bela gerung der Stadt Hamakan, so eine wichtige (makan ein.) Festung war, und Mine machte, als wenn sie einen hartnäckigen Wiederstand thun wollte. Sie that ihn auch in der That, und hielt Ma mons zwey Generale lange auf, endlich aber setzten diese den Belagerten mit so viel Lebhaf tigkeit zu, daß alle ihr Widerstand den Feind nicht mehr aufhalten konnte, und sie sich end lich genöthiget sahen, sich zu ergeben. (Der Calif fällt durch seine Nach läßigkeit in Verach tung.) Auch diese erschreckliche Nachricht, die die nahe Ankunft der Feinde vor den Thoren zu Bagdad ankündigte, machte nicht den gering sten Eindruck auf Amins Gemüth. Man mochte ihm noch so viel sagen, daß Mamons Völker immer näher anrückten, und daß die Vortrupen seiner Armee schon bis in die Nach barschaft seiner Hauptstadt streiften, er blieb dennoch ganz ruhig dabey. Dem Boten, der ihm diese Zeitung brachte, und der ihn eben mit einem seiner Günstlinge im Schachspiel begriffen antraf, gab er folgende Antwort: Könnt ihr mich denn nicht einen Au genblick ungeschoren lassen, ich war eben im Begriff einen Hauptzug zu thun. Stöhret mich nicht ferner, ich will den Kouter schach matt machen. Eine so übel angebrachte Antwort brachte alle Gemüther gegen diesen Fürsten auf. Ei nige liessen es noch bey den Stachelschriften,
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sie auf ihn verfertigten, bewenden. Hierun(Amin. Hegire 196 n. C. G. 812) ter war ein Gedicht, welches bewieß, daß ein Fürst, der ganze Nächte mit Spie len zubringt, sein Reich, und sich selbst, zu einem unvermeidlichen Untergang verdamme. Die Sonne, sagt der Dich ter, gehet unter, so bald sie in das Zei chen der Wageschaale eintritt, nachdem sie aus dem Zeichen der Jungfrau her ausgegangen ist, woselbst sie die Zeit mit Danzen und Spielen zugebracht hat. (*) Doch der gröste Theil nahm die Sache in Ernst auf. Sie waren im höchsten Grad un gehalten, daß der Fürst eine ganz vernunftlose Unachtsamkeit bey einer Gelegenheit blicken ließ, die das Schicksaal seiner Hauptstadt ent scheiden sollte, und entschlossen sich daher, ihm eine Krone zu nehmen, die er zu tragen so un würdig war. Amin ward darauf würklich von Califat ab(Hegire 197 n. C. G. 813.) gesetzt. Und man war schon im Begriff, an die feindliche Generals zu schicken, und ihnen zu wissen zu thun, daß man bereit sey, den 16
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(Amin. Hegire 197 n. C. G. 813.) Mamon für einen Calif zu erkennen, als plötz lich ein unvermutheter Zufall die Gestalt der Sachen ungemein veränderte. (Mamons Völker re belliren.) Denn als Thaher im Begriff war, Bagdad zu berennen, und die zur Belagerung dieses Platzes erforderliche Werke aufwerfen ließ, so entstund unter seinen Trupen wegen der ausge bliebenen Bezahlung auf einmal eine Meute rey; alle Fonds waren erschöpft, und man sa he sich in die Unmöglichkeit versetzt, ihnen ih ren Sold zu bezahlen. Dieser widrige Zu fall schien Mamons Absichten ganz und gar übern Haufen zu werfen, indem seine Völker aus der Ursach rebellirten, und durchaus kei ne Hand weiter bey der Belagerung anlegen wollten. (Amin setzt sich wieder bey seinen Untertha nen in Lie be, und er hält sich auf dem Throne.) Fadel, Amins Vezier, rieth seinem Herrn an, sich dieser Umstände zu bedienen, und die Neigung der Einwohner von Bagdad wieder zu gewinnen zu suchen. Zugleich schoß er wichtige Summen her, die unter der Hand unter Mamons Völker vertheilt werden musten, um sie dadurch in dem Ungehorsam, und der Meuterey gegen ihre Obern zu unterhalten. Diese Erfindung fiel für den Amin so glück lich aus, als es Fadel gehoft hatte. Es ge reuete die Bagdadischen Einwohner, sich ge gen ihren Oberherrn so hart erzeigt, und ihn auf eine schimpfliche Art vom Throne gestossen zu haben, als sie sahen, wie derselbe alle seine
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Schätze anwendete, sie von ihren Feinden zu(Amin. Hegire 197 n. C. G. 813) befreyen. Sie suchten deswegen diesen Fehler dadurch zu verbessern, daß sie ihn wieder auf den Thron setzen. Allein der Aufstand unter Mamons Völ(Bagdad er gibt sich an den Tha her.) kern daurete nicht lange. Thaher und Hart hamath wandten alle ersinnliche Mühe an, das Geld zur Bezahlung der Soldaten anzu schaffen. Es gelung ihnen auch die erforder lichen Summen aufzubringen, und damit in kurzer Zeit die Ordnung unter der Armee wie der herzustellen. Nunmehr ward an nichts gedacht, als die Belagerung recht ernstlich an zugreifen. Diese ward auch mit so viel Nach druck angefangen, und fortgesetzt, daß die Stadt bald in die äusserste Noth gerieth, und genöthiget ward, sich ihren Ueberwindern zu unterwerfen. Als Thaher die Stadt in Besitz nahm, so hofte er gewiß den Amin darinn zu finden, und zum Gefangenen zu machen. Allein durch seines Veziers Vorsorge war er schon ent wischt. Man erfuhr, daß er in eine nahe gelegene Stadt geflohen sey, und sich daselbst sicher dünkte; weil er glaubte, die Feinde würden sich begnügen lassen, die Hauptstadt erobert zu haben, und sich keine Mühe ge ben, seiner eigenen Person habhaft zu werden. Allein er muste sich in seiner Hofnung betro gen sehen.
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(Amin. Hegire 197 n. C. G. 813) Harthamath und Thaher brachen gleich wie der von Bagdad auf, sobald sie von den da sigen Einwohnern die Huldigung für den Ma mon eingenommen hatten, und belagerten den Amin in seinem Schlupfwinkel. Einem so harten Unglück zu widerstehen, hatte dieser Fürst weder Muth noch Kräfte genug, und war deshalb, um sein Leben in Sicherheit zu setzen, allein darauf bedacht, sich durch einen Ver gleich zu ergeben. Jedoch, anstatt daß er sich dieserhalb hätte an den Thaher wenden sollen, so ließ er sich mit dem Harthamath in Unter handlungen ein, der ihm auch versprach, sei ner Person mit aller einem Fürsten von sei nem Range gebührenden Achtung zu begegnen. (Der dem Hartha math vor dem Thaher eingeräum te Vorzug verursacht sein Ver derben.) Doch dieser Vorzug, den er dem Hartha math vor dem Thaher einräumte, verursachte sein Verderben. Seine Freunde sahen es wohl zum voraus, und widerriethen es ihm, so viel sie konnten. Sie sagten ihm, Thaher sey der erste und oberste Befehlshaber, folg lich könne auch kein als mit seiner Hand un terzeichneter Vergleich gelten; überdas sey dieser Herr von einem so hochmüthigen und trotzigen Character, daß er sich leicht auf die grausamste Art rächen könnte, wenn er vor beygegangen würde, welches ihn nothwen dig verdrüssen müste. Amin sahe zwar die Wichtigkeit dieser Grün de wohl ein; allein der Begriff, den er sich ein
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mal von dem Stolz und der Unbiegsamkeit des(Amin. Hegire 197 n. C. G. 813.) Thahers gemacht hatte, hielt ihn beständig ab, sich mit diesem General einzulassen. Ein Traum, den er eben bey diesen Umständen hat te, bestärkte ihn noch völlig in dieser Mey nung. Er erzählte seinen Freunden, es ha be ihm geträumt, als habe er selbst eben auf einer hohen und dicken Mauer gesessen, Tha her habe unten gestanden, und dieselbe unter graben; und dadurch sey es geschehen, daß er zugleich mit der Mauer herabgefallen sey. Dieser Traum machte alle Vorstellungen un würksam, und Harthamath hatte nicht sobald die Versprechungen für seine Sicherheit von sich gestellt, als er sich bereitete, sich seinen Hän den anzuvertrauen. Thaher war mit dem Harthamath deswegen, weil dieser sich mit dem Amin in Unterhand lungen eingelassen, gänzlich zerfallen. Er be hauptete, man hätte sich deswegen an ihn, als den obersten Feldherrn wenden müssen. Hier aus entstunden heftige Streitigkeiten zwischen ihnen, welche endlich dahin verglichen wurden, daß sich Amin zwar an den Harthamath er geben, aber die Reichs - Insignien, als das Sie gel, den Scepter und den Talar an den Thaher ausliefern solle. Diese Bedingungen wurden von beyden Theilen angenommen, aber man hat nicht er fahren können, wodurch der furchtsame Amin
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(Amin. Hegire 197 n. C. G. 813.) verleitet ist, die vornehmste zu brechen, nemlich dem Thaher, den er als seinen Todtfeind ansa he, das gegebene Wort zu halten. Dieser Ge neral bekam Nachricht, daß sich Amin ganz verstohlner Weise wollte den Tiger herabfah ren lassen, und sich zum Harthamath begeben, dem er auch zugleich die Reichskleinodien ein händigen wollte. Der über dieses Verfahren höchst erbitterte Thaher faste hierauf den Vorsatz, sich an Amins Person zu rächen. In dieser Absicht versteckte er das ganze Ufer hinunter seine Leute, und sobald das Schif gen, worauf der Calif war, ihnen nahe genug war, ließ er eine ganze Salve von Pfeilen darauf abschiessen. Hierdurch gerieth alles auf dem Schiff in die gröste Unordnung. Es war ganz voll Menschen gepfropft, die um sich vor den Pfeilen, Steinen und brennen den Fackeln, so auf sie zugeworfen wurden, zu verbergen, so viele Bewegungen machten, daß das Schiff davon umfiel, und ein jeder durchs Schwimmen sein Leben zu erhalten su chen muste. (Thaher läst den Amin umbrin gen.) Thahers Leute erkannten den Amin unter den Schwimmenden sehr wohl, und verfolg ten ihn immer das Ufer herab. Endlich stieg er bey einem ihm bekannten Garten ans Land, und suchte in demselben seine Zuflucht. Allein die feindlichen Soldaten waren gleich hinter ihm drein, bemächtigten sich seiner, setzten ihn
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auf ein Pferd, und führten ihn also in das(Amin. Hegire 197 n. C. G. 813.) Haus eines Muselmannes mit Namen Ibra him. Hier muste er unter der Aufsicht eines Theils von ihnen zurück bleiben, da unterdes sen die andern zum Thaher gingen, und ihm seine Gefangennehmung berichteten. Diese schickte Thaher alsobald wieder in der Begleitung eines Officiers zurück, dem er die Ordre mitgab, dem Amin kein Quar tier zu geben, sondern ihn gleich bey seiner Ankunft zu tödten. Dieser unglückliche Prinz zweifelte nun nicht mehr an seinem bevorste henden Tode, da er sie mit entblößten Schwerd tern in sein Zimmer eindringen sahe. Den noch suchte er sie von der Lasterthat, die sie begehen würden, abzuwenden, und schrie ih nen zu: Wehe über euch, wenn ihr mein Blut vergiesset, bedenket wohl, daß ich Harouns Sohn, und Mamons eures Herren Bruder bin. Ohne Zweifel hofte er noch, sie durch die Erinnerung an das grosse Ansehen, worinn sein Vater gestanden hatte, und noch mehr da durch, daß er auf gewisse Art der Krone ent sagte, indem er den Mamon als ihren Kö nig erkannte, auf andere Gedanken zu brin gen. Doch sie blieben unbeweglich. Der von dem Thaher mitgeschickte Officier ging darauf auf ihn los, und versetzte ihm einen Hieb ins Gesicht. Amin, ob er gleich keine
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(Amin. Hegire 197 n. C. G. 813) Waffen bey sich hatte, suchte sich dennoch zu vertheidigen, und hielt seinem Feinde ein Küs sen vor, welches er eben in die Hände kriegte. Damit wollte er sich vor den Hieben in Si cherheit setzen, warf es dem, der ihn gehauen hatte, über den Kopf, faßte ihn um den Leib, und suchte ihm seinen Säbel aus den Händen zu reissen, um sich damit gegen die andern zu vertheidigen. Indem er mit diesen rang, so gab ihm ein anderer Soldat von hinten zu einen so gewaltigen Hieb in den Rücken, daß er sich nicht mehr wehren konnte. Darauf ward ihm der Kopf abgehauen, und sogleich an den Thaher überbracht. Dieser ließ ihn seinen Soldaten einen Tag lang zur Schaue aufstellen, und schickte ihn darauf dem Ma mon als ein Zeichen seines erhaltenen Sie ges zu. So ein unglückliches Ende nahm der Ca lif Amin, ein Fürst, der eines Throns gänz lich unwürdig war, den er durch sein weibi sches Leben, seine Weichlichkeit und Faulheit entehrte. Er hat nicht länger als ohngefehr neun und zwanzig Jahre gelebt, und viere re giert. El - Macin beschreibt ihn als einen grossen und wohlgewachsenen Herrn von schö ner Gesichtsbildung, kleinen Augen und brei ten Schultern. Er hatte eine blasse Farbe, fast gar keine Augenbrauen, und sehr dünne Haare, die er ohne aufzukräuseln schlecht her
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abhängen ließ. In Absicht auf seine Ge(Amin. Hegire 197 n. C. G. 813.) müthsgaben stellt ihn eben dieser Autor als einen sehr freygebigen Herrn dar. Dies muß auch gewis seine einzige Tugend gewesen seyn; denn übrigens redet er von ihm als von einem gänzlich sanguinischen Herrn, der ohne allen Muth, ohne alle Entschliessung, und über haupt ohne alle die Eigenschaften, so den Cha racter eines Fürsten ausmachen, gewesen ist.

Mamon.

(Mamon. Hegire 198. n. C. G. 813.)

Sechs und zwanzigster Calif.

