Transkription

Theatrum Europaeum
[Inhaltsverzeichnis]
[ID00001] [ID00002] [ID00003] [ID00004] [ID00005] [ID00006] [ID00007] THEATRVM EVROPAEVM, Oder Außführliche / vnd Marhafftige Beschreibung aller vnd jeder denckwürdiger Geschichten / so sich hin vnd wider in der Welt / fürnämlich aber in Europa / vnd Teutschen Landen / so wol im Religion - als Prophan-Wesen / vom Jahr Christi 1617. biß auff das Jahr 1929. Bey Regierung deren beyden Glorwürdigsten / Allerdurchleuchtigsten / vnd Vnüberwindlichsten Römischen Keysern Matthiae / allerhöchstseeligster Gedächtnuß / vnd Ferdinandi deß Andern / vnsers jetzt regierenden Keysers / sich begeben vnd zugetragen haben / sc. Beschrieben durch M. Joannem Philippum Abelinum, Argentoratensem. Mitschönen in Kupffer gebrachten Land-Tafeln / vieler fürnehmer Herren vnd Potentaten Contrafacturen / wie auch fürnehmer vnd berühmbter Stätten / Vestungen / Pässen / Schlachten vnd Belägerungen eigentlichen Delineationen vnd Abrissen gezieret / vnd verlegt durch Matthaeum Merian / Buchhändlern vnd Kupfferstechern in Franckfurt. Mit Röm. Keyserlicher Majestät sonderbahrer Gnade vnd Priuilegio. Gedruckt zu Franckfurt am Mayn / bey Wolffgang Hoffmann / Im Jahr nach Christi Geburt 1635. [ID00008]
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Denen Woledlen / Bestrengen / Edlen / Ehrnvesten / Hochgelehrten / Eürsichtigen vnd Hochwolweisen Herren Bürgermeistern vnnd gantzem hochlöblichen Raht deß H. Reichs Statt Franckfurt am Mayn: Meinen großgünstigen / gebietenden / hochgeehrten Herren vnd Obern.
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WOledle / Gestrenge / Edle / Ehrnveste / Hochgelehrte / Fürsichtige vnd Hochwolweise Herren Burgermeistere vnd Raht / sc. Denselben seyen meine vn derthänige / jederzeit bereitwillige Dienste bestes Vermögens zuvor. Großgünstige / gebietende vnd hochgeehrte Herren vnd Obern. Eshaben sich vor vnd nach der Sündflut / biß auff gegenwärtige vnsere Zeiten je vnd allwege fromme vnd fürnehme Leute gefunden / welche die Geschichte vnd den Lauff der Welt vnd aller berühmbter vnd namhaffter Potentaten / Regenten vnnd Volcker / wie auch Rerumpublicarum löbliche vnd ruhmwürdige / auch Laster- vnd Tadelhafftige Thaten entweder in universali, oder particulari Historia, von frembder vnd anderer Leuten / deren in allen Nationen vnd Spraachen vnzehlich viel gewesen / oder von ihren selbst eigenen Geschichten als Moses / von der Viertzigjährigen Peregrination in der Wüsten / C. Iulius Caesar von seinen eigenen Kriege / Flavius Iosephus von den Jüdischen Kriegen / vnd andere: Sonderlich aber / was sich entweders vor / bey vnd in ihren Lebzeiten zugleich / als besagter Moses, Herodotus, obgemelter Iosephus, Sigonius, Mûnsterus, vnd noch viel andere: Oder auch nur was bey ihnen vnd in ihrem Leben insonderheit vnd allein / als Thucydides, Xenophon, Tit. Livius, Comineus, Sleidanus, thuanus, vnd viel dergleichen / so wol in Geistlichen als Weltlichen Regimenten vnd Stände Sachen sich begeben vnd zugetragen / der Posterität vnd den Nachkömmlingen zur Gedächtnuß vnd sonderbahrem Nutzen beschrieben vnnd auffgezeichnet / dardurch sie dann bey einem Danck vnd Ruhm / bey dem andern aber einen Vndanck [ID00010] verdienet / ja auch wol gar in Leibs vnnd Lebens-Sefahr gerahten seynd. Weil dann nicht weniger von Jugend auff ich mir vorgenommen habe / in diesem THEATRO oder Schaw Platz der Geschickten der Welt mich zu üben / vnd gebrauchen zulassen / vnnd dahero anfänglichs eine Vniuersalem Historiam von Anbegin der Welt / auß denen berühmbtesten vnd bewährtesten / so wol Ecclesiasticis als prophanis Historicis, mit sonderbahrem angewendeten. Kosten / durch meine sonderliche darzu besteilte Gelehrte vnnd Authores zusammen tragen / auch dieselbige mit allem Fleiß / Candore vnd Auffrichtigkeit / biß auff das Sechszehen hundert vnd siebenzehende Jahr an Tag stellen / continuiren vnd außfertigen: Sondern auch / so viel an mir ist / eine Particularem Historiam, vnd dieses THEATRVM EVROPAEVM, von allen den jenigen Geschichten / welche zu diesen vnsern Zeiten / vnter denen Glorwürdigsten / Allerdurchleuchtigsten / vnd Vnüberwindlichsten Römischen Keysern Matthia / Allerhöchstseeligster Gedächtnuß / vnd Ferdinanden dem Andern / vnserm jetzt regierenden Keyser / vnnd andern mehr hohen Potentaten in Europa / vnd sonsten / sich begeben vnd zugetragen / außfertigen / dieselbige mit schönen Kupfferstücken exornire vnd zieren lassen. Als wil ich nicht zweiffeln / sondern vielmehr hoffen / daß es nicht allein denen jetztlebenden jucundissima Recordatio praeteritarum rerum suitemporis, vnd ein angenehmes Werck / sondern auch der lieben Posterität vnd Nachkömmlingen nutz / lieb vnd werth seyn werde. Sintemahl aber es vnmöglich / in solchen so wichtigen / hohen / vnd vielerley darbey fürgefallenen Veränderungen / einem jedwedern seinem Willen vnd Gefallen nach / das Placebo zu schreiben / was ihme wolgefällt / vnd dahero mir leichtlich die Rechnung zu machen habe / daß sich Censores vnd Zoili finden werden / welche entweder diese Labores straffen vnd tadeln / oder wol gar in Gefahr zu setzen / sich vnderstehen möchten. Als habe nicht vnbillich meinen Großgönstigen vnd Hochgeehrten Herren vnd Obern / als meinen sonderdahren Patronis vnnd Schirmherren / von welchen mir in dieser meiner Zehenjährig gehabten Bürgerschafft alle gute Oberke???liche Schutz / Favor vnd Großgunste widerfahren / ich dieseß mein Werck / THEATRVM EVROPAEVM, zu vnderthänigen Ehren / in vnderthäniger Devotion offeriren vnd dedieiren sollen vnd wöllen: Mit vnderthäniger hochfleissiger Bitte / dieselbe mich vnd dieses mein Werck in ihr Patrocinium vnd Schutz großgünstig auff vnd anzunehmen / auch alles dahin zu deuten vnd zu dirigiren / daß gleich wie niemanden nichts zu Schmach vnd Vnehr / sondern allein die Historische Geschichte einfältig an Tag zu stellen / geschrieben vnd gemeynet / es auch also von jederman in gutem auff- vnd angenommen werden möge: Mich auch ferrner ins künfftige / wie bißhero / für ihren gehorsamen Bürger zu halten vnd zu achten / auch ihres Favors [ID00011] vnd Patrocinii großgünstig geniessen zu lassen. Dieselbige sampt vnd sonders zu Gottes deß Allmächtigen gnadenreichen Schutz / glückseliger Regierung / vnd allem wolbehagenden Wolstandt / trewlichen / zu dero Großgunsten vnd Patrocinio aber mich vnterdienstlichen anbefehlende. Datum Franckfurt am Mayn / den zehenden Septembris / im Jahr nach Christi Geburt 1634. E. W. E. Gestr Ehrnv. Fürs vnd Hochw. vnderthäniger Burger Matthae us Merian.

Register vnd Bericht an den Buchbinder / wohin die absonderlich getruckte Tafeln vnd Kupfferstück gebunden werden sollen.
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Evropa vnd Germania Lit. A. pag. 1 Böhmen. Pag II. A ij 3 Prag A iij 5 Venedig. C iij 29 Stammregister der Hertzoge von Saphoyen Dij 39 Vdenheim oder Philipsburg D iiij 43 Stamm Register der Ertzhertzogen zu Oesterreich D v 47 Belägerung Pilsen. Hij 87 Baden im Argaw. K iij 113 Vndergang deß Flecken Plurs K iiij 115 Stamm Register der Churfürsten vnd Pfaltzgraffen bey Rhein. Aa ij 280 Marggräffische Schantz zu Iringen bey Brysach Hh vj 371 Belägerung Bautzen. Nn ij 422 Läger der Vnirten bey Oppenheim. Nn vj 431 Schlacht Ordnung auff dem weisen Berg bey Prag. O. q iij 461 Schlacht vor Prag / vnd der Böhmen Flucht O. q iiij 463 Pfäffers Bad. Yy iiij 535 Kellerey zum Stein. Ddd vj 598 Belägerung Franckenthal. Eee 601 Stamm Register der Marggraffen von Brandenburg. Ggg ij 627 Belägerung Montalban. Lll v 681 Schlacht bey Wimpffen. Ooo vj 719 Schlacht bey Höchst. Ppp iij 725 Belägerung Heydelberg. O. qq iiij 739 Mannheim. O. qq vj 742 Schlacht bey Fleury in Welsch Braband Sss ij 759 Belägerung Bergen op Soom. Sss iiij 762 Schantz Pfaffen Mütz. Ttt 769 Prettigow vnd Brügel Krieg. Vvv vj 790 Stamm Register der Hertzogen in Bayern. Zzz ij 820 Schlacht bey Stattlon im Stifft Münster. Bbbb iij 845 Graff Henrichs von Berg Einfall in die Velaw. Iiii iij 935 Belägerung Breda. Llll 955 Sanct Salvador in Brasilien. Nnnn iiij 979 Schlacht bey der Dessawer Brücken. Rrrr iiij 1027 Schwedische Schantz in der Pillaw auff dem Weissel Strom. Xxxx 1076 Elbingen. Xxxx 1077 Belägerung Roschell. O. qqqq 1286 Belägerung Wolffenbüttel. Aaaaa 1110 Belägerung Groll. Egggg 1180

Register deren Contrafacturn vnd kleinen Kupfferstücken so in diesem Buch begriffen.
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KEyser Rudolphus II. Keyser Matthias. Fenster Außwerffung zu Prag. Hertzog Carolus Emanuel von Saphoy. Cardinal Clesel. Graff Henrich Matths von Thurn. Graff von Dampier. Graff von Bucquoy. Maximilianus Hertzog in Bayern. Joh. Georg Churf. zu Sachsen. Joh. Georg Marggraff zu Brandenburg Jägerndorff. Ernst Graff zu Manßfeldt. Maximillan Ertzhertzog zu Oesterretch. Reyserin Anna. Cometstern. Statt Wien. Joh. Schweickard Churf. zu Meyntz. Ferdinand Churfürst zu Cöln. Keyser Ferdinandus II. Crönung Keys. Ferdinandi. Bethlen Gabor Frürst in Siebenbürgen. Carolus Ertzhertzog zu Oesterreich. Fridericus König in Böhmen Churfürst. Elisabetha Königin in Böhmen. Jacobus Arminius. Mauritius Printz von Vranien. Johan von Olden Barnefeldt. Hugo Grotius. Johan Sigismundus Churfürst zu Brandenburg. Meerwunder. Mauritius Landgraff zu Hessen. . Georg Friederich Marggraff zu Baden. Joachim Ernst Marggraff zu Brandenburg Anspach. Don Balthasar Marradas. Jacobus König in Engelland. Ambrosius Spinola. Albertus Ertzhertzog zu Oefterreich. Johann Friederich Hertzog zu Wirtenberg. Friedrich Heinrich Printz von Vranien. Wilhelmus Verdugo. Christian Fürst zu Anhalt. Ludwig der XIII. König in Franckreich. Maria Medicea Königin in Franckreich. Mißgeburten deß 1620. Jahrs. Wilhelm Ludwig Graff von Nassaw. Friderich von Teuffenbach. Joh. Jessenius. Hans Michel von Obentraut. Hertzog Christian von Braunschweig. Landgraff Ludwig von Hessen. Sigismund König in Polen. Prince d'Espernon. Philippus III. König in Hispanien. Philippus IV. König in Hispanien. Bapst Paulus V. Babst Gregorius XV. Cardinal Bellarminus. Graff von Tilly. Leopoldus Ertzhertzog zu Oefterreich. Hertzog Friederich von Sachsen Weinmar. (Druckfehler: S. 659, i. e. S. 759) Sultan Hotoman. Sultan Mustaffa. Friederich Vlrich Hertzog zu Braunschweig. Joh. Jacob. Graff von Anholt. Lotharius Ertzbischoff zu Trier. Georg Hertzog zu Braunschweig vnnd Lüneburg. Johann Ernst Hertzog zu Sachsen Weinmar. Landgraff Georg zu Hessen. Landgraff Wilhelm zu Hessen. Peter Hein.
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THEATRUM EUROPAEUM, Oder Beschreibung aller vornehmen vnd denckwürdigen Geschichten / so sich im Jahr 1618 vnd die darauff folgende Zeiten in Europa vnd anderswo zugetragen vnd verloffen.
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1618
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DIeweil der blutige vn̅ langwierige Krieg / welcher Anno 1618. in vnserm geliebten Vatterlandt Teutscher Nation erwachsen / vnd gleichsam als ein schädliches Fewer mit seinen verderblichen Flammen / zu vieler herrlichen / vnd biß dahin florirenden Länder / Stätte vnd Herrschafften Ruin / Verhergung vnd Vndergang / dergestalt sich außgebreitet vnd vmb sich gefressen / daß dessen trawrige vnd höchstbeklägliche vestigia vnd Mahlzeichen / wol so lang die Welt noch stehen wird / verbleiben / vnd hochempfindlich bey allen Nachkommen für Augen schweben werde / dessen Beschreibung den grössesten vnd vornembsten Theil gegenwärtiger vnserer Historien jhr zueygnet / in dem Königreich Böheimb erstmals seinen Anfang vnd Vrsprung genommen / als haben wir / damit der Leser desto bessere Nachrichtung in folgenden Geschichten haben möge / für gut angesehen / zu forderst ein kurtze Beschreibung besagter Landschafft / von was Völckern dieselbe erstmals bewohnet worden / vnd von weme die jetzige Böhmen jren Vrsprung (Beschreibung deß Königreichs Böheimb.) vnd Herkommen haben / hiehero setzen wollen. Ist demnach zu wissen / daß das Königreich Böhmen fast mitten in Teutschlandt liget / rund vmb mit dem Hartz- oder Schwartzwald vmbgeben. Seine Grentzen erstrecken sich gegë Auffgang der Sonnen an Mähren / vnd einem Theil der Landschaft Schlesien: Gegen Mittag an Oesterreich vnd Bayern: Gegen Nidergang an die Obere Pfaltz vn̅ einem Theil deß Franckenlands: Gegen Mitternacht aber an Sachsen vnd Meissen. Seine Länge ist der Breite fast gleich / also daß sich beyde fast auff 50. gemeine Teutsche Meilen erstrecken. Das Erdreich bringet deß Getreydes vnd sonderlich der Gersten ein solchen Vorrath / daß es auch den benachbarten Ländern dessen ein zimliche Quantitet verschaffen kan: an Wein aber gibt es sehr wenig / vnnd gemeiniglich / weil es von den Mitnächtigen Nordwinden fast stätig durchwehet wirdt / einen herben vnd sawern Tranck. Dahero die Innwohner sich mehrentheils deß Biers gebrauchen / welches sehr gut bey jhnen gemacht / vnd deßwege auch in die benachbarre Ort verführet wirdt. Sonsten gibt es guten Saffran / vnd ander Gewürtz vnd Sachen / so zu den Apotecken gehören. Es ist auch das Erdreich der Metall / vnd sonderlich der Silber Adern allenthalben voll; hat seine fürnembste Bergwerck vmb Grumlaw, Budweiß vnd Kuttenberg: so wirdt auch an etlichen Orten Golt gefunden / dessen vnderweilen Stücker von zehen Pfunden den Böhmischen Fürsten oder Königen gebracht worden. Es führen auch etliche Wasser Körnlein Golt ein Kücher Erbsen groß / die keiner ferrnern Reinigung bedörffen. In etlichen werden Muscheln voller Perlen gefunden. An fliessenden Wassern ist diese Landschafft zimlich reich / vnder denen sind die fürnembste die Elb / welche auch die Labe von den Innwohnern genennet wird / vnd in den Bergen bey der Statt Aust entspringet: vnd darnach die Multaw / welche von den Inwohnern Multauva genennet wirdt: die andern sind die Eger / Sassava / Gisera / Misa / Vatto vnd andere mehr / so mehrerntheils sich in die Elb er giessen. Das gantze Königreich ist von den Sudetische Bergen ringsvmb vmbgeben / dieselbe lauffen auch zum theil mitten hindurch vnd sondern es gleichsamb von einander ab. In gleichem ist es von Wälden / wie obgemeldt / gantz vmbschlossen / auch sonsten hin vnd wider zimlich voll. Dieselbe hatten vor diesem der wilden Thier / sonderlich der Hirsche / Bären / Vhr Ochsen oder Büffel / Füchse vnd dergleichen ein grosse Menge. Aber vnder hernach beschriebenem Kriegswesen sindt die Wälde guten theils außgelähret worden. (Erste Innwohner deß Königreichs Böheimb.) Belangendt nun die Inwohner dieses Königreichs / kan man eygentlich nicht wissen / wer die allererste gewesen seyen / dann in keinen Historien etwas davon gefunden wird. Jedoch sind die Gelehrten der Meynung daß Tuiscon, welcher auch [2] (Genes. 10. v. 3. Paral. lib. I. c. I. v. 6. Herkommë der Teutschen.) Teuto vnd von Mose Ascanetz, das ist Ascanius genennet wirdt / Gomers erstgeborner Sohn vnd Japhets deß Sohns Noae Enckel / der Teutschen Anfänger gewesen seye: von welchem auch die Teutschen Teutones vnd Teutschland Teutonia in Lateinischer Spraach noch heutiges Tags genennet werden. Dieser nun habe einen Sohn gehabt mit Nahmen Mannus: der habe wider nach dem Zeugnuß Taciti, drey Söhn gehabt; nemlich Ingeuonem, Hermionem vnd Isteuonem, welche nach dem sie das Teutschland vnder sich in drey Theil außgetheilet / were jedes Theil nach dem Nahmen jhrer Besitzer / als nemlich die jenigen / so die nechstgelegene Oerter bey dem Oceano bewohnet die Ingeuones: die in den mitlern Ländern die Hermiones: die vbrigen aber die Isteuones genennet worden. Auß welchem abzunemen daß Hermio, welcher auch Hermino vnnd Harminius, Herimannus vnnd endtlich Hermannus benamet worden / die Landschafften an der Thonaw vnd Rheinstrom / da jetzundt Mähren / Böhmen / Francken / Westphalen / sc. ligen / innen gehabt habe. Es sindt aber hernach der Hermionum ein Theil / weil sie sich in die Refier deß Böhmerlandts da die Elb entspringet begeben / Hermunduri, vnnd nach solchem Nemetes, von dem Enckel Hermionis Nemeto, genennet worden. Diese letzte aber haben sich in viel Länder außgebreitet / als in Teutschlandt / Galliam, Hiberniam, Sarmatiam vnnd Scythiam. Den Hermionibus oder Nemetibus sindt in Besitzung dieser Refier in Teutschlandt nachgefolget die Boij, welche vnder dem Fürsten Sigoueso auß Gallia Celtica, mit welchem Nahmen Ptolemaeus Franckreich genennet / im Jahr nach Erschaffung der Welt MMM CCC LX. vor (Boji vertreiben die ersten Inwohner deß Böhmerlands.) Christi Geburt D LXXX VII. dahin kommen / vnd die vorigen Inwohner / nemlich die Hermiones oder Hermunduros in die Refier da die Elbe entspringet getrieben. Dahero ist das Landt von den benachbarten Völckern Bojohem oder Boyenheim / vnd nachmals Böheim oder Böhmen / welchen Nahmen es noch heutiges Tags behelt / genennet worden. Diese Völcker nun haben die eingenommene Landschafft nicht allein wider die benachbarten etlich 100. Jahr: sondern auch wider die Cimbros, die dazumal (Boji von den Marcomannen auß Böheim vertrieben.) von jederman sehr geförchtet wurden / mannlich defendirt vnd erhalten. Endtlich aber vmb das sechste Jahr vor Christi Geburt wurden sie von den Marcomannen vberwunden vnnd auß Böheimb wider vertrieben / da sie sich dann in die nechstgelegene Landschafft so jetzundt Bayern oder Bayerlandt heisset / begeben / vnd allda ein new Regiment angerichtet / welches biß auff deß Königs Gustaui Adolphi auß Schweden Einbruch / floriret vn̅ zu Vndertrucku???g vieler anderer Stände deß Römischen Reichs fort geführt worden. (Herkommen der Marcomanuer.) Es sind aber die Marcomanner von den Sueuis oder Schwaben / (Welche dazumal Ober- vnd Nider Sachsen / Dennemarck / Schweden vnd die Landschafften vmb die Elbe vnd Weychsel innen gehabt) herkommen / vnd von Arionisto der Teutschen vnd Gallier Obersten / Iulio Caesari, welcher zur selben Zeit dem Gallierlandt mit Kriegen hefftig zusetzete / vnd auch den Teutschen beyzukommen sich bemühete / Widerstandt zu thun / auß jhrer Heymat in Gallien beruffen worden. Demnach sie nun mit Arionisto von Iulio Caesare vberwunden vnd in die Flucht geschlagen wurden / hat jhr Obrister die vbrigen in Steyrmarck geführt. Als sie aber hernachmals von den Römern daselbs wider vberwunden vnd verjaget wurden / haben sie sich endtlich nach Böheimb gewendet / vnnd durch die Tapfferkeit jhres (Maroboduus der Marcomanner vn̅ Teutschen Obrister.) Obristen Marobodui solches erobert / vnd die Boios darauß vertrieben. Nach diesem hat Maroboduus an Macht vnd Gewalt also zugenommen / daß jhne auch Laußnitz / Schlesien / Polen / die Marck Brandenburg / Pommern / Littaw / Preussen / Croatien / Dalmatien / Steyrmarck / Sachsen / Holstein / sc. zu jhrem Obersten wider die Römer auffgeworffen. Gleichwol ist er in Böheimb verblieben / vnnd zu Prag welches damals nach seinem Nahmen Maroboduum genennet wurde / als mitten in Teutschlandt / seine Residentz angerichtet. Als er nun hernach durch solche Macht hochmütig worden / vnnd noch ferrner vber die Teutschen einen Absoluten Dominat vnnd ein solch Reich / welches nicht auß seiner Vnderthanen Wahl / sondern auß seinem eygnen Willkühr herrührete / vnd nach seinem Ableiben erblich auff sein Geschlecht fiele / anstellen wolte / vnnd doch darneben in Sorgen stunde die Teutschen / als durch deren freye Wahl er zu jhrem Haupt erwehlet worden / solches nicht gestatten möchten / hat er deßwegen mit den Römern einen Bundt gemacht. Vmb dieser Vrsach willen aber hat er anfangen bey den Teutschen verhaßt (Maroboduus wird von Harminio Cherusco vom Regiment verstossen.) zu werden / vnnd ist wider jhne Harminius Cheruscus auffgeworffen worden / der hat jhm nicht allein allen Gewalt genommen; sondern auch sein Erbkönigreich Böheimb meistentheils entzogen / vnnd jhn gezwungen auff dem Böhmischen Gebirg seine Wohnung zu nemen. Weil (Harminius Cheruscus wird getödtet.) aber hernach dieser Harminius eben auch wie zuvor Maroboduus gethan / absolutam dominationem vnd eine Erbgerechtigkeit anzustellen gedachte / ist er endlich von den seinigen getödtet worden vmb das Jahr nach Christi Geburt XXII (Maroboduus von Catualda gantz verjagt.) Nach dessen Todt hat sich Maroboduus wider herfür gethan / vnnd das Königreich Böheimb vor der Römer Einfall zu beschützen vnderstanden / aber von einem mit Nahmen Catualda, den er hiebevor auß dem Landt vertrieben / welcher bey diesem deß Marobodui zweiffelhafftigem Zustand / die vornembste vnder den Marcomannern auff seine Seite gezogen / mit einer grossen Macht vberfallen vnd gantz auß Böhmen verjaget worden. Auff dieses ist er zu den Römern geflohen / die jhm das Fürstenthumb Rauenna eingegeben / da er dann auch nach 20. Jahren sein Leben beschlossen. (Catualda von Iubillio außgetrieben.) Catualda hat das Königreich Böheimb durch Zulassung deß Keysers Drusi behalten / doch aber [3] bald hernach widerumb von Iubillio, welcher von Edlem Geschlecht vnder den Hermunduris herkommen / auß Böheimb vertrieben / vnd bey den Römern auch seine Zuflucht zu nemen gezwungen worden / die jhme dann Delphinat vnd Langendock vndergeben. Iubillius aber hat in Böheimb (Römer setzen frembde König in Böhmen eyn.) regiert biß auff das Jalr nach Christi Geburt LII. Wer nun dessen Nachfahr im Regiment gewesen seye / kan man in keinen Historien finden / doch aber ist dieses gewiß / daß die Römer / welche zur selben Zeit / doch mehr durch jhr Gelt / als durch jhre Macht / schon zimliche Herrn in Teutschlandt waren / von da an sich auch dieses Königreichs angenommen vnd frembde König / welche allen Gewalt vnd Macht von jhnen hatten / darein eingesetzet. Solchen frembden Königen (Marcomanner machen sich von dë Römern loß.) aber haben die Marcomanner / mit anderer Völcker Hülff vn̅ Beystand sich vielfältig widersetzet / derowegen die Römer offtmals mit schweren Kriegë sie widerumb zum Gehorsam bringen müssen. Jedoch ist endlich anderer durch Teutschen Völcker Verbündnuß jhre Macht so groß worden / daß sie sich nicht allein von den Römern loß gemacht vnd wider selbsten jre Könige erwehlet / sondern auch gar in Illyrien / Hungarn vnd Italien einbrechen vnd mit Fewer vnd Schwerd (Gerathen vnder deß Attilae Gewalt.) viel Länder verheeren dörffen / biß sie vmb das Jahr nach Christi Geburt CCCC XL IV. vnder deß Attilae / der Hunnen König / Gewalt gerathen / (Komme wider zu jrer Freyheit vnd erwehlen Alaricum zu jhrem König.) vnder dem sie biß nach seinem Todt verblieben / da sie dann vmb das Jahr Christi CCCCLIV. vnder Alarico, welchen sie neben andern Teutschen Völckern zu jhrem König erwehlet wider zu jhrer vorigen Freyheit kommen. Endlich vmb das Jahr nach Christi Geburt CCCC XCV. hat der meiste Theil von den Marcomannern vnnd Sueuis Böhmen / Schlesien / Laußnitz vnnd die nechstangelegene Oerter / verlassen / vnd sich gegen dem Nidergang / in die jenige (Marcomanner ziehen auß Böhmen vnd lassen sich in Schwaben vn̅ Schweitzerland nider.) Länder begeben / welche noch heutiges Tages von jhnen das Schwaben- vnd Schweitzerlandt genennet werden. Nach solchem sind die vbrigen so noch in Böhmen vnd Mähren von den Marcomannern verblieben von den Slauis außgetrieben worden. Dieselben sindt erstlich auß Sarmatia Scythica vber den Maeotischen See in Illyrien oder die jenige (Der Slaven Ankunfft in Böhmen.) Landschafften / welche jetzundt Slavonien vnnd Croatien genennet werden / kommen / vnnd von dannen zum theil vnder jhrem Obristen Lechë in Polen / zum theil vnder desselben Bruder / Zecho in Böhmen vnd Mähren eingefallen / vnd daselbst jhre Wohnungen angerichtet. Da sie dann erstlich von den vmbligenden Völckern Gazari / welchen Nahmen sie noch heutiges Tages in der Türckischen Spraach behalten / hernachmals aber Böhmen / vnnd jhre Slavonische die Böhmische Spraach genennet worden. (Slaven von den Teutschen betrieget.) Nach dem nun die Slaven in Böhmen ein kommen / sindt sie anfänglich den benachbarten Teutschen sehr vberlästig gewesen. Dahero dieselbe mit jhnen schwere Krieg geführt / Willens diese frembde Gäst entweders wider gar zu verjagen / oder doch also im Zaum zul alten / daß die vmbligende Oerter von jhren Einfällen möchten befreyet seyn. In solchen Kriegen haben die Teutschen mehrern theils das Glück auff jhrer Seiten gehabt / also daß sie die Slaven offtmals vberwunden / vnd deren viel in jäm̅erliche Dienstbarkeit (Woher die leibeygene Knecht Slaven genenet werden.) weggeführet / auch dieselben hin vnd wider in gantz Europa herumb gezogen / vnd an Statt deß Viehes zu allerley Arbeit gebrauchet. Dahero es kommen / daß noch heutigs Tages die leibeygene Knecht Glauen genennet werden. Durch solche vielfältige Krieg vnd Niderlagen sindt die Slaven endlich / das Teutsche Joch auff sich zu nemen / vnd denselben jährlichen Tribut zu reichen gezwungen worden. Gleichwol aber haben sie stätigs wider zu newer Vnruh Vrsach genommen / biß sie durch vnabläßliche Krieg dahin gebracht wurden / daß sie letzlich den Frieden von den Teutschen selbsten (Slaven von den Teutschen bezwungen zum Christlichë Glaube̅ gebracht vnd dem Teutschen Reich zugethan.) bitten vnd begehren musten / welchen sie auch / doch mit dem Beding / daß sie jhre Heydnische Abgötterey ablege / den Christlichen Glauben aunemen / vnd mit den Teutschen vnder einem Reich vnd also ein Volck mit jhnen seyn / doch aber / damit jhnen vnnd jhren Fürsten an jhrem Recht nichts benommen seyn solte / erlangten: vnd darmit jhnen also getrew vnnd beständig zu bleiben Vrsach vnd Anlaß gegeben würde / ist von da an der Slavische Adel nicht allein mit allerley Digniteten im Reich begabet / sondern auch vielfältig (Böheimb wird zu einem Churfürstenthumb vnd endlich gar zu einem Königreich gemacht.) mit Gütern bereichet / ingleichem Böheimb mit Hinzuthuung vieler Landschafften erweitert / auch von Keyser Ottone dem Dritten Anno Christi M. zu einem Churfürstenthumb (daß nemlich die Fürsten oder Hertzoge in Böhmen bey Erwehlung vnd Crönung eines Römischen Keysers / die Keyserliche Schencken seyn solten) vnd endlich von Keyser Henrico V. Anno Christi 1086. gar zu einem Königreich / vnnd der damals regierende Hertzog Vratislaus zu einen König gemacht / vnnd seinem Reich die Landschafften Schlesien / Laußnitz vnd Mähren adjungirt. (Böhmische Wappen.) Seinem Sohn Vladislao hat hernach Keyser Friderich / weil er jhme in Eroberung der Statt Meyland in Italien trewlich beygestanden / für jhn vn̅ seine Nachkommen die Königliche Würde bestättiget / vnd dz alte Wappen deß Königreichs Böhmen / so sonsten ein schwartzer Adler gewesen / verändert / vnnd einen rothen Löwen / als welcher ein ansehenlicher Zeichen der Stärcke vnd Tapfferkeit were / als der Adler / hinfort zu führen verordnet. Es hat sich aber ein lächerlich Sach damit begeben: dann als der Mahler ohngefehr den Löwen daß er den Schwantz zwischen den Beinen hindurch gehen hatte / vnd also / als wann er kein Echwantz hette anzusehen war / mahlete / fragten die Böhmen / da sie solches sahen; wo der Schwantzwere / vnd ob das Gemäld einem Affen sich nicht mehr vergleiche / als einem Löwen? Vnd wollten also jhren vorigen Adler wider haben. Wie nun der Keyser hiervon be [4] richtet wurde / sprach er mit lachendem Mund: Man solte ein weissen Löwen in einem rothen Feldt / nicht nur mit einem / sondern mit zweyen vber sich auffgerichteten Schwäntzen mahlen. Welches dann auch also geschehen / vnnd führet das Königreich dieses Wappen noch heutiges Tags. (Prag.) Die Königliche Residentz vnd Haupt Statt in Böheimb ist Prag / von deren Gelegenheit (weil darinn die nachfolgende Tragoedia jhren Anfang genommen / hernacher auch zu Fortsetzung derselben allerley Anstellung vnd Bereitschafftë / gleichsam als in einer Scena gemacht vnnd sonsten zu Hinrichtung so vieler hoher vnd vornehmer Personen gebrauchet worden) wir auch kürtzlich an diesem Ort etwas melden wollen. Sie wird in drey vnderschiedliche Stätt / als in die Alte / Newe vn̅ Kleine Statt / so auch die kleine Seiten genennet wirdt / abgetheilet / vnd meldet AEneas Syluius in Hist. Bohem. daß sie an Grösse vnnd Herrligkeit (schon zu seinen Zeiten) der Statt Florentz in Italien nichts nachgebe. Die alte Statt ist von Lybussa / Croci deß zweyten Hertzogen in Böheimb Tochter / vnd jhrem Gemahl Primislao erbawet vnd mit Mawren vmbgeben worden / vnnd weil sie nicht gewust / was sie dieser Statt für einer füglichen Nahmen geben solte / schickte sie etliche der jhrigen auß / mit Befehl / daß sie den Ersten so sie etwas arbeite finden / was er machte / frage / vnd das erste Wort / so derselbe reden würde / in acht nemen / vnd die Statt darnach nennen solte. Als diese nun jhren Befehl außzurichten hingiengen / traffen sie einen an / so einen Klotz behiebe: Vnd wie sie jhn fragten / was er machte / sprach er; Prah (das heist in Böhmischer Spraach ein Schwell) wolte er für seine Thür machen. Nach dem nun dieses der Lybussae angesagt worden / hat sie der Statt den Nahmen Praha, (so nach der Zeit in Praga verändert worden) gegeben / darneben die Vrsachen / warumb sie fürnemlich diesen Nahmen erwehlet / angezeiget / nemlich es were zwar ein Thürschwell ein schlechtes Ding / dock verursachte es bißweilen daß auch hohe vnnd Fürstliche Personen sich daran stiessen vnd verletzeten: also hoffete sie auch / es würde die Macht vnnd Herrligkeit dieser Statt so groß werden / daß auch wol Könige vnnd Fürsten / so jhr feindlich zu setzen wurden / sich daran stossen vnnd verletzen würden. Es ligt diese alte Statt gantz auff einer Ebne / mit herrlichen vnnd prächtigen Gebäwen gezieret / wirdt durch die Multaw von der kleinen vnderscheiden / vber welches Wasser eine Brücke / so von Keyser Carolo dem IV. der auch ein König in Böhmen gewesen / auff das allerkünstlichste mit vier vnnd zwantzig steinernen Bögen erbawet / in besagte kleine Statt oder kleine Seiten gehet. Gedachte kleine Statt / begreiffet auch in sich Viti Kirch vnnd das Königliche Schloß / so bey einander auff einem zimlich hohen Berg ligt / dazu man einen fast gähen Gang hinauff steigen muß / vnnd vielmehr einer kleinen Statt als einem Schloß gleich sihet / ist von vorgedachtem Keyser Carolo also auffs herrlichste zugerichtet auch das Schloß Vicegrad oder Retschin / mit newen Mawren vnnd Thürnen befestiget worden. Der hat auch die Newstar erbawet / mit Mawren vnnd Gräben / in welchen zwar kein Wasser ist / aber doch leichtlich auß der Multaw darein geleitet werden kan: Ingleichem de herrliche vnd künstlichen Brückenthurn auffgeführet: Ein hohe Schul vnd Collegium, so von jhm Collegium Carolinum genennet worden / angerichtet / vber diß auch auß dem Pragischen Bistthumb / welchs sonsten dem Maintzischen Ertzbistthumb vnderworffen war / durch Bewilligung Pabsts Clementis deß VI. ein Ertzbißthumb gemacht / vnd hat die Statt an Grösse / Macht vnd Herrligkeit vnder diesem Keyser sehr zugenommen. Wer ein mehrers von dieser Statt wissen wil / der kan Dubrauium, Cosmam Pragensem, AEneam Syluium vnd andere Böhmische Geschichtschreiber besehen. Wir kommen nun auff die Vrsachen vnnd ersten Anfang / darauß nicht allein in vorigen Jahren (Vnderschiedliche Religionen ein Vrsach deß Kriegs in Böhme̅.) grosse Vnruhe / Krieg vnnd Blutvergiessen / wie Sebast. Francus vnnd die obgedachte Böhmische Geschichtschreiber bezeugen in Böheimb entstanden / sondern auch zu dieser vnserer Zeit das langwirige Kriegswesen vnnd grewliche Landsverwüstungë vrsprünglich herkommen. Die sindt gewesen die vnderschiedliche Religionen / welche sich baldt von der Zeit an als die Böhmen den Christlichen Glauben angenommen stätigs in diesem Königreich befunden / vnder welchen die vornembste gewesen / nach den Römischen Cathoschen / die Waldenser / Piccarder / Hussiten / Thaboriten / Urphani, sc. Wie nun solche vnderschiedliche Religionen in vorigen Jahren / lang vor Doct. Lutheri Zeiten sich niemals mit einander vertragen können / sondern offtmals grossen Jammer / Krieg vnnd Blutvergiessen angerichtet / wie bey vorgemeldten Scribenten weitläufftig davon zu lesen: also hat auch bey vnnd nach desselben Zeiten / je mehr der Vnderscheid in der Religion gewachsen / auch vmb so viel desto mehr die Verbitterung der Gemüther gegen einander zugenommen. Dann nach dem D. Martinus Lutherus wider das Bapstthumb zu predigen angefangen / (Vnderscheid der Religionen vnder den Wörtlein sub vna vnd sub vtraque verstanden.) sindt nicht allein viel in Böhmen seiner Lehr zu gefallen: sondern es haben sich auch ein grosser Theil auff deß Caluini vnnd Zwinglii Seiten gewendet: Theils sindt auch Picardisch / die vbrigen aber Römisch Catholisch verblieben. Vnd diese zwar / weil sie das Sacrament deß Altars den Layen nur vnder einer Gestalt reichen / sindt die sub vna, oder die vnder einerley: die andern aber weil sie vnder beyderley Gestalt solches gebrauchen / die sub vtraque, oder die vnder beyderley / genennet worden. (Böhmische Stände sub vtraque trachten nach freyer Religionsvbung.) Weil nun vngeachtet solcher vnderschiedlicher Religionen jederzeit Römische Catholische Könige in diesem Königreich herrscheten / vnnd sich offtmals vielfältige Vuruhe vnd Streit zwischen
