Grundfest (1571) - Text
bearbeitet von Johannes Hund/ Henning Jürgens
[Inhaltsverzeichnis]

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|| [2r:] a
a Marginalie am rechten Rand
Als das Jdische Volck nach der Babylonischen Gefengnis auff Gottes
befehl vnd der fromen Knige Cyri vnd Artaxerxis erlaubnis widerumb an-
fienge, die Stad vnd den Tempel zu Hierusalem auffzubawen, legten sich
zum hefftigsten dawider nicht allein die vmbligenden vnd benachbarten Hei-
(5)den, sondern auch die Samariter, welche darfr angesehen sein wolten, als
hielten sie es mit den Jden, so viel die Religion vnd erkentnis des einigen
warhafftigen Gottes anlanget.1 Denn damit je der Baw vorhindert vnd die
Jdische Policey2 nicht widerumb angerichtet wrde, reitzten vnd verhetzten
sie die Knige in Persien wider die Jden vnd fielen vnuorsehener weise ein
(10)vnd fgten den Bawleuten allerley schaden zu. Derwegen die Jden gedrun-
gen, das sie neben ernstem Gebet vnd seufftzen zu Gott mit einer hand am
Baw erbeiten, mit der andern aber das Schwert fren vnd sich wider die
Feind wehren musten. Aber Gott der Herr, der sein Volck zuuor in der Baby-
lonischen gefengnis wunderbarlich geschtzet hette, gabe seine gnad, das
(15)wider alles frnemen vnd vorhinderung der Feinde Dennoch der Baw voll-
fret, die Policey ernewert vnd das Volck von dannen an bis vff die zukunfft
des Messie erhalten wrde.
b Marginalie am rechten Rand
Solches war ein lauter wunderwerck Gottes,
damit Gott der Herr beweiset, das seine verheissung gewis vnd das er bey
seiner Kirchen in aller gefahr selbs gegenwertig sey vnd das kein Rat noch
(20)macht wider den Herrn vnd sein Volck sein mge. Denn weil das Jdische
Volck schwach vnd verlassen, dargegen aber jre ffentliche vnd heimliche
Feinde mechtig vnd gewaltig waren, hette niemand gedencken knnen, das
der Baw seinen fortgang haben vnd die armen Jden jr Policey vnd Regi-
ment auffs || [2v:] newe anrichten, viel weniger, das die Policey bis auff
(25)Messie zukunfft bestehen vnd erhalten werden solte. Dennoch erzeiget Gott
seine hlff vnd erfllet, was er durch den waren Mund seiner Propheten zu-
uor hette verheissen, vnd war selbs eine fewrige Mawer vmb sein Volck
gerings her, schtzet dasselbe wider ffentliche gewalt vnd wehret den
bsen heimlichen Practicken aller Feinde.
(30)Eben solche gegenwertigkeit Gottes
c Marginalie am rechten Rand
hat diese vnsere Schul zu Wittemberg von anbegin auch erfaren, obwol so viel Jar her vnzelich viel Feinde sich wi-
der dieselbige gesetzt vnd auffgelehnet haben. Denn das wir geschweigen,
was fr vorhinderung bald anfangs frgewendet, damit an diesem ort keine
Vniuersitet auffkomen vnd fundirt werden mchte. Was haben doch die Pa-
(35)pisten jemals vnterlassen, damit diese Schul mit gewalt gedempfet wrde
von der gantzen zeit an, nachdeme die Kirche Gottes von jrer Geistlichen
Babylonischen Gefengnis erlediget vnd aus dem Finsternis des Bapstums
zum Liecht des heiligen Euangelij bracht ist, welches Gott der Herr aus vner-
meslicher gte in dieser Schule erstlich anznden vnd in andere Land ferner

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bringen hat wllen. Da aber durch ffentliche gewalt der bse Feind nichts
ausrichten knnen, hat er mit list allerley Rotten vnd Secten erwecket, dem
heiligen Euangelio einen schandfleck anzuhengen, bis er endlich vnsere ab-
trnnige, so von vns ausgegangen vnd nie von vns gewesen sind,3 als Fla-
(5)cium Illyricum
vnd seine Rotgesellen,4 angetrieben, das sie wider dieser
Lande Kirchen vnd Schulen sich auffgelehnet vnd einen grewlichen Riss vnd
spaltung vnter den Kirchen, die der Augsburgischen Confession verwand,
zuuor gar eintrechtig miteinander zusammen waren, angerichtet.5 Welche
auch noch heutiges tags nicht auffhren, die Kirchen zu betrben vnd zu
(10)ver- || [3r:] [3r:]wirren vnd mit gifftigen, boshafftigen, ertichen Calumnien dieser
Schulen auffs hefftigste zuzusetzen. Gleichwol hat der ewige Son Gottes
diese Schul gantz gnediglich erhalten, dem bsen frnemen vnserer Feinde
gestewret, vns vnterm Schaten seiner hende bedecket, gnad vnd Segen verli-
hen, das die reine Lere, wie sie anfangs geleret, fr vnd fr auf einerley
(15)weise erkleret vnd fortgepflantzet worden, vns auch mut vnd stercke gege-
ben in vnserm beruff, vngeachtet alles vnbillichen schenden vnd schmehens
getrost vnd mit gutem gewissen zu verharren. Solcher gegenwart Gottes, die
wir in der that spren vnd mercken mssen, haben wir vns allezeit von hert-
zen getrstet vnd bitten noch den ewigen Son Gottes, das er bey vns ferner
(20)bleiben vnd diese Schul, darinnen er selbs das Liecht seiner Gttlichen Lere
vnd die guten Knst vnd Sprachen, so die Kirche Gottes nicht kan entperen,
angezndet, vmb seines namens Ehre willen erhalten vnd bewaren wolle.
Es ist aber vnntig zu erzelen,
d Marginalie am linken Rand
dauon anderswo auch bericht geschehen, was
fur grosse gedult diese Vniuersitet Wittemberg, damit grssere ergernis vnd
(25)zerrttung in der Christlichen Kirchen verhtet werden mchten, bis in die
drey- oder vierundzwentzig Jar getragen hat.6 Jndeme die Fladdergeister des
Flacianischen geschmeis jtzund mit diesem, gar bald mit eim andern, durch
jre ertichte falsche vnd der Warheit gantz entgegene verleumbdunge vnd
Mordgeschrey nicht allein die gantze Vniuersitet, sondern alle dieser Land
(30)Kirchen vnd Schulen vnd derselben vornembste vnd woluerdiente Personen
angegriffen, gelestert vnd geschmehet haben. Weil wir vns indes haben des
augenscheinlichen Segens Gottes des Allmechtigen zu trsten gehabt, da wir
vnd alle frome verstendige Gottliebende Leute || [3v:] sehen vnd fast greiffen
haben mssen, das Gott den vnuerschuldeten Fluch vnserer abtrnnigen zum

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Segen vnd benedeiung gewendet hat. Dagegen aber mus man an dem Flacia-
nischen hauffen Gottes Gericht spren,
e Marginalie am rechten Rand
das ob sie wol anfenglich vnter
einem ertichten schein sonderlicher heiligkeit vnd bestendigkeit sich allein
auffgeworffen fur die reinen Lerer vnd grossen Eiuerer, jedoch, wie man aus
(5)dieser Vniuersitet solches lange zuuor gesagt, sind sie endlich in den vor-
nembsten vnd hchsten Artickeln vnserer waren Christlichen Religion in
schreckliche vnd grewliche jrthum vnd Schwermerey geraten, die sie mit
vnberwindlichem schaden vnd verwirrung der schwachen Gewissen nur aus
bosheit vnd gefastem hass vnd neid wider diese Schul verteidigen. Was sie
(10)aber noch nicht gar verfelschen haben knnen, das machen sie doch mit jrem
grbeln also zweiuelhafftig vnd vngewis, das, wo Gott jrem frnemen nicht
wehren wird, die nachkomen bey jnen keine gewisheit noch richtigkeit der
Lere finden werden.
Denn es je vor augen,
f Marginalie am rechten Rand
wie Flacius Illyricus von dem ewigen Wort, welches
(15)ist der Son Gottes, seine lesterung ausgossen vnd in seiner „glossa compen-
diaria“ vber das newe Testament weiter ausgebreitet hat, da er frgibt, der
Son Gottes werde durch ein Metaphoram b oder verwechslete redeb das ewige
Wort genennet, wie durch gleiche figur auch Johannes der Teuffer eine stim
genennet werden kndte.7 Darneben er aller alten rechtgleubigen Lerer er-
(20)klerung vnd zeugnis verwirfft, welche sagen, das der Son Gottes, ehe die
Schepffung ausgesprochen vnd also die Creaturn durch dasselbig ausspre-
chen erschaffen, item ehe die Gttliche verheissung vnd Gttlicher wille vnd
gnad geoffenbaret worden ist, das ewige Wort des Vaters darumb genennet
werde, || [4r:] dieweil er des ewigen Vaters gantz ebenbild sey,c geboren vom
(25)Vater, da er sich selbst von ewigkeit anschawet vnd betrachtet. Welches,
weil es Flacius verleugnet, wohin es von jme gemeinet vnd wie fein er den
Lesterern vnd verleugnern der Gottheit des ewigen Sones Gottes Thor vnd
thr auffmachet, knnen die, so in der Christlichen Lere recht vnterweiset
sind, leichtlich verstehen.8
(30)Was aber gemelter Flacius fr eine Gottslesterliche, schreckliche, teuffeli-
sche Lere newlich eingefret
g Marginalie am rechten Rand
von der Erbsnde, haben auch seine eigene
Rotgesellen Mrlinus, Heshusius, Wigandus vnd andere nicht lenger verber-

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-
gen knnen.9 Welches, vnangesehen er dennoch in sonderlichen hieruon aus-
gegangenen Bchern noch hefftig streitet, das die Erbsnde sey die Sub-
stantz vnd das wesen des Menschen oder die vernnfftige Seel selber Vnd
das des Satans gewalt vber die Menschliche Natur, in die er seine greulichste
(5)gifft eingegossen, ja in die er wesentlicher weise sein ebenbild vnd gleichnis
eingedruckt, eingepflantzt vnd gebildet hat, also ferne sich erstrecke, das
gleichwie Gott den Menschen anfenglich zu seinem Bilde vnd gleichnis we-
sentlicher weise zu sein geschaffen vnd gebildet hat, also, weil der Satan
durch die Snde ein solches wesentliches vnd jm gleichfrmiges Ebenbild in
(10)dem Menschen geschaffen, gebildet vnd bereitet hat, er von wegen dieses
geschepffs vnd wercks durchaus des Menschen mechtig vnd gewaltig sey,
als seines eigenthums vnd gefangenens nach allem seinem mutwillen inwen-
dig vnd auswendig wider Gott vnd zu desselbigen schmach vnd lesterung zu
gebrauchen, zu handeln vnd zu treiben. Welches alles der alten verdampten
(15)Ketzerey der Manicheer, die einen guten vnd bsen Gott vnd Schepfer ge-
tichtet, gar nahe vnd gleich ist Vnd die rechte grndliche Lere, welcher ge-
stalt die Menschliche Natur nach dem Fall erhalten vnd fortge- || [4v:] pflantzt
werde vnd wie fern vnd weit das Wesen vnd Substantz Menschlicher Natur
von der Snde zu unterscheiden sey, gar miteinander auffhebet Vnd fromen
(20)Eltern, sonderlich aber dem armen Weiblichen Geschlecht allen trost nimet,
wenn sie nach Flacij meinung schliessen sollen, das jre Kinder nicht so fast
dem wesen nach Gottes gaben, geschenck vnd werck sein als des Teuffels,
der sie wesentlich nach seinem Bilde noch in Mutterleibe formiere, in jnen
wone vnd krefftiglich, ja wesentlich seine Teuffelische Laruen jrem fleisch
(25)vnd blut eindrucke vnd einpflantze, ja die hchste lesterung ist wider den
Son Gottes selber, welcher nach dem Fall der ersten Eltern fr das Mensch-
liche Geschlecht gebeten vnd durch seine frbit die Menschliche Natur, als
zu seinem Bilde durch jn erschaffen, nicht hat ewiglich verderben lassen
wollen Vnd zu desselben widerbringung vnd erlsung Menschliches Fleischs
(30)vnd Bluts vnd gantze Substantz vnd wesen des Menschen in eine unzertren-
liche, persnliche vereinigung an sich genomen hat.10
Ob aber wol Flacij Rotgesellen
h Marginalie am linken Rand
diese Blasphemien nicht billigen knnen,
one das auch in diesem gleichwol Flacius noch bey vielen seinen anhang hat,
jedoch behelt der meiste teil unter den Flacianern eben das Stck, umb wel-

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-
ches willen Flacius den ganzen Artickel von der Erbsnde verderbet, nem-
lich von der Klotzbuß oder Klotzbekerung, daruon sie viel newer Enthusias-
tischer Schwarm je lenger je mehr auff die bahn bringen, indem sie mit Fla-
cio
frgeben, der Mensch gehabe sich vor der Bekerung vnd in der Bekerung
(5)nicht allein als ein todter Klotz, sondern auch widerstrebend vnd feindlich,
vnd der heilige Geist werde gegeben wider des Menschen willen, auch wenn
er sich noch setzet vnd strebet wider das Wort, ja da er auffs feindlichst vnd
heff- || [5r:] tigst wider Gott sich aufflehnet, dichten jnen auch zweierley beke-
rung, die eine, die da geschehe in einem vnuersehenem oder vnentpfindli-
(10)chem Nuh vnd Augenblick, welche nichts anders sey denn eine einpflant-
zung vnd eindruckung eines newen Hertzens vnd newer Seelen, die andere
aber, die da teglich wachse, zuneme vnd vermehret werde, dadurch denn die
Ordnung, die Gott helt in der warhafften Bekerung, welche geschiet, wenn
man Gottes Wort hret, betrachtet vnd den heiligen Geist, der durchs Wort
(15)krefftig ist, nicht widerstrebet vnd des gantzen heiligen Predigampts im Wort
vnd Sacramenten krafft, nutz vnd wirckung Vnd desselben rechter brauch
vnd gewisheit vertunckelt vnd endlich gantz auffgehoben wird.
So ist schrecklich zu hren,
i Marginalie am rechten Rand
wie sie von einem jedem Stck der Bekerung
reden, das Rew vnd Leid nur sey eine mera passio, das ist, ein erschrecken
(20)vnd leiden, damit das Herz vnuersehens vnd ausserhalb betrachtung Gtt-
lichs Worts vberfallen wird, vnd das der Glaub eingedruckt werde oder ge-
wircket vom heiligen Geiste one vnser gedancken, wllen vnd kampff, dem
Wort Gottes beyfal zu geben, vnd das der Glaub sein knne one gute werck
Vnd das ein ander Glaub sey, durch den wir gerecht werden vnd ein ander,
(25)durch den wir anfahen, gute werck zu thun. Sagen also nichts, wie in der Be-
kerung Rew vnd Leid in vns entstehe, so wir hren vnd gedencken die Buß-
predigten in Gottes Wort wider die Snde, dardurch der heilige Geist die Ge-
wissen rret, das sie verstehen vnd flen, sie sein fr Gott schldig des
zorns vnd der ewigen verdamnis. Sagen nichts, wie man in solchen engsten
(30)vnd ernstem kampff des Gewissens trost schepfe durch die verheissung des
Euangelij, welches auff den einigen Mittler, den Herrn Christum, weiset,
dardurch der heilige Geist die Hertzen auff- || [5v:] richtet vnd wider den Zwei-
uel stercket vnd zum Gebet zu Gott vmb vergebung der Snden antreibet.
Sagen auch nichts von der vnwandelbaren Ordnung, wie die geistliche Er-
(35)newerung oder der newe Gehorsam notwendig folgen msse vnd wie nicht
erst vber eine gewisse zeit, sondern alsbald vnd zugleich die Ernewerung
anfahe mit dem Glauben, der sich aus dem schrecken herauswindet vnd im
vertrawen des warhafften Mitlers durch hlff des heiligen Geistes newe be-
wegung in den Hertzen erwecket vnd fr vnd fr den bsen lsten des argen,
(40)verderbten Fleisches widerstrebet.
Was aber in diesem allem fr manigfaltige jrthum stecken,
j Marginalie am rechten Rand
weisen die grew-
lichen Verfelschungen des hohen Artickels von der Rechtfertigung oder gne-
digen annemung des armen Snders fr Gott, damit die grndliche vnd wol

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erklerte, auch so viel jar wider die Papisten erstrittene vnd erhaltene Lere
von den Flacianern gentzlich vertilget wird. Denn daruon gibt Flacius fr,
das zweierley Rechtfertigung sey: Eine geschehe in der vnentpfindlichen vnd
wunderbarlichen Widergeburt, die er sonst die erste bekerung nennet, darin-
(5)nen ein newes Hertz durch eine allmechtige schaffung vnd einpflantzung
eingedrucket, vnd als denn in dem gehlichen12 actu, dem er ein gewissen an-
fang vnd ende in einer gar kurtzen zeit zuschreibet, werde dem Snder von
Gott der gehorsam Christi zugerechnet vnd geschencket. Darauff folge denn
die andere Rechtfertigung, welche durch das gantze leben geschehe in denen,
(10)so da sind in Christo Jhesu. Wenn er aber, was die Rechtfertigung sey,
beschreibet, sondert er vnd andere seine Mituerwandten von der gnedigen
vergebung der Snden vnd zurechnung der gerechtigkeit Christi die vers-
nung mit Gott ab gleich als eine folgende wirckung oder frucht, so aus der
gerechtigkeit des Glaubens entstehe.
(15) || [6r:] Solche vnd dergleichen viel andere in vnsern Kirchen vnerhrte vnd vn-
gegrndte Leren Flacij beschnen vnd vermehren die frnemesten vnter den
Flacianern, indem sie tichten einen articulum, actum, momentum, punctum,
circulum et forum iustificationis, d das ist einen augenblich vnd circkel der
Rechtfertigung,d dadurch man verstehen sol, das die Rechtfertigung fur Gott
(20)sey ein kurtzwerende wirckung Gottes, darinnen geschehe die eingiessung
der flle der Gttlichen gnaden als in ledige Kreuslin,13 vnd dasselb zu der
zeit, stund oder minuten, die ein Mensch nicht wissen knne. Darber sie
denn den rechten verstand der particularum exclusiuarum, e der wrtlin, so
das verdienst aller vnser werck ausschliessen,e gantz vnd gar verderben,
(25)sagen, das einem Christen grssere gefahr sey von guten wercken als von
bsen wercken. Denn gute werck werden ausgeschlossen aus dem Artickel
vnd actu der Iustification, dargegen aber so seien Snde vnd vergebung der
Snden correlatiua, f da eines notwendig msse bey dem andern sein.f Vnter-
scheiden nicht, das es ein anders sey, notwendig gute werck zu thun schldig
(30)sein vnd vmb guter werck willen fr Gott gerecht sein, trewmen jnen einen
solchen vnterscheid zwischen diesen zweien propositionibus: „sola fide iusti-
ficamur“ et „sola fide sumus iusti“, das ist, „wir werden Allein durch Glau-
ben gerecht“ vnd „wir sind allein durch glauben gerecht“, als ob in der ersten
dies wrtlin g sola fide,g h allein durch den Glauben,h nichts anders bedeute,
(35)quam fidem iustificantem oportere solam esse sine bono proposito et caeteris
virtutibus, das der gerecht vnd seligmachende Glaube msse allein sein one

|| [397]

guten frsatz vnd anderen tugenden. Jn der andern aber sol i sola fide,i j allein
durch den Glauben,j nicht einen glauben heissen, der im hertzen fr vnd fr
allein bleiben msse one folgenden guten frsatz vnd andern Tugenden, son-
dern der || [6v:] anfenglich durch Gottes allmechtige wirckung one alle vnser
(5)gedancken, wllen vnd kampff, die verheissung des Euangelij anzunemen, in
der kurtzwerenden, wunderbaren Widergeburt allein sey geschaffen vnd vn-
serm Hertzen eingedruckt oder eingepflantzt worden. Jn summa, wie solches
anderswo weiter ausgefret ist, machen sie gar newe Sophisterey vnd ver-
wirrung des schnen vnd herrlichen Artickels von der Justification, vmb
(10)welches willen vnsere Kirchen bisher sich frewen vnd rhmen haben kn-
nen, das sie den Papisten solchen abgedrungen vnd dem Son Gottes seine
ehre vnd den blden Gewissen bestendigen trost darmit erstritten haben.14
Bald anfangs haben auch Flacius
k Marginalie am rechten Rand
vnd sein anhang die Definition vnd be-
schreibung des Gesetzes vnd Euangelij nicht leiden knnen, haben frgeben,
(15)das Gesetz sey nicht die ewige,k vnwandelbare Weisheit vnd die ewige Regel
der Gerechtigkeit in Gott, gleich als hette vnterscheid der Tugend vnd Laster
erst mit erschaffung der Engel vnd Menschen sich angefangen Vnd were ein
schlecht gering vnd wandelbar ding vmb das Gesetz Gottes, welches man
wie ein Tabel an die wand gehengt widerumb wegnemen vnd abthun knne.
(20)Jtem haben nicht leiden wllen, das das Euangelium sey eine Predigt der
Buß, welche das Gesetz erklere vnd straffe erstlich durch die widerholung
vnd bestetigung des Gesetzes alle Snde, jnnerlich vnd eusserlich, frnem-
lich aber vnd eigentlich diese grosse Snde in gantzem Menschlichen Ge-
schlecht, das auch nach gegebener verheissung vom Son Gottes die Welt den
(25)Herrn Christum nicht erkennen will, solche Straffpredigt aber also lindere,
das es nicht wie das Gesetz die hertzen vnter den schrecken fr den Snden
vnd Gottes zorn stecken lasse, sondern diesen trost verkndige, das vns Gott
gewislich vmb seines Sons willen, den es mit glauben heisset || [7r:] annemen,
wlle aus gnaden on vnser verdienst die Snde vergeben, vns annemen, die
(30)Gerechtigkeit vmb seines Sons willens zurechnen vnd zu Erben des ewigen
Lebens machen, vnd obwol das Gesetze die einige Richtschnur stets bleibet
aller guten werck vnd Gottesdienst, so von den Gleubigen geschehen sollen,
das doch allein das Euangelium lere, wie die guten werck in so grosser
schwacheit Menschlicher Natur vnd mancherley list des bsen Feindes durch
(35)die krafft des Sons Gottes vnd des heiligen Geistes hlff vnd stercke gesche-
hen, vnd wie der angefangene, schwache, vnuolkomene gehorsam Gott dem

|| [398]

Herrn dennoch gefalle, weill die Person des Gleubigen vmb des Mitlers wil-
len Gott allbereit angeneme ist, vmb des willen auch die vbrige schwacheit,
so in den Heiligen noch hinderstellig,15 zugedeckt werden mus.
Solcher notwendigen Lere
l Marginalie am linken Rand
ist bey den Flacianern keine richtige erklerung,
(5)vnd ist ffentlich vnd am tage, wie etliche vnter jnen, welche sie noch heuti-
ges tags vnter sich nicht allein dulden, sondern auch zu Kirchenemptern fr-
dern vnd beruffen, sich der verfelschung beider Definition m des Gesetzes
vndm des Euangelij also gebrauchet, das sie die gar grewliche, schedliche
vnd Teuffelische Schwermerey der Antinomer vnd Gesetzstrmer gar vnuer-
(10)holen vnd vnuerschembt vernewert vnd verteidiget haben, vnd solches der-
gestalt, das dergleichen zuvor nie gehret: Als das die zehen Gebot die Gleu-
bigen vnd Heiligen in diesem leben nicht mehr angehren, auch denen nicht
frzuhalten oder jrentwegen in der Kirchen Gottes mitnichten zu leren sein,
denn die bekerten sind allbereit durch die Rechtfertigung vnd heiligung
(15)gantz vergttert, ja Gott selbs worden, thun nunmehr alles one Gebot vnd
Lere von sich selbs freywillig, wenn, wie vnd wo sie der Geist treibet, vnd
alles jr thun vnd lassen || [7v:] sein des heiligen Geists in jnen wonenden
werck vnd getrieb sey, auch jr hchste kunst, von keinem Gesetz wissen, das
Gesetz, so viel auch an jm selbs ist vnd nicht allein vnser verderbte, sondern
(20)sein selbst Natur betrifft, lere kein gut, Gott angenemes oder gefelligs werck,
vnd es sey die Rede nicht zu dulden „Der newe Gehorsam oder gute werck
sind in den Gleubigen etwas ntiges als ein ntige schuld vnd pflicht nach
der Regel vnd norma der zehen Gebot.“ Jtem die Heiligen vnd newgebornen
sind so gerecht vnd volkomen als Gott vnd Christus selbst, vnd da sie gleich
(25)wider gewissen sndigen vnd fallen, so sein vnd bleiben sie dennoch heilig
vnd Gottgefellig von wegen des in jnen wonenden heiligen Geistes, bis der-
selb, durch vnglauben verloren vnd ausgestossen, selbst von jnen weiche.16
Das heisset je redlich geschwermet. Noch haben sich andere, eins teils Flaci-
aner, auch in die ewige Versehung Gottes eingelassen
m Marginalie am linken Rand
vnd in diesen Landen
(30)eine newe, vngewnliche vnd in sich selbs durchaus widerwertige vnd strei-
tige Lere einzufren vnterstanden, durch welche die Hertzen von dem hellen,
klaren vnd vnwidersprechlichem wort vnd befehl Gottes abgefret vnd in
den heimlichen, verborgenen vnd vnerforschlichen Rat Gottes ausserhalben
des Euangelij gewiesen vnd verfrt vnd in Gott dem Herrn zweierley ganz
(35)widerwertige willen zu tichten angewiesen vnd verleitet werden, als ob Gott
in seinem ewigen Rat beschlossen, nur etliche aus Menschlichem Geschlech-
te zu bekeren, zu gnaden anzunemen vnd in ewige Seligkeit zu setzen, dauon

|| [399]

er doch in seinem vns geoffenbartem Wort sich weit anderer weise erkleret
vnd seinen Willen von dem gantzen Menschlichen Geschlecht dermassen
deutlich bezeuget hat, das er alles vnter die Snde beschlossen, auff das er
sich aller erbarme.17
(5) || [8r:] Damit aber diese Erzelung vns nicht vnter den Henden allzu lang wach-
se, vbergehen wir viel ander der Flacianer geschmeis, dardurch sie einen Ar-
tickel nach dem andern der wolgegrndten, gefasten vnd erklerten Lere, so
sie zuuor in vnser Vniuersitet gelernet, auffs scheuslichste verderbet vnd also
keinen vnbesudelt vnd vnbefleckt gelassen haben. Sonderlich aber, nachdem
(10)anderswo vor wenig jaren der streit de vnione personali, de Communicatione
Idiomatum, de ascensione Christi ad coelos, de sessione ad dexteram Patris,
n das ist von persnlicher vereinigung, von der weise zu reden von der Person
vnd der Naturn Christi, von seiner Himelfart vnd sitzen zur rechten des
Vatersn ausserhalb unserer Lande auffs newe erreget, haben sich auch die
(15)Flacianer bald darzu gefunden, die gefehrlichen Reden vnd Disputation jnen
gefallen lassen vnd in diese Lande auch herein gebracht vnd durch jre
Schrifften ausgebreitet, darinnen sie sich denn so hoch vnd fern verstiegen,
das, welche noch vnter jrem mittel ein wenig verstands haben, dafr selbs
ein abschew tragen. Noch hat die Geselschafft durcheinander, einer dem
(20)anderen zu gefallen, fein solches verschweigen knnen, wie zu seiner zeit
ausgefret werden sol.
Wir haben aber diese Erzelung zum Eingang dieser Schrifft darumb thun
wllen, auff das frome, gottselige vnd von hertzen Gottfrchtende Leute
doch einmal die Augen auffthun vnd die Flacianischen Mordgeschrey wider
(25)vnsere Vniuersitet sich nicht also beteuben lassen, das sie nicht viel mehr
auffermelte vnd andere jre grobe jrrthum sehen vnd also aus den bsen
Frchten den bsen Bawm erkennen vnd vns nicht verdencken wolten, das
wir nu etlich mal vnsere Bekentnis wider die Flacianischen Hauffen, als die
sich selbst in diesen Landen zu vns ntigen, ausgehen lassen.

|| [400]

|| [8v:] Denn weil ein Schwarm
n Marginalie am linken Rand
vber den andern von jnen ausgeschttet wird,
knnen wir endlich Gottes Ehre, der Kirchen vnd vnsers Gewissens halben
nicht vnterlassen, dem grossen mutwillen zu begegnen, wie wir denn bisher,
wie die ausgegangenen Schrifften vnd Disputation ausweisen, wider der Fla-
(5)cianer newe, frembde, ertichte, verfrische vnd allbereit zuuor verdampte
schedliche jrrthum viel Artickel klar vnd richtig erkleret, als von der Person
Christi, welcher ist warer Gott vnd warer Mensch, von der Erbsnde, von
rechter Bekerung zu Gott, von der Rechtfertigung durch den Glauben, die
allein fur Gott gilt, vom Gesetz vnd Euangelio vnd beider lere rechtem ge-
(10)brauch vnd was dergleichen mehr ist, daruon die Jugent verwarnet vnd auff
die rechte bahn hat geleitet werden sollen.18
Wir hetten vns auch versehen vnd getrstet,
o Marginalie am linken Rand
jr viel vnter dem Flacianischen
hauffen, sonderlich die sich zu denselben bisher nicht bekennen vnd von we-
gen jrer Moderation fur andern haben gerhmet werden wllen, die, sagen
(15)wir, hetten vnserm verhoffen nach diese vnsere trewe wolmeinung verstehen
vnd neben vns treten, die Warheit nicht verblmen vnd vertunckeln, als wir
aus jren ausgesprengten, zweiuelhafftigen censuris vnd vrteilen befunden,
sondern viel mehr richtig erkleren vnd verfechten helffen sollen, zumal weil
sie gesehen, das man ausfrlich vnd augenscheinlich die groben, schendli-
(20)chen jrrthum dargethan vnd erweiset hat.
Wir befinden aber also viel, das der gefaste mutwillige haß wider diese Vni-
uersitet so gros ist, das jnen mehr daran gelegen sein wil, wie wir geschen-
det, geschmehet vnd mit calumnijs
p Marginalie am linken Rand
vnterdruckt werden denn wie der Warheit
mcht hlff vnd rettung geschehen. Solches verbitterten hasses wider vnsere
(25)Schul ist dieses ein sonderliche anzeigung, das eben die, so bisher Flacianer
nicht || [9r:] haben sein wllen, nu in das andere jar wider die Propositiones,19 die sie ffentlich vnd redlich noch nicht angreiffen haben drffen, vnd jtzund

|| [401]

in sonderheit wider den Catechismum,20 so fr die Knaben in Schulen als zu
einer weitern erklerung des Catechismi des Herrn Lutheri gestellet, allerley
Scartecken21 vnd gehessige, feindselige censuras heimlich aussprengen allein
zu dem ende, das, weil der Teuffel bisher durch die groben Flacianer vnd
(5)durch jre offenbarliche Lgen vnd geticht vnserer Vniuersitet nicht hat ab-
brechen knnen, sie nu mit hemischen, arglistigen tcken vns bey dem
gemeinen Man vnd bey vngelerten Leuten verdechtig,
q Marginalie am rechten Rand
vnd nicht allein vn-
uerschulter, sondern auch vnuerhrter sach verhasset machen mgen. Wie
greiffen sie aber solches an? Eben also, weil sie sehen, das in vnsern Propo-
(10)sitionibus vnd Catechismo die Lere von der Person des Herrn Christi, von
der Communicatione Idiomatum,22 p das ist von der weise zu reden, welche
die Schrifft von Christo brauchet,p vnd andern Artickeln, so darzu gehrig,
darinnen sie vnd andere sich bisher allzu weit blos gegeben haben, von vns
kurtz vnd einfeltig widerholet ist, schreien sie solches aus, es sey Caluinisch,
(15)bedencken nicht, das wir nicht erst jtzund auff diese weise, sondern allzeit
zuuor, ehe noch der Caluinisten namen bekand gewesen, in dieser Schulen
also geleret vnd gelernet haben vnd das stets von zeit der Apostel an in der
rechtgleubigen Kirchen Gottes Vnd ferner auch im Bapsthum, da man diesen
Artickel vnuerfelscht behalten vnd noch heutiges tages bey allen Gelerten,
(20)auch vnter denen, die man Jesuiten nennet,23 auff einerley weise daruon
geleret wird.
Aber es getrawen jnen vnsere verleumbder nicht, von der Lere an sich selbst
mit vns sich auffzulegen, ob sie recht oder nicht recht sey, sondern fahren zu
vnd werffen vns fur, wir sind den Caluinisten zugethan, weil sie vom Son
(25)Gottes nicht || [9v:] anders denn wir vnd in diesem Artickel wir nicht anders
denn die Papisten Vnd diese auch nicht anders denn die reine vnd alte
Christliche Kirche vnd Gottes Wort selber daruon leret. Sie lassen aber alle
die andern, so also stets geleret haben, anstehen, nemen allein die Caluinis-
ten fr sich vnd folgern also: Die Wittemberger wollen vnsere new ertichte
(30)Realemq oder Physicam Communicationem Idiomatum, r wesentliche mittei-
lung der Gttlichen eigenschafften,r nicht billichen, sondern verwerffen die-

|| [402]
-
selbigen, solches thut Caluinus auch. Darumb mssen die Wittemberger
Caluinisten sein. Nu mssen wir vns billich wundern vber des bsen Feindes
geschwinde Rencke, die er gantz widerwertiglich wider die Schul treibet.
Denn bisher haben die Flacianer vns zu Papisten machen wllen vnd one
(5)auffhren vns frgeworffen, wir vergleichen vns mit der Bepstischen Lere,24
welche sie zu widerlegen nimermehr gewust hetten, wo sie in vnser Schul
vnd aus vnsern Schrifften solches nicht gelernet. Jtzt aber wollen sie vns mit
dem Namen der Caluinisten, als der bey dem gemeinen Man so verhasset,
das nichts feindseligers kan genennet werden, austragen, ob also dem Teufel
(10)einmal die schantze mchte geraten, das sie vrsach hetten, vber vns zu trium-
phiren.
Weil sie es aber auff den gemeinen Man vnd Heromnesgesind25 setzen, wa-
rumb bedencken sie selbsten nicht zuuor, wie diese zwey sich nicht zu-
samenreimen vnd extreme contraria sein, ein Papist sein vnd den Caluinisten
(15)zugethan sein. Denn ja die Papisten niemand mehr zuwider als den Caluini-
schen, die sie noch viel vbler als die Lutheraner, wie sie es nennen, dulden
knnen. Habt denn jr Flacianer vns bisher fr Papisten gehalten vnd vns dar-
fr in alle Welt ausgeschrien, wie knd jr vns denn mit warheit schuld ge-
ben, das wir Caluinisch || [10r:] sein? Sind wir aber Caluinisch, so habt jr mit
(20)vnwarheit vor Papisten vns bisher ausgeruffen. Aber dis ist ewer letzter vnd
endlicher conatus26 vnd anfeindung, darmit jr eweren langgetragenen vnd
heimlichen hass gar ausschtten vnd, ob Gott will, ewer eigene schande
offenbar machen vnd euch dardurch selbst abrennen werdet.
Wiewol wir aber,
r Marginalie am linken Rand
das Gott weis, der ein Hertzkndiger ist,27 lieber wolten,
(25)das jr ewer selbst vnd vnser verschonet vnd vns nicht vrsach geben hettet –
sn­derlich im Deutschen – vber den hchsten vnd frnemesten Artickel von
der Person des Herrn Christi vns mit euch einzulegen, jedoch, weil es anders
nicht sein kan vnd jr dem Sone Gottes seine Ehre, der Kirchen des Sons Got-
tes jr heil vnd ruhe nicht gnnen wllet, so mssen wir dennoch zum zeugnis
(30)der Warheit das vnsere thun
s Marginalie am linken Rand
vnd wllen demnach in Gottes Namen vnser
Bekentnis frey ffentlich thun, was wir vnd die alte rechtgleubige Kirche
von der Person vnd Menschwerdung des Sons Gottes, vnsers Herrn vnd Hei-
landes Jhesu Christi, gleuben vnd halten, vnd euch ewre verfrische vnd er-
newerte Schwarm in diesem hohen Artickel ein wenig von ferne weisen Vnd
(35)denn auff ewre gifftige, boshafftige verleumbdunge von vnsern Propositioni-

|| [403]
-
bus vnd Catechismo antworten.28 Frome Christliche Hertzen,
t Marginalie am rechten Rand
so die Warheit
vnd den Friede lieb haben, nach dem Spruch des Propheten Zacharie: „ Dili-
gite veritatem et pacem“, s „liebet die warheit vnd den friede“,s29 bitten wir,
sie wollen, was disfals von vns frgenomen wird, zu rettung der Ehre Gottes
(5)vnd seines einigen ewigen Sons Jhesu Christi, warhafftigen Gottes vnd war-
hafftigen Menschens nu vnd in ewigkeit, dahin verstehen, dahin es von vns
gemeinet, nemlich, das die Kirche Gottes von dem allerhchsten Artickel,
darauff der Grundfest || [10v:] alles vnsers Glaubens, vnsers Heils vnd ewiger
Seligkeit stehet, recht vnterrichtet vnd die nachkomen klare, gegrndte, fes-
(10)te, vnwidersprechliche zeugnis haben wider die schendlichen, scheuslichen
jrthum, so zu vnser zeit vornewert, vnd von einem mehr, von dem andern vn-
geschickter, den gemeinen Man zu verfren vnd zu betriegen, verblmet vnd
geferbet werden. Vnd sol diese Schrifft nur eine Warnung sein, daran sich
der gemeine Man sol halten. Den Gelerten wollen wir weiter vnd ausfrli-
(15)cher hieruon in kurtz entgegen komen.30 Gott der Allmechtige wolle selbst
der Warheit zeugnis geben vnd die Ehre seines Sons retten vnd die reine vn-
uerfelschte Lere von desselben Person vnd ampt bey vns vnd vnseren nach-
komen gnediglich erhalten.

Bekentnis der Warhafftigen Lere von der Person vnd Menschwerdung
(20)des Herrn Christi.

Der Grundfest vnsers Christlichen Glaubens vnd vnser Heil vnd Seligkeit
stehet auff diesem Artickel, das vnser Herr Jhesus Christus, der vnser Mittler
fr Gott vnd vnser Erlser worden ist, sey warhafftiger Gott vnd warhaffti-
ger Mensch in einer vnzertrenlichen Person, wie Leib vnd Seele ein Mensch
(25)sind. Daruon offenbaret
u Marginalie am rechten Rand
vnd leret vns die heilige Schrifft einhelliglich also:
Der Herr Christus ist die andere Person der heiligen Dreyfaltigkeit, nemlich
der ewige Son Gottes, von dem Vater von ewigkeit geboren aus seiner Sub-
stantz vnd wesen, sein wesentlich ebenbild, dem Vater durchaus in allen
eigenschafften der ewigen Gottheit gleich,
v Marginalie am rechten Rand
durch welchen alle || [11r:] Crea-
(30)turn im Himel vnd Erden vnd alle Engelt geschaffen sind. Dieser Son Gottes
hat sich nach dem fall vnser ersten Eltern des armen Menschlichen Ge-

|| [404]
-
schlechts, das vnter der Snd vnd dem Tod hette in ewigkeit verderben ms-
sen, so hoch erbarmet vnd angenomen, das er ein Mitler zwischen Gott vnd
dem Menschen vnd ein frbitter worden ist, vnd damit der Zorn Gottes von
Menschlichem Geschlecht abgewendet vnd der gerechtigkeit Gottes genug
(5)geschehe, hat er den grimmigen ernsten Zorn Gottes auff sich genomen vnd
sich erboten vnd verpflicht gegen seinem ewigen Vater, fr die Snde des
Menschlichen Geschlechts zu bssen vnd die Snde auszuleschen vnd zu
tilgen vnd das Menschliche Geschlecht, welches durch den Teufel vnd die
Snde von Gott abgewendet vnd abgerissen war, mit Gott widerumb zu ver-
(10)snen vnd zu vereinigen. Damit nu solches kondte volendet werden, wird in
dem heimlichen Ratschlag der heiligen Dreyfaltigkeit beschlossen, das der
Son Gottes sol Mensch werden, vnd hat solchen Rat vnd willen Gottes von
widerbringung vnd erlsung des Menschlichen Geschlechts der Son Gottes,
als das ewige Wort des Vaters, selbst alsbald im Paradis ausgesprochen in
(15)der ersten verheissung vom Weibs Samen.31
Wiewol aber wir arme Menschen
w Marginalie am linken Rand
in vnser grossen schwacheit nicht gnugsam
verstehen knnen, warumb der Mitler Gott vnd Mensch hat sein sollen,
jedoch sollen diese frneme vrsachen mit vleis betrachtet werden: Denn erst-
lich hat der Son || [11v:] Gottes als der Mitler vnd versner sich ein Mensch zu
(20)werden verpflichtet, auff das die Menschliche Natur nach dem Fall beim
leben erhalten wrde. Denn wie die drawung lautet – „du solt des Todes ster-
ben“32 –, also were das gantze Menschliche Geschlecht alsbald ewiglich ver-
dorben, wo nicht beschlossen were, das der Son Menschliche Natur solte
annemen. Das nu vnsere erste Eltern nicht ewig verdorben vnd das gantze
(25)Menschliche Geschlecht noch etwas ist, das ist also erhalten, das der Son
Gottes Mensch werden wllen. Denn in der Menschlichen Natur, welche er
hernach an sich genomen, tregt er gleichsam an seinem hals vnd auff seinen
Schultern das gantze Menschliche Geschlecht, vnd leuchtet hierinnen Gottes
vnermesliche Barmhertzigkeit, das vmb des Sons willen die Menschliche
(30)Natur erhalten wird. Dargegen aber erfodderte die Gerechtigkeit Gottes eine
gnugthuung vnd bezalung fr die Snde. Darumb, weil ein Mensch gesndi-
get hette, muste der Gerechtigkeit Gottes also gnug geschehen, das der Mit-
ler ein Mensch wrde, der nicht allein mit seinem volkomenen gehorsam in
seiner Menschlichen Natur fr alle Menschen das Gesetz erfllet, sondern
(35)auch die straff vnd den Zorn wider die Snde tragen vnd als ein warer
Mensch leiden vnd sterben mchte.

|| [405]

Das aber kein Engel noch andere Creatur, ob sie gleich auch Menschliche
Natur mchten angenomen haben, das werck der erlsung hette ausrichten
knnen, sondern das der Heiland vnd Mitler warhafftiger Gott sein mssen,
ist gesche- || [12r:] hen, auff das die bezalung vnd gnugthuung, welche die Ge-
(5)rechtigkeit Gottes erfordert, nicht geringer vnd kleinschetziger were als die
Snde, welche ist ein vnendlich vnd vnermeslich schrecklich vbel, weil sie
eine verletzung ist wider Gott, der da ist das ewige vnd vnendliche gut. Es ist
auch der gerechte Zorn Gottes fr sich ein vnertregliche last allen Creaturn,
welche wie ein Wachs in einem grossen Fewr msten in einem nuhe vnd
(10)augenblick zuschmeltzen vnd vorzehret werden von dem brennenden Zorn
Gottes.33 Derwegen hat keine Creatur, die da endlich, fr die vnendliche
Snde bezalen noch eine vergengliche Creatur den gerechten zorn Gottes
ausstehen knnen, sondern es hat ein solcher Mitler verordnet werden ms-
sen, der vber die Menschliche Natur, die er annemen solte, von ewigkeit ein
(15)warhafftiger, vnendlicher Gott were. Vber das hat der Mitler nicht allein die
Snde vnd den Zorn Gottes wegnemen vnd auffheben, sondern auch gerech-
tigkeit vnd leben widerbringen sollen. Derwegen hat er Gttliche Natur
haben mssen, das er nicht im Tod bliebe, sondern gewaltiglich vberwnde
vnd sigete vnd dem Teufel sein Macht vnd reich zerstrete. Denn dis sind
(20)allein einer Gttlichen Person werck, Tod vnd Teufel vberwinden, Leben
vnd Gerechtigkeit bringen vnd austeilen allen, die an seinen Namen
gleuben.34
Es hat auch der Mitler sollen ein ewiger Hoherpriester vnd Knige des
Menschlichen Geschlechts sein. Drumb es nicht gnug, so der Mitler eine
(25)Creatur gewesen, sondern hat zugleich Gott || [12v:] sein mssen, damit er den
heimlichen Rat des ewigen Vaters, welchen keine Creatur sehen noch erfor-
schen kan, verkndigen Vnd die seufftzen in den hertzen derer, so Gott an-
ruffen, erkennen vnd fr Gott bringen vnd sein Opffer vnd bezalung zu allen
zeiten allen Gleubigen zueignen vnd sich fr vnd fr vor sie heiligen kndte.
(30)Jtem das er jme zu allen zeiten mchte eine Kirche samlen, regieren, be-
schtzen, den heiligen Geist geben vnd alle Menschen endlich vom Tod er-
wecken vnd seine auserwelten mit sigreicher hand zu Gott in das ewige
Reich bringen, welches allen Gesegneten, die von Gott durch jn segen erlan-
gen, von anbegin bereitet gewesen ist.
(35)Diese vnd andere hohe vrsachen werden wir in jenem Leben besser verste-
hen, die wir jtzund leider in dieser grossen schwacheit weder vnsern jamer
vnd grse der Snde noch den vnermeslichen Zorn Gottes wider die Snde
noch die hoheit der werck vnd wolthaten Christi gnugsam bedencken oder
erreichen knnen. Was aber der Son Gottes von seiner Menschwerdung als-

|| [406]
-
bald im Paradis verheissen vnd fr vnd fr fast in die viertausent Jar wider-
holet vnd je lenger je mehr erkleret, darauff alle Heiligen Gottes gar mit
grossem vnd hertzlichem verlangen vnd sehnen gewartet vnd gehoffet haben,
das hat er endlich trewlich geleistet vnd ist zu bestimpter zeit
x Marginalie am linken Rand
in dem Leib
(5)der reinen Jungfrawen Mariae durch den heiligen Geist entpfangen vnd war-
hafftiger volkomener Mensch worden. Das ist, er hat die gantze Menschliche
Natur, Leib vnd Seel vol- || [13r:] kmlich aus dem geheiligten Fleisch vnd Blut
Marie an sich genomen vnd dieselbige mit der Gttlichen Natur nicht allein
vnzertrenlicher weise, sondern auch persnlichen vereiniget, nicht das aus
(10)zweien Naturn, der Menschlichen vnd Gttlichen, eine newe vnd gleichsam
als eine dritte Natur, die zum teil eine Gttliche, zum teil eine Menschliche
Natur were geworden, oder das die heilige Dreyfaltigkeit noch eine Person,
die zuuor nicht Gott gewesen, an sich genomen hette, sondern das die Person
des Sons Gottes, so von ewigkeit gewesen, auch nach der Menschwerdung
(15)bleibev vnd die angenomene Menschliche Natur hinfort in sich durch persn-
liche vereinigung trage vnd erhalte.
Denn die angenomene Menschliche Natur in Christo
y Marginalie am linken Rand
ist fr sich nicht ein
eigene snderliche Person, sondern indem sie in dem Jungfrawlichen Leib
Mariae geschaffen, wird sie zugleich in dem nuhe vnd augenblick mit dem
(20)Son Gottes voreinbaret vnd wird in jme fr vnd fr getragen vnd erhalten,
nicht das der Son Gottes allein in solcher Menschlichen Natur sein herberg
vnd wonung hab, wie sonst Gott wonet in den gleubigen vnd jnen trost vnd
leben gibet oder wie zween Menschen sich zusamengesellen vnd einer den
andern tregt, sondern das beides, der ewige Son Gottes vnd der Jungfrawen
(25)Mariae Son, eine gantze vnzertrenliche warhafftige Person sey, die da heisset
Jhesus Christus.
Nicht hat er die Gottheit mit der Menschlichen Natur oder die Menschliche
Natur mit der || [13v:]
z Marginalie am linken Rand
Gottheit vermenget vnd eine in die andere gossen oder
verwandelt, sondern das er von ewigkeit war, als nemlich warer ewiger Gott,
(30)allmechtig, vnendlich in seinem wesen, weisheit, gewalt, das ist er blieben
vnd das er nicht war, als nemlich warer Mensch, das ist er worden. Nach sei-
nem Gttlichen wesen aller ding Gott dem Vater gleich, nach seiner Mensch-
lichen Natur aller ding vns armen Menschen gleich ausserhalb der Snde.
Denn er one Snde alle Menschliche schwacheit an sich vmb vnsertwillen
(35)genomen hat.
Gleichwie er aber in der entpfengnis in dem Leib der Jungfrawen Marien die
Menschliche Natur mit seiner Gttlichen vnzertrenlich vnd vnzerstrlich in
eine Person vereinbaret one einige vermischung oder verwandlung der Natu-
ren durcheinander, also hat er in vnd nach der geburt beide Naturen vnzer-
(40)trenlich vnd vnzerstrlich vnd doch vnterschiedlich an sich behalten vnd

|| [407]

wird sie also an sich behalten in alle ewigkeit. Denn das der Son Gottes ein-
mal an sich genomen hat, das lesset er nimermehr widerumb von sich.
Nicht sol man aber die vnzertrenliche
aa Marginalie am rechten Rand
vnd vnzerstrliche vereinbarung bei-
der Naturn in der einigen Person Christi also verstehen, das allein das wesen
(5)beider Naturn vnuermischet vnd vnuerwandelt geblieben, sondern es hat
auch eine jedere Natur jre wesentliche, warhafftige eigenschafften an sich
behalten, die Gttliche jre ewigkeit, vnendligkeit, vnermesliche weisheit, all-
macht, vnsichtbarkeit, vnbegreiffligkeit etc., die Menschliche Natur || [14r:]
aber alle die wesentliche eigenschafften, die im Menschen sind vnd bleiben
(10)one snde.
Ferner,
ab Marginalie am rechten Rand
wie die eigenschafften der beiden Naturn nicht ineinander gegossen
oder vermenget sein, also sind auch nach der vnzertrenlichen vnzerstrlichen
vereinigung die wirckung einer jeden Natur vnterschieden. Denn die Gtt-
liche hat jre wirckung mit dem Vater vnd heiligem Geist als warer vnend-
(15)licher Gott, die Menschliche thut vnd leidet, was Menschlicher Natur eigen-
schafft mit sich bringet. Solcher vnterscheid der Naturn, eigenschafft vnd
wirckung zureist oder zurtrennet vnd zustrt nicht die einigkeit der Person,
gleichwie die vereinbarung der beiden vngleichen Naturn vnd die einigkeit
der Person hinwiderumb auch der Naturn eigenschafft vnd wirckung nicht
(20)durcheinander menget.
Nicht hat der Son Gottes einen schein
ac Marginalie am rechten Rand
der Menschlichen Natur an sich
genomen, hat nicht auff Erden gewandelt wie ein gespenst, sondern als ein
warhafftiger volkomener Mensch mit allen eigenschafften Menschlicher
Natur, doch one Snde, hat leibhafftig vnd sichtbarlich bis in das
(25)vierunddreissigste Jar seines alters vnter den Menschen gelebet, hat
warhafftig gessen, getruncken, geschlaffen, geredet, gewandelt, hunger vnd
durst, md vnd mattigkeit geflet, hat sich warhafftig betrbet, erzrnet,
geweinet, hat warhafftig an seiner Seelen die grosse qual, angst vnd
betrbnis von dem brennenden, ernsten Zorn Gottes vber der Menschen
(30)Snde entpfunden vnd an seinem Leibe alle Marter erlitten bis in den Tod,
ja in || [14v:] den Tod des Creutzes, ist warhafftig am Creutz gestorben, da
Leib vnd Seele voneinander geschieden sind, vnd nachmals begraben
worden, nidergestiegen zur Hellen vnd am dritten tage warhafftig wider
aufferstanden, da Leib vnd Seele widerumb sind zusamenkomen, hat nach
(35)der Aufferstehung die Menschliche Natur nicht ausgezogen oder abgelegt,
sondern an sich behalten vnd sich als ein warer Mensch vielfeltig seinen
Jngern erzeiget vierzig tage lang, da er mit jnen gessen vnd getruncken
hat. Entlich ist er als warer Mensch von seinen Jngern aus jrem gesicht
genomen worden, ist warhafftig mit seiner Menschlichen Natur gen Himel
(40)gefaren vnd gesetzet zur rechten hand Gottes, von dannen er komen wird,
zu richten die lebendigen vnd die Todten.
Dis alles wird ordentlich in den Artickeln vnsers Christlichen Glaubens von
dem gantzen werck der Erlsung des Menschlichen geschlechts, die durch

|| [408]

den Herrn Christum waren Gott vnd Menschen geschehen ist,
ad Marginalie am linken Rand
erzelet,35 vnd
mssen alle diese Artickel, wie die wort fr sich lauten, one einige figur,
allegorien vnd deuteley verstanden werden. Weil aber in der einigen person
Christi die beide Naturn jre vnterschiedliche eigenschafften behalten haben,
(5)mus man dieses auch mit vleis betrachten,
ae Marginalie am linken Rand
das alles, was Christus erlitten hat
in seinem Leiden vnd Sterben, das hat er erlitten an der Menschlichen Natur
vnd nicht an der Gottheit, die da nicht leiden oder sterben kan.36 Vnd obwol
in solchem Leiden die Gttliche Natur sich jrer allmacht in dem Herrn Chris-
to so fern geeussert, || [15r:] das sie gleichsam geruhet vnd das Leiden vber
(10)den Leib vnd Seel, welche sie jr zu jrem eigenem Tempel gemachet, ergehen
lassen, jedoch so hat sie sich nicht getrennet oder abgesndert von der
Menschlichen Natur, sondern fest vnd vnzertrenlich an derselbigen gehalten
vnd sie widerumb am dritten tage aus dem Tod heraus gerissen vnd zum
ewigen leben erwecket.
(15)Ob auch wol die Menschliche Natur
af Marginalie am linken Rand
nach der Aufferstehung vnd Himelfart
verkleret vnd nicht allein die schwacheiten, denen sie zuuor vnterworffen
gewesen, abgeleget, sondern vber alle Himel zum ewigen Knigreich vnd
Priesterthum vnd zum Heubt der Kirchen Gottes, welches Christus ist in bei-
den Naturn, erhhet vnd fr sich selbst mit vnsterbligkeit, vnaussprechlicher
(20)Gttlicher – aber nicht von ewigkeit – vnendlicher weisheit, liecht, gewalt,
freude, ehre vnd herrligkeit, vber alle Engel vnd Menschen begabet vnd ge-
zieret worden, so ist sie dennoch warhafftige Menschliche Natur blieben vnd
hat die wesentlichen eigentschafften derselben an sich behalten vnd ist fr
sich weder vergttert noch der Gttlichen Natur an ewigkeit oder vnendlig-
(25)keit des wesens vnd andern Gttlichen eigenschafften gleich worden, son-
dern ist gewislich vnd warhafftig noch ein Fleisch von vnserm Fleisch vnd
ein Bein von vnserm Bein37 vnd wird auch vnsere leibe in der verklerung
ehnlich machen seinem verklertem leib, obwol in alle ewigkeit der vnter-
schied des Heubts vnd der Glieder bleiben wird.
(30) || [15v:]
ag Marginalie am linken Rand
Aus dieser bisher erzelten Lere von dem Ampt des Mitlers vnd von
der Menschwerdung des Herrn Christi sollen vnd mssen alle reden der
Schrifft von Christo verstanden vnd erkleret werden. Denn wenn die heilige
Schrifft von vnserm trewen Heiland vnd Erlser, dem Herrn Jhesu Christo
redet, so pfleget sie entweder von seiner Person nach vnterschied der Naturn
(35)oder von seinem Ampt vnd Beruff zu reden, darzu er in die Welt gesand ist.

|| [409]

Darumb stets
ah Marginalie am rechten Rand
vnterschiedlich in acht zu haben ist, w welche Sprche von
Christi Person, die warhafftiger Gott vnd Mensch ist, vnd welche von seinem
Ampt vnd Beruff reden. Jtem, welche Sprche vom wesen, eigenschafft vnd
wirckung jeder Natur in sonderheit, welche aber von dem werck der Erl-
(5)sung des Menschlichen Geschlechts vnd was zu solchem werck vnd zu sei-
nem Ampt vnd beruff gehret, reden, item Welche von dem stande der erni-
drigung vnd opffer des Herrn Christi vnd seiner erhhung vnd herrligkeit
reden, in die er durch sein Leiden vnd Sterben eingangen ist.w Denn von
allen diesen redet die Schrifft vnterschiedlich, klar vnd deutlich, menget
(10)nicht die eigentschafften der Naturn ineinander, schreibet nicht der Mensch-
lichen Natur in sonderheit zu, was der Gottheit ist vnd gehret, vnd wider-
umb schreibet sie nicht der Gottheit in sonderheit zu, was der Menschlichen
Natur eigenet, sondern was einer jeden Natur eigenschafft in sich hat vnd
begreifft, das schreibet sie zugleich zu der gantzen vnzertrenlichen Person,
(15)die Gott vnd Mensch ist, setzet aber offt darbey zur nachrichtung vnd erkle-
rung, nach welcher Natur solches der Person zugerechnet vnd zugeeignet
werde.
|| [16r:] Also redet sie anders von der ernidrigung Christi, weil er auff Erden
bis zu seinem Leiden vnd tode vnter den Menschen gewandelt, auff ein an-
(20)dere weise aber von dem Stand der erhhung. In sonderheit aber, soofft sie
vom gantzen Ampt Christi oder von dem gantzen werck der erlsung des
Menschlichen Geschlechts redet, beschreibet sie dasselbe als ein gemein
werck der gantzen Person vnd beider Naturn in dieser einigen Person zu-
gleich, darzu jedere Natur thut das jrige, daraus eine gemeine actio vnd
(25)wirckung wird.
ai Marginalie am rechten Rand
Aus diesen grnden hat die Christliche Kirche aus der heili-
gen Schrifft klaren, hellen vnd ffentlichen zeugnissen gewiesen, was man
von diesen hohen, wichtigen sachen fr art vnd weise zu reden brauchen sol.
Das ist recht, wenn man sagt: „Die Gttliche Natur in Christo ist allmechtig,
vnsterblich, vnendlich, vnbegreifflich, geistlich, ewig“, denn dieses sind jre
wesentliche, vnwandelbare eigentschafft. Also ists recht, wenn man sagt:
„Die Menschliche Natur in Christo ist fr der erklerung sterblich“, jtem „fr
vnd nach der erklerung entlich, sichtbar, begreifflich“. Denn dieses sind der
Menschlichen Natur eigenschafften, vnd werden solche reden verstanden
von jeder Natur in sonderheit, fr sich, das man in Schulen heisset „in abs-
(35)tracto“, nicht das man kndte die Naturn voneinander trennen, sondern das
auch in der Person der Herrn Christi, in welcher die beiden Naturn vereinba-
ret sind, eine jede Natur fur sich jre eigenschafften warhafftig behelt.
Gemeiniglich aber verwechselt man
aj Marginalie am rechten Rand
die eigentschafft beider Naturn also,
das, was einer jeden Natur in sonderheit eigent vnd gebret, man nicht den
(40)Naturn fur sich, sondern der Person zuschreibet, welches man in Schulen
nennet „in concreto“ reden, vnd haben || [16v:] diese weise zu reden die alten

|| [410]

Lerer genennet Communicationem Idiomatum, x das ist, ein solche art zu
reden, da die eigenschafft der einen Natur wird der gantzen Person zuge-
schrieben,x oder modum permutationis, τρόπον ἀντιδόσεως, y gleich als eine
verwechselung der eigenschafften beider Naturn, so auff die Person zu zihen
(5)sind,y als das man sagt: „Christus oder des Menschen Son ist Allmechtig, vn-
endlich“ etc. Jtem „Christus oder Gottes Son ist gestorben, begraben, wider
aufferstanden, die Jden haben den Herrn der Ehren gecreutziget, Gott hat
mit seinem Blut seine Kirche erlset.“ Solche reden zeigen auff die gantze
Person, in welcher die zwo vnterschiedene Naturn vnzertrenlich vnd vnzer-
(10)strlich vereiniget sein, vmb welcher vereinigung oder verbindung oder ver-
knpffung willen die eigenschafft, thun vnd leiden der einen Natur kan der
gantzen Person recht gegeben vnd zugeschrieben werden, gleichwie vom
Menschen, der auch zwo vnterschiedene vngleiche Naturn hat, eine ver-
nnfftige Seele vnd einen drfftigen leib, man recht sagen kan: „Der Mensch
(15)ist ein vernnfftige Creatur, der Mensch ist sterblich.“ Denn man sihet vnd
zeiget auff den gantzen Menschen,
ak Marginalie am linken Rand
nicht auff eine Natur in sonderheit. Wenn
man aber solche reden erkleren wil, mus man distinctiuam particulam, das
ist, eine solche determination oder vnterscheid darzu setzen, das man verne-
men knne, welcher Natur fr sich dieses eigene vnd gehre, das von der
(20)gantzen Person gesagt wird, als „Christus ist ewig“ mus erkleret werden,
nemlich nach der Gttlichen Natur, „Christus ist gestorben“, nemlich nach
der Menschlichen Natur. Denn solche reden, darinnen man von wegen der
Persnlichen vereinigung die eigentschafften, so nicht beiden Naturen zu-
gleich, sondern einer jeden fur sich vnd in sonderheit gebren, der || [17r:]
(25)gantzen Person zuschreibet, haben nicht diesen verstand, als msten sie nach
beiden Naturen von Christo gesagt werden. Denn weil man hie von eigen-
schafften der Naturn, nicht von dem Ampt Christi redet, were es nicht recht
gesagt, so man sprechen wolt: „Christus ist nach beiden Naturen ewig vnd
vnendlich“. Jtem „Christus ist nach beiden Naturen gestorben, aufferstan-
(30)den“ etc. Wie es auch nicht recht ist, wenn man sagen wolt: „Die Gttliche
Natur in Christo ist gemartert, ist gestorben“. Denn was der Menschlichen
Natur eigen ist, das reimet sich auff die Gttliche gar nicht, kan auch dersel-
ben fr sich nicht zugeeignet werden.
al Marginalie am linken Rand
Vnd herwiderumb ist auch nicht recht,
so man sagen wolt: „Die Menschliche Natur in Christo ist vnendlich, all-
(35)mechtig, ewig“ etc. Denn was der Gttlichen Natur wesentliche eigenschafft
ist, das reimet sich auff die Menschliche erschaffene Natur auch nicht vnd
sol vnd kan jr darumb nicht zugeeignet werden, gleichwie von dem Men-
schen diese Reden nicht recht sind: „Der Leib ist vnsterblich, der Leib ist
vernnfftig“ oder herwider: „Die Seele des Menschen ist sterblich, die Seele
(40)des Menschen ist eine vnuernnfftige Creatur“. Denn die wesentliche eigen-

|| [411]
-
schafften der Seelen vnd des Leibes im Menschen werden auch nicht mitein-
ander vermenget, sondern ein jedere behelt die seinigen vnuermischt.
Diese gantze Lere von der art vnd weise von den eigenschafften beider Na-
turn in Christo zu reden, so man Communicationem Idiomatum nennet, hat
(5)die alte Kirche darumb so mit grossem vleis vnterschiedlich vnd klar gefas-
set, das man aus den Reden in concreto, so zugelassen vnd gebreuchlich
sind, die einigkeit der Person, aus den Reden aber in abstracto, darinnen die
eigenschafft einer Natur der andern gegeben wird, welche von der Kirchen
verworffen vnd nicht zugelassen sind, || [17v:] den vnterscheid der Naturn er-
(10)kennen vnd behalten mge. Denn so es recht solte gesagt sein: „Die Mensch-
liche Natur in Christo ist ewig, ist allmechtig, ist vnendlich, ist geistlich“ etc.
oder: „die Gttliche Natur in Christo hat einen anfang zu gewisser zeit, ist
endlich, ist sterblich“ etc., so wrden alsbald die Naturn vnd derselben ei-
genschafften miteinander vermenget vnd kndte man nicht vernemen, wie in
(15)der Person eine jede Natur jre wesentliche eigentschafft erhielte. Dargegen
aber, so man die Reden in concreto nicht zulassen solte, wrde man nicht
knnen die einigkeit der Person erkennen, als, so es nicht solte recht gesagt
sein: „Gottes Son ist geboren von der Jungfrawen, Gott ist gecreutziget, ge-
storben, aufferweckt“, so wrde bald folgen, das die Gttliche Natur mit der
(20)Menschlichen nicht persnlichen vereiniget were gewesen vnd das ein ande-
rer Son were Gottes Son, ein anderer Mariae Son. Wrde also kein vnter-
scheid knnen geweiset werden zwischen Christo vnd zwischen Elia oder
andern Heiligen, in denen Gott auch wonet, aber nicht persnlich. Jtem man
wrde nicht knnen recht erkleren, was fr vnterscheid were zwischen den
(25)Reden: „Christo patiente patitur Deus“, z „Wenn Christus leidet, so leidet
Gott“,z et: „Iohanne Baptista patiente patitur Deus“ aa Vnd „wenn Johannes
der Teuffer
leidet, so leidet Gott.“a Jtem es wrde alsbald der zweiuel mit
einfallen, wie man Christum recht anruffen solte oder, wie man es sonst aus-
frlichen anderswo erkleret,38 an vna adoratione adorandus sit Filius etc.,
(30)ab wie man den Herrn Christum recht vnd warhafftig solle anruffen.b
Gleichwie es aber ein anders ist,
am Marginalie am rechten Rand
von den eigentschafften der Naturn in
Christo zu reden, ein anders von seinem Ampt, also hat Communicatio Idio-
matum vnd derselbigen vnterschiedliche erklerung jren ort vnd stelle, || [18r:]
soofft man von den eigenschafften der Naturn in concreto redet, da man zur

|| [412]

erklerung alsbald die determination oder distinctiuam particulam, ac das ist,
nach welcher Natur es geredet werde,c verstehen mus, auff das die Naturen
nicht ineinander gemenget, sondern vielmehr vnterschieden behalten vnd
erkleret werde, nach welcher Natur solche eigenschafft der Person zuge-
(5)schrieben sey worden. Jn den Reden aber von dem Ampt Christi schreibet
man das gemeine werck der gantzen Erlsung vnd seligmachung des
Menschlichen Geschlechts zu der Person Christi nach beiden Naturn. Denn
eine Natur hat nicht allein die Erlsung ausgerichtet: Die Gttliche Natur hat
vns nicht allein erlset, die Menschliche Natur hat vns auch allein nicht erl-
(10)set, sondern auff das die Erlsung ausgerichtet wrde, ist Gottes Son nach
dem heimlichen, verborgenem Rat der heiligen Dreyfaltigkeit Mensch ge-
worden. Darumb diese Reden recht sein: „Christus ist vnser Hoherpriester,
vnser Knig, vnser Mittler, vnser Erlser“ etc. nach beiden Naturen, nemlich
nach der Gttlichen vnd nach der Menschlichen Natur. Denn diese Reden
(15)sind eine beschreibung des Ampts vnd des Beruffs des Herrn Christi, wel-
chen der Herr Christus ausrichtet durch beide Naturen, also das ein jede
Natur das jrige darbey thue.
Nicht werden durch diese Reden die vnterschiedliche wirckungen, thun oder
leiden einer jeder Natur auffgehaben, sondern weil zu verrichtung des Ampts
(20)eines Erlsers vnd Mitlers die zwo Naturen vnzertrenlich, aber doch vnzer-
strlich in Christo miteinander vereiniget sind, wircket die gantze Person
nach beiden Naturen. Aber es wird aus beider Naturen vnterschiedlichen
wirckungen ein gemeines werck der Erlsung, welchs Christus als Gott vnd
Mensch ausrichtet. Wenn man nu sagt: „Christus hat vns von Snde vnd To-
(25)de erlset“, || [18v:] ist es wol an dem, das Christus nicht nach der Gttlichen
Natur gestorben, sondern allein nach der Menschlichen, jedoch verwilligetad
Gttliche Natur in diesen allertieffesten gehorsam vnd im Leiden erhelt sie
die Menschliche Natur vnd vberwindet den Tod, vnd ist das verdienst oder
die Erlsung, so durch das Leiden vnd Sterben dem Menschlichen Ge-
(30)schlecht erworben ist, der gantzen Person werck vnd gebret Christo nach
beiden Naturen. Eben also ist es auch mit den andern wercken, so zum Ampt
Christi gehren,
an Marginalie am linken Rand
vnd also sol man auch halten von den Wunderwercken
Christi, die da zeugnis sind seines Beruffs vnd Ampts, als das er Todten
aufferwecket, das er die Blinden sehend machet etc. Denn auch diese Wun-
(35)derwerck werden Christo recht zugeschrieben nach beiden Naturen, also das
Christus die Wunderwerck zu bestetigung seiner Person vnd Ampts in bei-
den Naturen verrichte. Nicht thut die Menschliche Natur fr sich selbst die
Wunderwerck, obwol in vnd durch die sichtbare Menschliche Natur die
Gttliche jre allmechtige krafft scheinen vnd leuchten lesset: als in er-
(40)weckung Lazari ruffet wol Christus dem Verstorbenen mit Menschlicher

|| [413]

stim, aber die krafft, darmit der Todte widerumb lebendig gemacht, ist eine
wirckung der Gttlichen Natur in Christo.39 Gleichwol ist die erweckung La-
zari ein gemeines werck, wie beide Naturn in Christo eine Person sind, vnd
nennen die alten Lerer solches gemeines werck ἀποτέλεσμα oder ἐνέργειαν
(5)θεανδρικὴν, ae als ein werck, darzu beider Naturn vnterschiedene wirckung
komen.e40
Weil aber zu vnser zeit
ao Marginalie am rechten Rand
von vielen in sonderheit Disputationes vnd grosses
gezenck getrieben werden von der Maiestet der Menschlichen Natur in
Christo vnd jr viel vnter dem Namen der Maiestet solche ding Christo nach
(10)der Menscheit zuschreiben, die da sind eine zerst- || [19r:] rung vnd vernichti-
gung der Menschlichen Natur Christi, ist vonnten, das daruon auch, was der
heiligen Schrifft vnd der rechtgleubigen Kirchen eigentliche meinung sey,
krtzlich vnd auff einmal beysamen angezeigt werde: Nicht ist die Mensch-
liche Natur Christi Gott selber worden. Denn sie ist nicht in die wesentliche
(15)Gttliche Natur verendert, ist auch derselben nicht gleich gemacht worden,
wie der Son Gottes von ewigkeit nach seiner Gttlichen Natur dem Vater
gleich gewesen ist, ist nicht gleich ewig, allmechtig, vnendlich oder gleich
allenthalben gegenwertig, hat nicht alle wirckung vnd krafft der ewigen
Gttlichen Natur, sondern sie hat sunsten neben jmerdar bleibenden jren
(20)eigenschafften jre eigene, wunderbare, hohe vnd grosse herrligkeiten fr
allen vernnfftigen Creaturn, beides, vor vnd nach der verklerung:
Erstlich,
ap Marginalie am rechten Rand
das der ewige vnd eingeborne Son Gottes diese angenomene
Menschliche
aq Marginalie am rechten Rand
Natur jme selbst zueignet vnd die mit seiner Gttlichen Natur
in eine Person vnzertrenlich vnd vnzerstret vereiniget, tilget vnd hebet nicht
(25)auff jr wesen vnd eigenschafft, trennet vnd sondert sich von jr nimermehr in
alle ewigkeit. Solche herrligkeit ist keinem Engel widerfaren noch vnter dem
Menschlichen Geschlecht keinem Heiligen, wird auch keinem Engel noch
Heiligen in ewigkeit nimermehr widerfaren. Denn obwol auch Engel vnd
Menschen Gottes Tempel vnd Wonung sein, so vereiniget sich doch Gott mit
(30)keinem in eine vnzertrenliche Person. Daher man || [19v:] auch nicht sagen
kan, Abraham, Jsaac, Jacob, Elias, Paulus ist Gott, obwol Gott in jnen wonet.
Auch kan man nicht sagen, das in der einigen Person Pauli sind zwo Naturen
vereinbaret, die Gttliche vnd Menschliche.41 Denn wiewol Gott der Herr in
diesem Leben also in den Heiligen wonet, das er sie nicht allein erhelt, son-
(35)dern auch erleuchtet, heiliget, regieret, in jnen wircket vnd durch sie viel

|| [414]

treffliche Wunderwerck thut, jedoch ist er bey vnd mit den Heiligen in die-
sem leben nur per assistentiam oder auxilium, af durch seine gegenwertige
hlffef vnd separabiliter, ag das er sie verlassen kan, ob er wol nach seinem
Gttlichen willen bey jnen bleibet,g solang sie sich von jm regieren lassen,
(5)ah obwol auch Gotth in dem zuknfftigen ewigen Leben in jnen alles in allen
sein wird one auffhren vnd one ende, wird sie auch nimermehr verlassen
oder von jnen weichen, dennoch wird er sich als denn auch nicht mit jnen in
eine wesentliche Person vereinigen oder verbinden.
Aber allein diese angenomene Menschliche Natur hat der Son Gottes jm also
(10)zugeeignet, das er sich zu ewigen zeiten von jr nicht absondert, sondern sie
persnlichen oder in persnlicher einigkeit treget. Vnd ob er wol seine Gtt-
liche, ewige, vnendliche eigenschafft jr nicht realiter oder wesentlich ein-
geust, welches den vnterschied der Naturn gantz auffheben vnd zustren
wrde, jedoch ist er mit allen seinen wesentlichen eigenschafften mit jr vn-
(15)zertrenlich vereiniget, also, das man recht saget vnd warhafftig gleubet:
„Gott ist Mensch vnd Mensch ist Gott“ oder „der Mensch Christus ist Gottes
Son“ || [20r:] vnd herwiderumb: „des Menschen Son ist Gottes Son“, item „in
Christo ist nicht allein Menschliche, sondern auch Gttliche Natur eine eini-
ge Person.“ Dis ist ja die hchste Maiestet der Menschlichen Natur Christi,
(20)die keiner andern Creaturn kan zugeschrieben werden. Vnd wiewol durch
die Persnliche vereinigung nicht eine vergleichung oder exaequation der
beiden vngleichen Naturn worden, auch die Menschliche Natur nicht in ein
ewige, allmechtige vnd vnendliche Natur verwandelt ist, so folget doch
darumb nicht, das dem Menschen Christo nichts oder allein ein blosser Na-
(25)me vnd Titel hierdurch gegeben werde,42 gleichwie nicht folget, das Adam
keine vernnfftige Creatur sey, weil der Leib Adae der Seelen nicht gleich
gemacht ist. Denn eben darumb vbertrifft Adam alle sichtbare Creaturn, das
jm Gott die vernnfftige Seele gegeben hat vnd das Seel vnd Leib eine Per-
son ist, obwol die eigentschafft der Seelen nicht dem Leibe, vnd des Leibes
(30)eigenschafft nicht der Seelen geben werden.43

|| [415]

Zum andern ist dis auch
ar Marginalie am rechten Rand
der angenomenen Menschlichen Natur in Christo
frtreffliche Ehre vnd Herrligkeit, das dieser Mensch Christus mit dem Son
Gottes zugleich von allen Creaturn, von Engeln vnd Menschen, angebetet
vnd angeruffen wird vna λατρείᾳ oder vna et eadem adoratione, ai mit der
(5)gantzen Person einiger anruffung,i wie man in der alten Kirchen bescheident-
lich dauon geredt hat vnd die alten Geseng bezeugen: „Quem adorant angeli,
archangeli, dominationes, throni, potestates“ etc., aj „welchen anbeten die
Engel, Ertzengel, Herrschafften, Thro- || [20v:] nen, gewalt“44 etc.j Nicht wird
die Menschliche Natur, die fr sich selbst eine Creatur ist vnd bleibet, allein
(10)angebetet vnd die Gttliche Natur auch allein vnd vnterschiedlich. Denn
solche coadorationem hat die alte rechtgleubige Kirche vmb hoher vrsachen
willen verworffen, vnd gebret keiner Creaturn fur sich, sie sey mit Gaben
so hoch als jmermehr mglich gezieret, das sie als ein Gott oder Gttliches
wesens geehret vnd angebetet werde, weil geschrieben stehet: „Du solt Gott
(15)deinen Herrn anbeten vnd jm allein dienen.“45
Weil aber die Gttliche Natur des Sons Gottes die angenomene Menschliche
Natur jr also vereiniget hat, das sie dieselbige zu jrem eigenem Tempel ge-
macht hat vnd Persnlichen treget vnd mit jr eine Person ist, so ist vnsere
anruffung, so wir Christo erzeigen, nicht zu trennen noch voneinander zu
(20)reissen, auch vnser Hertz vnterm Gebet nicht jrre vnd zweiuelhafftig zu
machen, das wir mit gedancken die Menschliche Natur von Christo, den wir
anbeten, absondern vnd auff ein andere weise seine Gttliche Natur, auff ein
andere weise aber seine Menschliche Natur ansprechen oder anruffen wol-
ten, sondern mit einem Gebet ruffen wir zugleich vnd miteinander an den
(25)einigen Christum, weil er ein einige Person ist aus zweien Naturen. Sihet
also die ehre der anruffung oder anbetung Christi nicht auff diese oder auff
die andere Natur, sondern auff die Person, in welcher beide Naturn vnzer-
trenlich vnd vnzerstrlich vereiniget sind.46
|| [21r:]
as Marginalie am rechten Rand
Zum dritten gehret zur Maiestet des Menschen Christi, das jm alle
(30)eigentschafft der Gttlichen Natur in der form vnd weise, wie die alte Kirche
stets einhellig geredt, nemlich in concreto, zugeschrieben vnd herwiderumb
alles, was der Menscheit geschehen oder widerfaren ist, dem Son Gottes

|| [416]

selber gegeben vnd zugeschrieben wird. Welches denn auch aus der wnder-
lichen, vnaussprechlichen vnd vnbegreifflichen vereinigung der zweien
Naturn in dieser einigen vnd vnzerteilten Person folget. Denn du kanst war-
hafftig sagen: „Der Mensch Christus ist allmechtig, vnendlich, ewig, allent-
(5)halben, Schepffer Himels vnd der Erden, dem ewigen Vater gleich“, obwol
solche eigentschafft Christo nur nach seiner Gottheit gebren. Also kanstu
sagen: „Der Son Gottes ist aus Maria geboren, ist auff Erden gegangen, ist
von den Jden gecreutziget, ist gestorben“, obwol solches Christo nach der
Menscheit allein gebret, vnd ist ein vnaussprechlicher vnterscheid zwischen
(10)den Reden: „Wenn Christus leidet, so leidet Gott“, vnd „so die Heiligen
Gottes leiden, leidet Gott“, denn wenn Johannes der Teuffer oder ein ander
heiliger Mensch leidet, ist wol Gott bey vnd in jm, stercket vnd trstet jn,
vnd das leiden Johannis gereichet zur schmach Gott dem Herrn, wie sonst
ein Herr geschmeht wird, wenn sein Diener verletzet ist. Aber doch ist das
(15)leiden vnd der Tod Johannis des Teuffers einer Person, die da nicht wesent-
lich Gott ist. Wenn aber Christus, Gott vnd Mensch, leidet, wird viel auff ein
ander weise das leiden Gott zugeschrieben. Denn diese Person leidet, welche
wesentlich || [21v:] vnd warhafftig Gott ist. Also haben die Apostel, wenn sie
Christum gesehen vnd gehret, recht sagen knnen, das sie nicht allein einen
(20)purlautern47 Menschen, sondern zugleich den waren natrlichen Son Gottes
gesehen. Denn obwol jre Augen nicht reichen an die Gottheit, so fr sich
vnsichtbar ist, so haben sie doch leibhafftig den Menschen gesehen, mit wel-
chem sich der Son Gottes vereinbaret vnd mit dem er eine Person ist.
Zum vierdten ist dis auch
at Marginalie am linken Rand
der Menschlichen Natur Christi hohe vnd frtreff-
(25)liche Ehre, das der Son Gottes mit vnd in derselbigen das gantze werck der
Erlsung des Menschlichen Geschlechts ausgerichtet. Denn zu diesem ende
ist die persnliche vereinigung beider Naturn geschehen, auff das der Wei-
bessamen, der sich in die Ferssen stechen lesset, der Schlangen jren Kopff
zurtrete,48 das ist, auff das der Son Gottes in Menschlicher Natur fr die
(30)Menschen leiden vnd sterben kndte vnd des Teuffels werck, Snde vnd
Tod zerstre. Derwegen die Menschliche Natur in Christo warhafft ist teil-
hafftig worden alles Siegs, aller Victorien vnd Triumph des Sons Gottes, das
sie billich gerhmet vnd gepreiset wird, als die das Reich des Snden vnd
des Todes zunicht machen vnd die erlsung des Menschlichen Geschlechts
(35)stifften vnd volbringen hat helffen, vnd gehret hierzu auch, das der Tod vnd
das gantze Leiden der Menschlichen Natur in Christo einig vnd allein ist das
Versnopffer, gnugsame bezalung vnd Lsegelt fr die Snde der gantzen

|| [417]

Welt vnd das sein || [22r:] Fleisch ist „caro viuifica“, ak ein „lebendmachendes
Fleisch“,k49 welches der Welt das leben bringet.
Zum fnfften ist nach verrichtung
au Marginalie am rechten Rand
der erlsung des Menschlichen Ge-
schlechts eben diese Menschliche Natur sampt der Gttlichen zur rechten des
(5)Himlischen Vaters gesetzt, das ist, zu dem stetwerenden Priesterlichen vnd
Kniglichen Ampt erhhet. Denn nachdem der Mensch Christus gen Himel
gefaren, ist er nicht nur also im Himel, wie die Engel vnd auserwelten auch
im Himel sind vnd das Angesicht Gottes teglich anschawen vnd leben vnd
freud in Gott haben, sondern er ist zum Heubt der Kirchen gesetzet, welche
(10)ist sein Leib vnd flle, vnd gehet fr vnd fr in des Vaters allerheimlichsten
Rat vnd Schos, weis vnd verstehet das Hertz vnd Willen des Vaters, vertrittet
vnd verbittet seine Kirche vnd alle gleubigen, bedeckt vnd vberschatet sie
mit seines tewren Blutvergiessens vnd gantzen gehorsams verdienst, scht-
zet, stercket, bewaret, errettet sie wider aller Hellen pforten, gewalt, grim,
(15)zorn vnd wten, gibet den heiligen Geist denen, die jn anruffen, spricht
lebendigen trost vnd friede in die hertzen in allen nten vnd betrbnis, erhelt
das Predigampt seines Worts vnd der Sacrament vnd wircket dardurch kreff-
tiglich vnd gibet ewiges Leben, Seligkeit vnd freude, auch mitten in dem
Tode. Diese Ehre, krafft vnd wirckung kan sonst auch keinem Engel oder
(20)Menschen zugeschrieben werden, obwol die Menschliche Natur Christi sol-
che werck nicht fr sich allein ausrichtet, sondern der gantze Christus, Gott
vnd Mensch, nach beiden vnterschiedlichen Naturn sein || [22v:] Knigreich
vnd Priesterthum fret, darzu eine jedere Natur jtzund wie vorhin das jre
thut.
(25)Zum sechsten:
av Marginalie am rechten Rand
Gleichwie aber diese bisher erzelte Maiestet vnd frtreffent-
liche, wunderbare, vnaussprechliche herrligkeit der Menschlichen Natur
Christi vmb der Persnlichen vereinigung willen gegeben werden, also hat
die Menschliche Natur auch fr sich selber jre snderliche praerogatiuas vnd
herrliche vorzge fr allen andern Menschen,
aw Marginalie am rechten Rand
vnter denen ist die erste, das
(30)alle andere Menschen von Adam vnd Eua an natrlicher weise geboren wer-
den aus beywonung Mannes vnd Weibes, aber der Mensch Christus ist einer
Jungfrawen Kind, one Mannes Samen durch den heiligen Geist entpfangen
vnd geborn.50 Die andere ist,
ax Marginalie am rechten Rand
das Christus auch nach seiner Menschlichen
Natur allein heilig vnd one Snde ist von Mutterleibe an, so doch alle andere
(35)Menschen, die von Vater vnd Mutter geboren werden, in Snden gezeuget
vnd, weil sie hie auff Erden leben, die sndliche Natur an sich tragen ms-
sen.51 Die dritte ist,
ay Marginalie am rechten Rand
das die Menschliche Natur die flle aller gaben des heili-
gen Geistes hat, so doch andere heiligen nur etliche vnd dieselbige mit

|| [418]

geordenter mas haben.52 Die vierde ist,
az Marginalie am linken Rand
das in sonderheit nach der Aufferste-
hung vnd Himelfart die Menschliche Natur Christi gantz herrlich verkleret
vnd gesetzt worden ist vber alle Creaturn vnd mit vnsterbligkeit, hohem
Liecht vnd Weisheit, mit vnaussprechlicher, vnbegreifflicher Macht, gewalt,
(5)sterck, freude vnd was nur fr hohe, furtreffliche gaben knnen genennet
werden, weit hher geziret ist als alle Creaturn.
|| [23r:]
ba Marginalie am linken Rand
Aber diese herrligkeiten der Menschlichen Natur in Christo, die sie in
oder fr sich selber entpfangen hat, welche nicht allein numero, das ist, an
der zal, sondern auch gradibus oder an der hoheit aller Engel vnd auserwel-
(10)ten Menschen gaben vbertreffen, mssen dennoch snderlich angesehen vnd
vnterschieden werden von den wesentlichen eigenschafften der Gttlichen
Natur, in denen Christus eines thuns vnd wesens ist vnd bleibet mit dem ewi-
gen Vater, wie er nach der Natur vnd eigenschafften der Menscheit eines we-
sens mit vns ist vnd fr vnd fr sein wird, wenn er vnsere sterbliche leib
(15)aufferwecken vnd dieselbe seinem herrlichen leibe gleichfrmig machen
wird. Denn gleichwie das wesen der Creaturn vnd des Schepffers vnd die
gaben, die entweder in der Erschaffung den vernnfftigen Creaturn oder in
sonderheit durch die heiligung der Newgebornen Menschen in diesem vnd in
dem ewigen Leben mitgeteilet werden, nicht sollen noch knnen vermenget
(20)werden mit den eigentschafften Gttlicher Natur, also sind die grossen vnd
hohen Gaben vnd herrligkeiten, so die Menscheit Christi in vnd fr sich
selbst one mas entpfangen hat vor vnd nach der verklerung, dennoch nicht
ewige, vnendliche eigentschafften der Gttlichen Naturn zu nennen, vnd mus
in der Person Christi in alle ewigkeit die Gttliche Natur, welche vnendlich
(25)ist vnd alles geschaffen hat, von der Menschlichen Natur, welche endlich
vnd erschaffen ist, vnd darneben die eigentschafften der Gtlichen Natur als
ewigkeit vnd vnendligkeit des wesens, allmacht, allwissenheit etc. von den
Gaben, so der || [23v:] Menschlichen Natur in Christo mitgeteilet sind, mit
vleis vnterschieden werden. Denn die vnendlichen wesentlichen eigent-
(30)schafften, welche einen vnterscheid machen zwischen dem Schepffer vnd
den Creaturn, teilet Gott keinem Geschepff mit also, das es dieselbe an sich
habe oder darmit jm gleich werde, knnen auch keiner Creatur zugemessen
werden, es sey denn, das die Substantz vnd wesen derselben vnendlich
gemacht vnd also aus der zal der Creaturn gesetzt werde.53
(35)Vnd gilt hie nicht,
bb Marginalie am linken Rand
das etliche frgeben, man knne dem Herrn Christo nicht
zu viel geben.54 Denn darauff ist dis die gewisse, vnwidersprechliche Ant-
wort: Man sol den Herrn Christum erkennen vnd halten, wie er sich geoffen-
baret hat vnd wie er wil von sich nach seinem Wort gehalten haben. Also

|| [419]

aber hat er sich geoffenbaret vnd also wil er von sich gehalten haben, das, ob
er wol ein ewiger warhafftiger Son Gottes ist, von ewigkeit vom Vater ge-
born, eines thuns vnd wesens, gleicher gewalt vnd Ehre mit dem ewigen Va-
ter, so hab er sich doch des elends vnser armen, verlornen, verdampten
(5)Menschen also erbarmet vnd angenomen, das er nicht allein mit einer dem-
tigen furbitt bey seinem ewigen Vater fr vns gebeten vnd auff sich den
Zorn Gottes vnd Fluch des Gesetzes geladen, sondern auch sich endlich so
tieff ernidriget hat, das er Knechtsgestalt vnd vnser armes Fleisch vnd Blut
mit allen seinen eigenschafften vnd schwacheiten one Snde an sich geno-
(10)men hat vnd vns, seinen Brdern, durchaus vnd in allem, ausgenomen die
Snde, gleich worden vnd in der angenomenen volkomenen Menschlichen
Natur hie auff Erden, da er vnschldig gewesen, vnsere schuld vnd Snde
getragen, fr dieselbige gnug gethan, den Zorn Gottes gestillet, den || [24r:]
Fluch des Gesetzes, die Snde, den Tod hinweg genomen, den Teufel vber-
(15)wunden, die Helle zerstret durch sein bitter leiden vnd sterben vnd durch
seine frliche Aufferstehung vnd Himelfart vnd wil in demselben vnserm
Fleisch vnd Blut vnser Bruder sein vnd bleiben, sich vnser annemen, so wir
vns durch waren Glauben auch sein annemen vnd an jm fest halten werden,
vnd ob wir wol den zeitlichen Tod vmb der hinderstelligen Snde willen er-
(20)dulden vnd ertragen mssen, so wil er doch vns am Jngsten tage von
Todten aufferwecken, wie er durch die krafft seiner Gttlichen Natur seinen
todten Leib aufferwecket vnd Seel vnd Leib widerumb zusamenbracht vnd
vereiniget hat, vnd wil vns auch mit newen verklerten Leiben bekleiden, die
seinem herrlichen Leibe sollen gleichfrmig sein,55 vnd wil vns bey sich in
(25)ewigkeit behalten vnd ewiges Liecht, Gerechtigkeit, freude vnd heiligkeit
mitteilen.
Dis ist die warhafftige Lere
bc Marginalie am rechten Rand
von der Menschwerdung vnsers Herrn vnd Hei-
lands Jhesu Christi, welche vns der Herr Christus selbst vnd die heiligen
Aposteln geleret, derselben Discipel vnd Zuhrer vnd die jnen nachgefolget
(30)haben, fortgepflantzet, die bewerten Concilia, sonderlich Nicaenum, Ephesi-
num, Chalcedonense, Constantinopolitanum, wider die Ketzer erstritten, die
Christlichen Keiser durch ffentliche edicta vnd Befehl bestetigt, die heili-
gen Merterer mit jrem Blut versiegelt, die Kirchen in Graecia vnd die Rmi-
sche Kirche, was den gantzen Artickel anlangt von der Person Christi, bis
(35)auff diese zeit in die funffzehenhundert jar stet vnd fest erhalten vnd vnsere
Praeceptores in dieser Schulen vnd Kirchen allezeit widerholet haben. Des-
sen wollen wir zu diesem mal nur etliche wenig gezeugnis, beweisung vnd
erklerungen fr den gemeinen Man anzihen, bis so lang durch Gottes gnade
ausfrlicher vnd weitleufftiger be- || [24v:] richt in Latinischen Schrifften hier-

|| [420]
-
uon sampt grndlicher widerlegung der vernewerten jrthum, wo je vnsere
Samariter56 nicht ruhen wllen, von vns geschehe.57

Zeugnis der heiligen Schrifft von der vereinigung beider Naturn in
Christo vnd andern Artickeln, so derselben anhengig sind.


(5)Zum ersten stehen da die klaren, hellen vnd deutlichen Sprche der Schrifft,
auff welche sich alle Christlicher Lerer zu allen zeiten beruffen haben:
bd Marginalie am linken Rand
Denn
also beschreibet der Euangelist vnd Apostel Johannes das hohe,al vnaus-
sprechliche werck der Menschwerdung des ewigen Sons Gottes sampt der
snderlichen vmbstende, in was jamer, elend vnd schwacheit er nach der
(10)Menschlichen Natur geboren sey: „Das Wort“, spricht er, „ward Fleisch“.58
Nu ist es aber gewis vnd wird anderswo weiter ausgefret,
be Marginalie am linken Rand
das „das Wort“
hie nicht einen vergenglichen gedancken, frsatz oder rede, die bald auffh-
ret vnd verschwindet, sondern eine wesenthaffte, lebendige, verstendige Per-
son heisse. Denn wo es nicht eine Person were, wie kndte er eine andere
(15)Natur an sich nemen? Das aber diese Person eine Gttliche Person vnd von
art vnd Natur vnd allen eigenschafften Gott selber sey, aber doch von Gott
dem Vater vnterschieden, hat zuuor der Euangelist gnugsam erweiset vnd
erkleret er sich selbst bald hernach, das er von der andern Person der Gott-
heit rede, nemlich vom Son Gottes, da er sagt: „Wir sahen seine herrligkeit
(20)als des eingebornen vom Vater.“59
|| [25r:]
bf Marginalie am linken Rand
„Fleisch“ aber heisset hie den gantzen Menschen, der Leib vnd Leben
vnd eine vornnfftige Seele hat vnd darneben allerley gebrechligkeit, drff-
tigkeit vnd sterbligkeit vnterworffen ist. Denn Johannes hat mit sonderm
bedencken dieses wort brauchen wllen, nicht allein die gantze vnd volko-
(25)mene Menschliche Natur, sondern auch alle Menschliche bldigkeit, schwacheit, elend, jammer vnd not, doch one snde vnd vnordnung, damit
anzuzeigen, wie auch Esaias also redet: „Alles fleisch ist Hew“,60 vnd der

|| [421]

achte Psalm brauchet das wort „Enosch“,61 welches nicht schlecht62 bedeutet
einen Menschen, sondern einen solchen Menschen, der grosse schwacheit,
jammer vnd elend auff sich hat.63
„Werden“ oder „factum esse“ oder,
bg Marginalie am rechten Rand
wie es im Griechischen stehet, ἐγένετο,
(5)erkleret S. Paulus also, das nicht eine verwandlung oder vermischung der
Naturn, sondern eine annemung der Menschlichen natur dardurch zu vorste-
hen sey. Denn also spricht er Hebre. 2: „Er hat nicht die Engel, sondern
Abrahae Samen angenomen“,64 nennet Abrahae Samen, das der Euangelist
hie Fleisch heisset, vnd weil Abraham vnd alle seine Nachkomen, denen die
(10)verheissung von Christo geschehen, leib vnd leben vnd eine vernnfftige
Seele gehabt haben, wird eben hiedurch des Euangelisten wort erkleret vnd
angezeigt, das durch Fleisch nicht allein der Leib vnd das leibliche Leben,
sondern auch die vernnfftige Seele sol verstanden werden. Das aber hie der
Euangelist nennet „Werden“, vnd zwar S. Paulus selbst Galat. 4: „Gott
(15)sandte seinen Son in der flle der zeit“, factum ex muliere, „geworden oder
geboren vom Weibe“,65 das heisset er vmb mehrer erklerung willen „ anne-
men“, wie er solches wort auch Philip. 2 widerholet: „Er name Knechtsge-
stalt an sich.“66
Aus dieser einfeltigen erklerung jeder wort in son- || [25v:] derheit folget gewis-
(20)lichen dieser rechte vnd grndliche verstand
bh Marginalie am rechten Rand
der kurtzen vnd hohen rede S.
Johannis: „Das Wort ward fleisch“, das der ewige vnd Allmechtige Son
Gottes, der im anfang war, warhafftiger Gott mit dem Vater vnd doch ein
vnterschiedene Person vom Vater, durch den die Welt geschaffen, der von
anbegin durch sein Wort vnd verheissung den armen Menschen liecht
(25)vnd leben widerbracht vnd durch seine Lerer vnd Prediger in der Welt jm ein
eigenthum vnd Kirchen gesamlet vnd zu allen zeiten denen, die jn angeno-
men, macht vnd recht gegeben hat, Gottes Kinder zu werden.67 Dieser hat
entlich nach laut vnd inhalt der von jm gegebnen verheissung68 vollkmliche
Menschliche natur mit aller schwacheit, drfftigkeit vnd sterbligkeit, wie
(30)andere Menschen, an sich genomen, doch one Snde, also das er hinfurt vnd

|| [422]

in alle ewigkeit zugleich Gott vnd Mensch ist vnd bleibt vnd das doch nicht
zwo, sondern eine Person vnd ein Christus Gottes Son vnd Mariae Son sey,
nicht zween Sne, vnd das dennoch zwo vnterschiedene Naturn sein, dere
ein jede jre eigenschafft vnzerstrlich in dieser einigen vnzertrenlichen
(5)Person erhelt.
Denn weil S. Paulus
bi Marginalie am linken Rand
zur erklerunge dieses Geheimnis das Wort „Annemen“
brauchet,69 mus man das wort „werden“ap oder factum esse nicht verstehen,
als sey das Wort zuuor kein selbstendig vnd persnlich wesen oder sey ein
schlecht blosser vnd lerer gedancken vnd Idaea gewesen vnd hab erst sein
(10)substantz vnd Persnlich selbstendigkeit bekomen in Mariae Leib. Auch mus
man es nicht also verstehen, das die Gttliche natur des ewigen Sons Gottes
dazumal auffgehret vnd in die menschliche
bj Marginalie am linken Rand
Natur vorwandelt sey, als wenn
man saget: „Das Wasser in der Hochzeit zu Cana ist Wein worden“,70 damit
angezeigt wird, das das Wasser sein wesen vnd natur verloren vnd zum
(15)natrlichen Wein geworden oder in die || [26r:] substantz vnd Wesen des
Weins vorwandelt sey. Dieses leidet sich keinesweges also von der Gttli-
chen natur zu verstehen, welche jrem wesen vnd eigenschafft nach vnwan-
delbar ist. Derwegen man nicht dencken sol, das Gottes Son also Mensch
worden sey, das er sey in Fleisch oder Menschliche natur vorwandelt, son-
(20)dern der ewige Son Gottes, wie er zuuor von ewigkeit eine volkomene selb-
stendige Gttliche Person ist, also ist er auch Gott nach seiner Menschwer-
dung blieben.71 Herwiderumb sol man auch nicht dencken, das die Mensch-
liche natur in die Gttliche verwandelt oder mit jren eigenschafften von der
Gttlichen natur verzeret sey, als wenn ein trpfflin Wasser ins Fewer gegos-
(25)sen wird, so wird dasselbe bald verzeret, sondern es bleibt die Menschliche
natur mit jrem wesen vnd eigenschafften, sonst wrde sie nach der vereini-
gung nicht mehr Fleisch oder eine Menschliche natur knnen genennet werden.
Wie aber keine verwandelung der beiden Naturn
bk Marginalie am linken Rand
in diesem Spruch zu ge-
(30)dencken ist, also ist auch keine vermischung geschehen, als wenn Wein mit
Wasser gemenget vnd vermischet wird, sondern dis wird hie geleret, das in
der Menschwerdung des Sons Gottes eine wunderbarliche, vnbegreiffliche,

|| [423]

vnaussprechliche verbindung oder vereinbarung beider Naturn
bl Marginalie am rechten Rand
geschehen
sey, also, das die Menschliche natur, indem sie geschaffen wird in dem Lei-
be Mariae aus jrem Fleisch vnd blut, alsbald angenomen, getragen vnd erhal-
ten werde von der Gttlichen natur des Sons Gottes vnd mit jr eine Person
(5)sey vnd das diese verbindung hinfort vnzertrenlich sey vnd in ewigkeit vn-
zerstrlich bleibe. Denn hie weit ein anders angezeigt wird, als wenn Adam
im ersten Buch Mosi am 2. Cap. von Eheleuten sagt: „Es werden || [26v:]
zwey sein oder werden ein Fleisch“, „Erunt duo in carnem vnam“ oder
„Fient caro vna“.72 Allda wird auch eine verbndnis bedeutet, aber Man vnd
(10)Weib sind nicht eine Person, sondern es ist der Man fr sich eine Person, das
Weib ist auch fr sich ein eigene Person Vnd wird eins vom andern nicht in
persnlicher einigkeit getragen noch erhalten, vnd endlich scheidet doch der
Tod Man vnd Weib. Aber die wunderbare verbndnis oder vereinigung
Gttlicher vnd Menschlicher natur in Christo ist vnaussprechlich viel neher.
(15)Denn die Gttliche natur,aq welche ein Person ist von ewigkeit, nimpt an sich
die Menschliche, also das dieselbe nicht eine besondere Person sey, sondern
das sie getragen werde persnlich von der Gttlichen vnd das diese verbnd-
nis vnd vereinbarung vnzertrenlich vnd vnzerstrlich sey.
Dis ist one allen zweiuel der rechte, eigentliche vnd warhaffte vorstand der
(20)reden S. Johannis, wie er sich selbst alsbald in den folgenden worten weiter
erkleret, da er diesen Artickel von beiden vnterschiedenen vnd doch vnzer-
trenlich vnd Persnlich miteinander vereinigten Naturen in Christo mit
gewissen vnlaugbaren zeugnissen bestetiget.
Denn das Christusar warhafftig Mensch worden vnd alle eigenschafften
(25)Menschlicher Natur behalten habe, beweiset er mit diesen worten: „Er hat
vnter vns gewohnet“, brauchet mit sonderm fleis im Griechischen das wort
ἐσκήνωσε,73 welches eigentlich heisset in einer Htten oder Gezelt74 wohnen
vnd ist die gleichnis genomen von einem Kriegsvolck oder hauffen Lands-
knecht, da jr zehen oder zwelff liegen vnter einem Rottmeister75 in einem
(30)Gezelt oder Htten, ob sie gleich nicht einerley wirden76 vnd ansehens sind,
einer ein Edelman, der ander ein geringer vnd schlechter Man, dennoch wer-
den sie || [27r:] miteinander bekand vnd leidet oder tregt einer mit dem andern
gutes vnd bses. Also, wil Johannes sagen, hat der Herr Christus vnter vns
gewohnet, gleich als in einem gezelt, als were er vnser Rottgesell,77 hat mit
(35)vns natrliche gemeinschafft gehabt, hat gebrauchet alles, das wir brauchen,

|| [424]

hll vnd fll, ruhe vnd schlaff, hat sich wie andere Menschen md gereiset,
hat durst vnd hunger gelitten, hat schmertzen, trawrigkeit, angst vnd alles
elend versucht, hat auch die sterbligkeit gekostet, in summa, ist in allem
erfunden wie ein Mensch, allein das in jme keine vnordnung noch Snde
(5)gewesen ist. Dis ist aber alles ein gewisses vnwidersprechliches zeugnis, das
der Herr Christus am wesen vnd eigenschafften eine volkmliche Menschli-
che Natur hat an sich genomen, wie er sich denn selbst allenthalben nennet
des Menschen Son,78 anzuzeigen, das er ein warhafftiger Mensch sey.
Das aber auch warhafftig Gttliche natur
bm Marginalie am linken Rand
in diesem Menschen Christo sey,
(10)das beweiset der Euangelist mit seinem vnd aller Aposteln einhelligem ge-
zeugnis. Denn wiewol er als ein warhaffter Mensch vnter vns gewohnet, so
haben wir doch, spricht er, in solcher seiner schwacheit vnd ernidrigung ge-
sehen eine herligkeit, die weit vber Menschen vermgen war, nemlich „eine
herligkeit als des eingebornen vom Vater“.79 Leret hiemit, das er vnd die
(15)andern Aposteln gesehen vnd erfahren haben manigfeltige zeugnis, die Gott
der Vater Christo gegeben, als er jn fr seinen geliebten Son, an dem er alle
seine freude vnd wonne habe, ausgeruffen
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vnd die Christus selbst in seiner
Menschlichen natur durch die Wunderwerck erzeigt
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vnd damit seine Gttli-
che Allmechtigkeit, die nicht ein eigentschafft ist der Menscheit, sondern der
(20)Gottheit, nach welcher er auch Gottes ein- || [27v:] geborner Son ist, erweiset
hat, da jm alles vnglck, Snd vnd Tod vmbstehen vnd weichen, alle Crea-
turn jm gehorsam haben sein mssen, wie die Historien der wunderwerck
Christi, von den Euangelisten beschrieben, nach der lenge ausweisen. Vnd
sol hie niemand sich jrren
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lassen, das der Euangelist das wrtlin „Quasi“,
(25)„als“, darzu setzet, welches zwar sonst fast in allen Sprachen entweder nur
ein gleichnis bedeutet oder auch fr eine particulam dubitandi, das ist, fr
ein wrtlin, damit etwas, at das nicht gar gewis ist, wird angezeigt,t gebrauchet
wird. Aber nach der art der Hebreischen sprach, darauff Johannes gesehen
hat, wird dis wrtlin an diesem vnd andern orten der Schrifft gebrauchet als
(30)eine particula certificantis, damit etwas gantz gewis vnd vnzweiuelhafftig
bedeutet wird, das die Hebreer nennen caf veritatis, welches nicht ein gleich-
nis in einem stck des wesens oder nur in etlichen eigenschafften noch eini-
gen zweiuel bedeutet, sondern zur bestetigung vnd vergewisserung darzu
gesetzt wird, anzuzeigen, das es warhafftig, volkomen, gewis vnd vnzwei-

|| [425]
-
uelhafftig also sey,82 wie dieses alles anderswo reichlicher vnd notdrfftiger
erkleret wird, da man auch von den wolthaten Christi, waren Gottes vnd
waren Menschens, mehr saget zu erklerung der folgenden wort:
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„Voller gna-
den vnd Warheit“,83 welche wort eigentlich von der flle des verdiensts,
(5)dadurch wir versnet sind, vnd von der krafft oder wirckung in den Gleubi-
gen zu verstehen sein, wie der Euangelist bald selbst sich erkleret: „Wir ha-
ben von seiner flle alle empfangen“84 etc.
Aber hieuon weiter zu sagen, were an diesem ort zu lang. Denn wir diesen
herrlichen vnd frnemen Spruch allhier nur darumb angezogen, das hiedurch
(10)gegrndet vnd erkleret wrde, was wir droben erzelet haben von der persn-
lichen vereinigung beider Naturn in Christo, welche so sie eine realis effusio,
wesentliche aus- || [28r:] giessunge aller eigenschafften in die Menschliche
natur, oder eine exaequatio, vergleichung der Menschlichen Natur nach den
eigenschafften mit der Gttlichen Natur were, wrde gewislich alsbald gantz
(15)vnd gar auffgehaben der vnterscheid zwischen der Gttlichen Natur, nach
welcher Christus sich erzeigt hat als den eingebornen Son Gottes, vnd der
Menschlichen Natur, nach welcher er vnter vns gewonet vnd in aller
schwacheit, drfftigkeit vnd elend vns armen Menschen ist gleich worden,
welches nicht hette sein knnen, wenn in der persnlichen vereinigung die
(20)Gttliche natur jre eigenschafft, Maiestet vnd herligkeit realiter oder wesent-
lich in die Menschliche natur hette eingegossen, es were denn, das wir aus
aller schwacheit, die Christus von vnsertwegen getragen, nur ein lautern
schein vnd gespenst oder etwas getichtes vnd vnwarhafftiges wider die helle
klare Schrifft vns treumen wolten.
(25)Von der Persnlichen vereinigung beider Naturn in Christo,
br Marginalie am rechten Rand
welche nachdem
sie einmal im Jungfrewlichen Leib Marie geschehen, fr vnd fr in ewigkeit
also bleibet vnzertrenlich vnd vnzerstrlich, redet auch S. Paulus au Col. 2:u
„Jn jm wonet die gantze flle der Gottheit leibhafftig.“85 Hie stehet im Grie-
chischen Text σωματικῶς, „corporaliter“,
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das heisst eigentlich so viel als
(30)„persnlich“. Denn das wir jtzund nennen ein Person, das haben die Grie-

|| [426]
-
chen pflegen σῶμα oder Leib zu nennen,86 als wenn sie τρία σώματα, das ist
drey Personen genennet haben.
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Vnd redet der alte Scribent Tertullianus auff
diese weise, da er fraget, an λόγος apud Iohannem significet σῶμα,87 das ist
ob das Wort bey Johanne heisse ein Person. Denn hiemit wil der Apostel
(5)beschreiben eine solche vereinigung, das die ander Person der Gottheit die
Menschliche Natur an sich genomen hat,
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nicht allein vnzertrenlich, sondern
also, das dieselbe Menschli- || [28v:] che Natur vnd das Wort, welches die
Menschliche natur an sich genommen hat, ein einige volkomene Person
machen, fast wie in andern Menschen durch verbindung Seel vnd Leibes
(10)eine einige, volkomene vnd leibhaffte Person wird. Redet aber darumb auff
diese weise, das er mit diesem wort den hchsten vnterscheid zwischen
Christo vnd andern Heiligen anzeige, denn in andern Heiligen ist Gott effec-
tiue vnd separabiliter, das ist, sein wesen machet nicht mit jnen eine Person,
ob er gleich in jnen wircket, so doch in Christo die Gttliche vnd Mensch-
(15)liche Natur eine vnzertrenliche Person machet.
Das aber Paulus nennet die Flle der Gottheit,
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sol nicht also verstanden wer-
den, das die drey Personen der Gottheit Menschliche Natur hetten ange-
nomen, sondern er redet eigentlich von der andern Person der heiligen Drey-
faltigkeit, welche ist der Son Gottes, der vlliglich vnd volkomen warer Gott
(20)ist vnd mit dem Vater vnd heiligem Geist eines Gttlichen wesens vnd
gleicher ewiger vnd vnendlicher weisheit vnd allmacht. Diese Flle der
Gottheit wil der Apostel entgegensetzen den Gaben, welche die Heiligen aus
wirckung Gottes in jnen particulariter oder stckweis haben, damit abermals
ein vnterscheid geweiset wird zwischen Christo vnd andern Heiligen. Denn
(25)in Mose, Elia vnd andern Heiligen sind allein particularia dona, das ist et-
liche Gaben der inwonenden Gottheit, vnd obwol Gott warhafftig auch nach
seinem wesen in jnen wonet, so kan man doch nicht sagen, das sie von we-
gen der Gttlichen einwonung entweder ein Person mit Gott sein oder alle
Gttliche weisheit, krafft vnd tugent haben. Aber in Christo ist die Fll der
(30)Warheit, Gerechtigkeit vnd Lebens, nicht allein, das die Menschliche natur
fr sich mit hhern Gaben gezieret ist als alle Creaturen, sondern vielmehr
darumb, das, weil der ewige Son Gottes || [29r:] durch annemung der Mensch-
lichen Natur ein warer Mensch ist worden, so ist diesem Menschen mit der
Gottheit vnd also wie die Gottheit selbst alles, was der Gottheit allein zuge-
(35)hret, von der zeit an, da er empfangen ist, gegeben, nicht durch verglei-
chung oder wesentliche ausgiessung der Gttlichen eigenschafften, sondern
durch vereinigung mit der Gottheit.
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Denn das etliche hie frgeben, die
Menscheit habe fr sich selbst die Flle der Gottheit empfangen, daraus sie
die realem effusionem idiomatum, wesentliche ausgiessung der eigenschafft

|| [42]

oder vergleichung beider naturn in Christo bestetigen wollen,88 wird von
Paulo selbest wideregt, da er spricht: „Jn jm wonet die Flle der Gottheit“,89
sagt nicht: „Christus ist nachder Menscheit die Flle der Gottheit“ oder:
„die Flle der Gottheit hat sich also in die Menscheit ausgegossen, das sie
(5)dieselbe angenomene Natur fr sich jr gleich gemacht hat“, sondern sie lesst
die angenomene Menscheit jren Tempel vnd Wohnung bleiben, auff das in
der Persnlichen vereinigung, vmb welcher willen der Mensch Christus
ewig, vnendlich, weise, allmechtig vnd Gott selber recht genennet wird,
dennoch stets ein vnterscheid sey zwischen der ewigen, vnendlichen, all-
(10)mechtigen Gottheit, so in der angenomenen Menschlichen Natur wohnet,
vnd zwischen der Menschen selbst, so eine Wohnung ist des Sons Gottes,
welcher fr sich die Gttlichen eigenschafften nicht knnen zugeschrieben
werden, ob es wol in concreto recht gesagt ist: „Dieser Mensch hat in sich
die Flle der Gottheit“, das ist der Son Gottes mit allen seinen Gttlichen
(15)eigenschafften ist mit jr persnlich vereiniget.
Das aber Paulus an diesen Spruch anhenget:
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„Jn jm seid jr volkomen“,90 leret
er von dem verdienst vnd krafft Christi, so zum Ampt Christi gehren, wel-
cher vns || [29v:] als warer Gott vnd Mensch darumb ist zu einem Mittler fr-
gestellet, auff das vns allein durch jn die Gerechtigkeit, die fr Gott gilt,
(20)zugerechnet vnd widerumb das ewige Leben in vns angezndet werde,
welches sich hie durch den Glauben an Christum anfehet vnd hernach voll-
kmlich wird volendet werden.
Solche wolthat aber kndten vns von Christo nicht widerfaren, wenn er nicht
mehr als ein ander heiliger Mensch were. Denn sollen wir alles, was zu vnser
(25)seligkeit gehret, bey Christo allein vnd nirgend anderswo suchen vnd fin-
den, wie denn dieses S. Pauli scopus, zielav vnd meinung in demselben Capi-
tel ist, so mssen in jm sein nicht allein Gttliche Geschenck vnd Gaben
oder ein erschaffene Allmechtigkeit seines Leibes vnd Seelen, wie etliche
vnrecht tichten, sondern es mus die ewige, ware, wesentliche, vollkomene
(30)Gottheit, welche hie die Flle genennet wird, in jme wohnen, vnd zwar also
wohnen nicht wie in Petro vnd Paulo, sondern leibhafftig oder Persnlich,
welches die Alten durch die vnterschiedene gradus praesentiae Dei, aw grad

|| [428]

der gegenwertigkeit Gottes,w erklert vnd wir auch krtzlich hie vmb der Ein-
feltigen willen widerholen wollen.
Denn weil Gott allenthalben ist
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vnd die gantze Welt seine Wohnung offt
genandt wird, haben die alten Lerer fein vnterschieden, wie es gar weit ein
(5)anders sey, wenn die Schrifft sagt: „Gott ist vnd wohnet in Christo“,91 als so
man sagt: „Gott ist vnd wohnet im Himel vnd Erden“92 oder: „Jn den auser-
welten Menschen vnd heiligen Engeln“93 oder: „in den heiligen Propheten
vnd andern Gottseligen Leuten in diesem leben.“94 Denn erstlichax ist es wol
recht geredt: „Gott ist im Himel vnd auff Erden“, wie im Propheten Jeremiaay
(10)Cap. 33 Gott spricht: „Himel vnd Erden erflle ich“95 || [30r:] Vnd Esa. 66:
„Der Himel ist mein Stuel vnd die Erde mein Fusschemel.“96 Aber dis wird
genennet vniuersalis praesentia Dei, az ein allgemeine Gegenwart,z da von den
dreyen Personen der Gottheit das substantz vnd wesen der Creaturn erhalten
wird, solange sie bestehen oder bleiben sollen.97 Das aber dis nicht eine vn-
(15)zertrenliche Beywonung vnd Gegenwart sey, zeiget dis an, das Gott offt an
etlicher Creaturn vntergang vnd verderben seine Gerechtigkeit sehen lesset,
wenn sie mit straffen von Gott heimgesucht werden, wie an Pharaone vnd
andern Gottlosen zu sehen.98
Zum andern, wenn aber die Schrifft sagt, das Gott in den Auserweleten alles
(20)in allem sein werde,99 wird eine solche gegenwertigkeit angezeigt, das Gott
die heilige Dreyfaltigkeit nicht allein die Substantz vnd Wesen der lieben
Engel vnd aller auserwelten Menschen erhelt, sondern auch sie erfllet mit
seinem Liecht, Weisheit, Gerechtigkeit, ewigem Leben vnd gibt sich one
mittel jnen zu erkennen vnd wird von jnen gesehen von angesicht zu ange-
(25)sicht vnd weichet nimermehr von jnen noch verlesset sie in ewigkeit. Gleich-
wol ist keine solche annemung weder eines Engels noch auserwelten
Menschen, das er mit Gott vnd Gott mit jme eine Person were.
Zum dritten ist Gott auch in den Heiligen in diesem leben gegenwertig nach
dem Spruch: „Jr seid wohnung Gottes“,100 item: „Wir werden zu jm komen

|| [429]

vnd wonung bey jm machen.“101 Dis ist eine solche gegenwertigkeit, da Gott
die heilige Dreyfaltigkeit nicht allein die Substantz vnd wesen Leibs vnd
Seels erhelt, sondern da er durch sein Wort vnd Sacrament in den hertzen der
Gleubigen newes Liecht, Gerechtigkeit vnd Leben anfehet, obwol noch
(5)grosse schwacheit auch in den Heiligen bleibet. Wird aber von jnen nicht
gesehen wie im zuknffti- || [30v:] gen ewigen Leben, vnd knnen auch die
Heiligen in diesem leben solche gnad widerumb verlieren vnd Gott betrben
vnd von sich stossen, wenn sie in Snde wider Gewissen fallen vnd Gott
verlassen.
(10)Zum letzten, wenn aber Paulus hie sagt: „Jn Christo wohnet die gantze Flle
der Gottheit“,102 wird weit ein hhere gegenwart vnd nehere verbndnis vnd
eine gar wunderbarliche, vnaussprechliche vereinigung angezeigt, nach wel-
cher nicht der Vater noch der heilige Geist, sondern allein der Son Gottes,
die mitler Person der Gottheit, welche ist des Vaters wesentlich vnd volko-
(15)men Ebenbild,103 Menschliche natur an sich nimpt, also, das er nicht allein
dieselbe nimermehr verlesset, auch in jr nicht allein wircket vnd sie mit ho-
hen furtrefflichen gaben zieret, wie er auch wircket in den Heiligen, in denen
er doch nur effectiue vnd per societatem oder auxilium ist, ba das ist, das er
jnen beystehet vnd krefftig durch sie ist,a sondern das er die angenomene
(20)Menscheit persnlichen treget vnd mit der Substantz seiner ewigen Person
heimlicher vnerforschlicher weise vereiniget, also das sie sein eigener Tem-
pel, sein eigen Fleisch sey vnd sampt der Gottheit zu der einigen Person
Christi gehre, gleichwie der Leib sampt der Seelen zu der Substantz vnd
wesen eines volkommenen Menschen gehret.
(25)Diese viererley vnterscheid der gegenwart Gottes bey den erschaffenen Cre-
aturn – denn das der Vater im Son vnd der Son im Vater vnd in beiden der
heilige Geist ist, gehret hieher nicht – sind auffs krtzest von vns wider-
holet worden. Denn sie weisen etlichermassen, was die Menschwerdung sey
vnd wie gar ein ander ding es sey, das Gott in Christo ist vnd in andern Crea-
(30)turn vnd erkleren die hchste Maiestet vnd herrligkeit des Menschen Christi,
die weder S. Peter noch || [31r:] S. Paulus hat, nemlich das allein er ist mit
dem Son Gottes eine Person vnd also warhafftiger, allmechtiger, volkomener
Gott, nicht nach der Menscheit ankunfft, wesen vnd eigenschafften oder
empfangen Gaben, sondern vmb der Persnlichen vereinigung willen mit
(35)dem Son Gottes.Mehr Sprche von der Menschwerdung Christi, als Lucae 1: „Du wirst
schwanger werden im Leibe vnd einen Son geberen, der wird gros vnd ein

|| [430]

Son des Hhesten genennet werden.“,104 item 1. Timot. 3: „Gott ist im
Fleisch offenbaret.“,105 item Heb. 2: „Wie die Kinder fleisch vnd blut haben,
also ist ers gleicher mas teilhafftig worden“106 vnd viel andere vbergehen wir
zu diesem mal vmb krtze willen, setzen allein den Spruch Pauli dazu Philip.
(5)2
,
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welcher nicht allein weiset beide Naturn, die Gttliche vnd Menschliche,
in Christo persnlichen vereiniget, sondern zeuget auch klerlich von den
eigenschafften der Menschlichen natur, welche sie nach der vereinigung be-
halten hat, macht auch vber das einen deutlichen vnterschied, zwischen der
Menschwerdung selbst vnd zwischen der erhhung, so erst nach dem Tode
(10)vnd aufferstehung Christo widerfaren. Welche vnterscheid gar miteinander
auffheben alle diejenigen, welche Christi Menschwerdung also beschreiben,
das sie sey eine Realis oder wesentliche ausgiessung der eigenschafften der
Gottheit in die Menschliche natur, welches, nachdem sie es einmal one be-
stendigen grund sich vnterfangen, machen sie fr vnd fr diese mancherley
(15)vermengung in der Schrifft, das sie die Sprch, so von der erhhung Christi
reden, auff die Menschwerdung selbst, item welche von der ewigen, waren,
natrlichen Gottheit Christi leren, auff jre ertichte ausgiessung der Gttli-
chen eigenschafften in die Menschliche natur ziehen.
Die wort Pauli sind diese: „Ein jglicher sey gesin- || [31v:] net wie Jhesus
(20)Christus auch war, welcher, ob er wol in Gttlicher gestalt war, hielt ers
nicht fr einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern eussert sich selbst vnd
nam Knechtsgestalt an, ward gleichwie ein Mensch vnd an geberden als ein
Mensch erfunden, ernidriget sich selbs vnd ward gehorsam bis zum Tode, ja
zum Tode am Creutz. Darumb hat jn auch Gott erhhet vnd hat jm einen Na-
(25)men gegeben, der vber alle Namen ist, das in dem namen Jhesu sich beugen
sollen alle der Knie, die im Himel, auff Erden vnd vnter der Erden sind, vnd
alle Zungen bekennen sollen, das Jhesus Christus der Herr sey zur Ehre
Gottes des Vaters.“107
Diesen Spruch recht zu vernemen
ca Marginalie am linken Rand
ist das Fundament vnd Grund, das man
(30)erstlich verstehe, was „Gestalt“ hie heisse. Denn S. Paulus nennet hie aus-
drcklich zweierley Gestalt Christi, welche die alten Lerer einhelliglich aus-
legen von den zweien Naturn in Christo, wie es denn der Text selbst auch
erzwingt.
cb Marginalie am linken Rand
Athanasius sagt: „Forma serui est tota humanitas sicut forma Dei
est tota diuinitas“,108 bb „die gestalt des Knechts ist die gantze Menscheit,
(35)gleichwie die gestalt Gottes ist die gantze Gottheit.“b Et in Anastasij et Cyril-
li compendiaria orthodoxae fidei explicatione: „Natura, essentia, forma simul

|| [431]

eadem sunt“: bc Jn der Summarischen erklerung des rechten Glaubens Cyrilli
vnd Anastasij stehet also: „Die Natur, das Wesen, die Gestalt ist eines so viel
als das ander“,c109 also sagt
cc Marginalie am rechten Rand
Basilius: „Jch sage klar, das die Gestalt Gottes
heisset die gleicheit des Gttlichen Wesens. Denn gleichwie die annemung
(5)der Gestalt eines Knechtes heisset das wesen Menschlicher Natur, also, das
die Gestalt Gottes genennet wird, zeiget sie an die eigenschafft des Gttli-
chen wesens.“110
Ambrosius schreibet auch also vber diesen Spruch: „Christus ist allezeit in
der gestalt Gottes gewesen, denn || [32r:] er ist das Ebenbild des vnsichtbaren
(10)Gottes.“111 Jtem: „Die gestalt Gottes ist nichts anders denn Gott selber
ist“.112 Sonderlich aber handelt dieses S. Augustinus weitleufftig de fide ad
Pet. Cap. 2, daraus wir etwas aus dem Lateinischen vordeutscht anzihen wol-
len, weil vor wenig Jaren etliche auffs scheuslichste diesen herrlichen
Spruch verderbet mit frembden vnd gantz vngereumpten meinungen, indem
(15)sie frgeben, das die gestalt Gottes, nach welcher Christus Gott gleich ist,
sol heissen die mitgeteilte Maiestet, so die Menscheit in vnd fr sich emp-
fangen vnd in Mutterleibe alsbald gehabt habe. Dargegen aber verwerffen sie
die allzeit in vnsern Kirchen gebreuchliche Erklerung, das die gestalt Gottes
hie nicht zu verstehen sey von der angenomen Menscheit, sondern von der
(20)ewigen Gottheit in Christo.113
„Bedenck fleissig“, spricht S. Augustinus, „diesen Spruch des Apostels, so
wirstu daraus lernen, wie du gleuben solst, das der Herr Jhesus Christus zu-
gleich Gott vnd Mensch sey vnd dennoch in jm die Warheit beider Naturn in
einer Person weder vermischest noch trennest. Erstlich wenn du hrest von
(25)Christo, das er in der gestalt Gottes war, mustu wissen vnd festiglich dafr
halten, das durch das wort „Gestalt“ die volkomenheit der natur solle ver-

|| [432]
-
standen werden. So war nu Christus in der gestalt Gottes drumb, das er der
natur Gottes des Vaters allzeit war, von dem er geboren ist, darumb ist er
einer natur mit dem Vater vnd mit jm gleich ewig, vnendlich, vnsterblich,
vnwandelbar, vnsichtbar vnd vnaussprechlich, gleich gut, gerecht, barmhert-
(5)zig, langmtig, warhafftig, starck, gtig, weise vnd Allmechtig. Dis alles
halte von dem Son Gottes mit festem glauben, der dis alles in einigkeit der
Natur mit dem Vater hat vnd one zweiuel dem Vater gleich ist. Darumb sagt
der Apostel weiter: ‚Er hat nicht fr ein Raub gehalten, || [32v:] Gott gleich
sein.‘ Denn der Son seine gleichnis mit dem Vater nicht geraubet, sondern
(10)von Natur hatte“ etc. Vnd bald hernach: „Die annemung der Knechtlichen
gestalt ist nichts anders gewesen denn die annemung Menschlicher natur.
Derhalben ist in Christo beide gestalt, weil beides wesen in jm warhafftig
vnd volkomen ist“114 etc.
Was kan nu deutlicher,
cd Marginalie am linken Rand
heller vnd klerer gesagt werden von der Person
(15)Christi, in welcher zwo Naturn vnzertrenlich, vnzerstrlich miteinander ver-
einiget sind? Vnd zwar sagt Paulus nicht, das Christus die Gttliche gestalt
erst habe an sich genomen, sondern von ewigkeit gehabt, weil er spricht: „Er
war in der gestalt Gottes“115 auch vor der Menschwerdung. Die Menschliche
Natur aber hat er nicht von ewigkeit gehabt, sondern zu bestimpter zeit an
(20)sich genomen, das ist, Persnlich mit der Gttlichen vereiniget, also das ein
jedere Natur jr wesen vnd eigenschafften vnuermischt vnd vnterschiedlich
behalten.
Er nennet aber nicht schlecht die Gestalt des Menschen,
ce Marginalie am linken Rand
wie Dauid bd 1. Paral.
18:d „Aspicis me in forma hominis, qui es Deus Iehoua in excelsis.“,116 „Du
(25)sihest mich an in der gestalt eines Menschen, der in der hhe Gott der Herr
ist“, sondern nennet es die gestalt eines Knechts, erkleret sich aber alsbald
selber, das er von warhaffter Menschlicher Natur rede, denn er spricht: „Er
ward gleichwie ein ander Mensch vnd an geberden als ein Mensch erfun-
den“.117 Wil hiemit anzeigen, das wie ein armer Knecht, vnter den Leuten
(30)verachtet, keinen schutz hat, sondern von jederman verlassen ist vnd wie ein
warhafftiger Mensch hunger vnd durst, freud vnd leid, leiden vnd sterben vn-
terworffen ist, also habe der Son Gottes sich nicht geschewet, alle
schwacheit vnd elend, so auff den Menschen ligt, one Snde mit vnd sampt
der Menschlichen Natur an sich zu nemen, vnd das solches kein || [33r:]
(35)schein, kein gespenst gewesen sey, zeiget er an, indeme er spricht, er sey
also erfunden worden, das ist: warhafftig hat man erfaren, das er ein warer

|| [433]

natrlicher Mensch am Fleisch vnd Blut vnd an allen natrlichen neigungen
vnd bewegungen were.
Gleichwie aber diese wort von der warhafften Menschwerdung des Sons
Gottes gnugsam zeugen, also werden in diesem Spruch ferner gegeneinander
(5)gesetzt zweierley Stande oder zeit des Herrn Christi, nachdem er ins Fleisch
komen, nemlich der stand der Ernidrigung vnd der Erhhung. Vom stand der
Ernidrigung spricht er, er sey dem Vater gehorsam worden bis an den tod, ja
an tod des Creutzes,118 begreifft hiemit den gantzen gehorsam Christi vnd
alles leiden, drfftigkeit vnd elend, so er von seiner empfengnis an vber sich
(10)gehen lassen, versuchet vnd ausgestanden hat, bis er endlich des aller-
schmehlichsten, verfluchten vnd schmertzlichsten tods am Creutz gestorben
ist.
In solchem leiden
cf Marginalie am rechten Rand
hat sich Christus seiner Gttlichen gestalt geeussert vnd
sich ernidriget,119 nicht das er nach seiner Gottheit verwandelt, geringert
(15)oder geschwecht worden oder etwas gelidden hette, sondern das er wider vnd
zu entgegen seinem beruff, dazu er als ein Opffer fr das Menschliche
geschlecht in die Welt gesand war, seiner Gttlichen Natur allmacht vnd
krafft nicht gebrauchen noch erweisen wollen, sondern dieselbe seiner Gtt-
lichen Natur Allmechtigkeit vnd ewigen Maiestet vnd Herrligkeit gleichsam
(20)in vnserm armen Fleisch vnd Blute verbergen vnd von wegen der drfftig-
keit, leiden vnd sterbens seines eigenen fleisches sich verleugnen, lestern
vnd spotten lassen.
Denn das etliche die ernidrigung nur zihen auff die mitgeteilte Maiestet der
Menschlichen Natur, so sie in der Menschwerdung empfangen vnd aber
(25)nicht ge- || [33v:] brauchen haben wollen, das erreicht die meinung Pauli gar
nicht, welcher zur lieb vnd demut vermanen wil eben durch das hchste
Exempel des Sons Gottes, welcher, ehe denn er sich nidrigte vnd Knechts
gestalt an sich name, von ewigkeit in Gttlicher gestalt, das ist, Gott seinem
Vater gleich vnd derwegen Gttlicher Natur vnd eines wesens mit dem Vater
(30)war, denn sonst kndte er jm nicht gleich sein, welches keinesweges der
angenomen Menschlichen Natur kan zugeschrieben werden. Vnd zwar, so S.
Paulus also verstanden werden solte, das die Menschliche Natur fr sich die
Maiestet empfangen, welcher sie sich geeussert, was were das gantze leiden
vnd sterben, so Christus in der Menschlichen Natur warhafftig ausgestanden,
(35)anders denn nur ein blosser ertichter schein gewesen? Denn hat die
Menscheit alsbald in der empfengnis die Maiesteit empfangen vnd ist fr
sich Gott gleich gewesen, wie hat sie knnen warhafftig leiden vnd sterben?
Vnd Warumb hette Paulus den vnterscheid machen wllen der zeit, das er
erst nach dem Gehorsam bis zum tode des Creutzes die verklerung vnd
cg Marginalie am rechten Rand
erh-

|| [434]
-
hung Christi, wie allezeit auch die Propheten thun, setzet? Denn vmb des
gehorsams willen vnd nach dem tod, spricht er, hat jn Gott erhhet, welches
er aus Esaia nimet: „Sihe, mein Knecht wird weislich thun vnd wird erhhet
vnd sehr hoch erhaben werden“,120 item: „wenn er sein leben zum Schuld-
(5)opffer gegeben, so wird er Samen haben“121 etc.
Jst denn nu Christus erst nach seinem leiden erhaben, wie kan denn die ge-
stalt Gottes, darinnen Christus auch vor dem leiden, ja auch vor der Mensch-
werdung war,
ch Marginalie am linken Rand
von der Menscheit verstanden werden? Was ist aber nu die
erhhung? „Gott hat jm einen Namen gegeben, der vber alle Namen ist, das
(10)in dem Namen Jhesu sich beugen sollen || [34r:] aller der knie,bf die im Himel,
auff Erden vnd vnter der Erden sind, vnd alle Zungen bekennen sollen, das
Jhesus Christus der Herr sey zur ehre Gottes des Vaters.“122 Wie dieses zu
verstehen, sollen wir nicht aus vnsern eigenen Kpffen tichten, wie etliche
eine vergleichung der Menschlichen Natur mit der Gttlichen, wo nicht in
(15)der Menschwerdung – denn darmit sehen sie selbs, das sie nicht fortkomen
mgen – doch in der erhhung, nach dem bittern leiden vnd sterben Christi,
jnen trewmen,123 sondern aus zusamenhaltung klarer vnd gleichstimmender
Sprch der Schrifft lernen.
Also aber spricht die Epistel zu den Hebreern Cap. 1: „Nachdem er hat die
(20)Reinigung gemacht vnser Snde durch sich selbst, hat er sich gesetzt zu der
Rechten der Maiestet in der Hhe vnd ist so viel besser worden denn die
Engel, so gar viel einen hhern Namen er fr jnen ererbet hat. Denn zu wel-
chem Engel hat er jemals gesagt: ‚Du bist mein Son, heute habe ich dich
gezeuget.‘ Jtem: ‚Jch werde sein Vater sein vnd er wird mein Son sein.‘“124
(25)Jtem: „Es sollen jn alle Engel Gottes anbeten!“125 etc. „Zu welchem Engel
hat er jemals gesagt: ‚Setze dich zu meiner Rechten, bis ich lege deine Fein-
de zum Schemel deiner Fsse‘“126 etc. S. Petrus stimmet auch hiemit vber-
ein, Acto. 2: „So wisse nu das gantze Haus Jsrael gewis, das Gott diesen
Jhesum, den jr gecreutziget habt, zu einem Herrn vnd Christ gemacht hat.“127

|| [435]