Mamon oder al - Mamon, Harun - Al Raschids Sohn, und Amins Bruder bestieg nach diesem letztern den Thron, und brachte auf denselben alle die Eigenschaften mit, die man an seinem schwachen Vorweser ver gebens gesucht hatte. Dieser Prinz ehrte und liebte die Tugend. Er war ein Schutzgott der Rechtschaffenen, der Gelehrten, und unter ihm blühten Ha runs weise Verordnungen, die unter Amins Regierung ganz verwelket waren, wieder auf. Die Wissenschaften erreichten durch ihn eine gewisse Höhe, die sein Gedächtnis unsterblich gemacht hat. Dem ungeachtet muß man gestehen, daß
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(Mamon. Hegire 198. n. C. G. 813.) er bey allen diesen vortreflichen Eigenschaften, wodurch er sich der Krone so würdig gemacht, seine Regierung mit gewissen Fehlern ange fangen hat, welche in dem Staate die grösten Verwirrungen verursacht haben. Verwir rungen, die denen bey nahe gleichkamen, wel che unter dem unmächtigen Califat seines Vor gängers das Reich verödet haben. Allein er half sich nach und nach bald wieder heraus, und verdiente durch seine kluge Aufführung, daß man ihn für einen der grösten Prinzen hielt, welche jemals den muselmännischen Thron besessen haben. (Der Ca lif giebt Thaher die Statthal terschaft ü ber Choras san.) Zween Staatsfehler, die er begangen hat, fallen vor den andern in die Augen. Der eine ist, daß er gar zu freygebig gegen Thaher, seinen General, gewesen ist, dessen Dienste er so ansehnlich belohnt hat. Und der andere, daß er in seinen ersten Staatsminister ein gar zu uneingeschränktes Vertrauen gesetzt hat. Diese zween Fehler waren für ihn eine Quelle von den bittersten Verdrüslichkeiten. Denn anstatt, daß Mamon für seinen Ge neral eine Hochachtung hätte tragen sollen, die zwar den Verdiensten desselben gemäs war, die aber doch den Unterthan in den Schran ken des Gehorsams gehalten hätte; so begeg nete er demselben so, als wenn er vollkommen seines gleichen wäre, oder welches gleich viel ist, er setzte ihn in solche Umstände, daß Tha
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her seinem Herrn über kurz oder lang wohl(Mamon. Hegire 198. n. C. G. 813.) gar die Herrschaft hätte streitig machen kön nen. Der Prinz machte ihn zum Statthalter, über Chorassan und über die damit verbun denen Landschaften. Ja er übertrug ihm auf gewisse Art das Eigenthumsrecht über diese ansehnliche Provinz, indem er die Würde der Statthalterschaft in Thaher Haus erblich machte, und sich weiter nichts, als die Beleh nung vorbehielt. Dies war die Belohnung, womit der Calif Thahers Dienste vergalt, als ihm dieser Feld herr seine Aufwartung machte, um ihm von seiner Kriegsverrichtung, darinn der unglück liche Amin Krone und Leben eingebüsset, Re chenschaft abzulegen. Damals residirte Mamon noch in Chorassan. Thaher nahm nicht eher Besitz von seiner neuen Würde, als bis Mamon diese Provinz verließ, um sich in Bag dad als Calif zu zeigen. Allein er verschob diese Ceremonie noch eine(Hegire 199 n. C. G. 814) gute Weile. Und in diesem Zwischenraum sah man nichts, als Verwirrung und Tren(Er macht Fadal zum Vezier, und überläst ihm die Re gierung.) nung des muselmännischen Reiches. Und was noch mehr. Er allein war Schuld daran. Nicht zwar deswegen, weil er so lange von der Residenzstadt abwesend war, sondern blos aus dieser Ursache, weil er die Schwachheit beging, sich blindlings nach dem Vorschlägen eines Mi nisters zu richten, dem er sein ganzes Herz ge schenket hatte.
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(Mamon. Hegire 199 n. C. G. 814) Ich rede von Fadal - ebn - Sohail, einem Manne von grossen Verdiensten und Einsich ten in Statsangelegenheiten. Der Calif wu ste diesen grossen Geist zu schätzen, und er trug daher nicht das geringste Bedenken, sich ganz und gar nach ihm zu richten, und sobald er sich nur auf dem Thron sah, ihn mit dem Titel eines Veziers zu beehren. Also übergab er ihm gänzlich die Verwaltung der Staats=und Kriegs - Sachen, und zuletzt überließ er ihm die ganze Regierung. In dieser Freyheit von Geschäften widmete er sich einzig und allein den Wissenschaften, in die er rechr sterblich ver liebt war, überließ sich in den übrigen sowohl öffentlichen als besondern Angelegenheiten einzig und allein dem Gutdünken seines Ve ziers. (Hegire 200 n. C. G. 815.) Zum Unglück war Fadal mit einer Parthey verwickelt, die ganz und gar dem Vortheil des (Neigung dieses Ve ziers gegen die Aliden.) Califen entgegen war. Denn der Vezier hat es jederzeit mit den Aliden gehalten. Allein, er war viel zu klug und zu schlau, als daß er sich diese Neigung nur im geringsten hätte merken lassen. Bey allen Gelegenheiten äus serte er eine ganz besondere Ergebenheit für die Abbasiden, und diese waren auf ihrer Sei te wider so erkenntlich, daß sie ihm ganz aus serordentliche Ehrenbezeugungen machten. Haroun hatte ihn schon sehr hoch geschätzt, und sich ein Vergnügen daraus gemacht, öfters mit
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ihm umzugehen. Als aber dieser Calif starb, und(Mamon. Hegire 200 n. C. G. 815.) Fadal sah, daß die Krone einem Prinzen zu fallen würde, der es gar nicht wehrt wäre, daß sich verdiente Leute bey ihm aufhielten, so verließ er den Hof, und begab sich nach Choras san zu Mamon. Einem Manne, wie Fadal gewesen, war es was leichtes, sich die Gna de dieses Prinzen zu erwerben, und sobald er sich nur darinn recht fest sah, so wuste er das Herz desselben so zu bestimmen und einzuneh men, daß er den Aliden wo nicht selbst geneigt wurde, doch aber wenigstens aufhörte, die selben nach dem Exempel seiner Vorgänger zu verfolgen. Sobald aber Mamon den Thron selber be(Er bringt den Ritza am Hofe an.) stieg, und seine Macht in Fadals Hände ge leget hatte, so fing dieser an, etwas freyer von den Aliden mit diesem Prinzen zu reden. Unter andern rühmte er auf die allervorzüg lichste Art den Aly, des Musa Sohn, den man insgemein nur den Iman Ritza nannte. Bald erhob er die Frömmigkeit, die Weisheit und besonders die erhabenen Einsichten des selben; bald aber prieß er dem Prinzen den Geschmack an, den derselbe überhaupt an den Wissenschaften und Gelehrten fände. Kurz, er redete so oft und so vortheilhaft von dem selben, daß der Calif Lust bekam, ihn zu sehen. Den Augenblick ließ Fadal den Ritza nach(Hegire 201. n. C. G. 817 Er bewe) Hofe kommen, und stellte ihn Mamon vor,
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(Mamon. Hegire 201. n. C. G. 817) der, weil er bereits sehr gute Begriffe von dem selben hatte, ihn ganz besonders wohl auf nahm. Da dieser Schritt sowohl gelungen, (get den Ca lifen, die A liden in sei nen Schutz zu nehmen.) so wagte nunmehr der Vezier, der darüber ganz entzückt war, den andern. Da seine Ab sichten dahin gingen, den Aliden wieder zu ih ren Ansprüchen auf die Califenwürde zu ver helfen, so machte er damit den ersten Versuch, daß er Mamon vorstellte, wie bedaurenswür dig diese erlauchte Familie wäre, daß sie bis her der Gegenstand des Hasses aller derjeni gen gewesen, welche seit geraumer Zeit den Scepter geführet. Er mahlte diese von den Ommiaden verübte Ungerechtigkeit mit den verhaßtesten Farben ab, und machte es sehr wahrscheinlich, daß man dieselben nimmer mehr so grausam würde verfolget haben, wenn man nicht so gut eingesehen hätte, daß sie ein unumstößliches Recht zum Califat hätten. End lich aber stellte er vor, wie rühmlich es einem abbasidischen Prinzen seyn würde, den Aliden wenigstens eine sichere Freystätte zu verschaf fen, und sie dadurch auf gewisse Art wegen dem Verlust einer Krone schadlos zu halten, welche ihnen unstreitig würde zu Theil gewor den seyn, wenn man sich nach der Billigkeit und Vernunft hätte richten wollen. Diese mehr als einmal wiederhohlten Vor stellungen, die mit so viel Kunst und Vor sichtigkeit angebracht wurden, machten in der
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Seele des Califen den stärksten Eindruck.(Mamon. Hegire 201 n. C. G. 817) Und endlich hatten die persönlichen Eigenschaf ten des Ritza das Glück, das ganze Herz des Prinzen für die Aliden zu gewinnen. Nun mehr fing derselbe an, die Grausamkeit seiner Vorgänger zu tadeln, welche so viel Blut ver gossen hatten, um ein so verehrungswürdiges Haus zu vertilgen. Ja, er machte daraus gar kein Geheimniß mehr, daß er jetzt darauf be dacht wäre, alles mögliche anzuwenden, um so viele Gewaltthätigkeiten wieder gut zu machen. Es wurde bald in dem ganzen Reiche be kannt, daß der Calif an seinem Hofe einen Prinzen aus dem alidischen Hause hätte, wel chem man alle Vorzüge, die man der hohen Herkunft desselben schuldig wäre, erzeigte. Mamons Betragen in dieser Sache gab zu ver schiedenen Reden Anlaß, die bald mehr, bald weniger vortheilhaft für ihn ausfielen, je nach dem ein jeder gegen die Aliden gestimmet war, oder sich auch Vortheile von demselben ver sprechen konnte. Aber überhaupt misbillig ten es alle verständige Leute an dem Califen, daß er sich erkühnte, mit einer Familie so viele Umstände zu machen, von welcher man nicht die geringste Hülfe erwarten könnte, und wel che im Gegentheil vielmehr zu tausend Unruhen in dem Reiche Anlaß geben würde, wofern, al ler Niederlagen ungeachtet, welche die Prin zen dieses Hauses erlitten, noch einige Häupter
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(Mamon. Hegire 201 n. C. G. 817) vorhanden seyn sollten, welche sich einen neuen Anhang machen könnten. (Einer von Alis Nach kommen läst sich in Cuffah als Calif aus rufen.) Diese Vermuhtungen trafen bald darauf ein. Denn man erhielt die Zeitung, daß sich ein Alide, mit Namen Mahomet, der sich für Ibrahims Enkel und Alis Urenkel ausgab, zu Cuffah hervorthät, und daß das Volk in dieser Stadt, welche sie durch ihren Leichtsinn und ihre Unbeständigkeit längst bekannt ge macht, die Parthey dieses Prinzen angenom men habe, worauf man ihn endlich gar auf den Thron erhoben hätte. Welche Begebenheit war fähiger, Mamon auf ernsthaftere Gedanken zu bringen, als diese verwegene Unternehmung? Jetzt hätte er es überlegen sollen, von was für wichtigen Folgen ein Schutz noch seyn könnte, den er dem Ritza wider alle Vortheile seines Hauses und des Reichs überhaupt angedeyhen liesse. Allein durch die beständigen Schmeicheleyen sei nes Ministers, des Fadals, unglücklicher Weise verblendet, und durch die persönlichen Eigen schaften des Ritza verführt, behielt er den letztern beständig bey sich, und hörte nicht auf, ihm Merkmaale der allergrösten Gewogenheit zu geben. (Der Calif erklärt sich für die Ali den und nimmt) Aber das, was er bald hernach that, zog noch weitandere Folgen nach sich. Er erklär te sich öffentlich für einen Freund der Aliden, und
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damit niemand weiter an der Aufrichtigkeit(Mamon. Hegire 201. n. C. G. 817) dieser Gesinnungen zweifeln möchte, so legte er seinen schwarzen Turban, als die Leibfarbe(Ritza zum Mitregen ten an.) der Abbasiden ab, und bediente sich von neuem, wie die Aliden, eines grünen. Und sogar sei ne Hofleute und Soldaten musten diese Farbe annehmen. Er ging in diesen Gunstbezeu gungen noch weiter. Denn zu gleicher Zeit gab er seine Tochter, die Prinzeßin Abiba dem Ritza zur Gemahlin, und machte ihn zu seinem Gehülfen in der Regierung. Thaher bekam Ordre, diesen Prinzen auf den Thron zu setzen. Die alten Urkunden bemerken hier einen Umstand, den ich nicht ganz weglassen kann. Sie melden, daß dieser General, als er den Befehl ins Werk setzte, Ritza blos die linke Hand dargeboten, und dabey gesagt habe: Meine Rechte hat Mamon auf den Thron gesetzet, und jetzt setze ich mit Vergnügen mit meiner Linken einen Iman, wie ihr seyd, auf denselben. Ritza antwortete ihm auf eine sinnreiche Art, daß die Linke eines solchen Mannes so viel gälte, als die Rechte eines andern. In Chorassan ward Ritzans Erhebung mit ganz andern Augen, als in den übrigen Pro vinzen angesehen. Man hielt sie daselbst blos für ein kühnes Unternehmen, das vielleicht von schlimmen Folgen seyn könnte, weiter aber unterstand man sich nicht, diesen Schritt, den
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(Mamon. Hegire 201 n. C. G. 817) Mamon gethan, zu tadeln. Denn dieser Prinz hatte die Kunst gelernt, das Volk auf seine Seite zu bringen, und das Volk hingegen war es gewohnt, dem Prinzen zu gehorchen. (Ibrahim wird an statt des ab gesetzten Mamons, von den Abbasiden erwählet.) Aber in Bagdad und in den angränzenden Landschaften sah man Mamons Handlungen nicht so gelassen und gleichgültig an. Bag dad war der rechte Sitz der Abbasiden, und woferne die Rechnung einiger Schriftsteller nicht zu gros gerathen, so hielten sich in dieser Gegend drey und dreysig tausend derselben auf. Man urtheile hieraus, mit welchen Empfin dungen diese Leute die Nachricht angehöret haben, daß die muselmännische Krone nun in eine andere Familie gebracht würde, eine Kro ne, die sie mit so viel Mühe und mit so viel Blut an ihr Haus gebracht haben. Noth wendig muste sie diese Verordnung aufs äus serste beleidigen, da sie Harouns ganze Ein richtung über einen Haufen stieß, welche die vornehmsten Herren des Staats angenommen, und derselben gemäs es mit einem Eyde be schworen hätten, daß sie in einer ununterbro chenen Folge den dreyen Prinzen dieses Califen den Thron einräumen wollten. Sie stiessen die bittersten Klagen wider Mamons unge rechtes Verfahren aus, und diese so oft wie derholten Klagen veranlaßten bald darauf eine Empörung wider diesen Prinzen. Alles stimmte in Bagdad darinn überein,