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denen sub vna vnd sub vtraque zutrugen / wolten die sub vtraque jhrer Religions Vbung halber versichert seyn / brachten derowegen bey Keyser Maximilian Anno 1575. so viel zu Wegen / daß er jhnen das freye exercitium jhrer Religion / doch nur in Böhmischer Spraach zuliesse. Als sie nun bey Regierung Keysers Rudolphi wegen der Religion selbe nicht allein in Böhmischer / sondern auch in Teutscher Spraach offentlich zu treiben ein beständige Versicherung / beydes für sich / vnd auch für jhre Nachkommen zu haben begerten / selbige aber nach jhrem Begeren nicht zu Wegen bringen kondten / liessen sie es also anstehen biß auff das Jahr 1608. Zur selbigen Zeit / als Ertzhertzog Matthias die Vngarische Cron begehrte / deßwegë zu Anfang deß Maij mit einem grossen Kriegsheer für die Statt Prag rückete / vnnd derenthalben Keyser Rudolphus die Ständte vmb Hülff anruffte / da haben sie zwar bey dem Keyser Gut vnnd Blut auffzusetzen sich erbotten / doch also / daß Er zuvor jhrem Begehren welches die Zulassung eines freyen exercitii Religionis der Böhmischen vnnd Augspurgischen Confession / darnach die Abschaffung etlicher Politischen Grauaminum betroffen / ehe sie auff seine Proposition sich erklären dörfften / ein Gnügen thun wolte. Darauff der Keyser im letzten Puncten jhnen alsobald willfährig gewesen: den Ersten aber wegen deß exercitii Religionis, der damaligen Vngelegenheit vnnd Kürtze der Zeit halben auff nechstkünfftigen Landtag / zu erörtern versprochen. Demnach nun dieser Landtag in dem Januario Anni 1609. gehalten wurde / begehreten die Stände sub vtraque, ehe sie sich auff die Keyserliche Proposition erkläreten zuförderst das freye exercitium Religionis im gantzen Königreich. Darauff jhnen der Keyser in einem verschlossenen Schreiben seine Resolution zustellen liesse / welche aber also beschaffen war / daß die Stände sub vtraque darauß gnugsam verspüre [6] ten / daß der Keyser durch böse Rathgeber sich hette verleiten vnd jhrem Begeren ein Genügen zu thun abhalten lassen / waren demnach mit solcher Resolution nicht zu frieden / sondern hielten ferrner an / vnd liessen dem Keyser die Assecuration Schrifft / so jhnen von Keyser Maximilian 1575. ertheilet worden: Item ein Schreiben / so Er an einen vornehmen Böhmischen Herrn / Schwendy genannt / mit eygner Handt ohngefährlich dieses Innhalts geschrieben; daß er nicht zulassen wolte / daß jemandt im Königreich Böheimb in Glaubens oder Gewissens Sachen gezwungen werden solte; sampt einer Bittschrifft vberreichen dieses Innhalts; jhre Confession were in Gottes Wort gnugsam gegründet / vnd dahero nicht für ketzerisch / viel weniger für ein newe Confession zu achten / sondern were eben die jenige / so Anno 1575. Keyser Maximiliano von jhren Vorfahren / deren eins Theils noch im Leben vberreichet / vnnd von jhme offentlich vnnd absonderlich zugelassen worden / mit genugsamer den Ständen darüber (ohne einigen vnder jhnen vorgehenden gemachten Vnderscheidt in der Religion sub vtraque) gegebener Assecuration / vnnd mächtiger Vertheidigung gegen die jenigen / so diese Confession wider Jhrer Majestät Königlich Jurament vnd Lands Ordnung zu seyn / sagen dörfften. So komme sie auch mit der Augspurgischen Confession in vsu gantz vbereyn / welche im Reich / als dem gantzen Corpore zugelassen / vnnd dahero in dem Königreich Böheimb als dem vornemesten Gliedt desselben nicht könne abgeschlagen werden: Auch weren die alte pacta, sampt allen darauß herrührenden vnnd sich darauff erstreckenden Verträgen Anno 1567. auffgehaben / was auch davon in der Landtaffel noch vbrig / verbinde die Stände nicht dahin / daß sie vnder einander / was dem andern Theil gefällig / glauben müsten / sondern zur Erhaltung Christlicher Lieb vnd Einigkeit / damit kein Theil von dem Andern vntergetrücket / sondern beyde jhrem Gottesdienst vnverhindert pflegen möchten. Gleich wie auch Reyser Maximilianus mit freywilliger Auffhebung der Pacten / ohne Respect einiges Menschen / wider sein Königlich Jurament vnnd gut Gewissen nichts gehandelt: also könne er auch die Confession den Ständen sub vtraque, ohne Zuthun deß Pabsts oder eines andern mit gutem Gewissen / vnnd ohne Verletzung seines Königlichen Juramens / freystellen vnd zulassen: Insonderheit weil auch das natürliche Recht / daß / weil die Ständt dieses Königreichs in allem andern gleich / weren sie auch in diesem Hauptstück / was der Seelen Seeligkeit anlangete / nicht von einander zertrennet seyn solten / erforderte: sonderlich weil es dienete zu Erhaltung vnnd Fortsetzung guter Correspondentz / Lieb vnd Vertrawlichkeit / ja daß noch mehr seye / Jhre Majestät auff abgewichnem Landtag Anno 1608. sich erkläret / daß dieser Articul auff diesem Landtag für allen andern Dingen solte fürgenommen vnnd abgehandelt werden / ausser dessen solten die Stände nicht schuldig seyn / wegen der Königlichen Proposition zu tractieren / das Religionwesen aber einen Weg wie den andern in denen terminis, wie es auff gedachten Landtag befunden werde / verbleiben solte. Weil dann auß diesem Sonnen klar erscheine / daß nicht allein der Stände Suchen in puncto Religionis Christlich vnd rechtmässig seye / sondern auch daß Jhre Maj. mit Freystellung der Confession / Restituirung deß Cösistorii, Einraumung der Pragerischen Academia, sich so wenig vergriffen / als Keyser Maximilian der die Compactata auffgehaben / darinn damals nichts mehrers / dann die Communio sub vtraque oder der Gebrauch deß Heyligen Abendmals vnder beyder Gestalt zu gelassen / das ander aber alles / in seinem vorigen Standt / vnd vnter dem Zwang der Kömischen Kirchen verbleiben sollen vnd müssen: Als gelebten Sie / die Stände / der Hoffnung / Jhre Majest. würden sie Jhrer billichen Bitt gewehren. In Verbleibung aber dessen / da der Landtag darüber solte zergehen / so wolten demnach die Stände / als trew / gehorsamb / beständig vnd auffrichtige Vnderthanen / hiermit vor Gott vnnd aller Welt bezeuget haben / daß sie Jhrer Maj. deß keine Schuld zumessen / noch an solchem Vbel selbsten schuldig weren / sondern die jenigen / so Sie an Jhrem wolbefugten Intent vnd Vorhaben / wider Gott vnd Recht gehindert hetten vnd noch hindern theten. (Reyserliche Räthe den Böhmischen Ständen sub vtraque an Erhaltung der Religions Privilegien verhinderlich.) Vnder dessen bemüheten sich die Römisch Catholischen / sonderlich die Keyserliche Räthe zum hefftigsten / daß obberührtes der Stände Begeren von dem Keyser abgeschlagen würde / mit Vorwenden deß Reichs Constitutionen vnd das Königlich Jurament würde dardurch geschwächet; so gienge auch Keysers Maximiliani Assecuration in dem exercitio Religionis allein auff die Stände sub vtraque, die zwar das Sacrament deß Altars vnder beyderley Gestalt auß spendeten / aber doch in anderm den Kömischen Pabst für das Haupt der Christlichen Kirchë hielten. Als nun hierauff die Stände Jhre Abgesandten zum König in Hungarn / vn̅den Evangelischen Churvnd Fürsten / deren Intercession zu erlangen abfertigten / vnd Jhre Keys. Maj. solches in Erfahrung brachte / haben sie sich selbsten vber dero Räthen beschweret / vn̅durch ein Mandat den Ständen sub vtraque einen besondern Tag / den Religionspuncten abzuhandeln / angesetzet: Es ist aber dieses Mandat durch vnrühige Köpffe ingehalten / vnnd ein anders wider bemeldte Stände / daß sie nemlich von Zusammenkünfften abstehen / solten / vorgeleget worden / welches hernach gefährliche Aufflauff vnd Tumult zu Prag vervrsachet / biß der Keyser einen gemeinen Landtag / welcher auff den 25. Maij gehalten / vnnd darbey so wol der Religionpuncten / als andere Sachen abgehandelt werden soltë / außgeschrieben. Demnach nun solche benente Zeit deß landtags herbey kommen / ist derselbe zwar gehalten / aber doch nicht nach der Stände sub vtraque Begehren geendet worden. (Böhmische Stände sub vtraque) Derhalben theten sie dem Keyser zu wissen / daß sie von jhren Feinden / vnd Widersachern sich [7] nicht mehr also herumb führen / viel weniger von (stellen ein Defensionwesen an.) seinen Königlichen Worten vnd Verheissungen abtreiben lassen: sondern weil sie auch verommen daß in Bayern vnd andern benachbarten Orten grosse Kriegsbereitschafften vnd allerley gefährliche Anschläge gemach würden / ein Defensionwesen / damit sie jhren König / sich vnd die Jhren wider jhre Feinde beschützen möchten anstellen wolten. Weil nun eben zu der Zeit auch der Schlesischen Stände Abgesandten zu Prag vmb die freye Vbung der Augspurgischen Confession ansuchten / haben dieselbe den Böhmen / wo es die Noth erfordern wurde / Hülff vnd Beystand zu leisten versprochen. Als nun besagte Böhmische Stände keine Resolution erlangen kundten / brachten sie etlich Kriegsvolck zu Roß vnnd Fuß zusammen / vnnd lissen selbiges in die Statt. (Böhmische Stände sub vtraque erlangen stattliche priuilegia vber jhre Religion.) Darauff dann endlich auff der Chur Sächsischen Legaten fleissige Fürbitt vnnd Anhalten den II. Julij dieses lauffenden 1609. Jahrs alles nach der Stände Wunsch vnnd Willen außlieffe / also daß sie jhr Begeren erhielten / das freye exercitium Religionis durch das gantze Königreich erlangten / vnnd darüber von dem Keyser nach folgenden Maiestätbrieff zu Wegen brachten: (Keysers Rudolphi II. Majestätbrieff vber das freye exercitium Religionis Augspurgischer Confession in Böhmen.) Wir Rudolff der Ander von Gottes Gnaden / erwehlter Römischer Keyser / sc. Zu ewiger Gedächtnuß in Krafft dieses Brieffs / sey männiglichen kundt gethan; Nach dem alle drey Stände Vnsers Königreichs Böheimb / so den Leib vnnd Blut deß Herrn Jesu Christi vnter beyderley empfangen / Vnser liebe Getrewe / in gemeinem Landtag (welcher vergangenen 1608. Jahrs / Montag nach Exaudi, auffm Prager Schloß angegangen / vnnd eben dasselbe Jahr / Freytag nach Johannis deß Tauffers beschlossen worden) bey Vns als jhrem König / allervnterthänigst vnnd gebührlichen angehalten vnnd gebetten / damit sie bey der gemeinen Böhmischen Confession vnd Glaubens Bekandtnuß (welche von etlichen die Augspurgische genennet wirdt) im Jahr Christi 1575. auff allgemeinem Landtag zusammen getragen / vnd der Keyserlichen Majestät weylandt Keyser Maximiliano / Vnserm geliebsten Herrn Vattern / löblichster vnnd seeligster Gedächtnuß / vbergebenen Confession (die jhnen bald damals / wie Wir gewißlich berichtet worden / vnd auß dem Schreiben Vnsers geliebsten Herrn Vattern eygner Handt / auch andern bey der Landtaffel verzeichneten Gedächtnussen vernommen / von Jhrer Majestät bewilliget worden) auch jhrer vnter einander auffgerichtet vnnd in der Vorred eingebrachter Vergleichung / so wol bey andern ansuchen vnnd Begeren jhre Religion betreffendt / so außdrücklich fürgedeutet / erhalten worden / solche jhre Christliche Religion sub vtraque frey vnnd von männiglich vngehindert vben vnd fortpflantzen / vnnd also in diesem allen / daß die Ständt genugsam von Vns versichert werden möchten / inmassen dieser Articul vnd jhr Begeren / in gemeltem Landtag / vnnd der Landtag in die Landtaffel in das grüne Buch der gemeinen Landtägen Anno 1608. Montag nach Exaudi sub lit. K. 8. einverleibt / diß weitläufftig vnnd außführlichen in sich begreifft. Weil Vns aber damals hochwichtiger Geschäffte halben / welcher wegen bemeldter Landtag am meisten angestellt / vnnd die da einigen Auffschub nicht dulden möchten / dieses zu bestättigen vnmöglich fürgefallen / haben Wir zu weiterer Erörterung solcher Sachen gnädigst Auffschub begert / biß auff künfftigen Landtag / welcher auff den Donnerstag vor Martin nechstfolgends verlegt worden: Immittelst auch die Stände sub vtraque versichert / woferrn solches auff allgemeinem Landtag nicht zu Endt gebracht würde / daß sie vnter dessen jhrer Religion ein frey vnnd vngehindertes exercitium haben vnnd halten / auch biß zu endlicher Hinlegung dieses Articuls / zu einiger Erwegung oder Abhandlung anderer Articul / so Wir jhnen in der Landtags Proposition vortragen würden / zu schreiten gar nicht schuldig oder verbunden seyn sollen / wie dann solches Vnser gnädigst Begeren / vnd Versicherung mit mehrem bezeuget. Nach welchem allgemeinen Verbleiben / als der Landtag auff gemelten Termin Donnerstag vor Martin angestellt / auß erheblichen Vrsachen von Vns verschoben / vnd ein anderer den Dienstag nach Pauli Bekehrung Anno 1609. angestellt / vnnd mit Vnsern Mandatis auff das Prager Schloß außgeschrieben worden / haben obgemeldte Ständt sub vtraque abermals die vorige Confession / vnnd wie sie sich vndereinander verglichen / Vns vbergeben / vnnd nicht vnderlassen / bey Vns als jhrem König vnd Herren / nicht allein durch vnterthänigs vnnd demütiges Flehen vnnd Bitten / sondern auch durch stattliche vnd ansehenliche Intercession vnd Fürbitt zu sollicitiren vnnd anzuhalten / daß Wir geruheten solches der Stände sub vtraque, als Vnser lieben Getrewen / Bitten vnd Ansuchen gnädigst zu bewilligen. Als Wir nun diß mit Vnsern Obristen Land-Officirern vnnd andern Räthen dieses Königreichs Böheym in Vnser Keys. vnd Königliches embsiges Erwegen gezogen / haben Wir für gut angesehen / auff vnterthäniges demütiges Bitten vnnd Begehren deren von Herren vnnd Ritterstands der Prager vnd andern Abgesandten der Stätt / aller drey Stände sub vtraque dieses Königreichs Böheym / so sich zu der bemeldten Confession bekennen / Vnserer lieben Getrewen Vnterthanen allen dreyen Ständen in gemein deß Königreichs Böheym / einen gemeinen Landtag auffm Montag nach dem Sontag Rogationum in der Creutzwochen dieses 1609. Jars durch Vnserige Königliche Mandat außzuschreiben / auff das Prager Schloß zu verlegen / vnd in publicirten Mandatis auch mit anzuhefften / daß Wir bey diesem Landtag die schließliche Erörterung deß Articuls von der Religion in der Landtags Proposition einbringen / Item wie auch alle vnd jede / so wol vnter Beyder als Einerley vnd die sich zu [8] der Vns vbergebenen Reiligion bekennen / jhre Religion / ohn allerley Bedräng-vnd Verhindernuß es sey von Geistlichen oder Weltlichen Personen frey vben vnd fortpflantzen möchten / gnugsam versichern vnd versehen wolten: Wie solches Vnsere Mandata deren datum auffm Prager Schloß / Sonnabendts nach dem Sontag Iubilate dieses 1609. Jahrs / in bemeltem Articul von der Religion weiters sagen. Zu welchem allgemeinen von Vns außgeschriebenen Landtag / weil sie alle drey Ständt gehorsam vnnd vnterthänigst sich haben eingestellt / vnd wir auch / laut Vnsers gnädigen Versprechen in bemeldtem Mandat dem Articul von der Religion in der Landtags Proposition zu förderst fürbringen lassen / haben offtermeldte drey Stände sub vtraque einhellig jhr voriges begehren vnd bitten / durch eine Vns vbergebene Schrifft / wider ernewert / vnnd genugsame Versicherung / vnnd bey der Landtaffel Bestättigung desselbigen vnderthänigst gebetten. Dieweil Vns dann nichts liebers ist / als dessen Vnserem Königreich vnter allen dreyen Ständen / so wol einer als beyderley Gestalt / allen Vnsern lieben getrewen Vnderthanen nun vnd zu ewigen Zeiten standhafftige Liebvnd Einigkeit / Fried vnnd Verträglichkeit / zu Auffnehmen vnd Erhaltung gemeinen Bestes / gepflantzet / ein jedes Theil bey der Religion / bey welcher sie jhren Seelen Seeligkeit versichert zu seyn festiglich glaubet / freywillig / vnverhindert vnd vnbedrängt neben dem andern möge verbleiben vnd gelassen werden: damit also / wie billich dem Anno 1608. geschehenen Landtstag Beschluß vnnd dem newlich publicirten Mandat [in welchem Wir die vereinigte Ständt / so sich zu gemeldter Confession bekennen / für die / so sie allezeit gewesen / nemlich für Vnsere trewe vnnd gehorsame Vnterthanen / vnter Vnsern gnädigen Schutz zu allen Ordnungen / Recht / Gerechtigkeiten vnd Freyheiten dieses Königreichs erstrecket / erkennt vnnd gehalten] gemäß vnd gehörig (auff welche sich Vnsere Königliche Pflicht / Recht vnnd Landsordnung erstrecket / erkennet vnnd gehalten / auch gegenwärtig erkennen vnd halten / Folge vnnd ein Gnüge beschehe / in Ansehung vnnd Betrachtung der obberührten stattlichen Intercessionen vnd Fürbitten / vnnd dann auch vff vielerley embsiges Anhalten vnnd Bitten jhrer selbst / der Ständt sub vtraque neben der Trew vnnd nützlichen Dienst / so sie Vns die gantze Zeit Vnsers glückseligen Regierens vber sie / mit der That erzeigt vnd bewiesen haben: Auß diesen allen vnnd anderen vielen Vrsachen / mit reiffem Rath / bedacht / Vnsern guten Gewissen / Königlicher Bohemischer Macht / vnnd mit Rath Vnserer Obristen Officirern / Landrechtbeysitzer vnnd Räthen / haben Wir den Articul die Religion betreffendt mit allen dreyen Ständen dieses Königreichs Böheimb / bey gegenwärtigem Landtag / so auff dem Prager Schloß gehalten wirdt / erörtert / vnd also endlich beschlossen / Wir die Stände sub vtraque mit folgender Vnsern Majestät oder Königlichen Brieff versichert haben / vnd versichern. Fürs erste wie es vorhin bey der Landtaffel lit. A. 32. bestättigt ist / was die Religion vnder einer oder beyderley Gestalt belangt / daß sie einander nicht bedrängen / sondern für einen Mann bey einander stehen als trewe Freunde / vnnd ein Theil das ander nicht schmehen soll / das soll bey diesem Articul also gäntzlich verbletben. Vnnd sollen hiermit beyde Theil / wie jetzo / also auch künfftig einander verbunden seyn bey der Peen so hiervon in der Landsordnung begrieffen ist. Vnd dieweil die vnter einerley in diesem Königreich / jhrer Religion ein frey vnnd vngehindertes exercitium haben / in welchem jhnen die vnder beyderley / so sich zu der Confession bekennen / keinen Eintrag thun oder Ordnung geben / daß hierin eine Gleichheit möge gehalten werden. Derowegen verwilligen Wir / vnnd geben jhnen Recht vnnd Macht darzu / daß obgemeldte vereinigte Stände sub vtraque Herren vnnd vom Adel / Prager-Berg-vnd andere Stätte sampt jhren Vnderthanen / in Summa alle die sich zu der Böhemischen Confession / welche löblicher vnd seliger Gedächtnuß / weylandt Keyser Maximilian / Vnserm liebsten Herren vnd Vattern / auff allgemeinem Landtag Anno 1575. vnd jetzt auffs new auch Vns vbergeben worden (bey welcher Wir sie allergnädigst zu schützen versprochen) bekennt haben vnnd noch bekennen / keinen außgenommen / daß sie nemlich jhre Christliche Religion sub vtraque / laut deren Confession / vnd vntereinander auffgerichtete Vereinigung vnnd Vergleichung / frey vnnd vngehindert / aller Orten vben vnd vorbringen / bey jhrem Glauben vnd Religion / Priesterschafft vnd Kirchenordnung / welche bey jhnen ist / oder auffgerichtet werden würde / friedlich mögen gelassen werden / biß zu gäntzlicher Christlicher einhelligen Vergleichung wegen der Religion im Heyligen Reich. Vnd also sollen sie weder jetzt noch künfftig Zeit nicht schuldig seyn / sich nach den compactatis, welche auf allgemeine Landtage Anno 1567. in den Landpriuilegiis vnnd anderswo außgelassene / zu reguliren. Ferrner wollen Wir in folgenden den Ständen sub vtraque, auch diese sondere Gnade thun / vnnd allen dreyen Ständen / so sich zu dieser Confession bekennen / das Vnter Pragerisch Consistorium in jhre Macht vnd Verwaltung widerumb einantworten / vnd verwilligen gnädigst darzu / daß die vereinigte Stände sub vtraque solches consistorium mit jhrer Priesterschafft / nach der Confession vnd jhrer Herrn Vergleichung reformiren vnnd vernewen / jhre Praedicanten / so wol Böhemische vnnd Teutsche / allda ordiniren lassen / oder welche allbereit ordiniret worden / von dannen ohn einige Verhinderung deß Pragerischen Ertzbischoffen oder aber jemandt anders auff jhre Collatur nemen / vnd dieselben damit besetzen mögen. Nichts weniger gebë wir auch gnädigst in die gewalt ??? Stände / (wie sie jnë den von Alters hero zu [9] gestanden) die Pragerische Academi mit allen Zugehörungen / die selbe mit tauglichen vn̅ gelehrten Männern zu besetzen / gute vnd löbliche Ordnung vnd Gebräuch auffzubringen / vnd vber beyde / als das Consistorium vnd Academi, gewisse vnd tüchtige Personen zu Defensorn vnd beschützern anzuordnen vnd zu bestellen. Vnder dessen aber / vnd ehe diß alles gebührlichen ins Werck gerichtet werde / sollen nicht weniger als drey Stände sub vtraque, wie oben bemeldt / als nemlich / daß sie jhrige Religion ohne Bedrangnuß vnd Verhindernuß möchten fort vben / vollkömlich gelassen werden. Vnd wie viel Personen die vereinigten Stände sub vtraque jhres mittels zu Defensoren vber gemelt jhr Consistorium vnnd Academiam, nach jhrer einhelligen Vergleichung / auß allen dreyen Ständen in gleicher Anzahl verordnen / vnd dieselben Vns / als jhrem König vnnd Herren vbergeben werden / dieselbe Vns alle nahmhaffte gemachte vnd vbergebene Personen / keinen hievon außgelassen / wollen vnd sollen Wir / jnnerhalb zwey Wochen von dato der Vns vbergebenen Verzeichnuß / darzu bestättigen / vnd sie für Defensores erklären / doch vber der Stände jhnen gegebene Pflicht vnd Instruction / in keine andere Instruction noch Pflicht sie zu ziehen. Da wir aber anderer Verhinderung wegen in obgemeldter Zeit dieselbige nicht bestättigen köndten oder würden / so sollen sie doch eines Weges als den andern / vber beydes Desensores verbleiben / alles das thun vnd verrichten / als wann sie von Vns confirmirt vnnd bestättiget weren / vnd da auch einer auß jhnen stürb / werden die Stände sub vtraque an statt desselben bey nechst darauff folgenden Landtag / einen andern zu denen noch vbrigen im Leben verbliebenen / wehlen vnnd zu geben können. Welches also in das künfftig allezeit obbeschriebener Gestalt / wie von Vns / Vnsern Erben vnnd künfftigen Königen in Böheimb / also auch von jhnen den Ständen sub vtraque vnd Defensorn obseruiret vnd gehalten werden solle. Wann auch jemand auß den Vereinigten allen dreyen Ständen sub vtraque dieses Königreichs / ausserhalb den Kirchen / vnnd Gottshäusern / welche sie jetzundt halten / vnnd jhnen vorhin zuständig (bey welchen sie auch friedlich geschützt vnd erhalten werden sollen) jrgendt in Stätten / Stättlein vnd Dörffern oder anderswo / wolte oder solte mehr Kirchen oder Gottshäuser oder Schulen / zu Vnderweissung vnd Aufferziehung der Jugendt / auffrichten vnd bawen lassen; dasselbe soll gleich / wie den Herren vnd Ritterstandt also auch den Pragern Berg-vnnd andern Stätten in gemein / vnnd einem jeden insonderheit / an jetzo vnnd ins künfftig zu thun von männiglichen vngehindert frey vnnd offen stehen. Weil dann auch in vielen Vnsern Königlichen vnnd auch der König in Stätten dieses Königreichs / nicht wenig sub vna vnd sub vtraque vnder einander wohnen / deren wegen ist diß Vnser sonderer Will vnd Befelch / daß zu Erhaltung Lieb vnnd Einigkeit / ein Part der andern in Vbung jhrer Religion vnd Kirchen Ordnung / nicht eingreiffen / oder fürschreiben / die Begräbnuß todter Leichnam in Kirchen / vnnd auch Kirchhöffen / wie auch das Läuten nicht abschlagen vnnd verbieten / vnnd also von heutiges Tags dato an / keiner / wie auß den höhern vnnd freyen Ständen / also auch den Stätten / Stättlin vnd Bawrsvolck / weder von jhrer Obrigkeit / noch von keinem andern Geistlichen vnd Weltlichen Stands Personen / von seiner Religion abgedrungen / vnd also zu einer andern / es sey durch Gewalt oder listige erdachte Fündlein / gezwungen vnd abgeführet werden solle. Vnd ist also diß alles auff nichts anders / als zu Erhaltung Lieb vnd Einigkeit / trewlich gemeynt vnnd angeordnet. Derowegen versprechen Wir bey Vnsern Königlichen Worten / daß alle drey vereinigte Ständte / so sich zu der Böhmischen Confession bekennen / sampt jhren Nachkommenden / bey allem obgesatzten von Vns / Vnsern Erben vnd zukünfftigen Königen in Böheimb / gantz vnd vollkömlich ohne Verwirzung sollen gelassen / erhalten vnnd geschützet werden. Inmassen wir sie dann in dem Religions Friede deß Heyl. Reichs / als ein vornehmes Gliedt desselben gäntzlich mit einschliessen: Soll auch jhnen hierin ins künfftig / weder von Vns / Vnsern Erben vnd künfftigen Königen in Böhmen / noch von andern Geistoder Weltlichen Personen / zu künfftigen vnnd ewigen Zeiten eine Verhinderung oder Eintrag nicht geschehen / noch verstattet werden. Wider solchen obgedachten auffgerichten Landfried / vnd den Ständten sub vtraque von Vns widerfahren Versicherung / wollen Wir nicht daß eintzige Befelch oder etwas dergleichen welche die geringste Verhinderung desselben vervrsachen möchten / von Vns / Vnsern Erben vnd Künfftigen Königen in Böheimb / oder jemandt anders / außgehen oder angenommen werden sollen. Vnd im Fall dergleichen etwas außgienge / oder von jemandt angenommen würde / soll es doch vnträfftig seyn / vnd auff den Fall weder mit Recht / noch ohne Recht / etwas gevrtheilet oder außgesprochen werden. Wie dann wir auch dar gegen alle andere Befelch vnd mandata, so vor diesem wider die Ständt sub vtraque, so sich zu bemeldter Confession bekennen von was jmmer Orten außgegangen seyn / in Gegenwärtigkeit auff heben / vernichten / Todt erkennen vnd halten: Daß also alles / was die Stände an jetzo vnd zuvor / bey Bestättigung dieses Articuls begehrt / sampt allen dem / was in zwischen vnd vorgelauffenem / weder jetzo / noch ins künfftig / zu einigem Nachtheil oder Abbruch deß ehelichen Leynmuth / oder ander Beschwerung vnd Anstössen / allen dreyen Ständen in gemein vnd insonderheit / von Vns / Vnsern Erben vnd künfftigen Königen in Böhmen / nicht gerechnet / oder bemeldten Ständen vbel angezogen vnd gedeutet werden soll vnd dieses zu künfftig-vnd zu ewigen Zeiten.
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Befehlen hiemit allen Vnsern Obristen Officirern / Landrechtsbesitzern vnd Räthen / auch allen Ständen vnd Einwohnern dieses Königreichs / so an jetzo vnd künfftig seyn werden / Vnsern lieben getrewen / daß jhr gemeldte Herren / Ritterschafft / Präger-Berg- vnd andern Stätten / alle drey Ständen dieses Königreichs / sampt allen jhren Vnterthanen / in Summa alle die sub vtraque welche sich zu dieser Böhmischen Confession bekennen / bey dieser Vnserer Versicherung vnd Majestät / wie dieselbige in allen Articuln / Sententzen / vnd Clausuln lautet / vertrettet vnd schützet / selbst jhnen hierin einigen Eintrag nicht thut / viel weniger andern thun wirdt / vnd diß bey Vermeydung vnsers Zorns vnd Vngnad. Vnd wöllen vber diß / da jemandt / es sey von Geist- oder Weltlichen Personen / diese Majestät zu vbertretten sich vnterstunde / so erkennen wir Vns schuldig / sampt Vnsern Erben vnd künfftigen Königen in Böhmen / wie auch den Ständen dieses Königreichs zu einem jeden deroselben / als einem Verhinderer vnd Zerstörer deß gemeinen Friedens / zu greiffen / die Stände hergegen bey dem Jhrigen zu schützen vnnd zu verthätigen / wie solches in der Landtsordnung der Articul von Beschützung deß Landes / guter Ordnung vnd Rechten desselben klärlich außweiset. Endlich befehlen wir den grössern vnd mindern Officirern bey der Landtaffel dieses Königreichs Böhmen / daß sie zu künfftiger Gedächtnuß diesen Brieff vnd Majestät in der Landtags Relation / welche bey diesem Landtag von allen dreyen Ständen dieses Königreichs Böheimb bey der Landtaffel geschehen wirdt / in die Landtaffel mit einleiben / vnd hernach diß Original zu andern Freyheiten vnnd Land Privilegien auff Carlnstein legen vnnd verwahren lassen / sc. In gleichem haben auch die Stände sub vna vnd sub vtraque vnder einander eine Vergleichung / vnder dem in dem Majestät Brieff bemeldten dato auff gerichtet / welche der Landtafel einverleibet worden / nach folgenden Innhalts: Weil von Jhrer Keyserl. Majest. den Ständen sub vtraque, durch den Majestät Brieff eine Versicherung gethan / jhre exercitium Religionis offentlich vnd frey ohn alle Verhinderung zu gebrauchen / auch vber das das vndere Cösistorium vnd die Prägerische Acade miam in jrem Gewalt gegeben worden: Als werde es diß falls bey gemeltem Majestät Brieff verlassen. Es solte auch je ein Standt den andern / wie die sub vna die sub vtraque, also auch die subvtraque die sub vna bey jhrem Gottesdienst / Kirchen / Klöstern / Collegien / Aussatzungen vnd andern örtern / so jedes Theil besitzet / sampt den dazu gehörigem Einkommen vnd Gefällen vnmolestiret verbleiben lassen. In gleichem wo Jhre Keys. Maj. oder jemand anders auß den höhern Ständen sub vna oder sub vtraque auff Jhre Herrschafften einen Priester sub vtraque, so von dem Ertzbischoff zu Prag geweyhet were / einsetzen wolten / sie dessen berechtiget seyn solten. In welcher Gemein oder Kirchenspiel sich jemand befinde / der sich nach einem Priester sub vtraque so von dem Ertzbischoff zu Prag geweihet worden / richten wolte / derselbe nach seinem Willen (doch ohne Vervrsachung einiges Zwitrachts oder Verhinderung) solches zu thun Macht hette. Es solte niemandt deren sub vtraque bey den Kirchen vnd Pfarren deren sub vna, noch hergegen jemandt von diesem bey jener Kirchen ohne Wissen vnd Willen deß Collatoris oder Geistlichen Vorstehers der selben Pfarr begraben werden: wo aber Leute sub vtraque??? zu einer Pfarr sub vna gehöreten / vnd dahin Zehende vnnd andere Gülten reicheten / die sollen ohn sonderliches ansuchen der Orten begrabë werden. Gleicher Weiß solte es auch auff der andern Seiten gehalten werden. Vnd da ein Collator oder jemand anders die Begräbnuß einem nicht verstatten wolte / dem sollen auch die zehenden oder andere Gülten nicht mehr hinfüro gereichet werden / sondern es möchte sie jhre Obrigkeit / wo es jhme beliebte / zu einer andern Pfarr wenden / vnd daselbst die Begräbnuß auffrichten. In welchen Orten aber die sub vtraque jhre eygene Kirchen vnd Begräbnuß / oder mit denen sub vna in gemein nicht hetten / die möchten nach Außweissung deß Majestät Brieffs jhnen Kirchen erbawen / auch gewisse Ort zu jhren Begräbnussen aussetzen. So auch jemandt mit dem andern wegen einer Collatur in einem Rechtsstreitt / vor dieser Vergleichung gerathen were / so solten die Parthen deß Rechtlichen Entscheids erwarten / vn̅ solte der jenige / so die Collatur begerte / dem Besitzer kein Eintrag thun oder sich einmischen / ehe jhm solches durchs Recht zugesprochen worden. Weil nun diese Vergleichung dem Majestät-Brieff / gar nichts zu wider lieffe: Sondern in allem mit demselben vbereinstimmeten / als liessen es jhre Majest. dabey bewenden vnd solche mit deß Königreichs Insigel bekräfftigen. Ferners ist auch eine Vergleichung vnd gewisse Articul von Verordnung / Gewalt vnd Verrichtung der Defensoren / deßgleichen wegen der Vbergab deß Consistorii vnnd der Academien / auch (Articul vnd Vergleichung / von Verordnung / Gewalt vnd Verrichtung der Defensoren / deßgleichen vö Vbergab deß Consistorii vnd der Academien / auch dem rechtlichen Außtrag in vorfallenden Religionsstreittigkeiten.) dem Rechtlichen Außtrag in vorfallenden Religions Streittigkeiten / auff gerichtet worden / so also gelautet: Nachdem Jhre Keyserliche Majestät / als König zu Böheim / durch dero Keyserlichen vnd Königlichen / allen dreyen Ständen dieses Königreichs sub vtraque so sich zur Böhmischen Confession bekennen / vber das freye exercitium Religionis ertheilten Majestät Brieff / vnter andern in solchem Majestät Brieff gesetzten Articuln / hierzu gnädigst bewilligt: daß gleichfalls die Vereinigte Stände / vber daß ihnen in jhre Gewalt gegebene Prägerische Consistorium vnnd Academiam, auß jhrem Mittel gewisse Personen zu Defensorn verordnen möchten: Mit diesem Anhang: So viel Personen auß jhrem Mittel die Ständte sub vtraque zu Defensorn vber diß Prägerische Cösistotium
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vnd Academiam, auß jhrem gesampten Beschluß / von allen dreyen Ständen in gleicher Anzahl ordnen / vnd Jhrer Keys. Majest. als jhrem König vnd Herrn mit Nahmen auff gezeichnet vbergeben würden / daß Jh. Keyserl. Majest dieselbe Personen alle / welche also auff gezeichnet vberreicht werden / keinen auß genom̅en / ohne Ziehung in andere Pflicht oder Instruction vber die jenige / so jhnen von den Ständten anvertrawet werden wird / von dem Tag der vberreichten Verzeichnuß anzurechnen / inner zweyen Wochen darauff folgendt / hierzu beträfftigen / vnd sie zu solchen Defensorn publiciren wollen vnd sollen: jnnmassen gedachter Majestätbrieff in diesem Artickul weiters außweiset. Welchem nach nun die Ständte beyder Gestalt / bey Jhr. Keyserlichen Majest. dieses in aller Vnterthänigkeit gesucht / damit Jhre Keyserliche Majestät hierzu gnädigst bewilligen wolten / daß sie die Ständte sub vtraque??? solchen defensoribus, so von jhnen verordnet würden / die Vertrettung vnnd Beschützung jhrer Religion / vnd Versehung Consistorii vnd Academien in jhren Gewalt geben köndtë / als haben Jhr. Keys. Majest. mit allen dreyen Ständten dieses Königreichs sich verglichen / vnd hierzu gnädigst bewilligt. (Facultas componëdi, transigëdi & reformandi concessa.) Erstlich / daß alle diese drey vereinigte / vnd zu erwehnter Böhmischen Confession sich bekennende Ständte / sub vtraque, den angeregten defensoribus werden diese Macht geben können / daß sie auff alles das jenige / so jhrer der Ständt Religion sub vtraque, so wol die Versehung deß Consistorii vnd der Academien betrifft / wie alles in guter vnd friedlicher Ordnung erhalten möge werden / gute Achtung geben: vnnd da es vonnöthen / vnter denen sub vtraque allein / jrgend was anzuordnen / zu componirn oder zu reformirn / dasselbe ohn alle Hindernuß / vnd ohne Jhr. Keys. Majest. Bemühung / thun. ( Iura conuocandorum conuentuum.) Deßgleichë / ob es die Notturfft erforderte / hierzu die obriste Landofficirer / Landrechtsitzer vnd Jhrer Keys. Mai. Räthe deß Hoff- vnd Cammerrechtens / so wol andere Jhrer Keyserl. Majest. Böhmische Räthen nur allein die so vnter beyder Gestalt / vn̅ sich zur Böhmischë Confession bekennen / vnd auß jedem Kreyß bey sechs Personen auß der Gemein / von allen dreyen Ständen vnder beyder Gestalt / in gleicher Anzahl / zu Berathschlag- vnd Erörterüg derselbë Sachen gen Prag erfordern / solche ( Cognitio & decisio causarum ecclesia sticarum, statibus tradita.) mit jhnen erwegen / vnd zu Ort vnd Ende bringen sollen. Im Fall sie auch in solcher Anzahl jrgend was selbsten nit erörtern köntë / sollen sie die jenige Sach / biß auff den nechsten darauff folgenden Landtag verschieben / vnd alsdann bey solchem Landtag die vnter beyder Gestalt / so sich zur Böhmischen Confession bekennen / selbsten vntereinander in mehrer Anzahl auß der Gemein / welche (Renunciatio & abdicatio cognitionis Regiae.) bey solchem Landtag sich versamlen werdë / berathschlagen / schliessen vnd zu einem End bringen. Darinnen nun jnen weder von Jhrer Königl. Majest. künfftigen Königen zu Böheim / noch von dem Theil sub vna, einige Hindernuß zugefüget werden soll. Jedoch bey solcher Berathschlagung vnd Anordnung sollen die sub vtraque, in dem sie jhre eygene Sachen erwegen / nichts dergleichen berathschlagen noch schliessen / so wider Jhr Keys. Maj. als Königen zu Böheim / so wol wider die sub vna, noch den deren sub vtraq; ertheilten Majestät Brieff / vnd die zwischen beyden Theilen auffgerichte / vnd in die Landtaffel einverleibte Vergleichung seyn möchte. ( Iudicium formatum, seu omnis cognitio in controuersiis religionis commissa, ex lege publica.) Sondern wann zwischen denen sub vna vn̅ sub vtraque, in für fallendë die Religion betreffenden Sachen / jrgendt ein Streit entstünde / also daß ein Person die andere / auß den Geistlichen oder Weltlichen / wegen der Religion schmehen vnd verachten / oder einer dë andern / die zu seiner Pfarr billicher Weiß gehörige Zehenden vnd Zinsen / entziehen / oder in sein Pfarr oder Collatur jrgend ein Griff thun / oder aber in seinem exercitio Religionis einige Hindernuß oder Bedrangnuß wider offtgemeldten Majestätbrieff / vnd die bey diesem Landtag zwischen denen vnter einer vnnd beyder Gestalt auffgerichte Vergleichung / zu fügen würde: So haben Jhre Keys. Maj. damit man wegen solcher Bedrangnussen vnd fürfallenden Differentzen / nicht allezeit einen Landtag legen dörffte / mit allen dreyen Ständten sich dahin entschlossen / vnd zu recht statuiret: Wann jemanden auß den sub vtraque, von einem sub vna jrgende Widerwärtigkeit zugefüget / oder was hinterhalten werden wolte / daß die von denen vnter beyder Gestalt erwehlte defensores, erstlichen solche fürgefallene Sach / mit dë obristen Landofficirern / Landrechtsitzern / vnd Jhrer Keyserl. Maj. Räthen deß Cammerrechts / deßgleichen denen Personen auß der Gemein / allen auß deren sub vtraque, welche sie hierzu auß allen Kreysen in der Zahl / wie oben berührt / beschicket hetten / anfänglich berathschlagen / nach Jhrer Keys. Maj. Vorbringen / vnd vmb Versorgung bitten / Jhre Keys. Maj. auch alsbald die Parthen / welche es angehen wirdt / auff das Prager Schloß / in die Landstuben / wo man das Landrecht helt / von dem Tag deß Anbringens auff sechs Wochen veranlassen / ein Relation wegen Zeugenführung zur Landtaffel thun / vnnd hierzu ein ordentlich Recht / von zwölff Personen auß denen sub vtraque, so die Defensorn vnd Obristen Landofficirer / Landrechtsitzer / auch Jhre Maj. Räthe / bey Hoff- vnnd Cammerrechten / sampt denen auß der Gemein erforderten Personen darzu erwehlen / den andern zwölff Personen deren sub vna, welche die Ständte vnter einerley Gestalt dieses Königreichs / vnter sich gleichfalls erwehlen werden / besetzen / den Parthen ein gewisse Zeit benennen vor außgang sechs Wochen verhören / vnd durch einë rechtlichë Endschied / vmb obgeschriebene zufällige Sachë ein End machë sollen. Gleicher Gestalt da jemandë auß denë sub vna, von einem / wer d'??? wer / auß denë sub vtraq; in diesen oberwehnten Sachen zu kurtz geschehe / oder was vorenthalten würde / soll es ebener massen von dë Officirern / vnd Landrechtsitzern deren vnter einer Gestalt / Jhrer Keys. Maj. vorgebracht / vnd dißfalls mit Besetzung deß Rechts vn̅ rechtlichen Endschied / allermassen / wie obgedacht / gehaltë werdë. Auch ein jed??? / er sey Geistlichë oder Weltlichë Stands / schuldig / [12] sich vor solchem Recht zu gestellen / vnd deme / was jhme allda zu erkennet wird / gnug zu thun vnd nach zukommen. (Executio