Aus dieser Sprch zusamenhaltunge ist fr sich selbst klar, das die erhhung
rede von der gantzen Person Christi, Gott vnd Menschen. Denn obwol die
Gottliche Natur nicht kan jrer art vnd eigenschafft nach erhhet werden, wie
die Arianer hieraus wider die ware Gottheit Christi frzuwerffen pflegten, so
(5)hat doch Paulus allbereit solchem einwurff begegnet, indem er zuuor- || [34v:]
gesagt, das Christus, der in der gestalt Gottes war, sich geeussert habe, das
ist, seiner ewigen Gttlichen allmacht vnd herrligkeit nicht gebrauchet, auff
das die Menschliche Natur leiden vnd sterben kndte. Nu aber durch den
todt der Gerechtigkeit Gottes gnug geschehen, wird die Gottheit, so in Chris-
(10)to von ewigkeit war, auch in der Menscheit von aller Welt erkandt vnd
offenbaret, wie der Herr selbst redet, Johan. 17: „Mache mich herrlich oder
verklere mich du, Vater, bey dir selbs mit der klarheit, die ich bey dir hatte,
ehe die Welt war.“128
Vnd dis ist der Name vber alle Namen, nemlich die herrligkeit Christi, das
(15)dieser Mensch, so gecreutziget vnd gestorben, nicht allein nach der
Menscheit numehr alle schwacheit abgelegt vnd mit allen Gaben, vber-
schwenglicher vnd vns vnbegreifflicher weise hher vnd frtrefflicher gezi-
ret ist denn alle Menschen vnd Engel, sondern das er erkand wird ewiger
warer Gott vnd Herr vber alles vnd das in keinem andern heil noch kein
(20)ander Name den Menschen gegeben ist, darinnen wir sollen selig werden,129
das auch alle Creaturn jme vnterworffen vnd jn anbeten mssen.
Diesen Namen vnd Ehre hat Christus seiner Gottheit halben von seinem
Vater durch seine vnaussprechliche Geburt seines Mitlerampts halben aus
ewigem Rat vnd willen des Vaters von ewigkeit gehabt. Soviel aber belanget
(25)seine Menscheit, obwol in Mutterleib die vereinigung beider Naturn gesche-
hen vnd alsbald in der empfengnis dieser Mensch Christus warhafftiger Gott
vnd der einige Heiland des Menschlichen geschlechts gewesen ist, fr dem
die Teuffel erzittern vnd alle Creaturn jn anbeten mssen, auch weil er auff
Erden gangen, der ewige Vater jme vielfeltige zeugnis gegeben vnd er selbst
(30)seiner Gttlichen Natur herrligkeit mit wunderwercken erweiset, jedoch ist
diese herrligkeit || [35r:] in der allertieffsten demut des Sons Gottes vnd in der
grossen drfftigkeit, elend vnd jammer der Menschlichen Natur gleichsam
verborgen gewesen, bis er vom Bach auff dem wege getruncken vnd alsdenn
erst sein Heubt empor gehoben130 Vnd also durch das leiden in seine herrlig-
(35)keit ist eingangen, welche nu in Himel vnd Erden kund vnd offenbar ist wor-
den vnd durch die Predigt des Euangelij in aller Welt ausgeruffen wird vnd
bg wirg sie alsdenn erst recht sehen werden, wenn erfllet wird werden, das
Christus Johan. 17. bittet: „Vater, ich wil, das wo ich bin, auch die bey mir

|| [436]

sein, die du mir gegeben hast, das sie meine herrligkeit sehen, die du mir
gegeben hast.“131
Hieraus folget aber keinesweges, das diese erhhung sey eine exaequation
oder vergleichung der Menscheit mit der Gottheit Christi, es were denn, das
(5)wider alle Schrifft die Menscheit solte die Gottheit selbst vnd Christus allein
nach der Menscheit der Erlser vnd Mittler sein vnd also allein die
Menscheit angebetet werden, sondern es mus durchaus in der Schrifft die
erhhung Christi verstanden werden von der volkomenen offenbarung der
ehre vnd herrligkeit, die fr allen andern Menschen allein gegeben ist diesem
(10)Christo, der nicht allein Mensch, sondern auch warer vnd ewiger Gott ist.
Also haben wir bisher von der Menschwerdung Christi drey frneme Heubt-
sprche der Schrifft angezogen Vnd, obwol aus dem Spruch Johannis am
ersten
132 vnd diessem S. Pauli Philip. 2133 auch dieses klar gnug ist, das der
Herr Christus warhafftig Menschliche Natur vnd alle derselben eigenschaff-
(15)ten an sich behalten habe vnd die Menscheit auch in der erhhung nicht ver-
lassen, abgelegt oder zunicht gemacht, jedoch wllen wir hieuon noch etli-
che wenige Zeugnis anzihen. || [35v:] Denn dis der einige vnd hchste trost ist,
den wir in diesem vnserm sndigen, elenden, betrbten leben haben knnen,
das wir wissen, das wir einen solchen Mittler, Frsprecher, Hohenpriester
(20)vnd Knig haben, welcher, wie er einmal Fleisch von vnserm Fleisch vnd
Gebein von vnserm Gebein worden ist, also bleibet er es fr vnd fr in ewig-
keit. Vnd damit diese Schrifft nicht zu lang werde, wllen wir one weitere
erklerung nur auffs krtzte den Christlichen Leser anweisen, ferner diesen
dingen nachzudencken.
(25)Denn das der Son Gottes,
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nachdem er Menschliche Natur angenomen, solche
sampt allen jren wesentlichen eigenschafften behalten hab, weisen alle His-
torien des newen Testaments, so von den Aposteln vnd Euangelisten sind
auffgeschrieben. Denn Elisabeth nennet jn, als er noch in Mutterleib ist, eine
Frucht des Leibes Mariae.134 Die Engel nennen jn ein Kind, als sie den Hir-
(30)ten seine Geburt verkndigen.135 Es sehen jn die Hirten in der Krippen lie-
gend vnd in
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Windeln gewickelt.136 Er wird beschnitten,137 er wird in der
flucht in Egypten bracht von wegen der Tyranney Herodis.138 Er wechset an
weisheit,
ck Marginalie am linken Rand
alter vnd gnade bey Gott vnd bey den Menschen,139 wird vnter sei-
ner Eltern
cl Marginalie am linken Rand
gehorsam erzogen zu Nazareth, wandert mit gen Jerusalem,140

|| [437]

wird von Johanne
cm Marginalie am rechten Rand
im Jordan getaufft,141 wird vom Teuffel in der Wsten
versucht,142 flet hunger vnd durst, zeucht herumb in Galilea vnd Jdischem
Lande vnd in den benachbarten Grentzen mit seinen Jngern in armut vnd
drfftigket, prediget, wird mde vnd matt, isset vnd trincket,bh 143 wachet vnd
(5)schleffet, ist frlich vnd trawrig, ergrimmet vnd zrnet, weinet vnd betet, ist
so vol hertzenleid, das er blutigen Schweis schwitzet,144 wird endlich von
seinem eigenem Volck gefangen, gebunden, verspeiet, gegeisselt, gecreutzi-
get, stirbet warhafftig am Creutz, || [36r:] wird verwundet in der Seiten,145 ver-
geusst sein Blut, wird in Leinwadt eingewickelt vnd begraben, wird am drit-
(10)ten tage durch die herrligkeit des Vaters vom Tode erwecket, bleibet nach
der Aufferstehung
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vierzig gantzer tage lang auff Erden bey seinen Jngern,
erzeiget sich jnen lebendig durch mancherley erweisunge,146 lesst sie Hende
vnd Fsse flen,
co Marginalie am rechten Rand
vnterscheidet sich von einem Geiste, der weder fleisch
noch bein hat,147 lesset jm die Finger legen in die Negelmal vnd die Hand in
(15)die Seiten,148 wird auffgehaben zusehens vnd eine Wolcke nimpt jn auff,149
vnd als die Jnger jm nachsehen gen Himel farend, bezeugen die Engel, die-
ser Jhesus, welcher ist auffgenomen gen Himel, werde komen wie er gese-
hen sey worden gen Himel faren.150 Dieses alles bezeuget vnwidersprech-
lich, das vnser Herr vnd Heiland Jhesus Christus warhafftigen Leib vnd Seel,
(20)alle Menschliche eigenschafften, alle natrliche neigung vnd bewegungen
gehabt hab. Denn so er nicht warer natrlicher Mensch gewesen, so msten
alle diese der Euangelisten beschreibunge vergeblich vnd vmbsonst sein.
Sonderlich aber mste das gantze Leiden Christi ein Gespenst gewesen sein.
Jst aber das leiden nur ein gespenst, so ist das gantze werck der Erlsung
(25)nichts. Werden also falsch sein die Sprche der Apostel,
cp Marginalie am rechten Rand
das Christus gestor-
ben
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ist vmb vnser Snden vnd wider aufferstandem vmb vnser gerechtigkeit
willen,151 das Christus vnser Snde selbs geopffert habe
cr Marginalie am rechten Rand
an seinem Leibe
auff dem Holtz, auff das wir der Snden abgestorben, der Gerechtigkeit
leben,152 das er nach dem Fleisch getdtet, aber lebendig gemacht sey nach

|| [438]

dem Geist,153 das er vnser Hoherpriester sey,
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der vns geheiliget habe durch
das opffer seines Leibes,154 vnd das er versucht sey allenthalben gleich wie
wir,
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auff das er knne mitleiden tragen mit vnser schwacheit.155 || [36v:] Also
wrde auch all vnser trost von vergebung der snden, von der Gerechtigkeit,
(5)die fr Gott gilt, von aufferstehung vnsers Fleisches gar miteinander dahin
fallen.
Hat aber Christus allein in seinem leiden vnd aufferstehung ware Menschli-
che Natur behalten
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vnd hernachmals von sich gelegt,156 wie kan er vns denn
nach der Aufferstehung seine BrFder heissen?
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Wie kan von S. Stephano ge-
(10)sagt werden,
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das er sehe des Menschen Son zur Rechten Gottes stehen?157
Wie kan S. Paulus sagen,
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das noch heutiges tages ein Mitler sey zwischen
Gott vnd den Menschen, nemlich der Mensch Christus Jhesus, der sich selbs
gegeben hat zur erlsunge?158 Ja, wie werden am Jngsten tage vnser nichti-
ge Leibe gleich gemacht werden dem herrlichen Leibe Christi?159 Dieses ist
(15)an sich selbs so klar, das es mehr wort nicht bedarff. Weil aber der Artickel
von der Himelfart Christi
cy Marginalie am linken Rand
in sonderheit, welches zu beklagen ist, gar schend-
lich von vielen verfelscht wird, wllen Christliche Hertzen dennoch die
Zeugnis der Schrifft von demselben desto fleissiger erwegen.
Denn das solche Himelfart nicht sey nur eine disparitio oder verschwindung
(20)des Leibs Christi, der nu vnsichtbar vnd vnbegreifflich vnd vnendlich an
allen orten zugleich sey im Himel vnd auff Erden, in Vieh vnd Menschen, in
Holtz vnd Stein, in Laub vnd Grass, in allen Creaturen, grossen vnd kleinen,
gten vnd bsen, sondern das Christus mit seiner Menscheit warhafftig gen
Himel gefaren vnd sein Leib vnd Seel aus dieser Welt hinauff in das liecht
(25)der herrlichen offenbarung Gottes gefret habe vnd von dannen werde wi-
derkomen,160 vberweisen alle frome Hertzen diese vnwidersprechliche Zeug-
nis, die sich mit keiner Sophisterey lassen verdunckeln:
cz Marginalie am linken Rand
S. Marcus spricht
klar: „Er ist auffgefaren“, oder || [37r:] wie das Griechische wort eigentlich
vermag:
da Marginalie am linken Rand
„Er ist hinauff genomen gen Himel.“161 S. Lucas sagt noch klerer:
(30)„Er schied von jnen
db Marginalie am linken Rand
vnd fure auff gen Himel.“162 Vnd in geschichten der
Aposteln:
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„Er ward auffgehaben zusehens vnd eine Wolcke nam jn auff von
jren Augen weg, vnd als sie jm nachsahen gen Himel farend, sihe, da stun-
den bey jnen zween Menner in weissen Kleidern, welche auch sagten: ‚Jr
Menner von Galilea, was stehet jr vnd sehet gen Himel? Dieser Jhesus, wel-

|| [439]
-
cher von euch ist auffgenomen gen Himel, wird komen wie jr jn gesehen
habt gen Himel faren.‘“163 S. Petrus sagt:
dd Marginalie am rechten Rand
„Jhesus Christus mus den Himel
einnemen bis auff die zeit,
de Marginalie am rechten Rand
da alles herwider gebracht werde.“164 S. Paulus
sagt: „Vnser Brgerschafft ist im Himel, aus welchem wir auch den Heiland
(5)gewarten, den Herrn Jhesum Christum“,165 vnd an einem andern ort:
df Marginalie am rechten Rand
„Er ist
hinauffgefaren vber alle Himel.“166 Die Epistel zu den Ebreern spricht:
dg Marginalie am rechten Rand
„Wir
haben einen solchen Hohenpriester, der durch die Himel gefaren ist“,167 vnd
abermals:
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„Der vber die Himel erhhet ist.“168 Der Herr Christus sagt selbst:
„Jr werdet mich nicht allezeit
di Marginalie am rechten Rand
bey euch haben“,169 item: „Jch verlasse die
(10)Welt.
dj Marginalie am rechten Rand
170
Solche vnd dergleichen viel vnd manigfeltige Sprche von der Auffart
Christi drffen nicht mehr denn fleissiges ansehens vnd Christlichen nach-
denckens, so wird ein Gottselig hertz, das sich erinnert, das in den Artickeln
des Glaubens nicht frembde deutungen zu suchen sind, gewislich vnd war-
(15)hafftig schliessen knnen, das Christi Leib von der Erden hinauff in den
Himel leiblich vnd sichtbarlich genomen sey, da er auch in der Glori vnd
Herrligkeit sein eigenschafft, form vnd || [37v:] gestalt des waren Leibs behelt
vnd am Jngsten tag in den Wolcken des Himels mit krafft vnd grosser herr-
ligkeit zum Gericht leiblich vnd sichtbarlich wird widerkomen. Bey solchem
(20)richtigem verstand bleiben wir vngezweiuelt, das dis die Gttliche warheit
sey, welche auch vmb deswillen alle Gottselige Christen jnen aus den hert-
zen nicht reissen lassen sollen, dieweil vnserer frnembster trost einer ist,
dauon S. Paulus sagt Ephe. 2: „Gott, der da reich ist von barmhertzigkeit
durch seine grosse liebe, damit er vns geliebet hat, da wir tod waren in Sn-
(25)den, hat er vns sampt Christo lebendig gemacht vnd hat vns sampt jm auffer-
weckt vnd bj sampt jm in das Himlische Wesen gesetzt in Christo Jhesu,k auff
das er erzeigete in den zuknfftigen zeiten den vberschwenglichen Reich-
thumb seiner gnade durch seine gte vber vns in Christo Jhesu.“171
Hiemit leret S. Paulus, wie gleubige Christen sich beides, der Aufferstehung
(30)vnd Himelfart Christi, zu jrem trost neben vielen andern auch also brauchen
sollen, das sie wissen, sie sind mit Christo aufferweckt vnd mit jm allbereit
in den Himel versetzt. Wie geschiet aber dieses? One zweiuel, weil wir teil-
hafftig sein der Natur seines Fleisches,
dk Marginalie am rechten Rand
wie Theodoretus hieuon sehr fein

|| [440]

redet,172 vnd den glauben an jn behalten. Wie es nu gewis ist, das wir sampt
Christo aufferweckt sind, darumb weil Christus in vnserm Fleisch erweckt
ist, also folget vnwidersprechlich, das Christus in vnserm Fleisch allbereit
den Himel in der Hhe eingenomen habe, weil S. Paulus sagt, das wir mit
(5)Christo in das Himlische wesen gesetzt sind.173 Jst aber Christus mit seinem
Leibe noch nicht gen Himel gefaren, sondern allein vnsichtbar worden, wie
knnen wir denn in der hoffnung allbereit mit jm in Himel eingesetzt sein?
|| [38r:] Vnd wie wird der Spruch Christi erfllet, „Jch gehe hin, euch die stete
zu bereiten, vnd ich wil widerkomen vnd euch zu mir nemen, auff das jr
(10)seid, wo ich bin.“174
Es wird aber in heiliger Gttlicher Schrifft wie auch in dem Apostolischen
glaubensbekentnis gemeiniglich an die beschreibung der Himelfart Christi
angehenget das sitzen zur Rechten des Vaters, welches vnruige Leut zum
schein brauchen, als mste es einerley sein, das Christus gen Himel gefaren
(15)vnd zur Rechten Gottes sitzet. Aber weil in den Artickeln vnsers allgemeinen
Christlichen glaubens die summa vnd inhalt der gantzen Euangelischen Lere
auffs kurtzest, als mglich gewesen,
dl Marginalie am linken Rand
begrieffen vnd one allen zweiuel nicht
ein Artickel zweimal mit geenderten worten gesetzt ist, darumb, obwol diese
Artickel also aneinander hangen, das sie als bald auffeinander folgen,
dm Marginalie am linken Rand
sind es
(20)doch zweierley vnterschiedliche Artickel, vnd ist einer mit dem andern nicht
zuuermengen. Denn auch der Euangelist Marcus am letzten Capitel diese
zwey ding vnterschiedlich von Christo schreibet, erstlich, das er sey auffge-
haben in den Himel, vnd darnach, das er sich gesetzt habe zu der rechten
hand Gottes.175 Vnd S. Petrus spricht, das Christus sey zur Rechten Gottes,
(25)nachdem er sey in den Himel gefaren.176
Wie wir nu nach der Schrifft den Artickel von der Himelfart also verstehen,
das Christus mit seinem Leibe warhafftig von der Erden auffgehaben sey gen
Himel, wie auch vnsere Leibe nach der Aufferstehung von dem tod jm in die
Wolcken entgegen gezuckt vnd in die Himlische wonung zu jm erhaben wer-
(30)den sollen, also beschreibet der Artickel vom Sitzen zur Rechten die erh-
hung Christi vnd herrligkeit, nach welcher er auff ein ander weise im Himel
ist als die auserwelten Engel vnd Menschen, ja welche er fr allen Creaturn
hat in || [38v:] alle ewigkeit. Denn dadurch wird angezeigt, das Christus da-
rumb gen Himel gefaren sey, nicht allein das er im Himel fr sich selig sey
(35)wie andere Menschen vnd Engel, sondern das er daselbst in Himli­scher Gtt-
licher vnd sichtbarer klarheit, Maiestet vnd herrligkeit sich erzeige als einen

|| [441]

Herrn aller Creaturn vnd das Haubt seiner Kirchen, durch welches der Vater
alles erhelt vnd regirt, sonderlich seine Kirchen mit dem heiligen Geist bega-
bet vnd schtzet wider den Teufel vnd alle Feinde.
Dieser verstand ist klar nicht allein aus den zuuor angezogenen Sprchen
(5)von der erhhung Christi, dauon S. Paulus redet Philip. 2,177 sondern auch
aus vielen andern beschreibungen als Ephe. 1: „Er hat jn gesetzt zu seiner
Rechten im Himel vber alle Frstenthumb, Gewalt, Macht, Herrschafft vnd
alles, was genant mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in
der zuknfftigen, vnd hat alle ding vnter seine Fsse gethan Vnd hat jn ge-
(10)satzt zum Heubt der Gemeine vber alles, welche da ist sein Leib, nemlich die
flle des, der alles in allem erfllet.“178 Jtem Ephe. 4: „Er ist auffgefaren in
die hhe vnd hat das Gefengnis gefangen gefret vnd hat den Menschen Ga-
ben gegeben“179 etc. Heb. 8: „Wir haben einen solchen Hohenpriester, der da
sitzet zu der Rechten auff dem Stuel der Maiestet im Himel vnd ist ein pfle-
(15)ger des Heiligthumbs vnd der warhafftigen htten, welche Gott auffgericht
hat vnd kein Mensch.“180 Diese Sprch zeigen an, das durch das sitzen zur
Rechten des Vaters die erhhung Christi zum Knigreich vnd Priesterthum
zu verstehen sey, wie denn in der Schrifft das sitzen fr regierung oder herr-
schafft hin vnd wider braucht wird Vnd S. Paulus selbst 1. Cor. 15 fr die
(20)wort des Psalms „Sitze zu meiner Rechten“ das wort || [39r:] „herrschen“ ge-
braucht: „Er mus herrschen, bis er seine feinde vnter seine Fsse lege.“181
Offtmals wird auch in der Schrifft durch das Sitzen zur Rechten die vol-
komenheit beider Naturn in Christo angezeigt, als das er nach der Gttlichen
Natur dem Vater gleich vnd allenthalben gegenwertig ist, alles mit dem
(25)Vater erhelt, regiert, lebendig macht vnd wircket, nach der Menscheit aber,
das er alle Creaturn vbertrifft, nicht allein mit dieser wirde vnd herrligkeit,
das sein Leib vnd Seele des ewigen Sons Gottes eigner Leib vnd Seel vnd
mit jm persnlichen vnd vnzertrenlichen vereinbaret ist, sondern auch in vnd
fr sich mit sterck, macht, weisheit, heiligkeit vnd allen Himlischen Gaben
(30)vnd herrligkeiten vnaussprechlichen hher denn andere Creaturn gezieret
vnd erhaben ist, vmb welches alles alle Creaturn vberzeuget werden, das die-
ser Mensch der Herr aller ding vnd natrlicher ewiger Gott sey. Also redet
Christus selbst Lucae 22: „Von der zeit an wird des Menschen Son sitzen zur
Rechten der krafft Gottes“182 Vnd Matth 26: „Jr werdet den Son des
(35)Menschen sehen sitzen zur rechten der Krafft Gottes“183 Vnd zu den Ebreern
am 1
: „Zu welchem Engel hat er jemals gesagt: ‚Setze dich zu meiner Rech-

|| [442]
-
ten‘“,184 item von dem sichtbaren glantz vnd herrligkeit seiner Menscheit,
aus welcher erkand wird, das er nicht ein schlechter185 Mensch, sondern zu-
gleich ein warhafftiger Gott ist, stehet in Geschichten der Apostel, Acto. 7:
„Stephanus, als er voll heiliges Geistes war, sahe er auff gen Himel vnd sahe
(5)die herrligkeit Gottes vnd Jhesum stehen zur Rechten Gottes.“186
Aus welchem allem folget,
dn Marginalie am linken Rand
das dem Herrn Christo das Sitzen zur Rechten
nach beiden Naturn zugeschrieben wird, wie auch die anbetung, damit Chris-
tus von Engeln vnd Menschen als jr Gott vnd Herr || [39v:] erkennet, geehret
vnd angeruffen wird, Christo Gott vnd Menschen gebret nach dem Spruch
(10)Psalm. 97: „Es sollen jn anbeten alle Engel Gottes“187 Vnd in der Offenba-
rung Johan. am 5.: „Das Lamb ist wirdig zu empfahen die Krafft vnd Reich-
thumb vnd weisheit vnd stercke vnd ehre vnd herrligkeit vnd preis, vnd alle
Creaturn hrete ich sprechen: ‚Dem, der auff dem thron sitzt, vnd dem Lamb
sey preis vnd ehre vnd herrligkeit vnd macht in ewigkeit‘“188 etc. Gleichwol
(15)werden durch das Sitzen zur Rechten die art vnd eigenschafften vnd der
vnterscheid beider Naturn nicht auffgehaben. Denn die volkomenheit des
Schepffers vnd des Geschepffs nicht einerley, sondern in ewigkeit vnter-
scheiden bleibet, vnd ist die Menscheit Christi der Gttlichen Natur vnter-
worffen, wie S. Paulus sagt 1. Cor. 15: „Wenn er sagt, das es alles vnterthan
(20)sey, ist offenbar, das ausgenomen ist, der jm alles vnterthan hat“189 Vnd 1.
Corint. 11
: „Gott aber ist Christus Heubt.“190
Es ist auch Christus nach seiner Gottheit von Ewigkeit beides, die Rechte
des Vaters gewesen vnd zur Rechten des Vaters gesessen, das ist, in gleicher
Maiestet vnd Regierung gewesen. Nach seiner Menscheit aber ist er nicht die
(25)Rechte Gottes selbst, auch nicht von ewigkeit vnd allezeit zur Rechten geses-
sen, sondern alsdenn erst zu der Rechten des Vaters gesetzt oder erhhet
worden, nachdem er ist gen Himel gefaren. Vnd obwol die Menschliche Na-
tur nicht mssig in jrer vnaussprechlichen herrligkeit – denn auch Christus
viel herrliche werck vnd thaten, die zu seiner Kniglichen Regierung vnd
(30)Priesterlichem ampt gehren, durch diese Natur ausrichtet, wie er auch
darinnen erscheinen wird in den Wolcken vnd das vrteil fellen vber die
Lebendigen vnd die Todten191 – jedoch sind darumb die vn- || [40r:] endlichen
eigenschafften der Gottheit nicht der Menscheit fr vnd in sich selbst zuzu-
schreiben. Denn er je nicht durch anlegung seiner hende, gebein, Adern vnd
(35)anderer glieder seines Leibes, welcher leibhafftig vnd sichtbar im Himel ist
vnd bleibet, sondern durch Allmechtige vnd vberal gegenwertige Krafft

|| [443]

seiner Gottheit alles erhelt vnd regiert vnd im Himel vnd Erden ausrichtet
alles, was er wil, wie zun Ebreern am ersten geschrieben stehet: „Er ist der
glantz seiner herrligkeit vnd das Ebenbild seines wesens vnd treget alle ding
mit seinem krefftigen wort.“192
(5)Sehr ntig sind diese zeugnis der schrifft, die wir bisher angezogen, damit
noch heutiges tages in der Erhhung des Herrn Christi wir jn als ein warhaff-
tigen Gott vnd Menschen erkennen vnd die einhelligkeit der Artickel vnsers
Christlichen Glaubens behalten. Vnd ist diese Regel mit sonderm fleis zu
betrachten, bl weil der grund vnserer Erlsung ist die Menschwerdung Christi,
(10)mssen vnd sollen alle folgende Artickel, so zu derselben eigentlich geh-
ren, also vnd nicht anders verstanden werden, das sie dem grndlichen, rech-
ten vnd vnwidersprechlichen verstand des Artikels von der vereinigung bei-
der Naturn in der Person Christi nicht zuwider sein.m
Wiewol aber der Glaub nicht auff einiger Menschen ansehen vnd zeugnis
(15)gegrndet ist, sondern allein auff bm Gottes wort,n jedoch ist es nicht allein
einem Gottseligen Hertzen ein bn grosse freud,o der alten Christlichen Kirchen
lere vnd bekentnis mit der heiligen Schrifft zusamenhalten, sondern es ist
auch vberaus ntig in teglich frfallenden streiten, der alten reinen Lerer vnd
bewerten Concilien fustapffen zu folgen, ja es ist fehrlich vnd erschrecklich,
(20)etwas zu hren oder zu gleuben wider || [40v:] das eintrechtige zeugnis, glau-
ben vnd lere der gantzen heiligen Christlichen Kirchen, so von anfang her
vber funffzehenhundert Jar in aller Welt eintrechtiglich gehalten ist worden.
Derwegen wir etliche helle vnd klare Sprch der Griechischen vnd Latini-
schen Kirchen vnd vnserer Veter vnd Praeceptorn von den bisher erzelten
(25)Artickeln anzihen wllen.
Es ist aber der Apostel zeiten am nehesten gewesen Jgnatius,
do Marginalie am rechten Rand
welcher von S.
Petro zu Antiochia Bischoff ordinieret vnd endlich ein Merterer des Herrn
Christi worden ist. Dieser treibet fast in allen Episteln
dp Marginalie am rechten Rand
mit sonderm ernste,
das man sich fr denen hten vnd wol frsehen sol, welche die ware vnd
(30)volkomliche Menscheit vnd derselben eigenschafft in Christi leugnen,194 wie
leider heutiges tags vnuerschempt etliche schreiben drffen, das die
Menscheit Christi in Mutterleibe alle Gttliche eigenschafften empfangen
vnd doch verborgen habe, gleichwol alle schwacheit vber sich genomen
allein per dispensationem, durch eine Dispensation vnd heimliche verber-
(35)gung, welches im grund nichts anders ist, denn das alles leiden Christi ein
blosser schein gewesen.

|| [444]

In der andern Epistel ad Trallianos spricht er nach langer erzelunge der His-
torien von der Menschwerdung, vom leiden vnd Aufferstehung von der
Himelfart Christi: „Etliche Gottlose, das ist vngleubige, sagen, das er sola
opinione, nur mit einem schein, Mensch worden sey, habe aber nicht war-
(5)hafftig einen Leib angenomen. Er sey auch nur mit einem schein gestorben,
habe aber nicht warhafftig gelidden. So nu dem also ist, warumb bin ich
gebunden vnd beger, den Thieren frgeworffen zu werden? Denn also werde
ich vergeblich sterben, also hab ich vnwarheit ertichtet vom Creutz meines
Herrn, also hat || [41r:] der Prophet vergeblich geweissaget: ‚Sie werden se-
(10)hen, in den sie gestochen haben.‘ Ich setze aber meine hoffnung auf den, der
fr mich gestorben ist nicht mit einem blossen schein, sondern warhafftig.
Denn alles getichte ist ferne von der Warheit. So hat nu Maria warhafftig
geboren den Leib, der Gottes eigener Tempel vnd Wohnung ist, warhafftig
ist Gott, das Wort, aus der Jungfrawen geboren, angezogen mit einem Leibe,
(15)der, wie wir, allem leiden vnterworffen gewesen etc., ist gecreutziget war-
hafftig, non opinione, non phantasia, non impostura, nicht nach einem
schein, nicht wie ein Gespenst, nicht mit betrug“195 etc.
In Epistola 5 ad Philippenses: „Ein einiger ists, der Mensch worden ist, nicht
der Vater, nicht der heilige Geist, sondern allein der Son, nicht mit einem
(20)schein, nicht wie ein Gespenst, sondern warhafftig“ etc. Jtem: „Er ist war-
hafftig geboren, hat warhafftig gewachssen, warhafftig gessen vnd getrun-
cken, ist warhafftig gecreutziget vnd gestorben vnd aufferstanden. Selig ist,
der dis gleubet, wie es an sich selbst ist, wie es geschehen ist. Wer dieses
nicht gleubet, sndiget nicht weniger als die den Herrn gecreutziget
(25)haben.“196
In Epistola 7 ad Smyrnenses: „Alles dieses hat er gelidden von vnsertwegen
vnd hat warhafftig gelidden, nicht mit einem schein, wie er auch wahrhafftig
erstanden ist. Vnrecht ists aber, das etliche Vngleubige, die sich schemen der
Menschwerdung vnd des Creutzes Christi, sagen drffen, das er gestorben
(30)sey nicht in der Warheit vnd mit der that selber, sondern das es die Leute
also gedaucht habe, vnd das er nicht warhafftig aus der Jungfrawen den Leib
angenomen vnd das er allein mit einem schein gelidden habe.“197 Vnd bald
hernach: „Jch aber erkenne nicht || [41v:] allein aus seiner Geburt vnd aus sei-
ner Creutzigung, das er ins Fleisch komen sey, sondern weis auch, das er
(35)nach der Aufferstehung im Fleisch gewesen sey, vnd gleube, das er noch im
Fleisch sey.“198
Et rursus: „Er hat sich nach der Aufferstehung jnen selbst erzeiget, das er
warhafftig vnd nicht wie ein Gespenst erstanden sey, vnd hat mit jnen gessen

|| [445]

vnd getruncken 40 gantzer tag Vnd ist also mitbo bp dem Fleischq zusehends
auffgenomen zu dem, der jn gesandt hatte, vnd wird mitbq demselben Fleisch
widerkomen in der herrligkeit vnd krafft.“199 Jtem: „So der Herr allein mit
einem schein im Leibe gewesen ist, so er wie ein Gespenst gecreutziget ist,
(5)so bin ich auch allein mit einem schein gebunden, vnd warumb hab ich mich
selbst in Tod ergeben, zum Fewer, zum Schwert, zu den wilden Thieren?
Aber ich leide solches nicht nach einem schein, sondern warhafftig mit
Christo, das ich mit jm leide vnd er mich hierinnen stercke“200 etc.
Nach Jgnatio ist einer von den eltesten Scribenten Jreneus,
dq Marginalie am rechten Rand
ein Martyr,
(10)Bischoff zu Leon in Franckreich, welcher Polycarpi Discipel gewesen, wie
Polycarpus selbs des Euangelisten Johannis Zuhrer gewesen ist. Dieser
schreibt also Lib. 2 Contra haereses von den vrsachen, warumb Christus Gott
vnd Mensch sey: „Es ist ja der Herr gtig vnd barmhertzig vnd hat das
Menschliche geschlecht lieb. Darumb hat er den Menschen mit Gott vereini-
(15)get. Denn so nur ein Mensch den Feind des Menschen vberwunden hette, so
were der Feind nicht, wie es hette billich sein sollen, vberwunden worden.
Widerumb aber, so nicht Gott das heil vns gebracht hette, wrden wir die
seligkeit nicht gewis vnd bestendig haben“201 etc.
Lib. 3: „S. Johannes spricht in seiner Epistel: ‚Ein || [42r:] jeder, der da gleubt,
(20)das Jhesus sey der Christ, der ist aus Gott geboren‘, nemlich, der eben diesen
Jhesum Christum erkennet, welchem die Pforten des Himels geffnet sind
von wegen der Auffart seines Fleisches, welcher auch in dem Fleisch, in
deme er gelitten hat, wird widerumb komen vnd des Vaters herrligkeit offen-
baren.“202
(25)Lib. 4: „Dieses ist nicht mit einem schein, sondern mit der that vnd warhaff-
tig also geschehen, es sey denn, das du meinest, er sey nur mit einem schein
Mensch gewesen, der warhafftig Mensch war.“203 Jtem: „wir haben aber
zuuor erweiset, das es eben eins sey, sagen das er mit einem schein allein
erschienen sey oder das er nichts von Maria hab an sich genomen. Denn also
(30)hat er nicht warhafftig Fleisch vnd Blut gehabt, dadurch er vns erlset, wenn
er nicht das alte geschepff Adae jm als dem Haubt hat zu eigen gemacht. So
liegen nu die, so dem Ketzer Valentino nachfolgen vnd solches frgeben,
damit sie vnser Fleisch der Seligkeit berauben.“204

|| [446]

Lib. 3: „Gleichwie er ein Mensch war, das er versucht wrde, also war er das
ewige Wort, das er verkleret wrde. Nu hat wol das Wort geruhet, das er
knte versucht vnd gecreutziget werden vnd sterben, aber doch ist es mit der
Menscheit vereinigt blieben, das er kndte vberwinden vnd ausstehen vnd
(5)jederman wolthun vnd aufferwecken vnd alles widerbringen.“205
Nicht lange nach der Apostel zeit hat auch Justinus Martyr gelebet. Der
schreibt von der Persnlichen vereinigung beider Naturn in Christo also in
Expositione fidei: „Es ist ein einiger Son Gottes, der gestorben ist vnd der
das, so in Tod gefallen war, wider zum Leben bringet. Derwegen wenn du
(10)vngleiche reden || [42v:] hrest in der Schrifft von diesem einigen Son, so hal-
te sie gegeneinander vnd vnterscheide sie nach beiden Naturn. Wird etwas
herrlichs vnd Gttlichs gesagt, das schreibe der Gttlichen Natur zu, wird
aber etwas geringes vnd Menschliches von jm geredet, das schreibe der
Menschlichen Natur zu. Denn also werden die Reden nicht widereinander
(15)sein, wenn einer jeden Natur das jre zugeeignet wird. Also wirstu auch nach
der Lere der heiligen Schrifft dein Bekentnis thun von dem einigen Son, der
vor der Welt anfang, vnd nachmals in der flle der zeit geboren ist.
Es darff mich aber niemands fragen, wie diese vereinigung zugehet. Denn
ich wil mich nicht schemen zu bekennen, das ich dis nicht weis, sondern viel
(20)mehr mich rhhmen, das ich gleube die Geheimnis, darauff ich getaufft bin,
die kein vernunfft noch verstand begreiffen kan. Etliche halten vnd leren, das
diese vereinigung sey wie der Seelen mit dem Leibe, vnd zwar es reimet sich
dieses Exempel, obwol nicht gentzlich, doch zum teil. Denn wie ein einiger
Mensch zwo vnterschiedene Naturen in sich hat vnd mit einem andern teil
(25)seines wesens jm etwas frnimet, aber mit einem andern teil, das er jm fr-
genomen, ausfret als: mit der Seelen nimet er jm einen Baw fr, verbringet
aber denselben mit der Hand, also der Son Gottes, weil er aus zweien Naturn
ist, thut er Wunderwerck mit der Natur, nach welcher er von Vater geborn
ist, mit der aber, nach welcher er aus der Jungfrawen geboren vnd Mensch
(30)ist, hat er williglich vnd warhafftig den Tod vnd was desgleichen ist,
gelidden, vnd so fern reimet sich die Exempel wol. So man aber den gantzen
Christum gegen dem Menschen helt, befindet sich || [43r:] ein vngleicheit.
Denn obwol der Mensch aus zweien Naturen wird, nemlich aus Leib vnd
Seel, so wird doch aus denselben zweien ein andere, nemlich die Menschli-
(35)che natur, die nicht ein Leib oder ein Seel, sondern ein Mensch, das ist Leib
vnd Seel zusamen, ist. Jn Christo aber wird aus den zweien Naturn, der Gtt-
lichen vnd Menschlichen, nicht ein andere Natur, sondern nur eine Person,
nemlich Christus, welcher beides, nemlich Gott vnd ein Mensch ist. Das er
Gott sey, verstehet man aus den Wunderwercken, das er aber Mensch sey,
(40)weiset das Leiden, welches er in vnser natur getragen hat. Jtem wenn des
Menschen Leib leidet, so leidet auch die Seele mit jm, welches von der Gott-

|| [447]
-
heit Christi kein Christ, ja auch kein verstendiger gedencken oder reden
darff. Derhalben dis Exempel des Menschens zum teil anzunemen ist, zum
teil aber nicht.“206 Vnd weiter spricht er: „Es ist die Frage, weil das Wort
allenthalben ist nach seinem wesen, wie es denn in seinem eignen Tempel
(5)wone, was derselbe frbr einen furzug fr andern dingen habe? Aber in Gottes
sachen fragen, wie dis oder jenes zugehe, ist eine ffentliche anzeigung des
vnglaubens. Weistu nicht, wie es zugehe, sondern gleubest, das das Wort sey
blieben, das es war, vnd doch worden, das es nicht war, so wisse auch nicht,
wie diese vereinigung zugehe vnd glaubs dennoch, das das Wort allenthal-
(10)ben sey mit seinem wesen vnd auff eine besondere hohe weise in seinem eig-
nem Tempel.“207
Jn der Latinischen Kirchen haben noch vor der zeit des Nicaenischen Conci-
lij gelebet Tertullianus
dr Marginalie am rechten Rand
vnd Cyprianus, vnd sind bey den Latinern keine elte-
re Scribenten, die vns bekand weren. Also spricht aber Tertullianus contra
(15)Praxeam: „Wir sehen die zwo Naturen nicht vermischt, sondern vereiniget in
eine Person, Gott vnd den Menschen Jhesum. Jch rede aber von Christo, vnd
|| [43v:] wird die eigenschafft beider Natur vnd wesen so gewis behalten, das
die Gottheit das jre in jm gewircket, nemlich die krefften, thaten vnd zei-
chen, vnd das Fleisch sein Leiden getragen hat, welches gehungert, da es
(20)vom Teufel versucht ward, gedrstet, da er mit dem Samaritischen Weibe
redte, vmb Lazarum geweinet, bis in Tod betrbet gewesen vnd endlich auch
gestorben ist.“208 In libro De resurrectione carnis bestetigt er den Artickel von der Himelfart
Christi mit diesem herrlichen trost: „Hic sequester Dei et hominum appella-
(25)tus ex utriusque partis deposito commisso sibi carnis quoque depositum ser-
uat in semetipso, arrabonem summae totius, quem admodum enim nobis ar-
rabonem spiritus reliquit, ita et a nobis arrabonem carnis accepit et vexit in
coelum, pignus totius summae illuc quandoque redigendae. Securae estote
caro et sanguis vsurpastis et coelum et regnum Dei in Christo aut, si negent
(30)vos in Christo, negent et in coelo Christum, qui vobis coelum negauerunt.“
bs „Dieser Mittler zwischen Gott vnd den Menschen hat von beiden teilen als
der rechte Schiedsman gleich als eine beylage, nemlich die Gttliche vnd
Menschliche Natur. Er behelt aber die Menscheit an sich zu einem gewissen

|| [448]

Pfand, dardurch alles fleisch versichert wird. Denn wie er vns das pfand des
Geistes hinderlassen hat, also hat er von vns das pfand des Fleisches angeno-
men als eine versicherung, das auch vnser fleisch dahin sol gebracht werden.
Darumb sey getrost, mein liebes Fleisch vnd Blut, denn du hast allbereit den
(5)Himel vnd das Reich Gottes eingenomen in Christo. Wer euch nu anders
bereden wil, der muste eben auch verleugnen, das Christus in Himel komen
sey.“t209
ds Marginalie am linken Rand
Cyprianus spricht von der Auffart Christi in Expositione symboli:
„Er ist gen Himel gefaren, nicht da Gott das Wort zuuorhin nicht war – denn
er war all- || [44r:] zeit im Himel –, sondern da das Wort im Fleisch vor nicht
(10)sas.“210

Zeugnis aus den Symbolis.

Ehe wir aber auff anderer folgender Veter Sprche
dt Marginalie am linken Rand
komen, wollen wir hie
nacheinander krtzlich gedencken der frnemesten Symbolorum, so neben
dem Apostolischen Symbolo in der Kirchen Gottes zu allen zeiten fr bewert
(15)vnd gleichsam pro regulis fidei sind gehalten worden. Wollen aber aus den-
selben zu diesem mal nur so viel anzihen, als zu den frgenomenen vnd ob-
erzelten Artickeln gehrig.
Jm symbolo Nicaeno, so von 318 Vetern vmb
du Marginalie am linken Rand
das Jar Christi 330 gemacht
worden, stehet dis Bekentnis vom Herrn Christo: „Wir gleuben an Einen
(20)Herrn Jhesum Christum, Gottes eingebornen Son, der vom Vater, das ist, aus
der substantz vnd wesen des Vaters, geboren ist, Gott von Gott, ein Liecht
von dem Liecht, ein warer Gott von dem waren Gott, geboren, nicht geschaf-
fen oder gemacht, eines wesens mit dem Vater, durch welchen alle ding
gemacht sind, was im Himel vnd auff Erden ist, welcher vmb vnser Men-
(25)schen vnd vmb vnser Seligkeit willen hernider komen vnd Mensch worden
ist, hat gelidden, ist am dritten tage aufferstanden, ist gen Himel auffgefaren
Vnd wird komen zu richten die Lebendigen vnd die Todten.“212
Diese Bekentnis ist auch im synodo Constantinopolitana
dv Marginalie am linken Rand
im Jar Christi 385
widerholet vnd bestetiget, vnd sind etliche wenig wort mehr darzu gesetzt,
(30)als das bey der Menschwerdung Christi gedacht wird der Empfengnis aus
dem heiligen Geist vnd das vnterschied- || [44v:] lich, wie im Apostolischen
Symbolo, beide Artickel gesetzt worden: „Er ist auffgefaren gen Himel vnd
sitzet zur Rechten Gottes des Vaters.“ Jtem: „Er wird mit herrligkeit wider-
komen“, „welches Reichs kein ende sein wird“213 etc., wie dieselbe form

|| [449]

noch heutiges tages behalten vnd von wort zu wort in der Kirchen gesungen
wird.
Jm concilio Ephesino, welches vmb das Jar Christi 435 gehalten worden, ist
eben dasselbige Bekentnis auch widerholet vnd ferner wider Nestorium dazu
(5)gesetzet eine ausfrliche Erklerung von der einigen Person Christi, welche
nach der lenge mag gelesen werden in Epistola synodali ad Nestorium vnd in
Expositione Cyrilli vber das Symbolum Nicaenum. Jtem im Buch Cyrilli De
incarnatione vnigeniti vnd in Apologetico ad episcopos orientales. Welches
alles beysamen ordentlich zu finden ist in primo tomo conciliorum.214
(10)Vnter andern stehet in Epistola synodali:
dw Marginalie am rechten Rand
„Wir folgen den Bekentnissen aller
heiligen Veter, welche sie durch den heiligen Geist haben herfrbracht, vnd
bleiben in derselben eigentlichem verstand, weichen weder zur Lincken noch
zur Rechten. Bekennen demnach, das das eingeborne Wort Gottes, geboren
aus des Vaters wesen, ein warer Gott von dem waren Gott, ein Liecht von
(15)dem Liecht, durch welchen alles gemacht ist im Himel vnd auff Erden, vmb
unser Seligkeit willen hernider komen vnd sich selbst zu ernidrigen nicht
geschewet vnd Mensch worden ist. Denn er von der heiligen Junckfrawen
das fleisch angenomen vnd jm eigen gemacht, vnd ist also aus dem Leibe
seiner Mutter geboren ein warer Mensch, hat aber nicht, was er zuuor
(20)gewest, abgelegt. Denn wiewol er Fleisch vnd Blut angenomen, jedoch
bleibt er auch Gott von Natur vnd warhafftig, das er zuuor gewesen ist. So
sagen wir nu, das weder das Fleisch in die Natur der Gottheit ver- || [45r:]
wandelt noch das wesen des Worts Gottes in die substantz des Fleisches ver-
endert sey. Denn Gott keiner verenderung oder verwandlung vnterworffen
(25)ist. Vnd wiewol er warhafftig als ein kleines Kindlin gesehen vnd in Windlin
gewickelt worden vnd in der Schos seiner Mutter gelegen, so erfllet er doch
alle Creaturn vnd ward von seinem Vater nie abgesondert. Denn soferne der
Son oder das Wort Gottes ein Gott ist, wird er an keinem ort begriffen, weil
er sine quantitate et sine mole ist, das ist, nach der Gottheit nicht kan gemes-
(30)sen oder mit einer grsse vmbschrieben werden. Nach der Person aber
bekennen vnd beten wir an einen einigen Son vnd Herrn Jhesum Christum,
snderen nicht voneinander ab Menschen vnd Gott, gleich als weren sie
durch einerley Herrligkeit vnd ansehen miteinander vereiniget, nennen das
Wort Gottes, welches von Gott ist, vnd den Menschen, der vom Weibe gebo-
(35)ren ist, nicht ein jedes in sonderheit Christum, sondern erkennen einen eini-
gen Christum, das Wort Gottes des Vaters zu sampt seinem eigenem Fleisch.

|| [450]

Wir sagen auch nicht, das das Wort Gottes gewonet hab als in einem
schlechten Menschen, der von der heiligen Jungfrawen geboren ist, auff das
nicht jemand gedencke, der Mensch Christus habe Gott nur als einen Gast
oder Einwoner bey sich gehabt. Denn wiewol er vnter vns gewohnet vnd
(5)geschrieben stehet, das in Christo wonet alle Flle der Gottheit leibhafftig,215
jedoch verstehen wir, das weil das Wort Fleisch worden ist, er nicht wie in
den Heiligen wone, vnd vnterstehen vns keinesweges, eine solche einwo-
nung zu setzen, sondern er hat sich natrlichen vereinbaret vnd doch nicht
ins Fleisch verwandelt vnd jm eine solche wonung gemacht, gleichwie die
(10)Seele des Menschen hat in jrem eigenen Leibe.
|| [45v:]
dx Marginalie am linken Rand
So ist er nu ein einiger Christus, ein einiger Son, ein einiger Herr,
nicht als stnde die einigkeit in einer zusamenfgung oder vereinigung der
Herrligkeit vnd des ansehens. Denn allein gleicher Herrligkeit sein machet
nicht eine Natrliche vereinbarung, sintemal auch Petrus vnd Johannes in
(15)gleicher Herrligkeit miteinander sind, weil sie beide Apostel vnd heilige Jn-
ger des Herrn beschrieben werden. Sind aber diese beide darumb nicht ein
einiger.
Wir erkennen auch,
dy Marginalie am linken Rand
das diese weise der vereinigung nicht stehe in dem, das
Gott vnd Mensch nebeneinander gesetzet oder verknpffet werden. Denn dis
(20)auch nicht gnug ist zu der natrlichen vereinbarung. So sagen wir auch nicht,
das es stehe in mitteilung der krafft oder wirckung, gleichwie auch wir, die
wir an dem Herrn hangen, mit jm ein Geist sein. Wir reden auch nicht also,
das das Wort Gottes des Vaters sey ein Gott oder ein Herr Christi, auff das
wir nicht zweene machen aus dem einigen Christo, der ein einiger Son vnd
(25)Herr ist vnd jm nicht einen Gott vnd Herrn machen, welcher er selber ist.“216
Vnd bald hernach:
dz Marginalie am linken Rand
„Wir enthalten vns auch zu sagen: Jch ehre den, der ange-
nomen ist vmb des willen, der jn angenomen hat, vnd bete an, den ich sehe
vmb des willen, den ich nicht sehen kan. Schrecklich aber ist es, also zu re-
den. Der angenomen ist, wird zugleich Gott genennet neben dem, der jn an-
(30)nimet: Is, qui susceptus est, cum eo, qui suscipit, connuncupatur Deus. Denn
wer also redet, teilet abermals den, der da einig ist, in zween Christos, die-
weil er auff einer seiten den Menschen allein vnd auff der andern seiten Gott
allein setzet. Verleugnet demnach offenbarlich die einigkeit, nach welcher
nicht einer neben dem andern coadorirt, || [46r:] das ist neben dem andern an-
(35)gebetet oder Gott neben dem andern genennet wird, sondern es ist ein einiger
Christus Jhesus der eingeborne Son Gottes, zusampt seinem eigenen Fleich
mit einerley diensten zu verehren.
Ob aber wol der eingeborne Son,
ea Marginalie am linken Rand
welcher vom Vater geboren vnd Gott sel-
ber ist, nach seiner Natur dem leiden nicht vnterworffen gewesen ist, jedoch
(40)hat er nach der Schrifft fr vns gelitten, weil er den gecreutzigten Leib nicht

|| [451]

verlassen vnd seines eigenen Fleisches leiden jm selbst zugeeignet, hat aber
in seiner Gttlichen natur nicht gelitten, ob er wol von Gottes gnaden fr alle
den Tod geschmecket hat, indem er seinen eignen Leib dahin gegeben. Nach
seiner Natur aber ist er das Leben selbst vnd die Aufferstehung der Todten.
(5)Derwegen, wiewol geschrieben stehet,
eb Marginalie am rechten Rand
das durch einen Menschen die Auff-
erstehung der Todten komen ist, jedoch verstehen wir solches von dem
Wort, welchs aus Gott ist vnd Mensch worden ist, durch welchen die gewalt
des Todes zerstret ist. Jtem die Reden, welche vnser Heiland in den Euan-
gelien fret, teilen wir nicht in zwo Personen, denn es ist ein einiger Chris-
(10)tus, obwol zwo vngleiche Naturen in eine vnzertrenliche vnd persnliche
vereinigung vereinbaret sein, wie auch ein einiger Mensch ist aus Leib vnd
Seel. Darumb wir recht halten, das der einige Christus jtzt nach seiner
Menscheit, bald nach seiner Gottheit rede.
ec Marginalie am rechten Rand
Jtem dieweil die heilige Jungfraw
leibhafftig geboren hat Gott mit dem fleisch persnlichen vereinbaret, so
(15)bekennen wir, das sie Gottes Gebererin sey, nicht das sie die Natur des
Worts angefangen hab zu sein mit dem fleisch, sondern das er jm Persnlich
die Menschliche Natur vereiniget vnd also aus dem Leib Marie hab wllen
geboren werden.“217
Vmb das Jar Christi 456 sind im Concilio Chal- || [46v:] cedonensi
ed Marginalie am rechten Rand
636
(20)Bischoue zusamenkomen, welche alle die vorgehende Symbola mit sonder-
lichem ernst vnd Eiuer bestetiget vnd denn wider Eutychen dieses bekentnis
gestellet haben: „Wir bekennen, wie wir von den heiligen Vetern empfangen
haben, das ein einiger Son vnser Herr Jhesus Christus, vnd leren allesampt
einhelliglich, das er volkomen sey in der Gottheit vnd volkomen in der
(25)Menscheit, ein warhafftiger Gott vnd warhafftiger Mensch, der eine ver-
nnfftige Seel vnd einen Leib hat,
ee Marginalie am rechten Rand
eines wesens mit dem Vater nach der
Gottheit vnd eines wesens mit vns nach der Menscheit. Denn er vns in allem
gleich ist, ausgenomen die Snde, von ewigkeit geboren von dem Vater nach
der Gottheit, in den letzten zeiten aber vmb vnser vnd vmb vnser seligkeit
(30)willen aus der Jungfrawen vnd Gottes Gebererin Maria nach der Menscheit
geboren. Erkennen auch diesen einigen
ef Marginalie am rechten Rand
Jhesum Christum, den Herrn vnd
eingebornen Son in zweien Naturen vnuermischet, vnuerwandelt, vnzerteilet
vnd vnzertrenlich also, das der vnterscheid der Naturn nicht auffgehaben von
wegen der vereinbarung, sondern vielmehr die eigenschafft beider Naturn
(35)behalten vnd in einer Person vereiniget werde. Nicht das er in zwo Personen
geteilet oder gesndert werde, sondern das ein einiger, eingeborner Son,
welcher ist Gott das Wort vnd ein einiger Herr Jhesus Christus selbst, wie
vorzeiten die Propheten von jm geweissaget vnd Christus selbst vns geleret

|| [452]

vnd der Veter bekentnis auff vns gebracht haben. Weil wir denn solches mit
allem fleis vnd frsorge ausdrcklich gesetzt, hat diese heilige vnd allgemei-
ne Versamlung beschlossen, das niemand verstattet werden sol, einen andern
Glauben zu bringen, zu schreiben, zu machen, zu halten oder andere zu
(5)leren“220 etc.
Von diesem jtztgemelten Chalcedonensi concilio hat || [47r:]
eg Marginalie am linken Rand
Bapst Leo eine
Epistel an Flauianum vnd darber eine Schrifft an den Synodum vnd Keiser
Martianum gesand, welche, wie Nicephorus schreibet, genant ist worden Co-
lumna rectae fidei, στήλη τῆς ὀρθοδοξίας,221 bt eine Seule des rechten Glau-
(10)bens.u In der Epistel stehen vnter andern diese wort: „Salua proprietate
vtriusque naturae et in vnam coeunte personam, suscepta est a maiestate
humilitas, a virtute infirmitas, ab aeternitate mortalitas et ad resoluendum
conditionis nostrae debitum natura inuiolabilis naturae est vnita passibili, vt
quod nostris remedijs congruebat, vnus atque idem mediator Dei et hominum
(15)homo Christus Iesus et mori posset ex vno et mori non posset ex altero. In
integra ergo veri hominis perfectaque natura verus natus est Deus etc. Tenet
itaque sine defectu proprietatem suam vtraque natura.“ Et paulo post: „Sicut
Deus non mutatur miseratione ita homo non consumitur dignitate: Agit enim
vtraque forma cum alterius communione, quod proprium est. Verbo scilicet
(20)operante, quod verbi est et carne exequente, quod carnis est. Vnum horum
coruscat miraculis, aliud succumbit iniurijs. Et sicut Verbum ab aequalitate
paternae gloriae non recessit, ita caro naturam nostri generis non reliquit.“ Et
paulo post: „Propter hanc vnitatem personae in vtraque natura intelligendam
et filius hominis legitur descendisse de coelo, cum Filius Dei carnem de ea
(25)virgine, de qua natus, assumserit. Et rursus: Filius Dei crucifixus dicitur ac
sepultus, cum haec non in diuinitate ipsa, qua vnigenitus consempiternus et
consubstantialis est Patri, sed in naturae humanae infirmitate sit perpes-
sus“ Papst Leo I., Tomus ad Flavianum III, IV, V in: PL 54, 764. 768. 772 (ACO 2, 2, 1, 27,2–7.
15–16. 28,11–16. 29,13–17; DH 293; 294). etc. bu „Die eigenschafft beider Naturn ist vollkmlich blieben vnd ist
doch eine Person, auff das ein einiger Mittler sey zwischen Gott vnd den
(30)Menschen, der Mensch Jhesus Christus, welcher nach der einen Natur ster-
ben, nach der andern aber nicht kondte sterben.“ Jtem: „Beide Natur behelt
one einigen abbruch jre eigenschafft.“ Jtem: „Gleichwie Gott nicht verwan-
delt wird, || [47v:] das er sich aus erbarmung so tieff hernider gelassen hat,
also wird der Mensch durch die Herrligkeit, in die er erhaben ist, nicht ver-
(35)zeret. Beide Naturn wircken miteinander also, das ein jede wircket, was jrer
eigenschafft gemes ist, nemlich das Wort wircket, was dem Wort eigen ist,

|| [453]

vnd das Fleisch richtet aus, was dem fleisch gemes ist. Die eine Natur lest
sich sehen in Wunderwercken, die ander ist dem Leiden vnterworffen. Vnd
wie das Wort nie verlassen hat die gleiche ehr mit dem Vater, also hat das
Fleisch nie verlassen die art vnd eigenschafft Menschlicher natur.“ Jtem:
(5)„Diese einigkeit der Person zu verstehen in beiden Naturn, lieset man, das
des Menschen Son vom Himel hernider komen sey, so doch der Son Gottes
das Fleisch von der Jungfrawen, aus welcher er geborn ist, hat angenomen.
Vnd widermb saget man, das der Son Gottes gecreutziget sey vnd begraben,
so er doch dieses nicht nach der Gottheit, nach welcher er der Eingeborne
(10)gleich ewige vnd eines wesens mit dem Vater ist, sondern nach der
schwacheit Menschlicher Natur erlidden hat.“v
Als diese Epistel, darinnen viel andere dergleichen helle vnd klare Sprche
sein, ffentlich im Concilio verlesen, haben die versamleten Bischoue
semptlich ausgeschrien: „Haec vera fides, haec sancta fides, haec sempiterna
(15)fides, in hanc baptizati sumus, in hanc baptizamus. Omnes ita credimus, haec
patrum fides, haec apostolorum fides. Anathema sit, qui ita non credit.“
bv „Dieses ist der rechte Glaube, dieses ist der heilige Glaube, dis ist der stet-
werende Glaube. Jn diesem Glauben sind wir getaufft, darauff tauffen wir
andere. Wir gleuben alle also, dis ist der Veter glaube, dis ist der Apostel
(20)glaube. Verflucht sey, wer nicht also gleubet.“w222
Am ende aber der Schrifft,
eh Marginalie am rechten Rand
an den Synodum vnd Keiser Martianum gesandt,
hat Leo eine ernste verwarnung vnd, als Nicephorus erzelet, diese Rede in
sonder- || [48r:] heit mit angehenget, das die Kirchen Gottes damit allein er-
bawet vnd gegrndet werden mge, so die Leute vnterrichtet werden, das ein
(25)einiger Christus sey, in welchem citra commixtionem, citra mutationem,
citra alterationem et citra confusionem, bw one vermischung, one verenderung,
one verwandlung vnd one vermengungx zwo Naturen, die Gottheit vnd
Menscheit, warhafftig sein vereinbaret.223
Als aber vnter dem Keiser Justino etliche sich vnterstnden,
ei Marginalie am rechten Rand
das Decretum
(30)bx oder den Beschlussy Chalcedonensis concilij anzufechten, schreibet Cedre-
nus in vita Iustini, das Hormisdas, der Rmische Bischoff, gen Constanti-
nopel
mit vielen Bischouen gezogen vnd das Symbolum Chalcedonense
nicht allein bestetiget, sondern auch zu mehrer erklerung diese wort darzu
gesetzet von den beiden Naturen in Christo: „Wenn wir zwo Naturen nen-
(35)nen, zeigen wir an den vnterscheid des Fleisches vnd des Wortes. Denn diese
beide sind nicht vermischet, sintemal die vermischung beide Naturen vertil-

|| [454]
-
gen vnd zerstren wrde. Aber die vnaussprechliche vereinbarung, welche
wir gleuben vnd bekennen, vermischet die Naturen nicht, sondern machet
aus beiden einen einigen Christum, der vns erschienen ist, welcher beides ist,
Gott vnd Mensch.“224
(5)Gleicher gestalt ist im synodo Constantinopolitana
ej Marginalie am linken Rand
quinta oecumenica vmb
das Jhar Christi 552 vnter dem Keiser Justiniano das Symbolum Chalcedo-
nense abermals einhelliglich bestetiget vnd neben dem Bekentnis von der
heiligen Dreyfaltigkeit in sonderheit erkleret worden, das Christus nicht nach
der Gttlichen, sondern nach der Menschlichen Natur gelitten habe vnd das
(10)beider Naturen eigenschafften mit vleis vnterschieden werden mssen.225
|| [48v:] Vnd wird noch heutiges tages in der Griechischen Kirchen Agenda
dieser Gesang gelesen, welchen man meinet, das er in diesem Synodo gestel-
let sey: „Vnigenite Fili et Verbum Dei, qui cum immortalis sis, assumsisti
humanam naturam propter nostram salutem ex sancta Dei genitrice et sine
(15)mutatione naturarum. Homo factus et crucifixus es, Christe Deus, mortem
morte proculcans et simul glorificaris cum Patre et Spiritu sancto, salua nos“,
by „Ach du eingebornerbz Son vnd Wort des Vaters, welcher du vnsterblich bist
vnd doch Menschliche natur vmb vnser Seligkeit willen aus der heiligen
Mutter Gottes hast angenomen vnd also one verwandlung der Natur Mensch
(20)worden vnd gecreutziget bist, Christe, du warer Gott, der du mit deinem Tod
hast den Tod vberweldiget, der du mit dem Vater vnd heiligem Geist wirst
geehret vnd angebetet, hilff vns.“226
Vmb das Jhar 681 ist Constantinopolitana synodus
ek Marginalie am linken Rand
oecumenica sexta gehal-
ten worden, in welchem der vorgehenden fnff conciliorum decreta vernew-
(25)ert vnd bestetigt vnd ferner wider die Monotheletas darzu gesetzt ist, das
gleichwie in dem einigen Christo zwo Naturn vnuermischt, vnuerwandelt,
vnzertrent, vnzerteilt erkennet vnd der vnterscheid der Naturen von wegen
der vereinbarung nicht auffgehaben, sondern vielmehr die eigenschafften
beider Naturn, so eine einige Person machen, behalten werden mssen, also
(30)sollen auch zween Natrliche willen in Christo vnzerteilt, vnuerwandelt, vn-
zertrenlich, vnuermischt geleret werden. Nicht das die zween willen, so bei-
den Naturn eignen, widerwertig vnd einander entgegen weren, sondern das
der Menschlichen Natur willen dem Gttlichen vnd Allmechtigen willen

|| [455]

vnterworffen sey vnd das gleichwol, wie das Fleisch Christi des Worts
Gottes eigen fleisch ist vnd genennet wird, || [49r:] also auch der Natrliche
wille des Fleisches one absonderung oder trennung des Worts Gottes eigener
wille sey vnd genennet werde.227 Eben also sollen auch zwo natrliche
(5)wirckung vnzerteilt, vnuerwandelt, vnuermischt, vnzertrenlich in dem eini-
gen Herrn Jhesu Christo gepreiset werden, das ist, eine Gttliche wirckung
vnd eine Menschliche wirckung nach der lere Leonis, welcher ausdrcklich
bezeuget, das beide gestalt oder Natur miteinander wircken, doch ein jede,
was jr eigenet vnd gebret, nemlich, das das Wort ausrichte, was seiner
(10)eigenschafft gehret, vnd das Fleisch thue, was jm gebret vnd eignet. Denn
wir mitnichten einerley wirckung Gott vnd der Creaturn zuschreiben sollen,
auff das nicht das Geschepff zu einem Gttlichen wesen erhaben vnd der
Gttlichen Natur sonderlicher vnd hoher vorzug den Creaturn zugemessen
werde. Erkennen derwegen, das beides, die wunderwerck vnd das Leiden,
(15)des einigen Christi sein, aber doch secundum aliud et aliud earum, ex quibus
est naturis et in quibus habet esse, das ist: nach vnterscheid der Naturn, in
welchen Christus eine Person ist, welche auch beide zu dem wesen vnd
substantz seiner Person gehren.228 Dieses wird nach der lenge nicht allein erkleret, sondern auch erweiset vnd
(20)dargegen die einrede vnd gegenwrffe widerleget in den Actis gemeltes
Synodi, welche der Christliche Leser selbst nachsuchen mag in 2. tomo con-
ciliorum.229 Aldo230 auch in sonderheit erzelet wird die vberaus schne vnd
ausfrliche Epistel Agathonis Episcopi Romani, so er nach gehabtem Syno-
do der Rmischen Kirchen an das Concilium geschickt hat, darinnen vnter
(25)andern diese wort stehen: „Hic status est euangelicae atque apostolicae fidei
regularisque traditio, vt confitentes sanctam et inseparabilem Trinitatem, id
est Patrem et Filium et Spiritum sanctum vnius || [49v:] esse deitatis, vnius
naturae et substantiae siue essentiae, vnius eam praedicemus et naturalis vo-
luntatis, virtutis, operationis, dominationis, maiestatis, potestatis et gloriae.
(30)Et quicquid de eadem sancta Trinitate essentialiter dicitur singulari numero,
tanquam de vna natura trium consubstantialium personarum comprehenda-
mus regulari ratione hoc institui, cum vero de vno earundem trium persona-
rum ipsius sanctae Trinitatis Filio Dei, Deo Verbo et de mysterio admirandae
eius secundum carnem dispensationis confitemur, omnia duplicia vnius eius-
(35)demque domini saluatoris nostri Iesu Christi secundum euangelicam traditio-
nem asserimus, id est duas eius naturas praedicamus, diuinam scilicet et

|| [456]

humanam, ex quibus et in quibus etiam post admirabilem atque inseparabi-
lem vnitionem subsistit. Et vnamquamque eius naturam proprietatem natura-
lem habere confitemur et habere diuinam omnia, quae diuina sunt et
humanam omnia, quae humana sunt absque vllo peccato. Et vtrasque vnius
(5)eiusdemque Dei Verbi incarnati, id est humanati inconfuse, inseparabiliter,
immutabiliter esse cognoscimus. Sola intelligentia, quae vnita sunt discer-
nentes propter confusionis duntaxat errorem. Aequaliter enim et diuisionis et
commixtionis detestamur blasphemiam. Cum duas autem naturas duasque
naturales voluntates et duas naturales operationes confitemur in vno domino
(10)nostro Iesu Christo, non contrarias eas nec aduersas ad alter utrium dicimus
sicut a via veritatis errantes, apostolicam traditionem accusant, absit haec im-
pietas a fidelium cordibus nec tanquam separatas in duabus personis vel sub-
sistentijs, sed duas dicimus vnum eundemque dominum nostrum Iesum
Christum sicut naturas ita et naturales in se uoluntates et operationes habere,
(15)diuinam scilicet et humanam. Diuinam quidem voluntatem et operationem
habere ex aeterno cum coessentiali Patre communem, humanam temporaliter
ex nobis cum nostra natura susceptam. Haec est apostolica atque euangelica
traditio, haec est mera confessio pietatis, haec est christianae religionis vera
atque immaculata professio, quam non humana adinuenit versutia, sed Spiri-
tus san- || [50r:] ctus per apostolorum principes docuit. Haec est firma et irre-
prehensibilis sanctorum apostolorum doctrina, cuius sincerae pietatis integri-
tas, quoadusque libere praedicatur in republica christiana imperium stabilie-
tur et exultabit“231 etc.
ca „Hierauff stehet der Euangelische vnd Apostolische Glaube vnd dis ist die
(25)rechtschaffene lere, das wenn wir bekennen, das die heilige vnd vnzertrente
Dreyfaltigkeit, welche ist der Vater, Son vnd heiliger Geist, einerley Gottheit
vnd einerley Natur vnd wesens sey, wir zugleich leren, das sie einerley
Natrlichen willen, krafft, wirckung, Herrschafft, Maiestet, gewalt vnd herr-
ligkeit habe. Denn was man von der einigen Gttlichen Dreyfaltigkeit nach
(30)dem wesen redet, das mus man von allen dreien Personen gleicher weise ver-
stehen. Wenn wir aber von der andern Person der heiligen Dreyfaltigkeit,
dem Son Gottes, welcher ist Gott das Wort vnd von dem geheimnis seiner
Wunderbaren Menschwerdung vnser bekendnis thun, sagen wir klerlich nach
der Euangelischen Lere, das alles in dem einigen vnserm Herrn vnd Heiland
(35)Jhesu Christo vnterschiedlich vnd nicht einerley sey. Denn wir bekennen in
jm zwo Naturn, nemlich die Gttliche vnd Menschliche, aus welchen vnd in
welchen er auch nach der wunderbaren vnd vnzertrenten vereinigung eine
Person ist. Wir bekennen auch, das ein jede Natur jre natrliche eigent-
schafft habe vnd das die Gttliche Natur alles habe, was der Gottheit eigenet,
(40)vnd die Menschliche Natur alles, was der Menscheit ist one einige Snde.

|| [457]

Diese beide Naturn aber erkennen wir also in dem Wort, welches Fleisch
worden ist, das sie eine Person sein one vermischung, vnzertrenlich vnd vn-
uerwandlet. Jedoch vnterscheiden wir mit den gedancken die || [50v:] mitein-
ander vereinigten Naturn, auff das wir nicht jrriger weise eine vermischung
(5)machen. Denn wir zugleich eine Abschew tragen, die Person zu teilen vnd
die Naturn zu vermengen. Wenn wir aber zwo Naturn vnd zweierley Natr-
liche willen, auch zweierley Natrliche wirckung in dem einigen vnserm
Herrn Jhesu Christo bekennen, sagen wir nicht, das dieselben widereinander
noch eines dem andern zuentgegen sey, – gleich wie die, so vom wege der
(10)Warheit jrren, der Apostolischen Lere furwerffen, welche lesterung doch fer-
ne sey von Gottseligen hertzen – auch nicht, das sie voneinander gesndert
sein in zweien Personen, sondern wir sagen, das gleichwie der einige vnser
Herr Jhesus Christus zwo Naturn, also auch zweierley Natrliche willen vnd
wirckung in sich habe, nemlich einen Gttlichen vnd Menschlichen. Den
(15)Gttlichen willen vnd wirckung hat er von ewigkeit, einerley mit dem Vater,
mit welchem er gantz gleiches wesens ist. Den Menschlichen willen vnd
wirckung aber hat er in vnser Natur, die er in der zeit von vns hat angeno-
men. Dis ist die Apostolische vnd Euangelische Lere, dis ist die lautere
bekentnis der Gottseligkeit, dis ist der Christlichen Religion ware vnd vnbe-
(20)fleckter Glaube, welchen nicht Menschliche list erfunden, sondern der heili-
ge Geist durch die hchsten Apostel geleret hat. Dis ist die bestendige vnd
vntaddelhafftige Lere der heiligen Apostel, welche solang sie volkomen vnd
rein vnd frey ffentlich geleret wird, wird das Reich der Christenheit beste-
tigt werden vnd sich zu frewen haben“b etc.
(25)Vmb krtz willen vbergehen wir die decreta synodi Hispalensis vnd Toleta-
nae 4,232 darinnen gleicher gestalt wie in Chalcedonensi vnd in den vorge-
henden cb allgemei- || [51r:] nen Concilijs oderc synodis oecumenicis die Lere
von beiden Naturen in Christo vnd deren vnterschiedenen eigenschafften
deutlich erkleret vnd bestetigt worden ist, wllen allein noch etliche andere
(30)bewerte vnd von der gantzen Christenheit angenomene Symbola anzihen, so
zugleich erklerunge sein der vorgedachten Symbolorum, die in den synodis
oecumenicis, aus hohem bedacht gestellet sind.
Als Epiphanius am ende seines Buchs,
el Marginalie am rechten Rand
welches er Ancoratum nennet, das
Nicaenum symbolum, wie es in Constantinopolitana synodo widerholet, von
(35)wort zu wort nacheinander erzelet hat, setzet er alsbald darauff diese Para-
phrasin vnd Erklerunge der Artickel von Christo: „Welcher vmb vnser Men-
schen vnd vmb vnsers heils willen hernieder komen vnd Mensch worden,
das ist volkomlich aus der heiligen vnd vnbefleckten Jungfrawen (semper
virgine) Maria geboren ist durch den heiligen Geist vnd die volkmliche

|| [458]

Menschliche Natur an sich genomen hat, nemlich Leib vnd leben vnd ein
vernnfftige Seele vnd alles, was ein Mensch ist, ausgenomen die Snde. Es
ist aber das Wort Fleisch worden, nicht das es einige verenderung gelidden
oder die Gottheit in die Menscheit verwandelt hette, sondern das mit seiner
(5)Gottheit das Fleisch vereinbaret vnd eine Person worden. Denn es ist ein
einiger Herr Jhesus Christus, nicht zween, ein Gott, ein Herr, ein Knig, vnd
eben dieser hat gelidden im Fleisch vnd
em Marginalie am linken Rand
ist aufferstanden vnd gen Himel
gefaren eben mit vnd in seinem Leibe vnd sitzet in der Herrligkeit zur Rech-
ten des Vaters vnd wird widerkomen in demselben Leibe, in der Herrligkeit
(10)zu richten die Lebendigen vnd die Todten, welches Reich kein ende haben
wird.“233
S. Athanasij symbolum ist auch gemeinen Leuten bekand
en Marginalie am linken Rand
vnd wird teglich in
vnsern Kirchen gesungen. || [51v:] Jn demselben wllen Christliche Hertzen
die wort, wie sie an sich selbst lauten, mit vleis erwegen. Denn nachdem er
(15)von der heiligen Dreyfaltigkeit das Bekentnis der allgemeinen Christenheit
klerlich beschrieben, erzelet er auff diese weise den rechten verstand Christ-
liches Glaubens von der Menschwerdung vnd beiden Naturen in Christo: „Es
ist not zur ewigen Seligkeit, das man trewlich gleube, das Jhesus Christus
vnser Herr sey warhafftig Mensch. So ist nu dis der rechte Glaube, so wir
(20)gleuben vnd bekennen, das vnser Herr Jhesus Christus, Gottes Son, Gott vnd
Mensch ist. Gott ist er aus des Vaters Natur, vor der Welt geboren, Mensch
ist er aus der Mutter Natur, in der Welt geboren. Ein volkomener Gott, ein
volkomener Mensch mit vernnfftiger Seelen vnd Menschlichem Leibe.
Gleich ist er dem Vater nach der Gottheit, kleiner ist er denn der Vater nach
(25)der Menscheit, vnd wiewol er Gott vnd Mensch ist, so ist er doch nicht
zween, sondern ein Christus. Einer, nicht das die Gottheit in die Menscheit
verwandelt sey, sondern das die Gottheit hat die Menscheit an sich genomen.
Ja, einer ist er, nicht das die zwo Naturen vermenget sind, sondern das er ein
einige Person ist. Denn gleichwie Leib vnd Seel ein Mensch ist, also ist Gott
(30)vnd Mensch ein Christus, welcher gelidden hat vmb vnser Seligkeit willen,
ist zur Hellen gefaren, am dritten tage aufferstanden von den Todten, auffge-
faren gen Himel, sitzend zur Rechten Gottes des Allmechtigen Vaters, von
dannen er komen wird zu richten die Lebendigen vnd die Todten, vnd zu sei-
ner Zukunfft mssen alle Menschen aufferstehen mit jren eigenen Leiben
(35)vnd mssen rechenschafft geben, was sie gethan haben, vnd welche guts
gethan haben, werden ins ewige Leben gehen, welche aber bses gethan, ins
ewige Fewr. Das ist || [52r:] der Christliche Glaube; wer denselben nicht fest
vnd trewlich helt, der kan nicht selig werden.“234

|| [459]

Sanct Damasi, des Bischoffs zu Rom,
eo Marginalie am rechten Rand
Symbolum erzelet S. Hieronymus vnd
habens die Christlichen Keiser allen rechtgleubigen zu halten mit grossem
Eiuer befohlen.235 Jn demselben sind unter andern diese wort: „Der Son Got-
tes ist zur letzten zeit, vns selig zu machen vnd die Schrifft zu erfllen, her-
(5)nieder komen vom Vater, welcher doch nie auffgehret, bey dem Vater zu
sein, vnd ist empfangen von dem heiligen Geist vnd geborn aus der Jung-
frawen, hat Fleisch, leben vnd Seel, das ist die volkomene Menscheit an sich
genomen, hat aber nicht verlassen, was er war, sondern angefangen zu sein,
das er nicht war, doch also, das er volkomen ist in dem seinen vnd warhafftig
(10)in dem vnsren. Denn der Gott war
ep Marginalie am rechten Rand
ist Mensch geboren vnd der Mensch ge-
boren ist wircket als Gott vnd der da als Gott wircket stirbet als ein Mensch
vnd der als ein Mensch stirbet stehet auff als ein Gott. Welcher, nachdem er
die macht des Todes vberwunden, eben mit dem Fleisch,
eq Marginalie am rechten Rand
in dem er geborn,
gelidden, gestorben vnd aufferstanden, zum Vater auffgefaren ist vnd sitzet
(15)zur Rechten desselbigen in der herrligkeit, die er stets gehabt vnd noch hat
etc. Dieses liess, dieses gleube, dieses behalte, diesem bekendnis vntergiebe
deine Seele, so wirstu leben vnd belohnung von Christo empfahen.“236
Sehr feine wort stehen auch in Explanatione symboli ad Damasum tomo 4.
Hieronymi, darunter etliche so klar vnd deutlich sind, als wenn sie ausdrck-
(20)lich vnd eigentlich gesetzt weren wider die realem oder physicam Communi-
cationem Idiomatum, cd wider die wesentliche mitteilunge Gttlicher eigen-
schafft:e „Sic confitemur in Christo vnam Filij esse personam, vt dicamus,
duas esse perfectas atque integras substantias, id est deitatis et humanitatis,
quae || [52v:] ex anima continetur et corpore. Atque vt condemnamus Photi-
(25)num, qui solum et nudum in Christo hominem confitetur, ita anathematiza-
mus Apollinarem et eius similes, qui dicunt Dei Filium minus aliquid de
humana suscepisse natura et vel in carne vel in anima vel in sensu assump-
tum hominem, his, propter quos assumptus est, fuisse dissimilem, quem
absque sola peccati macula, quae naturalis non est, nobis confitemur fuisse
(30)conformem. Illorum quoque similiter execramur blasphemiam, qui nouo
sensu asserere conantur a tempore susceptae carnis, omnia, quae erant deita-

|| [460]
-
tis, in hominem demigrasse et rursum, quae erant humanitatis, in Deum esse
transfusa, vt quod nulla vnquam haeresis dicere ausa est, videatur hac confu-
sione vtraque exinanita substantia, deitatis scilicet et humanitatis et a proprio
statu in aliud esse mutata, qui tam Deum imperfectum in Filio, quam homi-
(5)nem confitentur, vt nec Deum verum nec hominem tenere credantur. Nos
autem dicimus susceptum ita a Dei Filio passibile nostrum, vt deitas impassi-
bilis permaneret: Passus est enim Dei Filius non putatiue, sed vere omnia,
quae scriptura testatur, id est esuriem, sitim, lassitudinem, dolorem, mortem
et caetera huiusmodi. Secundum illud passus est, quod pati poterat, id est
(10)non secundum illam substantiam, quae assumpsit, sed secundum illam, quae
assumpta est. Ipse enim Dei Filius secundum suam deitatem impassibilis est
vt Pater, incomprehensibilis vt Pater, inuisibilis vt Pater, inconuertibilis vt
Pater. Et quamuis propria persona Filij, id est Dei Verbum, suscepit passibi-
lem hominem, ita tamen eius habitatione secundum suam substantiam deitas
(15)Verbi nihil passa est vt tota Trinitas, quam impassibilem confiteri necesse
est. Mortuus est ergo Dei Filius secundum scripturas iuxta illud, quod mori
poterat, resurrexit tertia die, ascendit in coelum, sedet ad dexteram Dei
Patris, manente ea natura carnis, in qua natus et passus est, in qua etiam re-
surrexit. Non enim exinanita est humanitatis substantia, sed glorificata et in
(20)aeternum cum deitate mansura. Accepta ergo a Patre omnium potestate, quae
in coelo sunt et in terra, venturus est ad iudicium viuorum et mortuorum, vt
et iustos || [53r:] remuneret et puniat peccatores, resurrectionem etiam carnis
confitemur et credimus, vt dicamus nos in eadem, in qua nunc sumus, verita-
te membrorum esse reparandos, qualesque semel post resurrectionem fueri-
(25)mus effecti, in perpetuum permansuros etc. Haec fides est, quam in ecclesia
didicimus quamque semper tenuimus et tenemus“237 etc.
ce „Also bekennen wir in Christo eine einige Person des Sons, das wir gleich-
wol zwey volkmliche wesen in jm erkennen, nemlich die Gottheit vnd die
Menscheit, welche Leib vnd Seel hat. Vnd gleichwie wir Photinum verdam-
(30)men, welcher Christum fur einen blossen Menschen helt, also verwerffen wir
Apollinaris meinung vnd seinesgleichen, welche sagen, das der Son Gottes
nicht die gantze Menschliche Natur hab angenomen vnd sey entweder nach
dem Leibe oder nach der Seelen oder nach dem Sinn vnd bewegungen vn-
gleich gewesen denen, vmb welcher willen er Mensch worden ist. Dargegen
(35)aber bekennen wir, das er vns durchaus gleich gewesen sey, ausgenomen die
Snde, welche auch in vnser Natur nicht geschaffen ist. Wir verfluchen auch
die lesterung derer, welche auff eine newe weise sich vnterstehen furzuge-
ben, das von der zeit der Menschwerdung an alles, was der Gottheit eigen ist,

|| [461]

in die Menscheit gekomen vnd widerumb, was der Menscheit eigen ist, in
die Gttliche Natur ausgegossen sey. Daraus folgen wrde, das doch kein
Ketzer nie hat furgeben drffen, das durch diese vermischung beider Naturn
wesen ausgeleeret vnd also die Gottheit vnd Menscheit etwas anders worden
(5)sey, vnd wrde hiermit beides eine vnuolkomene Gottheit vnd Menscheit
geleret, also das man jn weder fur einen waren Gott noch fur einen waren
Menschen gleuben kndte. || [53v:] Dargegen aber sagen wir, das von dem
Son Gottes vnsere sterbliche Natur also sey angenomen, das die Gottheit
dem leiden nicht sey vnterworffen. Denn es hat der Son Gottes nicht nach
(10)einem schein, sondern warhafftig alles gelidden, daruon die Schrifft zeuget,
nemlich hunger, durst, mdigkeit, schmertzen vnd endlich den Tod selber.
Er hat aber gelidden nach der Natur, welche leiden kundte, das ist nicht nach
der Gottheit, sondern nach der angenomenen Menscheit. Denn er als der Son
Gottes ist dem Leiden nicht vnterworffen nach der Gottheit, gleichwie auch
(15)der Vater. So ist er vnbegreifflich wie der Vater, ist vnsichtbar wie der Vater,
kan nicht verendert oder verwandelt werden wie der Vater vnd obwol der
Son als das Wort Gottes in eigner Person den sterblichen Menschen hat an-
genomen, jedoch hat die Gottheit des Worts, indem sie Persnlichen in der
Menscheit gewonet hat, nichts gelidden, gleichwie man von der gantzen
(20)Dreyfaltigkeit also bekennen mus, das sie dem Leiden nicht vnterworffen
sey. So ist nu der Son Gottes gestorben nach der Schrifft in der Natur, die
sterblich war, ist am dritten tag aufferstanden, ist gen Himel gefaren, sitzet
zur Rechten Gottes des Vaters vnd bleibet die Natur des Fleisches, in wel-
cher er geboren ist vnd gelidden hat, in welcher er auch aufferstanden ist.
(25)Denn das wesen der Menscheit ist nicht ausgeleeret, sondern verkleret vnd
wird in ewigkeit mit der Gottheit vereiniget bleiben, vnd nachdem er von
dem Vater gewalt vber alles empfangen hat, was im Himmel vnd auff Erden
ist, wird er komen zum Gericht der || [54r:] Lebendigen vnd der Todten, das er
die Gerechten belohne vnd die Snder straffe. Wir bekennen auch vnd gleu-
(30)ben eine Aufferstehung des Fleisches also, das wir sagen, das wir eben diese
Gliedmas, die wir jtzund haben, warhafftig wider bekomen vnd, wie wir ein-
mal nach der Aufferstehung sein werden, also werden wir in ewigkeit blei-
ben etc. Dis ist der Glaube, den wir in der Kirchen gelernet haben vnd den
wir allzeit gehalten haben vnd noch halten.“f
(35)Dergleichen viel schner wort sind auch in Explanatione fidei ad Cyrillum,
cf in erklerung des Glaubens an Cyrillum,g Tomo 4. Hiero.: „Quia propter nos
et homo dicitur non debemus, quae sunt carnis, Deo asscribere et quae sunt
Dei, carnis aestimare propria.“ cg „Weil er vmb vnsertwillen Mensch genennet
wird, sollen wir nicht, was dem Fleisch gehret, der Gottheit zuschreiben

|| [462]

vnd was der Gottheit ist, sollen wir nicht dem Fleisch zueignen.“h238 Item:
„Quale est malum hoc, vt audeat quis gratiam domini nostri Iesu Christi,
quam pro nobis fecit se humilians, vt nos exaltemur humanis sensibus et
voce haeretica non solum non intelligere, sed insuper etiam periculosis blas-
(5)phemijs et ad irritum eam adducere atque vltro ei aduersari dicente scriptura:
‚Scitote enim gratiam domini nostri Iesu Christi, quomodo diues cum esset
propter nos pauper factus est, vt nos eius paupertate diuites existamus.‘“239
ch „Was ist dis fur ein Schwermerey, die gnade vnsers Herrn Jhesu Christi,
welche er vns zugut erzeigt, als er sich fur vns gedemtiget hat, das wir
(10)erhhet wrden, fur Menschlichen gedancken vnd der Ketzer frgeben nicht
allein nicht verstehen wollen, sondern auch durch gefehrliche lesterung sie
zunicht || [54v:] machen vnd derselben sich widersetzen, so doch die Schrifft
saget: ‚wisset die gnad vnsers Herrn Jhesu Christi, wie er, nach dem er reich
war, vmb vnsertwegen arm worden ist, das wir durch seine armut reich
(15)wrden.‘“i
Item: „Vides, quod vtrumque scriptura non abneget in Filio Dei et quod Dei
est virtus omnipotentis, omnia scientis, omnia complentis, omnia continentis,
omnia habentis, omnia dantis, iudicantis, saluantis, creantis et quod creatae
naturae est, id est carnis eius et patientis et plorantis et quasi nescientis et
(20)quasi non potentis omnia quasi subiectum et caetera huic similia? Non ergo
debet esse confusio rerum, quamuis coniunctim res mortalis immortali Deo
coniuncta est propter nostram salutem. Et ita creditur et post passionem cor-
poris, in quo apparuit, in eo etiam permanens in perpetuum, vt et illi, qui cru-
cifixerunt eum, aspicant“240 etc. ci „Du sihest, das die Schrifft beides von dem
(25)Son Gottes nicht leugnet, das er sey die krafft Gottes des Allmechtigen, der
alles weis, alles erfllet, alles erhelt, alles hat, alles gibt, richtet, selig
machet, schaffet vnd das er an sich tregt eine erschaffene Natur, welches ist
sein Fleisch, das da leidet vnd weinet vnd gleichsam nicht alles weis noch
thun kan vnd was dergleichen ist. Derwegen sol man es nicht vntereinander-
(30)mengen, obwol die sterbliche Natur dem vnsterblichen Gott vereiniget ist
vmb vnser Seligkeit willen. Also mus man aber auch gleuben von Christo
nach seinem Leiden, sintemal er in seinem Leib auch nachmals erschienen

|| [463]

ist vnd bleibt in demselben fur vnd fur, das auch die jn gecreutziget haben jn
werden anschawen“241 etc.j

|| [55r:] Sprche der Veter.

Wir komen aber von den decretis synodorum vnd symbolis orthodoxis
(5)widerumb auff die einzelen Sprche der alten Scribenten, wie wir zuuor
haben angefangen, auff das je die einhellige meinung der alten Kirchen vnd
aller rechtgleubigen Lerer aus dieser einfeltigen erzelunge mge verstanden
werden:
Das gantze Buch Athanasij „De humanitate Verbi et corporali eius aduentu“
(10)ist ein sonderlicher Ausbund voller herrlicher Sprche von der Menschwer-
dung Christi.cj Vnter andern aber widerlegt er mit vielen worten den jrthum,
welcher auch zu vnsern zeiten vermerckt wird, da man zu bestetigung der
new eingefrten vbiquitet wil frgeben, das die Gttliche Natur eingeschlos-
sen sein sol in die Menscheit. Aber dargegen spricht Athanasius: „Non in
(15)corpore λόγος circumclusus est neque, cum in corpore adest, alibi deest, ne-
que cum illud mouet, alia eius vi, actu et prouidentia destituta sunt. Sed quod
summae admirationis est, ea omnia ipse, cum sit λόγος, comprehendit et a
nullo comprehenditur.“242 ck „Das Wort oder der Son Gottes ist nicht in dem
Leibe vmbschlossen vnd ob er wol im Leib ist, so wird er doch nicht gehin-
(20)dert, das er anderswo nicht sein kndte; wenn er auch seinem Leibe krafft
vnd bewegung gibet, wird andern dingen seine krafft, wirckung vnd verse-
hung nicht entzogen, sondern, das zum hchsten zu verwundern ist, fasset
vnd begreiffet er dieses alles in sich, weil er das Ewige Wort ist, wird aber
von keinem ding vmbschlossen oder vmbfangen.“l Et paulo post: „Vnser
(25)Seelen, wenn sie gedencken etwas, das ausserhalb des Leibes ist, knnen sie
doch demselben || [55v:] durch jre krafft keine bewegung geben. Denn ob ein
Mensch gleich gedencket von etwas, da er ferne von ist, als wenn er jm von
dem Himel gedancken frnimet, kan er doch demselben die krafft des lauffs
vnd die bewegung weder geben noch nemen“, „Sed nequaquam eodem
(30)modo Dei Verbum in corpore humano versatur. Non est enim colligatum ibi,
sed potius corpus in se continet, adeo, vt et ibi sit et in omnibus existat et
extra rerum essentias versetur et in solo Patre requiescat“,243 „Der Son
Gottes ist nicht also im Leibe, gleichwie die Seele in jrem leibe gleichsam
eingeschlossen ist, denn er ist nicht vmbschlossen oder vmbfangen mit dem

|| [464]

Menschlichen Leibe, sondern er vmbfenget den Leib vnd leuchtet in demsel-
ben vnd ist doch zugleich in der Schos des ewigen Vaters vnd ist in vnd
ausser allen Creaturn.“
Bald hernach folget eine lange erweisung, das die krafft, Wunderwerck zu
(5)thun, eigentlich sey der Gttlichen Natur in Christo zuzuschreiben,244 wel-
ches auch wider die newen Schwarm dienet, da etliche zu vnsern zeiten
frgeben, das die Gttliche Natur jre krafft vnd wirckung also wesentlich
(realiter) mitgeteilt habe der Menschlichen Natur, das dieselbe vmb der mit-
geteilten vnd in oder fr sich empfangenen Allmechtigkeit halben die wun-
(10)derwerck, so in den Euangelisten beschrieben werden, gethan habe. Aber die
gantzen disputationes allhier zu erzelen wrde zu lang werden, welche der
Christliche Leser selbst wlle nachsuchen.
Jm Buch „De incarnatione Christi“ widerleget er mit starcken Argumenten
die jrrige meinung derer, welche frgeben, das die Menschliche Natur in
(15)Christo der Gttlichen gleich oder eines wesens mit jr sey. Welche Argu-
ment alle auch wider die realem effusionem proprietatum naturae diuinae
cl oder die wesentliche ausgiessung der || [56r:] eigenschafften Gttlicher
Naturm knnen gebraucht werden, befehlen sie aber dem Christlichen Leser
selbst zu betrachten. Vnter andern spricht er: „Quae est ista vestrae immo-
(20)destiae vecordia, vt loquamini, quae scripta non sunt et cogiteris, quae aliena
sunt a pietate? Haec ideo a vobis instituta sunt, quo vel caro eius negari
possit vel deitas blasphemijs laedi, dum affirmatis, eum, qui ex Maria
prodijt, Patri consubstantialem esse.“,245 cm „Was ist dis fur ein vnsinnigkeit,
das jr reden drfft, das nicht vns frgeschrieben ist vnd das jr gedenckt, das
(25)so gar wider die Gottseligkeit ist. Aber darumb habt jr euch solches furge-
nomen, das entweder sein Fleisch verleugnet oder seine Gottheit gelestert
werden knne, indem jr saget, das die Menscheit, so von Maria geboren ist,
mit dem Vater gleiches wesens sey.“n Item: „Perfectus appellatur Deus et
perfectus homo Christus, non quod diuina perfectio in humanam perfectio-
(30)nem transeat, quod est impium, neque quod duae perfectiones seorsim sint
constituendae neque vero secundum profectum augescentis virtutis aut ac-
quisitionem iusticiae. Absit, sed secundum vnionem, qua vnus est vtrinque
per omnia idem et Deus et homo.“,246 cn „Christus wird ein volkomener Gott
vnd ein volkomener Mensch genennet, nicht das die Gttliche volkomenheit
(35)in die Menschliche ausgegossen werde, welches vnrecht geredt wird, auch
nicht, das zwo vol­komenheit voneinander abgesondert werden solten. Vn-

|| [465]
-
recht ist es auch, das der Mensch Christus Gott worden sey durch die zune-
mende krafft oder durch wirckung der Gerechtigkeit, sondern durch die ver-
einbarung ist er ein einiger Gott vnd Mensch nach beiden Naturn in allen.“o
Idem in Epistola ad Epictetum:
er Marginalie am rechten Rand
„Christi Leib war ein Menschlicher vnd ein
(5)warhaffter Leib aus Maria nach || [56v:] der Schrifft. Denn er war einer Natur
vnd art mit dem vnsern. Denn ja Maria vnsere Schwester gewesen ist, sinte-
mal wir alle von Adam sind, vnd hieruon wird keiner zweiueln, wenn er nur
sich erinnern wil, was von Luca beschrieben ist.“248
Sanct Ambrosius in Expositione fidei
es Marginalie am rechten Rand
thut von beiden Naturen Christi gar ein
(10)herrlichs Bekentnis, welches zum teil auch Theodoretus Dialo. 2. anzeucht,
darunter sind diese wort: „Der Herr Christus, welcher Gott ist, wird zerbro-
chen nach meinem wesen oder Natur, die er an sich genomen. Er bawet aber
den zerbrochenen Tempel wider auff nach dem Gttlichen wesen oder Natur,
nach welcher er ein Schepffer ist aller ding. Denn nachdem er einmal jm die
(15)Menscheit vereinbaret hat in der empfengnis, ist er niemals von diesem
seinem Tempel abgewichen, wird auch in ewigkeit denselben nicht ver-
lassen.“249
Idem in epistola ad Imp. Gratianum: „Retineamus differentiam diuinitatis et
carnis, quia secundum vtramque loquitur Filius Dei. Cum enim in ipso sint
(20)duae naturae, idem loquitur, sed non vbique eodem modo. Nunc enim in ore
habet gloriam, nunc humanas passiones ac vt Deus loquitur de diuinis, quia
est Verbum, vt homo autem humili vtitur oratione, quia in mea natura loqui-
tur.“250 cp „Lasset vns den vnterscheid der Gottheit vnd des Fleisches behalten,
denn nach beiden redet der Son Gottes. Denn weil in jm zwo Naturn sind, ist
(25)es ein einiger, der da redet, aber nicht allzeit auff einerley weise. Denn
jtzund redet er von der herrligkeit, bald von dem Menschlichen leiden. Vnd
als ein Gott redet er von Gttlichen dingen, denn er ist das Wort, aber als ein
Mensch redet er nidrige ding, denn er redet in meiner Menschlichen Natur.“q
|| [57r:] Item in eadem epistola: „Wenn wir lesen, das der Herr der herrligkei-
(30)ten gecreutziget sey, sollen wir nicht dencken, das er in seiner herrligkeit
gecreutziget sey, sondern weil er Gott vnd Mensch ist vnd beide Naturn in
jm sind, hat er in der Natur des Menschen das leiden ausgestanden, wird aber
von wegen der vnzertrenlichen vereinigung beides recht gesagt, das der Herr
der herrligkeit oder des Menschen Son gelidden habe, wie auch vmb dieser

|| [466]

vrsach willen geschrieben ist: ‚Des Menschen Son ist vom Himel herab-
komen.‘“251
Gregorius Nissenus, frater Basilij Magni,
et Marginalie am linken Rand
in catechesi: „Quis hoc dicit, quod
circumscriptione carnis quasi quodam vase et receptaculo natura infinita
(5)contineatur?“252 cq „Wer darff dieses sagen, das die vnendliche, vnermesliche
Natur des Sons Gottes mit dem Fleisch vmbschrieben vnd gleich als in ein
Gefess eingeschlossen sey?“r Idem in opere contra Eunomium: „Die
Menschliche Natur macht Lazarum nicht lebendig. So beweinet auch nicht
den verstorbenen die Gttliche Allmacht, die keinem leiden vnterworffen ist,
(10)sondern das weinen ist ein eigenschafft des Menschen, die krafft aber leben-
dig zu machen ist ein eigenes werck dessen, der das Leben selber ist. Die
Menschliche Armut speiset nicht viel tausent auff einmal. So kompt die
Gttliche Allmacht nicht zum Feigenbaum, daran essen zu suchen. Welche
Natur wird mde vom wandern? Vnd welche erhelt one einige mhe die
(15)gantze Welt? Welche Natur ist der glantz der Herrligkeit des Vaters? Vnd
welche ist durchnagelt? Welche gestalt wird im Leiden mit Ruten geschmis-
sen vnd welche wird von ewigkeit geehret? Dieses alles ist ja an sich selbst
klar, obgleich kein weiter auslegung darzu gesetzt wird.“253
|| [57v:]
eu Marginalie am linken Rand
Gregorius Nazianze. in Epistola ad Cledonium: „So jemand sagt, das
(20)das Fleisch vom Himel herniderkomen sey vnd sey nicht von vns genomen,
der sey verflucht. Denn diese Sprche 1. Cor. 15: ‚Der ander Mensch ist
vom Himel‘, vnd Johan. 3: ‚Niemand feret gen Himel, denn der vom Himel
komen ist, nemlich des Menschen Son, der im Himel ist‘, solche vnd derglei-
chen Sprche, sage ich, sind zu verstehen per Communicationem Idioma-
(25)tum, von wegen der vereinigung beider Naturn. Eben wie auch diese: ‚durch
Christum sind alle ding gemacht.‘ Jtem ‚Christus wonet in ewren hertzen‘,
Ephe. 3, nemlich nicht nach der sichtbaren Natur, sondern nach der vnsicht-
baren. Denn gleichwie die Naturn vereiniget sind, also werden auch die ei-
genschafften der Naturn vereiniget in der person.“254
(30)Idem in Orat. 2. de Filio: „Hoc est, quod haereticis errorem offundit, videli-
cet nominum coniunctio, quod ex eo intelligi potest, quia cum naturae mente
et cogitatione distinguuntur, etiam nomina discerni solent.“255 cr „Dieses ist es,

|| [467]

das die Ketzer jrre machet, nemlich, das die Namen vnd eigenschafft im
reden verwechselt werden, welches doch aus dem solte verstanden werden,
das die Naturn mssen mit den gedancken vnterscheiden werden. Daraus
folget, das je auch die Namen vnd eigenschafften billich vnterschieden wer-
(5)den.“ Jtem: „Dis ist ja jederman offenbar, das er alles wisse, soferne er Gott
ist. Wenn er aber sagt, das er etwas nicht wisse, soltu solches jm nach der
Menscheit zuschreiben. Denn man mus stets die sichtbare Natur vnterschei-
den von der vnsichtbarn.“s256
Chrysostomus in oratione,
ev Marginalie am rechten Rand
quod humiliter dicta et facta ad incarnat. referen-
(10)da sint, cs in der Predigt, das die nidrigen thaten vnd wort auff die Menschwer-
dung zu zihen sein:t „Was mag wol fr vrsach sein, vmb wel- || [58r:] cher
willen Christus jm selbst vnd die Apostel dem Herrn Christo schwacheit vnd
nidrigkeit zuschreiben? Die erste vnd frnembste vrsach ist, das er mit dem
Fleisch bekleidet ist vnd das er die Leut nicht allein zu seiner zeit, sondern
(15)fr vnd fr hat versichern wllen, das es nicht ein schaten oder ein Laruen
oder schein were, was von jnen gesehen wrde, sondern das eine warhafftige
Menschliche Natur an jm were. Denn weil der Teuffel etliche elende vnd vn-
selige Menschen dennoch dahin gebracht hat, das sie die Menschwerdung
des Worts verleugnen vnd sagen drffen, das er nicht fleisch an sich geno-
(20)men, darmit sie alle Lere auffheben von der liebe Gottes gegen dem Mensch-
lichen Geschlecht, so doch so viel reden da stehen, welche er vnd die Apos-
tel von jm gebraucht haben als von einem waren Menschen. Was hette nicht
geschehen sollen vnd wieviel wrden in gemelte jrrthum geraten sein, so
keine solche reden auffgeschrieben weren?“257
(25)Idem super epistolam ad Hebr.: „Der so gros ist, der do ist der glantz der
Herrligkeit, der das Ebenbild ist der Substantz des Vaters, der die Welt
gemacht hat, der zur Rechten des Vaters sitzt, der hat wllen vnser Bruder
werden in allem durchaus vnd hat vmb des willen die Engel verlassen vnd ist
hernider zu vns komen vnd vns an sich genomen.“258 Jtem:
ew Marginalie am rechten Rand
„Warlich, es ist
(30)ein grosses wunderbarliches ding, darber man sich entsetzen mus, das vnser
Fleisch in der Hhe sitzet vnd wird angebetet von den Engeln vnd Ertz-
engeln vnd Cherubin vnd Seraphin. Wenn ich dis bey mir bedencke, entsetze
ich mich vber die massen sehr vnd gedencke, wie grosse ding Gott mit dem
Menschlichen Geschlecht fr hat, denn dis ist ja ein grosser vnd herrlicher
(35)anfang zu der erhhung vnser Menschlichen Natur.“259

|| [468]

|| [58v:] Cyrilli
ex Marginalie am linken Rand
vielfeltige zeugnis von der gantzen Lere, so wir droben erzelet
haben von Christo, solten billich mit grossem fleis erwogen vnd betracht
werden, weil jn Gott sonderlich erweckt hat, die warheit wider Nestorium in
synodo Ephesina vnd wider viel andere Ketzer in seinen Schrifften zu ver-
(5)fechten. Aber es wrde allzu lang, alles zu allegirn. Vermanen vielmehr den
Christlichen Leser, dem die erkentnis der Warheit mit ernst angelegen ist,
das er Cyrilli gute Bcher vber das Euangelium Johannis vnd das Buch „De
incarnatione Vnigeniti“260 jm trewlich wlle befohlen sein lassen. Was aber
sein meinung von der Communicatione Idiomatum gewesen, weiset allein
(10)dieser herrliche Spruch gnugsam aus.
De incarnatione Vnigeniti, cap. 26:
ey Marginalie am linken Rand
„Es ist nicht allein nutz, sondern auch
notwendig, das wir von dem einigen Christo verstehen, was nach dieser oder
nach der andern Natur (secundum aliud et aliud) geredt wird, vnd das man
nicht zulasse, das in zwo Personen geteilt werde, was vngleicher weise von
(15)dem einigen Christo beschrieben wird. Dis wird klerer verstanden werden
aus den Exempeln: Wir sagen, das Gott das Wort nach dem Fleisch geboren
sey von dem Weibe, ob er wol nach der andern Natur allen jre geburt schaf-
fet vnd was noch nicht geboren ist lesst geboren werden. Denn sofern er ein
Mensch vnd vns gleich ist, sol man verstehen, das er auch geboren sey, so-
(20)fern er aber von natur Gott ist, schaffet er allein die geburt. Also stehet von
jm geschrieben: ‚Das Kind wuchs vnd ward starck vnd ward erfllet mit
weisheit vnd gnade‘, so er doch von natur volkomen ist als Gott vnd aus
seiner Flle den Heiligen geistliche Gaben austeilet vnd die Weisheit vnd
Gnade selber gibt. Wie wechst er denn nu als ein Kind vnd wird erfllet mit
(25)Weisheit vnd gnade? Secundum aliud et aliud, das ist du must auff den
vnterscheid der Naturn sehen. || [59r:] Denn weil er zugleich ist Gott vnd
Mensch, macht er jm selbst eigen, was der Menscheit gehret, von wegen
der vereinbarung. So ist er nu volkomen vnd gibt die weisheit vnd gnade,
soferne er Gott ist. Vberdas heisset er der Erstgeborne vnd Eingeborne.
(30)Wenn aber jemand bedencken wil die bedeutung dieser wort, heisset ja ein
Erstgeborner einen, der vnter vielen Brdern der erstgeboren ist. Ein Einge-
borner aber heisset nicht einen, der vnter vielen Brdern ist. Dennoch ist
Christus beides. Wie verstehe ich das? Secundum aliud et aliud, das ist nach
vnterscheid der Naturn, denn der Erstgeborne als vnter vielen Brdern ist er
(35)von wegen der Menscheit, aber der Eingeborne ist er als der allein von dem
Vater geboren ist.
Also wird von jm gesagt, das er durch den Geist geheiliget sey, so er doch
pfleget zu heiligen die zu jm komen. Nach dem Fleisch ist er getaufft, der

|| [469]

andere mit dem heiligen Geist tauffete. Wie wird nu der da ein Einiger ist
geheiligt, so er doch selbst heilig machet? Wie wird er getaufft, so er selber
teuffet? Verstehe abermals secundum aliud et aliud, das ist nach dem vnter-
scheid der Naturn. Denn sofern er ein Mensch ist, wird er geheiliget vnd
(5)getaufft, sofern er aber ein Gott ist, heiliget vnd teuffet er mit dem heiligen
Geist. Also ist er von den Todten aufferstanden, so er doch selber Todten
erwecket. Vnd da er von art vnd natur das Leben selber ist, sagt man doch
von jm, das er lebendig gemacht sey. Wie gehet dis zu? Secundum aliud et
aliud, das ist abermals nach vnterscheid der Naturn. Denn er macht lebendig
(10)vnd wecket andere auff von den Todten, soferne er Gott ist. Also leidet er
vnd leidet doch nicht secundum aliud et aliud. Denn er leidet in dem
Menschlichen Fleisch, weil er ein Mensch ist, nach der Gttlichen Natur
aber leidet er nicht, weil er Gott ist. Also betet er mit || [59v:] vns vnd wird
angebetet, das verstehe auch secundum aliud et aliud. Denn er betet, weil er
(15)Menschliche Natur angenomen hat, die des Gebets bedurffte. Er wird aber
angebetet als der da Gott ist. Wie geschiet aber das anbeten? Wenn du Chris-
tum anbetest, soltu jn nicht teilen vnd den Menschen allein, dergleichen auch
Gott allein setzen. Du solst auch nicht gedencken, das der Mensch in glei-
cher Herrligkeit Gott vereiniget vnd derhalben mit jm vnterschiedlich anzu-
(20)beten sey, denn dis were eine grosse lesterung Gottes, sondern das sagen wir,
das der Einige anzubeten sey,
ez Marginalie am rechten Rand
das Wort Gottes, welches Mensch worden ist,
vnd jm den Leib sampt der vernnfftigen Seele hat vereinbaret. Also betet
den einigen Son an, der von Mutterleib an war blind gewesen, da er wunder-
barlicher weise war sehendcu worden. Also beten jn auch die lieben Jnger
(25)an, da sie jn sehen wunderbarlicher weise auff dem Wasser gehen, indem sie
von diesem Menschen sagen:
fa Marginalie am rechten Rand
‚Du bist warlich Gottes Son.‘ So wir aber sa-
gen wolten, das der Mensch mit vnd neben Gott coadorirt oder zugleich an-
gebetet werde, folget alsbald eine zerteilung der einigen Person, quia particu-
la ‚con‘ duos omnino cogit intelligi, ideoque vt nemo sibi conuiuere dicitur
(30)neque concoenare aut coadorare vel coambulare. Duarum enim personarum
significationem inducit praepositio verbo praeposita. Ita etiam si quis coad-
orari hominem cum Deo dixerit, duos plane filios dicit et eos esse disiunctos.
cv Denn dis ist die art vnd weise zu reden, das das wrtlin ‚con‘ im Latini-
schen eine vergleichung oder zusamenfgung zweier vnterschiednen vnd
(35)geteilten personen anzeiget.“w261
Idem in Oratione catechetica: „Gleube, das der Eingeborne Son Gottes vmb
vnser Snde willen sey vom Himel ernider komen auff die Erden vnd habe

|| [470]

die Menscheit angenomen, die allem leiden gleichwie wir || [60r:] vnter-
worffen gewesen, vnd das die Menschwerdung nicht sey gewesen ein blosser
schein oder geticht, sondern sey warhafftig geschehen.
fb Marginalie am linken Rand
Er sey auch nicht als
durch ein Rhor durch den Jungfrewlichen Leib herdurch gangen, sondern
(5)hab warhafftig aus jr das Fleisch angenomen, hab warhafftig gessen wie wir,
sey warhafftig gespeiset mit der Milch seiner Mutter. Denn so die Mensch-
werdung were ein geticht vnd schein, so wrde auch alle vnser seligkeit ein
gespenste sein.
fc Marginalie am linken Rand
Es sind aber in Christo zwo Naturen: als ein Mensch ist er
sichtbar, als ein Gott ist er vnsichtbar, als ein Mensch hat er warhafftig ges-
(10)sen gleichwie wir, denn er hat eine Natur gehabt, die vns gleich ist, aber als
Gott hat er 5000 gespeiset mit fnff Broten. Vberdas ist er warhafftig gestor-
ben als ein Mensch, aber als Gott hat er den verstorbenen, der vier tag im
Grab gelegen war, auffgewecket, als ein Mensch hat er geschlaffen im
Schiff, als ein Gott ist er auff dem Wasser gangen.“262
(15)Idem libro. 9 in Iohannem cap. 21:
fd Marginalie am linken Rand
„Die Gleubigen mssen gewis sein, ob-
gleich Christus mit dem Leib von vns abwesend ist, das gleichwol durch
seine Krafft alles vnd wir auch selbst regieret werden, vnd das er stets sey
bey allen, die jn lieben, wie er spricht: ‚Warlich warlich, ich sage euch, wo
zween oder drey versamlet sind in meinem Namen, da bin ich mitten vnter
(20)jnen.‘ Denn gleichwie er den Himel erfllete vnd der Engel gemeinschafft
nicht verliesse, da er als ein Mensch auff Erden wandelt, also ob er wol ist
jtzt im Himel mit seinem Fleisch, erfllet er doch die Erden vnd ist bey
denen, die jn lieben. Denn nach dem Fleisch spricht er allein, das er wlle
hinweg gehen, aber mit der krafft der Gottheit ist er allezeit gegenwertig.“263
(25)Lib. 10 cap. 8: „Daran zweiuelt niemand, weil er gen Himel gefaren, das er
nach dem Fleisch abwesend sey, ob er wol mit der Krafft allezeitcw gegen-
wertig ist.“264 || [60v:] Lib. 11 Cap. 3: „Wiewol er mit dem Leib abwesend ist
vnd vns fr dem Vater vertrit vnd zu seiner Rechten sitzt, wonet er doch in
den Heiligen durch den Geist vnd lest sie nicht Waeisen bleiben.“265 Ibidem

|| [471]

Cap. 21: „Putabant discipuli absentiam Christi – vt hominis dico, Deus enim
vbique adest – multorum eis incommodorum causam futuram, cum non ad-
esset, qui ab omnibus eos possit malis eruere. Sed oportebat – dicam enim
etiam – si luminaria orbis postea facti sunt, non solum in carnem Christi,
(5)verum etiam in deitatem respicere, quae quamuis oculis non cernatur, adest
tamen semper summa cum potestate. Nec quicquam est, quod prohibere pos-
sit, quin omnia repleat et quod velit peragat. Non enim loco aut dimensioni-
bus circumscriptibilis natura diuina est. Quare cum Deus et homo Christus
vere sit, oportuit eos intellexisse, ineffabili deitatis potestate vna cum eis
(10)semper futurum, etiamsi carne abesset. Idcirco enim ipse quoque in superio-
ribus dicebat: ‚Pater sancte, serua eos in nomine tuo, quos dedisti mihi.‘
Aperte significans, deitatis ratione, non carnis praesentia eos posse ser-
uari“266 etc. cx „Es besorgten sich die Jnger, das das abwesen des Herrn –
nemlich so ferne er ein Mensch ist, denn als ein Gott ist er allenthalben
(15)gegenwertig – wrde jnen eine vrsach sein vieles bsen, weil sie nicht mehr
den bey sich haben wrden, der sie von allem vnglck knne erretten. Aber
das ich die rechte warheit sage, weil sie nachmals die Liechter der Welt wor-
den sein, hetten sie billich sehen sollen nicht allein auff das Fleisch Christi,
sondern auch auff die Gottheit, welche, ob sie wol mit augen nicht gesehen
(20)wird, so ist sie doch nach jrer allmechtigen Krafft stets gegenwertig. Denn es
ist nichts, das sie verhindern knne, nicht alles zu erfllen vnd was sie wil
auszurichten, sintemal die Gttliche Natur nicht von dem ort oder einer ge-
messenen grsse vmbschrieben ist. Derwegen, weil Christus warhafftig Gott
vnd Mensch ist, || [61r:] solten sie verstanden haben, das er mit der vnaus-
(25)sprechlichen krafft der Gottheit allzeit bey jnen sein wrde, ob er wol nach
dem Fleisch abwesend were. Denn darumb hat er auch zuuor gesagt: ‚ Heili-
ger Vater, erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast‘, damit er
klerlich anzeigt, das sie durch die Gttliche krafft, nicht durch die gegenwart
des fleisches knnen erhalten werden“ etc.y
(30)Item cap. 22: „‚Nihil ergo mali vobis accidere potest‘, ait, ‚si carne abfuero,
cum deitatis meae potestas, quae vos hucusque seruauit, in posterum etiam
seruatura sit.‘ Haec non ideo dicimus, quia domini corpus non magni aesti-
memus, sed quia mirabiles hos effectus, gloriae Dei attribuendos puta-
mus.“267 cy „‚So kan euch nu nichts vbels widerfaren‘, spricht er, ‚so ich gleich
(35)nach dem Fleisch abwesend bin, sintemal die krafft meiner Gottheit, die
euch bisher hat erhalten, wird euch auch ferner erhalten.‘ Dieses sagen wir

|| [472]

nicht derhalben, als achten wir den Leib des Herrn nicht gros vnd hoch gnug,
sondern dieweil wir diese wunderbarliche thaten der herrligkeit Gottes zuzu-
schreiben halten.“z
Furtreffliche gute Bcher aber sind die des Theodoreti drey Dialogi,
fe Marginalie am linken Rand
in wel-
(5)chen er nicht allein deutlich erkleret, sondern auch mit der heiligen Schrifft
vnd mit zeugnissen der alten Veter erweiset, das diese vnd kein andere Lere
war sey, die auch wir droben als vnser bekentnis frgestellet haben, vnd wol-
te Gott, das verstendige Leute doch so viel zeit jnen nemen wolten, diese
Dialogos zu lesen.
(10)Jm andern Dialogo spricht er klerlich:
ff Marginalie am linken Rand
„Die Menschliche Natur Christi ist in
der Persnlichen vereinigung nicht in Gottliche natur verwandelt, denn sie
ein ware Menschliche Natur vnd vmbschrieben bleibt, das ist in einer ermes-
lichen breite vnd lenge.“268 Jtem: „Der Leib des Herrn ist wol also auffer-
standen, das er nicht mehr || [61v:] zerstret werden, nicht leiden, nicht sterben
(15)mag vnd mit Gttlicher herrligkeit gezieret ist vnd von den Engeln im Himel
angebetet wird, ist aber dennoch ein Leib vnd bleibet so wol als zuuor vmb-
schrieben. Auch nach der Himelfart wil ich mich mit Menschlichem gut-
dncken nicht vberreden lassen, das ich sagte, er sey in ein Gttliche Natur
verwandelt. Denn ich bin nicht so kne, das ich etwas sagen wolte, dauon
(20)die heilige Schrifft still schweiget. Jch habe von den heiligen Engeln geler-
net, das er also komen wird, wie jn die Jnger haben gesehen in den Himel
faren. Sie haben aber eine vmbschriebene, nicht eine vnumbschriebene oder
vnermesliche natur gesehen. Jch habe auch gehret, das der Herr gespro-
chen: ‚Jr werdet des Menschen Son sehen komen auff den Wolcken des
(25)Himels‘, vnd weis ich aber wol: was die Menschen sehen, das ist vmbschrie-
ben. Denn ein vnumbschriebene oder vnermesliche Natur ist vnsichtbar.
Auch das er sitzen wird auff dem Thron der herrligkeit vnd die Schafe zur
Rechten vnd die Bcke zur lincken stellen, das zeigt an, das er vmbschrieben
ist“269 etc.
(30)Bald hernach spricht er:
fg Marginalie am linken Rand
„Die Leibe der Heiligen werden gleichfrmig sein
dem Leibe des Herrn secundum quale, non secundum quantum“,270 cz das ist,
obwol die herrligkeit des Leibs Christi an der zal vnd grsse vbertreffen
wird.a Jm dritten Dialogo widerleget er nach der lenge, das etliche stets im
Mund fren, es werde die Person Christi geteilet oder getrennet, so man
(35)einer
fh Marginalie am linken Rand
jeden Natur jre gebrliche eigenschafft gibt, vnd schreibt diese ntze
Regel fr da von der weise zu reden, die da heisst Communicatio Idiomatum:b

|| [473]