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daß man Mamon absetzen sollte. Aber man(Mamon. Hegire 201 n. C. G. 817) war doch zu gleicher Zeit ein wenig verlegen, wen man an seine Stelle setzen sollte. Denn einige wollten haben, daß man Harouns Te stamente zufolge die Krone dem Morassem aufsetzen sollte: Aber da andere dagegen ein wendeten, daß dieser Prinz noch viel zu jung wäre, als daß er selber regieren könnte, so fiel alles auf Ibrahim - ebn - MaHadi, Mamons Oncle. Nachdem man diesen ersten Schritt gewagt, so ging man weiter, man setzte Ma mon ab, und rufte mit allen Feyerlichkeiten den Ibrahim aus. Dieser Prinz liebte die Ruhe und die Eingezogenheit, und daher hät te er es gern gesehen, daß man auf einen ganz andern, als auf ihn, sein Augenmerk gerichtet hätte. Denn was konnte er bey diesen ver wirrten Umständen anders, als Unruhe und Händel vermuthen? Allein, endlich sah er sich gezwungen, den starken Vorstellungen der Ab basiden und dem lärmenden Schreyen des Pö bels zu Bagdad nachzugeben, unter welchem ein anhaltendes Weigern nichts als Unruhen würde erreget haben. Die Zeitung von dieser grossen Verände(Mamon wirbt Sol daten, um seinen Ne benbuhler anzugrei fen.) rung verbreitete sich den Augenblick in Cho rassan. Fadal, der durch seine schädlichen Anschläge der Urheber dieser ganzen Unord nung ward, nahm sichs vor, sein Werk zu be schützen. Und zu gleicher Zeit vermocht er
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(Mamon. Hegire 201. n. C. G. 817) auch Mamon dazu, und beredete denselben, daß er sich in Person nach Bagdad an der Spitze seines Kriegsheers begab, in der Absicht den abbasidischen Prinzen anzugreifen, der die Ver wegenheit gehabt hatte, die Califenwürde anzunehmen, und mit dem Degen in der Faust die Bürger von Bagdad zu zwingen, daß sie sich seinem Willen unterwerfen musten. Mamon, der da blindlings den Rathschlä gen seines Ministers folgte, hielt sich jetzt ver bunden, sein unglückliches Vorhaben durch die Waffen auszuführen. Er zog mit einem zahlreichen Heer aus Chorassan, und marschir te geraden Weges auf Bagdad zu, und zwar in Begleitung seines Mitregenten, des Ritza, und Fadals, seines Ministers. Sie trugen alle zusammen auf ihren Turbans die Leib farbe der Aliden, gleich als wenn sie dieselbe in einem Triumph aufführen wollten. (Hegire 203. n. C. G. 818.) Indem Mamon einige Tage zu Thus still lag, um seinen Völkern Ruhe und Erquickung (Ritza stirbt.) zu verschaffen, so wurde sein lieber Ritza krank. Man gibt verschiedene Ursachen von dieser Krankheit an. Einige sagen, er hätte zu viel Weintrauben gegessen; andere hingegen be haupten, daß ihm einige Hofleute Gift beyge bracht hätten, indem sie mit dem grösten Un willen vorhergesehen, daß Mamon durch die allzugrosse Ergebenheit gegen diesen alidischen Prinzen auf einmal seinen Ruhm verdunkeln,
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und zugleich den Staat der Gefahr eines na(Mamon. Hegire 202 n. C. G. 818.) hen Umsturzes aussetzen würde. Ihr Vor haben gelang ihnen. Denn vergebens er schöpften die Aerzte alle ihre Erfahrenheit, und alle Hülfsmittel der Heilungskunst. In we nigen Tagen war Ritza in Thus eine Leiche. Ein Fall, der Mamon den empfindlichsten Schlag versetzte. Er liebte Ritza, und er lieb te ihn, weil er es aus mehr denn einer Ursa che verdiente. Denn umsonst würde man ei nen Prinzen gesucht haben, der in seiner Per son so viele und so vortrefliche Eigenschaften vereinigte. Nunmehr konnte Mamon dem entseelten Prinzen keine andere Merkmaale sei ner grossen Ergebenheit mehr geben, als die Ehrenbezeugungen eines fürstlichen Leichenbe gräbnisses. Er befahl daher, daß man ihn aufs prächtigste zu Thus beysetzen sollte, und zwar in der Gruft seines Vaters, der, wie wir wissen, hier begraben lag. Unmöglich konnte sich Mamon länger in Thus aufhalten. Er reiste also den Augen blick ab, und rückte vor Bagdad. Aber auf diesem Zuge begegnete ihm noch ein verdrüßli cher Zufall, der aber in der That zu seinem und seiner Unterthanen gröstem Vortheil ge reichte. Ritza Tod konnte Fadals Gemüthe im ge(Fadal wird ermordet.) ringsten nicht bestürzt, oder in seinen Anschlä
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(Mamon. Hegire 202 n. C. G. 818.) gen die geringste Aenderung machen. Dem Aliden beständig ergeben, erfand sein uner schöpflicher Witz ohne Mühe andere Mittel, den Geist und das Glück dieser Parthey wie der zu beleben: Und jetzt verhetzte er den Ca lif mehr als jemals wider diejenigen, welche sich dem gemachten Plan widersetzen wollten. Aber zuletzt misfielen die listigen Streiche des Ministers allen und jeden: man gieng damit um, sich einen so unruhigen Kopf vom Hal se zu schaffen, dessen Kunstgriffe und Unter nehmungen nichts anders, als lauter Verwir rung im Reiche anrichteten. Er wurde von seinen eigenen Bedienten angefallen, und sein Tod veränderte in einem Augenblick die ganze Scene. Mamon wurde durch diesen Streich plötz lich niedergeschlagen. Der Freund, der Rath geber, der geschickteste Minister, der ihm alle Regierungssorgen abnahm, kurz, alles war auf einmal verlohren. Er hörte und sah nur durch Fadal, und in dem unglücklichen Augen blick, da er ihn verlohr, befand er sich ge rade in einer fürchterlichen Wüste, die täglich die Schmerzen, die er über den ersten Ver lust empfand, wieder aufrührisch machte. Nunmehr muste er selber regieren, und die Hand an das Staatsruder legen: aber das kostete ihn die meiste Ueberwindung, die hefti gen Ausbrüche seines Schmerzens zu unter
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drücken. Doch unvermerkt besiegte er sie.(Mamon. Hegire 203 n. C. G. 818.) Er arbeitete sich aus diesen Finsternissen her aus; öfnete die Augen und erblickte die Ab wege, auf die er sich blindlings hatte leiten lassen, und da er zuletzt hinter die Wahrheit kam, so merkte er, daß man ihn hintergan gen habe. Mamon, der eine Sache von ihrer rechten(Die Ein wohner in Bagdad setzen Ibra him ab.) Seite einsah, der Ueberlegung, und insbeson dere ein vertrefliches Herz hatte, glaubte daß er sich nicht schämen dürfte, sein Versehen aufrichtig zu gestehen, und ohne Aufschub die besten Mittel zu ergreifen, wodurch er seine begangenen Fehler wieder verbessern könnte. In dieser grosmüthigen Entschliessung wurde er durch das Unternehmen der Einwohner zu Bagdad noch mehr bestärket. Denn sobald sie erfuhren, daß Ritza und Fadal gestorben wären, so zweifelten sie im geringsten nicht, daß Mamon, da er nun wieder sich selbst ge lassen wäre, alle Gesinnungen, welche er für sein Haus und für das Reich überhaupt ha ben müste, wieder annehmen werde. Sie waren versichert, daß, sobald sie sich ihm wie der unterwürfen, sie von ihm alle Merkmaa le der Gnade zu hoffen hätten, womit er das Volk zu Chorassan, so lange er das Ober haupt in dieser Provinz gewesen, überhäufet hätte. Sie faßten also den Entschluß, Ibrahim
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(Mamon. Hegire 203 n. C. G. 818) wieder abzusetzen, und hingegen Mamon durch Abgeordnete versichern zu lassen, daß sie ihn für ihren rechtmäßigen Califen erkenneten. Und wie entzückt waren sie nicht, als sie hör ten, daß dieser Prinz ihre Unterwerfung mit einer ausnehmenden Gnade aufgenommen habe. Endlich erwarb er sich auf einmal ih re Liebe wieder, als man sahe, daß er von Stund an den grünen Turban ablegte, und hingegen den schwarzen sich aufsetzte, welcher das Kennzeichen der Abbasiden war. Den Augenblick folgten die Hofbedienten, die Offi ciers und die ganze Armee diesem Exempel nach, und legten die Alidische Leibfarbe ab. In diesem Aufzug zog Mamon in Bagdad ein. Die Luft erthönete von dem Jauchzen und Glückwünschen des Volkes, das durch diese Zeichen die Freude anzeigte, welche die Gegenwart des Prinzen rege gemacht hatte. Nicht das geringste Merkmaal von einer Un ruhe konnte man entdecken, und von dieser Zeit an genoß der Calif in der süssesten Ruhe alle Ehre, die seiner hohen Würde zukam. Kurz nach seinem Einzuge in Bagdad verlangte er den Ibrahim, seinen Oncle zu sehen, den man eben jetzt abgesetzt hatte. Dieß that er im geringsten nicht darum, als wenn er sich wegen dem schlimmen Streich, den er ihm erwiesen, da er sich erfrechet, den Thron zu besteigen, an diesem Unglücklichen rächen wollte:
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Nein, wir werden bald sehen, daß Mamon ihm(Mamon. Hegire 208 n. C. G. 818.) in diesem Stück nicht das geringste nachgetra gen habe: Er wollte blos wissen, wo er sich jetzt aufhielte, um ihn an Hof zu ziehen. Aber Ibrahim hielt es für rathsam, sich zu verstek ken. Und gewis, er wuste dieses mit einer so glücklichen Vorsicht zu thun, daß er sich nachher noch etliche Jahre zu Bagdad aufge halten, ohne daß man ihn durch alle ange wandte Mühe hätte ausforschen können. I brahim ertrug sein Schicksal wie ein Weiser. Als man ihm die Krone aufsetzte, so wider strebte er eine Zeit lang, und als man sie ihm wieder nahm, so legte er dieselbe ohne Verdrus ab. Zufrieden und vergnügt zog er eine ruhige Einsamkeit dem Getümmel des Hofes vor, wo er vorher sah, daß er allen den verzehrenden Sorgen ausgesetzt seyn wür de, welche den Thron der Grossen umgeben. Und in der That, was hatte er nicht bey ei ner solchen Verwirrung des Staates zu be fürchten? Jetzt sah Mamon mit Vergnügen die Be(Hegire 205 n. C. G. 821) mühungen der Bürger von Bagdad an, wel che sich recht darauf legten, ihm täglich neue(Thaher wirft sich in Choras san zum Herrn auf.) Proben von ihrer Ergebenheit zu geben. Al lein diese Lust ward plötzlich verbittert. Er beging die Schwachheit, daß er dem Thaher die Provinz Chorassan eigenthümlich übergab, nur mit dem Vorbehalt, daß er sich von den
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(Mamon. Hegire 205 n. C. G. 821.) Califen damit belehnen lassen sollte. Jetzt werden wir die Folgen einer unüberlegten Wohlthat vernehmen. Mamon war kaum wieder abgereißt, als Thaher die Gemüther so geschickt zu seinem Vortheil zu stimmen wuß te, daß er sich mit leichter Mühe zum unum schränkten Herrn in Chorassan aufwarf und vorgab, daß er unter keiner andern Hoheit mehr stünde. Damit er aber die Gemüther, die Mamon noch ergeben waren, nicht gar zu sehr aufhetzen möchte, so machte er ihnen weis, daß die unumschränkte Herrschaft, nach welcher er strebte, ein Geschenk wäre, wo mit ihn der Calif für die wichtigen Dienste, die er ihm erwiesen, beehret hätte, und der Prinz wäre der Meynung, daß er alle Vor rechte haben sollte, welche mit der höchsten Würde verknüpft wären. Unvermerkt griff er immer weiter um sich, und endlich trieb er seine Verwegenheit so hoch, daß er in den öffentlichen Gebetern durch alle ihm unterwor fene Provinzen für sich allein bitten ließ, und den Calif von Bagdad ganz aus denselben wegstrich. Dieses kühne Unternehmen hätte ohne al len Zweifel die schärfste Ahndung verdienet: man hätte die Waffen wider einen solchen Re bellen ergreifen sollen. Allein Mamon dach te ganz anderst. Er konnte sich nicht ent schliessen, die Muselmänner wider sich selber
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zu bewafnen. Er glaubte, daß die Zeit und(Mamon. Hegire 205 n. C. G. 821) das Nachdenken den Aufrührer auf bessere Gedanken und zur Beobachtung seiner Pflicht bringen würden. Also ließ er es geschehen, daß Thaher eine Zeitlang die Früchte seiner Empörung geniessen möchte. Doch diese Hof nung schlug ihm fehl. Thaher wendete die se vortheilhafte Nachläßigkeit an, um sich in seiner neuen Würde immer stärker zu ver schanzen. Er saß in Chorassan als ein Sou verain, und richtete daselbst eine Art von Herr schaft oder Dynastie auf, die seine Nachkommen beynahe sechzig Jahr hintereinander mit einem prächtigen Ansehen behauptet haben. Er sel ber genoß diese Herrlichkeit nicht lange. Denn ein oder zwey Jahre hernach, als er den Na men des Califen in dem öffentlichen Gebete unterdrücket hatte, starb er an einer schmerz haften Krankheit. Mamon glaubte nun, daß Thahers ange maßte Herrschaft auf einmal über einen Hau fan fallen werde. Und daher dachte er an keine Rache. Wer dünkte sich glückseeliger zu seyn, als er, da er sah, daß nach diesem rauschenden Ungewitter die Stille wieder in allen Provinzen ausgebreitet würde? Und in der That, die Aliden hielten es jetzt für das rathsamste, sich jetzo, nachdem sie sich bey den günstigen Blicken des Califen so groß ge macht, wieder eingezogen und stille zu halten.