publica.) Wolte aber zu solchem Rechten jemandt sich nicht gestellen / vnd dem Anspruch gnug thun / soll alsdann gegen jedwedern solchen verfahren werden / wie die Landtsordnung D. 49. außweiset. Vnd zu solchem Recht sollen die jenigen / welche vorhin kein Pflicht zu jhrem Ampt vnd Dienst nicht hetten / ein sonderlichen Eyd thun. Die andern aber auff jhr vorig Jurament vrtheilen vnd richten. (Derogatio & cassatio omnium rescriptorum.) Doch werden bey solchem Recht / wann es gehalten wird / alle Rechtsitzer darauff wol Achtung geben / daß sie nichts dergleichen beschliessen oder außsprechen / welches im geringsten wider offters erwehnte Majestät / vnd deren darinnen verfasten Vereinigung / also auch wider die mit den Ständen sub vna getroffene Vergleichung seyn möchte / sintemaln in solchem Majestät vnter andern Articuln auch dieses gesetzt ist / daß diesem oberwehnten von der Religion gemachten Fried / vnd jhnen den Ständen vnter beyderley Gestalt von Jhrer Majestät erfolgten starcken Versehung zu wider / keine Befelch / auch nichts dergleichen / so jhnen in dem geringsten zu Verhindernuß oder dessen Verenderung gereichen wolt / weder von Jhrer Keyserl. Mayest. deren Erben / oder künfftigen Königen zu Böheim / oder jemandt andern / außgehen / noch angenommen: Vnd ob auch gleich was ergienge / oder von jemanden angenommen würde / es doch kein Macht haben / auch in solcher Sachen weiter nichts / es sey rechtlich oder ausser diesen / gevrtheilt noch gesprochen werden soll. Dabey es nun diß falls gelassen wird. ( Erste offentliche Predigt derë sub vtraque nach Erlangung deß Majestätbrieffs zu Prag gehalten. Schlesische Fürsten vn̅ Stände erhalten auch priuilegia vber jhre Religionsvbung.) Als nun obgesetzter massen alles also der Religion halben verglichen / ist den 15. Julij darauff zu Prag die erste offentliche Evangelische Predigt in einer Hussitischen Kirchen / welche lange Zeit verschlossen gewesen / in Teutscher Sprach / nach Außweissung der Augspurgischen Confession gehalten worden. Es wolten aber doch nach solchem die Böhmischen Stände jhrem geworbenem Volck nicht abdancken / biß auch den Schlesiern das freye Exercitium Augspurgischer Confession bestättiget würde. Als nun solches vnlang hernach geschehen vnd dieselbe gleichfalls eine Religions Freyheit erlanget / ist enolich das Kriegsvolck abgeschafft worden. Der Schlesische Majestät Brieff hat also gelautet: ( Keyser Rudolffs Majestät-Brieff / wegen der Religion den Fürsten vn̅ Ständen in Schlesien gegeben.) Wir Rudolph der Ander / von Gottes Gnaden erwehlter Römischer Keyser / sc. Bekennen für Vns / Vnsere Erben vnd nachkommende Könige zu Böheimb offentlich mit diesem Brieff. Demnach Vnsere getrewe vnnd gehorsame / der Augspurgischen Confession zugethane Fürsten vnnd Stände / in Ober- vnnd Nider Schlesien / verwichener Zeit / durch jhre Gesandten / den Wohlgebohrnen / vnnd die Ehrnveste / auch Gelahrte vnnd Ehrsame / Vnsere liebe / getrewe / Weickhart von Promnitz / Freyherrn zur Pleß auff Soraw / Tribel / vnnd Hoyerwerda / Hans Georgen von Zedlitz / auff Stroppen / Sigmunden von Burghauß auff Stoltz / Andreas Geißlern der Rechten Doctorn / vnd Wentzel Ottern / vnd andern deß Landes Beschwerden / zuförderst / vnd fürnemlichen / von vns / als regierendem Könige zu Böheim vnd Obersten Hertzoge in Schlesien / aller vnterthänigst gebetten / daß sie bey der Augspurgischen Confession / dero freyen exercitio gelassen / vn̅ dessen von vns gnugsam versichert werden möchten: Wir auch sie vnterm dato den 16. Tag deß Monats Decembris nechsiverflossenen Jahres / mit mehrer Außführung gnädigst dahin beschieden / daß wann ein jeder bey dem jenigen / wessen er befugt vnd berechtigt / verbliebe / vnd nit davon gedrungen würde / wir jnen nachmals kein Vnbillichkeit zuzufügen / verstatten / sondern es in Glaubenssachen allerdings bey deme / wie es bey Vnserer Hochgeehrten Vorfahren / als Keysers Ferdinandi vnd Maximiliani Zeitë gehalten worden / vnd wie wir es bey vnser angehenden Regierung befinden / in Gnaden beruhen lassen wolten. Vnd aber Vns bey dieser jetzigen Absendung / sie ferner vnterthänigst fürbringen lassen / daß jhnen solche Resolution darumb beschwerlichen fallen wolte / weil dieselbe conditioniret / vnd dardurch den Catholischen / der Augspurgischen Confessionsverwandten / Streit zu erregen / anlaß gegeben würde mit vnterthänigster Bitte / daß in puncto Religionis ebener massen / wie wir gegen Vnsern Ständen deß Königreichs Böheim sub vtraque Vns gnädigst resoluirt / auch jhnen den gehorsamen Fürsten vnd Ständen / mit gleichmässiger Satisfaction allergnädigst vns zuerzeigen / geruhen wolten. Wann wir dann gnädigst angesehen solch Vnserer gehorsamen vud getrewen Augspurgischer Confessionsverwandte Fürsten vnnd Stände vnterthänigstes Flehen vnd Bitten / beynebens auch wahr genommen / die vielfaltige vnd grosse Beschwerungen / so wie hin vnd wider / also im Lande Schlesien / auß den Religions Strittigkeiten erwachsen / vnd biß dato sich erhalten haben / hinfüro auch noch mehr (wofern / wie biß dieser Zeit geschehen / ein Theil gegen dem andern / sein Recht vnnd Gerechtigkeit / welche sie gegeneinander vor Alters / wie auch vor Antrettung Vnserer Regierung / zu Stifftern / Klöstern / Kirchen / Consistoriis, Renten / Zehenden / Einkommen / vnd allen andern Zugehörungen / siue ex prima fundatione, aut ex iure patronatus, vel alio quouis titulo, wie solcher erdacht / auffgesucht / vnd herfür gezogen werden könte vnnd möchte / gehabt / im Petitorio rügen / eyffern / deßwegen einander turbiren vnnd bedrängen solten) sich gar leicht vberheben vnd vberhäuffen möchten: Diesem nach vnd damit solchem Vnrath in der Zeit vorkommen / vn̅ wie in allen andern Vnsern Königreichë vn̅ Landë / also auch im Lande Schlesien / vnter beyder Religionen / nemlich den Catholischen vn̅ Augspurgischen Confessionsverwandten / Vnsern gehorsamen Fürsten vnd Ständten / vnd getrewen Vnterthanen / jtzo vn̅ allezeit standhaffte Liebe / Fried / Einig- vnd Vertrawlichkeit / zu [13] auffnchmung deß gemeinen Rutzens / gepflantzet und erhalten / auch fürbaß kein Theyl dieser beyder bewilligten Religionen / in seinem Possess vnd Exercitio bedrängt / sondern dabey geruhiglich / ohne männliches Einhalt / gelassen werden möchte: Als haben wir in Betrachtung dieser aller jetzt gesetzten / vnd sonsten vieler andern erheblichë Vrsachen vnd Motiven / bevorauß / deren vns von obgedachten vnsern gehorsamen Fürsten vnnd Ständen / in allen vnd jeden / die gantze Zeit vnserer Kayserl. vnnd Königlichen Regierung vorgefallenen Angelegenheiten / mit so standthaffter trewen gantz nützlichst vnd willigst geleystë Diensten / welche jhre Trewhertzigkeit / sie auch noch ferner zu continuiren sich gehorsambst anerbieten auff gehabtem gnugsamen Bedacht / vnd mit vnserm guten Wissen vnd Willen / auch zuvor mit vnserer Obristen Landtofficirer / Landtrechtsitzer / Edlen / Räthen / vnd lieben getrewen vnsers Königreichs Böheim / gepflogenem reiffen Rath / den Articul die Religion betreffend / gnädigst da???in vermittelt vnnd beschlossen / vnnd zu desto beständiger währenden Festhaltung / gedachten vnsern Gehorsamen Augspurgischer Confessions-Verwandten / Fürsten vnd Ständen / vnd getrewen Vnterthanen / solches alles mit darüber Ertheylung dieses vnsers Kayserl: vnd Königlichen offenen Mayestät Brieffs / versichert vnnd bestätiget. Erstlich: Demnach die Catholischen im Lande Schlesien / jhr freyes vnd vngehindertes Exercitium Religionis haben / in welchem jhnen die Augspurgische Confessions-Verwanden keinen Eintrag thun / oder Ordnung geben / viel mehr sie bey jhren. Kirchen / Gottesdienst / Ceremonien / Clöstern / Schulen / Pfarren / Stifftungë / Zehenden / Zinsen / Accidentien / Einkommen / vnd alten Gebräuchen / wie solches alles biß anhero vnd zu dato sie in Besitz gehabt / dieser Vnser Mayestät / vnd dem interdicto, Vti possidetis ita possideatis, gemäß / rühig vnd ohne Verhinderung bleiben lassen sollen vnd wollen: Diesem nach vnd damit hierinnen eine Gleichheit gehalten werde / bewilligen wir vnd geben Macht vnnd Recht dazu / daß die gehor samen Fürsten vnd Stände / vnnd als alle vnd jede Einwohner deß gantzen Landts Schlesien / sie seyen vnter Geist- oder weltlichen Fürsten / Herrn / Commendatorn / auch in Vnsern Erb-Fürstenthumbern gesessen / auff dem Lande / Stätten vnd in Dörffern / welche der Augspurgischen Confession verwandt seyn / vnd sich zu derselben bekennen / keinen außgenommen / jhre Religion laut jetzterwehnten Consession / frey vnnd vngehindert vberall / an allen Orten vben vnnd verrichten / bey solcher jhrer Religion / Priesterschafft vnd Kirchen Ordnung / welche jetzo bey jhnen ist / oder dieser Confession gemäß / möchte auffgerichtet werden / Fried-vnd geruhiglich verbleiben / keiner auß denselben zu einer andern Reliligion / als wie sie bißhero gehabt / vngeachtet / vnter welcher Geist- oder weltlichen Obrigkeit einer gesessen / oder sich auff halten thut / gedrungen oder derowegen verjagt / viel weniger bloß vnnd allein der Religion halben / ab officiis removirr, vnnd also auff keinerley weiß noch weg / in jhren Gewissen bedrängt oder betrübet / sondern vielmehr alle vnd jede / dieser Augspurgischen Confessionsverwandte / bey deroselben / auch bey allen jetzo inhabenden Kirchen / Gottesdienst / Ceremonien / Schulen / Pfarren / Klöstern / Stifftungen / Zehenden / Zinsen / Accidentien / Einkommen / allermassen wie sie solche bißhero im Besitz vnnd Gebrauch gehalten / ruhig vnd vnangefochten gelassen werden sollen. Zum andern wöllen vnd ordnen Wir / daß alles das jenige / was ein Theil zu dem andern / Catholische so wohl als der Augspurgischen Confessions Verwanden / vor Alters / wie auch vor vnd nach Antrettung Vnserer löblichen Regierung / zu Stifftern / Klöstern / Kirchen / Consistoriis, Renten / Zehenden / Einkommen / vnnd allen andern Angehörungen / sive ex prima fundatione, aut ex jure patronatus, aut ex alio quovis titulo, wie solcher in petitorio erdacht / außgesucht / oder herfür gezogen werden könte oder möchte / berechtiget gewesen / oder zu seyn vermeinet / gantz ruhig / vnnd ein jeder bey deme / was er besitzt / insonderheit Kirchen vnd Schulen / vnangesehen wem solche für Alters zugehöret / vnd deßwegen noch jhr jura patronatus darauff praetendiren möchten / verbleiben / vnd deßwegen kein Theil das ander / mit oder ausser Recht / anfassen / darinnen turbirn oder im wenigsten bedrangen soll. Zum dritten verwilligen wir auch dieses: Da jemandt auß den Fürsten vnd Ständen / ausser denen Kirchen vnd Gottshäusern / welche sie jetzo jnne haben / halten / oder sonstenjhnen zuständig seynd (bey welchen sie auch friedlich geschützt vnd erhalten werden sollen) etwa in Stätten / Stättlein / Dörffern / oder anderswo / wolte oder woltë / mehr Kirchen / Gottshäuser oder Schulen / zu Vnterweiß-vnd Aufferziehung der Jugend auffrichten vnnd bawen lassen / daß solches / gleich wie den Fürsten vnd Herren Ständen / vnd derselben allerseits vnterthanen / also auch den Erbfürstenthumben / so wol in Stätten als auff dem Lande in gemein vnnd einem jeden insonderheit an jetzo vnd ins künfftig zuthun / frey vnd offen stehen soll / von männiglich vngehindert. Zum vierdten / wollen Wir auch den Augspurgischen Confessions-Verwandten Fürsten vnnd Ständen / diese sondere Gnad thun / daß die jenige Fürsten / so zu Zeiten Vnserer hochgeehrten Herren Anherrns vnd Herrn Vatters / auch bey Antrettung Vnserer Regierung / jhre Consistoria gehabt / vnd biß dato erhalten / dabey nun vnnd hinfüro allezeit / von männiglich vnbeirret seyn vnd bleiben / auch daß denen andern Augspurgischer Confession Fürsten vnd Ständen / so hiebevor keine Consistoria gehabt / newe auffzurichten / vnd allermassen mit denselben / wie die andern / so die jhrige bißhero gehalten in Ordination vnnd Ehesachen zuverfahren / freystehen soll. Dabey wir dann insonderheit den Erb Fürstenthumbern gnädigst frey stellen / daß sie es in ordinationibus, wie vor diesem beschehen / ins [14] künfftig halten / vnd die Pfarrherrn ordinirn lassen. In Ehesachen aber / sich entweder der Augspurgischen Confessions-Verwandten Fürsten vnnd Stände in Schlesien gebrauchen / oder aber durch jhre Hauptleute / vnd die vom Landt darzu verordnete Personen Augspurgischer Confession / an einem gewissen Ort / ein General Consistorium auffrichten mögen: Jedoch auff vnser gnädigst ratification / so innerhalb eines Monats nach beschehenem jhrem gehorsambsten Anbringen / erfolgen / oder in Verbleibung dessen / wie es auffgerichtet / gehalten / vnnd von jhren Deputirten ohne allen Eintrag dirigirt werden soll. Dahin dann sie alle vnnd jede Ehesachen remittiren mögen / mit diesem außdrücklichen Vorbehalt / das in erwehneten Heyrats: vnd Ehesachen / wie bey diesem / also auch in allen andern Consistorien / fleissig Auffacht gegeben werde / damit niemandt zu nahe mit dem Geblüte sich vermische / vnd da es je beschehen / solte der modus coercendi & puniendi allermassen / wie es im Heyligen Römischen Reich / vnter den Augspurgischen Confessions-Verwanden / vnd deren wohlbestelten Consistoriis, in vblichen Brauch bißhero gehalten / observiret werden. Zum fünfften / sollen die Begräbnuß todter Leichnamb / in Kirchen vnnd auff Kirchhöfen / wie auch das außleuten / den jenigen / so dazu gepfarret / nicht abgeschlagen / gleichwol aber bey den Catholischen Kirchen vnd Pfarren / den Augspurgischen Confessions Verwandten / anders nit / dann Vermöge derer daselbsten gebräuchlichen Ceremonien / hinwiderumb auch den Catholischen / bey deß andern Theils Pfarren ebener Gestalt zugelassen vnd ertheilet werden / vnnd daß es je beschehe / von den Eingepfarreten / die zur Zeit / so gestalten Verwegerung gebührende / vnd sonst zur Kirchen oder Pfarr schuldige Rent vnd Decem zuentrichten entnommen / vnd jhre Obrigkeiten dieselben zu einer andern Pfarr / da es jhr gefällig zuverwenden / vnnd daselbst sie begraben zugelassen befugt seyn. Wegen frembder Personen vnd Leychen aber / soll dieses alles mit deß Collatoris, oder Pfarrers selbigen Orts / gutem Wissen vnnd Willen verrichtet werden. In welchen Orten aber vnnd Stätten / die jenigen so der Augspurgischen Confession seyn / jhr eygene Kirchen vnd Begräbnuß / oder gesambt mit den Catholischen nicht hetten / dieselben sollen vermöge dieser vnser Confession / wie Kirchen vnd Gotteshäuser / also Begräbnuß vnnd Kirchhöfe auffzubawen / auch stellen darzu außzusetzen Macht haben. Auff daß also hierinn zum sechsten viel gedachten Vnsern gehorsamen Fürsten vnd Ständen / auch allen andern Vnsern im Hertzogthumb Schlesien / vnnd Vnserer dahin habenden Erb-Fürstenthumbern getrewen Vnterthanen vnnd Einwohnern / nicht etwas verhinderliches seyn möge / so thun Wir hiemit alle Befehlich vnd Mädata, welche vor diesem wider die Augspurgischen Confessions-Verwandte / in specie aber die jenigen / so wegen verbottener graduum in Heyrathen vnnd andern in puncto Religionis außgangen seyn / in gegenwertig gäntzlich auffheben vnnd cassirn. Letztlich wollen Wir auch dieses / das zu erhaltung Lieb vnnd Einigkeit / eine Part der andern / Catholische so wohl als der Augspurgischen Confessions-Verwa̅dte / in so / wie vorhero gesetzt verwilligter Vbung vnd Gebrauch jhrer Religion / Kirchen-Ordnung vnd ertheilten Gerechtigkeit / nicht eingreiffen oder fürschreiben / die Geistliche in Weltliche / vnd hinwider die Weltliche in Geistliche Aempter sich nicht einmischen / viel weniger einander schmähen noch verfolgen / sondern nunmehr als Glieder zu einem Corpore gehörig einander lieben / ehren / fördern vnnd beyderseits für einen Mann / in allen vnsern deß Vatterlandes Notturfften / vnd Angelegenheiten / es sey in Mitleydungen / oder andern vnvermeidlichen Zufällen / beysamen als trewe Freunde stehen: Vnd in Summa also von heutiges Tages Dato an / keiner von dem andern / wie auß den Fürsten / Herrn vnd Ständen / also auch den Stätten / Stättlein vnd Bawersvolck / weder von jhren Obrigkeiten / noch von keinem eintzigen andern Geist: oder Weltliches Standes Personen / wegen der Religion bedränget / vnd zu einer andern / es sey durch Gewalt / oder anderer vnzimblicher Weise / gezwungen vnd abgeführet werden. Welches alles vnd jedes wie jetzt erzehlet / verwilligen / versichern / vnnd bestättigen wir hiemit auß regierender Königlicher Böhmischer Vollkommenheit / Macht vnd Gewalt / vnd als Obrister Hertzog in Schlesien / mäynen / setzen vnnd wöllen / bey vnsern Königlichen Worten versprechent / daß viel erwehnte vnsere Augspurgischer Confessions-Verwandte Fürsten vnd Stände / sampt andern obberührten vnsern deren Ort / Landen vnnd Erb-Fürstenthumbern / getrewen Vnterthanen vnnd Einwohnern / für sich vnnd jhre Nachkommen / bey allem dem was obgesetzt / von vns / auch künfftigen Königen zu Böheimb / vnd Obristen Hertzogen in Schlesien / biß zu einer Christlichen / vollkomlichen vnd endtlichen Vereinigung wegen der Religion / im Heyl. Römischen Reich / gantz vnd vollkömblich / in Fried vnd Ruhe gelassen / vnnd gleich andern bey dem Religions Frieden deß H. Römischen Reichs erhalten / das geringste jhnen hierinn / weder von Vns / noch wie obgedacht / all vnsern Nachkommen / oder aber vor ander / Geist: oder Weltlichen Personen / zu künfftigen vnd jeden Zeiten / einige Verhinderung oder Eintrag nit geschehen / noch verstattet / weniger wider solchen Religions Frieden / vnd diese vnsere Assecuration eintzige Befehlich / oder etwas dergleichen / so dessen geringste Verhinder: oder Veränderung vervrsachen möchte / von vns oder mehr erwehnten vnsern Nachkommen / oder aber sonsten jemandts andern außgehen / oder von jemandts anzunehmen anhalten / vnd im Fall gar etwas dergleichen außgienge / oder von jemanden angenommen würde / jedoch vnkräfftigseyn / vnnd dafür gehalten / auch auff solche Gestalt / weder mit oder ohne Recht / jcht [15] was gevrtheylet vnnd außgesprochen werden soll. Vnd gebieten darauff vnsern Ober-vnnd allen andern Hauptleuten / in Ober-vnnd Rider Schlesien / daß sie gemelte vnsere gehorsame Fürsten vnd Stände / sampt allen andern hierin vermeldt vnsern getrewen Vnterthanen vnnd Einwohnern in Ober vnd Nider Schlesien / so sich zu viel berührter bewilligter Augspurgischer Confession bekennen / bey dieser vnserer Versicherung vn̅Mayestät / wie dieselbe in allen Articuln / Sententz / vnnd Clausuln lautet / vertretten vnnd schützen / selbst jhnen hierinn keinen Eintrag thun / viel weniger andern zuthun verstatten. Vnnd wo vber diß jemandt / es sey von Gest- oder Weltlichen Personen / diese vnsere Assecuration vnnd Mayestät zuvbertretten sich vnt erstünde / zu deme vnd einem jeden deroselben / als zu einem Zerstörer deß gemeinen Friedens / an stat vnser / vnnd jhres von vns oder mehres erwehnet / vnsern Nachkommen / jhnen anvertrawten Amptshalben greiffen / vnd also viel ermelte vnsere gehorsame Fürsten vnnd Stände / festiglich schützen / beschirmen / vnd verthätigen sollen. Vnd diß alles bey Vermeydung vnsers / vnserer Nachkommen / vnd künfftigen regierenden Königen zu Böheimb / auch Obristen Hertzogen in Schlesien Zorns / schwerer Straff vnnd Vngnade. Alles getrewlich vnd vngefährlich. Vrkündtlich vnd vmb mehrer Sicherheit willen / mit vnserm Kayser-vnd Königlichem anhangenden grössern Insiegel bekräfftiget / sc. Weil nun die Sachen der Böhmischë Stände sub vtraque, obgehörter massen / nach jhrem Willen außgeschlagen / haben sie darauff zwar etwas Ruhe bekommen / aber doch selbige nicht lange behaltë / sondern in weniger Zeit hernach durch jhrer Mißgönner vnnd sonderlich der Jesuiten Practicken / wider verlohren / auch endtlich gar zum theyl das Leben drüber einbüssen / zum theil das Königreich Böheimb raumen vnd verlassen müssen.
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Es hat sich aber dieses also angefangen: Als (Apt zu Braunaw verwehret seinen Vnterthanen sub vtraque eine Kirche zubawen.) die sub vtraque hin vnnd wider auff Weltlichen Boden (in Böhmen) zu jhrem Religions Exercitio vermög jhrer erlangten Freyheiten Kirchen auffbaweten / haben auch die Innwohner deß Stättleins Braunaw / welches dem Apt deß Closters zu Braunaw zuständig war / eine Kirch zu bawen angefangen. Weil nun die Römisch-Catholischen die in dem Mayestät-Brieff vermeldte Freyheit / Kirchen zu bawen / von den Vnderthanen Geistlicher Obrigkeiten nicht wolten verstanden haben. Ja vber diß auch / daß in dem Mayestät-Brieff allein den Ständen deß Königreichs Kirchen zu bawen zugelassen würde / der Vnderthanen aber / vnnd fürnemblich der Geistlichen / keine Meldung geschehe / behaupten wolten / als hat gedachter Apt zu Braunaw solchem Werck sich starck widerleget. Wie aber sein Abmahnen vnd Verbott nichts (Apt zu Braunaw klaget Rayser Matthiae seiner Vnderthanen Beginnen. Braunauwer von K. Matthia von jhrem Vorhaben abgemahnet.) helffen wöllen / solches Kayser Matthiae, als er erstmals Anno 1611. die Regierung deß Königreichs Böheimb angetretten / geklaget / welcher sie von dem vorhabenden Baw abzustehen vermahnet: Sie / die Braunawer aber suchten wider solchen Befehl bey den Defensoren zu Prag schutz. Worauff dieselbe die Landt-Officirer / Käyserliche Räthe vnnd auß jeder Provintz sechs Personen zusammen erforderten / vnnd jhnen die Sachen fürtrugen. Da ward nun / daß die vnter Geistlicher Obrigkeit gehörige Vnderthanen deß(Braunauwer suchen Schutz bey den Defensoren zu Prag.) Mayestät-Brieffs auch geniessen solten erkant / vnnd deßwegen die Braunawer jhren Baw fort zu führen ermahnet; welche dann auch / weil sie diesen hinderhalt hatten / das angefangene Werck eyfferig forttrieben. (Defensorn zu Prag billigen der Braunauwer Sachë. Fürnembste vnder den Braunauwern zu Prag in Hafftung / genommen vnnd die Kirch gesperret.) Demnach nun vber etlich Zeit hernach / auff deß Apts ferrnere Klagen / die Kirchen jhme abzutretten vnnd die Schlüssel in die Böhmische Canceley zulieffern / jhnen durch Kayserliche vnd Königliche Mandat / aufferleget wurde: Sie aber doch dessen alles vngeacht / weil jhnen solches die Stände sub vtraque auff ein newes An. 1615. nach Innhalt jhrer Privilegien / für Recht erkenneten / diesem nicht folg leysten / noch auch von jhrem Vorhaben abweichen wolten / sind die vornembsten Häupter vnder jhnen (den Braunauwern) zu Prag in Hafftung genommen vnd die Kirchen mit Gewalt gesperret worden. (Clostergraber newgebawte Kirche eingerissen.) Vnder diesem Verlauff wurde auch in dem Bergflecken Clostergrab eine / von denen sub vtraque newerbawte Kirchen / zu welcher Auff führung etliche Chur vnnd Fürsten deß Reichs / vnd andere hohe Personen / grosse vnnd ansehenliche Stewern hergeben / von dem Ertzbischoff zu Prag / deme besagter Flecken zuständig / eingenominen / niedergerissen vnd geschleiffet. Es befande sich aber eben vmb diese Zeit Jhr Kays. Mayest. mit der Hoff haltung zu Wien in Oesterreich / dann nach dem Jhre May. gesehen / daß wegen jhres hohe Alters vnnd allerhandt zustehenden Schwachheiten / jhres Lebens Ende herbey nahete / wolte Jhr May. der Succession halben in beyden Königreichen Böheimb vnnd Hungarn / noch bey jhren Lebzeiten eine Richtigkeit treffen: ernennete deßwegen zu einem Successoren in denselben seinen Vettern Ertzhertzogen(Ertzhertzog Ferdinandt zum Böhmischen Rönig gecrönet.) Ferdinandum / welcher dann auch den 29. Junii im Jahr 1617. von den Böhmischen Ständen angenommen zu jhrem König erwöhlet vnnd gekrönet worden / vnnd nicht lang hernach auch in Hungarn / selbiges Königreich gleichmässig zu acceptiren abgereiset: dabeneben solcher Hungarischen Wahl vnnd Krönung desto näher beyzuwohnen Jhr Kay. Manest. Jhre Residens zu Wien / weil sie Leibs-Schwachheit halber nicht wohl weiter kommen kundte angestellet. (Defensores halten wegen der Clostergraber vnnd) Vnder diesem deß Kaysers Abwesen wurde den Defensoren zu Prag obberührter Proceß mit den Braunawern / vnd Clostergrabern geklaget / die sich deßwegen wider versambleten vnd(Braunauwer Sachë eine Zusam menkunfft zu Prag.) (weil dergleichen andere Proceduren mehr wider die Evangelische angestellet / vnnd selbige mit allerhand Trangsalen ein gute Zeit vber beschweret worden) bey den hinderlassenen Käyserlichen Statthaltern vnnd Räthen / wie auch bey Jhrer May. dem Kayser selbsten durch Schreiben vmb Remedirung solcher vnnd anderer dergleichen Trangsalen vnnd Loßlassung der gefangenen Braunawer anhielten / vnderdessen auch eine allgemeine Zusammenkunfft der Evangelischen Böhmischen Ständte auff den 21. Maii anni 1618. zu Prag in Kayser Caroli IV. Collegio zu halten / außschrieben / vnd darbey zuerkennen gaben welcher Gestalt derer sub vtraque Heyl darauffstünde; jhre Privilegien Gewalt litten; dem Mayestät-Brieff nachgestellet wurde; grosse Kriegsmacht vorhanden / vnnd die äusserste Gefahr / wo sie nicht auffwacheten / für der Thür were. Als nun hier auß die Sach ein seltzames Ansehen bekame vnnd auch Jhr Kays. May. als sie dessen von jhren hinderlassenen Statthaltern vnnd Räthen berichtet worden / solche angestelte Zusammenkunfft jhr höchlich zu wider seyn liessen /(Böhmisch??? Stände sub vtraque entschuldigen sich bey dem Kayser / der angestelten Zusammëkunfft halben.) liessen die Stände / als sie dieses vermercket / an dieselbe ein Entschuldigungs Schreiben abgehen / in welchem sie darthäten vnd bewiesen / daß sie eine solche Zusammenkunfft / vermög deß Mayestät-Brieffs / Landtags Beschluß vnnd der auffgerichten Vergleichungen / zu halten befugt / vnd darmit im geringsten gegen Jhre May. sich nit vergriffen hetten. Es hat aber Jhre Käys. May. auff diese eingewendete(Rayserlich Schreiben / wegen der angestelten Versamblung derer sub vtraque an die Keyserl. Statthalter zu Prag abgangen.) Entschuldigung den II. Martii von Wien auß nachfolgend Schreiben an Jhre hinderlassene Statthalter vnnd Räthe zu Prag abgehen lassen; Jhre Mayest. hetten nicht allein auß Jhren (besagter Statthalter vnnd Räthe) Schreiben vnd der darinnen verschlossenen Beylag / sondern auch auß andern vnderschiedlichen Oertern verstanden / was bey vergangener der Stände Zusammenkunfft im Collegio Carolino zu Prag abgehandelt worden: Befinden [17] aber / daß diese Zusammenkunfft wider Jhre Kayserlich vnnd Königliche Person außgeschrieben worden / in deme die Vrsach in besagter Beylage / die in der Statt Clostergrab zerschleiffte Kirch / wie auch die Straff der vngehorsamen Closter-Vnderthanen zu Braunaw gestzet würde / welches doch alles auff Jh. May. Anordnung geschehen were. Für das ander / daß sie weiter dann jhnen der Mayestät Vrieff vnd die darauff zwischen beyden Theylen / als denen sub vna vnd denen sub vtraque getroffene Vergleichung zu liesse / griffen: in dem sie sich frembder Vnderthanen in vnbillichen Sachen / vnd wider Jhre Mayest. Resolution annehmen / vnnd derselben Vngehorsamb vnnd Auffstandt vertheydigen vnnd verstärcken wolten. Es wäre auch bey solcher Zusammenkunfft vnnd in jhren Citationen gesetzet worden / als wann jhnen solche Vergleichung vnnd Mayestät-Brieff zu nicht gemacht werden wolte / auch Kriegs Volck in Böheimb einziehen solte: Wardurch dann Jhre May. bey dem gemeinen vnnd dieser Sachen vnkündigen Volck / in Jhrem Abwesen in bösem vnd schädlichen Verdacht auch bey deren getrewen lieben Vnderthanen in Mißgünst gezogen würden / darauß allerley Tumult vnnd Vnheil / mit vnwiderbringlichem Schaden der Innwohner deß Königreichs Böheimb vervrsachet werden könten / dessen sich Jhre Mayest. gegen etlichen / so dessen Vrsach / nit verschen hetten. Dieweil dann sie die Stände Jhrer Mayest. Gütigkeit sich mißbrauchen / vnd weiters als sich gebühret / auch besagter Mayestät-Brieff vnnd Vergleichungen / darauff sie sich beruffeten / mit sich brächten / greiffen wolten / auch Jhrer May. als dem König vnnd Herren deß Landts / ehe dann solch Fewer hefftiger entzündet würde / solchem vorzukommen / gebührete / als hette Jhr Mayest. nicht vnderlassen wöllen / sich derentwegen weiters zuerkündigen / vnd gegen den Ständen gebührlichen / eines jedwedern Verdienst nach zu verfahren. Vnterdessen aber wolte Jhre May. jhnen den Statthaltern hiermit anbefohlen haben / daß sie die jenige Personen / so andere citirt hetten / vor sich bescheiden vnnd jhnen ernstlich befehlen solten / in mittelst / biß Jhre Mayest. wider in Böheimb gelangen / oder aber sonst ferrnere Anordnung verschaffen würden / keine dergleichen Jusammenkünfften außzuschreiben / der Braunawer oder anderer frembder Vnderthanen sich nicht anzumassen / noch zu Auffruhr vnd Vneinigkeit Vrsach zugeben. Ferrner auch wolten sie die Statthalter andere Innwohner vermahnen / auff solche Citationes, dieweil sie dessen von Jhrer May. keine erhebliche Vrsach hetten nicht zuerscheinen. Solches / wie auch daß allbereit etliche / auff solche Weiß citirte / nicht erschienen / wolten Jhre Mayestät; zu aller vorfallenden Gelegenheit mit Käyserlichen Gnaden gedencken / sc. (Böhmische Stände vn̅) Es haben sich aber durch dieses Schreiben die Böhmische Stände vnd Defensores von jhrem Vorhaben nicht abschrecken / oder im geringsten (Defensores fahren in jhrem Vorhaben eyferig fort.) davon abwendig machen lassen / sondern darinn je länger je eyferiger worden / vnd denen so jhnen jhre angestelte Versamblung vbel gedeutet / oder sick wider selbige geleget / alles Vnheil / so darüber entstehen möchte / auff den Haltz geleget / vnder deß aber besagte Zusammenkunfft auff den 21.(Lassen zu Prag auff allen Cantzeln dem Volck die bevorstehëde Zusammenkunfft anmelden vnnd jederman zum Gebet vermahnen.) Maii??? fortzusetzen sich gäntzlichen entschlossen. Zu welchem Endt sie dann / als die Zeit herbey kommen / den vorgehenden Tag zu Prag in allen Evangelischen Kirchen in Teutsch-vnd Böhmischer Sprach eine Vermahnung nachfolgenden Innhalts thun lassen: Nach dem der Allmächtige vnnd barm hertzige GOtt / durch seine Gnad verliehen hette / daß nach grosser Beschwerung in jhrer Religion / bey Kayser Rudolphi Zeiten / alle der Herrn-Ritter vnnd Bürger-Standt / wie auch andere zur Böhmischen Confession sich bekennenden Vnderthanen / in diesem Königreich die freye Religions Vbung erlanget / dieselbe auch durch ein besondern Mayestät-Brieff bes???tättiget / vnnd von der jetzt regierenden Kays. Mayest. bekräfftiget worden were: Als hetten sie solcher Freyheit biß dahero etliche Jahr in zimblicher Ruhe vnnd Frieden genossen / sich auch niemandt / sie vmb solche Gnade GOttes zubringen / offentlichen vnderstanden. Es were aber nunmehr den Ständen sub vtraque Bericht zukommen / daß etliche in diesem Rönigreich / Friedt / vnnd Einigkeit zwischen jhnen zu verstöhren / durch allerley Practick en jhre Christliche Religion zu betrengen / die erbawete Kirchen zusperren vnnd niderzureissen / die Leuth mit Gefängnuß zu beschweren / zum Abfall mit Gewalt zu nöthigen / vnnd in Summa zu gäntzlicher Auffhebung der Religions-Freyheit auffs höchste zu beträngen sich understünden. Vmb welcher Vrsach willen die Defensores etlich mahl solches an Jhre Kays. Mayestät gelangen lassen vnnd dero Vorsehung erwartet / Sie seyen aber vnder dessen von jhren Widrigen gantz vnschuldig / als ob sie wider Jhre Kay. Mayest. Zusammenkünffte anstellten / vnnd schädtliche Verbündtnussen anrichten wolten / angegeben worden: geschehe aber jhnen hierinn Gewalt vnnd Vnrecht / vnnd were jhnen / niemals in den Sinn kommen / das geringste wider Jhre Kays. Mayest. zugedencken / viel weniger würcklichen vorzunehmen / sondern suchten allein GOTTes Ehre vnd begehrten bey jhrer Religion / Innhalt deß Mayestät-Brieffs / gerühig zuverbleiben. Dieses hetten sie die Defensorens vnnd Stände der Gemein darumb anmelden lasse wöllen / daß / wo ferrne dergleichen von jhnen außgesprenget würde / als solten sie wider Jhre Kanserl. Mayestät sich verbunden oder sonst etwas vnbilliges fürgenommen haben / sie solchen keinen Glauben zustelleten / sondern gewißlick darfür hielten / es geschehe alles zu GOTTES Ehre vnnd zu Abwendung aller Bedrängnuß Jhrer Religion / wie sie dann vmb solcher Vrsach willen [18] folgenden Tags abermahl seine Versamblung angestellet: Derohalben jederman GOtt anruffen vnnd bitten solte / daß derselbe Jhrer Mayest. Hertz vnnd Gemüth also gegen jhnen den Ständen lencken vnd neygen wolle / daß alles ein gutes vnnd glückseliges Ende gewinne / jhre vnnd Jhrer Mayest. Feinde zuschanden gemacht vnnd bekehret würden / vnnd sie noch eine lange Zeit in Fried vnnd Eynigkeit GOTT dienen möchten. (Der Stände in Böhmen sub vtraque zusammenkunfft zu Prag im Collegio Carolino gehalten.) Hierauff ist folgenden Tags der angestellte Convent im Collegio Carolino zu Prag gehalten worden / deme dann ein grosse Anzahl vornehmer Herrn / sampt etlichen Bürgern auß allen dreyen Stätten beygewohnet. Ehe man die Deliberation angefangen sindt zuvor etliche Psalmen gesungen / vnnd darauff durch einen Böhmischen Prediger eine Sermon gehalten / vnd nach solcher wider etliche Psalmen gesungen worden: Hierauff sindt sie zur Berathschlagung geschritten vnnd fürnemblich / wie das Exercitium Augspurgischer Confession sampt jhren Kirchen / nicht allein in den Prager Stätten / sondern auch im gantzen Königreich Böheimb erhalten vnnd jhren Widersachern köndte widerstanden werden / tractiret. Nach deme nun von den anwesenden Herrn vnnd Ständen ein gemeiner Schluß gemacht worden / haben sie folgenden Mittwoch als den 23. Maii / jeder mit einem bey sich habenden Knecht / mit jhrem Gewehr vnnd Pistolen versehen / alle zu Pferdt / sich in das Schloß begeben / vnnd bey den Kayserlichen Land-Officirern jhre Beschwerden vorgebracht vnnd derselben Abschaffung begehret. Als nun der Obriste Burggraff Adam von Sternberg neben Herrn Poppeln / Creutzherrn vnnd Priorn bey vnser lieben Frawen / auff solches Begehren sich zimblich accommodirt: Hergegen aber der Obriste Landt-Hoffrichter Wilhelm Slabata von Chlum vnd Kosthumburg / Herr zu Newhauß / sc. vnnd der Graff von Martinitz Schmesanßky mit selbigen nicht einstimmen wollen / sondern sich den Ständen gar hart erzeiget / haben selbige vorigen zween beseits geruffen / vnnd vnder dessen besagten (Kayserliche Officirer werden zu Prag zü Fenster hinaußgeworfen.) Slabata vnnd Schmesanßky / beneben dem Secretatio M. Philippo Fabricio auß der Cantzeley durchs Fenster hinnab in den Graben in Mänteln vnnd Dägen / wie sie gangen vnnd gestanden / gestürtzet. Weil sie aber zu jhrem grossen Glück auff einen Misthauffen gefallen / ist jhnen an dem Leben / wiewohl es bey 40. Ellen hoch hinunder gewesen / kein Schad geschehen / vnnd ob wol auch von den andern / nach dem sie vermercket / daß sie noch in dem Leben / etliche Pistolen schüß nach jhnen geschehen / sindt sie doch nicht getroffen worden / vnnd haben sie sich in dessen verkrochen vnnd also der Gefahr entrunnen. Vber solcher Außstürtzung ist nicht allein im Schloß / sondern auch in der Statt ein grosser Tumult vnnd Schrecken entstanden / welchen zu stillen alsobald der Graff von Thurn neben etlichen andern auß den Ständen / in die alte Statt geritten / vnnd das Volck von allem Aufflauff abzustehen vnnd sich still zuhalten vermahnet / mit vermelden / daß sich niemandt nichts zubefahren hätte / vnnd was sie gethan sollte alles [19] bey Kayserl. Mayest. schrifftlichen verantwortet werden. Als es nun hierauff wider still vnnd rühig worden / haben die Stände den Obristen Burggraffen nach Haußbegleitet / vnnd den Schloß-Hauptmann / sampt seiner vnderhabenden Guarnison / wie auch die drey Stätte jhnen ein juramentum assecurationis leisten lassen. Smirsanßky hat bey so gestalten Dingen in Prag zu bleiben sich