„Vnio communia facit nomina.“271 Item: „Propria naturarum fiunt communia
personae.“272 Jtem: „Communitas nominum non facit confusionem natura-
rum.“273 db „Die vereinigung machet die Namen beider Naturn einander || [62r:]
gemein.“ Jtem: „Die eigenschafft der Naturn werden der Person in gemein
(5)zugelegt.“ Jtem: „Die gemeinschafft der Namen macht keine vermischung
der Naturn.“c
Vnd im andern Dialogo
fi Marginalie am rechten Rand
fasset er den gantzen handel mit dem gleichnis der
vereinigung Leibs vnd Seelen im Menschen: „Wenn wir von der Menschli-
chen Seele reden,“ spricht er, „so sagen wir allein von jr, was jrer wirckung
(10)vnd Natur zugehret, vnd wenn wir von dem Leibe reden, so sagen wir von
jm allein, was jm eigen ist. Wenn man aber von dem gantzen Menschen re-
det, so sagen wir one schew beides von jm. Denn dem Menschen zugehret,
was der Seelen vnd was des Leibs eigen ist. Also sol man auch reden von
Christo. Wenn man von den Naturen redet, sol man einer jedern zueignen,
(15)was jr gehret, vnd wissen, was der Gottheit vnd was der Menscheit eigen
ist. Wenn wir aber von der Person reden, mus man zusamenfassen die eigen-
schafften der Naturen vnd beide dem Heiland Christo zuschreiben vnd eben
einen Gott vnd Menschen nennen: Gottes Son vnd des Menschen Son,
Dauids Son vnd Dauids Herrn, den Samen Abrahams vnd den Schepffer
(20)Abrahams vnd alles andere auff gleiche weise.“274 Es ist aber nicht vonn-
ten, mehr Sprche aus dem Theodoreto anzuzihen, were viel mehr vonnten,
das Leute weren, die jn gantz durchaus lesen.
Aus S. Augustini Bchern
fj Marginalie am rechten Rand
mssen wir auch nur etliche Sprche anziehen:
De incarnatione Verbi, lib. 1 cap. 19 spricht er: „Non sentiendum est, quod
(25)omnis claritas eius et maiestas intra breuissimi corporis claustra clausa sit ita,
vt omne verbum Dei et sapientia eius ac substantialis veritas aut vita vel a
Patre diuulsa sit vel intra corporis illius breuitatem coercita et circumscripta,
ne vsquam praeterea putetur operata.“275 || [62v:] dc „Man sol nicht dencken, das
alle herrligkeit vnd Maiestet in den leib als in ein gefess eingeschlossen sey,
(30)gleich als das wort Gottes vnd seine Weisheit vnd die wesentliche warheit
vnd das leben entweder von dem Vater abgesondert oder in dem kleinen

|| [474]

leibe vmbschrieben vnd vmbfangen vnd nirgend anderswo krefftig gewesen
sey.“d
Idem De Trinitate lib. 1 cap. 7:
fk Marginalie am linken Rand
„Neque enim illa susceptione alterum eorum
in alterum conuersum atque mutatum est. Neque diuinitas quippe in creatu-
(5)ram mutata est, vt desisteret esse diuinitas nec creatura in diuinitatem, vt
desisteret esse creatura.“276 dd „Jn dieser annemung ist nicht eine Natur in die
ander verwandelt worden. Denn wie die Gottheit nicht ist in ein Creatur
verendert, das sie eine Gottheit zu sein hette auffgehret, also ist auch die
Creatur nicht in die Gottheit verwandelt, das sie eine Creatur zu sein hette
(10)auffgehret.“e
Idem in lib. De agone christiano: „Wir sollen auch die nicht hren, die da
verleugnen,
fl Marginalie am linken Rand
das Christus nicht eben mit dem Leib aufferstanden sey, welcher
ins Grab gelegt ist.“277 Jtem: „Wir sollen auch die nicht hren, die da leug-
nen, das der Herr nicht eben seinen Leib mit sich hinauffgefrt hab gen
(15)Himel.“278 Jtem: „Wir sollen die auch nicht hren, die da leugnen, das der
Son zur Rechten des Vaters sitze.“279 Die einwrffe aber, so von etlichen
hiergegen gebracht werden, widerleget Augustinus selbst cap. 24. 25. 26.280
Ad Dardanum epistola 57:
fm Marginalie am linken Rand
„Weil Christus Gott vnd Mensch ist, so mus man
beides an jm warnemen, wenn er redet oder die Schrifft von jm redet vnd
(20)acht haben, was von jeder Natur geredet wird. Denn wie ein einiger Mensch
ein vernnfftige Seel vnd Fleisch ist, also ist auch ein einiger Christus das
Wort vnd Mensch. Derwegen, soviel das Wort belanget, ist Christus der
Schepffer, denn alles ist durch jn gemacht. So viel aber die Menscheit belan-
get, ist Christus ein Creatur, denn er ist || [63r:] aus dem samen Dauids nach
(25)dem Fleisch vnd den Menschen gleich worden.“ Jtem: „Weil in dem Men-
schen zwey ding sind, die Seel vnd das Fleisch, so war er an der Seel trawrig
bis in den Todt, an dem Fleisch aber leid er den Todt. Vnd dennoch,
fn Marginalie am linken Rand
wenn
wir Christum Gottes Son nennen, so trennen wir darumb die Gottheit nicht
von jm. Nach der Menscheit war er auff Erden, nicht im Himel, da er jtzund
(30)ist, da er sprach: ‚Niemand feret gen Himel denn der vom Himel hernider-
komen ist, nemlich des Menschen Son, der im Himel ist‘, so er doch nach
der Gttlichen Natur im Himel, nach der Menschlichen aber noch auff Erden
vnd noch nicht gen Himel gefaren war.“281 Vnd bald hernach:
fo Marginalie am linken Rand
„Du solt nicht
zweiueln, das der Mensch Christus Jhesus jtzund daselbst sey, von dannen er

|| [475]

komen wird, vnd gedenck vnd behalt mit vleis dis Christliche bekentnis, das
er aufferstanden ist von den Todten, auffgefaren gen Himel, sitzet zur Rech-
ten des Vaters vnd wird nicht anderswoher denn von dannen komen, zu rich-
ten die Lebendigen vnd die Todten, vnd wird also komen nach dem zeugnis
(5)der Engel wort, wie man jn hat sehen gen Himel faren, das ist eben in dersel-
bigen gestalt vnd wesen des Fleisches, welchem er zwar die vnsterbligkeit
geben,
fp Marginalie am rechten Rand
aber seine Natur nicht genomen hat. Nach dieser Natur sol man nicht
gedencken, das er allenthalben sey, denn man mus sich hten, das wir nicht
also die Gottheit dieses Menschen verteidigen, das wir jm die warheit des
(10)Leibes benemen. Es folget aber nicht, das auch dasjenige, das in Gott ist,
vberal sey wie Gott“282 etc.
In Iohan. Tract. 50 vber diese wort:
fq Marginalie am rechten Rand
„Mich aber werdet jr nicht allezeit
haben“283 schreibet er also: „Er redete von der gegenwertigkeit seines Lei-
bes. Denn nach seiner Maiestet, nach seiner versehung, nach seiner vnaus-
(15)sprechlichen vnd vnsichtbaren gnad wird erfllet, das er hat ge- || [63v:] spro-
chen: ‚Jch bin bey euch bis ans ende der Welt.‘ Nach dem Fleisch aber,
welches er von der Jungfrawen an sich genomen hat, nach welchem er von
der Jungfrawen geboren, ans Holz gehenget, vom Creutz genomen, in Lein-
wad gewickelt, ins Grab gelegt, in der aufferstehung offenbaret ist, spricht
(20)er, werdet jr mich nicht allezeit bey euch haben. Warumb? Denn er ist mit
dem Leib vierzig tage vmb seine Jnger gewesen vnd, als sie jm nachsahen,
aber nicht nachfuren, gen Himel gefaren vnd ist nicht hie, denn dort ist er
vnd sitzt zur Rechten des Vaters, vnd ist auch hie, denn er ist nicht hinweg
gewichen, so viel die gegenwertigkeit seiner Maiestet belanget.“284 Item
(25)tract. 78: „Von welchen die Menscheit weggieng, die verlies die Gottheit
nicht, vnd eben ein Christus ist Mensch vnd Gott. Darumb gieng er weg nach
seiner Menscheit vnd bleib da nach seiner Gottheit. Er gieng weg nach der
Natur, die an einem ort war, vnd bleib da nach der Natur, die vberal oder
allenthalben war.“285
(30)Zu erklerung vnd verteidigung
fr Marginalie am rechten Rand
des Chalcedonensis symboli hat Vigilius Martyr seine „fnff Bcher wider Eutychen“286 sehr fleissig beschrieben,
welche wir dem Christlichen Leser auch in sonderheit befehlen, wllen aber
jtzund nur etliche wenig Sprchlin daraus erzelen. Libro primo spricht er:
„Manet vtraque, id est Verbi carnisque natura et ex hi duabus hodieque ma-

|| [476]
-
nentibus vnus est Christus
fs Marginalie am linken Rand
vnaque persona.“287 df „Es bleibet beide Natur,
nemlich des Worts vnd des Fleisches, vnd aus diesen beiden fr vnd fr blei-
benden Naturn ist ein einiger Christus ein einige Person.“g Item: „Vsque ad-
eo ostendere voluit nostri generis naturam per commixtionis indiuiduam vni-
(5)tatem non fuisse consumptam, vt se etiam in coelo positum filium hominis
dicat, vt per veri appellationem nominis veritatem agnoscas naturae manen-
tis.“288 dg „Also gar deutlich hat er wllen anzeigen, das vnser Menschliche
Natur durch die vnzer- || [64r:] trente vereinigung nicht sey verzeret, das er sich
auch des Menschen Son nennet, der im Himel sey, auff das du bey diesem
(10)Namen die warheit der Menschlichen Natur, die in jm bleibet, erkennen
mgest.“ Jtem: „Bedenck das Wunderwerck, bedenck das geheimnis der
eigenschafft beider Naturn.
ft Marginalie am linken Rand
Der Son Gottes ist nach seiner Menscheit von
vns gewichen, nach seiner Gottheit aber spricht er zu vns: ‚Sihe, ich bin bey
euch alle die tag bis an der Welt ende.‘ So ist er nu bey vns vnd ist nicht bey
(15)vns. Denn die er von sich gelassen hat vnd von denen er hinweg gegangen ist
nach seiner Menscheit, die hat er nicht verlassen nach seiner Gottheit. Nach
der gestalt des Knechtes, die er von vns hinweg hat genomen in den Himel,
ist er vns abwesend, nach der gestalt Gottes, die von vns auff Erden nicht
weichet, ist er vns gegenwertig vnd ist doch eben derselbige einige Christus
(20)vns gegenwertig, der vns abwesend ist.“289
Bald hierauff widerlegt er auch die Einreden derer, welche besorgen, das von
wegen der vnterschiedenen eigenschafften der Naturn die Person getrennet
werde, darzu er denn sehr schne gleichnis brauchet. Jm andern Buch weiset
er den rechten grund vnd vrsprung der Lere von der Communicatione Idio-
(25)matum:
fu Marginalie am linken Rand
„Quia enim Verbum cum carne ita est inexplicabili modo vnitum, vt
ipsum Verbum caro dicatur, licet Deus non sit caro, quia non est in carnem
mutatum, vt caro dicatur Deus, licet non sit in deitatis naturam mutata, sed
Verbum propter carnem suam homo sit et caro propter Verbum Deus sit et
quicquid est proprium Verbi sit commune cum carne et quicquid est propri-
(30)um carnis sit commune cum Verbo, quomodo Verbum et caro vnus est
Christus et vna persona. Idcirco propter hanc communionem, quam salua
naturarum proprietate personae vnio praestat et Verbum cum carne, id est
filius hominis legitur descendisse de coelo, cum solum Verbum sine carne
descenderit, || [64v:] et Deus legitur sepultus et in monumento tribus iacuisse
(35)diebus, cum sola caro sepulta est“290 etc. dh „Weil das Wort mit dem Fleisch
also vnerforschlicher weise sich vereiniget hat, das auch das Wort Fleisch

|| [477]

worden ist, obwol die Gttliche Natur nicht das Fleisch selber ist, sintemal
sie nicht ins Fleisch verwandelt ist, ja das man auch das Fleisch oder diesen
Menschen Gott nennet, obwol das Fleisch nicht in die Gttliche Natur ver-
wandelt ist, sondern das Wort ist von wegen seines fleisches ein Mensch vnd
(5)das Fleisch oder der Mensch ist von wegen des Worts Gott, vnd was dem
wort eigen ist, das ist auch dem Fleisch oder diesem Menschen gemein vnd
was dem Fleisch oder diesem Menschen eigen ist, ist auch dem Wort ge-
mein, nemlich also wie das Wort vnd das Fleisch ein Christus vnd ein einige
Person ist, derwegen vmb dieser gemeinschafft willen, welche die einigkeit
(10)der Person in vnzerstrter eigenschafft der Naturn bringet, lieset man beides,
das das Wort sampt dem Fleisch, nemlich des Menschen Son vom Himel
hernider komen sey, so doch allein das Wort one das Fleisch herab komen
ist, vnd das Gott begraben vnd drey tag im Grab gelegen sey, so doch allein
das Fleisch ist begraben worden.“i
(15)Jm dritten Buch erweiset er
fv Marginalie am rechten Rand
mit vnwidersprechlichen Zeugnissen der
Schrifft, das der Son Gottes, gleichwie er nach der Gottheit eines wesens sey
mit dem Vater,
fw Marginalie am rechten Rand
also auch nach der Menscheit ein gleiches wesen hab mit sei-
ner Mutter. Darbey setzt er diese schne Sprche: „Verbum quia incarnatum,
id est carne indutum, homo esse voluit. Nudum et vacuum ad Patrem, a quo
(20)fuerat missus, reuerti non potuit. Sed in eodem, quo indutus est corpore, coe-
lestia penetrauit.“,291 dj „Weil das Wort Fleisch worden ist vnd Mensch hat
sein wllen, hat es blos vnd ledig zum Vater, von dem es gesand ist, nicht
widerumb || [65r:] komen mgen, sondern in dem Leib, damit es sich beklei-
det, hat es den Himel durchdrungen.“k Item: „Aequalis et eiusdemdk periculi
(25)res est aut diuinam eius tantummodo aut humanam fateri naturam, quia
vnum sine alio non proficit ad salutem.“292 dl „Es ist einerley gefahr, entweder
allein seine Gttliche oder Menschliche Natur bekennen, denn eins one das
ander kan nicht zur seligkeit dienstlich sein.“m
Jm vierden Buch stehet dieser sehr deutlicher vnterricht von vnterschiedenen
(30)eigenschafften beider Naturen: „So das Wort vnd das Fleisch eine Natur ist,
warumb ist denn nicht auch das Fleisch vberal,
fx Marginalie am rechten Rand
so doch das Wort vberal ist?
Denn weil das Fleisch auff Erden war, da war es freilich nicht im Himel, vnd
jtzund weil es im Himel ist, so ist es freilich nicht auff Erden vnd ist so
gewis nicht auff Erden, das wir auch gewertig sind, das nach dem Fleisch
(35)Christus vom Himel komen werde, welchen wir doch gleuben nach der Gott-
heit bey vns auff Erden sein. Derhalben nach ewer meinung, nemlich so eine

|| [478]

Natur in Christo were, entweder das Wort sampt seinem Fleisch an einem ort
vmbfangen oder das Fleisch sampt dem wort vberal sein wrde, dieweil
einer Natur nicht kan zugeschrieben werden, was da widerwertig vnd einan-
der zu entgegen ist. Nu ist aber widereinander an einem ort vmbschrieben
(5)sein vnd allenthalben sein, vnd weil das Wort allenthalben ist, sein Fleisch
aber nicht allenthalben ist, so ist es ja offenbar, das eben der einige Christus
beide Naturn hat vnd allenthalben ist nach seiner Gttlichen Natur vnd an
einem ort gleich als vmbfangen ist nach seiner Menschlichen natur, ist er-
schaffen vnd doch one anfang, dem tod vnterworffen gewesen vnd doch
(10)nicht hat sterben knnen, vnter welchen er das eine hat nach der Natur des
Worts, nach welcher er Gott ist, das ander nach der Natur des Fleisches, nach
welcher eben dieser, der Gott || [65v:] ist, auch ein Mensch ist. Derhalben der
einige Son Gottes, der auch des Menschen Son ist worden, ein anfang hat
nach der Natur seiner Fleisches vnd keinen anfang hat nach der Natur seiner
(15)Gottheit, ist erschaffen nach der Natur seines Fleisches vnd ist nicht erschaf-
fen nach der Natur seiner Gottheit, ist an einem ort vmbschrieben nach der
Natur seines Fleisches vnd wird in keinem ort vmbfangen nach der natur sei-
ner Gottheit,
fy Marginalie am linken Rand
ist auch nidriger als die Engel gewesen nach der Natur seines
Fleisches vnd ist dem Vater gleich nach der Natur seiner Gottheit, ist gestor-
(20)ben nach der Natur seines Fleisches vnd nicht gestorben nach der Natur sei-
ner Gottheit. Dis ist der allgemeine Christliche Glaub vnd Bekentnis, so die
Apostel geleret, die Matyrer bestetigt haben vnd die Gleubigen bis auff diese
stund behalten.“293
Jm fnfften Buch nimet er in sonderheit fr, die wort des Symboli Chalcedo-
(25)nensis vnd Epistolae Leonis zu verfechten, vnd erzelet die summam der Be-
kentnis der Kirchen Gottes von der Person vnd den beiden Naturen Christi:
„Regula est fidei catholicae vnum eundemque dominum Iesum Christum
sicut verum Deum ita verum hominem confiteri, vnum esse ex vtroque, non
duos in vtrumque, ipsum sine tempore natum de Patre, ipsum ex tempore
(30)natum de virgine, ita vt vtraque natiuitas sic vnum teneat Christum, vt in nul-
lo sui pertulit detrimentum, retinens in se, quod est sui generis proprium, id
est vt et Verbi natura non mutaretur in carne et carnis natura non fuisset in
Verbo consumpta.
fz Marginalie am linken Rand
Hinc dominus Iesus Christus idem verus est Deus, idem
verus est homo, ex duabus ineffabiliter virginali aluo vnitis naturisdm existens,
(35)quae naturae quoquomodo in illa mirabili counione non sunt in eo abolitae
ad demonstrandam vtrarumque proprietatis extantiam in vno seipso vtriusque
res locutus est atque egit“294 etc., dn „Dieses ist die Richtschnur des Christli-
chen Glaubens, das man Jhesum Christum einen waren Gott vnd waren Men-

|| [479]
-
schen bekenne vnd das er gleichwol eine Person sey in beiden Naturen, nicht
|| [66r:] zwo Personen in zweien Naturen. Denn es ist ein einiger, der vor der
zeit vom Vater vnd in der zeit von der Jungfrawen geboren ist, vnd gehrt
beide geburt zu dem einigen Christo, welcher beider Naturn volkomenheit
(5)behalten hat, also das weder die Natur des Worts verwandelt ist worden ins
Fleisch, noch die Natur des Fleisches verzeret ist worden vom Wort. So ist
nu der Herr Jhesus Christus ein einige Person, warer Gott vnd warer Mensch,
aus beiden Naturn, welche in dem Jungfrewlichen leibe wunderbarlich verei-
nigt sein, vnd das erweiset wrde, das in dieser wunderbaren vereinigung
(10)beide Naturn nicht auffgehret, hat er nach beider Naturn eigenschafften
geredt vnd gewircket.“o
Fulgentij vnd vieler andern Sprche vnterlassendo wir auch krtze halben,
solten aber sonderlich Damasceni
ga Marginalie am rechten Rand
zeugnis anzihen, welcher die Lere von
beiden Naturn Christi dermassen gefasset, das er aus aller vorgehenden alten
(15)Scribenten in der Griechischen Kirchen Bchern den besten Kern zusamen-
gezogen; vmb welcher vrsach willen alle Gelerten billich Damascenum lieb
vnd werd halten. Aber es wechset vns one das vnter den Henden diese
Schrifft. Vermanen derwegen abermals den Christlichen Leser, er wlle zur
bestetigung der Warheit vnd das er den einhelligen consenß der Lerer in der
(20)alten Kirchen vermerckt, selbst von dem anfang des dritten bis auff das
zehende Capitel des vierden Buchs mit vleis Damascenum durchlesen295 vnd
betrachten, so wird er nicht allein ein grosses Liecht in vielen Disputationen,
die zu vnser zeit erreget sind, sondern auch eine vergewisserung des einhelli-
gen consenß finden von der warhafftigen Lere, die wir nach der Schrifft vnd
(25)nach vnterricht der alten Kirchen droben erzelet haben.
Das aber solche Lere,
gb Marginalie am rechten Rand
soviel die Person Christi anlanget, auch vnter den
Finsternissen des Bapsthumbs, da des Ampts Christi fast gar vergessen ge-
wesen, dennoch || [66v:] fest vnd vnuerrckt sey erhalten worden, bezeuget
das erste teil des dritten Buchs magistri sententiarum296 vnd die Bcher
(30)Scholasticorum, so darber commentieret haben.297
So schreibt Herr Lutherus selber
gc Marginalie am rechten Rand
im Eingang der Schmalkaldischen Ar-
tickeln, das mit den Papisten von der heiligen Dreyfaltigkeit vnd von der
Menschwerdung, Leiden, Sterben, Aufferstehung, Himelfart Christi vnd wie
ferner der Apostel Symbolum lautet, kein zanck noch streit sey, weil vnsere
(35)Kirchen vnd das Bapsthumb zu beiden teilen dieselbigen bekennen.298 Auch
in Confessione Augustana vnd derselbigen Apologia wird weder der Artickel

|| [480]

von den dreien Personen der Gottheit noch die Lere von der Menschwerdung
vnd andern Artickeln, so daran hengen, in einigen streit gezogen.299 Ja, der
Artickel von der Himelfart vnd sitzen zur Rechten des Vaters
gd Marginalie am linken Rand
wird deutlich
vnd vnterschiedlich gemeldet vnd das Sitzen zur rechten Hand Gottes also
(5)ausgelegt, das es heisse soviel als fr vnd fr regieren vnd herrschen vber
alle Creaturn, die Gleubigen an Christum heiligen mit aussendung des heili-
gen Geists in jre hertzen vnd den geheiligten das ewige leben geben.300 So-
offt auch auff den Reichstagen Colloquia sind angestelt, haben allezeit die
Lerer vnserer, der Euangelischen Kirchen, protestirt, das sie in articulo Trini-
(10)tatis vnd de persona et distinctione naturarum in Christo, dp im Artickel von
der Dreyfaltigkeit vnd von der Person vnd vnterschied der Naturn in Chris-
to,q mit der Rmischen Kirchen, als die es von den Aposteln vnd aus den
bewerten Symbolis vnd synodis orthodoxis, dq rechtgleubigen Concilijs,r emp-
fangen vnd behalten, eins vnd gleichstimmig sein vnd das sie sampt dersel-
(15)ben alle alte vnd new jrrthumb, so wider die decreta orthodoxarum synodo-
rum, Nicaenae, Constantinopolitanae, Ephesinae, Chalcedonensis streiten,
bestendiglich verwerffen vnd verdamnen.
|| [67r:]
ge Marginalie am linken Rand
Was auch des Herrn Lutheri entliche vnd bestendige meinung hieruon
gewesen sey, ist dennoch, gottlob, der Warheit vnd friedliebenden Leuten
(20)wol bekandt. Vnd wollen wir hie fromen Christen etliche ort aus seinen
Lereschrifften anzeigen, zu denen sich on allen zweiuel alle rechtgleubige
Christen von hertzen bekennen. Jn der Auslegung vber die letzten wort Daui-
dis spricht er von beiden Naturen in Christo also: „Wenn du nu gleubest vnd
verstehest, das Christus sey warhafftiger Gott vnd Mensch, wie die Schrifft
(25)vns leret, so sihe darnach zu vnd lerne weiter gewis werden, das du die
Person Christi nicht trennest
gf Marginalie am linken Rand
noch die zwo Naturn oder das Gttliche vnd
Menschliche wesen nicht mengest in ein wesen, sondern die Naturn hie vn-
terscheidest vnd die Person einig behaltest. Denn hie haben sich auch viel
Klglinge gestossen, das sie entweder Gottheit vnd Menscheit, eine Natur
(30)oder aber zwo Personen haben machen wllen wie Nestorius vnd Eutyches
mit jresgleichen“301 etc. „Wolan, diese elende Narren las faren vnd sich klug
dncken, bis sie es gnug haben. Du aber halt fest am Christlichen Glauben,
der vns durch die Schrifft leret, das Jhesus Christus sey warhafftiger Gott
vnd Gottes Son, darzu auch warhafftiger Mensch, Dauids vnd Marien Son,
(35)doch nicht zween Sne, zween Menner oder zwo Personen, sondern ein eini-

|| [481]
-
ger Son vnd eindr einige Person aus vnd in zwo vnterschiedlichen Naturen,
der Gottheit vnd Menscheit. Denn gleichwie in dem Artickel von der Gott-
heit du dich hten must, das du die drey Personen nicht mengest in eine Per-
sone noch das wesen oder Natur trennest in drey Gtter, sondern drey vnter-
(5)schiedliche Personen in einem Gttlichen wesen haltest, also mustu dich
widerumb hie hten, das du die einige Person nicht teilest oder trennest in
zwo Personen oder die zwo Naturen in eine Natur mengest, sondern || [67v:]
zwo vnterschiedliche Naturn in einer einigen Person haltest. Vnd gleichwie
die zwo Naturen sich in einer Person vereinigen, also vereinigen sich auch
(10)die Namen beider Naturn in dem Namen der einigen Person,
gg Marginalie am rechten Rand
welches man
heisset zu Latein Communicatio Idiomatum vel proprietatum, als: Der
Mensch heisst vnd ist geborn von der Jungfrawen Marien vnd von den Jden
gecreutziget; denselben Namen sol man auch Gottes Son geben vnd sagen:
Gott ist geboren von Maria vnd gecreutziget von den Jden. Denn Gott vnd
(15)Mensch ist eine Person vnd nicht zween Sne, einer Gottes, der ander
Marien, sondern ist ein einiger Son Gottes vnd Marien“302 etc.
Ibidem vber den Spruch Danielis am 7.:
gh Marginalie am rechten Rand
„Der Text Danielis gibt gewaltiglich
den Artickel von der Gottheit in drey Personen vnd von der Menscheit des
Sons. Denn es mus eine andere Person sein, die da gibt, vnd ein andere, die
(20)es empfehet, nemlich der Vater gibt die ewige gewalt dem Sone vnd der Son
hat sie vom Vater vnd das alles von ewigkeit her, sonst were es nicht eine
ewige gewalt. So ist der heilige Geist da, ders durch Daniel redet. Denn
solch hochheimlich ding kndte niemand wissen, wo es der heilige Geist
nicht durch die Propheten offenbaret, wie droben offt gesagt ist, das die hei-
(25)lige Schrifft durch den heiligen Geist gesprochen ist. Darneben ist der Son
Gottes gleichwol auch ein Menschenkind, das ist, ein rechter Mensch vnd
Dauids Son, dem solche ewige gewalt gegeben wird. Also sehen wir, wie die
Propheten das Wort ‚ewig‘ wol angesehen vnd verstanden haben, da Gott
durch Nathan zu Dauid spricht: ‚Jch wil meinen vnd deinen Son in mein
(30)ewiges Reich setzen.‘ Hie stsset sich nu fraw Klglinge, die vernunfft, die
zehenmal weiser ist denn Gott selbst, vnd fragt: ‚Wie kan Gott seine ewige
gewalt von sich einem andern geben? Was behielde er selbst? Jst doch dro-
ben || [68r:] gesagt, das Gott Esaie 42 spricht: ‚Jch wil meine ehre keinem
anden geben noch mein lob den Gtzen‘, sonderlich einem Menschen kan er
(35)sie nicht geben, der nicht von ewigkeit her gewesen ist wie Gott, sondern hie
zeitlich angefangen, geborn vnd sterblich ist, wie wir Christen von Jhesu,
Dauids vnd Marien Son, bekennen vnd predigen. Solcher art hochverstendi-
ge Leute sind auch die Jden, Mahomet, Trcken vnd Tattern! Die knnen
das vnbegreiffliche wesen Gottes in den Leffel oder Nusschal jrer Vernunfft
(40)fassen vnd sagen, Gott hab kein Weib, darumb knne er keinen Son haben.

|| [482]

Pfu, pfu, pfu dich an, Teuffel, mit Jden vnd Mahomet vnd alle, die so der
blinden, trichten, elenden vernunfft Schler sind in diesen hohen sachen,
die niemand verstehet denn Gott allein vnd wieviel der heilige Geist vns
dauon durch die Propheten offenbaret hat.
(5)Wir Christen, aus dem newen Testament erleucht, knnen hiezu richtig,
deutlich vnd fein antworten also: Christus, vnser Herr, hat zwo geburt oder
zwo Natur in einer vnzertrenten Person. Denn er ist ein Christus, nicht – wie
der tolle Geist Nestorij narret – zween Christi. Nach der ersten geburt hat er
nicht zeitlich, sondern von ewigkeit her vom Vater empfangen die ewige
(10)gewalt oder Gottheit, vnd der Vater hat sie jm gegeben gantz vnd vllig, wie
er sie selbst hat von ewigkeit. Nicht hat er sie jm also gegeben, das er sich
derselbigen beraubet oder entlediget habe, sondern dieselbige gewalt vnd
kein andere, die er von ewigkeit gantz vnd vllig gehabt vnd in ewigkeit
behelt, hat er dem Son gegeben. Denn es sind nicht zwo Gottheit, sondern
(15)beider Personen ist ein einige Gottheit, vnd bleibet recht geredet Esa. 42:
‚Jch wil meine Ehre keinem andern geben noch mein Lob den Gtzen‘.
Denn der Son ist kein ander Gott noch Gtze, sondern mit dem Vater ein
einiger, rechter, ewiger Gott. || [68v:]
gi Marginalie am linken Rand
Hieuon spricht er selbst Johan. 16:
‚Alles was der Vater hat, das ist mein‘, spricht nicht: ‚der Vater hat nichts
(20)mehr, ich habe es alles allein‘ oder: ‚der Vater hats alles allein, ich habe
nichts‘, sondern ‚der Vater hats alles. Aber dasselbige alles, das er hat, das
ist mein.‘ Das ist ja klerlich soviel gesagt, das der Vater vnd Son ein einige
Gottheit haben, vnd von demselben alles des Vaters, das des Sons ist, hats
der heilige Geist auch, wie er daselbst spricht: ‚Er wirds von dem meinem
(25)nemen.‘ Von welchem meinem? On zweiuel von dem meinem, das der Vater
hat. Also nimet der heilige Geist von beiden, dem Vater vnd Son, dieselbige
vllige gantze Gottheit von ewigkeit her. Jtem Johan. 5: ‚Wie der Vater das
leben hat in jm selber, also hat er dem Son geben, das leben zu haben in jm
selber‘. Vnd wie der Vater Todten aufferwecket vnd lebendig macht, also
(30)auch der Son macht lebendig, welche er wil, auff das sie alle den Son ehren,
wie sie den Vater ehren.
gj Marginalie am linken Rand
Das alles ist von der ersten, ewigen, Gttlichen
geburt gesagt.
Nach der andern, zeitlichen, menschlichen geburt ist jm auch die ewige
gewalt Gottes gegeben, doch zeitlich vnd nicht von ewigkeit her. Denn die
(35)Menscheit Christi ist nicht von ewigkeit gewest wie die Gottheit, sondern
wie man zelet vnd schreibet, ist Jhesus, Marien Son, dis Jar 1543 Jar alt.
Aber von dem augenblick an, da Gottheit vnd Menscheit vereiniget ist in
einer Person, dads ist vnd heisst der Mensch Marien Son, allmechtiger ewiger
Gott, der ewige gewalt hat vnd alles geschaffen hat vnd erhelt per Communi-
(40)cationem Idiomatum, darumb das er mit der Gottheit eine Person vnd auch
rechter Gott ist. Dauon redet er Matth. 21: ‚Alles ist mir vom Vater gege-

|| [483]
-
ben‘, Matth. vlt: ‚Mir ist alle gewalt gegeben im Himel vnd auff Erden‘.
Welchem mir? Mir, Jhesu von Nazareth, Marien Son vnd Mensch || [69r:]
geborn. Von ewigkeit hab ich sie vom Vater,
gk Marginalie am rechten Rand
ehe ich Mensch ward. Aber da
ich Mensch ward, hab ich sie zeitlich empfangen nach der Menscheit vnd
(5)heimlich gehalten bis auff mein aufferstehen vnd auffart, da es hat sollen
offenbart vnd verkleret werden, wie S. Paulus Rom. 1 spricht:* ‚Er ist ver-
kleret oder erweiset ein Son Gottes krefftiglich.‘ Johannes nennet es verkle-
ret, Cap. 5: ‚Der heilige Geist war noch nicht, denn Jhesus war noch nicht
verkleret.‘“303 etc.
(10)Jn der Kirchenpostill vber die Epistel Ebre. 1: „Hie sollen wir einmal recht
Christum erkennen lernen,
gl Marginalie am rechten Rand
wie sichs mit jm helt in beiden Naturen, Gttli-
cher vnd Menschlicher, darinnen viel jrren vnd eins teils fabeln treiben aus
seinen worten, die sie der Gttlichen natur geben, welche doch der Mensch-
lichen natur gebrn, blenden sich selbst in der Schrifft, denn in Christus wor-
(15)ten ist das grste auffsehen, welche der Gttlichen vnd welche der Menschli-
chen natur zustehen, so sind sie alle leicht vnd klar“304 etc.
„Vnd das wir widerumb auff Christum komen, ist zu gleuben, das Christus
sey warer Gott vnd warer Mensch, vnd zuweilen redet die Schrifft vnd er
selbst nach seiner Gttlichen Natur, zuweilen nach der Menschlichen natur,
(20)als da er sagt Johan. 8: ‚Ehe Abraham war, bin ich‘, das ist von der Gottheit
gesagt. Aber da er sagt dt Matthaei 20u zu Jacobo vnd Johanne: ‚Das sittzen zu
meiner Rechten vnd Lincken zu geben, stehet mir nicht zu‘, das ist von der
Menscheit geredt, gleich als die jr selbst am Creutz nicht helffen mochte,
wiewol etliche grosse Kunst hie wollen beweisen mit jren finstern Auslegun-
(25)gen, das sie den Ketzern begegnen. Also ist das auch der Mensch Christus,
da er sagt Marc. 13: ‚Von dem tag vnd von der stunde weis niemand, auch
die Engel nicht im Himel, auch der Son nicht, sondern allein || [69v:] der
Vater.‘ Jst nicht not die Glose: der Son weis nicht, das ist er wils nicht sagen.
Was thut die Glose? Die Menscheit Christi hat eben wie ein ander heilig
(30)natrlich Mensch nicht allzeit alle ding gedacht, geredt, gewolt, gemerckt,
wie etliche einen allmechtigen Menschen aus jm machen, mengen die zwo
Naturen vnd jre werck ineinander vnweislich. Wie er nicht allzeit alle ding
gesehen, gehrt vnd geflet hat, so hat er auch nicht alle ding mit dem Hert-
zen allezeit angesehen, sondern wie jn Gott gefret hat vnd jm frbracht.
(35)Voller gnaden vnd weisheit ist er gewesen, das alles, was jm frkomen ist,
hat er knnen vrteilen vnd leren, darumb das die Gottheit, die allein alle ding
sihet vnd weis, in jm persnlich vnd gegenwertig war, vnd endlich alles, was

|| [484]

von Christi niderung vnd erhhung gesagt ist,
gm Marginalie am linken Rand
sol dem Menschen zugelegt
werden. Denn Gttliche natur mag weder genidert noch erhhet werden.
du ‚Welchen er gesetzt hat zum Erbe vber alles.‘v – Das ist nach der Mensch-
heit. Denn wir mssen gleuben, das Christus nicht allein ist nach der Gott-
(5)heit vber alle ding, sondern auch nach der Menscheit also, das Christo dem
Menschen alle Creaturen vnterthan vnd vnterworffen sind. Er schafft alle
ding als ein Gott, aber als ein Mensch schafft er nichts, vnd sind jm doch alle
vnterthan, wie Dauid Psal. 8 sagt: ‚Alles hastu vnter seine Fsse gethan.‘
Also ist Christus vnser Gott vnd vnser Herr: Als ein Gott schaffet er vns, als
(10)einem Herrn dienen wir jm vnd er herrschet vber vns. Also in dieser Epistel
dencket der Apostel von jm als von einem waren Gott vnd Herrn alle ding zu
reden. Denn obwol die zwo Naturen vnterschieden sind, so ists doch ein Per-
son, das alles, was Christus thut oder leidet, hat gewislich Gott gethan vnd
gelidden, dv wiewol doch nur einer Natur dasselb begegnet ist,w als im gleich-
(15)nis: Wenn ich sage von einem verwundten || [70r:]
gn Marginalie am linken Rand
Bein eines Menschen, spre-
che ich: ‚Der Mensch ist wund‘, so doch seine Seele oder der gantze Mensch
nicht wund ist, sondern ein stck seines Leibes, darumb das Leib vnd Seel
ein ding ist, vnum indiuiduum. Wie ich nu vom Leib vnd Seel reden mus vn-
terschiedlich, also auch von Christo. Jtem es ist nicht bel geredt, wenn ich
(20)spreche: ‚Jch kenne die Sonne nicht in der nacht‘, so ich sie doch mit der
vernunfft wol kenne, aber nicht mit den augen. Also weis Christus nicht vom
Jngsten tage vnd weis jn doch wol.“305 etc. Et paulo post: „Nu sihestu, wie
fein sich die wort reimen, das er jn einen Erben nennet nach der Menschheit.
Denn wem solten alle Gottesgter billicher zu Erbe gegeben werden, denn
(25)dem, der da Son ist? Er hat alle Gter vnd Creaturen mit dem Vater zugleich
geschaffen, aber nu er auch Mensch ist vnd Son,
go Marginalie am linken Rand
beerbet er sie auch vmb des
willen, das er Son ist vnd ist nu ein Son in beiden Naturen.“306
In eadem concione: „dw ‚Hat er sich gesetzt zur Rechten der Maiestet in der
Hhe‘x etc. Das ist nach der Menschlichen natur gesagt, in welcher er auch
(30)der Snden reinigung zugericht hat. Doch das dennoch war sey, es habe es
Gottes Son gethan, vnd die Person nicht jemand scheide vmb der scheidung
der Naturn, also ists auch war, das Gottes Son sitzet zur Rechten hand der
Maiestet, wiewol das allein nach der Menscheit geschiet. Denn nach der
Gottheit ist er auch selbst die einige Maiestet mit dem Vater, zu welches
(35)Rechten hand er sitzet. Doch wollen wir solche weise zu reden jtzt lassen, als
die da finster ist, vnd bey des Texts Rede bleiben, die da klerer ist. Zu der

|| [485]

Rechten der Maiestet sitzen ist gewislich der Maiestet gleich sein. Darumb,
wo Christus wird beschrieben, das er zur Rechten Gottes sitzet, da wird
|| [70v:]
gp Marginalie am rechten Rand
grndlich beweret, das er warer Gott sey, sintemal Gott ist niemand
gleich denn Gott selber. Darumb, das der Mensch Christus wol wird gesagt,
(5)er sitzet zur Rechten Gottes, ist doch so viel gesagt, Er sey warer Gott, wie
der 110. Psalm: ‚Der Herr sprach zu meinem Herrn: ‚Setze dich zu meiner
Rechten‘ etc., das ist er hat zu Christo gesagt, der ein Mensch ist: ‚Sey mir
gleich‘, das ist: ‚Du solt nicht allein ein Mensch, sondern auch Gott erkennet
werden‘, wie denn allhie der Apostel diesen Spruch desselbigen Psalmen
(10)auch einfret. Jtem Psal. 8: ‚Du hast jm vnter die Fsse geworffen alle
wercke deiner Hende‘, das ist du hast dir jn gleich gemacht, nicht das er nu
allererst angefangen hab, Gott zu sein, sondern das der Mensch vorhin nicht
ist Gott vnd Gott gleich gewesen. Denn zugleich er angefangen hat, Mensch
zu werden, hat dieser Mensch auch angefangen, Gott zu sein, vnd also redet
(15)die Schrifft gar viel fglicher von Christo denn wir vnd wickelt die Person
so fein in die Natur vnd scheidet widerumb die Natur, das wenig sind, die es
recht verstehen. Vnd ich selbst offt in diesen vnd dergleichen gejrret hab, das
ich der Natur habe zugeeignet, was der Person gebret vnd widerumb.“307
Vber das Euangelium am Christag,
gq Marginalie am rechten Rand
Lucae 2: „Das rede ich darumb, das wir
(20)vnsers Glaubens grund haben vnd Christum lassen sein einen natrlichen
Menschen, aller massen wie wir vnd jn nicht sndern an der Natur, on was es
die Snde vnd Gnade betrifft. Wir kundten Christum nicht so tieff in die
Natur vnd fleisch zihen, es ist vns noch trstlicher. Darumb, was nicht wider
die gnade ist, sol man seiner vnd seiner Mutter natur gar nichts ablegen. Der
(25)Text stehet klar allda vnd spricht, sie habe jn geboren, vnd ‚ist euch geboren‘
sagen die Engel.“308
|| [71r:] Jn der auslegung des Euangelij am Sontag nach dem Christag, Lucae
2
: „Es mhen sich hie die spitzigen vber den worten Lucae, wie Christus, so
er Gott ist gewesen allezeit,
gr Marginalie am rechten Rand
hab mgen zunemen im Geist vnd in der Weis-
(30)heit. Denn das er gewachsen sey, geben sie dennoch zu, welches wol wunder
ist, als behend sie sein, wunder zu machen, da keine sind vnd verachten, da
sie sind. Solche mhe vnd frage machen sie jnen selbst, denn sie haben jnen
einen Artickel des Glaubens ertichtet, das Christus vom ersten augenblick
seiner empfengnis sey voller Weisheit vnd Geistes gewesen, das nichts mehr
(35)hat hinein mgen, gerade als were die Seel ein Weinschlauch, den man
fllet, bis das nichts mehr hinein gehet, wissen selbst nicht, was sie reden
oder wovon sie sagen, wie S. Paulus 1. Timoth. 1 schreibet. Wenn ichs nicht
kndte verstehen, was Lucas meinet, das Christus habe zugenomen am Geist
vnd Weisheit, so wolt ich seinem Wort als Gottes Wort die ehre thun vnd

|| [486]

gleuben, es were war, ob ich gleich nimermehr erfaren kndte, wie es war
sein mchte, vnd wolte meine eigene ertrewmete Artickel des Glaubens
faren lassen als Menschliche Narrheit, die Gttlicher Warheit viel zu gering
ist, ein mas vnd Richtscheid zu sein. Mssen wir doch alle bekennen, das
(5)Christus nicht allzeit ist gleich frlich gewesen, vnangesehen, das wer voll
Geistes ist, der ist auch voll freuden, sintemal freude ist eine frucht des Geis-
tes, Gal. 5. Jtem Christus ist auch allzeit nicht gleich ss vnd senffte gewe-
sen. Er ward etwa zornig vnd vberdrssig, da er die Jden aus dem Tempel
trieb, Johan. 2 vnd war betrbt im zorn vber jre blindheit, Marc. 3 etc.
(10)Darumb sollen wir die wort Lucae auffs aller einfeltigst verstehen von der
Menscheit Christi, welche ist gewesen ein Handgezeug309 vnd Haus der
Gottheit. Vnd ob er wol voll Geists vnd gnaden ist allzeit gewesen, hat
|| [71v:] jn doch der Geist nicht allzeit bewegt, sondern jtzt hiezu erweckt, jtzt
dazu, wie sich die sache begeben hat. Also auch, ob er wol in jm ist gewesen
(15)von anfang seiner empfengnis, doch gleichwie sein Leib wuchs vnd seine
vernunfft zunam natrlicher weise als in andern Menschen, also senckete
sich auch imer mehr vnd mehr der Geist in jm vnd bewegt jn je lenger je
mehr, das es nicht spiegelfechten ist, da Lucas sagt, er sey starck worden im
Geist, sondern wie die wort lauten klerlich, so ists auch auffs aller einfeltigst
(20)zugangen, das er warhafftig je elter je grsser vnd je grsser je vernnfftiger
vnd je vernnfftiger je stercker im Geist vnd voller Weisheit ist worden fr
Gott vnd in jm selber vnd fr den Leuten; darff keiner glossen hie nicht, vnd
dieser verstand ist one alle fahr vnd Christlich, ligt nicht macht daran, ob er
stosse an jren ertrewmeten Artickel des Glaubens. Dazu stimmet S. Paulus
(25)Philip. 2, da er sagt: ‚Christus hat sich geeussert seiner Gttlichen gestalt vnd
nam Knechts gestalt an, ward gleichwie ein ander Mensch vnd an den geber-
den als ein Mensch erfunden.‘ Diese wort redet S. Paulus nicht von der
gleichnis der Natur. Denn er spricht, Christus der Mensch, nachdem er schon
Mensch war, ward gleichwie ein ander Mensch vnd an geberden als ein
(30)Mensch erfunden. Nu aber alle Menschen natrlich zunemen an dem Leibe,
vernunfft, Geist, Weisheit, vnd ist niemand, der anders geberdet, wil Lucas
mit Paulo stimmen, das Christus auch also habe in allen stcken zugenomen
vnd sey ein sonderlich Kind gewesen, das sonderlich fr andern hat also
zugenomen. Denn seine complexion war edler vnd Gottes gaben vnd gnaden
(35)waren reicher in jm denn in andern, also das diese wort Lucae gar ein leich-
ten, liechten vnd einfeltigen verstand haben, wenn nur diese Klgeler jre
subtiliteten heraussen liessen.“310 || [72r:]
gs Marginalie am linken Rand
Jn der Hauspostill am tage der Himelfart: „Der heilige Geist predigt,
Christus sey nicht auff Erden blieben, sondern in die Hhe gefaren.“ Jtem:

|| [487]

„Nu hat aber Christus nach seiner Aufferstehung einen rechten Leib, der
Fleisch vnd Bein hat vnd sich greiffen lest.“311
Jm Buch von den Concilijs vnd Kirchen: „Wir Christen mssen die Idiomata
der zwo Naturen in Christo der Personen gleich vnd alle zueigen,312 als
(5)Christus ist Gott vnd Mensch in einer Person, darumb was von jm geredt
wird als Mensch, das mus man von Gott auch reden, nemlich Christus ist
gestorben vnd Christus ist Gott, darumb ist Gott gestorben, nicht der abge-
sonderte Gott, sondern der vereinigte Gott mit der Menscheit. Denn vom
abgesonderten Gott ist beides falsch, nemlich das Christus Gott sey vnd Gott
(10)gestorben sey. Beides ist falsch, denn da ist Gott nicht Mensch. Dnckts aber
Nestorium wnderlich sein, das Gott stirbet, solt er dencken, das ja so wn-
derlich ist, das Gott Mensch wird. Denn damit wird der vnsterbliche Gott
dasjenige, so sterben, leiden vnd alle Menschliche Idiomata haben mus. Was
were sonst derselbe Mensch, mit dem sich Gott Persnlich vereiniget, wenn
(15)er nicht rechte Menschliche Idiomata haben solt? Es mste ein Gespenst
sein, wie die Manicheer zuuor hatten gelert. Widerumb, was man von Gott
redet, mus auch dem Menschen zugemessen werden, nemlich Gott hat die
Welt geschaffen vnd ist Allmechtig, der Mensch Christus ist Gott. Darumb
hat der Mensch Christus die Welt geschaffen vnd ist allmechtig. Vrsache ist:
(20)Denn es ist eine Person worden aus Gott vnd Mensch, darumb fret die Per-
son beider Naturn Idiomata. Ach Herr Gott, von solchem seligen, trstlichem
Artickel solt man vngezanckt, vngezweiuelt, in rech- || [72v:] tem Glauben jmer
frlich sein, singen, loben vnd dancken Gott dem Vater fr solche vnaus-
sprechliche barmhertzigkeit, das er seinen lieben Son hat lassen vns gleich,
(25)Mensch vnd Bruder werden. So richtet der leidige Satan durch stoltze, ehr-
schtige, verzweiuelte Leute solchen vnlust an, das vns die liebe vnd selige
frewde mus verhindert vnd verderbet werden, das sey Gott geklaget.“313
Zum beschlus wollen wir noch einen locum des Herrn Lutheri hieher setzen,
darinnen deutlich stehet seine eigentliche meinung von der Communicatione
(30)Idiomatum, dadurch das newe ertichte Comment von der duplici communi-
catione, verbali et reali, sampt der nichtigen Regel, das allein die Gttliche
natur der Menscheit communicire jre eigenschafften, aber hinwider von der
Menschlichen natur nichts empfahe. Jtem das man frgibt, als solle commu-
nicare personae so viel heissen als die eigenschafften einer Naturn in die
(35)andere schtten vnd ausgiessen vnd was dergleichen vngereimets dinges
mehr ist, klerlich vmbgestossen vnd widerlegt wird.
Denn dis sind seine wort in enarratione
gt Marginalie am rechten Rand
cap. 53 Esaiae anno 1544: „ Vtrum-
que verum est: Christus est verus Deus, brachium domini et tamen seruus

|| [488]

miserrimus, sicut illud Rom. 1: Est semen Dauidis et tamen Dei Filius, Daui-
dis quidem in infirmitate et humilitate carnis, Dei vero in virtute. Sic declara-
tur per Spiritum sanctum post resurrectionem suam. Mira certe locutio est
brachium domini et seruus, id est Filius Dei messias est sublimis, exaltatus
(5)non tantum in cruce a terra, sed sedet ad dexteram Dei aeterni Patris, sic vt
sit ipsum brachium domini et dextera Dei, per quam Deus omnia fecit ac fa-
cit potenter, eduxit filios Israel ex Aegypto, cibauit manna in deserto 40
annis Israelitas.
gu Marginalie am linken Rand
Haec est sapientia Christianorum. Iudaei offenduntur || [73r:]
in con­iunctione naturarum. Haec diligenter inculcanda et credenda sunt, cum
(10)aperitur scriptura. Alias enim nemo cogitet vnquam, quod possit intrare in
penetralia et secreta scripturae excluso illo brachio domini, incarnato Deo.
Constituto autem, quod Filius Dei et Dauidis sit vnus, non duo filij, tota
scriptura patet, quia de vno tantum loquitur. Ergo quatenus est naturalis filius
Dauidis seu secundum naturam hanc assumptam vocatur tota persona seruus.
(15)Non enim distrahenda et diuidenda est persona Filij Dei et Dauidis, sed
debemus credere et confiteri, quod illae duae naturae sunt vnus Filius, quia
sunt iam vnitae vnione hypostatica.
gv Marginalie am linken Rand
Est enim vere vnus Filius, quia est vna
persona, vt angelus Luc. 1 dicit: ‚Quod nascitur ex te‘, muliere scilicet
virgine, ‚Filius Altissimi vocabitur‘. Tuus quidem Filius erit, nascetur enim
(20)ex te, concipies et paries eum tuo vtero, sed iste Filius tuus siue hoc ipsum,
quod ex te natum est, vocabitur Filius Altissimi. Sic 1. Corinth. 2: ‚Si
cognouissent dominum gloriae, non crucifixissent.‘ Paulus clare ait non
Filium Mariae aut Dauidis crucifixum tantum, sed dominum gloriae, id est
dominum gloriosum et ad Ebraeos 6: ‚Crucifigentes Filium Dei.‘
(25)Ergo caueamus Nestoriana et Suuenckfeldiana deliria, quae personam distra-
hunt et faciunt duos filios et teneamus firmiter non esse duos filios, sed
vnum Filium. Porro autem patres hoc Communicationem Idiomatum appel-
larunt, quod communicet suas proprie- || [73v:] tates
gw Marginalie am linken Rand
vtraque natura illi perso-
nae, quae est Filius Dei. Humana communicat illi personae, quae est Filius
(30)Dei et diuina natura ei, quae est filius Mariae. Quod accidit huic, qui est Fili-
us Dei, dicitur accidisse filio virginis et econtra, vt Iesus Nazarenus est filius
virginis et simul Dei in vnitate personae, id est vna vnione duarum natura-
rum vt recte dicatur: ‚Hic homo condidit stellas, Deus vagit in cunis et homo
creator et gubernator angelorum, qui fugit vbera matris, qui creauit omnia,
(35)iacet in praesepio.‘ Sic Spiritus sanctus seruauit ecclesiam in hoc articulo,
qui quidem praecipuus est in nostra religione vt Psal. 8 pulcherrime dicitur:
‚Quid est homo et filius hominis, quod visitas illum?‘ O quam admirabile est
nomen tuum Iesu Christe? Nihil potest vnquam cogitari mirabilius quam
quod ita desertus a Deo et tamen constitutus sit rex super omnia“314 etc.

|| [489]

Et paulo post: „Sic igitur Christus verus est Deus et seruus atque equidem
vilissimus omnium peccatorum.
gx Marginalie am rechten Rand
Quomodo autem seruus? Secundum huma-
nitatem. Nunc autem, quia diuina et humana natura copulatae sunt in vnam
personam et Christus reuera est Deus et homo, ideo dicitur etiam Filius Dei
(5)seruus noster. Ergo recte et diuinitus opinor factum in grammatica, vt quae-
dam vocabula dicantur concreta, quaedam abstracta. Sic recte dico: ‚ Diuini-
tas non patitur, humanitas non creat.‘ Hic loquor de abstracto et de separata
diuinitate. Sed non hoc faciendum est, non separanda abstracta sunt, alioqui
fides nostra falsa est. Sed credendum est in concreto: Ille ho- || [74r:] mo est
(10)Deus. Hic propria et attributa recte manent. Humanitas non creat scilicet in
humanitate separata vel seorsim posita, si de ea sola loquimur. Sic econtra
diuinitas non moritur. Ideo hoc loco de abstracto tacendum est prorsus, quia
fides docet hic nullam esse abstractionem, sed concretionem, coniunctionem
et copulationem vtriusque naturae. Quapropter de hac re loquendum est vt de
(15)concreto: Filius Dei conseruat omnia, filius virginis conseruat coelum et ter-
ram, Filius Dei moritur, patitur, filius virginis moritur, patitur. Sic loquitur
scriptura, quod diligenter obseruemus, vt hoc loco seruus dicitur exaltari etc.
Nam natura seorsim sumpta est serua, sed eadem est coniuncta cum diuina.
Ergo eadem persona vocatur Filius et aequalis Deo in natura humana non per
(20)se vel seorsim, sed in illa concretione, de qua dicuntur omnia. Quae possunt
dici de diuina natura dicuntur in concreto et de altera, scilicet vnita in vnam
personam.
Haec sunt ipsius scripturae non nostra,
gy Marginalie am rechten Rand
quia vocatur brachium domini, Filius
Dei. Sed quia est vnitus cum natura humana, recte dicitur ascendere, mori,
(25)pati etc. propter illam vnionem. Haec vbique diligenter considerentur in pro-
phetis, vbi simpliciter loquitur scriptura vt de homine, tribuens ei omnia
humana, humanas passiones et quaecunque possunt de ea natura dici non
secundum abstractionem, sed concretionem. Stulte igitur et ridicule Nestori-
us quaerit, quomodo Deus potest nasci. Et diaconus eius clamabat coram
(30) || [74v:] populo: ‚Non tu Iudaee crucifixisti Filium Dei, quia non potuit cruci-
figi.‘ Populus nouo sermone est attonitus, cum hactenus audiuisset suos epis-
copos ex scriptura docentes 1. Corinth. 2: ‚Nunquam dominum gloriae cruci-
fixissent.‘ Hunc diaconum sequitur Nestorius. Sed contra hunc synodus pie
decreuit,
gz Marginalie am rechten Rand
vere dici virginem θεοτόκον, vt etiam in superioribus scriptoribus
(35)legebatur, quia peperit non separatum hominem quasi seorsim ipsa haberet
filium et seorsim Deus suum Filium, sed eundem, quem ab aeterno Deus
genuit, peperit ipsa in tempore. Ergo virgo non tantum est mater Christi vt
concedit Nestorius hoc verbo ornans suum venenum, sed Filij Dei, qui idem
passus, crucifixus, mortuus est sicut dicit angelus: ‚Quod ex te nascetur, vo-
(40)cabitur Filius Dei.‘ Haec dico ad confirmandam fidem nostram contra satha-
nae praestigias. Nestorius facit duas personas, duos filios, alterum natum ex
virgine, alterum natum ex Deo, cum dicit: ‚Non crucifixisti Filium Dei, sed
filium virginis.‘ Haec non possumus pati, sed docemus concretionem et vni-

|| [490]
-
onem in eandem personam et filiationem, quod idem sit virginis et Dei Patris
Filius.
ha Marginalie am linken Rand
Quidquid ergo de Filio Dei dicitur, idem dicitur de homine vel huma-
na natura in concreto. Ita hic propheta coniungit vtrunque: „Est brachium
Dei et Filius Dei“ et tamen ait: „ascendit“, quod est proprium naturae huma-
(5)nae et nihilominus idem etiam diuinae tribuitur propter concretionem, quia
est vnum brachium non duo et eadem persona.
Item Christus etsi esset in forma Dei exaltatus, || [75r:]
hb Marginalie am linken Rand
tamen non ostendit, se
esse talem dominum, qualis erat, crescebat et ascendebat vt alius homo et
tamen erat rex regum, Christus gloriae et maiestatis, de quo tota scriptura
(10)dicit constitutum esse dominum omnium. Psal. 8: ‚Omnia subiecisti sub pe-
dibus eius.‘ Imo etiam dominus angelorum, Ephe. 1, quia clare dicit: ‚ Con-
stituisti eum super omnia opera manuum tuarum.‘ Also sol ers auch heissen
secundum naturam humanam, sed tantum secundum concretionem, vt etiam
angeli omnes adorent, flectant genua illi filio virginis, fugenti vbera et
(15)dicant: ‚Tu es creator et dominus.‘ Ideo puto sathanam ipsum in principio
Alcorani sese prodidisse et manifestasse, cum scribit initio libri, ideo diabo-
los protrusos esse in infernum, quia noluerint adorare Adam. Hae vere sunt
voces diaboli per Mahometh significantis se fuisse in coelo, vidisse in verbo
Dei et speculo diuinitatis, fore vt aliquando incarnaretur Filius Dei, postea
(20)illius recordatum coepisse persequi hominem statim conditum, quia videbat
hanc naturam aliquando adorandam. Hoc detrectabat facere, nimia inflatus
superbia, vidit alios angelos libenter adoraturos, etiamsi quam inferiorem
naturam induisset Filius Dei. Sed ipse prae nimia superbia non voluit sic hu-
miliari, videtur id ei nimis absurdum. Ergo recte dicitur, naturam humanam
(25)adorari non in abstracto, sed in concreto, quia est vna persona, vt non possis
adorare Deum, quin adores hominem. Hoc est, quod dicit: Ascendit illud
brachium secundum naturam humanam.“315
|| [75v:]
hc Marginalie am linken Rand
Mehr zeugnis aus des Herrn Lutheri Bchern wollen wir auff dieses-
mal nicht erzelen, vnd obwol in den gegenwertigen streiten von vielen des
(30)Herrn Lutheri namen gemisbrauchet wird, indeme man aus seinen Streit-
schrifften etliche Reden vnuorsichtig vnd bel anzeucht, so ist es doch offen-
bar, das er in seinen Lerebchern von diesen Artickeln, so die Menschwer-
dung Christi vnd was derselben ferner anhengig ist, erkleren, nicht anders
denn nach meinung, gewonheit vnd form der eltesten Kirchenlerer vnd Veter
(35)geredet vnd geschrieben hat, ja in solchen Lerebchern hat er gleichsam mas
vnd weise frgeschrieben, darnach er verstanden vnd gerichtet haben wolte,
was etwan dieser Artickel halben in werendem streit vnd geschwindigkeit,
dazu er von seinem gegenteil beweget, geredt vnd geschrieben, was auch fer-

|| [491]
-
ner von andern dauon geschrieben oder geredt werden mchte. Da aber je
vnruhige Leute sich daran nicht begngen lassen vnd als die vngeratene vnd
vndanckbare Schler Lutheri nach dem Exempel des Gottlosen Chams, der
seinen Vater Noah verspottet,316 sich vnterstehen wrden, Antilogias hieuon
(5)aus vngleichen Schrifften herfrzusuchen, denen setzen wir des Herrn
Lutheri selbst eigene Regel, wie er von seinen Schrifften wil geurteilet ha-
ben, entgegen, da er in der Praefation vber seine Tomos bittet, das man seine
Schrifften cum iudicio lesen wlle317 vnd, wie S. Augustinus auch von sich
schreibet, fr derer einen gehalten sein wil, die scribendo et docendo haben
(10)zugenomen vnd sich gebessert,318 vnd im Buch von den Concilijs vnd der
Kirchen saget er: „Meine Antilogisten sind treffliche feine frome Sew vnd
Esel, die meine Antilogien zusammenklauben vnd lassen die vrsachen anste-
hen.“319 Wider den Spruch S. Hilarij: „Ex causa dicendi sumenda est intelli-
gentia dictorum.“320 dy „Wenn man recht verstehen wil, was || [76r:] geredt wird,
(15)so sol man die Vrsach der Reden bedencken.“z
Vnd das Herr Lutherus in offtgemelten Artickeln nie hat wollen etwas wider
die einhellige meinung der Schrifft vnd der Kirchen vorsetziglich verteidin-
gen, zeiget auch dieses, das er jm hertzlich wolgefallen lassen, was Herr
Philippus von diesen Artickeln in seinen Bchern, die er mit vleis gelesen,
(20)geleret vnd geschrieben hat.321 Vnd obwol das Flacianische Gesind322 noch
heutiges tages nicht auffhret,
hd Marginalie am rechten Rand
wider den tewren fromen Philippum nach sei-
nem seligen absterben zu wten, jedoch ist fromen Christen nicht vnbekand,
das Herr Lutherus in ehe gedachter Praefation vber seine Tomos mit danck-
sagung gegen Gott rhmet, das er jm Philippum als einen trewen gehlffen
(25)in Theologia zu arbeiten zugegeben. Sagt auch ferner, was Gott der Herr
durch diesen Werckzeug ausgericht habe, nicht allein in guten Knsten,323
sondern auch in Theologia, da beweise das Werck den Meister, vnangese-
hen, ob gleich der Sathan vnd alle seine Schuppen324 darber zrnen.325

|| [492]

Nu stehen ja des Herrn Philippi Schrifften auch da vnd wolle der Christliche
Leser jme in diesen Artickeln in sonderheit lassen befohlen sein, was hieuon
in dem Corpore doctrinae326 dieser Kirchen vnd in den Auslegungendz Sym-
boli Niceni vnd Epistolarum Pauli327 notdrfftig vnd ausfrlich geleret wird.
(5)Was auch in auslendischen Kirchen, so sich vom Bapsthum abgesondert vnd
zwar im Bapsthum selbst von offtgemelten Artickeln einhelliglich geleret
werde, ja wie ein jeder Christ von der Haubtsache in diesen Artickeln von
seiner jugent auff vnterrichtet worden sey, ehr die newen streit auff die ban
komen, lassen wir auff dis mal an seinem ort beruhen vnd ist fr sich selbst
(10)offenbar vnd am tage.
|| [76v:]
he Marginalie am linken Rand
Haben allein zu diesem mal von der Person vnd Menschwerdung vn-
sers Herrn Jhesu Christi, der waren Christlichen Kirchen Grundfest, aus der
heiligen Schrifft, den Symbolis vnd frnemesten Concilijs vnd einhelligem
Consens der alten vnd newen bewerten Lerer, so viel jmer mglich gewesen,
(15)auffs krtzst vnd einfeltigst widerholen wollen, vnd zeugen wir fr Gott vnd
der gantzen Christlichen Kirchen, das wir es in vnsern Gewissen dafr hal-
ten, das diese Lere die einige vnd allein vns von Gott geoffenbarte Warheit
sey. Vnd wie wir sie stets auff einerley weise vnd mas in dieser Schulen
geleret vnd gelernet haben, also wollen wir, ob Gott wil, dabey bestendiglich
(20)verharren vnd dauon, so lange vns Gott mit seinem Geist vnd Gnaden regie-
ret, nicht abweichen. Verwerffen auch vnd verdammen hiemit alle gegenlere,
sie werden geschmckt oder vermentelt, wie sie jmer mgen. Vnd wollen,
ob Gott wil, dawider fechten vnd streiten, solange vns Gott das Leben gibt,
weil wir gewis, das sie stracks wider die heilige Schrifft sind vnd allbereit
(25)von alters von der rechtgleubigen Kirchen mit einhelligem Consenß ver-
worffen vnd verdampt sind. Vnd vermanen alle frome Christen, denen der
grund jres Christlichen Glaubens von Hertzen angelegen ist, das sie bey der
waren, richtigen vnd gegrndten Lere der heiligen Schrifft vnd Kirchenea in
diesen allerhchsten Artickeln bleiben vnd fr den jrrigen, ertichten, vnge-
(30)grndten, schedlichen verfelschungen sich hten vnd nicht von allerley
Wind newer Lere durch schalckheit der Menschen vnd teuscherey sich

|| [493]

wegen vnd wigen oder durch jre nachlessigkeit dieses Gttliche Liecht bey
jnen ausleschen vnd tilgen lassen wollen.

|| [77r:] Kurtze erzelunge der Gegenlere.

Denn weil der Teuffel ein abgesagter Feind ist des Sons Gottes vnd dem
(5)armen Menschlichen Geschlecht sein heil vnd seligkeit nicht gnnet,
hf Marginalie am rechten Rand
hat er
zu allen zeiten wider dis Liecht der reinen Lere von Christo aus allen
winckeln mit starcken, grossen Winden auffs hefftigst geblasen vnd hret
noch nicht auff, darwider zu wehen vnd zu strmen. Bald anfangs nach ver-
kndigung der ersten verheissung vom Messia, darin ein ewige Vehde vnd
(10)Feindschafft zwischen der Schlangen vnd des Weibes Samen ist angesetzt,328
hat Cain vnd seine Gottlose Nachkomen die lere von Christo verlachet329 wie
auch der vngeratene Cham, Noahs jngster Son, in seines Vaters Lenden
Messiam verspottet.330 Nachmals hat der grsser teil des Menschlichen Ge-
schlechts der verheissung von Christo gar vergessen vnd weder von
hg Marginalie am rechten Rand
seiner
(15)Person noch Ampt vnd wolthat nichts gewust. Jm Volck Gottes, da die ver-
heissung so offt ernewert vnd durch die Propheten je mehr vnd mehr erkle-
ret, haben dennoch endlich die Phariseer vnd Saduceer verleugnet, das
Messias Gott vnd Mensch sein wrde, wie auch die Jden, Messiae eigen
Volck, jn endlich ans Creutz bringen vnd tdten. Zur zeit der Apostel aber
(20)vnd hernach hat der Teufel in sonderheit von allen vier orten grawsame
Sturmwinde wider das Liecht der lere von der Person vnd Ampt Christi er-
wecket. Denn einsteils haben die Gttliche Natur Christi verleugnet vnd jn
allein vor einen Menschen gehalten, ob sie jn wol einen Propheten von Gott
mit grossen vnd frtrefflichen Gttlichen Gaben gezieret sein lassen. Die
(25)andern haben seine warhafftige Menschliche Natur angefochten vnd jn nicht
wollen sein lassen ein waren Menschen wie wir sind, der Seel || [77v:] vnd
Leib vnd alle Menschliche schwacheit an sich genomen habe. Jr viel haben
sich an der vereinigung beider Naturen in dem Herrn Christo gestossen vnd
entweder die Person getrennet oder die Naturen ineinander gemischet vnd
(30)vermenget. Sehr ein grosser hauff hat das Ampt vnd die wolthaten des Herrn
Christi verkleinert vnd geschmehet. Solches geschiet noch heutiges tages im
Babsthum, da man das arme Volck von dem einigen verdienst vnd frbit
Christi auff eigene werck vnd andere Mittler weiset, wie solches anderswo
weiter ausgefret wird.
(35)Jzt mssen wir von den dreien hauffen derjenigen, welche die Person Christi
anfeinden, ein wenig mehr allhier aus den Historien erwehnen, auff das auch
die einfeltigen erkennen mgen, wie der Teuffel fur dem ende der Welt die
alten vnd vorlengst verdampten Ketzereien mit geschwinder list sich vnter-

|| [494]
-
stehe widerumb auffzublasen.
hh Marginalie am linken Rand
Denn als noch die Apostel im leben, hat
Simon Magus, welchen die alten Scribenten den ersten Vater aller Ketzer
nennen aus der Heidnischen, Jdischen vnd Christlichen Religion jm eine
gemengte Lere ertichtet vnd frgeben, das in der Gottheit eine einige Person
(5)sey, welche auff dem Berg Sina das Gesetz gegeben vnd den Jden vnter
dem namen des Sons erschienen vnd nicht warhafftig, sondern mit einem
schein oder putatiue331 gelidden habe.332 Aus seiner Schule sind allgemelich
nacheinander komen Menander,
hi Marginalie am linken Rand
Saturninus, Basilides, Carpocrates, Marci-
on
, Apelles, Manes, Manichei,333 welche alle zugleich frgeben, Christus sey
(10)nur ein Gespenst gewesen, hab weder Fleisch noch eine vernnfftige Seel
gehabt, ob es wol die Leut also gedaucht habe, als hette er einen Leib, so sey
es doch nur ein schein gewesen vnd eine || [78r:] blosse eusserliche gestalt, das
Christus auff Erden gegangen ist. Nicht viel anders hat Valentinus geleret,
von welchem die Valentiniani334 entstanden sind. Denn sie trewmeten jnen
(15)auch, Christus hette einen Himlischen vnd geistlichen Leib gehabt, den er
mit sich vom Himel gebracht,
hj Marginalie am linken Rand
sagten, er hette nichts von Mariae Fleisch an
sich genomen, sondern er were durch sie wie durch ein Rhor gefaren.
Wider diese Verleugner der waren Menscheit des Herrn Christi haben die
Apostel vnd derer Jnger vnd Zuhrer lange zeit zu streiten gehabt. Denn S.
(20)Johannes, der Euangelist vnd Apostel, verdamnet allbereit in seiner Canoni-
ca diese jrthum, 1. Johan. 4: „Ein jglicher Geist, der nicht bekennet, das
Jhesus Christus ist in das Fleisch komen, der ist nicht von Gott, vnd das ist
der Geist des Widerchrists.“335 Ignatius in Epistola ad Smyrnenses redet
auch mit hefftigen worten darwider, indem er gedachter Schwermerey
(25)anfenger Bestien vnd Vnmenschen nennet, fur denen man nicht allein eine
schew haben, sondern auch sie flihen vnd meiden solle.336 Also spricht er in
secunda Epistola ad Trallianos: „Obturate aures vestras, cum vobis quispiam
loquitur excludens Iesum Christum Filium Dei, qui natus est ex Dauid et ex
Maria, qui vere genitus est ex Deo et ex virgine, verum non simili modo.
(30)Nec enim vnum et idem est Deus et homo, vere assumpsit corpus. Verbum
enim caro factum est et vixit inter homines sine peccato, vere edit et bibit,

|| [495]

crucifixus et mortuus est, vere, inquam, non hominum opinione crucifixus et
mortuus est, videntibus coelestibus, terrenis et subterraneis.“,337 ec „ Ver-
stopffet auch ewre ohren, so jemand zu euch redet ausserhalb Christo Jhesu,
dem Son Gottes, welcher geboren ist aus Dauid vnd Maria, der warhafftig
(5)geborn ist aus Gott vnd aus der Jungfrawen, aber || [78v:] nicht auff einerley
weise. Denn es ist ja nicht einerley Natur oder wesen, Gott vnd Mensch.
Warhafftig hat er den Leib angenomen, denn das Wort ist Fleisch worden
vnd hat vnter den Leuten one Snde gelebet. Warhafftig hat er gessen vnd
getruncken, ist gecreutziget vnd gestorben. Dis ist warhafftig an jm gesche-
(10)hen vnd nicht, als hette es die Leute nur also gedauchtet, sondern warhafftig
haben jn gecreutzigt vnd gestorben gesehen, die im Himel, auff Erden vnd
vnter der Erden sind.“d
Etliche viel jar nach der Apostel zeit hat wider die ware Menscheit Christi
ed diese newe, jrrige meinung Apollinaris frgeben, von dem die Apollinaris-
(15)tae vnd Dimeritae sind genennet worden.
hk Marginalie am rechten Rand
Denn er gestunde wol,e das Chris-
tus warhafftigen Menschlichen Leib vnd eine natrliche Seel oder leben an
sich genomen hette, aber die vernnfftige Seele, sagte er, were von Christo
nicht angenomen, sondern an derselben stat were gewesen die Gttliche Na-
tur Christi.338 Hierwider sagt Damascenus aus den alten, vorgehenden Lerern
(20)sehr fein lib. 3, cap. 6: „Toti humanae naturae dicimus vnitam esse totam
diuinitatis Filij Dei essentiam. Nihil enim eorum reliquit, quae Deus Verbum
initio nos formans in natura nostra creauit, sed assumpsit omnia, corpus, ani-
mam et rationem et horum proprietates. Nam animal, quod vnius ex his non
est particeps, homo esse non potest. Praeterea totus totum assumpsit me et
(25)totus toti vnitus est, vt toti salutem largiretur. Quod enim non assumptum est,
salutari medicina non curatum est.“339 ee „Wir leren, das das gantze wesen der
Gottheit des Sons Gottes mit der gantzen Menschlichen Natur vereiniget sey.
Denn er hat nichts dahinden gelassen, was er als das ewige Wort, der vns
anfenglich gebildet, in vnser Natur erschaffen hat, sondern er hat alles ange-
(30)nomen, den Leib, die Seel vnd die vernunfft vnd alle derselben eigentschaff-
ten. Denn was eines vnter diesen nicht teilhaff- || [79r:] tig ist, das kan nicht ein
Mensch sein. Darumb aber hat er gantz sich mit mir gentzlich vereiniget, das
er den gantzen Menschen selig machte. Denn was nicht angenomen ist, dem
ist nicht mit heilsamer Ertzney geholffen.“f
(35)Hieronymus gedenckt auch der jrrigen meinung derer,
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die man Origenianos
genennet hat, welche in gemein von aufferstehung des Fleisches dieses ge-

|| [496]
-
halten, das aller Menschen sowol als auch Christi selbst aufferweckter Leib
nicht mehr die Natur vnd eigenschafft eines leiblichen, sichtbaren, vmb-
schriebenen Leibes behalten, sondern in ein geistlich, vnsichtbares vnd
vnumbgreifflich wesen verwandelt sey. Weil aber dadurch nicht allein der
(5)Artickel von aufferstehung vnsers Fleisches – oder wie man es in der Aphri-
canischen Kirchen δεικτικῶς, gleich als man mit fingern auff sein eignen leib
wiese, im Apostolischen Symbolo aussprach: ef Resurrectio huius carnis,340
eg aufferstehung dieses Fleischeshg – auffgehaben, sondern auch, das Christus
nach seiner Aufferstehung warhafften Menschlichen Leib an sich hette, ver-
(10)leugnet wrde, daraus folgender zeit jr viel auch dieses geschlossen, als habe
Christus das Fleisch nur so lange an sich genomen, bis das werck der Erl-
sung volbracht.341
Als ist auch dieser jrthum zeitlich vnd mit grossem vleis von den rechtgleu-
bigen Lerern widerlegt. Denn auch Tertullianus in Libro de carne Christi
(15)sagt: „Eben dieser wird vom Himel widerkomen, der gelidden hat. Eben der-
selbe wird allen erscheinen, der aufferwecket ist, vnd sie werden jn sehen
vnd erkennen, die jn gestochen haben, nemlich eben das Fleisch, in welches
sie gewtet vnd getobet haben, on welches weder er sein noch von jnen
gesehen werden kan.“342 S. Hieronymus hat hieruon wider Johannem Hiero-
(20)solymitanum in der Epistel ad Pammachium auch nach der lenge disputieret,
vnd sind dis vnter andern seine || [79v:] wort, da er beide von des Herrn Chris-
ti vnd vnsern Leiben nach der Aufferstehung redet: „Haec est vera resurrecti-
onis confessio, quae sic gloriam carni tribuit, vt non auferat veritatem.“343
eh „Also gleubet man recht die Aufferstehung, wenn man dem Fleisch die herr-
(25)ligkeit oder verklerung zuschreibet vnd doch die warheit des Fleischs nicht
verleugnet.“i Vnd bald hernach: „Quemadmodum veras manus et verum
latus ostendit, ita vere comedit cum discipulis, vere ambulauit cum Cleopa,
vere lingua locutus est cum omnibus, vero accubitu discubuit in coena, veris
manibus accepit panem, benedixit ac fregit et porrigebat illis. Quod autem ab
(30)oculis repente euanuit, virtutis Dei est, non vmbrae et phantasmatis.“344

|| [497]

ei „Gleichwie er seine warhafftige hende vnd warhaffte Seiten gezeiget hat,
also hat er warhafftig gessen mit den Jngern, hat warhafftig gewandelt mit
Cleopha, hat warhafftig mit der Zungen geredet mit allen, hat warhafftig zu
Tisch gesessen, hat mit warhafftigen henden das Brot genomen, gedancket
(5)vnd gebrochen vnd jnen dargereicht. Das er aber vor jren augen gehling345
verschwunden ist, beweiset seine Gttliche krafft, macht aber nicht einen
schein oder Gespenst aus jm.“j
Item: „Noli potentiam domini magorum praestigijs adaequare, vt videatur
fuisse, quod non fuit, et putetur comedisse sine dentibus, ambulasse sine
(10)pedibus, fregisse panem sine manibus, loquutus esse sine lingua et latus
monstrasse sine costis“346 etc. ej „Du wirst ja die krafft des Herrn nicht mit
einer Zeuberey vergleichen, gleich als were es ein schein mit jme gewesen,
das in der warheit also nicht gewesen were, gleichsam als solte man
dencken, das er one Zeene gessen, one Fsse gewandlet, one Hende das Brot
(15)gebrochen, one Zunge geredet, one Rippen die Seiten gezeiget hette.“k Vnd
zu bestetigung dieser Lere fret er die Sprche aus den Euangelisten: „ Spiri-
tus carnem et ossa non habet“347 etc. ek „Ein Geist hat nicht Fleisch vnd Bein.“l
|| [80r:] Item: „Infer digitum tuum in manus meas et manum tuam in latus
meum.“348 el „Lege deinen Finger in die Negelmal meiner hende vnd deine
(20)Hand in meine Seiten.“m Vnd aus der Epistel zu den Colossern cap. 1:
„Apostolus volens Christi corpus carneum et non spirituale, aereum, tenue
demonstrare, significanter locutus est, dicens: ‚Et vos cum essetis aliquando
alienati a Christo et inimici sensus eius in operibus malis, reconciliauit in
corpore carnis suae per mortem.‘“349 Et in eadem Epistola cap. 2: „In quo
(25)circumcisi estis in circumcisione non manu facta in expoliatione corporis
carnis.“350 em „Als der Apostel erweisen wil, das der Leib Christi fleischern
vnd nicht Geistlich were, auch nicht wie eine Lufft oder etwas anders subti-
les, hat er deutlich also reden wollen: ‚Euch, die jr weiland frembde vnd
Feinde waret durch die vernunfft in bsen wercken, nu aber hat er euch ver-
(30)snet mit dem Leibe seines Fleisches durch den Todt.‘“ Vnd in derselben
Epistel cap. ij: „Jn welchem jr Beschnitten seit mit der Beschneidung one
hende durch ablegung des sndlichen leibes im Fleisch, nemlich mit der
Beschneidung Christi“ etc.n

|| [498]

Auff der andern seiten aber haben auch bald
hm Marginalie am linken Rand
zu der Apostel zeit wider die
Gttliche Natur in dem Herrn Christo weit vnd fern Cerinthus vnd Ebion jre
lesterung ausgegossen, indem sie frgeben, Christus were nur ein blosser
Mensch gewesen, sey aber nicht ein warhafftiger Gott. Wider diese hat S.
(5)Johannes der Euangelist sein Euangeliumbuch geschrieben, vnd hat Gott
selbst der Warheit vnd der Ehre seines Sons Zeugnis gegeben,
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als Cerinthus
mit seinen Zuhrern – wie S. Johannes
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zuuor gesagt hatte – in der Badtstu-
ben, welche pltzlichen eingefallen, aus gerechtem Gericht Gottes jemerlich
vnd elend verdorben ist.351 Wider diese lesterung haben auch der Apostel
(10)Jnger vnd Zuhrer viel zu streiten gehabt, vnd weisen die Historien aus, das
alle, so die || [80v:] Gottheit Christi verleugnet, zugleich in dem Jdischen
jrthum gesteckt sind, das nur ein einige Person in der ewigen Gottheit sey.
Denn also klagt auch Jgnatius zu seiner zeit in Epistola ad Trallianos: „Sunt
nonnulli vaniloqui et seductores, non christiani, sed christempori, qui ex no-
(15)mine Christi quaestum faciunt, fraude circumferentes illius nomen et adulte-
rantes verbum euangelij et erroris venenum allinentes. Loquuntur enim
Christum non vt Christum annuncient, sed vt Christum damnent et reijciant.
Nam Christum a Deo Patre alienum esse docent. Partum virginis calumnian-
tur et cum pudeat illos crucis, passionem negant, nec resurrectionem credunt,
(20)sed ignotum Deum introducunt, Christum ingenitum esse censent. Spiritum
vero sanctum nec esse confitentur. Quidam vero eorum Filium purum homi-
nem esse dicunt et eundem esse Patrem, Filium et Spiritum sanctum et om-
nia creata a Deo non per Christum, sed per alienam potestatem quandam.“352
eo „Es sind etliche vergebene Schwetzer vnd betrieger, die nicht mit ernst
(25)Christum lieben, sondern aus dem Namen Christi jren genies suchen, welche
mit betrug sich mit seinem Namen tragen vnd verfelschen die Predigt des
Euangelij vnd bringen darein jre gifftige jrthum. Denn sie reden also von
Christo, das sie nicht Christum verkndigen, sondern Christum verdamnen
vnd verwerffen, sintemal sie leren, das Christus nicht eines wesens sey mit
(30)dem Vater, reden sptlich von der Geburt aus der Jungfrawen, vnd nachdem
sie sich des Creutzes schemen, verleugnen sie sein Leiden vnd gleuben nicht
sein Aufferstehung. Jndes aber fren sie einen vnbekandten Gott ein, mei-
nen, Christus sey nicht vom Vater geboren, gestehen auch nicht, das ein hei-
liger Geist sey. Etliche vnter jnen sagen, das der Son ein purlauter Mensch
(35)sey vnd das es ein einige Person sey, welche der Vater, Son vnd heilige Geist
genennet werde, || [81r:] sagen auch, das alles von Gott geschaffen sey, nicht
aber durch Christum, sondern durch ein andere frembde krafft.“p

|| [499]

Sonderlich aber haben diesen jrthum von einer einigen Person der Gottheit,
damit zugleich auch die Gttliche Natur in Christo verleugnet wird, fur an-
dern sehr getrieben die Noëtiani,
hp Marginalie am rechten Rand
die man sonst auch nennet Patripassia-
nos
.353 Denn Noëtius, von deme die Noëtianer jren namen bekomen, frete
(5)diese wort stets im Munde:
hq Marginalie am rechten Rand
„Jch ehre den einigen Gott, ich kenne einen eini-
gen vnd keinen andern ausser jm, der geboren ist, der gelidden hat, der ge-
storben ist.“354 Vmb welcher Reden willen er auch von den eltesten der Kir-
chen in Asia verdampt worden, welche jme diese bekentnis entgegen gesetzt
haben: „Wir ehren auch den einigen Gott, aber also, wie wir wissen, das jme
(10)rechtschaffene ehre zu erzeigen sey. Wir haben aber auch einen einigen
Christum, von dem wir wissen, das er sey der einige Son Gottes vnd das er
habe geliddden vnd das er sey gestorben, wissen auch, wie vnd welcher wei-
se er gelidden vnd gestorben sey. Dieser ist auch aufferstanden, gen Himel
gefaren, ist zur rechten des Vaters vnd wird widerkomen zu richten die Le-
(15)bendigen vnd die Todten. Dis reden vnd halten wir nach der Lere der heili-
gen Schrifft, wie wir wissen, das es recht sey.“355
Der Noëtianer jrthum hat Sabellius
hr Marginalie am rechten Rand
vnd seine anhanger auch nachgefolget.356
Denn sie sagten, es were ein einige Person der Vater, Son vnd heiliger Geist,
also das in vna substantia tres nomenclaturae, das ist das nicht drey vnter-
(20)schiedliche Personen, sondern nur dreierley Namen einer einigen Person
angezeiget wrden, wie vnter den Menschen offt ein Mann, der ein einiger
Mensch ist, mancherley Namen haben kan von vnterschiedenen Emptern, als
das einer in seinem haus Herr oder Vater, auff dem Rathaus Brgermeister
vnd so fortan genennet || [81v:] wird. Dieses widerlegt Epiphanius nach der
(25)lenge vnd setzet neben vielen andern in sonderheit entgegen die offenbarung
der dreien Person am Jordan vber der Tauffe Christi geschehen vnd die wort
der einsetzung vnser Tauffe.357

|| [500]

Ebionis vnd Cerinthi Ketzerey358 haben Artemas vnd Theodotus, von deme auch die Theodotiani sind genennet worden,
hs Marginalie am linken Rand
ernewert.359 Diesen hat bald
hernach Paulus Samosatenus360 nachgefolget,
ht Marginalie am linken Rand
der sich auch den klaren Text
S. Johannis von dem ewigen Wort vnterstund mit newen glossen zu deuten
(5)vnd zu verfelschen, leret aber im grunde, das Christus nur ein bloser Mensch
were, behielt die Sabellianischen jrthum, allein das er sie mit einer newen
glossen ferbet. Saget, das der Name „Wort“, λόγος, in dem Euangelio Johan-
nis nicht msse verstanden werden von einer selbstendigen Person, sondern
es bedeute den ewigen Rat vnd beschlus in Gott, welcher in der verheissung
(10)vom Weibssamen sey offenbaret, nach welchem auch Christus Mensch
geboren sey, doch also, das er vor solcher geburt nichts gewesen vnd erst mit
der Geburt angefangen habe, etwas zu sein oder zu werden.
Hierwider ist Antiochena Synodus angestellet worden, in welchem Gregori-
us Neocesariensis
361 auch gewesen, der vmb seiner wunderthaten willen
(15)bermpt ware, vnd als Samosatenus362 vberweiset vnd doch in seinem
jrthum mutwilliglich verharret, ist er aus befehl des Keisers Aureliani ins
elend getrieben worden. Gregorij Neocesariensis sehr schne Bekentnis
wider Sabellij vnd Samosateni jrthum wird vom Eusebio lib. 7 Historiae
ecclesiast. erzelet mit diesen worten: „Es ist ein Gott, Vater, der das leben-
(20)dige Wort, die wesentliche Weisheit, sein ebenbild volkmlich vnd gantz
geboren, ein Vater des eingebornen Sons. || [82r:] Es ist ein Herr, der einige
aus dem einigen, des Vaters Ebenbild, ein krefftig vnd wirckend Wort, der
warhafftige Son des warhafftigen Vaters, der vnsichtbare aus dem vnsicht-
baren, der ewige aus dem ewigen, der vnsterbliche aus dem vnsterblichen. Es
(25)ist ein heili­ger Geist, der aus Gott sein wesen hat, welcher durch den Son

|| [501]

erschienen ist vnd heilig machet, durch welchen Gott vber alles vnd in allen
erkand wird.“363
Vnter dem Keiser Constantino
hu Marginalie am rechten Rand
magno hat sich Arius erhaben.364 Dieser
liesse zu, das λόγος oder „Wort“ im Johanne solt verstanden werden von
(5)etwas wesentlichs oder persnlichs, aber gab fr, das Wort were mit dem
Vater nicht gleich ewig, sondern were die erste, hchste vnd edleste Creatur.
Vnd brauchet diese weise zu reden: „Der Vater war, da das Wort noch nicht
war“, item sagt: „Das Wort were vom Vater aus nichts geschaffen.“ Hiermit
verleugnet er, das der Son aus des Vaters Natur vnd wesen von ewigkeit
(10)geboren vnd Allmechtig sey. Vnd war im grund eben das seine meinunge,
das in Christo nicht warhafftige Gttliche Natur were, ob er wol nachgab,
das Christus ein gemachter Gott, das ist, eine Creatur mit allen Gttlichen
eigentschafften begabet oder gezieret were.365 Wiewol aber diese sachen
erstlich zu Alexandria in ansehlicher versamlung vieler Gottseligen Bischoff
(15)verhret vnd Arius seines standes vnd ampts entsetzet, auch aus der Kirchen
ausgeschlossen worden, jedoch hat der Keiser Constantinus das berhmte
Concilium Nicenum,
hv Marginalie am rechten Rand
welches ist oecumenica synodus prima,366 endlich
ange­stellet, darinnen Arij jrthum stadlichen verdammet vnd das Symbolum
Nicenum dargegen geschrieben, an welches zum ende diese Anathematismi
(20)oder verdammungen angehenget worden sein: „Eos, qui dicunt: Fuit aliquan-
do tempus, cum non esset aut non erat, priusquam fieret, || [82v:] quia ex non
existentibus factus est vel ex altera esse substantia aut essentia vel creatum
vel mutabilem Filium Dei dicunt, anathematizat catholica et apostolica eccle-
sia.“367 ep „Welche sagen, das ein zeit gewesen sey, da der Son nicht war oder
(25)der Son ist nicht gewesen, ehe er geschaffen war; jtem: das er aus nichts er-
schaffen sey oder das er eines andern wesens vnd substantz sey oder das er
jrgentein geschepff sey oder das er seiner Natur nach habe knnen verendert
werden – diese alle verfluchet die allgemeine Christliche Kirche.“q
Ob aber wol Arius, der dazumal in ffentlichem Concilio abermals entsetzet
(30)vnd veriagt worden, nach etlich wenig jaren durch hinderlist vnd betrug
wider einkomen, so hat doch Gott sein Gericht wider Arium, den Lesterer,
im werck vnd in der that sehen lassen. Denn da Arius nach dem vnrichtigen

|| [502]

Synodo zu Tyro368 widerumb gegen Constantinopel gefoddert ward vnd
Eusebius Bischoff zu Nicomedia, ein Arianer,369 wider Alexandrum, den
fromen Bischoff zu Constantinopel,370 des Arij sach hefftig triebe, bis es
endlich so weit kam, das man des andern tages zu end beschliessen vnd
(5)Arium in die Kirche einweisen solte, da lag Alexander die gantze nacht vber
in der Kirchen vnd betet mit grossem ernst, das Gott seine warheit selbst
retten vnd dem Lesterer Ario stewren wolte. Des morgens da jederman
wartet, was doch aus der sachen werden wolte, eilet des Arij faction vnd
anhang zu der verhrunge vnd ffentlichen versamlung. Arius war auch auff
(10)dem wege, da kmet jn ein pltzlich schrecken vnd angst an vnd wird jm
wehe im Leibe, das er eilends begert auff ein Cloack zu gehen, da man jn nu
darauff bringet, schttet er die Derme vnd alle Jngeweide aus dem Leibe vnd
stirbt also auff dem Gemach pltzlich.371
|| [83r:] Gleichwol ist des Arij Ketzerey vnd gestanck mit jm nicht gar verlo-
(15)schen, sondern in Asien weit ausgebreitet worden. Vnd sind vnter dem
Keiser Constantino jmer synodi contra synodos gehalten vnd mit zweiuel-
hafften, betrieglichen worten, als da man fr das wort ὁμοούσιος, „eines we-
sens“, anfienge, ὅμοιος, „gleiche“, zu gebrauchen, je lenger je mehr streit
erreget. Daraus denn die allerscheuslichsten verfolgungen wider die recht-
(20)gleubigen Christen entstanden, dergleichen sie zuuor auch von den Heiden
selbst nie gehabt haben.
Es sind auch vnter denen,
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die Arij Lere anhengig waren, dreierley Secten
entstanden: Denn etliche, die den Namen der Arianer behalten, gaben nach,
das der Son Gottes dem Vater kndte gleich genennet werden, nemlich nicht
(25)von Natur vnd wesen,
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sondern durch mitgeteilte Gnade, sofern die Creatur
dem Schepffer kndte gleichfrmig werden. Die andern worden Eunomi-
ani373 genant, welche sagten, das der Son dem vater durchaus vngleich were.

|| [503]

Denn keine Creatur kndte keinesweges, nullo pacto, dem Schepffer gleich
sein. Die dritten waren die Macedonianer,374 welche bekandten, das der Son
in allem gleich were dem Vater, aber den heiligen Geist schlossen sie also
aus, das er weder dem Vater noch dem Son gleich were. Derwegen vnter
(5)dem Keiser Theodosio das concilium Constantinopolitanum, welches ist
synodus oecumenica secunda,375 angestellet worden ist, darinne wider die
Arianischen Secten das Symbolum Nicenum widerholet, auch wider die
Macedonianer von der waren vnd ewigen Gottheit des heiligen Geists ein
klares Bekentnis hinan gesetzt ist.376
(10)Es hat aber auch Sabellij vnd Samosateni verdampte Ketzerey widerumb
auff die Bein bracht Photinus,
hy Marginalie am rechten Rand
einer von den Eltesten der Kirchen zu Syr-
mio.377 Denn er verleugnet auch, das in Christo, der Jungfrawen Marien
|| [83v:] Son, zwo Naturen weren, stritte hefftig, das λόγος oder „Wort“ im
Johanne nicht ein wesentlich oder selbstendig Wort were vnd das Christus,
(15)ehe er von der Jungfrawen geborn, zuuorhin nichts wesentlich oder persn-
lich gewesen were, sondern das nicht mehr denn ein einige Person der ewi-
gen Gottheit were. Wider diesen sind in synodo Syrmiensi,378 in welchem
Keiser Constantinus eigner Person gewesen, etliche jar vor dem synodo
Constantinopolitana, beides, von den Orthodoxis oder Rechtgleubigen vnd
(20)Arianis, decreta gemacht, welche erzelet werden in Socrate Scholastico lib.
2, cap. 30.379 Denn obwol eben auch in diesem Syrmiensi synodo mit grosser
gefahr das wort ὁμοούσιος im symbolo Nicaeno ausgelassen vnd dafr
ὅμοιος gebraucht ist, damit man vermeinet, dem Arianischen gezenck abzu-
helffen, welches denn keinesweges zu loben, jedoch sind die Widerlegung
(25)Photini, so in gemeltem Synodo gestellet, Gottes Wort gemeß. Darumb wir
etwas hieruon anzihen wllen, sonderlich weil zu vnsern zeiten in Sieben-
-
brgen vnd Polen Photini vnd Samosateni jrthum ernewert wird:380 „So
jemand“, spricht der Synodus, „sagt, das der Son Gottes nur durch versehung
oder beschlossenen Rat Gottes gewesen sey, ehe er von Maria geboren, sey
aber nicht, ehe der Welt grund geleget, aus dem Vater geboren vnd bey Gott
(5)gewesen Vnd die Welt sey nicht durch jn geschaffen, der sey verflucht. So
jemand sagt, das der Son, von Maria geboren, sey ein blosser Mensch, der
sey verflucht. So jemand den Spruch: ‚Jch bin der Erste vnd der Letzte vnd
ausser Mir ist kein Gott‘, welches wider die Gtzen vnd ertichte Gtter der
Heiden geredt ist, auff Jdische weise verstehet, darmit den Eingebornen
(10)Son Gottes einen Gott zu verleugnen, der sey verflucht. || [84r:] So jemand den
Spruch: ‚Das Wort ward Fleisch‘ also verstehet, als sey das Wort ins Fleisch
verwandelt, der sey verflucht. So jemand den Spruch: ‚Lasst vns Menschen
machen‘, item: ‚Der Herr regenet‘381 von dem Herrn, nicht vom Vater vnd
Son verstehet, sondern meinet, als habe Gott solchs zu sich selbs geredt oder
(15)als habe Gott von sich selbs geregnet vber Sodomam, der sey verflucht“382
etc.
Fein Decreta sind auch im Synodo zu Rom383 von Damaso gemacht bald
nach dem Constantinopolitana synodo, daraus die einhelligkeit vnter den
Kirchen in Orient vnd Occident in dem Artickel vom Son Gottes zu mercken
(20)ist. Dieselben erzelet Theodoretus Hist. ecclesiast. lib. 5, cap. 10:384 „ Ana-
thema infligimus ijs, qui errorem Sabellij secuti eundem esse Patrem et Fili-
um asserunt: Similiter et Ario et Eunomio, qui quamuis differente oratione,
simili tamen insipientia Filium et Spiritum sanctum creaturam esse asseue-
rant. Itemque Macedonianis, qui de Ariana radice propagati non impietatem,
(25)sed nomen aliud habent. Nec non Photino, qui renouans Ebionis haeresin,
dominum nostrum Iesum Christum ex sola virgine Maria confitetur. Sed et
illos anathemate exterminamus, qui asseuerant duos esse Filios, vnum ante
secula et alterum post assumptam ex virgine Maria carnem. Et illos, qui asse-
uerant pro anima rationali versatum in carne humana Dei Verbum“385 etc.
(30)eq „Wir verfluchen die, so nach Sabellij jrthum furgeben, das der Vater vnd
Son eine Person sey. Gleicher gestalt auch den Arium vnd Eunomium, wel-

|| [505]
-
che ob sie wol vngleiche Reden gebrauchen, jedoch mit einerley torheit
drffen sie den Son vnd heiligen Geist fur ein geschepff halten. Dergleichen
die Macedonianer, welche von den Arianern jren vrsprung haben vnd mit
jnen vnter einem andern Namen einerley Gottlose Lere fren. So verfluchen
(5)wir auch diese, welche frgeben, das zween Sne sein, einer || [84v:] vor der
Welt anfang, der ander nach annemung des Fleisches aus der Jungfrawen
Marien. Endlich auch die, so da sagen, das im Menschlichen Fleisch anstat
der vernnfftigen Seelen das Wort gewonet habe.“r
Bald hernach folgen auch diese Decreta: „So jemand nicht sagt, das der
(10)Vater von ewigkeit, der Son von ewigkeit, der heilige Geist von ewigkeit
sey, der sey verflucht. So jemand nicht sagt, das der Son geboren sey vom
Vater, das ist aus seinem wesen, der sey verflucht. So jemand nicht sagt, das
der Son Gottes warer Gott sey, wie der Vater warer Gott ist, vnd das er all-
mechtig sey vnd das er alles wisse vnd das er dem Vater in allem gleich sey,
(15)der sey verflucht. So jemand sagt, das der Son Gottes, da er als ein Mensch
auff Erden gangen, den Himel verlassen vnd nicht zugleich bey dem Vater
gewesen sey, der sey verflucht. So jemand sagt, das der Son Gottes nach sei-
ner Gottheit, nicht aber nach dem Fleisch vnd der vernnfftigen Seel, die er
angenomen hat, in der Knechtsgestalt gelidden vnd gecreutziget worden sey,
(20)wie die heilige Schrifft leret, der sey verflucht. So jemand nicht sagt, das der
Son Gottes im Fleisch gelidden vnd das das Fleisch den Todt geschmeckt
habe, widerumb aber, das er sey der Erstgeborne von den verstorbenen, so-
ferne er das Leben vnd Gott selber, der lebendig macht, ist, der sey verflucht.
So jemand nicht sagt, das er in dem Fleisch, welches er an sich genomen hat,
(25)sitze zur Rechten des Vaters, in welchem Fleisch er auch komen wird zum
Gericht, der sey verflucht.“386
Wider die persnliche vereinigung beider Naturn
hz Marginalie am rechten Rand
in Christo erhub sich vnter
dem Keiser Theodosio secundo387 Nestorius, Bischoff zu Constantinopel,388
ein ehrgeitziger, hoffertiger,389 kner, weschhafftiger390 Man, der || [85r:] doch
(30)sonst nicht fast391 gelert war. Dieser verteidigt seinen Priester Anastasium,
welcher hatte gepredigt, man solte die heilige Jungfraw Maria nicht Gottes
Mutter heissen. Denn weil sie ein Mensch were, kndte sie keinen Gott
geberen. Dieser es jrrthumb kam daher:t392 Nestorius hatte wol von Christo
selbst also zuuor geleret, das er rechter Gott were, vom Vater in ewigkeit

|| [506]

geboren, wie das Concilium zu Nicaea hatte erstritten, vnd das er were von
der Jungfraw Marien ein rechter Mensch geboren. Diese zwey stck waren
bey Nestorio in keinem zweiuel.
ia Marginalie am linken Rand
So lies er auch zu, das Christus Gottes Son
were wol von der Jungfrawen Maria geborn nach der Menscheit, nicht nach
(5)der Gottheit. Daran sties er sich aber: Er wolte nicht, das darumb Marien
solte Gottes Mutter oder Gottes Gebererin heissen, weil Christus nicht nach
der Gottheit von jr geboren were, oder, wie mans deutlich reden mag, weil
Christus nicht die Gottheit wie die Menscheit von jr hette. Denn er stund auff
dem Buchstaben „Gott geboren von Maria“ vnd deutet „Geborn“ als hiesse
(10)es, die Natur der Gottheit von der Gebererin haben. Darumb er ein abschew
truge an der Rede, das Maria sey Gottes Gebererin. Also jrrete er in dem, das
er nicht wuste, recht zu reden vnd die Communicationem Idiomatum nicht
wolte zugeben. Derhalben er auch diese Rede offt fret: „O Jde, du darffst
dich nicht gros rhmen, denn du hast nicht Gott, sondern den Menschen
(15)gecreutziget.“393 Jtem: „Das wil ich nimermehr sagen, das Gott zweymal
geborn sey oder zweierley geburt habe.“394 Jtem: „Das zween oder drey
Monat alt worden ist, wil vnd kan ich nicht Gott nennen.“395 Jtem: „Maria
hat nicht Gott geboren, sondern den Menschen, welcher ist der Gottheit
Organum oder Werckzeug“.396 Aus diesem aber folgete, das der Son Gottes
(20)nur auff diese weise wie in Mose, Helia vnd andern Heiligen seine || [85v:]
Wonung habe vnd gehabt hette vnd das Christus ein pur Mensch vnd zwo
Personen sey, weil er die Idiomata oder eigenschafften der Naturen nicht
wolte dem einigen Christo, welcher Gott vnd Mensch ist, zuschreiben. Denn
obwol eine Mutter haben, zween oder drey Monate alt sein, gecreutziget
(25)werden, leiden vnd sterben nicht Gttlicher, sondern Menschlicher Natur
eigenschafft ist, jedoch wo nicht solte gesagt werden knnen, das Gott von
Maria geboren, gelitten, gestorben sey, wenn der Mensch Christus geborn
wird, leidet vnd stirbet, so kan man nicht verstehen, das Gott vnd Mensch
vereiniget ist in eine Person. Man kan auch nicht sehen, was fr ein vnter-
(30)scheid sey zwischen dem, so man sagt: „Gott ist mit oder in Abraham“ Vnd
„Gott ist mit oder in Christo.“ Jtem: „Wenn Paulus leidet, so leidet Gott“
Vnd: „Wenn Christus leidet, so leidet Gott.“ Wird auch die gantze anruffung
Christi zertrennet vnd vngewis gemacht vnd werden verleugnet die Sprche
Lucae am ersten: „Das von dir geboren wird, sol Gottes Son heissen.“397
(35)Vnd: „Woher kompt mir das, das die Mutter des Herrn zu mir kompt?“,398
et Lucae 2:u „Euch ist heut geboren der Heiland, welcher ist Christus der

|| [507]

Herr“,399 Galat. 3: „Gott hat seinen Son gesand, von einem Weibsbild gebo-
ren“,400 1. Corint. 3: „Die Frsten dieser Welt haben den Herrn der Herrlig-
keit gecreutziget“,401 Acto. 20: „Gott hat die Kirche mit seinem Blut erwor-
ben.“402
(5)Diesen manchfeltigen jrrthum hinzulegen,
ib Marginalie am rechten Rand
wurde gen Epheso ein Concilium
gesamlet, welchs ist tertia synodus oecumenica,403 darinnen bey zweyhun-
dert Veter zusamenkamen, vnter denen Cyrillus404 der frnemeste war, vnd
wurde Nestorius verdampt vnd ins elend getrieben vnd man schreibet, es sey
jm endlich die Zunge abgefaulet vnd der gantze Leib durch die Leussucht
(10)vnd Wrme verzert worden.405 || [86r:] Was aber der Synodus wider jn be-
schlossen hat vnd was fr grosse gefahr vnd gifft vnter Nestorij jrrthumb
verborgen vnd wie sonderlich die meinung im grunde darhinder stecke, das
Christus ein blosser Mensch sey, ob er wol durch die einwonung Gottes mit
hhern Gttlichen Gaben gezieret, weisen gnugsam aus die Anathematis-
(15)mi,406 welche
ic Marginalie am rechten Rand
also lauten:
„Si quis non confitetur Deum esse veraciter Emanuel et propterea Dei geni-
tricem sanctam virginem – peperit enim secundum carnem carnem factum
Dei Verbum, secundum quod scriptum est: ‚Verbum caro factum est‘ – ana-
thema sit.“407 eu „So jemand nicht bekennet, das vnser Emanuel warhafftiger
(20)Gott sey vnd das derwegen die heilige Jungfraw Gottes Gebererin sey – sin-
temal sie nach dem Fleisch geboren hat das Wort Gottes, welchs Fleisch
worden ist, nachdem geschrieben stehet: ‚Das Wort ward Fleisch‘ – der sey
verflucht.“v
id Marginalie am rechten Rand
„Si quis non confitetur, carni secundum substantiam vnitum Dei
Patris Verbum vnumque esse Christum cum propria carne, eundem scilicet
(25)Deum simul et hominem, anathema sit.
ie Marginalie am rechten Rand
Si quis in vno Christo diuidit sub-
stantias post vnitatem sola eas connexione coniungens, quae secundum car-
nis dignitatem fit vel etiam autoritatem et potestatem ac non potius conuentu,
qui per vnitatem factus est naturalem, anathema sit.
if Marginalie am rechten Rand
Si quis in personis dua-
bus vel subsistentijs eas voces, quae in apostolicis scriptis continentur et eu-
(30)angelicis diuidit vel quae de Christo dicuntur a sanctis vel ab ipso et aliquas

|| [508]

quidem ex his velut homini, qui praeter Dei Verbum specialiter intelligatur,
aptauerit illas autem tanquam dignas Deo soli Dei Patris Verbo deputauerit,
anathema sit.
ig Marginalie am linken Rand
Si quis audeat dicere, hominem Christum theophoron, id est
deiferum ac non potius Deum esse veraciter, || [86v:] dixerit tanquam Filium
(5)per naturam, secundum quod Verbum caro factum est et communicauit simi-
liter vt nos carni et sanguini, anathema sit.
ih Marginalie am linken Rand
Si quis dicit Deum esse vel domi-
num Christum, Dei Patris Verbum et non magis eundem ipsum confitetur
Deum simul et hominem propterea, quod Verbum caro factum est secundum
scripturas, anathema sit.
ii Marginalie am linken Rand
Si quis velut hominem Iesum operante Deo Verbo
(10)dicit adiutum et vnigeniti gloriam tanquam alteri praeter ipsum existenti tri-
buit, anathema sit.
ij Marginalie am linken Rand
Si quis audet dicere assumptum hominem coadorandum
Deo Verbo et conglorificandum et connuncupandum Deum tanquam alterum
cum altero – nam ‚con‘ syllaba superadiecta haec cogit intelligi – ac non po-
tius vna supplicatione veneratur Emanuel vnamque ei glorificationem depen-
(15)dit, iuxta quod Verbum caro factum est, anathema sit.
ik Marginalie am linken Rand
Si quis vnum domin-
um Iesum Christum glorificatum dicit a Spiritu sancto tanquam, qui aliena
virtute per eum vsus fuerit et ab eo acceperit efficaciam contra immundos
Spiritus posse et coram hominibus diuina signa perficere ac non potius pro-
prium fatetur eius Spiritum, per quem diuina signa expleuit,
il Marginalie am linken Rand
anathema sit.
(20)Pontificem et apostolum confessionis nostrae factum esse Christum diuina
scriptura commemorat. Obtulit enim semetipsum pro nobis in odorem suaui-
tatis Deo et Patri. Si quis ergo pontificem et apostolum nostrum dicit factum
non ipsum Dei Verbum, quando caro factum est et homo iuxta nos homines,
sed velut alterum praeter ipsum specialiter hominem ex muliere aut qui dicit,
(25)quod pro se obtulisset semetipsum oblationem et non potius pro nobis solis,
– non enim eguit oblatione, qui peccatum omnino nesciuit – anathema sit.
im Marginalie am linken Rand
Si
quis non confitetur carnem domini viuificatricem esse et propriam ipsius
Verbi Dei Patris sed velut alterius praeter ipsum coniuncti eidem per dignita-
tem aut quasi || [87r:] diuinam habentis habitationem ac non potius viuificatri-
(30)cem esse, quia facta est propria Verbi cuncta viuificare valentis, anathema
sit.
in Marginalie am linken Rand
Si quis non confitetur Dei Verbum passum carne et crucifixum carne et
mortem carne gustasse factumque primogenitum ex mortuis, secundum quod
vita est et viuificator vt Deus, anathema sit.“408 Weitere erklerung dieser
Schlsse, so man Anathematismos nennet, hat Cyrillus selbst in seinem Apo-
(35)logetico oder Verantwortunge notdrfftig ausgefret, dadurch auch die
orientales episcopi, welche vber Nestorij handel mit Cyrillo in vneinigkeit
geraten waren, mit jm widerumb versnet vnd also aller zwiespalt vnd
missuerstand gentzlich auffgehaben worden ist.409

|| [509]

Gleichwie aber Nestorius eine trennung der einigen Person Christi einge-
fret, also hat bald hernach
io Marginalie am rechten Rand
Eutyches, ein Abt in einem Kloster zu Constanti-
nopel
,410 sich auff diese gegenwertige meinung geleget, das er beide Naturen
in Christo one vnterscheid vntereinander vermischet vnd vermenget. Denn er
(5)wolte in Christo alles so gar einig haben, das er keinen vnterscheid der
Naturn oder derselben eigenschafften zuliesse, kam endlich dahin, das er fr-
gabe, nachdem, als die Gottheit des eingebornen Sons habe die Menscheit
angenomen vnd also Christus worden in einer Person, sey darnach nicht
mehr denn die Gottheit oder Gttliche Natur blieben. Darumb folget, das
(10)Christus allein Gott vnd nicht fr einen waren Menschen zu halten sey vnd
das Christus sey aus Maria geboren vnd gecreutziget nicht nach der Mensch-
lichen, sondern nach der Gttlichen Natur. Jtem das Christi Leib nicht eines
wesens mit den vnsern sey.
Dieser jrrthumb wurde in synodo Ephesina secunda
ip Marginalie am rechten Rand
durch Rottierung mit
(15)gewalt bestetiget vnd wurde der || [87v:] frome Bischoff von Constantinopel,
Flauianus, vom Dioscoro Episcopo Alexandrino mit fssen aus der versam-
lung vnd audientz verstossen mit solcher vngestm, das er daruon des dritten
tages hernach gestorben. Daher denn der Synodus ληστρικὴ, das ist eine mr-
derische versamlung, ist genennet worden.411 Aber vnter dem Keiser Martia-
(20)no
412 ist in der Stad Chalcedone widerumb ein Concilium gehalten, dahin
sind zusamenkomen in die 636 Bischoue, vnd ist dieses
iq Marginalie am rechten Rand
synodus oecumenica
quarta, darinnen die Acta des mrderischen synodi Ephesinae verworffen
vnd das symbolum Chalcedonense wider die vermischung der beider Naturn
in Christo vnd andere jrrthumb Eutychis einhelliglich beschlossen vnd ange-
(25)nomen worden ist.413 Vnd ist in sonderheit wol zu erwegen, das zu mehrer
bestetigung der Synodus an gemeltes Symbolum angehenget hat als zum Be-
schlus: „Hanc fidem antiquitus prophetae et ipse de seipso nos docuit Chris-
tus et symbolum patrum nobis tradidit. His igitur cum cura et diligentia omni
a nobis constitutis sancta et vniuersalis synodus decreuit, vt nemini liceat ali-
(30)ter sentire aut fidem aliam proferre vel conscribere vel componere vel alios
docere. Quicunque autem ausi fuerint fidem aliam componere aut proferre
aut docere, anathemati subiecti sint.“414 ew „Diesen Glauben haben von alters
her die Propheten vnd der Herr Christus von sich selber geleret vnd der
Veter allgemeines bekentnis auff vns fortgebracht, vnd demnach dieses mit
(35)allem vleis vnd ernst von vns widerholet ist, hat die heilige vnd allgemeine

|| [510]

versamlung beschlossen, das niemand anders daruon halten oder einen an-
dern Glauben herfrbringen oder auffschreiben oder machen oder leren sol.
Wer aber einen andern glauben ma- || [88r:] chen, herfrbringen oder leren
wrde, der- oder dieselbigen sollen im Bann vnd fluch sein.“
(5) ex Wie hoch vnd gros aber die Christlichen Rmischen Keiser die widerlegung
vnd verdammung Nestorij vnd Eutichis nach diesen gehaltenen Synodis jnen
angelegen haben sein lassen vnd was fr einen ernst sie frgewendet, die
rechtgleubige meinung vnd lere von Christo, Gott vnd Menschen, zu erhal-
ten, weisen jre Constitutiones aus,
ir Marginalie am linken Rand
derer wir etliche anzihen mssen vmb des
(10)einfeltigen Lesers willen, der hiedurch in der warheit bestetigt vnd den grew-
lichen Lesterungen, die zu vnser zeit widerumb auff die ban bracht, desto
mehr feind werden wird, in betrachtung, mit was ernstem eiuer auch die
Christliche Keiser solche jrrthum vorlangst verworffen vnd verdampt haben.
Denn also schreiben Theodosius vnd Valentinianus
is Marginalie am linken Rand
Impp. Augusti ad Hor-
(15)misdam Praefectum Praetorio: „Wir achten vnser Keiserlichen Hoheit vnd
Ampt gemes sein, vnsere Vnterthanen der Christlichen Religion halben trew-
lich zu warnen.
it Marginalie am linken Rand
Denn also verhoffen wir, werde vnser Gott vnd Heiland
Jhesus Christus auch vns desto mehr gnad verleihen, so beides wir, so viel
mglich, was jm gefellig thun vnd vnsere Vnterthanen dazu mit fleis halten
(20)werden. So befehlen wir nu, das alle, die der Gottlosen meinung Nestorij
sein oder seiner verdampten Lere nachfolgen, da sie Bischoue oder Geistli-
che Leute sein, von jrem Kirchenampt entsetzt, so es aber Leien sein, in
Bann gethan werden, nach inhalt vnser Keiserlichen Gebot, die allbereit hier-
uon sind ausgangen, vnd geben wir allen Rechtgleubigen macht vnd gewalt,
(25)one schew vnd einigen nachteil solche offenbar zu machen vnd anzuklagen.
Nachdem auch vns zu gehr komen, das etliche sich vnterstanden haben,
zwei- || [88v:] uelhafftige Leren zu schreiben, die nicht durchaus vnd eigentlich
vberein komen mit dem Glauben, der nach inhalt des Nicaenischen Synodiez
von den heiligen Vetern, die in der versamlung zu Epheso beyeinander
(30)gewesen vnd von Cyrillo, dem Bischoff zu Alexandria, erkleret worden, ist
vnser befehl, das alle solche Bcher, sie seien gleich zuuor oder hernach
geschrieben, verbrennet vnd gentzlich vertilget vnd niemand zu lesen ver-
stattet werden. So auch jemand solche Bcher oder Schrifften bey sich
behalten oder lesen wrde, der sol der eussersten straff gewertig sein. Sol
(35)auch hinfurt keinem nachgelassen sein, etwas anders zu reden oder zu leren,
das wider den Glauben synodi Nicaenae vnd Ephesinae sein mag. Vnd sollen
die Verbrecher der straff vnterworffen sein, welche allbereit wider den Nes-
torium
beschlossen vnd ausgeruffen worden ist.“415

|| [511]

Jn folgender Constitution schreibet der Keiser
iu Marginalie am rechten Rand
Marcianus von den decretis
synodi Chalcedonensis: „Niemand, welches Standes oder Wirden er sey, sol
sich vnterstehen, ffentlichen von dem Christlichen Glauben in versamlung
des gemeinen Volcks vnruhe vnd mistrawen zu erregen vnd die einmal er-
(5)kandte Warheit in zweiuel zu zihen. Denn solchs gereicht dem Synodo zur
vnbillichen schmehung vnd dis so viel mehr, dieweil alles, so vom Christli-
chen Glauben von den Bischouen zu Chalcedone auff vnsern Befehl be-
schlossen ist, nach den Apostolischen Schrifften vnd nach der erklerung der
318 heiligen Veter zu Nicaea vnd der 150 Veter zu Constantinopel versamlet
(10)gerichtet vnd beschlossen worden ist. Wrde aber jemand hiewider handeln,
der sol vngestrafft nicht bleiben, sintemal er nicht allein wider den warhaffti-
gen Glauben handelt, sondern auch die hohen geheimnisse bey Jden vnd
Heiden mit new erregten streiten in verachtung bringet.“416
|| [89r:]
iv Marginalie am rechten Rand
Wiewol aber des fromen Keisers Marciani vleis vnd ernst, so er wegen
(15)des Chalcedonensis synodi angewendet, viel guts geschafft vnd ausgericht
hat, jedoch sind jr viel in Eutychis verdampter meinung blieben, welche sich
genennet haben διακρινομένους, das ist „abgesonderte“ oder „die den sachen
noch vleissiger wolten nachdencken.“ Vnd haben sich diese mehr als in die
zwelff Secten vntereinander selbst getrennet, dadurch fast an allen orten
(20)grosse spaltunge entstanden, sonderlich aber, da nach dem Tode Keiser Leo-
nis
, der vber den decretis synodi Chalcedonensis trewlich gehalten, Zeno vnd
Anasthasius im Regiment gewesen, haben die Eutychianer grosses freuels
sich vnterstanden, dazu jnen der Auffrhrische Keiser Basiliscus, der sich
wider Zenonem fr einen Keiser auffgeworffen,
iw Marginalie am rechten Rand
sehr wol geholffen hat, weil
(25)er ffentlich die decreta synodi Chalcedonensis verworffen, ob er wol nach-
mals solches widerumb retractirt vnd hinderzogen hat.418
Dazumal sind auch entstanden die Ketzer,
ix Marginalie am rechten Rand
so man Acephalos419 genennet
hat, denen Keiser Zeno selbst, wie Cedrenus schreibt,420 anhengig gewesen

|| [512]

ist. Diesen Namen haben sie daher gehabt, das sie one Heubter, das ist one
gewisse Bischoue gewesen, wie Nicephorus austrcklich schreibet: „ Haere-
sin ἀκέφαλον dictam esse, quod eam sequentes sub episcopis non fuerint.“421
Aus welchem denn bey jnen ein gar wstes vnd wildes leben erfolget. Sie
(5)sind aber auch in Eutychis jrrthum gesteckt sowol als die man Monophysitas
genennet hat. Welcher Namen jnen daher gegeben worden,
iy Marginalie am linken Rand
da sie in Christo
aus beiden naturen nach der vereinigung eine einige Natur machten, wie Eu-
tyches
auch gethan hatte. Vnd sind auch dieser Monophysiten mancherley
Secten worden. Denn weil jm ein jeder macht nam, nach seinem gefallen in
(10)die Symbola etwas hinein zu setzen oder dauon zu nemen, || [89v:] sind ent-
standen fd Iacobitae, Agnoitae,d Tritheitae, Theopaschitae, Armenij, Seueritae,
Aphthardocitae vnd viel andere, von denen Nicephorus nach der lenge
schreibet am ende seines letzten Buchs. Vnd ist ein lange zeit in der Kirchen
Gottes erbermlich zugangen, vnd sind die Rechtgleubigen Christen von so
(15)viel spaltungen hart betrbet, an vielen orten auch sehr verfolget worden.422
Als aber Justinianus zur Keiserlichen Hoheit komen, hat er diesem so man-
cherley vnrath mit Christlichen mitteln begegnet,
iz Marginalie am linken Rand
wie noch heutiges tages im
Codice seine Constitutiones vnd Befehl ausweisen, in denen er die decreta
synodi Ephesinae vnd Chalcedonensis wider Nestorium vnd alle des Euty-
(20)chis
anhang bestetiget, vnd achten wir fr ntig, das auch dem gemeinen
Mann solche Christliche Befehl bekandt sein:
ja Marginalie am linken Rand
„Nachdem“, spricht er, „der
rechte vnd vnuerfelschte Glaube, welchen die heilige, allgemeine vnd Apos-
tolische Kirche Gottes leret, keinesweges newerung leidet, als haben wir fr
billich geachtet, das wir auff den fusstapffen der heiligen Apostel vnd derer,
(25)die nach jnen in den heiligen Kirchen Gottes gewandelt haben, blieben vnd
jederman offenbar machten, was vnser Glaube sey, nach inhalt der Lere vnd
Bekentnis der heiligen vnd allgemeinen Kirchen Gottes: Denn wir gleuben
an den Vater, Son vnd heiligen Geist als an ein einiges Gttliches wesen in
dreien vnterschiedenen Personen vnd beten an eine einige Gottheit, eine eini-
(30)ge Allmacht, welche ist die Dreyfaltigkeit eines einigen wesens. Wir beken-
nen aber auch, das in der Flle der zeit der Eingeborne Son Gottes, Gott von
Gott, welcher ist der Son aus Gott, von ewigkeit vnd one anfang der zeit ge-
boren, der mit dem Vater gleich ewig ist, aus wel- || [90r:] chem alles vnd durch
welchen alles, sey vom Himel hernider komen, sey empfangen vom heiligen
(35)Geist vnd sey von der heiligen vnd hochgelobten Jungfrawen Maria Mensch
worden, sey gecreutziget vnd begraben vnd am dritten tage aufferstanden.
Erkennen auch, das nur ein Einiger sey, der Wunderwerck gethan vnd das

|| [513]

Leiden freywillig im Fleisch ausgestanden habe. Denn wir lassen nicht zu,
das ein anderer sey Gottes Wort vnd ein anderer Christus, sondern das es ein
einiger sey, der eines wesens ist mit dem Vater nach der Gottheit vnd eines
wesens mit vns nach der Menscheit. Vnd ist eine Dreyfaltigkeit blieben wie
(5)zuuor, auch nachdem die eine Person der Dreyfaltigkeit, welche ist das Wort
Gottes, Mensch worden ist, sintemal die heilige Dreyfaltigkeit nicht eine
newe als eine vierde Person an sich nimet. Weil denn dem also ist, so verflu-
chen wir alle Ketzereien, sonderlich aber Nestorium Anthropolatram, das ist
der einen blossen Menschen anbetet vnd teilet den einigen vnsern Herrn
(10)Jhesum Christum, der Gottes Son vnd vnser Gott ist, vnd wil nicht eigentlich
vnd in der Warheit bekennen, das die heilige vnd hochgelobte Jungfraw
Maria Gottes Gebererin sey, sondern saget, das ein anderer sey, der da ist
Gott aus Gott dem Vater, ein anderer aber, der aus der heiligen Jungfrawen
Maria geboren ist, welcher doch durch gnade vnd durch einwonung Gottes
(15)des Worts ein Gott worden sey.
Vberdas verdammen wir auch den vnsinnigen Eutychen, welcher nur ein
Gespenst einfret vnd verleugnet die warhafftige Menschwerdung aus der
heiligen Jungfrawen vnd Gottes Gebererin Maria, darauff doch all vnser heil
vnd seligkeit stehet, vnd wil nicht bekennen, das er durchaus eines wesens
(20)sey mit dem Vater || [90v:] nach der Gottheit vnd eines wesens mit vns nach
der Menscheit. Gleicher gestalt verdammen wir auch Apollinarem ψυχο-
φθόρον, das ist der die vernnfftige Seel der Menscheit Christi entzeucht,
sintemal er sagt, das vnser Herr Jhesus Christus, der Gottes Son vnd vnser
Gott ist, one eine vernnfftige Seele sey, vnd macht eine vermischung des
(25)Eingebornen Sons Gottes mit seiner Menschwerdung. Wir verfluchen auch
alle, die es mit jnen halten, vnd so jemand nach dieser vnser verwarnung auff
erkentnis der Gottseligen Bischouen, so jedes orts sein, erfunden werden
wird, einer andern meinung zu sein, der sol sich keiner gnade versehen, als
die wir mit gebrlichem auffsehen gleich den vberwiesenen Ketzern straffen
(30)wllen.“423 Noch ein Edictum Keisers Justiniani424 wollen wir hiezu setzen Vnd nach-
mals ferner in den Historien der alten Streit von der Person Christi fortfaren:
„Iustinianus imperator Constantinopolitanis etc. Cum saluatorem et domi-
num omnium Iesum Christum verum Deum nostrum colamus per omnia, stu-
(35)demus etiam, quatenus datum est humanae menti assequi, imitari eius con-
descensionem seu demissionem. Etenim cum quosdam inuenerimus morbo
atque insania detentos, impiorum Nestorij et Eutychetis, Dei et sanctae
catholicae et apostolicae ecclesiae hostium, nempe, qui detrectabant sanctam

|| [514]

gloriosam semper virginem Mariam theotocon siue deiparam appellare pro-
prie et secundum veritatem, illos festinauimus, quae sit recta christianorum
fides edocere. Nam hi incurabiles cum sint, celantes errorem suum passim
circumeunt, sicut didicimus et simpliciorum animos exturbant et scandali-
(5)zant ea astruentes, quae sunt sanctae catholicae ecclesiae contraria. Necessa-
rium igitur esse putauimus tam haereticorum vaniloquia et mendacia dissipa-
re quam omnibus insinuare, quomodo aut sentiat || [91r:] sancta Dei et catholi-
ca et apostolica ecclesia aut praedicent sanctissimi eius sacerdotes, quos et
nos secuti manifesta constituimus ea, quae fidei nostrae sunt, non quidem
(10)innouantes fidem, – quod absit – sed coarguentes eorum insaniam, qui ea-
dem cum impijs haereticis sentiunt, quod quidem et nos in nostri imperij
primordijs pridem satagentes cunctis facimus manifestum. Credimus itaque
in vnum Deum Patrem omnipotentem et in vnum dominum Iesum Christum
Filium Dei et in Spiritum sanctum vnam essentiam in tribus hypostasibus
(15)siue subsistentibus personis adorantes vnam deitatem, vnam potestatem, Tri-
nitatem consubstantialem. In vltimis autem diebus confitemur dominum nos-
trum Iesum Christum, vnigenitum Dei Filium, ex Deo vero Deum verum,
ante secula et sine tempore ex Patre natum, coaeternum Patri, ex quo omnia
et per quem omnia, qui descendit de coelis, incarnatus de Spiritu sancto et
(20)sancta gloriosa et semper virgine Maria et inhumanatus siue homo factus est
et passus crucem pro nobis sub Pontio Pilato, sepultus est et resurrexit tertio
die, vnius ac eiusdem passiones et miracula, quae sponte pertulit in carne,
agnoscentes. Non enim alium Deum Verbum et alium Christum nouimus,
sed vnum et eundem consubstantialem Patri secundum deitatem et consub-
(25)stantialem nobis secundum humanitatem. Vt enim in diuinitate perfectus ita
idem ipse et perfectus est in humanitate. Nam eius secundum hypostasin seu
secundum personam vnitatem suscipimus et confitemur. Etenim Trinitas
mansit Trinitas etiam post incarnatum vnum ex Trinitate Dei Verbum.
Neque enim quartae personae adiectionem admittit sancta Trinitas. His ita se
(30)habentibus, anathematizamus omnem haeresin, praecipue vero Nestorium
anthropolatram et qui eadem cum ipso sentiunt vel senserunt, qui diuidunt
vnum dominum nostrum Iesum Christum, Filium Dei et Deum nostrum et
qui non confitentur proprie et secundum veritatem sanctam, gloriosam et
semper || [91v:] virginem Mariam theotocon seu deiparam, id est Dei matrem,
(35)sed qui duos filios dicunt, vnum ex Deo Patre Deum Verbum, alterum ex
sancta semper virgine deipara Maria gratia et habitudine et propinquitate,
quam cum Deo Verbo habet, natum esse, et qui negant nec confitentur domi-
num nostrum Iesum Christum Filium Dei et Deum nostrum incarnatum
hominem factum et crucifixum vnum esse ex sancta consubstantiali Trinita-
(40)te. Ipse enim solus est coadorandus et conglorificandus Patri et sancto Spiri-
tui. Anathematizamus insuper et Eutychetem mente captum et qui cum eo
sentiunt aut senserunt, qui phantasiam introducunt negantque veram natiuita-
tem seu generationem domini et saluatoris nostri Iesu Christi ex sancta virgi-

|| [515]
-
ne et deipara, hoc est nostram salutem et qui non confitentur ipsum consub-
stantialem patri secundum deitatem et consubstantialem nobis secundum
humanitatem. Similiter autem anathematizamus et Apollinarium psycho-
phtoron siue animicidam et qui cum eo sentiunt vel senserunt, qui dicunt
(5)inanimem, hoc est humanae animae expertem esse dominum nostrum Iesum
Christum Filium Dei et Deum nostrum et qui confusionem aut conturbatio-
nem introducunt et inuehunt in vnigeniti Dei Filij inhumanationem siue hu-
manitatem et omnes postremo, qui eadem cum ipso senserunt aut sentiunt.
Datae id. Mart. Constantinop. D. N. Iustiniano P. P. A. III. COSS.“425
(10)Es wird auch dieses Keisers Justiniani noch ein Edictum erzelet, beides in
den actis conciliorum vnd nouellis imperatorum, welches nach der lenge ein
volkomene vnd ausfrliche Bekentnis des Glaubens in sich helt sampt erns-
ter verwerffung aller Ketzer, so wider die Person Christi gestritten. Derglei-
chen kaum anderswo so ausfrlich gefunden wird. Aber weil solch || [92r:]
(15)Edictum allzu lang ist, wird es der Christliche Leser selbsten nachsuchen.426
Denn es gnug, das wir nur daruon erinnern.
Vielgedachter Keiser Justinianus
jb Marginalie am rechten Rand
aber hat zur zeit seiner Regierung auch ein
statliches vnd ansehliches Concilium zu Constantinopel versamlet, welches
genennet wird synodus oecumenica quinta.427 Jn diesem sind neben des Ori-
(20)genis
jrrthumen in sonderheit auch die Monophysitae verdampt vnd jre Ket-
zerey widerlegt vnd die Symbola vnd Decreta der vorgehenden vier genera-
lium conciliorum bestetiget worden. Vnter andern Capitulis dieses Synodi
stehen diese wort: „Si quis ex duabus naturis, deitate et humanitate, confitens
vnitionem factum fuisse vel vnam naturam Dei Verbi incarnatam dicens et
(25)non sic has voces intelligit sicut sancti patres docuerunt, quod ex diuina
natura et humana vnitione secundum subsistentiam facta vnus Christus
factus est, sed ex huiusmodi vocibus vnam naturam siue substantiam deitatis
et carnis Christi introducere conatur, talis anathema sit. Secundum subsisten-
tiam enim dicentes carni vnigenitum Verbum vnitum esse, non confusionem
(30)quandam ad vices naturarum factam fuisse dicimus, magis autem manente
vtraque hoc quod est, vnitum esse carni intelligimus Verbum. Propter quod
et vnus est Christus idem Deus et homo, consubstantialis Patri secundum
deitatem et consubstantialis nobis, idem secundum humanitatem similiter
enim et eos, qui per patres diuidunt vel incidunt et confundunt dispensationis
(35)mysterium Christi, auersatur et anathematizat catholica Dei ecclesia.“428
Es sind aber nichtsdestoweniger auch nach dem Tode Justiniani stets jr viel
gewesen, welche heimlich vnd ffentlich Sabellij, Samosateni, Arij, Nestorij,

|| [516]

Eutychis, Monophysitarum vnd andere Ketzereien er- || [92v:] newert, welches
sie doch allzeit mit einem newen schein gethan. Vnd haben sich fr andern
etliche herfr gethan,
jc Marginalie am linken Rand
die da sind Monotheletaegenennet worden darumb,
das sie sagten, in Christo were nur einerley willen vnd wirckung, daraus die-
(5)ses folgete, das in Christo auch nur ein einige Natur sein muste.429 Wider
diese hat noch vor der zeit des sechsten synodi oecumenicae Martinus papa
etliche decreta synodica gemacht, die er den Bischouen in Orient vnd Occi-
dent vberschickt hat. Aus denselben wllen wir auch etliche erzelen:
„Si quis non confitetur secundum sanctos
jd Marginalie am linken Rand
patres proprie et vere ipsius et
(10)vnius domini nostri et Dei nostri Iesu Christi duas natiuitates existere, vnam
quidem ante secula ex Deo Patre incorporaliter et sempiternaliter, alteram
autem de sancta semper virgine Maria carnaliter in vltimis seculorum et eun-
dem et vnum dominum et Deum Iesum Christum consubstantialem Deo Patri
secundum deitatem et consubstantialem virgine secundum humanitatem ac
(15)eundem passibilem carne, impassibilem deitate, circumscriptum corpore,
incircumscriptum spiritu eundem inconditum et conditum terrenum et coe-
lestem, visibilem et intelligibilem, capacem et incapacem, vt toto homine
eodemque Deo totus homo reformaretur, qui ceciderat sub peccato, sit con-
demnatus.
je Marginalie am linken Rand
Si quis non confitetur secundum sanctos patres proprie et vere ex
(20)duabus naturis deitate et humanitate secundum subsistentiam vnitis, incon-
fuse et indiuise eundem et vnum dominum nostrum Iesum Christum esse, sit
condemnatus.
jf Marginalie am linken Rand
Si quis non confitetur secundum patres proprie et vere sub-
stantialem differentiam naturarum post ineffabilem vnitionem, ex quibus
vnus et solus existit Christus, inconfuse et indiuise eo saluatam, sit condem-
(25)natus.
jg Marginalie am linken Rand
Si quis non confitetur secundum sanctos patres proprie et vere natura-
les proprietates deitatis Christi et humanitatis indiminute in eo et sine defec-
tione saluatas in || [93r:] affirmationem veracem eundem ipsum Deum perfec-
tum et hominem perfectum secundum naturam existere, sit condemnatus.
jh Marginalie am linken Rand
Si
quis non confitetur secundum sanctos patres proprie et vere duas eiusdem et
(30)vnius Christi Dei voluntates cohaerenter vnitas diuinam et humanam ex hoc-
que in vtraque eius natura voluntarium secundum naturam eundem existere
nostrae salutis, sit condemnatus.
ji Marginalie am linken Rand
Si quis non confitetur secundum sanctos
patres proprie et vere duas eiusdem et vnius Christi Dei operationes cohae-
renter vnitas, diuinam et humanam ex hocque in vtraque eius natura effica-
(35)cem secundum naturam eundem existere nostrae salutis, sit condemnatus.
jj Marginalie am linken Rand
Si
quis confitetur secundum sceleratos haereticos, deitatis et humanitatis Christi

|| [517]

vnam naturam aut vnam voluntatem aut vnam operationem in peremptionem
quidem sanctorum patrum confessionis abnegationem autem eiusdem salua-
toris nostri dispensationis, sit condemnatus.
jk Marginalie am rechten Rand
Si quis secundum sceleratos hae-
reticos Dei virilem operationem, quod Graeci dicunt θεανδρικήν, vnam insi-
(5)pienter suscipit et non duplicem eam confitetur secundum sanctos patres, hoc
est diuinam et humanam, aut ipsam nouae dictionis virtutem vnius esse de-
signatiuam operationis et non vtriusque naturae vnitionis demonstratiuam, sit
condemnatus.“430
Als aber in Orient je lenger je mehr die Monotheletae vberhand namen, hat
(10)endlich
jl Marginalie am rechten Rand
Constantinus Barbatus ein Concilium halten lassen zu Constantino-
pel, welches ist synodus oecumenica sexta, darin abermals der jrrthum
Monotheletarum verdampt ist, vnd ist in diesem Synodo in grossem ansehen
gewest die Epistel Agathonis, darin ausfrlichen mit Argumenten oder ge-
wissen Grnden vnd mit Zeugnissen der Schrifft vnd Sprchen der alten
(15)Lerer beweiset, das weil Christus || [93v:] ein volkomener Gott vnd ein voll-
komener Mensch sey, so mssen auch beide Naturen in jm jre natrliche
eigenschafften vnd nicht einerley, sondern zweierley natrliche willen vnd
wirckung haben.431
Die Decreta aber dieses Synodi hat auff begeren des Keisers Constantini
(20)auch Bapst Leo Secundus bestetiget, wie solches diese wort ausweisen:
jm Marginalie am rechten Rand
„Wir
haben verstanden,“ spricht er in der Schrifft an Keiser Constantinum gesand,
„das der heilige vnd allgemeine synodus sexta, welcher durch Gottes gnaden
aus Keiserlichem befehl zu Constantinopel newlich versamlet gewesen, nach
dem rechten volkomenem Glauben vnd nach den Regeln vnser Vorfaren ein-
(25)feltiglich mit vns bekandt vnd beschlossen hat, das vnser Herr Jhesus Chris-
tus ein einige Person sey von der heiligen vnd vnzerteilten Dreyfaltigkeit
vnd das er aus zweien vnd auch in zweien Naturen vnuermischt, vnzertren-
lich, vnzerteilet vnd also warhafftig ein volkomener Mensch sey, gleichwol
aber, das er sey ein einiger vnd das in jm die eigenschafften einer jeden
(30)Natur, so zu seiner Person gehren, gantz vnd volkomen sein, vnd das dieser
einige, vnzertrenliche habe Gttliche ding gewircket als ein Gott vnd
Menschliche ding als ein Mensch, doch one einige Snde. Derwegen der
heilige Synodus recht vnd warhafftig geleret hat, das Christus habe zweier-
ley natrliche willen vnd zweierley Natrliche wirckung, dadurch auch fr-
(35)nemlich die Warheit seiner beiden Naturn erweiset vnd der vnterscheid der-
selben gewislichen erkandt wird, aus welchen denn vnd in welchen vnser
Herr Jhesus Christus ein einige Person ist vnd bleibet.“432

|| [518]

Es ist aber auch nach diesem Synodo
jn Marginalie am linken Rand
dennoch kein auffhren gewesen der
Disputation vnd Gezenck. Denn etliche folgende Keiser haben widerumb die
de- || [94r:] creta sextae synodi oppugnieret vnd die Monotheletas geschtzet
vnd gefrdert, darumb denn die straffen nicht aussen blieben sind. Denn vmb
(5)diese zeit hat sich angefangen im Orient die Mahometische gewalt vnd das
Saracenische Reich, welchem die langwirigen Streit vnd Gezenck von den
allerhchsten vnd wichtigsten Artickeln des Christlichen Glaubens, als von
dem ewigen Gttlichen wesen der heiligen Dreyfaltigkeit vnd von der Person
Christi, Thr vnd Thor haben auffgemacht. Denn weil die warhafftige Lere
(10)durch so manchfeltige spaltung in zweiuel gesetzt vnd die Leut des Gezen-
ckes mde vnd one das ein grosser hauffen allbereit mit den Sabellianischen,
Samosatenischen, Arianischen,
jo Marginalie am linken Rand
Nestorianischen vnd Eutychianischen Jrr-
thumen eingenomen war, hat Mahomet mit seinem Alcoran leichtlich vnd so
viel desto mehr stat vnd platz gefunden, weil er in demselben alle schwere
(15)Artickel ausgelassen vnd nur was der vernunfft wolgefellig vnd etlicher-
massen mit dem Gesetz vbereinkomet, sampt etlichen Jdischen, Ariani-
schen vnd anderer Ketzerey jrrigen meinungen zusammengebracht hat.
Also hat Orient mit vnberwindlichem schaden
jp Marginalie am linken Rand
vnd zeitlichem vnd ewigem
verderben an Leib vnd Seel durch den Mahometh mssen gestrafft werden,
(20)vnd da vorzeiten die allerschnsten Kirchen vnd Christliche Gemein gewe-
sen, die von den Aposteln vnd jren nachfolgern gepflantzet worden, da ist
heutigs tages ein schrecklicher grewel vnd verwstung. Denn Gott hat nicht
lenger knnen zusehen zu den manchfeltigen Lesterungen wider die ware
Gottheit vnd Menscheit Christi, seines Sons, vnd hat sein Gericht wllen
(25)sehen lassen wider die grosse vndanckbarkeit Menschliches geschlechts,
welche nicht erkennet, was fr ein vnaussprech- || [94v:] liche wolthat Gottes
sey, das er seinen Son in die Welt gesandt, hat auch den frwitz leichtferti-
ger Hertzen straffen wllen, die jn vnd seinen Son nicht erkennen, wie er
erkandt sein wil vnd tichten jnen selbst eigene trewme, damit Gott veruneh-
(30)ret vnd gelestert wird. Solchs, wie es die hheste vnd grste Snde ist, also
lesst auch Gott die hhesten vnd grsten straffen, nemlich vnwissenheit vnd
blindheit, aus seinem gerechten Gericht darauff zu allen zeiten folgen.
Diese Historische erzelung von den frnemesten Streitten,
jq Marginalie am linken Rand
so in der alten
Kirchen frgefallen sein von den beiden Naturn vnd derselben persnlichen
(35)vereinigung in vnserm Herrn Jhesu Christo haben wir sampt vermeldung,
wie vnd von weme dieselben widerlegt worden, vmb vieler vrsachen willen
etwas weitleufftiger widerholen wollen, auff das der Christliche Leser den
grossen jamer vnd blindheit des Menschlichen geschlechts vnd des Teufels
list vnd gewalt, der allein dahin arbeitet, wie er bey vielen das Liecht der
(40)erkentnis des Sons Gottes ausleschen mge, betrachte vnd ein jeder aus an-
der Leut schaden anfahe klug zu werden vnd die gefahr, so aus leichtfertigen

|| [519]

verfelschungen der hohen Artickel vnsers Christlichen Glaubens folgen, zeit-
lich zu erkennen. Darneben auch desto mehr zum Gebet vnd ernster anruf-
fung Gottes bewegt vnd zu einem vleis erweckt werde, die warhafftige Lere
von den vngegrndten Newerungen recht zu vnterscheiden vnd sich mit
(5)gewissen Zeugnissen der heiligen Schrifft vnd der alten rechtgleubigen Lerer
wider jrrige meinung zu verwaren. Denn also gehet es doch zu: Der Teufel
treibet in der Welt allzeit einerley spiel, allein das sich die vmbstende der
Personen vnd zeit verendern vnd newe sophismata oder farben gefunden
werden, damit man die alten jrrthumen beschnet vnd verstreicht.
(10) || [95r:] Jn der Rmischen Kirchen haben die Bepste nach der zeit Gregorij
Magni sich mehr vmb den Primat angenomen vnd sind allgemelich die jrr-
thum eingefrt vnd geheufft worden, so das tewre Ampt vnd verdienst Chris-
ti verkleinern. Gleichwol ist die Lere von der heiligen Dreyfaltigkeit vnd von
den beiden Naturen in Christo geblieben, obwol in den scholasticis disputati-
(15)onibus offt mehr subtilitet gesucht werden, denn das man die Leut recht an-
geweiset, wie sie die Lere zu warer anruffung Gottes vnd zu bestendigem
trost gebrauchen solten. Jn den reliquijs der Kirchen, so noch in Griechen-
land bis auff diese zeit vberblieben, ist der Artickel von der Person Christi
auch noch heutiges tages rein vnd vnuerfelscht.
(20) fg Als aber zu vnsern zeiten durch Gottes vnermesliche gte vnd barmhertzig-
keit die Lere des heiligen Euangelij widerumb herfrgebracht vnd aus dieser
Schulen in gantz Deudschland vnd vmliegende Knigreich fortgepflantzt
worden, hat der bse Feind nicht geruhet, neben andern vielen Rotten vnd
Secten auch die grewlichen jrrthum, so der Lere von den dreien Personen in
(25)dem einigen Gttlichen wesen vnd der warhafftigen Gttlichen vnd Mensch-
lichen Natur in dem Herrn Christo zuwider sein, widerumb aus der Helli-
schen Gluth herfrzubringen vnd mit hchster vnehre Gottes vnd seines ge-
liebten Sons vnd ewigem nachteil vieler Menschen seligkeit allgemelich
wider einzufren. Vnd weil der meiste hauffen auch vnter denen, die sich der
(30)reinen Lere rhmen, nicht betrachtet, was fr grosse Streit die alte rechtgleu-
bige Kirche ausgestanden in widerlegung so viel vnd manchfeltiger jrrthum,
so zu allen zeiten von Ehrgeitzigen, leichtfertigen, mutwilligen Leuten in die
hohen vnd schweren Artickel vnser Christlichen Religion eingefrt worden,
jr || [95v:] auch wenig mit ernst bedencken, aus was vrsprung sich die Streit
(35)erhaben vnd was fr gefahr darhinder stecket, hat der bse Feind so viel
mehr vrsach vnd gelegenheit, durch vnerfarne, kne Leut noch heutigs tages
die alten Streit auff die ban zu bringen vnd fortzusetzen.

|| [520]

Seruetus.