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(Mamon. Hegire 205. n. C. G. 821.) Und sie erwählten diese Aufführung, sobald als sie nur Nachricht bekamen, wie sehr sich die Sachen bey Mamons Einzug in Bagdad geändert hätten. Auch der Alide Mahomet, der sich zu Cuffah hatte ausrufen lassen, und den man auch daselbst zu dieser Würde erho ben, ergriff die Flucht. Auf diese Art ward Mamons Ansehen ohne allen Widerspruch in dem ganzen Saracenischen Reiche, Chorassan allein ausgenommen, wieder befestiget. Inzwischen hatten die beständigen Verän derungen, welche sich in dem orientalischen Rei che hervorgethan, den Griechen in ihrem eige nen Staate so viel zu schaffen gemacht, daß sie sich um fremde Händel nicht bekümmern konnten. Sie sorgten für nichts weiter, als daß sie ihren Tribut den Califen richtig entrich ten könnten, und es hatte gar nicht das Anse hen, als wenn sie so bald im Stande seyn würden, die Waffen wider die Muselmänner zu ergreifen. Mamon zog aus dieser öffent lichen Ruhe diesen Vortheil, daß er in der Hauptstadt seines Reichs den Wissenschaften güldene Zeiten verschafte. (Mamon ist bemühet, die Gelehr samkeit, in einen blü henden Zu stand zu setzen.) Sie hatten schon bereits daselbst ihre Lieb haber, seitdem die Abbasiden auf den Thron ge kommen waren. Almanzor beschützte sie öf fentlich. Harun, der seinem Exempel folgte, begnügte sich nicht blos damit, daß er ihnen seinen Schutz angedeyhen ließ, sondern er trieb
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sie auch selber mit dem grösten Fleisse. Ma(Mamon. Hegire 205 n. C. G. 821.) mon aber übertraf alle seine Vorgänger, und erwarb sich dadurch einen unsterblichen Ruhm, daß er sich alle ersinnliche Mühe gab, den Wissenschaften durch die bequemsten Mit tel aufzuhelfen. Was für unermeßliche Geldsummen hat er nicht hergegeben, um fremde Gelehrte, die sich einen grossen Namen erworben, in seine Staaten zu ziehen? Dieser Prinz war es, welcher öffentliche Gebäude aufrichten ließ, wo man für diejeni gen Gelehrten, die er zur Unterweisung in al len Wissenschaften bestellet hatte, bequeme Wohnungen anlegte. Er war es, der eine Academie errichtete, wo sich die Gelehrten ver sammleten, um sich über diejenigen schweren Fragen mit einander zu unterreden, die von nie mand anders, als von grossen Meistern unter sucht, und ausgemacht werden können. Mitten in diesen Versammlungen der Wei sen sah man zum öftern den Prinzen sitzen; denn er wollte durch sein erhabenes Beyspiel den Arabern einen Geschmack an der Gelehrsam keit beybringen. Ja man sah ihn so gar die Schulen besuchen, und mit Vergnügen die gelehrten Streitigkeiten mit ansehen, welche über verworrene Fragen entstanden. Da er die Lehrer mit einer ausnehmenden Achtung beehrte, so bewog er diejenigen, welche sich zu ihren Füssen setzten, daß sie denselben mit der
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(Mamon. Hegire 205 n. C. G. 821) grösten Aufmerksamkeit und Verehrung zu hörten. Weit entfernet, daß der Calif sie als Leute hätte ansehen sollen, die eine verächtliche Bedienung bekleideten: Er legte sich vielmehr recht darauf, ihnen die grösten Ehrenzeichen zu ertheilen. Er zog sie an Hof, er ging ver traut mit ihnen um, und nannte sie gemeinig lich nur die Meister der Seele, die Leh rer des menschlichen Verstandes. Es sind, sprach er, Leute, denen der Himmel be sondere Vorrechte ertheilet hat; (privilegiés du cicl) Männer, die gebohren sind, um Lich ter der Nationen zu seyn, Lichter, welche die Finsternissen der Unwissenheit, die nichts als Barbarey und Wildheit gebieret, zerstreu en. (*) Man sah damals in Bagdad einen grossen Zulauf von Gelehrten. Die meisten waren vom Prinzen dahin berufen worden, und die übrigen zog das Gerüchte von seiner grossen Liebe zu die Wissenschaften, und von dem Schutze, den er den Freunden derselben er theilte, in diese Stadt. Die Hofleute gin gen nunmehr mit Gelehrten um, und unver 17
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merkt wachte in ihnen die Liebe zu den Wissen(Mamon. Hegire 205 n. C. G. 821) schaften wieder auf. Auf solche Art wurde die Hauptstadt des muselmännischen Reichs in kurzer Zeit gleichsam eine allgemeine Schu le. Alles beeiferte sich in derselben, und stritt um den Vorzug. Aber welches Mittel könn te bequemer seyn, fähige Köpfe zum Studi ren aufzumuntern, und die Wissenschaften selbst auf die höchste Stuffe der Vollkommenheit zu erheben, als diese Nacheiferung? Die Heilungs kunst, die Naturwissenschaft, die Sternkunde, die Grundlehre, kurz, alle nützliche und schö ne Wissenschaften machten jetzt die Beschäfti gung und den Zeitvertreib des Califen, der Grossen an seinem Hofe, und aller derjenigen unter dem Volke aus, welche Zeit und Lust hatten, sich auf diese Arten der menschlichen Erkänntniß zu legen. Mamon unterließ nicht, durch grosse Be lohnungen, womit er diejenigen beehrte, wel sich unter den übrigen hervorthaten, die Ge lehrten immer mehr zu einem grössern Fleisse anzuspornen. Unermeßliche Geldsummen wur den verwendet, um ihre Bemühungen auf alle nur mögliche Art zu erleichtern. Ein Theil dieser Gelder wurde zur Erbauung prächtiger Gebäude angewendet, in welchen der Schatz der Gelehrsamkeit, ich meyne eine auserlesene Sammlung von Büchern angeleget wurde, deren sich ein jeder mit aller Freyheit bedienen
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(Mamon. Hegire 205 n. C. G. 821.) konnte. Andere Summen waren bestimmet, einige besondere Theile der Wissenschaften recht zu befördern. Er ließ z. E. eine Stern warte erbauen, wo diejenigen, welche sich auf die Astronomie legten, um so viel bequemer ihre Beobachtungen anstellen konnten, weil sie alles Geräthe und alle Hülfsmittel daselbst bey der Hand hatten, die ihnen nur nöthig waren. Mamon genos auch bald das Vergnügen, die Früchte seiner Bemühungen einzuerndten. Er sah gleich Anfangs grosse Geister, die sich durch ihre Werke den grösten Namen erwar ben, und welche in den entferntesten Gegen den dem Ruhm eines Prinzen, der die Ge lehrten so grosmüthig beschützte, unvergängli che Denkmäler aufrichteten. Ein solcher war Abbas von Meru, der so glücklich ausrechne te, und so richtige astronomische Tabellen ver fertiget hat. Ein solcher Gelehrter der ersten Grösse war auch Amed - ebn - Cothair, der die ptolemäischen Tabellen verbessert, und mit sehr gelehrten Anmerkungen bereichert herausge geben hat. Zu dieser Gattung gehören noch vie le andere, sowohl Muselmänner, als auch Ju den und Christen. Denn sie hatten alle einen gleichen Antheil an der Gnade eines Fürsten, welcher gar nicht glaubte, daß ihn der Unter scheid der Religion abhalten dürfte, gegen diejenigen freygebig zu seyn, welche den Wis senschaften so viele Ehre machten.
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Aber diese süsse Ruhe, welche der Prinz(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823) mitten unter den sanften Beschäftigungen ge nos, wurde jetzt ein wenig durch den Krieg,(Thomas beredet den Califen, den Griechen den Krieg anzukündi gen.) welchen er dieses Jahr mit den Griechen führ te, unterbrochen. Doch er hatte an demsel ben nicht weiter Antheil, als nur in so ferne, daß er demjenigen dazu Völker verwilligte, der die vornehmsten Triebfeder dieser Unter nehmung gewesen ist. Es war derselbe der Grieche, Thomas, den schon vor langer Zeit ein schlimmer Handel genöthiget hatte, den Hof zu Constantinopel zu verlassen, und sich nach Bagdad zu flüchten, wo er Mittel ge funden hat, sich durch seine Herzhaftigkeit und durch seinen Eifer für die Ehre des musel männischen Namens bey den Califen einzu schmeicheln. Schon bey nahe zwanzig Jahre diente er den Sarazenen, unter welchen er sich sehr hervorgethan, besonders in solchen Gele genheiten, wo er seine Begierde, sich an den Griechen zu rächen, recht vergnügen konnte. Thomas, den der Friede des Califen mit den Griechen an der Vollziehung seiner Ra che offenbar verhinderte, versuchte so lange alle seine Künste, bis er endlich den Calif so weit brachte, daß er den Frieden mit dem Kay ser in Orient zu brechen sich entschlos. Er stellte Mamon vor, daß die gegenwärtigen Umstände die allererwünschtesten wären, um
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(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823.) Meister von Constantionpel zu werden; daß die innerlichen Kriege, welche das griechische Reich beunruhigten, den Kayser ausser Stand setzten, sich recht zu vertheidigen, und wenn man ihm diese ganze Unternehmung anver trauen würde, so wollte er es auf sich nehmen, den Califen auf den orientalischen Kayserthron zu setzen. (Michael wird Kay ser in Ori ent.) Der Kayser, der damals den orientalischen Scepter führte, hieß Michael. Damals be saß er schon drey Jahre den Thron, auf wel chen ihn eine der seltsamsten Glücksverände rungen erhoben hatte. Leo, der Armenier, hatte diesem Prinzen im Jahre 820. den Tod ankündigen lassen. Aber eben da er in der Christnacht sollte hingerichtet werden, so wur de Leo ermordet; Michael aber aus dem Ge fängnis befreyet, und auf den Thron gefüh ret. Der Anfang seiner Regierung war sehr ruhig, weil er es sich sehr angelegen seyn ließ, alle Unruhen zustillen, und die Verfolgun gen wieder aufzuheben, welche seine Vorgän ger wider die Rechtgläubigen, (*) die sich der Ver 18
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ehrung der Bilder annahmen, erreget hatten.(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823.) Aber es daurte nicht lange, so fing er an, sie
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(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823) ebenfals zu verfolgen. Kurz hernach erklär te er sich wider die ganze Religion, und bestreb te sich recht, durch die allergröbsten Laster sich hervorzuthun. Gleichwie er selber weder le sen noch schreiben konnte: Also waren ihm auch diejenigen unerträglich, welche davon mehr, als er selber verstanden. Insbesonde re war er ein recht geschworner Feind derjeni gen, welche die Wissenschaften liebten. (*) 19
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So viele Fehler beysammen musten ihm(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823) nothwendig den Haß seiner Unterthanen zu ziehen. Man machte allerhand heimliche An schläge wider ihn; aber er erhielt sich noch be(Er macht sich den Griechen verhast.) ständig wider dieselben sowohl durch seinen un erschrockenen Muth, als auch durch den Bey stand einiger der Vornehmsten am Hofe, wel che bey der Parthey dieses Kaysers ihre Rech nung fanden. Thomas, der von diesen Be wegungen Nachricht hatte, wollte sich derselben bedienen, und lag daher dem Califen bestän dig in den Ohren, daß er bey einer so günsti gen Verfassung das griechische und musel männische Reich unter ein Haupt bringen sollte. Mamon wollte ihm lange nicht in seinem Verlangen willfahren. Er war zufrieden, daß ihm die Griechen den Tribut aufs rich tigste bezahlten, und konnte sich nicht so leicht entschliessen, seine gelehrte Beschäftigungen zu zerreissen, welche ihm seine Regierung so an genehm machten, und hingegen sich an eine Un ternehmung zu wagen, die ihm lange nicht so leicht vorkam, als man ihm dieselbe beschrieb. Allein Thomas ließ nicht nach, dem Für sten beständig in den Ohren zu liegen. End lich glaubte er, denselben auf einmal zu gewin nen, wenn er ihm vorstellte, daß er in seinem Namen den Krieg führen wollte, wenn ihm anderst der Calif verspräche, daß er ihm Tru pen und überhaupt alles, was zu einer so wich
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(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823) tigen Verrichtung erfordert würde, hergeben wollte. Endlich willigte Mamon in seinen Vorschlag und gab so gleich den Befehl, daß man ein ansehnliches Heer auf die Beine bringen sollte. Thomas stellte sich an die Spitze desselben, machte sich auf den Marsch, und wagte den Einfall in das orientalische Reich. Einige Schriftsteller geben vor, daß Ma mons Rachbegierde gegen die Griechen nicht blos von der Strafe, die man an ihm we gen der schlimmen Streiche, die er am Hofe angefangen, hat vollziehen wollen, herge rühret, sondern daß er noch aus einem andern Grunde wider die Griechen so erbittert gewe sen sey. Er war, sagen sie, Leons Vertrau ter. Michaels Freunde aber haben diesen Prinzen, da er kaum ein paar Jahre auf dem Thron gesessen, meuchelmörderischer Weise ermordet. Thomas wollte also den Tod des Prinzen, seines Gönners, rächen und wo es möglich wäre, den Meuchelmörder von dem selben wieder verstossen. Aber es gibt andere, welche vorgeben, daß Thomas von sehr schlechtem Herkommen ge wesen sey; daß er aber dabey Muth genug, und noch weit mehr Geschicklichkeit und Ver schlagenheit besessen habe, um den Griechen weiß zu machen, daß er Constantin sey, von welchem man glaubte, daß ihn die Kayserin
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Irene, seine Mutter, heimlich hätte umbrin(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823) gen lassen: Sie setzen hinzu, daß Thomas durch diese Vorstellung eine Menge Leute auf seine Seite gebracht, und endlich selbst von Mamon Hülfsvölker erhalten habe, und zwar vermöge eines Vergleichs, in welchem dieser verstellte Constantin dem Califen die aller schmeichelhaftesten Vortheile versprochen, so bald er nur auf den Thron seiner Väter ge kommen seyn würde. Doch dem sey wie ihm wolle. Genug Tho mas war jetzt das Haupt eines furchtbaren Kriegsheeres, welches aus Persern, Medern, Arabern, Chaldäern, Iberiern und andern Nationen bestand, welche die Begierde nach einer grossen Beute zu diesem Feldzuge ange spornt hat. Ja es schlug sich sogar zu diesem Heer eine grosse Anzahl von Christen, welche unter seiner Fahne das orientalische Reich von einem Prinzen befreyen wollten, welchen alle Arten von Lastern, womit er seinen Purpur befleckte, aller Welt verächtlich machten. Kaum hatte diese mächtige Armee den er sten Fuß in klein Asien gesetzet, als sich Tho(Thomas verheeret klein Asien.) mas schon von den meisten Plätzen dieser wei ten Provinz Meister sah. Es wollten sich zwar einige dem Sieger widersetzen, und die ihrem Herrn angelobte Treue halten. Allein in der Geschwindigkeit waren sie gezwungen, der Gewalt nachzugeben, oder ihr Land und
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(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823) ihre Güter der gänzlichen Verheerung zu ü berlassen. Durch dieses unglückliche Schick sal wurden verschiedene Städte verwüstet, die es auf eine förmliche Belagerung hatten an kommen lassen. (Er schläget die Grie chen, und läst sich zum Kay ser ausru fen.) Michael, über einen so plötzlichen Ueber fall ganz erstaunt, war jetzt im Begriff, den Feind abzutreiben. Er schickte in der Ge schwindigkeit einige Trupen ab, welche den weitern Streifereyen vorbeugen sollten. Allein vergebens. Dieses Heer wurde geschlagen, und Thomas, der sich seines Siegesrechts zu bedienen wußte, nahm nunmehr feyerlich den kayserlichen Titel an, und ließ sich von Yub, dem Bischoff zu Antiochien, krönen. (Thomas belagert Constanti nopel.) Jetzt ging der kühne Sieger, von seinem Glücke ganz eingenommen, gerades Weges auf Constantinopel zu. Auf dem Marsche wurde er noch durch einige Haufen von Chri sten und andern abtrünnigen Unterthanen des Kaysers verstärket. Und mit diesem Heer wagte er sich an die Belagerung der Haupt stadt. Indem er diesen wichtigen Platz von der Landseite berennte, so näherte sich auf der an dern seine Flotte mit vollen Seegeln dem Ha fen, und zersprengte in einem glücklichen An schuß die Kette, welche den feindlichen Schif fen das Einlaufen verwehren sollte. (Der Sturm) Anfangs setzten die Belagerer ihre Arbeit