nicht getrawet / sondern sich neben dem Secretario heimblich hinweg gemacht / vnnd nach Wien gezogen / allda er Jhre Kayserl. Mayest. von den vorgelauffenen Dingen außführlich berichtet / vnnd den Ständen die Steltzen tapffer beschlagen. Slabata aber ist eine Zeitlang auff dem Schloß / in deß Obristen Cantzlers Behausung / der damals sich auch zu Wien befande / mit 12. Mußquetirern verwahret / ingleichem der Obriste Burggraff in seiner Behaussung mit 12. Soldaten bewachet worden. (Böhmische Evangelische Stände verbindë sich zusammen Gut vnnd Blut in Erhaltung jhrer Religion bey einander auffzusetzen.) Die Evangelische Stände kamen nach obigem täglich in der Landt-Stuben (da jedes mahl in Achtzig Mußquetirer zu jhrer Versicherung auffgewartet) zusammen / vnnd verbanden sich miteinander / wider Gottes / jhres Königs / vnnd jhre Feinde / vnnd deß Mayestät-Brieffs widerwertige zustreiten vnnd Leib vnnd Gut beysammen einmüthig auffzusetzen. Hierauff wurde zu solchem Ende / weil sie einer vnaußbleiblichen Vberziehung zugewarten hatten / Volck zu Roß vnnd Fuß geworben; Die Gefängnusse eröffnet / vnnd die gefangene Braunawer / wie auch andere / so sie für vnschuldig hielten / loß gelassen / hergegen etliche von den Königlichen Officirern / so nicht am besten mit den Evangelischen Haußgehalten vnnd sich der Kayserlichen Authorität mißbrauchet hatten / theyls hinein gesetzet / theils mit Gelt-Straffen beleget. Sie machten auch sonsten allerhandt nöthige Anordnung in einem vnnd andern / vnnd damit alles richtig vnd wohl zugehen möchte / erwöhleten sie Dreysig Directoren oder Regente auß allen dreyen Ständen / welche stätigs in den Prager Stätten verbleiben / vnnd alle Sachen in dem gantzen Königreich guberniren vnd regieren solten. Damit endtlichen auch dieses jhr Beginnen nicht das Ansehen hette / als wann es zu Despectirung Jhrer Kayserl. Mayest. geschehe / oder als wann deroselben sich zu widersetzen jhre Kriegs-Verfassungen angestellet weren / liessen sie den 25. Maii eine außführliche Apologiam zu jhrer Entschuldigung publiciren: Fertigten auch jhre Gesandten zu den Fürsten vnd Ständen in Schlesien / Mähren / Laußnitz vnnd anderen Orten ab / diesen Verlauff zuberichten vnnd vmb Hülff / wo sie deren bedörfftig / vermög jhrer (D. Jessenius wird) Confoederation, zu sollicitiren. Vnder diesen Gesandten wurde D. Iessenius, so nach Hungarn reissen wollen / vnder Wegens auffgefangë / (gefangen nach Wien gebracht.) vnd nacher Wien in Hafftung gebracht. Obgedachte Apologia ist nachfolgenden Inhalts in Truck außgangen: Die Herrn / Ritter / Prager / Kuttenberger (Böhmisch. Stände Apologia vn̅ Entschuldigungs-Schrifft wegen vorgangener Händel.) vnnd anderer Stände Abgesandte / alle drey Stände deß Königreichs Böheimb sub vtraque so auff dem Prager Schloß versamblet weren / thäten jedermänniglichen / auch an statt der Abwesenden in gemein zu wissen / daß ob wohl / nach vielen erlittenen Beschwerungen vnnd Trangsalen / so verwichenen Jahren auß Anstifftung böser vnrühiger Leuth / sonderlich aber von der Jesuitischen Sect (welcher Tichten vnnd Trachten jederzeit am meinsten dahin gangen wäre / wie sie nicht allein Jhre Mayestät / sondern auch dieses gantzen Königreichs Innwohner vnnd Stände sub vtraque arglistiger Weiß dem Römischen Stuel / als frembder Obrigkeit / vnderwürffig machen möchten) allen dreyen Ständen vnnd Innwohnern besagten Königreichs auff allerley Weiß in Politischen vnnd Geistlichen Sachen angethan weren. Hernach aber als Anno ein Tausent sechs Hundert Neun / vnnd Zehen / ein vollkommener Friede auffgerichtet / durch Kayser Rudolphi II. Mayestät-Brieff / wie auch von denen sub vna vnnd denen sub vtraque auffgerichtete Vergleichung confirmiret vnnd bestättiget worden / daß kein Theyl das andere schänden / sondern wie die sub vna, so auch die sub vtraque, laut jhrer vnder jhnen auffgerichten Vergleichungen gerühiglich an allen Orthen / ohne eynige Einhalt Geistlicher oder Weltlicher Obrigkeit Gott frey dienen möchten. Welches dann auch Ihre Kayserliche Mayestät bey Antrettung Jhres Regiments in diesem Königreich in genere vnnd in specie gewaltiglich bekräfftiget hette. So hetten doch bemelte Königliche Landes - vnnd gemeines Friedens-Feinde sich dahin bearbeytet / wie sie diesen auffgerichten Frieden zu nicht machen / vnnd jhre schädliche Intention hinauß führen möchten / in dem sie schon damahls / als obgedachter Friede vnnd Vereinigung gemacht worden / andere Personen Jhres Mittels sub vna vorgezogen / den Mayestät-Brieff vnnd auffgerichtete Vergleichu̅g (durch welche sie / die Stände / doch mit Kayser Rudolpho hochsel. Gedächt. außgesöhnet vnnd alle Raach vber sie vnnd die jhrigen auffgehaben worden were) nicht vnderschreiben wollen / sondern dieses alles gäntzlich auffzuheben sich bemühet / an nicht wenig Standes Personen jhr boßhafftiges Gemüth würcklich erwiesen / vnnd da sie zuvor nicht allein heimbliche sondern auch zum Theyl diß jhres Vatterlandts offentliche Feinde gewesen / auch jetzigen jhren König vnnd Herrn vmb die künfftige Succession bringen vnd auff einen andern transferiren wöllen: Aber solches durch vorsehung Gottes ins Werck nicht richten können / als hetten sie durch die Jesuiten vnnd andere jhre Werckzeug die sub vtraque wider angefangen zu schänden vnnd Lästeren / auch mündtlich vnnd schrifftlich vervrtheilet / [20] daß sie Ketzer weren / denen man kein Glauben zuhalten schuldig wäre: Vber diß auch jhrer Religion sub vtraque allerhandt schmähliche Nahmen gegeben vnnd allen Römisch-Vncatholischen das Leben neben der Ehr abgesprochen / darbey auch die Weltlichen Obrigkeiten zu derer mit Fewer vnnd Schwerdt Außrottung angefrischet. Vnd damit sie desto besser die Leuth hindergehen / hätten sie auff allerley weiß vnnd weg sich bearbeytet zwischen jhnen den Ständen vnnd Defensoren ein Zwispalt vnnd Vneinigkeit anzurichten / die zwischen jhnen auffgerichtete vnnd mit dem Mayestät-Brieff / Landtag / vnnd der jetzigen Kayserl. Mayest. confirmirte Vergleichung / anders vnnd anders außgeleget: Die Defensores jhr Ampt zuverlassen mit Verheissungen vnnd Bedräwungen / zubereden sich vnderfangen / deren auch allbereit etliche zum theyl zu wancken; zum theyl gar von der Warheit abzufallen vnnd sich zu jhnen zuwenden vervrsachet. Hernach seyen sie nach Erlangung Hoher Aempter weiters fortgefahren vnnd alte nützliche Diener abgeschafft / hergegen andere Jhrer Religion sub vna an deren Statt bestellet / vnnd durch selbige die Vnderthanen wegen der Religion auff mancherley Weiß vbel geplagt / viel vnder dem Schein weltlicher Verwirckung deß Landts verwiesen / auch die Priester sub vtraque abgeschaffet: In den Prager Stätten denen sub vna die fürnehmbsten Stellen vnnd Aempter zugeordnet / deren Willens hernach andere Raths-Personen sub vtraque geleben müssen. Wie dann der drey Prager Stätten Bürgermeister vnnd Rath sub vtraque begegnet were / daß als jhnen vnwissendt daß jhre Vorfahren vnnd alle andere Stätt sub vtraque, als erstlich der Mayestät-Brieff vnnd die Freyheit der Religion erlanget worden / durch Brieff vnnd Siegel mit den Höhern Ständen sich verbunden / daß sie allezeit einhellig beyeinander stehen vnnd einander beschirmen wollen / auch jederzeit auff die / von den Defensoren / wegen der Religion / angestellte Convent / zween jhres Mittels auß jeder Prager Statt schicken müsten / dieses aber zuthun / von den Mit Senatoren vnnd andern vorgestellten Personen sub vna bißhero weren verhindert / auch vor Jhrer Mayestät Abreysen den Kayserlichen Richtern sub vna wider allen vorigen Gebrauch diese Instruction were gegeben worden / daß sie der Kirchen sub vtraque vnnd deren Einkommen sich anmassen / vnd ohne Vorwissen bemelten Richters keine Zusammenkunfft auch jhre eygene Kirchen-Sachen betreffendt zulassen solten / welches doch stracks wider den Mayestät-Brieff vnd die auffgerichtete Vereinigung lieffe: Jedoch wären sie so weit beredet worden / daß sie auff Beruffung der Defensoren zu dem letzt angestelten Convent keinen jhres Mittels geschickt / auch noch neben denen sub vna Jhrer Mayestät zugeschrieben / daß sie ausser Jhrer Kayserlichen Mayestät keines andern Defensoren bedörfften; Dieweil aber sie die Pragerische Stände / was massen sie verführet wargenommen / vnnd jhre Gefahr erkennet / in dem jhnen in der Vorredt jhrer Confession gewiesen worden / daß alle drey Stände sub vtraque, jhrer Glaubens Bekandtnuß vnnd Consistorii nechst GOTT kein andern Defensoren vnnd Beschützer haben wöllen / als Jhre Kays. Mayest. vnnd die jenigen so durch Bewilligung Jhrer Mayestät / von den drey Ständen weren erwöhlet worden / hetten sie so bald bey den höhern Ständen / jhrer Außbleibung vnnd deß an Jhre Mayest. abgangenen Schreibens halben / sich gebührlichen entschuldigt / vnnd dardurch so viel erhalten / daß sie von besagten höhern Ständen wider auffgenommen worden / bey denen sie dann auch nunmehr hinfort zustehen vnnd zubleiben geda???chten. Vber das hetten obgesagte Friedens-Feinde ohne Besetzung eines ordentlichen Landtags Rechtens / sich selbsten zu Richtern deß Mayestät-Brieffs / Vereinigung vnd Landtags schluß gemacht / vnnd Jhre Kays. Mayest. (die damals viel hochwichtigere die gantze Christenheit betreffende Sachen zuthun / als daß sie den Privilegien vnnd Vergleichungen deß Landes nachdencken köndte) Jhr schrifftlich Gutachten vbergeben / daß denen zu den Clöstern gehörigen Vnderthanen Kirchen auffzubawen in dem Mayestät-Brieff nicht erlaubet were: da doch hierinn zu vrtheylen jhnen nicht gebühret / sondern durch ein offentlichen Landtag beyden Theylen solch guttachten an die Handt gegeben werde: Sie (Jhre Feinde) hätten aber doch bey Kays. Mayest. Befehl außgebracht an die Statt Braunaw / daß sie jhren angefangenen Kirchenbaw einstellen solten. Als nun die Braunawer solches an die Defensores gelangen lassen / vnd daß sie von jhnen möchten bey dem Mayestät-Brieff geschützet werden / gebetten: Die Defensores aber für sich selbsten in dieser Sachen nichts richten wolten: sondern die Landt-Officirer / Landtrecht Beysitzer / Röm. Käys. Mayest. Räthe vnnd auß allen Kreysen sechs Personen sub vtraque nach Prag beruffeten: hetten sie nach reiffer Berathschlagung befunden / daß die Braunawer / wie auch alle andere zur Geistlichkeit im Königreich Böheimb gehörige Vnterthanen aller / den Ständen sub vtraque ertheilter Gnad vnnd Privilegien fähig vnnd theilhafftig weren. Derowegen dann nach Erwegung vnnd Guttachten der anwesenden Stände vnd Defensoren den Braunawern / wie auch deß Bergstättleins Clostergrab Innwohnern / so zu dem Pragerischen Ertzbistumb gehörig / diese Antwort gegeben worden / daß sie jhre Kirchen vollendt außbawen / vnnd dieselben zu jhrem Gottes-Dienst gebrauchen möchten / doch daß sie sich dabey friedtlich vnnd gebührlich verhalten vnnd denen sub vna insonderheit dem Apt oder Ertz-Bischoff als jhrer Obrigkeit zu Zorn vnnd Widerwillen wider sie keine Anlaß geben: Sondern jhnen vnnd [21] jhren Amptleuten allen billichen Gehorsamb / in allen weltlichen Sachen / als trewen Vnderthanen gebüret / leysten solten. Vnnd diese gegebene Antwort hetten sie die drey Stände sub vtraque, bey dem / auff dem Prager Schloß Anno 1615. gehaltenem Landtag bekräfftiget. Ob nun wohl diese vnnd dergleichen Bedrängnusse sie die Stände auff besagtem Landtag Jhrer Kayserl. Mayest. fürgetragen hetten / vnnd vmb Einsehung angehalten / der Hoffnung / es solle noch vor deß Landtags Endtschafft den Sachen geholffen werden. So hetten doch offgedachte Jhre Feinde auff allerley Weiß verhindert daß jhnen den Ständen vor Außgang deß Landtags darauff keine Antwort gegeben worden: Ja sie hetten es noch dahin gebracht / daß sie die Stände sampt jhren Vnderthanen / vber all jhr vorige Beschwerung / auff fünff Jahr lang grosse vnnd fast vnmügliche Stewren vnnd Contributionen / zur Bezahlung Jhrer Mayest. Schulden / auß Hoffnung es solte Jhrer Beschwerden abgeholffen werden / bewilliget hetten. Sie (die Stände) hetten aber nicht allein vergeblich nach Endung deß Landtags auff Antwort gehoffet / sondern es hetten sich auch jhre Beschwernussen je mehr vnnd mehr gehäuffet / biß endtlich Jhre Mayestät / in dero abreysen auß diesem Königreich / als sie schon allbereit auff dem Weg war / einem auß der Defensoren Mittel / nemblich Henrich Matthes Graffen zum Thurn in beysein zweyer Personen vermeldet / daß sie der Stände sub vtraque Klagen nicht vor rechtmässig erkenneten / hetten auch alle Jhre Collaturen auff dero Herrschafften dem Ertz-Bischoffen zu Prag vbergeben / darmit sie mit solchen Sachen ohnmolestiret verblieben. Als nun hierauff gedachter Graff diese Resolution schrifftlich begehret / were solches zwar von Jhrer Mayestät bewilliget auch dem Obristen Cantzler / solche schrifftlich zuverfassen anbefohlen worden / hette aber doch hernach / wie offt man auch darumb angehalten / nicht können erlanget werden: Es hette auch darauff der Ertzbischoff zu Prag die zu Clostergrab erbawte Kirch einreissen vnnd der Erden gleich machen lassen. Ingleichem were auch den Braunawern Befehl geschehen jhre Kirch dem Apt abzutretten vnnd die Schlüssel in die Böhmisch Cantzeley einzuantworten: Nach dem sie sich aber solches geweygert / vnd / sie bey jhrer Kirchen zulassen / gebetten / weren etliche vornehme Personen auß jhnen nach Prag beschickt vnnd in Hafftung genommen worden / in welchen sie biß daher mit grossem Wehklagen jhrer Weiber / Kinder vnnd Freunde verblieben. Als nun bey vberhandtnehmung der Drangsalen den Defensoren allerhandt Klagen vorkommen / auch dieselben / als ob sie jhren Pflichten nicht recht nachgiengen beschuldiget worden: Hetten sie abermals die Obriste Landt-Officirer vnnd die obgemelte andere darzu gehörige nach Prag erfordert / die Sachen erwogen / alle müglichste Bescheidenheit gebrauchet / vnnd eine demütige Supplication den Herrn Statthaltern vbergeben / vnnd eine andere an Kayserl. Mayest. geschickt in tieffester Demuth bittende solche Drangsalen einzustellen / darneben die Braunawer jhrer Gefängnuß zuentledigen: Deßwegen sie dann auch die Fürsten vnnd Stände deß Marggraffthumbs Mähren / Schlesien vnnd Laußnitz / als diesem Königreich incorporirte Länder vmb Intercession bey Kays. Mayest. ersucht / auch sich einer andern Zusammenkunfft welche in Collegio Carolino, Montags nach Rogationum solte gehalten werden / daß wo etwan auff jhr suppliciren von Kayserl. Mayest. Antwort kähme / sie solche erwegen möchten / verglichen: Aber es were / als sie die Stände zu angesteltem Convent erschienen von Jhrer Mayest. nicht allein keine Antwort ankommen / viel weniger jhren Beschwerden abgeholffen worden / sondern auch noch vber diß / durch Anstifftung mehrermelter Jhrer Feinde / deroselben Statthaltern ein scharpffes Schreiben zugeschicket vnnd den Defensores vorzuhalten befohlen worden / deß Innhalts: Erstlich daß Jhr Kayserl. Mayest. befunden / daß diese Jhre (der Stände) Zusammenkunfften / wider deroselben eygne Person angestellet worden seyen: Darnach was die Kirch zu Clostergrab vnnd Straff der Vngehorsamen auß der Statt Braunaw zu dem Closter gehörigen Vnderthanen betreffen thet / were solches beydes auff Jhrer Kays. Mayest. Befehl geschehen: vnd dann daß von jhnen den Ständen / weiter als der Mayestät-Brieff vnnd Vergleichung vnder jhnen den Ständen sub vna vnnd sub vtraque zu liesse / gegriffen würde / in dem sie sich frembder Vnderthanen in vnbillichen Sachen wider Jhre Mayest. annehmen vnd jhren Vngehorsamb wider Jhre Kays. Mayest. vertheydigen wolten: Welches sich Jhre Mayest. gegen etlichen Personen / dieses Wercks Authoren nicht versehen hetten: wolten aber solchen weiter nachforschen vnnd gegen denselben gebührlichen nach eines jeden Verdienste verfahren: Verbötten auch hierbey den Defensoren biß zu Jhrer Mayest. Widerkunfft in bemeltes Königreich oder andere Anordnung keine dergleichen Zusammenkünfften anzustellen / so solten auch die Statthalter die Innwohner / daß sie auff dergleichen Erforderung nicht erschienen / vermahnen / wie solches alles in gedachtem Schreiben weitläufftig zusehen. Nun hetten sie die Stände / sich nimmermehr verstehen / daß sie also durch Antrieb jhrer Feinde / von Jhrer Mayest. auff jhre demütigste Bitt vervrtheilt vnnd nunmehr zur Execution vorbehalten werden solten: Dann sie wohl wüsten / daß / so sie deß jenigen / so jhnen zugemessen wurde / schuldig weren / sie Leib vnnd Ehr verlohren hetten. Vnnd ob wohl sie die Stände hierinn gantz vnschuldig weren / hetten doch jhre Feinde / weil sie solch Königlich Schreiben [22] bey handen gehabt / sich genugsamb erzeigt / wie begierig sie weren solche Execution wider sie ins Werck zusetzen. Ja sie jhre Feinde hetten auch solches schwere Königl. Schreiben also selbsten zu Prag concipiret vnd hernach Jhrer Mayest. zur Vnderschrifft vbersendet / auff daß sie also ein ehrlichen Schein deß Rechtens vnnd Gerechtigkeit / sie die Stände vmb Leib vnd Ehr zubringen auch den Mayestät-Brieff vnnd die auffgerichte Vergleichung mit denen sub vna auffzuheben vnnd nichts darauß zumachen / haben möchten. Weil dann sie die Stände solches Vnheil vnd Gefahr gerne ableynen vnnd auß jhrer Feinde Fallstricken dermal eins entgehen wöllen / sie jhre Feinde aber es dahin gebracht / daß Jhre Mayest. sie die Stände nicht allein keiner Antwort gewürdiget / sondern auch der Stände sub vtraque Nahmen vor Jhrer Mayest. zunennen das beschwerlichste Ding worden seyn solte / Ja sie hetten vielen Ehrlichen vnschuldigen Leuthen Recht vnnd Gerechtigkeit auffgehalten / auß Schwartzem Weiß / auß Weissem Schwartz gemacht: Trewe vnnd gehorsame Vnderthanen Vntrew / Vntrewe aber Trew genennet: leichtfertigen bösen Leuten zu Ehren / Wolverhaltenen aber zu Verkleinerung geholffen: Die Vnderthanen sub vtraque so wohl auff jhren als auff Jhrer Mayest. Herrschafften hart betrenget vnnd zu jhrer Religion sub vna mit vnerhörter Grawsambkeit gezwungen: Ja auch etliche freye Stätt durch Bedräwungen dahin gebracht / daß sie von den Ständen abzutretten sich verschreiben müssen: Welches alles sie selbsten / als sie darumb gefragt / nit widersprechen könten. Vmb solcher Vrsachen willen hetten sie / die Stände sub vtraque, gegen zweyer jhrer Feinde nämblich Wilhelm Slabata von Chlum vnd Kossumburg / vnnd Jaroßlaw Boezita von Martinitz sonsten Smezanßky genannt / als Zerstörern deß Rechtens vnnd allgemeinen Friedens / verfahren / vnnd weil sie jhre Aempter vnnd Stellen in welchen sie sich befunden / nicht in acht genommen / sondern derselben / zu Schmälerung Jhrer Kay. Mayest. Authorität / wie auch zur Auffhebung gemeinen Friedens in diesem Königreich mißbraucht / beneben einem Secretario jhrem Adulatore welcher neben andern viel Zerrüttungen in den Prager Stätten angestellet / nach altem Gebrauch zum Fenster hinauß geworffen: gegen welche sie die Stände / weil sie mit dem Leben darvon kommen / wie auch jhren Güttern / so wol allen den jenigen so sie dißfals vertretten oder vertheydigen / hergegen aber gegen Jhnen den Ständen Verfolgung vervrsachen wolten / wie nicht weniger auch gegen denen / so den Mayestät-Brieff vnd die offentliche Vergleichungen auffzuheben sich beflissen / fürnemblich aber wider Paulum Michnam einen verrätherischen Menschen vnnd Friedensstörer / welcher zwar schlechtes Herkommens / nach dem er aber in die Böhmische Cantzeley zu dem Secretariat kommen / ist er in kurtzer Zeit so weit geschritten / daß er sich auch des Regiments vber sie die Stände sub vtraque neben andern jhren Feinden angemasset viel Böses in dem Königreich angestellet vnnd die Stände sub vtraque jhrer Priviligien zuberauben / sich eusserst bearbeitet / n???nmehr aber gar entlauffen / sich wol zuverhalten wüsten. Zu welchem Ende sie die Stände sub vtraque jetzundt gemeinem Vatterlandt zum besten ein Defension-Werck angerichtet; wolten aber darmit Jhrer K. Mayest. als jhrem Herrn vnd König nichts zuwider seyn / noch denen sub vna einige Vngelegenheit / so ferrne sie nur selb zu Ruhe bleiben würden / zufügen: inmassen dann jederman wissend / daß bey gemeltem Actu sonst niemandt ein Leyd angethan / noch eyniger Aufflauff erfolget / sondern allenthalben im gantzen Königreich guter Friede gehalten würde. Hoffeten also nicht / daß Jhre Kayserl. Mayestät solches anders auffnemen würden / oder auch jhre Freunde sub vna, wegen gemelter billich gestraffter deß Mayestät-Brieffs vnnd anderer Vergleichungen vnnd Friedens-Zerstörer / was widerwertiges anfangen / viel weniger jemandt anders sich jhnen den Ständen sub vtraque feindtlich erweisen solten. Sondern sie weren der gewissen Zuversicht daß ein jetwederer in Erwegung angeregter gnugsamer Vrsachen / auch Betrachtung daß sie die Stände weder wider Jhre Kayserl. Mayest. als jhren König vnnd Herren / noch wider die Römische Religion noch auch wider die mit denen sub vna getroffene Vereinigung ichtwas an die Hand zunemen gesinnet weren / sie für entschuldigt halten / vnd was zu gemeinen Friedens Stifftung auch Erhaltung jhrer Privilegien ersprießlichen were / befürdern helffen würde. (Beweiß / daß die zu den Geistl. Gütern vn̅ Clöstern gehörige Vnderthanen auch Kirchen auffzubawen Macht hetten.) Dieser Apology ist beygefüget gewesen ein Beweiß / daß die zu den Geistlichen Güttern vnnd Clöstern gehörige Vnderthanen / nach Außweissung deß Mayestät-Brieffs vnnd zwischen den Ständen sub vna vnnd vtraque geschehener Vergleichung / befugt seyen / daß sie jhnen gleich Jhrer Kayserl. Mayest. Vnterthanen auff deroselben Herrschafften / Kirchen auffbawen vnd Gott gerühiglich dienen möchten wie auß nachfolgends zusehen: Erstlichen were im Mayestät-Brieff zubefinden / daß alle vereinigte Stände sub vtraque sampt jhren Vnterthanen / vnnd allen die sich zu der Böhmischen Confession bekennen / jhre Religion sub vtraque frey vnnd ruhig an allen Orten vben vnd haben / auch darbey gerühiglich gelassen werden sollen. 2. Soll niemandt weder von den Höhern noch von den Nidern Ständen auch das Bawers-Volck nicht von jhren Obrigkeiten noch jemandts anders Geistlich- oder Weltlichen von jhrer Religion ab vnd zu der andern gedrungen werden.
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3. Solle diesem zuwider kein Mandat oder Befehl von Jhrer Mayest. oder dero Erben vnd künfftigen Königen in Böheimb ergehen / noch so es vielleicht ergehen würde / angenommen werden / sondern gantz Krafft - vnnd Machtloß seyn. 4. Solten Jhre Mayest. allen Obristen vnd Landofficirern befehlen / daß sie gedachte Stände vnd alle sub vtraque bey dem Mayestät Brieff bleiben lassen vnnd schützen sollen. So aber darwider jemandts / er seye Geistlich oder Weltlich / thäte / solten Jhre Mayestät sampt dero Successoren auch den Ständen dieses Königreichs / gegen solchem / als einem Landfriedbrüchigen sich zuverhalten verpflichtet seyn. 5. In der / zu Erleuterung deß Mayestät-Brieffs zwischen denen sub vna vnd vtraque vffgerichten Vergleichung / were dieses zufinden; daß an allen Orten / im Königreich Böheimb die sub vtraque jhre eygene Kirchen vnd Begräbnissen / auffzubawen Macht hetten. 6. In der zwischen den Böhmischen Ständen sub vtraque vnd sub vna, vnnd dann den Schlesischen Fürsten vnnd Ständen auffgerichten Religions Vereinigung / were auch nach folgendes zulesen: Wo aber jemandt ausser Jhre Kayserl. May. Person / was Standts oder Würden er auch sey / vnder Jhrer Mayestät Namen oder vnter was Schein es jmmer beschehen köndte / die Böhmische sub vtraque oder Augspurgischer Confession Schlesische Fürsten vnd Stände oder Jhre Vnterthanen vnd Glaubensgenossen / sie seyen vnder Geist- oder Weltlichen / Catholischen oder Evangelischen gesessen / in Jhrer Religion / Kirchen / Schulen / &c. turbiren würde / oder auß einiger praetension / daß die jenigen Stiffter / Renten vnd Einkommen / so die Evangelischen jetzo gebrauchten / vor diesem jhnen den Catholischen zugestanden / die Evangelischen anfassen wolten / sie (die Evangelischen) für einen Mann stehen / Leib / Gut vnnd Blut für jhre Religion bey einander auffsetzen solten. Vnnd ist dieses auch für jhre Assecuration hinzu gesetzet worden: daß wann sie oder jhre Vnderthanen vnd Glaubensgenossen wie obgedacht / in jhrer Religion / Kirchen / Schulen / &c. turbiret oder bedranget würden / es geschehe auch vnter was Schein oder praetext es jmmer wolle / mit Rebellion oder anderer Gestalt / sie die Böhmische Stände sub vtraque auff die erste Erforderung / jnnerhalb eines Monats mit tausent zu Roß vnd zwey tausent zu Fuß auff jhren eygnen Kosten: Auff die andere Erforderung aber wider jnnerhalb eines Monats / ingleichem / wie zuvor mit tausent Pferdten vnd zwey tausent zu Fuß / auch auff jhren eygnen Kosten: Vnnd auff den eussersten Nothfall / mit aller jhrer höchsten Macht als wie sie jhren König / Weiber / Kinder vnd das gantze Vatterland zubeschützen vermeinten / auffs schleunigste zu Hülff kommen wölten. 7. Der Schlesische Mayestät - Brieff erstreckte sich gleichfals auff alle Innwohner deß gantzen Landes / sie weren gleich vnter Geistlicher oder Weltlicher Obrigkeit angesessen. Item / daß auch keiner auß obgemelten Innwohnern zu anderer Religion gezwungen oder deßwegen außgeschaffet / von seinem Ampt gesetzet / oder sonst auff andere Weiß an seinem Gewissen beschweret oder beleydiget werden solte. Vnnd diesen Mayestät - Brieff hetten die Schlesier nach jhrem der Böhmischen Stände vnnd durch jhre Hülffe bekommen: Derhalben sie die Böhmische Stände sub utraque als das vornembste Glieb deterioris conditionis nicht seyn köndten: Sondern dieser Artickel / were in jhrem der Böhmischen Stände Mayestät Brieff generaliter gesetzet / in der Schlesier aber außführlicher vnd specialiter verfasset. 8. In Zeiten der Verfassung deß Mayestät-Brieffs vnnd Vergleichung / ist dieses anders nit gedeutet worden / als daß die Clöster Jhrer May. Cammergut seyen / vber welche dieselbe das plenum dominium hette / wie solches denen so der damaligen Tractation beygewohnet gnugsam wissentlich were. 9. Daß in Böheimb die Geistliche nicht also / wie in Mähren vnnd anderswo ein sonderer Standt seye / auch auff den Landt - Tägen keine Vota hetten / sondern wessen sich der König mit den Ständen verglichen / demselben nachzukommen schuldig weren. 10. Die Geistlichen / auch das Ertzbischoffthumb seyen biß dahero in Gewalt vnnd Disposition der Könige in Böheimb / jure Patronatus verblieben. II. Daß diese Geistliche Güter / nach Außweisungder Landts - Ordtnung zu der Königlichen Cammer gehörig. Dahero kein Prior ohne Bewilligung deß Königs nichts von den Convent vnnd Clöstern verpfänden / verkauffen oder verändern könne auch wo er dergleichen thete / solches kein Macht noch Krafft hette. 12. Daß die Geistliche nur Vsufructuarii vnd Administratores in Temporalibus ad vitae tempus derselben Güter / vnnd dahin gehöriger Vnderthanen seyen. Aber die Könige in Böheimb hetten stättigs dieses Recht vnnd Macht gehabt / von den Geistlichen Gütern den Innwohnern dieses Königreichs ohne Bewilligung einer Geistlichen Person zuverkauffen / erblich zu machen / vnnd in die Landt-Taffel / nach jhrem Willen einverleiben zulassen / dessen viel Exempla bey Kayser Ferdinandi, Maximiliani vnnd Rudolphi Zeiten vorhanden seyen. (Entschuldigungs-Schreiben / so die Böhmischen Stände) Obgesetzte Apology sampt diesem angehenckten Beweiß haben die Böhmische Stände sub vtraque Kayserl. Mayest. den 16. 26. Maii nach Wien vbersendet / mit einem Schreiben dieses Innhalts: Jhre Mayestät hetten auß beygefügtem Bericht vnnd Apology zuvernehmen / [24] auß was erheblichen Vrsachen sie newlich wider (sub vtraq; neben der Apology vnd beygefügtem Beweiß Kays. Matthiae vbersendet.) Wilhelm Slabata / Smesantzky vnd M. Philippum Fabricium, als Zerstörern gemeinen Friedens / weil sie / die Stände / nicht länger jhre arglistige Practicken erdulden können / durch welche sie besagte Stände vmd jhren / von Kayser Rudolpho gegeb enen vnd von Jhrer Mayestät confirmirten Mayestät-Brieff / Vergleichung vnnd andere Religions - Freyheiten / hätten bringen wöllen / dardurch dann das Königreich zu grunde gehen müssen / also nach jhren Diensten sträfflich verfahren / auch gleichfals gegen andern solchen Practicanten zu procediren auß vnvmbgänglicher Noth gezwungen seyen. Hätten auch in Betrachtung jetziger Gefährlichkeiten / vnnd solcher Practicken willen / mit welchen obgemelte Friedensstörer Jhre Mayest. vmb Jhre Königreich / sie / die Stände / aber vmb jhre von Gott vorgesetzte Obrigkeit / beneben auch vmb jhre Religions-Freyheiten zubringen vnderstandë / eine nothwendige Defension angerichtet: auch auß allen dreyen Ständen gewisse Directores vnd Regenten / die stätts in den Prager Stätten verblieben vnd alda was zu Jhrer Mayest Hochheit / Jhrer / der Stände / vnd jhrer Vnderthanen / vnd dann auch deß Mayestät-Brieffs vnnd anderer Landts - Freyheiten Beschützung dienlich wäre / an jhrer aller statt anordnen möchten / bestellet. Weil sie nun solches alles nicht zu dem Ende / daß sie Jhre K. Mayest. offendiren oder anderen Friedtsamen Leuten vnnd Jhren Freunden sub vna (da ferne sie nur selber Fried halten wolten) Vngemach zuzufügen gesinnet weren: sondern zuvorderst Jhrer Mayest. vnnd jhnen den Ständen sampt den jhrigen zum besten / angefangen: Als weren sie der Zuversicht / Jhre Mayest. würde sie hierin entschuldigt halten / auch jhren (der Stände) Feinden / welche diß alles anders deuten würden / keinen Glauben zustellen / solcher auch sich nicht annehmen: sondern vielmehr sie vnd dergleichen andere deß allgemeinen Friedens-Zerstörer würcklich zubestraffen / verhülfflich seyn. Sie (die Stände sub vtraque) weren hergegen willig vnd bereit / bey Jhrer Kay. Mayest. Leib / Gut vnd Blut darzusetzen / vnd dero getrewen Vnterthanen zuverbleiben. (Kayserlich Antwortschreiben auff erstgedachte der Böhmischë Ständte sub vtraque Apology vnnd Entschuldigu̅g Schreiben.) Auff dieses der Böhmischen Stände Entschuldigungs-Schreiben vnd Apology hat Jhre Kays. May. nachfolgenden Inhalts Antwort de Dat. 18. Junii nach Prag gesendet: Nemblich / Jhr May. könten das jenige / so wider dero Statthalter vnnd Secretarium / in Jhrem Prager Schloß vnd Königlichen Residentz / in der Böhmischen Cantzeley / wo die gröste Sicherheit vnnd Respect seyn solte / fürgenommen worden / keines wegs gut heissen. Dann ob schon die Vrsach gesetzet würde / als ob sie grosse Practicken / zu deß Königreichs Verderben / solten vorgenommen haben / hätte sich doch nicht gebühret / ohne eintzig Anbringen vnd Verhör also plötzlichen gegen Jhnen zuverfahren: so wohl da man von keinem Feind wüste / ohne Jhrer May. Vorwissen vnnd Willen Kriegs-Volck zuwerben vnd jhre arme Vnterthanen in das eusserste. Verderben zusetzen: auch anders / welches nach Jhrem / der Stände Schreiben geschehen wäre / fürzunehmen. Nichts destoweniger / weil sie sich mit darsetzung Leibs vnnd Guts trew zuverbleiben erbotten: als vberschickte Jhr Mayest. hiermit Jhnen ein Patent / daß sie in Böhmen publiciren lassen solten. Vnd bey solchem Patent befehlen Jhr Mayest. Jhnen / daß sie gehorsamb verbleiben / jhr geworbenes Kriegsvolck abdancketen / ferrnere Werbungen vnd auch das Auffbott einstelleten: wider Recht weiter nichts vornehmen / vnd Jhrer M. ferrnere Vorsehung in allem erwarteten. Dann sonsten / weil in Jhrer Mayest. Königreich Volck versamblet würde / sie zur Defension vnnd Rettung Jhrer Reputation / gleichfalls Kriegsvolck zuwerben Befehl gethan. Were aber doch der Hoffnung / daß sie vielmehr zum Frieden geneigt seyn / als zu anderer Widerwärtigkeit Vrsach geben werden. Hierauff folget nun das Patent / welches vorigem Schreiben beygelegt gewesen / dieses Innhalts: (Kayserlich Patent an die Böhmë die Waffen nider zulegen / vnd die Strittigkeiten in der Güte zuvergleichë.) Es wäre jhnen den Ständen sub vtraque, vnd jedermänniglichen wol bewust / was sich den 23. Maii dieses lauffeden 1618. mit theils Jhrer May. Statthaltern vnd Secretario / in dem Prager Schloß wie auch in andern Sachen / in diesem vnd nach folgenden Tagen verloffen hette. Vnd weil diß alles vnderm Praetext / als wann der Wayestät-Brieff cassirt werden solte / geschehe / als hette Jhre May. männiglich wollen zuverstehen geben / daß weder von Jhro noch jemands anders jchtwas / zu Cassirung deß Mayestät-Brieffs vnnd der auffgerichten Vergleichung were vorgenommen worden: Sondern were jederzeit wie auch noch gesinnet gewesen / die Stände sub vna vnnd sub vtraque bey jhren Privilegien zuerhalten vnd zuschützen / vnnd wer es anders außlegte / der thät Jhrer May. vor Gott vnd der Welt vnrecht: Were auch der Zuversicht / daß niemand auß jhren getrewen Ständen dergleichen argwohnen werde. Vnd ob wol Jhre M. gerne Persöhnlich diese vorgeloffene Händel vnd Mißverstand erörtern wolte; weil sie aber theils Leibsschwachheit / theils anderer wichtigen Geschäfft halben solches dieser Zeit nicht thun könten / so solten vnsäumblichen gewisse vornehme Personen zu vergleichu̅g dieser Vnruhe verordnet werden. Vnterdessen aber dieweil kein Feinde / gegen welchem man ein Defension anstellen müste / vorhanden / auch jederman / so Beschwerung erlitte / sich / laut der Privilegien vnnd Landesordnung / deß Rechtens gebrauchen köndte / vnnd niemand sein selbst Richter seyn solte / darüber dann Jhre Mayest. männiglich handhaben wolte. Darumb befehlen Jhre Mayest. daß sie die Stände Jhr Kriegsvolck abschaffeten / auch das Auffbott einstelleten / daß auch alle Einwohner sub vna vnnd sub vtraque weder mit Worten / noch mit Wercken nichts gegen einander fürnehmen / sondern Friedlich miteinander sich vertragen solten. So bald nun der Böhmischen [25] Stände Volck würde abgedanckt seyn / wolte J. Maj. jhr geworben Volck / welches zu werben sie durch die Böhmische Werbungen weren verursachet worden / gleichfalls licentiren. Woferrn aber solches wider J. M. Verhoffen nicht geschehen solte / müßte sie als jhr ordentlicher vorgesetzter König vnd Herr / solche Mittel vor die Handt nehmen / durch welche seine Authorität erhalten werden möchte. Was nun hierauß für groß Vnheil erwachsen würde / wolten Jhre M. vor Gott vnd der Welt bezeugt haben / daß sie darzu keine Vrsach gegeben hetten. Die sich nun diesem Befelch gemäß vnd gehorsamb erzeigen würden / denen wolten Jhre Majestät mit Königlichen Gnaden / Schutz vnd Gütigkeit gewogen verbleiben. (Jesuiter von den Ständen sub Vtraque auß Böheim verbannet.) Auff dieses Abmahnungs-Schreiben haben die Stände also bloß / weil jhnen jhrer Widerwärtigen Practicken genugsamb bekandt / nicht trawen wöllen / derhalben das Patent zu publiciren verbotten / vnnd vnter solchen gewechselten Schreiben ein Decret wider die Jesuitë gemacht / daß nämlich dieselbe in Zeit acht Tagen daß Land räumen / vnd nimmer darein kommen solten. Auff daß jhnen nun mitler Zeit von dem gemeinen Volck kein Leyd angethan werden möchte / seynd in fünfftzig Mußquetierer vor jhr Collegium vnd Kirchen gelegt worden. (Vrsachen warumb die Jesuiten auß Böheim vertrieben.) Solcher der Jesuiten Verbannung halber liessen die Böhmische Directores vnd Regenten ein Schreiben publiciren / dieses Innhalts: Es were jederman wissend / in was grosser Gefahr das Königreich Böheimb / seydhero die Jesuitische Sect eingeführt worden / gestanden / vnd wie vielfältig Auffruhr vnd Veränderung / mit der Innwohner höchsten Beschwerden es außstehen müssen. Weil sie aber befunden / daß die vergiffte Jesuitische Sect dessen grösseste Vrsach seye / als welche den Römischen Stul befestigen / vnd alles vnter jhren Gewalt bringen wöllen / vnd hierinn ohne Gottes deß Allerhöchsten Respect