Es ist aber zu vnsern zeiten fast einer von den ersten vnd frnemsten gewe-
sen Michael Seruetus Hispanus, welcher nachdem er ein lange zeit vnter den
Jden vnd Mahometisten in Aphrica vnd Mauritania in seiner Jugent studie-
(5)ret vnd derselben trewme neben dem, das er noch etwas von dem Christli-
chen Glauben jm gelieben lassen, in Franckreich, im Hertzogthum Sophoy433
vnd benachbarten orten fast in allen stcken Christlicher Religion aus den
Mahometischen vnd Thalmudischen trewmen grewliche vnd erschreckliche
Schwarm geticht vnd dieselbigen heimlich vnd ffentlich ausgebreitet.434
(10)Welche er doch vnuerschempt vnter dem Titel vnd Namen Restitutionis
christianismifh 435 gerhmet vnd ausgeben, als solte es eine Reformation vnd
verbesserung sein dessen, so noch von dem Antichrist zu Rom in den Euan-
gelischen Kirchen vnchristlich behalten wrde. Sonderlich aber hat er Anno
1531 in Deudschland 7 Bcher „De Trinitatis erroribus“,436 wie er es genant
(15)hat, drcken lassen, die er auch hernach vermehret vnd zusampt etlichen
Dialogis mit mehr lesterungen bey vielen eingeschoben hat.437 Darinnen er
ein scheuslich chaos vnd vermischung vieler alten verdampten Ketzereien
vntereinander vermenget,
jr Marginalie am linken Rand
zumal was den Artickel von der heiligen Dreyfal-
tigkeit vnd von der Person des Herrn Christi anlangt. Denn die heilige Drey-
(20)faltigkeit nennet er mit schrecklicher Gotteslesterung triceps || [96r:] mons-
trum et cerberum tripartitum, heisset die drey vnterschiedene vnd selbstendi-
ge Personen der einigen vnzerteilten Gottheit Deos imaginarios, illusiones,
tres spiritus daemoniorum. Nennet die, so die gegrndte vnd warhafftige Le-
re von der heiligen Dreyfaltigkeit fr recht halten, atheos, das ist Gottlos, die
(25)von Gott jrren vnd von dem rechten Gott nichts wissen.
js Marginalie am linken Rand
Verleugnet, das das
Wort mit dem Vater als ein selbstendige Person gleich ewig vnd aus seinem
wesen vnd substantz geboren sey, nennet die ewige Person oder das selbsten-
dige wesen des Sons Gottes diabolicam ideam et fabulosam chimaeram, sagt
das Wort habe erst angefangen zu sein, als die Welt geschaffen vnd von Gott
(30)ausgesprochen sey, gibt fr, das aus dem wesen vnd substantz Gottes alle
Creaturen geworden. Darumb er auff diese weise auch zulesset, das der Son

|| [521]

oder das Wort wie andere Creaturen aus der substantz Gottes sey, brauchet
diese Reden one vnterscheid: Es sey eines, das Gott nach seinem wesen, all-
macht vnd gegenwertigkeit in allen Creaturen ist, sie tregt vnd erhelt, vnd
das alle Creaturen die wesentliche Gottheit in vnd fr sich selbst haben.
(5)Bekennet, das Jhesus der gecreutzigte werde wol genennet ein Son Gottes,
sagt aber, das jm solcher Name zugeschrieben werde nicht vmb der warhaff-
ten Gttlichen Natur oder ewigen Geburt willen, die er gantz vnd gar nicht
gestehet, sondern soferne er nach der Menscheit aus Gott in dem leib der
Jungfrawen Marie geboren sey.
jt Marginalie am rechten Rand
Deutet also den namen des Sons Gottes auff
(10)Christum anders nicht denn nur nach der Menschlichen natur, die er allein in
jm erkennet, sagt das dieser Son oder das Wort vor der empfengnis sey in
Gott nur figuratiue gewesen vnd endlich in der flle der zeit im leibe Marie
in des Fleisches substantz eingangen, also, das das Wort gewesen sey semen
Christi oder ros naturalis geniturae || [96v:] Christi in vtero virginis. Daher er
(15)auch das Fleisch Christi nennet ein Himlisch vnd Gttlich Fleisch, welches
aus der substantz Gottes geworden vnd vom Himel komen sey, sagt das nicht
allein in der Seelen, sondern auch in dem Leibe Christi sey die wesentliche
Gottheit, ja das wesen des Leibs vnd der Seelen Christi sey die Gottheit des
Worts vnd also sey Christus nach dem frsatz vnd beschlossenem Rat vnd
(20)geschehenem ausspruch Gottes seines Leibs vnd der Seelen halben von an-
fang. Wenn nu S. Johannes sage, das Wort sey Fleisch worden, msse dieser
Spruch also verstanden werden, das aus dem Wort, welches von anfang der
Erschaffung in Gott gewesen, das Fleisch im Leibe Mariae geworden oder
geborn sey, eben als wenn ein Mensch bey sich lang etwas bedacht vnd in
(25)sich behalten hette vnd endlich solchs ausspreche. So knne wol der Mensch
mit dem aussprechen demselben seinem gedancken nicht ein newes vnd ei-
genes wesen geben, aber Gott, der da Allmechtig sey, habe aus seinem we-
sen bald im anfang der Schpffung ausgesprochen das Wort vnd jm wie an-
dern Creaturn die Gottheit dadurch gegeben, hab es aber noch bey sich
(30)behalten bis auff die zeit, da dieses Wort Gottes in das Fleisch im leibe
Marie verwandelt sey. Vnd darumb heisse der Leib vnd die Seele Christi ein
Leib vnd eine Seele der Gottheit, darumb sage auch Paulus, das Gott im
Fleisch sey geoffenbaret, weil die Gottheit selber das Fleisch worden vnd
herwiderumb das Fleisch Christi Gott selber sey. Nachdem aber diese vnd
(35)viel andere abschewliche jrrthum Serueti von vielen gelerten Leuten widerle-
get vnd er auff solcher Gotteslesterung, die er nicht auffhrete auszubreiten,
halsstarrig verharret, ist er endlich zu Geneuae verbrant worden Anno Christi
1553. Vnd da man jn zum Tode fret, wurde er vermanet, er solte den Son
Gottes, vnsern || [97r:] Herrn Jhesum Christum, vmb gnade vnd vergebung sei-
(40)ner Snden anruffen mit diesen worten, die man jm vorgeschrien: „O du
ewiger Son Gottes, Jhesu Christe, erbarm dich meiner!“ Aber er ist in seiner

|| [522]

Teufflischenfi vnd mutwilligen verstockung blieben vnd diese wort nachzu-
sprechen sich keinesweges bereden lassen wollen.

Newe Antitrinitarij in Siebenbrgen vnd Polen.

Von Serueto sind in wenig Jaren alle die Antitrinitarij entstanden, welche
(5)noch heutzutage in Polen, Siebenbrgen vnd Vngern jr Gottslesterung wider
die Ehre des ewigen Sons Gottes ausschtten, vnd sind die frnemesten Red-
linfrer438 bisher gewesen, derer eins teils noch am leben, Paulus Alciatus,
Gonesius, Gribaldus, Valentinus Gentilis, der zu Bern in Schweitz durch die
weltliche Obrigkeit als ein vberwiesener vnd halsstarriger Ketzer am leben
(10)gestrafft worden, item Georgius Blandrata, Lelius Socinus, Casonouius,
Franciscus Dauidis etc.439 Sind aber der sachen vntereinander selber nicht
eins:
ju Marginalie am linken Rand
Denn etliche den jrrthum Tritheitarum verteidigen, indem sie wol be-
kennen, das drey Personen in der Gottheit sein, doch also, das dieselben in
der hoheit vnd andern Gttlichen eigenschafften einander vngleich sein.
(15)Dadurch sie denn das einige Gttliche wesen in drey vngleiche wesen teilen.
Andere folgen der Arianer
jv Marginalie am linken Rand
jrrthum vnd halten den Son Gottes fr die erste
Creatur, durch welche Gott alles geschaffen, sagen aber, Gott hab jm aus
gnaden alle Gttliche eigenschafften mitgeteilet.
jw Marginalie am linken Rand
Der meiste teil aber sind
Samosatenianer, welche Christum fr einen purlautern Menschen halten vnd
(20)frgeben, er hab erst in Maria der Jungfrawen angefangen, etwas wesentli-
ches zu sein. Denn sie verleug- || [97v:] nen, das das Wort im Euangelio Johan-
nis ein persnlich, selbstendig wesen bedeute, verstehen diesen Namen nur
von einem gedancken oder rat vnd beschlus Gottes, damit Gott beschlossen
habe, die Welt zu schaffen vnd seinen heimlichen willen zu offenbaren vnd
(25)einmal einen solchen Menschen in die Welt zu senden, der mit allen Gttli-
chen Gaben gezieret, das Menschliche Geschlecht von der Snde vnd Tod
erlsen oder auch nur andern Menschen, wie etliche dauon reden, als ein vol-
komen Bild vnd Exempel aller Tugent frgehen solte. Sagen, das dieser
Jhesus, den man nennet Christum, vom heiligen Geist, das ist durch die
(30)krafft Gottes im Leib der Jungfrawen empfangen, sey der Eingeborne vom
Vater vnd wisse die Schrifft von keinem ewigen Sone, der gewesen sey, ehe
dieser Mensch geboren. Welchen Menschen sie zwar wol einen Gott vnd
Gottes Son nennen, aber nicht von wegen einer ewigen Gttlichen geburt,

|| [523]

sondern vmb dieser dreier vrsachen willen:
jx Marginalie am rechten Rand
1. Das Christus keinen Menschen
zu einem Vater habe, sondern allein Gottes des Vaters Son sey, als der durch
den heiligen Geist oder durch die krafft Gottes in Mutterleibe empfangen
sey. 2. Das diesem Menschen von Gott die Allmechtigkeit vnd gewalt im
(5)Himel vnd auff Erden vnd die flle des heiligen Geistes, weil er der Erlser
des Menschlichen Geschlechts sein solte, sey mitgeteilet. 3. Das jm die
Schrifft Gttliche ehre vnd die anruffung mit Gott zuschreibe.
Die Lere aber von der Communicatione
jy Marginalie am rechten Rand
Idiomatum verwerffen alle Antitrini-
tarij gantz vnd gar vnd reden dauon schimpfflich vnd spttlich, wie denn sol-
(10)ches von sich selbst folget, wenn die zwo Naturen im Herrn Christo entwe-
der verleugnet oder miteinander vermenget oder vermischet werden. Gott der
Allmechtige wlle diesen Gottslesterungen, damit die Leute all- || [98r:] geme-
lich auff die Mahometische Secten geleitet vnd das Trckische Lesterhorn
gesterckt wird, gewaltiglich stewren vnd die Ehre seines ewigen Sons retten,
(15)wie er gesagt hat: „Vmb meinetwillen vnd vmb meines Namens willen wil
ichs thun, auff das ich nicht gelestert werde.“440
Frome Christen wllen auch fr sich selbst diese Gottslesterung fliehen vnd
als den Teuffel selber meiden vnd Ohren vnd Hertzen zuschliessen, soofft
diese verdampte vnd verfluchte jrrthum erwehnet werden, von welchen der
(20)Apostel vnd Euangelist Johannes langst zuuor verkndiget:
jz Marginalie am rechten Rand
„Wer ist ein
Lgener? One der da leugnet, das Jhesus der Christ sey, das ist der Wider-
christ, der den Vater vnd den Son leugnet. Wer den Son leugnet, der hat auch
den Vater nicht.“441 Vnd Ignatius in Epistola ad Antiochenos: „Ein jeder, der
von dem einigen Gott also leret, das er die Gottheit Christi auffhebe, der ist
(25)ein Teuffel vnd ein Feind alles des, das recht ist. Vnd der da sagt, das Chris-
tus ein blosser Mensch sey, der ist verflucht nach dem Spruch des Propheten,
weil er nicht auff Gott, sondern auff einen Menschen trawet.“442 Wolte Gott,
das Christliche Obrigkeit auch jr Ampt wider diese newe Lesterer gebrauch-
ten vnd nach dem Exempel der alten Christlichen Keiser nicht gestatten, so
(30)ffentliche Gottslesterung zu schreiben vnd in Druck zu geben.

Widerteuffer.

Es hat aber fast vmb die zeit, da Seruetus entstanden, der bse Feind auch in
Deudschland die Secte der Widerteuffer erwecket, welche neben andern
ergerlichen vnd schedlichen Leren auch von der Gttlichen vnd Menschli-
(35)chen Natur Christi viel jrrige Schwarm frgeben haben vnd noch heutigs
tags an vielen orten, doch mehrerteils heimlicher weis, vnter die Leute
bringen.443

|| [524]

|| [98v:] Schwenckfeldt.

Aber wider die ware Menscheit des Herrn Christi hat in sonderheit Caspar
Schwenckfeldt
444 vnter andern seinen Enthusiastischen trewmen viel alte
verdampte jrrthum durch mancherley Tractetlin vngefehrlich von dem Jar
(5)Christi 1529 an bis auff diese zeit weit vnd fern ausgebreitet. Vnd weil diese
Schwenckfeldische trewme vnd jrrthumb nicht allein heutigs tages noch bey
vielen im schwang gehen, sondern auch den jtzt schwebenden Streiten von
der reali vnd physica Communicatione Idiomatum gantz gleich vnd ehnlich
sind, mssen wir mit mehr worten vmb des Christlichen Lesers willen der-
(10)selben gedencken, auff das jederman vrsach hab, die jtzige Schwarme selbst
mit den Schwenckfeldischen trewmen zu vergleichen vnd gegeneinander zu
halten.
ka Marginalie am linken Rand
Es gibt Schwenckfeldt in allen seinen Tractetlin fr, es sey jm zu
thun vmb die Glorien Christi vnd vmb seine Ehr vnd Maiestet, vnd wie er
selbst redt, vmb die herrligkeit seiner in Gott erhheten Menscheit. Gibt
(15)auch seinem Bchlin, so er hieuon geschrieben, allzeit diesen Titel: „Von
der Gttlichen Herrligkeit des Menschen Christi“.445 Bedinget offt, das er
Christum in beiden Naturen, vor vnd nach der Erklerung, erkenne vnd jn
einen Gott vnd Menschen sein lasse. Aber im grund vermenget er beide
Naturen sampt jren eigenschafften vntereinander, hebt auff die warheit der
(20)Menschlichen Natur vnd verwandelt sie in die Gttliche Natur, vnd ist, wie
man im Sprichwort sagt, durchaus seine protestatio contraria facto, das ist,
was er nicht gestehen wil, dessen macht er sich in der that schldig.
Seine stetige art zu reden ist diese:
kb Marginalie am linken Rand
Soofft er von Christo disputieret, braucht
er Concretum vnd Abstractum fr eins. Denn wenn er gleich allein die eine
(25) || [99r:] Natur Christi eigentlich verstehet, so setzet er doch gemeiniglich ein
solchen Namen, so die gantze Person mit beiden Naturen begreiffet, vnd ist
jm eins humana natura Christi vnd homo Christus.
kc Marginalie am linken Rand
Was auch fr reden in der
Schrifft von Christo gefrt werden, die zeucht er one vnterscheid auff beide
Naturen zugleich etc. Hebt also auff die Lere von der Communicatione Idio-
(30)matum, so wider Nestorium vnd Eutychen von den alten Lerern in Ephesina
et Chalcedonensi synodo mit grossem fleis erkleret
kd Marginalie am linken Rand
vnd erstritten worden,
heisst dieselbe eine verfrische Schullere, welche die Leute betriege, das sie
zur teilung Christi verursacht werden, vnterscheidet nicht die Reden oder
Propositiones,
ke Marginalie am linken Rand
so von den eigenschafften vnd wirckungen einer jeden Natur

|| [525]

in sonderheit zu verstehen, von den andern Reden, welche von dem Ampt
vnd gemeinem werck der Erlsung, so der gantzen Person Christi nach bei-
den Naturen zugehret, zu vernemen sind, spricht, das Christus nach beiden
Naturen, das ist nach der Gottheit vnd Menscheit, Gottes eingeborner, natr-
(5)licher Son sey, pranget mit diesen worten,
kf Marginalie am rechten Rand
wenn er vom Leiden Christi redet:
„Jch halte“, spricht er fk (fol. 24),k „das Jhesus Christus,
kg Marginalie am rechten Rand
warer Gott vnd
Mensch, der gantze eingeborne Son Gottes one teilung seiner Naturen gantz
im Leiden gewest sey, das die stimme,fl krafft vnd macht des Todes auff
seine gantze Person der zweien vereinigten Naturen sein komen“,447 zeigt
(10)aber bald hernach an,
kh Marginalie am rechten Rand
das er keinen vnterscheid der Naturen im Leiden zu-
lasse: „Solches alles“, spricht er, „verstehe ich gerade vnd einfeltig von dem
gantzen Leiden Christi, des gantzen eingebornen Sons Gottes, on allen
respect seiner Naturen.“448 Vnd ob er wol die Rede S. Petri fret: „Christus
hat gelidden im Fleisch“,449 so verstehet er doch dieselbige nicht secundum
(15)Communicationem Idiomatum, das Christus nach dem Fleisch || [99v:] oder
sofern er ein Mensch ist gelidden habe,
ki Marginalie am rechten Rand
sondern verfelschet sie also, das es
so viel sein sol, als hab Gott, der zugleich Fleisch ist, nach beiden Naturen
gelidden. Vnd sind dieses seine eigene wort, das Christus, Gott vnd Mensch,
ja auch Gott in Christo warhafftig habe gelidden, nicht das die Person des
(20)Vaters oder die Person des heiligen Geistes habe gelidden. Denn der Vater
vnd heilige Geist sey nicht ein Mensch worden, sondern die Person des Sons
Gottes, welcher auch darumb sey Mensch worden, der habe ein leidtlich
ampt auff sich genomen vnd gelidden.451 Fret zum schein, das sonst das
Leiden nicht knne eine erlsung vnd versnung sein, wenn Christus nicht
(25)nach beiden Naturen gelidden hette. Darmit er gnugsam anzeigt, das es jm an
dem gemangelt, das er nicht betrachtet, das die Erlsung ein gemein werck
vnd ampt dieser Person sey, darzu zweierley wirckung gehren, nemlich
leiden vnd den Tod vberwinden, vnter welchen das leiden vnd sterben der

|| [526]

Menschlichen Natur zugehret, den Tod vberwinden vnd das Leben wider zu
nemen gehret der Gttlichen Natur zu.
Noch klerer zeiget er diesen seinen jrrthumb anderswo an,
kj Marginalie am linken Rand
da er ausdrcklich
sagt, das die allein Christo nach dem Fleisch das Leiden zuschreiben, die
(5)haben nur einen halben Christum, verwirffet die Rede, das Christus habe
gelidden nach der Menschlichen Natur vnd sey nach der andern vnleidlich
geblieben oder er habe gelidden, nach dem er Mensch, vnd sey vnleidlich
geblieben, nach dem er Gott ist. „Dis“, spricht er, „ist vnrecht geredt. Denn
Christus ist auch, nach dem er Gott ist, das ist nach der Gttlichen Natur, am
(10)Creutz gehangen vnd am Creutz gestorben, vnd der Todt ist one einigen
respect Gott vnd Mensch gemein gewesen.“453 „Jn summa“,
kk Marginalie am linken Rand
spricht er,
„leren die vnrecht, die da sagen, das man mercken msse, nach welcher
Natur Christus ein jedes ding || [100r:] geredt, gethan, getragen, gelidden habe,
ob es nach der Gttlichen oder nach der Menschlichen Natur geschehen sey.
(15)Denn dis heisst Christum geteilet, wennfm man die operationes also auff die
Naturen richtet vnd jede besonders
kl Marginalie am linken Rand
im werck ansihet.“454 Da man jm aber
entgegen helt, das von wegen der einigkeit der Person die namen miteinan-
der verwechselt werden nach der Regel Theodoreti, quod „personae vnitas
nomina faciat communia“,455 welches doch in concreto geschehen msse,
(20)wird Schwenckfeld sehr zornig drber,
km Marginalie am linken Rand
spricht, das nicht allein die Namen,
sondern auch das wesen vnd die Idiomata beiden Naturen gemein sind. Denn
so man allein von den Namen sagen wolt, knne er es anders nicht verste-
hen, denn als ob man nur in einem schein daruon redte, ja als ob im grunde
fr Gott nicht allwege war were, was die Schrifft Christo zuschreibet.
(25)Verdampt auch als beschwerliche jrrthum,
kn Marginalie am linken Rand
wie er redt, das man halte, das
Christus allein nach der Natur des Worts Gottes des Vaters eingeborner Son
sey, nach der Menschlichen Natur aber eine Creatur sey. Denn solches sey
doch Nestorianisch, so man den Menschen Jhesum Christum oder Christum
nach seiner Menschheit nicht vere Gottes waren vnd eingebornen Son sein
(30)lasse vnd helffe hiewider nicht, ob man sage, das er wol per communicatio-

|| [527]
-
nem, vmb personlicher einigkeit willen, also mge genennet werden.
ko Marginalie am rechten Rand
Glei-
cher jrrthum, spricht er, ist auch, so man Christum nicht wil nach seinen bei-
den vereinigten Naturen ins Gttliche wesen der heiligen Dreyeinigkeit
lassen gehren, sondern frgibt, das Christus die ander Person der Drey-
(5)einigkeit sey nach der Natur des Worts,
kp Marginalie am rechten Rand
nicht nach der Natur des Fleisches.
Denn hiemit handele man gantz strefflich wider die gloria Christi, wenn man
jm nach seiner Menscheit nicht wlle die ehre, stand vnd wesen der andern
Person in der heiligen Dreyeinigkeit gnnen.
|| [100v:]
kq Marginalie am rechten Rand
Den Namen „Creatur“ wil er von der Menschlichen Natur Christi,
(10)sonderlich in den letzten Schrifften, weder vor oder nach der Erklerung eini-
ges weges leiden. Denn dis sey seine meinung, das er Christum nach der
gantzen Person, das ist auch nach seiner Menschlichen Natur, fr keine Cre-
atur oder Geschepff, sondern fr den waren eingebornen Son Gottes, fr
vnsern Herrn vnd Gott halte vnd gleube. Denn es sey ein vnterscheid zwi-
(15)schen der Schaffung vnd der Geburt vnd zwischen einer Creatur vnd
Menschen. Vnd weil Gott durch den heiligen Geist Christi Vater sey auch
nach der Menscheit, so knne dis Christum nicht zu einer Creatur machen,
das er ist geboren worden von der Mutter.458 Zeucht hieher die Sprche:
„Der ander Adam oder Mensch ist vom Himel.“459 Jtem: „Er ist empfangen
(20)vom heiligen Geist.“460 Jtem: „Du wirst schwanger werden im Leibe vnd
einen Son geberen, des Namen soltu Jhesus heissen, der wird gros vnd ein
Son des Allerhchsten
kr Marginalie am rechten Rand
genennet werden.“462 Wiewol er aber den stand der
ernidrigung vnd erhhung Christi vnterscheidet vnd nachgibt, das in der
ernidrigung die Naturen in einigkeit der Person noch vngleich vnd nicht so
(25)bald gantz eines wesens vnd glorien gewesen sind, das auch Christus in der
Menschlichen Natur sein gewechs,
ks Marginalie am rechten Rand
denn also redet er, das ist gradus et incre-
menta, gehabt habe nach dem Spruch: „Das Kind wuchs vnd nam zu an alter,
weisheit vnd gnade bey Gott vnd den Menschen“,463 jedoch sey numehr nach
der verklerung kein vngleicheit der Naturen, one das die Menschliche Natur
(30)von der Gttlichen jre Herrligkeit empfangen habe.
kt Marginalie am rechten Rand
Es sey auch numehr die
Menschliche Natur fr sich selbst Gott, vnd knne vnd solle man die
Menscheit Christi nicht ausschliessen von der heiligen Dreyfaltigkeit. Denn

|| [528]

obwol der Mensch Christus nicht allwege Gott || [101r:] nach seiner Natur
gewesen, auch nicht bald in der flle des Gttlichen wesens gewesen sey, da
er ist geboren, so sey doch die Menschliche Natur durch die Gttliche je len-
ger je mehr gebessert, das ist volkomen gemacht, vnd sey jr nach der Auffer-
(5)stehung alle Gttliche herrligkeit aus der allmechtigen krafft des Wortes
zukomen. Denn der Mensch habe sollen durch Creutz vnd Leiden mit Gott in
eine volkomene gleicheit vnd in die einigkeit seines wesens komen.
Diese seine meinung widerholet er fr vnd fr, auch mit vberdrus. Sein
Fleisch, spricht er, ist nicht allweg im wesen der heiligen Dreyfaltigkeit
(10)gewest, aber es ist darzu vom Wort angenomen, darein geboren; auch von
wegen der persnlichen vereinigung hat es bald dazu gehret, ob er wol zu-
uor hat mssen leiden, ehe sein Fleisch das volkomene wesen der Dreyeinig-
keit Gottes in dem vereinigten Wort kndte erreichen. Nu aber ist die
Menscheit in die herrligkeit des wesens Gottes komen, ist darinnen gantz
(15)Gttlich vnd Geistlich, ja nach dem wesen alles das, was Gott, worden, also
das dieser himlischer Mensch, vnser Herr Jhesus Christus, durch seine
erhhung alle Gttliche Idiomata vnd eigenschafften Gottes erreiche vnd
angenomen habe vnd alle Gttliche werck vermge.464 Denn die Idiomata,
werck vnd herrligkeit, so der Gottheit vnd dem Wort von Natur zustendig,
(20)msse man nu durch die verklerung, Himelfart, sitzung zu der Rechten
Gottes auch der Menscheit gemein vnd eigen sein lassen, sintemal das
Fleisch Christi in macht, krafft, Maiestet vnd Ehren Gottes dem Wort allent-
halben gleich sey. Denn weil der Mensch in Christo numehr in Gott sey er-
hhet vnd zu seiner Rechten gesetzt vnd jme gewalt aller dinge gegeben, so
(25)mssen jm billich alle Gttliche Idiomata vnd eigenschafft folgen. Nu heisse
aber alle eigenschafft || [101v:] nicht anders weder Gott sein. Derwegen so sey
dis ein dimidiatus Christus, wenn man sagt, das noch jtzund in der Glorien
zwey vngleiche wesen, ein Creaturliches vnd ein Gttliches wesen, in Chris-
to sein. Dargegen heisse dis der gantze Christus, wenn er in einigkeit des
(30)einigen wesens Gottes erkent werde nach beiden Naturen. Jtem wenn man
beide Naturen an Christo in einerley eigenschafft, wesen, willen vnd glorien
Gottes ansehe.
Es treibet auch Schwenckfeldt jmerdar dieses geschrey,
ku Marginalie am linken Rand
man wlle Christo
Jhesu nach seiner Menschlichen Natur das Himlische wesen, seine Gttliche
(35)Ehre, ewige Glorien vnd sein Reich benemen, man wlle seinem Fleisch den
vollen gewalt Gottes, seine Macht, krafft vnd wirckligkeit abstricken, man
wlle Christum nicht nach der gantzen Person,
kv Marginalie am linken Rand
das ist nach beiden Naturen
als den Son in volkomener gleicheit mit Gott vnd seinem Vater lassen blei-
ben, man besorge sich, man thue Christo zuviel ehre an, wenn man Christum
(40)auch nach seinem Menschen fr einen Gott halte. So man jm aber entgegen-

|| [529]
-
setzet, das er die warheit der Menschlichen Natur Christi auff diese weise
auffhebe vnd verleugne, wil er dessen keinesweges gestehen. „Jch verleugne
die Menschliche Natur oder auch des Leibes warheit nicht,“ spricht er, „hebe
sie nicht auff, wenn ich von einem vergtteten Menschen vnd von einem
(5)verklerten Leibe sage“, jtem: „Wenn ich sage, das der Mensch Jhesus ein
Himlischer Mensch sey, das er in der glorien Gottes seines Vaters sey, das er
mit dem Frewdenl gantz durchsalbet, mit heiligkeit vnd ehren gekrnet ist,
ja mit der ewigen Gottheit durchfewret vnd vergttet, so ist jm doch an sei-
ner substantz vnd wesentlichen stcken nichts abgangen.“465 Braucht hiezu
(10)das gleichnis vom fewrigen Eisen, zeucht an viel || [102r:] Sprche der
Schrifft, welche entweder allein von Christo nach der Gttlichen Natur
eigentlich mssen verstanden werden,
kw Marginalie am rechten Rand
als fo 1. Joha. 5:o „Wir wissen, das der
Son Gottes komen ist. Dieser ist der warhafftige Gott vnd das ewige
Leben.“,466 Hiere. 23: „Das Gewechs Dauid ist der Jehouah“,467 oder die da
(15)von dem Ampt Christi leren, welches wol der gantzen Person zugeschrieben
wird, doch also, das gleichwol dadurch nicht auffgehaben werde der vnter-
schied der eigenschafften vnd der wirckungen beider Naturen, der ein jedere
das jrige wircket. Aber dis mus bey jm nicht gelten, sondern wenn die
Schrifft saget Acto. 2: „Nu er durch die Rechte Gottes erhhet ist vnd emp-
(20)fangen hat die verheissung des heiligen Geistes vom Vater, hat er ausgegos-
sen dis, das jr sehet vnd hret.“468 Jtem: „Diesen Jhesum, den jr gecreutziget
habt, hat Gott zu einem Herrn vnd Christ gemacht.“469 Hieraus mus jm fol-
gen, das Christus gantz, auch nach seiner Menscheit, nu warer Gott vnd kein
Creatur sey, also, das die Schrifft hin vnd wider zeugt,
kx Marginalie am rechten Rand
der Herr Christus sey
(25)verordnet ein Richter vber Lebendige vnd Todten,470 durch jn
ky Marginalie am rechten Rand
werde die
Snde vergeben,471 er sey vber alle Frstenthum,
kz Marginalie am rechten Rand
gewalt, macht, herrschafft
gesetzet,472 er sey ein Herr nicht allein in dieser Welt,
la Marginalie am rechten Rand
sondern auch in der
zuknfftigen worden. Gott der Vater hab alles vnter seine Fsse gethan, jm
sey alle gewalt gegeben im Himel vnd auff Erden,473 jm sey
lb Marginalie am rechten Rand
ein Name gege-
(30)ben vber alle Namen, in dem sich beugen sollen alle die Knie, die im Himel
vnd auff Erden vnd vnter der Erden sind, vnd alle Zungen mssen bekennen,
das Jhesus Christus der Herr sey in der glorien Gottes, seines Vaters.474 Er

|| [530]

sey gesetzt zum Erben vber alle ding,
lc Marginalie am linken Rand
vnd er sey so viel besser worden denn
die Engel, so viel ein frtrefflichern Namen er fr jnen ererbt hatte, weil zu
keinem Engel gesagt sey: „Du bist mein Son.“475 Jtem: || [102v:] Er sey vber
alle Himel erhhet vnd er sey in der Herrligkeit Gottes des Vaters vnd sitze
(5)zu seiner Rechten.476
Alle diese vnd dergleichen Sprche mssen jm dienen dazu, das Christus
auch nach der Menscheit Gott vnd in Gttlichem wesen sey. „Vnd das“,
spricht er, „ist die Apotheosis, das ist die Gottwerdung des Menschen in
Christo, so durch seine Widergeburt
ld Marginalie am linken Rand
aus den Todten durch die Salbung,
(10)Himelkrnung vnd volkomene Glorificierung seines Fleisches in einigung
der gantzen flle Gottes geschehen ist.“478 Denn darauff dringet er allenthal-
ben, das die Gottwerdung sich wol habe angefangen mit der vereinigung bei-
der Naturen, aber doch sey sie volbracht durch die Geburt, primogenitura,
von den Todten durch die erhhung vber alle Himel, durch das sitzen zur
(15)Rechten seines Vaters, durch die Salbung, von Gott vber jn ausgegossen,
durch die Himelkrnung vnd das einnemen der gantzen flle des wesens vnd
glorien Gottes. Denn durch dieses sey endlich in der vereinigten Person
Christi seine Menschliche Natur der Gttlichen in ehren,
le Marginalie am linken Rand
krafft, macht, wirde
vnd vermgen gantz gleich vnd ehnlich worden. „Vmb dieses willen“,
(20)spricht er, „halte vnd gleube ich von der Glorien Christi, das Gott dem Men-
schen, der Vater seinem Sone Christo das gantze Gttliche wesen, mit vnd in
jm Gott zu sein, selbstendig, warhafftig vnd natrlich eigen hat gegeben, ja
das Christus ins gantze Gttliche wesen auch nach seiner Menscheit ist ge-
boren vnd darzu geboren, das er solch Gttlich wesen, Gottes Reich vnd das
(25)ewige Leben nicht weniger denn auch Gott, sein Vater, in gantzer Person
natrlich eigen habe, gantz halte vnd besitze, auch darinnen regiere vnd den
Gliedern seines Leibes, welche die Gemeine ist, solche himlische Gter aus-
zuspenden vnd mitzuteilen volkomen gewalt vnd macht habe, das nu der
Mensch Jhesus || [103r:] mit seinem Leib, Blut vnd Fleisch gantz des wesens
(30)vnd vermgens ist, welches Gott der Vater vnd sein ewig mitallmechtig
Wort vor der Menschwerdung gewest, natrlich gehabt vnd vermocht hat als
der einige erste ware Son Gottes, der seine gantze Gottheit nach beiden
Naturen aus der Geburt von Gott seinem Vater hat. Daher kompts denn auch,
das der Leib, Fleisch vnd Blut Christi sowol als Gott das Wort ein ware

|| [531]

lebendigmachende Speise vnd Tranck vnser Seelen ist.“479 One diese
gleicheit der Naturn Christi in der Glorien, welches er nennet die erkentnis
seiner gantzen Person volkomenen Gottheit, „kan man viel Sprche der
Schrifft“, spricht er, „nicht verstehen.
lf Marginalie am rechten Rand
Denn wer Christum recht erkennen
(5)wil, der mus wissen, das Christus Jhesus Gott vnd Mensch also gantz die
stelle vnd ehre der andern Person in der Dreyeinigkeit Gottes helt in einem
grad Gttliches wesens, das der gantze Son Gottes Christus gantz eines
wesens mit dem Vater vnd dem heiligen Geiste ist, das er auch nach seiner
Menscheit die Snde vergibt, den heiligen Geist, ja allen Gttlichen Reich-
(10)thum, gnad vnd das ewige Leben gibt. Vnd krtzlich, das Jhesus Christus
nach seiner gantzen Person, das ist nach seinen beiden vereinigten Naturen,
als der ware natrliche Son Gottes Gott seinem Vater in macht, glorien,
wesen, maiestet vnd ehren in einem grad vnd staffel der wirde vnd ver-
mgens gantz gleich vnd ehnlich, das auch sein Mensch in einigkeit der
(15)veterlichen glorien ist, welchem der Vater alles Gericht hat gegeben, auff das
sie alle den Son ehren, wie sie den Vater ehren.“480
Anderswo schreibet er der Menscheit Christi
lg Marginalie am rechten Rand
fr sich selbst auch die anbe-
tung zu, quia etiam caro Christi per se sit adorabilis, welche Reden auch jtzi-
ger zeit zu verteidigen etliche Lerer in der Kirchen Gottes sich nicht
(20)schewen.
|| [103v:]
lh Marginalie am rechten Rand
Den Artickel vom sitzen zur Rechten Gottes legt er anders nicht aus,
denn das die Menscheit in Christo, seiner ewigen Gottheit gleich, in vnd mit
jr gantz eines wesens, gewalts, Maiestet vnd herrligkeit worden, also das
Christus gantz, auch nach seiner Menschlichen natur, heute in der glorien
(25)seines Vaters nichts anders denn Gott sey, vnd obwol Christus an seiner
Menschlichen Natur, Fleisch, Blut, Leib, Seel, Gebein gar nichts habe verlo-
ren, jedoch sey heutiges tages der Leib Christi nicht mehr localis, dimensio-
natus etc.
li Marginalie am rechten Rand
Denn die Proportion vnd dimension mit andern leiblichen eigen-
schafften sey alles an Christo gestorben vnd er sey an des stat per primogeni-
(30)turam ex mortuis gar viel in ein bessers, nemlich in das Gttliche wesen
komen. Wer anders daruon halte, der wlle nicht nach der warheit des ewi-
gen Himlischen wesens,
lj Marginalie am rechten Rand
sondern nach einer jrrdischen fleischlichen warheit
derer ding, so in das zeitliche wesen gehren, vnd nach der Philosophia
erkennen vnd richten, jtem Der wlle die Menscheit Christi nicht allein ferne

|| [532]

vnter Gott stellen, sondern auch an einen reumlichen, vmbschriebenen ort im
Himel einschliessen.
Von der Vbiquitet vnd allenthalbenheit
lk Marginalie am linken Rand
sind dieses seine eigene wort:
„Obwol in der dispensation der zeit, da vngleicheit der Naturn vnd das
(5)Fleisch noch nicht im Geist war ausgefret, darinnen es heut regieret, der
Mensch Christus nicht vberal gewest ist, da Gottes Wort war, wie denn auch
der Leib Christi daselbst nach eines Menschlichen diensts, wesens vnd des-
halben einer leiblichen stelle mste gebrauchen, sowol als das ewige all-
mechtige Wort im Leibe war beschlossen, so ist aber nu der Leib in Christo
(10)Gott durch die glorification vnd Salbung des heiligen Geistes dermassen ver-
einlichet, eingeleibet vnd das Fleisch dem Wort in ewigkeit vereinbaret, das
keine vngleicheit || [104r:] noch wesentlich vnterscheid der Gottheit vnd
Menscheit Christi, des einigen, bey dem esse vbique vnd sonst allenthalben
mehr sein kan.“482 Bald hernach bekennet er, das allenthalben sein allein
(15)Gttliches wesens eigenschafft vnd Idioma sey. „Vnd wenn die Veter
sagen“, spricht er, „Deus est vbique, das Gott vberall oder allenthalben sey,
so wllen sie darumb nicht, das er hie vnd dort nach art der jrrdischen dinge
alle ort reumlich flle, sondern sie haben seine Gttliche allmechtigkeit, sei-
ne allwissenheit, vorsichtigkeit vnd Himlisches wesens vnbegreiffligkeit
(20)damit wllen anzeigen. Sintemal denn der Herr Christus nach seinem Leibe,
Fleisch vnd Blut nu ins Gttliche wesen komen sey, ja das wesen, welchem
allenthalben zu sein zustendig, in der Rechten Gottes volkomenlich eingeno-
men habe, so folge, das er auch nach seinem Leibe, Fleisch vnd Blut allent-
halben vnd vbique sey, nemlich also, das Christus gantz, auch nach seinem
(25)Menschen, mit Gott dem Vater vnd heiligem Geist ein allwissender, vnend-
licher Herr vnd Gott sey vnd nicht hie oder dort an endliche ort vnd stet ab-
gemessen oder eingeschlossen sey. Denn was Gott vnd in der flle des
wesens Gottes ist, das msse zugleich allenthalben vnd doch auch nirgend,
das ist an keinem reumlichen orte sein. Derwegen sey der Leib Christi mit
(30)seiner Natur vnd eigenschafft heut in der glorien nicht physice, als ein
eusserlich ding, hie vnd da zu richten, sondern theologice, nach dem, des
Leib er ist, von dem er das wesen hat vnd mit dem er in persnlicher einig-
keit, in gesellicher glorien vnd in der Gttlichen Maiestet, gleicheit, ausser
aller zeit vnd stet im ewigen Leben ist.“483 Aus diesem grunde verwirfft er
(35)allenthalben in seinem Bchlin die alte gewnliche Rede, so von den alten
Lerern gebraucht worden: „Totus Christus est vbique, sed non totum, quod
est Christi.“484 || [104v:] Aber wir mssen abbrechen von dieser erzelung der

|| [533]

manchfeltigen jrrthum des Schwenckfeldij, die er sonderlich in seinen letzten
Tractetlin je mehr vnd mehr geheuffet hat, wie er denn selber bekennet, das
er im anfang nur gestritten habe wider die Creaturligkeit des Menschen
Christi nach der verklerung, hab aber erst hernach befunden, das es der glo-
(5)rien Christi ein abbruch sey, so man jn auch bald vom ersten blick seiner
empfengnis nach der Menscheit eine Creatur nennen wlle.
Gelerte Leute wllen weiter
ll Marginalie am rechten Rand
vnd mehr in Schwenckfelds Bchern sich selber
vmbsehen vnd seine Reden, derer wir etliche bisher bona fide, one einige
verenderung oder addition erzelet haben, mit den jtztschwebenden paradoxis
(10)von der vbiquitet oder omnipraesentia der Menschlichen Natur in Christo
vergleichen. Denn also wird man klerlich befinden, das beiderseits einerley
fundament vnd grnde gelegt werden, vom Stenckfeldio485 die vergttung
der Menschlichen Natur vnd die exequation derselben mit der Gttlichen zu
erhalten vnd von den newen Vbiquitisten die vbiquitet oder allenthalbenheit
(15)der Menscheit Christi zu bestetigen. Wiewol auch dieses war ist, das
Schwenckfeld in dem etwas leidlicher von den sachen redet, das er die
exequation vnd vergttung sampt der vbiquitet erst nach der verklerung der
Menschlichen Natur Christi zuschreibet vnd bey dem ersten stande des
Leibes Christi in der ernidrigung derer meinung verwirfft, so den Leib Chris-
(20)ti auch daselbst zugleich im Himel vnd auff Erden haben vnd etwan auch
daselbst vnsichtbar machen wllen, welches die Vbiquitisten in jrer reali
Communicatione Idiomatum one schew verteidigen vnd frey vnuerholen
sagen drffen, das auch als bald nach der empfengnis des Leib Christi sowol
als seine Gottheit allenthalben gewesen sey.
(25) || [105r:]
lm Marginalie am rechten Rand
Es haben aber zu vnser zeit Schwenckfeldes Eutychianische jrthum
viel gelerte Leute notdrfftiglich widerlegt, wie noch viel Latinische Schriff-
ten frhanden. Dem gemeinen Man aber zu gut wllen wir allein ver-
deudscht hieher setzen ein stck des Ausschreibens, so die Gelerten vnser
Kirchen, zu Schmalkalden Anno 1540 versamlet, wider Caspar Schwenckfelt
(30)gestellet haben:
ln Marginalie am rechten Rand
„Etliche Landstreicher“, spricht das Ausschreiben, „ strei-
chen hin vnd wider. Man tregt auch ein Bchlin Caspar Schwenckfelds vmb-
her, darinnen er streitet, Christi Menscheit sey keine Creatur nach der Auff-
erstehung, vnd schilt alle die, so es anders halten, vnd heisset sie Creaturis-
ten. Wir aber halten in vnsern Kirchen die Artickel des Glaubens, wie sie vns
(35)von den Aposteln gelassen vnd das Concilium zu Nicaea beschlossen vnd in
den Artickeln Athanasij begriffen sein, verwerffen vnd verdammen alle jr-

|| [534]
-
thum denselben zuwider, wie sie von der allgemeinen Christlichen Kirchen
verdampt sein, erkennen vnd halten solche Symbola vnd Artickel fr war-
hafftig, als die da auff das Wort Gottes, welchs durch die Propheten vnd
Apostel beschrieben, gegrndet sein. Wir wissen wol, das diese forma zu
(5)reden: ‚Christus ist eine Creatur‘ von der Kirchen verworffen. Denn die Ari-
aner, so sie von beiden Naturen in Christo verstunden vnd wolten, der Son
Gottes, das ewige Wort, were nicht gleiches wesens mit dem Vater, stritten
vnd lereten, Christus were erschaffen aus nichten. Schwenckfeldt aber dispu-
tieret jtzt nicht, wie vnd was gestalt man dauon reden sol. Er macht keinen
(10)wortzanck daraus, sondern er wil kurtzumb, Christi Menscheit sey nach der
Aufferstehung vnd Verklerung keine Creatur, vnd bekennet doch, sie sey vor
der Verklerung eine Creatur gewesen. || [105v:] Diesen jrthum vnd Schwarm
verwerffen vnd verdammen wir vnd sagen, die Menschliche Natur in Christo
sey vnd bleibe eine Creatur, Johan. j: ‚Das Wort ward Fleisch.‘ Deshalben
(15)bekennen vnd leren wir einhelliglich mit der gantzen Christlichen Kirchen,
der Son Gottes, welcher ist das Wort, gleich ewig mit dem Vater, habe die
Menschliche Natur aus Maria der Jungfrawen zu der von Gott bestimpten
zeit an sich genomen, vnd sein die zwo Naturen, die Gttliche vnd die
Menschliche, miteinander vereinigt worden also, das Jhesus Christus der
(20)ware Son Gottes, von Gott von ewigkeit geboren, vnd warer Mensch, aus
Maria der Jungfrawen geboren, nur ein Person sey, vnd bleibe beider Naturn
jre eigenschafft: Die Gttliche Natur ist gleich ewig mit dem Vater, die
Menschliche Natur ist eine Creatur, von dem Samen Abrahae her komen laut
der zusagung: ‚Jn deinem Samen werden alle Vlcker gesegnet werden.‘
(25)Wenn nu die Menschliche Natur in Christo in die Gottheit verwandelt were,
wie jm Schwenckfeld tichtet, so wrden wir nicht im Samen Abrahae geseg-
net. Was sol man sagen? Dieser jrthum Caspar Schwenckfelds wird durch
viel helle klare Sprche der Schrifft verlegt. Vnter den Artickeln des Glau-
bens stehet: ‚Geboren aus Maria der Jungfrawen.‘ Vnd hernach: ‚Der da sit-
(30)zet zur Rechten Gottes, seines allmechtigen Vaters.‘ Eben der Christus, von
welchem gesagt ist ‚geboren aus Maria der Jungfrawen‘, vom selbigen, eben
vom selbigen, sagen wir, wird hernach gesagt, er sitze zu der Rechten Hand
seines allmechtigen Vaters. Also stehet Lucae 24: ‚Sehet meine hende vnd
meine fsse! Ich bins selber, flet mich vnd sehet. Denn ein Geist wie Gott,
(35)der schaffend Geist vnd die Engel, die erschaffenen Geister, hat nicht fleisch
vnd beine, wie jr sehet, das ich habe.‘ Vnd hernach weiter: ‚Sie legten jm fr
ein stck vom || [106r:] gebraten Fisch vnd Honigseims, vnd er nams vnd ass
fr jnen.‘ Jtem Rom. j: ‚Von seinem Son, der jm geboren ist von dem Samen
Dauid nach dem fleische.‘ Wiewol wir nu Christum, der da warer Gott vnd
(40)Mensch, zu der Rechten Gottes des Vaters sitzt, anruffen, loben vnd preisen
vnd erkennen vnd wissen, das die Menschliche Natur in jm mit vnaussprech-
licher ehre, lob, preis, herrligkeit vnd Maiestet gezieret vnd geschmckt vnd
nu forthin vnsterblich etc., jedoch halten vnd sagen wir bestendig, wie die

|| [535]

allgemeine Christliche Kirche allwegen gehalten vnd gesagt hat, die
Menscheit an jm sey geboren aus Maria der Jungfrawen von dem Samen
Abrahae. Weil nu dem also, so bekennen vnd leren wir, die Menscheit Chris-
ti sey vnd bleib ein Creatur, haben auch desselben trost in Christo, weil wir
(5)wissen, das er vnser Bruder, bein von vnserm gebein vnd Hoherpriester ist,
aus den Menschen genomen, welcher wie er vns stets fr vnd fr bey Gott
vertrit,487 also ist vnd bleibt er warer Gott vnd Mensch, auch fr vnd fr
vnser Hoherpriester. Derhalben verwerffen vnd verdammen wir den
vngeschickten jrthum vnd Schwarm Caspar Schwenckfelds.
lo Marginalie am rechten Rand
Denn bekennet
(10)er, Christus sey warer Gott vnd Mensch, warumb verneinet er denn, die
Menschliche Natur sey keine Creatur? Nennet er aber allein das eine Creatur,
das seiner Natur nach sterblich ist, warumb redet er auff eine newe weise
daruon vnd verwirret die Gemein Gottes, von Christo so tewr erkaufft? Wir
heissen vnd nennen das, der gemeinen gebreuchlichen weise nach, alles eine
(15)Creatur, das Gott aus nichtsfp geschaffen hat, vnd etwas, das hernach dauon
herkomet oder geborn ist.“488
Dieser Schrifft haben dazumal zu Schmalkalden vnterschrieben D. Iustus
Ionas
, D. Casper Cruciger, D. || [106v:] Iohannes Bugenhagius Pomeranus,fq D.
Philippus Melanthon, Antonius Coruinus,489 Iohannes Cymaeus,490 Martinus
(20)Bucerus
, Nicolaus Ambsdorffius vnd viel andere. Es ist aber damals der Herr
Doctor Luther zu Schmalkalden nicht gewest, wie er zuuor Anno 37 alda
gewesen, da er auch kranck worden. Weil aber Schwenckfeld nicht auffhre-
te, auch nach diesem ffentlichen Ausschreiben, seine geticht zu verteidigen
vnd zu beschnen, mag der Christliche Leser selbst im 12. tomo Germa:
(25)Witeb. lesen,
lp Marginalie am rechten Rand
was des Herrn Doctors Lutheri vrteil darauff gewesen, da er
mit hefftigen worten klagt, wie Schwenckfeldt mit seiner Eutycherey vnd
Creaturligkeit die Kirchen jrre mache vnd der vnsinnige Narr, vom Teuffel
besessen, verstehe doch nichts, wisse nicht, was er lalle etc.491 Anderswo in

|| [536]

den Schrifften des Herrn Lutheri werden Schwenckfelds jrthum auch viel-
mals verworffen vnd widerlegt.
Nu mchte es aber je billich frome Hertzen wundern, alldieweil diese
Schwenckfeldische jrthum nicht allein von der alten Kirchen verdammet,
(5)sondern auch von vnsern lieben Vetern vnd Preceptoribus vnd vielen andern
gelerten Leuten nach inhalt der heiligen Schrifft vnd nach dem richtigen ver-
stand der Artickel vnsers Christlichen Glaubens statlichen widerleget, das
dennoch in denen Kirchen, so der Augspurgischen Confession verwand vnd
zugethan sein wllen, fast einerley oder je nicht sehr vngleiche geticht von
(10)vielen frgeben vnd dermassen verteidigt werden, das man die warheit von
diesem hohen Artickel nicht mehr leiden noch dulden vnd mit Zeter vnd
Mordio geschrey, faction492 vnd zusamenrottirungen, so bey den vnwissen-
den hauffen teglich erreget werden, es sey gleich Gott lieb oder leid, die fal-
schen ertichten vnd langst zuuor verdampten jrrigen meinungen beschnen,
(15)erhalten vnd verteidigen wil. || [107r:] Weil aber die bekentnis der Warheit
nicht derhalben eben sol oder mus vnterlassen werden vnd wir mit vnser
gedult vnd stillschweigen den sachen nicht helffen knnen, numehr auch, das
wir in vnsern allhier ausgegangenen Propositionibus vnd Catechismo nur ein
wenig angezeiget, das wir nicht kondten billichen oder nachfolgen aller vnd
(20)jeden newen Clamanten,493 gefehrliche Reden vnd meinungen von der
vereinbarung beider Naturn in Christo vnd von der weise vnd form zu reden,
die man Communicationem Idiomatum nennet, ohne vnser schuld vnbil-
licher weise ausgeruffen vnd mit calumnien vnd schmehungen angefeindet
vnd verfolget werden, so mssen wir es vnserm Herrn Gott befehlen, das wir
(25)wider vnsern willen gedrungen werden, vber die jtztschwebenden Streit, so
von der Person vnd Menschwerdung Christi etliche jar im schwangk ge-
gangen, vns einmals ffentlich zu beklagen vnd jedermenniglich zu warnen,
der sich warnen las­sen wil, das er sich wol frsehe vnd nicht allen jrrigen
getichten beyfall gebe, die jtzund mit hauffen eingeschoben werden vnter
(30)dem schein, als suchte man die erhaltung der reinen Lere vom heiligen
Nachtmal des Herrn Christi.
Denn darmit schmckt man fast allein diese new eingefrte Streitt, das man
de vnione personali, de Communicatione Idiomatum, de ascensione Christi
ad coelos, de sessione ad dexteram Patris wider die auslendische Kirchen
(35)vmb des Artickels von der gegenwart des waren vnd wesentlichen Leibs
Christi im Abendmal wegen streiten msse, welchs so viel mehr zu wundern
ist, das eben diese Grnde Schwenckfeldt zuuor wider die meinung des
Herrn Lutheri von der leiblichen gegenwart des Leibs Christi im Abendmalfr

|| [537]

gebrauchet hat. Denn je aus Schwenckfelds Bchern bekand vnd Herr
Lutherus jn darumb beschldiget, das er dieser Lande Kirchen Lere zuentge-
gen gehalten habe || [107v:] von dem Nachtmal des Herrn Christi. So wil dis
Schwenckfeldt gerhmet sein, das er mit D. Luthern im handel von dem
(5)Sacrament des Leibes vnd Blutes Christi nicht einig sey, daruon man in
Schwenckfelds Bchlin, welches er genent hat „Bekentnis vnd Rechen-
schafft von den Heuptpuncten des Christlichen Glaubens“,494 weiter lesen
mag. Jsts denn nicht ein wunder, das Schwenckfelds lere von der Glorien
vnd Maiestet der Menschlichen Natur in Christo, dardurch er nur allein die
(10)geistliche gegenwart vnd wirckung des Leibs Christi im Abendmal erweisen
vnd die leibliche gegenwart verneinen wllen, nu erst zu bestetigung der
leiblichen gegenwart des waren Leibs vnd Bluts Christi dienen sol? Ja, das
noch mehr ist, weil Schwenckfelds Lere die ware Menscheit Christi im grun-
de auffhebet, wie es Herr Lutherus selbst ein Eutycherey nennet, wie sol es
(15)denn dienen des Herrn Lutheri meinung von der leiblichen gegenwart des
waren wesentlichen Leibs Christi darzu thun vnd zu erweisen?
Denn so im heiligen Abendmahl der ware vnd wesentliche Leib Christi vns
zu geniessen dargereicht wird, so mus je Christus einen waren wesentlichen
Leib noch haben vnd seine ware Menscheit mus nicht in ein Gttliches vnd
(20)geistliches wesen, wie Schwenckfeld leuget, verwandelt vnd vergttet sein.
Jst aber Schwenckfelds vnd derer Meinung, so jm nachfolgen, war das
Christi leib alle Gttliche eigenschafft empfangen habe, daraus vnwider-
sprechlich folget, das er nicht mehr ein warhafftiger, wesentlicher, menschli-
cher leib sey, wie kan denn hierdurch die leibliche gegenwart erstritten vnd
(25)dargethan werden, das Christus mit seinem waren natrlichen leibe vns nicht
allein Geistlich, sondern auch leiblichen speise? || [108r:] Denn diese zwey je
gantz einander entgegen sein, das Christus numehr einen vergtteten vnd
geistlichen Leib haben sol, nach Schwenckfelds vnd aller Vbiquitisten nich-
tigem furgeben, vnd das gleichwol nach des Herrn Lutheri vnd dieser Lande
(30)Kirchen lere im Abendmahl der ware wesentliche Leib Christi zu essen vnd
sein wares wesentliches Blut zu trincken gegeben wird. Denn hat Christus
nicht mehr einen waren leib, sondern einen vergtteten Geistlichen Leib, so
kan er vns im Abendmal seinen waren Leib zu geniessen nicht darreichen.
Derwegen billich zum hchsten zu verwundern ist, das man die Schwenck-
(35)feldische jrthum darmit beschnen darff, als mge one dieselben der Artickel
von der gegenwart des waren wesentlichen Leibs Christi im Abendmal nicht

|| [538]

erhalten werden, welchs der Christliche Leser mit vleis vnd ernst betrachten
vnd daraus vrteilen wlle, wie man mit dem armen vnerfarnen hauffen vmb-
gehe sie zu bereden, als sey der streit von dem Nachtmal des Herrn Christi,
wenn ein jeder seine eigene trewm vnd jrrige meinung von der Person vnd
(5)Menschwerdung Christi furbringt, so doch eben die gantze lere vom Nacht-
mal des Herrn dardurch vmbgestossen vnd zunicht gemacht wird. Diesen
griff des Satans wllen doch vmb Gottes willen Christliche hertzen erkennen
vnd mit vns beklagen, das es leider dahin bey vielen komen, das man die
Lere vom heiligen Sacrament des Leibs vnd Bluts Christi auff new ertichte,
(10)frembde vnd gefehrliche verfelschung der Artickel vnsers Christlichen Glau-
bens grndet vnd die Christlichen Gemeinden von der stifftung vnd einset-
zung des Testaments Christi vnd von den Worten der verheissung Christi
abfret, dahin man doch als zum rechten grund sich halten vnd dar- || [108v:]
aus von der gegenwart Christi im Abendmal handlen solte.
(15)Es wolle sich auch der Christliche Leser vmb dieser hohen vnd wichtigen
vrsach willen nicht lassen bewegen, die zeter vnd mordio geschrey, so wider
trewe Lerer in dieser Lande Kirchen vnd Schulen auffbracht werden, als we-
re man von Lutheri Lere von der gegenwart des Leibs vnd Bluts Christi im
Abendmal darumb abgewichen, das man den gefehrlichen vnd schedlichen
(20)disputationibus von der vbiquitet vnd reali Communicatione Idiomatum
nicht beyfal geben wil vnd es viel mehr dafr halten, das Lutheri meinung
durch diese frembde disputationes gantz vnd gar verloren vnd hinwegge-
worffen wird.
Daruon wir denn hier vnten widerumb zu reden haben werden, wollen zuuor
(25)krtzlich erzelen, was wir fr bedencken getragen, bis auff diese zeit vns der
erregten streit von der vbiquitet nicht teilhafftig zu machen noch alles, was
ausserhalb dieser Landen disputirt worden, zu billichen vnd nachzufolgen.
Als Herr Philippus Melanthon noch am leben, wenig Jar vor seinem seligen
absterben, haben sich die disputationes von mitteilung oder wesentlicher aus-
(30)giessung aller Gttlichen eigenschafften in die Menscheit Christi vnd von
gegenwertigkeit Menschlicher Natur des Herrn Christi in allen dingen vnd
Creaturn im Himel vnd auff Erden, daraus den auch die Artickel von seiner
Auffart gegen Himel vnd sitzen zur Rechten Gottes auff einen newen ver-
stand gefret worden, ausserhalb dieser Lande erstlich in geheim vnd noch
(35)nicht in ffentlichen vnd publicirten scriptis begeben. Vnd als dem Herrn
Philippo daruon bericht geschehen, hat er nicht vnterlassen, trewlichen dar-
fr, aber doch, weil es noch in geheim gehalten, priuatim, die so darmit
vmbgangen, || [109r:] zu warnen vnd sie zu vermanen, das sie die hohen
Artickel des Glaubens nicht mit newem frembdem verstand vertunckeln vnd

|| [539]

die alten verdampten jrthum nicht wider auff die bahn bringen wolten.495
Was auch seine meinung von dem Artickel der Himelfahrt Christi vnd sitzen
zur Rechten des Vaters sey, hat er vmb dieselbe zeit in Auslegung der Epis-
tel an die Colosser,496 so noch frhanden, ffentlich angezeiget, vnd weis
(5)man gottlob noch wol, was Herr Philippus einem Gesandten von einer hohen
Person mndlichen vnd in gegenwart geantwort, so jn gemelter erklerung
erwehnter Artickel besprochen, da er klerlich gesagt, er wisse aus Gottes
wort vnd der alten rechtgleubigen Kirchen einhelliger Lere, was die vnge-
zweiuelte Warheit sey, die er niemand zu gefallen wlle vnterdrcken oder
(10)mutwillig verfelschen helffen.
Da auch allgemehlich je mehr vnd mehr die Schwenckfeldische trewme von
der reali communicatione, das ist von der wesentlichen mitteilung oder aus-
giessung der Gttlichen eigenschafften in die Menscheit Christi, vernewert
vnd verteidinget werden wllen, hat er aus vorsichtigem bedencken an die
(15)Responsionem ad articulos inquisitionis Bauaricae, nach widerholung der
gegrndten lere von der Communicatione Idiomatum, eine ernste Ver-
manung zu ende mit angehenget, mit diesen Worten: „Haec opponantur
Schuuenckfeldij et aliorum clamoribus, qui audacter similia spargunt Euty-
chianis
et delent doctrinam de Communicatione Idiomatum. In his quorun-
(20)dam tanta est petulantia, vt fingant duplicem Communicationem Idiomatum,
aliam dialecticam, aliam physicam, quae est confusio naturarum. Sed haec
prolixius commemorare nolo, quia infirmi facile sauciantur, cum audiunt ca-
uillationes illorum praestigiatorum. Vtilius est saepe cogitare illustria testi-
monia, quae fidem de vtraque natura in Christo || [109v:] confirmant, et nos
(25)exuscitant, vt laeti ad ipsum accedamus in inuocatione“ etc.497 „Solche Spr-
che“, sagt er, „sol man Schwenckfelds vnd anderer geschrey zuwider halten,
die da frech vnd vnuerschampt solche lere drffen frgeben, die des Euty-
chis
Ketzerey gantz gleich vnd gemes ist, dadurch sie die Lere de Communi-
catione Idiomatum (das ist von zusammenfassung der eigenschafften in der
(30)Person Christi) gantz vnd gar verdrcken vnd austilgen. Vnter denselben
werden etliche gefunden, in denen solcher mutwill ist, das sie ertichten drf-
fen, das zweierley Communicatio Idiomatum sey. Eine werde Dialectica (die

|| [540]

in wor­ten oder in der Rede stehe), die ander aber Physica (die nurfs in
wesentlicher mitteilung der natrlichen eigenschafften stehe) genent, wel-
ches nichts anders denn eine vermischung vnd vermengung der Naturn ist.
Solchen mutwillen wil ich hie nicht nach der lenge erzelen, denn die
(5)schwachgleubigen werden dadurch leichtlich wund vnd jrre gemacht, wenn
sie solcher Geuckler sophisterey hren. Ntzlicher aber ist es, die klare
zeugnis offt zu bedencken, welche den waren Glauben von beiden Naturen
in Christo bekrefftigen vnd vns erwecken, das wir getrost vnd mit freuden zu
jm komen vnd jn anruffen.“
(10)Dieses hat Herr Philippus das letzte jar vor seinem seligen absterben ge-
schrieben, wie er dasselbe jar auch in Chronicis498 daruon erinnerung gethan
vnd wenig Jar zuuor die Refutation Stanckari gestellet, darinnen er nach not-
durfft die gantze Lere de Communicatione Idiomatum, wie sie der alten Kir-
chen bekand gewesen, gefasset hat.499 Vnd ist kein zweiuel, es sey aus son-
(15)derlicher schickung Gottes geschehen, das noch bey leben des Herrn Philippi
so deutlich vnd klerlich diese hohe Lere von jm erkleret ist, weil bald nach
seinem tdlichen abgang die gefehrlichen Disputationes mit hauffen vnd
ffentlich in die Kirchen vieler ort eingedrungen, darunter man zuletzt,
|| [110r:] wo Gott nicht gnediglich weret, den Herrn Christum, Gott vnd Men-
(20)schen, gar verlieren wrde, wie vorzeiten den Kirchen in Asia vber den
Eutychianischen Streiten widerfaren ist.
Nuft bezeugen wir mit gutem Gewissen, das wir ja in dieser Sachen niemand
zu lieb oder zu leid handlen, vns ist von hertzen leid, haben auch auff Erden
kein grsser betrbnis, denn das wir sehen, wie man zufelt auff vngegrndte
(25)opiniones, daraus verdunckelung der Artickel vnsers Christlichen Glaubens
vnd grosse spaltung in der Kirchen, darzu vnrichtigkeit im Gewissen folget
vnd die anruffung Gottes manichfeltig verhindert wird. Wenn wir solchen
grossen vnrat bedencken (das wir indessen geschweigen, wie die Widersa-
cher des Euangelij sich leider allzusehr solches misbrauchen), so erschrecken
(30)wir von hertzen. Aber es sind die ausgegangene Schrifften verhanden, vnd
(das am gefehrlichsten ist) wil man noch nicht, worinnen den sachen zu viel
geschehen ist, bedencken, sondern mit vnzimlichen mitteln die vngereump-
ten, seltzamen reden vnd leren verteidingen.
Gerne wolten wir der Namen verschonen,
lq Marginalie am linken Rand
aber die Streitbcher Herrn Brent-
(35)zen
seligen, Jacobi Andreae vnd vieler andern, darinnen sehr viel stck

|| [541]

Schwenckfelds frgeben gantz ehnlich vnd gemes, sind so ferne vnd weit
ausgebreitet, das die sachen nicht knnen vnter die Bencke gestossen
werden.
Nicht verwerffen wir, was von diesen Herrn wol vnd recht vnd der heiligen
(5)Schrifft gemes geschrieben ist, erkennen, das Herr Johannes Brentz in son-
derheit durch Gottes gnade der Kirchen Christi ein lange zeit trewlich vnd
ntzlich mit vielen herrlichen erklerungen altes vnd newes Testaments vnd
andern Schrifften gedienet,500 vnd ist vns hertzlich leid, das wir seines Na-
mens in einigem vnguten nach seinem tode gedencken sollen, || [110v:] befin-
(10)den, das der streit vom Abendmal vnsers Herrn Jhesu Christi jme mit vleis
vnd ernst angelegen gewesen vnd das er die meinung Lutheri, so in dieser
Lande Kirchen von der gegenwart des waren Leibs Christi gefret wird,
gerne dermassen erstreiten, ausfren vnd zum augenschein erweisen wllen,
das denen, so derselben widersprechen, auch nicht die wenigste vrsache oder
(15)schein zur widerrede gelassen oder vnbeantwortet vnd vnwiderleget gestan-
den wrde.
Was aber auch bey leben Herrn Brentij, bald nach absterben des Herrn
Philippi seligen, in dieser Schulen je vnd allezeit fur erklerungen, beides
soviel den handel vom heiligen Nachtmal Christi vnd auch die frembden vnd
(20)nicht hierzu gehrenden disputationes de vbiquitate anlanget, gewesen, wei-
sen gnugsam aus die Schrifften, so diese gantze zeit her bey vns sind ausge-
gangen.Denn als Doctor Paulus Eberus seliger gedechtnis,
lr Marginalie am rechten Rand
weiland Pfarherr dieser
Kirchen allhier, sein bekentnis vom heiligen Sacrament des Leibs vnd Bluts
(25)vnsers Herrn Jhesu Christi Anno 1563 ffentlich in druck gegeben, hat er
eben darinnen deutlich angezeiget, das er die gegenwart des Leibs Christi im
Abendmal eigentlich grnde auff die wort vnd verheissung Christi, so er
selbst in stifftung seines Testaments gebraucht, vnd von den dazumal schwe-
benden vnd anderswo erregten streiten von der vbiquitet bezeuget er klerlich,
(30)das er keinesweges die exaequation
ls Marginalie am rechten Rand
vnd vergleichung der beiden Naturn
billichen kndte, vnd vermanet trewlich, das man vleis frwenden wlle, das
der Artickel vom vnterscheid der zweien Naturn in der einigen vnzertrenli-
chen Person Christi, der vorlangst von vielen Ketzern grewlich angefochten
vnd dennoch mit grossem ernst, eiuer, mhe vnd arbeit von den alten heili-
(35)gen Lerern zu Nestorij vnd Eutychis zeiten lblich erstritten || [111r:] vnd bis-

|| [542]
-
her in der Christlichen Kirchen, auch im Bapsthum, fr vngezweiuelt gehal-
ten worden, in allen Kirchen rein geleret vnd erhalten werde bis ans ende der
Welt.
Da auch im folgenden Jar
lt Marginalie am linken Rand
Anno 1564 Churfrstliche Durchleuchtigkeit zu
(5)Sachsen etc. auff anhalten vnd bitte Hertzog Christoffs zu Wirtemberg lbli-
cher gedechtnis dem collegio theologico allhier Herrn Brentij vnd D. Jacobi
Andreae
Bcher vnd Disputation vberschickt vnd desselben bedencken vnd
meinung darber begert, haben die Theologen, so damals im Collegio geses-
sen, mit einer langen, ausfhrlichen Schrifft an Churfrstliche Durchleuch-
(10)tigkeit zu Sachssen etc., vnsern Gnedigsten Herrn, sich dahin ausdrcklich
erkleret, das, soviel den vrsprung der frgefallenen Disputation anlanget,
nemlich den handel vom heiligen Abendmal vnd von warer gegenwertigkeit
des Leibes vnd Bluts Christi, sie mit dem Herrn Brentio einig sein, wie hin-
wider sie gentzlich sich versehen, er mit jrer Bekentnis vnd Lere einig sein
(15)werde.502
Darneben aber sey jr bedencken, das in Glaubenssachen die Disputationes
vnd streitbare ausfrung derselben jre mas haben mssen vnd das dem Streit
vom Abendmal des Herrn durch einfeltigen Glauben vnd Bekentnis viel
sicherer vnd besser geraten vnd geholffen, denn durch weitleufftige, hohe,
(20)mhsame vnd gefehrliche Disputation vnd Streit vmb alles vnd wider alles,
so das gegenteil frwende. Das auch die gegenwart des Leibs vnd Bluts
Christi nicht aus den frgefallenen Streiten von vereinigung beider Naturn in
Christo oder von gegenwertigkeit seiner Menschlichen Natur in allen dingen
vnd Creaturen im Himel vnd auff Erden oder von seiner Himelfart vnd sitzen
(25)zur Rechten des Vaters, sondern anfenglich || [111v:] vnd endlich aus des
Herrn Christi stifftung vnd verheissung erwiesen vnd dargethan werden, vnd
man dahin als zum grund sich halten vnd einige zuflucht haben msse.
Ferner aber, was die disputationes von erwehnten Artickeln fr sich selbst
betreffe, zeugen vnd bekennen sie, das viel jnen vnbekandte, newe vnd
(30)frembde gefehrliche reden von beiden Herrn D. Brentio vnd D. Jacobo
gebraucht vnd zum hefftigsten gestritten werden, welche trawen sie in dieser
Lande Kirchen vnd Schulen einzufren, zu disputirn oder zu streiten hohes
bedencken haben, weil sie dergleichen reden vnd erklerungen weder in Bib-
lischen Schrifften vnd zeugnissen der Propheten vnd Aposteln, noch in der
(35)frnemesten eltisten Kirchen Lere, Schrifften vnd erklerungen nicht finden,
auch in dieser Lande Kirchen vnd Schulen von jren Vetern vnd Preceptorn,
so vor jnen darin gedienet vnd geleret, nicht gehret noch gelernet haben.
Das aber zur bestetigung etlicher derselben newen gefehrlichen Reden Herrn
Lutheri seliger gedechtnis etliche zeugnis aus seinen Streitschrifften vom

|| [543]

Herrn Brentio vnd D. Jacobo angezogen worden, wie zuuor auch von andern
beschehen, mssen sie dieselben zeugnis an jren ort stellen, darneben aber
dieses berichten, das solche Lutheri zeugnis nicht so fast sein eigen, als der
newesten Schultheologen vnd Scribenten sein, daraus solche reden Lutherus
(5)in werenden streit genomen. Nachmals aber, kurtz vor seinem ende, in erkle-
rung der letzten wort Dauidis503 vnd andern seinen Lerebchern auff viel
andere weise vnd nach gewonheit vnd form der eltesten Kirchen, Lerer vnd
Veter geredet vnd geschrieben, darnach er selbst seine vorige Schrifften ver-
standen vnd gerichtet haben wolte. || [112r:] Solche des Herrn Lutheri Bcher
(10)vnd Schrifften weren ja eben sowol vorhanden als die Streitbcher vnd one
zweiuel, als die letzten vnd mit hchstem vleis geschriebene, den Streitb-
chern wo nicht vorzuzihen, jedoch gleich wirdig zu achten, vnd wie jr viel
sich auff die vorigen, also sie nicht vnbillich auff dieselben letzten sich zihen
vnd beruffen mchten.
(15)Hierauff folget in obangeregter des collegij theologici Schrifft eine deutliche
widerholung der Lere, so in den grossen Heubtconcilien zu Epheso vnd
Chalcedone wider Nestorium vnd Eutychem von vereinigung beider Naturn
in der einigen vnzertrenlichen Person Christi vnd von der form vnd weise,
die reden von Christo zu vnterscheiden, aus den Biblischen Schrifften vnd
(20)allen alten vorigen Lerern beschlossen vnd erkleret ist. Darneben zeigen sie
aber dieses an, das jrem verstand nach von dieser gemeinen vnd alten lere
Herr Brentius vnd D. Jacobus etwas zu weit gehen vnd den alten Lerern vnd
derselben meinung disfals nicht nachfolgen, auch Lutherum vnd seine mei-
nung nicht erreichen, sonderlich wie er sich in seinen letzten Schrifften er-
(25)kleret habe. Denn was in Biblischen Schrifften vnd in den alten Lerern von
der gantzen Person Christi vnd derselben erhhung, herrligkeit vnd Maiestet
geredet wird in concreto, das ist mit solchen wrtern, so die gantze Person
nennen vnd anzeigen, das vermeinen gedachte Herrn, knne vnd solle auch
gleichermassen von der einen Menschlichen Natur in sonderheit vnd in sol-
(30)cher form, dardurch vnd darmit die blose Menschliche Natur bedeutet vnd
ausgesprochen wird, recht geredet vnd geduldet werden, das doch die alten
keinesweges haben gestehen noch dulden wllen.
War sey es vnd werde recht gesagt, der Herr Christus Jhesus, Gottes vnd
Marien Son, sey Allmechtig vnd ewig vnd allenthalben gegenwertig Vnd in
(35) || [112v:] allemfu dem Vater gleich. Ja sie halten alle diejenige fr verflucht, so
diesem Herrn Christo Jhesu, Gott vnd Menschen, einige dieser Namen vnd
ehren entzihen vnd rauben oder an jrgenteinem zeugnis, so in der Propheten
vnd Apostel Schrifften von seiner Maiestet vnd herrligkeit redet, zweiueln,
wie derselben zeugnis in Herrn Brentij Schrifften viel angezogen werden.

|| [544]

Aber wie sie in den Biblischen Schrifften vnd bewerten alten Lerern diese
oder dergleichen Reden nicht finden: die Menscheit des Herrn Christi ist von
ewigkeit her, die Menscheit Christi ist erschafferin aller Creaturn, ist vnd
bestehet aus vnd von jr selbs, also finden sie auch diese nicht: die Menscheit
(5)oder Menschliche Natur in Christo ist allmechtig, vnendlich, allenthalben
etc.
Derwegen sie gros bedencken vnd schewen haben, solche reden in die Kir-
chen einzufhren. Denn so man in einem dieser freiheit sich wolle anmassen
wider die Biblischen vnd der alten Lerer formen aus der Communicatione
(10)Idiomatum also zu volgern vnd zu schliessen: Was von der Person recht ge-
redt, auch an jm selbst war ist, das sey auch recht gered von der einen Natur
in sonderheit, knnen sie nicht verstehen, wie knfftiger zeit dem furwitz
leichtfertiger Geister, so aus diesem Fundament viel vngereimbtes dings vol-
gern vnd schliessen werden, zu stewren sein knne oder wie auch die alt ver-
(15)worffene rede Eutychis:fv „Gttliche Natur hat gelidden, ist gestorben“,
grndlich solte widerlegt werden, so dieselbige, wie allbereit vor wenig
Jaren geschehen, vnruhige leichtfertige Leute widerumb regen vnd auff die
Bahn bringen solten.
Vberdis zeigen sie an, das Herr Brentius vnd D. Jacobus auch in diesem fall
den alten Lerern etwas vngemes reden vnd halten oder je derselben meinung
nicht || [113r:] gnugsam jnnen haben, das sie Persnliche vereinigung der
beiden Naturn vnd diese weise zu reden, das man der Person beider Naturn
eigenschafft zuschreibt, Communicationem Idiomatum genennet, fr eines
nemen vnd verstehen, die doch weit, weit voneinander vnterschieden vnd
(25)keinesweges eins fr das ander zu verstehen sey. Denn die vereinigung
beider Naturn, so in der Menschwerdung Christi geschehen, sey das wunder-
barlichste Werck vnd Geheimnis Gottes, so jemals im Himel oder Erden
geschehen, vnd sey gleichsam das fundament vnd der grund, daraus vnd
darauff die Communicatio Idiomatum erbawet stehe. Denn dieweil solch
(30)Werck von Gott beschlossen vnd geschehen sey, habe Gott selbst vnd alle
Heiligen von anfang, so solches zu erkleren oder zu verkndigen durch jn
erweckt vnd erleuchtet sind, dauon mit sonderer vorsichtigkeit vnd beschei-
denheit also geredet, das nicht einer Natur allein, sondern der Person, so
beides, Gott vnd Mensch, ist, der andern Naturn eigenschafft zugeeignet
(35)wrden.
Derwegen sie nichts liebers sehen noch wndschen wolten, denn das Herr
Brentius vnd D. Jacobus vnter dieser wunderbarlichen vereinigung beider
Naturn vnd der Communicatione Idiomatum vleissiger vnterschied hielten
vnd der Propheten vnd Apostel vorsichtigkeit von diesem Geheimnis zu
(40)reden mit grsserm ernst bewegten, behielten vnd nachfolgten, auch diesen
gantzen streit messigten vnd einzgen. Denn sie diese sach vnd streit so gros

|| [545]

vnd hoch sein bedncke, das sie fast504 zweiueln, ob dieselbe bey der jtzigen
Welt auch in einem allgemeinem Concilio kndte oder vermchte gertert
vnd entscheiden werden, wo vns hierinnen nicht der alten Exempla vnd
ernstliche vorsichtigkeit frstnden vnd frgingen. Vnd nach || [113v:] dem sie
(5)gereget, frchten sie von hertzen, das knfftiger zeit viel schrecklichs dispu-
tirns bey dieser frwitzigen Welt daraus erwachsen (wie sich denn der an-
fang im Knigreich Polen vnd Litawen vnd andern orten allbereit schreck-
lich errege)505 vnd also dem gantzen Menschlichen geschlecht verderblich
vnd schedlich sein, vieleicht auch den Jngsten tag desto eher herzubringen
(10)vnd verursachen werde.
Schlieslichen bitten sie auch, das Churfrstliche Durchleuchtigkeit zu Sach-
sen etc. jrer C. F. G.506 ruhigen, wolbestelten Schulen vnd Kirchen in jrer
Churf. G. Landen disfals gnedigst verschonen vnd mit vngewnlichen reden
vnd gantz gefehrlichen disputationen nicht verunruhigen lassen wlle.
(15)Aus dieser kurtzen vnd Summarischen erzelunge obgedachter Schrifft des
collegij theologici zu Wittemberg, so im Aprili des 1564. Jars gestellet, ist ja
offenbar, das bald anfangs, auch bey leben Herrn Brentij, die Vniuersitet all-
hier die neweingefrten Disputationes nicht gebillichet noch approbieret, ob-
wol nur allein von dem frnemesten grunde solcher gefehrlichen Disputation
(20)dazumal freundliche erinnerung geschehen vnd vrsach angezeigt, warumb
man die einfeltige, richtige Lere in diesen Landen, so man von der alten
rechtgleubigen Kirchen empfangen, bestendiglich erhalten vnd dauon auff
gefehrliche Disputationes sich nicht begeben wolte.

Anzeigung etlicher frnemen stck, so in
(25)Brentij vnd Jacobi Streit nicht zu billichen.

Denn so man je die Warheit allen Menschlichen dingen frzihen vnd etwas
weitleufftiger, was fr ge- || [114r:] fehrliche Disputationes vnd Reden in Herrn
Brentij vnd D. Jacobi Bchern eingefret sind, vermelden vnd anzeigen sol,
mssen freilich alle gelerte, verstendige vnd in der Lere der alten rechtgleu-
(30)bigen Kirchen erfarne vnd versuchte507 Leute bekennen, das obwol, soviel
die Lere vom heiligen Nachtmal vnd der warhafften gegenwart des Leibs
Christi in demselben belanget, vnsere Bekentnis aus den Schrifften, so in
vnserm Corpore doctrinae verfasset, darzu wir vns zu jeder zeit beruffen vnd
aus dem ffentlichen Lere vnd Predigampt dieser Lande Kirchen vnd Schu-
(35)len bekandt ist, im werck vnd in der that vnserer Lesterer lgen, so sie dieser

|| [546]

Schulen aufftichten, allbereit gnugsam widerlegt vnd, ob Gott wil, noch
ferner widerleget werden sol.
Jedoch ist es bisher in der Kirchen Christi vnerhrt,
lu Marginalie am linken Rand
gantz new vnd frembd,
das aus der vereinbarung beider Naturn in Christo, aus der Himmelfart
(5)Christi vnd seinem sitzen zur Rechten Gottes vom Herrn Brentio der Grund
vnd Beweis der waren gegenwart des Leibes Christi im Nachtmal gefret
wird. Denn es je vnterschiedene Artickel sind, vnd hat die stifftung des
Nachtmals nicht zugleich angefangen mit der Persnlichen vereinigung der
zweien Naturen in Christo. So ist die Himelfart vnd das sitzen zur Rechten
(10)des Vaters erst nach der Aufferstehung Christi von den Todten erfolget, so
doch das Abendmal „in der nacht“, wie die wort der Euangelisten lauten, „da
der Herr Christus verrathen“508 vnd noch auff Erden ward, eingesetzt vnd
verordnet ist.
Vnd kan man Herrn Brentio seligen vnd D. Jacobo keinesweges nachgeben,
(15)das, so man eigentlich reden wil, zur Rechten des Vaters sitzen nichts anders
sey, denn mit dem Son Gottes vereiniget sein vnd das || [114v:] die Menscheit
Christi zur Rechten des Vaters gesetzt, sobald sie in Mutter Leib empfangen
sey, welches gestracks wider die ordnung der Artickel des Christlichen Glau-
bens vnd wider die offenbarlichen gezeugnis der Schrifft ist, welche sagen,
(20)das Christus habe mssen durch sein Leiden in die Herrligkeit des Vaters
eingehen vnd das er sich zur Rechten des Vaters gesetzt, nachdem er die
reinigung von allen snden durch sich selbst volendet vnd nachdem er gen
Himel auffgefaren sey.
Dargegen aber weisen die Exempla aller alten vnd newen Lerer in der Kir-
(25)chen Gottes, das man die Lere vom Nachtmal des Herrn Christi schlecht509
vnd blos auff die wort der stifftung vnd verheissung Christi gegrndet hat,
darbey auch Herr Lutherus endlich geblieben, fw vnd die wort, so Christusw im
Nachtmal gebraucht vnd in der Kirchen bis zum ende der Welt zu brauchen
befohlen hat, mit grossem ernst vnd eiuer wider das gegenteil verteidingt vnd
(30)gestritten hat. Vnd weil wir allerseits bekennen, das es nicht ein raumliche
gegenwart, localis praesentia, sey des Leibs Christi im heiligen Nachtmal,
hat der Herr Lutherus mitnichten die vbiquitet des Leibs Christi zu einem
grund derselben gegenwart brauchen wollen, ob er wol anfenglich wider
Carolstad vnd Zwinglium etwas hieuon angerret, damit er jnen weiset, das,
(35)obgleich wir in dieser schwacheit das Geheimnis des heiligen Nachtmals,
welches die Kirche allzeit tremendum mysterium genent, nach der vernunfft
nicht verstehen noch ausgrnden oder zum augenschein darthun mgen, wie
es zugehe, das Christi Leib im Abendmal warhafftig da sey, dennoch Chris-

|| [547]
-
tus nach seiner Allmacht auff eine heimliche, verborgene vnd vns vner-
forschliche weise nach seiner verheissung, vns seinen waren Leib zu essen
vnd sein wares Blut zu trincken geben knne.
|| [115r:] Als nu Schwenckfeldt angefangen, seine Schwermerische trewme
(5)von der vbiquitet fr zu bringen vnd dadurch die leibliche gegenwart Christi
im Nachtmal in eine Geistliche gegenwart zu verkeren, wie aus seinen B-
chern nach der lenge zu sehen ist, hat Herr Lutherus, was er selbst etwan
zuuor von den tribus modis praesentiae corporis Christi, circumscriptiuo,
definitiuo et repletiuo aus etlicher newesten Schultheologen meinung, nicht
(10)zu bestetigung seiner Lere von der gegenwart Christi im Abendmal, sondern
allein zu widerlegung etlicher vngereimpten vnd nicht gnugsam erklerten
EinwLutherusrffe seines gegenteils angezogen, weiter vnd ferner in den nachfolgen-
den Schrifften nicht gebrauchet. Vnd als nach auffgerichter Concordia510 mit
denen in Schweitz vber dem Artickel vom Abendmal vnd andern er selbst
(15)mit eigner Hand an die Obrigkeit vnd Gemeinde der Eidgenossene Stedt
Zrich, Bern, Basel, S. Gallen, Mlhusen vnd Biel eine sehr freundliche
Schrifft gethan, hat er vnter andern diese wort von sich mit sonderem rat vnd
bedacht geschrieben:
„Vom Sacrament des Leibs vnd Bluts Christi
lv Marginalie am rechten Rand
haben wir auch noch nie gele-
(20)ret, leren auch noch nicht, das Christus vom Himel oder von der Rechten
hand Gottes hernider vnd aufffare, noch sichtbarlich noch vnsichtbarlich.
Bleiben fest bey dem Artickel des Glaubens, ‚Auffgefaren gen Himel, sit-
zend zur rechten Gottes, zuknfftig‘ etc. vnd lassens Gttlicher allmechtig-
keit befohlen sein, wie sein Leib vnd Blut im Abendmal vns gegeben werde,
(25)wo man aus seinem befehl zusammenkompt vnd sein einsetzung gehalten
wird. Wir dencken da keiner Auffart noch niderfart, die da solt geschehen,
sondern bleiben schlechts vnd einfeltig bey seinen worten, ‚das ist mein
Leib, das ist mein Blut‘.“511
Diese meinung Lutheri ist bishero in dieser Lan- || [115v:] de Kirchen bekandt
(30)gewesen vnd beruhen dieselben billich nachmals darauff, kan auch aus be-
werten Schrifften der Lerer in dieser Lande Kirchen vnd Schulen nicht dar-
gethan werden, das man sich auff andere Disputationes jemals geleget oder
andere newe Grnde der gegenwart des waren Leibs vnd Bluts Christi
ausserhalb der wort Christi vnd der ordnung vnd einsetzung seines Testa-
(35)ments von jemands gesucht worden. Vnd das Lutherus selbst kein ander fun-

|| [548]
-
dament ausserhalb der einsetzung vnd wort Christi jemals hierin gesucht,
zeiget er auch mit dem Titel seines Buchs vom Abendmal geschrieben, wel-
cher laut, „Das diese wort: ‚Das ist mein Leib‘ etc. noch fest stehen.“512 Zudem, das die Papisten zu jrer Transsubstantiation oder verwandlung des
(5)Brots in den Leib Christi niemals sich vnterstehen drffen, einen grund oder
Argument zu nemen aus den Artickeln de vnione personali et ascensione ad
coelos et sessione ad dextram. Denn Damascenus, zu welches zeiten die mei-
nung von der Transsubstantiation erst in die Kirchen eingefret, bis sie her-
nach Anno Christi 1215 vom Bapst Innocentio III. durch ein decretum beste-
(10)tiget worden513 (da nicht viel Jar hernach das Trckische Reich, welches das
Saracenische auffgefressen, aus sonderlicher straff Gottes gegen Occident
sein gewalt fortgestreckt), schreibet libro 4 capite 14 klerlich: οὐχ ὅτι αὐτὸ
τὸ ἀναληφθὲν σῶμα ἐξ οὐρανοῦ κατέρχεται, ἀλλὰ ὅτι αὐτὸς ὁ ἄρτος καὶ
οἶνος μεταποιοῦνται εἰς σῶμα καὶ αἵμα θεοῦ.514 „Non descendit ex coelo cor-
(15)pus sursum assumtum, sed ipse panis et vinum transsubstantiantur in corpus
et sanguinem Dei.“ Dis haben auch hernach vnter dem Bapsthum die Scho-
lastici behalten, wie aus jren Bchern bekandt ist vnd Herr Lutherus selbst
anzeucht,
lw Marginalie am linken Rand
als er mit folgenden worten verbeutet, man solle nicht von der vbi-
quitet in dem handel von dem Nachtmal Christi disputiren: || [116r:] „Nu felt
(20)hie“, spricht er, „ein Frage fr: Wie kan Christus leiblich im Sacrament sein,
so doch ein Leib an vielen orten zugleich nicht sein kan? Hierauff antworte
ich also: Christus hat gesagt, er wlle da sein, darumb ist er warhafftig im
Sacrament vnd dazu leiblich, darumb ist er warhafftig da, vnd sol kein ande-
re vrsach solcher leiblichen gegenwertigkeit gesucht werden denn diese. Die
(25)wort lauten also, darumb mus es also geschehen wie sie lauten. Was aber den
Leib belanget, kan Christus, wenn er nur wil, allenthalben oder an allen orten
sein. Darumb hats ein andere meinung mit seinem vnd vnserm Leibe. Vom
allenthalben oder an allen orten sein sol nicht disputiret werden, es ist viel
ein ander ding in dieser sache. So reden auch die Schultheologen hie nichts
(30)vom Allenthalben, sondern behalten den einfeltigen verstand von der leibli-
chen gegenwertigkeit Christi etc.“515

|| [549]

Achten es derwegen gantz new vnd frembd sein, das Herr Brentius vnd Jaco-
bus
den einigen grundt der Lere vom heiligen Sacrament bawen auff die
Artickel von der vnione personali vnd ascensione ad coelos vnd sessione ad
dexteram, gleich als knne man one solche Grnde die reine Lere vnd rech-
(5)ten verstand vom Sacrament des Abendmals nicht erhalten. Vnd sehen wir
nicht, wie des Herrn Brentij harte Reden mit D. Lutheri meinung vom
Abendmal vbereinstimmen, da er sagt:
lx Marginalie am rechten Rand
„Nostri, qui fatentur veram praesen-
tiam corporis et sanguinis Christi in coena, nisi crediderint Christum vna
cum corpore et sanguine suo vere in coena praesentem esse, priusquam verba
(10)coenae recitauerint, non video, quomodo effugere queant magicam papista-
rum consecrationem.“516 Damit er frgibt, das auch vor vnd ausserhalb
dieser Action vnd brauch des heiligen Abendmals der Leib Christi an allen
orten gegenwertig sey.
|| [116v:] Viel weniger knnen wir billichen, das Brentius vnd Jacobus im
(15)Streit von gemelten Artickeln so ferne komen, das sie wider die hellen
Sprch der Schrifft vnd wider die einfeltige, richtige erklerung der Artickel
des Glaubens newe vnd vnerhrte verstand in die Kirche Gottes einfren,
jnen auch selbst newe Artickel des Glaubens erdencken, die weder der
Schrifft noch der alten Kirchen bekandt sind.
ly Marginalie am rechten Rand
Denn die Persnliche vereini-
(20)gung halten sie fr eine solche zusammenfgung beider Naturn, das die
Gttliche Natur alle jre Maiestet ausgiesse in die Menschliche Natur vnd sie
mit aller jrer Himlischen Gttlichen krafft, Herrligkeit, Ehre vnd wirde ziere;
sagen, das die Menschwerdung Christi nichts anders heisse, denn das der
Son Gottes in den Menschen Christum ausgiesse allen schatz vnd flle sei-
(25)ner Maiestet vnd das er mit jme alle seine gewalt, Weisheit, Gerechtigkeit,
gegenwart vnd regierung gemein habe.
Derwegen, wenn man saget, das der Son Gottes den Menschen angenomen
habe, werde eigentlich dieses angezeigt, das Gott sich also mit dem Men-
schen zusammengefget vnd vereini­get habe, das er jm alle seine Maiestet
(30)gegeben vnd nicht mit einem oder zweien oder auch vielen, sondern vnzehli-
chen, ja allen Himlischen vnd Gttlichen gaben, nichts ausgeschlossen, ziere
vnd schmcke.
lz Marginalie am rechten Rand
Denn der Son Gottes habe in den Son des Menschen ausge-
gossen seine Allmacht, Allwissenheit, Allweisheit, Allgerechtigkeit, Allge-
genwertigkeit, Allsehligkeit, vnd die Gottheit habe dem Fleisch mitgeteilt

|| [550]

alle seine eigenschafften.
ma Marginalie am linken Rand
Vnd dis sey von ewigkeit her beschlossen gewe-
sen, sey auch das grste geheimnis in der Menschwerdung, ja die differentia
specifica vnionis, das diesem Menschen alle Maiestet der Gottheit mitgeteilt
werde.
(5)Hierzu setzet D. Jacobus, das die vereinbarung eine || [117r:]
mb Marginalie am linken Rand
solche gegenwart
sey, das durch die Menschliche vnd mit der Menschlichen Natur das Wort
oder der Son Gottes alles thue. Vnd so man sage, das das Wort jme die ange-
nomene Natur eigen gemacht, sey es soviel, das das Wort jme die Menschli-
che Natur also vereiniget, das es one dieselbige nichts, sondern mit derselbi-
(10)gen vnd durch dieselbige alles thue, als die er in die Geselschafft oder
gemeinschafft (consortium) der verwaltung Himels vnd Erden angenomen
habe. Vnd gleichwie Gott der Vater nicht one das Wort, sondern durch das
Wort alles geschaffen hat,
mc Marginalie am linken Rand
item wie die Seel durch den Leib vnd mit dem
Leibe alles thut, also verwalte das Wort durch die Menschliche natur alles in
(15)Himel vnd auff Erden. Derhalben diese weise zu reden vnrecht sey, das
Christus nach dieser oder nach der andern Natur etwas thue vnd das er nach
der Gottheit jrgentwo sey, da nicht auch seine Menscheit ist. Denn gleichwie
die Seele
md Marginalie am linken Rand
alle jre eigenschafft dem Leibe auff eine solche weise mitteile, das
sie alle jre krafft (potentias) durch den Leib wircke vnd one den Leib natr-
(20)lichen nichts wircke, so lang sie im Leibe ist, also hab der Son Gottes der
angenomenen Menschlichen Natur mitgeteilet die eigenschafft der Gttli-
chen natur, das er durch sie alle Werck seiner Gttlichen Allmechtigkeit
thue. Vnd weil er jr die flle der Gottheit leibhafftig gegeben hat,
me Marginalie am linken Rand
sey er nach
beiden Naturen allenthalben gegenwertig. Vnd so one solche mitteilung die
(25)vereinigungfy geschehen sey,
mf Marginalie am linken Rand
mge er kecklich sagen, das Christus nicht
Christus sey.
Anderswo523 reden sie auch also,
mg Marginalie am linken Rand
das Gott dem angenomenen Menschen alle
seine Maiestet dergestalt mitgeteilet, das der Mensch Gott gleich worden.

|| [551]

Denn der Son des Menschen sey aller eigenschafft Gottes fehig (capax) wor-
den, vnd so solches nicht zugelassen werde, sey kein vnterscheid zwischen
Christo vnd andern || [117v:]
mh Marginalie am rechten Rand
Menschen. Sintemal sie fr vnleugbar halten, das
gleichwie Christus aus zweien Naturen, der Gttlichen vnd Menschlichen
(5)bestehe, also auch andere Menschen jrer art nach aus diesen beiden Naturen
bestehen, vnd zwar vnzertrenlicher weise. Denn in einem jedern Menschen
sein beide Naturen, die Gttliche, so alles erfllet, vnd die Menschliche, so
von der Gttlichen getragen vnd erhalten werde. Man drffe auch nicht tich-
ten noch trewmen,
mi Marginalie am rechten Rand
das nach dem wesen der Gottheit in Christo Gott anders
(10)als in allen andern Creaturen sey, vnd msse der vnterscheid allein von der
wirckung (ἐνεργείᾳ) genomen werden, denn in den Creaturen thue vnd
wircke Gott nicht alles, sondern etliches in diesen, etliches in andern. Aber
in Christum sey die ganze wirckung ausgegossen, das Gott ausser jm nichts,
sondern im Menschen vnd durch den Menschen Christum alles in allem
(15)wircke. So aber dieses ein Persnliche vereinigung machen solte, das der
Son Gottes mit dem Fleisch vereiniget sey secundum subsistentiam, mste
man sagen, das alle Creaturen persnlichen dem Son Gottes vereiniget sein,
von welches hypostasi oder subsistentz sie getragen vnd erhalten werden.
mj Marginalie am rechten Rand
So
auch der Mensch Christus nicht nach seiner Menscheit allmechtig vnd ein
(20)Hertzkndiger sey, so knne man jn nicht anruffen noch anbeten. Es gilt
aber jnen durchaus gleich, wenn sie sagen, der Mensch Christus ist allmech-
tig vnd die Menscheit Christi ist allmechtig. Halten keinen vnterscheid zwi-
schen dem Menschen Christo vnd der Menscheit Christi,
mk Marginalie am rechten Rand
heben auff die vn-
terschiedliche art vnd bedeutung der wrter concreti et abstracti, verwerffen
(25)der Alten Lere von der Communicatione Idiomatum vnd tichten jnen ein
frembde vnd in der rechtgleubigen Kirchen vnbekandte communicationem,
welche stehe in wesentlicher ausgiessung aller Gttlichen eigenschafften
|| [118r:] in die Menscheit Christi.
ml Marginalie am rechten Rand
Sagen, das Christus nach der Menscheit
darumb Gott sey vnd heisse, dieweil die Gottheit alle Werck jrer Allmechtig-
(30)keit thue durch die angenomene Menscheit vnd sey die Gottheit des Men-

|| [552]
-
schen Christi nicht die wesentliche Gottheit,
mm Marginalie am linken Rand
so der Son mit dem Vater vnd
heiligen Geist gemein hat nach seinem wesen, sondern es sey ein mitgeteilte
Gottheit, welches fast Aria­nisch lautet, dieweil dieselbige mitgeteilte Gott-
heit in Christo weit zu vnterscheiden ist von dem Gttlichen wesen des ewi-
(5)gen Vaters.
mn Marginalie am linken Rand
Also sey auch die Allmechtigkeit des Menschen Christi nicht die
Allmechtigkeit selbst, sondern eine mitgeteilte Allmechtigkeit. Leugnen wol,
das sie eine vergleichung beider Naturn in Christo machen, aber doch spre-
chen sie, sey die Menscheit Christi seiner Gottheit exequieret vnd gleichge-
macht, nicht nach dem wesen, sondern nach der gewalt, nicht nach der
(10)Natur, sondern nach der Herrligkeit,
mo Marginalie am linken Rand
nicht nach der Substantz, sondern nach
der Maiestet. Vnd nach solcher Maiestet habe die Menscheit Christi alle ding
gegenwertig vnd sey in allen dingen gleich als die Gottheit selbs, obs wol
auff ein ander weise geschehe, weil die Menscheit eine Creatur bleibe.
Streitten zum hefftigsten, das alsbald in der Menschwerdung diese Herrlig-
(15)keit dem Fleisch gegeben sey, das wo die Gottheit ist, da msse auch die
Menscheit zugleich sein,
mp Marginalie am linken Rand
vnd alles nicht weniger als die Gottheit erfllen.
Denn so der Leib Christi nicht allenthalben sey, so haben wir nur einen hal-
ben Christum auff Erden vnd werde die Person getrennet. Verderben die
allerherrlichsten Sprche der Schrifft, Johan. 1: „Das Wort ward Fleisch“536
(20)sol jnen heissen,
mq Marginalie am linken Rand
das der Son Gottes in dem Sone des Menschen also wone,
das er jn mit sich erhebe in die Gttliche Maiestet || [118v:] vnd in jn ausgiesse
alle seine eigenschafft.
mr Marginalie am linken Rand
Coloss. 2: „Jn Christo wonet die flle der Gottheit
leibhafftig“539 sol heissen eine einwonung der Gottheit, welche durch den
Son Gottes des Menschen Son werde mitgeteilet. Vnd wie D. Jacobus redet,
(25)sol die Flle nicht verstanden werden von der Gottheit des Sons Gottes sel-
ber, sondern von der mitgeteilten Gottheit, so der Mensch Christus fr sich
empfangen hat.
ms Marginalie am linken Rand
Philip. 2: „Welcher, als er in der Gttlichen gestalt war, nam
er an Knechts gestalt“541 sol nicht vnterschiedlich von der Gttlichen vnd

|| [553]

Menschlichen natur verstanden, sondern beide gestalt, forma Dei et forma
hominis, sol von der Menscheit Christi geredt sein also, das forma Dei heisse
die allerhheste Maiestet vnd Hoheit, welche der Menscheit Christi gegeben
sey, nicht erst nach der Aufferstehung vnd Himelfart, sondern alsbald im
(5)Mutterleibe. Luc. 1: „Er wird ein Son des Hhesten genennet werden“542
mt Marginalie am rechten Rand
sol
heissen, das Christus nicht allein nach der Gttlichen natur, sondern auch
nach der Menscheit Gott sey. Johan. 2: „Christus offenbart seine Herrlig-
keit“544 sol geredt sein
mu Marginalie am rechten Rand
nicht von der offenbarung der Gttlichen Natur in
Christo,545 sondern von der Maiestet vnd Men­scheit. Johan. 10: „Jch habe
(10)macht, mein Leben von mir zu legen vnd wider zu nemen“546 sol
mv Marginalie am rechten Rand
von der
Menscheit verstanden werden also, das Christus nach der Menscheit sich sel-
ber aufferweckt hat. Denn so man diese gewalt dem Fleisch Christi nicht
geben wlle, so mste man sonst mit den Jden sagen: „Er hat andern ge-
holffen vnd kan jm selber nicht helffen“.548 Ephe. 4: „Er erfFllet alles“549 sol
(15)von der Menscheit geredt sein vnd von der allgegenwertigkeit des Fleisches
Christi. Die frtreffentlichsten Sprche, so von der Gottheit reden vnd Zeug-
nis geben, das Christus ein warhafftiger Gott sey mit dem Vater vnd heili-
gem Geist, zihen sie allenthalben auff die vergttete Men- || [119r:] scheit.
Die Sprche von der erhhung Christi verstehen sie nicht von der Person im
(20)Kniglichen vnd Priesterlichen Ampt, sondern deutens allein auff die Men-
scheit, vnterscheiden nicht richtig die zeit der ernidrigung Christi vnd seiner
erhhung, item der Menschwerdung vnd verklerung,
mw Marginalie am rechten Rand
tichten jnen eine newe
Dispensation, welche sie also beschreiben, das es sey eine verbergung oder
hinderhaltung der Maiestet vnd Allmacht, so die Menscheit auch in der erni-
(25)drigung vnd im Tode gehabt also, das Christus viel gethan vnd vber sich
genomen habe nach der eusserlichen gestalt, nicht aber nach der Maiestet, so
der Menscheit mitgeteilt worden sey.
mx Marginalie am rechten Rand
Also sey die Rede der Engel zu ver-
stehen: „Er ist aufferstanden vnd ist nicht hie“,552 das es nicht nach der Maie-
stet, sondern nach der new ertichten Dispensation geredt sey. Denn er sey
(30)wol nach dem eusserlichen ansehen seiner Menschlichen Natur, als er auff-
erstanden, nicht im Grab gewesen. Gleichwol sey er mit dem Leib nach der
Maiestet seiner mitgeteilten Gottheit eben dazumal nicht allein im Grabe,
sondern auch im Himel vnd auff Erden gewesen. Denn solche Gottheit

|| [554]

Christi verstehen sie hie nicht von der ewigen Gottheit, welche der Son
Gottes mit dem Vater vnd heiligem Geist von natur vnd nach seinem wesen
gemein hat, sondern die da zur zeit der Menschwerdung von dem Son Gottes
der angenomenen Natur des Menschen Sons mitgeteilt worden ist.
(5)Vom Himel vnd der Hellen fren sie gantz vnd gar newe getichte553 ein, ma-
chen daraus nur Allegorias, wllen nicht, das die Helle ein gewisser ort sey,
nennen den Himel, so vber vnd ausser dieser sichtbaren Welt die Wonung
Gottes vnd aller Ausserwelten ist, darinnen Gott seine Maiestet ffentlich
schawen lesst, dahin Christus gefaren ist, da Stephanus jn gesehen hat, einen
(10) || [119v:] Thalmutischen vnd Alcoranischen Himel, vermengen die vnterschie-
denen Artickel von der Menschwerdung, Himelfart vnd sitzen zur Rechten
des Vaters also, das die Menscheit Christi sey schon in Mutterleib zur Rech-
ten des Vaters gesetzet vnd hab alle Gttliche Maiestet gehabt vnd habe in
der Aufferstehung vnd Himelfart nichts newes empfangen. Das aber der Leib
(15)Christi auff Erden sichtbar, vmbschrieben, begreifflich gewesen vnd Christus
mit seinem Leibe in die Hhe gefaren vnd von der Wolcken auffgenomen
worden, sey nur ein eusserlich, sichtbar Spectakel gewest, so durch ein Dis-
pensation geschehen. Jn summa brauchen [sie]fz wunderbarliche, vnerhrte,
gantz gefehrliche Reden, viel newer Glosen vnd verkerter Auslegung, so
(20)weder mit der Schrifft noch mit den Artickeln des Glaubens noch mit aller
alten vnd newen Christlichen Lerer verstand nicht vbereinstimmen. Vnd
wllen wir hie nicht alles weiter rren, wollens auch nicht zu diesem mal,
wie vieleicht die notdurfft erfordert, weitleufftig widerlegen, beklagen viel
mehr, das die gewisse Lere von der Person vnd zweien Naturen in Christo
(25)mit solchen new eingefrten, gantz gefehrlichen vnd vngegrndten Disputa-
tionibus so gar sehr verwirt gemacht vnd die alten Grewel vieler Schwermer
vnd Ketzer vernewert vnd widerumb auff die Ban bracht worden sind, wol-
ten von hertzen wndschen, das man sich besser hette vorgesehen oder noch
erkennete, das den sachen zu viel geschehen sey, vnd wider auff die rechte
(30)ban keme vnd libros retractationum schriebe, damit die Warheit erhalten vnd
in der Kirchen einigkeit angerichtet werden mge. Hoffen aber, es sollen
auch die einfeltigen aus dieser blossen vnd kurtzen erzelung vnd aus zusam-
menhaltung des warhafften vnd gegrndten Lere, so wir droben in vnserm
Bekentnis gefasset, || [120r:] leichtlich vernemen, das diese Vniuersitet hohe
(35)vnd groswichtige Vrsachen gehabt habe, sich Herrn Brentij vnd D. Jacobi
Controuersien nicht anhengig zu machen.
Vnd wiewol wir anfenglichen billich bedencken getragen, ffentliche
Schrifften dargegenga ausgehen zu lassen vnd vns in die anderswo erregten,

|| [555]

gefehrlichen vnd hochschedlichen Streitten einzumengen, damit nicht der
vnselige Zanck mehr vnd weiter einreissen vnd dieser Lande rigen vnd
wolbestelten Kirchen zugezogen werden mchte, so haben wir doch nach
erheischung vnsers ampts vnd schuldigen pflicht in vnsern Lectionibus bey
(5)der studierenden Jugent fr vnd fr die gemeine vnd gewnliche Lere (so
zuuor auch, ehe dieser Streit sich erhaben, in vnser Schul auff einerley weise
gefrt vnd im schwang gangen ist) trewlich widerholet vnd junge Leute
gewarnet, das sie in frembden vnd newen Disputationibus sich vorsehen vnd
nicht auff alles vnbedechtig zufallen wolten.
(10)Jndem wir aber mit gedult, aber doch nicht on grossen schmertzen, den heff-
tigen Schrifften zusehen, so ausserhalb dieser Lande von andern in dieser Sa-
chen ergangen, sind allgemehlich die Disputationes von solchem Streit auch
in diese Lande durch heimliche vnd ffentliche Schrifften eingefrt worden.

Wigandi Buch De Communicatione Idiomatum.