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mit der grösten Hitze fort: Allein sie wurden(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823) bald genöthiget, dieselbe zu mäßigen, indem es ihnen an Maschinen zu fehlen anfing. Tho(zerstreuet seine Flot te, und nöthiget Thomas zur Flucht.) mas aber änderte dem ungeachtet sein Vorha ben nicht. Er entschloß sich nur, die Bela gerung in eine Blocade zu verwandeln, und unterdessen mit einem Theil seiner Völker in Thracien einzufallen. Aber indem er sich marsch fertig machte, so entstand plötzlich ein Sturm, der ein Theil der sarazenischen Flotte, die im Hafen vor Constantinopel lag, zerscheiterte. Umsonst versuchte Thomas das äusserste, um alles wieder in guten Stand zu setzen. Aber endlich fand er sich bey dem Einbruch der schlimmen Jahrswitterung gezwungen, die Be lagerung aufzuheben, damit er den Rest seiner Armee und seiner zertrümmerten Flotte noch retten möchte. Er ging also nach klein Asien, wo er sein Volk so lange in den Winterquar tiren lassen wollte, bis die Jahrszeit ihm er lauben würde, wieder ins Feld zu rücken. Mitlerweile arbeiteten die Griechen mit ei(Gegenan stalten der Griechen, eine neue Belage rung aus zuhalten.) ner unglaublichen Hurtigkeit an der Ausbes serung ihrer Festungswerke. Sie legten ei nige neue an, und setzten dadurch Constanti nopel in einen solchen Zustand, daß es schwer war, diesem Orte wieder beyzukommen. Zu gleicher Zeit machten sie in dem Seewesen eine gute Verbesserung: versahen sich mit einem grossen Vorrath von Brandern und griechi
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(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823) schem Feuer, und erwarteten mit solchen Zu rüstungen die Ankunft der Sarazenen. (Thomas fängt die Belage rung wie der von neuem an.) Und in der That Thomas ließ sich wieder vor Constantinopel sehen, und zwar voller Hof nung, daß dieses zweyte Unternehmen um so viel glücklicher ablaufen würde, da er nunmehr mit einigen in der Stadt ein heimliches Ver ständnis hatte, indem ein angesehener Kriegs bedienter, den Michael, ich weiß nicht wodurch mißvergnügt gemacht, mit einem Theil seiner Mannschaft in das sarazenische Lager über ging. Aber auch durch diese Rechnung ward ihm ein Strich gemacht. Denn indem Tho mas vor die Thore von Constantinopel rückte, so besann sich dieser Ueberläufer auf einmal wieder. Er überlegte, daß, da die Griechen bey dem guten Zustande ihrer Festung leicht die Oberhand behalten könnten, er hernach leicht in ihre Hände, und folglich in die gröste Gefahr gerathen würde: Also entschloß er sich wieder zu ihnen überzugehen, und sich auszu söhnen. Zu diesem Ende berichtete er durch seine Anhänger, die er in der Festung hatte, die Belagerten, daß, wenn sie jetzt einen Aus fall auf die Sarazenen thun wollten, so würde er denselben zu gleicher Zeit in den Rücken fallen, und auf diese Art würde man leicht Meister von ihnen werden. Thomas bekam noch zu rechter Zeit von diesem treulosen Anschlag Wind, und konnte
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also die nöthigen Gegenanstalten machen. Er(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823) stellte eine hinlängliche Anzahl seiner Trupen so, daß sie den Augenblick die Ueberläufer an fallen sollten, so bald nur diese die geringste Miene oder Bewegung machten, die Sara zenen anzugreifen, welche die Griechen wieder in die Stadt zurückschlagen sollten. Die Sa che erfolgte so, wie er es vorhergesehen hatte. Die Griechen thaten einen Ausfall, und griffen die Sarazenen an. Die Ueberläufer fielen diese letztern von hinten an; allein Thomas machte sich voller Wuth über sie her, haute sie in Stücken, nahm ihren Anführer gefan gen, und ließ ihn auf der Stelle hinrichten. Sobald sich nun die Sarazenen diese Ver räther vom Halse geschaffet, so griffen sie die Griechen von neuem mit der allergrösten Hiz ze an. Aber da sich diese eben so tapfer zur Gegenwehr setzten; so focht man eine gute Zeit von beyden Seiten ohne den geringsten Vortheil. Thomas, dem diese Zögerung des Sieges in die Länge unleidlich fiel, schickte den Augenblick befehl an seine Flotte, daß sie ohne Verzug von Barut auslaufen, und nach Constantinopel abseegeln sollte. Und in der That, man sah bald darauf die(Die Sara zenische Flotte wird in Brand ge steckt.) Sarazenischen Flaggen vor Constantinopel wehen, und Thomas machte schon alle Anstal ten, den Platz auf eine vortheilhafte Art von allen Seiten anzugreifen, als ein unvermu
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(Mamon. Hegire 823 n. C. G. 823) theter Zufall ihm plötzlich das ganze Concept verrückte. Die Griechen sahen ganz ruhig zu, als sich ihnen die feindliche Flotte mehr und mehr näherte: sie liessen sie bis vor ihre Wälle rücken, ohne das geringste wider sie zu unternehmen. Jetzt brach die Nacht ein, und der Kayser gab Befehl, die Brandschiffe auslaufen zu lassen. Plötzlich sah man ein Theil der Sarazenischen Flotte in Flammen stehen, die übrigen Schiffe sich entfernen, und überhaupt unter denselben eine solche Unord nung einreissen, daß die Sarazenischen Ma trosen nicht das geringste mehr anfangen konn ten. So gleich fielen die Griechen auf die Schiffe, nahmen sie weg und machten eine ansehnliche Beute. Ein Theil des Schiffs volkes kam jämmerlich in den Flammen, und das andere im Wasser um, nur ein kleiner Ueberbleibsel rettete sich kümmerlich ans Ufer, und vereinigte sich mit den Landtrupen im Lager. (Der Bul garische König schlägt die Sarace nen.) Auf diese Begebenheit folgte bald eine an dere, welche die Niederlage der Sarazenen vollkommen machte. Jetzt rückte der König der Bulgaren mit seinem Kriegsheer an, wo mit er dem griechischen Kayser zu Hülfe kom men wollte. Der Feldherr der Saracenen ging ihm entgegen, um demselben alle Vor theile abzuschneiden, und ihm ein Treffen, noch ehe sich die Trupen desselben ausru
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hen konnten, zu liefern. Aber dieser Anschlag lief(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823) sehr unglücklich ab. Die Saracenen wurden von den Bulgaren geschlagen und gänzlich zerstreu et: sie musten eine ansehnliche Beute und eine grosse Anzahl Kriegsgefangene im Stiche las sen. Der Bulgarische König würde die al lerschönste Gelegenheit gehabt haben, die grö sten Vortheile aus diesem Siege zu ziehen, wenn er anders denselben hätte verfolgen wollen. Allein recht von der Sache zu reden, er sah es heimlich selbst gern, daß die griechische Macht durch die Einfälle der Saracenen unvermerkt geschwächt würde. Also hielt er es für das beste, sich wieder nach Hause zu begeben, in der Hofnung, daß er dermaleinst aus dem Verluste der einen und der andern Parthey seinen Vortheil ziehen werde. Unterdessen erhielt der griechische Kayser(Der Kayser bekömmt eine neue Verstär kung.) neue Verstärkungen, welche über das schwar ze Meer in Constantinopel ankamen, ohne daß sich Thomas dawider hätte setzen, oder daß er auch nur recht hätte auskundschaften können, worinn diese neue Hülfe bestünde. Gleichwohl war er jetzt sowohl durch den er littenen Schaden als durch die aufs neue ge drohte Gefahr weit vorsichtiger gemacht wor den als jemals. Alles richtete er nunmehr mit der grösten Behutsamkeit ein sowohl das Auf schlagen des Lagers, als die Art des Angriffs. Er rafte den Rest seines Heeres zusammen,
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(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823) und setzte sich an einem Posten fest, wo er sich einen doppelten Vortheil versprach. Denn er glaubte, daß er hier nicht nur von den Griechen nicht könnte vertrieben werden, son dern daß er sie auch von hier aus stark wür de beunruhigen können. Und noch mehr. Diese Lage verschafte den Hülfstrupen, die er einen Tag nach den andern erwartete, ei nen leichten Paß um in sein Lager einzurücken. (Er greift die Sara cenen im Lager an.) Aber der griechische Kayser ließ ihnen nicht soviel Zeit, daß sie sich mit den Saracenen vereinigen konnten. Denn kaum hatte er die frischen Völker, die auf dem schwarzen Meer kamen, erhalten, da er schon einen Ausfall that, in welchem seine Leute den Saracenen so muthig unters Gesichte traten, daß ihr ganzes Lager in Schrecken gerieth. Verge bens versprachen sie sich jetzt von ihrer so vor theilhaften Verschanzung die Sicherheit, die sie sich zuerst einbildeten. Die Griechen bra chen ins Lager ein, und richteten in demselben ein entsetzliches Blutbad an. Thomas rette te noch mit genauer Noth sein Leben, indem er mit der grösten Geschwindigkeit nach Adria nopel flüchtete, und zwar in Begleitung des kleinen Rests von seinen Trupen, welche dem Schwerdt des Siegers entrunnen waren. Hier ist das Ende aller Unternehmungen des Thomas. Die Muselmänner, die ihm bisher mit ziemlich viel Ergebenheit gedienet
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hatten, verlohren sich nach und nach von ihm,(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823) und bald darauf muste er sehen, daß es mit ihm nun so weit gekommen, daß er nieman den mehr zu seiner Vertheidigung um sich habe, als die Bürger von der Stadt, in welche er geflohen war. In diesen bedrängten Umstän den that er alles, was er konnte, um sich in der Stadt in Ansehen zu setzen; allein sobald sich die kayserlichen Trupen sehen liessen, so machten die Bürger, welche sich weder die Plün derung noch die Ungnade des Kaysers auf den Hals ziehen wollten, den Schlus, dem Monarchen entgegen zu gehen, und ihm sei nen Feind gebunden zu übergeben. Also überlieferten sie den unglücklichen Held(Thomas wird dem Kayser ausgelie fert, und hingerich tet.) seinem Ueberwinder, und erwarben sich durch dieses Verdienst die Gnade, daß ihnen der Kay ser das Verbrechen vergab, dessen sie sich durch die Aufnahme seines Feindes schuldig gemacht hatten. Dieser Unglückliche hingegen muste die Verwegenheit, die er gehabt, wider sein al tes Vaterland die Waffen zu ergreifen, durch eine grausame Todesstrafe büssen. Man hau ete ihm Hände und Füsse ab, und band ihn also zerstümmelt auf einen Esel. In diesem jäm merlichen Zustand führte man ihn in Adriano pel durch die Strasen, und endlich in das grie chische Lager, in welchem er bald darauf starb. Der Tod dieses Generals machte auf ein mal dem Feldzuge ein Ende, der nur in so
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(Mamon. Hegire 207 n. C. G. 823) ferne Mamon zu Herzen ging, daß er den Verlust der Hülfsvölker bedaurte, die er dazu aufgeopfert hatte. Sonst aber hatte er sich nie mals was grosses davon versprochen, und er hat te es sich beständig vorbehalten, sich nicht eher darein zu mischen, als bis er wüste, ob dieser Anschlag gut oder schlimm ausfallen würde. Und daher kam es, daß er die traurige Zei tung ohne die geringste Bestürzung anhörte, und da er sah, daß der griechische Kayser, un geachtet derselbe sehr beleidiget war, dennoch fortfuhr den Tribut zu bezahlen, den die Kro ne seit Irenens Regierung geben muste, und welchen die Nachfolger derselben angelobt hat ten: Also lebte er mit dem Kayser in einem so guten Verständnisse, als wenn der Still stand, welchen die Griechen mit dieser jährli chen Abgabe erkaufen musten, niemals wäre gebrochen worden. Und eben so wenig wollte Michael, der sich sehr vor Mamon fürchtete, sich in die ge ringste Rechenschaft wegen seinem Verhalten bey diesen Händeln einlassen. Er war desto vergnügter darüber, daß er sich bey dieser Ge legenheit mit dem Califen nicht vermenget, je mehr er bald darauf mit andern Feinden zu thun hatte, gegen die er sich nimmermehr wür de erhalten haben, wo er zu gleicher Zeit auch der Macht dieses Prinzen hätte die Spitze bie ten müssen.
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Diese neuen Feinde waren Mahometaner,(Mamon. Hegire 207 n. C. G 823.) die man ebenfals Sarazenen nannte, weil die Christen, wie ich schon eben angemerket, allen(Die Sara zenen aus Africa fal len in Grie chenland ein.) denenjenigen den mahometanischen Namen beylegten, welche muselmännische Kriegszei chen in ihren Fahnen, wenn dieselben wider sie zu Felde zogen, führten, sie mochten nun entweder aus Arabien und Syrien oder aus andern Gegenden seyn. Diese aber, von welchen ich jetzt rede, wa(Hegire 209 n. C. G. 824) ren africanische Saracenen, aus den Gegen den von Algier und Marocco. Sie hatten einen Califen, den sie Emir - el - Muslinim nannten, und der auf keine Art unter dem Ca lifen von Bagdad stand. Sie fielen auf die Küsten von Griechenland, verheerten und ver wüsteten das ganze Land. Sie gingen hierauf in die Insel Candien, die ehemals Creta hieß, machten sich von derselben Meister, und be haupteten diese Eroberung wider die Trupen, welche der Kayser dahin abgeschickt hatte. Kurz hernach verlohr dieser Prinz auch Sici lien, wohin einer seiner Kriegsbedienten die Sarazenen gerufen hatte, damit sie ihn wider den Kayser beschützten, der ihn wegen eines Verbrechens bestrafen wollte. Und diese Insel blieb ihnen auch ganz eigen bis auf Sy racus und Tormina. Mitlerweile, da die Griechen alle Hände(Der Calif läst ver) voll mit diesen Barbarn zu thun hatten, lebte
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(Mamon. Hegire 209 n. C. G. 824) Mamon zu Bagdad in der süssesten Ruhe, und dachte an nichts, als wie er den Wissen (schiedene Schriften der Alten ins Arabi sche über setzen.) schaften güldene Zeiten verschaffen könnte. Wir haben bereits in den Lebensbeschreibun gen einiger Califen gesehen, daß sich diese Herrn schon darauf gelegt haben, ihrem Vol ke eine Anzahl griechischer Schriftsteller in der Landessprache in die Hände zu geben. Ma mon folgte diesem Plan, und gleichwie er sei ne Vorgänger an Gelehrsamkeit und Lehrbe gierde noch übertraf, also zeigte er auch in der Wahl und in der Einrichtung dieser Uebersez zung noch einen weit feinern Geschmack. Da mals war es, da man einen Aristoteles, Theo phrast, Euclides, Hippocrates, Galen, Dio scorides im arabischen lesen konnte. Mit einem Worte, alle gute Schriften, sie mochten entweder einen alten oder neuern Gelehrten zum Verfasser haben, ließ er in den Gegenden, wo sich noch die Wissenschaften aufhielten, auf suchen, und in das Arabische übersetzen. (*) 20
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Das erhabene Exempel dieses Fürsten;(Mamon. Hegire 209 n. C. G. 824) die Hochachtung, womit er die Gelehrten beehrte, und die Gnadengeschenke, mit welchen er die Bemühungen derselben belohnte, reitzten nunmehr alle geschickte Köpfe an, sich hervor zuthun. Die Araber, welche sich eine Sache durch ihre starke Einbildungskraft sehr lebhaft vorstellen und sie leicht übersehen können, wur den bald in den tiefsinnigsten Wissenschaften Meister. Nunmehr sah man eine grosse Men ge von Schriften aus verschiedenen Wissen schaften ans Tageslicht kommen, womit die Verfasser dem Prinzen als ihrem Schutzgotte ein Opfer brachten, indem sie ihm dieselben dedicirten. Diese allgemeine Bemühungen, es in den(Verglei tung der Regierung dieses Ca lifen, und der vorher gehenden Fürsten.) Wissenschaften recht weit zu bringen, welche damals alle Gelehrten anwendeten, breitete über die Regierung dieses Califen einen Glanz aus, den hundert blutige Siege desselben nicht verschaft haben würden. Die Dummheit und das wilde Wesen, welche damals den Ara bern von allen gesitteten Nationen vorgewor fen wurden, verschwanden bey dem aufgehen den Lichte der Wissenschaften auf einmal. Die Liebe zur Gelehrsamkeit beseelte die Einwoh ner, und bildete ihren Geist und ihre Sitten artig und menschlich. Die vorhergehenden