solcher Mittel sich gebraucheten / daß sie hohe Potentaten gegen einander verhetzten / vnter den Landständen / sonderlich da die Religion nicht eins Empörung vnd Auffruhr anrichteten: Obrigkeiten wider die Vnderthanen: vnd Vnderthanen wider die Obrigkeitë auffrührisch machten: Mörderische Hertzen mit Verheissung der Seeligkeit vnd Erlösung auß dem Fegfewer / auff Könige / die jhrem bösen Raht nicht folgen wölten / anführeten: Freundt wider Freundt reitzeten: durch die Beicht alles erforscheten / der Menschen Gewissen sich so anmasseten / daß selbige ohne jhren Willen auch das Gute nicht verrichten dörffen: nach dem Exempel der Templarier grosse Güter an sich gebracht: In das Politische Regiment sich gemischet / vnd den jenigen / so nicht der Römischen Kirchen zugethan seyen / als Ketzern / keinen Glauben zu halten gelehret hetten. Deren Practicken insonderheit Franckreich / Engelland / Hungarn / Siebenbürgen / Venedig / Niderlandt vnd andere Länder Zeugen weren: Auch hernach in diesem Königreich Böheimb da es darzu gebracht / daß sie die Stände nach manigfaltigen Bedrängnussen vmb künfftige Vorsorg wider sie vnd jhre Listigkeit einen Majestät-Brieff vber das freye Exercitium Religion erlanget / vnd mit denen sub Vna gewisse Compactara auffgerichtet hetten: dieses auch von jetzt regierendem Keyser confirmirt were: vngeachtet der Peen im Majestät-Brieff begriffen / sie sub Vtraque in Predigten vnd Schrifften geschmähet / vnd als Ketzer verdammet: die Wort deß Majestät-Brieffs anderst außgelegt / vnd daß der König ein solchen Majestät-Brieff / die Religion betreffendt / ohne deß Papsts Wissen vnd Willen den Ständen zu geben nicht Macht hette: da selbiger doch weder vber sie die Stände / viel weniger vber jhren König einigen Gewalt hette / es auch so weit gebracht / daß Jhrer Maiestät der Geistlichkeit vnd anderer Stände sub Vna Vnderthanen / zu der Religion sub Vna genötiget / die Kirchen gesperret / zerschleifft / Gottesdienste verbotten / alle fürnehme Empter mit denen sub Vna besetzt / vnd die sub Vtraque auch wider jhr Gewissen mit höchster Schmach abgesetzt / vnd in Summa / etlich wenig Personen sub Vna vnd deß Vatterlands Meineydigen Söhnen / die Direction deß gantzen Königreichs vbergeben / durch welche diese Sect jhr liebes Vatterland ins Verderben zu setzen: sie die Stände aber als dessen Liebhabere außzutilgen sich bemühet. Weil sie / die Jesuiten / nun alles Vbels in diesem Königreich Vrsächer weren / seyen sie darinn nicht länger zu dulden. Derohalben als sie / die Stände sub Vtraque verspüret / daß solch Vnheil vnd Gefahr in dem Königreich kein Ende haben würde / so lang solche Sect darinn verbliebe. Als theten sie hiemit jedermann zu wissen / daß sie auß einhelligem Raht alle Jesuiten auß diesem gantzen Königreich hiemit in Ewigkeit verwiesen / also daß selbige alle friedlich von dannen ziehen / vnd nimmermehr in gedachtes Königreich / auff wasserley Weiß vnd Weg es auch were / kommen solten / wo sie nicht wolten / daß gegen jhnen vnd den jenigen / so sie auffhalten würden / als gemeinen Friedenszerstörern verfahren würde. Es solten auch gemelte Jesuiten nimmermehr weder durch Intercession deß Papstes / noch jemands anders / noch auch durch andere Weiß vnd Wege in das Königreich wider eingeführt werden: Wo auch jemands von den Böhmischen Ständen für deren wider Einnehmung bitten würde / wider denselben solte gleichmässig / als einem gemeinen Friedenszerstörer procedirt werden. Die andere Orden aber sub Vna die in den Clöstern vnd anderswo sich auffhalten / gehe dieses alles nichts an / sondern allein die Jesuiten / die auch auß etlichen andern Königreichen vnd Ländern weren vertrieben worden. Als nun dieses Decret den Jesuiten insinuirt vnd allenthalben angeschlagen worden / seynd dieselbige auff die gesetzte Zeit auß Böheimb hinweg gezogen / vnd sich in andere Länder vertheilet / haben aber darneben eine weitläufftige Apo [26] Logiam, mit welcher sie jhre Vnschuld darzuthun (Apologia der Jesuiten / wider der Böhmischen Stände sub Vtraque Beschuldigung.) sich vnterstanden / außgehen lassen: In welcher sie anfänglich den Böhmischen Ständen verziehen: darnach protestirt / daß die Böhmische Stände jhre Richter nicht seyen / in dieser Sachen auch kein Richterlich Ampt trügen / sintemal solches allein dem König / durch welches vnd dessen Vorfahren Gnade sie eingenommen worden / mit der drey Stände beyder Religionen sub Vna vnd sub Vtraque Bewilligung zustünde / besonders da in Abwesen jhres Königs / das Regiment nicht den jenigen / von welchen sie außgetrieben / sondern dem Burggraffen / welchen sie / die Stände / abgesetzt / anvertrawet worden / deßwegen sie dann ohne sonderlichen Jhrer Majestät Befelch nichts thätliches solten angefangen haben / vnter dem Schein der Defensorum, als wann sie deß Majestät-Brieffs Beschützer weren / weil sie von jhnen / den Jesuiten / nicht angefochten / vnd deßwegen auch eigenem Gewalt wider Vnrecht sich zu wehren gar nicht vonnöthen gehabt / viel weniger sie vncitirt vnd vnverhöret zuverdammen / ja vnverdampt zum Landt hinauß zu jagen befugt gewesen / vnd darzu zu ewigen Zeiten die zu verbannen / deren Außgang doch in jhrer Macht nicht stünde. Ferrners haben sie in dieser Apologia angeregt: was sonsten jhnen den Jesuiten die Stände aufflegten / als wann sie Zwytracht vnd Auffstandt anrichteten / were es zwar nicht ohne / daß bey vnterschiedlichen Religionen vnter einem (Hic latet anguis in herba.) Regiment es viel solcher Verwirrungen gebe / aber es könne nicht wol anders seyn / wann man die Catholische Religion wölle ein vnd fortpflantzen / daß nicht bey dem Gegentheil Neydt vnnd Haß vnd allerley Verhinderungen sich erzeigeten / vnter dem Schein / die Ehre Gottes zu befördern. Sie aber weren hieran nicht schuldig / viel weniger für andern Römisch - Catholischen anzuklagen / daß sie in dem Gottesdienst vnd Vnderweissung der Jugendt eyfferig weren. Befinde sich auch nicht / daß sie König vnd Obrigkeit hinzurichten Vorschub theten / were viel mehr daß Gegentheil auß jhren Scribenten zubeweissen. Es hetten ehe der Jesuiter Orden augefangen zur Zeit deß Königs Wenceßlai die Böhmen die Pragerische Rahtsherren zun Fenstern hinauß geworffen / die Thaboriten wider jhren König vnd Keyser sich auffgelehnet: Die Zißkianer die Catholische auffs eusserste verfolget: Böhmen sich von jhrem König Ferdinando dem Ersten abgethan: Bey Rudolpho dem andern hetten sich grosse Motus, dardurch der Majestät-Brieff herauß gepreßt worden / erreget: Jetzo seye das Volck durch offentliche Predigten wider die Catholischë erhitzet / die Königliche Officirer zun Fenstern hinauß gestürtzt: Ob dann diß alles die Jesuiten / oder andere Leute durch jhr Einblasen oder vor sich selbsten gethan hetten. Daß jhnen fürgeworffen würde / das sie dem Papst alles zu vnderwerffen sich bemüheten / vnd daß die so nicht vnter der Römischen Kirchen weren / Ketzer seyen / welchen man keinen Glauben zu halten schuldig were: geben sie zur Antwort / daß sie dem Papst Weltlichen Gewalt in seinen Herrschafften nicht verweygerten / begehrten aber andere Länder vnnd Herrschafften an jhne nicht zuverwenden / were auch solches jhren Reguln nicht gemäß / sondern stracks zuwider. Was aber Geistlichen Gewalt anlangte / bearbeiteten sie sich höchstes Vermögens dahin / daß alle Länder der Christenheit / ja der gantzen Welt / vnter diesen Geistlichen Gehorsamb deß Römischen Papsts sich ergeben / dieses theten sie Gott zu Ehren / vnd zu deß Nechsten Seeligkeit: Welches dann aller Catholischen alte (fast von Fünffzehen hundert Jahren hero) Meynung vnd Lehr were / wie solchrs mit den Kirchen Lehrern zubezeugen sey. Sie hielten auch nicht alle / so der Römischen Kirchen nicht gehorsameten / für Ketzer / sonderlich da es Weltliche Sachen / oder ein besonder thätliches Werck / auch etliche Religions Puncten / doch ohne deß Glaubens Verletzung betreffe / vnd nur auß sonderlich gefaßtem Wahn her quelle: sondern allein die / welche / da sie eines bessern vberwiesen vnd verständiget werden köndten / dannoch auß lauter Halsstarrigkeit sich von der Römischë Kirchen absondern. Lehrten auch nicht / daß den Ketzern kein Glauben oder Versprechen zu halten were: sondern vielmehr / daß man alles was verheissen / wo es nicht an jhme selbst vnbillich vnd vnrecht / steth vnd vest halten solle. Darvon Martin. Becan. de fide haereticis servanda. Daß sie durch die Beicht alle Heimlichkeiten erforschen / vnd die Gewissen bezwingen solten / sey es damit viel anders: vnd were jhnen Beicht zu hören / vnd die Gewissen von Sünden zu räumen durch Gott vnd jhre Obern anbefohlen. Darnach daß sie die Beichtende von jhrë vorgesetzten Sünden abmahneten / vnd von jhren verübten bösen Stücken hinfüro abhielten: Vnd dann / daß sie den Beichtern heylsame Buß zu halten aufflegten / daß nun darauß solte erzwungen werden / als wann sie die Beichtende zu bösen Thaten anstifften wolten / gestünden sie gar nicht / es were dann dieses böß / daß sie die vnter beyder Gestalt / zur Catholischen Religion vermahneten / vnd Vn Catholische Bücher zu lesen abmahneten / welches sie für böß nicht erachten köndten / were auch die Außforschung der Heimlichkeiten / vnd was zur Beicht nicht dienet / in jhren Regeln verbotten. Hetten die Leute in Böhmen auch nicht zur Religion gezwungen / auch die Kirchen zu sperren oder zu zerstören nicht verursacht. Jhnen den Jesuiten / gebührete zwar auß Gottes Gebott vnd jhrë Reguln / daß sie alle Schwärmerey - vnd Ketzereyen außzurotten beförderten: In Weltlichen Emptern aber jhres Gefallens zu handlen / were jhres Thuns gar nicht: Kirchen / Schulen / vnd Krancke zu besuchen / auch in Gewissens-Sachen Fürstlichen Personen ein guten Raht vnd Trost zu geben / seye jhnen anbefohlen / vnd nicht das Regiment. Es werde jhnë auch mit Vnwarheit fürgeworffen / daß die sub Vtraque in Böheim wegen der Religion weren bestraffet worden: Sondern das Widerspiel hette [27] sich mit vielen Exempeln befunden / in deme der Catholischen Herrn Vnderthanen / wann sie jhrer Vbelthaten halben gestrafft wordë / als wann solches auß Neyd gegen jhre Religion geschehen were / außgeben. Es werde auch fälschlich jhnen den Jesuiten fürgeworffen: daß sie nach dem Exempel der Templarier grosse Güter an sich zögen / vnd derselben Weltlichen Verwaltung sich anmasseten. Dann im gantzen Königreich Böhmen nit mehr als 5. Jesuiter Collegia weren / darinnen/ohne die frembde ankommende / 170. Personen erhalten würden / vnd belieffen sich doch aller 5. Collegien jährliche Renten nicht vber 10000. Goldgülden / weren darzu alle mit Schulden beschweret. So mischeten sie die Jesuiter sich auch nicht in Weltliche Händel / dann jhnen solches in jhren Reguln außtrücklich verbotten: vnd daß sie auch in solchem jhren Reguln nachkämen / geben jhnen die höchste Obrigkeit das Zeugnüß. Es entspringe aber dieser Verdacht darauß / daß sie bißweilen mit grossen Catholischen Herrn vnd Fürsten / welche sie für jhre Beichtvätter brauchten / vmbgiengen / da sie dann nicht läugneten / daß sie in Sachen das Gewissen / der Seelen Seeligkeit vnnd Religion jhrer vnd jhrer Vnderthanë betreffend / jhr gering Gutachten / Trost vnd Erinnerung denselben Herrn zu einer ersprießlichë Direction mittheileten / Gottes Ehr / vnd die Catholische Religion zu befördern. Daß auch viel Länder jhrer Bubenstück Zeugen seyn solten / were ebenmässig ein falsche Bezüchtigung / sintemahl jhre Vnschuld genugsamb köndte dargethan werden. Sie hetten auch mit jhrem predigen / schreiben vnd disputiren den Majestät-Brieff nicht verdrehet oder verkleinert: Vnd ob schon etwa einer oder der ander Privat-weise etwas darvon hette disputiret / man darumb nicht Fug vnd Recht habe / den gantzen Orden auß dem Königreich zuverbannen. Die Böhmische Stände klagten auch weiter / sie die Jesuiten hetten offentlich dörffen fürgeben / daß der Majestät-Brieff ohne Erlaubnüß deß Bischoffs zu Rom nicht hette können gegebë werden / inmassen er / der Bischoff / weder in sie / die Stände / noch in den König selbst einige Gewalt hette. Aber hierauff solten die Stände bedenckë / daß sie / die Jesuiter / hierinn gar nicht disputirten / was Keyser Rudolph / als er von den Ständen sub Vtraque allenthalben vmbringet zu Außfertigung deß Majestät Brieffs gleichsam gezwungen / einem grössern Vbel zu begegnen / habe zulassen können: Wann sie aber von der Sach selbs / ohne dergleichen Vmbstandt redeten / were jhre endliche Meynung / daß alle Religions Sachen von allererst an den Papst / als das Obriste Haupt vnd Regenten der Kirchen auff Erden vnd Richter aller Spänn vnd Irrthumben in Religions-Sachen gehöre / also daß der Stand der Religion / ohne desselben Wissen vnd Erlaubnuß nirgendt köndte verändert werden. Vnd diese jhre der Jesuiten / vnd vieler vor viel hundert Jahren Gottseliger Keyser Meynung seye / auß Gottes Wort gezogen. Daß auch die Stände sub Vtraque meyneten / sie were nicht vnter deß Papsts Gehorsamb / vnd gehe er sie nichts an / hette nicht die (Vel quasi mentitur Lojola.) Meynung: Dann einmal nicht allein die Catholischen / sondern auch die Ketzer vnd alle die jenigen / so von der Römisch-Catholischen Kirchen außtretten / wann sie nur die Tauff empfangen / vnter deß Papsts Gehorsam gehörenten / sc. (Ordenspersonen in Böheim werden von den Evangelischen Ständen mit Notdurfft versehen.) Nachdem also die Jesuiter auß Böheim außgeschaffet / haben die Stände sub Vtraque den vbrigen Geistlichen sonderlichen Schutz gehalten / daß sie incht etwa von dem gemeinen Pöfel möchten angegriffen oder beleydiget werden: Insonderheit hat der Graff von Thurn für sich den Capucinern alle Tag jhr Deputat an Speiß vnd Tranck vberreichen lassen. Als nun in dessen die Außschaffung der Jesuiten / vnd anders / so die Stände sub Vtraque ferrners vorgenommen / Jhrer Keyserlichen Majest. fürkommen / hat dieselbe einen außführlichen Bericht von diesem Böhmischen Wesen / damit jederman desto bessere Nachrichtung haben möchte / in offenen Truck außgehen lassen / dieses Innhalts: (Keyser Matthias läßt eine außführliche Information vnd Bericht wegen der Vnruhe in Böhmen außgehen.) Demnach die Keyserl. Majestät / Anno 1611. zu der Cron Böheim kommen / hette sich bey derselben der Abbt deß Closters zu Braunaw beklaget / daß seine Vnderthanen nicht allein ohne sein Wissen / sondern auch / nachdem er sich starck widersetzet / ein newe Kirch in seinem Flecken / vber welchen er allein der rechte Herr were / zu bawen Vorhabens seyen / ja auch / wiewol es jhnen verbotten / solchem Werck vnablässig obligen / vnd den Baw für seinen Augen auffführeten: Hierumb Jhre Majestät vmb Hülff angeruffen / jhre Königliche Authorität darein zu legen / damit die Vnderthanen von jhrem Baw / welcher jhnen von Rechts wegen nicht zustünde / abzulassen / vnd jhrem Herrn gehorsamb zu leysten / angehalten würden: Als hette der Keyser seiner deß Abbts Bitt statt zu geben vor billich erachtet / vnd derowegen den Braunawern / daß sie jhme hierüber gründlichen Bericht einbrächten / hierzwischen aber von dem Baw abstünden / besohlen: welche aber keines auß diesen beyden gethan / ja auch Jhrer K. Majestät keiner Antwort darauff gewürdiget / sondern bey den Defensoren zu Prag Hinderhalt gesucht / vnnd dardurch vmb so viel halsstarriger den Baw vollnzogen hetten / weil sie durch das Ansehen der Defensoren ein stärckere Handhabung zu jhrem Thun zubekommen haben vermeynet: Dann sie / die Defensores, jhnen durch Schreiben Anlaß geben / den Baw / so sie angefangen / kühnlich / vngeachtet aller Königlichen Mandaten / zu vollbringen: Vnd diß were dem Apt / wie billich / fast beschwerlich gewesen. Hierzwischenwere Jhre Majest. wichtiger Geschäffte halben auß Böhmen verreyset: Als er nun zu seiner Widerkunfft / Anno 1616. die Strittigkeit zu erörtern (wiewol er die Vngehor [28] samën mit anderer Straff ansehen mögen) den Majestät Brieff vnd die Vergleichung zwischen denen sub Vna vnd sub Vtraque besser durchsehë / vnd darauß befunden / daß allein den Ständen deß Königreichs Kirchen zu bawen zugelassen würde: der Vnderthanen aber / fürnämlich deren / so vnter Geistlicher Obrigkeit seyen / geschehe keine Meldung: der Vertrag aber erstrecke sich auch auff die Vnderthanen der Königlichen Herrschafften / jedoch mit Vnterscheidt / vnd werde also dem Rechten deß dritten im geringsten nichts benommen. Hierauff hette er dem Graffen von Thurn / beneben zweyen andern Defensoren vermeldet / daß die Vnderthanen auff Geistlichen Gütern nicht befugt weren / es auch weder auß dem Majestät-Brieff / noch auß dem Vertrag darthun köndten / Kirchen zu bawen / auch die jenigen so den Auffrührischen Vnderthanen Vorschub thäten / dessen keine Vrsach hetten. Dieser Erklärung vngeachtet / seyen die Defensores zusammen kommen / newe Außlegungen darüber erdichtet / vnd alles was der Königlichen Landen Vnderthanen / nicht zwar von dem König / sondern von dem dritten zugelassen / auch auff die Güter der Geistlichen verstanden haben wöllen / weil dieselbe Stiffter / die Könige für jhre Stiffter erkenneten / vnd also die Geistlichen Güter der Cammer Eigenthumb vnbesonnen pflegten zu nennen. Durch diese der Defensoren vngeräumbte Meynung / seyen die Braunawer verhals starrigt worden / daß sie / vngeachtet der Königlichen Mandaten / von jhrem Vorhaben nicht abweichen / auch die Schlüssel zur Kirchen nicht lieffern wöllen / biß vnter jhnen die fürnembsten zur Hafftung gezogen worden. Als nun dergleichen in dem Flecken Clostergrab / darüber der Bischoff zu Prag Herr were / wegen eines vnbefugten Kirchenbaws sich zugetragen bette / vnd bemeldter Bischoff selbige niderreissen liesse / hetten die Defensores vermeynet ein newe Vrsach sich auffzulehnen / zuhaben / derohalben vnter denen sub Vtraque ein newe Zusammenkunfft angestellt / vnd / mit Vorgeben / als wan̅ jhnen nach jhren Freyheiten getrachtet würde / eine Kriegsmacht sie zuvderfallen in Bereitschafft / vnd die eusserste Gefahr / wo sie nicht solchem Vnheil vorkämen / vorhanden were / männiglichen grosse Forcht vnd Schrecken eingejagt. Dieses / wie hefftig es dem friedliebenden Keyser mißsallen / were auß den jenigen Schreiben abzunehmen / die er deßwegen an die Statthalter vnd Beampten abgehen lassen / in welchen er alle Sicherheit vnnd Schutz / wann allein die Reichsgenossen jhme billichen Gehorsamb erzeigen / vnd solcher Zusammenkunfften sich enthalten wolten / verheissen / vnd wo ferrnerer Zwitracht zwischen beyden Religions Ständen einstelen / sie desselben Erörterung biß zu seiner Widerkunfft auffzöge̅ / befohlen / auch daß sie vnter dessen alles Gezäncke vermieden / vnnd von solchen vnnötigen Argwohnungen abstünden / ermahnet / vnd einem jeden seine Privilegien zugebrauchen nach seinem Willen gestattet. Vnangesehen aber dessen / hetten sie die Defensores den 21. May / nachdem sie den Tag zuvor auff allen Cantze??? durch die Praedicanten das Volck zum Sturm vnd Aussruhr auffmundern lassen / in grösserer Anzahl sich versamblet / vnd diese Lasterhafftige Rahtschläge gesponnen / welche hernach der folgende Mitwoch entdecket / da sie mit gewaffneter Hand in das Schloß / vnd gar in die Königliche Cantzeley kommen / vnd allda die fürnembste Rähte / vnd stattlichen Herkommens Personen / wider alle Göttliche vnd Weltliche Rechte / mit grosser Gewalt vnd Vngestümme / ohn einige Verhör oder Bekandtnuß / vnerhörter weise / grausamlich zu den Fenstern hinunter gestürtzt: nach diesem den Capitain sampt der Königlichen Wacht deß Schlosses der Pragischen vnd andere Stätte Innwohner / jhnen zu schweren gezwungen / etliche / welch auß wichtigen Vrsachen in Hafftung genommen / auß eignem Gewalt loß gelassen / hergegë andere Königliche Diener ins Gefängnuß gestossen: andere jhrer Güter beraubet / oder vmb ein grosse Summa Gelts gestraffet. Die Vestung Carolstein / das allersicherste / vnd zu der Königlichen Cron / Schatz / vnd deß Reichs Privilegien bewahrtes Ort / nach abgesetztem Burggraffen vnd andern Beampten / die auß deß Königs vnd gantzen Königreichs willen bestellt gewesen / hetten sie vnbillich eingenommen: die gegenwärtige Gülten der Antemontaner / welche zu der Hungarischen Grän???en Noth deputirt gewesen weren / vnd andere Königliche Einkommen angewendet: die gemeine von dem König vnd den Ständen verordnete Verwalter der Provincialischen Contribution abgesetzt / vnd andere darzu verordnet: die bemelte Contributio nen / welches auch dem König selbst nicht were er laubt gewesen / anderswohin verwendet: Kriegsvolck zu Roß vnd Fuß geworben: trewe Reichsgenossen auff jhre Seiten gezwungen / die Vngehorsamen in jhrer Halsstarrigkeit gestärckt: Kirchen vnd Schulen Geistlicher / Hochgelehrter vnd von jhnen ins Elendt vertriebener Personen / eingenommen vnd verwüstet: den Burggraffen / als den nechsten nach dem König / abgesetzt / vnnd mit Soldaten in sein eygen Hauß eingeschlossen. Vber dieses alles aber hetten sie kein andere Entschuldigung vorzuwenden / als daß solches zu der Religion / deß Majestät Brieffs / deß Königreich Wollstand / vnd der Keyserlichen vnd Königlichen Majestät Erhallung notwendig hette geschehen müssen. Sie köndten aber doch kein einzigen Feindt nennen / vmb welches willen / alles oberst also ins vnderste zuverkehren / von nöthen gewesen were. Jhre Apologia nennete zwar 4. Personen / welche sie für schädliche Feind deß Königreichs hielten: aber vmb deren willen / wiewol sie noch nicht verhöret vnd vberwiesen / were noch nicht aller Gehorsamb hinzulegen / der Rebellion sich zubegeben / die Satzungen zu vnterdrucken / die gantze Gemein also zuverändern / vnd die vnschuldige Reichsgenossen mit einem solchen vnnötigen
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Krieg / dessen fürnembste Vorgängere vnd Stiffter Außländische seyen / einzuwickeln / auch andere / ausser dem Königreich gesessener Potentaten vnd Fürsten Hülff vnd Beystandt durch sonderliche Absendungen zubegehren / vnd also die Gemüther gegen Jhr. May. zuverbittern gewesen. Männiglichen were offenbahr / daß den Privilegien / vnd zwar dem Majestätbrieff kein Abbruch geschehen seye / were auch J. M. niemals in Sinn kommen / wider die gegebne Trew vnd mitgetheilte Bestätigungen den allergeringsten Buchstaben zweiffelhafftig zu machen: der jenigen Sachen Entscheydung vnd Außlegung aber / welche in den Religions Privilegien nicht begriffen / vnd also ausser allem Zweiffel seyen / were nicht von einem Part der Streuenden zu verfechten / sondern dessen Erörterung / Außlegung vnd Außspruch würde billich Jhr. M. auffrichtigem Vrtheil vorbehalten. Derhalben were es gar liderlich anzusehen / daß man solchen groben Vnthaten die Religion zu einem Deckmantel fürhängen wolle / welche auch Jh. May Person selbsten nicht wenig angiengen / vnd darumb auch sie ach Verdienst ohne Verzug zu straffen / vnd Jhre Königliche Authorität zuerhalten / wiewoles Jhrer M. weder an Gemüthe / noch andern Mitteln nicht ermangelte / doch wegë angeborner Güte / vnd sonderlicher Sanfftmütigkeit / damit sie / die vielfältige Kriegsnoth vn̅ elender Jammer gleich samb vor Augen sehende / diß herrliche Königreich auß Erbärmbd vnd hertzlichem Mitleyden anschawete / bezeugte sie vor der gantzen Welt / daß sie nicht anders Sinnes were / dann daß man / laut der Satzungen deß Reichs / durch ordentliche Erkündigung der Sachen / dem Rechten nach folge / vnd dessen Außspruch auff allen seiten nachgelebte: hierzwischen alles Kriegsvolck abgedanckt / vnd die cusserste Gefahr dieses Königreichs / durch Mittel der Gerechtigkeit / vermieden würde. An jetzo wollen wir die Böhmische Händel ein wenig beseyts setzen / vnnd besehen / was diese Zeil sich zu Venedig zugetragen habe. (Zu Venedig wirdt eine grosse Verrähterey entdecket.) In derselben Statt hat sich vnder bißhero erzehltem Verlauff ein grosse Verrähterey entdecket / welche von etlichen Venetianischen Edelleuten / Frantzosen / Hispaniern vnd Italiänern nachfolgender Gestalt angestellt war: Es hielten sich in der Statt an vnterschiedlichen Orten vertheilet von erstgemeldten Nationen in 60. Obristen / neben in 700. Meuchelmörderischen Soldaten / so auff eine bestimpte Zeit vnd Termin sich zusammen thun / der Signoria Pallast vnverschens einnehmen / vnd alle Rahtsherren vmbbringen solten / denen als dann in Verübung solcher Mord Thaten ein grosse Anzahl / so sich hin vnd wider auff den Schiffen vnd Galleen befunden zu Hülffe zu kommen bestellt war / diese solten den ersten Anfall an der Müntz machen / vnd mit bey sich habenden künstlichem Fewerwerck / welches sonderlich zu solchen Vorhaben zugerichtet worden / das Zeughauß sampt vielen Gewölben / so voller Leinöhl / Bech vnnd Holtz gewesen / in Brandt stecken: vber diß vnter solchem Alarm / damit die Bürger vnd Innwohner / die Statt zu defendiren / nicht zusammen kommen köndten / die Brücken / zu welchem Ende sie dann auch etliche grosse vnd kleine Galleen mit vielen Geschütz verschen in Bereitschafft hatten / abwerfen. Dieses alles nun were ein elender Jammer worden / vnd ohn ein grosse Blutbadt nicht abgegangen / wann dieser böse vnd Verrähterische Anschlag nicht bey Zeiten were offenbahret worden. Welches geschehen durch einen / der diese ding selber practiciren helffen / hernacher aber in sich geschlagen / sich eines bessern bedacht / vnd der Herrschafft alles offenbaret: Welches dann seine Mitgesellen baldt gewahr worden / derhalben mehrertheils bey Zeiten sich auß dem Staub gemacht: Aber man hat noch ein ziemliche Anzahl von jhnen erdappet / welche theils mit den Füssen / theils mit den Hälsen auffgehenckt: auch viel / vnd sonderlich was Venetianische Edelleut gewesen / bey Nacht vmb jhrer grossen vnnd ansehenlichen Freund schafft willen / ersäufft worden. Vnter anderm ward ein Frantzösischer Capitain auff einer Galleen mit den Füssen an den Segelbaum auffgehenckt. Den jenigen so diesen Anschlag geoffenbahret / ist von der Herrschafft nicht allein ein groß Summa Gelts / sondern auch jährlich / jhme vnd seinen Nachkommen / ein stattliches Einkommen zugeordnet worden. (Verrähterey zu Crema.) Die Statt Crem (so den Venedigern vnterworffen / am Fluß Adda auff einer schönen Ebne gelegen / vnnd mit starcken Mawern / vnd einem Wassergrabe̅ wol versehen / auch mit schönen Gebäwen gezieret) hat auff gleiche Zeit auch durch ein solchen Verrähterischen Anschlag sollen vberwältiget werden / da dann auch etliche Befelchshabere / so dem Feind ein Thor öffnen sollen / ertappet / vnd nach jhrem Verdienst abgestraffet worden. (Zu Venedig vnd Constantinopel grassirt ein beschwerliche Seuche.) Eben vmb solche Zeit hat in obgemelter Statt Venedig / wie auch zu Constantinopel ein vnbekandte beschwerliche Schwachheit grassirt: in deme die Leute so schwach vnd krafftloß worden / daß sie plötzlich dahin gefallen / vnd gestorben / vnd doch nicht recht gewußt / was jhnen gemangelt hat / wodurch dann viel fürnehme Leute hingeraffet worden. Als nun solche Kranckheit wider nachgelassen / hat man darüber zu Venedig ein sonderlich Danck: vnd Frewden Fest gehalten. (Venedig.) Es ligt aber die Statt Venedig in dem jnnersten Recessu oder Winckel deß Adriatischen Meers / auff die sechszig kleine Insulen in sich begreiffende: sie ist zwar mit kleine Mawern oder Wällen vmbgeben / aber doch gleichwol durch die Gelegenheil deß Orts sehr wol bewahret: Dann sie ist mit deß Adriatischen Meers (das zwischen der Statt vnd dem Land eindringet) Seen vmbgeben: Sintemahl vom Lande her / weil ein tieff Meer / fünff Welsche Meilen breit / darzwischen ligt / vnd von dem Meer her / weil der Boden deß Meers vnsicher vnd gar nidrig / vnd allein den [30] Innwohnern auß Erfahrung bekandt / ist den Feinden solchen Orth zu beschädigen gar vnbequem. Jhr Vmbkreyß begreifft in sich 8. Italiänische Meilen: wirbt hin vnd wider durch viel Canäl zertheile??? / fast in allen Gassen von dem Meer durchlauffen. Hat vber dieselbe Canäl bey 450. steinerne vnd hültzerne Brücken. Die Statt ist mit herrlichen / schönen vnd kostbaren Pallästen vnd Gebäwen / mehr als keine Statt in Italia / ja wol in gantz Europa / erfüllet vnd gezieret / also daß sich vber derselben Köstlichkeit zum höchsten ist zuverwundern. Es ist ferrner diese Statt wegen deren Reichthumb vnd gewaltigen Kauffmanshändel in der gantzen Welt berühmbt / wie dann auch auß allen Orten dahin kommen / so allda jhr Gewerb vnd Kauffmannschafft treiben / vnter denen man allerley Nationen siehet / als Teutsche / Vngarn / Polen / Spanier / Frantzosen / Türcken / Mohren / Slaven / Araber / Syrer / Crether / Cyperer / Macedonier / vnd dergleichen. Die Innwohner werden auff 300000. starck geschätzt / vnd dieselbe in dreyerley Stände abgetheilet: darunter die ersten seynd die Edelleut / auff welchen das Regiment beruhet: die andern die Bürger / welche die Empter der Schreiber vnd anderer Dignitäten versehen: die dritten seyn die Künstler vnd Handwercker. Das oberste Haupt er Statt ist der Hertzog / dessen Gravität vnd Herrligkeit einem König sich vergleichet / ohne welchen der Raht nichts vornehmen darff / wie auch hingegen er ohne deß Rahts Verwilligung nichts thut: Der Raht pflegt zwar als ein Author zu decerniren / aber doch gehen alle Decreta vnter dem Namen deß Hertzogen auß. Es besitzen jetziger Zeit die Venediger in Italia drey vnterschiedliche Provincien / nämlich die Tarvisische Marck / Friaul vnd Histerreich. Ingleichem einen Theil der Lombardi / als die Herrschafft Brixen / Bergamum / Veron vnd Crema. Darnach haben sie fast alle Port vnd Meerhäfen in Dalmatia: Insonderheit zwo feste herrliche Stätte / Zara vnd Cattaren: Die Insul Corcyra / so heutigs Tags Corfu genennet wirbt / Cephalonien: Zazynth oder Zante / sampt der weitberühmbten Insul Creta oder Candia in jhrer Possession / also daß jhre Macht sehr groß / vnd in aller Welt berühmbt ist / vnd können sie / wann es von nöthen / dreyssig oder fünff vnd dreyssig Tausendt Mann zu Feldt halten: daher diese Statt billich für eine Königin deß Adriatischen Meers / vnd eine Cron vnd Zierde deß Italiänischen Namens gehalten wirdt. (Friede̅ zwischen dem Hertzogen von Saphoy / Hertzogen von Mantua / vnd Gubernatorn von Mayland auffgericht.) Nachdem ein Zeit hero Carolus Emanuel Hertzog in Sophoya / mit Ferdinando Hertzogen von Mantua / vnd dem Hispanischen Gubernatorn in Mayland / ein schweren blutigen Krieg geführet / vnd von beyden Partheyen vnterschiedliche Oerter eingenommen worden / wurde vmb diese Zeit / mit der armen bedrangten Vnderthanen grossem Frolocken / die Sach geschlichtet / vnd (1618. Vrsachen dieses Kriegs.) der werthe Frieden wider zuwege gebracht. Damit aber der Leser die Vrsach dieses Kriegs sampt desselben / Fortsetzung / vnnd auff was weise der Fried endlich geschlossen / wissen möge / wöllen wir den gantzen Verlauff in den vorigen Jahren kürtzlich hieher setzen. Zu dessen Anfang dienet gar fein hieher / was Antonius Albitius in der Paleologen Keysern zu Constantinopel Stamm Verzeichnuß schreibet / mit diesen Worten: Die Marggraffen von Montferrat / welche von Theodoro / Keyser Andronici deß ältern von der Jolanta Sohn / herkommen / habe auffgehört an Bonifacio einem jungen Herrn / Marggraff Wilhelms Sohn / welcher von einem Roß das lauffend ist worden / einen Fall gethan / darüber er (1530. Streittigkeiten wege̅ deß Hertzogthumbs Moniferrat / zwische̅ dem Hertzogen von Saphoya / dem von Mantua / vnd dem Marggraven von Saluzo. 1534.) deß Tods seyn müssen / im Jahr 1530. vnd an Marggraff Bonifacij Vatters Bruder / Hanns Georgen / einem Abbt / welcher nach seines Bruders Sohns Marggr. Bonifacij Todt die Geistlichkeit auffgeben / vnd Julia / Friderichen von Arragon etwan Königs zu Neapels Tochter zu der Ehe nehmen wolte / aber vor der Hochzeit gestorben / vnd der Paleologen Männliche Linj gäntzlich geandet / welche schon in die 200. Jahr lang dieselbe Marggraffschafft besessen hatte / vnd kam also die Marggraff schafft Montferrat an die Hertzogen von Mantua / vmb das Jahr 1534. Dann Fraw Margreth Marggraff Wilhelms Tochter / vnd deß letzen Marggraffen Bonifacij Schwester / Friderich Gonzagen (der von Keyser Carln dem Fünfften / zum ersten Hertzogen zu Mantua im Jahr 1530. ist gemacht worden) Gemahel die Marggraffschafft Montferrat geerbet / vnd an das Fürstliche Hauß der Gonzagen zu Mantua gebracht / da es noch bey bleibet. Dann obwol nach Bonifacien vnd Georgen obgenandter Marggraffen Todt / neben Hertzog Friderichë von Mantua / auch Hertzog Carln zu Saphopa / vnd Frantz Marggraff zu Saluzo / bey Keyser Carlen dem Fünfften / jeder für sich / anhielten / jhnen die Marggraffschafft Montferrath zu Lehen zu geben / vnd der Hertzog von Saphoya vber die andere Praetensionen vnd Gerechtigkeiten (so hernach auch vermeldet werden sollen) die er hierzu zu haben vermeynte / auch darumb Hoffnung darzu hette / weil er wegen daß er es mit Keyser Carln hielte / auß seinem gantzen Fürstenthumb von seinem Vettern dem König in Franckreich vertrieben war: Der Marggraff von Saluzo aber hoffete darumb darauff / weil er damals newlich eben zu rechter Zeit von den Frantzosen ab / vnd zum Keyser gefallen war: richteten doch beyde nichts auß / dieweil der auffrichtige Herr der Keyser jhre Bitten geringer achtete / dann die gantz billichmässige Einreden deß Hertzogen von Mantua. (Montferrat kompt an die Hertzogen von Mantua.) Wiewol deß newen Fürsten Einsätzung der Ends mit grossem Gewalt zugieng / sintemal die Hauptstatt in Montferrat / Casale S. Evasij / ob schon die Keyserischë das Schloß jnnhatten / dannoch / durch etlicher Bürger daselbst Rottierung / auff die Frantzösische Seyten gezogen ward / mit einem solchen Außgang / daß / nachdem durch das
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auß der nähe abgeholtes Frantzösisches Kriegsvolck das Schloß vmblägert war (in welches Alvaro de Luna, der vom Keyser zu Einführung deß Hertzogenvon Mantua ward verordnet worden / vnd deß Hertzogen von Mantua Gesandten geflohë waren) der Marques di Quasto Alphonsus Statthalter zu Meyland / als er dieses gefährlichen Handels jnnen worden / von Stundan hinzu gerucket / durch das Schloß die Statt Casale erobert / die Frantzosen darauß vertrieben: vnd wiewol damals die Bürgerschafft von dem Keyserischen Kriegsvolck geplündert / wurde es doch darnach durch Freygebigkeit vnd Gnad jhres newen Herrn miltiglich wider erquicket. Von derselben Zeit / nämlich vom 1540. Jahr an / gehört Montferrat den Durchleuchtigsten Hertzogen zu Mantua heutigs Tags zu / als er vor den Paleologen deß Keyserlichen Hauses zu Constantinopel vnderthan gewesen / da nämlich ein einige Fraw noch vbrig / nach Abgang deß gantzen Manns Stamms / diß Land auß Keyserlicher Belehnung / an die Gonzagen / Hertzogen zu Mantua brachte. Biß hieher Albitius. Es ist aber vber diesem Außspruch / daß den Weibspersonen die Mannliche Erbschafften zuertennet worden / der Hertzog in Saphoja / so Carl der dritte dieses Namens / vnd Carl Emanuels Anherr gewesen / heimlich hefftig entrüstet worden. Wiewol nun Wilhelmus Gonzaga obgedachtes Friderici Gonzagae Sohn / bey Keyser Ferdinando Keyser Carls Nach fahr / vmb bestättigung dessen / was seinem Vattern zuerkennet worden / angehalten / hat er doch solches nicht erlangen mögen / sondern ist jhme vermeldet worden / daß Keyser Carl dazumal also were eingenom̅en worden. Jedoch hat hernach Keyser Maximilian der ander hierinnen keine Newerung anfangen wöllen / sondern hochgedachten Hertzog Wilhelm in Besitzung deß Montferrats bestättiget / selbiges auch zu einem Hertzogthumb erhaben / vnd mit stattlichen Privilegien versehen.