(15)Vnd hat snderlich der vnruhige Man Wigandus, ehe er es (wie er selber
bekennet) fr sich recht gelernet vnd noch keine gewisheit gehabt (Denn
also schreibt er selbst), ein besonder Buch De Communicatione || [120v:] Idio-
matum554 ausgehen lassen, die Brentiana zum teil zu beschnen, zum teil mit
newen Zusetzen zu vermehren.
my Marginalie am rechten Rand
Vnd damit er dem vngelerten, vnerfarnen
(20)hauffen (denn hierauff setzen die Flacianer alles jr spiel) ein geblerr fr die
augen mache, wil er dafr angesehen werden, das es jm zu thun sey vmb die
Lere von der gegenwart des waren Leibes vnd Blutes Christi im heiligen
Abendmal. Darff frgeben: „hac nota se insignire Sacramentarios, quod rea-
les communicationes reijciant.“ Welches, wie fein es mit Herrn Lutheri mei-
(25)nung vberein stimme, kan man hieraus klerlich vernemen.
Wigando vnd allem seinem Flacianischen anhang ist es vnmglich zu erwei-
sen, das Lutherus jemals wider der alten Rechtgleubigen Kirchen lere habe
wllen das newe geticht de reali oder physica communicatione einfren
mz Marginalie am rechten Rand
oder
das er darauff als auff einen grund die Lere des Sacraments bawen wllen.
(30)Sind auch vor den erregten Brentianischen streiten weder vom Herrn Luthero
noch jemand anders in vnsern Kirchen diese wort, verbalis et realis Commu-
nicatio Idiomatum, gebraucht worden oder genant vnd bekant gewesen. Viel
weniger hat Wigandus ein einiges zeugnis aus aller alten Lerer Schrifften,
damit er die physicam oder realem communicationem erhalten mge, one
(35)das er mutwillige Sophisterey sucht, darinnen er fr einen Meister gehalten
sein wil.

|| [556]

Sol nu der ein Sacramentirer sein, welcher die gantze newertichte commu-
nicationem physicam vnd realem nicht billichen wil, so mus Wigando auch
Herr Lutherus ein Sacramentirer vnd alle alte Lerer der Kirchen Sacramenti-
risch gewesen sein. Denn die Communicatio Idiomatum, welche den alten
(5)Lerern vnd Herrn Luthero bekandt gewesen, hat diese art, das sie ist τρόπος
ἀντιδόσεως et iuxta phrasin scripturae mutua com- || [121r:] municatio, das ist,
das der Person Christi beider Naturn eigenschafft werden in heiliger Schrifft
ausdrcklich zugelegt also, das dem Menschen Christo die Gttlichen vnd
herwiderumb dem Son Gottes die Menschlichen eigenschafften zugeschrie-
(10)ben werden. Vnd solches geschicht in concreto mit einem solchen namen,
dadurch die gantze Person bedeutet wird.
So man auch solche Reden erkleren sol,
na Marginalie am linken Rand
leren die Alten, das man dazu parti-
culam distinctiuam brauchen msse, daraus verstanden werde, nach welcher
Natur eine jede eigenschafft, so der gantzen Person in heiliger Schrifft aus-
(15)drcklich zugelegt wird, von Christo geredt sey. Denn was der Person recht
in solchen reden Gttliches Worts zugeschrieben wird, mus darumb nicht
beiden Naturn zugleich, einer sowol als der andern, in vnd fr sich selbst
eigen sein oder werden. Darumb auch die Reden in abstracto, das ist, da man
der einen Natur eigenschafft der ander fr sich vnd als die jrige geben wil,
(20)nicht geduldet noch verstatet werden.
Solche der Alten Lere hat beides wider
nb Marginalie am linken Rand
Nestorij vnd Eutychis ketzerey, das
ist wider die trennung der einigen Person Christi vnd wider die vermischung
oder vermengung der vnterschiedenen Naturn in Christo, jren rechten, nti-
gen, Christlichen nutz vnd brauch gehabt.
(25)Es ist auch von der rechtgleubigen Kirchen
nc Marginalie am linken Rand
diese Lere von denen Reden
gebraucht vnd darauff allein referirt vnd gezogen worden, die da von den
eigenschafften der Naturn in Christo reden. Was aber das Ampt Christi, sein
Reich vnd Priesterthum belangt, haben die alten Lerer nicht auff die Com-
municationem Idiomatum gezogen, sintemal nicht einer Natur eigen ist, was
(30)zur beschreibung des Ampts Christi gehret, weil eben dar- || [121v:] umb, auff
das Christus vnser Erlser, Hoherpriester, Knig vnd Heubt seiner Kirchen
sein mchte, der heimliche Ratbeschlus Gottes von der persnlichen vereini-
gung beider Naturn in dem Mittler Christo geschehen ist.
Es haben auch die Alten in der Lere
nd Marginalie am linken Rand
von der Communicatione Idiomatum
(35)vnterschieden die wesentlichen eigenschafften einer jeden Natur in Christo,
die da vnuerrckt sampt dem wesen vnd substantz der Naturn selbst, in
ewigkeit vnzertrenlich vnd vnzerstrlich erhalten werden, von den gaben,
hoheiten, frzug, ehre vnd herrligkeit, so der Menschlichen Natur Christi
auch fr vnd in sich selbst nach der verklerunge fr allen andern Creaturen,
(40)Engeln vnd Menschen gegeben vnd widerfaren sein.
Diesen allen zu entgegen verteidiget Wigandus die Newertichte physicam
oder realem communicationem,
ne Marginalie am linken Rand
in welcher seinem frgeben nach allein die
Menschliche Natur von der Gttlichen in vnd fr sich wesentlich empfahen

|| [557]

sol, was der Gttlichen Natur eigenschafften sein, so doch die Gttliche hin-
widerumb nichts empfange von der Menschlichen. Daraus erfolget,
nf Marginalie am rechten Rand
das man
in den reden, die von dem Herrn Christo in der Schrifft gelesen werden, kei-
ner particulae distinctiuae bedrffe. Vnd das auch in abstracto
ng Marginalie am rechten Rand
der Gttlichen
(5)Natur eigenschafft knne der Menschlichen Natur zugeeignet werden,
welchs nicht allein Nestorium vnd Eutychen zu widerlegen gantz vnd gar
nicht kan gebrauchet werden,
nh Marginalie am rechten Rand
sondern erhelt vnd stercket viel mehr beider
Ketzer verdampte Jrrthum. Darber wird in der ertichten physica vnd reali
communicatione kein vnterscheid gewiesen noch gehalten zwischen den
(10)Reden, so von den eigenschafften der Naturn sampt jren wirckungen vnd von
dem Ampt Christi leren, wird auch ver- || [122r:] dunckelt vnd vermenget,
ni Marginalie am rechten Rand
was
die Schrifft recht vnd klar saget von mitteilung der gaben vnd herrligkeit, so
der Menschlichen Natur in Christo, zum teil von wegen der persnlichen
vereinigung, zum teil nach der aufferstehung, verklerung vnd Himelfart war-
(15)hafftig in vnd fr sich selbst gegeben vnd geschenckt ist vnd was dargegen
die Schrifft sagt von mitteilung vnd vereinigung der eigenschafften in der
Person Christi, welche nicht ein wesentliche ausgiessung Gttlicher eigen-
schafften oder vergttung der Menscheit Christi, sondern ein form vnd weise
in heiliger Schrifft zu reden ist, daraus verstanden wird, das die zwo Naturn
(20)in Christo eine einige Person sey. Derwegen gewis vnd vnwandelbar ist, das
Wigandus gantz eine andere Communicationem Idiomatum tichtet vnd fret,
als sie jemals Herrn Luthero vnd allen alten Lerern der rechtgleubigen
nj Marginalie am rechten Rand
Kir-
chen in sinn vnd gedancken komen ist. Noch darff der stoltze freche Geist
oder, damit ergb den namen behalte, mit dem er nicht andere, sondern sich
(25)selbst in seinem Buch beschreibet, temerarius Phaethon557 frgeben, wer jm
nicht beyfall gebe in seiner ertichten reali communicatione, der msse Sacra-
mentirisch sein.Wie, wenn Herr Lutherus, so er leben solte, Wigandum vnd allen seinen an-
hang nicht allein fr einen vermessenen, knen, vnuerschempten Weigan-
(30)den558 vnd Abentheurer,
nk Marginalie am rechten Rand
der die alten vnd verlangst verdampten Ketzereien
wider erwecke, sondern auch fr den ergesten Sacramentirer vnd Sacrament-
schwermer beschldigen vnd erweisen wrde? Denn wohin gehen die dispu-
tationes de reali oder physica communicationes, denn das man das Volck
abfre von den worten der einsetzung Christi vnd die Sacramentliche gegen-
(35)wart des waren || [122v:] Leibs Christi im Abendmal auff die Omnipraesenti-
am grnde, welche die Menschliche Natur sampt der Gottheit in vnd fr sich

|| [558]

selbst wesentlich haben vnd besitzen sol? Hat denn Herr Lutherus vergeblich
vnd vmbsonst so ernstlich vnd hefftig gestritten von den worten der Stifftung
des heiligen Abendmals? Heisst das nicht redlich vom Sacrament geschwer-
met vnd von dem einigen vnd bestendigen grund, den Christus selbst
(5)geleget, auff was vnbestendiges sich begeben?
Ja, spricht Wigandus,
nl Marginalie am linken Rand
ich lasse die wort Christi auch bleiben. Aber wie es
knne mglich sein, das Christus seinen Leib im Abendmal austeile, das
mus wider die Sacramentirer aus der reali communicatione erwiesen werden.
Was ist dis abermals anders, denn das Sacrament des Leibs vnd Bluts Christi
(10)schmehen vnd lestern? Denn ist es ein Sacrament vnd geheimnis, was vnter-
stehet sich Wigandus, den modum praesentiae mit seiner vernunfft, sonder-
lich ausserhalb Gttlicher einsetzung vnd stifftung solchs Sacraments zu er-
forschen? Oder mus der Herr Christus, nach Wigandi vnd anderer newertich-
ten speculationibus, eben den vnd kein andern modum brauchen vnd auff
(15)diese vnd keine andere weise im Abendtmal gegenwertig sein als wie
Wigandus vnd sein hauffe jm frschreibet? Warumb befihlt er den modum
vnd possibilitatem nicht mit Luthero vnd andern dieser Kirchen Lerern veri-
tati et omnipotentiae Christi vnd gleubet in einfalt, das alles, was Christus
mit seinen worten verheissetgc vnd zusaget, gd gewis vnd warhafftigd geschehe
(20)vnd bey Gott kein wort vnmglich sey, der da viel ding thun vnd ordnen
knne, das der vernunfft zu begreiffen vnd zu ergrnden in diesem leben vn-
mglich ist? Also warnet Lutherus in seinem Bchlin ad Valdenses Tom.
Ien. 2, Fol. 211:559 „Da hte dich nu fr, las vernunfft vnd witze faren, die
sich bekmmert || [123r:] vergeblich, wie Fleisch vnd Blut da sein mge, vnd
(25)weil sie es nicht begreifft, wil sie nicht gleuben. Fasse das wort, da Christus
spricht: Nemet hin, das ist mein leib.“560 Vnd sagt ferner im selbigen Bch-
lin: „Sacrament ist glaubens geschefft, da eitel Gottes werck innen sollen
gehen vnd geschehen durch sein Wort“,561 item: „Je einfeltiger du an den
worten bleibest, je besser dirs were.“562
(30)Was kan auch fr ein grssere
nm Marginalie am linken Rand
vnd lesterliche Sacramentschwermerey sein,
denn die Artickel des Christlichen Glaubens vngewis vnd zweiuelhafftig ma-
chen? Denn je die heiligen Sacramenta Sigill vnd bestetigung des Glaubens

|| [559]

sein sollen. Vnd was in den Artickeln des Glaubens von allen wercken vnd
wolthaten Christi gegleubet wird, das sollen die Sacramenta als angehengte
Gttliche Sigilla versichern vnd den glauben im hertzen teglich ernewern
vnd bekrefftigen. Wenn aber die Artickel des glaubens verwirret oder auff-
(5)gehaben vnd zunicht gemacht, was lesset man von den Sacramenten vbrig
denn allein die Hlsen one den rechten Kern? Nu machet die new eingefrte
physica communicatio alle Artickel des glaubens von Christo verwirret vnd
vnrichtig vnd bringt schreckliche verfelschunge darein, wie am ende dieser
Schrifft weiter ausgefret werden sol. Derwegen wird Wigandus der grsten
(10)Sacramentschender einer sein mit allen denen, so jm mit seyner physica
communicatione beypflichten.
Vnd was darff es viel wort?
nn Marginalie am rechten Rand
Jn der einsetzung vnd stifftung dieses Sacra-
ments redet Christus von einem solchen Leibe, der ein warer vnd wesentli-
cher Leib vnd warhafftig fr vns gegeben ist. Herr Lutherus vnd dieser Lan-
(15)de Kirchen sagen, dis Sacrament sey der ware Leib vnd das ware Blut
Christi. Daraus folget, das Christus einen waren wesentlichen Leib habe, so
er jn vns im Abendmal mitteilet. Denn wie kondtege das || [123v:] Sacrament
der ware Leib Christi sein, wo Christus nicht einen waren Leib hette?
Wigandus aber mit seiner physica communicatione gibt dem Leibe oder der
(20)Menscheit des Herrn Christi die wesentlichen Gttlichen eigenschafften vnd
benimet also jm die warheit des Menschlichen Leibes. Darumb verfelschet
er, soviel an jm ist, dem Herrn Christo sein Testament bslich vnd mutwillig
vnd stsst gar miteinander vmb Lutheri vnd dieser Lande Kirchen lere von
der gegenwart des waren Leibs Christi im Abendmal.
(25)Kan aber Wigandus den Herrn Lutherum nicht leiden,
no Marginalie am rechten Rand
das er sich von jm
beschldigen lasse, wie dieses sein vnd aller Flacianer art ist, das wo jnen
Herr Lutherus dienet, so knnen sie seine authoritet, die wir billich alle gros
vnd hoch achten, mit grossem geschrey anzihen, wo er aber wider sie ist,
mus er bey jnen entweder gar nichts gelten oder mus sich mit jrer Sophiste-
(30)rey vnd Glslin drehen vnd verkeren lassen jres eigenen gefallens?
np Marginalie am rechten Rand
So wlle Wigandus die Papisten fragen, ob sie fr Sacramentirer wllen gehalten sein
vnd ob er jnen zumessen knne, das sie die leibliche vnd wesentliche gegen-
wart des waren Leibs Christi verleugnen. Er besehe auch jre Bcher vnd
Schrifften, ob sie nicht mit grossem eiuer vnd ernst der physicae vnd reali
(35)Communicationi Idiomatum widersprechen, lese, was fr wenig Jaren auch
die Jesuiter darwider geschrieben vnd disputieret haben.563 Wie kan er denn

|| [560]

aus seiner ertichten Communicatione Idiomatum vns mit bestendigem grund
fr Sacramentirer schelten, die jm vnd seinem anhang darinnen wider-
sprechen?
Was meinet aber wol Wigandus,
nq Marginalie am linken Rand
das er vnd die seinigen fr herrliche Trium-
(5)phos vnd frewdenspiel den Papisten machet, das er wider so viel Protestation
des Herrn Lutheri vnd der Euangelischen Kirchen, die man || [124r:] in allen
Reichstagen vnd Colloquijs widerholet, das man nemlich in articulo Trinita-
tis vnd de distinctione naturarum in Christo mit der Rmischen Kirchen, als
die solches von den Aposteln vnd der vralten Kirchen gf empfange vnd erhal-
(10)ten,f einig sey vnd mit derselben alle alte vnd newe jrrthum, so wider die
orthodoxa decreta vnd Symbola streiten, verwerffe, nu erst auff Schwerme-
rische newerung sich begibet vnd gleichsam aus der Hellen die alt verdamp-
ten Ketzereien widerumb herfr bringen vnd mutwillig beschnen vnd ver-
teidingen hilfft?
(15)Was wil die Flacianische Rotte, wenn es widerumb zu den Colloquijs mit
den Widersachern komen solte, fr antwort geben, wenn sie aus jren eigenen
Disputationibus vnd Bchern vberweiset wird, das sie den hohen Artickel,
daruon man stets zuuor protestirt hat, das man darinnen mit der gantzen
orthodoxa antiquitate eins sey, von newem mutwillig verderbet vnd die aller-
(20)hchste vnd notwendigste Lere von der erkentnis der Person Christi fallen
lasse vnd die alten schwarme vnd jrthumb wider eingefrt habe?
Ob aber wol Wigandus in seinem Buch diese fFr strefflich helt,
nr Marginalie am linken Rand
so nicht auff
die eigentliche art zu reden von der Communicatione Idiomatum gut vnd
fleissig achtung geben vnd entweder aus faulkeit oder vnwissenheit oder
(25)mutwillen die wort vnd Reden anders als sich gebret gebrauchen, jedoch
befindet sichs im werck, das er seine einige ignauiam, ruditatem, maliciam
durchs gantze Buch erweiset. Nachlessigkeit vnd faulkeit ist es, das dieser
Tichter nicht ein mal recht betrachtet, was der vralten, rechtgleubigen Kir-
chen Lere hieuon gewesen. Vnwissenheit ist es, das er den eigentlichen ver-
(30)stand der herrlichen schnsten Sprche der Schrifft, die er gg mit hareng auff
seine jrrige meinung zeuhet, keinesweges nicht erreicht. Bosheit vnd mut-
|| [124v:] willen aber ist es, das er die wolgefaste Lere vnserer Kirchen wie in
andern Artickeln also auch in diesem schendlich zerwlet vnd newe trewme
vnd schwarm jm tichtet, die er dennoch fr lauter oracula wil gehalten
(35)haben. Alles knnen wir hie nicht erzelen, ist auch auff dis mal nicht vnser
frnemen. Aber warnungsweise mssen wir dismals nur etliche Exempla
grober, vngegrndter Reden anzeigen.

|| [561]

Die gewnliche Definition Communicationis Idiomatum,
ns Marginalie am rechten Rand
so nicht vom Herrn
Luthero vnd Philippo erst new eingefret, sondern allzeit in der alten Kir-
chen breuchlich gewesen, mus jm zu enge gespant sein. Denn es sol nicht
heissen: „Communicatio Idiomatum est praedicatio, qua proprietas vnius
(5)naturae tribuitur personae in concreto propter vnionem hypostaticam.“565
Solchs, spricht Wigandus, ist allein von der verbali communicatione geredt.
Darumb macht er jm eine nagelnewe vnd vnbekandte Definition:
nt Marginalie am rechten Rand
„ Commu-
nicatio Idiomatum est communicatio, qua duae naturae in Christi persona
vnitae, suas proprietates mutuo communicant, tum reipsa, tum etiam iuxta
(10)phrasin sanctae scripturae,
nu Marginalie am rechten Rand
facta propter generis humani salutem.“566 Diese
beschreibung hat keinen grundt vnd ist ein vrsprung aller jrrthum, die er
durchs gantze Buch hieraus spinnet. Denn bald setzt er darauff die Diuision
oder teilung, die jm vnmglich ist zu beweisen, aus einem einigen bewerten
Lerer der alten Kirchen: „Alia communicatio“ (spricht er) „est realis, alia
(15)phraseos, seu secundum dici. Realis est, qua naturae duae in persona Christi
vnitae realiter in proprietatibus inter se communicant pro Dei voluntate et
potentia propter salutem et dignitatem generis humani. Communicatio Idio-
matum phraseos est praedicatio, qua proprietas vni naturae conueniens, tri-
buitur alteri quoque in persona seu in concreto ex forma quadam loquen-
(20)di.“567 || [125r:] Wenn man hie fraget Wigandum, wer jemals fr jm vnd den
seinigen also geredt vnd gelert habe in der Kirchen, was wird er anders
sagen, denn das der Psalm klaget: „Jr Zunge spricht stoltz offenbar, hui trotz,
wer wils vns wehren? Wir haben recht vnd macht allein, was wir setzen, das
gilt gemein, wer ist, der vns solt meistern?“568
(25)Es ist aber der vrsprung dieser jrrigen
nv Marginalie am rechten Rand
vnd new ertichten abteilung eben dis,
das Wigandus vnd sein Hauffe nicht vnterscheiden zwischen der Vnione
hypostatica vnd Communicatione Idiomatum. Denn daran sset sich der
stoltze Man, das er vnd sein hauffe meinet, das die persnliche vereinbarung
sey zugleich eine ausgiessung oder wesentliche mitteilung der eigenschaff-
(30)ten, helts dafr, das die zwo Naturn in Christo also vereiniget sind, das die
angenomene Menscheit von der Gottheit in vnd fr sich empfangen habe
entweder alle oder etliche eigenschafften der Gottheit, gleich als kndten sie
gesondert oder getrennet werden. Derwegen, wie er meinet, das die Persn-

|| [562]
-
liche vereinigung das mitbringe, das die eigenschafften ausgegossengh oder
wesentlich mitgeteilt werden, also tichtet er, das hierumb auch msse ein
realis Communicatio Idiomatum sein. Vnd ob er wol in der generali vnd
speciali definitione communicationis saget, das die Naturn beide jre eigen-
(5)schafftengi einander mitteilen, vnd dis nicht allein nach gewnlicher art vnd
weise zu reden, sondern auch realiter, wesentlich, so machet er doch selbst in
folgendem Bchlin diesen widerwertigen vnterscheid, das solches nur von
etlichen eigenschafften der Gttlichen Natur zu verstehen sein sol (welches
denn wider Brentium, der sie alle haben wil), der Menschlichen Natur eigen-
(10)schafft aber vnd viel der Gttlichen Natur eigenschafften, welche nicht kn-
nen von den andern abgerissen werden, kan er fein || [125v:] vertuschen vnd
daraus allein ein verbalem communicationem machen.
Nu ist es aber weit ein anders:
nw Marginalie am linken Rand
vnio hypostatica et Communicatio Idiomatum.
Denn die persnliche vereinbarung der Naturn ist das hohe vnd vnaussprech-
(15)liche werck Gottes, das das ewige Wort, der Son Gottes, jm allein vereinba-
ret vnd vnzertrenlichen annimet die Menschliche Natur aus der Jungfrawen
Maria also, das diese beide Naturn hinfurt eine Person sein, vnd das gleich-
wol das wesen vnd eigenschafft vnd wirckungen beider Naturn vnuermischet
vnd vnzerstrlich oder, wie die alten Lerer in der Griechischen Kirchen gar
(20)rund vnd deutlich hieuon geredt haben, ἀσυγχύτως καὶ ἀτρέπτως,570 das ist
one vermischung vnd verwandelung, vnterschieden sein vnd bleiben. Darge-
gen aber ist Communicatio Idiomatum, die vmbwechselung der eigenschaff-
ten, eine weise vnd form zu reden, damit Gott der Herr selbst, in der Schrifft,
vnd die Kirche dieses, was durch die Menschwerdung des Sons Gottes ge-
(25)schehen ist, also ausspricht, das von wegen der einigkeit der person Christi
einer Naturn eigenschafft dem gantzen Christo in concreto mit einem sol-
chen Namen, damit die person angezeiget wird, zugeschrieben, nicht aber in
abstracto einer Naturn eigenschafft der andern gegeben wird, damit der vn-
terscheid der Naturn erkandt vnd erhalten werden mge.
(30)Vnd ist die Regel der Alten allezeit zu mercken:
nx Marginalie am linken Rand
„Ex naturarum vnione, ipsa
quoque Idiomatum Communicatio aestimanda est“.571 Gleichwie die Naturn
vereiniget sind in dem einigen Christo, also werden auch die eigenschafften
vereiniget oder vmbgewechselt in der einigen Person Christi. Vnd wie nicht
die Menscheit ist die Gottheit worden, also kan man nicht sagen: die Men-
(35)scheit ist allmechtig, vnendlich, ewig. Denn das were || [126r:] im grunde
nichts anders als: die Menscheit ist die allmechtige, vnendliche, ewige Gott-
heit. Wie auch in vereinigung der Naturn nicht eine vermischung der Gttli-
chen vnd Menschlichen Natur worden ist, also mssen auch im reden einer

|| [563]

jeden Natur eigenschafft vnterscheiden werden, obwol der gantzen Person
secundum aliud et aliud, wie Cyrillus572 vnd andere dauon reden, alle eigen-
schafften beider Naturn zugleich gehren.
Es folget aber hieraus keinesweges, das Christo nur der blosse Namen oder
(5)Titel gegeben werde, denn man Gottlob wol weis: „Qualis est res, talis tribu-
itur ei veritas.“573 Vnd sind nicht ertichte oder leere Titel vnd Reden,
ny Marginalie am rechten Rand
die
man von Christo, Gott vnd Menschen, gebrauchet. Denn gleichwie die beide
Naturn in Christo warhafftig vereinigt, also sind auch die Reden gewis vnd
warhafftig von dem einigen Christo, darinnen der einen oder der andern
(10)Natur eigenschafft der gantzen Person werden zugeschrieben. Sogj nu das
wort Realis in diesem verstand gebraucht wrde, das es hiesse soviel als eine
warhafftige rede, item so es auff die Person referirt vnd gezogen wrde,
were kein streit hie von, man wolte denn falsas praedicationes daraus ma-
chen, dafr Gott alle frome
nz Marginalie am rechten Rand
Hertzen behte.
(15)Wigandus aber vnd sein Hauffe meinen mit der reali communicatione eine
physicam transfusionem seu collationem, eine wesentliche ausgiessung vnd
mitteilung der Gttlichen eigenschafften also, das die Menscheit in vnd fr
sich empfahe vnd besitze aus gnaden, was die Gottheit Christi von jrer Natur
vnd ewigen geburt her hat. Νu mchte es aber billich jemand wundern, das
(20)diese Scribenten nicht einmal dencken,
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was Proprietas oder Idioma oder ein
eigenschafft heisset. Wenn es || [126v:] jren ehren nicht zu nahe were, das sie
von den alten Lerern sich vnterweisen lassen wolten, mchten wir jnen gerne
gnnen, das sie Damascenum hreten, welcher spricht lib. 1 cap. 8: ἢ γὰρ
ἰδιότης ἀκίνητος, ἢ πῶς μένει ἰδιότης κινομένη καὶ μεταπίπτουσα;574 Was
(25)eigen sein sol, das kan je nicht mit einem andern gemein sein. Weil denn die
Gttliche Natur jre vnendliche eigenschafft hat, darmit sie von der erschaffe-
nen Menschlichen Natur, auch in einigkeit der Person Christi, vnzertrenli-
chen vnd vnzerstrlichen vnterschieden bleibet. Wie knnen denn solche
eigenschafften mit der Menscheit gemein werden?
(30)Aber wir wollen Wigandum in sein eigen Bchlin weisen.
ob Marginalie am rechten Rand
„Proprietas natu-
rae siue essentialis est id, quod ipsam naturam constituit et sine quo natura,
cuius est proprietas, constare non potest.“575 „Das heisst ein eigenschafft,“
spricht er, „welches zum wesen einer Natur gehret vnd one welches diesel-
bige Natur nicht sein noch bestehen kan.“ Jst dis war,
oc Marginalie am rechten Rand
daran Wigandus recht
(35)redet, wo bleibet denn seine Physica vnd realis communicatio? Denn wie

|| [564]

Gttlicher Natur eigenschafft ist, das sie ist infinita, vnermeslich vnd vnend-
lich, also ist der Menschlichen Natur eigenschafft, das sie ist finita, vmb-
schrieben vnd endlich. So nu die Menscheit in vnd fr sich empfehet die
Gttliche eigenschafft, wie kan sie eine Menschliche Natur bleiben? Weil
(5)zumal alle Gttliche eigenschafft das wesen Gottes selbst sein, derwegen sie
einer Creaturn ebensowenig knnen gegeben werden, als wenig das Gttli-
che wesen einer Creaturn in vnd fr sich mitgeteilet wird.
Wie kmpt aber Wigandus darauff,
od Marginalie am linken Rand
das er jm selbst widerwertige Regeln er-
tichten darff, seine obgemelte nichtige teilung der zweierley communication
(10)darmit zu erhalten? Denn diese beide sind stracks wider einander, „Manent
cuilibet naturae etiam post vnionem personalem || [127r:] suae essentiales pro-
prietates.“577 „Ein jede natur behelt auch nach der persnlichen vereinbarung
jre wesentliche eigenschafften.“ Dis ist recht gesagt vnd in den Heubtconci-
lijs von der alten Kirchen wider Eutychen erstritten.578
oe Marginalie am linken Rand
Bald aber spricht
(15)Wigandus, „Proprietates tamen harum duarum naturarum vnitarum in Chris-
to inter se communicarunt et communicant iuxta ipsius Dei voluntatem.“579
„Die eigenschafften der beiden Naturn, so in Christo vereiniget sind, werden
einander gemein, das ist, die eine Natur teilet sie der andern mit also, das
was die eine hat, dasselbige auch die andere in sich empfehet, vnd solches
(20)geschihet nach dem willen Gottes.“ Woher wil aber Wigandus solchen wil-
len Gottes beweisen? Wil er Gott jm selbst zuwider machen, der die Warheit
ist vnd anders nicht wil, denn was er warhafftig in seinem Wort hat offenba-
ret? Hie halte Wigandus inne vnd bringe zeugnis der Schrifft, thue aber
solchs nicht nach seinem verkerten verstand, sondern nach dem eigentlichen
(25)inhalt Gottes Worts.
Das der Menscheit Christi viel frtreffentliche Gaben, hoheit, ehre vnd herr-
ligkeit, weit mehr vnd hher als allen andern Creaturn sonderlich nach der
verklerung gegeben sind vnd sie vber alle Creaturn gesetzt sey, wissen alle
Christen wol. Aber Wigandus sol als ein Methodicus in seinen Compendijs
(30)oder Dispendijs beweisen, das Gttliche Gaben vnd Gottliche eigenschafften
eines sein. Denn die hohen, vnaussprechlichen Gaben, so die Menschliche
Natur in Christo empfangen hat, lassen sie gleichwol eine Creatur vnd vnter
Gott sein vnd bleiben. Aber die vnendlichen eigenschafften Gottes gebren
keiner Creaturn. Darumb mus Wigandus entweder mit Schwenckfeld ver-
(34)leugnen, das die Menschliche Natur Christi keine Creatur sey, oder mus die
Gaben vnd eigenschafften voneinander vnterscheiden.
|| [127v:] Denn so die Menschliche Natur Christi, nach Wigandi falscher mei-
nung, die
of Marginalie am linken Rand
Gttlichen eigenschafften empfangen hat, so kan diese seine eige-
ne Regel, die er setzet, nicht bestehen: „Non est facta exaequatio naturarum

|| [565]

in proprietatibus.“580 „Die Naturn sind in den eigenschafften einander nicht
gleich“. Recht ist dis geredt vnd wider Schwenckfelden vnd alle seine Nach-
folger ntig zu mercken. Aber die Gttlichen eigenschafften, weil sie in Gott
etwas vnendlichs vnd wesentlichs sein, „non recipiunt plus et minus“, das
(5)ist: „sie knnen nicht geringert noch vermehret werden.“ So nu in die Men-
scheit wesentlich ausgegossen sind die Gttlichen eigenschafften, so mus ja
die Menschliche Natur der Gttlichen gleich worden sein. Vnd wird Wigan-
dum
von der Schwenckfeldischen exaequation nicht entledigen knnen, das
er spricht: „Diuina natura communicat, humana accipit communicata, diuina
(10)natura habet ex se et ex se agit, humana natura ex dono habet et diuina natura
per et cum humana agit.“581 Denn von sich haben oder von einem andern
empfahen macht keine vngleicheit, so das, was empfangen wird, eben dis
vnd kein anders ist, als das ein anders von sich hat, „respectu principij
differre possunt, sed non respectu rei ipsius, quae formaliter est vtrobique
(15)vna et eadem.“582
Solte aber dieses Wigandum helffen, das keine gleicheit sein mge, wo die
eine Natur gibt, die ander empfehet, welchs auch Schwenckfeld nie geleug-
net, so wird er nicht weit vom Arianismo lauffen. Denn ja auch der Son Got-
tes vom Vater vnd der heilige Geist vom Vater vnd Sone alle eigenschafften
(20)Gttliches wesens empfehet. So mus nu Wigandus entweder die Personen
der Gottheit einander (wie die Ariani) vngleich machen oder, so das empfa-
hen nicht ein vngleicheit machet, mus er nachgeben, das auch die Menscheit
Christi der Gttlichen Natur, welcher eigenschafft sie empfangen, || [128r:]
gantz gleich worden vnd er ein guter grober Schwenckfeldianer sey. Anders-
(25)wo sagt er,
og Marginalie am rechten Rand
das solche realis communicatio oder wesentliche mitteilung
gleichwol geschehe also, das beide Naturen jr wesen volkomen vnd vnuerlo-
ren behalten. Dis schreiet vnd schreibet auch Schwenckfeldt. Aber die Regel
Theodoreti vnd aller alten Lerer dringt darwider: „Deletio proprietatum est
naturarum negatio.“584 Wo die vnterschiednen eigenschafften auffgehaben
(30)werden, wird alsbald das wesen der Naturn verleugnet.
Viel andere widerwertige Reden, derer das gantz Bchlin Wigandi voll ist,
vbergehen wir zu diesem mal. Vnd ob vns nicht vnbekandt ist, was fr ein
Sophistisch Ingenium in Wigando ist, damit er seines Praeceptoris Flacij art
nachfolget vnd „candida de nigris et de candentibus atra“,585 weis vnd
(35)schwartz ineinander mengen kan, so lassen wirs jn doch verantworten, wie er
zusamenbringen vnd reimen wlle, das er an etlichen orten gestehet vnd als

|| [566]

ein principium setzet, proprietates essentiales non communicari, das die
wesentlichen eigenschafften nicht werden mitgetelt,
oh Marginalie am linken Rand
vnd das gleichwol er die
Regel setzet „Quae originaliter diuina natura habet, ea habet humana natura
per communicationem.“586 „Was die Gttliche Natur von sich vrsprnglich-
(5)en hat, das hat die Menschliche natur durch die mitteilung.“ Er redet aber in
dieser Regel von der reali communicatione oder wesentlicher mitteilung der
eigenschafften. Nu kan er ja nicht leugnen, was die Gttliche Natur von
ewigkeit von sich hat, das sey nicht ein zufelliges ding, aliquid accidentale,
sondern es sey alles in Gott wesentlich. Jst aber diesem also, das alle eigen-
(10)schafften Gottes wesentlich sein, wie wil Wigandi zusamengeflickte vnd
vngereimte Communicatio bestehen?
|| [128v:]
oi Marginalie am linken Rand
Vieleicht wird er seinen bawfelligen Reden aus seinem promptuario
distinctionum helffen vnd eine sttzen vntersetzen. „Denn etliche eigen-
schafften“, spricht er, „sind communicabiles, etliche sind incommunicabiles.
(15)Die eigenschafften, so sich nicht lassen mitteilen, sind die zum wesen der
Naturn gehren,
oj Marginalie am linken Rand
aber die eigenschafften, so realiter, wesentlich mitgeteilet
werden, sind persona, maiestas, actiones.“ Wie das dogma oder die Lere
Wigandi vngehewer ist, also ist auch die art zu reden monstrosa vnd in der
Kirchen Gottes vnerhret. Denn wer hat jemals also geredt, das die Gttliche
(20)Natur der Menschlichen mitteile wesentlich die Person, daraus ein Einfelti-
ger anders nicht verstehen kan, denn das in Christo zwo Personen sein ms-
sen. Denn die person des Sons Gottes ist von ewigkeit eine Person gewesen.
Hat aber der Son Gottes auch der Menschlichen Natur, so in Mariae Leib
geschaffen, die Person wesentlich mitgeteilet, so mus auch dieselbe fr sich
(25)eine Person worden sein. Vnd wird also nicht eine, sondern zwo Personen in
Christo sein, gleichwie zwo Naturn in jm sein, welches Nestorius jm gerne
nachgeben vnd, so er es jm hette erweisen knnen, sehr wrde dafr ge-
danckt haben.
Wil aber Wigandus, wie er sich dennoch gern erkleren wolte, die einige Per-
(30)son Christi nicht trennen, warumb redet er nicht mit der Kirchen, das der Son
Gottes an sich genomen habe die Menscheit also, das Gott vnd Mensch eine
Person sein? Was gehrt aber dis ad realem Communicationem Idiomatum?
Sintemal die annemung der Menschlichen Natur in einigkeit der Person nicht
eine mitteilung der eigenschafft, sondern die vnio personalis oder persnli-
(35)che vereinigung selber ist? Wie fein kan aber Wigandus beschreiben, was
eine Person sey. „Persona“, sagt er,
ok Marginalie am linken Rand
„est quiddam singulare, vere || [129r:] sub-
sistens, non figmentum quoddam.“588 Wollen jtzund nicht sagen, das ein jede
vnuernnfftige Creatur, ein Saw, Esel, Klotz, Stein etc., nach dieser des
Wigandi newer beschreibung auch eine person sein vnd genennet werden

|| [567]

knne, welchs bisher vnerhrt. Wie wil aber Wigandus nach gemelter Defi-
nition vnterscheiden essentiam oder Natur oder wesen von einer Person?
Denn ist ein person nicht mehr, denn das ein einiges ding vnd etwas wesent-
lich vnd kein geticht ist, warumb solte man nicht ebensowol sagen knnen,
(5)das drey Gttliche wesen sein, gleichwie man sagt, das drey Gttliche per-
sonen sind, weil ja auch das wesen ist „aliquid singulare subsistens, non fig-
mentum“. Vnd warumb solte man nicht sagen knnen, das zwo Personen in
Christo sein, sintemal die Gttliche natur ja on das von ewigkeit eine Person
ist vnd die Menschliche angenomene Natur auch aliquid singulare vnd sub-
(10)sistens ist? Was wolten wir aber hiermit entlich fr eine Theologiam
machen? Derwegen Wigandus, weil er es nicht besser machen kan, billich
bey der guten vnd gewnlichen Definition bleiben solte: „Persona est subsis-
tens viuum indiuiduum, intelli­gens, incommunicabile, non sustentatum ab
alio“,589 so wurde er essentiam et personam nicht so monstrose ineinander
(15)werffen.
ol Marginalie am rechten Rand

Hette auch Wigandus die Regel entweder verstanden oder verstehen wollen,
die in vnsern Schulen auch die Knaben wissen: „Discernendae sunt appella-
tiones, quae significant proprietates naturarum, ab appellationibus officij.“590
Man mus vnterscheiden zweierley reden von Christo, nemlich ob es sey eine
(20)beschreibung der eigenschafften, so von wegen der persnlichen vereinigung
der vnterschiedenen Naturn dem gantzen Christo zugeeignet werden, aber
doch also, das in erklerung geweiset werde, welcher Naturn eigenschafft sey
genennet worden, || [129v:] oder ob es sein beschreibung des Ampts Christi,
welche zurgk erklerung beiden Naturn msse zugeschrieben werden, weil ein
(25)jeder Natur jre eigene wirckung in diesem Ampte hat. Jtem, hette Wigandus
achtung geben auff den vnterscheid vnionis personalis et glorificationis hu-
manae naturae in Christo, das nemlich dem Menschen Christo etlichs zuge-
schrieben wird von wegen der persnlichen vereinigung, etliches von wegen
der verklerung der Menschlichen Natur, so hette es des grossen vnd vnnt-
(30)zen prangens gar nicht bedurfft, das er so viel Blat in seinem Buch zubringet
mit der reali communicatione maiestatis et actionum. Viel weniger hette es
vieler scheuslichen Reden bedurfft, die er allenthalben mit einsprengt, vnd
der verfelschung vnd vbeldeutung vielergl schner, herrlicher Sprche der
Schrifft, denen er ffentlichen gewalt thut, wie droben auch von Schwenck-
(35)feld
gemeldet.

|| [568]
Von der mitteilung der Maiestet spricht er also:
om Marginalie am linken Rand
„Die Gttliche Natur des
Sons Gottes hat jre Maiestet, die sie von ewigkeit gehabt hat zugleich mit
dem Vater vnd heiligem Geist, der angenomenen Menschlichen Natur reali-
ter, wesentlich, mitgeteilet vnd teilet sie jr noch mit, von wegen der persn-
(5)lichen vereinigung.“591 Wenn dieses Wigandus verstnde de ipsa vnione
hypostatica, nemlich, das der Son Gottes, der alle Gttliche eigenschafft hat
mit dem Vater vnd heiligem Geist, sich mit der Menschlichen Natur warhaff-
tig verbunden, so mchte man jm dieses passieren lassen. Denn der ewige
vnd allmechtige Son Gottes hat jm die Menschliche natur nicht allein vnzer-
(10)trenlich, sondern auch persnlichen vereinbaret also, das ein Christus sey
Gott vnd Mensch. Vnd diese Maiestet gebret freylich dem Menschen Chris-
to fr allen Creaturn, das sein Menscheit ist Gottes Sons eigen Leib vnd See-
le vnd das dieser Mensch || [130r:] ist warhafftiger, ewiger Gottes Son vnd
vmb des willen gebret diesem Menschen Christo die verehrung vnd anbe-
(15)tung,
on Marginalie am linken Rand
weil Mensch vnd Gott eine Person ist in Christo.
Aber Wigandus verstehet es nicht de vnione, von der vereinigung beider
Naturen in Christo, sondern wil es trawen fr eine wesentliche mitteilung
halten also, das die angenomene Menschliche Natur in vnd fr sich empfan-
gen habe alle Maiestet, die der Son Gottes mit dem Vater vnd heiligem Geist
(20)gleich hat von ewigkeit. Dieses ist schrecklich zu hren. Denn also wird
Christus Gott sein nach beiden Naturen, nach der ewigen, das er aus des
Vaters wesen geboren ist, vnd nach der Menschlichen Natur, die in der flle
der zeit angefangen, das er in dieselbe alle sein ewige Maiestet ausgegossen
hat. Wird also Christus sein ein ewiger Gott vnd ein gemachter Gott? Daraus
(25)kan anders nicht folgen, denn das nach der Menschwerdung Christi vier Per-
sonen in der Gottheit worden sein. Vnd ist den newen Antitrinitariis sehr wol
auff die Bein geholffen, die vns Christen frwerffen, das wir zwey vngleiche
wesen in der Gottheit setzen. Bedencke aber ein Christlich Hertz, was fr ein
grewliche Gottslesterung dieses sey vnd was fr abschweliche Arianische,
(30)Nestorianische, Manicheische, Marcionitische schwarm dahinter stecken.
Dieses sol jm, ob Gott will, anderswo ausgefret werden.
Scheusliche Reden schFttet Wi­gandus ferner
oo Marginalie am linken Rand
aus von der mitgeteilten Maies-
tet des Menschen Christi. Die Maiestet, spricht er, begreifft drey stck, wel-
che die Menscheit Christi gemein hat (participat) mit der Gottheit, nemlich
(35)die Hoheit (excellentiam), die Gewalt (potentiam) vnd die Verehrung
(honorem).
Die Hoheit leget er also aus, das die Menscheit alle Creaturen vbertreffe, das
sie mehr Gaben des heiligen Geistes habe, das sie frtrefflichere weisheit,
|| [130v:] gerechtigkeit, leben habe fr allen andern Creaturn. Diese stck sind
(40)an sich selbst recht, vnd knnen so hohe Gaben nicht genennet werden, die

|| [569]

der Menschlichen Natur Christi nicht billich auch fr vnd in sich selbst wer-
den zugeschrieben. Aber dis gehrt nicht ad Communicationem Idiomatum.
Denn diese Gaben sind nicht alle volkomen bald in der empfengnis ( darin-
nen die persnliche vereinigung geschehen) der Menscheit Christi gegeben,
(5)sondern haben je mehr vnd mehr in Christo gewachsen
op Marginalie am rechten Rand
nach dem Spruch des
Euangelisten: „Jhesus nam zu an weisheit vnd alter fr Gott vnd den Men-
schen“,593 bis endlich die verklerung nach der Aufferstehung vnd Himelfart
geschehen ist. Denn Christus zuuor ein Wurm vnd in aller Menschlicher
schwacheit, bldigkeit vnd sterbligkeit fr die Snde der Welt gnugthun vnd
(10)durch seinen tod vnd verdienst der Welt das leben widerbringen sollen. Der-
wegen Schwenckfeld noch bescheidener hiermit vmbgehet als Wigandus vnd
sein hauffe, weil er die vergttung Menschlicher Natur erst nach der verkle-
rung einfret. Zudem sind solche Gaben, so der Menscheit Christi sonderlich
nach der verklerung als vnserm Heubt fr allen seinen Gliedmassen vnd
(15)andern Creaturn geschenckt vnd gegeben sind, keinesweges mit den eigen-
schafften der Gottheit zu vermengen, wie Wigandus an diesem ort ffentlich
thut. Denn was wachsen vnd zunemen kan, ist gewis vnd on allen zweiuel
nicht vnendlich vnd der Gottheit gleich, die mit jren eigenschafften weder
wachsen noch zunemen kan.
(20)Vbel handelt aber Wigandus,
oq Marginalie am rechten Rand
das er viel Sprche der Schrifft, die von der
erhhung nicht allein der Menscheit Christi, sondern der gantzen Person des
Mittlers deutlich reden, also bslich verkeret, das er erstlich die Gaben, so
der Menscheit Christi widerfaren, nicht vnterscheidet von der hoheit des
Ampts, die Christo nach || [131r:] beiden Naturen one zerstrung der wesent-
(25)lichen eigenschafften gebret. Darnach aber, das er die erhhung Christi so
gar von der Gttlichen Natur hinwegnimet, dardurch die sendung vnd ernid-
rigung des Sons Gottes verdunckelt vnd in vergessen gestelt wird. Nicht ver-
geblich ist es gesagt im Symbolo: „qui propter nos homines et propter nos-
tram salutem descendit de coelis.“594 Item „λόγος voluit hanc obedientiam.“
(30)Atque „hinc passiones eius sunt salutares“, wie die Alten daruon geredt
haben.595 Item: „Exinaniuit se et factus est Patri obediens.“596 Denn so die
ernidrigung vnd der gehorsam allein die Menschliche Natur angehen solte,
wrde es kein volkomen λύτρον oder bezalung fr die Snde der gantzen
Welt gewesen sein. Wie nu die gantze Person Christi als der Mittler sich
(35)ernidriget, also solte Wigandus
or Marginalie am rechten Rand
auch die exaltation der gantzen Person zu-
schreiben, wie diese Sprche klerlich thun, die Wigandus vnrecht allein auff
die Menschliche Natur zeucht. Psal. 8, Ebr. 2: „Du hast jn ein kleine zeit der

|| [570]

Engel mangeln lassen, mit Preis vnd Ehren hastu jn gekrnet vnd hast jn ge-
setzt ber die werck deiner hende, alles hastu vnterhan zu seinen fssen.“598
os Marginalie am linken Rand

Acto. 2: „Gott hat diesen Jhesum, den jr gecreutziget, zu einem Herrn vnd
Christ gemacht.“600 Philip. 2: „Darumb hat jn Gott erhhet vnd jm einen
(5)namen gegeben, der vber alle Namen ist.“601
Der Spruch, den Wigandus anzeucht, Ebr. 1:
ot Marginalie am rechten Rand
„Er ist soviel besser worden
denn die Engel, so gar viel einen hhern namen er fr jnen ererbet hat“,603
gehret eigentlich zu der beschreibung der Gttlichen vnd ewigen Natur in
Christo, wie alsbald folget. „Zu welchem Engel hat er jemals gesagt, du bist
(10)mein Son, heut hab ich dich gezeuget“604 etc. Vnd ist one das das gantze
Capitel von anfang bis zum ende ein herrliche beschreibung Christi, das er
nicht allein Mensch, sondern auch warhafftiger, ewiger Gottesson sey.
|| [131v:] Von dem Ampt vnd Wolthaten Christi, so der gantzen Person nach
beiden Naturn zugeschrieben werden sollen, reden ausdrcklich die folgen-
(15)den Sprche, so Wigandus wider die Text der Schrifft anzeucht, allein von
der Menscheit: Johan. 3: „Der von oben herkmpt, den Gott gesandt hat,
dem gibt Gott den Geist nicht nach dem mas“,605 1. Corint. 1: „Christus ist
vns gemacht von Gott zur weisheit, zur gerechtigkeit“ etc., auff das „wer
sich rhmet, der rhme sich des Herrn“,606 Coloss. 2: „Jn jm ligen verborgen
(20)alle Schetze der weisheit vnd erkentnis“,607 Esa. 53: „Die erkentnis meines
Knechts, des Gerechten, wird viel gerecht machen“,608 Johan. 14: „Jch bin
der Weg, die Warheit vnd das Leben“,609 Johan. 6: „Wer mein Fleisch isset,
der hat das ewige leben.“610 Den Spruch Matth. 11:
ou Marginalie am linken Rand
„Niemand kennet den
Vater denn der Son, vnd dem es der Son wil offenbaren“612 darff Wigandus
(25)vnuerschempt auff die Menscheit Christi zihen, welches so es war sein solte,
mste der Spruch Johan. 1: „Der eingeborne Son, der ins Vaters schos ist,
hats vns verkndigt“,613 auch von der Menscheit Christi verstanden vnd auff
gut Schwenckfeldisch mste Christus nach beiden Naturn der eingeborne
vom Vater sein.

|| [571]

Hats nu Wigandus nicht wol troffen, das er vmb seiner communication realis
willen darff so viel herrlicher, schner, trstlicher Sprche der Schrifft so
gar mutwillig verkeren vnd auff einen frembden verstand zihen? Vnd mag
man jm nicht billich sagen, das Theodoretus schreibt von allen Schwermern:
(5)„Verbum Dei stolide intellectum non est verbum Dei“?614 Gleiches schlags
ist, das Wigandus von dem anderen gradu,
ov Marginalie am rechten Rand
so zur Maiestet gehren sol, nem-
lich von der gewalt, die der Menscheit Christi wesentlich sol gegeben sein,
daher prallet. Denn obwol Christus auch nach seiner Menscheit mit vortreff-
licher sterck, macht, krafft vnd ge- || [132r:] walt erhaben ist vber alle Creaturn,
(10)jedoch ist dis noch nicht ein vnendliche gewalt, die der Gttlichen Allmech-
tigkeit in allem durchaus gleich sey. Denn wie Christus nach seiner Gottheit
dem Vater vnd heiligem Geist gleich ist, also ist er nach seiner Menscheit
kleiner denn des Vaters vnd heiligen Geists vnd seine eigen Gottheit, aber
doch viel mehr vnd grsser denn alle Creaturn, wie S. Augustinus klar sagt,
(15)in Johan. tract. 78.615 Es ist aber auch diese gewalt vnd macht der Menscheit
Christi in vnd fr sich erst in der verklerung mehr vnd hher gegeben als im
stand der ernidrigung. Vnd wenn die Schrifft von der allmacht Christi redet,
sihet sie auff die Person, die Mensch vnd Gott ist, redet auch gemeiniglich
von dem Kniglichen Ampt vnd Gewalt Christi, die er in beiden Naturn
(20)fret also, das gleichwol der vnterscheid der Naturn nicht werde auffgeha-
ben. Dis zeigen die Sprche an, so Wigandus wider sich allein auff Christum
nach der Menscheit anzeuhet.
ow Marginalie am rechten Rand
Denn das Christo in der Schrifft zugeschrieben
wird, das er sitze zur Rechten des Vaters, Psalm. 110, Matth. 22, 1. Corint.
15
, Matth. 26, Coloss. 3, Heb. 8, 1. Pet. 3, Acto. 7617 vnd an vielen andern
(25)orten, heisset die volkomene, von aller schwacheit gefreiete vnd ffentlich
erzeigte herrschafft vnd regierung, in welcher sich Christus als einen Herrn
aller Creaturn vnd einen gewaltigen Knig vnd Hohenpriester im angesicht
aller seiner heiligen Engel vnd Menschen erzeiget.
Gleichwie aber das Reich vnd Priesterthum Christi nicht kan noch sol auff
(30)die Menscheit allein gezogen werden, also sol das sitzen zur Rechten Christo
nach beiden Naturn zugeschrieben vnd aber der vnterscheid der Naturn be-
halten vnd nicht eine exaequation oder vergleichung gemacht werden. Viel
andere Sprche, die Wigandus allhier erzelet, als das Christo allegm gewalt im

|| [572]

Hi- || [132v:] mel vnd auff Erden gegeben ist, das jm alles vnterworffen ist, das
er vber Lebendige vnd Todten herrsche, das er alles erflle, das er der Erbe
vnd das Heubt vber alles gesetzt ist, das er ein Hertzkndiger sey, das er das
Gebet erhre etc.; diese vnd dergleichen Sprche, darinnen allezeit das con-
(5)cretum gebraucht wird, sind auch zu verstehen von der Person Christi vnd
von seinem Ampt, welches den vnterscheid der Naturn nicht auffhebet. Das
aber Wigandus frgibt, als solten die angezogene Sprche von der mitgeteil-
ten allmechtigkeit zu verstehen sein also, das die Menscheit Christi, die fr
sich in abstracto (das ist, wie er es auff ein newe weise redet) ausserhalb der
(10)Persnlichen vereinigung nicht allmechtig ist, in der Person (das ist, weil sie
mit dem Son Gottes verbunden ist) fr vnd in sich selbst allmechtig worden
seygn gleichwie die Gottheit von Natur allmechtig ist, ist ein lauter mutwillige
verkerung. Denn hiemit wird die distinctio naturarum in persona Christi gar
miteinander auffgehaben. Nu saget Damascenus: ἡ διαφορὰ τῶν διαφερόν-
(15)των ἐστὶ διαφορά.618 Vnd die gantze Kirche bekennet, das eben in der Person
Christi vnterschiedene, vngleiche Naturn sein vnd bleiben.
ox Marginalie am linken Rand
Denn der vnter-
scheid der Naturn ist nicht allein in abstracto, wie Wigandus tichtet, sonder
ist vnd bleibet auch in der Person Christi, da nicht per speculationem (wie
Wigandus redet), sondern vere et realiter, warhafftig vnd wesentlich, die bei-
(20)de Naturen in vnd nach der persnlichen vereinigung mssen an den eigen-
schafften vnterschieden werden. Denn alles, was von vnterscheid der Natu-
ren in Christo von der gantzen Kirchen geleret wird, das wird nicht von der
Gottheit Christi vnd von seiner Menscheit ausserhalb der persnlichen verei-
nigung gesagt, sintemal nach der Menschwerdung nimermehr eine natur von
(25)der andern getrennet, noch die menschliche || [133r:] Natur jemals ausser der
Person Christi gewest ist, sondern eben wil die rechtgleubige Kirche in der
Person Christi die Menscheit von der Gottheit vnterscheiden vnd einer jeden
Natur jre eigenschafft zugeeignet haben. Vnd hieher gehret die Regel der
alten Lerer, welche Wigandus vnd seine Gesellen jtziger zeit auffzuheben
(30)sich vnterstehen: „Confitemur Filium Dei incarnatum, eandem hypostasin
dicentes deitatis eius et humanitatis et duas naturas confitentes in ipso saluas
integrasque manere post vnionem, quarum substantialem affirmamus diffe-
rentiam saluari“620 etc.
Derwegen es ein nichtiges,
oy Marginalie am linken Rand
schedliches vnd Eutychianisch Glslin ist, das
(35)Wigandus die omnipotentiam oder Allmacht auff die Menscheit zeucht vnd
diesen behelff gleichwol frwendet, humanitati in persona Christi, non in

|| [573]

abstracto haec dantur, da er doch nicht wil, wie die alten Lerer reden, das
vmb der persnlichen vereinigung willen Christus allmechtig ist vnd genen-
net wird, sondern das die Menscheit in vnd fr sich allmechtig sey. Gantz
falsch vnd ertichtet ist es auch, das er sagt:
oz Marginalie am rechten Rand
„Tantum per speculationem natu-
(5)ras in abstracto consideramus et sua cuique propria tribuimus“,622 sintemal
eben auch in concreto, wenn man von der Person redet, einer jeden Natur jre
eigenschafften mssen gegeben werden. Denn also redet die Kirche daruon,
wie in sexta oecumenica Sophronij episcopi Hierosolymitani wort lauten:
„Vnitionis ratio, quae naturalis est, atque secundum subsistentiam diuisio-
(10)nem quidem prorsus expellit, partitionem non agnoscit, sed differentiam
admittit, distinctionem non ignorat. Quae enim ad vnitatem concurrerunt,
inconuersa conseruat.“623
Von der Verehrung vnd Anbetung Christi
pa Marginalie am rechten Rand
(welche er auch zur Maiestet der
Menschlichen Natur, die sie in vnd fr sich empfangen habe, zeuhet) errei-
(15)chet Wigandus gantz vnd gar nicht die meinung der alten Kirchen, steckt
eben in dem jrthum Nestorij, der in den || [133v:] Keiserlichen Edictis ἀνθρω-
πολάτρης genennet wird.625 Derwegen, was er hieuon aus Damasceno an-
zeucht, das ist stracks wider jn selbst.
Was er aber an diesem ort fr Sprche anzeucht,
pb Marginalie am rechten Rand
das Christus sey der Mitler
(20)zwischen Gott vnd den Menschen vnd das man an Christum gleuben vnd jm
vertrawen sol, das gehrt abermals frnemlich auff das Ampt Christi. Was
ist aber darmit der reali communicationi geholffen?
Denn das ist Wigandi frnemen, das er mit der reali communicatione anzei-
gen wil, was fr eigenschafft die angenomene Menschliche Natur wesentlich
(25)in vnd fr sich empfangen habe oder, wie er vnd sein hauffe sonst redet, was
fr eine Maiestet in die Menscheit Christi von der Gottheit ausgegossen sey.
Dargegen aber begreiffet das Ampt vnd alle namen oder beschreibung des
Ampts vnd der wolthaten Christi beide Naturn, das ist sie werden Christo
beides nach der Gttlichen vnd nach der Menschlichen Natur zugeschrieben,
(30)darumb vergeblich dieselben von Wigando angezogen werden, die mitgeteil-
ten eigenschafften der einen Natur in vnd fr sich darmit zu beweisen.
Das dritte stck,
pc Marginalie am rechten Rand
so der Menscheit Christi wesentlich sol mitgeteilt sein,
spricht Wigandus, sein die actiones oder wirckung, derer exempla er diese
setzet, das der Mensch Christus allerley Wunderwerck gethan hab, das er die
(35)Sünde der gantzen Welt getragen, das er viel Menschen beruffet, widergebie

|| [574]

ret, bekeret, gerecht vnd selig machet,
pd Marginalie am linken Rand
das ewige Leben gibt, in den Bekerten
wircket, sein Leib vnd Blut austeilet, wo das Nachtmal nach seiner einset-
zung gehalten wird, das er seine Scheflin beschtzet, das er die Seelen der
Sterbenden auffnimet, das er die Todten erwecken, das er alle Menschen vnd
(5)Teufel richten vnd alle Gleubigen ins ewige Reich einsetzen wird. || [134r:]
Alle diese wirckungen,go spricht er,
pe Marginalie am linken Rand
„communicatae sunt humanae naturae in
Christo propter salutem et gloriam generis humani.“628 Hie solte Wigandus
billich abermals gesesehen haben auff die Regel, daruon bisher offt gesagt
worden, das man die Beschreibung des Ampts vnd der Woltaten Christi der
(10)gantzen Person zueigen msse vnd das in solchem Ampt ein jedere Natur
das jre darbey thue vnd jre wirckung hab. Viel herrliche werck vnd thaten,
die zu seinem Kniglichen vnd Priesterlichem Ampt gehren, richtet Chris-
tus aus auch durch die angenomene Menscheit. Aber mitnichten sol man in
allen wirckungen die Menscheit der Gttlichen Natur gleich machen noch
(15)der Menschlichen Natur alle wirckung, die eigentlich der Gottheit Christi
zugehren, zuschreiben. Wigandus zeucht wol an, das die Alten stets ge-
braucht haben „Agit vtraque natura cum communicatione alterius.“ Aber
durchs gantze Buch lesset er aussen, das die Alten mit sonderm vleis wider
Eutychen vnd Monophysitas darzu gesetzt haben: „Vnaquaque agente quod
(20)proprium est. Altera enim succumbit iniurijs, altera coruscat miraculis.“629
Vnd so er das 15. Capitel des dritten Buchs Damasceni630 gelesen hat, solte
er wissen, das die alte rechtgleubige Kirche viel anders von dieser sachen
denn er vnd sein hauffe geredt hat.
Aber es würde vns dismal allzu lang, nach notdurfft alle des Wigandi vnge-
(25)reimbte geticht zu erzelen, geschweig denn zu widerlegen. Er sol aber nicht
zweiueln,
pf Marginalie am linken Rand
das der Son Gottes von jm schwere rechenschafft foddern wird,
das er nicht allein die newe vnd frembde Lere de reali communicatione zu
verteidingen sich vnterstanden, sondern auch so viel frtreffentliche Sprche
der heiligen Schrifft so gar mutwillig mit ertichten auslegungen verfelschet,
(30)denen, ob Gott wil, auff andere zeit weiter sol begegnet werden. Jtzt wollen
wir zum beschlus jn || [134v:] seiner eigenen wort erinnern, ob er dadurch was
fur ergernis vnd vnrat er mit seinem Buch angerichtet erkennen, von Jrthu-
men ablassen vnd wider zur warheit treten wolte: „Es stehet nicht einem je-
dern frey“, spricht Wigandus,
pg Marginalie am linken Rand
„in so hohen sachen newe Reden jm zu ertich-
(35)ten, sonderlich so dieselben Reden entweder fur sich selbst offenbarlich
falsch vnd wider Gott lesterlich oder je gefehrlich, zweiuelhafftig vnd vnge-

|| [575]
-
wis sind, darunter die Jrthum bedeckt vnd beschnet werden, welches Spitz-
findigen Ketzern gebreulich ist. Denn solche pflegen jnen reden zu erden-
cken, die sie gleichwie ein Wachs drehen knnen, wohin sie wllen; welche
gauckeley, stoltzer, ehrsuchtiger Bsewicht (ambitiosorum nebulonum)
(5)Teuffelisch vnd feindselig ist. Ein anders aber ist es, wenn einem einfeltigen
Man aus vnuerstand oder Menschlicher schwacheit eine vnzimliche rede
entfallen ist, die er nicht halsstarrig verteidinget, sondern die warheit
widerumb mit einem auffrichtigen hertzen annimpt, denn es sol keiner sei-
nen eigenen sinn oder ehre der Himlischen warheit frzihen.“631 Hactenus
(10)ille. Hat nu Wigandus aus vnuerstand bisher wider alle rechtgleubige Lerer
seine realem vnd physicam communicationem gestritten vnd ist ein einfeltig
Man, der die warheit von hertzen lieb hat, so wolle er besser diesen sachen
nachdencken vnd der Kirchen abbitten, was er fr schaden gethan. Thut er
dieses nicht, so hat er allbereit vber jn selbs das vrteil gefellet vnd wird seine
(15)straff mit den ambitiosis nebulonibus zu gewarten haben. Dabey wir es auch
dismal billich beruhen lassen.
Anderer newen Scribenten, derer namen wir noch zur zeit schonen,632 solten
wir auch hie gedencken, weil jre Bcher bey der Jugent im schwangk gehen,
darinnen trawn sie von der rechten Bahn eben weit abweichen.
ph Marginalie am rechten Rand
Weil wir aber
(25)mehr ein mitleiden mit jnen haben, das sie || [135r:] aus vnuorsichtigkeit in die
streit von der Lere vom Herrn Christo komen vnd ehe dauon zu schreiben
angefangen, als sie es (welches doch billich zuuor hette geschehen sollen)
recht studieret vnd verstanden haben; auch derer etliche in nachfolgenden
Schrifften etliche ding hinweg gethan633 vnd wir der zuuersicht sein, das sie
(25)hinfurt sich nicht allein besser vorsehen, sondern auch mehr ernstes vleisses
anlegen werden, den Consensum der alten rechtgleubigen Kirchen zu be-
trachten vnd nicht nach jren oder ander Leute gedancken vnd affecten, son-
dern one ansehen der Personen vnd der Lere vrteilen vnd sich zur warheit
halten werden, ist vns gnug, das wir sie dismals erinnern, das sie jnen doch
(30)selbst so gar nicht trawen vnd, ehe sie die sachen verstehen, mit jrem schrei-
ben vnd vrteilen innen halten wllen. Welches wir dennoch mit diesen weni-
gen worten hie anhengen mssen, damit die Jugent vnd andere der newen

|| [576]

Scribenten schrifften cum iudicio lesen vnd nicht auff alles fallen vnd als
Heiligthum anbeten wlle. Da auch die, so wir hiermit gemeinet, welches
wir hoffen, sie selbst verstehen werden, vns als Freunde erkennen vnd leiden
mgen, werden sie diese erinnerung freundlich annemen, nach dem Spruch
(5)des Psalms „Der Gerechte schlage mich freundlich vnd straffe mich. Das
wird mir so wol thun als ein Balsam auff meinem Heubte.“634

Kemnitij Buch De duabus naturis Christi.

Von Martini Kemnitij Buch, welches er ex professo635 von dieser controuer-
sien geschrieben vnd ausgehen lassen, solten wir etwas mehr den Christli-
(10)chen Leser erinnern, wenn nicht diese Schrifft || [135v:] allbereit vber vnser
versehen zu lang worden vnd wir in krtz, was wir fr mangel haben an
seinem Buch, zusamenfassen vnd begreiffen kndten.
Gnugsam lesset er sich an vielen orten des Buchs, das er zu Jhena mit die-
sem titel: „De duabus naturis“636 hat drcken lassen, vermercken, das er wol
(15)verstehe vnd erkenne, das Brentius, Jacobus, Wigandus in jren Disputationen
zu weit gangen vnd das er nicht knne jren Getichten allen helffen, wie ger-
ne er jnen zu gefallen solches thun wolte.
pi Marginalie am linken Rand
Dennoch da er kmet eben auff
das, so die Brentiani am allerfrnemesten gestritten vnd vmb des willen sie
den streit angefangen, nemlich, das Christus nach seiner Menscheit nicht
(20)weniger als die Gottheit an allen orten vnd also auch im Abendmal sey,gp ehe
vnd zuuor als die actio coenae nach der einsetzung Christi administrirt vnd
gehalten werde, darff Kemnicius, der sonsten fr einen Aristarchum vnd
Censorem aller Vniuersiteten sich ausgibet vnd in seinem sinn sich selbst
dafr helt,
pj Marginalie am linken Rand
fein leise frber gehen vnd sagen: „Abundet sane quisque suo
(25)sensu“,637 das ist: „es mags ein jeder gleuben oder nicht“. Wie reimet sich
aber dis? Brentius vnd die seinigen wollen trawn einen Artickel des glaubens
haben aus der Vbiquitet. Nu erfordert der Glaub ein πληροφορίαν vnd
ἔλεγχον, das ist, ein gewisses, standhafftes, vngezweiueltes vertrawen vnd
wissenschafft. Jst er aber mit der Vbiquitet also gethan, das es heisset: „ Ab-
(30)undet quisque suo sensu“, so mus ja kein Artickel des Glaubens sein vnd
mus keinen standhafften grund haben.
Was ists aber mit diesem „Abundet quisque suo sensu“ anders, denn das
Kemnicius hiermit anzeiget, es sey jme gleich, Gott gebe ein jeder lere in der
Kirchen Gottes, was er wlle vnd es mge jm wol einer nach seinem || [136r:]

|| [577]

sinn etwas tichten, es habe grund oder keinen grund. Was aber hieraus folge
vnd was fr eine treffliche rede dis sey, kan ein jeder gemeiner Man leicht-
lich schliessen. Denn gilts in Glaubenssachen also spielen, das ein jeder mag
jm seinen sinn gefallen lassen, was meinstu wol, was wir entlich fr eine
(5)Religion behalten werden? Wird es nicht endlich dahin komen, wie jener
schreibt, das ein jeder knne in seiner Religion selig werden? Oder wie ein
anderer gesagt hat, es sey mit den Religionen gleichwie mit den Kauffleuten,
die auff die Franckfordische Mess ziehen. Denn gleichwie dieselben nicht
einerley wege reisen vnd doch endlich zum Jarmarckt zusamenkomen, also
(10)werden doch alle Vlcker im Himel zusamenkomen, obgleich in der Religi-
on vngleicheit gewesen sey. Auff diesen schlag lesen wir in Philastrio, der
den Catalogum Haereseon zusamenbracht, das einer mit namen Rhetorius
mit allen Ketzereien wol zufrieden gewesen ist, denn es mge ein jeder in
der Religion halten, wie er vermeinet, das es zum besten sey.638
(15)Wundern mchte es aber einen einfeltigen Christen,
pk Marginalie am rechten Rand
was fur vrsache sein
mge, das der heilige Man Doctor Kemnitius die groben Jrthum, so stracks
wider das Fundament vnd wider die gewissen Artickel des Glaubens von
andern frgeben werden, so gar dahin passieren vnd mit seinem „Abundet
quisque suo sensu“ beschnen vnd vberstreichen knne. Was aber die Schule
(20)zu Wittemberg nach der Richtschnur des Worts Gottes vnd nach dem ein-
helligen Consens aller alten bewerten Lerer vnd nach der stetwerenden Lere,
so in dieser Vniuersitet je vnd allzeit gewesen, mit gutem grunde vnd zu der
Ehre Gottes vnd erbawung der Christlichen Kirchen redet vnd schreibet, das
kan vnd mag der heilige Man weder dulden noch recht sein lassen. Vnd da er
(25)mehr nicht || [136v:] zu taddeln, mus er doch λογομαχίας vnd wortgezenck
anfahen vnd numehr nicht allein von worten, sondern von einer jeden sylla-
ben vnd buchstaben krieg anfahen vnd auffs bslichste vnd feindseligste das
arme Wittemberg, welches jn als das frome Schaf den jungen Wolffen erzo-
gen vnd gefrdert, lestern vnd bey aller Welt in verdacht setzen vnd auffs
(30)schmehlichste ausruffen.
Zwar wenn es nicht zuuorhin am tage, wie diesen newen Aristarchum zu
Braunschweig die drey Hndlin hoffart, neid vnd vndanck (darber Herr
Lutherus seliger, wenn er von hemischen Heuchlern redet, offt zu klagen
pfleget)639 so bel gebissen, mchte man es dieser zeit fast erraten, was
(35)Kemnicium die Schul zu Wittemberg zu verfolgen antreibe. Aber daruon
auff ein ander mal. Soviel aber Kemnicij Buch an sich selbst anlanget,

|| [578]

mssen wir jn zum teil derhalben loben,
pl Marginalie am linken Rand
das er seine Cadmeos fratres640 vnd
Flacianische Geselschafft gerne wolte mit seinem Exempel antreiben, das sie
der alten Lerer in der rechtgleubigen Kirchen Schrifften nicht so gar verach-
ten vnd vnter der Banck liegen lassen wolten. Oder da sie ja zu faul oder
(5)sonsten fr den ehrschtigen gezencken, damit sie nur zerrttung in der Kir-
chen Gottes suchen, so viel zeit vnd weil jnen nicht nemen kndten, etwas
nachzulesen, wlte er doch jrer faulkeit vnd das sie an jrem frhaben nicht
gehindert, gern darmit dienen, das er aus seinen Locis communibus, die er
jm, als er ein Bibliothecarius in Preussen gewest, in die Patres gemacht hat,
(10)ein grossen vorrat vieler Sprche frschtten, das sie jm dennoch auch etwas
dancken vnd fr einen Gelerten, hocherleuchten Man ansehen mchten, der
grosse Bcher lesen vnd viel antiquiteten erzelen kndte.
Dis knnen wir aber keineswegs loben, das er sine iudicio, one gnugsame
vorsichtigkeit vnd offt mala || [137r:] fide, nicht trewlich noch vlliglich die
(15)Sprche der Veter anzeucht.
pm Marginalie am linken Rand
Vngelerten Leuten kan er freilich hiermit einen
blawen dunst machen, aber er solte dennoch betrachten, das er nicht allein,
ondern auch andere gelerte Leute in den Patribus belesen sein vnd das es so
gar nicht knne vertuschet werden, das er so offt entweder verstmmelt vnd
vnuolkomen der Veter Sprch citirt oder auff frembden verstand wider jre
(20)eigentliche vnd stetige meinung mit gewalt vnd bey den haren herzu zeuhet
oder auch one vnterscheid auff einen hauffen wirffet, dahin sie gemeiniglich
nicht gehren. Viel weniger knnen wir billichen, das er sehr viel new vnd
frembd ding aus seinem eigenen Melancolischen Kopff spinnet, welches er
weder aus der Schrifft noch aus dem einhelligen Consens der rechtgleubigen
(25)Kirchen bewehren noch erhalten kan, vnd wil doch dafr angesehen werden,
als habe er die Schrifft vnd Patres auff seiner seiten.
Darmit er sich aber je bey dem Flacianischen hauffen nicht verdechtig ma-
che, bey den Philippi Schrifften nichts gelten mssen,
pn Marginalie am linken Rand
ja der auch den Na-
men Philippi fr grosser heiligkeit nicht mehr leiden kan, gedenckt Kemni-
(30)cius
durch sein gantzes Buch nie mit einigem wort seines Praeceptoris
Philippi, so er doch sonst eines jedern Scribenten, daraus er etwas angezo-
gen, Namen vnd Buch so gar sorgfeltig erzelet vnd er nicht leugnen kan, was
guts vnd grndlichs in seinem Buch ist (denn je kein Buch so bse, es hat
etwas auch gutes in sich), das hat er vom Philippo studieret. Darumb auch
ein gelerter Man in dieser Lande Kirchen nicht vnrecht geurteilet: „Si eximas
ex libro Kemnicij pauculas res Philippicas, caetera non emerim viciosa nuce.
Sunt enim partim inanes, partim impiae argutiae, male detortis Patrum sen-

|| [579]
-
tentijs obtutae. Et tamen iste suum Praeceptorem nec agnoscit, nec nominat.
Ergo mala mens, malus animus.“641
|| [137v:] Hette Kemnicius zu erbawung der Kirchen dieses Buch anstellen
wllen, solte er jm nicht etwas newes gemacht, sondern bey der gegrndten
(5)Lere vnd auff den Fusstapffen seines Praeceptoris geblieben sein; sein Prae-
ceptor, welchen er den Flacianern zu gefallen gq nicht mehr kennet,q von dem
er so grosse wolthat empfangen vnd alles, was er recht studiret, jm zu dan-
cken, diegr Bcher vnd sonderlich die Locos communes, gs des Bchers er
zuuor selbst andern frgelesen vnd, wie er mit warheit anders nicht thun kan,
(10)gerhmet hat mit trewen vleis, wie andere stck der Christlichen lere, also
auch den Artickel von der Person vnd Menschwerdung Christi gefasset, wel-
ches definitiones vnd regulas Kemnicius wol anzeucht, aber dabey nicht
bleibet. Was von der persnlichen vereinigung nach der lenge Kemnicius
disputirt de περιχωρήσει, daraus er sich doch selbst nicht richten kan, wrde
(15)weder er noch andere verstehen, wenn nicht Herr Philippus zuuor solches
rund vnd kurtz gesagt: „λόγος lucet in natura assumpta tota“,642 welcher aber
allezeit aus Athanasio darzu setzt: „λόγος non est colligatus corpori, sed ipse
corpus continet, vt et in eo sit et extra omnia et in sinu Patris.“643 Was fr
gradus praesentiae Dei sein, was Communicatio Idiomatum eigentlich sey,
(20)was fr ein vnterscheid zwischen den propositionibus in abstracto et con-
creto sey, was die Reden de proprietatibus naturae in Christo vnd die appellatio-
nes officij fr vnterscheid haben, hette Kemnicius bey der richtigen vnd wol-
gefasten Lere Philippi vnd aller alten Lerer billich es sollen beruhen lassen.
Da aber meister Klgling das Magnificat corrigirn wil,
po Marginalie am rechten Rand
erlanget er bey allen
(25)Gelerten vnd in der Christlichen Kirchen Lere erfarnen Leuten diesen rhum
dauon, das sein gantzes Buch zum teil ociosa, vergebne, vnntze teidun-
gen,644 zum teil ambigua, zweiuelhafftige vnd vnrich- || [138r:] tige reden, zum
teil contraria, widerwertige ding, zum teil auch falsa, vnrechte vnd vnge-
grndte Leren in sich fasse.
pp Marginalie am rechten Rand
Denn wie die vnerfarnen Metzler645 viel kleiner
(30)stcklin machen oder wie die jungen Hndlin die Lappen in viel stck zer-
zerren, also sind alle blat in Kemnicij Buche voller stinctionum,646 darunter
die hohen sachen also subtilisiert, zurzauset vnd voneinander gerissen wer-

|| [580]
-
den, das man auch die ntige Lere vnter den vnntigen subtiliteten verleuret.
„Wer wol distinguiert oder abteilet, der leret wol“, sagt die alte Schulregel.
Wie kan denn Kemnicius anders denn vbel leren, weil er so vbel distinguie-
ret? Was ist vonnten, das er zweierley concreta machet, naturarum vnd per-
sonae, cum concretum semper praesupponat pro persona, wie die Alten
geredt haben. Was darff er der acht modorum praedicationis in primo genere
Communicationis Idiomatum, die zum teil zu der eigentlichen Communica-
tione Idiomatum nicht gehren, zum teil in diesem einigen allbereit gefasset
sind, quod proprietas alterutri naturae conueniens, tribuitur personae in
(10)concreto?647
Was gehret dis ad modos praesentiae (da man sagen sol, was fr vnter-
scheid sey, das Gott bey dieser oder einer andern Creaturn auff ein andere
weise gegenwertig ist), das Kemnitius disputirt de praesentia Dei in appari-
tionibus? So doch die propositiones, welche von solchen sichtbaren offen-
(15)barungen Gottes reden, entweder figuratae sein oder sich selbs dahin erkle-
ren, das man bekennen mus, ein ander ding sey Relatio, ein anders substan-
tia? Jtem, was gehrt ad modos praesentiae Dei in creaturis, das er von der
περιχωρήσει oder immanentia Patris et Filij sagt vnd vergist doch indes der
praesentiae Dei in toto ministerio, redet allein von den Sacramentis, welche
(20)sind Sigilla vnd versicherunge der Gnadenverheissung des mndlichen
worts?
Bisweilen vnterstehet sich Kemnitius, aus der || [138v:] Physica zu disputirn,
als da er von dem todeskampff des Herrn Christi, von der stell oder sede, da
die Seele im Leibe wonet, von den wirckungen der Seelen im Menschlichen
(25)leibe vnd von dergleichen hendeln beweis vnd argumenta fren wil. Aber
damit thut er anders nicht, denn das er sein vngeschickligkeit gelerten Leuten
fur augen stellet.
pq Marginalie am linken Rand
Offtmals zeucht er an die regulam Leonis: „Natura agit
cum communicatione alterius“, lest es aber im zweiuel hengen vnd vergisset
indes, das Leo mit grosser frsichtigkeit diese erklerung dazu gesetzt hat:
(30)„Agit vtraque forma, quod proprium est, verbo scilicet operante, quod Verbi
est, et carne exequente, quod carnis est.“648 Einen sonderlichen lust hat er zu
dem Organo, sagt one vnterscheidt, das der Son Gottes jm die Menschliche
Natur also vereiniget habe, das er in derselben, mit derselben vnd durch die-
selbe seine wirckung verrichte vnd das die Menschliche Natur sey proprium,
(35)perpetuum, inseparabile organon, das werck oder handgezeug, dessen sich
eigentlich vnd allezeit die Gttliche Natur des Worts gebrauche zu jrer
wirckunge.
pr Marginalie am linken Rand
Wie viel deutlicher hat ers in dieser Schulen offt hren erkleren
vnd selber nachgeschrieben, wenn sein Praeceptor aus grund der Schrifft vnd
nach aller bewerten Lerer exempel von den wirckungen Christi auff diese

|| [581]

weise geredt vnd geschrieben hat: „Quanquam aliquae actiones, viuificare
aut resuscitare mortuos, competunt Christo secundum naturam diuinam, ta-
men actiones dicuntur esse totius personae, Communicatione Idiomatum, vt
dicimus: homo numerat, etiamsi tantum mente numerat. Fiunt iam hae actio-
(5)nes in natura assumpta et fiunt actiones multae ministerio assumptae naturae,
vt cum iudicabit Filius resuscitatos visibiliter iudicium vere erit potentiae
diuinae, sed fietgt ministerio naturae assumptae. Est et sua efficacia naturae
assumptae, quae antecellit omnibus creaturis || [139r:] potentia, depellit diabo-
los, protegit ecclesiam et multa potenter agit, quae capiti congruunt.“649
(10)Das aber alle wirckung der Gttlichen Natur durch vnd mit der Menschli-
chen Natur geschehen oder das keine andere wirckung der Gttlichen Natur
in Christo sein solten onegu die durch die angenome Menschliche Natur ge-
schehen sind oder noch teglich geschehen, das hat Kemnicius weder von sei-
nem Praeceptore noch von einigem alten bewerten Lerer, one vieleicht von
(15)D. Jacobo Andrea vnd Wigando gelernet, welche in diesem Jrthum stecken,
das sie wie Nestorius den Menschen Christum (one gnugsame erklerung)
halten fr ein Werckzeug der Gottheit in allen der Gttlichen Natur wirckun-
gen. Derwegen vns nicht allein zweiuelhafftig, sondern auch gefehrlich
bednckt diese Rede Kemnicij, der er jm selbst eine Frage auffgibt, wie vnd
(20)auff welche weise vnd mas die mitteilung Gttlicher eigenschafft der
Menschlichen Natur geschehen sey. Denn hierauff antwortet er also, das er
sich lasse bedncken, als knne man auff zweierley weise solche mitteilung
beschreiben: Erstlich, das die gantze wesentliche flle der Gottheit also in
der angenomenen Menscheit wone, das sie in derselben, mit derselben vnd
(25)durch dieselbe jrer Gttlichen Maiestet vnd macht, werck vnd geschefft aus-
richte; zum andern, das die Gottheit mit ausgiessung der frtrefflichsten vnd
volkomensten geschenck die angenomene Natur also volkomen gemacht vnd
informirt habe, das sie sey organon dispositum, proprium et idoneum, per
quod diuinitas λόγου operationes suas exerceat, das ist ein verordentes,
(30)eigentliches, tchtiges Werckzeug, durch welchesgv die Gottheit des ewigen
Worts jre wirckung ausricht.
Diese Reden sind Nestorij worten gantz ehnlich vnd gleich, wider welchen
Cyrillus hefftig streitet, das || [139v:] der Mensch Christus nicht anstat eines
Werckzeuges angenomen sey. Vnd obwol von den wercken, so zu dem

|| [582]

Ampt des Mittlers gehren, etlichermassen wol kan vnd sol nachgegeben
werden, das durch die Menscheit der Son Gottes viel dings ausrichtet, jedoch
das hierinnen auch die eigenschafften beider Naturn behalten werden, so kan
man doch in gemein solches nicht sagen von allen wirckungen, als da Chris-
(5)tus sagt: „Was der Vater thut, das thut gleich auch der Son.“650 Solche wir-
ckungen, die der Son Gottes mit dem Vater vnd heiligem Geist gemein hat,
knnen der Menschlichen Natur nicht als eim organo zugeschrieben werden,
bedrffen auch nicht, das sie eben durch vnd mit der angenomen Menscheit
geschehen. Vnd bleibet dennoch hie die Regel der alten Lerer war: „Actiones
(10)cuiusque naturae sunt propriae et distinctae, sed non separatae, quia Deus
Verbum et homo vna est persona et sicut naturae ita etiam operationes vniun-
tur.“651
Es zeucht auch Kemnicius das Gleichnis vom glenden Eisen offt an, wel-
ches wir wol wissen, das es von vielen alten Lerern gebraucht ist worden.
(15)Aber nirgendt setzet er volkomliche erklerunge darzu wider die, so gemeltes
Gleichnis vngeschickt vnd vngereimbt zihen vnd deuten auff Eutychis ver-
dampte meinung, gleich als weren die eigenschafften der Naturn in Christo
miteinander vnd durcheinander vermenget. Wenn er aber der alten Lerer ei-
gentliche meinung behalten vnd dem Leser die zweiuelhafftigen vnd gefehr-
(20)lichen gedancken nemen hette wllen, solte er billich dieses allerntigste
stck nicht dahinden gelassen haben, das gleichwie das Fewer, so im glen-
den Eisen ist, nicht an sich nimpt die Eigenschafft des Eisens vnd hinwide-
rumb auch dem Eisen seine eigenschafft nicht gibt, damit es von Natur hitzig
vnd leuchtend vnd gantz leicht vnd || [140r:] subtil werde oder auch seine
(25)grsse, lenge vnd dicke verliere, also auch die Gttliche Natur in Christo
nicht sterblich worden sey von wegen der vereinbarung mit der Menscheit,
noch die Menschliche Natur der Gttlichen vnendlichen eigenschafft in vnd
fr sich empfangen habe, das auch die vereinbarung beider Naturn in Christo
nicht dermassen geschehen sey, als were die Gottheit, so vnendliches wesens
(30)ist, in den Leib vnd Seel der angenomenen Menschlichen Natur eingeschlos-
sen, gleichwie das Fewr seine hitze vnd glut also vermenget mit dem glen-
den Eisen, das es nicht dieselbige zugleich ausser dem Eisen auch dermassen
sehen vnd flen lesst.Nicht verwerffen wir hiermit Origenis wort, so Kemnicius de ferro candente
(35)so offt anzeucht, wie denn auch Apollinarius derselben zu bestetigung seiner
meinung gebrauchet. Aber Theodoreti erklerung solte billich darbey stehen,
welcher von diesem Gleichnis Dial. 2 also sagt: „Ferrum applicatum igni fit
candens et totam ipsius essentiam penetrat ignis, sed non permutat ferri natu-
ram arctissima vnio. Quod si in corporibus inuenire licet inconfusam tempe-
(40)rationem: manifesta amentia est in natura sincera et omnis alterationis exper-

|| [583]
-
te confusionem cogitare et assumptae naturae abolitionem et quidem as-
sumptae ad benefaciendum generi humano.“652
Ob aber wol Kemnicius jm durchs gantze Buch dieses am allermeisten fr-
genomen hat, das er von der praerogatiua oder vorzug vnd hoheit der ange-
(5)nomenen Menschlichen Natur in Christo fr andern Menschen leren hat
wllen, so ist doch in so langem geschwetz an keinem ort richtig vnd vnter-
schiedlich zu finden, was fr vnterschiedene gradus solcher hoheit zu be-
trachten sein, daruon doch die Schrifft sehr deutlich redet. Denn bisweilen
|| [140v:] sagt sie von dieser allergrsten hoheit, das allein die Seel vnd Leib
(10)Christi, Gottes Sons eigener Leib vnd Seel, vnd also diese angenomene
Menscheit mit Gott dem Son eine Person sey, als so Paulus sagt, das in
Christo wone die flle der Gottheit leibhafftig.653 Anderswo redet sie von
dem verdienst, so dieser Person nach beiden Naturn sol zugeschrieben wer-
den, dardurch Gottes Zorn gestillet vnd das Reich der Snde vnd des Todes
(15)zerstret ist, als wenn in der ersten verheissung gesagt wird: Des Weibs
Samen sol der Schlangen den Kopff zutreten.654 Das Blut Jhesu Christi reini-
get vns von allen Snden.655 Vnterweilen redet sie von der anbetung vnd
verehrung Christi, so dieser Person gebret, nicht das die Menschliche Natur
fr sich kndte oder solte angebetet werden, wie Nestorius tichtet, sondern
(20)vmb der vereinbarung beider Naturn vnd von wegen des Verdiensts vnd
Siegs, so der Son Gottes in Menschlicher Natur wider den Teuffel vnd fluch
des Gesetzes erhalten hat. Als da in der Offenbarung Johannis stehet: „Das
Lamb, das erwrget ist, ist wirdig zu nemen ehre vnd preis vnd lob.“656 An
andern orten redet sie von der erhhung der gantzen Person nach beiden
(25)Naturn zum ewigen Knigreich vnd Priesterthum, dadurch aber beider
Naturn eigenschafft nicht wird auffgehaben, als: „Mir ist alle gewalt geben
im Himel vnd auff Erden“,657 „Gott hat jn vber alles gesetzt zum Heubt“658
etc. Bisweilen redet sie auch von der Menschlichen Natur fr sich in sonder-
heit, das sie mit hhern gaben des Geistes gezieret, sonderlich aber nach der
(30)verklerung mit vnaussprechlichem Liecht, weisheit vnd macht auch in vnd
fr sich erfllet vnd vber alle Menschen vnd Engel zum Herrn gesetzt sey,
ob sie wol eine ware Menschliche Natur vnd die gaben sampt der Menscheit,
in welcher sie sind, Creaturen vnd jrem Schepffer vngleich bleiben.
|| [141r:] Dis alles wirfft Kemnicius vber einen hauffen, wie er denn bald an-
(35)fangs in definitione vnionis hypostaticae
ps Marginalie am rechten Rand
mit der persnlichen vereinigung

|| [584]

die dona glorificatae naturae vermenget, so er nennet die Maiestet vber allen
Namen, der genent werden mag in diesem oder in dem andern Leben, vnd
wil doch dafr angesehen werden, als habe er allein die herrligkeit Christi
nach seiner Menscheit gesehen vnd mehr als andere jemals erkleret.
(5)Seiner widerwertigen reden, damit er an einem ort etwas bawet,
pt Marginalie am linken Rand
an dem an-
dern ort wider einreisset, kan ein jeder vnzehlich viel Exempel vermercken,
der nur mit vleis eins gegen dem andern in Kemnicij Buch helt: Jn der be-
schreibung der Persnlichen vereinigung saget er recht nach den gezeugnis-
sen der Schrifft vnd Decretis der Heubtconcilien, das in dem einigen Christo
(10)zwo Naturen sein, die jren vnterscheid vnd jre wesentliche eigenschafften
behalten, welches er anderswo auch mit mehr worten widerholet. Dennoch
darff er hernach nicht an einem, sondern an vielen orten sagen, das die
Menscheit Christi vmb der Persnlichen vereinigung willen viel eigenschaff-
ten empfangen habe praeter, extra, supra, vltra et contra naturam, das ist die
(15)ausser, vber vnd wider jre Natur sind.
pu Marginalie am linken Rand
Vnd hiezu zeucht er das Wunderwerck
an, das Christus mit seinem Leibe auff dem Wasser gangen ist, in welchem
er stracks wider sich selbst redet. Denn ist dis ex miraculo geschehen, wie
zwar auch der Apostel Petrus durch ein Gttlich Wunderwerck auff dem
Wasser gangen ist, warumb schreibet er es denngw zu der Menschlichen natur,
(20)die von wegen der Persnlichen vereinigung alle eigenschafften in sich ha-
ben sol? Vnd wie reimet sichs mit dem Spruch Euphemij Antiocheni, den er
selber citiret: „Ambulare pedum est operatio, sed super mare ambulare, hoc
deitatis erat per humanitatem operantis?“662 Dahin denn auch der Spruch
|| [141v:] Athanasij sihet, da er spricht: „Vt homo tetigit leprosum, vt Deus
(25)sanauit“663 .
Wider die alten Ketzereien, so die ware Menschheit Christi verleugnen, pre-
diget Kemnitius nach der lenge, was fr trost in diesem Artickel des Glau-
bens sey, das in Christo die volkomene Menschliche natur sey sampt allen
Menschlichen eigenschafften ausgenomen die Snde.664 Da er aber entlich
(30)beschleust, stsset er alles selbst in hauffen, denn er tichtet jm ein andere
Menschliche natur Christi, so sie in vnd fr sich selbst betrachtet werde, ein
ander aber, so man in der persnlichen vereinigung von jr dencke. „ Intelli-

|| [585]
-
gantur haec“, spricht er, „(scilicet quod natura humana Christi sit integra,
habeat corpus et animam et in his omnes conditiones, appetitiones, vires et
facultates humanae naturae proprias et ordinatas) de humana natura in Chris-
to per se seu in sua solum substantia considerata. Sed aliud est loqui de ijs,
(5)quae ex vnione personali cum diuinitate et ex collocatione ad dextram Dei
accesserunt humanae naturae in Christo etc.“665 Recht ist es, das die Mensch-
liche natur Christi vber alle Creaturen erhaben wird von wegen der persnli-
chen vereinigung vnd von wegen des sitzens zur Rechten des Vaters, wel-
ches keinem andern Menschen zugeschrieben werden kan. Aber die persnli-
(10)che vereinigung vnd das sitzen zur Rechten Gottes hebet mitnichten auff die
wesentlichen eigenschafften der Menschlichen natur. Vnd es ist eine einige
Menscheit in Christo, man betrachte sie fr sich oder in der Persnlichen
vereinigung, ja es ist die Menschliche natur Christi nie gewesen ausser der
Persnlichen vereinigung.
pv Marginalie am rechten Rand
Vnd was die Kirche leret von den eigenschafften
(15)Menschlicher natur in Christo, als da Ambrosius sagt: „Eadem in Christo
corporis veritas est, quae in nobis“,666 vnd Athanasius: „Consubstantialis no-
bis secundum humanitatem“,667 das verstehet sie anders nicht denn wie die-
|| [142r:] selbe in vnd nach der Persnlichen vereinigung ist vnd bleibet. Vnd
was kan das fr ein trost sein, der aus betrachtung der warhafften Menschli-
(20)chen Natur in Christo solle genomen werden, so derselbige trost sich nicht
grndet eben auff diese Menscheit, die in Christo vor vnd nach der verkle-
rung vnd Himelfart bleibet. Warumb betrachtet aber Kemnicius nicht den
deutlichen Spruch Damasceni, den er selbst anzeucht:
„Fatemur in Christo
saluas esse duas naturas, οὐκ ἰδία καὶ ἀνὰ μέρος τιθέντες ἑκάστῳ, ἀλλὰ ἡνο-
(25)μένας ἀλλήλαις ἐν μίᾳ ὑποστάσει συνθετῷ“?668
Aber es ist nicht vnser frnemen, dismals alle widerwertige Reden Kemnicij
zu erzelen. Vnd was ist es wunder, das er jm selbst widerwertig ist, weil er
auch der alten Lerer Sprche also itzt an diesem, bald an einem andern ort
anzeucht, das er sie einander gantz widerwertig machet vnd vber dis alles jm
(30)noch newe trewme wider die wolgegrndte Lere der rechtgleubigen Kirchen
vnd aller bewerten Lerer, die in der Kirchen Gottes bisher vnerhrt gewesen
sind, ertichtet?
pw Marginalie am rechten Rand
Denn er macht jm one einiges der alten Lerer vorgehendes
Exempel dreierley genera Communicationis Idiomatum. Vnter denen das
erste sein sol ein forma loquendi. Die andern zwey aber sollen sein physicae
(35)oder reales communicationes. Denn das erste beschreibet er also, das es sey
ein weise vnd art zu reden, darinnen die eigenschafften der einen Natur in
Christo der gantzen Person zugeleget wird mit einem solchen namen, der die

|| [586]

Person bedeutet. Vnd diese Rede müsse man erkleren per particulam distinc-
tiuam, damit man verstehe, nach welcher Natur eine jede natrliche eigen-
schafft oder wirckung von der gantzen Person gesagt werde. Dis ist die rech-
te vnd einige Communicatio Idiomatum, welche den alten Lerern bekandt
(5)gewesen ist. Das ander genus Communicationis Idiomatum mus || [142v:]
Kemnicio heissen, wenn die Namen, so eine beschreibung sein des Ampts
Christi, der Person werden zugelegt nicht nach einer, sondern nach beiden
Naturen. Hie ist dis recht gesagt, das die beschreibung des Ampts Christi vnd
die werck der Erlsung Christo nach beiden Naturen zugehren, denn
(10)darumb ist auch die vereinigung beider Naturn geschehen. Vnd dis leugnet
niemand, der in der Lere der Kirchen Gottes recht vnterwiesen ist.
px Marginalie am linken Rand
Derwegen
es der ffentlichen Landlgen gar nicht bedurfft hette, das Kemnicius
schreibt, man wlle alles, was von der Person Christi in der Schrifft gesagt
werde, nur auff die eine Natur zihen also, das es entweder allein nach der
(15)Menschlichen oder allein nach der Gttlichen natur Christi msse verstanden
werden. Warumb gedenckt Kemnicius nicht an die Regel, die er so offt von
seinem Praeceptore gehrt hat: „Nomina officij competunt personae, quae
Deus et homo est, non alteri tantum naturae, siue diuinae siue humanae?“671
Wie kompt aber Kemnicius darauff, das er solche Reden, welche das Ampt
(20)Christi vnd das werck der Erlsung beschreiben, zu einer Communicatione
Idiomatum machen wil? Denn Idioma heist eine eigenschafft, die der einen
natur in sonderheit eignet vnd gebret. Was aber zum Ampt Christi gehret,
ist nicht einer Natur eigen, sondern beiden Naturen gemein.
So man auch die Reden, so zu der Communicatione Idiomatum (die eigent-
(25)lich also vnd allein genennet wird) gehren, erkleret vnd resoluirt, mus man
dieselben per particulam distinctiuam erkleren, als so man sagt, Christus ist
von ewigkeit, nemlich nach der Gottheit, Christus hat in der zeit angefangen,
nemlich nach der Menscheit. Aber so man von dem Ampt Christi redet, darff
man der particulae distinctiuae auff diese weise nicht, sondern man copulirt
(30)vnd verknpfft vielmehr beider Naturn || [143r:] wirckung zusamen, also das
ein ἐνέργεια θεανδρικὴ vnd also ein ἀποτέλεσμα, wie Damascenus redet,672
daraus wird, nemlich ein gemein Werck, darzu eine jede Natur das jre thut.
Als so man sagt: Christus ist vnsere Erlsung, nemlich nach beiden Naturen.
Denn die Erlsung ist ἀποτέλεσμα vnd gemeines Werck, dazu gehren wol
(35)vnterschiedene wirckung beider Naturen, nemlich das die Menschliche natur
leide vnd sterbe, die Gttliche natur ernstlich wlle diesen gehorsam vnd
doch die Menscheit mitten im Tode erhalte vnd also den Tod vnd Snde

|| [587]

vberwinde. Weil aber vmb des wercks der Erlsung willen die beiden Natu-
ren vereinigt sind vnd beider Naturen wirckung solches Werck zu verrichten
zusammenkomen, wird es billich der Person zugeschrieben nach beiden
Naturen, vnter welchen eine jede nach jrer eigenschafft das jrige darbey
(5)gethan vnd noch thut, denn er noch nicht auffhret, vnser Mittler, Knig vnd
Hoherpriester zu sein.
Vnd kan zwar ein Knab, der seine Grammaticam studiret hat, leichtlich den
vnterscheid sehen zwischen den Propositionibus, die da eigentlich ad Com-
municationem Idiomatum gehren, vnd zwischen den andern, so das Ampt
(10)Christi beschreiben. Denn wenn man von den eigenschafften der Naturn also
redet, das von wegen der Persnlichen vereinigung einer Naturn eigenschafft
der gantzen Person zugeeignet wird, mus man allzeit gleichsam eine Synec-
dochen dabey verstehen. Denn wie die Grammatici Synecdochen nennen, so
man ein teil fr ein gantzes oder ein gantzes fr ein teil nennet vnd brauchet,
(15)also wird in Communicatione Idiomatum das einer Naturn eignet der gantzen
Person, in welcher zwo Naturen sind, zugeschrieben. Vnd geschiet doch sol-
ches nicht nach beiden, sondern nach der einen Natur. || [143v:] Wenn man
aber redet von dem Ampt Christi oder von dem werck der Erlsung vnd was
darzu gehrt, ist es nicht als in einer Synecdoche zu verstehen, da man ein
(20)teil fr ein gantzes vnd ein gantzes fr ein teil nennet, sondern stracks dahin,
wie es lautet. Denn was Christo nach beiden Naturen gebret oder was er
nach beiden Naturen zugleich ausgericht hat, das wird billich der Person
Christi nach beiden naturen recht vnd eigentlich zugemessen. Nicht stirbt die
Gttliche Natur in Christo, sondern allein die Menschliche. Aber die Gtt-
(25)liche Natur vnterwirfft sich freywillig diesem gehorsam, darumb das ver-
dienst auch beiden Naturen recht wird zugeschrieben. So erweckt sich die
Menschliche Natur nach dem Tod selber nicht, sondern die Gttliche erhelt
vnd macht widerumb lebendig die verstorbene Menschheit. Beides aber,
nemlich sterben vnd aufferweckt werden, gehrt zu dem einigen werck der
(30)Erlsung, wie Paulus sagt: „Er ist dahin gegeben vmb vnser Snde willen
vnd ist vmb vnser Gerechtigkeit willen aufferweckt.“673 Derwegen, so man
sagt: „Christus hat vns erlset“, ist es nicht per Communicationem Idioma-
tum, sondern nach beiden Naturen Christi zu verstehen.
Was darff es denn nu erst der newerung Kemnicij, das er den namen Com-
(35)municationis Idiomatum auff die beschreibunge des Ampts Christi mit ge-
walt zeucht, dardurch die Lere verwirret vnd was an sich selbst hell vnd klar
ist, mit gesuchten subtiliteten vnrichtig gemachet vnd vertunckelt wird?
Wolte er je einem besondern Namen haben, darbey die Regel gemercket
würde: „Officia competunt personae secundum vtramque naturam“,674 solte

|| [588]

er es billich haben bleiben lassen bey dem wort κοινοποιΐα, welches Cyrillus
brauchet,675 welches aber noch lange nicht ist Communicatio Idiomatum.Viel weniger hette Kemnitius das dritte genus || [144r:] Communicationis Idio-
matum jm tichten drffen, welches er nennet eine solche mitteilung, darin-
(5)nen zwar der Gttlichen Natur nichts sol zugangen sein, aber die Menschli-
che natur in Christo sol vmb der persnlichen vereinigung willen ausser vnd
vber vnd (wie er an andern orten sehr offt redet) auch wider jregy natrliche
eigenschafft vermehret vnd geziret sein infinitis sublimibus, mit vnendlichen
vnd vnzehlichen Hoheiten, die sie nicht von sich, sondern aus der Persnli-
(10)chen vereinbarung mit der Gottheit empfangen habe.
So Kemnicius mit dieser beschreibung nicht die eigenschafften der ewigen,
Allmechtigen, vnendlichen Gottheit, sondern allein die Gaben vnd Hoheiten
der Menschlichen Natur Christi anzeigen vnd bedeuten wil, ist es war, das
keine so grosse, hohe Gabe kan genennet werden, in welcher die Mensch-
(15)liche Natur in Christo numehr nach der verklerunge nicht vnaussprechlicher
weise alle Creaturen vbertreffe. Vnd hieuon ist bey allen rechtgleubigen
Christen kein Streit, darumb Kemnicius seine mhesame vnd sorgfeltige
arbeit von den hyperphysicis676 oder paraphysicis,677 damit er das grste teil
seines Buchs zubringet, wol ersparen hette mgen. Es thut aber Kemnicius
(20)vnrecht, das er in solchen Gaben jm eine besondere Communicationem Idio-
matum ertichtet. Denn hiemit beschnet vnd bestetiget er die wesentliche
ausgiessung der Gttlichen eigenschafften in die Menschliche natur, dauon
vorzeiten Eutyches vnd sein hauff vnd jtziger zeit Jacobus Andreas, Wigan-
dus
vnd andere jnen trewmen, vnd vermenget miteinander, was eigentlich
(25)gaben vnd was herwiderumb eigenschafft heissen. Denn die Hoheiten, fr-
zug, herrligkeit, gaben der Menschlichen natur in Christo (so weit hher,
mehr vnd grsser sind, als in allen an- || [144v:] dern Creaturn) sind noch nicht
idiomata diuina, vnendliche, vnermesliche wesentliche eigenschafft der
Gttlichen Natur, sintemal in alle ewigkeit ein vnterscheid sein vnd bleiben
(30)mus zwischen dem Schepffer vnd dem Geschepff, vnd die Menscheit fr vnd
fr kleiner oder nidriger ist denn die Gottheit.
Es machet auch in diesem Kemnicius jme gar etwas newes, das er zu diesem
tertio genere communicationis zeucht die werck, so zu dem ampt Christi
nach beiden Naturn gehren, vnd thut solchs auff diese weise, das er eine
(35)Exaequation vnd vergleichung in den vnterschiedlichen wirckungen beider
Naturn erzwingen wil. Darumb er alle die Sprche, so von dem ampt Christi
vnd gemeinem werck der Erlsung vnd von der erhhung der gantzen Person

|| [589]

reden, sich vnterstehet auff die Menschliche natur in sonderheit zu deuten,
als: Das blut Christi reiniget vns von snden; in seinem Blut haben wir die
Erlsung; das Fleisch Christi macht lebendig etc.678 Diese vnd dergleichen
Sprche darff er vnuerschempt sagen, „loquuntur diserte et expresse de natu-
(5)ra humana“, so doch klar vnd am tag ist, das sie nicht von der Menscheit
Christi in sonderheit, sondern von der Person reden, welche Gott vnd
Mensch ist, vnd das werck der Erlsung nach beiden Naturn hat ausgerichtet.
Vnd mchte Kemnicius wol mit vleis erwegen, was da heisse der Spruch
Johannis des Teuffers: „Sihe das Lamb Gottes tregt der Welt Snde.“679 Ob
(10)er es allein auff die Menscheit Christi zihen knne oder ob er nicht die gant-
ze Person, die Gott vnd Mensch ist, verstehen msse?
Es mchte auch Kemnitius wol besser bedencken, wie Cyrillus vnd andere
diese rede (das fleisch Christi macht lebendig) ausgelegt vnd erkleret haben,
dauon wir nur einen Spruch aus dem Cyrillo citiren wollen, den Kemnicius
(15)in seinem Buch bslich verstmmelt || [145r:] vnd das ntigste ausgelassen
hat. Denn da er spricht in Iohan. lib. 4, cap. 24: „Totum corpus suum viuifica
Spiritus virtute plenum esse ostendit. Spiritum enim hic ipsam carnem nun-
cupauit non quia naturam carnis amiserit et in Spiritum mutata sit, sed quia
cum Spiritu coniuncta totam viuificandi vim hausit. Nec turbari propter hoc
(20)decet. Nam qui domino conglutinatur, vnus cum eo Spiritus est, quomodo
igitur caro sua vnagz cum eo non appellabitur?“ setzt er alsbald als zur erkle-
rung darauff: „Sed quod modo diximus, id iterum repetere non erit inutile.
Natura carnis ipsa per se viuificare non potest, quid enim maius natura deita-
tis haberet? Nec sola esse in Christo intelligitur, sed habet Filium Dei sibi
(25)coniunctum,ha qui consubstantialiter vita est. Quando igitur viuificam Chris-
tus ipsam appellat, non ita illi, vt sibi siue proprio Spiritui vim viuificandi
attribuit. Nam propter se ipsum Spiritus viuificat, ad cuius virtutem hb per con-
iunctionemb caro conscendit. Quomodo autem id fiat nec mente intelligere
nec lingua dicere possumus, sed silentio atque firma fide id suscipimus.“
(30)Was sind aber das fr Folgen: „Christo data est omnis potestas in coelo et in
terra“, welches eigentlich de potentia collectionis, gubernationis, defensionis
et saluationis ecclesiae oder, wie man es sonst redet, de regno seu maiestate
regnantis Christi zu verstehen ist. „Ergo natura, quam λόγος assumsit in vir-
gine, est omnipotens. Item: Christus est caput ecclesiae, ergo natura humana
(35)est omnipotens?“680

|| [590]

Wenn er auch von den Gaben eigentlichen redet, so macht er jm in diesem
auch ein besonders vnd newes, das er der Menschlichen natur Christi nur
von wegen der Persnlichen vereinigung die hohen Gaben zuleget, da er
doch billich betrachten solte, das die Schrifft die meisten vnd frnemesten
(5)praerogatiuas vnd Hoheiten, so die Menscheit Christi in vnd fr sich hat, erst
nach der || [145v:] verklerung derselbigen zueignet. Aber dis lesset Kemnicius
frsetzlichen aussen, so offt er newe Titel machet de tertio genere Communi-
cationis Idiomatum. Denn solte er sagen, das die Gaben vnd hoheiten Christo
nach der Menscheit zugeschrieben wrden propter exaltationem et glorifica-
(10)tionem, so were es allzu scheinbar, das es keine Communicatio Idiomatum
kndte noch solte genennet werden.
Was bedarff es aber der newen Reden, das die Menscheit Christi viel emp-
fangen habe, das da ausser vnd vber vnd wider jre natrliche eigenschafften
sey? Darunter die Flacianer viel heimliches dinges verstecken vnd verber-
(15)gen, in dem sie es zihen auff ewige, vnendliche, vnermesliche eigenschafft,
welche doch der Menscheit Christi (so sie anders warhafftig, volkomen vnd
vnuerloren gegleubet werden sol) nicht gebren noch eine ware, mit Leib
vnd Seel volkomene Creatur sie bleiben lassen. Viel klerer vnd deutlicher
vnd one gefahr were es, so Kemnicius den vnterschied behielte zwischen den
(20)eigenschafften der Menscheit Christi, derer etliche wesentlich sein, als das
sie in der zeit angefangen, das sie endlich vnd vmbschrieben (finita et cir-
cumscripta) sey. Solche eigenschafften, welche nicht der Menschlichen
Natur schwacheit, sondern viel mehr jre eigenschafft vnd volkomenheit, per-
fectio et complementum, sein (wie auch die Alten hieuon geredt haben), hat
(25)die Menscheit in Christo nie von sich gelegt, sondern behelt sie auch nach
der verklerung vnd Himelfart in ewigkeit. Aber viel ein anders ist es, das die
Menscheit Christi tempore humiliationis warhafftig, als vor der verklerung,
hunger, durst, mde, mattigkeit, trawrigkeit, schmertzen vnd dennhc endlich
den Todt selber geflet vnd getragen hat. Solche schwacheit hat die
(30)Menscheit || [146r:] Christi numehr nach der verklerung, als tempore glorifica-
tionis, abgelegt. Vnd ist hierber in vnd fr sich mit vnaussprechlicher Ehre,
vnsterbligkeit, anschawen des Gttlichen wesens, frewde, macht vnd andern
Gaben gezieret, soviel einer Creaturn nach Gottes Wort mit Warheit zuge-
messen werden sol vnd kan, ist aber dadurch nicht in das ewige, vnendliche,
(35)vnermesliche Gttliche wesen verwandelt, sondern warhafftig Menschliche
natur blieben.
Wenn man auff diese weise nach dem Exempel der alten Lerer in der Kir-
chen Gottes von den sachen redete, so kndte man verstehen, was da hiesse
glorificatio naturae humanae, vnd wrde der vnterscheid zwischen dem
(40)Schepffer vnd seinem hochbegabtem Geschepff nicht weniger nach dem
wesen, als nach den eigenschafften erhalten. Vnd bliebe der hohe, heilsame

|| [591]

trost, das wir vom Himel gewarten den Son des Menschen, der vnsere nichti-
ge Leibe gleichfrmig werde machen nach seinem herrlichen Leibe.
Aber hieuon ist offtmals droben auch gesagt worden vnd ist vns dismals
gnug, das wir dem Christlichen Leser nur etliche wenig Exempla geweiset
(5)haben, wie in Kemnicij Buch so viel vnntiger, zweiuelhafftiger, widerwerti-
ger, gefehrlicher vnd vngereumpter Leren vnd Reden zu befinden sein. Vnd
obwol viel zeit vnd weil vonnten were, so man nach notdurfft dis Augiae
stabulum repurgirn681 vnd das ntze von dem vnntzen, das gegrndte von
dem vngegrndten abscheiden solte, so beweiset doch das werck an jm
(10)selbst, das der Author oder viel mehr Collector dieses Buchs selber nicht
gnugsam verstanden habe, was er hin vnd wider aus den Patribus von diesem
Artickel zusammengerafft hat. Vnd wird vieleicht solch Buch desto weniger
schaden thun, weil der wenigste teil derer, so es lesen, richtig || [146v:] vnd
verstendlich vernemen kan, was Kemnicius meinen wil. Vieleicht wird es
(15)bey etlichen auch darzu dienen, das an vielen orten zu sehen ist, wie Kemni-
cius
eben das, was die andern groben Vbiquitisten am hefftigsten streitten,
heimlich widerlege; darbey zu mercken, wie die Leute der sachen vnterein-
ander selbst eins sind.
Dis haben wir aber bishero von Wigandi, Kemnicij vnd anderer ausgegange-
(20)nen Bchern derhalben vnuermeldet nicht lassen sollen, damit der Christli-
che Leser verstehe, was die Schule zu Wittemberg fr vrsach gehabt, jre Be-
kentnis von den erregten Streitten von Persnlicher vereinigung der beiden
Naturen in Christo vnd von der Communicatione Idiomatum ffentlich zu
thun, dauon wir mit gutem Gewissen noch nicht abweichen knnen, obgleich
(25)das Flacianische Gesinde gantz rasend vnd toll darber werden vnd mit
ertichten, lgenhafften aufflagen682 ein Zetermordio geschrey683 vber das
ander bey dem armen, vnuerstendigen hauffen erregen solte. „Was recht ist“,
spricht der Psalm, „das wird doch recht bleiben vnd dem werden anhangen
alle, die rechtschaffenes Hertzens sind“.684


(30)Propositiones VVitembergenses.

Weil denn nu die offtgedachten Streit auch in diese Lande in die arme Jugent
vnd vnsere Zuhrer eingeschoben vnd newe verwirrunge one ende vnd mas
in diesen allerhchsten Artickeln gemacht worden, haben wir vnserer schl-
digen pflicht vnd ampts halben nicht knnen noch sollen vmbgehen, so offt
(35)sich die gelegenheit in Lectionibus gegeben, vnsere studirende Jugent von
den newen Trewmen vnd gefehrlichen reden soviel desto mehr zu verwar-
nen. Denn dar- || [147r:] umb sind Vniuersiteten bestellet, das man aus besten-

|| [592]
-
digen warhafften Grnden die rechte Lere von allen stcken Christlicher
Religion fortsetzen vnd nicht einem jeden seine Trewme vnd Tauben (die er
nicht bey sich behelt, sondern ausfliegen lesset), soferne dieselben sind
wider die reine, lauter,hd vnuerfelschte Warheit, passiren vnd frey vnuerhin-
(5)dert der warhafften Lere zu nachteil in dem Weitzenacker der Christlichen
Kirchen schaden thun685 lassen solle.
Als aber die newen Antitrinitarij in Siebenbrgen, Polen vnd Vngern des
Herrn Christi ewige vnd wesentliche Gottheit zu verleugnen vnd jn nur zu
einem Gttlichen Menschen zu machen sich vnterstanden, eben aus dem
(10)Eutychianischen grunde, das sie frgeben, die Menschliche Natur Christi sey
mit allen Gttlichen eigenschafften vnd Gaben gezieret, dazu sie auch, jre
Gotteslesterung zu beschnen, gantze Sententz vnd viel reden aus der newen
Scribenten Bcher allegirn, sind wir endlich notwendig gedrungen, auch in
publicis disputationibus die gewnliche vnd gegrndte Lere wider die einge-
(15)frten Streit vnd Schwarm zu widerholen. Welches denn von einem Jar
ordentlicher weise geschehen durch die Propositiones vnd etliche darauff
erfolgete Quaestiones vnd Responsiones, so ffentlich in Druck von vns vor-
fertiget686 vnd von vnzehlich vielen Gottseligen gelerten Leuten mit freuden
gelesen vnd gebilliget worden sind.
(20)Was vns nu hierber begegnet, mssen wir auch dennoch zur ableinung vie-
ler vns auffgetichter Calumnien dismals ein wenig rren vnd vermelden.
Denn erstlich D. Jacobus Andreae sich nicht heimlich vergangen Jars ver-
mercken lassen,687 das es jme wehe gethan, das vnsere Propositiones viel
anders von der vnione personali vnd Communicatione Idiomatum solten
(25)reden, || [147v:] als er vnd die seinigen wider den einhelligen Consenss der
alten rechtgleubigen Kirchen zu leren vnd zu reden pflegen. Vnd ob er wol
mit keinem bestendigen grundt die affirmatiuam in vnser Disputation hathe
anfechten knnen, welche fast durchaus eben mit den worten gefasset gewe-
sen ist, wie die alte Kirche hieuon in symbolis et synodis orthodoxis geredet,
(30)so hat er doch nicht verschweigen noch verbergen knnen, das jm die negati-
ua zuentgegen vnd zuwider sey, mit der wir doch dazumal nicht so fast auff
D. Jacobum vnd Brentium, als die ausserhalb dieser Lande jre Streit ange-

|| [593]
-
fangen, sondern am meisten auff andere newe Scribenten dieser Lande gese-
hen, welche wir hie von wort zu wort verdeutschen wollen, das der Christli-
che Lerer sehe, wie nur von ferne etliche grobe Jrrthumb vnd gefehrliche
reden von vns one jemands schmehung auffs allergelindest vnd seuberlichst
(5)gestraffet worden sein. Denn also lautet die Proposition 30: „Wir erfaren mit
schmertzen, das von vielen dieser zeit die alten Jrrthum allgemehlich wide-
rumb vernewet werden. Vnd halten wirs dafr, das von dem Consenss der
eintrechtigen Lere, so bey der alten rechtgleubigen Kirchen gewesen, wo
nicht mit der meinung vnd verstandt, doch gewislichen mit new ertichten
(10)Reden diese abweichen, welche die Persnliche vereinigung also beschrei-
ben, das sie sey eine ausgiessung aller Gttlicher krafft vnd wirckung in die
Menscheit, dadurch die Gottheit jre eigenschafft der Menschlichen natur
wesentlich sol haben mitgeteilet, oder die da der Menschlichen natur zu-
schreiben, das der Person gehret, vnd derwegen sagen, das die Gttliche
(15)Natur der angenomenen Menschlichen natur wesentlichen habe mitgeteilet
die Person, die Maiestet vnd die wirckung, oder die da mit newen, seltzamen
worten vnzehlich viel ab- || [148r:] teilung vnd distinctiones der Gttlichen ei-
genschafften machen, oder die da auch die frtrefflichen Gaben vnd Hoheit,
so der verklerten Menschlichen natur in Christo in vnd fr sich gegeben, mit
(20)den eigenschafften Gttliches wesens vermengen. Allen diesen wolten wir
gnnen vnd wnschen, das sie den Consens aller alten, bewerten Lerer mit
mehrerm vleis vnd ernst betrachteten vnd nicht alle tage newe form vnd wei-
se zu reden einfreten, daraus zum teil Jrrthum, zum teil zanck vnd zwiespalt
erfolget.“688
(25)Wie hetten wir doch mit mehrer bescheidenheit vnd gelinder sollen anzei-
gen, was wir nicht kndten in der newen Scribenten Bcher billichen? Aber
Doctor Jacobus liesse sich dismals so ferne vernemen, das wo wir vnsere
Propositiones nicht wrden endern – welches wir, ehe vns bestendiger
Grundt dargegen geweist, der Warheit zum nachteil keinesweges thun kn-
(30)nen noch sollen –, so kndte er dieselben anders nicht denn fr Alcoranisch
vnd Mahometisch halten vnd es solte in kurtz darauff erfolgen, das gantz
Sachsen vnd Schwaben wider vns erreget vnd mit hauffen wider diese Schul
geschrieben wrde. Gleicher gestalt hat Wilhelmus Widenbach, Prediger zu
Stutgarden, schmehliche Scartecken689 wider die Schule zu Wittemberg von
(35)wegen der ausgegangenen Propositionum690 weit vnd ferne ausgebreitet hf vnd

|| [594]

auffgetichtetf vnd mit den Flacianischen Theologen zu Jhena vnd Weinmar
newe Rottierung gesuchet, welchs wir Gott befehlen.

Summa der Schrifft, so D. Selneccero vom collegio theologico
vbergeben worden.


(5) || [148v:] Es ist auch von dem Durchleuchtigsten, Hochgebornen Frsten vnd
Herrn, Herrn Julio, Hertzogen zu Braunschweig, dazumal vnser Freund vnd
Collega D. Nicolaus Selnecker mit einer Jnstruction an Churfrstliche
Durchleuchtigkeit zu Sachsen vnd denn an das collegium theologicum dieser
Vniuersitet abgefertiget worden, da wir in der that vnd im werck etlicher-
(10)massen erfaren, was D. Jacobus zuuor gemeldet vnd gedrewet. Wir haben
aber auffs vnterthenigst vnd freundlichst vnsere deutliche vnd richtige ant-
wort in einer ffentlichen Schrifft, so wir Selneccero als vnserm Collegae
dazumal mitgeben,691 gethan vnd vns nach der lenge dahin erkleret, das wir
niemand zu verdries noch jrgent newe Streit zu erregen, sondern aus notwen-
(15)digen vnd vnuermeidlichen vrsachen die Christliche Lere von dem Son Got-
tes (wie wir dieselbe in Gottes Wort gegrndet, von vnsern lieben Vetern
vnd Praeceptoribus in dieser Schulen vnd von der allgemeinen Christlichen
Kirchen von der zeit der Apostel an empfangen) in vnsern Propositionibus
widerholet vnd auffs krtzest zusammengefasset; vns auch erboten, das wir
(20)dulden kndten aller Gelerten, Gottseligen Leute vrteil, so von opinionibus
anteceptis vnd affecten nicht eingenomen vnd einen rechten verstand der
wahrhafften Lere hetten. Denn wie wir die Propositiones von diesem
Artickel fast von wort zu wort auff die Symbola vnd auff die decreta ortho-
doxarum synodorum gerichtet hetten, also wusten wir, das solche Lere nicht
(25)newe noch frembde, sondern von den Aposteln also geleret, von derselben
Discipeln vnd Zuhrern fortgepflantzet, in den allgemeinen, bewerten
Heubtconcilijs wider die Ketzer erstritten, mit Symbolis vnd Decretis vnd
ausfrlichen Schrifften von den || [149r:] alten Lerern erkleret vnd befestiget,
von den Christlichen vnd Gottseligen Rmischen Keisern durch ffentliche
(30)Edicta bestetiget, mit viel tausent Marterer Blut vnd Bekentnis versiegelt,
auch in den reliquijs Graecarum ecclesiarum vnd in der Rmischen Kirchen
noch vnter dem Bapsthum vnd jtzt stet vnd fest erhalten vnd in dieser Schu-
len von anfang bis anher einhelliglich auff diese weise vnd mas getrieben
vnd gebraucht vnd alle gegenlere bestendig verworffen vnd verdampt wor-
(35)den were.
Das aber hiewider frgeworffen wrde, als solte dadurch die Person Christi
getrennet, der Menscheit Christi das sitzen zur Rechten des Vaters entzogen,

|| [595]

die Ehre, Hoheit vnd Herrligkeit der angenomenen Menscheit Christi ver-
kleinert werden, haben wir nach der lenge dazumal erweiset, wie es gantz
vnd gar one grund vns zugemessen vnd auffgetichtethg vnd allbereit von den
alten Heiligen Lerern, denen eben dis auch frgeworffen, klar vnd richtig
(5)widerleget worden sey, wie solches ein jeder auch aus dem, was wir in die-
sem Buch bis anhero erzelet, klerlich vernemen kan.
Letzlich, das aus ermelter Lere newe vnd verhaste Verdacht von vnsern Ab-
gnstigen wider diese Schule getichtet vnd die vnterschieden Artickel inein-
andergemenget wrden von den eigenschafften beider Naturen in Christo
(10)vnd von dem heiligen Abendmal, haben wir vns wie zuuor jederzeit besten-
diglich beruffen auff das ffentliche Lere- vnd Predigampt in dieser Lande
Kirchen vnd Schulen, darinnen Catechismus Lutheri bey Jungen vnd Alten
vleissig getrieben vnd von allen vnd jeden Artickeln, sonderlich aber vom
heiligen Abendmal, anders nichts geleret wird, denn wie die gantze Lere im
(15)Corpore doctrinae harum ecclesiarum durch Gottes gnaden richtig vnd deut-
lich gefasset ist.
|| [149v:] Solchs erzelen wir darumb desto krtzer, weil vnser gantze Schrifft,
D. Selneccero von vns zugestellet, one das vielen guthertzigen Leuten
bekandt vnd in viel hundert Hende in diesen vnd andern Landen komen,
(20)vieleicht auch nach erheischung der notdurfft von vns gantz in Druck gege-
ben vnd verfertiget werden sol.692
Ob aber wol nachmals allerley Schrifften ausgesprenget worden, darinnen
newe conciliationes gerhmet, als solten wir vns in diese oder andere colla-
tiones vnd vergleichung dermassen eingelassen haben, das wir vnserehh Lere,
(25)die zuuor stets von vns gefret, von dem vnterscheid der beiden Naturn in
Christo vns begeben693 hetten, wie D. Selneckers on vnser vorwissen vnd
bewilligung ausgegangenes Exegema694 vnd D. Iacobi Buch von der Theolo-
gen einigkeit695 rhmet: Jedoch ist vns solches vngtlich nachgeschrieben
vnd zugemessen worden, wie zu seiner zeit hieuon, wo es vonnten, weiter
(30)bericht geschehen sol.
Derwegen wir zum zeugnis vnser bestendigen vnd eigentlichen meinung das
Bchlin Propositionum de praecipuis horum temporum controuersijs viel

|| [596]
vnd offtmals bey vns nachdrcken lassen, auch eine kurtze Praefation vorher
gesetzt,696 darinnen wir jederman gewarnet, anders von vnser meinung nicht
zu vrteilen, als wie sie in vnsern eignen Propositionibus vnd Disputationibus
zu befinden, darneben auch bezeuget, das wir vns solcher so grndlicher vnd
(5)gewisser Lere nicht begeben kndten, auch solange vns Gott das leben geben
wrde darber trewlich vnd fest halten wllen. Gleichwol ist es noch kein
auffhren gewesen vnd sind allerley falsche vnd ertichte verleumbdungen
wider vns auch bey den benachbarten Theologen ausgebreitet worden. Denn
etliche aus lauterm hass wider diese Schule mit bsem Gewissen, andere
(10)aber aus vn- || [150r:] uerstand der Lere sich in priuat schreiben an jre Consor-
ten wider die wolgegrndte vnd vngezweiuelte Warheit vnd orthodoxam
sententiam, so in Propositionibus gefasset, heimlich zu Disputiren vnterstan-
den, welche aber ffentlich an tag vnd an das Liecht zu komen jnen nicht
getrawen drffen. Derwegen wir es auch noch an seinen ort stellen vnd der
(15)zeit erwarten mssen, bis sie die grosse Kunst an tag herfrbringen vnd
ffentlich sehen lassen.

Morlinus.

Endlich aber hat Joachimus Mrlinus, Bischoff im Sambland in Preussen
(der sich newlich zuuor in dem foro vnd actu iustificationis zumal wol be-
(20)wiesen, wie seine Enthusiastische vnd Antinomische Propositiones hieruon
vorhanden)697 auch in dem Artickel de vnione personali et Communicatione
Idiomatum herfrthun wollen vnd eine Disputation zu ende des vorgehenden
Jars ausgehen lassen,698 darinnen er auff gut Eutychianisch von diesem ho-
hen vnd grossen geheimnis daher schwermet. Denn dis sind seine wort
(25)Propo. 8 et seq.: „Wir bekennen, das ein jedere Natur, so man sie fr sich
betrachtet, jre eigenschafft habe also, das die Menschliche natur sey finita,
creata, endlich vnd geschaffen, sey auch ein zeitlang von wegen der ange-
nomenen Knechtsgestalt sterblich gewesen, habe knnen verwundet werden,
habe getrawret, gehungert, habe knnen geflet, gesehen vnd vmbschrieben
(30)werden, potuerit sua contineri dimensione etc.“699
In diesen wenig worten stecken zween grobe greifliche Jrrthum. Der erste
ist, das Mrlinus, gleichwie die andere Flacianische Rotte, jm trewmet, als
knne man wol der Menschlichen natur in Christo etliche eigenschafften
zueignen, da man sie gleich andern Men- || [150v:] schen fr sich in sonderheit

|| [597]

vnd, wie sie reden, in abstracto betrachtet, die aber gleichwol nicht warhaff-
tig sind in Christo in der persnlichen vereinigung. Dieses ist stracks wider
das decretum synodi Chalcedonensis: „Nusquam sublata differentia natura-
rum propter vnionem,
py Marginalie am rechten Rand
sed salua magis vtriusque naturae proprietate et in
(5)vnamhi coeunte personam.“700 Vnd der alte Lerer Fulgentius spricht: „In deifi-
ca illa vnione vera Christi humanitas naturalem prorsus retinuit nostri generis
veritatem.“701
Der ander Jrrthum ist, das Mrlinus vnter die zufelligen oder nicht stetwe-
renden eigenschafften der Menschlichen Natur Christi zelet, das sein Leib
(10)hat knnen gesehen, geflet vnd vmbschrieben werden, welche er aber nu
vermeinet, das Christus mit der andern schwacheit des sterblichen Leibs in
der verklerung habe von sich geleget also, das der verklerte Leib numehr vn-
sichtbar, vnbegreifflich vnd vnendlich worden sey. Jst aber dieses nicht
wider Christi eigen Wort, der nach seiner Aufferstehung von seinem verkler-
(15)ten Leibe sagt: „Sehet meine Hende vnd Fsse, ich bins, flet mich vnd
sehet. Denn ein Geist hat nicht Fleich vnd Bein, wie jr sehet, das ich
habe“?702 Oder sollen wir hierin Mrlino mehr gleuben, der die warheit
Menschlicher Natur in Christo eben hiemit gantz auffhebet, als Christo
selbst, der auch nach seiner Verklerunge bezeuget, das sein Leib diese eigen-
(20)schafft habe vnd behalte, das er gesehen, geflet vnd vmbschrieben werden
knne?
Von den wirckungen beider Naturen in Christo zeucht Mrlinus in vielen
Propositionibus wol aus Cyrillo vnd andern Scribenten etliche Sprche an.
Aber wie er sie vnuolkomen vnd gestmpelt anzeucht, also ist leicht zu
(25)sehen, das er in einerley Jrrthum mit Jacobo Andreae, Wigando vnd Kemni-
cio
stecket, nemlich das er jm tichtet, das in Christo alle Gttliche wir-
|| [151r:] ckungenhj durch vnd mit der Menschlichen natur geschehen vnd also
einer jeden Natur ἐνέργεια vnd wirckung auffgehaben oder ja durcheinander
vermischt wird, daruon droben offtmals weiter gesagt ist.
(30)Gar einen frembden verstand aber tichtet Mrlinus den alten Lerern auff,
wenn sie sagen, das die Menscheit alles habe, was die Gttliche Natur hat
vnd vermag in vnione personae.
pz Marginalie am rechten Rand
Denn dis verstehet Mrlinus also, das die
Menschliche Natur Christi, weil sie mit dem Son Gottes vereinbaret, auch in
vnd fr sich selbest von wegen der Persnlichen vereinigung alle Gttliche
(35)gewalt vnd Herrligkeit zusampt der Gottheit habe. Welches Jacobus vnd
andere mit diesen worten reden, das in die Menschheit durch die Persnliche

|| [598]

vereinigung ausgegossen sey die Gottheit vnd Gttliche eigenschafften. Aber
viel auff ein andere weise haben die alten Lerer diese form vnd art zu reden,
das die Menscheit alles habe vnd vermge in vnione personae, verstanden
vnd erkleret. Denn gleichwie dem Menschen Christo gegeben ist, das er eine
(5)Person ist mit dem Sone Gottes, also leren sie, das alles, was der Son Gottes
hat von ewigkeit gehabt per naturam, das sey auch gegeben vnd gebre des
Menschen Son in der zeit per vnionis gratiam. Wie nu recht gesagt werde,
der Mensch Christus ist Gott, also werde auch recht gesagt, der Mensch
Christus ist ein Schepffer aller ding, ist Allmechtig, ist vnendlich, nicht nach
(10)der Menschlichen, sondern nach der Gttlichen Natur, die mit der Mensch-
lichen natur Persnlichen vereiniget ist. Denn gleichwie es vnrecht were, so
man sagen wolte, die Menscheit Christi ist von wegen der Persnlichen ver-
einigung die Gottheit, also knne man auch nicht sagen, die Menschliche
Natur ist von wegen der Persnlichen vereinigung ein erschafferin aller
(15)dinge, allmechtig, vnendlich. || [151v:] Auff diese weise redet auch der Herr
Lutherus in nouissimis verbis Dauidis, wie wir droben seine wort haben an-
gezogen: „Der Herr Christus“, spricht er, „hat nach seiner Gttlichen Geburt
von ewigkeit her vom Vater empfangen die ewige gewalt oder Gottheit, vnd
der Vater hat sie jme gantz vnd vllig geben, wie er sie selbst hat von ewig-
(20)keit. Nach der andern Geburt aber, nemlichen nach der zeitlichen Menschli-
chen natur, ist Christo auch die ewige gewalt Gottes gegeben, doch zeitlich
vnd nicht von ewigkeit her. Denn von dem augenblick an, da Gottheit vnd
Menscheit vereiniget ist in einer person, da ist vnd heist der Mensch Marien
Son allmechtiger ewiger Gott, der ewige gewalt hat vnd alles geschaffen hat
(25)vnd erhelt per Communicationem Idiomatum, darumb das er mit der Gottheit
eine Person vnd auch rechter Gott ist etc.“704
Also erkleren alle Scholastici den gemeinen Spruch S. Augustini „Quidquid
conuenit Filio Dei per naturam, conuenit filio hominis per gratiam“,705 da sie
verstehen gratiam vnionis, vmb welcher Gnadenreichen verbindung vnd per-
(30)snlichen vereinigung willen der Son des Menschen auch genennet wird der
ewige vnd eingeborne Son Gottes.
qa Marginalie am linken Rand
Hieuon sagt auch Fulgentius: „Per hanc
vnionis gratiam filius hominis nascitur ex Deo.“ Et ibidem: „Vnus idemque
Christus est, qui quod humanum est, habet Deus in veritate humanae et quod
diuinum est, habet homo in veritate diuinae naturae.“706 Wenn es aber nach
(35)Mrlini auslegung gehen solte, mste Christus in vnione nicht weniger nach
der Menscheit als nach der Gottheit aus Gottes wesen geboren vnd des
Vaters eingeborner Son sein, welches gantz Schwenckfeldisch ist.

|| [599]

Am ende seiner Disputation kompt Mrlinus auch auff die παραφυσικὰhk vnd
ὑπερφυσικὰ Kemnitij. „Es ist falsch“, spricht er,
qb Marginalie am rechten Rand
„das das fleisch Christi nach
der vereini- || [152r:] gung nichts habe, das vber die art vnd eigenschafft
Menschlicher Natur sey.“707 So er dieses von den gaben vnd der Hoheit, so
(5)die Menschliche natur Christi fr andern Menschen hat, verstnde, ist es
doch gefehrlich geredt vnd stecket dis dahinder, als hab die Menscheit Chris-
ti wider die wesentlichen eigenschafften Menschlicher Natur etwas vnend-
lichs empfangen, damit sie nicht mehr jren Brdern, sondern Gott gleich
worden sey, dis kan aber Mrlinus in ewigkeit nicht beweisen. Denn obwol
(10)die Menscheit Christi des Sons Gottes eigene Menscheit vnd mit dem Son
Gottes eine Person ist, welche Person von allen Engeln angebetet wird, vnd
ist Christus auch nach der Menscheit erhhet vber alle Creaturen vnd hat
nicht allein etliche, sondern alle, ja auch vberschwencklicher vnd vns vnbe-
greifflicher weise hhere vnd frtrefflichere Gaben nach der verklerung
(15)empfangen als andere Menschen oder Engel, jedoch benemen diese Gaben
der Menscheit Christi nicht jre wesentliche eigenschafften vnd bleibet nicht
allein die Menscheit eine ware Menschliche natur, sondern auch dieselben
Gaben sampt der Menscheit, in welcher sie sind, bleiben Creaturen vnd jrem
Schepffer vngleich. Was darff es denn der newen, zweiuelhafften vnd
(20)gefehrlichen Reden, das die Menscheit Christi etwas entpfangen habe, quod
superet conditionem et proprietatem humanam?
Letzlich aber schttet Mrlinus sein gantzes Hertz heraus, das wer in den
vorgehenden Propositionibus seine meinung noch nicht gnugsam verstehen
hette knnen (denn dis halten jnen die grossen Leute fr einen sondern
(25)rhum, das sie schreiben, das nicht jederman verstehe), der mag doch aus dem
schwartzen vnd vergifften Schwantz dieser Disputation sein intention gnug-
sam vernemen.
qc Marginalie am rechten Rand
„Viel mehr ist dieses falsch“, spricht er, „vnd die || [152v:]
hheste lesterung wider den Son Gottes, das die Gottheit der angenomenen
Menschlichen natur nicht wesentlich jre eigenschafft habe mitgeteilet, nul-
(30)lam ab assumente diuinitate realem Idiomatum Communicationem factam
esse naturae humanae assumptae.“708
Dis heisst sich erst recht pontificialiter gestellet nach dem Exempel des Jdi-
schen Bapsts Caiphae, welcher in den Euangelischen Historien, als Christus
bekennet Matth. 26, das er sey der Son Gottes, seine Kleider zureisset vnd
(35)ausschreiet: „Er hat Gott gelestert, was drffen wir weiter zeugnis? Sihe, jtzt
habt jr seine Gotteslesterung gehret. Was dnckt euch?“709 Eben also thut
dieser Bapst in Preussen auch, was die allgemeine Christliche Kirche nu in
die funffzehenhundert Jar nach der Lere Gttliches Worts wider die ver-

|| [600]
-
dampten Ketzer mit grossem ernst vnd eiuer erstritten, bekandt vnd erhalten
hat, das in der Person Christi die zwo Naturen jre vnterschiedene eigen-
schafften vnzerstrlich vnd vnzertrenlich behalten, daraus denn folget, das
keine wesentliche mitteilung oder vermischung der eigenschafften in den
(5)Naturen sein knne, das darff dieser newe Bapst vnd Disputator für Gottes-
lesterung schelten. Gleichwie aber Caiphas der grste Gotteslesterer war, der
sich durffte vnter­stehen, den Herrn Christum der Gotteslesterung zu ver-
dammen, also wird Gott vngezweiuelt dieses Bapsts Gottslesterung einmal
an tag vnd fr sein Gericht bringen. Vnd zwar erkennet die rechtgleubige
(10)Kirche allbereit, was fr grewliche Gotteslesterung hinder der Reali oder
wesentlicher mitteilung der Gttlichen eigenschafften verborgen sind, dauon
wir am ende dieser Schrifft den Christlichen Leser etwas mehr erinnern
wllen. Mssen zuuor von dem Wittembergischen Catechismo einen kurtzen
bericht thun.