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(Mamon. Hegire 209 n. C. G. 824) Califen hatten sich alle Mühe gegeben, dieses Volk besser in Ordnung zu bringen, und sie haben auch einige glückliche Verbesserungen würklich zu Stande gebracht: Allein, man be merkte doch noch von Zeit zu Zeit einige rau he Züge der Wildheit in ihrer Auffüh rung, und selbst die Beherrscher der Araber waren von diesen Flecken nicht frey. Man sah Unterthanen, die ohne Ursach in Ungnade gefallen, grausame Bestrafungen und selbst um nichtswürdiger Beschuldigungen willen (Hegire 210 211. n. C. G. 825 826.) abgeschlagene Köpfe. Aber unter Mamon erhielt sich alles in einer weislich eingerich teten Gleichheit. Man sah keine grosse Ver änderungen am Hofe und noch viel weniger Blutvergiessen. Und man kann mit Recht behaupten, daß sein Califat eben sowohl die Regierung der Wissenschaften als der Gnade und einer gelinden Mäsigung gewesen sey. (Seine Grosmuth gegen J brahim.) Insbesondere aber offenbahrte er sein gutes Herz in einer Sache, wo er allein zum Glimpf, der gröste Theil hingegen von seinen Mini stern zur Schärfe geneigt ward, durch eine sehr deutliche Probe. Ich rede von seinem Betragen gegen Ibrahim, der damals in Bag dad zum Califen gemacht wurde, als Mamon sich noch zu Chorassan befand. Ibrahim begab sich der Krone, sobald sich sein Vetter mit seinen Trupen der Stadt Bag dad näherte. Er wendete alle mögliche Vor
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sicht an, sich in dieser Stadt zu verstecken,(Mamon. Hegire 210 211. n. C. G. 825 826.) und er spielte seine Rolle in Frauenzimmer kleidern so gut, daß er einige Jahre nach ein ander ganz verborgen in Bagdad lebte. Der Calif wuste es wohl, daß sich sein Neben buhler in seiner Hauptstadt aufhielt, und er befahl auch, daß man ihn auftreiben sollte. Aber weil man in den Gedanken stand, daß Mamon mehr willens wäre, diesen abgesetzten Prinzen zu schrecken, als zu bestrafen, so war man in der Nachsuchung etwas nachläßig. Endlich aber wurde Ibrahim, weil er allem Ansehen nach etwas sicher gemacht worden, und sich also nicht mehr so sorgfältig verbarg, hervorgezogen und gefangen gesetzt. Mamon erhielt von dieser Beute den Au genblick Nachricht. Er ließ seinen geheimen Rath zusammen rufen, und warf darinn die Frage auf, wie er sich in diesen Umständen zu verhalten hätte? Die Räthe waren ein stimmig der Meynung, daß man den Gefan genen hinrichten sollte. Denn wenn man bey einer solchen Begebenheit allzugelinde verfüh re, so würde man allerhand schlimme Folgen davon zu erwarten haben. Eine kleine Weile hernach gab der Calif Befehl, daß man Ibrahim in Frauenzimmer anzug, so wie man ihn gefangen, vor ihn führen sollte. Kaum war der unglückliche Prinz in das Zimmer getreten, als er sich vor
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(Mamon. Hegire 210 211. n. C. G. 825 826.) Mamon niederwarf, und ihn also anredete: GOtt gebe euch, erlauchter Beherr scher der Gläubigen, seinen Frieden: Rächet ihr euch an mir, so thut ihr nichts anders, als daß ihr euch eures Rechts bedienet: Wo ihr mir aber ver gebet, so werdet ihr eure Tugend glän zen lassen. Ist mein Fehler groß, so ist gewiß eure Gnade noch viel grösser. Hierauf erwiederte der Calif: Mein ge heimer Rath hält für gut, euch zum Tode zu verdammen. Ibrahim antwor tete dagegen: Eure Räthe, gnädigster Herr, haben nach dem alten Herkom men, und nach den Staatsregeln der Regierung gesprochen; aber wo ihr mich begnadiget, so werdet ihr euch zwar nicht nach dem, was Rechtens ist, richten: Ihr werdet aber auch unter den Weltherrschern keinen eures glei chen haben. Mamon, der von Natur zur Gnade ge neigt war, und welcher Ibrahim schon für gestraft genug hielt, daß derselbe sein Leben einige Jahre her in einer beständigen Angst und Unruhe kümmerlich hätte zubringen müs sen, und zwar wegen einem Fehler, den er allem Befinden nach wieder seinen Willen hät te begehen müssen: Mamon, sage ich, ging jetzt auf diesen unglücklichen Prinzen zu, um
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armte denselben zärtlich, und sagte zu ihm:(Mamon. Hegire 210 211. n. C. G. 825 826.) Seyd versichert, mein Vetter, daß ich euch nicht das geringste Leyd zufügen werde. Den Augenblick bezeugte er ihm sei ne Gnade, und setzte denselben in einen Rang, und in solche Umstände, die der Geburt die ses Prinzen gemäß waren. Und dieser Tag, der für Ibrahim der glücklichste war, war auch zugleich am ganzen Hofe ein festlicher Tag. Die Hofleute drangen sich recht zu, um dem Califen wegen einer That, die sei ner Gnade und Grosmuth so viele Ehre brach te, um die Wette ihre Ehrenbezeugungen zu machen. Und dieser Herr, der durch die vortrefliche Würkung seiner Gnade sehr ge rührt wurde, eröfnete jetzo sein ganzes Herz, und brach in die Worte aus: Ey nun! weiß man es, daß ich mir ein Vergnü gen daraus mache, zu vergeben: so können nur diejenigen, die mich belei diget haben, herzutreten, und mir ih re Fehler aufrichtig gestehen. Ibrahim vergrösserte durch seine Wieder kunft bey Hofe das Ergötzende desselben. Die ser Prinz, der eine grosse Kenntnis besaß, er baute und ergötzte durch seinen Umgang gleich stark. Mit einem eben so guten Geschmack in den Wissenschaften, als Mamon hatte, versehen, legte er sich noch besonders auf die angenehmen Künste. Also that er sich insbe
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(Mamon. Hegire 210 211. n. C. G. 825 826) sondere in der Musik hervor, die er in einem hohen Grade verstand. Daher wenn man sich bey Hofe eine Zeitlang mit lauter ernst haften Dingen beschäftiget hatte, so wußte Ibrahim den Calif durch den Reiz seiner Stimme und durch die verschiedenen Instru mente, die er mit eben so viel Fertigkeit als Geschmack spielte, wieder zu ermuntern. (Mamon legt sich auf die Mathe sis.) Sonst war Ibrahim auch ein ungemein aufgeräumter und lustiger Kopf. Seine Re den waren sehr lebhaft, und reich an witzigen und muntern Einfällen. Und auf diese Art war er recht für den Califen gemacht, der ei ner solchen belustigenden Erquickung um so mehr benöthiget war, da er sich seit einiger Zeit auf eine Wissenschaft, die den Geist sehr ermüdet, legte. Ich verstehe darunter die mathematischen Wissenschaften, in welchen er durchaus Meister werden wollte. Allein dieses Vorhaben wurde in der Ausführung diesem Prinzen desto schwerer, je mehr es in Bagdad an geschickten Anführern in dieser Wissenschaft fehlte. Doch zu gutem Glücke sagte man ihm was von einem griechischen Sclaven, welchen man dem Califen als ei nen Menschen anprieß, der ihn in kurzer Zeit sehr weit in der Mathematik bringen würde. (Er zieht ei nen Scla ven, der ihm) Wer war über diese glückliche Entdeckung vergnügter als Mamon? Das erste demnach, was er that, war dieses, daß er diesem Leib
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eigenen die Freyheit und ein anständiges Aus(Mamon. Hegire 210 211. n. C. G. 825 826.) kommen schenkte, damit derselbe sich am Ho fe sehen lassen konnte. Dieser Mensch brach te den Califen bald so weit, und stillte seine Begierde so glücklich, daß der Prinz wissen(in der Ma thesis gute Anleitung gab, aus dem Stau be hervor.) wollte, wer sein Lehrer wäre, und wie es der selbe, als ein junger Mensch in einer so weit läuftigen Wissenschaft zu einer solchen Voll kommenheit hätte bringen können. Der Grieche berichtete ihm, daß er alles,(Er bemü het sich, an seinen Hof den Leo, ei nen Ge lehrten zu ziehen.) was er wüste, dem Fleisse eines Mannes zu verdanken hätte, der einer der Gelehrtesten im ganzen Orient wäre. Und dieß war Leo, ein eben so grosser Weltweiser als Mathematiker. Dieser grosse Geist wollte als Bischoff zu Thessalonich der Meynung des Kaysers, der sich öffentlich wider die Bilder erkläret hatte, nicht beypflichten, und deswegen wurde er von seinem Sitze verjagt. Hierauf begab er sich nach Constantinopel, wo er sich durch Un terrichten seinen Unterhalt erwerben muste, indem er nichts mehr als die Schätze seines Geistes besaß. Der Grieche, sein Schüler, wuß te diesen Gelehrten dergestalt zu erheben, und auf der andern Seite seine gegenwärtige Um stände so rührend zu schildern, daß sich Ma mon entschloß, diesen grossen Mann an Hof zu ziehen. Er schrieb ihm also einen sehr höflichen Brief. Nach einigen Lobeserhebungen seiner
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(Mamon. Hegire 210 211. n. C. G. 825 826.) Verdienste und Geschicklichkeit ersuchte er den selben, daß er nach Hofe kommen, und ein Glück annehmen möchte, das seiner würdig wäre. Mamon fertigte mit diesem Schrei ben einen gebohrnen Griechen ab, der, weil er mit Leo besonders bekannt war, die Bitte des Califen durch sein Zureden unterstützen, und die Vortheile, die sich jener in Bagdad zu versprechen hatte, nach ihrem innern Wer the recht beschreiben konnte. (Der grie chische Kay ser wider setzt sich dem Ver langen des Califen.) Das Gerüchte von diesem Geschäfte kam den Augenblick nach Hofe. Der Kayser woll te durchaus nicht in das Verlangen des Cali fen willigen. Vielleicht hat er dieß aus Ei fersucht und vielleicht auch aus andern Ursa chen gethan. (*) Genug, er setzte sich im mer aufs äusserste dagegen, wenn man bey ihm um Leo Ansuchung that. Hingegen fing er von diesem Augenblick an, diesem Gelehrten mit viel Achtung zu begegnen, um ihn auf 21
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gewisse Weise wegen der Vortheile, die er(Mamon. Hegire 210 211. n. C. G. 825 826.) nicht annehmen durfte, schadlos zu halten. Da Mamon sah, daß ihm sein Wunsch nicht erfüllet worden, so fing er mit diesem gelehrten Manne einen freundschaftlichen(Hegire 212 213. n. C. G. 827 828.) Briefwechsel an, um durch dieses Mittel aus den Einsichten desselben Nutzen zu ziehen. Diese schriftliche Unterhandlung daurte eine(Dem un geachtet schätzt Ma mon den Gelehrten beständig hoch.) gute Weile, und verschafte dem Prinzen be ständig das gröste Vergnügen. Ja Marmol, aus dem ich diese Nachricht geborget, erzäh let diesen besondern Umstand. Als der Prinz einsmals von Leo einen Brief erhielt, darinn dieser Gelehrte eine Aufgabe, die jener ihm vorgeleget, in der schönsten Richtigkeit auf lößte, so brach er vor Freuden ganz ausser sich in die Worte aus: Ach wie glücklich sind doch nicht die, welche in Constan tinopel leben, daß sie des Umgangs eines so vortreflichen Lehrers geniessen können. Nunmehr wurde sein Verlangen, den Leo(Der Calif ersuchet den Kayser ihm Leon zu schicken.) bey sich zu haben, von Tage zu Tage grösser, je öfter er von demselben Briefe bekam. Sei ne Begierde, ihn selbst zu sehen, ward so leb haft, daß er etlichemal Lust bezeugte, in Per son nach Constantinopel zu reisen. Aber da ihm auf der andern Seite seine Würde im Wege stand, so erwählte er ein anderes Mit tel. Er schrieb nemlich an den Kayser, um
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(Mamon. Hegire 212 213. n. C. G. 827) diesen Prinzen zu bewegen, daß er ihm Leo abfol gen lassen möchte. Damit aber der Monarch hiezu desto bereitwilliger wäre, so machte er ihm (Hegire 827 828.) zugleich ansehnliche Präsente. Hier haben meine Leser den Brief. Mamon, Grosemir und Fürst der Araber entbietet Michael, dem Kayser der Christen, seinen Grus. Ich war Willens, euch als ein guter Freund zu besuchen. Allein, da mir die Wichtigkeit meiner Regierungsgeschäf te und die Art meines Volkes diese Ehre nicht erlauben, so bitte ich euch, daß ihr mir den hochgelahrten Philo sophen, Leo, überlassen wollet, damit ich mich seiner Anweisung in den Wis senschaften, die ich sterblich liebe, bedie nen könne. Stosset euch nicht an der Verschiedenheit der Religion, weil ich ihn mir als einen Freund ausbitte. In Betracht dieser Gefälligkeit werde ich einen ewigen Frieden mit euch halten, und euch tausend güldene Byzantinen zu schicken, damit ihr euch wegen der Unkosten des letztern Krieges wieder bezahlt machen könnet. Ohne allen Zwei fel redet der Calif von dem Kriege, welchen Thomas dem Kayser verursacht hatte, und in
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welchem die Sarazenen als Hülfs - Völker(Mamon. Hegire 212 213. n. C. G. 827 828.) dienten. Der Kayser hatte weder vor das Schrei ben, noch vor das Anerbieten des Califen die geringste Achtung. Er antwortete demselben,(Feldzug wider die Griechen.) mit verschiedenen Ausflüchten, die aber dem arabischen Grosfürsten so empfindlich waren, daß er zu den Waffen griff, und in die Staa ten des Kaysers ging. Doch dieser Feldzug daurte nicht lange. Der Calif begnügte sich mit einigen beträchtlichen Gränzplätzen, und begab sich nach Damasco in die Winter quartiere. In dieser Stadt war ohnedem seine Ge genwart wegen einiger daselbst entstandenen Unruhen unentbehrlich. Aber Mamon stillte sie in kurzer Zeit, und brachte den übrigen Theil der schlimmen Jahrszeit in einer Ruhe zu, welche seine weise Regierung dieser Stadt wider von neuem verschaft hatte. Das folgende Jahr setzte er den Krieg wi(Hegire 215. n. C. G. 830) der die Griechen fort. Aber eben um diese Zeit war Michael der Stamler gestorben, und Theophil, sein Prinz, den jener noch bey sei nem Leben zum Mitregenten angenommen, saß damals auf dem Thron. Man hatte zu Damasco Nachricht bekommen, daß man bey nahe sechszehenhundert Menschen in den Gränz plätzen, die zum muselmännischen Reiche ge
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(Mamon. Hegire 215. n. C. G. 830) hörten, entweder auf Befehl dieses Prinzen, oder auf eine andere Veranlassung hingerich tet habe. Diese Grausamkeit reizte den Ca lifen so sehr zum Zorn, daß er ohne Zögern wieder in Griechenland mit seinem Heer ein rückte, und die Eroberungen des vorigen Jahrs noch mit neuen vermehrte. Er trennte hier auf ein Theil der Armee in zween grosse Hau fen, deren der eine unter dem Commando Mo rassems, seines Bruders, und der andere un ter der Anführung eines seiner Befehlshaber von verschiedenen Seiten ins Land eindrang, und in dem griechischen Kayserthum eine greu liche Verwüstung anrichtete. Nach diesen Kriegsverrichtungen, die mit einer unglaublichen Geschwindigkeit ausge führt wurden, vereinigten sich diese zween Heerführer wieder mit der Hauptarmee. Der Calif war mit diesen Vortheilen zufrieden, und wollte sie nicht weiter ausdehnen. Er erhob sich also wieder nach Damasco, und schrieb ei ne allgemeine Fasten aus, um sich zu der Fey rung eines Festes vorzubereiten, welches er mit grosser Feyerlichkeit beging. (Hegire 216 n. C. G. 831) Bald darauf ging er nach Egypten, und zwar durch Veranlassung eines Briefes, wor (Man fin det einen von Mer van vergra benen Schatz.) inn man ihm meldete, daß man eben jetzt Nachricht erhalten, daß ein sehr grosser Schatz unter zwo Säulen verborgen läge. Diese Nachricht gründete sich auf die Aussage eini
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ger glaubwürdigen Leute, welche bezeugten,(Mamon. Hegire 216. n. C. G. 831) daß sie gehört hätten, daß Mervan II. und der letzte Calif aus dem Ommiadischen Hause an dem bezeichneten Orte entsetzlich schwere Ki sten habe eingraben lassen, und daß man gleich nach seinem Tode noch mehrere hingebracht, die man aber nicht so verborgen hätte unter die Erde bringen können, daß es nicht jemand sollte erfahren haben. Uebrigens hätte man von dieser Zeit an nicht weiter daran gedacht, und es wäre also zu vermuthen, daß man noch alles im vorigen Zustand antreffen würde. Diese Nachricht bewog Mamon, sich nach Egypten zu begeben, um bey dem Schatz graben selbst gegenwärtig zu seyn. Man fing an, die Erde bey den Säulen umzuwühlen, und nachdem man diese Arbeit eine Zeitlang fortgesetzt, so kamen verschiedene Kisten zum Vorschein, in welchen eine Menge von E delgesteinen, kostbaren Geräthe und Silber lag. Unter andern war auch ein Koffer mit der allerfeinsten Leinwand. Als Mamon gern wissen wollte, was das wäre, so legte man alles auseinander, und man fand, daß es lau ter Hemder wären, die vorne an den Ermeln sehr schmutzig aussahen. Der Calif über diesen Augenblick ganz er staunt, frug, ob man nicht einen Menschen auftreiben könnte, der diesen Umstand aufklä