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Anno 1573. diesem / nachdem er im Jahr 1587. verstorben / ist sein Sohn Vincentius in der Regierung nachgefolgt / vnd als auch derselbe im Jahr 1612. sein Leben beschlossen / hat an seine Statt sein Sohn Franciscus, so Anno 1608. Hertzog Carol Emanuel zu Saphoyen ältestes Fräwlein Margretha geehelichet / das Regiment angetretten / aber auch noch im selbigen Jahr diese Welt gesegenet / vnd ein einige Tochter hinderlassen. (Anfang deß Montferratischen Kriegs.) Hierauff nam sein Bruder Ferdinand ein Cardinal / die Besitzung deß Lands eyn. Als nun der Hertzog in Saphoyen sahe / daß seiner Tochter an dem Hertzogthumb Mantua vnd Montferrat wenig mehr vbrig seynd würde / hat er sie sampt seinem Enckel von Hertzog Ferdinanden abfordern lassen. Weil aber derselbige in solches Begehren nicht willigen wolte / schickte sich Hertzog Carl Emanuel zum Krieg / brachte durch viel Verheissungen den Montferratischen Adel auff seine seiten / kam mit einer starcken Armada in das Landt / vnd brachte Trino vnd Alba durch List in sein Gewalt / nach solchem wolte er zur Belägerung der Statt Casal schreitten: als er aber vernahm / daß jhme der Hertzog von Nivers schon zuvor kommen / vnd mit etlichem Volck sich in Casale gelegt hette / hielte er diese Belägerung noch zurück / vnd ließ vnter dessen seine Praetensiones vnd Gerechtigkeiten wegen deß Montferrats in offentlichen Truck außgehen / dieses Innhalts: (Anfpruch deß Hertzogen in Saphoy an Montferrat.) Weil die Mannliche Erben deß Geschlechts der Paleologen nunmehr im Jahr 1533. in Hertzog Johann Georgen auffgehöret hetten / mit Margretha der Tochter Hertzog Wilhelms / Bonifacij Schwester / vnd Johann Georgs Enckel / welche damals noch vbrig gewesen were / sein Hertzog Carl Emanuels Anherr / Carl der dritte / ein gleichen Vrsprung von Theodoco der Palcologen Vatter her hette. Die jenige Lehen aber / welche so wol auff die Weibs: als auff die Mannspersonen fielen / weren also beschaffen / daß ob schon der Vrsprung einer Mannsperson / so von einer Weibs Linj herrührete / etwas weiter were / so würde er doch der Weibspersonen vorgezogen. Vber das als Violanta II. vorgemelten Theodori (etliche habë Iolanta, Iolanda vnd ???ole) Tochter dem Graffen AEdmundo zu Saphoy / zur Ehe gegebë worden im Jahr 1330. hette man sich verglichen / daß so mit der Zeit der Manns-Stammen der Paleologen sein Endschafft erreichen würde / alsdann die Marggraffschafft Montferrat auff die Erben vnnd Nachkommen der Violanta fallen solte. Darnach stünde jhm die Gerechtigkeit eines Lehenherrn auff die Herrschafften deß Montferrats / so disseits dem Po vnd vber dem Fluß Tenar gelegen zu / wegen eines Vergleichs / so zwischen Johann Jacob Marggraffen zu Montferrat / vnnd Amadeo Hertzogen in Saphoya im Jahr 1435. getroffen worden. Dann besagter Marggraff wurde in einem Krieg / den er mit dem Mayländischen Gubernatorn führete vberwunden / vnd auß seinem gantzen Lande vertrieben derowegen Hertzog Amadeus in Saphoy die Waffen wider den Meyländischen Gubernator ergriffe / vnd den Marggraffen mit der Faust in sein Landt wider einsetzte / daher er zur Danckbarkeit solcher Gutthaten deß Hertzogen Gehorsamb sich vndergab / vnd sein Lehenmann wurde. Ioh. Ludov. Gothofred. in Archont. lib. I. Dann von derselben Zeit an hetten dieses Marggraffen Kinder dem Hertzogen in Saphoy / als einem Lehenherrn gehuldiget / vnd jhme Chivas, Brandis, Settimo vnd Ozergnam eigenthümblich vbergeben. Zum dritten hette er eine Gerechtigkeit darauff / wegen eines Testaments / so von Blanca / einem Fräwlein von Montferrat / Carln deß Ersten dieses Namens / Hertzogen zu Saphoya Gemahel / jhrem Sohn Carln dem Andern Hertzogen zu Saphoya zum besten auffgerichtet / vnd jhme darinn / so wol wegen der Gerechtigkeit / so jhme auff einem Theil deß Montferrats zustünde / als wegë der Morgengab / welche jhme auch Keyser Carle der fünffte zugesprochen hette / verordnet 80000. Ducaten / welche nun zusammen gerechnet / auff 70000. Ducaten sich belieffen. Hierauff hat Hertzog Ferdinand zu Mantua seine Einreden auch an Tag gegeben / mit vermelden / daß dieses eben die jenige Praetensiones seyen / die Hertzog Carl Emanuels Anherr vor Keyser Carlen dem fünfften fürgebracht / deren doch vngeachtet / der Keyser das Recht dem Mantuaner zugesprochen hette. (Mißhelligkeiten zwischen Spanien vnd Saphoyen brechen in dem Montferratischen Krieg herfür.) Weil nun in diesem Krieg nicht allein die meiste Fürsten in Italia / sondern auch der König in Hispanien durch den Gubernator von Meyland / dem Mantuaner mit Hülff beygesprungen / vnd aber ohne das der Hertzog in Saphoya einen Widerwillen auff Spanien hatte / weil jhme die jährlichen Einkom̅en / so jhme wegen seines Gemahls Königs Philippi II. in Hispanien Tochter / vnd deß damaligen Philippi III. Schwester / versprochen / nun etlich Jahr nicht gehalten worden / hat die Feindschafft destomehr zugenommen / vnd der Krieg mit obgemeldtem Meyländischen Gubernatorn desto ernstlicher angangen. Dann als Hertzog Carl Emanuel zu Saphoy mit der Infantin Catharina Königs Philippi II. in Hispanien Tochter im Jahr 1585. sich vermählet / wurde jhme vnder andern versprochen / daß jhme von den Einkommen deß Hertzogthumbs Meyland 60000. Ducaten / vnd von dem Zoll zu Neapolis 8000. Ducaten jährlich solte gereichet werden. Darüber aber hat im Jahr 1614. der Hertzog geklagt / daß jhme solch versprechë nicht gehalten würde / vnd hette er 60000. Ducaten in 8. Jahren nicht empfangen / deßgleichen nunmehr in 4. oder 5. Jahren die 8000. Ducaten nicht bekommen. Zu diesem seynd noch andere mehr Vrsachen kommen / die dieses Orts nicht zu erzehlen / durch welche die Feindschaft zwischen Spanien vnd Saphoyen je mehr vnd mehr gewachsen. Diesen Krieg aber (durch welchen dem Mantuaner nicht geringer Schaden zugefügt worden / der auch vber ein Million Goldt darauff gewendet haben solle) zu stillen / vnd die Sachen zu vergleichen / haben sich der Bapst vnd König in Franckreich zum hefftigsten bemühet / vnnd [33] hat dieser den Marggraffen von Ramboulliet / jener (Articul zu einem Vergleich zwischen Saphoy / Mätua / vnd dem Mayläudischen Gubernatorn / werdë von den Frantzösischen vnd Päpstlichen Abgesandten zu Vercelli vnd Asti vergeblich vorgeschlagen.) aber den Savelli Bäpstlichen Nuncium zu den kriegenden Partheyen abgesendet / die dann auch die Sach so weit gebracht / daß in nachgesetzte Friedens Puncten / so sie ???rstlich zu Vercelli den 27. Octob. 6. Novemb. vorgeschlagë / vnd hernach zu Asti den 21. Novemb. 1. Decembr. Anno 1614. völlig verfasset / der Hertzog in Saphoja eingewilliget / vnd seynd solche Puncten nachfolgenden Innhalts gewesen: 1. Erstlich solte der Hertzog in Saphoja sein Kriegsvolck abschaffen / ausser einer gewissen Anzahl / so er nach Gutdüncken der Herrn Abgesandten zu Versicherung vnd Beschützung der Plätze behalten möchte. 2. Der Marggraff von Inoyosa Gubernator zu Mayland / solte im Namen deß Königs in Hispanien dem Papst vnd König in Franckreich zusagen / den Hertzogen in Saphoja nach hinlegung der Waffen / vnter was Schein es auch geschehen möchte / nicht zubeleydigen. 3. Wo dieses nicht gehalten würde / solte der Hertzog in deß Papsts vn̅ Königs in Franckreich Schutz genommen werden. 4. Die in diesem Krieg von beydë Partheyen eingenommene Oerter solten jhren rechtmässigë Besitzern alsbaldt nach obiger Abschaffung deß Kriegsvolcks wider eingeräumet werden. 5. Die Strittigkeiten / so sich zwischen Saphojen vnd Mantua verhielten / solten durch darzu von beyderseits verordnete Mittelspersonen in sechs Monaten geschlichtet vnnd verglichen werden. 6. Der Hertzog von Mantua solte dem Hertzogë zu Saphoya alle der Infantin Margretha Geschmeyd vnd Kleynodien vnverzüglich zustellen / zugleich auch die Ehestewer abrichten / vnd in vier Monat nach Empfahung dieses Vergleichs die schuldige Pensionen vnd Interesse bezahlen: oder so er solches nicht schuldig zu seyn fürwenden wolte / solte er der Mittels Personen Außspruch vnderwürfflich seyn. 7. Weylandt Frawen Blancae binderständige Ehestewer solte der Hertzog von Mantua / jnnerhalb zweyen Jahren / nach Empfahung dieser Vergleichungs Schrifft / oder in verbleibung dessen / der König in Franckreich von dem seinigen dem Hertzog in Saphoya abrichten / doch solten die vnliquidirte Accessorien Frawen Blancae Ehestewer / zu Erörterung der verordneten Richter gestellet seyn. 8. Die jenigen Lehenleute vnd Vnderthanen / so der Gegenpart in diesem Krieg gedient hetten / solten wider zu Gnaden angenommen / vnnd jhre Güter / selbige entweders zuverkauffen / oder zubehalten / wider gegeben werden. Hiervon solten auch nicht außgeschlossen seyn die jenigen / so vmb einer andern Vrsach willen / nach Anfang deß Montferratischen Kriegs entweder zur Leibsstraff oder zur Einziehung der Güter verurtheilet worden weren. 9. Dieses alles solte also steiff vnd fest gehaltë werden: Doch wo diese Vergleichungs Puncten von einer oder der andern seyten nicht angenommen würden / solten sie als nichtig vnd vngültig gehalten werden. Wiewol es nun auff diesen Vertrag das Ansehen gehabt / als ob die Sach verglichen / vnd der Krieg ein Loch bekommen / sonderlich weil der Hertzog zu Saphoyen allbereit etliche Ort / so er in Montferrat eingenommen / wider abgetretten / ist doch die Sach wider stecken blieben / vnd hat sich der grimmige Mars mit dem allbereit vergossenen Blut noch nicht wöllen ersättigen / sondern sein grausames Lermenblasen zum Zeichen der Fortsetzung deß Kriegs wider erthönen lassen. Auff was weise aber diese Vergleichung nicht gehalten / vnd was zum theil zuvor / zum theil von da an zwischen den kriegenden Theilen ferrner vorgeloffen ist eigentlich auß nachgesetztë Schreiben zuvernehmen. Es hat Jhre Majest. Keyser Matthias / als er vernommen / was massen Hertzog Carl Emanuel zu Saphoya den Hertzogen von Mantua mit Krieg angegriffen / jhne / Hertzogen zu Sophoya / durch ein Mandat von seinem Vorhaben abzustehen vermahnet / vnd in verbleibung dessen deß (Hertzogs in Saphoy Bericht / wegen deß Kriegs zwischë jhme / Mantua / vnd dem Mayländischen Gubernatoren / an Keyser Matthiam abgangen.) Reichs Acht angedröwet. Hierauff hat gedachter Hertzog den Keyser / wie es mit dem Kriegswesen in Italia beschaffen / vnd was sich für newe Spänne zwischen jhme vnnd dem Marggraffen Inoyosa / Gubernatorn in Mayland / begeben / jhne durch ein Schreiben berichtet / folgenden Inn halts: Es würde nämlich ohne Zweiffel Jhr. M. zum theil auß seinen publicirten Schrifften / zum theil auß der gemeinen Sag genugsamen Bericht eingenommen haben / auß was Vrsachen er diesen Krieg wider Hertzog Ferdinanden zu Mantua vorzunehmen were bewogen worden / auch wie bereitwillig er Jhr: vnd deß Königs in Hispanien Majest. zu Gefallen / in widereynräumung der jenigen Oerter in Montferrat / so er doch rechtmässig / als durch Krieg erobert / jnnen gehabt / sich erzeiget hette. Zu derselbigen Zeit aber weren jhme von dem Mayländischen Gubernatorn grosse Verheissungen gethan / aber in der That wenig geleystet worden. Dann als es dar zu kommen / daß wegen gedachter Verheissungen jhm ein Genügen geschehë sollen / hette an statt solcher erwarteten Vergnügung derselbe das jenige was er zuvor in so vieler Zeugen Gegenwart versprochen / mehrertheils wider geläugnet / das ander aber / so er nicht in Abrede seyn können / durch langes auffziehen vngültig machen wöllen. Ja er hette vber das im Mamen deß Königs in Hispanien jhme aufferlegt / daß er die Schweitzer / die er doch vorlängst zu defendirung seines Lands / in Ansehung sie auch seine Bundsgenossen / vnd kaum 2000. weren / vnd derowegen den Benachbarten Fürsten / oder jhm / dem König in Hispanien / nicht verdächtig seyn köndten / gehalten hette / abschaffen: Darnach daß er seine Tochter / die Mantuanische Wittib / an Hertzog Ferdinanden zu Mantua vnverzüglich verheuraten solte. Solchem nach solte zwischen Mantua vnd Saphoyen ein Vergleich [34] angestellet werden. Als nun er / der Hertzog von Saphoya / daß er zuvor / vnd ehe die Strittigkeitë geschlichtet / diesem Begehren kein Genügen thun köndte / genugsamb erwiesen / hette er / der Meyländische Gubernator ein newen Fundt erdacht / mit Fürgeben / es were besser / daß die Sach nicht nach Strengigkeit der Rechten außgetragen / sondern in Freundschafft gemittelt würde / solten derohalben etliche gewisse Personen nacher Meyland / dahin auch deß Hertzogen von Mantua Abgeordnete kommen würden / gesendet werden. Damit er nun nicht allein der Hartneckigkeit nicht beschuldiget werden / sondern auch offentlich / wie hefftig jhme der Wolstandt deß Italiänischen Wesens angelegen seye / bezeugen möchte / hette er hierinn dem Gubernatorn willfahren wöllen / vnnd deßwegen drey Rechtsgelehrte nach Meyland abgeordnet / welche ein gute Zeit allda verharret / vnd weit bessere Conditionen / als er seinen gerechten Sachen nach befugt gewesen were / zu einem Vergleich vorgeschlagen hetten. Vnter dessen aber hette besagter Gubernator in dem Meyländischë Gebieth vnd den nechstgelegenen Orten viel Kriegsvolck zu Roß vnd Fuß werben / vnd endlich seine Abgesandte vnverrichteter dingen wider hinziehen lassen / mit vermelden / es were jhme von dem König in Hispanien zugeschrieben worden / daß kein Vergleich zuvor vnd ehe er / der Hertzog / die Waffen nidergelegt / vnd seine Tochter dem Hertzogen von Mantua vermählet hette / gemacht werden köndte: Ja er hette vber dieses auch von jhme / dem König / diesen Befelch bekommen / daß er jhne mit Gewalt zu solchem zwingen solte. Wie er sich nun hierinn verhalten / köndten jhme nicht allein seine außgangene Schrifften / sondern auch Herr Savelli / Bäpstlicher Nuncius, genugsame Zeugnuß geben. Dann dieser hette jhn zu solcher Disarmirung / vnerachtet dieselbige von dem mächtigern Theil zu erst solte vorgenommen worden seyn / gantz bereit vnnd gutwillig gefunden / nur allein daß der Gubernator sich bey dein Bapst / dem König in Franckreich vnd der Herrschafft Venedig jhne hinfort nicht zubeleydigen / sondern das wider jhne zusammen gebrachte Kriegsvolck auch abzuschaffen / verpflichten solte. Dieses Begehren aber hette er nicht annemmen wöllen / sondern alsbaldt mit seinem Kriegsheer in das Vercellensische Gebiet eingebrochen / vnd etliche Ort darinn außgeplündert / vnd in die Aschen gelegt. Damit nun den Bedrangten ein Hülffe erzeiget / vnd deß Feinds Macht wider auß dem Land möchte gezogen werden / were er mit seinem Kriegsvolck auff Noara / einer Statt in dem Meyländischen Gebieth gelegen / zu gerucket / vnd genugsamb daß er den jhme zugefügten Schaden wol rächen köndte / erwiesen / dann er hette damals die Statt Noara leichtlich / weil sie mit Besatzung nicht nach Notdurfft versehen gewesen were / in seinen Gewalt / vnd die gantze Landschafft in die ensserste Gefahr bringen können / so er gewolt hette. Damit aber wie hefftig die gemeine Wolfahrt jhm angelegen / vnd wie hoch er den König in Hispanien respectirt / männiglichë kundt würde / hette er nicht allein seine Bekümmernüß gemässiget / sondern auch seinen Kriegsleuten gebotten / die Noarischen Innwohner im geringsten nicht zu beleydigen. Hernacher als jhme zu Vercelli der Bäpstliche Nuncius Herr Savelli / vnd deß Königs in Franckreich Abgesandter Marggraff von Ramboll???et etliche Friedenspuncten / wiewol jhm (Hertzogen zu Saphoy) selbige ziemlich praejudicirlich gewesen weren / vorgeschlagen / hette er solche angenommen / vnd mit eignen Händen vnterschrieben: Weren zwar in Hoffnung gestanden / der Gubernator würde selbige auch jhme belieben lassen vnd vnderschreiben / vnd were also nun der Sachen ein Ende gemacht / aber es were ein vnverhoffter Außgang erfolget / dann der Gubernator hette sich zu vnterschreiben geweygert / auch der König selbst mit der Antwort jnngehalten / vnd / damit also er / der Hertzog / vnversehens vberfallen würde / dem Gubernatorn / daß er auff das allergeschwindeste in sein Landt einbrechen / vnd den Krieg mit allem Ernst fortsetzen solte / Befehl gethan. Vnd zwar damals were es vmb jhn gethan gewesen / wo nicht durch sonderliche Schickung Gottes solche Schreiben jhme in die Hände kommen weren. Derohalben köndte jhn niemand verdencken / daß / weil er so offt angeführet worden / er sich selbs / seine Kinder vnd Landschafften zu beschützen / vnd die Freyheit vnd Würde Italien / ja deß H. Reichs für deren allerärgsten Feinden zu erhalten / zu den Waffen gegriffen hette. Es würde der Keyserl. M. zum Schimpff vnd Despect gereichen / wann / daß das Italiänische Reich / so dem Keyser / als einem Römischen König vbergeben were / also durch das Gebott deß Keysers / zu dem Hispanischen Reich / welches von jhme das Hertzogthumb Meyland / vom Päpstlichen Stul aber das Königreich Sicilien zu Lehen hette / vnter dem Praetext der Gerechtigkeit vnnd deß gemeinen Wolstands / kommen were / von der gantzen Welt geklagt werden solte. Es hetten sich schon allbereits die Spanier nicht geschewet / den Hertzogen in Saphoya / der von einem so löblichen Stamm entsprungen / den Europaeischen Königen mit Schwägerschafft vn̅ Blutsfreundschafft zugethan / einen Fürsten deß Reichs vnd desselben Statthalter in Italien / der von dem Hauß Sachsen seinen Vrsprung / ein grosse Landschafft in Italien / lang vor der Hispanier Ankunfft besessen hette / der das seinige nach Recht vnd Billichkeit forderte / vnd nichts wider sie fürgenommen hette / nicht allein mit Tröwworten zu beleydigen / sondern auch mit gewehrter Hand anzugreiffen / vnd zum Krieg zu nötigen. Die Teutschen Fürsten würden damit gar vbel zufrieden seyn / wann sie vernehmen würdë / daß sie die Spanier die Statt Asti / sampt allen selbiger Graffschafft von dem H. Reich habenden Gerechtigkeiten / durch eines zu nechst bey der Statt angeschlagenes Edict / jhnen zueignen / vnnd daß die Statt vnd Graffschafft (nicht anderst als wann sie zuvor von deß Königs in Hispanien Herrschafften abgezwacket / denselben wider heim gefallen) vnd seine Vnderthanen vnd Vasallen von dem jhme geleisteten Eyd ledig [35] weren / behaupten wolten. Er stünde in keinem Zweifel / es würden hoch gedachte Fürsten zum hefftigsten darüber offendirt werden / vngeachtet solches vom Meyländischen nicht hoch geachtet würde. Er were auch dessen versichert / daß / so sie erfahren würden / daß der Marggraff von Sancta Croce, durch Hülff der Genueser / mit einer grossen Schiffsmacht an dem Gestalt deß Genuesischen Meers seine vnbewehrte Stättlein Vnelia, M???ra, vnd Petra Latina, welche sein Vatter Hertzog Emanuel von freyen Leuten gekaufft / dem H. Reich zugethan / vnd in seiner Investitur vnter andern seinen Landschafften benennet haben wöllen / eingenommen / vnnd dieselbe noch in Besitzung hette / sie der Hispanier allzugrosse Regiersucht bestätigen würden. Hierauß köndte auch J. May. leichtlich erkennen / auß was Vrsachen er etliche in seinem Gebiet gelegene Reichs Stättlein eyngenommë hette / nämlich daß er sie vor der Spanier Vberfall erhalten / vnd sein Landt dardurch desto besser beschützen möchte. Dann er were deren Meynung gewesen / daß die Eynnehmung solcher Stätte dem jenigen zustünde / der sie zu End deß Kriegs / wider zu räumen versprochen hette / der deß H. Reichs in Italien Vicarius oder Statthalter were / vnd dieser Zeit allein ein Reichs Fürst / vnd Ihrer Majest. Vasall in Italien vbrig gelassen were / von welchem Ihre Majest. so sie etwa die Cron zuempfangen / oder vmb anderer Vrsachen willen sich dahin begeben wolten / empfangen / vnd darein begleytet werden müssen. Dann Ihrer Majest. der König in Hispanien / der sich selbs für einen Keyser in Italien hielte / oder die Herrschafft Venedig / Genua / oder der Hertzog von Florentz / hierinn Ampts halben nicht würde bedienet seyn: dann diese alle / daß sie vom Reich frey seyen / sich berühmen. Der Hertzog von Mantua were dem Willen vnd Gebott deß Königs in Hispanien gäntzlich ergeben. Die vbrige Fürsten weren fast alle dem Bäpstlichen Stul vnderworffen / vnnd müßten von demselbigen die Lehen empfangen: were also ein gantz vnbillich Thun / daß der jenige Teutsche Fürst / so einzig vnd allein zur Magnificentz vnd Herrligkeit der Keyserl. Majest. noch were vbrig behalten worden / der die Besitzung seiner Landschafften der Freygebigkeit der Keyser zuschreibe / von den Hispaniern / mit Jhrer Majestät Wissen / mit Krieg angefochten vnnd beleydiget: der Titul eines Römischen Königs / so Jhre M. führte / vnd der nunmehr in die Enge seiner Herrschafften eingefangen were / in deren Vnderthanen vnd Vasallen Person verletzet: der jenige welchem Ihre Majest. so es die Noth erforderte / mit aller Macht wider seine Feinde beystehen vnd beschützen solte / mit den Hispanischen Waffen zu vndertrucken / vnd dem Meyländischen Gubernatorn / gleichsamb als mit einem Leibeygenen / nach seinem Willen mit jhme zu handeln / nicht allein vberlassen / sondern auch / weil er sich vnd die seinigen / ja vielmehr S. M. Lande beschützet hette / zu der Keyserlichen Acht verurtheilet werden solte. Er köndte zwar jhme nicht einbiltden / was doch wol so groß vnd vbermacht seye / daß die Hispanier seine Lande feindlich anzugreiffen / vnd Ihr. Maj. das Keyserliche Edict wider jhne zu publiciren verursacht habe: wann es vielleicht dieses were / daß er nicht alsbaldt auff jhren (der Hispanier) Befelch die Waffen nidergelegt hette / so frage er nicht vnbillich / wo diese der König in Hispanien newe Authorität / gegen deß Heiligen Reichs Fürsten / herrühre? Mit was Beweiß sie diesen jhren Gewalt darthun köndten? Er / der König in Hispanien / der die jenige / nicht auß einiger Schuldigkeit / sondern auß Gutwilligkeit / vnd wegen Blutfreundschafft geleystete Observantz nicht erkennet hette / were würdig daß jhme auch dieselbige hinfort nicht mehr erzeiget würde. Jetzundt aber / nachdem er die Waffen abzulegen den hochansehenlichen Abgesandten versprochen / käme es jhme seltzam für / daß er jhn nicht / daß er von niemandt einige Gefahr zugewarten / genugsamb versichert hette? Dann so er fürwendete / er (der Hertzog) were in das Meyländische Gebiet feindlich eingefallen / köndte er doch nicht läugnen / daß er schon zuvor in seine Herrchafften eingefallen / vnd darinn feindlich gehauset hette. So er den von jhme dem Meyländischen Gebieth zugefügten Schaden erzehlen wolte / so köndte er wider von den Spanischen Kriegsleuten allerley Raub vnd Brandt darthun. So er jhme fürwerffen wolte / daß er das Güldene Flüß wider gegeben / were solches viel mehr für eine sonderliche Ehrerbietung gegen dem König zu rechnen / weil er zu seiner Defension die Waffen gegen dem König nicht gebrauchen wöllen / er hette dann die Kette deß Güldenen Flüß widergegeben / dann es gar für onbillich gehalten / daß er als deß Königs Ritter / wider desselben Waffen / ob es schon zur Defension geschehe / die seinigen gebrauchen solte. Wo er aber diese Vrsach einwenden wolte / daß mit dem Gemahl deß Hispanischen Ambassadors nach desselben Abreysen gar vbel verfahren worden / deren dann der Abzug von Turino Nicht ehe were gestattet worden / sie hette dann zuvor jhre Schulden bezahlet / so were es gar vngeräumbt / daß jenige jhme zuzuschreiben / was vnwissend seiner vorgangen / dann wann er Wissenschafft darvon gehabt / wolte er solche Schulden auß dem seinigen abgerichtet haben: köndte aber doch nicht sehen / worinn sich selbige Obrigkeit vergriffen / dann sie hette das Recht denen so das jhrige begehrt / nicht hinderhalten mögen: Vnd zwar were deß Ambassadors Haußfraw offt vnd vielfältig ermahnet worden / daß sie doch den armen Leuten jhr außständig Gelt zustellen / vnd solchen schimpff von jhr abwenden wolte / weil aber solches nicht erfolgen wöllen / hette endlich der Arrest auff etlich wenig Haußrahts gebilliget werden müssen / welcher doch kurtz hernach wider frey gemacht worden. Vnd ob schon hierinn der Sachen etwas zuviel gethan worden / hette doch nicht alsbaldt deßwegen ein Krieg angefangë / viel weniger dem Hertzogen mit der Keyserlichen Acht gedröwet werden dörffen. Viel eher solte den Spaniern die [36] Hinlegung der Waffen anbefohlen seyn worden / welche zu deren Gebrauch keine Vrsach gehabt hetten / wider sie solte die Acht fürgenommen worden seyn / als die so offt Trew vnd Glauben gebrochen / seine Vnderthanen von jhrer schuldigen Trew gegen jhme abzumahnen vnderstanden / seine Landschafften feindlich vberfallen vnd eingenommen. Er hette zwar die Waffen genommen / aber darzu gezwungen: were in das Meyländische Gebiet eingebrochen / aber darzu angereitzet worden. Seine löbliche Vorältern hetten lang in Italia / nämlich auff sechs hundert Jahr Krieg geführet / viel Herrschafftë vnter jhren Gewalt gebracht / viel benachbarte Fürsten bezwungen / würde aber nirgendt gefunden / daß von einigem Keyser mit der Acht gegen jhnen verfahren worden. Were also gantz vnbillich / daß er allein vnter so vielen Hertzogen / von dem Fürsten von Castilion / welcher nit so wol dem Keyser / als dem König in Hispanien / von dem er das Güldene Flüß empfangen / vnd jährliche Einkommen hette / verpflichtet were / angeklagt / vnd das Vrtheil der Acht / so er von dem Meyländischen Gubernatorn empfangë / offentlich wider jhne angekündiget werden solte / dann er köndte sich dahin nicht bereden / daß er glaubte / daß ein solches Patent / darinnen kein Ort benennet / auch mit Jhrer Majest. Handen nicht vnterschrieben / von Jhr solte herkommen. Köndte derhalben nicht anders sagen / als daß es entweders gar falsch vnd erdicht / oder aber von Jhrer Majest. Dienern erpracticirt seye. Weil nun die Sachen also beschaffen / were nichts mehr vbrig / als daß auff Erkandtnuß seiner gerechten Sachen / Jhre Majest. dieses wider ihne außgefertigte Mandat / als nichtig vnd vnkräfftig / gäntzlich auff hebe / seine Vnschuldt männiglichen offenbahr machte / die jenigen so vnterschrieben / der Gebühr ansehe: Darnach dem König in Hispanien / als einem Hertzogen von Meyland / vnd deß Römischen Reichs Vasallen / gebiete / daß er sein Kriegsvolck alsbaldt abschaffe / die von jhme (Hertzogen zu Saphoyen) vnterschriebene Friedens Articul / mit seiner Hand vnterschreibung bestätige / vnd also Italien der Kriegsgefahr befreye: Endlich den Meyländischen Gubernatoren / welcher den Krieg nur darumb anstiffte vnd forttreibe / daß er Gelt vnd Gut dardurch bekommen / vnd sich bereichen möge / vnd derhalben viel vnwarhafftiges wider seine Person dem König in Hispania zu Ohren bringe / der Gebühr nach bestraffe. Also würde K. May. Jhre vnd deß H. Reichs Authorität in Italia / welche sonsten auff den Hispanier fallen würde / erhalten / sc. Weil nun / wie auß diesem Schreiben zuvernehmen / nach deß Meyländischen Gubernatorn Begehren / die Sach sich nit schicken wöllen / dann der Hertzog in Saphoya den Spaniern / welche begehrten / daß er vor allen dingen die Waffen niderlegen / vnd seine Tochter / die Mantuanische Wittib / Hertzog Ferdinanden zu Mantua vermählen solte / zuvor vnd ehe die Sach zwischen jhme vnd Mantua geschlichtet / vn̅ obgesetztem Astischen Vertrag ein Genügen geschehen / nicht willfahren / vnd deßwegen / weil auch sonsten die Spanische Kriegsverfassungen jhme verdächtig waren / sein Volck nicht abschaffen wolte / als kam zu Anfang deß Monats Maij / 1615. auff Befehl deß Königs in Hispanien / der Gubernator von Meyland mit einer grossen Armee (etliche schreiben daß es in dreyssig Tausend Mann gewesen seyen) etwa ein Meil wegs bey der Statt Asti an. Der Hertzog zoge jhm zwar entgegen / thet etliche harte Treffen mit jhme / in welchen beyderseits ein ziemliche Anzahl Volcks / vnd viel fürnehme Personen auff dem Platz todt blieben / wie er aber die Bottschafft bekommen / daß von den Hertzogen von Florentz vnd Vrbino auch ein grosses Volck im Hispanischen Läger angelangt / vnd er also einer solchen grossen Macht zu widerstehen zu schwach sich befande / begab er sich mit seinem Kriegsvolck nach Asti. Als nun die Hispanischen auch hernach rucketen / vnd sich kaum ein Büch senschuß von der Statt lägerten / wurden wider etliche harte Treffen gehalten. (Zu einem Vergleich werden newe Vorschläge gethan.) In dessen liessen jhnen der Papst / Känig in Franckreich / vnd die Herrschafft Venedig einen Vergleich zu treffen auffs hefftigste angelegen seyn / pflegten auch deßwegen mit dem König in Hispanië durch jhre Ambassadorn allerley Handlung / vnd brachtens dahin daß er in nachfolgende Puncten einwilligte / nämlich: 1. Die Vnderthanen vnd Vasallen deß Hertzogen von Mantua / welche im Montferratischen Krieg / sich wider jhn gebrauchen lassen / solten zu Gnaden auffgenommen / vnd jhre Güter / vnd was sie vor dem Krieg gehabt haben / wider gegeben werden. 2. So die Niderlegung der Waffen geschehë / solten die eingenommene Ort von beyden Partheyen / mit allem Geschütz vnd Kriegsmunition / so daselbs gefunden worden / wider abgetretten / auch die Gefangene loßgelassen werden. 3. So die Hispanier wider diesen Vertrag / wider die Person oder die Landschafften / deß Hertzogen in Sophoya etwas feindlichs vornehmen würden / vnter was Schein es jmmer seyn möchte / solte besagter Hertzog vom König in Franckreich beschützet werden. 4. Die Abführung deß Kriegsvolcks solt dieser gestalt angestellt werden / nämlich: der Hertzog solte erstlich Tausendt zu Fuß abdancken: diesem nach solte der Meyländische Gubernator das Läger vor der Statt Asti auffheben / vnd nach Crocebianca vnd Quaet sich begeben. Darauff solte der Hertzog sein Volck abdancken / vnd allein so viel behalten / so viel er zur Defension seines Landes von nöthen hette. Wann dieses geschehen / solte der Meyländische Gubernator das Saphoische Gebiet gäntzlich verlassen / vnd wider mit allem Volck in das Meyländische rücken. 5. Alsdann solte der Hertzog alles Kriegsvolck abdancken: der Meyländische Gubernator aber mit seinem Volck also sich verhalten / daß es weder dem Hertzogen noch einem andern Fürsten [37] verdächtig seyn möchte / solte auch in einem halbë Jahr im Nahmen deß Königs in Hispanien der Orthen kein Durchzug begehret werden. 6. Der Marschalck Ladigiera vnnd andere Frantzösische Obristen / so sich auff den Grentzen an Savoia verhielten / solten dem Hertzogen / so die Hispanier kein Glauben hielten / mit jhrem Kriegsvolck / vngeachtet eines widrigen Mandats / auch vnerwartet deß Königlichen Befehls / zu Hülff kommen. 7. Den Schweitzern solte / wie zuvor / in dem Hertzogthumb Meylandt jhre Handlung zu treiben gestattet werden. 8. Der König in Franckreich solte seinen Vasallen vnnd Vnterthanen / die dem Hertzogen gedienet hetten / verzeihen / vnd sie dessen nichts entgelten lassen. (Dann es hatte der König in Franckreich kurtz zuvor durch ein offentlich Edict allen Soldaten vnnd Officirern so dem Hertzog in Savoia dieneten / vnder dem hohen Laster der verletzten Majestät ankündigen lassen / daß sie also baldt das Savoysche Läger verlassen / vnnd sich naher Hauß begeben solten.) 9. Der Hertzog in Savoia solte in dreyen Monaten diesen Vergleich seinen Freunden vnd Bundsverwandten zu wissen thun / auff daß dieselbe hinfort alle Feindthätlichkeit einstelleten; mit angehenckter Protestation / daß / daferne vnder deß etwas feindthätliches von jhnen vorgenommen würde / es dieser Vergleichung nicht schädlich seyn / sondern der Hertzog den zugefügten Schaden gut machen solt. Neben diesem hat hochgedachter Hertzog in Savoia / daß er keine ferrnere Vngelegenheit den Landen deß Hertzogs von Mantua zufügen / auch wider Ihne mit keinen Waffen oder Gewalt / sondern allein durch den Weg deß Rechten / vnd den ordentlichen Außspruch der Keyserlichen Majest. handlen wolle. Dieses wurde also in dem Junio 1615. in dem Feldläger vor der Statt Asti abgehandelt. (Krieg wird wider fortgesetzet.) Diesem Friedensschluß ist zwar Anfangs etwas Genügen geschehen / das Savoische Volck mehrern Theils abgedancket / vnd das Spanische zu rück in das Hertzogthumb Meyland geführet worden / aber es hat abermals keinen Bestandt gehabt. Dann vnlang hernach der Hertzog / daß die Spanischen die Vergleichung nicht allerdings in acht genommen / geklaget / vnnd derwegen sich auff ein newes wider zum Krieg gerüstet / auch den Ladigiera Frantzösischen Gubernatorn im Delphinat / laut obgedachten Vertrags / vmb Hülff wider die Spanier angeruffen / der jhme dann mit 4000. zu Fuß vnd 900. Kürissern zugezogen. Darauff die Sach ernstlicher / als zuvor jemals angangen / vnd sind zwischen beyden Theilen viel blutige Treffen geschehen / auch vnderschiedliche Ort erobert worden. Insonderheit ist vmb den Anfang deß Junij Anno 1617. die Statt vnd Festung Verseil oder Vercell von den Spanischen belägert vnnd auff S. Jacob / (auff welchen Tag die Spanischen ein sonderlichen Glauben haben / daß jhnen alles so sie anfahen glücklich darauff von statten gehe) weil die Belägerten (Verzell von den Spanischë eingenommen.) Gebrech an Puluer hatten / mit Accord eingenommen worden / die Saphoysche Besatzung ist in 4000. starck mit Sack vnnd Pack / fliegeden Fahnen / 2. Stück Geschütz / sc. abgezogen. Hergegen hat in dem Meyländischen Gebiet (Feliciano??? vnd Annone von Saphoischen eingenommen.) der Hertzog in Saphoya die Statt Feliciano mit stürmender Handt eyngenommen; Darinn das Kriegsvolck weder Jung noch Alt / Gelst- oder Weltlich verschonet / sondern in 1200. Personen durchs Schwerdt hingerichtet / vnnd in 400. gefangen / auch ein grosses Gut / so auff 200000. Cronen geschätzet worden crobert. Deßgleichen hat sich jhme / Hertzogen / auch Aunone / darinn in 40. Stück Geschütz gefunden worden / ergeben. Weil nun der Meyländische Gubernator vermercket / daß die Saphoysche Armada wegen vieles Kriegsvolcks / so dem Hertzogen auß Franckreich / Schweitz / Teutschland vnd andern Orthen in grosser Menge zugezogen / sich je länger je mehr gestärcket / vnnd darneben besorgte / er / der Hertzog möchte jhme etwan vberlegen seyn / vermeynte er zu Erhaltung seines Königs Reputation gnugsam biß dahin verrichtet zu haben / liesse derhalben mit dem Hertzogen ein Anstand der Waffen auff (Frieden z??? Spanien / Saphoy vnd Mantua geschlosse.) 40. Tag tractieren. Vnder dieser Zeit wurde endlich der Frieden auff nachfolgende Weise geschlossen / nemlich; 1. Die Astische Friedens Vergleichung / so im Jahr 1615. auffgerichtet worden / solte vnverbrüchlich in allen Puncten gehalten werden. 2. Der Hertzog von Saphoy solte zum fördersten / hernach der Meyländische Gubernator / auß dem Feld sich begeben / vnd das Kriegsvolck beurlauben. 3. Die jenige Stätt vnd Festungen so beyderseits eingenommen worden / solten wider geraumet werden. 4. Die Hauptvrsach dieses Kriegs / solte der Keys. Maj. zu decidiren heimgestellt werden. Als nun diesem zu Folg von dem Hertzogen die eingenommene Oerter den Spanischen wider zugestellet worden / haben sie auch hingegen / die dem Hertzogen gehörige Ort / so sie vnder wehrendem Krieg erobert gehabt / wider geraumet / sonderlich ist in dem Junio Anno 1618. die Statt Vercell der Spanischen Besatzung wider erlediget (Verzell dë H. in Saphoya wider eingeraumet.) werden. Dargegë dann so bald der Saphoyschë 1000. zu Fuß vnd 500. Pferd hinein gezogen. Darüber die Innwohner sich höchlich erfrewet / vn̅ zu Jhrer Ankunfft viue Saphoia geruffen / auch hin vnd wider Frewdenfewer angezündet haben. Nun wollen wir auch die Herrschafften deß Hertzogen in Saphoy / Mantua vnd Montferrat / darauß die vorgehende Historia desto besser wird zu verstehen feyn / mit wenigem entwerffen. (Beschreibung der Lädschafften deß Hertzogen in Saphoy. piemont.) Deß Hertzogs in Savoien Herrschafften werde fürnemlich in zwey Fürstenthumb abgetheilet / auch also von dem Alp Gebirg vnderscheiden / nemblich Saphoyen vnd Piemont. Dieses fanget von dem Fluß Sessia / welcher es von dem Meyländischen Gebiet abschneydet / an / vnnd erstrecket sich biß an Delphinat / liget zwischen den [38] Alpen / Montferrat / Hertzogthumb Meylandt / der Genuesischen Herrschafft. Gegen Orient grentzet es an den Fluß Poo: gegen Mittag an das Ligurische Alpgebirg: gegen Abendt an die Frantzösische Alpen / vnnd gegen Mittnacht an Duriam Ripariam, welches ein Fluß / so also genennet wird. Diese Landschafft / welche zu Latein Pedemontium heisset / hat dahero Jhren Namen / weil sie gleichsam ad pedes montium, das ist an den Füssen der Berge / nemlich an den Wurtzeln deß Alpen / welche Franckreich vnnd Saphoyen vo̅ Italien oder Welschland vnderscheiden. Wird von den Flüssen Poo / Tanar / Stura / Duria / vnd noch auff 28. andern durchflossen. Vnd helt man darfür es seye in gantz Italien keine Landschafft / die mit Fruchtbarkeit / Viele deß Viehes vnnd Bergwercken dieses Piemont vbertreffe. Solches erscheinet auch daher / daß / nach dem nun viel Jahr hero darinn mit den Hispaniern vnd Frantzosen grosse Krieg geführet / vnd darzu starcke Armaden gebrauchet worden / doch niemals an Proviand einiger Mangel gespüret worden. Es wirdt sonsten eine grosse Menge an Früchten / Viehe / Hanff / Reiß / Käß / Wein / rohe Seyden / Eysen / sc. an andere Ort auß dieser Landschafft verführet. Dieses Landt begreifft in sich auff 50. Graffschafften / 15. Marggraffschafften vn̅ viel Domainen oder Herrschafften. Darinnen mangelt es an reichen wolhäbigen Leuten nicht / dann es sindt viel / die vier / sechs / acht / zwölff vnd fünffzehen tausendt Kronen jährlich Einkommen besitzen. Die Stätte sindt auch nicht sonderlich groß / dann weil das Landt allenthalben fruchtbar vnd gut / achtens die Inwohner nicht / in diesem Ort in grösserer Menge zu seyn / als in einem anderen / doch aber sindt in Italien nirgendt grössere Dörffer vnd Schlösser / als in dieser Gegne / vnnd wie volckreich dieses Land seye / ist auß dieser Antwort / so ein Piemontischer vom Adel / einem andern / der jhn gefragt / was Piemont seye / gegeben / in dem er gesagt; Es were eine Statt / welche dreyhundert Meylen in sich begreiffe; die vornembste Stätt darinn sind Turino / welches die Fürstliche Residentz vnd Haupt Statt ist / Asti vnd Verzell. Die Innwohner sindt im Krieg wol erfahren / auch in freyen Künsten berühmet / sonsten auffrichtig / schlecht vnd einfältig / gegen den Frembden vnd Anßländischen freundlich vnd gastfrey: legen sich mehr auff den Ackerbaw als auff die Kauffmannschafften. (Saphoyen.) Diese Landschafften nun von denen bißhero meldung gethan worden / besitzet der Hertzog in Italien: Saphoyen aber liget ausser Italien vber dem Alpgebirg / in der Gegne / so vor Zeiten die Allobrogen innen gehabt. Von diesen Völckern schreibet Vander Burchthius also. Es ist ein alt vnd berhümbt Volck in Gallia Narbonensi (vnter diesem Namen werden 4. Landschafften begriffen / nemlich Languendock / die Provintz / Delphinat vnd Saphoy) so von den Alten von jhrem König / den sie etwan gehabt / Allobroges genennet worden. In derselben Gegne ist die Statt Wien (so an dem Rhodan / vn̅ heutigs Tags die Hauptstatt in Delphir at ist) die fürnembste gewesen: jetzund aber ists die Statt Chamberi / darinnen das Parlament zu seyn pfleget. Dasselbige Volck sampt den angrentzenden Saliensern (welches auch ein alt vnd durch Krieg berhümbt Volck / so von etlichen auch Salisianer genennet werden) vnnd was vnder jhrem Gebiet begrieffen / haben vnsere Vorfahren Saphoyen genennet. Vnd zwar das Saphoyen nit fern von der Statt Lyon seinen Anfang neme / vnnd sich biß an Genff vnd Piemont erstrecke / auch an Delphinat angrentze / ist gnugsam bekant / vnd bezeugen alle Seribenten einmütig / daß selbiges von den Sabbatiis Vadis vnd denen Völckern so zwischen den Alpen wohnen / vnd jetzo mehrerntheils dem Hertzog in Saphoya vnderthan sindt / den Namen bekommen habe. Ohne die vor gemeldten Allobrogen vnd Salienser aber / begreiffet es auch heutiges Tags in sich die Landschafften / so vor diesem Vocontii / Veragri / Caturiges / Centrones / Lepontii (welche alle an den Alpen gewohnet) innen gehabt. Haec ille. Vor Zeiten ist allein Morienne, so ein Theil dieser Landschafft / vnd darinnen noch das Stättlein S. Johan von Morienne liget / anfänglich Beraldo dem ersten Anfanger der Fürstë in Saphoy vnderworffen gewesen. Von diesen oberzehlten Landschafften hat vnlang Hertzog Carl Emanuel mit dem König in Franckreich Henrich dem Vierdten / für die Marggraffschafft Salutze vnd etliche Stätte in der Provintz / ein grosses Theil vertauschet. Vnd wiewol er mehr Landes / als besagte Marggraffschafft in sich begreiffet / darfür gegeben / hat er doch seine Land dardurch in Sicherheit / vnd alle Päß auß Franckreich nacher Italien in seine Gewalt gebracht. Damit aber / wie heutigs Tags die Grentzen deß Hertzogthumbs Saphoy gegen Franckreich beschaffen / desto besser verstanden werden möge / wollen wir auß Aug. Thuano lib. CXXV. deß letzten zwischen König Henrico IV. vnd dem Hertzogen in Saphoy auffgerichtete Vertrags Conditiones hieher setzen / die daselbs also lauten; Alles Land innerhalb dem Rhodan / von der Statt Genff an / mit dem Rhodan selbst / mit aller Gerechtigkeit deß Obergebiets solte hinfüro zur Cron Franckreich gehören / vnnd nur allein zwischen den Clausen vnd Arbiaepont neben etlichen verzeichneten Dörffern / die Brücke Gresiri / zum Durchzug in Burgundien / dem Hertzog in Saphoy vorbehalten seyn / mit diesem Geding / daß er keine Zöll oder Schatzungen darauff setzen / oder in der gantzen Gegend einige Brustwehr auffbawen solte. Das Schloß zu Burges neben dem Geschütz / aller Kriegs Munition vnd Proviandt mit guter Trew dem König vbergeben werden. Vber das auch jenseit dem Rhödan / Seisselle / Daira / Chaussium / Arlaepont / Chava / Castelle mit aller Jurisdiction dem König heimfallen: Zu dem auch die Vogtey Gexe / mit allem jhrem Gebiet vnnd vollkömlicher Gerechtigkeit / wie deß Hertzogen von Saphoy Vorfahren sich derselben gebrauchet hetten. Diese Oerrer alle solten den Königlichen erbeygenen
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Stammregister der Hertzogen in Saphoyen auß Ant. Albitio???
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Zu dem 39. Blat. [ID00065] ??? Lamberto von der Buechtio de Sabaud. Duc. Histor. genommen. [ID00066] [39] Gütern / durch deß Königreichs Satzungen also einverleibet werden / daß man sie nicht könne vereussern / sondern solten dieselbe Natur bekomme / welche die Güter gehabt hetten / so darfür vertauschet weren. Biß hieher Thuan. Saphoyen ist mehrertheils gantz gebirgigt vn̅ hat wenig fruchtbare Thäler / dahero darinn nicht ein solcher Vorrath / wie in Piemont / gefunden wirdt. ???