(15) || [153r:] Vom Latinischen Catechismo, zu Wittemberg ausgangen.

Gleichwie die ffentlichen vnd heimlichen Flacianer jnen erstlich vrsach von
den Propositionibus genomen haben, die Schul zu Wittemberg auffs newe
anzufeinden vnd mit Lgenhafften ertichten Aufflagen vnd Geschrey bey
dem armen vnerfarnen Hauffen verhasset zu machen, also ist solchs
(20)Geschrey viel mehr geheuffet, als bey vns der Latinische Catechismus im
anfang dieses lauffenden 1571. Jars gedruckt worden ist.710 Derwegen von-
nten, das wir zuuor, ehe wir zum ende dieser Schrifft komen, nach bisher
geschehener erzelunge von den Propositionibus,
qd Marginalie am linken Rand
auch etwas vom selbigen
Catechismo vermelden. Welches wir doch krtzlich thun wllen, weil vmb
(25)vieler vrsachen willen wir entschlossen, auffs fodderlichstehm gemelten Cate-
chismum Deudsch ausgehen zu lassen,711 damit auch der gemeine Man ver-
nemen knne, was von den Heubtstcken der Christlichen Religion wir in
gedachtem Kinder Catechismo fr die Knaben in Latinischen Schulen in
druck verordnet vnd ausgehen lassen.

|| [601]

Denn was jr viel zuuor in den Wittembergischen Propositionibus nicht haben
angreiffen drffen, daruon haben sie ein Zetermordio geschrey vnter dem
gemeinen Man gemacht, nachdem der Latinische Catechismus von vns in
Druck verfertiget worden ist.
qe Marginalie am rechten Rand
Vnd wie es pflegt zu geschehen, zweiueln wir
(5)nicht, das es jtziger zeit in erregtem Geschrey dem armen, vnschldigen
Catechismo bey dem meisten Hauffen ge- || [153v:] he, wie Plutarchus von Aristide schreibet,712 welchen etliche frneme Brger in der Stadt Athene
vmb keiner anderen vrsach denn vmb seiner frmkeit willen (von welcher er
auch Aristides Justus genant wurde), neideten vnd mit dem gewnlichen
(10)Ostracismo713 aus gemeiner Stad entsetzen wolten. Als nu in ffentlicher
versamlung das Volck nach altem gebrauch jre suffragia auff die ὄστρακας
oder Tefelin schreiben vnd namhafftig machen solten die, so in der Stad
ferner nicht zu dulden, kompt ein einfeltiger Man, der selbst nicht schreiben
kundte, zu Aristide, der auch mit vnter der Gemeinhn stunde, bittet jn, er wolte
(15)jm doch auff sein Tefelin den namen Aristides schreiben. „Kennestu jn
denn?“, spricht Aristides, „Vnd hat er dir oder jemandes anders leid zugefgt
oder vnrecht gehandelt?“ „Nein“, sagt der arme Man, „ich weis nicht, wer
Aristides ist, allein, die andern meine Mitbrger schreiben alle Aristiden, die
lasse ichs verantworten.“ Der frome Aristides schreibet jm auff sein begeren
(20)vnd zeucht willig aus der vndanckbarn Stad, darinnen man nicht mehr frome
Leute leiden kondte. Also gehet es jtzt vnserm Catechismo auch, den der
grsserho Hauffe verwirfft vnd verdampt, der jn doch nicht gesehen oder gele-
sen hat. Denn gemeiniglich pflegt es also zu gehen vnter dem gemeinen
hauffen, wenn durch tribunitios clamores der gemeine vnuerstendige Man
(25)eingenomen wird, so verdampt man jmerhin one weiter bedencken vnd nach-
forschen Auch das fr sich recht vnd vnstrefflich vnd (das noch am ergsten
ist) das man nichthp gesehen, gelesen, gehrt, erwogen, verstanden hat.
Weil aber guthertzige Leute dennoch bisweilen nicht wehnen, sondern gerne
wissen wolten, sol vmb derselben willen der Latinische Catechismus, so bald
(30)es zu fertigen mglich, auch Deudsch ausgehen. Vnd so sich jemand wil
warnen lassen, den warnen wir getrew- || [154r:] lich, das er sich fr vnzeitigem
Verdammen vnd Vrteil enthalte, bis solang er nicht mit frembden, sondern
mit seinen eigenen Augen sehen mge. Denn wer da vrteilt mit vnzeitigem

|| [602]

Rat, allzeit jm selbst den grsten schaden that, nach dem alten Spruch: „Ad
poenitendum properat, cito qui iudicat“.714
Jndessen aber bezeugen wir
qf Marginalie am linken Rand
von vnserm Cathechesi mit gutem Gewissen,
das in demselben nichts newes noch frembdes von vns auff die Bahn bracht,
(5)sondern das eben die forma der Lere darin gefasset ist, dazu dieser Lande
Kirchen vnd Schulen sich jederzeit bekandt haben vnd noch Gottlob one
schew bekennen. Derwegen auch bald im Titel des Corporis doctrinae harum
ecclesiarum715 gedacht wird, daraus das gantze Catechismus Bchlin zum
mehrern teil gezogen, vnd was etwa gemangelt, aus andern Schrifften vnser
(10)Praeceptorn, so dem Corpore doctrinae gemes vnd gleichstimmig, zusam-
menbracht ist.
Weil sich denn der Catechismus beruffet auff das Corpus doctrinae dieser
Lande Kirchen vnd Schulen, ist es vns gar kein Wunder, das die groben Fla-
cianer vnsern Catechismum anfeinden. Denn sie doch one das sich von der
(5)Lere vnserer Kirchen ffentlich abgesondert vnd jnen newe Schwarm ertich-
tet haben, die sie wol wissen, das sie eben in den Schrifften vnser Praecep-
torn gestrafft vnd widerlegt sind, aus welchen dieser kleine Catechismus der
studirenden Jugend zum besten formirt vnd zusammengezogen ist.
qg Marginalie am linken Rand
Wir zwar
kndten es gegen Gott vnd gegen der Kirchen nimermehr verantworten, so
(20)wir den abtrnnigen Flacianern zu gefallen vnser richtige vnd wolgegrndte
Form der Lere verendern vnd jres Meisters Flacij vnd seines Anhangs grew-
liche Schwarm in vnsere Catechismos einfren vnd damit die arme Jugend
zu || [154v:] ewigem jrem Nachteil mit falscher Lere verfren vnd betriegen
lassen solten. Denn das sagen wir bestendiglich, das wir nicht knnen noch
(25)sollen die Flacianischen Schwarm, dadurch fast alle Heubtartickel der
Christlichen Lere von jnen verfelschet werden, billichen oder rechtheissen.
Als da sie von dem Son Gottes, von der Persnlichen vereinigung beider
Naturn in Christo, von der Erbsnde, von der beschreibung des Gesetzes vnd
Euangelij, von der Bekerung zu Gott, von der Justification oder Rechtferti-
(30)gung des armen Snders fr Gott, von Notwendigkeit des newen Gehor-
sams, von der ewigen Versehung newe vnd erschreckliche Schwarm jnen
getichtet, die sie mit boshafftiger, mutwilliger halsstarrigkeit sich vnterste-
hen zu verteidigen. Solche vnd dergleichen Artickel finden freilich die Flaci-
aner in vnserm Catechsimo nicht auff jre Schwermerische vnd Enthusiasti-
(35)sche art vnd weise, sondern nach der Form erkleret vnd widerholet, wie da-
uon in vnsern Kirchen (welche die Flacianer als Abtrnnige schendlich vnd
bslich verlassen) je vnd allzeit ein einhelliger Consens gewesen ist. Denn

|| [603]

mit jren Schwermerischen, scheuslichen verfelschungen wollen wir, ob Gott
wil, nichts weder zu schicken noch zu schaffen haben. Kmpt vns derwegen
nicht newe vnd frembd fr, das die Flacianer gemeltes Bchlin tadeln vnd
verwerffen, welches, so sie es nicht theten, msten sie besorgen, man mch-
(5)te jnen nachsagen, das sie mit dieser Land Kirchen vnd Schulen sich vereini-
get vnd verglichen hetten, das denn in jrem verbossetem vnd verstocktem
hertzen sie jnen fur die grste schand vnd als eine reuocation vnd widerruff
alles jres bisanher gepflogenen mutwilgen frnemens achten vnd halten wr-
den. Hiemit sey Wigando auff seine Oration716 Vnd || [155r:] Jreneo, Westpha-
(10)lo
vnd allen andern, die sich ffentliche Flacianer bekennen, auff jre Schme-
hepredigten geantwortet.
Dis aber hat vns billich gewundert vnd ist vns gantz frembde frkomen,
qh Marginalie am rechten Rand
das
etliche, so bisher Flacianer nicht haben sein wllen vnd mit vnserm Corpore
doctrinae, wie sie sich denn gestellet, zufrieden gewesen sind, von vnserm
(15)Catechesi vnbillicher weise zu vrteilen sich vnterfangen haben.717 Vns ist es
jrenthalben leid, das wir hieraus spren mssen, wie sie von der Lere, so sie
allhie bey vns gelernet vnd zuuor approbiret vnd fr recht gehalten, allgeme-
lich je mehr vnd weiter abweichen vnd andern zu gefallen diese Schul, von
welcher sie allehr Gutthaten entpfangen, wider jr eigen Gewissen verun-
(20)glimpffen vnd verdammen helffen. Schmertzlichen fellet es vns auch fr, das
in diesen Landen viel vber vns des Catechismi halben sich beschweren,718
die wir gehofft hetten, sie solten mehr verstands von Christlicher Lere haben
vnd vngezweiuelt wissen, was nu in die funffzig Jar her fr ein Lere bey vns
were getrieben worden. So aber etliche vnter solchen noch sanabiles sein, die
(25)vermanen wir, das sie doch wollen forn anfangen vnd die praefation, so vor
dem Catechesi frher gestellet,719 mit vleis lesen Vnd denn die Erklerung
eines jeden stcks im Catechismo gegen der einhelligen Lere, so in vnserm
Corpore doctrinae vnd den Schrifften demselben gemes (wie wir am ende
des Bchlins auch gebeten) vergleichen vnd zusammenhalten vnd vns aus

|| [604]

dem falschen Wahn vnd argem Vordacht nemen,
qi Marginalie am linken Rand
als hetten wir one gnugsa-
me, notwendige, Christliche vrsachen diesen Catechismum ausgehen lassen
oder als hetten wir etwas newes vnd anders denn die gewnliche vnd stets in
vnser Schulen breuchli­che Lere darein bringen wllen.
(5) || [155v:] Das mus ja jederman bekennen,
qj Marginalie am linken Rand
das in Kinderschulen, wo die Kirch-
en recht bestellet sind, notwendig mssen Catechismi gebraucht werden, die
auch darumb heissen puerilis institutio. Vnd ist eines von den hchsten
Kleinoten in dieser Land Kirchen vnd Schulen des Herrn Lutheri deudscher
Catechismus, welcher gewislich bey vns in Predigten vnd Examinibus bey
(10)jung vnd alten in der Kirchen mehr vnd vleissiger getrieben wird, als jrgend
andere von sich anderswo mit Warheit rhmen mgen. Wie auch keine
Deudsche oder Latinische Schul in diesen Landen ist, da derselbige der
Jugend nicht mit grossem ernst vnd vleis eingebildet wrde. Vnd haben des
nicht allein trotz zu bieten allen Flacianern vnd andern Verleumbdern, son-
(15)dern knnens auch mit der Warheit vnd That selbst beweisen, vnd mssen
alle solchs von vns zeugen, so da hren vnd sehen, was in vnsern Kirchen
vnd Schulen disfals bey alten vnd jungen von vns fr vleis vnd trew ange-
want wird. Weil aber in gemeltem Catechismo Lutheri nicht alles hat knnen
auff einmal zusamengezogen vnd gefasset werden, welches den Kindern vnd
(20)Einfeltigen zu schwehr gewesen, erfoddert je die not, das sonderlich in den
Latinischen Schulen die Jugend zum rechten verstand dessen, das sie allbe-
reit gelernet, vnd ferner auch zu mehrerm vnterricht anderer Stck, so nicht
in Lutheri Catechismo stehen oder begriffen sind, allgemehlich gebracht
werde, auff das sie in teglicher anruffung Gottes jede wort des Catechismi
(25)recht gebrauchen vnd jren Glauben von aller andern Gottlosen bekentnis
absondern vnd vnterscheiden mge.
Nu mssen hie abermals alle verstendige Leut bekennen,
qk Marginalie am linken Rand
das bisher in Parti-
cularschulen klage vnd mangel gewesen ist eines solchen richtigen Latini-
schen Catechismi halben, der in den bern Classibus fr die er- || [156r:] [156r:]
(30)wachsene Knaben nach des Herrn Lutheri kurtzen Kindercatechismo hette
knnen frgelegt vnd gebraucht werden. Vnd hat jm schier ein jeder Schul-
meister selber eine eigene Form eines Catechismi gemacht, dadurch die Kna-
ben, so etwa von einer Schulen in ein ander gezogen, turbirt oder jrre
gemacht vnd verhindert worden. Viel haben sich auch bevlissen, aus den
(35)Flacianischen Streitten viel schedliches, vngegrndtes ding hinein zu brin-
gen, dadurch ja die Jugend zu Zanck vnd Hadder erzogen vnd auff jrrige
Gedancken geleitet wrde.720

|| [605]

Diesem Vnrat zu wehren, haben wir auff bitt vnd begeren vieler Gelerter vnd
frnemen Schulmeister fr die Schulen im Churfrstenthum Sachsen ein
gewisse einfeltige vnd kurtze formam catecheseos christianae aus dem Cor-
pus doctrinae vnserer Kirchen zusammengezogen, welche nach dem
(5)Catechismo des Herrn Lutheri als eine Vorbereitung von denen, so es besser
nicht wsten, kndte gebraucht werden zu dem Examine theologico721 vnd
andern Bchern vnserer Kirchen, darinnen alle Artickel der Christlichen
Lere volkmlich vnd weiter ausgefret werden. Vnd ist vns keinesweges,
wie vnbedachtsame Leute dauon wollen vrteilen, darumb zu thun gewesen,
(10)das des Herrn Lutheri Catechismus solte hiedurch einiger weise abgeschaffet
oder verkleinert werden, sondern wir halten denselben thewr vnd wert vnd
wllen jn aus dieser Land Kirchen vndhu Schulen, ob Gott wil, nicht komen
lassen, so wenig wir dadurch auch das ntzliche Buch Examinis theologici,
so vom Herrn Philippo gestellet vnd in vielen Schulen breuchlich worden ist,
(15)gar nicht wllen aus den Schulen verworffen haben, sonderlich wo erwach-
sene Gesellen in grossen Particularschulen sind, die solches fassen vnd
erreichen mgen.
|| [156v:] Des wird vns aber kein Gottfrchtiger,
ql Marginalie am rechten Rand
verstendiger Man ver-
dencken, das wir in vnserm Catechismo nicht allein die res ipsas oder die
(20)Leren an sich selbst, sondern auch die formas verborum oder art vnd weise
zu reden, aus vnser Praeceptorn Bchern nemen, auch von jedem stck nur
krtzlich erzelunge thun vnd mit vleis vermeiden wllen beides, was frembd
vnd weitleufftig oder den Knaben zu hoch vnd schwehr sein mchte.
Vnd da es bishero einem jeden frey gestanden, syntagmata, methodos, cate-
(25)chismos, examina, capita pietatis, institutiones, paedagogias zu stellen vnd
ausgehen zulassen, deren man etliche auch mit gewalt sich vnterstanden, den
Schulmeistern auffzudringen, wie kmpt es denn,hv das der Schulen zu Wit-
temberg so eben dis ein Todsnde sein sol, das sie ein Catechismum fr die
Jugend gestellet, weil sie ja soviel nu solte wissen vnd aus teglicher erfarung
(30)gelernet haben, wie man ein kurtz Epitomen der Lere, die stets einerley
weise vnd art in diesen Kirchen gefret, aus den bewerten vnd bekandten
Bchern zusammenzihen vnd fassen solte?
qm Marginalie am rechten Rand
Vnd zeiget die Praefation an, das
man denselben niemand auffdringen wllen, sondern den Schulmeistern zu
gebrauchen frey heimgestellet, auch mehr auff dieser Lande Schulen als auff
(35)frembde ort damit gesehen worden ist. Derwegen es je so ein nichtige,
freuentliche Lgen vnd Calumnia ist, man habe mit diesem Latinischen
Catechismo wollen alle andere verwerffen, als so man sprechen wolt, das

|| [606]

gelerte Leute, die bisher Postillen geschrieben haben, hetten des Herrn
Lutheri Postill verwerffen oder verdammen wllen.
Aber dis sey hieuon auch gnug gesagt, damit guthertzige Leute verstehen,
das wir nicht aus Ehrgeitz, nicht vnsers nutzes halben, nicht vmb zancksucht
(5)willen, || [157r:] nicht aus einigem frwitz, sondern allein der Jugend zum
besten, die wir in Examinibus offt verhren mssen, vnsern Catechesin auffs
einfeltigst also zusamengezogen, das wir wissen, das darinnen sey, wie S.
Paulus redet, ein „frbilde der reinen Lere“.722 Vnd tragen wir Gottlob keine
schew, alle gelerte friedliebende Leute, so in vnser Kirchen vnd Schulen
(10)Lere erzogen, zu Richtern darber zu leiden.

Schmehekarten Sebastiani Boetij wider den Catechismum.

Es hat aber zum allerersten Sebastianus Boetius723 sampt etlichen seinen
Consorten sich vnterstanden, mit heimlichen Scarteken diesen vnsern
Catechismum zu tadeln, gleichwie er zuuor auch einer vnter denen gewesen,
(15)so die Wittembergischen Propositiones heimlichen angefeindet, daruon jm
denn von gelerten Leuten in priuat Episteln dermassen widerumb begegnet
worden, das er sich dessen wenig zu rhmen. Dieser hat nichts anders, denn
was aus dem Examine theologico (das in der Schulen zu Hall viel Jar zuuor
gelesen worden vnd in vnserm Corpore doctrinae eins von den besten
(20)Bchern billich gehalten wird) von Buchstaben zu Buchstaben in Catechis-
mum nur vmbgeschrieben worden ist, nu erst fr grosser klugheit meistern
vnd reformirn wollen, welches er dermassen gethan, das er dargegen scheus-
liche Reden gebrauchet hat, von denen man billich ein abschew vnd grewel
haben mchte,
qn Marginalie am linken Rand
als das die angenomene Menschheit Gott sey, wie in seinem
(25)geschriebenen Indice stehet; das an allen orten gegenwertig sein nicht allein
der Gttlichen, sondern auch der Menschlichen Natur eigenschafft sey; das
vnrecht sey, wenn man sagt, Christus sey mit seinem Leibe in Himel auffge-
nomen; das || [157v:] die erhhung Christi zur Rechten Gottes nicht von der
gantzen Person, sondern allein von der Menscheit Christi zu verstehen sey
(30)vnd das die Menschliche Natur nicht allein vber alle Creaturn, sondern auch
in Gott zu erheben, oder wie seine wort auff Schwenckfeldianisch lauten
„non solum supra creaturas, sed in Deum“ zu euehirn724 sey.725 Jtem, das die

|| [607]

Sacramenta nicht recht genennet werden ritus, testimonia, signa, pignora
exhibitae et applicatae gratiae; das von der Tauff nicht recht gesagt werde,
„quod sit ritus testificans nos reconciliari Deo“;726 das S. Pauli wort zweiuel-
hafftig sein vnd mancherley verstand leiden knnen, wenn man sagt: Das
(5)Abendmal sey die gemeinschafft des Leibs vnd Bluts Christi.
Hieruon hetten wir hie wol vrsach jm, nachdem er gerungen, zu antworten,
wo der grosse Praelat als ein ehrlich, auffrichtig Mann sich zu seinen Schme-
hekarten zu bekennen wolte.727 Stellen es aber noch zu diesem mal an seinen
ort,728 bis er aus vnserm Catechismo vns weiter beschldigen vnd auffrichtig
(10)vns vnter augen gehen wird. Wir erinnern allein den Christlichen Leser, das
er bedencken wolle, was es fr eine vermessene knheit vnd vnuerschempter
Schwarm sey, das Boetius, sonderlich in dem Artickel de vnione personali,
ausdrcklich darff die Contradictoriam setzen der gantzen alten rechtgleubi-
gen Kirchen lere zu entgegen. Denn die Wittemberger verdampt er, das sie
(15)nicht sagen wollen, das die angenomene Menscheit Gott sey, jtem, das sie
nicht wllen die Menscheit in Gott erheben, jtem die allenthalbenheit jr nicht
zuschreiben. Dargegen aber ist jm in seinem sinne recht, das die Menscheit
Gott sey vnd das sie nicht allein vber die Creaturen, sondern auch in Gott zu
erheben vnd das sie diese eigenschafft in vnd fr sich empfangen habe, das
(20)sie allenthalben sey. Was sagt aber || [158r:] die alte Kirche daruon? Cyrillus
sagt ad Successum epistola 1: „Caro caro est et non deitas, licet Dei facta sit
caro.“ „Die Menscheit ist vnd bleibet die Menscheit vnd ist nicht die Gott-
heit, ob sie wol Gottes eigene Menscheit ist.“ Item: „Impossibile est in deita-
tis essentiam vel naturam aliquid creaturarum posse conuerti. Est autem cre-
(25)atura etiam Christi caro. Ideoque diuinum quidem dicimus corpus Christi,
quia corpus est Dei et ineffabili gloria illustratum, incorruptibile et iam sanc-
tum atque viuificum confitemur. Quod autem in naturam deitatis sit commu-
tatum neque sanctorum patrum quisquam sensit aut docuit neque nos ita
sentimus.“729
(30)Idem Cyrillus lib. 6 Dialog. in erklerung des Spruchs „Meine Ehre wil ich
keinem andern geben“:730 „Neque enim permittet vllis rebus alijs, quam sibi
iuxta substantialem dignitatem verae deitatis sublimitatibus magnificari.
Quomodo enim natura creata ad huius dignitatis conditionem perueniret, vt
nihil nobilitatis super se relinquat ?“731 Vnd ist der Spruch Hieronymi allen

|| [608]

fromen Gottfrchtigen bekandt: „Verbum Deus est, non caro assumta.“732
Von der Allenthalbenheit sagt Augustinus ausdrcklich lib. 3 cap. 7 De sym-
bolo ad catech: „Dieses heisst Gott sein, allenthalben gantz sein.“733 Aber
Boetius gehe vns redlich vnter augen, so sol jm weiter antwort von diesem
(5)vnd anderm begegnen.

Kemnicij Epistel wider den Catechismum.

Martini Kemnicij Epistola aber, gegen Hall geschrieben, darinnen er den
Catechismum verdammet,734 ist vorhanden,
qo Marginalie am linken Rand
welcher er trawen wil gerhmet
sein vnd nicht heimlich gehalten haben; spricht, er habe den Catechismum
(10)mit vleis durchlesen vnd in Gottesfurcht erwogen. || [158v:] Hie mchten wir
wol mit dem Psalm klagen: „Ah Gott, der Tewre Name dein Mus jrer
schalckheit deckel sein.“735 Aber wir wllen die heucheley, so sich der furcht
Gottes one ernst, allein die Leute darmit zu betriegen, rhmet in solchen
sachen, da das werck vnd die that das gegenspiel beweiset, Gott dem gerech-
(15)ten Richter befehlen, der wird einmal auffwachen vnd nicht vnschldig sein
lassen den, der seinen Namen misbrauchet.736 Denn mit was Gottesfurcht,
auch mit was vleis Kemnicius den Catechismum gelesen vnd erwogen, zei-
get seine gantze Epistel an, darinnen er, was an sich selbst gut vnd vnstreff-
lich ist, in lauter gifft vnd gall verwandelt, nicht anders denn wie eine
(20)vergiffte Spinne den kstlichen Safft, aus den schnen Blmlin gezogen, zu
eitel Gifft machet.737
Wollen des zum zeugnis nur die Exempel anzihen, die Kemnicius am ende
seiner Epistel gedencket, ehe wir zur Heubtbeschldigung komen, die Kem-
nicius
der Sacramentschwermerey halben dem Catechismo sich auffzudrin-
gen bemhet.

|| [609]

Es wird (sagt er)
qp Marginalie am rechten Rand
im Catechismo (Fol. 65 der Leipzischen edition)738 die
Iustificatio oblique gesetzt auff die zwey stck zugleich, reconciliationem et
renouationem. Das ist der Catechismus verstecket heimlich, das der Mensch
fr Gott gerecht werde beides durch die gnedige Annemung vmb Christi
(5)willen vnd vmb der ernewerung willen, die in dem Menschen geschiet. Hie
bitten wir den Christlichen Leser, er wlle one affect vnd praeiudicijs des
Catechismi wort anschawen, welche wir hie (wie sie daselbst stehen) vol-
kmlich anzihen wllen. Denn da wir erkleren, das man alles, was vom
Ampt vnd wolthaten des Herrn Christi gesagt wird, auffs allerkrtzte mit
(10)diesen vier worten fassen knne, welche in der beschreibung oder Definition
des || [159r:] Sons Gottes im Examine theologico erzelet werden: „Christus est
mediator, redemptor, iustificator et saluator.“739 Jn solcher Namen erkle-
runge sagen wir von dem dritten Namen also: „Iustificator est respectu appli-
cationis sui meriti, quia propter ipsius passionem et mortem iustificamur
(15)coram Deo, id est accipimus remissionem peccatorum, reconciliationem cum
Deo, imputationem iusticiae et acceptationem ad vitam aeternam. Deinde et
respectu efficaciae est iustificator, quia in his, qui sunt reconciliati, simul
restituit iusticiam et vitam aeternam, quae etsi in hac vita tantum inchoatur,
tamen postea consummabitur in altera vita.“740 Zu Deudsch lautet dieses
(20)also: „Der Herr Christus ist vnser gerechtigkeit von wegen dessen, das er vns
sein verdienst zueignet. Denn vmb seines Leidens vnd Sterbens willen wer-
den wir gerecht fr Gott, das ist wir empfahen vergebung der Snden, vers-
nung mit Gott, zurechnung der Gerechtigkeit vnd werden angenomen zum
ewigen Leben. Nachmals aber ist der Herr Christus auch vnser Gerechtigkeit
(25)von wegen seiner krafft vnd wirckung. Denn er in denen, die mit Gott vers-
net sind, zugleich widerbringet ewige Gerechtigkeit vnd leben, welches, ob
es wol in diesem leben nur wird angefangen, jedoch wird es hernach volen-
det in dem andern, folgendenhw leben.“
Jn diesen worten, die hell vnd klar sind, wlle der Christliche Leser selbst
(30)vrteilen, was Kemnicius mit seiner Sycophantia741 fr vrsach vnd behelff
haben knne dem Catechismo frzuwerffen, als sey etwas zweiuelhafftiges
darinnen verstecket oder vnrecht geleret. Jsts nicht deutlich gnug voneinan-

|| [610]
-
der vnterscheiden, iustificatio et renouatio, das ist die gnedige annemung
oder versnung mit Gott von wegen des verdiensts Christi vnd die ernewe-
rung, so in denen, die fr Gott allein durch || [159v:] den Glauben gerecht
worden sind, gewislichen allzeit folget? Denn obwol diese beide stck ni-
(5)mermehr knnen getrennet werden, die gnedige annemung fr Gott vnd die
Geistliche ernewerung, denn es heisst: „Der Gerechte lebet seines glau-
bens“742 vnd „Wenn wir durch den Glauben sind gerecht worden, so haben
wir friede mit Gott“,743 jedoch wird von beiden stcken geredt in zween
vnterschiedlichen periodis. Auch wird die particula ordinis et distinctionis,
(10)das ist das wrtlin deinde, nachmals zu mehrem vnterscheid darzwischen
gesetzt. Letzlich stehet darbey, „quod in his, qui sunt reconciliati, Filius Dei
restituat iusticiam et vitam aeternam“, „Das der Son Gottes in denen, die fr
Gott gerecht oder zu Gnaden angenomen sind, ewige Gerechtigkeit vnd
Leben widerbringe.“ Dennoch mus dieser offenbare Calumniator seinen
(15)Geyffer daran hengen vnd mit gewalt die wort zihen auff einen frembden
Verstand, der vns nie in sinn komen ist.
Vieleicht ist es aber diesem Sycophantae744 zu thun, auff das ja seiner sch-
nen Calumnien, die er erstlich auff die Ban bracht vnd damit sich die Flacia-
ner auch im Colloquio zu Altenburg gekutzelt, nicht vergessen wrde, da
(20)diesen Kirchen felschlich zugemessen worden, als lerete oder redete man
bey vns also: „quod renati coram Deo sint iusti partim imputatione, partim
inchoatione“, „das die Gleubigen oder Heiligen fr Gott gerecht sind zum
teil von wegen der zugerechneten Gerechtigkeit, zum teil von wegen des
angefangenen newen Gehorsams.“745 Welches aber, das es in vnserm Corpo-
(25)re doctrinae oder andern dieser Kirchen bewerten Bchern auff || [160r:] diese
weise vnd meinung jemals solte geredt worden sein, weder Kemnicius noch
seine Flacianer bis auff heutigen tag nicht haben darthun knnen, sollens
auch nimermehr mit warheit darthun. Obwol dieses war ist, das in den Locis
theologicis, die Kemnicius zu Wittemberg publice gelesen, sowol als auch in
(30)andern guten Schrifften dieser Kirchen stehet: „Ecclesiam et pios singulos in
hac vita iustos esse imputatione et inchoatione, sed nondum consummatio-

|| [611]
-
ne.“746 Welches er wol weis, das es recht geredet sey von dem gantzen
Christenthum eines gleubigen Menschen. Er setzet aber von dem seinen dazu
„coram Deo“ Vnd menget ineinander praedicamentum relationis, darein
imputatio oder reconciliatio gehrt, die allein ist iustificatio nostra coram
(5)Deo, vnd praedicamentum qualitatis, darein die nouitas spiritualis zu setzen
ist, die ein donum coniunctum oder effectus iustificationis ist, wie die Kna-
ben, so den anfang jrer Dialectiken nur von ferne gesehen haben, richtigen
bescheid geben knnen. Das aber der Son Gottes vtroque respectu vnser
Iustificator sey, merito et efficacia, wird Kemnicius nicht ehe verleugnen
(10)knnen, er straffe denn die heilige Schrifft lgen, welche sagt,
qq Marginalie am rechten Rand
das durch
Messiam gebracht werde die ewige Gerechtigkeit
qr Marginalie am rechten Rand
vnd das durch Jhesum
Christum die Gnade vnd Warheit worden sey
qs Marginalie am rechten Rand
vnd das Gottes gnade vnd gabe
vielen reichlichhx widerfare durch die Gnade des einen Menschen Jhesu
Christi. Sihe nu, wie mit einer feinen Gottesfurcht Kemnicius den Catechis-
(15)mum gelesen vnd erwogen habe?
Gleiche Calumnia aber ist es,
qt Marginalie am rechten Rand
das er spricht, im Catechismo fol. 69 werde
das Ampt des Mittlers || [160v:] Christo allein nach der Gttlichen Natur zuge-
schrieben. Es werden an demselben ort des Catechismi die vrsachen erzelet,
warumb der Mittler habe sollen Gott vnd Mensch sein. Mensch hat er sein
(20)mssen, dieweil das Menschliche Geschlecht gesndiget vnd Gott erzrnet
hatte. Gott aber hat er sein mssen, denn keine Creatur allein hette den zorn
Gottes ausstehen vnd fr die Snde gnug thun vnd das Leben widerbringen
mgen. So muste auch der Mittler von anbegin fr die Kirchen frbitten vnd
zu allen zeiten vnd an allen orten bey der Kirchen gegenwertig sein vnd sie
(25)schtzen vnd erhalten. Nach dieser erzelung stehen diese wort, die nicht
allein zu der letzten, sondern zu allen vorgehenden vrsachen gehren, vmb
welcher willen der Mittler habe mssen warer Gott sein: „Quae beneficia,
etsi fiunt a Filio in natura assumpta et toti personae tribuuntur, tamen sunt
actiones diuinae naturae et omnipotentis.“750 „Diese Wolthaten oder Werck,
(30)ob sie wol von dem Son in der angenomenen Menschlichen Natur geschehen
vnd der gantzen Person zugeeignet werden, so sind es doch wirckung der
Gttlichen vnd Allmechtigen Natur.“ Hieraus nimet jm Kemnicius vrsach,

|| [612]

dem Catechismo auffzutichten, als wrde das Ampt des Mittlers allein der
Gttlichen natur zugeeignet. Dis widerleget aber klar die Frag an sich selber,
so vor diesen vrsachen gesetzt wird: „Cur mediatorem congruebat Deum et
hominem esse?“751 „Warumb hat der Mittler sollen Gott vnd Mensch sein?“
(5)Weil der Mittler ausdrcklich Gott vnd Mensch genennet wird vnd dadurch
angezeigt, das eben darumb Gott vnd Mensch eine Person worden sey, auff
das der Mittler sein Ampt fren vnd volbringen mge, mus es je die mei-
nung nicht haben, das das Ampt des || [161r:] Mittlers Christo allein nach der
Gttlichen Natur zugeschrieben werde. Denn sonst hette die vorgestellete
(10)Frage den Mittler nicht genennet Gott vnd Menschen, sondern were gnug
gewesen, das Gottes oder der Gttlichen Natur were gedacht worden. Es wi-
derlegt auch Kemnicij Calumniam, das in der Clausula, so nach erzelunge
der vrsachen gesetzt ist, nicht stehet: „Officium mediatoris est diuinae natu-
rae et omnipotentis“, „Das Ampt des Mittlers gehrt allein der Gttlichen
(15)vnd Allmechtigen Natur“, sondern also stehet es: „Quae beneficia, etsi fiunt
a Filio in natura assumpta et toti personae tribuuntur, tamen sunt actiones
diuinae naturae et omnipotentis.“ Das ist den zorn Gottes stillen, die Sünde
vllig bssen, das Leben widerbringen, krefftige Vorbitt fr die Kirchen
thun, allzeit vnd an allen orten gegenwertig sein bey der Kirchen, dieselbige
(20)erhalten vnd schtzen. „Diese wolthaten, ob sie wol numehr vom Son Gottes
ausgerichtet werden in der angenomen Menschlichen Natur vnd der gantzen
Person zugeschrieben werden, so sind es doch wirckung der Gttlichen vnd
Allmechtigen Natur.“752
Hette Kemnicius, wie er rhmet, mit vleis diese wort gelesen vnd mit Got-
(25)tesfurcht erwogen, so wrde er im Werck befunden haben, das es ein ander
ding sey, von dem Ampt des Mittlers zu reden, ein anders aber, von den
vnterschiedenen wirckungen, dadurch das Ampt des Mittler gefrt vnd aus-
gericht wird. Denn das gantze Ampt gehret warhafftig Christo zu nach bei-
den Naturn, denn so er allein Gott gewesen oder allein ein Mensch gewesen
(30)were, so hette er nicht knnen ein Mittler sein. Gleichwie aber in diesem
Mittler zwo vnterschiedene Naturn, die Gottliche vnd Menschliche, vnzer-
tennlich vnd vnzerstrlich miteinander vereiniget || [161v:] sind, also fret der
Mittler sein Ampt in beiden Naturn also, das derselben eigenschafften vnd
wirckungen vnterschieden sind vnd bleiben vnd das eine jede Natur das jrige
(35)thue, das jrer eigenschafft gebret, vnd hy doch ausy beider Naturn wirckung
ein ἐνέργεια θεανδρικὴ vnd also ein ἀποτέλεσμα werde. Nicht sind die

|| [613]

wirckunge der beiden naturn separatae oder zerteilt also, das eine Natur von
der andern abgesondert jre wirckung ausrichte. Denn die Naturn bleiben in
ewigkeithz der Person vnzertrenlichen vnd vnaufflslichen miteinander ver-
einbaret, vnd sind also beider Naturn wirckungen einer einigen Person
(5)wirckungen, aber doch nach vngleichen vnd vnterschiedenen Naturn sind es
distinctae actiones, vnterschiedene vnd vngleiche wirckung, es wolte denn
Kemnicius eine vorgleichung der Naturn, exaequationem naturarum, wie
Stenckfeld tichten, sintemal die vergleichung der wirckung auch eine ver-
gleichung des wesens bringt. Diesen vnterscheid der wirckung hat vnser
(10)Catechismus weisen wllen. Denn obwol die Menschliche Natur sampt der
Gttlichen ist das Lsegelt vnd bezalung fr die Snde der Welt vnd das
Leben ist durch den Tod Christi widerbracht vnd Christus vortrit vnd vorbit
vns noch heutiges tages nach beiden Naturn vnd die Menschliche Natur ist
nach der Verklerung auch in vnd fr sich mechtiger denn alle Creaturen vnd
(15)die Gttliche Natur richtet durch dieselbe viel werck aus, die Christo als dem
Heubt der Kirchen zugeschrieben werden, so ist doch die Allmechtige krafft
in erlsung, versamlung, versnung, heiligung, beschtzung, aufferweckung
vnd entlicher verklerung der Kirchen Gottes eigentlich der Gttlichen Natur
wirckung.
(20)Wenn man auch von dem Mittler Christo gedencket, mus man nicht trew-
men, als habe dieses Mittler- || [162r:] ampt erst angefangen nach der Mensch-
werdung Christi, sondern alsbald der heimliche Ratschlag der heiligen Drey-
faltigkeit von der widerbringung des Menschlichen Geschlechts, so nach-
mals in der ersten Verheissung offenbaret, gemacht ist, da hat sich das Mitt-
(25)lerampt allbereit angefangen. Denn wiewol etliche wirckung, so zu diesem
Ampt gehren, eigentlich sein der Menschlichen Natur, als alle schmertzen
vnd kampff im leiden, so ist doch der Son Gottes von anbegin verordnet zu
einem Mittler vnd ist von anfang gesand zu der Kirchen Gottes. Dieser Son
ist fr vnd fr gegenwertig in der Kirchen, erffnet den willen Gottes, samlet
(30)vnd erhelt die Kirchen vnd wil ernstlich diesen seinen Gehorsam, ist der Fr-
bitter, Versner vnd Heiland vmb seines zuknfftigen Gehorsams willen,
welchen er frnemlich hat scheinen vnd leuchten lassen, nachdem er Mensch
geworden vnd bis an den Tod des Creutzes dem Vater ist gehorsam worden.
Sic Origenes in Enarratione epistolae ad Galatas Cap. 3: „Verbum quidem in
(35)fine seculorum homo factus est, Iesus Christus, sed ante hunc manifestum in

|| [614]

carne aduentum mediator quidem erat hominum, sed nondum erat homo, erat
tamen et tunc mediator Dei et hominum“753 etc.
Auff dieses stetwerende Ampt des Mittlers Christi hat der Catechismus auch
weisen vnd anzeigen wllen, das von anbegin die gleubigen zum ewigen
(5)Leben bracht sind vnd das die Kirche erhalten vnd geschtzet worden ist,
das sey eine wirckung, die eigentlich Christo nach seiner Gttlichen Natur
gebret, auch ehe er noch Mensch geworden, wie denn Johannes klar sagt:
„Jn dem Wort war das Leben.“754 Nu er aber Menschliche Natur an sich
genomen, hat er in vnd durch dieselbige das versprochen werck der Erlsung
(10)ausgerichtet || [162v:] vnd samlet, regieret vnd schtzet seine Kirchen vnd
macht sie entlich selig eben in der einmal angenomenen Natur, welche er mit
sich Persnlichen vnd vnzertrenlich vereiniget hat.
Ob aber wol solche wirckung warhafftig geschehen in der angenomenen
Menschlichen Natur, so sind sie doch der Gttlichen Natur darumb nicht zu
(15)nemen vnd der Menschlichen Natur zuzulegen, sondern es sind vnd bleiben
eigentlich der Gttlichen vnd Allmechtigen natur wirckung, wie Christus
klar sagt Johan. 10: „Jch gebe meinen Schaffen das ewige Leben, vnd sie
werden nimermehr vmbkomen, vnd niemand wird sie mir aus meiner Hand
reissen“.755 Vnd bald drauff weiset er, nach welcher Natur er solche All-
(20)mechtige wirckung ausrichte: „Der Vater, der sie mir gegeben hat, der ist
grsser denn alles, vnd niemand kan sie aus meines Vaters hand reissen. Jch
vnd der Vater sind eins.“756 Hie machet der Herr Christus eine gantze
Schlusrede.
qu Marginalie am linken Rand
„Niemand“, spricht er, „wird sie aus meines Vatern hand reissen,
denn der Vater ist grsser denn alles.“
qv Marginalie am linken Rand
„Nu hat aber nicht allein der Vater
(25)mir meine Schafe geben, sondern auch ich vnd der Vater sind eins.“ „Drumb
wird sie auch
qw Marginalie am linken Rand
mir niemand aus meiner Hand reissen.“
Hie bedencke Kemnicius, nach welcher Natur der Herr Christus mit dem
Vater eins sey. Vnd lasse jm solches die wort des Euangelisten, die ferner
folgen, erkleren. Denn da Christus mit dieser rede warhafftig seine Gttliche
(30)Natur bezeuget hatte,ia heben die Jden Steine auff, das sie jn steinigten.
„Nicht“, sprechen sie, „steinigen wir dich vmb des guten wercks willen, son-
dern vmb der Gottslesterung willen, das du ein Mensch bist vnd machest

|| [615]

dich selbst einen || [163r:] Gott.“757 Hiermit zeigen die Jden an, das sie ver-
stehen, das Christi wort dahin gerichtet gewesen, das er habe wllen erwei-
sen, er habe nicht allein Menschliche, sondern auch die Gttliche Natur. Die
Menschliche Natur sahen sie fr augen, die Gttliche Natur zeiget Christus
(5)an mit diesen worten: „Jch gebe meinen Schafen das ewige leben, vnd nie-
mand wird sie aus meiner Hand reissen, denn ich vnd der Vater sind eins.“
Also haben aus diesem vnd dergleichen Sprchen Christi, darinnen die All-
mechtige krafft vnd Gttliche wirckung von Christo gerhmet wird, auch die
heiligen alten Lerer gewaltiglich geschlossen, das warhafftig eine Gttliche
(10)Natur in Christo sey, nach welcher er allmechtige ding vermge, die sonst
allen Creaturn vnmglich sein.
Was ist denn bey Kemnicio fr ein Gottesfurcht, das er den Catechismum
darumb tadelt, das derselbe das ampt des Mittlers dem gantzen Christo also
zuschreibet, das gleichwol die vnterschiedenen wirckung der beiden Naturn
(15)nicht ineinander vermenget werden? Wir haben aber allbereit droben gemel-
det, das Kemnicius mit seiner Geselschafft sich nicht in die Lere von den vn-
terschiedenen wirckungen der beiden Naturn in Christo richten knne vnd in
dem jrrigen trawme stecke, das er vermeinet, das alle, alle werck der Gttli-
chen Natur werden nicht allein in, sondern auch durch vnd mit der angeno-
(20)menen Menscheit volbracht. Dis ist eben vorzeiten auch Theodori vnd Seueri
schwarm gewesen, die in sexta synodo oecumenica verdampt sind.758 Denn
das die alten Lerer gesagt haben, der Son Gottes richte seiner Gttlichen
Natur wirckung aus in der angenomenen Menscheit vnd die angenomene
Menschliche Natur sey gezieret (locupletata) mit den Gttlichen wirckungen,
(25)das verstunden diese Schwer- || [163v:] mer dahin, als were einerley krafft vnd
wirckung der Gttlichen vnd Menschlichen Natur in Christo.
qx Marginalie am rechten Rand
Dargegen der
Synodus aus S. Ambrosio hat angezogen: „Non potest vna potestas et opera-
tio esse, vbi diuersa substantia est.“759 „Es kan nicht eine krafft vnd wir-
ckung sein, wo vngleiche Naturn sein.“ Vnd S. Hilarius spricht:
qy Marginalie am rechten Rand
„Non exae-
(30)quatur et similis est Deo creatura. Si aliquid reperiri potest virtutis eiusdem,
erit eiusdem etiam substantiae.“760 „Eine Creatur kan Gott nicht gleich sein.
So aber etwas gefunden wird, das einerley krafft hat, das wird auch einerley
wesen haben.“ Vnd wie offt sagt Athanasius:
qz Marginalie am rechten Rand
„Opera Christi corpore desi-
gnata non hominis sunt, sed Dei omnipotentis.“761 „Die werck, so Christus

|| [616]

im Leib volbracht hat, sind nicht eines Menschen, sondern eines Allmechti-
gen Gottes werck“?
Darmit man aber je sehe,
ra Marginalie am linken Rand
ob es Kemnicio mehr vmb die Gottesfurcht oder
vmb seine vorgefaste trewme zu thun sey, mit alle dem, das er im Catechis-
(5)mo sich zu tadeln vnterstehet, kan er doch selbst nicht verschweigen, das es
jn auff die Wittemberger sehr verdriesse, das sie jm vnd seinen Enthusiasti-
schenib Brdern die physicam oder realem communicationem nicht billichen
wollen, welches sie denn one verlust der warheit mit gutem Gewissen nicht
thun knnen. „Es ist im Catechismo“, spricht er, „heimlich verstecket, das
(10)allein ein verbalis communicatio sey.“762 Wo aber dis verstecket sein sol,
zeiget Kemnicius nicht an. Nu stehet aber im Catechismo als in einem Kin-
derbchlin die Lere von der Communicatione Idiomatum nicht, sondern ist
aus gutem bedacht vbergangen, dieweil sie den Knaben zu hoch vnd one den
anfang der Dialectiken, darinnen man die genera praedicationum vnterschei-
(15)det, nicht kan grndlich verstanden werden. Zudem, das dieser Catechismus
in den medijs classibus in || [164r:] Schulen nur ein anleitung hat sein sollen
zu dem Examine theologico. Vnd was im Examine weitleufftig gehandelt
worden, das ist entweder im Catechismo gar ausgelassen oder je auffs krtz-
te angerret worden, so viel nur zu erklerung der stck des Catechismi von-
(20)nten gewesen ist. Darumb ist es dem Catechismo gantz one seine schuld
auffgetichtet, das er verbalem communicationem allein setzen sol, als der
weder der verbalis noch realis communicationis mit keinem wort nirgent
gedenckt. Vnd da gleich auch dis stck der Lere hette sollen in Catechismum
mit einverleibet werden, weis die Schule zu Wittemberg nichts von den new-
(25)gebornen vnd vngeschaffenen portentis verborum, realis oder verbalis oder
personalis communicationis, die kein alter Christlicher Lerer jemals in sinn
genomen noch gebraucht hat vnd die Flacianer in wenig Jaren her jnen selbst
getichtet vnd zugerichtet haben.
Vnd was von grund dieser Lere vnser Bekentnis ist, haben wir zum fftern
(30)bisher widerholet mit denen Reden vnd worten, die der alten rechtgleubigen
Kirchen bekand gewesen sind, darbey wirs billich beruhen lassen. Sollen
aber alle oder etliche eigenschafft des Sons Gottes der angenomenen Men-
scheit wesentlich sein mitgeteilet, so mssens entweder die personalia oder
essentialia idiomata sein. Was aber fr Schwarm aus beiden folget, lassen
(35)wir Kemnicium verantworten. Haben diese Exempel aus Kemnicij bitter vnd
zorniger censura zum ersten anzihen sollen, damit der Christliche Leser zu
vrteilen habe, was es fr ein heuchlischer rhum sey, das Kemnicius bald

|| [617]

anfangs frgibt, er habe den Catechismum mit vleis durchlesen vnd in aller
Gottesfurcht bewogen.763
Nu komen wir auff die Heubtbeschldigung,
rb Marginalie am rechten Rand
welche Kemnicius nicht weis,
wie er sie feindselig gnug wider || [164v:] den Catechismum vnd wider die
(5)Schul zu Wittemberg anstellen sol. Denn wie das alte praeceptum leret
„calumniare audacter“, „wenn du wilt andere verleumbden, so thu es nur
frech vnd mutig“, welches Medius in Aula Alexandri Magni seinen Schlern
zu einer Regel, ander Leute mit verleumbdungen zu beschweren, vorstel-
let,764 also schewet sich Kemnicius gar nicht, den Catechismum vnd die
(10)Schule zu Wittemberg Sacramentirischer Jrrthum so frech vnd vnuerschempt
zu beschldigen, das wer das vnschldige Bchlin nicht gelesen vnd was in
der Schule vnd Kirchen zu Wittemberg fr eine Lere von allen vnd jeden
stcken Christlicher Religion fr vnd fr getrieben werde nicht wste, der
mchte wol diesen Calumniatorem fr einen lebendigen Heiligen anbeten
(15)vnd mit den Jdischen Seniorn wider die Wittemberger alsbald auffschreien:
„Rei sunt mortis“, „Weg mit diesen, sie sind des todes schldig“.765 Aber
Gottlob das noch frome Leute sein, die nach dem Exempel Alexandri Magni
dem beklagten das eine Ohr offen vnd vnuerstopffet behalten.766 Andere
aber, so sich mit verleumbdungen, ehe sie vnser Antwort gehrt, allbereit
(20)haben einnemen lassen,
rc Marginalie am rechten Rand
die mgen sich des ernsten befehls Gottes erinnern:
„Du solt vleissig suchen, forschen vnd fragen, bis sich finde die warheit“,767
das gewis also sey.
rd Marginalie am rechten Rand
Denn soviel die Schle zu Wittemberg anlanget, ist vnser
Bekentnis von allen vnd jeden Artickeln der Christlichen Religion vorhan-
den, welcher inhalt in dem Corpore doctrinae verfasset, zu welchem wir vns
(25)neben der heiligen Biblia vnd bewerten Symbolis allzeit referirt vnd gezo-
gen, auch hiemit nochmals in allen stcken vnd puncten referirt vnd gezogen
haben vnd daruon, ob Gott wil, nimermehr weichen noch abtretten wollen
|| [165r:] noch sollen. Vnd sind wir vns durch Gottes gnaden keines Sacramen-
tirischen noch einigen verdampten jrrthums in vnsern Kirchen bewust, bitten
(30)auch den Son Gottes, das er vns ferner in seiner Warheit leiten vnd fr
Sacramentirischen vnd andern Jrrthumen, so wider das Gttliche Wort vnd

|| [618]

den einhelligen Consenss der Rechtgleubigen warhafftigen Kirchen sein, wie
bisanhero also auch forthin gnediglich bewaren wlle.
Diese vnsere warhaffte Protestation setzet diese Schule vnd Kirchen mit
ernst vnd von gantzem hertzen entgegen allen Pforten der Hellen vnd in son-
(5)derheit allen Lestern vnd Lgenmeulern, die aus verbossetem hass vnd mut-
willen diese Schule anfeinden vnd sich zu Werckzeugen des Teufels gebrau-
chen lassen, welcher mit lgen vnd boshafftigen Calumnijs gerne diese
Schul verhasst vnd die reine Lere, so jm vnd seinem Reich zu wider ist,
feindselig den Leuten machen wolte.
re Marginalie am linken Rand
Soviel aber die beschldigung des
(10)Catechismi in sonderheit anlanget, welchen Kemnicius fr Sacramentirisch
ausruffet, setzen wir erstlich entgegen, was der Catechismus selber klerlich
vnd deutlich von dem heiligen Nachtmal vnsers Herrn Jhesu Christi leret mit
denen vnd keinen andern worten, denn wie sie in vnserm Corpore doctrinae
stehen, welche auch von niemand jemals sind angefochten worden. Denn
(15)also saget der Catechismus:

„Was ist das Abendmal des Herrn?

Es ist die Gemeinschafft des Leibes vnd Blutes
rf Marginalie am linken Rand
vnsers Herrn Jhesu Christi,
wie sie in den worten des Euangelij ist eingesetzt; in welcher Niessung der
Son Gottes warhafftig vnd wesentlich gegenwertig || [165v:] ist vnd bezeuget,
(20)das er den Gleubigen alle seine wolthaten zueigene; bezeuget auch, das er
darumb die Menschliche Natur habe angenomen, auff das wir jm durch den
Glauben eingeleibet vnd er vns seine Gliedmassen mache; endlich bezeuget
er auch, das er in den Gleubigen sein, sie leren, lebendig machen vnd scht-
zen wlle.


(25)Wo stehet die einsetzung des Nachtmals des Herrn?

Die Historia der einsetzung beschreibet Mattheus am 26.768 , Marcus am
14
.769 , Lucas am 22.770 vnd S. Paulus 1. Corinth. 11.771

Wie lauten die wort vnd die gantze Historien der Einsetzung?

ic ‚Vnser Herr Jhesus Christus, in der Nacht, da er verrhaten war, nam er das
(30)Brot, dancket vnd brachs vnd gab es seinen Jngern vnd sprach: Nemet hin,
esset, das ist mein Leib, der fr euch gegeben wird, solchs thut zu meinem
gedechtnis. Desselbigengleichen nam er auch den Kelch nach dem Abend-
mal, dancket vnd gab jnen den vnd sprach: Trincket alle daraus, dieser Kelch

|| [619]

ist das newe Testament in meinem Blut, das fr euch vergossen wird zur ver-
gebung der Snden. Solchs thut, so offt jrs trincket, zu meinem gedechtnis.‘c

Wozu sol die Niessung des Abendmals des Herrn geschehen?

Erstlich vnd frnemlich zu sterckung des Glaubens, denn diese Niessung ist
(5)ein Pfand, dadurch der Son || [166r:] Gottes bezeuget, das er den Gleubigen
zueigene die wolthaten, die er mit seinem Tode verdienet hat, auff das wir,
durch dis Pfand vergewisset, warhafftig gleuben, das wir Gliedmassen
Gottes Sons sein vnd werden vnd das wir durch das Blut des Sons abgewa-
schen sein vnd das er in vns wolle krefftig sein vnd vnsere schwache Natur
(10)jm einuerleiben, erhalten vnd lebendig machen.
Nach diesem trost sol die Niessung auch vmb ander vrsachen willen gesche-
hen, vnd kan dis der andere finis genennet werden, nemlich die dancksa-
gung. Denn wenn wir vns der wolthaten erinnern, sol in vns zugleich ange-
zndet werden eine Dancksagung. Derwegen so offt wir das Nachtmal ge-
(15)brauchen, sollen wir hertzlich dancken, das Gott seinen Son gesand habe, das
der Son die Menschliche Natur angenomen hat, das er gelidden hat, das er
vns erlset hat, das er vns das Euangelium gegeben hat, das wir lebendig
gemacht werden durch den Son vnd heiligen Geist, das vns das ewige Leben
widerbracht worden ist, das fr vnd fr eine Kirche gesamlet wird vnd was
(20)ferner fr grosse vnaussprechliche wolthaten Gottes sind.
Zum dritten sol diese Niessung dienen zu erhaltung der ffentlichen Versam-
lung, darinnen Gottt die Predigt des Euangelij gehret vnd erhalten haben
wil. Darumb auch S. Paulus spricht: ‚so offt jr dieses thut, solt jr den tod des
Herrn verkndigen, bis er kome.‘772
(25)Zum vierden sol es in der ffentlichen Versamlung ein zeugnis sein vnser
Bekentnis, wie S. Paulus sagt. ‚Jr knnet nicht zugleich den Kelch des Herrn
trincken vnd der Teufel Kelch.‘773
Zum fnfften sol es sein ein Zeichen Brderlicher liebe nach dem Spruch:
‚Wir sind ein Brot vnd ein Leib.‘774


(30) || [166v:] Welche gebrauchen des Abendmals wirdiglich?

Diejenigen gehen wirdiglich hinzu, die sich selbst prfen, das ist die so recht
in Gottes Wort vnterweiset ernstlich busse thun, das ist haben rew vnd leid
vber jre Snde, erschrecken fr dem zorn Gottes wider die Snde vnd die
derwegen sich herzuid finden, das sie, durch dis Pfand vnd zeugnis erinnert,
(35)den Glauben erwecken vnd bestetigen, auff das sie gewis sein, das sie ange-

|| [620]
-
nomen werden, das jnen die Snden verzihen vnd vergeben werden vmb
Christi willen, der gecreutziget vnd aufferwecket ist, vnd haben ein ernsten
vorsatz, Gott zu gehorsamen775 vnd jr leben vnd wandel zu bessern.

Welche empfangen es denn vnwirdig
(5)vnd fallen derwegen in Gottes Gericht?

Vnwirdig empfangen es, die vnbusfertig hinzu gehen, das ist die nicht mit
sich bringen frcht Gottes vnd Glauben vnd verharren in Snden wider das
Gewissen.

Waserley weise wird das heilige Abendmal
(10)bey den Papisten misgebraucht?

Es sind sechs frneme vnd sehr scheusliche misbreuche des Abendmals des
Herrn bey den Papisten. Der erste ist der Jrrthum von der Transsubstantiation
oder Verwandlung. Denn sie tichten, das die Substantz vnd das Wesen des
Brots in den Leib Christi verwandelt werde vnd bleibe nur die eusserliche
(15)gestalt des Brots. Der ander ist vmbtragen des gesegneten Brots, || [167r:]
denn sie weichen ab von dem Gebrauch, so von Christo befohlen ist, vnd
schliessen das Brot in die Monstrantz vnd tragens herumb, gleichwie vorzei-
ten die Perser in ffentlichen Vorsamlungen pflegten jr heiliges Fewer, das
sie Orimasda nenneten, vmbzutragen.776 Der dritte ist das anbeten des Brots,
(20)denn sie dem Brot, wenn es in Hhe auffgehaben oder in die Monstrantzen
eingeschlossen ist, die anruffung zueigenen, welcher Gottesdienst allein Gott
gebret. Zum vierden tichten sie, das die Mess ein Opffer sey vnd zwar nicht
ein Lobopffer, sondern ein Sneopffer, darinnen der Son Gottes auffs new
auffgeopffert werde fr die Lebendigen vnd Todten, damit sie denn die gant-
(25)ze Mess zu eim Jarmarckt vnd Kremerey machen. Der fnffte misbrauch ist
das Gottlose vnd schendliche geticht von dem opere operato, das man vmb
des Wercks willen selig werde, auch wenn kein glaub noch andacht ist bey
dem, der es gebrauchet. Der sechste Misbrauch ist, das sie den Leien den
Kelch abstelen vnd nemen. Es misbrauchen aber vnd schmehen oder verun-
(30)ehren das Sacrament des Nachtmals des Herrn auch die, so dieses Nachtmal
nicht von gemeiner Speise vnterscheiden, vnd die da leugnen, das die nies-
sung diesesie Brots vnd Weins sey die gemeinschafft des Leibs vnd Bluts
Christi, vnd machen nur blosse zeichen oder leere Symbola vnd sagen, das

|| [621]

die Sacrament allein Kennzeichen sein, dabey man eusserlich einen Christen
von einem Vnchristen kennen sol.“777
Bisher haben wir des Catechismi wort von dem loco de coena verdeudscht,
wie sie an sich selbst lauten, nichts dauon genomen noch jrgendwas mehr
(5)dazu gesetzt, vnd knnen alle verstendige, Gottselige, gelerte Leute zu Rich-
tern dulden vnd leiden. Vnd wie zuuor gemeldet sagen wir, das alles dieses
eben mit den wor- || [167v:] ten in vnserm Latinischen Corpore doctrinae stehet
vnd in allen Examinibus ordinandorum in vnser Schulen vnd Kirchen also
fr vnd fr gebraucht worden ist. Jst auch Kemnicio vnd allen ffentlichen
(10)vnd heimlichen Flacianern vnmglich, das sie aus diesen so klaren, deutli-
chen worten einigen Sacramentirischen Jrrthum erzwingen.
Zum andern folget alsbald im Catechismo diese Erinnerung,
rg Marginalie am rechten Rand
dadurch wir
nicht allein die Schulmeister, so den Catechismum jren Knaben frlesen
wrden, weiter anweisen, sondern auch vrsach anzeigen, warumb wir desto
(15)krtzer alles fassen mssen: „Dieser misbreuch vnd verfelschung ( prophana-
tionum)“, spricht der Catechismus, „widerlegunge knnen nicht so gar kurtz
gefasset vnd widerholet werden. Weil man aber der jungen Knaben schonen
mus, welche alters vnd verstandes halben allzu lange Disputationes nicht er-
reichen knnen, vbergehen wir dieselbige jtzund wissentlich vnd vermanen
(20)die, so zu jrem verstande komen, das sie beides dieser stcke, die wir krtz-
lich erzelet, vnd auch anderer ding, die wir in diesem Kindercatechismo
nicht haben fassen knnen, weitleufftiger erklerunge hierzu nemen aus dem
Bchlin Examinis theologici vnd andern Bchern des Corporis doctrinae,
dazu sich vnsere Kirchen bekennen. Welches wir vngezweiuelt halten fr die
(25)einhellige Lere der rechtgleubigen Kirchen Gottes, so mit den Prophetischen
vnd Apostolischen Schrifften vnd mit den allgemeinen Symbolis vberein-
stimmet.“778 Hactenus verba Catechismi. Hette nu Kemnicius einigen man-
gel gehabt vnd vermeinet, das entweder zuuor in der Affirmatiua oder nach-
mals in der Antithesi oder erzelung der Gegenlere jm nicht gnug geschehen,
(30)solt er die Intention vnd das ende dieses Bchlins aus erweneter erinnerung
ver- || [168r:] merckt haben, welches nicht Zanckschtigen Leuten noch solchen
Klglingen, als Er vnd sein Hauffe mit jrer vnzeitigen spitzfndigen klugheit
sind, sondern den jungen Knaben, die weitleufftige Disputationes weder fas-
sen noch verstehen knnen, zum besten geschrieben ist. Vnd da ein redlicher
(35)Blutstropffe in jm gewest were, solte er den Catechismum nicht eher be-
schldiget haben, bis er sich weiters vnd mehrers Berichts aus vnserm Cor-

|| [622]
-
pore doctrinae erholet hette, zu dem der Catechismus sich nicht allein auff
den Titel vnd in der Praefation, sondern auch eben in diesem Handel vom
Sacrament des Leibes vnd Bluts Christi deutlich vnd ausdrcklich beruffet.
Vnd dieweil er ja wol weis, das die Definition vnd was ferner der Catechis-
(5)mus von dem Abendmal leret, zum mehrer teil aus dem Examine theologico
genomen ist, mchte er so viel vleis vnd Gottesfurcht (dauon er sonst rh-
met) angewand vnd, da er fr seinem Ehrschtigen schreiben vnd vrteilen jm
so viel zeit nicht nemen wollen, das gantze Corpus doctrinae von diesem
Artickel vmbzuschlagen, doch zum wenigsten das Deudsche Examen ange-
(10)sehen haben, sonderlich weil er eine Deudsche Censuram vom Latinischen
Catechismo angestellet vnd gantz Deudschland dawider zu erregen jm frge-
nomen. Nu stehet im Deudschen Examine also:

„Was wird im Abendmal des Herrn Christi ausgeteilet vnd empfangen?

Antwort. Warer Leib vnd Blut des Herrn Jhesu Christi. Denn der Herr Jhesus
(15)Christus hat diese niessung eingesetzt, das er bezeuget, das er warhafftig vnd
wesentlich bey vns vnd in vns sein wil vnd || [168v:] wil in den Bekerten
wonen, jnen seine Gter mitteilen vnd in jnen krefftig sein, wie er spricht
Johan. 15: ‚Bleibet in mir vnd ich in euch.‘“779 Diese wort des Deudschen
Examinis wrden Kemnicium vberweiset haben, das so gar nichts newes sey
(20)vom Nachtmal Christi im Latinischen Examine (dem vnser Catechismus, als
der da Latinisch geschrieben, billich gefolget) als wenig des Apostels Pauli
rede newe vnd wider des Herrn Christi wort sein kan. Denn was Christus
spricht: „Nemet hin, esset, das ist mein Leib, der fr euch gegeben wird,
nemet hin vnd trincket alle daraus, das ist mein Blut des newen Testaments,
(25)das fr euch vergossen wird zu vergebung der Snde“, welche wort denn das
Deudsche Examen widerholet, das redet die Latinische Definition mit Paulo:
„Flihet von dem Gtzendienst. Als mit den klugen rede ich: Richtet jr, was
ich sage: Der gesegnete Kelch, welchen wir segenen, ist der nicht die ge-
meinschafft des Bluts Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die
(30)gemeinschafft des Leibs Christi?“780 etc.
Zum dritten gedencket der Catechismus in der Praefation ausdrcklich des
Catechismi des Ehrnwirdigen Herrn Lutheri. Vnd thut solches nicht mit
einem „Aue Rabbi“,781 wie der Judasbruder Kemnicius sein verbittertes,
feindseliges hertz wider die Schul zu Wittemberg beschnet mit dem Judas-
(35)kuss, da er sich stellet, als meine er es so gut mit derselbigen, zu welcher er
als mit Spiessen vnd Stangen also mit ertichten vnd boshafftigen Calumnijs

|| [623]

komet,
rh Marginalie am rechten Rand
sondern der Catechismus zeuget mit warheit, das des Herrn Lutheri
Catechismus in allen dieser Lande Kirchen vnd Schulen im schwang gehe
vnd zeuhet sich auff denselbigenif also, das er in den Kinderschulen vorher-
gehen vnd, nachdem die Knaben denselbigen gelernet, sie erst zu diesem
(5) || [169r:] Latinischen Catechismo komen vnd auff diese weise zu dem Exami-
ne theologico vnd andern weitleufftigen Schrifften, darinne die summa
Christlicher Lere gefasset, praeparirt vnd allgemehlich fortgebracht werden
solle. Wie nu die ersten principia grammaticae, so von decliniren, coniugi-
ren, construiren vnd dergleichen in Schulen anfahen, nicht werden von den
(10)folgenden reichlichern vnd mehr volkomenen Grammatiken zunicht ge-
macht, sondern vielmehr erkleret vnd bestetiget, also solte Kemnicius die
definition des heiligen Nachtmals im Catechismo Lutheri zu dem Latini-
schen Catechismo gehalten haben. Denn wrde er vnsere Zuhrer, junge
oder alte Leute, in dieser Lande Kirchen vnd Schulen gefraget haben, was
(15)das Sacrament des Nachtmals Christi sey, hetten sie jm richtig vnd deutlich
bescheid geben knnen, das es sey „der ware Leib vnd Blut vnsers Herrn
Jhesu Christi, vnter dem Brot vnd Wein vns Christen zu essen vnd zu trin-
cken, von Christo selbst eingesetzet.“782
Was ist aber dis anders gesagt, denn so man das Nachtmal oder, wie Paulus
(20)auch redet, das Brot, das gebrochen wird, vnd den gesegneten Kelch nennet
die gemeinschafft des Leibs vnd Bluts Christi,783 wie der Latinische Cate-
chismus redet? Denn Kemnicius wird vns die Papistische Transsubstantia-
tionem nicht beweisen vnd Christum vnd S. Paulum nicht miteinander in
diesem Artickel vneins vnd zwiespaltig machen knnen, weil S. Paulus klar
(25)sagt, er habe es vom Herrn empfangen.784 Warumb hat denn Kemnicius sei-
nem selbsgefasten argwohn (die da vntrewen Hertzen gemein zu sein vnd
dem Teufel die Herberge zu bereiten pflegen) so gar mutwillig nachhengen
mgen, das er aus sich selbst dem Catechismo zumisset vnd aufftichtet, das
demselben nie in sinn komen ist? Es hette ja Kemnicius sich || [169v:] der
(30)Regel Hilarij erinnern sollen: „Optimus ille lector est, qui dictorum intelli-
gentiam expectet ex dictis potius quam imponat et retulerit magis quam attu-
lerit neque cogat id videri dictis contineri, quod ante lectionem praesumserit
intelligendum.“785

|| [624]

Hat aber Kemnicium die Schmehekarten,
ri Marginalie am linken Rand
so jm von Halle zugeschickt wor-
den, welcher seine Epistel gedencket,786 zu solchem vnzeitigem vrteil bewo-
gen, weil darinnen der Catechismus getaddelt wird, das nicht eben des Herrn
Lutheri Beschreibung oder definition in demselben gesetzt worden, so hette
(5)Kemnicius auch andere Catechismos, so allenthalben bekand, durchsehen
mgen, wrde er befunden haben, das jr keiner Lutheri Definition aus dem
kleinen Catechismo behalten hat. Denn ein jeder macht jm eine newe, wie
Heshusius in Examine,787 Chytraeus in Catechesi788 vnd so fortan, da ist kei-
ner nie gewesen, der dieses gestraffet hette. Wie komets denn nu, das vnser
(10)Catechismus eben darumb mus vnrecht vnd Sacramentirisch sein, das er die
gewnliche Definition behelt, so stets fr recht gehalten worden, die nie-
mand bisher gestrafft vnd angefochten, die Paulus der Apostel, als vom
Herrn entpfangen, ausdrcklich gesetzt vnd vorgeschrieben hat? Mus man
denn nu erst, das S. Paulo recht vnd so lange zeit in vnsern Kirchen fr recht
(15)gehalten worden, vmb argwaniger vnd mutwilliger Leute tadeln willen ver-
werffen vnd fallen lassen?
Es frchtet sich aber Kemnicius in seiner Censura selbst (denn das bse
Gewissen drcket jn) das man allzu sehr mercken werde, das er nur per sus-
picionem et calumniam dem vnschldigen Catechismo Wittembergensi
(20)Sacramentirische Jrrthum aufftichtet. Darumb legt er sich darauff, es sey
dennoch der Catechismus den Caluinischen zum vorteil gestellet. Fret
dessen drey Argumenta:
|| [170r:] Erstlich,
rj Marginalie am linken Rand
das im Catechismo der Artickel de ascensione also erkleret
werde, das Christus mit seinem Leibe warhafftig gen Himel gefaren vnd da-
(25)selbst sey, bis er widerumb von dannen kome zu richten die Lebendigen vnd
die Todten. „Jst dieses“, spricht er, „also, wie kan denn der Leib Christi im
Abendmal sein?“789 Hie mchte es billich jemand wundern, das Kemnicius
seines eigenen manchfeltigen schreibens, so er in seinen Bchern ausgehen
lassen, so gar vergessen. Denn er trawen selbst zum hefftigsten streitet, das

|| [625]

der Artickel von der Himelfart Christi, wie der Buchstaben lautet, verstanden
werden sol vnd straffet die,
rk Marginalie am rechten Rand
so aus der Himelfart nur eine disparitionem oder
verschwindung des Leibs Christi machen. „Manent“, spricht er, „verba arti-
culi de ascensione in simplici et propria significatione, quod sicut Christus
(5)visibili et physica locatione et circumscriptione sui corporis ante ascensio-
nem in terra versatus est, hoc modo et hac ratione vsque ad extremum iudici-
um non sit conuersaturus in terra“790 etc., ob er wol nachmals diesen Artickel
pflegt zu vermengen mit dem folgenden Artickel vom sitzen Christi zur
Rechten des Vaters.
rl Marginalie am rechten Rand
Er bezeuget auch, das er jm gefallen lasse des Herrn
(10)Lutheri Rat vnd bedencken, welcher die Disputationes von der vbiquitate
oder Allenthalbenheit des Leibs Christi nicht wil vermenget haben mit der
Lere vom Abendmal. Anderswo billichet er auch Herrn Lutheri erklerunge,
die wir auch droben angezogen, in dem schreiben an die Schweitzerischen
Stedte:
rm Marginalie am rechten Rand
„De Sacramento corporis et sanguinis Christi nunquam docuimus
(15)neque adhuc docemus, quod Christus de coelo vel a dextra Dei descendat et
ascendat nec visibiliter nec inuisibiliter. Firmiter enim retinemus articulum
fidei: ‚Ascendit ad coelos, sedet ad dexteram Dei, inde venturus‘. Et diuinae
omnipotentiae commendamus, quomodo corpus ipsius et sanguis in coena
|| [170v:] nobis dentur et exhibeantur, vbi ex ipsius mandato conuenitur et
(20)institutio seruatur, non cogitamus, nec facimus mentionem, quasi ibi fiat vel
ascensus vel descensus, sed simplicissime retinemus ipsius verba: ‚Hoc est
corpus meum. Hic est sanguis meus.‘“792 Es ist auch bisher von jederman vn-
angefochten blieben, das Doctor Paulus Eberus in seiner Confession de
coena793 geschrieben, man msse behalten den Artickel vnsers Christlichen
(25)Glaubens von der Himelfart Christi vnd von seinem sitzen zur Rechten hand
des Allmechtigen Vaters in seinem rechten verstand, wie er in der allgemei-
nen Apostolischen Kirchen zu allen zeiten geleret vnd verstanden worden ist.
Wie darff denn Kemnicius jtzund erst den Catechismum derhalben fr Sac-
ramentirisch ausruffen, das er den Artickel von der Himelfart Christi in dem
(30)eigentlichen verstand behelt, wie man nicht kan oder sol anders thun? Vnd
warumb widerspricht er allem dem, das er zuuor selbst gestritten? Warumb
helt er es jtzund fr vnmglich, das man die ware gegenwart des Leibs
Christi im Abendmal erhalten mge, wo der Artickel von der Himelfart
Christi in seinem eigentlichen verstand bliebe? Aber er fenget nu auch an mit
(35)seinen Consorten zu grbeln de modo praesentiae wider Lutheri so ernste

|| [626]

verwarnung vnd wider alle seine vorige Schrifften vnd wil die Artickel des
Glaubens vngewis vnd zweiuelhafftig machen, so doch die Sacramenta den
Glauben zu vergewissen verordenet vnd das Abendmal noch vor der Himel-
fart Christi eingesetzet ist. Also gehets den Disputatoribus, die aus frwitz
(5)vnd andern zu verdries von hohen Sachen streit erregen, das sie doch entlich
sich selbst in die Backen hawen794 mssen.

Von dem Spruch Acto. 3.795

Wie kan aber Kemnicius so gros Jubilirn trei- || [171r:] ben vber den Catechis-
mum von wegen des Spruchs in Actis cap. 3, welcher in passiua interpreta-
(10)tione gesetzt ist: „Oportet Christum coelo capi“; da Herr Lutherus im Deud-
schen die actiuam interpretationem geben hat: „Christus mste den Himel
einnemen“? Hieuon, weil Kemnicius auch Selneccerum vnd andere mit sich
angetrieben solches anzufechten, mssen wir auffs krtzte etwas den Christ-
lichen Leser erinnern, die mutwillig auffgetichten Calumnias abzulehnen.
(15)Dieweil der Catechismus nicht Deudsch, sondern Latinisch geschrieben, ist
es one alle gefahr vnd one einigen arglist geschehen, das nicht die actiua ver-
sio Lutheri, die im Deudschen zu befinden, sondern die passiua gebraucht
worden ist. Vnd da man sich besorgen hette knnen, das vnruhige Leute je
ein bellum grammaticale daraus machen hetten sollen, wollen wir niemand
(20)mit der passiua interpretatione zu einigem zanck oder argwahn vrsach geben
haben.
Gleichwie es aber nicht frsetzlich von vns geschehen,
rn Marginalie am linken Rand
das eben die passiua
interpretatio angezogen worden vnd solches keinesweges zur verkleinerung
des Deudschen Testaments Herrn Lutheri gemeinet ist, also hat Gregorius
(25)Nazianzenus
, der fast vor 1200 Jaren gelebt vnd deme von wegen seines ho-
hen verstands vnd Gottseligkeit per excellentiam der Namen Theologi zuge-
schrieben ist worden, gleicher gestalt von demselben Spruch Petri Acto. 3
die passiuam interpretationem gebraucht, Orat. 2 de Filio Pag. 214 in Graeco
exemplari: Δεῖ Χριστὸν βασιλεύειν ἄχρι τοῦδε καὶ ὑπ᾿οὐρανοῦ δεχθῆναι ἄχρι
(30)χρόνων ἀποκαταστάσεως καὶ τῶν ἐκ δεξιῶν καθέδραν ἔχειν, ἕως τῆς τῶν ἐχ-
θρῶν ἐπικρατήσεως.796 „Es mus Christus bis auff diese zeit herrschen vnd
vom Himel auffgenomen werden (capi a coelo) bis auff die zeit, da alles her-
widerbracht werde, vnd mus zur Rechten sitzen, bis die Feinde jm vnter-
worffen werden.“ || [171v:] Noch hat niemand jemals Nazianzeno furwerffen
(35)knnen, als habe er das newe Testament verfelscht oder als sey er Sacramen-

|| [627]
-
tirischer Jrrthum schldig gewesen. Billich solten aber diese schamrot wer-
den, welche mit Kindischer Sophisterey frgeben, als sey der Spruch Acto. 3
μιμητικῶς von Nazianzeno angezogen, das ist Nazianzenus sol den Spruch
nicht haben erzelt, das er es dafr gehalten hette, das dis die meinung des
(5)Spruchs were, das Christus vom Himel hab mssen auffgenomen werden,
sondern er sol passiuam interpretationem gesetzt haben, nach der Arianer
meinung. Dis ist eine Sophistische, aber doch eine vergebene ausflucht.
Denn Nazianzenus zeucht nicht allein diesen Spruch an als zu einem gegen-
wurff, sondern andere vielmehr in derselben gantzen Oration. Erzelet aber
(10)die Sprch, welcher die Arianer misbrauchten, wie sie an sich selbst recht
vnd eigentlich lauten, das ist entweder mit den worten, wie sie stehen in der
Griechischen Bibel oder je mit solchen, die gleich soviel gelten. Vnd ist mit-
nichten zu befinden, das Nazianzenus die Arianer darumb straffe, als hetten
sie die Sprch, soviel die wort belanget, erdacht oder verfelscht, sondern was
(15)hieraus Arius seinen Jrrthum zu beschnen folgern vnd vnrecht schliessen
wolte, dasselbe wird von Nazianzeno widerleget. Also zeucht nu Nazianze-
nus
den Spruch Acto. 3 an, nicht das er die wort an sich selbst fr strefflich
halte, denn es sind wort der Schrifft, sondern weil Arius hieraus schliessen
wolt, das Christus Reich nicht ewig sein wrde vnd er also nicht Gott sein
(20)kndte, dazu Ario vrsach gabe das wrtlin „vsque“, ἄχρι, „bis so lange“.
Derwegen widerleget Nazianzenus jm diese seine vnrechte folge, welche
nicht stehet auff dem stcke „oportet Christum coelo capi“, welches er gar
nicht fichtet, sondern auff dem „vsque ad tempora restitutionis omnium“.
Denn er erweiset, das || [172r:] das wort „vsque“ in der heiligen Schrifft nicht
(25)allzeit dem, was zuknfftig ist, entgegengesetzt, auch nicht das, so folgen
werde, ausschleust. Wie er denn die exempla anzeucht: „Ego ero vobiscum
vsqueih ad consummationem seculi.“797 Item: „Sede a dextris donecii ponam
inimicos“798 etc. Vnd hiezu braucht er eben diese harte wort, damit er Arium
straffet, das er wider den hellen Spruch „Regni eius non erit finis“799
(30)dennoch aus diesem „vsque“ vnd „Donec“ wolte folgern, es msse Christus
Reich einmal auffhren, „vt audax tu es interpres et nimis quam licenter
vagus seu regni Christi impatiens. Verum accidit tibi hoc, quia non cognos-
cis voces istas vsque et donec“800 etc.
Es wissen auch die,
ro Marginalie am rechten Rand
so in der Griechischen sprach etwas studiret haben, das
(35)die Griechischen wort, welche S. Petrus Act. 3 brauchet: Ἰησοῦν Χριστὸν, ὃν
δεῖ οὐρανὸν δέξασθαι one einigen abbruch des sententzs vnd eigentlichen

|| [628]

verstandes beide verdolmetschung, actiuam et passiuam geben: „Christum
oportet coelum capere“ oder „Christum oportet coelo capi“, „Christus mste
den Himel einnemen“ vnd „Christus mste vom Himel auffgenomen wer-
den“. Denn es ist jaij eine oratio infinitiua, die actiue vnd passiue kan resol-
(5)uirt werden vel vt Christus capiat coelum vel vt Christus capiatur seu acci-
piatur a coelo. Vnd man gebe es im Deudschen wie man wlle, so gehrt
doch beide Version zu dem Artickel vnsers Christlichen Glaubens von der
Himelfart Christi. Denn so man es gibet actiue, „Christus muste den Himel
einnemen“, hat es diesen verstand, das Christus den Himel eingenomen habe
(10)als das Heubt der Auserwelten, so allbereit im Himel sind, vnd aller Heili-
gen, so noch auff Erden sind, die er entlich auch in Himel zu sich bringen
werde. Gibet man aber die wort passiue, „Christus muste vom Himel auffge-
nomen werden“, so komet es vberein || [172v:] mit den beschreibungen der
Himelfart Christi, dauon die Euangelisten sagen Marc. vlt.: „ik Der Herr ward
(15)auffgehaben gen Himelk, ἀνελήφθη εἰς τὸν οὐρανόν.“801 Luce vlti.: „Es ge-
schahe, da er sie segnet, schied er von jnen vnd fur auff gen Himel, διέστη
ἀπ᾿ ἀυτῶν, καὶ ἀνεφέρετο εἰς τὸν οὐρανόν.“802 Acto. 1: „il Er ward auffgeha-
ben zusehens, vnd eine Wolcke nam jnl auff fr jren augen weg, vnd als sie
jm nachsahen gen Himel farend, sprachen die Engel: ‚Dieser Jhesus, welcher
(20)von im euch ist auffgenomen gen Himel,m wird komen, wie jr jn gesehen habt
gen Himel faren.‘ Βλεπόντων αὐτῶν ἐπήρθηin καὶ νεφέλη ὑπέλαβεν αὐτὸν ἀπὸ
τῶν ὀφθαλμῶν αὐτῶν. Καὶ ὡς ἀτενίζοντεςio ἦσαν εἰς τὸν οὐρανὸν, πορευομέ-
νου αὐτοῦ, item οὗτος ὁ Ἰησοῦς ὁ ἀναληφθεὶς ἀφ᾿ ἡμῶν εἰς τὸν οὐρα­νὸν, οὕ-
τος ἐλεύσεται ὃν τρόπον ἐθεάσασθε αὐτὸν πορευόμενον εἰς τὸν οὐρανόν.“803
(25)Wenn Kemnicius oder jemand der seinigen diese
rp Marginalie am linken Rand
klare beschreibung der
Himelfart Christi aus den Euangelisten auskratzen vnd also den Artickel de
ascensione in seinem eigentlichen verstand auffheben wird, das jnen von der
Kirchen Gottes in ewigkeit nicht wird verstatet werden, so mag er vnd die
seinigen als denn die passiuam locutionem „oportuit Christum coelo capi vel
(30)accipi“ auch als Gottlos verwerffen vnd zwar mit derselben auch alle die
andern versiones, welche die infinitiuam orationem behalten, „oportuit
Christum coelum recipere, accipere, suscipere, excipere“. Denn diese ja

|| [629]

actiue et passiue knnen verstanden werden, vnd erfoddert die Syriaca804 vnd
Hieronymi versio805 viel mehr die passiuam interpretationem, „quod Christus
coelo susceptus, item exceptus sit a coelis“.
Zudem ist auch dieses vnleugbar, das so man gleich des Herrn Lutheri ver-
(5)dolmetschung behelt, jedoch mus man solches einnemen verstehen eigent-
lich von der Menscheit. Denn nach der Gottheit hat er nicht || [173r:] erst in
der Auffart den Himel einnemen drffen. Er ist aber nach dem Leib oder
nach der Menscheit auffgenomen in den Himel, wie Gregorius Nazianzenus
sagt: „Cum carne et sanguine ascendit, quae descendens non detulit.“806 Was
(10)ist nu fr ein vnterscheid: Christus hat seinen Leib in Himel bracht, da der-
selbige zuuor nicht war, oder: Christi Leib ist in Himel gebracht worden, von
dannen er wird komen am Jngsten tage? Wir geschweigen, das die passiua
interpretatio zu dem gantzen contextu im Griechischen sich fast besser schi-
cket. Aber wir wollen hieuon mit niemand vns einlegen oder zancken, sofer-
(15)ne der Artickel des Glaubens vns gelassen werde, das Christus warhafftig im
Himel mit seinem Leibe sey, da er auch in der Glori vnd Herrligkeit sein
eigenschafft, form vnd gestalt des waren Leibs behelt vnd am Jngsten tage
leiblich vnd sichtbarlich wird wider komen. Allein das der Christliche Leser
Kemnicij vnbedachtes schreien vnd schreiben desto mehr erkenne, wlle er
(20)nu die Deudschen wort Lutheri im ersten Capitel zu der Latinischen passiua
versione halten. Denn Herr Lutherus redet in seinem Deudschen Testament
ausdrcklich selber passiue mit den Engeln, Acto. 1: „Jhesus ist auffgeno-
men gen Himel.“807 Hat nu der Leser etwas in Latinischer Sprach studiret, so
betrachte er, ob dieses eine verfelschung des Deudschen Testaments Lutheri
(25)sey, das wir Acto. 3 one einigen arglist gebraucht haben die passiuam inter-
pretationem „Oportet Christum coelo capi“, welches nichts anders ist noch
heist, denn das Christus sey in Himel auffgenomen.
Aber noch viel mehr wlle sich der Leser auch dieses erinnern lassen, Herr
Lutherus hat aus gutem rat vnd bedencken Anno 1529 zu Wittemberg ausge-
(30)hen vnd drucken lassen das Latinische newe Testament vnter seinem namen,

|| [630]

wie es nach der alten Translation || [173v:] corrigirt ist,808 dergleichen erbeit er
auch vber viel stck des alten Testaments gethan hat. Vnd sind noch Exem-
plaria allenthalben vorhanden, auch zu Wittemberg vnd zur Franckfort nach-
gedrcket. Herr Lutherus hat auch selbst eine Latinische Praefation vorher
(5)gesetzt. Jn denselben Latinischen newen Testamenten Lutheri stehet die pas-
siua versio mit hellen klaren worten: „Iesum Christum oportebat coelo sus-
cipi.“ Wer dieses nicht weis, der suche es selber nach, so wird er finden, das
wir mit Warheit berichten. Hieraus schliesse nu menniglich,809 wes Geist
Kemnicium vnd andere treibe, so von vnserm Catechismo ein solch geschrey
(10)ausspeien, darin die passiua interpretatio gebraucht ist, die Herr Lutherus
selbst, beides Act. 1 im Deudschen vnd Acto. 3 in seiner eigenen Latinischen
Version gebraucht hat.
Was Herr Lutherus selbst auff diese weise geredet vnd geschrieben vnd nie-
mand jemals angefochten hat, das mus jnen, weil es jtzund von vns also ge-
(15)redet ist, eine falsatio oder verfelschung des Testaments Lutheri sein. Vnd
solches kan man nicht gehessig vnd feindselig gnug bey jederman machen
vnd spinnet ertichte verdacht daraus. Merck aber, Christlicher Leser, wie
diese Aristarchi nicht allein jren Hass vnd heimlichen Neid, sondern auch ire
vnwissenheit vnd vnzeitigen Eiuer hiemit an tag geben. Erzeigen sich also
(20)als solche Leute, die nicht wissen, was alt oder new, Christlich oder falsch,
recht oder vnrecht sey, vnd die allein auff die Person sehen, der Warheit an jr
selbst wenig warnemen.
Eine gifftige vnd boshafftige Calumnia aber Kemnicij ist es, das er aus dem
coelo capi oder accipi (denn das heisst ja capi in Latinischer Sprach, vnd
(25)wird im Griechischen eigentlich nicht ein compositum, || [174r:] sondern das
simplex verbum δέξασθαι gebraucht) dem Catechismo aufftichtet, als msse
Christus im Himel an einem ort vmbzirckelt vnd beschlossen sein, also das,
wenn mans in Praeterito geben wolte, es heissen msse „Oportet Christum
coelo captum esse.“ Dis ist eine ffentliche, aber doch liederliche Sycophan-
(30)tia vnd ein recht crimen falsi,810 dauon er so viel plaudert. Denn obwol
Gottes Wort vnd die Artickel vnsers allgemeinen Christlichen Glaubens vnd
die alte Rechtgleubige Kirche leret, das Christus nach seiner Himelfart bis
ans ende der Welt mit seinem Leib vnd Seel nicht hieniden auff Erden, leib-
lich vnd sichtbarlich, sondern droben im Himel vber vnd ausserhalb dieser
(35)gantzenip sichtbaren Welt sey, mus es doch nicht die meinung haben, wie die-
ser Falsarius tichtet, das Christus in einem sonderlichen winckel des Himels

|| [631]

eingeschlossen oder gefangen sey. Jst auch gar nicht der Kindischen ge-
dancken vonnten von seinem gehen, sitzen, stehen oder dergleichen, son-
dern es ist vns gnug zu wissen, das Christus leiblich vnd sichtbarlich droben
in der Himlischen wonung ist, die er vns auch bereitet hat vnd darinnen ist
(5)vnd wandelt, wie vnd wo er wil vnd wie es seiner Himlischen vnd vnaus-
sprechlichen Herrligkeit vnd Maiestet gezimet.
Also redet Augustinus in der auslegung des Glaubens:
rq Marginalie am rechten Rand
„Wir gleuben, das er
gen Himel gefaren sey, welches ort der Seligkeit er vns auch verheissen hat,
da er gesagt: Sie werden sein wie die Engel im Himel, in derselben Stad, die
(10)vnser aller Mutter ist, dem ewigen Jerusalem im Himel.“811 Vnd bald her-
nach spricht er: „Wo aber vnd wie der Leib des Herrn im Himel sey, ist ein
furwitzige vnd vnntige Frage. Es ist gnug, das wir gleuben, das er im Himel
sey. Denn es gebret vnser schwachheit nicht, die Himlischen geheimnis zu
erforschen, son- || [174v:] dern es gebret vnserm Glauben, von der Herrligkeit
(15)des Leibes Christi, was hoch vnd herrlich ist, zu gedencken. Wir gleuben
auch, das er sitzet zu der Rechten Gottes des Vaters. Vnd sol aber niemand
wenen, als hette Gott der Vater ein Menschliche gestalt oder ein rechte vnd
lincke Seite, oder wenn man von seinem sitzen saget, das solches mit gebo-
genen Knien zugehe. Auff das wir nicht in dieselbe Gotteslesterung gera-
(20)then, vmb welcher willen der Apostel diejenigen verflucht, welche die Herr-
ligkeit des vnuergenglichen Gottes verwandelt haben in ein Bilde gleich dem
vergenglichen Menschen etc.“812
Es bringet aber Kemnicius noch eine sonderliche Calumniam wider die er-
klerung des Catechismi von der Himelfart: „Es stehet“, spricht er, „was
(25)ferner folget, nicht in jrem Corpore doctrinae.“813 Er meinet aber diese wort:
„Intelligatur ascensio vt sonat litera et de corpore et de corporali locatione.
Ascensio fuit visibilis et corporalis et semper ita scripsit tota antiquitas
Christum corporali locatione in aliquo loco esse vbicunque vult et ascensio
corporalis facta est sursum.“814 Nu hat der Catechismus diese erklerung nicht
(30)aus sich selbs gesogen oder gesonnen, sondern von wort zu wort genomen
aus der Enarratione epistolae ad Collossenses,815 so Herr Philippus etliche
Jar vor seinem Tod geschrieben vnd ausgehen lassen, die auch bis anher
vnangefochten blieben ist. Denn daselbst schreibet er vber die wort Pauli am
3. Capitel, „Suchet was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten
(35)Gottes“816 erstlich von dem Artickel „Er ist auffgefaren gen Himel“: „Wie

|| [632]

reimet sich dis zusammen, das an einem andern ort stehet: ‚Der Son, der im
Schos des Vaters ist.‘817 Jtem, Johan. am 3.: ‚Der Son des Menschen, der im
Himel ist?‘818 Antwort. Der Artickel des Glaubens sol ver- || [175r:] standen
werden,
rr Marginalie am linken Rand
wie der Buchstab lautet von dem Leibe vnd dem raum, den ein Leib
(5)einnimet. Er ist auffgefaren (verstehe also, das er mit seinem Leib natrli-
cher weise ein andern ort hat eingenomen) gen Himel (das ist an einen ort im
Himel, es sey, wo es sey). Denn man sol hie nicht andere deutung ausserhalb
des Buchstabens suchen. Die Auffart ist sichtbar vnd leiblich gewesen. Vnd
also haben alle Alten allzeit geschrieben, das Christus mit seinem Leib einen
(10)raum einnimet an einem ort, an welchem er wil, vnd ist aber leiblich auffge-
faren in die Hhe, darumb nennet Paulus in diesem Capitel dasselbige ort
‚Droben‘. Aber diese rede: ‚Des Menschen Son, der im Himel ist‘, sol ver-
standen werden Communicatione Idiomatum, das ist, von der Person Christi
nach seiner Gttlichen Natur. Denn die Gttliche Natur ist allezeit im Himel
(15)gewesen, auch da der Leib seinen leiblichen raum in dem Leibe der Jung-
frawen hatte.“819 Vnd hie zeucht Herr Philippus an etliche Sprche aus dem symbolo Cypria-
ni
, Augustino, Lombardo, Athanasio, die wir droben auch erzelet haben.
Diese erklerunge aber widerholen wir derwegen allhie, wie sie vom Herrn
(20)Philippo, vnserm lieben Praeceptore, den doch Kemnicius nicht dafr erken-
net, iq von wort zu wort geschrieben ist,q damit zugleich auch geantwortet
werde auff die chartam Selnecceri, darinnen er nicht allein wider die passi-
uam interpretationem des dicti Acto. 3 aus sehr bawfeligen Grnden disputi-
ret, sondern auch den gewissen vnd eigentlichen verstand des Artickels de
(25)ascensione sich vnterstehet zu verdammen vnd etliche Sprche aus den
Vetern anzeucht, die da nicht zum Artickel der Himelfart, sondern des sit-
zens zur Rechten gehren. Dem wollen wir auff dismal in dieser Schrifft vnd
zu dieser zeit, alldieweil wir vns versehen, was von jm disfals geschehen,
aus anreitzung anderer Leute von jm frgeno- || [175v:] men sey, mehr noch
(30)hefftiger nicht antworten, denn das wir, was ferner in jtzt gedachtem ort der
Auslegung vber die Epistel ad Collossenses folget, jm zu bedencken frstel-
len wllen.
„Gleichwie von der Auffart der Menschlichen Natur gesagt ist:
rs Marginalie am linken Rand
‚Er ist auff-
gefaren gen Himel‘, also ist von der erhhung dieser Menschlichen natur
(35)vber alle Creaturen gesagt: ‚Er sitzet zur Rechten des Vaters‘, wie allhie
Paulus spricht, da Christus ist zur Rechten Gottes sitzende. Er spricht, Chris-
tus sey droben in der Hhe vnd also, das er zur Rechten Gottes sitze, das ist
nicht nur also, wie auch die heiligen Engel vnd Menschen droben sind, son-

|| [633]
-
dern also, das er erhhet ist vber die Engel in dem vnbegreifflichen Liecht
Gottes vnd regirt mit dem Vater. Vnd ist dennoch sein Leib reumlich an
einem gewissen ort nach der art eines waren Leibes, wie Augustinus sagt.
Vnd diese Sprche: ‚Christus ist in euch, jch in jnen‘, ‚Wir wollen zu jm
(5)komen vnd Wohnung bey jm machen‘ etc., sollen verstanden werden Com-
municatione Idiomatum, das ist von der Person nach der Gttlichen Natur.
Vnd von dieser Gegenwart des Sons im Predigampt des Euangelij vnd in den
Heiligen mus man die Kirchen getrewlich vnterweisen, auff das wir erken-
nen, das vnser Herr Jhesus Christus gegenwertig sey bey seiner Kirchen vnd
(10)sey das Heubt, welches alles in allem volbringet.“820 Dis sey von dem ersten
Grund beides Kemnicio vnd Selneccero zu diesem mal geantwortet, daraus
sie den vorhassten Verdacht wider den Catechismum eines Sacramentiri-
schen Jrrthums halben spinnen vnd drehen wllen.
Das ander Argument Kemnicij ist,
rt Marginalie am rechten Rand
das der Catechismus der Menschlichen
(15)Natur in Christo aus der Persnlichen vereinigung mit der Gottheit, Maiestet
|| [176r:] vnd Krafft, zu welches Rechten sie gesetzet, nichts anders mitteilen
sol, denn das sie getragen vnd erhalten werde von der Gttlichen. Allhie
gehets Kemnicio wie einem, der bse Augen hat oder durch ein geferbtes
Glas sihet. Denn darumb haben wir droben allbereit Kemnicium vnd seinen
(20)Hauffen beschldiget, das sie die Artickel von der Menschwerdung vnd von
der erhhung Christi zur Rechten des Vaters ineinanderwerffen wider die
ordnung der Artickel des Christlichen Glaubens vnd wider aller bewerten
Lerer zeugnis. Denn also schreibet S. Augustinus von dem sitzen Christi zur
Rechten vber den 110. Psalm: „Sitze“, sagt der Vater zu Christo, „nicht
(25)allein hoch, sondern auch verborgen hoch, das du herrschest Verborgen, das
man dich msse durch Glauben erkennen. Jtem, das du aufferstndest bistu
gestorben, das du hinauff frest bistu aufferstanden, das du zur Rechten des
Vaters sessest bistu hinauffgefaren. Derhalben bistu auch gestorben, das du
zur Rechten des Vaters sessest. Denn nach dem Tod ist gefolget die Auffer-
(30)stehung, nach der Aufferstehung die Auffart, nach der Auffahrt das sitzen
zur Rechten. Darumb hat dis alles angefangen von dem Tod, vnd dieser fr-
trefflichen Herrligkeit ist die nidrigkeit ein anfang gewesen“821 etc.
Wir haben auch droben offt gesagt, was vnsere bestendige meinung sey von
der gantzen Maiestet, Glori vnd Herrligkeit der Menscheit Christi, welcher
(35)gradus vnd vnterscheid Kemnicius gantz vnd gar durcheinanderwirfft vnd
ineinandermenget. Es ist aber ein schreckliche Gotteslesterung Kemnicij, das
er sagen darff, es werde der gantze Artickel Incarnationis vernichtet, wenn
man die Persnliche vereinigung also beschreibe, das die angenomene Men-
schliche Natur getragen vnd erhalten werde von der Gottheit in Persnlicher

|| [634]

einigkeit. Denn eben dis, vnd nicht || [176v:] eine realis effusio oder communi-
catio proprietatum, macht den hchsten vnterschied zwischen Christo vnd
allen andern Heiligen, wie Augustinus sagt: „Alios homines regit, hunc gerit
Deus.“822 Vnd so dieser vnterschied verloren oder vertunckelt wrde, wer-
(5)den wir nicht mehr Christum, Menschen vnd Gott, sondern allein einen Gtt-
lichen Menschen behalten, wie hernach sol ferner ausgefret werden. Es
gibet aber dieser Censor vnd Inquisitor haereticus seinen groben vnuerstand
hiemit an tag, das er noch nicht so viel gelernet hat, was da heisse: „Naturam
assumtam sustentari a diuina assumente.“ Hette er seine Scholasticos ver-
(10)standen, so wrde er wissen, was sie genennet haben Suppositum vnd suppo-
sitari, welches Herr Philippus deutlicher erkleret, wenn er sagt:
ru Marginalie am linken Rand
„In Christo
sic sunt vnitae duae naturae, vt sint vnum ὑφιστάμενον, id est, vt gestetur hu-
mana natura a λόγου λόγῳ: A. sic, vt sint inseparabiles naturae deinde in tota aeter-
nitate, et vt natura humana redigeretur in nihilum, nisi sic gestaretur.“823
(15)Die alten habens also auch geredet: „Persona terminat dependentiam naturae
humanae, id est,
rv Marginalie am linken Rand
natura assumta talem habet ordinem ad personam assumen-
tem, vt massa illa non esset, nisi sic assumpta esset.“824 Athanasius saget
auch dergleichen, dialogo 4 De S. Trini.: ἄνευ τοῦ λόγου οὔτε ἄνθρωπον
αὐτὸν οἶδα ὑπόσταντα, τὴν γάρ ὕπαρξιν αὐτοῦ ἐν τῇ ἑνώσει τοῦ λόγου γνω-
(20)ρίζω.825 „Wenn der Mensch Christus nicht were angenomen vnd wrde
getragen vnd erhalten von dem Wort, were er nichts, denn sein Wesen hat er
in der Person des Worts, mit dem er vereiniget ist.“ Wenn nu der Catechis-
mus saget, das vnio personalis sey eine vnaufflsliche verbindung oder ver-
einbarung zweier Naturn in Christo vnd das die Menscheit getragen werde
(25)von der Gottheit, ists nichts anders geredt, denn das die Menscheit, die sonst
fr sich keine Person oder selbstendig wesen war, mit der Gottheit eine Per-
son oder ein || [177r:] Christus sey oder das diese Menscheit des Sons Gottes
eigen Leib vnd Seel sey vnd zur substantz vnd wesen seiner Person numehr
nach der Menschwerdung gehre. Hiemit wird aber keinesweges verleugnet
(30)glorificatio et exaltatio naturae humanae, die Ehre vnd Herrligkeit der
Menscheit, so entweder von wegen der Persnlichen vereinigung oder von
wegen der verklerung, so nach der Aufferstehung geschehen ist, diese
Menschliche Natur weit hher setzt denn alle Creaturn, allein das sie den-

|| [635]
-
noch eine Creatur vnd dem ewigen, Gttlichen, vnendlichen wesen vngleich
sey vnd bleibe.
Wie gar vngereimet ist es aber, das Kemnicius hie abermals die gegenwart
des Leibs Christi in seinem Abendmal auff die Persnliche Vereinigung per
(5)modum vbiquitatis grnden wil, so er doch, wie newlich gemeldet, zuuor
stets dieses getrieben hat: „Man sol nicht forschen mas oder weise, wie der
Herr Christus vns seinen Leib im Nachtmal mitteile, sondern nur den worten
der einsetzung gleuben.“826 Wenn die mitteilung des Leibs vnd Bluts Christi
gegrndet were auff die Persnliche vereinigung, die sich in Mutterleibe
(10)angefangen hat, was hette es der sonderlichen einsetzung vnd verordnung
des heiligen Nachtmals bedorfft? Oder was were fr ein newes vnd wunder-
barliches Geheimnis im Abendmal, soviel die gegenwart des Leibs Christi
anlangt, wenn dieselbe auch ausserhalb des Nachtmals in allen dingen vnd
Creaturn sein solte?
(15)Weil aber hieruon auch droben offt gesaget ist,
rw Marginalie am rechten Rand
komen wir auff Kemnicij
drittes Argument, damit er den Catechismum wil Sacramentirisch machen,
nemlich weil derselbe nichts sage von den streitigen puncten zwischen dieser
Lande vnd den auslendischen Kir- || [177v:] chen, dauon Herr Lutherus in dem
handel vom Sacrament so hefftig gestritten habe. Wenn in Kemnicio nicht
(20)eine gesuchte bosheit vnd gifftiger mutwillen were, hette er sich billich
schemen sollen, dieses dem Kindercatechsimo vorzuwerffen.
Denn je Diputationes
rx Marginalie am rechten Rand
von streitigen puncten nicht in Catechismos gehren.
So sagt die Praefatio klar, das man wissentlich in diesem Catechismo sich in
die Controuersien vnd Streit nicht habe wllen einlassen, die in andern
(25)Schrifften getrieben, aber eigentlich hieher nicht gehren. Es hat auch Herr
Lutherus selbs in seinem Catechismo mit keinem wort derselbigen Streit
vom Sacrament gebraucht, so wird man im Examine theologico auch daruon
nichts finden. Also haben viel andere zu diesen zeiten Catechismos geschrie-
ben, aber die streitigen Disputationes haben sie aus gutem bedacht vmb der
(30)Jugent willen vbergangen. Jedoch ist nie keinem disfals frgeworffen wor-
den, das er darumb Sacramentirisch sey. Was darff es denn der zuntigung
zu vnserm Catechismo? Oder ist dis die Todsnde, darumb die Flacianer den
Catechismum anfeinden, das derselbige nicht eben reden wil, wie sie vnter-
einander newgeborne, zweiuelhaffte, gefehrliche, vngleiche vnd vngewisse
(35)reden fren? Jst nicht dis die beste weise, die Jugent zu vnterrichten, so man
sie in allen Artickeln, soviel jmer mglich, auff die Prophetischen vnd Apos-
tolischen grnde vnd art zu reden weiset? Oder sol man von dem Artickel de
coena vmb Sacramentirischer oder frembder verfelschung vnd misbreuch
willen verwerffen die reden, so der heilige Apostel Paulus selbst von diesem
(40)hohen Geheimnis gebraucht hat, die auch jederzeit in diesen Kirchen vnd
Schulen gefret vnd bisher bey allen Gott- || [178r:] seligen recht gewesen,

|| [636]

recht blieben vnd fr recht gehalten sind? Denn damit ja klerlich verstanden
wrde, das kein hinderlist im Catechismo mit den gewnlichen reden ge-
braucht werde, ist zum vberflus, soviel jungen Knaben vonnten gewesen,
der frnemesten Misbreuche vnd Jrrthum auffs krtzte gedacht worden,
(5)dawider man in vnsern Kirchen bisher in die funffzig Jar allezeit am frne-
mesten gestritten hat. Hieraus wlle nu der Christliche Leser vrteilen, was
von Kemnicij vnd seines hauffens nichtigen, losen vnd bsen Grnden zu
halten sey, ob doch einer vnter denselben sey, daraus one mutwillige, bos-
hafftige verkerunge dem Catechismo etwas vnrechts oder Sacramentirisch
(10)zugemessen werden knne.
Nachdem aber aus der obangeregten erzelunge augenscheinlich vnd klar
bewiesen ist, das Kemnicius vnd sein hauff, auch andere viel Flacianer, erst-
lichen vnd anfenglichen von wegen vnserer Proposition vnd gehalten Dispu-
tation de vnione et Communicatione Idiomatum, darinnen jr Traum vnd
(15)Schwarm nicht gebilliget worden, sich wider diese Schule auffs new erreget
vnd auffgelehnet vnd der Catechismus nur zu einer scheinursach oder zu ei-
nem deckel827 vnd behelff jtziger zeit von jnen ausgetragen wird (nicht, das
sie zum wenigsten mit gutem grund etwas strefflichs darinnen finden knn-
ten, sondern das sie allein jre gifftige argwohn vnd feindselige verdacht aus
(20)mutwilliger bosheit darein bringen), jst vnntig, weiter vom Catechismo zu
antworten, von deme wir allen vnd jeden fromen Christen in dieser Lande
Kirchen vnd Schulen das vrteil heimstellen vnd derwegen auffs fodderlichste
auch Deudsch in Druck verordnen wllen, vnd werden ja noch Leute sein,
die einen Gottseligen verstand von Christlicher Religion || [178v:] haben vnd
(25)wider alles toben vnd wten der Flacianer sich zur Warheit halten werden.
Es hat ein hochuerstendiger gelerter Man newlichen von Kemnicij ausge-
straweter Karten,828 da man vnerkanter sach also zugeplatzt vnd gleichsam
ein Zetermordio geschrey daruon angerichtet hat, gesagt: „Wenn der Engel
Gabriel vom Himel keme vnd zeuget mit heller stimme, das derer zu Wit-
(30)temberg Lere recht were, Kemnicius aber sagte Nein dazu, so mste doch
der Engel bey den Flacianern vnrecht haben.“829 Es wrde aber die Kirche
sehr bel vnd auff losen Grnden stehen, wenn sie auff Kemnicium vnd die
Flacianer allein gebawet were. Sonder zweiuel hat Gott noch seinen heiligen
Samen, welcher nicht achtet, was diser oder jener Speier vnd Schreier aus
(35)seinem vergifftem boshafftigem Hertzen ausschttet, sondern den grund der
Warheit jm lesset angelegen sein. Vnd damit wir zum beschlus vns abermal
rund erkleren, weisen wir jedermenniglich (der da begert zu wissen, was
vnser Schulen gantze Lere sey) auff vnser Corpus doctrinae, dazu wir vns in
allen Erklerungen vnd Stcken bekennen, dabey wir auch in allen vnd jeden
Artickeln vnser Christlichen Religion richtige antwort vnd rechenschafft vn-
geschewet, wo es die notdurfft erfoddert, geben vnd wider die, so es anfech-
ten, darber halten wollen, ob wir gleich nicht wollen, knnen noch sollen
(5)alle tage einem jedern seinen frwitz zu bssen newe Confessiones machen,
wie one das vnter dem Flacianischen hauffen kein mas noch ende mehr ist
der newgemntzten Confessionen, darber sie entlich die rechte warhaffte
Confession gar miteinander verlieren werden. Vnd was were es, das wir teg-
lich new Bekentnis schrieben, so doch zuuor durch Gottes gnaden wolge-
(10)grndte form von allen Artickeln in vnserm Corpore doctrinae gefasset sein.
|| [179r:] Wie wir aber zu ander zeit die grewlichen verfelschungen vnd sched-
lichen Schwarm, so die Flacianer eingefret haben, fr der gantzen Kirchen
Gottes dargethan, vberwiesen vnd widerleget haben, also bezeugen wir hie-
mit ffentlich, das wir in ewigkeit nicht wollen, knnen noch sollen billichen
(15)die allerschrecklichsten Gotteslesterungen, so in die Lere von der Person vnd
Menschwerdung vnsers Herrn vnd Heilands Jhesu Christi von den Flacia-
nern aus den anderswo erregten Streitten in diese Landt eingefret, ausge-
strewet vnd verteidinget sind vnd nu mit den gifftigen, boshafftigen Calum-
nijs vnd Lgen wider diese Vniuersitet vnd Kirchen gerne vertuschet vnd
(20)beschnet werden wolten.

Woruon der Streit sey dieser zeit zwischen der Schulen zu Wittemberg
vnd den Flacianern.