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(Mamon. Hegire 216 n. C. G. 831.) ren würde. Darauf trat ein alter Officier hervor, dessen Vater unter Mervan gedient hatte, und entdeckte dem Califen die ganze Sa che. Mervan, sprach dieser Kriegsmann, aß ungemein stark, und insbesondere fand er ei nen ausserordentlichen Geschmack am Lamms fleisch. Am meisten aber fiel sein Appetit auf die Nieren. Also brachte man ihm öfters das Thier ganz auf die Tafel, wie er es verlangt hatte: So gleich umwickelte der Calif seine Hand mit dem Ermel seines Hemdes, und fuhr also mit dem Arm in den Leib des Lammes, zog die Nieren heraus, und verzehrte sie auf der Stelle. Hierauf legte er ein neues Hemd an. Alle dieses Linnenzeug wurde auf einen Hau fen zusammengelegt, ohne daß man es jemals wieder gebraucht hat. Und daher hatte man eine so grosse Menge davon angetroffen. Und in der That, die Anzahl belief sich auf zehen tausend Hemder. Mamon, dem dieser Umstand unbekannt war, kam vor Verwunderung ganz ausser sich. Hierauf ließ er alles wegnehmen, was Silber und an kostbaren Geräthe da war. Mit dem Linnenzeug machte er dem Officier, der ihm die Nachricht von Mervans Lebensart gege den<gegeben>, ein Geschenke. (Hegire 217. n. C. G. 832) Endlich kehrte der Calif wieder nach Da (Fortsetzung des Kriegs) masco zurück. Aber auch von da begab er sich bald wieder weg, um dem Feldzug wider die
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Griechen beyzuwohnen, welche sich bewafnet(Mamon. Hegire 217. n. C. G. 832) hatten, um die Plätze wieder zu erobern, wel che man ihnen im vorigen Jahr entrissen hat(mit den Griechen.) te. Der Grosfürst kam noch zu rechter Zeit, um ihre Bemühungen zu vereiteln. Er er griff so weise Maasregeln, daß er den grie chischen Kayser verhinderte, soweit fortzurücken, als sich derselbe vergebens geschmeichelt hatte. Doch, wenn man alles zusammennimmt, so gewann so wenig der eine als der andere Theil bey diesem Feldzuge. Indem, daß Mamon den Degen wider die(Die Mu selmänner sind in ver schiedene Secten getrennet.) Feinde des Staats führte, so stiegen die Wis senschaften, die er in seiner Residenzstadt so sehr hervorgezogen, von einer Stuffe der Voll kommenheit und des Ansehens zur andern. Aber dieß war dabey das allerveränderlichste, daß nach und nach unter den Gelehrten die Uneinigkeit so sehr einriß. Dem gemeinen Vorgeben nach war die aristotelische Philoso phie die Ursache dieser Uneinigkeit, indem die Araber einen ganz besondern Geschmack an den spitzfündigen und eiteln Schulfragen, die sie aus der Dialektik und Metaphysik des A ristoteles zogen, fanden. Jetzt brachte man tausend Spitzfündigkeiten auf den Catheder, darunter immer eine seltsamer war als die an dere, und als man dieselbe mit der grössesten Hitze verfocht, so entstanden daraus eben so viele Secten.
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(Mamon. Hegire 217 n. C. G. 832) Ohne mich in eine weitläuftige Erzählung dieser Grübeleyen einzulassen, so will ich nur einige von denjenigen Fragen anführen, wel che damals den grösten Lärmen verursachten. Also warf man z. E damals die Frage auf: Ob diejenigen, welche bey dem muselmännischen Glauben schwere Sünden begingen, unter die Gläubigen, oder Ungläubigen gerechnet wer den müsten? Ein Theil bejahete diese Frage, der andere verneinte sie, und der Streit wur de so hochgetrieben, daß man etlichemal bald zum Handgemenge gekommen wäre. Eine andere Zwistigkeit, die aber eben so wenig, als die erstere zu bedeuten hatte, betraf die göttlichen Eigenschaften. Es gab einige, welche behaupteten, daß die Eigenschaften GOttes von seinem Wesen unterschieden wä ren; andere hingegen sagten, daß, wenn man dieselben davon trennen wollte, so wäre dies so viel, als die Gottheit ihrer Schönheiten be rauben. Man wollte ferner ausmachen, ob GOtt etwas durch seine Erkänntnis oder durch sein Wesen erkennte? Ob sein Wort ewig und unerschaffen wäre? Ob dasjenige, was er um seiner Geschöpfe willen thäte, immer auch das beste für dieselben sey? Ob man durch die Sün de den Glauben verlöhre, oder ob dieselbe auch ohne die guten Werke bestehen könnte? End lich da man immer mehr auf Spitzfündigkei ten verfiel, so kamen tausend seltsame und wi
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drige Meynungen aufs Tapet, die eben soviele(Mamon. Hegire 217 n. C. G. 832) Secten zur Welt brachten, deren Lehrsätze de sto unverständiger waren, jeweniger sich diese feinen Metaphysiker selber verstanden. Doch war die vornehmste Secte, welche damals den meisten Lärmen erregte, die Secte(Der Calif tritt auf die Seite der Mota zalen) der Motazalen. Schon vor tausend Jahren war dieselbe unter den Muselmännern entstan den. Allein, theils die einheimischen und theils die auswärtigen Kriege haben ihren Wuchs sehr verhindert. Aber nunmehr eröf nete der Friede, der seit Mamons Regierung in den arabischen Staaten herrschte, den Mo tazalen ein offenes Feld, um ihren Saamen auszustreuen. Sie verstanden die Kunst, ihr neues Lehrgebäude durch nichtswürdige Spitz fündigkeiten, die ihnen die aristotelische Logik und Metaphysik an die Hand gab, auszuzie ren, und dadurch zogen sie eine unzähliche Men ge Anbeter in ihre Schule. Selbst der Calif stellte sich an die Spitze derselben, und seinem Exempel folgte eine grosse Menge der ange sehensten Araber. (*) 22
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(Mamon. Hegire 217 n. C. G. 832) Dieses Bezeugen des Califen schien denen sehr anstösig, welche sich unter den übrigen (Man mur ret wider diese Auf führung des Califen.) Muselmännern durch eine besondere Heiligkeit hervorthun wollten. Sie verketzerten ihn öf fentlich darüber, daß er sich gar zu leicht hätte bereden lassen, in seine Staaten die Wissen schaften und Gelehrte einzunehmen, welche diese Leute als die Haupturheber aller derjeni gen Verwirrungen ansahen, die sich jetzt in die Religion eingeschlichen hatten. Dieser Eifer
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verleitete den Takiddin, einen mahometani(Mamon. Hegire 217 n. C. G. 832.) schen Schriftsteller soweit, daß er sagte, GOtt würde Mamon ganz unfehlbar strafen, daß er die Frömmigkeit der Muselmänner durch die philosophischen Wissenschaften verwirret hät te. (*) Es schien auch, als wenn das Murren der Muselmänner, welches durch die Streitigkei ten über die Lehren der Religion erreget wur de, den Califen sehr unruhig machte. Die Vorwürfe, die er hören muste, gingen ihm na he, denn man gab ihm Schuld, als wenn er die Lehre des Propheten verfälschte. Er ent schloß sich daher in diesen ersten Augenblicken durch kluge Anstalten diese verdrüsliche Ur theile wieder zu ersticken. Und es gibt einige Geschichtschreiber, welche melden, daß er eine Art einer Inquisition niedergesetzt hätte, wel che alle seine Unterthanen, welcher Secte sie auch zugethan gewesen, zwingen sollte, sich nach der Lehre der Muselmänner zu richten. Aber er sah es bald ein, daß aus dieser Anstalt mehr schlimmes als gutes erfolgte, und daß ein sol ches Ketzergerichte noch überdieß unfehlbar alle 23
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(Mamon. Hegire 217 n. C. G. 832) Gelehrten aus seinen Staaten verjagen wür de, als welche es nicht leiden würden, daß man ihre Gedanken so sehr fesselte. (Hegire 218 n. C. G. 833) Gesetzt also, daß diese Anstalt würklich ist gemacht worden, so kann sie doch nicht lange gedauret haben. Denn wir sehen, daß sich noch lange hernach Christen zu Damasco und in den andern vornehmen Städten aufgehal ten, und daselbst ihre Kirchen gehabt haben. Aber ohne Zweifel würden diese am wenig sten den Nachstellungen des Ketzergerichts ent gangen seyn, weil die mahometanische Religi on keine abgesagtere Feinde als eben sie hatte. Die Geschichte berichtet uns, daß als Marcus, Patriarch der Jacobiten (*) zu Alexandrien in dem den Geistaufgeben wollen, so hätte man ihm einen Nachfolger gesetzt, den man von Seiten der Regierung an der Ausführung sei ner Anschläge, die er der christlichen Religion zum Besten gefaßt, im geringsten nicht ver hindert habe. Er ließ z. E. etliche Kirchen wieder neu aufbauen, setzte verfallene Klöster in den vorigen Zustand, und bevölkerte die denselben unterworfene Ländereyen, ohne daß sich Mamon seinen Unternehmungen wider setzt hätte. 24
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Der Grosfürst, der es ohne Zweifel einsah,(Mamon. Hegire 218. n. C. G. 833) von was für traurigen Folgen die Religions verfolgungen begleitet würden, hörte die Zän(Er dultet die verschie denen Sec ten.) kereyen der verschiedenen Partheyen zum Zeit vertreib an, und verwarf als ein vernünftiger Herr alle harte Zwangsmittel, welche öfters zu nichts anders dienen, als daß sie die Ge müther auf einer Seite noch mehr gegen ein ander verbittern, und auf der andern die Hart näckigen noch aufrührischer und ungestümmer machen. Doch machte er auch zugleich solche Verordnungen, daß durch diese Dultung der Secten in dem Staate keine Trennungen ver ursachet werden konnten. Und er erreichte durch sein sanftes und mildes Wesen glücklich seinen Endzweck. Er selbst blieb für seine Person unter den verschiedenen Meynungen nicht gleichgültig, sondern gleichwie er schon vorher zu den Lehrsätzen der Motazalen den meisten Hang hatte, also war er ihnen auch bis aufden letzten Hauch zugethan. Aber die strengen Muselmänner konnten es Mamon nicht vergeben, daß er sich so gelinde zu einer Zeit aufgeführet hat, in welcher sie nichts als blose Schwerdter, und rauchende Scheiterhaufen zu sehen hoften. Denn diese Mittel waren ihrem Sinn nach diejenigen, durch welche die Meynungen, die ihrem zar ten Gewissen unerträglich fielen, auf einmal hätten müssen ausgerottet werden. Gleich
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(Mamon. Hegire 218 n. C. G. 833.) wohl nahmen sie sich sehr davor in acht, daß sie die Gemüther wider den Califen nicht auf hetzten. Er wurde von seinem Volke viel zu zärtlich geliebt, und er verdiente es auch so sehr, daß man nichts wider ihn unternehmen konnte, ohne sich selber auf einmal aufs höchste verhaßt zu machen. (Einfall und Niederlage der Grie chen.) Nunmehr machten die Partheyen auf eine Zeit lang einen Stillstand mit einander, da die Griechen sich wieder zu regen anfingen. Der Kayser Theophil ergriff die Waffen, rück te an die muselmännischen Gränzen, und woll te das wider hereinbringen, was er im vori gen Jahr versäumet hatte. Aber sobald der Calif von diesen Bewe gungen Nachricht bekommen, so schickte er als bald Völker dahin ab, und machte sich fertig, selber mit dem Commandostab denselben bald nachzufolgen. Aber auch in diesem Feldzug büßten die Griechen stark ein. Denn der Kay ser ward zurück getrieben und gezwungen, wi der in sein Land zu gehen. Mamon aber folg te ihm schnell auf dem Fusse nach, nahm die sem Monarchen verschiedene wichtige Plätze weg, und erbeutete in denselben unsägliche Schätze, und eine grosse Anzahl Kriegsgefan gene. Nach dieser Verrichtung ließ er sein Kriegs volk nach Cilicien gehen, um daselbst demsel
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ben so lange eine Erquickung zu verschaffen,(Mamon. Hegire 218 n. C. G. 833.) bis es wieder nach der Residenzstadt zurück marschiren sollte. Aber ach! der Prinz war unvermerkt bey dem Ziel seines vortreflichen Laufes. Und jetzt da er in den besten Jah ren war, und bey einer vollkommenen Ge sundheit die gröste Lebhaftigkeit besaß, so traf ihn plötzlich ein Pfeil des Todes, und er sank in derjenigen Stadt kraftlos darnieder, in wel cher er sich von seinen Feldzügen erst wieder recht erholen wollte. Die Geschichtschreiber melden, als eines(Mamon stirbt.) Tages der Calif mit Morassem, seinem Bru der, und einigen seiner Günstlinge auf den schönen Cilicischen Angern spatzieren gieng: so wäre er an das Ufer eines Flusses gekom men, dessen erfrischendes und helles Wasser in ihm die Lust rege gemacht, sich darinn die Füsse zu baden. Er hätte sich also an dem Ufer des Flusses mit seiner Gesellschaft nieder gelassen, und mit derselben die Füsse ins Wasser gesetzt. Als er sich einige Minuten dieses Vergnügen gemacht, so hätte er Appe tit zum Essen bekommen; hauptsächlich aber wäre er auf Datteln von Azad, einem Orte, der wegen dieser Frucht sehr berühmt gewe sen, verfallen. Und da sich die Gelegenheit dazu von selbst angeboten, so wäre man allzu geschäftig gewesen, seine Begierde zu stillen. Denn einer der Officiere bemerkte von ferne
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(Mamon. Hegire 218. n. C. G. 833) viele mit Waaren beladene Cameele, und lief mit der grösten Geschwindigkeit auf den Kauf mann zu, der würklich etliche Körbe von den besten Datteln bey sich hatte. Man kaufte ihm sogleich seinen ganzen Vorrath ab, und der Calif vertheilte denselben unter sein Ge folge. Allein gleichwie er auf diese Frucht gar zu stark erpicht war: Also konnte er sich jetzt auch gar nicht satt daran essen. Zum Unglück war damals eine starke Hitze. Da man aber kein anderes Getränke als das Wasser des Flusses, das sehr kalt war, bekommen konnte, so trank es der Calif mit der grösten Begierde hinein. Wenige Augenblicke hernach muste der Prinz dieses Vergnügen sehr theuer bezahlen. Die Datteln, die an sich sehr hart zu verdau en sind, machten ihm ein heftiges Drücken im Magen. Also fiel er in ein Fieber, und die Krankheit nahm so stark überhand, daß man an seinem Leben verzweifelte. Und da er selber die Gefahr wahrnahm, so dachte er nun an nichts weiter, als durch eine klu ge Verordnung die Ruhe seines Staates zu befestigen. In dieser Absicht bestimmte er sich einen Nachfolger, oder besser zu sagen, er bestätigte nur denjenigen, welchen Haroun al - Raschid, sein Vater, feyerlich ernennet hat te. Er schrieb also nur in alle Provinzen,
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daß man nach seinem Tode Morassem, seinen(Mamon. Hegire 218. n. C. G. 833) Bruder als den rechtmäßigen Grosherrn des ganzen muselmännischen Reiches annehmen sollte. Also siegte bey diesem Prinzen die Hochachtung gegen einen verstorbenen Vater über die Liebe gegen einen Sohn. Denn er hätte dem Rath eines grossen Theils seiner Hofbedienten folgen, und Abbas, seinen Prin zen, zu seinem Nachfolger ernennen können. Vergeblich würde ich mich jetzt bemühen, das Winseln und Wehklagen zu beschreiben, welches unter dem Volke entstand, als es auskam, daß der Prinz zusehens abnähme, und daß er bald erblassen würde. Diese trau rige Zeitung war wie ein Donnerschlag, der plötzlich aus der Luft auf die Erde fähret, und alles erschüttert und niederschlägt. Niemand aber wurde davon mehr getroffen, als die, wel che um den sterbenden Prinzen waren. Bis an seinen letzten Hauch gab er ihnen noch rüh rende Proben von jener zärtlichen und huld reichen Gesinnung, die in seinem ganzen Le ben seinen Hauptcharacter ausmachte. End lich, nachdem er lange genug mit einer hart näckigen Krankheit gestritten hatte, so starb er mit diesen letzten Worten: O du, das du gar nicht stirbst, höchstes Wesen, erbarme dich über einen armen Ster benden! So war das Ende eines Prinzen beschaf(Mamons Lob.)