Stammregister der Hertzogen
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in Saphoyen / sc. (Mantua.) Das Hertzogthumb Mantua / (in welchë wir vns nun auch / nach dem wir von Saphoya hinweg / ein kleines vmbsehen wollen) ligt in der Lombardey / zum theil disseit / zum theil jenseit deß Flusses Poo: ist mit der Herrschafft Venedig / dem Hertzogthumb Meylandt / vff deß Pabsts Herrschafften gantz vmbgeben. Dann gegen Mitternacht vnd Auffgang der Sonnen hat es das Veronische vnnd Ferrarische Gebiet; gegen Nidergang die Brixiensische vnd Cremonesische Grentzen / vnd gegen Mittag das Hertzogthumb Modena vnd Mirandula. Hat in seiner Länge auff sibentzig vnd in der Breite 35. Italiänische Meilen. Ist ein zimlich fruchtbar Land / dessen Innwohner alles / so zu Menschlichen Lebens Auffenthaltung dienlich / die Völle haben können / doch aber mag nichts an andere Ort verführet werden. Diß Landt ist Anfangs nur eine Herrschafft vnd dessen Besitzer Bassarino Gonzaga erstlich von Keyser Friderich II. der Titul eines Freyherren gegeben / nachmals aber ist es zu einer Marggraffschafft / vnd endlich zu einem Hertzogthumb gemacht worden. Es were wol der herrlichsten Fürstenthumb eines in Italien / wann es nicht also were vertheilet worden. Dann Marggraff Johann Franciscus / so im Jahr 1444. diese Welt gesegnet / hat das Fürstenthumb vnder seine vier Söhne außgetheilet; vnd sindt heutiges Tags auff acht oder mehr Linien / so dieses Hertzogthumb beherrschen / nemblich Mantua / Sabbioneta / Gvastalla / Nouellara / San Martino Bergoli / Guazzado, Castiglione &c. Diese erkennen nicht den Mantuaner für ihren Oberherrn / sondern halten sich für deß Römischen Keysers Vasallen. In dem gantzen Landt ist kein einige rechte Statt / als nur Mantua (welche mitten in dem See liget / denn der Fluß Mincius in dem er auß dem Gartsee lauffet / verursachet / von deren an einem andern Ort Meldung geschehen soll) aber 76. herrliche Flecken / deren etliche nicht geringer / als Stätte: vnder denselben gehören 32. dem Hertzogen / die vbrigen stehen den andern Linien zu von dem Hauß Gonzaga. ( Montferrat.) Montferrat (so durch die Vermählung der einigen Tochter deß letzten Marggraffen in Montferrat von dem Geschlecht der Palaeologen / mit Friderich dem andern / Marggraffen in Mantua vnd dessen durch Keyser Carolum V. beschehenen Bestättigung / wie droben vermeldet worden / den Mantuanischen zugefallen) ist ein lustige vnnd fruchtbare Landschafft / hat nach Leandri Alberti Meynung den Nahmen dahero / weil es ist mons ferax ein fruchtbarer Berg. Vnd auf solche Weiß beschreibet er auch Merula: nemlich daß es sey ein Berg voller lustiger vnnd fruchtbarer Hügel / an allerley nothwendigen Sachen vnd Innwohnern gewaltig reich: fänget fast ein Tagreiß von dem Alpgebirg an / von welchem seine Hügel durch eine Ebne vnderscheiden werden. Hat nirgends vngebawete Felder / sondern allenthalben ein guten fruchtbaren Grund: Stösset auff der lincken Seiten an den Fluß Tanar / auff der Rechten aber an den Poo: je mehr aber seine Hügel den Wassern anlegen / je grössere vnd schönere Felder sich zwischen denselben sehen lassen. Vißhieher Merula in antiquit. Gall. Cisalp. Es sindt darinnen drey herrliche Stätt / nemlich / Casal S. Evasij / Alba vnd Acqui / vnd ohne diese noch in 365. kleine Stättlein vnnd Flecken / beneben einer grossen Anzahl Dörffer / Schlösser vnd Höffe. Dieses Montferrat ist auch eine von den sieben Marggraffschafften / welche etwan Keyser Otto II zwischen Piemont vnd Ligurien auffgerichtet / vnd einem jeden vnder den sieben Söhnen Alerami Hertzogs in Sachsen eine davon gegeben; die sindt gewesen Montferrat / Ceva / Pontzon / Buschi / Salutz / Savon / vnd Final. Das Einkommen deß Hertzogen von Mantua von beyden Hertzogthumben Mantua vnnd Montferrat / werden geschätzet auf 500000. Cronen. Aber doch giengen dieser Zeit die Einkommen von Montferrat fast alle wider dahin / wegen Befestigung der Oerter in selbiger Gegne / welche darumb vorgenommen ward / weil der Hertzog in Saphoy immerdar ein Aug auff Montferrat hatte / dabeneben auch die Spanischen dem von Mantua verdächtig waren / er aber auß dem Mantuanischen Gebiet / ohne durch das Cremonesische / so den Spanischen zuständig / keine Hülff dahin bringen kan. Der jetzregierende Mantuanische Hertzog führet diesen Titul; Ferdinandus Hertzog zu Mantua vnnd Montferrat / Marggraff von Gonzaga.
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Geschlecht-Register der Hertzogen von Mantua vnnd Montferrat / von den Palaeologis herrührent; Darauß auch der Zwyspalt zwischen dem Hertzogen von Saphoya vnd dem von Mantua desto besser mag verstanden werden.
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Nach dem eine zeitlang hero Bischoff Philips (Newer Festungsbaw deß Bischoffs von Speyer zu Vdenheim wird von den Pfältzischen zerschleiffet.) Christopff von Speyer das Stättlin vnd Schloß Vdenheim / so ohne das fest / vnd für Gewalt mit dicken Mawren / Gräben vnnd Morast zimblich versehen / mit newen gewaltigen Bollwercken vnd tieffen Gräben / wie beygelegter wahrer Abriß außweiset / je länger je mehr befestiget: von solchem Werck aber der Churfürst / wie auch die Statt Speyer / die / daß auff drey Meil Wegs vmb sie kein Festung zu erbawen privilegiert / gedachten Bischof zu vnderschiedlichen mahlen vergeblich abgemahnet / vber diß der Ruff erschollen / ob solte der Marggraff Spinola persönlich darinn gewesen seyn / darzu allerley Vnderricht vnd Anleytung gegeben / auch in kurtzem ein starcke Besatzung darein zu legen vorhaben / als haben die Vnierten Chur- vnd Fürsten / sonderlich Pfaltzgraff Friderich der Fünffte Churfürst vnd der Marggraff von Durlach / nach zu Heylbronn mit anderu vnierten Ständen gehaltener zusammenkunfft / Ihre Commissarien vnnd Befelchshaber / mit 4000. Mann zu Roß vnnd Fuß vnd zwölffhundert Schantzengräbern / sampt etlichem Geschütz vnd Petarden darfür zu rücken befohlen / die dann dem zu Folge den 15. Junij dieses 1618. Jahrs / früh vor Tag vnversehens für die Festung kommen / selbige auffgefordert / mit Bedrawung / wo sie sich nicht ergeben würden / die Thor bald vber einem Hauffen ligen sollë. Worauff die Festung ohne einigen Schuß eröffnet / vnd das Volck eingelassen worden. Da dann so baldt an der Zerschleiffung der Anfang gemacht / die newe Wäll vnd Bollwerck nidergerissen / die Schubkarren vnnd andere Instrumenten / so allda gefunden / in die Gräben geworffen / vnd alles mit Erden bedecket vnnd außgefüllet worden. (Pfältzische Verantwortungs Schrifft wegen dieser Zerschleiffung.) Dieser Zerschleiffung halber hat alsbaldt der Churfürst / auß was Vrsachen sie vor die Handt genommen worden eine Schrifft außgehen lassen / dieses Innhalts: Es hette der Bischoff von Speyer / jhme / dem Churfürsten vermeldet / wie er gesinnet were sein Residentzhauß zu Vdenheim sampt der Statt schlechtlich verwahren zulassen / damit er mit seinen Dienern / Cantzley vnd Archiuo, etlicher massen / sonderlich in geschwinden Durchzügen Ein- vnd Vberfällen gesichert seyn könte: darneben Jhme dem Churfürstë zugesagt / einigen Baw so Jhme vngleiche Gedancken erwecken möchte / nicht zu führen / sondern in dem gantzen Werck mit seinem Rath Wissen vnd Willen zu verfahren. Diesem nun hette er Glauben zu gestellet / das Werck selber befördert / vnnd sein eygene Bawmeister dazu folgen lassen / hette aber hernach verspüret / daß der Bischoff ein starcken Festungs Baw fürhette / dardurch neben andern der Chur Pfaltz der Enden habende Gleitsgerechtigkeit zu nicht gemacht würde / daß auch dieser Vestungsbaw mitten in der Pfaltzgraffschafft bey Rhein / citra euidentem & in oculos quasi incurrentem aemulationem, & continuae offensionis perpetuum metum insignem nicht geführet werden könte / als hette Er (Churfürst) gleich Anfangs dem Bischoff alles vmbständlich vorbringen / vnd Jhne seiner Zusag erinnern lassen / auch begeret diesen Baw einzustellen / vnd in den versprochen terminis zu verbleiben. Der Bischoff aber hette diesen Baw gar schlecht gemacht / vnd wie er auß bemelten terminis nicht geschritten / behauptet. Als auch inmittels die Statt Speyer / wie dieser Baw wider jhre priuilegia vorgenommen were / den Bischoff erinnern lassen / hette er gleichfalls nicht gestanden / daß es ein Burgbaw / sondern allein ein schlechte Verwahrung were / vnder deß aber das Werck mit allem Ernst fortgetrieben hette. Wie nun hierauff auff vnderschiedliche Erinnerungen / so Er / Pfaltzgraff / so wol an den Bischoff / als an das Capitul thun lassen / es doch bey voriger Meynung verblieben; vnd sonderlich als Er (Churfürst) auß alten Documenten erwiesen / daß der Churfürstliche Pfaltz eine ewige Oeffnung auff dem Schloß zu Vdenheim verschrieben / hette doch solches nichts verfangen wollen / vnd were der Bischoff vnder deß / auch vnerachtet deß Churfürsten von Mayntz Ersuchungen je länger je strenger in dem Werck fortgefahren. Darauff were das Werck besichtiget vnnd befunden worden / daß es ein starcke Vestung würde / zu deren völligen Besatzung mehr als tausendt Mann / viel Geschütz vnd Munition von nöthen / darauß den benachbarten grosser Schaden geschehen könte / weren auch viel Haupt Vestungen diesem Ort / so es verfertiget / bey weitem nicht zu vergleichen. Hierauff damit die Benachbarten versichert weren hette sich der Bischoff zu gewissen Conditionen vnnd Caution anerbotten / nemlich daß er nicht gesinnet / eine Haupt Festung zu bawen / viel weniger damit den Benachbarten schädlich zu seyn: So auch Chur Pfaltz der Oeffnung berechtiget / solte selbige vngehindert / vnnd den Pfältzischen Vnderthanen in Vnfriedens Zeiten dahin zu flehen vnbenommen seyn: Chur Pfaltz Feind in dieses Ort nicht eingenommen noch einige Hostilität darauß geschehen / auch kein Guarnison ohne Pfaltz Rath darinn gehalten: der Durchschnitt gegen die Statt nicht gemacht werden: bey dem Abriß es verbleiben / vnd keine newe Aussenwerck (ohne allein ein eintzig Hornwerck für der Statt) nimmer gemacht werden: die Geleits Straß Chur Pfaltz vnversperret verbleiben / vnd daß das Capitul alles ratificiren solte. Diese Handlung aber hette mit dem Capitul nicht fort gewolt / vnd hette er (Churfürst) keine solche Versicherung erlangen mögen / darbey er dieses newen Baws halben genugsam befriediget seyn können / vnnd nicht mit seinen Land vnd Leuthen in immerwehrender Vnsicherheit vnd Gefahr stecken bleiben dörffen / vnd hette man jhne gleichsam zu der vorhabenden Intention zwingen wollen. Nun were die Gelegenheit deß Orts Vdenheim also beschaffen / daß derselbe allernechst am Rheinstrom mitten in der Chur Pfaltz Landen / vnnd im Angesicht Ihrer Residentz Statt Hey [42] delberg gelegen / mit denselben vmbgeben / vnd sein Chur- vnd Fürstenthumb diß vnd jenseit Rheins / da der Ort zur Festung gemacht / von einander / wie auch Ihne von andern Freunden vnd Benachbarten abschneiden vnd abhalten: Ja daß der Innhaber deß Orts auch in gar kurtzem den vbrigen Theil der Statt vollends befestigen / Ehur-Pfaltz Gleits Straß gantz verbawen / sich deß Rheinstroms bemächtigen vnd alle commercia sperren könte / daß auch / wo nur ein geringe Besatzung wider Chur Pfaltz Willen sich darinn befinden solte / derselbe sein hohes Regal der Gleitsgerechtigkeit vnnd habenden Gleitsstrassen / welche hart an Vdenheim fürüber gehet / sich cum effectu nicht gebrauchen / viel weniger Fürsten vnd Herzen vnnd andere / ob sie gleich durch bewehrte Handt es thun lassen wolten / sicher vnd ohne Gefahr vergleithen / vnd also securitatem viae publicae würden praestiren können / in deme diese Festung allerdings auff besagte Straß commandiret / vnnd also securitas publica nicht mehr bey dem Geleits Herren / sondern bey der Festung vnd deren Guarnison bestehen würde. Da auch vorgedachte Besatzung heimlich gestärcket / vnnd wol gar frembde Gäst darein geladen / oder sich selbsten wider deß Bischoffs vnd Stiffts willen deß Orths impatroniren möchten / so würde der Churfürst vnd dessen Successoren in Ihrer Residentz Statt Heydelberg nicht mehr sicher wohnen / viel weniger ohne Gefahr vber Feldt reiten / sonderlich vber Rhein sich mehr begeben können / ja daß dahero sich ein frembde Nation wol deß gantzen Rheinstroms mächtigen / Ihne / vnd Seine benachbarte Vnderthanen in vnträgliche Contribution / vnd diese Lande in gäntzliche Ruin vnd Verderben setzen möchte. Auß welchem dann zu schliessen / daß dieser Festungs Baw der Chur Pfaltz gefährlich / vnd insonderheit Ihrer Gerechtigkeit vnd interesse, wie auch der Statt Speyer / jhres priuilegii halben vnleydenlich / vnd daß also nothwendig vom Bischoff per aemulationem ad offensionem aliorum gebawet worden. Hette also der Churfürst besagten newen Baw wider niderzulegen seinen Beampten vnd Vnderthanen befohlen / doch also / daß darbey weder dem Bischoff noch den Seinigen / ja niemandts einiger Schad vnd Vbertrang zugefüget / sondern nur die auff geworffene Erden vnd newe Gebäw geschlichtet werden solten / darbey die darauff gelauffene Vnkosten Cr (Churfürst) ihme vorbehielte, Hette sonsten weder mit dem Bischoff noch mit dem Capitul oder auch Ihren Vnderthanen in Vngutem nichts zuthun sc. ( Gegenbericht deß Bischoffs vo̅ Speyr / vber den Vdenheimischen Festungsbaw.) Wider diese Pfältzsche Schrifft liesse hernach der Bischoff von Speyer eine sonderliche Ableinung außgehen / vnnd dardurch sein habendes Recht einen solchen Festungs Baw auffzuführen männiglich für Augen stellen / deren Innhalt kürtzlich also lautet; Nach dem der Bischoff von Speyer befunden daß wegen eingerissenen Mißtrawens vnder den Fürsten im Religion- vnd Prophan Frieden durch geschwinde Gesährligkeiten den Vnderthanen grosser Schaden zustehen könte / in deme sie jhr Armüthlein niergendts sicher hinflehen möchten: auch gesehen hette / was bey dergleichen Occasionen an Benachbarten / zimlich wol verwahrten Orthen für vnversehene feindliche Anschläge / Einfäll vnnd Plünderung tentirt / auch zum theil ins Merck gerichtet worden. Hingegen aber seine Residentz Statt Vdenheimb / durch Länge der Zeit mit Verfallung der Stattmawren / guten Theil der Thürn / auch Verflötzung der Gräben in solchem bawfälligen Standt gesehen / daß an vielen Orthen truckenen ebenen Fuß darüber möchte gelauffen vnd gestiegen werden / vnnd dem geringsten Gewalt kein Widerstandt daselbs / ohne andern Anstalt zu thun gewesen: also daß Er (Bischoff) Officirer / Archiv / vnnd anders bey jetzigen gefährlichen Zeiten / in stätiger offener Forcht gestanden / vnnd leichtlich geschehen können / daß selbige wol gar mit Verlust Leibs vnnd Lebens hinweg geführet worden weren. Derowegen er für notthürfftig gehalten / auch Pflicht halben bey der Posterität nicht vorüber gekönnet / diesen beschwerlichen Sachen zeitlich Rath zu schaffen / vnnd auff Mittel vnd Weg zu gedencken / wie mehrgedachte Statt in bessere Verwahrung gebracht / auch beneben Sein selbst vnd seiner beywohnenden hochnöthigen Saluation / den vmbligenden Vnderthanen zu allen gebenden Nothfällen etwas Rettung geschafft werden möchte. In solcher Seiner wolmeynenden Intention hette er sich ja billich einiger Verhinderung nicht zu verstehen gehabt / dieweil desselben Stifft vnnd anbefohlenes Bisthumb ein gantz frey vnd dem Römischen Reich ohne Mittel zugethanes / vnd von demselben allein dependirendes / auch von angrentzenden Ländern separirtes / vnnd mit seinem sonderbaren territorio versehenes Fürstenthumb; nicht weniger auch von dem H. Reich mit hohen Regalien / Weltlichkeiten / Immuniteten / auch oberherrlich vnd Pottmässigkeiten begabet seye / vnnd deren Gebrauch ohne männiglichs verhindern von vndencklichen Jahren darinn herkommen / sonsten aber / ausser dem Reich vnd Römischen Keyser / keinen Superiorem erkant / noch einigem Churfürste̅ oder Stand Mit Lehensverwandnuß zugethan were. Vmb so diel mehr / dieweil er vber solches noch den Beyfall 1. Gemeiner beschriebenen Rechten: 2. deß H. Reichs heylsamer Constitution vnnd Verordnung: 3. Vhralter Keyser- vnd Königliche Special vnd General Privilegien: 4. Seiner löblicher in Gott ruhenden Vorfahren rhümlich Exempel / vestigia vnnd dardurch erhaltene richtige vnnd fast in 300. Jahr continuirte Possession. 5. Der Römischen Keyser hochverständige Fürsehung / ja deß Churfürsten vor diesem in gleichen Fällen Approbation vnnd wolmeynenden Rath befunden / erwogen vnnd sich darauff zu verlassen gnugsame Vrsach gehabt. Diese Puncten sind alle weitläufftig deduciret
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vnd mit vielen Beylagë confirmiret worden/welche wir allhie geliebter Kürtze halben vmbgehen. (Vdenheimischer Festungsvam von newem wider auffgeführet.) Es wurde aber diese Festung im dritten Jahr hernach wider auffgeführet / viel stärcker / als sie zuvor jemals gewesen / verschen / vnd zu einer rechten Hauptfestung / durch Zulassung der Keyserl. Maj. gemacht / auch im Jahr 1623. nach dem sie nunmehr vollkommenlich auffgebawet / den ersten May durch ein stattliche Procession in den Schutz deß Apostels Philippi befohlen / vnd deme zu Ehren / mit Verkehrung deß Nahmens Vdenheim / Philipsburg genennet. Darbey wurden zur Gedächrnuß / cinfache vnd doppele Reichsthaler mit S. Philippi Bildnuß / wie auch ein Fuder Wein vnd Brod vnder die Bürger daselbs außgetheilet. Neben andern ward nach malë die Statt Speyr / zu wider Erstattung der Vnkosten vnd Schaden / so durch die vorgangene Demolition verursachet worden / am Keyserlichen Hoff condemnirt / weil sie Hülff vnd Vorschub darzu gethan hatte. (Beschreibung deß Orts Odenheim.) Dieses Orch Vdenheimb oder wie es jetzo genennet wirdt Philipsburg / liget an dem Rheinstrom / eine Meyl von der Statt Speyer; drey Meil von Heydelberg: drey Meil von Durlach; drey Meil von Mannheim: vier Meyl von Landaw: vier Meil von Newstatt / vnd eine Meil von Germersheim. Ist anfänglich nur ein Dorff gewesen / vnd Anno 1338. von Keyser Ludwig IV. zu einer Statt privilegiert / vnnd hierauff von Bischoff Gerhardt zu einer erbawen / wie auch nachmals 1365. von Keyser Carl dem lV. mit newen Priuilegien verschen vnnd für eine Festung gewürdiget / vnnd hernach gleich einer Festung mit Gräben / Thürnen vnd Wehren verschë worden. Vnder diesen zwischë dem Churfülrstë von Heydelberg vnd Bischoffen von Speyr entstandenen Mißhelligkeiten / hielten die Spanischen mit Hülff der Holländer mit den Seeraubern auß Barbarien auff der See ein blutiges Treffen / dann als zu Anfang deß May ein Meerrauber Armada von 36. Kriegs Schiffen / durch die Strasse von Gibraltar gesegelt / vnd nicht allein viel Schiff der Christen auffgefangen / sondern auch die Canarisch Hispanische Insul Lamerotte außgeplündert / vnnd vber tausendt Christen von Mann / Weib vnnd Kindern gefangen mit sich weg geführet. Weil nun durch solche Rauberey so wol den Holländischen / als den Spanischen stätigs grosser Schaden zugefüget worden / haben sie sich (weil eben damals der zwischen jhnen getroffene zwölffjährige Anstand noch gewehret) mit einander verglichen mit gesampter Hand / vnd also die Schiffart wider in Sicherheit zu stellen / diese Barbaren anzugreiffen. (Von Spaniern vnd Holländern angegriffen vnd getrennet.) Zu solchem Ende schickten die Staden der vereinigten Niderlande eine starcke Schiff Armada vnder dem Admiral Moy Lambert auß / die stiessen zu deß Spanischen Admirals von Gibraltar Kriegs Schiffen / vnnd warteten also sämptlich in derselben Eng??? den Seeräubern auff den Dienst: Von denselben haben sich baldt darauff acht Schiff sehen lassen / welche aber / als sie von den Spaniern vnd Holländern angegriffen wurden / nicht Standt halten wollen / sondern haben sich getrennet vnd die Flucht gegeben; musten aber gleichwol drey Schiff im Stich lassen / deren zwey mit Verlust vieles Volcks erobert / die Türcken darauff vber Bort geworffen / viel Christen erlöset / vnd ein grosse geraubte Beut gefunden worden. In Eroberung deß dritten ist der Brandt darein gerathen / also daß ein Holländisch vnnd Spanisch Schiff / welche selbiges bestritten / wegen deß Brands sich davon machen müssen / wiewol schon allbereit in 18. Holländer vnd 40. Hispanier das Schiff erstiegen / vnd Meister darob waren / die alle mit in zweyhundert gefangenen Christen / von Mann Weib vnd Kindern von Lamerotte / elendiglich im Fewr verdorbë. Die Spanische haben auch diesen Tag noch zwey andere Seeräuber Schiff crobert / vnd eines vor Tituan (so eine Statt in Africa in dem Königreich Fetz) auff den Strand gejagt / darauß sich die Türcken ans Land saluiret / vnd das Schiff / darauff auch viel gefangene Christen gewesen / in Brand gestecket. Deß andern Tags hat sich der Seeräuber Admiral vnd Vice Admiral mit noch zehen andern Schiffen auch herbey gemacht. Als nun die Türcken die Holländischen Schiff / welche die Enge bey Gibraltar eingenommen hatten / sahen / haben sie anfänglich vermeynet / es weren Kauffleuth Schiff / vnd derhalben stracks auff sie zugesegelt. Demnach sie aber vermercket / daß es Kriegsschiff werë / vn̅ jnen auff dë Dienst gewartet würde / habë sie sich gewendet vnd die Flucht gegeben / denen haben so bald die Holländischen nachgesetzet / vnd hat ein Amsterdamisch Schiff / so etwas geschwinder war / als die andern / ein Seerauber Schiff erobert / achtzig Türcken darinn vber Bort geworffen / vnd sechtzehen Christen erlöset. Nach solchem wurde noch ein anders erobert / vnd darinn 90. Türcken ins Weer geworffen / vnd 20. Christen auß Lamerotte erlöset. Vnder dessen hat ein Schiff von Rotherdamb ein Türckisches mit 28. Stücken Geschütz an Strand gejagt / daß es gescheitert vnd alles darinn zu Grund gangen. Dieses Treffen mit den Seeräubern ist zimlich rauh daher gangen / vnd hat mancher dapfferer Kriegsmann / vnder den Hispaniern vnd Holländern darüber sein Leben gelassen. (Beschreibung Barbariae.) Barbarien / darinnen die Türckische Meerrauber sich auff halten / wirdt heutiges Tags genennet das beste Theil Africae / welches in sich begreiffet die Landschafft Mauritanien vnd das Königreich Tunis Mauritanien wird abgetheilet in, zwo Landschafften / nemlichen in Mauritaniam Caesariensem, vnd Mauritaniam Tingitanam: Dieses Letztere begreiffet in sich das Maroccanische vnd Fessanische: Das erste aber das Tremisenische Königreich. Das Königreich Tunis begreiffet in sich das kleinere Africa / vnd ein grossen Theil deß Königreichs Numidien. Diest Länder sindt heutiges Tags melsten theils dem Türckischen Keyser Vnderthan / der hat auch allenthalben seine starcke Besatzungen.
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Alle an dem Meer gelegene Oerter sindt voll Mörder vnd Seerauber / die nichts anders thun / dann daß sie das Meer vnsicher machen / vnnd alles / was sie bekommen können / hinweg rauben. Vnnd ist sonderlich die Statt Algier das rechte Haupt Nest aller Räuber in Barbarien / ist auch von den Türcken also befestiget / daß sie gantz vnvberwindlich scheinet. (Morat Raia der Seerauber Obrister. ") Der Seerauber Obrister war dieser Zeit einer Nahmens Morat Raja / ein sehr alter vnnd weitbekandter Räuber / als welcher die Rauberey nunmehr vber die 50. Jahr / vnnd zwar mit solchem Glück getrieben / daß es das Ansehen hatte / als hette er den Windt vnnd das Meer in seiner Gewalt / dann er sich mit Warheit rühmen kundte / daß kein Christlicher Potentat oder Fürst / der Schiff im Meer gehen hette / zufinden sey / dem er nicht etliche Galleen entwendet / da hergegen er für sich von einigem Christen Schiff den geringsten Schaden nicht empfangen. Er war nun einer kurtzen Statur / heßlichen porpelichten Angesichts / voller List vnnd Tück / vnnd vngeachtet seines hohen Alters eines frischen kecken Gemühts. Er hatte zwo eygene Galleen / auffs allerbeste mit Volck vnd anderer Zugehör außgerüstet / dergleichen in gantz Africa nicht gefunden wurden. Er war einer vnglaublichen Geschwindigkeit / der Gelegenheit nach / den Feindt zu fliehen oder zu verfolgen. (Keyser Matthias schlägt den Hungarischë Ständen König Ferdinandum zu seinem Nachfolger für. ") Droben ist etwas Meldung gethan worden / wie König Ferdinandt von Keyser Matthia zum König in Vngarn ernennet worden / vnd solche Kron anzunemen / sich nach Preßburg / zu dem vmb dieser Vrsach willen angestelten Vngarischen Landtag begeben habe. Mit solcher Wahl vnd Crönung hat es sich also verhalten: Erstlich ist den Vngarischen Ständeit nach einer zuvorhero von König Ferdinando gehaltener Latinischen Oration / die Keyserliche Proposition den 23. Martij dieses Inhalts vorgebracht worden; Es were nemlich genugsam bekant / mit was Mühe / Vnkosten vnd Gefahr Jhre Maiestät nunmehr viel Jahr lang sich dahin bearbeitet / damit dieses Königreich dem Erbfeindt auß dem Rachen gerissen / von allerley innerlichen Empörungen befreyet / vnd vor dem Vndergang errettet / vnd in seinen vorigen Standt gebracht werden möchte. Welche Vorsorg Jhr. Majestät nach dem nunmehr mit dem Feindt ein Frieden getroffen / vnd durch Göttliche Verleyhung Jhre Majestät dessen Kron vnd Verwaltung glücklich angetretten / auch wie hoch dieselbe solchs jhr jederzeit angelegen seyn lassen / seye vnnöthig allhie weitläufftiger zu vermelden / weil solches alles noch in frischem Eindencken bey männiglichen seyn werde. Zu dem auch der Verlauff vor kurtzer Zeit hiervon genugsam Anzeigung thete / in dem nach Hinlegung deß Türckischen Kriegs die innerliche Vnruhe / gleich als ein Wassersflut auch in die benachbarte Lande sich ergossen. Da dann Jh. Majest. keine Müh noch Vnkosten / ja auch nicht die Brüderliche Verbitterung selbst sich abwenden lassen / daß sie nicht viel mehr Gut vnnd Blut auch das Leben selbst dem Glück vertrawet vnd Jhrer Erblanden auch frembder Fürsten Hülff solcher Orten zum Besten gerichtet / zu geschweigen daß Jhrer Majestät selbsten dem gemeine Nutzen zum Besten von Jhrer höchsten Authorität eine zeitlang nicht ein geringes fallen lassen / damit solche Vnruhe gedämpffet / vnd also der längst begerte Frieden widergebracht / bestättiget vnd Jh. Majest. sich ein wahren Vatter deß Vatterlandes / vnd einen Beschützer deß Vngarischen Reichs Nutzen erweisen möchte. Dieses Vornemens Frucht hetten sich Jh. M. hoch zu erfrewen / als welche auch hinfüro sich dahin bemühen / daß alles allenthalben in guten Frieden gesetzet werde / auch auff die Verbündnussen / vnnd was sonsten den Frieden zerstören / vnd dem Feind dienlich sein möchte ein wachendes Aug haben wolte. Dem nach aber J. Maj. die allgemeine Sterblichkeit vnd das vnvermögliche Alter Jhro zu Gemüth gefuhret / vnd darbey erwogen / wie hochbeschwerlich es diesem Königreich fallen würde / wann Jhrer Maj. etwas Vnfalls zu Handen gehen möchte / ehe vnd zuvor wegen eines Nachfolgers am Reich gewisse Verordnung geschlossen were. Dann was für Gefahr vnd Zerrüttungen durch solch Interregnum allenthalben / insonderheit aber diesem Königreich / so ohne das den Benachbarten verhasset / vnd mit einem nahgesessenen mächtigen Feindt beschweret / zu entstchen pflegen / wolte Jh. Maj. lieber / daß die Stände solches reifflich zu Gemüth ziehen / dann daß sie solches mit eygenem Schaden erfahren. Dannenhero dann Jh. Maj. den Fußstapffen Jhrer Vorfahren nachsetzen / dem künftigen Vnglück zeitlich zuvor kommen / vnnd einen gewissen Nachfolger in diesem Königreich / da sie ohne Mannliche Leibs Erben abgienge / verordnen wollë. Ob auch wol dieses Orts Herrn Maximil. vnd Herrn Alberti beyder Ertzhertzogen in Oesterreich Personen als Jh. Maj. Brüder / nach dieses Königreichs altem Gebrauch / billich in acht zu nemen gewesen / doch aber nach reiffer Berathschlagung wegen gemeines vnd deß Königreichs Hungarn Nutzen / weil sie sich aller Ansprach in sonderlichen Schrifften gäntzlich begeben / auch wegen Jhres erlebten Alters / vnd daß sie ohn Mannliche Leibs Erben weren anderwertliche Vorsehung hierin zu erzeigen angelanget / hette J. M. für gut angesehen / daß der Durchleuchtigste Fürst vnnd Herr / Herr Ferdinandus / König in Böhmen vnd Ertzhertzog zu Oesterreich / welchen wegen seiner sonderlichen hohen Heroischen Tugenden / J. M. zu einem Sohn ausfgenommen / der in seinem rechten Aller vnd Kräfften / auch ohne Zweiffel neben seinen Erblanden noch grössere Digniteten gewärtig were von den Ständen dieses Königreichs zu jhrem König auffgenom̅en vnd gekrönet würde. Wie dann derowegen J. M. die Stände ersuchen / daß sie was obgemelt behertzigen / vn̅ diesem seinem Begeren / ein Gnügen thun vnd deßwegen bey diesem Landtag sich vergleichen wolten Solches erforderte die schuldige Danckbar [45] keit gegen Jhrer Majest. als die so viel Sorg vnd Mühe zu Erhaltung dieser Kron außgestanden / sich selbsten den grausamen Kriegsheeren deß Erbfeinds so manchmal entgegen gesetzet / ein vberschwengliche Summa Gelts zu Beschützung der Grentzen / vber seiner Erblanden Ordinari vnnd extraordinari Contributionen auß Jhren eigenen Kammergütern / vnnd Hoffhaltungs Einkommen / auß rechter Vätterlicher Wolmeynung angewendet; die innerliche Vnruhe gestillet / vnnd nichts vnderlassen / was zu Sicherheit dieses Königreichs / deß gemeinen Nutzens Herrligkeit / auch zu eines jeden Frommen dienen könte / also gar / daß sie auch auff dieses Königreich ein sonderliches Aug getragen / vnnd in solchem Seine Vorfahren weit vbertroffen hette. Vnd hetten die Stände darauß Jhr. Majestät Zuneygung gegen diesem Königreich zu verspüren / daß nemlich dieselbe vber Menschen Vermögen sich erstreckete / in dem Jhr. Majestät ein solchen Fürsten zu einem Nachfolger dieses Königreichs ernennet / welcher nicht weniger / als Jhr. Majestät selbst / auß dem Geblüt deß H. Königs Stephani entsprossen / vnnd zum Regiment gleichsam von der Natur selbsten formiret ist / vnd an welchem / was so wol Jh. Königl. Würd Frombkeit / treffliche vnd herrliche Sitten / Weißheit in Regiments-Sachen / Jhre Kräfften vnnd vnvberwindliche Großmühtigkeit / als auch den Leibssegen Jhrer Königlichen Erben / oder andere herrliche Tugenden belanget / gantz nichts zu befinden / so nicht vor sich selbsder Königlichen Ehren würdig Zu dem hetten Jhre Königliche Würd vnder Jhrem Gebiet Jhre Erblande / so diesem Königreich nahe gelegen / welchen sie bißanhero löblich vorgestanden / ohne deren Hülff dieses Königreichs vberbliebene Landschafften vor dem grawsamen Erbfeind schwerlich köndten beschützet werden. Beneben diesem were auch Jhr. Kön. W. den mächtigsten Potentaten vnd Fürsten der Christenheit mit Blutsfreundschafft vnnd Schwägerschafft verwandt / dannenhero dieses Königreich sich trefflicher Hülff zu getrösten hette. Vmb dieser Vrsach willen hette sich billich eines solchen Nachfolgers das Königreich Böhmenhoch erfrewet / vnd Jhrer Keyserlichen Majestät glücklich Regiment / bey Jhrer Königlichen Würd. in gleichem Glück mit Erfolgung der allerhöchsten Majestät / fortgesetzet zu werden in gäntzlichem Vertrawen stünden. Vber dieses wolte auch Jhr. Majest. Königs Ferdinandi Reuerß den Ständen einhändigen lassen / in dem Jh. Königl. Würde verspreche / bey Jhr. Majest. Lebzeiten ausser dero Bewilligung vnd der Ständ Berathschlagung / der Regierung deß Königreichs sich nicht anzumassen / sondern allein an dem blossen Titul eines gekrönten Königs in Hungarn sich vergnügen lassen / biß Jhr. Maj. etwas anders hierin verordnen oder Todts verfahren würde. Da aber diesem etwas zu wider vorgenommen würde / solten die Stände deß Königreichs Vngarn aller geleisteten Pflicht vnd Gehorsams frey vnd loß seyn. Es solte auch Jhr. Kön. W. alles das jenige / was bißanhero J. Maj. vnd deren Vorfahren die Könige in Vngarn an deß Königreichs Vngarn Freyheiten / Priuilegien / Gnaden / Befreyungen vnnd allem andern darzu gehörigen bestätiget / ebenmässig bestättigen. Wolte sich also Jh. Maj. zu der Stände Trew vnd schuldiger Danckbarkeit verschen / sie würden förderlichst die Berathschlagung dieses Successionswesens / vor allen andern Geschäfften / zu einem gewünschten Ende richten vnd vollbringen helffen / sc. (Der Hungarischen Stände Begehren an König Ferdinand / ehe sie zu der Wahl schritten.) Diese Keyserliche Proposition ist alsbald von den Ständen berathschlaget / vnd beschlossen worden den König Ferdinandum / dem Keyserlichen Begehren zu Folge / zu jhrem König anzunemen / doch aber mit nach folgenden Conditionen; Erstlich solte Jhr. Kön. W. versprechen / alle deß Königreichs Freyheiten / Privilegien / Begnadungen / Statuten / vnd Ordnungen / auch den Wienerischen Vertrag / vnd alle in demselben begriffene Articul / beneben allen andern / vor oder nach J. Keyserl. vnnd Königl. Majest. Krönung Anno 1608. vnnd 1609. auffgerichten Articuln / in allen Puncten vnnd Clausuln stet vnnd fest zu halten. Die Grauamina so sich von der Zeil an / biß zu Antritt Seiner Königl. Regierung ereugen würden / also baldt zu Anfang besagten Regiments zu erörtern. Die jenige Grauamina aber / so sich in Zeit Seiner Regierung begeben würden / auff den gewöhnlichen Landtägen zu schlichten. Wann von Geschäfften vnd Sachen das Königreich Vngarn / oder die darzu gehörige Ort betreffende / gehandelt würde / Hungarn darzu zu gebrauchen / nach dem Schluß so Anno 1608. 1609. vnd 1610. gemacht worden. Niemand vö deß Königreichs Hungarn Eingesessenen an andere frembde vnd ansser dem Königreich gelegene Ort für Recht zu fordern. Die Obristen vnnd Statthalter Empter wie auch die Capitainschafften in Hungarn vnd deme angehörenden Orthen / nach dem eylfften Articul / so Anno 1608. auffgerichtet worden / zu bestellen. Zu Administrirung der Gerechtigkeit / die löbliche vnnd Gott wolgefällige alte Gewonheit in Haltung der Gerichten in acht zu nemen / vnnd zu Friedens Zeiten die iudicia Octauialia nach dem Anno 1609. auffgerichten Vertrag zu halten. Die Königliche vnd Appellation Richter ohne Vnderscheidt der Religion zu bestellen. Die rechtmässige Execution weder für sich selbs zu verhindern / noch durch seine Officirer verhindern zu lassen / die vnrechtmässige Executions aber abzustellen. Die Religion an allen Orten im gantzen Königreich Hungarn / nach dem Wienerischen Vergleich vnd den Articuln / so vor der Krönung Königs Matthiae auffgerichtet worden / frey zu lassen / vnd dieselbe keines Wegs / vnder was Praetext es auch geschehen möchte / zu turbiren.
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In Erwehlung deß Palatini / seiner Autorität Jurisdiction vnd Ampt die Articul deß Wienerische Vergleichs / den Anno 1608. vor der Krönung auffgerichteten eylfften / den siebenden Anno 1613. vnnd Königs Ferdinandi Anno 1555. ersten Articul / wie auch die Form deß Juraments / besagten Palatini in acht zu nemen. Das jenige was in dem eylffen Articul Anno 1608. von der Freycherrschafft gemeldet wirdt zu halten. Die Grentzen nach Innhalt deß 21. Articuls Anno 1608. vor der Krönung vnd den 22. Anno 1609. zu versehen. Die Frey-vnnd Bergstätt bey ihren Rechten vnd Gerechtigkeiten zu erhalten. Die Hungarische Kron auß dem Königreich keines Wegs zu entwenden; sondern nach altem Herkommen vnnd Freyheit durch gewisse hierzu auß beyden Religionen erwehlte Weltliche Personen im Königlichen Schloß verwahren zu lassen / nach dem 4. Articul vor der Crönung / vnnd dem 16. nach der Krönung Anno 1608. Die Grentzen deß Königreichs Hungarn vnd der angehörigen Orth nicht zu begeben; auch die Streittigkeiten wegen derselben mit den Polen / Schlestern / Mährern / Oesterseichern / Steyrmärckern / Kerndtern vnd Kräinern auffzuheben vnd zu vergleichen. Die Bündnuß mit Böhmen vnd andern benachbarten Provincien auch Siebenbürgen nach dem Wienerischen Vertrag vnnd dem Anno 1609. auffgerichteten Vergleich Artic. 42. zu erhalten. Was von dem gemeinen Frieden im Königreich zu erhalten vnd kein frembd Kriegsvolck darein zu führen in Artic. 2. vor der Krönung Anno 1608. were verordnet worden steiff vnnd vuverbrüchlich zu halten. In Ansehung der Hungarn gegen dem Hauß Oesterreich vnd Jh. Majest. Lieb vnnd Trew / so bißhero gnugsam were erwiesen worden / vnnd auch hinfüro erwiesen werden solte / etliche Häuser mit ihren Zugehörden / durch Jh. Kön. Würden / Mittelung / Hülff vnd Freygebigkeit von den Oesterreichern wider vmbsonst abzutretten vnnd hnen wider einzuraumen: sintemal sie von so langer Zeit hero von derselben gnugsame Nuzbarkeiten empfangen hetten. Die Festung Liblo mit aller Zugehör vnd drey???hen Stättlein / so mit grossem deß Königreichs Schaden die Polen in Besitz hetten / wider frey zu machen vnd zum Reich zu bringen. Den Edlen Heyducken jhre von Jhrer Keyserl. vnnd Königl. Majest. habende priuilegia zur Zeit seines Antrits zur Regierung zu confirmiren. Bey Jhrer Keys. vnd Königl. Majest. Lebzeiten der Regierung deß Königreichs ohne Jhr. M. Bewilligung / vnd Approbation der Stände sich nicht anzumassen. (Königs Ferdinand Antwort auff der.) Diese Conditionen hat Jhr. Kö. W. durchschen / vnd darauff geantwortet / daß sie alle / außgenommen die erste vnnd letzte fürnemlich für (1618. Hungarischë Stände Begehren.) Grauamina zu halten / vnd darüber Jhr. Keyserl. Majest. Erklärung müste erwartet werden. Weil nun an Jhr. Keys. Majest. gutem vnd geneigtem Willen / solche Grauamina abzuschaffen / nich zu zweifflen were / Jh. Königl. W. aber nicht zustünde sich in solche deß Königreichs Sachen einzumischen / solten sie für das mahl solche Sachen beyseits setzen vnd auff ein andere Zeit versparen / hingegen dem Keyserlichen Begchren zu Folge / zur Königlichen Wahl vnd Krönung schreiten. Im vbrigen were Jh. Königl. W. allen vnd jeden Jhre Gunst vnd Gnad zu erweisen vrbietig. (Hungaricsche Stände suchen bey Keyser Matthia / in jhr Begehren einzuwilligen. Keyserliche Resolution auff der Hungarischen Stände Begehren.) Diese Antwort hielten die Stände für gar zu General / waren derhalben damit nicht zu frieden / sondern schickten eine Supplication derentwegen an die Keyserl. Majest. die jhnen auff nachfolgende Weiß geantwortet: Demnach die Stände in Hungarn dë Durchleuchtigsten Ferdinandum König in Böhmen / sc. nach seinem Begehren / zu einem König in Hungarn erwehlen wolten / vnd bey Jhme angesuchet hetten / daß Jhre Majest. nachgesetzter Articul wegen sie versichern wolten: Erstlich zwar solten dem Eingang deß Königreichs Decreten / wie auch bey voriger Könige Zeiten geschehen were / einverleibet werden / daß auff Jhr. Maj. Begehren vnd Recommendation / der Durchleuchtigste Ferdinandus König in Böhmen / sc. wegen seiner hohen vnd Heroischen Tugenden / nach allerhand Vergleich / altem Herkommen vnd Jhrer Frey heit gemäß / von den Ständen eiumütiglich zu jh rem Herrn vnd König seye erwehlet / außgeruffen vnd gekrönet worden. Darnach solte Jh. Majest. nach Innhalt deß Wienerischen Vertrags / vnd dann der zu Zeit Jhrer Krönung auffgerichten Articul / tüchtige Personen noch vor der Königlichen Wahl ernennen / auff daß auß derselben Mittel auff den Tag der obbesagten Königlichen Wahl alsbaldt nach deren Vollendung / ein Palatinus erwehlet werden möge / auch der Articul so Anno 1608. vor Jh. Maj. Krönung gemacht worden / auch künfftiger Zeit bey seinen Kräfften verbliebe. Vnd dann daß die Streittigkeiten vnd alle andere Beschwerden / mit welchen die Stände beladen weren / auffgehaben vnnd abgethan / vnnd darüber die Stände versichert würden / daß alsbaldt nach der Wahl eines künfftigen Königs vnnd Palatini / vor allen andern Sachen / auch vor der Krönung solches geschehen solte. Als nun diese Ansuchen der Hungarischen Stände Jhre Majestät verstanden / hette Sie wegen gnädiger Affection / so Sie zu den Ständen trügen / obbenante Articul vnnd was darinn begriffen / angenommen / vnnd wolte auch solche Krafft gegenwärtigen Schreibens angenommen / auch mit Jhren Königlichen Worten versprochen haben / daß alles vnnd jedes obgesetzter massen in acht genommen / vnnd vollstrecket werden solte / doch also / daß / so obbesagte Einverleibung in deß Königreichs Decreten publiciret worden / dieses Keyserliche Original Schreiben / wider zu Jhrer Majestät Händen gelieffert würde.