Nicht ist der Streit, darumb die Flacianer diese Schul auffs new anfeinden,
von dem heiligen Nachtmal des Herrn Christi, dauon vnsere Lere vnd Be-
(25)kentnis richtig, rund, klar, kund vnd offenbar ist vnd in dieser Schrifft nicht
einmal, sondern zum offtern widerholet ist, dauon man auch in vnsern Kir-
chen hren mag Kinder oder Alte, die werden antwort geben, wie sie von
Jugent auff im Catechismo Lutheri vnterrichtet werden. Vnd weil wir ja
Gottlob nicht im winckel leben oder leren, frage man vnsere Zuhrer, was da
(30)sey durchaus in dieser Kirchen vnd Schulen die ffentliche Lere vom
Abendmal, ob man etwas anders frgebe, schreibe, rede, lere, das in diesem
vnd andern Artickeln vnserm Corpori doctrinae oder dem Catechismo
Lutheri zuwider sey.
Dis ist aber die Haubtursach vnd der Quell vnd || [179v:] vrsprung dieses
(35)newen Giffts vnd der Flacianer Hasses, das, wie wir in vnsern Propositioni-
bus830 vns einmal erkleret, was wir halten von der einigen Person des Herrn
Christi vnd von den beiden vnterschiedenen, aber doch vnzertrenlichen
Naturen vnd derselben ewigwerenden, vnzerstrlichen eigenschafften,
welche Lere wir in dieser Schrifft nach der lenge widerholet vnd erkleret,
(40)auch die widerwertigen Reden vnd Ketzerschwarm der gantzen Kirchen

|| [638]

Christi, soviel auff dismal in so kurtzer zeit hat geschehen knnen, getrew-
lichen frgestellet vnd zu richten vnd vrteilen vntergeben haben, also knnen
weder die heimlichen noch die ffentlichen Flacianer solchs Liecht der hel-
len Gttlichen Warheit dulden, sondern wie die rasenden Hunde bellen,
(5)wten vnd toben sie darwider, machen Synodos, Rottirung, Factiones,
schreien allenthalben Zeter, Mordio, Crucifige. Welches aber weder vns
noch andere frome Gottselige Christen turbirn, abschrecken oder hindern sol,
die gewisse Gttliche Warheit zu verschweigen, zu verbergen oder hinter zu
halten.
(10)Denn dis ist doch der allerhchste,
ry Marginalie am linken Rand
ntigste vnd trstlichste Artickel vnd der
Grundfest vnserer Christlichen Religion, das wir vnsern Herrn vnd Heiland
Jhesum Christum als warhafftigen Gott vnd Menschen in Persnlicher ver-
einigung der beiden vnterschiedlichen Naturen, welche vmb vnser Erlsung
vnd Seligkeit willen vnzurtrenlich vnd vnzerstrlich miteinander vereiniget
(15)sind, recht erkennen, ehren vnd anruffen.
rz Marginalie am linken Rand
Auff diesen Artickel werden wir
getaufft, darauff ist die Kirche gebawet, dabey wird die Christliche Kirche
von allen andern Vlckern vnd Secten vnterschieden, damit mus ein jeder im
Leben vnd || [180r:] Sterben sich trsten,831 dadurch wird der anfang des ewi-
gen Lebens in den Hertzen der Gleubigen angezndet nach dem Spruch des
(20)Herrn: „Dis ist das ewige Leben, das sie dich, einigen Gott, erkennen vnd
Jhesum, den du gesandt hast, das er sey Christus.“832 Wo aber dieser Artickel
nicht recht gegleubet vnd in der Kirchen one verfelschung nicht erhalten
wird, da verleuret sich alsbald der ware Glaube vnd der vnterschied zwi-
schen Christen vnd Vnchristen, vnd kan kein Christliche Kirche allda sein
(25)noch kein krefftiger bestendiger Trost im Hertzen sein noch bleiben. Denn
der Spruch Pauli ist vnwidersprechlich: „Fundamentum aliud poni non potest
praeter id, quod positum est, quod est Iesus Christus.“833 „Niemand kan
einen andern Grund legen ausser dem, der da gelegt ist, welcher ist Jhesus
Christus.“ Vnd spricht S. Hilarius, lib. 9 De fide, das wer Jhesum Christum
(30)nicht wisse vnd jn fr waren Gott vnd waren Menschen nicht erkenne, der
wisse vnd erkenne sein selbs Leben nicht. Vnd sey einerley gefahr, den
Herrn Christum entweder keinen Gott oder kein wares Fleisch von vnserm
Leibe bekennen. Dieses sey aber zur Menschen Seligkeit der rechte Glaube,
das man Gott vnd Menschen rhme, das Wort vnd Fleisch bekenne vnd
(35)wisse, das das Wort Fleisch worden vnd der Mensch Christus Gott sey.834
Der alte Lerer vnd Merterer Vigilius lib. 3 sagt auch also: „Es ist einerley
vnd gleiche gefahr, entweder allein die Gttliche Natur in Christo oder die

|| [639]

Menscheit allein bekennen. Denn eins one das andere hilfft vns nichts zur
Seligkeit.“ Item: „Ideo omnis est prorsus inutilis et impia confessio, quae
dominum Iesum Christum aut Deum tantummodo non et hominem aut homi-
nem solum non et Deum fatetur.“835 „Es ist nicht allein || [180v:] vmbsonst,
(5)sondern auch Gottlos, den Herrn Jhesum Christum entweder allein Gott,
nicht aber auch fr einen Menschen, oder allein einen Menschen, nicht aber
auch Gott zu bekennen.“
Nicht ist es gnug,
sa Marginalie am rechten Rand
das man Christum nur als einen waren Gott nach seiner
Gttlichen vnd ewigen Natur erkenne, wie er aus des ewigen Vaters Sub-
(10)stantz vnd Wesen geboren vnd sampt dem Vater vnd dem heiligen Geist in
einem Gttlichen wesen warhafftig vnd in ewigkeit ist vnd bleibet, sondern
so wir jn als den Mittler von der Person des Vaters vnd heiligen Geists recht
vnterscheiden vnd seine wolthat mit Glauben annemen wollen, mus man sich
in sonderheit erinnern des wunderbarlichen geheimen Rats Gottes, in wel-
(15)chem verordnet ist, das der Son Gottes Menschliche Natur an sich nemen
vnd fr das arme gefallene Menschliche Geschlecht ein Snopffer werden
vnd also alles zusammen vnter ein Heubt verfassen vnd die Menschen mit
Gott widerumb vereinigen solte. Dieser heimliche vnd verborgene Ratschlag
Gottes ist alsbald im Paradis, nach dem fall vnser ersten Eltern, durch den
(20)Son Gottes, das ewige Wort des Vaters, ausgesprochen in der ersten Verheis-
sung von dem Weibes Samen, welcher der Schlangen solte den Kopff zer-
tretten,836 vnd ist nachmals fr vnd fr im Volck Gottes je mehr vnd deutli-
cher erkleret worden. Vnd hat diese erkentnis des zuknfftigen versproche-
nen Messiae den hchsten vnd frnemesten vnterscheid gemacht zwischen
(25)der Kirchen Gottes vnd den Heiden, so von dem waren Gott abgewichen vnd
der ersten Verheissung vergessen haben. Vnd wer jemals im Volck Gottes
Selig worden ist, der hat die Seligkeit also vnd nicht anders erlanget, nemlich
durch || [181r:] waren Glauben an den verheissenen Weibes Samen. Vnd ist
dis aller Gottseligen Veter, Patriarchen vnd Propheten einiger wundsch,
(30)seufftzen vnd begird gewesen, das Gott nach seiner Verheissung seinen Son
einmal ins Fleisch senden wolte, bis so lang der Son Gottes endlich in der
flle der zeit aus dem Jungfrewlichem vnd reinem geblte Mariae die er-
schaffene Menschliche Natur angenomen vnd jm persnlichen vnd vnzer-
trenlichen vereinigt also, das jede Natur auch nach der vereinigung jr wesen
(35)vnd eigenschafft behalten vnd doch nur ein einiger Christus, Gott vnd
Mensch, sey.
Vber diesem hohen vnd vnaussprechlichem Wunderwerck mssen sich alle
Creaturn verwundern, vnd die Himlischen Heerscharen gelstet, das Wunder
zu sehen, vnd werden alle Auserwelten sich in ewigkeit darber zu wundern
(40)vnd zu frewen haben. Jn diesem Werck wil Gott seine vnaussprechliche

|| [640]

Gerechtigkeit vnd Barmhertzigkeit vnd die liebe vnd demut seines Sons fr-
nemlich leuchten vnd scheinen lassen.
sb Marginalie am linken Rand
Denn so ernst vnd vnwandelbar ist
Gottes Gerechtigkeit, damit er den Snden feind ist vnd ewige straffe nimpt
vnd foddert von allen denen, die sein Gebot vnd Gesetz vbertreten, das er
(5)das Menschliche Geschlecht nicht zu gnaden annimet, es sey denn die Snde
mit vlligem gehorsam vnd williger tragung der straffe eines im Menschli-
chen Geschlecht gebsset. So gros ist aber Gottes Barmhertzigkeit, das da
keiner im Menschlichen Geschlecht noch kein einige Creatur fr die Snde
gnugthun kndte, er dennoch nicht, wie wir verdienet, vnser gantze Natur in
(10)einem augenblick verderbet vnd wie die Teuffel in ewigkeit von sich ver-
stsset, sondern verordnet vns seinen einigen vnd liebsten Son, der Mensch-
lich Fleisch vnd Blut annemen, den zorn Gottes stillen vnd das Leben
|| [181v:] widerbringen solte. So vnaussprechlich gros aber ist die liebe,
freundligkeit vnd Leutseligkeit des Sons Gottes, das er in tieffster demut das
(15)arme Menschliche Geschlecht bey seinem Vater vorbittet vnd sich zu aller
straff vnd bezalung verpflichtet vnd nachmals vmb vnser Menschen vnd
vnser seligkeit willen sich vom Himel begibet vnd ein volkomener Mensch
wird, allen jamer, drfftigkeit, elend vnd den Tod selber auff sich ledet vnd
nach gnugsamer bezalung der Snden vnser Fleisch vnd Blut verkleret, mit
(20)sich gen Himel fret vnd zu der Rechten Gottes erhhet. Dis wil Gott von
allen Heiligen auch in diesem leben erkand haben, bis wir solche hohe ding
in folgendem ewigem Leben grndlich verstehen vnd was wir hie gegleubt,
selbs allda anschawen werden.
Es ist auch vnd bleibet in alle ewigkeit
sc Marginalie am linken Rand
dieses die hchste Ehre des Mensch-
(25)lichen Geschlechts, das der Son Gottes nicht der Engel natur an sich geno-
men, sondern Menschlich Fleisch vnd Blut teilhafftig worden, vnd das er
nach verrichtem werck der Erlsung die angenomene Menschliche Natur in
ewigkeit an sich behelt vnd numehr nach der verklerung mit vnaussprech-
licher Ehre, Gaben vnd Herrligkeit gezieret vnd vber alle Creaturen gesetzet
(30)hat, daruon der alte Lerer Chrysostomus schreibet:
sd Marginalie am linken Rand
„Reuera magnum et ad-
mirabile et stupore plenum est, carnem nostram sursum sedere et adorari ab
angelis et archangelis et Cherubim et Seraphim. Hoc saepius ego in mente
reuoluens excessum patior et maiora de genere humano mente concipio.
Maxima nimirum et praeclara exordia video multum Deo pro natura nostra
(35)fatagente.“837
Dis ist auch die reiche Quelle vnd der vnerschpffte Brun
se Marginalie am linken Rand
alles krefftigen
vnd bestendigen Trostes, damit Gottselige hertzen jederzeit in allen anfech-
tungen || [182r:] vnd widerwertigkeiten auffgerichtet vnd getrstet werden.
Denn mit seiner Menschwerdung hat der Son Gottes vnser sndliche emp-
(40)fengnis vnd geburt geheiliget. Mit seinem Leiden vnd Tod, den er in vnserm
Fleisch erlidden, hat er vnsere Snde gebsset, den zorn Gottes gestillet, den
Fluch des Gesetzes, die Tyranney des Satans, den ewigen Tod vnd verdam-
nis auffgehaben vnd die Gerechtigkeit vnd ewiges Leben widerbracht. So hat
er zur zeit seiner ernidrigung alles elend, drfftigkeit, jamer vnd not in
(5)vnserm Fleisch vnd Blut versuchet vnd ist aller ding seinen Brdern gleich
worden, auff das er Barmhertzig wrde vnd ein trewer Hoherpriester fr
Gott. Denn darinnen er gelidden vnd versucht ist, kan er helffen denen, die
versucht werden, vnd kan ein mitleiden haben mit vnser schwacheit. Gleich-
wie er aber nach seiner Aufferstehung seine angenomene Menschliche Natur
(10)mit sich gen Himel gefret, verkleret vnd erhhet hat, also wird er auch
vnsere nichtige Leibe seinem herrlichen Leibe ehnlich machen. Vnd wie er
in ewigkeit tregt, erhelt vnd lebendig machet, was er einmal von vnserm
fleisch vnd bein an sich genomen hat, also wird er auch vnsere Natur mit
ewigem Liecht, leben vnd freude erfllen. Vnd weil838 wir noch in diesem
(15)Jamerthal vnd doch Glieder seines Leibs, von seinem Fleisch vnd von sei-
nem Gebeine sind, wird er sein fleisch nicht verachten, sich in allem trbsal vnser annemen vnd in keinen nten stecken noch verderben lassen. Wenn er
vns aber nach diesem leben einmal zu sich bringen wird, da er selber ist, sol
erst die hchste freude in allen auserwelten Menschen dardurch erweckt
(20)werden, das sie die Menschliche Natur, in Christo in alle ewigkeit vnzer-
trennlichen vnd vnzerstrlich mit der Gttlichen Natur vereiniget, anschaw-
en vnd || [182v:] seine Brder, sein Fleisch vnd Bein, sein vnd bleiben sollen.
Vmb dieser vielfeltigen, reichen vnd vnerschpfflichen Trost vnd ewiger
freuden willen, so wir aus dem hohen Geheimnis der Menschwerdung Chris-
(25)ti haben, mus zu allen zeiten in der Christlichen Kirchen die Lere von beiden
Naturn im Herrn Christo mit grossem ernst, fleis vnd frsichtigkeit one eini-
ge verfelschung erhalten werden. Vnd darumb spricht der heilige Augusti-
nus, das man sich hten vnd frsehen sol, das nicht jemand die Menscheit
Christi verleugne, in dem er angesehen sein wlle, das er die Gottheit Christi
(30)verteidinge.839
Denn alle diese Trost,
sf Marginalie am rechten Rand
welche aus betrachtung der ewigwerenden vnd vnzer-
strlichen verbndnis der Gttlichen vnd Menschlichen Natur in Christo her-
fliessen, werden gantz vnd gar auffgehaben vnd zunicht gemacht von allen,
die von der Menschlichen Natur anders halten vnd dencken, als in der heili-
(35)gen Schrifft vnd in der rechtgleubigen Kirchen stetwerender Lere der vnter-
scheid beider Naturn gelert vnd erkleret worden ist. Vnd eben dieses ist die
hchste gefahr, der man sich gewislichen zu versehen hat, aus den zu vnsern
zeiten newerregten streiten von der newen Communicatione Idiomatum,
welche die Flacianer in diese Land eingefret vnd zu verteidigen sich vnter-
(40)fangen haben.

|| [642]

Denn ob sie gleich sehr schreien, das sie in Christo beide Naturn bekennen
vnd jn einen Gott vnd Menschen sein lassen, so ist doch dieser Rhum verge-
bens vnd eitel vnd folget gantz das gegenspiel, so man jre scheusliche Reden
eigentlich betrachtet, die sie von den Gttlichen eigenschafften, so der
(5)Menschlichen Natur in Christo wesentlich mitgeteilet sein sollen, frgeben
vnd gebrauchen. Vnd ist jnen vnmglich, wider die Alten vnd || [183r:] Newen
Ketzer die ware Menschliche vnd Gttliche Natur zu erhalten vnd zu ver-
fechten, wenn sie auff jrem frgeben verharren, sie mgen es gleich ferben
vnd beschnen wie sie jmermehr knnen oder vermgen.
(10)Denn das ist gewis vnd vnwandelbar,
sg Marginalie am linken Rand
wo die eigenschafften der Naturn auff-
gehaben oder vntereinander vermischet werden, so wird alsbald auch im
grund die eine oder beide Naturn auffgehaben oder je miteinnander vermen-
get, das eine von der andern nicht mehr grndlich kan erkennet vnd vnter-
schieden werden. Dis ist an sich selbs klar vnd augenscheinlich. Denn ja die
(15)Naturn allein durch vnterschiedene eigenschafft eine von der andern mus
erkand werden, vnd wo die eigenschafft nicht mehr vnterschieden sein, da ist
auch das wesen vnd die Naturn nicht mehr vnterschieden, sondern einander
gleich worden. Derwegen haben auch die Alten Lerer, wie aus jren Schriff-
ten zu ersehen, so offt sie erweisen wollen, das in Christo nicht eine, sondern
(20)zwo Naturn sein vnd bleiben, allzeit solches beweret aus den vngleichen vnd
vnterschiedenen eigenschafften. Daraus denn vnwidersprechlich folget, das
auch die Naturn vnterscheiden vnd vngleich sein mssen. Herwiderumb
haben sie die Ketzer, so die vnterschiedenen eigenschafften der Naturn ver-
leugnet, auch aus diesem grund widerleget, das hiermit von den Ketzern
(25)auch die Naturn selbst geleugnet wrden, wie Theodoretus sagt Dial. 3: „Die
auffhebung der eigenschafften ist eine verleugnung der Naturn.“840 Vnd
Vigilius Martyr spricht lib. 4: „Vnde Christus erit verus Deus et verus homo,
nisi per veritatem et proprietatem vtriusque naturae?“841 „Wie kanstu gewis
sein, das Christus warhafftiger Gott vnd warhafftiger Mensch sey, so er nicht
(30)die warheit vnd eigenschafft beider Naturn hat?“ An einem andern ort sagt er
„Impium et sacrilegum est ea, quae sunt propria carnis Christi, ad naturae
|| [183v:] Verbi proprietatem referre et quae sunt propria Verbi, proprietati
naturae carnis adscribere.“842 „Ein Gottloses vnd lesterliches Geticht ist es,
was die eigenschafft des Fleisches Christi sein, der Natur des ewigen Worts
(35)zueignen oder auch, was die eigenschafft sein des Worts, der Natur des
fleisches zueignen.“ Was thun aber alle Flacianer anders, denn das sie alle-
sampt der Menscheit Christi die Gttlichen vnermesslichen eigenschafften

|| [643]

zuschreiben, ob sie wol vntereinander selbs vneins sind vnd fast ein jeder
vnter jnen jm etwas sonderliches ertichtet.
Denn etliche geben fr,
sh Marginalie am rechten Rand
das die Menschliche Natur alsbald in Mutterleibe
zugleich mit der persnlichen vereinigung die Gttlichen eigenschafft vnd
(5)wirckung in vnd fr sich selbs empfangen habe, welche sie doch verborgenir
hinterhalten vnd nicht stets gebraucht sol haben. Andere sagen, solches sey
geschehen erst nach der Aufferstehung vnd verklerung des Menschen Chris-
ti. Einsteils geben fr, das der Menscheit Christi wesentlich mitgeteilt sein
alle Gttliche eigenschafft, keine ausgeschlossen. Die andern sagen nur von
(10)etlichen, welche es aber sein sollen, daruon gibt auch einer dis, der ander das
fr also, das sie jnen selbs freiheit vnd macht nemen, dem Herrn Christo
nach seiner Menscheit zu geben oder zu nemen jrem gutbedncken vnd
gutem gefallen nach.
Kemnicius aber, als der grosse Aristarchus,843 da er nicht alle widerwertige
(15)Rede seines hauffens zusamenreimen vnd -stimmen kan, streicht mit einem
Fuchsschwantz darber844 vnd spricht: „Reliquas disputationes de generali
vbiquitate corporis Christi, cum de ea quoque antiquitatis testimonia non
fatis consentire videam, in medio relinquam.“ Item: „Abundet suo quisque
sensu.“845 Als sey es vngefehr, dauon gleuben, was ein jeder wil, da sich
(20)traun || [184r:] Gottesfurcht, der er sich sonst rhmet, nicht sehen lest, vnd er
vmb dieser heucheley willen zwiefach zu beschldigen ist: Erstlich, das er so
grosse, grobe jrrthum hilfft vertuschen vnd beschnen, zum andern, das er
den alten rechtschaffenen Lerern vnbillich zumisset, das sie hierin nicht eins
sein solten. Denn, Gottlob, das gegenspiel erwiesen kan werden vnd ist
(25)vnsers verhoffens von vns in dieser Schrifft gnugsam geschehen.
Wiewol sie aber vnter sich selbs so viel Kpffe,
si Marginalie am rechten Rand
so viel Rotten vnd vneinig-
keit846 haben, so sind sie doch in der Heubtsachen, den rechten verstand des
Artickels von der Menschwerdung Christi zu verderben, eintrechtig. Denn
hat die Menschliche Natur einige Gttliche, vnendliche, vnermesliche eigen-
(30)schafft wesentlich in vnd fr sich empfangen, so ist sie kein endliche ge-
schaffene Natur mehr vnd ist „toto genere dissimilis nostrae carni et vel ex
toto vel ex parte aequalis Deo“;847 das ist: „vnserm Leib vnd Seel nicht mehr

|| [644]

gleich noch eines wesens mit vnserm Fleisch, vnd entweder gar oder zum
teil Gott gleich worden.“ Solte aber nicht ein Christlich hertz darfr erschre-
cken vnd mit Athanasio billich sagen:
sj Marginalie am linken Rand
„Haec vnde exierunt? Qualis infernus
haec euomuit, vt dicatur corpus ex Mariae assumptum consubstantiale esse
(5)diuinitati Verbi?“848 „Wo komen solche scheusliche Reden her? Welcher
abgrund der Hellen hat solches ausgegossen, das der Leib, den Christus in
einigkeit der Person an sich aus der Jungfrawen angenomen hat, eines we-
sens mit der Gottheit des Worts sein sol?“ Wo bleibet aber indes das gantze
werck der Erlsung des Menschlichen Geschlechts, welches Christus in der
(10)angenomenen, warhafftigen Menscheit hat ausgerichtet? Denn hat die Men-
scheit Christi auch vor der verklerung empfangen Gttliche || [184v:] eigen-
schafften, so hat er entweder nicht gelidden (Denn wie kan Gttliche Natur
oder was alle Gttliche eigenschafften an sich hat warhafftig leiden?) oder es
ist nur ein blosser schein gewesen mit allem seinem Menschlichen thun vnd
(15)leiden. Hat aber die Menscheit Christi erst nach der verklerung die Gttli-
chen eigenschafften wesentlich empfangen, wie kan er denn numehr auch
nach der Menscheit vnser Heubt vnd wir seine Gliedmassen sein?
Es bleibet aber nicht darbey,
sk Marginalie am linken Rand
das allein die Menscheit Christi in der that vnd
im werck verleugnet wird, sondern es kompt der newe Schwarm auch dahin,
(20)das vns alles, was wir von der Gttlichen Natur Christi gleuben, vngewis vnd
zweiuelhafftig gemacht wird. Denn man allbereit aus diesen falschen vnd
ertichten grnden von den mitgeteilten Gttlichen eigenschafften disputirt,
warumb (wie sie schreiben) Christus Gott heisse. Nicht sol Christus darumb
allein Gott sein vnd heissen, das die andere Person der Gottheit, der ewige
(25)Son Gottes, persnlichen vnd vnzertrenlichen sich mit der angenomenen
Menscheit in Mariae Leib vereinbaret, also das sein Seele vnd Leib mit sei-
ner ewigen Gottheit eine Person worden ist, daher man recht saget vnd war-
hafftig gleubet, dieser Mensch Christus istis Gott. Sondern es sol Christus
auch derhalben Gott genennet werden von wegen Gttlicher eigenschafften,
(30)die sein Seel vnd Leib an sich haben, das ist, das sein Leib vnd Seel der
Gottheit an eigenschafften gleich, nemlich allwissend, vnbefindlich, vnbe-
greifflich vnd vberall gegenwertig worden sey. Daher denn etliche vnter den
Flacianern die Rede brauchen: „Die Menscheit oder das Fleisch Christi ist
Gott.“ Was folget aber hieraus anders, denn das Christus nach beiden Naturn
(35)Gott || [185r:] sey vnd das er nach der Menscheit sey ein gemachter Gott. Dar-
gegen ist der Christlichen Kirchen glauben bishero stets gewesen, das Chris-
tus nicht ein erschaffener, newgemachter oder mit Gttlichen eigenschafften
gezierter Gott, sondern ewiger, warer, natrlicher, wesentlicher, einiger Gott
vnd Schepffer aller ding sey mit seinem Himlischen Vater vnd dem heiligen

|| [645]

Geist, vnd dis nach seiner Gttlichen Natur, nach welcher er aus des Vaters
substantz vnd wesen von ewigkeit geboren ist. Nach der andern Natur aber,
das ist nach der Menschlichen, nach welcher Christus aus Maria der Jung-
frawen geborn ist, sey vnd heisse der Son Gottes ein warer Mensch, nicht
(5)das seine Gottheit jemals Menschliche eigenschafften an sich genomen oder
begreifflich, empfindlich, vmbschrieben worden oder in die Menscheit ver-
wandlet sey, sondern das er persnlich vnd vnzertrenlich die Menschliche
Natur (so aus Abrahams Samen geboren vnd im leibe Mariae geschaffen ist
vnd einen warhafftigen Leib vnd Seel hat) vnzerstret jres wesens vnd eigen-
(10)schafften mit sich vereiniget hat. Diesen rechten Vralten Christlichen Glau-
ben halte ein Christ gegen dem newen Schwarm, da man frgibt, Christus
sey vnd werde nach beiden Naturn Gott genennet.
Es sehe aber ein Christ ferner,
sl Marginalie am rechten Rand
wie hierdurch alles, was vorzeiten zur gewis-
sen beweisung vnd grund, das im Herrn Christo sey warhafftig eine Gttli-
(15)che Natur, von allen alten Lerern ist gebraucht vnd angezogen worden wider
die alten vnd newen Ketzer, nu erst heimlich vntergraben vnd vngewis
gemacht werde. Man lese die Schrifft der alten rechtgleubigen Kirchen wider
die grewlichen Lesterer des Sons Gottes, so wird man befinden, das sie die
ewige Gottheit oder die Gttliche Natur im Herrn Christo aus diesem || [185v:]
(20)frnemesten Argumenten beweist habe, Christus wird in der Schrifft der Son
Gottes vnd der Son des Menschens, jtem Gott vnd Mensch genennet. Nun
heisset er aber des Menschen Son nach dem Fleisch, Rom. 1.849 Darumb mus
ein ander Natur sein in Christo, nach welcher er Gottes Son genennet werde.
Dis Argument hat die alte Kirche fr vnwidersprechlich gehalten, die zwo
(25)vnterschiedene Naturn in Christo zu erweisen. Sol aber nach dem newen
Schwarm Christus auch nach der Menscheit Gott sein vnd genennet werden
von wegen der empfangenen Gttlichen eigenschafften, so wird dis Argu-
ment wider die Ketzer nichts krefftiges schliessen knnen.
Also hat die alte rechtgleubige Kirche den Spruch Pauli Philip. 2, das Chris-
(30)tus sey in der gestalt Gottes vnd hab die gestalt eines Knechts angenomen,850
mit sonderm ernst vnd vleis die zwo vnterschiedene Naturn in Christo zu
erweisen gefret. Aber der newe Schwarm schreibet Christo die gestalt
Gottes zu nach dem Fleisch Also, das beides auff die Menscheit gehren sol,
nemlich die gestalt Gottes vnd die gestalt des Knechts. Sehr vleissig hat die
(35)alte Kirche die vnermesliche vnendligkeit, die Allenthalbenheit, die All-
mechtigkeit, die Allwissenheit, das vnendliche vnd vnermesliche wesen
Gottes vnd dergleichen als Gttliche eigenschafft angezogen, die warhafftige
Gottheit Christi zu bestetigen. Denn von der vnendligkeit oder allgegenwer-
tigkeit Gottes sagt der 139. Psalm: „Wo sol ich hin flihen fr deinem Ange-

|| [646]
-
sicht?“851 Jere. 23: „Bin ichs nicht, der Himel vnd Erden erfllet, spricht der
Herr.“852 Vnd 2. Chroni. 6: „ Sihe der Himel vnd aller Himel Himel kan dich
nicht versorgen oder vmbfangen.“853 Von der allwissenheit stehet auch am
selben ort: „Du allein erkennest das hertz der Menschenkinder.“854 Vnd Psal.
(5)33
: „Der Herr schawet || [186r:] vom Himel vnd sihet aller Menschen kinder.
Er mercket auff alle jre werck“855 etc. Von der Allmechtigkeit spricht der
135. Psalm: „Jch weis, das der Herr gros ist vnd vnser Herr fr allen Gttern.
Alles, was er wil, das thut er im Himel, auff Erden, im Meer vnd in allen
tieffen.“856 Weil aber eben diese eigenschafft dem Herrn Christo zugeschrie-
(10)ben werden, das er zugleich im Himel vnd auff Erden zu einer zeit sey vnd in
den hertzen der gleubigen wone857 Vnd das er die weisheit Gottes sey858 vnd
allein den Vater kenne859 vnd wisse alles vnd sehe auch die dinge, bey wel-
chen er mit dem Leib gegenwertig nicht ist, das auch alle ding durch jn ge-
schaffen860 vnd erhalten vnd die Winde, Meer vnd Kranckheiten, Tod, Teu-
(15)fel jm auff seinen befehl vmbstehen vnd weichen mssen vnd er alles thut,
was er sihet den Vater thun,861 haben hieraus die alten bewerten Lerer mit
gutem grund geschlossen, das in Christo warhafftig sey die Gttliche Natur,
nach welcher er mit dem Vater eines wesens sey vnd durch welche er sol-
ches alles thue vnd ausrichte. Vnd spricht Athanasius, das alles, was vnend-
(20)lich vnd allenthalben ist, eines wesens mit Gott sein msse.862 Aber der newe
Schwarm wolte gern dieses auch vngewis machen. Denn man nu anfehet,
solche zeugnis der Schrifft vnd sonderlich alle wunderwerck nicht der ewi-
gen Gttlichen Natur Christi, sondern seiner Menscheit zuzuschreiben, heis-
set nu dis nicht dem Herrn Christo seine ehre nehmen vnd jn weder waren
(25)Menschen noch waren Gott sein lassen? Man sehe die Bcher der newen
Anititrinitariorum in Siebenbrgen vnd Polen, ob sie nicht eben wider die
ware Gottheit des Herrn Christi diesen griff von dem newen Schwarm geler-
net haben, das sie die Sprche der schrifft von der Allmechtigkeit Christi
auff seine Menschliche Natur zihen vnd also ein gemachten vnd erschaffe-
(30)nen Gott aus Christo tichten. || [186v:] Was kan aber fr ein grsser vnehr vnd
schmach sein wider die vnendliche Gottheit des Sons Gottes, denn das der
new Schwarm frgibt, dieselbe sey in dem Leibe oder in der angenomenen

|| [647]

Menscheit also, das sie nirgend sey, denn eben wo der Leib ist, vnd das sie
ausser demselben weder sey noch jrgendwas thue? Daraus folget, das die
Gottheit des Sons dem Vater vngleich vnd eines endlichen wesens sey.
Gleicher gestalt
sm Marginalie am rechten Rand
(welchs one mittel aus dem vorgehenden folget) verwirret
(5)der newe Schwarm die gantze Lere von der anruffung Christi, welchen die
allgemeine rechtgleubige Kirche anruffet als einen waren, ewigen, Allmech-
tigen Gott vnd des ewigen Vaters wesentlichen natrlichen Son. Nicht teilet
sie die Naturn voneinander in der anruffung, gleich als were die Menschliche
Natur Christi in sonderheit oder allein anzubeten, sondern die Person Christi
(10)betet sie an, welche ist der Son Gottes, der jm die Menschliche Natur vnzer-
trenlichen vereinbaret hat vnd sie in einigkeit der Person treget vnd erhelt.
Dagegen aber tichtet der newe Schwarm, das die Menscheit Christi auch fr
sich anzuruffen sey, weil sie mit Gttlichen eigenschafften gezieret vnd er-
fllet sey. So doch allein der ewige warhafftige Gott, der Iehova, vnd sonst
(15)ausser jm keine Creatur im Himel noch auff Erden, sie sey gleich mit den
allerhchsten Gaben geziertet, anzuruffen ist, wie der klare befehl Gottes
lautet: „Du solt Gott, deinen Herrn, anbeten vnd jm allein dienen.“863 Noch bleibets dabey nicht,
sn Marginalie am rechten Rand
das dem Herrn Christo seine Ehre entzogen wird,
sondern der newe Schwarm reget vnd beweget auch den grund von dem
(20)Artickel der heiligen Dreyfaltigkeit. Denn er hebet auff den vnterscheid der
Creaturn vnd des Gttlichen we- || [187r:] sens wider den Spruch Athanansij: „Creatorem et creaturam nunquam aequare possum“,864 dichtet, das ein
geschepff an allen Gttlichen eigenschafften knne Gott gleich werden, weil
die Menscheit Christi sol Allmechtig, vnbegreifflich, vberall gegenwertig
(25)worden sein, nicht weniger als die ewige Gottheit allmechtig, vnbegreifflich
vnd vberal gegenwertig ist, machet zweierley Gottheit, eine ewige vnd er-
schaffene, vermenget den vnterscheid der dreien Person in der Gottheit.
Denn so die Persnliche vereinigung der Gttlichen vnd Menschlichen Natur
in Christo ist die ausgiessung oder wesentliche mitteilung der Gttlichen
(30)eigenschafften, welche die Menscheit Christi auch fr sich empfangen habe,
vnd aber die Gttlichen eigenschafften dem Son Gottes mit dem Vater vnd
heiligem Geist gemein sein, so mus die Menscheit nicht weniger von dem
Vater vnd heiligem Geist als von dem sone angenomen vnd jm persnlichen
vereiniget sein. Also wird man nach dem newen Schwarm sagen mssen, der
(35)Vater sey Mensch, habe gelidden, sey gestorben, jtem der heilige Geist sey
Mensch etc., welches schrecklich zu hren ist.
Wol gleuben wir, das die Flacianer vnd jr Hauffe schreien werden, man lege
jnen diese stck vnbillich auff, haben vielleicht aus grobem vnuerstand bis-
her weder gesehen noch sehen wllen, was fr Grewel aus jrem Schwarm

|| [648]

folget. Aber alle verstendige mssen bekennen, das aus jrem frgeben von
den Gttlichen eigenschafften, welche der Menscheit Christi sollen gegeben
sein, one mittel solche stck von sich selbst folgen. Vnd mus man diesen
vielfeltigen Grewel dennoch dem Christlichen Leser fr augen stellen, das er
(5)einmal anfange zu bedencken, was des Teufels frhaben sey, der gewisli-
chen damit vmbgehet, das wenn er diesen Schwarm einmal den Leuten hette
eingebildet, er nachmals auff diesen || [187v:] Grund alle Gottlose grewel vnd
lesterung wider den Son Gottes auffbawen vnd in die Kirchen Gottes ein-
fren mchte, wie er denn solches sein frnemen allbereit in Siebenbrgen,
(10)Vngern vnd Polen sehen lesset.
so Marginalie am linken Rand
Denn Seruetus, von dem alles geschmeis vnd
Teuffels gesinde der newen Antitrinitariorum herkomet, setzet sampt seinem
Anhang eben dieses zu einem Fundament aller seiner Gottslesterung wider
die ewige Gottheit des Sons Gottes, das nemlich dem Menschen Christo
habe die flle der Gottheit also knnen mitgeteilet werden, das dieser
(15)Mensch zu einem Gott worden sey oder, das gleich soviel ist, das Gott knne
einer Creaturn die flle der Gottheit mitteilen also, das dieselbe Gott sein
vnd gennent werden mge. „Vnd derwegen“, spricht er, „ist nicht vonnten,
das man von der ewigen Gottheit des Menschen Christi sich zancke, ist
gnug, das man wisse, das dieser Mensch, der aus der Jungfrawen geboren,
(20)sey Gott, weil jm alle Gttliche eigenschafft, allmacht, anruffung etc. mit-
geteilet sein.“865
Hat jemand Serueti Bcher nicht gelesen,
sp Marginalie am linken Rand
der betrachte nur diese wort, wel-
che erst vor zweien jaren von Francisco Dauidis vnd Blandrata in ffent-
lichen gedruckten Bchern geschrieben sind: „De aequalitate et inaequalitate
(25)Filij cum Patre id in ecclesia docemus, nempe Filium Patri aequalem esse
diunitatis plentitudine, qua per vnctionem Spiritus sancti messias noster rex
et sacerdos factus est, pari omnipotentia et diuiniae maiestatis potestate a
Deo Patre donatus. Nam iuxta hanc donatae potentiae donorumque absque
mensura et cum omni plenitudine a Patre acceptorum efficaciam haec aequa-
(30)litatis ra­tio considerari debet. Interim tamen semper Dei Patris monarchica
dignitatis praerogatiua inuiolata manente. Nam || [188r:] Christus ipse expres-
se dicit: ‚Pater maior me est.‘ Item: ‚Nihil potest Filius a se ipso facere.‘ Et:
‚Omnia sunt mihi tradita a Patre meo‘ etc.“866 Jn diesen worten bekennen sie,
das sie den Menschen Christum fr Gottes Son halten, nicht aber nach der
(35)ewigen Gttlichen Natur, die sie gar verleugnen, sondern nach der Mensch-

|| [649]
-
lichen Natur allein. Gleichwol aber drffen sie rhmen, das sie Christo bei-
des zuschreiben, das er dem Vater gleich vnd vngleich sey: Gleich sey er
dem Vater, weil jm die flle der Gottheit sey mitgeteilet, weil er gleiche All-
macht vnd die gantze gewalt der Gttlichen Maiestet von Gott dem Vater
(5)vnd alle Gttliche gaben empfangen habe. Dazu sie denn die Sprche Johan.
3
, 5, Matth. 28, Philip. 2, Heb. 1 anzihen. Vngleich aber, sprechen sie, sey
der Son oder der Mensch Christus Gott seinem Vater, denn der Vater habe
alles von jm selbst, aber dem Son sey es von dem Vater geschenckt vnd
gegeben.867
(10)Diese wort halte man gegen dem newen Schwarm, welcher wol noch nicht
so gar blos sich geben darff, das er die ewige Gottheit Christi verleugne.
Aber was sie von der Menscheit Christi frgeben, das derselben alle Gtt-
liche eigenschafft sollen mitgeteilet sein, das ist im grund anders nichts,
denn wie Blandrata vnd Franciscus Dauidis dauon schreiben. So mache jm
(15)nu ein jeder die rechnung, ob es nicht dem Teufel ein gewonnen spiel sey,
das er die grewliche Gotteslesterung wider den Son Gottes fortsetze, wenn
man jm so fein auff die Bein hilffet vnd eben den grund seiner Gottesleste-
rung beschnen vnd verteidingen hilffet. Wehe aber vns, wenn der Mensch
Christus nicht seiner substantz vnd wesen, sondern seiner hohen gaben vnd
(20)empfangenen Gttlichen eigenschafften halben vnser Gott were. || [188v:]
Denn hiedurch wrden wir nicht an Christo einen Menschen vnd Gott, son-
dern allein einen Gttlichen Menschen haben, vnd wrde kein vnterscheid
zwischen Mose vnd Christo sein, sintemal Moses auch in der Schrifft Aaro-
nis Gott genennet wird868 vnd mit hohen frtrefflichen Gaben gezieret gewe-
(25)sen ist. Vnd obwol Christus mehr vnd hher Gaben hat, ja alle Gaben emp-
fangen, so Moses nur etliche nach gelegenheit seines Beruffs vnd Ampts
gehabt hat, so wrde doch Christus vnd Moses nur secundum plus et minus,
nicht aber toto genere nach des newen Schwarms frgeben vnterschieden
werden knnen, welches denn eben auch des Alcorans Lere von Christo ist,
(30)der Christum dennoch auch hher hebet als Mosen vnd alle vorgehende Pro-
pheten, darumb, das er mit mehr vnd hhern Gttlichen Gaben sey gezieret
gewesen als alle andere fr jm, aber fr einen ewigen natrlichen Gott
erkennet er jn nicht.869
Nichts tichten wir hie jemands zu verdries, man besehe die Bücher der new-
(35)en Scribenten, welchen die Flacianer nachfolgen, die ffentlich vnd vnuer-
hohlen schreiben, wie wir droben zum teil auch angezeiget, es sey dieser
einiger vnd sonst gar kein vnterscheid zwischen Christo vnd den andern Hei-
ligen, das Christus alle Gttliche Gaben vnd eigenschafft empfangen habe,

|| [650]

die andern Heiligen aber nur etliche, denn sonst nach dem wesen sey Gott
nicht weniger in Petro vnd andern Heiligen denn in Christo. Jtem die flle
der Gottheit, die in Christo wone leibhafftig, sey nichts anders, denn das die
Menscheit Christi erfllet sey mit allen Gttlichen eigenschafften, gaben,
(5)tugenden vnd wirckungen. Jst denn diesem also, was kan anders daraus ent-
lich folgen, denn das der Mensch Christus nur zu einem Gttlichen Men-
schen, homo diuinus aut diuinissimus, gemacht werde?
|| [189r:] Diese so manchfeltige grewel zwingen vnd dringen vns, das wir vmb
der ehre Gotes vnd zu erhaltung der warhafftigen Lere, so vns von Gott
(10)selbst offenbaret ist, nicht knnen ferner die neweingefrten verfelschungen
in diesem allerhchsten Artickel mit stillschweigen vbergehen, sondern fr der gantzen Kirchen Christi beschldigen, damit wir vnser Seele erretten
vnd, soviel an vns ist, vnser schldigen pflicht nach den grewlichen Leste-
rungen widerstehen, so mit der zeit je mehr vnd mehr folgen werden, wo
(15)Gott der Herr nicht gnediglich steuren vnd seine ehre vnd warheit selber
retten wird. Vnd obwol wir verhoffen, das allbereit der Christliche Leser die
manchfeltigen grewel aus vnser bisher gethaner erzelunge etlichermassen
erkennen sol, vnd wer es bisher mit den Flacianern gehalten hat, der wirdit
numehr den sachen besser nachdencken. Jedoch weil dieiu Flacianer die phy-
(20)sicam vnd realem communicationem, das ist die wesentliche mitteilung aller
oder je etlicher Gttlichen vnendlichen eigenschafft, so die Menscheit Chris-
ti für sich empfangen haben sol, zubillichen vnd numehr one schew auch in
diesen Landen zu verteidingen jnen frgenomen haben, mssen wir dieses
alle frome vnd Christliche hertzen vmb vnuermeidlicher notdurfft willen er-
(25)innern, das kein Schwarm vnd Ketzerey, so jemals in den alten Kirchen
wider den Artickel von dem Son Gottes vnd die heilige Dreyfaltigkeit ertich-
tet worden, knne genennet werden, welcher nicht durch diese physicam
communicationem oder wesentliche mitteilung idiomatum diuinitatis ge-
sterckt vnd wider auff die Ban gebracht werde.


(30)Alle alte Ketzerey werden vernewert durch die realem
communicationem.

|| [189v:] ]
sq Marginalie am linken Rand
Denn so die ausgiessung der Gttlichen Gaben vnd eigenschafften in
die Menschliche Natur Christi allein den vnterscheid zwischen Christo vnd
Petro oder andern Heiligen machet, ist offenbar, das Nestorij Schwarm wide-
(35)rumb ernewert werde. Denn wie Petrus vnd Gott, der in jm wonet vnd jm et-
liche Gaben mitteilet, nicht eine Person sein, also wird der Son Gottes vnd
der Mensch Christus (denn also pflegen die newen Scribenten die wrter
concretum et abstractum stets ineinander zu vermengen) nicht eine einige
Person sein, obgleich alle Gttliche Gaben in den Menschen Christum aus-

|| [651]
-
gegossen sind. Denn so aller Gaben mitteilung eine Person machen solte,
wrde folgen,
sr Marginalie am rechten Rand
das die mitteilung etlicher Gaben auch eine Person machen
müste. Vnd wie von Christi tod gesagt wird, „Gott hat gelidden, als Christus
nach seiner Menscheit gelidden hat“, also würde man auch sagen mssen,
(5)„Gott ist getdtet, als Petrus getdtet worden ist“. Nu ist aber dieses, wie
auch einfeltige Leute vrteilen knnen, in Christlichen Kirchen vnerhrt, das
S. Petrus vnd Gott eine Person sein sollen, obgleich Petrus viel hohe Gaben
von Gott empfangen hat. Derwegen, wo sonst kein ander vnterscheid zwi-
schen Christo vnd Petro sein solte als die ausgiessung oder mitteilung aller
(10)Gttlichen gaben, wrde des Nestorij Ketzerey wol vnwiderlegt bleiben,
welcher zwo Personen in Christo tichtet, gleichwie Gott vnd Petrus nicht ein
ὑφιστάμενον oder person sein, sondern zwey vnterschiedliche selbstendige
wesen, duo ὑφιστάμενα. Vnd hiezu helffen sehr wol die frembden vnge-
breuchlichen reden: „quod Filius Mariae impleatur a Filio Dei“, „das der son
(15)Mariae erfllet werde von dem Son Gottes“, „quod Filius Dei assumpserit
filium Mariae“, „das der Son Gottes habe den Son Mariae an sich genomen“
etc.
Zudem wird auch der Nestorianismus damit gesterckt, das diese newe Scri-
benten in der Lere von der || [190r:]
ss Marginalie am rechten Rand
physica communicatione oder wesentli-
(20)chen mitteilung nicht allein die Gttlichen eigenschafften, sondern auch die
Gttlichen wirckungen der Menscheit Christi also zuschreiben, das alles,
was die Gottheit des Sons Gottes numehr thue, das wircke, thue vnd volbrin-
ge sie durch die angenomene Menscheit als durch jr stetiges vnd eigenes
werck oder handgezeug. Denn eben also redet Nestorius auch, das der
(25)Mensch Christus sey gewesen das Organum oder Werckzeug Gottes,
gleichwie Elias, Paulus vnd andere Heiligen Gottes Werckzeug sein. Denn
Gott, der in den Heiligen warhafftig wonet, richtet durch sie viel hohe vnd
wunderbarliche werck aus. Vnd ist doch Helias870 vnd Gott nicht eine Per-
son, sondern Gott ist in Helia nur per assistentiam oder auxilium, als der in
(30)jm wircket vnd grosse thaten durch jn verrichtet. Wie nu etlicher Wunder-
werck volbringung durch die Heiligen keinesweges Gott vnd einen Heiligen
in einigkeit der Person bringet, sondern es werden vielmehr eben dadurch
zwo vnterschiedene Personen angezeigt, also wird Gottes Son vnd der
Mensch Christus nicht eben darumb eine Person sein, obwol der Son Gottes
(35)alle seine werck durch den Menschen Christum ausrichtet.
Sonderlich aber wird Nestorij Ketzerey hiermit gleichsam aus der Hellen
widerumb herfrgezogen, das die newen Scribenten also tichten, reden vnd
schreiben, das durch die wesentliche mitteilung die Menscheit Christi nu-
mehr gantz in einerley Maiestet vnd herrligkeit mit der Gttlichen Natur ge-
(40)setzt sey, vnd darinnen, sprechen sie, stehe die persnliche vereinigung.
Alles dis hat die alte rechtgleubige Kirche vorlangest an Nestorio verdampt,

|| [652]

wie aus den anathematismis Cyrilli et synodi Ephesinae droben augenschein-
lich zu sehen ist.871 Denn auch Nestorius nicht leugnet, das in Christo Gott
vnd Mensch || [190v:] miteinander vereiniget werden. Solche vereinigung aber
stellet er nicht darauff, das Mensch vnd Gott ein einige vnzertrenliche Person
(5)sein also, das der Mensch angenomen, getragen vnd erhalten werde in der
Person des Sons Gottes vnd fr sich keine Person, ja auch gar nichts sein
wrde, wo er nicht also in einigkeit der Person dem Son Gottes angenomen
were.
st Marginalie am linken Rand
Sondern er tichtet jm andere weise vnd art der vereinigung, nemlich
das der Son Gottes in dem Menschen Christo wone als in seinem Tempel,
(10)welches aber auch von andern Heiligen kan gesagt werden nach dem Spruch:
„Jr seid Gottes Tempel“.872 Jtem: „Wir wollen zu jm komen vnd wonung bey
jm machen.“873
su Marginalie am linken Rand
Jtem: Das der willen des Menschen Christi allzeit dem willen
des Sons Gottes, der in jm gewonet, gleichfrmig gewesen, welches doch
auch etlichermassen von heiligen hocherleuchten Leuten kan gesagt werden,
(15)die da soviel mglich sich befleissigen, Gottes willen sich zu vnterwerffen.
Vnd wird diese gleichfrmigkeit in dem andern zuknfftigen leben gantz
volkmlich sein.
sv Marginalie am linken Rand
Jtem, das der Mensch Christus das Werckzeug gewesen sey
in allen Gttlichen wirckungen, so der Son Gottes ausgerichtet, aber auch
dieses, wie zuuor gemeldet, kan von den Heiligen gesagt werden, welche
(20)organa et instrumenta sind diuinorum operum.
sw Marginalie am linken Rand
Jtem, das der Mensch Chris-
tus dem Son Gottes an Maiestet, herrligkeit vnd gewalt gleich worden sey.
Aber ein solche vergleichung der Maiestet macht auch noch nicht eine Per-
son, sintemal die drey Personen in der Gottheit an aller Gttlichen Maiestet
einander durchaus gleich sind vnd gleichwol derwegen nicht eine Person
(25)genennet werden, wie auch zween oder mehr Menschen, Frsten, Apostel,
Propheten einerley ehr, stand vnd herrligkeit haben mgen, sind aber darumb
nicht eben eine Person. || [191r:]
sx Marginalie am linken Rand
Jtem, das dem Menschen Christo der Namen
Gottes in der Schrifft zugelegt werde, welches aber doch auch der Obrigkeit,
den Engeln, Mosi vnd andern in der Schrifft nicht von wegen einer Gttli-
(30)chen Natur oder wesens, sondern vmb des Ampts willen, das sie an Gottes
stat fren, wird zugeschrieben.
Wider diese zwo letzte meinung Nestorij mssen wiriw den Christlichen Leser
zum besten vber die droben angezogene Anathematismos dieses frnemen
zeugnis Cyrilli allhier erinnern, welches in seinem Buch de incarnatione cap.
(35)27 mit folgenden worten beschrieben wird:
sy Marginalie am linken Rand
„Es plaudern etliche von der
Menschwerdung des eingebornen Sons Gottes vnd indeme sie jren gedan-
cken nachhengen, verunehren sie mit verlust der warheit das hohe vnd grosse

|| [653]

geheimnis, daran die Himlischen Geister jre freude haben, dadurch auch wir
Menschen erlset sind. Es solten aber solche nicht jre eigene gutbedncken
sich vnterfangen zu verteidigen, sondern vielmehr der heiligen Schrifft
vnterricht mit den augen der Seelen anschawen vnd, damit sie auff der rech-
(5)ten Ban bleiben mchten, dem nachfolgen, was die heiligen Veter mit be-
stendigem grund geschlossen haben, welche durch erleuchtung des heiligen
Geists vns des Glaubensix bekrefftiget haben. Dieselben sagen also, das das
Wort, welches Gott ist vnd aus des Vaters wesen vnerforschlicherweise
geborn ist, durch welches alle ding im Himel vnd auff Erden gemacht sind,
(10)vmb vnser Menschen willen vnd vmb vnser Seligkeit willen sey hernider
komen vnd Fleisch worden, habe gelidden, sey gen Himel gefaren vnd werde
komen zu richten die Lebendigen vnd die Todten. Aber dagegen finden sich
etliche, die sich fr gelert halten vnd meinen, sie knnen es besser treffen,
vnd vberheben sich selbst aus lauter hoffart vnd vber- || [191v:] mut.
sz Marginalie am rechten Rand
Die ver-
(15)lachen diese wort vnd achten sie geringe vnd nerrisch, so wir doch nicht
zweiueln sollen, das die heiligen Veter durch erleuchtung des heiligen Geists
die erkentnis der warheit gehabt haben. Jre meinung aber ist, gleich als
wsten sie allein etwas bessers herfrzubringen, nemlich das der eingeborne
Son Gottes (welcher ist das Wort aus des Vaters substantz vnd wesen) nicht
(20)sol gelidden haben als ein Mensch in seinem Fleisch. Nu ist es wol war, das
er nach seiner Natur, soferne er Gott ist, nicht leiden kan.
ta Marginalie am rechten Rand
Aber sie sondern
den Menschen Christum, der aus der heiligen Jungfrawen geboren ist, von
dem Son Gottes, vnd doch geben sie jm nachmals soviel herrligkeit als jnen
selbst gut bednckt vnd sprechen, das jm gleiche herrligkeit, Maiestet vnd
(25)gewalt von Gott gegeben sey vnd das er mit einerley namen mit dem wort
genennet werde der Son vnd der Herr.“875 Hieraus ist klar zu sehen, das die
newen Scribenten vnd Realisten mit jrer physica communicatione dahin
komen, das sie nicht allein Nestorio helffen, seine grewel vnwissend ster-
cken, sondern auch eben einerley wort vnd reden mit jm gebrauchen.
(30)Es wird aber auch hiemit den langst verdampten Ketzereien des Eutychis
vnd der Monophysitarum vnd was ferner die Monotheletae zu beschnung
des Eutychianischen jrrthums frbracht,
tb Marginalie am rechten Rand
allen zumal sehr fein widerumb auff
die beine geholffen. Denn Eutyches hube im grunde auff beides, den vnter-
scheid der zweien Naturn vnd derselben wesentlichen eigenschafften. Vnd
(35)diesem folgeten auch die Monophysitae nach vnd die, so man Monotheletas
genant hat, welche auch den vnterschied der wirckung beider Naturn in
Christo auffheben. Ob aber wol Stenckfeld vnd die newen Scribenten vnter
den Flacianern vnd Realisten fr vnd fr schreien, sie gleuben vnd be-

|| [654]

|| [192r:] kennen in Christo nicht eine, sondern zwo Naturn vnd rhmen sich,
das sie der Gttlichen vnd Menschlichen Natur essentiam oder wesen nicht
miteinander vermengen. Jedoch kan eigentlich anders nichts folgen, denn
entweder eine vermischung oder je eine vergleichung beider Naturn, so alle
(5)Gttliche eigenschafften vnd wirckungen der Menschlichen Natur Christi
wesentlich in vnd fr sich mitgeteilet sein sollen.
Nicht ist Eutyches allein darumb verdampt worden, das er die vnterschiede-
ne wesen beider Naturn verleugnete, sondern auch, das er den vnterschied
der eigenschafften beider Naturn nicht gestehen vnd also hierdurch seinen
(10)Gottslesterlichen jrrthum erstreiten wolte. Denn darumb ist im Chalcedonen-
si decreto, das wir droben erzelet,876 beides ausdrcklich verworffen vnd
dagegen diese beide stck von der rechtgleubigen Kirchen gesetzt worden,
das beider Naturn wesen vnd substantz bleibe vnd das auch nach der Persn-
lichen vereinigung beider Naturn eigenschafften nicht auffgehaben werden.
(15)Also haben die Monotheletae auch nicht gestehen wollen, als verleugneten
sie die vnterschiedene wesen beider Naturn in Christo. Denn sie schrien, das
sie in Christo eine Gttliche vnd Menschliche Natur bekenneten. Aber weil
sie die eigenschafften vnd wirckung beider Naturn in Christo einerley vnd
einander gleich machten, sind sie als Eutychianisch billich verdampt worden.
(20)Denn so der Menscheit Christi vnendliche Gttliche eigenschafft vnd wir-
ckung in vnd fr sich wesentlich mitgeteilet sein, so kan sie nicht mehr ὁμο-
ούσιος nobis, einerley wesens mit vns sein. Vnd wird in Christo nicht mehr
aliud et aliud, das ist in der einigen Person zwey wesen oder naturn mit jren
eigenschafften warhafftig voneinander vnterschieden sein. Vnd hieher geh-
(25)ren die zeugnis in epistolis || [192v:] synodicis contra Monotheletas: „ Ampu-
tata proprietate naturali et essentiali ipsa etiam natura cum illa perimitur.
Natura enim cognosci nullo modo potest, nisi per essentialem designantem
eam proprietatem.“877 Item: „Vnamquamque Christi naturam proprietatem
naturalem habere confitemur, et habere diuinam omnia, quae diuina sunt, et
(30)humanam omnia, quae humana sunt, absque vllo peccato.“878
Man gehe aber ferner,
tc Marginalie am linken Rand
was kan fr ein neher weg sein, auff des Marcionis
vnd Manichaeorum jrrthum von der Menscheit Christi zu komen, denn so
man durch die physicam communicationem auff diese weise, wie die newen
Scribenten vnd Eutychianischen Realistae pflegen, die Gttlichen eigen-
(35)schafften der Menschlichen Natur in vnd fr sich wesentlich mitteilet?
Denn wie die Marcionij vnd Manichei haben frgeben, das Christus nicht
einen waren, natrlichen, Menschlichen Leib gehabt vnd das alles Mensch-
liches thun vnd leiden an jm nur ein schein vnd eusserlich Gespenst gewesen
sey, also folget von sich selbs, so die Menscheit alsbald in der persnlichen

|| [655]

vereinigung alle Gttliche eigenschafft in vnd fr sich empfangen hat vnd
also nicht mehr eines wesens mit vns ist, so hat Christus nicht warhafftig
nach der Menscheit knnen sich sehen, flen, betasten lassen, hat nicht war-
hafftig gessen, getruncken, sich mde gereiset, ist nicht warhafftig betrbet
(5)worden, hat nicht warhafftig gelidden, gestorben etc.
Vnd kan dieses keinesweges darmit beschnet werden, das Christus wol
empfangen habe nach der Menscheit bald in der Menschwerdung alle Gtt-
liche eigenschafft, aber er habe sie fr seiner Aufferstehung nicht stets brau-
chen wllen, bis so lange die zeit der ernidrigung sey frber gewesen. Denn
(10)aus dieser Oeconomia erfolgen viel mehr der Manicheischen jrrthum. Denn
so die Menscheit auch zur zeit der ernidrigung allbereit || [193r:] die Gttli-
chen eigenschafften, Maiestet vnd Herrligkeit in vnd fr sich empfangen hat,
so mus Christi Leib vnd Seel entweder fr sich keiner schwacheit noch
schmach vnterworffen gewesen sein vnd allein nach dem eusserlichen schein
(15)vnd ansehen, wie es die Leute, so Christum auff Erden wandlen sehen, ge-
daucht hat, alles leiden vnd sterben vber sich genomen haben. Oder es mus
Christi Menscheit auch fr sich zugleich vnd in der that auff eine zeit vnd
augenblick beides, mit schwacheit vmbfangen vnd mit Gttlicher macht,
freuden vnd herrligkeit gezieret, jtem zugleich dem leiden vnterworffen vnd
(20)vnleidlich, sterblich vnd vnsterblich, vnd da Christus nach dem Leib im Grab
gelegen, mus der leib auch dieselben drey tage vber zugleich tod vnd leben-
dig gewesen sein.
Vnd hierzu gehren auch die abschewlichen Reden, da man frgibt, der Leib
Christi sey auff einmal an allen orten auch zur zeit der ernidrigung gewesen,
(25)sey aber an einem ort vmbschrieben, begreifflich, sichtbar, an andern orten
vnbegreifflich, vnsichtbar nach art vnd weis der empfangenen Maiestet vnd
Gttlichen Herrligkeit gewesen. Hiermit aber wrde Christus beide nach sei-
ner Menscheit in Mutterleib vnd auch ausser dem Mutterleib, in der Krippen
in Windelin eingewickelt vnd ausser der Krippen in seinem Leibe, jtem zu-
(30)gleich am Creutze zwischen den beiden Schechern gehangen, im Grab gele-
gen vnd doch eben mit demselben Leibe auch im Himel vnd allen orten der
Erden, ja auch in der Hellen gewesen sein, doch nicht sichtbarlich wie am
Creutz vnd im Grabe, sondern vnsichtbar vnd verborgener Himlischer weise
gewesen sein. Wird aber nicht mit diesen Marcionitischen vnd Maniche-
(35)ischen Gespensten das gantze werck der Erlsung zunichte gemacht werden?
Wo wird bleiben, das Christus die || [193v:] gestalt eines Knechts an sich ge-
nomen, das er warhafftig vnsere schmertzen getragen vnd vnsere Kranckheit
auff sich geladen habe, das er in allem, wie wir, versucht sey, auff das er
knne mit vns ein mitleiden haben? Was wird der Blutige Angstschweis im
(40)Garten vnd das gantze Leiden vnd der Tod Christi mehr sein denn ein
gauckelspiel, welches erschrecklich ist zu gedencken oder zu hren?
Jst aber die Menscheit Christi erst nach der Aufferstehung mit allen Gttli-
chen eigenschafften in vnd fr sich gezieret vnd numehr an allen orten zu-

|| [656]
-
gleich vnbegreifflich vnd vnsichtbar gegenwertig, wo bleibt der grund des
Glaubens, dauon alle Apostel zeugen, das sie Christum in seinem Fleisch
nicht allein vor, sondern auch nach der Aufferstehung, wenn er bey jnen mit
seinem Leibe gewesen, gesehen vnd mit vleis beschawet vnd mit jren henden
(5)angerrt vnd betastet haben? Wo bleibt der Artickel von der leiblichen vnd
sichtbaren Himelfart Christi vnd von der leiblichen widerkunfft zum Jngs-
ten Gericht, da jn im Fleisch sehen werden alle, die jn hie im Fleisch nicht
erkennen noch an jn haben gleuben wollen?
Sihe aber,
td Marginalie am linken Rand
wie mit der physica communicatione auch die Samosatenianische
(10)vnd Arrianische Ketzerey wider die ewige Gottheit des Herrn Christi einge-
fret vnd gestercket werden. Es hat Samosatenus nicht vngerne nachgeben,
das der Mensch Christus mit allen Gttlichen eigenschafften gezieret worden
sey, aber das er von ewigkeit vnd vor Maria seiner Mutter gewesen, hat er
verleugnet. Arius aber lies Christum die hchste vnd edelste Creatur sein fr
(15)andern Creaturn,iy vnd ob er wol verleugnet, das er aus der substantz vnd
wesen des Vaters iz von ewigkeita geboren, jedoch gestund || [194r:] er, das der
Vater jn mit allen Gttlichen eigenschafften fr andern Creaturn gezieret
hette. Was thut aber die physica communicatio anders, denn das sie Holtz
vnd Fewer zutregt, diese Gottslesterung widerumb auffs newe anzuschren?
(20)Denn so der Menscheit Christi wesentlich gegeben sind die Gttlichen eigen-
schafften vnd hierin die persnliche vereinigung beider naturn stehet, wie
man frgibet, wie wil man Samosateno, Ario vnd den newen Antitrinitarijs
dieses nemen, darauff sie alle jre grewel bawen vnd setzen, das nemlich eine
Creatur knne alle eigenschafft Gottes empfahen vnd derwegen auch Gott
(25)sein vnd werden? Jst es aber nicht offenberlich Arianisch, das zweierley
Gottheit gemacht wird, eine ewige vnd mitgeteilte zeitliche? Vnd das einer
Creaturn (wie man denn die Menscheit Christi in alle ewigkeit dafr erken-
nen mus) per accidens, als ein zufellig ding, die Gottheit gegeben sey? Jst es
nicht Samosatenianisch, das Christus nach der Menscheit ein gemachter Gott
(30)worden sey per gratiam et adoptionem?
te Marginalie am linken Rand
Wie gerne wrden aber auch die
Sabellianer, wenn sie widerumb aus der Hellen heutiges tages herfrkomen
solten, sich der physicae communicationi vnterschreiben? Denn es ist nicht
mehr denn ein einiges Gttliches wesen, vnd alle Gttliche vnendliche
eigenschafften sind das wesen Gottes selbs, knnen auch von dem wesen
(35)Gottes nicht abgesondert werden vnd, wie die rechtgleubige Kirche leret, ist
dieses Gttliche Wesen sampt allen Gttlichen eigenschafften den dreien
Personen in der Gottheit, dem Vater, Son vnd heiligem Geist gemein. So nu
alle Gttliche eigenschafft ausgegossen oder mitgeteilt sind der Menscheit
Christi, folget nicht allein nach dem Eutychianischen Schwarm, das die
(40)Menscheit Christi auch das wesen der Gottheit empfangen vnd also gantz

|| [657]

verzeret vnd ausgetilget sey, sondern || [194v:] nach Sabellij verfluchtem jrr-
thum wird der vnterscheid der dreien Personen in der Gottheit gar miteinan-
der auffgehaben werden. Denn Sabellij nachfolger stritten, das der Vater we-
re Mensch worden vnd hette gelidden, daher sie auch Patropassiani genennet
(5)sind.
Dis wird kein Flacianer, so die realem oder physicam communicationem
billiget, mit grunde widerlegen vnd den vnterscheid recht weisen knnen,
warumb nicht eben sowol von dem Vater vnd heiligem Geist knne gesagt
werden, das der Vater vnd heilige Geist sey Mensch worden als der Son Got-
(10)tes, welcher ist die mittler Person der Gottheit. Denn das heissen die newen
Scribenten Mensch werden oder „das Wort ist Fleisch worden“, das das
Wort alle seine Gttliche eigenschafften habe dem Fleisch mitgeteilt. So
aber das Wort oder der Son Gottes nach dem wesen seiner Gttlichen Natur
keine andere eigenschafften hat denn die auch der Vater vnd der heilige
(15)Geist nach dem wesen haben, so mus die Menscheit Christi nicht allein fehig
worden sein (denn also reden sie) der Gttlichen eigenschafft des Sons
Gottes, sondern auch des Vaters vnd des heiligen Geistes. Vnd weil die
Persnliche vereinigung eben diese ausgiessung der Gttlichen eigenschaff-
ten in die Menscheit sein sol, folget, das ebensowol der Vater vnd heilige
(20)Geist als der Son Gottes sey Mensch worden. Hierber sagt die physica
communicatio, das der Menscheit Christi alle Maiestet vnd wirckung der
Gottheit des Sons Gottes mitgeteilt vnd gegeben sein. Nu ist aber die Maies-
tet des Sons Gottes eben auch einerley mit der Maiestet des Vaters vnd
heiligen Geistes, vnd der Son wircket alles, was der Vater wircket. || [195r:]
(25)Derwegen, so die Persnliche vereinigung stehet in mitteilung der Maiestet
vnd wirckung, wird abermals die Menscheit Christi nicht allein in die Maies-
tet des Sons, sondern auch des Vaters vnd heiligen Geists gesetzt sein. Vnd
wird numehr nicht im symbolo Athanasiano heissen „Patri et Filio et Spiritui
sancto aequalis maiestas et gloria“,879 sondern es wird auch mssen darzu
(30)gesetzt werden „Humanitati Christi est aequalis maiestas et gloria“. Jtem, es
wird die Menscheit nicht allein des Sons Gottes, sondern auch des Vaters
vnd heiligen Geistes Werckgezeug sein, mit welcher, in welcher vnd durch
welche sie alle werck jrer Allmechtigkeit volbringen.
tf Marginalie am rechten Rand
Hat aber die gantze
Gottheit oder Dreyfaltigkeit Menschliche Natur angenomen, so wird auch
(35)folgen, das die gantze Gottheit habe gelidden vnd sey gestorben, welches die
Theopaschitae frgeben, welche an den Hymnum oder Lobgesang, den man
nennet τρισ­άγιον oder Ter sanctus, diese Clausel hiengen: „Qui pro nobis
passus et crucifixus est.“880 Wo bleibet aber indes der vnterschied diuinitatis

|| [658]

mittentis et personae missae vnd die ordnung vnd vnterscheid der dreien
Personen in der Gottheit? Vnd was ist vonnten gewesen, das Johannes so
mit grossem vleis von dem Son Gottes oder von dem ewigen Wort schreibet:
„Das Wort ward Fleisch vnd wonet vnter vns vnd wir sahen seine Herrlig-
(5)keit, eine Herrligkeit als des eingebornen vom Vater“?881
tg Marginalie am rechten Rand
Wollen sie aber
sagen, das die Gttlichen eigenschafften oder das wesen des Sons Gottes in
seiner Maiestet vnd wirckunge nicht einerley vnd gemein sey mit den Gttli-
chen eigenschafften oder mit dem wesen des Vaters oder des heiligen Geis-
tes, so werden sie offenberlich den jrrthum Tritheitarum einfren, welche die
(10)drey Personen der Gottheit am wesen vnd Gttlichen vnendlichen eigen-
schafften einander vngleich machen.
|| [195v:] Was wollen aber die newen Scribenten den mutwilligen Lesterern in
Siebenbrgen, Francisco Dauidis, Blandratae vnd jrem Hauffen antworten,
welche den rechtgleubigen Kirchen frwerffen,
th Marginalie am linken Rand
das man pro trinitate quater-
(15)nitatem, das ist an stat der Dreyfaltigkeit ein Vierfeltigkeit mache in der
Gottheit? Denn ist die Menschliche Natur Christi mit allen Gttlichen eigen-
schafften vnd (das vnwidersprechlich daraus folget) mit dem Gttlichen
wesen gezieret vnd also vergttet worden, so wird die Menschliche Natur
auch billich Gott genennet. Wie denn die newen Scribenten selbs bekennen,
(20)das Christus nicht allein nach der ewigen Gttlichen, sondern auch nach der
zeitlichen vnd Menschlichen Natur von wegen der empfangenen Gttlichen
eigenschafften Gott genennet werde. Es mus aber diese Gottheit der Mensch-
lichen Natur freilich eine andere Gottheit sein als die ewige Gottheit des
Sons Gottes ist, die er von ewigkeit, von Natur oder durch seine ewige
(25)Geburt aus dem wesen vnd Substantz des Vaters hat. Sintemal diese mitge-
teilete Gottheit nicht von Natur noch von ewigkeit, sondern durch gnade vnd
geschencke der Menscheit widerfaren ist, darzu auch dieses kompt, das die
ewige Gottheit des Sons Gottes in einem vnendlichen Geistlichen, vnbe-
greifflichen, vnsichtbaren Wesen ist, die mitgeteilete Gottheit aber des Men-
(30)schen Christi ist in Menschlicher Seel vnd Leib, so jrer Natur vnd wesentli-
chen eigenschafften nach endlich vnd, soviel den Leib betrifft, sichtbar, be-
greifflich vnd empfindlich ist, so werden sie nu vber die drey Personen der
Gottheit vier Personen bekennen mssen, weil Christus nach seiner
Menscheit Gott worden ist. Daneben aber werden sie auch zweierley vnd vn-
(35)gleiche Gttliche Wesen setzen vnd vnterscheiden mssen. Auff diese
gegenwrffe der Antitrinitariorum ist den Flacianern vnd allen || [196r:] Euty-
chianischen Realisten vnmglichen, etwas grndliches auffzubringen. Also
kan kein Schwarm vnd Ketzerey genennet werden, so jemals wider den Ar-
tickel von Gott vnd seinem Son, vnserm Herrn Jhesu Christo, auff der Ban
(40)gewesen ist, welcher nicht mit der zeit durch des Teuffels geschwinde rencke
kndte gestercket, beschnet vnd vertuschet werden vnter der physica com-

|| [659]
-
municatione, so die Flacianer vnd andere dieser zeit verteidingen, welchs wir
zwar weiter ausfren kndten, wenn wir nicht der schwachen hertzen scho-
nen msten.
Vieleicht wundert sich aber ein fromer Christ, das aus diesem einigen dog-
(5)mate von der communicatione physica so mancherley vnd in sich selbst
widerwertige Jrrthum folgen sollen. Es ist aber nicht new, das wenn man ein
vngereimbtes ding frgibt, zugleich vnzelich viel vngereimeter sachen fol-
gen. Dis sihet man an dem Eraniste bey dem Theodoreto, den er auch
darumb nennet πολύμορφον,882 weil seine Secten aus vieler Ketzer Jrrthum
(10)zusamengetragen vnd als ein geflickter Bettlers Mantel mancherley lappen
vnd tuch gestckt vnd geflickt ward. Vnd was ist heutiges tages der Trcki-
sche Alkoran anders als ein Chaos vnd Teufflische vermischung vielfeltiger
Gotteslesterung? Darumb sich deste weniger zu wundern, das auch mit,
neben vnd durch die physicam communicationem so gar mancherley wider-
(15)wertige Jrrthum eingefret werden.

Warhaffte beschldigung der Flacianer.

Zu erbarmen ist es aber, das der Teuffel eben dieses schrecklich geticht
angefangen hat zu erwecken in denen || [196v:] Kirchen, so sich Euangelisch
rhmen. Aber also hat er vorzeiten auch Samosatenum erwecket, die Kir-
(20)chen zu Antiochia zu beschmeissen, da die Jnger, so der Apostel Lere fol-
geten, am ersten Christen sind genennet worden. Noch viel mehr aber ist es
zu beklagen, das so ein grosser hauffe vnerfarner, vnuerstendiger, zum teil
auch mutwilliger, boshafftiger Leute auff solch schrecklich getichte fallen.
Aber frome, Gottselige Christen solten jnen billich soviel desto mehr angele-
(25)gen sein lassen, das sie dem Teufel auff seine schantz achtung geben, der
nichts anders suchet, denn das dem Gottslesterischen Mahometismo vnd
Teufflischen Alcoran hiemit der weg bereitet vnd was noch ferner in den
Euangelischen Kirchen von dem Ampt vnd wolthaten Christi wider die
Papistische verfelschung durch Gottes gnade geleret wird, auch allgemehlich
(30)in zweiuel vnd vngewisheit gebracht werde. Denn also sol die weissagung
Christi erfllet werden: „Meinstu auch, wenn des Menschen Son komen
wird, das er Glauben finden werde auff Erden?“883 Hierzu helffen die Flacia-
ner dem Teuffel getrost vnd mutig. Denn von wenig Jaren her haben sie
neben viel andern scheuslichen Jrrthumen auch jre Enthusiastische trewme
(35)von dem Glauben vnd von der Rechtfertigung des Snders fr Gott wider
die wolgegrndte Lere, so zuuor in vnsern Kirchen wider die Papisten er-
stritten vnd erhalten gewesen, eingefret, dadurch das Ampt vnd wolthaten
Christi verdunckelt wird. Vnd darff Heshusius sich rhmen, das er es jm
gantzer zehen Jar habe lassen sawer werden, ehe er gefunden habe, wie er

|| [660]

den Artickel von der Rechtfertigung auff diese newe weise an tag bringen
solte.884 Damit er ja gnugsam zu verstehen gibt, das er weder vom Herrn
Luthero noch Philippo noch von einigem alten Lerer die reine Lere von die-
sem hochwichtigen Artickel studiret, sondern jm seines || [197r:] eigenen
(5)gefallens newe Schwarm getichtet habe, welchem die andern Flacianer im
Colloquio zu Altenburg gefolget vnd noch fr lauter eingeben des heiligen
Geistes halten. Vnd obwol von den vnsern so deutliche, richtige vnd aus-
fhrliche Widerlegung dieser Enthusiastischen Schwarm, wie auch vom frei-
en Willen, von beschreibung des Gesetzs vnd Euangelij, von der Buss oder
(10)Bekerung zu Gott etc. fr augen gestellet worden, das sie nichts knnen dar-
wider mit grund auffbringen, so ist doch der mutwil so gros, das sie je lenger
je mehr die rechte Lere verfelschen vnd wollen indes angesehen sein, als
weren sie allein Lutheri Schler, welchem sie mit jren ertichten Schwarmen
dieja grste vnd hchste vnehre anlegen.
(15)Nu faren sie aber zu vnd helffen dem Teufel in diesen Landen auch den
Artickel von der Person Christi lestern vnd anfeinden. Vnd obwol etliche
noch vnter den Flacianern sein, die da verstehen vnd wissen, das vnrecht sey,
lesset es doch einer den andern machen, wie er selbst wil.
ti Marginalie am linken Rand
Jndes schenden
vnd schmehen sie diese Schul auffs eusserste, so dem new ertichten schreck-
(20)lichen Schwarm widerspricht, lassen sich den Teufel mutwillig blenden, als
werde mit der physica communicatione die Maiestet vnd Ehre Christi ge-
sucht, die im grunde dadurch verkleinert, geschmehet vnd gelestert wird.
Geben fr, man knne Christo nicht zu viel geben vnd es sey darumb zu
thun, das man Christum nicht zu hoch heben wolle, gleich als mste die
(25)Christliche Kirche alles von Christo gleuben, was jnen nur trewmet oder
gefellet, vnd nicht vielmehr auff Gottes Wort vnd die Artickel des Christli-
chen Glaubens allein sehen. Vnd wiewol sie im grunde auffheben die War-
|| [197v:] heit des Leibes oder die ware Menschliche Natur in Christo, schreien
sie doch, es sey jnen vmb die gegenwart des Leibes Christi zu thun im heili-
(30)gen Abendmal, welcher Artickel hieher nicht gehrt, so sie doch eben die
Lere der Kirchen dieser Lande von dem waren vnd wesentlichen Leibe des
Herrn Christi, so im heiligen Abendmal ausgeteilet vnd gespeiset wird, zu-
grunde vnd gantz vnd gar auffheben. Derwegen man jnen billich sagen kan,
das Herr Philippus seliger zween Gelerten, aber der Papistischen Religion
(35)verwanten Jtalis auff dem Colloquio zu Wormbs vnter augen gesagt hat:
Denn als dieselben viel Disputirten von der Transsubstantiatione oder ver-
wandlung des gesegneten Brots im Nachtmal vnd von der anbetung Gottes

|| [661]

vnter dem Gesegneten vnd verwandelten Brot, wird Herr Philippus bewegt:
„Vos Itali“, sagt er, „quaeritis Deum in pane, quem non creditis esse in
coelo.“885
Also thun die Flacianer vnd jr anhang, verlassen die gewisse wort vnd aus-
(5)drckliche verheissung Christi von dem heiligen Abendmal, zancken aber
vnd haddern dieweil vnd wollen aus bsem grunde der vbiquitet der ver-
nunfft demonstriren vnd gleich weisen, wie vnd auff was gestalt vnd weise
Christus mit seinem Leibe im Brot gegenwertig sey, welchen Leib sie weder
im Himel noch in der Person des Herrn Christi warhafftig gleuben oder viel-
(10)mehr mit der that verleugnen, da sie vielmehr mit einfeltigem, demtigem
Hertzen vmb der waren Wort vnd gewissen verheischung Christi willen
solch hohes, Gttliches vnd in diesem Leben vnerforschliches geheimnis
gleuben solten vnd die weise der gegenwart seines waren Leibs vnd Bluts,
seiner Gttlichen Warheit vnd Allmechtigkeit mit Luthero befehlen bis in
(15)jenes Leben, da wir dis vnd andere Geheim- || [198r:] nis Gttlicher Weisheit
werden volkmlich ausstudiren vnd lernen. Vnd wrde frwar die Kirchen
Gottes der gegenwart vnd austeilung des waren Leibs vnd Bluts Christi in
seinem heiligen Abendmal gantz vnd gar vngewis sein vnd die gantze Chris-
tenheit von einsetzung des Abendmals an bis auff diese zeit sich derselben
(20)wenig zu trsten gehabt haben, wenn sie nicht auff einem bessern grund
stehen solte denn auff den new ertichten Schwarmen der Flacianer.
Hie ist nu zeit, das Deudschland einmal sich ermuntere, die augen auffthue
vnd die greulichen Schwarm vnd verfelschungen erkennen lerne. Was kan
bey frembden auslendischen Nationen den Euangelischen Kirchen fr ein
(25)grsser schande sein oder zugemessen werden, denn das das Liecht des heili-
gen Euangelij von der Menschwerdung des Sons Gottes vnd die Lere von der
Person Christi, so der Grundfest ist vnser Christlichen Religion sampt der
einsetzung vnd dem rechten brauch des hochwirdigen Sacraments, so
scheuslich verterbet wird in Deudschland, darinnen das Euangelium durch
(30)Gottes vnermesliche Barmhertzigkeit erstlich angezndet vnd in frembde
Land fortgebracht worden ist? Was kan den Papisten fr grsser Freuden-
spiel vnd zwar auch fr grssere vnd hhere vrsach zu newen verfolgungen
geben werden, denn das die allerhchsten frnemesten Artickel, die in der
Kirchen diese 1500 Jar vber stets geblieben, von denen, so der Augspurgi-
(35)schen Confession zugethan sein wollen, so schendlich zerrissen vnd zerwlet
werden?jb Denn das die Papisten, die doch keinesweges Zwinglianer oder
Caluinisten sein, auch der Zwinglianischen Lere keinesweges anhengig sein

|| [662]

wollen, ein ernstes misfallen tragen an den newerregten Streitten von der
reali communicatione vnd Vbiquitate, das be- || [198v:] zeugen die Theses der
Vniuersitet Jngolstad, so allbereit fr etlichen Jaren ausgangen sind.886
Meinen wir aber, das Gott die lenge darzu still schweigen wird? Warlich, so
(5)die Menschen schweigen, werden endlich die Stein anfangen zu schreien.887
Jndes wird Gott die mutwillige verachtung der Warheit vngestrafft nicht
knnen lassen hingehen, nach dem Spruch: „Quia repulisti scientiam, repel-
lam te.“888 Wehe aber vnsern armen Nachkommen, so wir die richtige, wol-
gegrndte Lere in so mancherley verfelschungen von dem grund vnser Selig-
(10)keit so gar verlieren vnd vmbkomen lassen. Denn was haben wir vns anders
zu versehen, denn das es leider einmal auch in diesen Landen, dafr Gott
gnediglich sein wolle, also gehen werde wie es, Gott sey es geklagt, in
Orient, Asia vnd Africa vber 900 Jar zugangen ist, da die Arianischen,
Nestorianischen, Eutychianischen Schwarm wider die Ehre des Sons Gottes
(15)endlich das Mahometische Reich verursacht vnd jnen selbs auff den Hals
gezogen haben, darunter die armen Leute neben schwerer dienstbarkeit des
Leibes auch zum ewigen verderben jrer Seelen heutiges tages stecken vnd
geplagt werden mssen.
Solche grosse vnd an jr selbs vnberwindliche gefahr bitten wir vmb Gottes
(20)willen, wollen in sonderheit gelerte Leute vnd Christliche Obrigkeit mit ernst
betrachten, der Warheit vleissig nachforschen vnd derselben, wie sie fr Gott
vnd in jrem Gewissen schldig sein, helffen zeugnis geben wider das vnab-
lessige toben vnd wten des Flacianischen Gesinds. Gemeine Leute verma-
nen wir auch, das sie doch einmal mercken wollen, warumb es dem Flaciani-
(25)schen Hauffen zu thun sey vnd was fr erschreckliche Schwarm || [199r:] vnd
Jrrthum je lenger je mehr vnter dem Namen des Herrn Lutheri von jnen gere-
get vnd ausgeschttet werden. Niemand lasse sich jre falsche, blinde vnd
bslich ertichte Calumnien, ehe er die Warheit verstehe, abhalten. Denn ein
jeder wird fr sich am Jngsten tage nicht allein seines Lebens, sondern
(30)auch seines Glaubens halben mssen rechenschafft geben. Vnd wird der, so
sich von dem Blinden leiten vnd fren lassen,889 zugleich mit demselben in
die Gruben fallen, obwol der Blindenleiter ein schwerer vrteil empfahen
wird.
Darumb ein jeder fr sich selbs sich wol frsehen mag, weme er folge vnd
(35)was fr grund sey bey der Lere, die von diesem oder einem andern wird fr-
geben. Wir haben bisher das vnser gethan vnd aus dem grund der heiligen
Schrifft vnd einhelligem Consenss der allgemeinen Rechtgleubigen Kirchen,
was die rechte vnd vngezweiuelte Warheit sey von der Person vnd Mensch-

|| [663]
-
werdung vnsers Herrn vnd Heilands Jhesu Christi deutlich vnd richtig ange-
zeiget, auch vermeldet, was fr gefahr hinder dem newen Flacianischen
Schwarm verborgen sey, haben auch vnser vnschuld wider die ertichte, bos-
hafftige Verleumbdung vnserer Misgnner gnugsam dargethan, das wir in
(5)der Lere vom Abendmal des Herrn als in einem besondern vnd vom Artickel
der Himelfart Christi vnterschiedenen Artickel in vnsern Kirchen vnd Schu-
len nichts newes jemals geleret, leren oder forthin zu leren gedencken, als
was vnserm Corpori doctrinae vnd Catechismo Lutheri nach der einsetzung
Christi gleichfrmig vnd gemes, damit alle Gottfrchtige vnd Friedliebende
(10)Christen werden zufrieden sein. Vnd || [199v:] weil es nicht vnser, sondern
Gottes vnd der gantzen Kirchen sache ist, zeugen wir bestendiglich, das wir
nicht wollen, knnen noch sollen hieruon einigem Menschen zu lieb oder
leid abweichen, vnd wenn sampt den Flacianern der Teuffel für Lgen vnd
zorn darber zupersten solte. Hoffen auch, vnser trewer Jmmanuel, der Herr
(15)Jhesus Christus, warer Gott vnd warer Mensch, werde die Ehr seiner ernidri-
gung vnd erhhung selbs vertretten vnd der Warheit zeugnis geben vnd jm
noch einen heiligen Samen erhalten,890 der jn in diesem leben recht erkenne
vnd anruffe vnd den rechten Glauben beware, da dargegen die mutwilligen
Lesterer der Warheit an diesem Eckstein, dem Herrn Jhesu Christo,891 den
(20)Kopff zustossen werden, sowol als alle alte Ketzer zu allen zeiten den Kopff
daran zerstossen haben.
Wollen aber hiemit auch dieses bezeuget haben, das solange sich die Flacia-
ner nicht werden von jrem Schwarm zur Warheit in diesem hohen vnd frne-
men Artickel widerumb begeben, wir sie nicht anders halten knnen noch
(25)sollen, als die da mit jren Jrrthumen von der allgemeinen Rechtgleubigen
Kirchen vorlangst verdampt sind. Denn es hie keines newen erkentnis vnd
Vrteils bedarff, woferne sie halsstarrig auff jren Jrrthumen verharren werden,
weil der heilige Geist allbereit den Sententz gesprochen, 1. Johannis 4: „Ein
jglicher Geist, der da nicht bekennet, das Jhesus Christus ist in das Fleisch
(30)komen, der ist nicht von Gott vnd das ist der Geist des Widerchrists.“892 Jtem
2. Johannis 1: „Wer nicht bekennet Jhesum Christ, das er in das Fleisch
komen ist, dieser ist ein Verfrer vnd Widerchrist.“893 So sind die allgemei-
nen Decreta der bewerten Conciliorum vnd die Christlichen Edicta der
Rmi- || [200r:] schen Keiser, die wir droben erzelet, vorhanden, vnd wird ein
(35)jeder Christ, der die Warheit grndlich verstehen lernet, one allen zweiuel
dieses ernsten frsatzs fr sich selbst sein, das er ein Feind sey aller Feinde
des Sons Gottes vnd sich zu der allgemeinen Rechtgleubigen Kirchen be-
kentnis halte, die da vnwidersprechliche zeugnis der Schrifft vnd aller alten

|| [664]

bewerten Lerer hat vnd von der Apostel zeit an bis auff diese stund geblie-
ben vnd mit grossen Wunderwercken von Gott bestetigt ist, darber so viel
heiliges vnd Christliches Blut vergossen, die der Teuffel mit aller seiner
macht vnd list durch der Tyrannen grewlich wten vnd der Ketzer lgen
(5)nicht vberweldigen, dempffen oder ausrotten knnen, welcher der heilige
Geist in aller Gleubigen Hertzen noch fr vnd fr zeugnis gibt, das sie
daraus krefftigen Trost in allen nten flen vnd empfinden.
jc Dich aber, Ewigen, Allmechtigen Son Gottes, waren Gott vnd warhafften
Menschen, bitten wir von Hertzen, du wollest deine arme Kirche mit den
(10)Augen deiner Barmhertzigkeit gnediglich ansehen vnd mit deinem heiligen
Geiste regieren vnd heiligen, die dich warhafftig erkennen vnd anruffen, dar-
gegen aber stewren vnd wehren allen, so dich lestern vnd deine Ehre ver-
leugnen. Wende ab, O Herr Jhesu Christe, die grosse ergernis der trennung
vnd spaltung, jrriger vnd ertichter meinungen, damit die warhaffte Lere ge-
(15)hindert vnd die arme || [200v:] Kirche betrbet wird. Nim du dich deiner
Sachen vnd des geringen Heufflins deiner Kirchen selber an, erhalte vnd ver-
teidige deine Ehre, gib zeugnis der Lere, die wir von dir nach deinem Wort
bekennen. Beschtze vnd erhalte gnediglich diese vnsere Schule, darinnen
du das Liecht des Euangelij angezndet vnd bisher hell vnd klar hast leuch-
(20)ten vnd scheinen lassen. Stewre dem frnemen vnd allen bsen Practiken
derer, die aus neid vnd hass dieser Schulen auffs feindseligste zusetzen.
Errette vns von der Hand der Gottlosen, mache die Lgenhaffte vnd betrieg-
liche zunge vnser Verleumbder zu schanden, erwecke vieler Leute Hertzen,
das sie der Warheit vnd dem Frieden nachjagen, erhalte auch in diesen Lan-
(25)den einigkeit vnter den Lerern in Kirchen vnd Schulen, segne vnd behte die
Regiment dieser Lande, segne vnd mehre die Studia der Gottseligkeit vnd
aller guten Knste vnd erhalte dir in diesen Landen stets einen heiligen
Samen, der dich hie vnd in ewigkeit recht erkennen, anruffen vnd preisen
mge. Amen.d

|| [665]

|| [Eee 1r:] Kurtze verzeichnis der ordnung von frnemesten Puncten, so
in diesem Buch gefasset sind.

Gegenwart Gottes in beschtzung vnd erhaltung der Schulen zu Wittemberg
fol. 2

(5)Flacianische vnbilliche Schmehung wider dieser Lande Kirchen vnd Schulen
3

Schwermereien von den frnemesten Artickeln Christlicher Lere, eingefret
von den Flacianern, als: vom ewigen Wort, von der Erbsnde, von der
Klotzbus, von den dreyen stücken der Bekerung, von der Rechtfertigung,
(10)von dem Gesetz vnd Euangelio, vom newen Gehorsam, von der ewigen ver-
sehung Gottes, von der Person vnd Menschwerdung Christi.3

Notwendige widerlegung der Flacianischen Jrrthum in der Schul Wittemberg
geschrieben8

Newe Calumnien der ffentlichen vnd heimlichen Flacianer wider die Schul
(15)zu Wittemberg von wegen der Propositionum vnd Latinischen Catechismi
halben8, 9

Proposition vnd Jnhalt dieses Buchs, so in drey Teil ausgeteilet ist

10

Ntige erinnerung an den Christlichen Leser, wie er dis Buch lesen sol

10

Vom ersten Teil dieses Buchs.


(20)Bekentnis der warhafftigen Lere von der Person vnd Menschwerdung Christi
10

|| [Eee 1v:] Die ewige Gttliche Natur in Christo

10

Warumb der Mittler Gott vnd Mensch hat sein sollen

11

Menschwerdung des Sons Gottes

12

(25)Was die Persnliche vereinigung sey

13

Das in Persnlicher vereinigung blieben sey der vnterscheid der Gottheit vnd
Menscheit, jtem der eigenschafften vnd wirckung beider Naturn13, 14

Das warhafftig in Christo die Menschliche Natur mit allen eigenschafften
vnd wirckungen gewesen Vnd das die ware Menscheit in Christo auch nach

(30)der verklerung blieben sey
15

Wie man alle reden in der Schrifft von Jhesu Christo verstehen vnd erkleren
sol15

Was die alten Lerer haben Communicationem Idiomatum genennet vnd wie
man dieselbe Lere verstehen sol16

(35)Welche reden von Christo zugelassen vnd verworffen sind von der alten
Kirche, wenn man von eigenschafften der Naturen redet17

Wie die Reden vom Ampt Christi vnd den sichtbarn Wunderwercken zu ver-
stehen sein17, 18

Was die warhaffte Maiestet des Menschen Christi sey, in sechs stck frge-

(40)stellet

18, 19

|| [666]

Was fr vnterscheid sey zwischen den Gttlichen eigenschafften vnd den
gaben23

Antwort auff den Einwurff, man knne der Menschheit Christi nicht zuviel
geben23

(5)Zeugnis der heiligen Schrifft von dem bisher erzelten Bekentnis.

20

|| [Eee 2r:] Auslegung des Spruchs Johannis 1 „Das Wort ward Fleisch“ etc.
20, 21, 22 etc.

Auslegung des Spruchs Coloss. 2 „Jn Christo wohnet die flle der Gottheit
leibhafftig“28

(10)Was fr vnterscheid sey der Persnlichen vereinigung vnd der andern gegen-
wart Gottes in vnd bey den Creaturen29

Auslegung des Spruchs Philip. 2 „Welcher, als er in Gottes gestalt war“ etc.
31

Zweierley stand wird von Christo beschrieben, der Ernidrigung vnd der Er-

(15)hhung.

32, 33

Zeugnis der Schrifft, das Christus behalten habe die Menscheit, die er jme
einmal vereiniget35

Erklerung des Artickels von der Himelfart Christi

36

Vom sitzen Christi zur Rechten des Vaters.

38

(20)Zeugnis der alten Christlichen Kirchen von der Menschwerdung Christi
vnd andern Artickeln, so denselben anhengig sind.40

Ignatij

40

Irenaei

41

Iustini Martyris

42

(25)Tertulliani

43

Cypriani

43

Bekentnis von Christo im Symbolo


|| [667]


Nicaeno

44

Constantinopolitano

44

(30)Ephesino

44

Chalcedonensi.

46

Epistola Leonis

47

Decretum Hormisdae

48

|| [Eee 2v:] Decretum quintae synodi oecumenicae

48

(35)Decretum sextae oecumenicae

48

Epistola Agathonis

49

Decreta synodi Hispalensis et Toletanae 4

50, 51

Paraphrasis symboli Niceni apud Epiphanium

51

Confessio de Christo in symbolo Athanasij

51

(40)Damasi.

52
Hieronymi ad Damasum et ad Cyrillum52, 54

Sprche von den jtztschwebenden Streiten von Christo.

Athanasij55

Ambrosij

55

(5)Gregorij Nysseni

57

Nazianzeni

57

Chrysostomi

57

Cyrilli

58, 59, 60

Theodoreti

61

(10)Augustini

62

Vigilij

63

Damasceni

66

Was für Lere von der Person Christi stets vnter dem Bapsthum blieben sey
66, 95

(15)Wie die Augsburgische Confession den Artickel von der Himelfart vnd vom
sitzen zur Rechten des Vaters vnterscheide, Art. 3 „Ascendit ad coelos, vt
sedeat ad dextram et perpetuo regnet“ etc.66

LVTHERJ eigentliche vnd entliche meinung von den jtztschwebenden Strei-
ten.66, 67 etc.

(20)Antwort auff den Einwurff, das in Herrn Lutheri Bchern etliche Reden
widereinander zu sein scheinen.75

Philippi Schrifften.

76

Beschluss des ersten teils dieser Schrifft.

76

|| [Eee 3r:] Vom andern Teil dieses Buchs.


|| [668]


|| [669]


|| [670]


|| [671]


(25)Erzelunge der gegenlere

77

Viererley hauffen der Ketzer, so wider die rechte Lere von Christo zu allen
zeiten gestritten.77

Historica von den Ketzern, so die ware Menscheit Christi verleugnet.

77

Simon Magus

77

(30)Menander

77

Saturninus

77

Basilides

77

Carpocrates

77

Marcion

77

(35)Apelles

77

Manesjd

77

Manichaei

77

Valentiniani

78

Apollinaristae

78
Origeniani79

Historica von den Ketzern, so die Gttliche Natur Christi verleugnet, als:


Cerinthus, Ebion

80

Noëtiani

81

(5)Sabelliani

81

Theodosiani

81

Samosatenus

81

Arius

82

(10)Dreierley Secten der Arianer

83

Photinus

83

Decreta in synodo Romana, wider die Arianer.

84

Historica von den Ketzern, so von der Persnlichen vereinigung beider Na-
turn in Christo vnrecht geleret haben.84

|| [Eee 3v:] Nestorius

74, 85

(15)Anathematismi Cyrilli contra Nestorium

86

Eutyches

86, 87

Anathematismus contra dogma Eutychis

86

Constitutiones wider die verdampten Ketzereien Keisers Theodosij vnd Mar-


tiani

88, 89

(20)Eutychianische Secten nach dem synodo Chalcedonensi, Acephali, Mono-
physitae
vnd derselben mancherley Secten, Iacobitae, Agnoitae, Tritheitae,
Theopaschitae, Aphtardocitae etc.89

Constitutiones Keisers Iustiniani wider die verdampten Ketzereien

89

Historica von dem synodo oecumenica quinta vnd von den Monotheletis.

92

(25)Decreta synodalia Martini Papae wider die Monotheletas

92

Historica von dem synodo oecumenica sexta

93

Anfang des Mahometischen Alkorans

93, 94

Straffen Gottes vber Orient von wegen der vnseligen Streit, so die Ketzer

wider die Person Christi erwecket94

(30)Beschlus der Historien von den Streiten in der alten Kirchen von Christo

94

Wie zu vnsern zeiten die alten Streit vnd Ketzereien widerumb erreget sind
95

Historica von Serueto.

95

Newe Antitrinitarij in Siebenbrgen vnd Polen vnd derselben dreierley

(35)hauffen

97

Widerteuffer

98

Schwenckfelds jrrige Lere von der Gttlichen Herrligkeit vnd Glori der
Menscheit Christi aus seinen Bchern vleissig zusammengezogen98

|| [Eee 4r:] Schwenckfelds vnd der newen Vbiquitistarum vergleichung

104

(40)Ausschreiben der Theologen wider Schwenckfelds Jrrthum

105

Lutheri hefftiges schreiben wider Schwenckfeld

106

Schwenckfelds grnde von der Vbiquitet vnd Gttlicher Herrligkeit des
Menschen Christi stossen die Lere dieser Lande Kirchen vom Nachtmal
Christi gar vmb108

Historica, wie Schwenckfeldischen Jrrthum sind vor wenig Jaren vernewert

(5)worden

108

Warnung Philippi wider die new erregten streit

108, 109

Herrn Brentij vnd Doctoris Jacobi Andreae new eingefrte Streit

110

Doctoris Pauli Eberi censura von den Brentianischen Streiten

110

Schrifft vnd bedencken Collegij Theologici zu Wittemberg vber die Brentia-
(10)nische streite, Anno 64 an Churfrstliche Durchleuchtigkeit zu Sachsen
gestellet111

Kurtze erzelunge etlicher frnemer Stck, so in Brentij vnd Jacobi streit
nicht zu billichen sind113, 114

Was der grund der Lere vom Nachtmal sein sol et supra in scripto collegij

(15)theologici

114

Lutheri zeugnis, das man vom Nachtmal nicht disputiren sol, aus dem Ar-
tickel von der Auffart oder Niderfart Christi114, 115

Wenn die Transsubstantiation eingefret worden sey

115

Gefehrliche reden vnd meinung Brentij vnd Jacobi von vielen Artickeln


(20)Christliches Glaubens

116

Newe, frembde vnd gefehrliche auslegung viel herrlicher Sprch der heili-
gen Schrifft, so von Jacobo vnd Brentio gebraucht worden118

|| [Eee 4v:] Das die Schule zu Wittemberg sich nicht hat sollen oder knnen
Brentij vnd Iacobi schreiben anhengig machen.
120

(25)Von Wigandi Buch De Communicatione Idiomatum.

120

Das Wigandus dem armen vnerfarnen Hauffen ein geplerr macht, als mste
die physica oder realis communicatio ein grund sein der Lere von dem
Nachtmal Christi120

Vnterscheid der Communicationis Idiomatum bey den alten Lerern vnd new-

(30)ertichten realis communicationis

120, 121

Das realis oder physica communicatio die Lere dieser Lande Kirchen von
der gegenwart des waren Leibs Christi gantz vnd gar vmbstosse vnd der
ergste Sacramentschwarm sey122

Wigandus gibt vrsach den Papisten, wider dieser Lande Kirchen auffs newe

(35)zu Triumphiren.

122

Wigandus erweiset in seinem gantzen Buch sein ignauiam, ruditatem, mali-
ciam124

New ertichte definitio Communicationis Idiomatum, von Wigando furbracht,
sampt einer frembden vnd jrrigen abteilung der Communicationis Idiomatum

(40)

124

Vnterscheid zwischen der vnione hypostatica vnd Communicatione Idioma-
tum125
Wie der Namen realis communicationis misbraucht werde von Wigando von
einer wesentlichen mitteilung der Gttlichen eigenschafften122

Regeln Wigandi einander widerwertig

120

Wigandus mengt vntereinander die Gttlichen eigenschafften vnd gaben

127

(5)Antwort auff den einwurff, quod ideo non fiat exae- || [Fff 1r:] quatio natura-

rum, quia diuina det, humana accipiat.127je

Widerlegung des newen Schwarms Wigandi, das die Gottheit in Christo der
Menschlichen Natur mitteile personam, maiestatem et actiones.128, 129, 130

Widerlegung der newen Glossen Wigandi, das die Menscheit Christi in der

(10)Person fr sich die eigenschafften empfangen habe

132

Vngereimet frnemen der Flacianer, das sie die Sprche von dem Ampt

Christi auff die realem communicationem deuten133

Wigandus ist schldig, seine Jrrthum zu erkennen vnd zu widerruffen nach
seinem eigenem Gesetze, so er in seinem Buch andern frschreibet134

(15)Erinnerung von vieler newen Scribenten Schrifften an die Jugend

134, 135

Von Kemnicij Buch De duabus naturis Christi.

135

Kemnitius lesset einem jeden seine Jrrthum passirn mit seinem „Abundet
quisque suo sensu“, legt sich aber aus lauterm mutwillen wider die Schul zu
Wittemberg135, 136

(20)Kemnicius erzelet die Sprche der alten Lerer nicht mit der trewe, wie er
thun sollen137

Iudicium eines gelerten Mannes von Kemnicij Buch.

137

Kemnicij Buch voller vnntzer, zweiuelhafftiger, widerwertiger, vngegrnd-

ter Lere vnd reden137

(25)Exempla vnntiger Subtilitet in Kemnicij Buch

138

Exempla zweiuelhafftiger, vntchtiger Reden Kemnicij.

138

Exempla der widerwertigen Leren Kemnicij

141

Exempla falscher vnd newertichter Trewme Kemnicij || [Fff 1v:] von dreierley
generibus Communicationis Idiomatum142

(30)Von den Propositionibus der Schulen zu Wittemberg, so Anno 1570
publice disputirt worden.146

Was die Vniuersitet Wittemberg beweget, in den Propositionibus der jtzt-
schwebenden Streit zu gedencken146, 147

Was D. Jacobus Andreas in den Propositionibus angefochten

147

(35)VVilhelmi VVidenbachij Schmehekarten wider die Schule zu Wittemberg
148

Summa der Schrifft, so D. Selneccero Anno 1570 vom collegio theologico
zu Wittemberg zugestellet.148
Falscher rhum etlicher, als solte sich die Schul zu Wittemberg in newe Con-
ciliationes vnd Collationes eingelassen haben, vber dem Artickel de vnione
personali149

Morlini Disputatio de Communicatione Idiomatum voller jrriger vnd wider-


(5)wertiger meinung.

150

Das dritte Teil dieses Buchs.


|| [672]

Vom Latinischen Wittembergischen Catechismo153

Viel verdammen den Catechismum, ehe sie jn jemals gesehen oder gelesen
haben, wie Aristides zu Athen verdampt wurde153

(10)Was fr ein Lere im Catechismo gefasset

154, 156

Kein wunder, das die ffentlichen Flacianer vber dem Latinischen Catechis-
mo ein geschrey erwecken.154

|| [Fff 2r:] Vnbilliche vrteil vom Catechismo bey denen, die Flacianer nicht
sein wollen155

(15)Vrsach, warumb der Latinische Catechismus in Druck verfertigt, vnd von
dem Catechismo Lutheri.155

Catechismus ist dieser Lande Latinischen Schulen zum besten gestellet

155

Schmehekarten Sebastiani Boetij zu Hall wider den Catechismum vnd des-
selben scheusliche Reden von den hohen Artickeln Christlicher Lere157

(20)Kemnicij Epistel, gegen Hall geschrieben, wider den Catechismum

158

Falscher rhum Kemnicij, das er den Catechismum mit Gottesfurcht vnd vleis
gelesen vnd erwogen, beweiset mit etlichen Exempeln.158

Erste offenbare Calumnia von der Gerechtigkeit, vnd warumb Christus vnser
Gerechtigkeit heisse158

(25)Die andere offenbare Calumnia Kemnicij wider das Ampt des Mittlers Chris-

ti160

Die dritte offenbare Calumnia Kemnicij von der Communicatione Idioma-
tum163

Heubtbeschldigung Kemnicij wider den Catechismum von Sacramentiri-


(30)schen Jrrthum

164

Erklerung der Schulen zu Wittemberg von der gantzen Lere in allen stcken
Christlicher Religion.164

Das dem Catechismo einiger Sacramentirischer Jrrthum bslich wird auffge-
tichtet165

(35)Was vom Nachtmal des Herrn im Catechismo geschrieben sey

165

Das der Catechismus sich im Artickel vom Nachtmal ausdrcklich beruffe
auff das Corpus doctrinae167

|| [Fff 2v:] Das der Catechismus sich beruffe auff Lutheri Catechismum

168

Ableinung der Calumnien, das Lutheri Definition nicht gebraucht worden

(40)

169

Erste gegenwurff Kemnicij von dem Artickel der Himelfart Christi

170

Von dem Spruch Actorum 3: „Oportet Christum coelo capi“

170, 171
Nazianzenus, item Lutherus haben die passiuam interpretationem gebraucht
171, 173

Von der corporali vnd physica locatione

175

Der ander gegenwurff Kemnicij von der Persnlichen vereinigung

175, 176

(5)Der dritte Gegenwurff Kemnicij, das die streitigen Puncten vom Nachtmal
nicht im Catechismo angezogen sind177

Wouon der Streit sey dieser zeit zwischen der Schulen zu Wittemberg

vnd den Flacianern.179

Was vns an dem Artickel von der Person Christi gelegen sey

179

(10)Gefahr, so aus den jtztschwebenden verfelschungen des Artickels von der
Person Christi folgen182

Mancherley Secten vnter den Eutychianischen Realisten

183

Wie die ware Menschliche Natur in Christo durch die physicam communica-
tionem verleugnet werde.184

(15)Wie die Lere von der Gttlichen Natur Christi werde vngewis gemacht

184

Wie die Anruffung Christi zweiuelhafftig gemacht werde.

186

|| [Fff 3r:] Die gantze Lere von Gott wird verwirret durch die physicam com-

municationem.
186, 187

Die Streit der newen Antitrinitariorum in Sibenbrgen vnd Polen grnden


(20)sich gentzlich auff die jtztschwebenden Disputationes

187

Alle alte Ketzereien werden vernewert durch die realem vnd physicam

communicationem189

Wie hiedurch ernewert werde die Ketzerey Nestorij

189

Eutychis

191

(25)Monophysitarum

191

Monotheletarum

192

Marcionis et Manichaeorum

192

Samosateni et Arij

193

Sabellianorum

194

(30)Theopaschitarum

195

Tritheitarum

195

Quaternitas in die Gottheit eingefret

195

Warhafftige beschldigung wider die Flacianer Vnd trewe warnung an alle
frome, Gottselige Christen, sonderlich an gelerte verstendige Leute vnd an


(35)Christliche Obrigkeit.
196

|| [673]
FJNJS.

|| [-]
Matthaei 16.

|| [-]
Die Pforten der Hellen sollen sie nicht vberweltigen.894
jf Gedruckt zu Wittemberg durch Hans Lufft.
(5)1571. || [Fff 3v:] Fol: 66 b. Lin: 6 liese: vnd von der Menschwerdung.
Fol: 117 a. Lin: 27 liese: so one solche mitteilung die vereinigung geschehen
sey.
Fol. 68 b. Lin: 27 liese also: da ist vnd heist der Mensch Marien Son.
(10)Fol: 71 a. Lin: 4: so er Gott ist gewesen, allzeit habe mgen etc.g
[Ornament]

Marginalien
aHistoria der vielfel-
tigen Widerwertig-
keiten, so das Jdi-
sche Volck erlidden
aus Esra vnd Nehe-
mia.
bGottes werck die
ernewerung vnd er-
haltung der Jdi-
schen Policey.
cGegenwart Gottes
in beschtzung vnd
erhaltung der Schu-
len zu Wittemberg.
dFlacianische vnbil-
liche schmehung
wider dieser Lande
Kirchen vnd
Schulen.
eSchwermereien der
Flacianer in den
frnemesten Arti-
ckeln der Christ-
lichen Lere.
fVom ewigen Wort
vnd Son Gottes.
gVon der Erbsnde.
hVon der Klotzbus.11
iVon den dreien st-
cken der bekerung.
jVon der Recht-
fertigung.
kVon dem Gesetz
vnd Euangelio.
lVom dritten usu le-
gis, vom newen ge-
horsam.
mVon der ewigen
versehung Gottes.
nNotwendige wider-
legung der Flaciani-
schen jrthum in der
Schul Wittemberg
ausgangen.
oHeimliche
Flacianer.
pCalumniae o vnd
verleumbdungo
wider die Propositi-
ones vnd Catechis-
mum Vuiteberg.
heimlich ausge-
sprenget.
qNewe vnd wider-
wertige anklag
wider die Schul
Wittemberg.
rEndlicher Conatus
wider die Schul
Wittemberg.
sPropositio folgen-
der Schrifft.
tErinnerung an den
Leser.
uGttliche Natur in
Christo.
vVorbit des Sons
Gottes fr das
Menschliche
Geschlecht.
wu Vrsachen, warumb
der Mittler Mensch
vnd Gott hat sein
sollen.u
xMenschwerdung
des Sons Gottes.
yPersnliche
vereinigung.
zVnterschied der
Naturen in der
persnlichen
vereinigung.
aaVnterschied der ei-
genschafften beider
naturn in Christo.
abVnterschied der
wirckung beider
Naturn.
acWarhafftiger
Menschlicher Natur
eigenschafft vnd
wirckung in
Christo.
adArtickel des Glau-
bens one Allegorijs
zu verstehen.
aeLeiden Christi im
Fleisch.
afWarhaffte Mensch-
liche Natur nach
der verklerung.
agWie die Schrifft
von Christo rede.
ahRegeln von den re-
den, so die Schrifft
von Christo
gebraucht.
aiLere der alten Kir-
chen von art vnd
weise zu reden von
den eigenschafften
der Naturn in
Christo.
ajCommunicatio
Idiomatum in
concreto.
akErklerung der re-
den, so Communi-
catione Jdiomatum
war sind.
alVerwechsselung
der eigenschafften
in abstracto
verworffen.
amReden vom Ampt
Christi.
anVon den Wunder-
wercken Christi.
aoVon der Maiestet
des Menschen
Christi.
apI.
aqHerrligkeit vnd Ma-
iestet des Menschen
Christi fr allen an-
dern Creaturn.
arII.
asIII.
atIIII.
auV.
avVI.
baVnterschied der
gaben vnd eigen-
schafften.
bbWie von Christi
Maiestet zu halten.
bcWas fr ein Lere
sey, die bisher erze-
let ist von beiden
Naturn vnd dersel-
ben vnterscheid in
Christo.
bdSpruch Johannis
von der Mensch-
werdung.
beWort.am
bfFleisch.an
bgwerden.ao
bhEigentlicher
verstand der Rede
Johannis von der
Menschwerdung
des Sons Gottes.
biErklerung des ei-
gentlichen ver-
stands im Spruch
Johannis.
bjKeine verwandlung
der Naturn gesche-
hen in der persnli-
chen vereinigung.
bkKeine vermischung
der Naturn oder
derselben eigen-
schafften.
blPersnliche vnd vn-
zertrenliche verei-
nigung.
bmWir haben seine
herligkeit gesehen.
bpAls.
bqVoller gnad vnd
Warheit.
brSprch Pauli,
Coloss. 2.
bsLeibhafftig.
btTertullianus contra
Praxeam.
buFülle der Gottheit.
bvFlle der Gottheit.
bwWohnen.
bxJr seid volkomen in
Christo.
byVnterscheid der ge-
genwart Gottes.
caWas gestalt heisse.
cbAthanasius
Dialog. 2.
ccBasilius contra Eu-
nomium, citante
Theodoreto,
Dial. 2.
cdGestalt Gottes.
ceGestalt des
Knechtes.
cfZeit der Ernidri-
gung Christi.be
cgZeit der erhhung.
chWas die erhhung
sey.
ciSprche der
Schrifft, das Chris-
tus behalten habe
die Menschliche
Natur, die er jme
einmal vereiniget.
cyRechter vnd grnd-
licher verstand des
Artickels von der
Himmelfart Christi.
czMarc. vlt.
daMarc. vlt.
dbLuc. vlt.
dkTheodor. Dial. 2.
dmVom Artickel, das
Christus gesetzt sey
zur rechten des
Vaters.
dnSitzen zur Rechten
gehrt Christo nach
beiden Naturn.
doTheodor. Dial. 1:193
dpIgnatius.
dqIrenaeus.
dtSymbola.211
duBekentnis von
Christo in Symbolo
Nicaeno.
dvSymbolum Con-
stantinopolitanum.
dwSymbolum
Ephesinum.
dxNon coniunctionem
quamlibet in unitate
dignitatis et author-
itatis hominis ha-
bentis ad Deum.
dyNon iuxta collocati-
onem uel connexio-
nem. Non secun-
dum participationis
effectum.
dzPropter assumen-
tem ueneror assum-
tum et propter inui-
sibilem adoro uisi-
bilem.
eaSecundum unitatem
non alter cum altero
coadoratur aut con-
nuncupatur Deus,

|| [451]

sed unus intelligitur
Christus una λα-
τρεία cum propria
carne uenerandus.
ecMaria Dei genitrix.
edEuagrius lib. 2 cap.
4218 et Nicephorus
lib. 15 cap. 6.219
eeSymbolum
Chalcedonense.
efVnum eundemque
in duabus naturis
inconfuse, immuta-
biliter, indiuise, in-
separabiliter cog-
noscendum, nus-
quam sublata diffe-
rentia naturarum
propter unionem,
sed salua magis

|| [452]

utriusque naturae
proprietate et in
unam personam
concurrente.
egEx Epistola Leonis.
ehEx libro Leonis ad
Synodum et Martia-
num Imperat.
eiHormisdae
decretum.
ejSynodus quinta
oecumenica.
ekSexta synodus
oecumenica.
elParaphrasis symbo-
li Nicaeni in Anco-
rato Epiphanij.
emAscendit in coelos,
uenturus in ipso
corpore in gloria
etc.
enSymbolum
Athanasij.
eoSymbolum Damasi,
Hiero. tomocc 4. Tri-
part. hist. lib. 9 cap.
7.
epOperatur ut Deus,
moritur ut homo,
resurgit ut Deus.
eqCum ea carne, qua
natus et passus et
mortuus fuerat et
resurrexit, ascendit ad Patrem.
erCitante Theodoreto
Dial: I.247
esS.co Ambrosius.
etGregorius
Nissenus.
euNazianzenus.
evChrysostomus.
ewAnbetung des Men-
schen Christi.
ex‌Cyrillus.ct
eyExempla, daraus zu
verstehen, was
Communicatio
Idiomatum sey.
fbWarhafftige Men-
schliche Natur in
Christo.
fcVnterscheid der ei-
genschafften vnd
wirckung beider
Naturn.
fdWie Christus auff
Erden gegenwertig.
feTheodoretus.
ffCorpus circum-
scriptum.
fgVergleichung der
verklerten leibe mit
dem leib Christi.
fhRegula de
communicatione.
fiErklerung der lere
von der Communi-
catione Idiomatum.
fjAugustinus. Λόγος
non inclusus
corpori.
fkNulla naturarum
confusio.
flMit was Leib
Christus gen Himel
gefaren.
fmVnterscheid der Re-
den von Christo.
fnGegenwertigkeit
Christi.
foHimelfart Christi.
fpImmortalitatem car-
ni dedit, naturam
non abstulit.
fqde Himelfart Christi.f
frVigilius.
fsDie Naturn in
Christo vnuer-
wandelt.
ftDie eigenschafft
der Naturn
vnuerrckt.
fuFons Communicati-
onis Idiomatum.
fvdi Himelfart Christi.j
fwBeide Naturn in
Christo zu behalten.
fxCaro Christi non
ubique diffusa.
fyChristus nicht nach
beiden naturen
gestorben.
fzNaturae in una
Christi persona in-
tegrae saluas reti-
nent proprietates
suas.
gaDamascenus.
gbScholastici.
gcLutheri zeugnis,
das zwischen vn-
sern Kirchen vnd
den Papisten kein
streit sey von der
Person vnd Naturn
in Christo.
gdVon der Himelfart
vnd sitzen zur
Rechten in der
Augsspurgischen
Confession.
geLutherus.
gfEinigkeit der Per-
son vnd der Naturn
vnterscheid zu
halten.
ggCommunicatio
Idiomatum.
ghDer Son Gottes hat
nach seiner Gttli-
chen Natur von
ewigkeit her vom
Vaer empfangen
die ewige gewalt
oder Gottheit.
giNach der Gttli-
chen Natur Christi
zu verstehen: „ Al-
les, was der Vater
hat, das ist mein“,
item: „Der Son hat
das leben in jm sel-
ber“ etc.
gjDem Menschen
Christo die ewige
gewalt Gottes gege-
ben, nicht das die
Menscheit der Gott-
heit gleich worden,
sondern darumb,
das sie mit der Got-
heit in eine person
vereiniget ist. Wie
zu verstehen sey,
das dem Menschen
Christo gegeben
sey, das er allmech-

|| [483]
-
tiger, ewiger Gott
ist.
gkJtem das er beides,
erschaffer vnd er-
halter aller ding ist,
nemlich nicht durch
vermischung oder
exaequation vnd
vergleichung der
Naturn, sondern per
Communicationem
Idiomatum.
gl* Christus wird
durch die Auffer-
stehung, Himelfart
vnd verklerung sei-
ner Menscheit als
warer ewiger Gott
erweiset. Zeugnis
der Schrifft, welche
dem menschen
Christo Gttliche
eigenschafft vnd
werck zuschreiben,
sollen nicht auff die
menschliche,
sondern auff die
Gttliche natur ge-
zogen werden.
gmReich vnd ampt
Christi wird der
gantzen Person zu-
geschrieben nach
beiden Naturn
seruata utriusque
naturae proprietate.
gnActiones et passio-
nes competunt per-
sonae, wie es zu
verstehen sey.
goWie der Mensch
Christus sey zum
Erben gesetzt, nem-
lich weil er mit
Gott vereinbaret in
eine Person.
gpSprche vom sitzen
zur Rechten bewei-
sen, das dieser
Mensch rechter,
ewiger, natrlicher
Gott sey.
gqMercke wol, der
grund vnsers Glau-
bens ist, das wir
Christum nicht
allein Gott, sondern
auch einen natrli-
chen Menschen
lassen sein.
grSihe, wie Lutherus
die jrrthum ver-
wirfft derer, welche
frgeben, die Men-
scheit Chris­ti sey
fr sich der Gott-
heit von Mutterleib
an macht, Weisheit
vnd allen Göttli-
chen eigenschafften
gleich gewesen.
gsHimelfart Christi.
gtMessias seruus et
brachium domini.
guAgnitio duarum na-
turarum in Christo
clauis scripturae.
gvCur scriptura natu-
rarum appellationes
et proprietates tri-
buat personae.
gwQuid sit Communi-
catio Idiomatum.
gxDiscrimen proposi-
tionum in concreto
et abstracto.
gyContra diuisionem
personae.
gzMaria θεοτόκος.
haRegulae, quomodo
proprietates naturae
diuinae tribuantur
Christo homini.
hbChristus homo con-
stitutus super
omnia.
hcdx Lerebcher
Lutheri.y
hdPhilippi Schrifften.
heBeschlus des ersten
Teils dieser
Schrifft, darinnen
bisher die Bekent-
nis der gegrndten
vnd warhafften
Lere erzelt ist.
hfStreit, so von man-
cherley Ketzern er-
reget sind wider die
Lere von Christo.
hgVnwissenheit von
Christo bey den
Heiden vnd blind-
heit bey dem Jdi-
schen volck.
hheb Der erste hauff der
Ketzer, so von der
Person Christi geir-
ret, nemlich, die
seine ware Men-
schliche Natur ver-
leugnet. Simon
Magus.c
hiMarcioniten.
Manichei.
hjValentiniani.
hkApollinaristae.
hlOrigeniani.
hm en Historica von den
Ketzern, so die
Gttliche Natur
Christi verleugnen.o
hnCerinthus.
hoEbion
hpNoëtiani.
hqEpiphanius cont.
haeres. lib. 2
tomo 1.
hrSabelliani.
hsTheodotiani.
htSamosatenus.
huArius.
hvSynodus Nicaena
oecumenica prima.
hwDreierley Secten
der Arianer.
hxRuffinus libro 1
Hist. ecclesiast.
cap. 25.372
hyPhotinus.
hzer Von den Ketzern,
so von vereinigung
beider Naturen vn-
recht gelert haben.s
iaNestorius.
ibEphesina synodus
3. oecumenica.
icAnathematismi
Cyrilli.
1.
id2.
ie3.
if4.
ig5.
ih6.
ii7.
ij8.
ik9.ev
il10.
im11.
in12.
ioEutyches.
ipMrderischer syno-
dus Ephesina 2.
iqSynodus Chalcedo-
nensis oecumenica
quarta.
irey Constitutiones
imperatorum.z
isC. De summa
Trinitate: Decere
arbitramur.
itBestetigung des
synodi Ephesinae
primae.
iuC. De summa Trini-
tate: Nemo Cle-
ricus.
ivfa Eutychianische
Secten, nach dem
Chalcedonensi con-
cilio.b Niceph. libro
18 cap. 45.417
iwNicepho. libro 16
mox ab initio.fb
ixAcephali.
iyMonophysitae.fc
izConstitutiones
Iustiniani.
jaC. „De summa Tri-
nitatis“, „Cum recta
atque.“
jbSynodus Constanti-
nopolitana oecume-
nica quinta.
jcMonotheletae.
jdCap. 4 ex decretis
synodalibus Martini
papae.
je6.
jf7.
jg9.
jh10.
ji11.fe
jj12.
jk15.
jlSynodus Constanti-
nopolitana oecume-
nica sexta.
jmEpistola Leonis se-
cundi papae confir-
mantis decreta
synodi sextae.
jnff Mahometischer
Alcoran.f
joMahometischer
Alcoran.
jpGttliche straffen
vber Orient.
jqBeschlus der Histo-
rien von den
Streitten in der al-
ten Kirchen von
Christo.
jrFuror Sabellij.
jsError Samosateni.
jtError Eutychetis,
Marcionis, Valenti-
nianorum etc.
juDreierley hauffen
der Antitrinitario-
rum. 1. Tritheitae:
jv2. Ariani.
jw3. Samosateniani.
jxChristus bey den
Antitrinitarijs Gott
vnd Gottes Son
nach der Mensch-
heit vmb dreier
vrsach willen.
jyVerwerffunge der
Lere von der
Communicatione
Idiomatum.
kaFalsches vnd erticht
rhmen
Schwenckfeldij.
kbVermischung pro-
positionum in ab-
stracto et concreto.
kcVerwerffunge der
Lere de Communi-
catione Idiomatum.
kdJm bedencken vber
Osiandri lere von
der Rechtfertigung,
fol. 26.446
keConfusio appellati-

|| [525]
-
onum, quibus signi-
ficantur proprieta-
tes naturarum et de-
scriptionum officij
Christi.
kfIbidem.fj
kgJm bekentnis vnd
rechenschafft von
den Heubtpuncten
des Christlichen
Glaubens.
khPaßionem tribuit
Christo secundum
vtramque naturam,
fol. 25.
kiFolio 26.450
kjJn der Verantwor-
tung von der herr-
ligkeit Christi an
Phil. Melanth.452
kkDistinctione propri-
etatum fingit diuelli
naturas in unitate
personae.
klRealis seu physica
communicatio.
kmChristum Filium
unigenitum dicit
utriusque natura
respectu.
knJm bekentnis vnd
rechenschafft von
den Heubtpuncten
des Christlichen
Glaubens, fol.
37.456
koChristum etiam se-
cundum humanam
naturam facit De-
um, fol. 38.fn 457
kpMenschliche Natur
in Christo sey keine
Creatur.
kqVon der Gttlichen
Herrligkeit der
Menschheit Christi
an Landgrauen zu
Hessen.
krJn der verantwor-
tung von der herr-
ligkeit Christi, an
Phil. Melanth.461
ksExaequatio
naturarum.
ktWenn sich die
Exaequatio
angefangen.
kuEinwurff: Man gn-
ne Christo seine
Maiestet nicht.
kvContradictio mani-
festa: abolere om-
nes proprietates na-
turae humanae et
dicere naturam hu-

|| [529]
-
manam esse et ma-
nere saluam.
kwVon der Gttlichen
herrligkeit der
Menscheit Christi
an Landgrauen zu
Hessen.
ldἈποθέωσις, vergt-
tung. Jm bekentnis
vnd rechenschafft
von den Heubtst-
cken Christliches
Glaubens, fol. 39,
fol. 41.477
leFol. 28.
lfPag. 29 et 30.
lgJn verantwortung,
an Phil. Mel.
Adoratio carnis
Christi.481
lhSitzen zur Rechten
des Vaters.
liAdimit Christo
proportionem
membrorum et
dimensiones.
ljEinwurff von der
Philosophia
lkJn der verantwor-
tung von der herr-
ligkeit Christi an
Phil. Melanth.
Vbiquitas.
llSchwenckfeldij vnd
der newen Vbiqui-
tistarum verglei-
chung.
lmAusschreiben wider
Schwenckfeldt.
lnExtat latine in 2. to-
mo operum
Philippi.486
lpLutheri vrteil vber
Schwenckfelds
jrthum.
lqBrentij vnd Jacobi
Andreae
newe
Streit.
lrDoctor Eberi censu-
ra von den Brentia-
nischen streiten.
lsIn Germa. edit. fol.
116.501
ltSchrifft vnd beden-
cken des Collegij
Theologici zu
Wittemberg, von
Brentij controuer-
sia, anno 64 an
Churfrsten zu
Sachsen gestellet.
luGrund der Lere
vom heiligen
Nachtmal, nicht zu
suchen in disputati-
onibus von der
Vbiquitet.
lvTomo Ger: Vuiteb.
12, fol. 205fx
lwTom. 8 Ihen. fol.
375.
lxRecognit. Brentij,
fol. 116.
lyNewe eingefrte jr-
rige meinung Bren-
tij
vnd Jacobi von
vielen Artickeln des
Christlichen Glau-
bens. In recognitio-
ne Brentij pag. 16
in posteriori editio-
ne.517 Recog. Brent.
pag. 113. Recog.
Brent. pag. 22.518
lzRecog. Brent.
pag. 29,
Rec. pag. 41.
maRec. pag. 22,
Rec. pag. 110,
Rec. pag. 20.519
mbIac. in resp. ad
Bezam pa. 9, 13,
14, 18, 31.520
mcIn expositione con-
trouersiae, pag. 19.
meIn resp. ad B.
pag. 31.
mfRespon. ad B.
pag. 14.522
mgJm bericht vom
Colloquio C. I
vnd II.
mhRecogn. B. pag. 36
et deinceps.
Recogn. B.
pag. 18.524
Iacob. Th. Thubin.
20.525
miApol. contra Ingol-
stad
. pag. 51.526
mjRecog. Brent.
pag. 261 et dein-
ceps.527
mkThesi Thubing.
15.528
mlIn expositione con-
trou. pag. 106.529
mmIac. Apol. ad. Ingol.
pa. 25.530
mnRecog. Brent,
pag. 57,531 Thesi
Thubing. 26.532
moThesi Thubing.
38,533 Bericht vom
Colloquio.534
mpRecog. 41.535
mqRecog. 43.537
mrApol. Ingol.
pag. 47.538
msIn disputatione de
duabus naturis.540
mtIn respon. ad Bez.
fol. 7.543
muApolog. Ingolst. 46.
mvApolog. Ingolstad.
32.547
mwRecog. Brent. p.
114, 229 et
deinceps.550
mxRec. pa. 230.551
myWigandus macht
ein geblerr, als
kndte man die
Lere vom Abend-
mal nicht erhalten
one die new ertich-
te realem communi-
cationem.
Pag. 36.555
mzDer alten Kirchen
vnd D. Luthero ist
die realis oder
physica
communicatio vn-
bekandt gewesen.
naWiderwertigkeit
der lere von der
Communicatione
Idiomatum bey den
alten Lerern vnd
den newen Flacia-
nischen Scribenten.
1, 2.
nb3.
nc4.
nd5.
ne1.
nf2.
ng3.
nh4.
ni5.
njPag. 20.556 Wigan-
dus mit seiner reali
communicatione
der grste Sacra-
mentschender.
nkRealis communica-
tio fret die hertzen
ab von den worten
der einsetzung des
Abendmals Christi.
nlWigandus wil den
modum praesentiae
demonstrirn aus der
reali communica-
tione.
nmWigandus hebt mit
seiner reali commu-
nicatione auff die
Artickel des glau-

|| [559]
-
bens. Dadurch die
Lere vom sacra-
ment zunicht ge-
macht wird.
nnVuigandi realis
communicatio
macht die gegen-
wart des Leibs
Christi zunicht.
noWie die Flacianer
mit Luthero vmb-
gehen.
npPapisten verwerffen
die realem commu-
nicationem, wllen
gleichwol den Leib
Christi im Abend-
mal behalten.
nqWigandus macht
den Papisten ein
frewdenspiel.
nrWigandi Buch vol-
ler nachlessigkeit,
vnwissenheit vnd
bosheit. Pag. 31.564
nsWigandus verwirfft
die gewnliche be-
schreibung Com-
municationis Idio-
matum. Pag. 33.
ntPag. 32.
nuNichtige Diuision
communicationis
von Wigando ein-
gefret. Pag. 34.
nvVrsprung alles jrr-
thums bey Wigando
vnd dem Flaciani-
schen hauffen von
der Communicatio-
ne Idiomatum.
Pag. 65.569
nwVnterscheid
zwischen vnione
hypostatica et
Communicatione
Idiomatum.
nxRegel der alten
Lerer von der
communicatione.
nyJn welchem ver-
stand das wort
Realis zu leiden.
nzWigando ist realis
communicatio so-
viel als physica
transfusio.
oaDas wort Idioma
oder Proprietas || [126v:] stsst
Wigandt realem
vnd physicam
communicationem
auff ein hauffen.
obPag. 28.
ocPag. 75.576
odWigandus tichtet
jm Regeln, die ein-
ander widerwertig
sein. Pag. 56.
oeDie wesentlichen
eigenschafften wer-
den nicht mitgetei-
let vnd sollen doch
mitgeteilet sein.
Pag. 57.
ofVnterscheid zwi-
schen den Gtt-
lichen eigenschaff-

|| [565]
-
ten vnd den Gtt-
lichen Gaben.
ogPag. 65.583
ohPag. 137.
oiWigandus macht
zweierley eigen-
schafft im wesen
der Gttlichen natur
Christi. Pag. 137.587
ojVngehewre vnd
lesterliche Rede
Wigandi, das die
gttliche natur der
Menschlichen in
Christo die Person
mitteile.
okVngereimbte be-
schreibung einer
Person bey
Wigando.
olVnntig vnd ver-
wirret geschwetz
Wigandi de reali
communicatione
maiestatis et
actionum.
omPag. 96.
onAbschewliche ge-
ticht Wigandi de
maiestate realiter
communicata.
ooPag. 97. Drey stck
richtet Wigandus
von der mitgeteilten
Maiestet. Primus
gradus maiestatis
secundum
Vuigandum.592
oqBsliche verkerung
der herrlichsten
Sprche, derer sich
Wigandus vnter-
fehet.
orPag. 97.597
osPag. 98.599
otPag. 99.602
ouPag. 100.611
ovSecundus gradus
maiestatis secun-
dum Vuigandum.
owPag. 104 et
deinceps.616
oxPag. 108.619
Fantastische specu-
lationes Vuigandi
de abstracto et de
persona Christi.
oyPag. 106.621
ozPag. 108.
paTertius gradus
maiestatis realiter
communicatae
secundum Vui-
gandum
.
Pag. 118.624
pbPag. 121 et 122.626
Vngereimet frne-
men der Flacianer,
das sie die Sprche
von dem Ampt
Christi auff die ea-
lemr Communica-
tionem Idiomatum
Christi anzihen.
pcWigandi Schwarm
von wesentlicher
mitteilunge der
Gttlichen wir
ckungen. Pag. 123
et deinceps.627
pdWigandus helt kein
vnterscheid der wir-
ckungen beider Na-
turen, so zum Ampt
Christi gehren.
pePag. 128.
pfWigandus ist schl-
dig, seinem Gesetz,
das er andern fr-
geschrieben, selbst
zu gehorchen.
pgPag. 165.
phAllerley Schrifften,
so etzlich Jar her
von der Communi-
catione Idiomatum
vnter jungen Leuten
gewesen.
piNewe Kemnicij
Religion, darin ei-
nem jedern vergn-
net, seines sinnes
zu sein von den
Artickeln des
Glaubens.
pjHh 4.
pkVerbitterter hass
Kemnitij wider die
Schul zu Witten-
berg.
plKemnicius wolte
gerne die Flacianer
anreitzen, die patres
zu lesen, quod face-
rent illi, si saperent.
pmKemnicius erzelet
die Sprch der al-
ten Lerer nicht mit
der trew, wie er bil-
lich thun solte.
pnVndanck Kemnicij
gegen seinem Prae-
ceptore Philippo.
poIudicium gelerter
Leute von Kemnitij
Buch.
ppExempla ociosarum
subtilitatum.
pqExempla ambigua-
rum locutionum.
prTomo 2 Operum
Philip. Pag. 318.
psF. 3.659
ptExempla contrario-
rum dogmatum in
libro Kemnitij. F. 2
et E. 6.660
puZ. 3. Ee 7 et alias
saepe.661
pvEpist. 22.
pwExempla falsorum
dogmatum.
M.ult.669
pxQ.gx ult.670
pyDial. 2.
pzProposi. 58 et
seqq.703
qaLib. 3 ad Thersim.
qbProp. 67.
qcPropo. 68.
qdNewe Geschrey wi-
der die Schul zu
Wittemberg erregt.hl
qeCatechismus wird
verdampt von vie-
len, die jn nie
gelesen.
qfWas fr ein Lere
im Catechismo
gefasset.
qgKein wunder, das
die Flacianer dem
Wittembergischen
Catechismo feind
sind.
qhVnbilliche
Beschldigung des
Catechismihq bey
denen, die nicht
Flacianer sein
wollen.
qiDer Latinische Ca-
techismus den Lati-
nischen Schulen
zum besten
geschrieben.hs
qjKeinesweges wird
durch den Latini-
schen Catechismum
der Deudsche Cate-
chismus Lutheri
verkleinert.
qkJn Latinischen
Schulen bis anher
man- || [156r:] gel ge-
wesen an einer ge-
wissen Forma eines
Latinischen Cate-
chismi, so nach
Lutheri Catechismo
derht Jugend kndte
frgetragen
werden.
qlDie wort vnd ge-
dancken im
Latinischen Cate-
chismo sind nicht
newe noch
frembde.
qmDer Catechismus ist
niemand auffge-
drungen worden.
qnScheusliche Reden
Boetij von den
hohen Artickeln
Christlicher Lere.
qoFalscher rhum
Kemnicij von
seinem vleis vnd
Gottesfurcht.
qpErste offenbarliche
Calumnia Kemnicij
wider den Catechis-
mum von der
Gerechtigkeit.
qtAndere offenbare
Calumnia || [160v:]
Kemnicij von dem
Ampt des Mittlers.
quMaior.
qvMinor.
qwConclusio.
qxLib. 2 ad Gratian.
qyLib. 7 de Trin.
qzIn Orat: de dict.
Deus ex Deo.
raDritte Calumnia
Kemnicij wider den
Catechismum.
rb Heubtbeschldi-
gung Kemnicij
wider den
Catechismum.
rdErklerung der
Schulen zu Wittem-
berg von der gant-
zen Christlichen
Lere.
reDas dem Catechis-
mo einiger Sacra-
mentirischer Jrr-
thum bslich wird
auffgetichtet.
rfWas vom Nachtmal
des Herrn im Cate-
chismo geschrieben
sey.
rgCatechismus
berfft sich aus-
drcklich auff das
Corpus doctrinae,
darinnen die Lere
vom Nachtmal
Christi reichlicher
gehandelt wird.
rhDer Catechismus
berffet sich auff
Lutheri
Catechismum.
riAblehnung der
Calumnien, das dieig
definitio Lutheri im
Latinischen Cate-
chismo nicht
gebraucht.
rjErste gegenwurff
Kem­nicij, daraus er
felschlich
Sacramentirische
jrrthum dem Cate-
chismo zumisset.
rkIn repetitione doc-
trinae de coena
domini.
rlIn libro de duabus
naturis in Christo
Hh. 4.791
rmIn repetitione
doctrinae de
C. D. P. 16.
rnNazianzenus hat
den Spruch Petri
auch passiue geben.
roDer Griechische
Text leidet die pas-
siuam interpretatio-
nem sehr wol.
rpDie Latinischen
versiones geben
den sententz „quod
coelum exceperit
Christum“ siue
„quod Christus sit a
coelo susceptus“.
rqDe fide et symbolo,
cap. 6 et 7.
rrWas da sey
corporalis et
physica locatio.
rsVnterschied der
beiden Artickel von
der Himelfart vnd
sitzen zur Rechten
des Vaters.
rtAnder gegenwurff
Kemnicij || [176r:] wider den Catechis-
mum, von der
Persnlichen
vereinigung.
ruTom. 2 Operum
Pag. 322.
rvPag. 220.
rwDritte gegenwurff
Kemnicij, das im
Latinischen Cate-
chismo nicht die
strei || [177v:] tigen
punckt vom Nacht-
mal angezogen
sein.
rxJn Catechismos
sind Disputationes
von streitigen punc-
ten nicht zu
bringen.
ryWas vns an dem
Artickel von der
Person Christi
gelegen sey.
rzDer Artickel von
der Person Christi
|| [180r:] ist der
Grundfest beides
der Christlichen
Kirchen vnd des
warhafftigen
Glaubens.
saDie verheissung
von der Mensch-
werdung Christi ist
die widerbringung
der Kirchen nach
dem fall.
sbDie hchsten ge-
heimnis Gottes in
dem werck der
Menschwerdung
Christi.
scDie hchste ehre
des Menschlichen
geschlechtes ist,
das Christus warer
Mensch worden.
sdChrysost. super
Heb. cap. 2.
seAlles trostes
Brunquell ist die
Menschwerdung
Christi.
sfGefahr, so aus den
jtztschwebenden
verfelschungen des
Artickels von der
Person Christi
folget.
sgWeil die Flacianer
die eigenschafften
der Naturn auffhe-
ben, wird von jnen
auch der vnter-
scheid der Naturn
auffgehaben.
shMancherley Secten
vnter denen, die der
Menscheit Christi
die Gttlichen
eigenschafften
zuschreiben.
siMenschliche Natur
Christi wird
verleugnet.
sjIn Epistola ad
Epictetum.
skDie Lere von der
Gttlichen Natur
Christi wird
vngewis gemacht.
slZeugnis der schrifft
von der ewigen
waren Gottheit
Christi werden in
zweiuel gesetzt.
smDie ware anruffung
Christi wird
vngewis gemacht.
snDie gantze Lere
von Gott wird
verwirret.
soStreit der newen
Antitrinitariorum
wider den Son
Gottes grndden
sich auff die jtzt
schwebenden
Disputationes.
spIn refutatione
scripta contra
librum D. Maioris,
de Deo et tribus
personis diunitatis.
sqNestorij Schwarm
ernewert, weil man
frgibt, es sey sonst
kein vnterscheid
zwischen Christo
vnd andern Heili-
gen, one das Chris-
tus alles, die Heili-
gen nur etwas
empfahen.
srCollatio donorum
siue aliquorum siue
omnium non efficit,
ut natura accipiens
sit unum ὑφιστάμε-
νον cum natura
diuina dante seu
communicante, vt
manifestum est
sanctos accipere a
Deo inhabitante
dona excellentia,
nec tamen sancti
sustentantur in na-
tura diuina tanquam
in sua propria
hypostasi.
ssEsse organum Dei
in administrandis
siue multis, siue
omnibus actionibus,
quae non nisi a Deo
fieri possunt, non
efficit, ut organum
sit una persona seu
unum ὑφιστάμενον
cum Deo.
stModi unionis iuxta
Nestorium.
I. Secundum inha-
bitationem Verbi,
uelut in suo templo.
suII. Per unitatem
affectus.
svIII. Operatione.
swIIII. Secundum
aequalitatem
dignitatis,
autoritatisiv ἀξιώσεως καὶ
ἐξουσίας.
sxV. Secundum
aequiuocationem,
qua homo dicitur
Deus seu Dei
Filius.
syLocus Cyrilli de
ἐξουσίᾳ Nestoriana.
szNestorius negauit,
Deum passum esse
carne, quia clama-
bat: „Noli gloriari
Iudaee, non enim
Deum sed hominem
crucifixisti.“874
taQuantum ipsis ui-
detur, gloriae mo-
dum ei tribuentes,
donatam esse ipsi
dicunt a Deo aequa-
litatem dignitatis si-
ue authoritatis et vt
simili appellatione
Christus et Filius et
dominus dicatur.
tbEutychis, Mono-
physitarum et
Monotheletarum
Schwarm ernewert
durch die physicam
communicationem,
weil man frgibt,
die || [192r:] Men-
scheit Christi habe

|| [654]

wesentlich in vnd
fr sich empfangen
die eigenschafften
Gottes.
tcMarcionis vnd Ma-
nicheorum
gespenst
vnd gauckeley er-
newert vnd
bestetigt.
tdSamosatenianische
vnd Arianische
Ketzerey gesterckt.
teSabellianische
trewme ernewert.
tfTheopaschitarum
Jrrthum vernewert.
tgTritheitarum
Jrrthum.
thDurch die physicam
communicationem
wird eine Quater-
nitas eingefret.
tiGegenwurff der
Flacianer.