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(Mamon. Hegire 218 n. C. G. 833) fen, den uns die Geschichtschreiber als den vollkommensten unter allen Weltherrschern abmahlen, und der sich eben so sehr durch seine Tapferkeit, als durch sein weises und sanftes Bezeugen einen unsterblichen Namen gemacht. Er mochte nun entweder im Feld sein Kriegsheer anführen, oder im Frieden am Hofe das Wohl seines Volkes besorgen, so sahe man immer seine grosse Eigenschaften hervorschimmern. Aber nichts erhob seinen Ruhm mehr, als die beständige Liebe, die er zu den Wissenschaften und Gelehrten trug, die er stets eines besondern Schutzes würdigte. Es ist wahr, einige seiner Vorgänger haben bereits etlichemal einen Versuch gewagt, die Wissenschaften unter den Arabern einzufüh ren. Sie haben auch in gewisser Absicht ih ren Endzweck erreicht: Aber die Ehre, ihnen ihren völligen Glanz zu geben, und sie auf den höchsten Grad zu erheben, war allein Mamon vorbehalten. Dieser Prinz setzte ihr Glück auf einen so festen Grund, daß sie sich hernach unter seinen Nachfolgern im Anse hen erhielten. Dieses grosse Werk hatte seinen glücklichen Fortgang allein dem Exempel zu verdanken, welches Mamon selber seinem Volke gab. Und indem er von allen Orten gelehrte Män ner in seine Staaten zog, so begnügte er sich nicht blos damit, daß er seine Unterthanen
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ermahnte, sich des Unterrichts derselben zu(Mamon. Hegire 218. n. C. G. 833) bedienen: nein er war der erste, der die von ihm erbauten Schulen besuchte. Und nachher gab er die deutlichsten Proben von sich, wie weit er es in den allerschwersten Wissenschaf ten gebracht habe, indem er selber astronomi sche Tabellen, die wegen der richtigen Ausrech nung sehr berühmt geworden sind, herausgab. Uebrigens meldet man die Ursache nicht,(Fleury du choix des études.) warum Mamons Leiche nicht nach Bagdad ist abgeführet worden. Es scheinet, als wenn diese Hauptstadt, die wegen ihrer Be mühungen der Mittelpunct der Wissenschaften, der Artigkeit und des guten Geschmacks ge worden, sich mehr hätte um die Ehre beküm mern sollen, ein so kostbares Pfand zu ver wahren. Unterdessen aber sehen wir nicht, daß sie sich diesfals nur die geringste Mühe gegeben habe. Denn man setzte den erblaßten Prinzen in Tarsen bey, die eine der angesehen sten Städte in Cilicien gewesen ist, in derje nigen Provinz, wo sich, wie ich schon gesagt habe, der Calif aufgehalten, um seinen Tru pen eine Erfrischung zu verschaffen. Sonst sieht man aus El - Mazins Berich te, daß Mamons Beysetzung zu Tarsen von einigen als ein Merkmal von einer Verwer fung sey angesehen worden. (*) Dieser Ver 25
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(Mamon. Hegire 218. n. C. G. 833) fasser bezieht sich auf folgende Stelle eines A rabischen Dichters: Sehet ihr wohl, daß
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die Gestirne (*) Mamons und seiner(Mamon. Hegire 218. n. C. G. 833) verwerflichen Regierung überdrüßig geworden? Sie lassen ihn zu Tarsen liegen, so wie seinen Vater zu Thus. 26
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(Mamon. Hegire 218. n. C. G. 833) Allem Ansehen nach rühren diese Verse von einem der strengen Muselmänner her, die sich entweder an der Dultung der verschiedenen Secten, die in den Staaten des Califen ent standen waren, ärgerten, oder welche dieser Herr dadurch vor den Kopf gestossen hatte, daß er bis an seinen Tod sich gegen die Lehre der Motazalen sehr geneigt erwiesen. Eben dieser Schriftsteller berichtet, daß Mamon von mittelmäsiger Grösse gewesen sey; daß er im Gesichte wohl ausgesehen, und eine sehr weise Farbe, die aber etwas durch Som mersprossen verstellt wurde, gehabt habe. Er lebte acht und vierzig Jahr, und regierte zwan zig. Er hinterließ einen Prinzen, mit Na men Abbas, von dem wir unter der folgen den Regierung reden werden.
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1(*) Man kann davon ausführliche Nachrichten in A bulpharaji Hiſtoria Dynaſtiarum p. 240. Ge org Elmazins Hiſtoria Saracen. B. II. p. 139. Barthol. Herbelots Bibliotheque Orientale unter dem Worte Mamun und in des seel. Fa brizii Bibliotheca Graeca Vol. XII. p. 259. ff. antreffen.
2(*) Mogairah war Ehebruchs wegen angeklaget worden. Ziad, welcher damals an dem Orte, wo das Verbrechen sollte geschehen seyn, Cadi oder Richter war, fand ein Mittel den Schuldi gen zu retten, und die Zeugen als Verleumder zu verdammen.
3(*) Sommiah war eine geringe Weibsperson, von welcher Abu - Sofian, der Vater des Moavias, einen Sohn, Namens Ziad gehabt hatte, wel chen Moavias für seinen rechtmäßigen Bruder erkannte. Der Vorwurf der unehlichen Ge burth fiel also eigentlich vielmehr auf den Ziad, als auf den Obeidallah, welcher nur ein Enkel der Sommiah war: Allein man erwähnte der schimpflichen Geburt des Vater bloß deswegen, um den Sohn damit zu beschimpfen.
4(*) Mergianah war der Name der Mutter des Obeidallah.
5(*) Mahomet, der Sohn des Ali, ward gemei niglich Ben - Hanifiah genennt, oder Sohn der Hanifiah, welches eine Frau des Ali war. Man unterschied ihn dadurch von den andern Kindern des Ali, die er mit der Fatime, der Tochter des Propheten, gehabt hatte.
6(*) Die Mahometaner geben vor, daß dieser Brunnen an eben dem Orte sey, wo die Was serquelle gewesen wäre, die der Engel der Ha gar in der Wüsten gezeigt habe.
7(*) Al - Macin, ein arabischer Schriftsteller, erzehlt, daß sich in dem 83ten Jahre der Hegire ein Feld herr des Valid Andalusiens und des König reichs Toledo bemächtiget, und dem Califen die Tafel des Salomo, des Sohnes Davids, welche aus einer Mischung von Gold und Silber, und aus einer dreyfachen Einfas sung von Perlen bestanden, von daher mitge bracht habe.
8(*) Dieses waren öffentliche Ausrufer, welche das Volk zum Gebete rufen musten. Diese Gewohnheit ist noch bis jetzt unter den Maho metanern. Die Thürme, von welchen diese Zusammenrufungen geschehen, heissen Mina rets.
9(*) Des Pipinus Sohn, dessen Prinz Pipin die französische Krone an sein Haus brachte.
10(*) Ueberhaupt kann man hier noch anmerken, 1) daß die Esel in den Morgenländern, wo die Pferde rar waren, weil sie die beschwerlichen Wege nicht gut aushalten konnten, nicht so verachtet gewesen, als sie in Europa sind. Daher finden wir im A. T. verschiedene Ex empel, daß Könige und andere vornehme Per sonen auf Eseln geritten. B. der Richter V. 10. 2) Ist es wahr, daß die orientalischen Esel im Felde gute Dienste gethan haben. 4 B. Mos. XXXI. 34. 2 Kön. XXI. 7. 3) Haben die Orientaler überhaupt kühne Ver gleichungen, die man nicht nach der Euro päischen Aesthetik beurtheilen muß. So heißt es z. B. von Christo Offenb. V. 5. Siehe, es hat überwunden der Löwe, der da ist vom Ge schlecht Juda. Wenn demnach die Spötter der letzten Tage sich über einige unter uns ge wöhnliche Ausdrücke der heil. Scribenten lu stig machen, so verrathen sie bey den Kennern der Alterthümer nichts als ihre grosse Unwis senheit in der Beredtsamkeit und Dichtkunst der Morgenländer. Es ist hier gar der Ort nicht, sonst würden wir aus Hiob, den Psal men, dem Hohenliede und den Propheten Stel len anführen, sie nach dem orientalischen Ge schmacke beurtheilen, und darthun, daß sie in der erhabensten Schreibart abgefaßt sind. So wie wir aber über die Orientaler lachen, so werden ihnen auch unsere Schriften verächt lich vorkommen. Die Leser werden mir die se kleine Ausschweifung zu gute halten. Sie hat ihren Nutzen. N. d. Uebers.
11(*) Es ist kein Wunder, daß ein zusammenge rafter Haufe von Sclaven wider ein exercir tes Kriegsheer den Sieg behält. Sie stritten für die Freyheit, und Iblins Soldaten nur für Geld. Ueberdieß so hat Zulzimin, als ein neuer Prophet, gewiß göttliche Gesichte und Offenbahrungen vorgegeben. Aber alle Welt weiß, was ein fanatisches Heer für Tha ten thun kann. Mahomed, Cromwell u. a. m. bestätigen diese Anmerkung. N. d. Uebers.
12(*) Macines erzählt, der Calif habe diesen Ort Medina - Tol - Salam genannt, welches eine Stadt des Friedens bedeutet, und daß sie erst lange Zeit hernach den Namen Bagdad nach einem Eremiten bekommen, der in dieser Ge gend seinen Aufenthalt gehabt hätte.
13(*) Dies ist der Innhalt dieses Gedichts, wie Helberot solchen aus Ben - Abou - Agelah ge nommen hat. Ich hatte mich zwar entschlossen, meine Lie be in meinem Herzen verborgen zu halten. Aber sie ist wider meinen Willen daraus entwischt, und hat sich offenbahrt. Wenn ihr euch auf diesen Antrag ergebet, so ist mei ne Schamhaftigkeit nebst meinem Geheim niß verlohren. Wenn ihr ihn aber verwerfet, so werdet ihr mir durch eure Verachtung das Leben er halten. Indessen mag daraus entstehen, was da will, so werde ich doch nicht ungerochen sterben. Denn mein Tod wird meinen Mörder ge nugsam offenbahren.
14(*) Einige arabische Geschichtschreiber berichten uns, die unglückliche Abbassah sey in einen Brunnen gestürzt worden. Allein Ben-Abou- Agelah, der auch ein arabischer Schriftsteller ist, berichtet, sie sey nur Landes verwiesen, und in die erbarmungswürdigsten Umstände gesetzt worden. Er erzählt, eine gewisse Dame von ihrer Bekanntschaft habe sie von ohngefehr an dem Ort, wohin sie verwiesen worden, an getroffen, und habe sich mit ihr in eine Unter redung eingelassen. Hier gedachte Abbassah zuerst an die Zeit ihrer Hoheit zurück, und sagte, daß sie damalen würklich vier hundert Sclaven in ihrem Dienst gehabt, itzt aber an den aller unentbehrlichsten Dingen den größ ten Mangel litte; ihr ganzes Vermögen be stünde itzo aus zwey Hammel - Fellen, wovon sie das eine statt des Hemdes, und das an dere statt des Rocks gebrauchte; indessen mur rete sie nicht über ihr Schicksal, da sie über führt wäre, daß sie es durch die grosse Un erkenntlichkeit gegen die von GOtt empfange ne Wohlthaten verdient hatte. Itzo wende sie ihre Zeit an, ihre Fehler einzusehen, und sie zu bereuen, wobey sie denn ganz gelassen leb te. Die Dame schenkte ihr darauf vier hun dert Drachmen, worüber sie so erfreut schien, als wenn sie wieder in ihre erste Herrlichkeit versetzt wäre. Herbelot Orient. Biblioth.
15(*) Du Cange erzählt in seinen Jahrbüchern, diese Uhr sey von Erz gewesen, und habe die Stunden auf doppelte Art angezeigt: Erstlich durch das Herabfallen einiger metallenen Ku geln auf eine Glocke, und zweytens dadurch, daß einige Männer gewisse daran angebrachte Thüren, nach der Zahl der Stunden, auf - und zugemacht hätten.
16(*) Dieses beziehet sich auf die Gestalt, worun ter die arabischen Sternseher das Zeichen der Jungfrau vorstellen, sie mahlen sie nemlich mit einer Leyer in der Hand ab, andere aber geben ihr nur eine Kornähre.
17(*) Sind nicht immer die grösten Monarchen auch die grösten Freunde der Gelehrsamkeit gewesen? Was verlangt man andere Beweise, da Alexander, August, Ludwig XIV. Peter I. und so viele grosse Helden grösser als alle Be weise sind. Uebers.
18(*) Im Französischen steht das Wort contre les Cat