Textapparat
a Nicht in A, B.
b b-b Nicht in A, B.
c Nicht in A, B.
d d-d Nicht in A, B.
e e-e Nicht in A, B.
f f-f Nicht in A, B.
g g-g Im Druck durch Versalien hervorgehoben.
h h-h Nicht in A, B.
i i-i Im Druck durch Versalien hervorgehoben.
j j-j Nicht in A, B.
k Im Druck durch Versalien hervorgehoben.
l das: A, B.
m m-m Nicht in A, B.
n n-n Nicht in A, B.
o o-o Nicht in A, B.
p p-p Nicht in A, B.
q Regeln: A, B.
r r-r Nicht in A, B.
s s-s Nicht in A, B.
t Engel vnd Menschen: D.
u u-u Marginalie in A, B bei „Damit nu...“ im vorangehenden Absatz.
v geblieben: D.
w w-w Im Druck durch größere Type hervorgehoben.
x x-x Nicht in A, B.
y y-y Nicht in A, B.
z z-z Nicht in A, B.
aa a-a Nicht in A, B.
ab b-b Nicht in A, B.
ac c-c Nicht in A, B.
ad verwilliget die: A, B.
ae e-e Nicht in A, B.
af f-f Nicht in A, B.
ag g-g Nicht in A, B.
ah h-h vnd ob er wol: A, B.
ai i-i Nicht in A, B.
aj j-j Nicht in A, B.
ak k-k Nicht in A, B.
al hohe vnd: A, B.
am Im Druck durch Versalien hervorgehoben.
an Die ersten vier Buchstaben durch Versalien hervorgehoben.
ao Im Druck durch Versalien hervorgehoben.
ap Im Druck durch Versalien hervorgehoben.
aq Natur des Sons Gottes: D.
ar Christus [Marginalie: Christus vnter vns gewonet]: A, B.
as s-s 2. Pet. 1: A, B.
at t-t Nicht in A, B.
au u-u Colos. 2: A, B.
av Nicht in A, B.
aw w-w Nicht in A, B.
ax erstlich [Marginalie: I.]: A, B.
ay Jeremi.: A, B.
az z-z Nicht in A, B.
ba a-a Nicht in A, B.
bb b-b Nicht in A, B.
bc c-c Nicht in A, B.
bd d-d 2. Paral. 18: A, B.
be Marginalie in A, B und D neben vorangehendem Absatz.
bf Korrigiert aus „kne“.
bg g-g wie: A, B.
bh Korrigiert aus „trinckeit“ nach D.
bi i-i Luc. 15: A, B.
bj k-k Im Druck durch größere Type hervorgehoben.
bk l-l Marginalie in A und B neben vorangehendem Absatz.
bl m-m Im Druck durch größere Type hervorgehoben.
bm n-n Gottes wort [Marginalie: Zeugnis der alten Christlichen Kirchen von der Menschwerdung
Christi vnd andern Artickeln, so derselben anhengig sind.]: A, B.
bn o-o grosser lust: A, B.
bo MIT : A, B.
bp q-q Im Druck durch Versalien hervorgehoben.
bq MIT: A, B.
br Nicht in A, B.
bs t-t Nicht in A, B.
bt u-u Nicht in A, B.
bu v-v Nicht in A, B.
bv w-w Nicht in A, B.
bw x-x Nicht in A, B.
bx y-y Nicht in A, B.
by z-z Nicht in A, B.
bz Korrigiert aus „eingeborne“ nach D.
ca b-b Nicht in A, B.
cb c-c Nicht in A, B.
cc To.: A, B.
cd e-e Nicht in A, B.
ce f-f Nicht in A, B.
cf g-g Nicht in A, B.
cg h-h Nicht in A, B.
ch i-i Nicht in A, B.
ci j-j Nicht in A, B.
cj Christi. [Marginalie: Athanasius.]: A, B.
ck l-l Nicht in A, B.
cl m-m Nicht in A, B.
cm n-n Nicht in A, B.
cn o-o Nicht in A, B.
co Nicht in A, B.
cp q-q Nicht in A, B.
cq r-r Nicht in A, B.
cr s-s Nicht in A, B.
cs t-t Nicht in A, B.
ct Marginalie nur in A, B, D.
cu gesehen: A, B.
cv w-w Nicht in A, B.
cw allezeit [Marginalie: Himelfart Christi]: A, B.
cx y-y Nicht in A, B.
cy z-z Nicht in A, B.
cz a-a Nicht in A, B.
da b-b de Communicatione Idiomatum: A, B.
db c-c Nicht in A, B.
dc d-d Nicht in A, B.
dd e-e Nicht in A, B.
de f-f Nicht in D.
df g-g Nicht in A, B.
dg Nicht in A, B.
dh i-i Nicht in A, B.
di j-j Nicht in D.
dj k-k Nicht in A, B.
dk Korrigiert aus „eiusden“ nach D.
dl m-m Nicht in A, B.
dm in vna naturis: D.
dn o-o Nicht in A, B.
do verlassen: D.
dp q-q Nicht in A, B.
dq r-r Nicht in A, B.
dr Nicht in A, B.
ds Korrigiert aus „das“ nach D.
dt u-u Matth. 20: A, B.
du v-v Im Druck durch größere Type hervorgehoben.
dv w-w Im Druck durch größere Type hervorgehoben.
dw x-x Im Druck durch größere Type hervorgehoben.
dx y-y Marginalie in D erst auf der Höhe von „Lerebchern“.
dy z-z Nicht in A, B.
dz enarrationibus: A, B.
ea waren Kirchen: D.
eb c-c Marginalie in D als Überschrift gesetzt.
ec d-d Nicht in A, B.
ed e-e Apollinaris, von dem die Apollinaristae [Marginalie: Apollinaristae.] vnd Dimeritae sind
genennet worden, diese newe, jrrige meinung frgeben: Er gestnde wol: D.
ee f-f Nicht in A, B.
ef g-g Credo resurrectionem huius carnis, ich gleube ein Aufferstehung dieses Fleisches: D.
eg h-h Nicht in A, B.
eh i-i Nicht in A, B.
ei j-j Nicht in A, B.
ej k-k Nicht in A, B.
ek l-l Nicht in A, B.
el m-m Nicht in A, B.
em n-n Nicht in A, B.
en o-o Marginalie in D als Überschrift gesetzt.
eo p-p Nicht in A, B.
ep q-q Nicht in A, B.
eq r-r Nicht in A, B.
er s-s Marginalie in D als Überschrift gesetzt.
es t-t jrrthum, wie Herr Lutherus im Buch von den Concilijs recht daruon schreibt, kam daher: D.
et u-u Luc. 2: A, B.
eu v-v Nicht in A, B.
ev Nicht in C. Ergänzt nach D.
ew x-x Nicht in A, B.
ex [Überschrift:] Der Rmischen Kaiser Constitutiones wider Nestorium vnd Eutychen.: D.
ey z-z Nicht in D.
ez Symboli: D.
fa b-b Marginalie bis hierher in D als Überschrift über „Wiewol…“ gesetzt.
fb Vgl. Nikephoros Kallistos Xanthopulos, Ecclesiastica historia XVI, 2–8, in: PG 147,
117–132.
fc Nicht in D.
fd d-d Im Druck durch Versalien hervorgehoben.
fe Korrigiert aus „12“ nach A.
fff- f Marginalie in D als Überschrift über „Es ist…“ gesetzt.
fg [Überschrift:] Durch welche die alten streite widerumb zu vnser zeit erreget sind.: D.
fh Korrigiert aus „Christianißimi“ nach D.
fi Korrigiert aus „Teufflischer“ nach D.
fj Ibidem fol. 24: D.
fk k-k Nicht in D.
fl sturme: D.
fm Korrigiert aus „wen“ nach D.
fn 37: D.
fo o-o Korrigiert aus „Joha. 5“ nach A.
fp Korrigiert aus „nicht“ nach D.
fq Korrigiert aus „Pomeramus“ nach D.
fr Korrigiert aus „Abennmal“ nach D.
fs nicht in D.
ft Vorher Überschrift: Brentianische Streit.: D.
fu Korrigiert nach der Kustode auf 112r in C und D. Alle Ausgaben haben im Text „allen“.
fv Korrigiert aus „Eutechis“ nach A, B, D.
fw w-w so Christus vnd die Wort: A, B; in A in Korrigendaliste korrigiert, in B wiederum falsch und
erneut in Korrigendaliste aufgeführt.
fx Marginalie in A, B schon dem Ende des vorangehenden Absatzes zugeordnet.
fy Korrigiert aus „vergttung“ nach Korrigendaliste auf Bl. Fff 3v. Schon in Korrigendaliste in A
aufgeführt, in B wiederum falsch und erneut in Korrigendaliste aufgeführt; vereinigung: D.
fz zum besseren Verständnis ergänzt, nicht im Text.
ga der Kirchen: A, B; in Korrigendaliste in A korrigiert, in B wiederum falsch und erneut in
Korrigendaliste aufgeführt.
gb er ja: A, B.
gc jme verheisset: A, B.
gd d-d gewiss, warhafftig: A, B.
ge kndte: A, B.
gf f-f nicht in A und B.
gg g-g mus hren: A, B.
gh ausgossen: A, B.
gi eigenschafft: A, B.
gj Vorangehende Marginalie in D erst hier eingefügt.
gk zwo: A, B. In A in Korrigendaliste korrigiert; in B wiederum falsch und erneut in Korrigenda-
liste aufgeführt.
gl viel: A, B.
gm aller: A, B.
gn sein: A, B.
go wirckung: A, B.
gp nicht in A.
gq q-q nicht in A, B, C, ergänzt nach D.
gr des: D.
gs s-s nicht in D.
gt &: A, B; in Korrigendaliste in A korrigiert, gleichwohl in B wiederum falsch und in Korrigen-
daliste aufgeführt.
gu nicht in A, B; in Korrigendaliste in A als nachzutragen aufgeführt, gleichwohl in B wiederum
nicht vorhanden und in Korrigendaliste aufgeführt. Hier gebraucht im Sinne von „außer“.
gv welche: A, B.
gw dann: A, B.
gx N: A, B.
gy jr: A, B.
gz tua: A, B; in Korrigendaliste in A korrigiert, gleichwohl in B wiederum falsch und in Korrigen-
daliste aufgeführt.
ha Im Text durch Versalien hervorgehoben.
hb b-b Im Text durch Versalien hervorgehoben.
hc dann: A, B.
hd lauter vnd: B.
he Nicht in A, B.
hf f-f nicht in A, B; in Korrigendaliste in A als nachzutragen aufgeführt, gleichwohl in B wiederum
nicht vorhanden und in Korrigendaliste aufgeführt.
hg auffbracht: A, B.
hh vnser: A, B.
hi korrigiert aus „vnum“ nach A, B, D.
hj wirckung: A, B.
hk Korrigiert aus παιαφύσικα nach A, B, D.
hl Marginalie in D schon zur dritten Zeile des Absatzes zugeordnet.
hm frderlichste: A.
hn Gemeinen: A.
ho grosse: A.
hp noch nicht: A, B.
hq Korrigiert aus „Cetechismi“ nach D.
hr nicht in D.
hs Marginalie in A und D erst dem folgenden Absatz zugeordnet.
ht Korrigiert aus „den“ nach A, B.
hu nicht in A.
hv nicht in A, B.
hw Korrigiert aus „folgendem“ nach D.
hx reich: A.
hy y-y durchaus: A, B.
hz einigkeit: D.
ia hette: A, B.
ib Eutychianischen: A, B.
ic c-c Der ganze Absatz durch größere Type hervorgehoben.
id korrigiert aus „erzu“ nach A.
ie des: A.
if dieselbigen: A.
ig nicht in A, B.
ih Im Text durch Versalien hervorgehoben.
ii Im Text durch Versalien hervorgehoben.
ij ja das verbum δέξασθαι ein medium, vnd ist darzu: A, B.
ik k-k Im Text durch größere Type hervorgehoben.
il l-l In A nur „er ward“, in B durchgängig, in C und D bis „eine“ durch größere Type hervorge-
hoben.
im m-m durch größere Type hervorgehoben.
in ἀπήρθη: A, B.
io ἠτενίζοντες: A, B.
ip gantzen Welt: B.
iq q-q gesetzt: A; fehlt in B.
ir vnuerborgen: A, B.
is in: A.
it werde: D.
iu alle: A, B.
iv nicht in D.
iw wir hie: A, B.
ix Glaubens bekentnis: A, B, D.
iy Creaturn von ewigkeit: A, B.
iz a-a nicht in A, B.
ja als die: A.
jb worden: A, B.
jc d-d Ganzer Absatz durch größere Type hervorgehoben.
jd nicht in A, B.
je Korrigiert aus 327, nach A, B.
jf g-g Kolophon und Errataliste nicht in D. Stattdessen auf Fff 3v: Dem Christlichen Leser. Dieweil
folgende Fragstuck mit dem inhalt des Grundfests vberein treffen vnd auffs kürtzte, was von dem
Artickel der Himelfart Christi vnd seinem sitzen zur rechten Gottes die Christliche Kirche jeder-
zeit gegleubet, in sich fassen, sind aus Christlicher wolmeinunge dieselben anhero zum ende des
Grundfests gedruckt worden, wie sie zuuorn auch insonderheit etlich mal durch den Druck aus-
gangen sind.

Kommentar
2 Regierung, Verwaltung und Ordnung. Vgl. Art. Polizei, Policei, in: DWb 13, 1981.
3 Vgl. I Joh 2,19.
4 Waffenbrüder. Vgl. Art. Rottgesell, in: DWb 14, 1322.
5 Für die Wittenberger Theologen und viele ihrer Zeitgenossen fallen alle Gegner ihrer Theolo-
gie unter dem Gruppennamen „Flacianer“ zusammen. In der heutigen wissenschaftlichen Litera-
tur ist es weitgehend Konsens, nur die Verfechter der Erbsündenlehre des Flacius als Flacianer zu
bezeichnen. Zu den Gruppenbezeichnungen als Verabredungsbegriffe in der gegenwärtigen For-
schung vgl. Dingel, Concordia controversa, 17–19.
6 Das Augsburger Interim und der Leipziger Landtagsentwurf von 1548 boten den Auftakt der
Lehrauseinandersetzungen zwischen den Schülern Luthers und Melanchthons, die bis 1571 nicht
abbrachen.
8 Vgl. zur Kontroverse zwischen der Wittenberger Fakultät und Flacius über die Existenz des
göttlichen λόγος auch vor der Schöpfung etwa: Flacius, Verantwortung M. Fla. Illyr. vom Logo
von dem Wort oder Son Gottes vnd etlichen andern aufflagen. […], Jena 1561
(VD 16 F 1485),
B 1r–D 3v.
9Flacius hatte in der Weimarer Disputation gegen Victorin Strigel von 1560 die Erbsünde als
Substanz des Menschen bezeichnet. An der Haltung zu dieser Position des Flacius zerbrach die
Gruppe der Gegner Wittenbergs in Befürworter der substantianischen Erbsündenlehre, die Flaci-
aner, und deren Gegner. Zu den schärfsten Gegnern des Flacius in der Erbsündenfrage wurden
Johannes Wigand und Tilemann Heshusius.
11Der Begriff „Klotzbuße“ ist eine gegnerische Bezeichnung für die Lehre des Kreises um
Flacius, dass sich der Mensch in seiner Bekehrung wie ein Klotz passiv verhalte.
12 plötzlichen. Vgl. Art. gehlich, in: DWb 5, 2489.
13 Krüge. Vgl. Art. Kräuslein, in: DWb 11, 2103.
14 Zu den Positionen im synergistischen Streit um eine etwaige Beteiligung des menschlichen
Willens an seiner Bekehrung vgl. Bernhard Lohse, Dogma und Bekenntnis, 121–125.
15 übrig. Vgl. Art. hinterstellig, in: DWb 10, 1518.
16 Zu den Positionen im antinomistischen Streit um die Verhältnisbestimmung und den Gel-
tungsbereich von Gesetz und Evangelium vgl. Lohse, Dogma und Bekenntnis, 117–121.
18 Zu den Veröffentlichungen der Wittenberger Fakultät in der bisherigen Debatte um die Chris-
tologie und Abendmahlslehre vgl. etwa das Ausschreiben Decani vnd Doctoren Professorn der
Theologen Facultet zu Witttemberg [sic!] An alle Frome Christen. […], Wittenberg 1571
(VD 16
W 3706). Zum Erbsündenstreit vgl. die Position des Wittenberger Theologieprofessors Caspar
Cruciger d.J., PROPOSITIONES THEOLOGICAE DE VSITATIS AC RECEPTIS IN ECCLE-
SIA DEFINITIONIBVS, CVM PECCATI IN GENERE, tum Originalis mali […], Wittenberg
1571
(VD 16 C 5873), zur Bekehrung des Menschen zu Gott vgl. die Schrift des Christoph Lasi-
us, Fundament Warer vnd Christlicher Bekerung / Wider die Flacianische Klotzbus […], Witten-
berg 1568
(VD 16 L 568), zur Bestimmung des Verhältnisses zwischen Gesetz und Evangelium
vgl. die Schrift des Wittenberger Theologieprofessors Christoph Pezel, APOLOGIA VERAE
DOCTRINAE DE DEFINITIONE EVANGELII. OPPOSITA THRASONICIS praestigijs et in-
dignis Theologo lusibus Iohannis Vvigandi […], Wittenberg 1571
(VD 16 P 2088).
19 Gemeint sind die „Propositiones“, die Promotionsdisputation der neuen Wittenberger Profes-
soren Christoph Pezel, Heinrich Moller, Friedrich Widebram und Johannes Bugenhagen d.J.,
unsere Ausgabe, Nr. 1: Propositiones (1570), 25–74.
20 Gemeint ist der „Wittenberger Katechismus“, unsere Ausgabe, Nr. 2: Wittenberger
Katechismus (1571), 94–288.
21 unnütze Bücher. Vgl. Art. Scharteke, in: DWb 14, 2225.
22 Vgl. Notger Slenczka, Art. Communicatio idiomatum, in: RGG4 2 (1999), 433f.
25 das Allerweltsgesindel. Vgl. Art. Herr 9 c), in: DWb 10, 1134.
26 Kraftaufwand.
27 Vgl. Act 15,8.
28 Die Wittenberger Autoren geben hiermit die Grobgliederung ihrer „Grundfest“ an: Teil I:
„Bekentnis der Warhafftigen Lere von der Person vnd Menschwerdung des HERRN Christi“
(10v–76v), Teil II: „Von der Person Christi. Kurtze erzelunge der Gegenlere“ (77r–152v), Teil
III: „Vom Latinischen Catechismo/ zu Wittemberg ausgangen“ (153r–200v).
30 Dieser Plan der Wittenberger Theologen scheiterte an ihrem Kurfürsten, der bereits den Druck
der „Grundfest“ untersagt hatte. Allerdings kam dieses Druckverbot zu spät in Wittenberg an, so
dass bereits Exemplare der Schrift verkauft worden waren. Vgl. hierzu Hund, Das Wort ward
Fleisch
, 311–319.
31 Vgl. Gen 3,15. Die Wittenberger Theologen übernehmen die Rede vom Protevangelium von
Luther. Vgl. hierzu: Stolle, Luther und Paulus, 239–253. Zur augustinischen Tradition, die
Luther in der Entwicklung der Rede vom Protevangelium aufnimmt vgl. vor allem: ebd.,
248–250.
34 Vgl. zur Saktisfaktionstheorie Anselms in „Cur Deus homo“, die von den Wittenbergern hier
übernommen wird, und zur Schlüsselstellung, die den Begriffen „Gerechtigkeit“ und „Ehre“ bei
Anselm zukommt: Mühlenberg, Dogma und Lehre, 562–566.
35 Vgl. den zweiten Artikel des „Symbolum apostolicum“, in: BSLK 21,9–17.
36 Vgl. zu dieser Position schon die Aufnahme des Zitates aus Irenäus von Lyon, Adversus
haereses III, 19, 3, in: PG 7, 941 (FC 8/3, 240): „Sicut enim homo erat ut temptaretur, sic et ver-
bum ut glorificaretur, requiescente quidem verbo ut posset temptari et inhonorari et crucifigi et
mori.“ bei Philipp Melanchthon, Loci praecipui theologici (1559), in: CR 21, 626 (MWA 2/1,
198, 18–29).
37 Vgl. Gen 2,23.
38 Gemeint ist die QVAESTIO, AN VNA ADORATIONE INVOCANDVS SIT FILIVS DEI,
DOMINVS noster Iesus Christus, Deus et homo, auf die der Wittenberger Professor Heinrich
Moller
die Responsio gab. Sie ist enthalten in der Wittenberger Thesensammlung: DE PRAECI-
PVIS HORVM TEMPORVM CONTROVERSIIS: PROPOSITIONES, ORATIONES ET
QVAESTIONES […], Wittenberg 1570
(VD 16 W 3749), R 5r–S 6v.
40 Vgl. etwa Johannes Damascenus, Expositio fidei III, 19 (63), in: PG 94, 1081 (PTS 12,
162,49–51).
42 Die Wittenberger Theologen sahen sich innerhalb der Debatte um ihre Abendmahlslehre und
Christologie dem Vorwurf ausgesetzt, die Mitteilung der göttlichen Eigenschaften an die
menschliche Natur Christi auf einen rein verbalen Vorgang der Sprachlogik zu reduzieren, auf
eine „Communicatio Idiomatum verbalis“. Vgl. hierzu etwa: Johannes Wigand, DE COMMVNI-
CATIONE IDIOMAtum: D: IOANNES VVIGANDVS. [...], Basel 1568
(VD 16 W 2741), 33.
Im Folgenden zitiert als Wigand, De Communicatione Idiomatum.
43 Die Autoren der „Grundfest“ nehmen Melanchthons Vier-gradus-Lehre auf, um mit ihr die
verschiedenen Arten der Präsenz Gottes bei seiner Schöpfung, bei den Engeln und Seligen, in
den Wiedergeborenen und in Christus voneinander unterscheiden zu können. Vgl. Philipp Melan-
chthon, Examen ordinandorum (1559), in: CR 23, 5f. Vgl. hierzu auch: Brandy, Christologie, 32.
46 Zur Anbetung der Person Christus vgl. auch die QVAESTIO, AN VNA ADORATIONE
INVOCANDVS SIT FILIVS DEI, DOMINVS noster Iesus Christus, Deus et homo, auf die der
Wittenberger Professor Heinrich Moller die Responsio gab. Sie ist enthalten in der Wittenberger
Thesensammlung DE PRAECIPVIS HORVM TEMPORVM CONTROVERSIIS: PROPOSITI-
ONES, ORATIONES ET QVAESTIONES […], Wittenberg 1570
(VD 16 W 3749), R 5r–S 6v.
47 puren, ausschließlichen. Vgl. Art. purlauter, in: DWb 13, 2255.
48 Vgl. Gen 3,15.
49 Vgl. Joh 6,51.
51 Vgl. Hebr 4,15.
52 Vgl. Lk 4,1; Act 1,8.
53 Vgl. Jes 42,8.
55 Vgl. Phil 3,21.
56 Nach der Zerstörung des Tempels 586 v. Chr. nicht nach Babylon deportierte Angehörige der
Jahwereligion in Samaria, der nordwestlich Judäas gelegenen Region des antiken Palästina,deren
Verhältnis zum Judentum in neutestamentlicher Zeit aufgrund von Lehrdifferenzen belastet war.
Vgl. Ferdinand Dexinger, Art. Samaritaner, in: TRE 29 (1998), 752f.
57 Vgl. Anm. 29.
62 schlicht, einfach.
63 Das hebräische Wort scheint in seinem Bedeutungsspektrum auch „schwacher, sterbli-
cher Mensch“ zu enthalten. Vgl. Wilhelm Gesenius, Hebräisches und aramäisches Handwörter-
buch über das Alte Testament, Berlin u.a. 196217
, 53: „oft m. d. Bed.: schwache Sterbliche“. In
Wilhelm Gesenius, Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament, hg.
v. Rudolf Meyer und Herbert Donner, Berlin u.a. 198718
, 80 ist diese Bedeutung jedoch nicht
mehr zu finden.
67 Vgl. Joh 1,12.
68 Vgl. Gen 3,15.
69 Vgl. Hebr 2,16.
70 Vgl. Joh 2,9.
71 Die Wittenberger Autoren wenden sich gegen die von ihnen so wahrgenommene antitrinitari-
sche Vorstellung von einer Wandlung des ewigen Wortes in den Menschen Jesus von Nazareth,
bei der dem Menschen alle göttlichen Eigenschaften mitgeteilt werden und das göttliche Wort
aufhört zu existieren. Vgl. Michael Servet, DE TRINITATIS ERRORIBVS LIBRI SEPTEM. Per
Michaelem Serueto, alias Reues ab Aragonia Hispanum, Hagenau 1531
(VD 16 S 6066), 113v:
„Sunt enim duo consideranda, res et persona, res ipsa Deus, et dispositio Verbum, et Deus erat
Verbum, et omnis proprietas in ratione Verbi transiuit ad hominem, qui est nunc in Deo, eo mo-
do, quo antea Verbum erat apud Deum, et cum hoc res ipsa omnino in homine est unita et innixa,
quia Deus erat in CHRISTO, mundum reconcilians.“
74 Zelt.
75 Anführer. Vgl. Art. Rottmeister, in: DWb 14, 1323.
76 Würden.
77 Waffenbruder. Vgl. Art. Rottgesell, in: DWb 14, 1322.
78 Vgl. Mt 8,20; 9,6 u.ö.
79 Vgl. Joh 1,14.
82 Im 16. Jahrhundert betrieb man hebräische Grammatik orientiert an der lateinischen Sprache.
Man war der Ansicht, das Wort drücke nichts weiter aus als die Präposition „wie“. Weil sich
nach diesem Verständnis aber etliche Stellen des AT verschlossen, führte man zum Beispiel auch
das „Caf veritatis“ ein, das einen Sachverhalt bekräftigen und bestätigen sollte. Mit der Aufgabe
des Lateinischen als Universalgrammatik hat sich auch das „Caf veritatis“ überlebt. Vgl. hierzu
Ernst Jenni, Die hebräischen Präpositionen. Bd. 2: Die Präposition Kaph, Stuttgart u.a. 1994, 120–122. Für seine wertvollen Hinweise sei Herrn Dr. Reinhard G. Lehmann von der For-
schungsstelle für Althebräische Sprache und Epigraphik an der Universität Mainz gedankt.
87 Vgl. Tertullian, Adversus Praxean, in: PL 2, 159–161 (CChr.SL 2, 1163,27–1164,45).
88Kol 2,9 war eine der Hauptbelegstellen für die Württemberger und Braunschweiger Theolo-
gen in ihrer Lehre von einer realen Mitteilung göttlicher Eigenschaften an die menschliche Natur
Christi. Vgl. hierzu etwa: Jakob Andreae, DISPVTATIO De Maiestate hominis Christi: deque
vera et substantiali corporis et sanguinis eius in Eucharistia, praesentia […], Tübingen 1564
(VD
16 A 2589), B 1r und die „Apologia“ Nikolaus Selneckers vom 11. Juli 1570 in: AD D. THEO-
DORI BEZAE CA­LVMNIAS, BREVIS ET NECESSARIA NICOLAI SELNECCERI Respon-
sio […], Wolfenbüttel 1571
(VD 16 S 5441), G 8v–H 1r.
91 Vgl. II Kor 5,19.
92 Vgl. Jes 40,22.
93 Vgl. Röm 8,9.
94 Vgl. Ez 1,3; Num 24,2.
97 Die Wittenberger Autoren nehmen im Folgenden die Vier-gradus Lehre Melanchthons auf,
mit der dieser die Gegenwart Gottes in der Person Christi von seinen anderen Weisen, präsent zu
sein, unterschieden hatte. Vgl. Philipp Melanchthon, Examen ordinandorum (1559), in: CR
23,5f. Vgl. hierzu: Brandy, Christologie, 32f.
98 Vgl. Ex 12,29.
103 Vgl. Hebr 1,3.
108 Vgl. Ps.-Athanasius, Dialogus contra Macedonianos II, in: PG 28, 1336 (CorPat 10,
141–147).
109 Ps.-Anastasius/Ps.-Cyrill u.a., Compendiaria explicatio orthodoxae fidei, in: PG 89, 1404.
Die Autorenzuweisung an Anastasius von Antiochien und Cyrill von Alexandrien war im 16.
Jahrhundert verbreitet. Vgl. die zeitgenössische Ausgabe und Übersetzung des Theodor Beza, in:
ATHANASII DIALOGI V, de sancta Trinitate. BASILII LIBRI IIII, aduersus impium Eunomi-
um. ANASTASII ET CYRILli compendiaria orthodoxae fidei explicatio. […], Genf 1570
,
425–431, hier: 431.
110 Basilius von Caesarea, Contra Eunomium I, 18,9–15, in: PG 29, 552f (SC 299, 236); zitiert
bei Theodoret, Eranistes. Florilegium II, 39, in: PG 83, 189 (Ettlinger, 166,13–17).
111 Ambrosiaster, Commentarius in epistulam ad Philippenses, in: PL 17, 431 (CSEL 81,
139,7f).
112 Ambrosiaster, Commentarius in epistulam ad Philippenses, in: PL 17, 431 (CSEL 81,
139,13).
113 Der Württemberger Theologe Johannes Brenz hatte die Rede des Philipperbriefs von der
„forma Dei“ nicht auf das Wesen Gottes bezogen verstanden, sondern auf die göttliche Majestät
und Herrlichkeit, die der menschlichen Natur Christi mitgeteilt worden seien. Phil 2 spricht dem-
nach für Brenz von der durch reale Mitteilung göttlicher Eigenschaften erhöhten menschlichen
Natur Christi, die sich während ihrer Erdentage dieser göttlichen Herrlichkeit entäußert habe.
Vgl. hierzu Brandy, Christologie, 212f.
114 Fulgentius, De fide ad Petrum XIX–XXI, in: PL 40, 759f. (CChr.SL 91A, 723, 366–380. 724,
381–386. 725, 412–416). Nach dem 9. Jahrhundert kursiert diese Schrift fast ausnahmslos unter
dem Namen Augustin. Vgl. Pierre Langlois, Art. Fulgentius, RAC 8 (1972), 653.
118 Vgl. Phil 2,8.
119 Vgl. Phil 2,7.
123 Die Braunschweiger Theologen Martin Chemnitz und Nikolaus Selnecker hatten innerhalb
der Debatte um die Wittenberger Abendmahlslehre und Christologie die Mitteilung göttlicher
Eigenschaften an die menschliche Natur auf die Zeit nach der Auferstehung und Himmelfahrt
beschränkt, während die Württemberger Theologen Brenz und Andreae die reale Idiomenkom-
munikation vom Zeitpunkt der Inkarnation an vertraten. Vgl. hierzu Hund, Das Wort ward
Fleisch
, 420–422. 535–540.
129 Vgl. Act 4,12.
130 Zur typologischen Anspielung auf Elia vgl. I Reg 17,6.
134 Vgl. Lk 1,42.
135 Vgl. Lk 2,12.
136 Vgl. Lk 2,16f.
137 Vgl. Lk 2,21.
139 Vgl. Lk 2,52.
140 Vgl. Lk 2,42.
141 Vgl. Mt 3,13–17 par.
142 Vgl. Mk 1,12f par.
144 Vgl. Lk 22,44.
145 Vgl. Joh 19,34.
146 Vgl. Act 1,3.
147 Vgl. Lk 24,39.
149 Vgl. Act 1,9.
150 Vgl. Act 1,10f.
151 Vgl. Röm 4,25.
153 Vgl. I Petr 3,18.
154 Vgl. Hebr 10,10.
155 Vgl. Hebr 5,2.
157 Vgl. Act 7,55.
158 Vgl. I Tim 2,5f.
159 Vgl. Phil 3,21.
160 Vgl. Philipp Melanchthon, Enarratio epistulae Pauli ad Colossenses (1559), in: CR 15, 1271.
172 Vgl. Theodoret, Eranistes. Dialogus II, in: PG 83, 119 (Ettlinger, 120,13f).
173 Vgl. Eph 2,6.
175 Vgl. Mk 16,19.
185 schlichter, einfacher.
193 Vgl. Theodoret, Eranistes. Florilegium I, 7, in: PG 83, 81 (Ettlinger, 95,14–21).
194 Ps.-Ignatius, Ad Trallianos IX, 1, in: PG 5, 788f (Funk/Diekamp, 104,1–4).
195 Ps.-Ignatius, Ad Trallianos X, 1–6, in: PG 5, 789. 792f (Funk/Diekamp, 106,6–19. 108, 3–4).
Vgl. Sach 12,10; Joh 19,37.
196 Ps.-Ignatius, Ad Philippenses III, 1, in: PG 5, 924 (Funk/Diekamp, 149,1–3).
197 Ps.-Ignatius, Ad Smyrnenses II, 1, in: PG 5, 841 (Funk/Diekamp, 192,5–9).
198 Ps.-Ignatius, Ad Smyrnenses III, 1, in: PG 5, 841. 844 (Funk/Diekamp, 192,18–20).
199 Ps.-Ignatius, Ad Smyrnenses III, 5, in: PG 5, 845 (Funk/Diekamp, 194,1–5).
200 Ps.-Ignatius, Ad Smyrnenses IV,2, in: PG 5, 845 (Funk/Diekamp, 194,16–20).
201 Irenäus von Lyon, Adversus haereses III, 18, 6f., in: PG 7, 937 (FC 8/3, 232,6–12).
202 Irenäus von Lyon, Adversus haereses III, 16,8, in: PG 7, 927 (FC 8/3, 206,2–7). Vgl. I Joh
3,9
.
203 Irenäus von Lyon, Adversus haereses V, 1,2, in: PG 7, 1121f (FC 8/5, 26,21–24).
204 Irenäus von Lyon, Adversus haereses V, 1,2, in: PG 7, 1122 (FC 8/5, 28,7–13).
205 Irenäus von Lyon, Adversus haereses III, 19,3, in: PG 7, 941 (FC 8/3, 240,22–242,1).
206 Ps.-Justin = Theodoret, Expositio rectae confessionis XI, in: PG 6, 1225–1228 (CorpAp 4,
40). Im 16. Jahrhundert firmierte dies Werk unter dem Autorennamen Justin. Vgl. hierzu die zeit-
genössische Ausgabe DIVI IVSTINI PHILOSOPHI ET MARTYris Christi, OPERVM, QVAE
EXTANT, OMNIVM per IOANNEM LANGVM Silesium, e Graeco in Latinum sermonem uer-
sorum, & Sententijs priscorum sanctorum Patrum illustratorum, Tomi III. […] TOMVS TER-
TIVS […], Basel 1565
(VD 16 J 1174), 23f.
207 Vgl. Ps.-Justin = Theodoret, Expositio rectae confessionis XV, in: PG 6, 1233. 1236 (CorpAp
4, 54. 56).
208 Tertullian, Adversus Praxean XXVII, 11, in: PL 2, 191 (CChr.SL 2, 1199,62–1200,68).
209 Tertullian, De resurrectione mortuorum LI, 2, in:PL 2, 869 (CChr.SL 2, 994,11–19).
210 Rufin, Expositio symboli XXIX, in: PL 21, 367 (CChr.SL 20, 164,17–165,20). Dieses Werk
wurde im 16. Jahrhundert Cyprian zugeschrieben.
211 Glaubensbekenntnisse.
212DH 125 (Nicaenum).
213DH 150 (Nicaeno-Konstantinopolitanum).
214 Vgl. Cyrilli epistula synodica ad Nestorium (= Epistula 17), in: PG 77, 105–121 (ACO 1, 3,
26–35; Originaltext: Cyrilli epistula tertia ad Nestorium, ACO 1, 1, 1, 33–42); Cyrilli expositio
symboli Nicaeni (= Epistula 55), in: PG 77, 289–320 (ACO 1, 5, 2, 343–353; griechisches Origi-
nal: ACO 1, 1, 4, 49–61); Cyrilli scholia de incarnatione vnigeniti, quid est Christus, in: PG 75,
1369–1412 (ACO 1, 5, 1, 184–215); Cyrilli apologeticus contra orientales, in: PG 76, 316–338
(ACO 1, 5, 1, 116–142). Vgl. hierzu auch die zeitgenössische Ausgabe der Konzilstexte : Petrus
Crabbe, TOMVS PRIMVS CONCILIORVM OMNIVM, TVM GENERALIVM, TVM PRO-
VINCIALIVM ATQVE PARTICVLARIVM [...], Köln 1567
(VD 16 ZV 3943).
215 Vgl. Kol 2,9.
216 Cyrill von Alexandrien, Epistula synodica ad Nestorium, in: PG 77, 109.112 (ACO 1, 1, 1,
35,12–36,23).
217 Cyrill von Alexandrien, Epistula synodica ad Nestorium, in: PG 77, 113. 116f. 120 (ACO 1,
1, 1, 37,3–19. 40, 3–5.7–8). Vgl. I Kor 15,21.
218 Vgl. Evagrius Scholasticus, Ecclesiastica historia II, 4, in: PG 86,2, 2497–2509 (Bidez/ Par-
mentier
, 42–50).
219 Vgl. Nikephoros Kallistos Xanthopulos, Ecclesiastica historia XII, 6, in: PG 147, 24f.
220DH 301–303.
221 Nikephoros Kallistos Xanthopulos, Ecclesiastica historia XVIII, 45, in: PG 147, 420.
222 Vgl. Evagrius Scholasticus, Ecclesiastica historia II, 18, in: PG 86, 2572 (Bidez/Parmentier,
83,12–15).
223 Vgl. Nikephorus Kallistos Xanthopulos, Ecclesiastica historia XV, 4, in: PG 147, 20f.
224 Georgios Kedrenos, Compendium historiarum 683, in: PG 121, 745.
225 Zur unvermischten Wirkung der beiden Naturen Christi vgl. die Kanones der
Konstantinopolitaner Synode vom 2. Juni 553: DH 428. Zum exklusiven Leiden der
menschlichen Natur vgl. DH 432.
226 Dieser Hymnus „Eingeborener Sohn“, der Justinian zum Verfasser haben soll, ist am Ende
der zweiten Antiphon der „Göttlichen Liturgie“ des Johannes Chrysostomus zu finden, in: Anas-
tasios Kallis (Hg.), Liturgie. Die Göttliche Liturgie der Orthodoxen Kirche. Deutsch– Grie-
chisch–Kir­chenslawisch, Mainz 1989
, 57.
227 Vgl. die Bestimmungen des Konzils von Konstantinopel vom 16. September. 681 in: DH
556.
228 Vgl. die weiteren Ausführungen des Konzils in: DH 557.
230 Dort.
231 Papst Agatho I., Epistula prima ad augustos imperatores, in: PL 87, 1165.1168.
232 Vgl. die Lehrbeschlüsse des Toletanum von 684 in: DH 564, sowie die Epistula synodi ad
praesules Hispaniae in: DH 612–614.
233 Epiphanius von Salamis, Ancoratus CXX, in: PG 43, 233. 235 (GCS 25, 148,10–15.18–26).
234 Symbolum Athanasii, 27–40, in: BSLK 29,35–30,29.
235 Vgl. das Edikt „Cunctos populos“ der christlichen Kaiser Theodosius I., Gratian und Valen-
tinian II.
von 380, durch das der christliche Glaube zur verbindlichen Reichsreligion wurde und
in dem das „Symbolum Damasi“ als Referenztext für den gebotenen Glauben angeführt wird.
Vgl. hierzu die in der Marginalie angegebene Fundstelle: Cassiodor/Epiphanius Scholasticus,
Historia ecclesiastica tripartita IX, 7,3–5, in: PL 69, 1126f (CSEL 71, 503,8–504,24).
236DH 72. Im 16. Jahrhundert war das „Symbolum Damasi“ eingeordnet unter die Schriften des
Hieronymus. Vgl. OMNES QVAE EXTANT D. HIERONYMI STRIDONENSIS LVCVBRATI-
ONES, ADDITIS VNA PSEVDEPIGRAPHIS ET ALIENIS, SCRIPTIS IPSIVS ADMIXTIS, in
nouem tomos, per DES. ERASMVM ROTERODAMVM […] QVARTVS TOMVS […], Basel
1553
(VD 16 H 3485), 97. Im Folgenden zitiert als Erasmus von Rotterdam (Hg.), Hieronymus.
Bd. 4.
237 Libellus fidei Pelagii ad Innocentium 4–6.14, in: PL 45, 1717f. Diese Schrift war im 16. Jahr-
hundert in den Schriften des Hieronymus unter dem Namen „Explanatio Symboli ad Damasum“
zu finden. Vgl. Erasmus von Rotterdam (Hg.), Hieronymus. Bd. 4, 98.
238 Commentarius alter in Symbolum Nicaenum siue potius in Tomum Damasi, Turner, 355. Un-
ter dem Titel „Explanatio fidei ad Cyrillum“ war der „Commentarius alter in Symbolum Nicae-
num siue potius in Tomum Damasi“ im 16. Jahrhundert in die Werke des Hieronymus eingereiht.
Vgl. Erasmus von Rotterdam (Hg.), Hieronymus. Bd. 4, 99.
239 Commentarius alter in Symbolum Nicaenum siue potius in Tomum Damasi, Turner, 356f.
Vgl. Erasmus von Rotterdam (Hg.), Hieronymus. Bd. 4, 99. Vgl. II Kor 8,9.
240 Commentarius alter in Symbolum Nicaenum siue potius in Tomum Damasi, Turner, 359.
Vgl. Erasmus von Rotterdam (Hg.), Hieronymus. Bd. 4, 100.
242 Athanasius, Oratio de incarnatione Verbi XVII, 1, in: PG 25, 126 (SC 199, 324). Vgl. hierzu
auch die Aufnahme dieses Zitats in: Philipp Melanchthon, Enarratio epistulae Pauli ad Colossen-
ses (1559), in: CR 15, 1271.
243 Athanasius, Oratio de incarnatione Verbi XVII, 3f, in: PG 25, 126 (SC 199, 326. 328).
244 Vgl. Athanasius, Oratio de incarnatione Verbi XVII, 19, in: PG 25, 130 (SC 199, 334. 336).
245 Ps.-Athanasius, De incarnatione contra Apollinarum I, 9, in: PG 26, 1108.
246 Ps.-Athanasius, De incarnatione contra Apollinarum I, 16, in: PG 26, 1121. 1124.
247 Theodoret, Eranistes. Florilegium I, 43, in: PG 83, 93 (Ettlinger, 103,15–18).
248 Athanasius, Epistola ad Epictetum VII, in: PG 26, 1061 (Ludwig, 11f).
249 Von der „Expositio fidei“ des Ambrosius ist nur das Zitat bei Theodoret erhalten: Theodoret,
Eranistes. Florilegium II, 29–30, in: PG 83, 181–184 (Ettlinger, 161,20–163,12). Hier: PG 83,
184 (Ettlinger, 162,15–19).
250 Ambrosius, De fide [ad Gratianum Augustum] II, 9, 77, in: PL 16, 576 (CSEL 78, 84f).
251 Ambrosius, De fide [ad Gratianum Augustum] II, 7, 58, in: PL 16, 571 (CSEL 78, 76). Vgl.
Joh 3,13.
252 Gregor von Nyssa, Oratio catechetica, in: PG 45, 41 (Mühlenberg, 38).
253 Gregor von Nyssa, Contra Eunomium III, 3, 65–66, in: PG 45, 705 (Jaeger, 130,28–131,8).
254 Gregor von Nazianz, Ad Cledonium presbyterum epistola I, 30, in: PG 37, 181 (SC 208, 48).
Vgl. I Kor 15,47; Joh 3,13; Eph 3,17.
255 Gregor von Nazianz, Oratio XXX. Theologica quarta. De Filio 8, in: PG 36, 113 (FC 22,
238,9–12). Zur Zählung „Orat. 2 de Filio“ vgl. die zeitgenössische Ausgabe ΓΡΕΓΟΡΙΟΥ ΤΟΥ
ΝΑΖΙΑΝΖΗΝΟΥ ΤΟΥ ΘΕΟΛΟΓΟΥ ΑΠΑΝτα, τὰ μέχρι νῦν μὲν εὑρισκόμενα […], Basel 1550

(VD 16 G 3019), β 7r.
256 Gregor von Nazianz, Oratio XXX. Theologica quarta. De Filio 15, in: PG 36, 124 (FC
22,254, 15–17).
257 Johannes Chrysostomos, De consubstantiali contra Anomoeos VII, 3, in: PG 48, 759.
258 Johannes Chrysostomos, In epistulam ad Hebraeos. Homilia V. Cap. II, 16, 1, in: PG 63, 47.
259 Johannes Chrysostomos, In epistulam ad Hebraeos. Homilia V. Cap. II, 16, 1, in: PG 63, 47.
260 Vgl. Cyrill von Alexandrien, In Joannis Evangelium, in: PG 73+74, 10–756 (Pusey I–III);
Cyrill von Alexandrien, Scholia de incarnatione Vnigeniti, in: PG 75, 1369–1412 (ACO 1, 5, 1,
184–215; griechisches Original in Fragmenten: Ebd., 219–231).
261 Cyrill von Alexandrien, Scholia de incarnatione Vnigeniti 34, in: PG 75, 1406–1408 (ACO 1,
5, 1, 210,10–212,1. (Latein). Das griechische Original des Wittenberger Zitates ist nur fragmen-
tarisch erhalten: ACO 1, 5, 1, 225,11–21. 228,37–230,16. Vgl. Lk 2,40; Joh 9,38; Mt 14,33.
262 Cyrill von Jerusalem, Catechesis IV, 9, in: PG 33, 465. 468. Die angegebene Fundstelle
„Oratio catechetica“ bezieht sich auf folgende zeitgenössische Ausgabe: SANCTI PATRIS NOS-
TRI CYRILLI ARCHIEPISCOPI HIEROSOLYMORVM, CATECHESES ILLVMINATORVM
HIErosolymis XVIII. & quinque Mystagogicae […] IOANNE GRODECIO P. ET I. V. D. Deca-
no Gloguiensi […], Köln 1564
(VD 16 C 6583), 28.
263 Cyrill von Alexandrien, In Joannis Evangelium IX, 13, 33, in: PG 74, 156f (Pusey II, 381,
7–22). Die Zählung der angegebenen Stelle entspricht: DIVI CYRILLI ARCHIEPISCOPI
ALEXANDRINI OPERA, in tres partita Tomos: in quibus habes non pauca antehac Latinis non
exhibita. Tomus primus: In Euangelium Ioannis commentariorum Libri XII. In Leuiticum Libri
XVI […], Basel 1528
(VD 16 C 6566). Vgl. Mt 18,20.
264 Vgl. Cyrill von Alexandrien, In Joannis Evangelium X, 14, 28, in: PG 74, 308 (Pusey II, 511,
18–512,19).
265 Cyrill von Alexandrien, In Joannis Evangelium XI, 16, 16, in: PG 74, 453.456 (Pusey II,
640,24–28).
266 Cyrill von Alexandrien, In Joannis Evangelium XI, 17, 12, in: PG 74, 517 (Pusey II,
698,26–699,31). Vgl. Joh 17,11.
267 Cyrill von Alexandrien, In Joannis Evangelium XI, 17, 13, in: PG 74, 528 (Pusey II, 706,27–707,2).
268 Dieses Zitat ist in seinem Wortbestand nicht verifizierbar im zweiten Dialog des „Eranistes“.
Es handelt sich um eine freie Zusammenfassung des gesamten Dialogus II.
269 Theodoret, Eranistes. Dialogus II, in: PG 83, 164 (Ettlinger, 149,14–33). Vgl. Mt 14,30; Mt 25,33.
270 Theodoret, Eranistes. Dialogus II, in: PG 83, 165 (Ettlinger, 151,8f).
271 Theodoret, Eranistes. Dialogus III, in: PG 83, 277 (Ettlinger, 226,10f).
272 Theodoret, Eranistes. Dialogus III, in: PG 83, 277 (Ettlinger, 226,23).
273 Theodoret, Eranistes. Dialogus III, in: PG 83, 277 (Ettlinger, 226,27f).
274 Theodoret, Eranistes. Dialogus II, in: PG 83, 145. 148 (Ettlinger, 138,31–139,16).
275 Unter der Autorenzuschreibung „Augustin“ und dem Titel „De incarnatione Verbi ad Januari-
um“ kursierten im 16. Jahrhundert Ausschnitte aus der Übersetzung von Origenes, „De principi-
is“ durch Rufin. Vgl. Ps.-Augustin, De incarnatione Verbi ad Januarium. Libri duo. Collecti ex
Originis opere Peri. avrcw,n, juxta versionem Ruffini, in: PL 42, 1175–1194. Die von den Witten-
bergern zitierte Stelle findet sich ebd., 1189. Vgl. auch die Edition des Originals: Origenes, De
principiis IV, 4, 3 in: PG 11, 404f (TzF 24, 790).
276 Augustin, De trinitate I, 7, in: PL 42, 829 (CChr.SL 50, 46).
277 Augustin, De agone christiano XXIIII, in: PL 40, 304 (CSEL 41, 126).
278 Augustin, De agone christiano XXIIII, in: PL 40, 304 (CSEL 41, 127).
279 Augustin, De agone christiano XXIIII, in: PL 40, 304 (CSEL 41, 128).
280 Vgl. Augustin, De agone christiano XXIIII–XXVI, in: PL 40, 304f (CSEL 41, 126–129).
281 Der Brief Augustins an den römischen Präfekten Dardanus erhielt in späteren Zeiten den
Titel „De praesentia Dei liber“. Augustin, Epistula CLXXXVII. De praesentia Dei liber 8–10, in:
PL 33, 835 (CSEL 57, 87f). Vgl. Joh 3,13.
282 Augustin, Epistula CLXXXVII. De praesentia Dei liber 10, in: PL 33,835f (CSEL 57,
87–89).
284 Augustin, Tractatus in Iohannem L, 13, in: PL 35, 1763 (CChr.SL 36, 438f). Vgl. Mt 28,20.
285 Augustin, Tractatus in Iohannem LXXVIII, 1, in: PL 35, 1835 (CChr.SL 36, 523).
286 Die „Contra Eutychetem Libri quinque“ wurden im 16. Jahrhundert fälschlicherweise Vigili-
us Martyr
zugeschrieben. Autor dieser fünf Bücher ist Vigilius Thapsensis. Vgl. die Einführung
in PL 62, 93.
287 Vigilius Thapsensis, Contra Eutychetem I, 4, in: PL 62, 97.
288 Vigilius Thapsensis, Contra Eutychetem I, 4, in: PL 62, 97.
289 Vigilius Thapsensis, Contra Eutychetem I, 6, in: PL 62, 98f. Vgl. Mt 28,20.
290 Vigilius Thapsensis, Contra Eutychetem II, 7, in: PL 62, 108.
291 Vigilius Thapsensis, Contra Eutychetem III, 10, in: PL 62, 117.
292 Vigilius Thapsensis, Contra Eutychetem III, 10, in: PL 62, 117.
293 Vigilius Thapsensis, Contra Eutychetem V, 14f, in: PL 62, 126.
294 Vigilius Thapsensis, Contra Eutychetem V, 7, in: PL 62, 138f.
295 Vgl. Johannes Damascenus, Expositio fidei IV, 3–10 (45–83), in: PL 94, 1105–1128 (PTS
12, 173–186).
296 Vgl. Petrus Lombardus, Sententiae. Liber tertius. Distinctio I–XXII, in: SpicBon 5/2, 23–140.
298 Vgl. ASm I, in: BSLK 414,10–415,2.
299 Vgl. hierzu die Rezeption der altkirchlichen Beschlüsse zur Trinitätslehre in CA I, in: BSLK
50f und AC I, in: BSLK 145 und zur Christologie in CA III, in: BSLK 54 und AC III, in: BSLK
158.
300 Vgl. CA III, 4–5, in: BSLK 54,14–21.
301 Martin Luther, Von den letzten Worten Davids (1543), in: WA 54, 89,5–12.
302 Martin Luther, Von den letzten Worten Davids (1543), in: WA 54, 89,35–90,19.
303 Martin Luther, Von den letzten Worten Davids (1543), in: WA 54, 48,15–50,12. Vgl. II Sam
7,14
.16; Jes 42,8; Joh 16,15; Joh 5,26; Mt 11,27; Mt 28,18; Röm 1,4; Joh 7,39.
304 Martin Luther, Kirchenpostille (1522). Epistel am Christtag. Hebr. 1,1–12, in: WA 10/I/1,
147,6–12.
305 Martin Luther, Kirchenpostille (1522). Epistel am Christtag. Hebr. 1,1–12, in: WA 10/I/1,
148,19–149,8.10–151,6. Vgl. Joh 8,58; Mt 20,23; Mk 13,32; Hebr 1,12; Ps 8,7.
306 Martin Luther, Kirchenpostille (1522). Epistel am Christtag. Hebr. 1,1–12, in: WA 10/I/1,
153,3–8.
307 Martin Luther, Kirchenpostille (1522). Epistel am Christtag. Hebr. 1,1–12, in: WA 10/I/1,
162,7–163,14. Vgl. Hebr 1,3; Ps 110,1; Ps 8,7.
308 Martin Luther, Kirchenpostille (1522). Evangelium in der Christmeß. Luk. 2,1–14, WA
10/I/1, 67,16–68,2.6–10. Vgl. Lk 2,11.
309 Werkzeug.
310 Martin Luther, Kirchenpostille (1522) Evangelium am Sonntag nach dem Christtage. Luk.
2,33–40, in: WA 10/I/1, 446,7–448,17. Vgl. I Tim 1,7; Gal 5,22; Joh 2,13–25; Mk 3,5; Lk 1,80; Phil 2,7.
312 zueignen.
313 Martin Luther, Von den Konziliis und Kirchen (1539), in: WA 50, 589,21–590,11.
314 Martin Luther, Enarratio 53. capitis Esaiae (1550), in: WA 40/III, 701,37f. 702,
1–7.15–20.28f.33–39. 703,4–6.14–25.29–704,10.17–20. Vgl. Röm 1,3f; Lk 1,35; I Kor 2,8; Hebr 6,6; Ps 8,5.
315 Martin Luther, Enarratio 53. capitis Esaiae. (1550), in: WA 40/III, 707,11–16.22–708,8.
11–20.22–35. 709,6–28. Vgl. Nestorius, Nicht sicher einzuordnende Fragmente XIII, in: Loofs,
Nestoriana
, 360,10. Vgl. I Kor 2,8; Lk 1,35; Jes 53,1f; Ps 8,7; Eph 1,20f; Phil 2,10.
317 Martin Luther, Vorrede zum 1. Bande der Gesamtausgabe seiner lat. Schriften (1545), in:
WA 54, 179,22f.
318 Vgl. Augustin, Retractationum libri duo. Prolog, in: PL 32, 586 (CSEL 36, 10,6–9).
319 Martin Luther, Von den Konziliis und Kirchen (1539), in: WA 50, 548, 19–21.
320 Vgl. Martin Luther, Von den Konziliis und Kirchen (1539), in: WA 50, 547,17–19. Vgl.
Hilarius von Poitiers, De trinitate IX, 2, in: PL 10, 282.
321 Vgl. etwa das Lob der prima aetas der „Loci communes“ Melanchthons in: Martin Luther, De
servo arbitrio (1525), in: WA 18, 601,4–6.
322 Anhängerschaft. Vgl. Art. Gesind 4), in: DWb 5, 4109.
323 Gemeint sind die Artes, die sieben freie Künste, in denen Melanchthon als Dozent tätig war.
324 Diener. Vgl. Art. Schuppe, in: DWb 15, 2014.
325 Martin Luther, Vorrede zum 1. Bande der Gesamtausgabe seiner lat. Schriften (1545), in:
WA 54, 182,4–8.
326 Vgl. den Erstdruck dieser Bekenntnissammlung durch Ernst Vögelin in Leipzig: CORPVS
Doctrinae Christianae. Das ist / Gantze Summa der rechten waren Christlichen Lehre des heiligen
Euangelij / nach jnnhalt Göttlicher / Prophetischen vnd Apostolischen Schrifften / in etliche Bü-
cher gantz richtig / Gottselig / vnd Christlich verfasset / Durch den Ehrnwirdigen Herren Philip-
pum Melanthonem. […] Leipzig 1560
(VD 16 G 2894). Dieses sog. Corpus doctrinae Philippi-
cum sollte 1566 zur offiziellen Bekenntnisgrundlage Kursachsens werden. Es enthielt neben den
altkirchlichen Symbolen ausschließlich Werke Melanchthons. Vgl. hierzu: Dingel, Melanchthon
und die Normierung
, 203f.
327 Vgl. hierzu etwa: Philipp Melanchthon, Enarratio secundae tertiaeque partis Symboli Nicaeni
(1550), hg. v. Hans-Peter Hasse, Gütersloh 1996 (QFRG 64)
; Philipp Melanchthon, Enarratio
epistulae Pauli ad Colossenses (1559), in: CR 15, 1223–1282.
328 Vgl. Gen 3,15.
331 vermeintlich, scheinbar.
332 Vgl. den biblischen Bericht über Simon Magus in Act 8,9–24. Zu seiner Person und zum frü-
hen Mythos, der ihn zum Urvater der Gnosis machte vgl. Alastair Logan, Art. Simon Magus, in:
TRE 31 (2000), 272–276.
333 Die Genannten sind entweder Anhänger der Gnosis oder von ihr beeinflusste Theologen. In
der gnostischen Bewegung wurde die Annahme einer wahren Menschheit durch Christus
abgelehnt. Man sprach stattdessen von einem Scheinleib, den der göttliche Sohn angenommen,
nach seiner Auferstehung aber wieder abgelegt habe. Vgl. hierzu Robert McLachlan Wilson, Art.
Gnosis/Gnostizismus II. 4. Die frühe Kirche, in: TRE 13 (1984), 542–548.
334 Vgl. hierzu unsere Ausgabe, Nr. 1: Propositiones (1570), 28, Anm. 8; 35, Anm. 51.
336 Vgl. Ps.-Ignatius, Ad Smyrnenses IV, in: PG 5, 845 (Funk/Diekamp, 195,15–18).
337 Ps.-Ignatius, Ad Trallianos IX, in: PG 5, 788f (Funk/Diekamp, 105,1–9).
338 Vgl. hierzu unsere Ausgabe, Nr. 1: Propositiones (1570), 35, Anm. 50.
339 Johannes Damascenus, Expositio fidei III, 6 (50), in: PG 94, 1005 (PTS 12, 121, 31–37).
340 Die Formulierung „Credo […] carnis huius resurrectionem“ findet sich in der afrikanischen
„Mozarabischen Liturgie“. Vgl. John Norman Davidson Kelly, Altchristliche Glaubensbekennt-
nisse. Geschichte und Theologie, Göttingen 1972
, 177.
341 Vgl. die Kritik des Hieronymus an der origenistischen Auferstehungslehre in: Hieronymus,
Contra Iohannem Hierosolymitanum XXV, in: PL 23, 392. Zur Gruppe der „Origeniani“ und
ihrer Lehre vgl. Rowan Williams, Art. Origenes/Origenismus. 4. Origenismus, in: TRE 25
(1995), 414–417.
342 Tertullian, De carne Christi XXIV, 4, in: PL 2, 792 (CChr.SL 2, 916,25–29).
343 Hieronymus, Contra Iohannem Hierosolymitanum XXIX, in: PL 23, 397.
344 Hieronymus, Contra Iohannem Hierosolymitanum XXXIV, in: PL 23, 404.
345 plötzlich, vgl. Art. Gähling, in: DWb 4, 1147.
346 Hieronymus, Contra Iohannem Hierosolymitanum XXXIV, in: PL 23, 404.
349 Hieronymus, Contra Iohannem Hierosolymitanum XXVII, in: PL 23, 396. Vgl. Kol 1,21f.
351 Vgl. Irenäus von Lyon, Adversus haereses III, 3, 4, in: PG 7, 851–855 (FC 8/3, 34,9–38,3).
352 Ps.-Ignatius, Ad Trallianos, in: PG 5, 784f (Funk/Diekamp, 98,11–100,9).
353 Vgl. hierzu unsere Ausgabe, Nr. 1: Propositiones (1570), 31f, Anm. 39.
354 Epiphanius, Panarion II, 1 (Haeresis 57), in: PG 41, 996 (GCS 31, 344,16f).
355 Epiphanius, Panarion II, 1 (Haeresis 57), in: PG 41, 996 (GCS 31, 345,5–10).
356 Vgl. hierzu unsere Ausgabe, Nr. 1: Propositiones (1570), 31f, Anm. 39.
357 Vgl. Epiphanius, Panarion II, 1 (Haeresis 62), in: PG 41, 1052–1061 (GCS 31, 389,5–
398,11).
358 Die Ebioniten waren eine judenchristliche Gruppierung, die 66/67 n. Chr. ins Ostjordanland
ausgewandert waren und eine von der Kirche getrennte Gemeinschaft bildeten. Für sie war Jesus
von Nazareth ein bloßer Mensch, der bei seiner Taufe von Gott zum Sohn adoptiert wurde. Der
Gnostiker Kerinth kombinierte diese adoptianistische mit der gnostischen Vorstellung, Christus
habe einen Scheinleib besessen. Vgl. Christoph Markschies, „... et tamen non tres dii, sed unus
deus...“ Zum Stand der Erforschung der altkirchlichen Trinitätstheologie, Marburg 1998 (MJT
10)
, 161f.
359Artemas trat zwischen 235 und 270 in Rom auf und lehrte, dass nur der Vater als wahrer Gott
gelten könne. Jesus bezeichnete er als „bloßen Menschen“, der nach dem Willen des Vaters in
der Taufe mit Christus vereint und mit dem Geist als der göttlichen Kraft ausgestattet wurde.
Vgl. Friedrich Wilhelm Bautz, Art. Artemon (Artemas), BBKL 1 (1990), 248f. Ein ähnliches
adoptianistisches Konzept vertraten Theodot der Gerber und Theodot der Bankier. Vgl. Adolf
Martin Ritter, Art. Trinität I. 3. Trinitätstheologische Antriebe und erste Klärungsversuche, in:
TRE 34 (2002), 93–95.
360 Vgl. hierzu unsere Ausgabe, Nr. 1: Propositiones (1570), 33, Anm. 43.
361Gregor von Nyssa bezeichnete Gregor von Neocaesarea als Geistesmann und Wundertäter.
Er nahm teil an der Synode von Antiochien, von der Paul von Samosata verurteilt wurde. Zu
seiner Person vgl. Michael Slusser, Art. Gregor der Wundertäter, in: TRE 14 (1985), 188–191.
362Paul von Samosata. Vgl. hierzu unsere Ausgabe, Nr. 1: Propositiones (1570), 33, Anm. 43.
363 Rufin, De Gregorio Thaumaturgo, eingelegt nach: Eusebius von Caesarea, Historia
ecclesiastica VII, 28, 2, in: GCS 9/2, 955,31–956,7 (Bei Migne nicht vorhanden).
364 erhoben, ist an die Öffentlichkeit getreten.
365 Zu seiner Person, Lehre und seiner Funktion im arianischen Streit vgl. unsere Ausgabe, Nr. 1:
Propositiones (1570), 34, Anm. 46.
366 Das 1. Ökumenische Konzil von Nicäa wurde vom römischen Kaiser Konstantin I. im Jahre
325 einberufen, um den in Alexandria ausgebrochenen arianischen Streit zu schlichten. Das
Konzil endete mit der Verurteilung des Arius und der Formulierung des nicänischen Glaubens-
bekenntnisses.
367 Nizänisches Glaubensbekenntnis (19. Juni 325), DH 126.
368 Die Synode von Tyros (335) nahm Arius und seine Glaubensgenossen wieder in die Kirche
auf, setzte xAthanasius ab und verbannte ihn nach Trier.
369Euseb von Nikomedien war neben Arius der bedeutendste Führer der arianischen Bewegung.
Er setzte seine guten Beziehungen zum kaiserlichen Hof ein und schrieb eine Reihe von Briefen
zugunsten des Arius. Zu seiner Person, Lehre und Rolle im arianischen Streit vgl. Markus
Vinzent, Art. Eusebius von Nikomedien, in: RGG4 2 (1999), 1678.
370Alexander von Konstantinopel ist vor allem bekannt durch einen Brief Alexanders von
Alexandria
an ihn, in dem dieser vor der Gefahr der Lehren des Arius warnte.
371 Vgl. Athanasius, De morte Arii III, 3, in: PG 25, 688 (Athanasius Werke 2/1, 179,23–28).
372 Rufin, Historia ecclesiastica X, 25f, in: GCS 9,2, 989,8–990,17 (Weiterschreibung der Kir-
chengeschichte des Eusebius von Caesarea. Bei Migne nicht vorhanden). Zur separaten Zählung
der Fortschreibung des Rufin vgl. die zeitgenössische Ausgabe: ECCLESIASTICAE HISTO-
RIAE AVTORES. Eusebij Pamphili Caesariae Palaestinae episcopi historiae Ecclesiast. lib. X.
Vuolfgango Musculo interprete. Ruffini presbyteri Aquileiensis historiae Ecclesiasticae. Lib. II
[…], Basel 1557
(VD 16 E 4280), 232–263, hier: 245.
373 Die Eunomianer oder Anhomöer haben ihren Namen von ihrem Führer Eunomius. Sie lehr-
ten, dass der Sohn dem Vater ungleich sei und setzten sich damit in direkte Opposition zur im
nicänischen Glaubensbekenntnis behaupteten Wesenseinheit zwischen Vater und Sohn. Vgl.
hierzu Adolf Martin Ritter, Art. Eunomius, in: TRE 10 (1982), 525–528.
374 Die Makedonianer, benannt nach einem ihrer Führer, dem Patriarchen Makedonius I. von
Konstantinopel, oder auch Pneumatomachen (Geistbekämpfer) vertraten die Ansicht, dass der
Sohn dem Vater in allem gleich sei. Den Heiligen Geist hingegen betrachteten sie als Geschöpf.
Vgl. Wolf-Dieter Hauschild, Art. Pneumatomachen, in: RGG4 6 (2003), 1413f.
375 Das 1. Konzil von Konstantinopel, das 2. Ökumenische Konzil, fand 381 statt. Dort wurde
endgültig über den Arianischen Streit entschieden. Außerdem wurde die Infragestellung der
Gottheit des Heiligen Geistes durch die Pneumatomachen beantwortet, indem man in einer
Bearbeitung des Glaubensbekenntnisses von Nicäa davon redete, dass der Heilige Geist mit dem
Vater und dem Sohn zusammen angebetet und verehrt wird (Homotimie).
376 Zu den theologischen Auseinandersetzungen, den Parteibildungen und Synodalbeschlüssen in
der Zeit zwischen dem Nicänischen Konzil (325) und dem Konstantinopolitaner Konzil (381)
vgl. Adolf Martin Ritter, Art. Arianismus. 6.–7., in: TRE 3 (1978), 708–716.
377 Zur Person und Lehre des Photin von Sirmium vgl. Thomas Böhm, Art. Photin von Sirmium,
in: RGG4 6 (2003), 1322.
378 Zur Synode von Sirmium vgl. Ritter, Dogma und Lehre, 189.
379 Vgl. Sokrates Scholasticus, Historia ecclesiastica II, 30, in: PG 67, 280–292.
380 Die Wittenberger Theologen sind der Ansicht, dass die Antitrinitarier, die in Polen und Sieb-
enbürgen
Zuflucht gefunden hatten, die Lehre des Photin von Sirmium und des Paul von Samo-
sata
erneuerten, dass Gott eine Person sein müsse und nicht drei und daher in einer vorzeitlichen Zeugung keinen ewigen Sohn aus sich hervorbringen könne, sondern vielmehr durch seinen
Geist im Menschen Jesus von Nazareth wirksam sei. Vgl. hierzu Antal Pirnát, Die Ideologie der
Siebenbürger Antitrinitarier in den 1570er Jahren. Übersetzt von Edith Roth, Budapest 1961
.
381 ließ regnen.
382 1. Bekenntnis von Sirmium (351), DH 140. Vgl. Jes 44,6; Joh 1,14; Gen 1,26; Gen 19,24.
383 Das Konzil von Rom fand im Jahre 382 statt und verurteilte die Lehren, die dem Nicaeno-
konstantinopolitanum von 381 widersprachen.
384 Theodoret, Historia ecclesiastica V, 11, in: PG 82, 1222 (GCS 44, 298,5–19).
385 „Tomus Damasi“ (382), in: DH 154–159.
386 „Tomus Damasi“ (382), in: DH 162–167.
387 Oströmischer Kaiser am Anfang des 5. Jahrhunderts.
388 Vgl. hierzu unsere Ausgabe, Nr. 1: Propositiones (1570), 37, Anm. 54.
389 hochmütiger.
390 geschwätziger, vgl. Art. Wäschhaft, in: DWb 27, 2256.
391 sehr, vgl. Art. Fast, in: DWb 3, 1349.
392 Vgl. Martin Luther, Von den Konziliis und Kirchen (1539), in: WA 50, 582,16.
394Loofs, Nestoriana, 176,15–19.
395 Vgl. Loofs, Nestoriana, 246,3–8.
396Loofs, Nestoriana, 205,17–19.
403 Zum Ephesinischen Konzil (431) und dessen Einbettung in den nestorianischen Streit vgl.
Ritter, Dogma und Lehre, 245–253.
404 Zu seiner Person, Lehre und seiner Rolle im nestorianischen Streit vgl. Edward R. Harley,
Art. Cyrillus von Alexandrien, in: TRE 8 (1981), 254–260.
405 Vgl. Theophanes Confessor, Chronographia A.M. 5925, in: PG 108, 241 (Theophanis chro-
nographia, hg. v. Carolus de Boor, Leipzig 1883 (ND Hildesheim 1980)
, 92).
406 Verwerfungen.
407 Cyrill von Alexandrien, Epistula synodica ad Nestorium, in: PG 77, 120 (DH 252). Vgl. Joh
1,14
.
408 Cyrill von Alexandrien, Epistula synodica ad Nestorium, in: PG 77, 120f (DH 253–263).
409 Vgl. Cyrill von Alexandrien, Apologeticus contra orientales, in: PG 76, 316–385 (ACO 1, 5,
1, 116–142).
410 Zu seiner Person, Lehre und seiner Rolle im Eutychianischen Streit vgl. Lionel R. Wickham,
Art. Eutyches/Eutychianischer Streit, in: TRE 10 (1982), 558–565.
411 Zum „Räuberkonzil“ von Ephesus (449) und dem Kontext des Eutychianischen Streites vgl.
Ritter, Dogma und Lehre, 253–260.
412Flavius Marcianus war oströmischer Kaiser um die Mitte des 5. Jahrhunderts.
413 Zum Konzil von Chalkedon (451) vgl. Ritter, Dogma und Lehre, 261–270.
414 Glaubensbekenntnis von Chalkedon (451), in: DH 302f.
415 Cod. I, 1, 3: Theodosius I. und Valentinian II. an Hormisdas, in: CIC[B].C, 5f.
416 Cod. I, 1, 4: Marcian an den Prätorianerpräfekten Palladius, in: CIC[B].C, 6.
417 Vgl. Nikephoros Kallistos Xanthopulos, Ecclesiastica historia XVIII, 45, in: PG 147,
417–421.
418 Nach dem Tod des oströmischen Kaisers Leo I. 474 wurde Zenon neuer Kaiser Ostroms.
Seine Amtszeit ist geprägt von Volksaufständen und religiösen Flügelkämpfen. Basiliskos, der
Bruder seiner Schwiegermutter Verina, stürzte ihn 475 vom Thron. Doch schon ein Jahr später
konnte er seine einstige Macht wieder zurückerobern. Sein Nachfolger Anastasios I. war
Monophysit. Unter seiner Regentschaft kam es zu religiösen Spannungen. Vgl. KP 5, 1498; KP
1, 333f und KP 1, 838.
419 „Acephali“ ist die Selbstbezeichnung einer streng monophysitischen Gruppe, die sich am
Ende des 5. Jahrhunderts von der Jurisdiktion des Patriarchen von Alexandria, Petros III.
Mongos
, löste, um ohne die Herrschaft eines Bischofs leben zu können.
420Georgios Kedrenos war ein byzantinischer Historiker des 11. bzw. 12. Jahrhunderts. Über
sein Leben ist nichts bekannt.
421 Nikephoros Kallistos Xanthopulos, Ecclesiastica historia XVIII, 45, in: PG 147, 420.
422 Zu den christologischen Auseinandersetzungen nach Chalkedon vgl. Ritter, Dogma und Leh-
re
, 270–283.
423 Cod. I, 1, 5: Justinian, in: CIC[B].C, 6f.
424 Oströmischer Kaiser des 6. Jahrhunderts. Unter seiner Herrschaft wurde das römische Recht
kodifiziert (Corpus iuris civilis) und 529 die platonische Akademie geschlossen. Es gelang ihm,
weite Teile des durch die Ostgoten (Italien), Westgoten (Spanien) und Vandalen (Nordafrika)
eroberten weströmischen Imperiums wieder zurückzugewinnen.
425 = „Datae idibus Martii Constantinopoli domino nostro Iustiniano per procura III consulibus“.
Cod. I, 1, 6: Justinian an die Konstantinopolitaner, in: CIC[B].C, 7f.
426 Vgl. Cod. I, 1, 7: Justinian an Epiphanias, in: CIC[B].C, 8–10.
427 Zur Person des Kaisers Justinian, seiner Theologie und dem Konzil von Konstantinopel als
Ausdruck seiner Kirchenpolitik vgl. Patrick Gray, Art. Justinian, in: TRE 17 (1988), 478–486.
428 2. Konzil von Konstantinopel (553), Kanones, in: DH 429f.
429 Die Monotheleten vertraten die Position, dass Christus zwei Naturen – eine göttliche und eine
menschliche –, aber nur einen Willen besitze. Jesus sei zwar eine eigene Person, deren Wille aber
von Gott vollständig diktiert sei. Diese Ansicht wurde Anfang des 7. Jahrhunderts unter dem
oströmischen Kaiser Herakleios entwickelt, um die Position von Chalkedon und deren Zweinatu-
renlehre Christi mit der monophysitischen auszusöhnen. Vgl. hierzu Ritter, Dogma und Lehre,
279–283.
430 Synode im Lateran (649), Kanones, in: DH 504. 506f. 509f. 511f. 515.
431 Zum 6. Ökumenischen Konzil von Konstantinopel (Constantinopolitanum III). 680, vgl.
Ritter, Dogma und Lehre, 282f. Die Wittenberger meinen hier den Brief „Consideranti mihi“ des
Papstes Agatho vom 27. März 680, der am 15. November 680 auf dem Konzil von
Konstantinopel verlesen und von den Konzilsvätern gebilligt wurde: DH 542–545.
432 Brief des Papstes Leo II. an Kaiser Konstantin IV. (682), in: DH 561.
433 Gemeint ist das Herzogtum Savoyen.
434 Zur Person des Spaniers Servet und seiner antitrinitarischen Infragestellung altkirchlicher
Dogmen vgl. Jerome Friedman, Art. Servet, in: TRE 31 (2000), 173–176.
438 Rädelsführer.
442 Ps.-Ignatius, Ad Antiochenses V, in: PG 5, 901 (Funk/Diekamp, 216,3–5.9–11).
443 Zu dieser Gruppe vgl. Karl-Heinz zur Mühlen, Art. Taufe V. 4., in: TRE 32 (2001), 705–707.
444 Zur Person des Schlesiers Caspar von Schwenckfeld vgl. Horst Weigelt, Art. Schwenckfeld/
Schwenckfeldianer, in: TRE 30 (1999), 712–719. Zu seiner Christologie vgl. Maron, Individua-
lismus und Gemeinschaft
, 52–66.
445 Vgl. etwa den Titel Caspar von Schwenckfeld, Von der Göttlichen herrlichait der Menschait Christi in der Glorien (1542), in: CSch 8, 5–23.
446Vgl. Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11,126f.
Vgl. die zeitgenössische Ausgabe: Caspar von Schwenckfeld, Bekandt­nus vnd Rechenschafft von
den Hauptpuncten des Christlichen Glaubens, Ulm 1548
(VD 16 S 4877), 26r–v. Im Folgenden
zitiert als Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft.
447 Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11, 124,23–27.
Vgl. die zeitgenössische Ausgabe: Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft,
24r.
448 Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11, 125,17–19.
Vgl. die zeitgenössische Ausgabe: Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft,
24v.
450 Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11, 126,1–9. Vgl.
die zeitgenössische Ausgabe: Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft,
25v–26r.
451 Vgl. Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11, 127,1–7.
Vgl. die zeitgenössische Ausgabe: Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft,
26r.
452 Gemeint ist Caspar von Schwenckfeldt, Confession vnnd Erklärung vom Erkanthnus Christi
vnd seiner Göttlichen Herrlicheit (1557), in: CSch 7, 484–884.
453 Vgl. Caspar von Schwenckfeldt, Confession vnnd Erklärung vom Erkanthnus Christi vnd
seiner Göttlichen Herrlicheit (1557), in: CSch 7, 705,9–13.
454 Vgl. Caspar von Schwenckfeldt, Confession vnnd Erklärung vom Erkanthnus Christi vnd
seiner Göttlichen Herrlicheit (1557), in: CSch 7, 649,5–14.
455 Theodoret, Eranistes. Dialogus III, in: PG 83, 277 (Ettlinger, 226,10f).
456 Vgl. Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11, 141,
11–24. Vgl. die zeitgenössische Ausgabe: Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechen-
schafft
, 37r–v.
457 Vgl. Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11, 141,26–
142,13. Vgl. die zeitgenössische Ausgabe: Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechen-
schafft
, 37v–38r.
458 Caspar von Schwenckfeld, Von der Göttlichen herrlichait (1542), in: CSch 8, 10,23–32.
12,12–16.
460 Symbolum Apostolicum, in: BSLK 21, 10f.
461 Vgl. Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11,
144,4–14.
464 Vgl. Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11,
131,20–33.
465 Vgl. Caspar von Schwenckfeld, Von der Göttlichen herrlichait (1542), in: CSch 8, 8,17–26.
14,22–27.
470 Vgl. Joh 5,22.
471 Vgl. Act 10,43.
472 Vgl. Eph 1,21.
473 Vgl. Mt 28,28.
474 Vgl. Phil 2,10.
475 Vgl. Hebr 1,5.
476 Vgl. Hebr 4,10.
477 Vgl. Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11, 147,
13–21. Vgl. die zeitgenössische Ausgabe: Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechen-
schafft
, 41v.
478 Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11, 144,17–21.
Vgl. die zeitgenössische Ausgabe: Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft,
39v.
479 Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11, 129,25–
130,3. Vgl. die zeitgenössische Ausgabe: Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechen-
schafft
, 28r–v.
480 Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11, 131,20–32.
Vgl. die zeitgenössische Ausgabe: Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft, 29v–30r.
481  Vgl. Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft (1548), in: CSch 11,
142,14–18. Schwenckfeld widmete eine ganze Schrift dem Problem der Anbetung Christi nach
seinen beiden Naturen: Caspar von Schwenckfeld, Von der Anbetunge Christi (1543), in: CSch
8, 327–399.
482 Caspar von Schwenckfeldt, Confession vnnd Erklärung vom Erkanthnus Christi vnd seiner
Göttlichen Herrlicheit (1557), in: CSch 7, 781,8–17.
483 Caspar von Schwenckfeldt, Confession vnnd Erklärung vom Erkanthnus Christi vnd seiner
Göttlichen Herrlicheit (1557), in: CSch 7, 782,14–18. 32–36. 783,15–18. 784,11–16.
484 Vgl. etwa Petrus Lombardus, Sententiae. Liber tertius. Distinctio XXII, 3, 1, in: SpicBon 5/2,
139,13–15.
485 Auf Luther zurückgehende Verballhornung des Namens Schwenckfeld. Vgl. Martin Luther,
Kurzes Bekenntnis vom heiligen Sakrament (1544), in: WA 54, 156,6–9.
486 Vgl. die von Melanchthon verfasste Stellungnahme der zu Schmalkalden versammelten
Theologen zur Lehre Sebastian Francks und Caspars von Schwenckfeld: in: CR 3, 986 (MBW 3,
41, Nr. 2396: Memorandum. 16. März 1540). Vgl. die zeitgenössische Ausgabe: Philipp Melan-
chthon, OPERVM REVERENDI VIRI PHILIPPI MELANTHONIS. PARS SECVNDA […],
Wittenberg 1562
(VD 16 M 2333), 200–202.
488CR 3, 983. 985f (MBW 3, 41, Nr. 2396: Memorandum. 16. März 1540). Vgl. Joh 1,14; Gen
12,3
; Lk 24,39.42f; Röm 1,3.
489Antonius Corvinus war Reformator in Niedersachsen. Wegen seines Widerstandes gegen die
Annahme des Augsburger Interim durch Erich II. von Calenberg-Göttingen wurde er 1549 inhaf-
tiert und starb kurz nach seiner Freilassung im Jahre 1552. Vgl. hierzu Inge Mager, Antonius
Corvins Kampagne gegen das Augsburger Interim im welfischen Fürstentum Calenberg- Göttin-
gen, in: Luise Schorn-Schütte (Hg.): Das Interim 1548/50. Herrschaftskrise und Glaubenskon-
flikt. Symposium des Vereins für Reformationsgeschichte 2001 in der Leucorea-Stiftung in
Wittenberg, Gütersloh 2005 (SVRG 203)
, 331–341.
490Johannes Kymeus war Reformator in der Landgrafschaft Hessen und nahm 1546 am
Religionsgespräch in Regensburg teil.
491 Vgl. WA.TR 5, 301,42–302,9 (Nr. 5659). Vgl. die zeitgenössische Ausgabe: Martin Luther,
Der Zwelffte vnd letzte Teil der Bücher des Ehrnwirdigen herrn: D. Mart. Lutheri […], Witten-
berg 1559
(VD 16 L 3345), 210v.
492 Parteibildung.
493 Marktschreier; Person, die versucht, durch bloßes Rufen und ohne Argumente die Menschen
hinter sich zu sammeln.
494 Vgl. den ganzen Abschnitt zur Abendmahlslehre in: CSch 11, 109–123. Vgl. die
zeitgenössische Ausgabe: Caspar von Schwenckfeld, Bekandtnus vnd Rechenschafft, 14v–23r.
Zur Abgrenzung von der Abendmahlslehre Luthers vgl. vor allem: ebd., 19v. Schwenckfeld ver-
trat eine Sakramentslehre, die dem Abendmahl keinen realen, gnadenvermittelnden Charakter
zuschrieb. Weil Göttliches nicht durch etwas Irdisches vermittelt werden könne, könne es auch
die Gegenwart Christi durch die Elemente des Abendmahls nicht. vgl. Richard Heinrich Grütz-
macher, Art. Schwenckfeld, in: RE3 18 (1906), 72–81.
495 In der Bremer Abendmahlskontroverse (1555–1561) verzichtete Melanchthon darauf, Schrif-
ten drucken zu lassen, und versuchte, in Briefen an seine Schüler und den Bremer Rat, die Dis-
kussion um die Allgegenwart des Leibes Christi aus der Abendmahlsdebatte herauszuhalten. Vgl.
hierzu: Mahlmann, Das neue Dogma, 44–61.
496 Vgl. Philipp Melanchthon, Enarratio epistulae Pauli ad Colossenses (1559) in: CR 15, 1223–
1282.
497 Vgl. Philipp Melanchthon, Responsiones ad impios articulos Bavaricae inquisitionis. Refuta-
tio errroris Serveti et Anabaptistorum, in: MWA 6, 377. Die Passage entstammt einer Ergänzung,
die Melanchthon der dritten Druckausgabe (VD 16 M 4169, Wittenberg August 1559) beifügte.
In den Erstausgaben der Schrift (VD 16 M 4167, Wittenberg 1558 und M 4168, Wittenberg
1558) sind sie noch nicht enthalten. Vgl. MWA 6, 365.
498 Vgl. Philipp Melanchthon, CHRONICON CARIONIS LATINE EXPOSITVM ET AVC-
TVM MVLTIS ET VETERIBVS ET RECENTIBVS HISTORIIS [...], Wittenberg 1559 (VD 16
ZV 10739).
499 Vgl. Philipp Melanchthon, Responsio de controversiis Stancari (1553), in: CR 23, 89–93
(MWA 6, 261–266).
501Paul Eber, Vom heiligen Sacrament des Leibs vnd Bluts vnsers HERren IESV CHRISTI. Vn-
terricht vnd Bekentnis [...], Wittenberg 1563
(VD 16 E 66), 116f. Erste Ausgabe 1562 (VD 16 E
64), dort 114f. Im Folgenden nach der ersten Ausgabe zitiert als Eber, Sacrament.
502 Die sog. Censura Theologorum Witebergensium, das Gutachten der Wittenberger Theologen
Georg Major, Paul Eber und Paul Crell zu Schriften von Brenz und Andreae, blieb ungedruckt
und wurde erst 1614 von Hutter abgedruckt; vgl. Hutter, Concordia concors, 49–60, hier 53f.
503 Vgl. Martin Luther, Von den letzten Worten Davids (1543), in: WA 54, 28–100.
504 sehr; vgl. Art. fast, Bedeutung A), in: DWb 3, 1348f.
505 Anspielung auf die Ausbreitung antitrinitarischer Lehren in Polen-Litauen und Siebenbürgen,
die in Polen zur Spaltung der dortigen reformierten Gemeinden geführt hatte. Vgl. oben, 522f,
Anm. 441.
506 C[hur] F[ürstlichen] G[naden].
507 erprobte, bewährte, vgl. Art. versuchen, Bedeutung D), in: DWb 25, 1838.
508 Vgl. I Kor 11,23. Die Zeitangabe findet sich in den Evangelien nicht.
509 einfach, vgl. Art. schlecht, Bedeutung 7) und 8), in: DWb 15, 523.
510 Vgl. die Wittenberger Konkordie (1536), in: BDS 6/1, 120–134.
512 Martin Luther, Daß diese wort Christi „Das ist mein leib“ noch fest stehen, wider die
Schwärmgeister (1527), in: WA 23, 64–283.
513 Vgl. Decreta Concilii Lateranense IV (1215), Definitio contra Albigenses et Catharos, in: DH 802.
514 Johannes Damascenus, Expositio fidei IV, 13 (86), in: PG 94, 1144f (PTS 12, 194,94–96).
515WA 48, 237,1–18. Dieses Zitat, eine Bucheintragung zu I Kor 11,24, findet sich zuerst in
Band 8 der Jenaer Lutherausgabe (1558) und wird in der Folge in alle Lutherausgaben übernom-
men; es stammt indes von Melanchthon. Vgl. die kritische Einschätzung der Stelle bei Lukas
Osiander, Bericht vom Hl. Nachtmal, unsere Ausgabe, Nr. 12: Bericht vom Nachtmahl (1572),
1002–1005, und die editorische Notiz in WA 48, 236. Vgl. Der Achte Teil aller Bcher vnd
Schrifften des thewren, seligen Mans Doct. Mart. Lutheri vom XLII. Jar an, bis auff seinen
Christlichen Abschied aus diesem Leben, vnd dasselbe Jar vollend hinaus, bis auffs XLVII.
geschrieben [...], Jena 1558
(VD 16 L 3337), 375r.
519Brenz, Recognitio, 29, 41, 22, 110, 20.
522 Vgl. Andreae, Assertio, 31, 14.
525  Die Angabe bezieht sich auf folgendes Werk: Jakob Andreae, DISPVTATIO De Maiestate
hominis Christi: deque vera & substantiali corporis & sanguinis eius in Eucharistia, praesentia.
[...], Tübingen 1564
(VD 16 A 2589), B 1r. Angegeben wird die Nummer der These. Im Folgen-
den zitiert als Andreae, Disputatio De Maiestate.
541 Vgl. Phil 2,6f.
549 Vgl. Eph 4,10.
550Brenz, Recognitio, 114, 229f.
553 erdichtete Meinungen.
554Johannes Wigand, DE COMMVNICATIONE IDIOMAtum [...], Basel 1568 (VD 16 W
2741). Im Folgenden zitiert als Wigand, De Communicatione Idiomatum.
555Vgl. Wigand, De Communicatione Idiomatum, 36: „Solum uerbales communicationes consti-
tuere, Reales uero in uniuersum reijcere: qua sese nota Sacramentarij insigniunt, uel ista omnia
absque discrimine permiscere.“
557 Vgl. Publius Ovidius Naso, Metamorphosen II, 50, hg. und übersetzt von Gerhard Fink, Mün-
chen 20033
, 64: Phaeton erbittet von seinem Vater Phöbus, den Sonnenwa­gen lenken zu dürfen,
was dieser als unbedachtsam bezeichnet.
558 Kämpfer; vgl. Art. Weigand, in: DWb 28, 633f.
560 Martin Luther, Von Anbeten des Sakraments des heiligen Leichnams Christi (1523), in: WA
11, 434,17–20.
561 Martin Luther, Von Anbeten des Sakraments des heiligen Leichnams Christi (1523), in: WA
11, 448,29f.
562 Martin Luther, Von Anbeten des Sakraments des heiligen Leichnams Christi (1523), in: WA
11, 450,4f.
563 Wohl Anspielung auf folgenden Druck: Albert Sperling, DISPVTATIO De Maiestate
hominis Christi, IN CELEBRI ACADEMIA INgolstadiana ad normam verae piaeque; doctrinae
per Theses explicata, aduersus impias Iacobi Andreae Schmidelini Theses [...], Ingolstadt 1564

(VD 16 D 2052). Die jesuitische Disputation gegen Andreae wurde in Wittenberg 1571 zweimal
nachgedruckt, vgl. VD 16 D 2053/2054.
565 Vgl. die Definition Melanchthons im Examen Ordinandorum 1559: „Est autem Communica-
tio Idiomatum praedicatio, in qua proprietas uni naturae conveniens, tribuitur personae in Con-
creto, quia hae duae naturae, λόγος et natura assumpta, sunt unum ὑφιστάμενον.“, in: CR 23, 6f.
568 Vgl. Martin Luther, Lied Ach got von hymel sihe darein (1523), in: AWA 4, 62–65; 175–
179. Strophe 3, 177: „Got wlt außrotten alle lr, / die falschen scheyn vnns leren. / Darzů jr
zung stoltz offenbar / spricht: ‚Trotz, wer wils vnns weren? / Wir haben recht vnd macht allain; /
was wir setzen, das gilt gemain. / Wer ist, der vns solt maistern?‘“ Nach Ps 12,5.
570 Vgl. das Symbolum Chalcedonense, in: ACO 2, 1, 2, 130 (DH 302).
571 Vgl. Thomas von Aquin, Super Sententiis, lib. 3 d. 22 q. 1 a. 2 ad 1. Kein wörtliches Zitat.
572 Vgl. Cyrill von Alexandrien, Scholia de incarnatione Vnigeniti ΧΧΙV, in: PG 75, 1406 (ACO
1, 5, 1, 210,20–24 [latein]).
573 Die Aussage ist bei den Kirchenvätern nicht nachzuweisen. Sie entstammt wohl dem Lehr-
buchwissen der Zeit.
574  Johannes Damascenus, Expositio fidei IV, 4 (76), PG 94, 1108 (PTS 12, 174,4).
578 Vgl. das Symbolum Chalcedonense, in: ACO 2, 1, 2, 130 (DH 302).
582 Das Zitat konnte nicht verifiziert werden.
584 Theodoret, Eranistes. Dialogus II, in: PG 83,120,5 (Ettlinger, 120,24f).
589 Vgl. Philipp Melanchthon, Enarratio Symboli Nicaeni (1550), in: CR 23, 342.
590 Die Aussage ist in dieser Formulierung nicht nachzuweisen. Sie bezieht sich auf
Lehrbuchformulierungen. Vgl. etwa die Erklärung zum zweiten Artikel des Credo im
„Wittenberger Katechismus“, 57f, unsere Ausgabe, Nr. 2: Wittenberger Katechismus (1571),
178. 180.
593 Vgl. Lk 2,52.
594 Symbolum Nicaeno-Constantinopolitanum, in: DH 150.
595 Vgl. Thomas von Aquin, Compendium theologiae I, cap. 212: in: Opera Omnia Bd. 42, Rom
1979, 165,70–74.
596 Vgl. Phil 2,7.
605 Vgl. Joh 3,31.34.
606 Vgl. I Kor 1,30f.
614 Das Zitat ist in dieser Form nicht bei Theodoret nachweisbar; die Autoren haben es vermut-
lich der Epistola dedicatoria in der lateinischen Ausgabe des Eranistes von Victorin Strigel ent-
nommen, wo es heißt: „Nam verbum ἀνοήτως νοούμενον stolide intellectum, vt Theodoretus lo-
quitur, non est verbum Dei.“ Theodoret, DIALOGI TRES LECTV DIGNISSIMI, ET AD DIIV-
DICANDAS HORVM TEMPORVM controuersias vtilissimi, interprete Victorino Strigelio. [...],
Leipzig 1567
(VD 16 T 776), A 5r.
615 Augustin, In Iohannis euangelium tractatus XII, 6, in: PL 35, 1487 (CChr.SL 36, 123,14–18).
618 Johannes Damascenus, Expositio fidei III, 15 (59), in: PG 94, 1061 (PTS 12, 153,232f).
620 Vgl. Concilium Constantinopolitanum III. Definitio de duabus in Christo voluntatibus et ope-
rationibus, in: DH 553–559, hier DH 555.
623 Sophronius von Jerusalem, Epistola synodica ad Sergium Constantinopolitanum, in: PG 87,
3165f.
625 Cod. I,1,6: Justinian an die Konstantinopolitaner, in: CIC[B].C, 7f. Vgl. Justinian, Contra
Monophysitas XXXIII,1, in: PG 86, 1120 (Drei dogmatische Schriften Iustinians, hg. v. Mario
Amelotti u.a. [nach Eduard Schwartz], 2. Aufl., Mailand 1973
, 18,5.)
629 Vgl. Brief „Tomus Leonis“ Papst Leos I. an Bischof Flavian von Konstantinopel, in: PL 54,
767 (CUC 2,1, 28,12ff; DH 294.)
630 Johannes Damascenus, Expositio fidei III, 15 (59), in: PG 94, 1045–1061 (PTS 12, 144,1–
153,233).
632 Zu denken ist hier vor allem an Nikolaus Selnecker; in einem Exemplar der Ausgabe B ( Sig-
natur: 4° Dm 2741) der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin ist sein Name auch von
einem unbekannten Leser des 16. Jahrhunderts am Rand eingetragen.
633Selnecker hatte in seiner Reaktion auf den Wittenberger Katechismus, „Kurtze / Wahre vnd
Einfeltige Bekantnuß [...] Von der Maiestet / Auffart / Sitzen zur Rechten GOTtes / vnd vom
Abendtmal vnsers HERRN Jhesu Christi [...], Wolfenbüttel 1571
(VD 16 S 5594)“, ein Zitat von
Gregor von Nazianz aus den Orationes theologicae zur Erläuterung der Stelle Act 3,21 angeführt,
das Zitat aber in seiner Stellungnahme zu den Wittenberger Fragstück, „Christliche / Warhafftige
/ Richtige / vnd Tröstliche Fragstück vnd Antwort. Von dem Artickel vnsers Christlichen Glau-
bens / das Christus gen Himel auffgefahren sey / vnd sitze zur Rechten GOttes des Allmechtigen
Vaters [...] Wolfenbüttel 1571
(VD 16 S 5500), nicht wieder angeführt, worauf die Autoren hier
anspielen. Vgl. Hund, Das Wort ward Fleisch, 245f, 262, 404.
635 aus dem Lehramt.
639 Vgl. Martin Luther, in: WA.TR 4, 618: „Lutheri canes. Ego tres malos canes habeo: ingratitu-
dinem, superbiam, invidiam. Wen die drei hundt peissen, der ist vbel gebissen.“
640 untereinander zerstrittene Brüder; Anspielung auf Eteokles und Polyneikes, Söhne des Oedi-
pus, die um die Herrschaft über Theben stritten und bei der Belagerung am siebten Stadttor beide
ums Leben kamen; vgl. Aischylos, Sieben gegen Theben, hg. u. übersetzt von Emil Staiger,
Stuttgart 2001
.
641 Wohl Wiedergabe eines Briefs oder gesprochener Rede, kein Zitat aus einer gedruckten
Schrift.
642 Philipp Melanchthon, Loci Theologici (1559). De filio, in: CR 21, 623 (MWA 2/1, 194,3f).
643 Philipp Melanchthon, Enarratio epistulae Pauli ad Colossenses (1559), in: CR 15, 1271; vgl.
Athanasius, Oratio de incarnatione Verbi XVII, 1, in: PG 25, 125 (SC 199, 324).
644 Gerede, Geschwätz. Vgl. Art. Teiding, in: DWb, Bd. 21, 233f.
645 Fleischer, Metzger. Vgl. Art. Metzler, in: DWb, Bd. 12, 2158f.
646 Fetzen. Häufiges Wortspiel in polemischen Texten.
647 Vgl. Chemnitz, De duabus naturis, N 4r–N 8v.
648 Brief „Tomus Leonis“ Papst Leos I. an Bischof Flavian von Konstantinopel, in: PL 54, 767
(CUC 2,1, 28,12ff; DH 294).
649 Philipp Melanchthon, Explicatio Symboli Niceni (1557), in: CR 23, 505. Vgl. die
zeitgenössische Ausgabe: Philipp Melanchthon, OPEBVM [!] [...] PARS SECVNDA, CONTI-
NENS ENARRATIONES ALIQVOT LIBROrum Testamenti veteris, et nonnulla alia opuscula
[...], Wittenberg 1562
(VD 16 M 2333), 318.
650 Vgl. Joh 5,19.
651 Vgl. Thomas von Aquin, Summa theologiae 3, q. 19. a. 1–4, kein wörtliches Zitat.
652 Vgl. Theodoret, Eranistes. Dialogus II, in: PG 83, 157 (Ettlinger, 145).
653 Vgl. Kol 2,9.
654 Vgl. Gen 3,15.
655 Vgl. Hebr 9,14.
656Apk 5,12.
660 Vgl. Chemnitz, De duabus naturis, F 2v, E 6r-v.
661 Vgl. Chemnitz, De duabus naturis, Z 3r, Ee 7v.
662 Autor nicht nachweisbar. Zur Aussage vgl. Thomas von Aquin, Summa theologiae 3 q. 19 a.
1 sowie den dort angeführten Brief 4 von Dionysius Areopagita Ad Caium, in: PG 3, 1072 (PTS
36, 160,12–161,2).
663 Bei Athanasius so nicht auffindbar; vgl. aber Oratio de incarnatione verbi XVIII, 4, in: PG
25, 128 (SChr 199, 330–332); Epistula ad Adelphium III, in: PG 26, 1076; De sententia Dionysii
IX, 4, in: PG 25, 493 (Opitz 2,1, 52,17–24); Tomus ad Antiochenos VII, in: PG 26, 804f. Für
Hinweise zu dieser und anderen Stellen bei Athanasius sei Annette von Stockhausen, Edition
Athanasius Werke, Erlangen, herzlich gedankt.
664 Vgl. Chemnitz, De duabus naturis, Hh 7v–Ii 6v.
666 Ambrosius, Epistolae XXII, 11, in: PL 16, 1080 (CSEL 82,1, 164,105).
667 Ps.-Athanasius, Epistola ad episcopum Persarum, in: PG 28, 1568. Vgl. Symbolum
Chalcedonense, in: ACO 2, 1, 2, 130 (DH 301).
668 Johannes Damascenus, Expositio fidei III, 14 (58), in: PG 94, 1044 (PTS 12, 142,142–154).
671 Vgl. Philipp Melanchthon, Responsio de controversiis Stancari (1553), in: CR 23, 93 (MWA
6, 267,11–13).
672 Johannes Damascenus, Expositio fidei III, 20 (63), in: PG 94, 1081 (PTS 12, 162,49).
674 Vgl. Philipp Melanchthon, Responsio de controversiis Stancari (1553), in: CR 23, 93 (MWA
6, 267,11–13)
675 Vgl. etwa Cyrill von Alexandrien, Epistola XXXIX ad Johannem Antiochenum, in: PG 74,
177 (ACO 1, 1, 4, 17,18–21).
676 Eigenschaften, die über die Natur hinausgehen.
677 Eigenschaften, die den Naturgesetzen widersprechen.
680 Cyrill von Alexandrien, In Joannis Evangelium IV, 3, in: PG 73, 604f (Pusey I,
552,23–553,28).
681 Augiasstall reinigen. Vgl. Adagium 1321: „Augiae stabulum repurgare.“ Erasmus von
Rotterdam, Opera Omnia. Bd. 2/3, hg. v. Mikołaj Szymański, Amsterdam 2005
, 336,367–387.
682 Anschuldigungen.
683 durchdringend lautes Geschrei. Vgl. Art. Zetermordio, in: DWb, 31, 812.
689 unnützes Schriftstück, vgl. Art. Scharteke, in: DWb, 14, 2224f.
690 Die Schrift Wilhelm Bidenbachs, des Predigers an der Stuttgarter Stiftskirche und
herzoglichen Rats, lässt sich nicht nachweisen. Die Formulierung könnte nahe legen, dass sie
nicht gedruckt worden ist.
691 Die ungedruckte Schrift „Der Theologen zu Wittenbergk gehaltene vnderrede vnd vorglei-
chung Inn Religion sachen mit Doctor Selneckern auf beschehenn Hertzog Julien zu Braun-
schweigk schickung vnd werbung, Anno 1570“ vom 31. Juli 1570 findet sich im Dresdener
Hauptstaatsarchiv, im Bestand Loc. 10329/2, 96r–107v. Vgl. dazu Hund, Das Wort ward Fleisch,
172–181.
692 Den Druck ihrer Schrift hatten die Wittenberger schon 1570 vornehmen wollen, erhielten
aber dafür, wie auch später, keine Genehmigung des Kurfürsten. Vgl. Hund, Das Wort ward
Fleisch
, 192.
693 aufgegeben, vgl. Art. begeben, Bedeutung 2 c), in: DWb 1, 1279–1282.
696 Vgl. DE PRAECIPVIS CONTROVERSIIS [...] PROPOSITIONES. Ein Nachdruck erfolgte
1571 (VD 16 W 3750). Vorrede auf * 1r–A 1v.
698Joachim Mörlin, DISPVTATIO [...] DE COMMVNICATIONE IDIOMATVM [...], Jena
1571
(VD 16 M 5871). Im Folgenden zitiert als Mörlin, Disputatio.
699Mörlin, Disputatio, These 8f, A 2v.
700 Vgl. Symbolum Chalcedonense, in: ACO 2, 1, 2, 130 (DH 302).
701 Vgl. Fulgentius, Epistola XVII, in: PL 65, 457 (CChr.SL 91A, 570,245–247).
703Mörlin, Disputatio, These 58f, A 6v.
704 Martin Luther, Von den letzten Worten Davids (1543), in: WA 54,49,8–11.33f.37–50,1.
705 Vgl. Thomas von Aquin, Summa theologiae 3 q. 10, art. 1, arg. 3 „Praeterea, illud quod con-
venit Filio Dei per naturam, convenit filio hominis per gratiam, ut Augustinus dicit, in libro de
Trinitate.“ Zitat in „De trinitate“ so nicht nachweisbar, vgl. Augustin, De trinitate I, in: PL 42,
842. Vgl. Augustin, Contra Sermonem Arianorum, in: PL 42, 688.
706 Vgl. Fulgentius, Ad Thrasamundum III, 8, in: PL 65, 275 (CChr.SL 91, 154,295–300).
707Mörlin, Disputatio, These 67, A 8r.
708Mörlin, Disputatio, These 68, A 8r.
711 Die deutsche Übersetzung des „Wittenberger Katechismus“ wurde zwar erstellt, erhielt aber
keine Genehmigung zum Druck, vgl. Hasse, Zensur, 101–108, unsere Ausgabe Einleitung zu
Nr. 2: Wittenberger Katechismus (1571), 80f.
713 Scherbengericht. Verfahren der griechischen Antike, vor allem in Athen, unliebsame Bürger
aus dem politischen Leben der Stadt zu entfernen. Dabei wurden Tonscherben als „Stimmzettel“
verwandt, auf denen der Name der Person, die man verbannt wissen wollte, notiert werden
musste.
717 Adressaten dieser Passage sind wohl Nikolaus Selnecker, Martin Chemnitz und andere Theo-
logen aus dem Kreis der Studenten Melanchthons, die in der Debatte das Wort gegen den Witten-
berger Katechismus ergriffen, in anderen theologischen Fragen aber an der Seite Wittenbergs
gestanden hatten. In einem Exemplar der Ausgabe B aus der Berliner Staatsbibliothek
Preußischer Kulturbesitz, Sig. 4“ Dm 2741, ist von einer Hand des 16. Jahrhunderts an dieser
Stelle eingetragen: „Selneccerus et alii.“
718 Gemeint sind die Kritiker des Katechismus aus dem Kurfürstentum Sachsen, wie der Hofpre-
diger Philipp Wagner und der Superintendent von Torgau, Kaspar Heidenreich. Vgl. hierzu
Hund, Das Wort ward Fleisch, 299–310.
719 Vgl. unsere Ausgabe, Nr. 2: Wittenberger Katechismus (1571), 94–102.
720 Der Wittenberger Katechismus sollte die Catechesis des David Chytraeus ersetzen, vgl.
Hasse, Zensur, 87f und die Einleitung zu Nr. 2: Wittenberger Katechismus (1571), 79.
721 Vgl. Philipp Melanchthon, Examen Ordinandorum (1559), in: CR 23, 1–102 (lat.), XXXV–
CX (dt.).
722 Vgl. Tit 2,7.
723Boëtius studierte ab 1532 in Wittenberg bei Luther und Melanchthon. 1536 wurde er Rektor
der Schule in Eisenach, 1544 Superintendent der Stadt Mühlhausen. Als der Stadtrat 1548 gegen
seinen Widerstand die Annahme des Interims beschloss, verließ Boëtius Mühlhausen und ging nach Halle an der Saale, wo er 1554 zum Superintendent der Stadt ernannt wurde. Er blieb in
diesem Amt bis zu seinem Tod im Jahre 1573.
724 erheben.
726 Ebenfalls nicht wörtlich zitiert, vgl. Index Cinglianorum, A 3v.
727 Die Schrift erschien ohne Angabe des Autorennamens.
728 lassen es aber diesmal noch auf sich beruhen; vgl. Art. Ort, Bedeutung III 7 c), in: DWb 13,
1357.
729 Cyrill von Alexandrien, Ad Successum Epistola I, in: PG 84, 840. 842f (ACO 1, 4, 234,15.
235,32–42).
731 Cyrill von Alexandrien, Dialogus de trinitate VI, in: PG 75, 1035 (SC 246, 71).
732 Ps.-Hieronymus (Paschasius Radbertus), Epistola ad Paulam et Eustochium de Assumtione
XII, in: PL 30,135 (CChr.CM 56C, 142, 620f).
733 Das Zitat findet sich nicht in der angegebenen Schrift bei Augustin, sondern in einer ähnli-
chen, die im 16. Jahrhundert Augustin zugeschrieben wurde, nämlich bei Quodvultdeus,
Sermones de Symbolo III, 2: „conscripsimus membra: sed non his membris humanis continetur
deus, quoniam non est in loco, sed ubique totus est.“, in: PL 40, 662 (CChr.SL 60, 351,22.)
734 Mit einer Vorrede Mörlins gedruckt in: Martin Chemnitz, Treuhertzige Warnung des Gotts-
gelerten frommen Dieners Christi / zu Braunschweig / Doctoris Martini Kemnitij. Wider den
Newen Caluinischen Catechismum / der Theologen zu Wittenberg, Königsberg 1571
(VD 16 C
2222). Im Folgenden zitiert als Chemnitz, Warnung. Vgl. unsere Ausgabe, Nr. 3: Treuhertzige
Warnung, 297–303.
735 Vgl. Justus Jonas, Wo Gott der herr nicht bey vns helt (1524), in: Wackernagel III, 42, Nr.
62, Str. 4, nach Ps 124.
736 Vgl. Ex 20,7.
737 Vgl. zu der Auffassung, dass die Spinne ihr Gift aus den Blumen sauge, die sich auch in der
Polemik der Zeit mehrfach findet, den Art. Spinne, in: DWb 16, 2506–2541, bes. 2510.
738 Die Angabe bezieht sich auf folgenden Druck: Catechesis CONTINENS EXPLICATIONEM
SIMPLICEM, ET breuem, DECALOGI: SYMBOLI APOSTOLICI: ORATIONIS DOMINI-
CAE: DOCTRINAE DE POENITENTIA: ET SACRAMENTIS. Contexta ex Corpore Doctrinae
Christianae [...], Leipzig 1571
(VD 16 C 1551), 65. Die Catechesis wird im Folgenden nach dem
unserer Ausgabe zugrundeliegenden Druck VD 16 C 1552 zitiert.
739„Wittenberger Katechismus“, 59, unsere Ausgabe, Nr. 2: Wittenberger Katechismus (1571),
182. Vgl. Philipp Melanchthon, Examen ordinandorum (1559), in: CR 23, 74 (vgl. MWA 6,
225,19f).
740„Wittenberger Katechismus“, 59, unsere Ausgabe, Nr. 2: Wittenberger Katechismus (1571),
182.
741 Verleumdung, falschem Vorwurf. Vgl. Art. Sykophant, in: DWb 20, 1368.
744 Verleumder.
745 Die Rechtfertigungslehre war einer der Hauptstreitpunkte zwischen den kursächsischen
Theologen und den Theologen aus Jena auf dem ergebnislos abgebrochenen Kolloquium in
Altenburg 1568/1569; die nachfolgende Publikation der Dokumente zu dem Gespräch von
beiden Seiten löste eine umfangreiche publizistische Kontroverse aus. Zu dem hier erwähnten
Vorwurf vgl. etwa die Verteidigung der Wittenberger in: Warhafftiger bericht vnd kurtze War-
nung der Theologen / beider Vniuersitet Leipzig vnd Wittemberg. Von Den newlich zu Jhena im
Druck ausgangenen Acten des Colloquij / so zu Aldenburg inn Meissen gehalten, Leipzig 1570

(VD 16 L 1045), B 2v. Vgl. auch die Reiectio IX zu FC.SD III, in: BSLK 786,1–7.
746 Die Aussage findet sich nicht in diesem Wortlaut, aber in vergleichbaren Formulierungen bei
Melanchthon, etwa Loci Theologici (1546). De invocatione Dei seu de precatione, in: CR 21, 968
(MWA 2/2, 668,28–32); oder Explicatio Symboli Nicenae. De iustificatione. De vocabulo fidei.
De nova oboedientia, in: CR 23, 448–478. Eine sehr ähnliche Formulierung wie hier wird auch in
der Catechesis verwendet, vgl. „Wittenberger Katechismus“, 80, unsere Ausgabe, Nr. 2: Wittenberger Katechismus (1571), 214. 216.
747 Vgl. Dan 9,24.
748 Vgl. Joh 1,17.
749 Vgl. Röm 5,15.
750„Wittenberger Katechismus“, 63. Vgl. unsere Ausgabe, Nr. 2: Wittenberger Katechismus
(1571), 188. 190.
751„Wittenberger Katechismus“, 62. Vgl. unsere Ausgabe, Nr. 2: Wittenberger Katechismus
(1571), 188.
752„Wittenberger Katechismus“, 63. Vgl unsere Ausgabe, Nr. 2: Wittenberger Katechismus
(1571), 188. 190. Wittenberger Katechismus deutsch (1571), 243v. Vgl. unsere Ausgabe, Nr. 2:
Wittenberger Katechismus. Deutsch (1571), 191.
753 Origenes, Enarratio Epistolae ad Galatas: Eine solche Schrift von Origenes findet sich in den
neuzeitlichen Ausgaben nicht; auch in den übrigen Werken von Origenes lässt sich das Zitat
nicht nachweisen, das seinerseits auf I Tim 2,5 und 3,16 anspielt. In der zur Zeit der Abfassung
der Grundfest erschienenen Ausgabe Origenis [...] OPERA quae quidem extant omnia [...], Basel
1571
(VD 16 O 911) ist es ebenfalls nicht zu finden. Vermutlich haben sich die Wittenberger auf
ein Florilegium gestützt.
758 Vgl. die Verurteilung Theodors von Mopsuestia auf dem Concilium Constantinopolitanum II
(553), in: DH 424–426, 434–437, sowie die Verurteilung Theodors und des Severus Antiochenus
auf dem Concilium Lateranense (649), in: DH 519. Auf dem Concilium Constantinopolitanum
III (680) wurde Theodor von Pharan verurteilt, vgl. DH 551.
759 Vgl. Ambrosius, De fide libri V ad Gratianum Augustum II, 70 in: PL 16, 574 (CSEL 78, 81,95–97).
760 Vgl. Hilarius von Poitiers, De trinitate VII, 26, in: PL 10, 2222 (CChr.SL 62, 292,24–27).
761 Athanasius, De incarnatione LIII, 4, in: PG 25, 192 (SChr 199, 456,30–33). Vgl. auch Atha-
nasius, De sententia Dionysii VIII, 2, in: PG 25, 492 (Opitz 2/1, 51,16f).
762Chemnitz, „Treuhertzige Warnung“, B 4v–C 1r, unsere Ausgabe, Nr. 3: Treuhertzige War-
nung (1571), 303.
763 Vgl. Chemnitz, „Treuhertzige Warnung“, A 4v, unsere Ausgabe, Nr. 3: Treuhertzige War-
nung (1571), 298.
764 Eine sinnverwandte griechische Form und die Zuschreibung zu Medius, einem Höfling Ale-
xanders des Großen
, findet sich bei Plutarch, Über den Schmeichler und den Freund XXIV:
θαρροῦνταϚ ἅπτεσθαι καὶ δάκνειν ταῖς διαβολαῖς διδάσκων ὅτι κἂν θεραπεύσῃ τὸ ἕλκος ὁ δεδηγ-
μένος ἡ οὐλή μενεῖ τῆς διαβολῆς, Plutarch, Moralia I, hg. v. William R. Paton, Leipzig 21974,
(BiTeu)
130,24–27. In seiner lateinischen Form ist der Ausspruch früh sprichwörtlich geworden.
Georg Büchmann, Geflügelte Worte, Berlin 191898, 450, schreibt ihn Francis Bacon 1609 zu; die
vorliegende Stelle belegt aber, dass er schon vorher als stehende Redewendung verwendet wurde.
767 Vgl. Dtn 13,15.
775 gehorsam zu sein. Vgl. Art. gehorsamen, in: DWb 5, 2539.
776 Vgl. hierzu unsere Ausgabe, Nr. 1: Propositiones (1570), 71, Anm. 183.
777 Vgl. „Wittenberger Katechismus“ deutsch (1571), 276v–279r, unsere Ausgabe, Nr. 2:
Wittenberger Katechismus. Deutsch (1571), 279–285. Die hier gedruckte Übersetzung weist eine
hohe Übereinstimmung mit den Passagen der deutschen Übersetzung des Katechismus auf,
obwohl die Grundfest schon am 16. Juni 1571 abgeschlossen war, während die Übersetzung erst
am 18.August 1571 vollständig vorlag.
778„Wittenberger Katechismus“ deutsch (1571), 279v, unsere Ausgabe, Nr. 2: Wittenberger
Katechismus. Deutsch (1571), 285. 287.
779 Philipp Melanchthon, Examen ordinandorum deutsch (1558), in: CR 23, LXVI (MWA 6,
202,25–33). Joh 15,4.
780 Vgl. Philipp Melanchthon, Examen ordinandorum lateinisch (1559), in: CR 23, 61. Dort fin-
det sich allerdings nicht das ganze, hier angeführte Zitat aus I Kor 10,14–16, sondern nur die
Kernformulierung aus Vers 16.
781 Vgl. zur ganzen Passage Mt 26,47–49.
782 Martin Luther, Der kleine Katechismus. Das Sakrament des Altars 2, in: BSLK 519,41–
520,2.
785 Hilarius von Poitiers, De trinitate I, 18, in: PL 10, 28 (CChr.SL 62, 18f,17–20).
788 Vgl. David Chytraeus, Catechesis [...] RECENS RECOGNITA, ET MVLTIS DEFINItioni-
bus aucta, Leipzig 1568
(VD 16 C 2527), 129. Die überarbeitete Neuauflage des erfolgreichen
Katechismus von Chytraeus war einer der Auslöser für die Abfassung des Wittenberger
Katechismus.
789 Vgl. Chemnitz, „Treuhertzige Warnung“, B 2v, unsere Ausgabe, Nr. 3: Treuhertzige War-
nung (1571), 300f, nur sinngemäß, nicht wörtlich zitiert.
790Martin Chemnitz, REPETITIO SANAE DOCTRINAE DE VERA PRAESENTIA CORPO-
RIS ET SANGVINIS DOMINI IN COENA. [...], Leipzig 1561
(VD 16 C 2207), 236. Im Fol-
genden zitiert als Chemnitz, Repetitio sanae doctrinae.
792Chemnitz, Repetitio sanae doctrinae, 16f. Der Text ist die lateinische Übersetzung einer Pas-
sage aus Martin Luthers Brief an die Schweizer Städte Zürich, Bern, Basel, Schaffhausen, St.
Gallen, Mühlhausen und Biel vom 1. Dezember 1537, in: WA.Br 8, 152,68–77.
793Eber, Sacrament, 102–121, bes. 111.
794 sich selbst ins Gesicht schlagen, d.h. einen Fehler eingestehen; vgl. Art. Backe, Bedeutung 5), in: DWb 1, 1064.
796  Gregor von Nazianz, Orationes Theologicae XXX, 4 (IV, 4), in: PG 36, 108 (FC 22, 226,22-
228,2). Die Angabe bezieht sich auf folgende Ausgabe: ΓΡΕΓΟΡΙΟΥ ΤΟΥ ΝΑΖΙΑΝΖΗΝΟΥ
ΤΟΥ ΘΕΟΛΟΓΟΥ ΑΠΑΝτα τὰ μέχρι νῦν μὲν εὑρισκόμενα [...], Basel 1550
(VD 16 G 3019),
214r.
800 Gregor von Nazianz, Orationes Theologicae XXX, 4 (IV, 4), in: PG 36, 107f (FC 22, 228f).
804 Gemeint ist die 1569 durch den Heidelberger Professor Immanuel Tremellius edierte Ausga-
be der antiken syrischen Übersetzung des Neuen Testaments, in der das griechische Original und
die syrische Version jeweils mit lateinischer Übersetzung abgedruckt waren. Vgl. Η ΚΑΙΝΗ
ΔΙΑΘΗΚΗ. TESTAMENTVUM NOVVM. at'd'x] aq"yTiy:Di Est autem interpretatio Syriaca Noui
Testamenti, Hebraeis typis descripta, plerisque etiam locis emendata. Eadem Latino sermone
reddita [...], Genf 1569
, 333v: „Quem oportet quidem caelo capi“.
806 In dieser Formulierung bei Gregor von Nazianz nicht nachweisbar; vermutlich eine freie
Übersetzung einer Passage der Orationes Theologicae XXIX (III) oder XXX (IV) De filio, vgl.
PG 36, 74–133 (FC 22, 168–273). Vielleicht liegt eine Verwechselung der Autoren vor, vgl. die
Aussagen bei Augustin, Epistula CLXXXVII. De praesentia Dei liber 10, in: PL 33,835f (CSEL
57, 87–89).
807 Vgl. Act 1,11.
808 Vgl. die Wittenberger Vulgata-Revision von 1529: PENTATEVCHVS. LIBER IOSVE.
LIBER IVDICVM. LIBRI REGVM. NOVVM TESTAMENTVM [...], Wittenberg 1529
(VD 16
B 2594/ZV 1534), O 1v. Vgl. WA.DB 5, 728.
809 jeder, jeglicher, vgl. Art. männiglich, in: DWb 12, 1591.
810 Fälschung, vgl. Art. Falsch, in: DRW 3, 410.
811 Augustin, De fide et symbolo VI, in: PL 40, 187 (CSEL 41, 15,8–11).
812 Augustin, De fide et symbolo VI–VII, in: PL 40, 188 (CSEL 41, 16,5–18).
813Chemnitz, „Treuhertzige Warnung“, B 4v, unsere Ausgabe, Nr. 3: Treuhertzige Warnung
(1571), 302f.
814„Wittenberger Katechismus“, 72f, unsere Ausgabe, Nr. 2: Wittenberger Katechismus (1571),
204.
815 Philipp Melanchthon, enarratio epistolae pauli ad colossenses (1559), in: CR 15,
1223–1282.
817 Vgl. Joh 1,18.
818 Vgl. Joh 3,13.
819 Philipp Melanchthon, enarratio epistolae pauli ad colossenses (1559), in: CR 15, 1270.
820 Philipp Melanchthon, enarratio epistolae pauli ad colossenses (1559), in: CR 15, 1271f. Vgl.
Joh 14,20; Joh 14,23.
821 Augustin, Enarrationes in Psalmos. Ps CIX,11, in: PL 37, 1454 (CChr.SL 40, 1610f, 18–26).
822 Das Zitat ist so bei Augustin nicht nachweisbar. Das Wortspiel gerit–regit findet sich nur in:
Augustin, Enarrationes in Psalmos. Ps LVIII, Sermo I, 1, in: PL 36, 693 (CChr.SL 39, 730,20).
823 Philipp Melanchthon, Explicatio Symboli Niceni (1557), in: CR 23, 510. Die Angabe bezieht
sich auf folgende Ausgabe: Philipp Melanchthon, OPEBVM [!] [...] PARS SECVNDA, CONTI-
NENS ENARRATIONES ALIQVOT LIBROrum Testamenti veteris, & nonnulla alia opuscula
[...], Wittenberg 1562
(VD 16 M 2333), 322.
824 Philipp Melanchthon, Explicatio Symboli Niceni (1557), in: CR 23, 369; OPERVM [...] PARS SECVNDA, 220.
825 Ps.-Athanasius, De Trinitate IV, in: PG 28, 1252.
827 Vorwand, Verhüllung, vgl. Art. Deckel. Bedeutung 3, in: DWb 2, 886.
828 Gemeint ist die von Mörlin herausgegebene Censura, C 2222, vgl. unsere Ausgabe, Nr. 3:
Treuhertzige Warnung (1571), 297–303.
829 Die Urheberschaft dieses „Bonmot“, das auf Gal 1,8 anspielt, bleibt unklar.
830 Vgl. die Wittenberger Promotionsthesen, unsere Ausgabe, Nr.1: Propositiones (1570), 33–41.
831 Vgl. Röm 14,8. Ob hierin eine versteckte Anspielung auf Frage 1 des Heidelberger Katechis-
mus zu sehen ist, lässt sich nicht entscheiden. Vgl. Heidelberger Katechismus (1563). Frage 1, in:
BSRK 682, 20–683,2: „Was ist dein einiger trost in leben und in sterben?“
834 Hilarius von Poitiers, De trinitate IX, 3, in: PL 10, 282f (CChr.SL 62, 373f,6–9.20–23.)
835 Vigilius Thapsensis, Contra Eutychetem III, in: PL 62, 117.
836 Vgl. Gen 3,15.
837 Johannes Chrysostomos, Homilia super Epistolam ad Hebraeos V, 1, in: PG 63, 47, vgl. ebd.,
271f.
838 solange, vgl. Art. weil, in: DWb 28, 762.
839 Vgl. Augustin, Sermo LI, 12, in: PL 38, 34 (RBen 91 [1981], 35,492).
840 Theodoret, Eranistes. Appendix, in: PG 83,324 (Ettlinger 257,12).
841 Vigilius Thapsensis, Contra Eutychetem IV, PL 62, 129.
842 Vigilius Thapsensis, Contra Eutychetem V, in: PL 62, 140. Auch bei: Agobard von Lyon,
Aduersum dogma Felicis XXX, in: CChr.CM 52, 97, 22–26.
843 strenge Kritiker. Der Name des Aristarchos von Samothrake wurde als Bezeichnung für einen
strengen Kritiker gebraucht, da dieser als unerbittlicher Rezensent bekannt war.
844 beschönigt, verschleiert die Unterschiede, vgl. Art. Fuchsschwanz, in: Lutz Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Freiburg 1994, 483–485.
846 Vgl. Adagium 207: „Quot homines, tot sententiae.“ Opera Omnia Desiderii Erasmi Roteroda-
mi. Bd. 2/1, hg. v. Margaret Mann Philipps u.a., Amsterdam u.a. 1993
, 319,394–428. Vgl. auch
Martin Luther, Daß diese Wort Christi „Das ist mein Leib“ noch fest stehen, wider die Schwarm-
geister (1527), in: WA 23, 68,26f.
847 Formuliert als Gegensatz zur Formel des Symbolum Chalcedonense, vgl. ACO 2, 1, 2, 128–
130 (DH 300–302).
848 Athanasius, Epistola ad Epictetum, in: PG 26, 1051f. Vgl. PL 56, 665 (lat.).
849 Vgl. Röm 1,3.
850 Vgl. Phil 2,5.
857 Vgl. Eph 3,17.
858 Vgl. I Kor 1,24.
859 Vgl. Joh 10,15.
860 Vgl. I Kor 8,6.
861 Vgl. Joh 5,19.
862 Zitat so nicht bei Athanasius verifizierbar; freundliche Auskunft von Dr. Annette von Stock-
hausen, Edition Athanasius Werke, Erlangen.
864 Vgl. Athanasius, Epistula I ad Serapionem IX, in: PG 26, 552; Oratio II contra Arianos
XLI,2, in: PG 26, 233 (Athanasius Werke 1/1/2, 217,10f).
866Ferenc Davidis, Giorgio Biandrata, REFVTATIO SCRIPTI GEORGII MAIORIS, IN QVO
DEVM TRINVM IN PERSONIS, ET VNVM IN Essentia: Vnicum deinde eius Filium in perso-
na, & duplicem in naturis, ex lacunis Antichristi probate conatus est. [...], Klausenburg 1569
(VD
16 ZV 25355). Im Folgenden zitiert als Davidis, Biandrata, Refutatio Scripti Maioris. Die wie-
dergegebenen Passagen sind nicht wörtlich zitiert; entsprechende Aussagen finden sich auf N 1r
und auf S 1r–8v. Vgl. Joh 14,28, Joh 5,19, Mt 11,27 par.
868 Vgl. Ex 7,1.
869 Vgl. Koran, Sure al’Imran (3), Ayaat 45–59, bes. 55.
870 Elias.
871 Vgl. oben, 44v und 85v, unsere Ausgabe, Nr. 7: Grundfest (1571), 448f; 506f.
872 Vgl. I Kor 3,16.
874  Nestorius, Nicht sicher einzuordnende Fragmente XIII, in: Loofs, Nestoriana, 360, 10.
875 Cyrill von Alexandrien, Scholia de incarnatione Vnigeniti XXVII, in: PG 76, 1408 (ACO 1,
5, 1, 212,8–28).
876 Vgl. oben, 46v und 89r, unsere Ausgabe, Nr. 7: Grundfest (1571), 451v; 511.
877 Vgl. Papst Agatho, Brief I: Consideranti mihi, in: PL 87, 1183.
878 Papst Agatho, Brief I: Consideranti mihi, in: PL 87, 1168 (DH 543).
879 Vgl. das Symbolum Athanasianum, in: DH 75.
882 Vgl. Theodoret, Eranistes. Prolog, in: PG 83, 28 (Ettlinger 61, 22.)
884 Eine entsprechende Äußerung von Tilemann Heshusius ließ sich in seinen gedruckten
Schriften nicht nachweisen. Vermutlich beziehen sich die Wittenberger auf eine mündliche
Aussage oder eine Passage in einem Brief im Zusammenhang mit seiner Schrift Examen
theologicum.
885 Offenkundig ein mündlich überliefertes Zitat einer Äußerung Melanchthons auf dem Worm-
ser Religionsgespräch 1557; zu den Verhandlungen dort vgl. Benno von Bundschuh, Das Worm-
ser Religionsgespräch von 1557 unter besonderer Berücksichtigung der kaiserlichen Religionspo-
litik, Münster 1988 (RST 124)
, 426–472.
887 Vgl. Lk 19,40.
889 Vgl. Röm 2,19.
890 Vgl. Mt 13,38.
893 Vgl. II Joh 1,7.
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