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Beschlecht-???egister der Ertzher???
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pho dem Erst??? Zum 47. Blat gehörig. [ID00081] ???gen zu Desterreich / von ???udol??? fangen. [ID00082] [47] Nach Empfahung dieses Schreibens sind die (König Ferdinand zum Hungarischen König erwöhlet.) Stände zur Königlichen Wahl geschritten / vnd demnach sie noch vber etliche Special Conditionen / vnd sonderlich daß die Religions Vbung an allen Orten im gantzen Königreich männiglichen frey vnnd vnverhindert solte zugelassen werden / die Bestättigung erlanget! vnnd mit einhelliger Wahl Jhr. Königl. W. Ferdinandum zu einem Hungarischen König auff vnd angenommen / auch zugleich Herrn Sigismundum Graffen von Fortgatschy zu einem Palatin erwehlet. Die Königliche Krönung wurde auff den 1. Julij angestellet. (Denckwürdig Omen künfftiger Vnruhe zu Preßburg.) Vnder wehrendem Landtag hat sich zu Preßburg eine denckwürdige Sach so von vielen für ein sonderlich Omen der künfftigen Vnruhe vnd Zerrüttungen gedeutet worden / zugetragen. Nemlich es ist eines Tags der Himmel / welcher zuvor hell war / plötzlich mit Gewölck vberzogen worden / vnd hat sich ein grosses Vngewitter erhaben / in welchem der Thurn im Schloß / darinn die Kron / Königliche Habit vnd andere Zierd verwahret wirdt / durch einen Donnerstreich entzündet worden. Aber es kame also bald ein solcher hefftiger Regen / daß davon die Brunst gedämpffet würde. (Ferdinadus II. wird zum König in Hungarn getröhnet.) Als nun der zur Krönung bestimpte Tag herben kommen / wurde dieselbe auff nach folgende Weiß verrichtet: Deß Morgens frühe vmb 7. Vhren haben die Hungarische Stände auß dem Schloß die Königliche Kron mit grossem Pomp vnd vielen Soldaten getragen in die hohe Stiffts Kirchen / vnd darinn auff den hohen Altar gestellet. Nach solchem ist König Ferdinandus vmb 8. Vhr mit einem rothen Hungarischen Kleydt angethan / biß in die Sacristey derselben Stiffts Kirchen begleitet worden / deine ist Ertzhertzog Maximilian von Oesterreich auch in einem Hungarischen Habit zu nechst gefolget: Die Gassen sindt mit Brettern mit roth vnnd grünem Tuch vberzogen bedecket gewesen; auff beyden Seiten sindt die Soldaten / schön gebutzet vnnd gezieret in guter Ordnung gestanden. (Hungarische Krönungs Ceremonien.) Der König ist nachmals auß der Sacristey mitten durch die Kirchen zum hohen Altar vnnd vor jhme her zehen Landherren gangen deren ein jeder ein Königliche Fahnen getragen / auff welcher jedem geschrieben stunde ein Nahme der jenigen Königreich / so vor Zeiten zu dem Königreich Hungarn gehöret hatten: Nach dem König sindt andere Freyherrn gefolget / deren einer hat getragen ein Creutz / ein anderer das Schwerd / ein anderer ein Pacem oder Friedensbildt / ein anderer ein Reichsapffel / ein anderer das Scepter / ein anderer die Kron / vnnd dergleichen Regalien mehr. Wie man nun zum hohen Altar kommen / ist der König auff die Erden geknyet / vnnd mit Königlichen Ornat angethan / gesalbet vnnd gekrönet worden mit gewöhnlichen Ceremonien vnnd Solenniteten. Vor der Krönung (welche vnder der Lesung deß Evangelij vnnd der Epistel geschehen) hat der Palatinus oder Königliche Statthalter Sigismundus Forgatsch die Kron in der Handt gehalten / vnd mit heller Stimm das Volck dreymal gefraget; Wollet jhr auch diesem geben die Kron deß Königreichs? Darauff dreymal geantwortet worden; Wir wollens vnd sinds zu frieden. Darauff dann jhme die Kron auff gesetzet wordë: nach solchem ist dreymal außgeruffen worden viuat Rex, Glück dem König. Hierauff hat Jhre Majestät communiciret / vnd nachmals das Schwerdt auß der Scheyden gezogen / vnd drey Creutzstreich in die Lufft gethan. Als nun dieses also vollendet / ist man nach der Barfüsser Kirchen gangen / auff dem Weg sindt güldene vnnd silberne Müntzen außgestrewet worden / deren Vberschrifft war; Ferdinandus II. coronatur in Regem Hungariae primo die Iulii Anno 1618. In bemeldter Kirchen sindt viel zu Rittern geschlagen worden. Nach gehaltener Mittags Mahlzeit ist der König von den Hungarischen Ständen / Landherrn vnnd Rittern auff einen Hügel oder erhabenen Ort geführet worden / allda vnder andern etliche junge Landherrn Söhne in Lateinischer Spraach dem König Glück gewünschet. Folgenden Tags zu Abendt sindt kunstreiche Fewerwerck angestellet vnnd geworffen worden / etliche auff der Thonaw / daß sie ober vnnd vnder dem Wasser zierlich erschienen; etliche auff dem Felde / welche so kunstreich gemacht gewesen / daß es geschienen / als wann das Feldt voller Reysigen were: etlichs aber ist gleich als Drachen in der Höhe geflogen vnd mitten im Schloß nider geschossen. Es sind auch viel andere Frewdenspiel angestellet worden. Nach vollendter Krönung hat sich der König mit dem Ertzhertzog Maximilian vnd Cardinal Cleseln (welchem vnder dem Salueschiessen eine Dratkugel neben dem Kopff hin geflogen) wider auff die Reyß nacher Wien begeben.

Geschlecht Register der Ertzhertzogen zu Oesterreich / sc.
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(Cardinal Clesel zu Wien in Verhafftung genommen.) Demnach nun König Ferdinand vnnd Ertzhertzog Maximilian auß Vngarn wider glücklich zu Wien angelangt / vnd von den Innwohnern daselbs wider stattlich gewillkompt worden; haben sie kurtz hernach nemblich den 20. Julij den Cardinal Clesel (deme zu Preßburg durch einen Schuß / so nach jhm geschehen / bey nahe der Garauß gemacht worden) zu sich in die Keys. Burgk erfordert / der dann so bald mit dem Nuncio Apostolico oder Päbstlichen Legaten auff einer Kutschen nach Hoff gefahren / da er / nach wider wegscheiden obberührtes Bäpstlichen Nuncii, seinen Dienern befohlen / daß sie bey der Hand bleiben / vnd auff jhne Achtung geben solten / hernach hinauff dem Ertzhertzogischë Zimmer zugangen / vnderwegens ist jhme ein Ertzhertzogischer Cam̅erhrr auff der Stiegen entgegen kom̅en / der den Ertzhertzogen / daß derselbe Leibsblödigkeit halben jme nit entgegen gehen könte entschuldiget / vn̅
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jhne vollendts hinauff in das Zimmer begleitet. Es sindt aber der König / Ertzhertzog vnnd der Spanische Orator in einem Gemach beysammen gewesen / haben den Cardinal nicht zu jhnen kommen / sondern denselben stracks / durch den Freyherrn Seyfrieden Preuner (welcher allda sampt dem Graffen Tampier vnnd Graffen Colalto reyßfertig auffgewartet) in ein besonders Nebenzimmer führen / vnnd jhme kürtzlich anzeigen lassen; daß das Hauß Oesterreich sich mit dem Pabst verglichen / jhne / vmb vieler Vnthaten / vnnd vbel fürhabenden Hoff Regiments willen / an dem Hoff länger nicht zu gedulden: derhalben er seinen Cardinals Habit ab / vnd einen andern schwartzen / (welcher jhme alsbaldt dargegeben worden) anlegen / sich in deß Hauses Oesterreich Verhafftung ergeben / vnnd so baldt mit jhnen Freyherrn Preunern vnnd obgemeldten beyden Graffen) gehen solte. Auff welches zwar der Cardinal strack zu protestiren angefangen / nachdem er aber gesehen / daß es anders nicht seyn könte / hat er den rothen Hut vnd Mantel abgethan / vnd bemeldten schwartzen Habit angeleget / vnnd ist mit jhnen vber einen verborgenen Gang zur Burg hinauß auff die Pastey fortgangen / allda sie sich zusammen in ein verdeckten Gutschen Wagen gesetzet / vnd in aller eyl zur Pfort hinauß / nach Steyrmarck vnnd von bannen in Tyrol zu gefahren. Biß an die Steyrische Grentzen haben sie zweyhundert Tampierische Reutter begleitet. Vnder Wegens ist zuvor Anstalt gemacht gewesen / daß sie allenthalben vngehindert mit frischen Rossen forteylen können. Vnder solchem Verlauff hat man auch deß Cardinals vertrawtesten Rath / D. Petrum Hutnerum Ordinis S. Dominici Commissarium vnd Priorem, welcher in der Ritterstuben neben andern Dienern auffgewartet / in das Ertzhertzogische Zimmer beruffen / von jhm die Schlüssel [49] zu deß Cardinals Schatz vnnd Schrifften gefordert / vnd jhne arrestiret. Dieses alles ist in solcher Stille verrichtet worden; daß es auch niemandt bey Hoff vermercken können / vnnd sind erst deß Abendts nach 6. Vhr deß Cardinals Diener heimbzugehen geheissen worden / da sie dann jhres Herren Zimmer vnnd seine vornembste Sachen im Passawer Hoff verpitschieret vnnd arrestiret gefunden. Als nun der Cardinal schon bey einer Stundt lang weggeführet gewesen / ist der König vnnd Ertzhertzog Maximilian miteinander zum Kayser / als der von diesem Handel gantz nichts gewüst / gangen / vnd jhme alles / sampt den dazu habenden Vrsachen vmbständtlich entdecket / auch der Kayserin noch selbigen Abendt solches gleichfals zuwissen gethan. Nach dem nun dieser Cardinal eine Zeitlang (Cardinal Clesel wird vnschuldig erfunden / vom Bapst absolvirt vnd in seine Dignitätë wider eingesetzet.) gefänglich gehalten / ist er examiniret / aber der jhme auffgelegter Bezüchtigung halben (welche man nicht eygentlich wissen mögen) vnschuldig erfunden worden. Derowegen der Pabst jhn absolviret vnd Mandata nacher Wien geschicket / in welchen er jhn aller Bezüchten vnnd Aufflagen vnschuldig vnd frey gesprochen / vnnd vnder der Straff deß Bannes befohlen / jhme / Cleseln sein abgenommene Gütter vnnd alle Barschafft widerzugeben / vnd wer Wissens hette / wo eines oder das ander hinkommen / bey gedachter Straff solches anzuzeigen. Welches geschehen in dem Jahr 1624. Wie er nun wider nacher Wien kommen / vnd in seine vorige Dignitäten eingesetzet worden / sol an seinem Ort vermeldet werden. (Böhmen schicken sich zum Krieg.) Vnder vorgemeltem Verlauff waren die Directores vnd Stände sub vtraque in Böhmen / in verfertigung allerhandt Kriegs-Bereitschafften (weil sie vernahmen daß ander Gegen-Seithen dergleichen auch geschahe / vnnd der Kayser den Krieg vorzunemen durch Martialische Köpff [50] vnd vngetrewe Rathgeber hefftig augehetzet worden) zum höchsten bemühet / liessen ein gute Anzahl Volck zu Roß vnd Fuß annehmen / vnd legten nöthige Besatzungen eyn: Sonderlich aber versahen sie etliche an den Grentzen gelegene Ort / damit also dem Volck / so der Kayser / sie zu bezwingen in Böheimb schicken möchte / der Eingang in das Königreich verwehret würde / vnd zu solchem Endt trachteten sie dahin wie die Kayserische Besatzungen außgeschafft werden möchtë. Weil nun vnter andern auch in der Statt Budweiß vnnd Crumaw dergleichen Besatzung lage / die Stände aber gern vmb allerhandt Commoditeten willen solche Päß jnnen gehabt hetten / als zoge endtlich Henrich Matthes Graff von Thurn (welcher dem gemeinen Wesen zum besten / zu einë General Leutenant vber der Stände KriegsVolck sich hatte bestellen lassen) mit etlich tausent Mannen dahin / vnd begehrte an sie / sie solten das frembde Kriegs-Volck vnnd Kayserische Besatzung außschaffen / vnd hinfüro keines mehr einnehmen / mit vermelden / daß wo sie nun solchem nachkommen würden / von der Stände sub vtraque Volck keines eingeleget / auch sie mit andern Beschwerden weiter nicht angefochten werden solten / im widrigen Fall aber er Gewalt brauchë / vnd die Außschaffung selbsten an die Hand nehmen müste. Hierauff haben zwar die Crumawer jhr Volck außziehen lassen / die Budweisischen aber wolten solchem nicht folge leisten. Derhalben wurde jhnen nochmals vom Graffen von Thurn entbotten / wo sie seinem Begehren / welches zu jhrem besten gereichete / nit Folg leysten würden / solten sie die ärgste Feindtseligkeiten von jh me zugewarten haben / vnnd niemand damit verschonet werden. Als er aber wider abschlägige Antwort bekam / weil die Bürger alle Papistisch waren / vnd jhnen auff der Evangelischen Stände Seithen zutretten nicht eingehen wolte / auch eine Besatzung von 1500. Mann starck bey sich hatten / (Lägern sich vor Budweiß.) schlug er sein Läger vnfern von der Statt auff vn̅ besetzte die Päß daherumb. Weil jhm nun täglich mehr Volck zukam / so in vnderschiedlichen Orthen geworben wurde / bracht er in kurtzem ein starcke Armee zusammen. Inmittels haben die / so den Evangelischen in Böheimb längst gern in die Haar gegriffen hetten / vnnd nicht die geringste am Brett waren / nit gefeyret / sondern tapffer Ochl ins Fewer gegossen / alle der Böhmen Handlungen zum ärgsten außgedeutet / vnd durch stätiges Einblasen vnnd vngleiche Bericht die Sachen dahin gerichtet / daß alle Entschuldigung vnnd Gegenbericht der Böhmen für Ohren gangen vnnd nicht geachtet worden / sie haben so gut vnnd warhafft seyn mögen als sie gewolt / vnnd hat der Kayser durch der seinigen Anreitzen sich dahin bewegen lassen / daß er die Güte dardurch vtel Vbels / grosses Landtverderben / vnd deß Edlen damals in gutem Frieden florirenden Teutschlandt jämmerliche Ruin / so hernach auß diesem Wesen erfolget / hette können verhütet werden / fallen lassen vnd jhm vorgenommen / die Böhmen mit Krieg anzugreiffen. Zu solchem End hat er sein Kriegs-Volck / so hin (Kayser Matthias macht Auordnung die Böhmë mit Krieg anzugreiffen.) vnd wider geworben worden vmb den halben Junium zu mustern vnnd zum Anzug nacher Böhmen sich fertig zumachen befohlen. Der General Obriste darüber war Carolus Longeval Graff von Bucquoy / welchen als einen guten vnnd erfahrnen Kriegs-Obristen / Ertzhertzog Albertus beneben in 6000. Mannen auß Niderland seinem Brudern dem Kayser zu Hülff geschickt: Sein General Leutenant war Henrich Duval Graff von Dampier / so auß Franckreich bürtig / vnd sich zuvorn in Vngarn / vnnd hernach in Friaul wider die Venediger tapffer hatte gebrauchen lassen: Die andere Obristen vnnd hohe Officirer waren / Hertzog Henrich Julius von Sachsen Lawenburg / Graff von Buchheimb / Balthasar von Marradas / Graff Reinbold von Colalto / Johann Mollart vnd andere. (Kayser Matthias thut den Anzug seines Kriegs Volcks d??? Böhmen zuwissen.) Zuvor aber vnd ehe diese mit dem Kriegsvolck nach Böhmen fortmarschirt / hat der Kayser / vnder dato den 24. Junii an die Stände sub vtraque ein Schreiben abgehë lassen / dieses Inhalts; Sie würden auß seinen vorigen Schreiben seinen gnädigsten Willen / Vätterliche Vorsorg vn̅ Meynung / was massen diesen Zerrüttungen ohn Kriegsverfassungen abgeholffen werden köndte / sonder Zweiffel verstanden haben. Vnderdessen aber komme jhm Bericht vor / wie noch ferrner der Graff von Thurn mit einer Armee gegen vnd in die nähe der Statt Budweiß gezogen / dem Burgermeister vnd Rathmannen geschrieben / vnnd durch seine Abgeordnete / inmassen auch denen zu Crumaw zuentbotten / sie solten J. M. Volck / so sich zu Verwahrung der Statt daselbsten befunden / abschaffen / die Statt abtretten / neben grossen Bedräwungen / wofern sie solches nit vollziehen würden / auch das Kind in Mutterleib nit leben zulassen: welches weder jhm noch einem andern / daß er an Jhr. May. Getrewen solcher Gestalt seinen Willen treiben möchte / nit gebührte / könte auch solchem lenger nit zusehen vnd gestatten / ließ derowegen Jhr Volck zu Roß vnd Fuß mustern / mit diesem Befehl / es solte solches vnverlängt in das Königreich Böheim rücken / vnd Jhrer Mayestät getrewe Vnterthanen / wider die jenige / so vnder dero Namen vnd Titul sie beleydigen wolten / vertretten vnd schützen: Welches Jhre May. jhnen / Ständen / durch dieses Schreiben andeuten wollen / damit sie reifflich das Böse Schädliche / so hierauß entstehen köndte / erwegen vnd lieber von jhrem Vornehmen durch diese Ermahnung abstünden / dann deß Königreichs Vöheimb / jhrer selbst / vnnd jhrer Vnderthanen Verderbens Vrsacher weren. Hergegen aber möchten Jhrer Mayest. Vnderthanen / die sich der Sachen nicht angemasset / dessen vergewissert seyn / daß J. May. sie vnd andere durch dero Volck im wenigsten zubeleydigen nit verstatten wolte / sondern sie allermassen zuschützen vnnd ob jhnen Vätterliche Obhand zuhalten gemeinet were. Vnder oberzehltem Verlauff vnd Abgehung dieses Schreibens wurde nun das jenige / was die [51] Evangelische Stände in Böheimb bißhero zu jhrer (Articul so den Ständen in Böheimb zu jhtem Vnglimpf beygemessen.) Defension vorgenommen / in sonderliche Articul vnnd Klagpuncten verfasset / vnd von jhren Widerwertigen hoch auffgemutzet: Als 1. daß die Stände sub vtraque zwen Jhr. M. Statthalter / beneben einem Secretario zum Fenster hinauß geworffen / ohn einige Anklag / Verhör oder vorgangene Condemnation: 2. Daß sie die Schloß-Guardi in jhre Pflicht genommen: 3. Ein newe Regierung auff dem Prager Schloß angestellet: 4. Die vbrigen Statthalter vnd Land-Officirer in jhren Häusern arrestirt: 5. Ihnen die Consilia verbotten: 6. Kriegswerbungen angestellet: 7. Gebott vnd Verbott gemacht: 8. Die Jesuiter bannisiret / vn̅ deren Collegia abgeschafft / da doch dieselbe / durch Weyland Kayser Ferdinandum / mit deß Landes Verwilligüg vnd Fundation eingeführet / auch in offentlichem Truck bekenneten / Fidem servandam esse adversae Religionis partibus: 9. Sich deß Schlosses Carlstein vnd anders mehr impatroniret: 10. Vngeachtet auch J. K. M. durch Patenta vnd andere Schreiben sich außtrücklichen erklärt / daß sie niemals deß Sinnes gewesen / vnnd noch nit weren / den Evangelischen Böhmischen Ständen jhre Privilegia vnd Mayestät-Brieff zuentziehen / sondern sie jederzeit darüber zuschützen / auch in den angezogenen strittigen Puncten der Kirchen Consistorien vnnd anderer Sachen / dem Landtags Beschluß nach / zu procediren / vnd da in Politicis einige Differentien vorgefallen weren / sie ebenermassen jedermänniglich gleich vnd Recht widerfahren lassen / oder aber auch / zu abhelffung dieser Beschwer / ansehenliche Personen abordnen wolten / welches alles doch nichts verfangen hette: 11. Sondern es weren die Königlichen Stätte mit vnerhörten Bedrohungen / auch deß Kindes in Mutterleib nit zuverschonë auffgefordert: 12. J. M. Herrschafften eingenommen / vnd viel Thätlichkeiten hin vnd wider vervbet wordë. Diese Aufflagen vnnd Beschuldigungen haben die Evangelische Stände in Böhmen also abgeleynet: (Der Evan gelischen Stände in Boheimb Ableinung dieser Beschuldigungen.) So viel den ersten Articul betreffe / daß die zwen genante Statthalter / Schmesantzky vnnd Slawata zum Fenster außgeworffen worden / were zwar also geschehen / vnnd hette wol bey der Sachen vnerfahrnen ein vngleich vnnd seltzam Ansehen. Wer aber alle Antecedentia Facti vnd darbey vorgelauffene Circumstantias in acht (Art. 1.) nehme / der werde vber das quod saepius laesa patientia tandem furor fiat, vnnd daß in einer dermassen vervrsachten Commotion, Sorg / Forcht vnnd Gefahr ein so geschwinde Resolution genommen worden / sich darüber so hoch nicht verwundern. Das Factum an sich selbsten würde gestanden / so aber auß vnden berührten vnwiderleglichen Vrsachen geschehen müssen. 1. Erstlichen so hetten Slawata vnd Schmesantzky (deß M. Philippi Fabricii Secretarii darbey als jhres Vnderknechts vnnd Adulatoris zugeschweigen) ins gemein / noch vor erlangtem Mayestät-Brieff / so bald sie nur zu dë Aemptern kommen / die Evangelischen Stände in jhrem Exercitio Religionis (vngeachtet sie von der Anno 1575. Kayser Maximiliano vbergebenen Böhmischen Confession / vnd darüber erlangten Assecuration, wohl gewust / zum theyl zuvor selbst Euangelisch gewest / aber mit verletzung deß Gewissens abgefallen) in viel weg beschweren helffen / mit Einstellung der Erbawung Evangelischer Kirchen auff eygenen Gründen / Abschneidung der Begräbnuß vornehmer vom Adel / so sie von Alters hero auff Römisch-Catholischen Collaturen gehabt / Begräbnuß gemeiner armen Leuth / so auff Scheidwegen / Angern / Gärten vnd Vichtrifften / an statt der Kirchhöfe / begraben werden müssen. Solches alles vnnd was sie neben jhren Helffers-Helffern Geistlichen vnnd Weltlichen Personen mehr Trangsals den Evangelischen Ständen vor erlangtem Mayestät-Brieff angelegt / seye auß denen im Landtag Anno 1610. eingebrachten Exempeln genugsamb zuvernehmen. Als auch Smesantzky nach Absterben seines Vettern demselben succediret / hette er alle seine Evangelische Vnderthanen gewaltsamer Weiß zur Bäpstischen Religion gezwungen. Darzu jhm nicht allein Englische Hunde / welche er an die arme Leuth hetzen lassen / dienen müssen: Sondern er hette auch denselben mit Gewalt die Mäuler bey der Meß auffperren / vnnd jhnen die Ostien einschieben lassen / auch in andere weg vnerhörter Weiß mit jhnen verfahren. Welches Factum jedoch / als gut Catholisch / bey der Cantzeley Königs Rudolphi hoch approbiret / er auch ferrners dahin ermahnet worden / in dergleichen Deformation der Evangelischen Kirchen fortzufahren. So er auch / als er das Dorff Tuchlowitz / von den Praelaten auff dem Prager Schloß / nach erlangtë Mayestät-Brieff tauschweiß bekommen / trewlich verrichtet: Auch zuvorhin einen Ablaß-Brieff / so er zu Rom von dem Bapst erbetten / in die Land-Taffel vnzimblich einkleistern lassen (da doch die Land-Taffel von Carolo IV. dahin niemahls dirigirt worden) dargegen aber die Evangelischen Stände in piis causis, an diesem Orth gleichmässiges Rechtens nicht theilhafftig werden können / sondern allezeit durch die Obristen Land-Officirer / auff Relation der kleinern Amptleuth daran verhindert worden / wie obgedachte Exempel außwiesen. Dergleichen Proceß mit Abschaffung frommer Christen / so nit hetten wollen Päpstisch werden / hette Slawata von einem Jahr hero zu Newhauß vorgenommen. Dahero viel vornehme Bürger daselbsten jhre Güter verkauffen vnnd die Statt oder jhr Vatterlandt mit dem Rücken ansehen müssen / were auch darüber stärcker fortgefahren / wann jhn GOTT nicht darüber gestürtzet hette. 2. Zum andern / als Ihre May. den Stän [52] den Anno 1609. ein Amnestiam ertheilt / hätten sie dieselbe nicht eingehen / noch vnderschreiben wollen / zu dem End / damit sie jhres theyls den Ständen pro libidine vnderm Schein jhrer tragenden Aempter / alles Leyd anzufügen / ein freye vnverbundene Handt behielten / vnnd also die Stände zu jhrem Willen in stättiger Gefahr verblieben / vnnd jhnen dargegen besagte Amnestia nicht vorgeruckt werden könte. 3. Ebener massen hetten sie die nach erlangtem Mayestät-Brieff zwischen den Ständen sub vna vnd vtraque auffgerichte Vereinigung nicht vnderschrieben / noch sich zur Landtags Relation bekennen wollen. Welches doch von allen Römisch-Catholischen anwesenden Obristen Land-Officirern vnnd Rechtsbesitzern / Jhrer Mayest. Hoff-vnnd Cammer-Räthen / auch von denen auß der gemeine Herrn vnnd Ritterstandts-Personen / ohn eynig Bedencken geschehen. Darwider hetten die Stände schon dazumahl solenniter protestirt, vnnd wegen solcher Bezeigung vnnd Absonderung von der gantzen Landtschafft vnnd allen getrewen Patrioten sie für hostes patriae vnnd turbatores pacis publicae erklärt. Welche Protestation dann desto füglicher von den Evangelischen Ständen geschehen können / weil in der Vergleichung außtrücklich stünde / daß der Mayestät-Brieff sich so wohl auff die sub vna als sub vtraque erstrecken thäte. Dahero erfolget / daß wer wider gedachten Mayestät-Brieff handelte / der seye in Krafft desselben pro hoste patriae vnnd turbatore pacis publicae zu achten: Hette sich auch ein solcher ipso facto theylhafftig gemacht deß Poenfalls / so in der Landts-Ordnung D. 49. zubefinden. So würde auch in gedachtem Mayestätbrieff den Lands-Officierern vnnd Räthen anbefohlen / vber denselben steiff vnnd fest zuhalten / vnnd darwider selbst nichts zuthun / noch andere thun lassen / bey Vermeydung Jhrer Mayestät höchster Vngnad / vnnd der Stände Andung vnnd Zugriff. Welches aber alles gedachte beyde Slabata vnnd Smesantzky wenig in acht genommen / sondern die Euangelischen Stände wider vielgedachten Mayestät-Brieff in mancherley Weiß beschweret vnnd verfolget hätten. 4. Als auch König Ferdinandus den Ständen / vor seiner jüngsten Krönung / einen sonderbahren Reverß / wie gebräuchlich / von sich geben / darinnen der Mayestät-Brieff außtrücklich begriffen / hetten sie sich darwider auff offenem Landtag auff das häfftigste opponirt / vnnd also abermahl / so viel an jhnen / den Mayestät-Brieff zu cassiren vnnd in effectu auffzuheben vnderstanden / dardurch sie abermahl in die verwürckte Straff eingefallen / ob schon damals der Obriste Burggraff noch einmahl die vora hette herumb gehen lassen müssen / vnd sie also per majora zurück getrieben worden. 5. Hetten sie an diesem allem noch kein Genügen gehabt / sondern neben jhren Mit-Consorten / dem Obristen Cantzlern vnd Paul Michna Secretario dahin gearbeitet / wie sie der Evangelischen Stände Zusammenkunfft / deren sie doch in Krafft der Mayestät-Brieff vnnd Vergleichungen befugt / vnnd in plenissima possessione gewest / in puncto Religionis verhindern vnnd abthun möchten. Dahero sie bey Hoff allerley inhibitoria wider die Stände außgebracht: Auch kurtz vor der abgewichenen Zusammenkunfft / ein solch beweglich Schreibë an die Statthalter erpracticiren vnnd selbsten stellen helffen / darinnen die Stände viererley wider den klaren Buchstaben deß Mayestät-Brieffs / in welchem vnder andern auch dieses begriffen / daß wider denselben keine Befehl in keinerley weg außgehen / oder da sie außgangen / keine Krafft haben / vnd jhnen zu pariren die Stände nit schuldig seyn solten / vnerfindtlicher Weiß bezüchtiget würden. Erstlichen daß Jhre Kayserl. Mayest. befinde / daß diese der Stände Zusammenkünfften / wider deroselben eygene Königliche vnnd Kayserliche Person angestellet worden seye: Zum andern was die nidergerissene Kirch zu Clostergrab / vnnd Straff der Vngehorsamen auß der Statt Braunaw zum Closter gehörigen Vnderthanen betreffen thäte / wäre solches beydes auff Jhrer Mayest. gerechten Befehl geschehen: Zum dritten / daß von den Ständen weiter / als der Mayestät-Brieff vnnd Vergleichung vnder den Ständen sud vna vnd vtraque zuliessen / gegriffen würde: Vnnd fürs vierdte daß sie sich frembder Vnderthanen in vnbillichen Sachen wider Jhre Mayest. annehmen / vnnd jhren offentlichen Vngehorsamb vnd Empörung wider Jhre Kayserl. Mayest. vertheydigen vnnd sie darinnen verstärcken wolten: Welches sich Jhr Kayserl. Mayestät gegen etlichen Personen / so dieses Wercks Autores weren / keines wegs versehen: Mit diesem ferrnern Anhang: Alldieweil sie Jhrer Mayest. Gütigkeit mißbrauchten / vnnd weiter dann sich gebühret greiffen wolten / wolte Jhre Mayest. nicht vnderlassen / weiter nach zufragen / vnnd gegen denselben gebührlichen / nach eines jeden Verdienst / zuverfahren. Verbiete auch hierbey den Defensoren / mitlerweil / biß zu deroselben Widerkunfft in dieses Königreich / oder aber weiterer deroselben Maßgebung / kein solche Zusammenkünfften mehr außzuschreiben / die Statthalter aber / andere Innwohner / daß sie auff dergleichen Erforderung nicht erscheinen solten zuvermahnen. Vnder diesen ertichten Aufflagen aber hetten die vnruhige von den Jesuwitern verhetzte Leuth nichts anders gesucht / noch zu einem andern Ende damit gezielet / dann dardurch auff die Stände die schweren Articul welche Leib vnd Leben betreffen / so in der Landts-Ordnung begriffen / zuziehen / sie darauß jhrem Gefallen nach zuvervrtheilen / vnnd dahero vmb alle jhre Wohlfahrt in dieser Welt zubringen. Sinte [53] mahl darinnen außtrücklich stünde / wer Zusammenkunfft hielte / ohne Jhrer Mayest. deß Königs Bewilligung / oder frembde vngehorsame auffgestandene Vnderthanen vertratte vnnd förderte / der solte Leib vnnd Leben verfallen haben. Hier möchte jemand sagen / warumb man sie jhrer Vnthaten halber nicht Rechtlich besprochen / sondern die Stände so gleich ohne vnnd ausser Rechten / sich nicht allein zu Richtern / sondern selbst Executorn gemacht / da doch die Beschuldigte zuvor nie gehört / viel weniger vberzeugt oder condemnirt worden? Darauff würde mit Bestand gesagt / daß in Notoriis vnnd da die Rei allbereit / als öffentliche Hostes patriae vnnd turbatores pacis publicae bey gemeinem Landtag erklärt / vnnd gleichsamb in flagranti crimine ergriffen / vnnd daher prae???ens seditionis vnnd majoris tumultus periculum vorhanden gewesen / viel zu spat vnnd den Ständen / auch der Posterität halben / verweißlich gefallen were / allererst einen weitläufftigen Rechtlichen Proceß anzufangen. Sondern man hätte / vermög deß Mayestät-Brieffs / thätlichen gegen jhnen procediren / vnnd also ab Executione anfangen können vnnd sollen. Sintemahl der Mayestät-Brieff die Stände darzu verbinden thäte. Vber dieses alles vnnd da man auch rebus sic stantibus mit jhnen hette Rechten sollen / so were doch weder Forum competens, noch ein vnpartheyischer Richter zufinden gewesen. 1. Dann erstlichen so hetten Jhre Mayest in dem an die Statthalter abgangenen Schreiben sub dato Wien Mittwoch nach Oculi, das factum deß Ertzbischoffs vnnd Apts zu Braunaw gebilliget / vnnd daß es auff deroselben rechtmässigen Befehl geschehen seye / sich außtrücklichen darzu bekennet. Darauß dann zu schliessen / daß sie Jhr May. allbereit auff jhre Seithen gebracht gehabt. 2. Nachmals so hette das Iudicium durch sie vnd jhres gleichen müssen besetzet werden / vnd sie also zugleich Partes vnnd Iudices würden gewesen seyn: Were auch von jhnen kein ander Vrtheil erfolget / als das jenige / so sie im Kayserlichen Schreiben / als Concipisten desselben allbereit angedeutet. 3. Gesetzt auch man hätte sie propter competentiam fori zu Recht anklagen können / warumb hätten sie dergleichen Proceß auch selbsten nicht vorgenommen? Warumb hätten sie eher die Stände (so wenig Personen in der Anzahl / den grösten Theyl deß Königreichs) vervrtheylt als angeklagt? Ja gleichsamb mit Fingern auff etliche Defensoren gewiesen / auch sich mit diesen formalibus verlauten lassen wir / wir haben den Kayser auff vnser Seithen / Wir wollen euch vrtheylen / vnnd müssen ewer etlichen die Köpffherunder springen. Wie solches alles gnugsamb am Tag wäre. Dann sie ermelte Defensores / jhrem gegen der Evangelischen Religion feindtseligen gefasten Gemüth nach / gleichsamb für Rädelsführer dieses Werckes gehalten vnnd angegeben: Da doch von jhnen allerseits / so wohl denen auß den Cräysen erforderten Personen / nichts anders gesucht worden / dann vber der einmal erlangten vnnd confirmirten Zusammenkunfft in puncto Religionis steiff vnd fest zuhalten. 4. Were in solchem gefährlichen Statu kein ander Remedium vorhanden gewesen / gedachte turbatores pacis publicae zu recht zubringen. Dann seither sieben Jahren hero der Stände Jhrer Mayestät vorgebrachte Gravamina niemahls erwogen / viel weniger dieselbe vorgenommen / oder jhnen abgeholffen worden: Ja das noch mehr wäre / als die Defensores / sampt denen vermög deß Landtags-Beschluß erforderten Personen auß den Cräysen / denen hinc inde eingeantworteten Beschwerungen genugsame Satisfaction (wegen der gesperrten Audientz) nicht thun können / hätten sie es endtlichen an die gesampte Stände auff dem General Landtag Anno ein Tausent sechs Hundert vnnd fünffzehen gelangen / vnnd solche alsbald Jhrer Mayest. durch gewisse jhres Mittels-Personen / bey erlangter Audientz vortragen lassen / aber keiner Resolution gewürdiget worden. Es hätten zwar Jhre Mayestät dem Graffen von Thurn extraordinarie, nach dem Auffbruch von Prag / selbsten Audientz gegeben / aber gantz beweglichen geantwortet / daß dieselbe der Stände sub vtraque Begehren nicht für billich erkennete / hette auch auff jhren Herrschafften alle jhre Kirchen vnd Collaturen dem Ertzbischoff vbergeben / wolten derowegen mit dergleichen Vorbringen ferrner verschonet seyn. Als auch dargegen von gedachtem Graffen schrifftlichen Antwort gesucht worden / hetten zwar Jhre Mayest. solches bewilliget: Aber durch den Obristen Cantzler were es verhindert worden. Darauß ja Sonnenklar zuermessen / daß dardurch alle Mittel den Gravaminibus der Stände abzuhelffen / abgeschnitten worden. Man dörffte sich nicht daran kehren / daß es Statthalter gewesen / daß sie Jhrer Mayestät Person repraesentiret / vnnd dahero crimen laesae Majestatis möchte erzwungen werden. Dann sie wären zugleich auch Landt-Officirer vnnd angesessene Innwohner deß Landts gewesen / die / vermög jhres Eydts / deß Landes Gerechtigkeit hätten schützen sollen / hätten aber jhr Jurament nicht in acht genommen / sondern darwider gehandelt / seyen für Feinde mit einer schweren Clausul in der Protestation Anno Tausent sechß Hundert vnnd Neun (welchen den drey vnd zwantzigsten May dieses sechtzehenhundert vnd achtzehenden Jahrs in der Cantzeley jhnen vorgelesen) erklärt worden / sich durch jhre attentata, laut deß Mayestät. Brieffs / welcher niemanden / so darwider handelte / excipirte / selbsten in die schon erlittene Straff vervrtheylet. Et sic quicquid Lege permittente fieret, poenam non mereri.
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Weil dann ihr gantzes Datum auff Cassirung deß Mayestät-Brieffs / vnnd Vndertruckung deß freyen Religionis Evangelicae Exercitii gerichtet / so sie / wie in publicis consiliis bey der Cantzley / also auch auff ihren eygenen Herrschaffen vnnd Gütern erwiesen: In dem sie / der Schmesantzky längst zuvor / Slawata aber von Königs Ferdinandi Crönung hero / die Vnderthanen auff allerley Weiß vnnd Weg zu der Römischen Catholischen Religion genöthiget / so ihnen aber frey passirt vnnd gelobet worden / die Evangelischen Ständt aber dargegen bey Jhrer Kayserlichen Mayestät auff so vielfältiges anhalten / einige Satisfaction niemals erlangen können: Als were man endtlichen gezwungen worden / solche ihre Thätlichkeiten contrario facto zu diluiren / damit der gantzen Welt / sonderlich aber der lieben Christenheit offenbar würde / was für Trangsal die Euangelischen Christen in der Cron Böheimb in jhrem Religionis Exercitio, wider den klaren Buchstaben deß Mayestät-Vrieffs / auff gerichten Vereinigung zwischen denen sub vna vnnd sub vtraque, so wohl Landtags-Beschluß biß auff jhre Degradation, auß stehen müssen. Vnd were also zu Abwendung dessen / nach Innhalt deß Mayestät-Brieffs / der Landts-Ordnung / vnd dem Herkommen nach rechtmässig verfahren: Da hingegen ex adverso in viel Wege de facto, ausser vnd wider Recht straffmässig procedirt worden. (Art. 2.) Den andern Articul betreffend / were die Schloß Ovardia nit zu dem End in die Pflicht genommen worden / sie dardurch der Pflicht / mit welcher sie Jhrer Mayest. verbunden / zu relaxiren / sondern bloß zu assecuration deß Königlichen Schlosses zu Prag / vnd deß Königreichs / auch der Stände sub vtraque, defensive absque praejudicio deren sub vna: In Ansehung / daß auff dem Prager Schloß die Land-Taffel dieser Cron hohes Kleynod / vnnd andere Landes Archiva verblieben. Dahero billich Jhre Mayestät zuforderst / hernacher auch die Landt-Sachen / mit einer trewen Guardia zuversichern / vnnd so viel desto mehr / weil Jhre Mayestät abwesend / vnnd nicht zugegen gewesen. (Art. 3.) Den dritten Articul betreffend / beruffte man sich bey diesem Puncten anfänglichen / wie billich / auff die getruckte Apologiam. Weiter würde geantwortet / weil man sich eines grossen schädtlichen Auffstandes deß gemeinen Pöfels besorgete / zu dem auch das Defension Werck eines Directorii hoch benöthiget gewesen / hette mann interim ad evitandos motus & seditiones domesticas, salva Authoritate Regia, legibus & privilegiis, zu Schutz deß lieben Vatter-Landes / ein Collegium von Standes-Personen zu dem blossen Endt bestellen müssen / damit Jhre Mayest. als König vnd Herr die auffrichtigen Ständ sub vna vnd sub vtraque, zusampt Jhrer Mayestät Privilegten / Freyheiten / Recht vnnd Gerechtigkeiten / von allen feindseligen schädtlichen Thätlichkeiten manutenirt würden. Inmassen dann zu Zeiten Kaysers Rudolphi ein gleichmässiges Directorium vnnd Defension-Werck auff dem Alt-Stätter Rathauß Anno 1611. von den allge meinen Ständen bestellet / vnnd von gedachter Kayserl. Mäyest. beliebet vnnd für gut erkannt worden. Vnnd hetten dardurch die Stände in Jhrer Mayest. Regalien / Hochheit vnnd Jurisdiction im geringsten nicht gegriffen / were auch jhre Intention vnnd Meynung nie gewesen: Weil das Justitz-Wesen nicht geändert / sie auch sich dessen nicht anmasseten / die von Jhrer Kays. May. als Königen in Böhmen verordnete Officierer vnnd Justiz-Personen in jhrem Statu vnnd Werth verblieben / Privat vnnd Parthey-Personen / der Expedition halber / an sie gewiesen würden. Vnd ob wohl die wider den Mayestät-Brieff / ohn ordentliche Verhör / zur Vngebühr / vmb der Evangelischen Religion willen allein gefangene Bürger von Braunaw / auß Befehl der samptlichen Stände der Gefängnuß erlediget worden weren / so hette man sich ausser diesen keiner Politischen Gefangenen / weder Theobalden Hocken / noch deren von Aussig / wie hoch auch darumb gebetten worden / nicht annehmen wollen. Vnnd verbliebe also die Politische Ordnung vnnd Bestellung deß Regiments vnverhindert. (Art. 4.) Belangend den vierdten Articul / were kein Arrestirung der vbrigen Statthalter vnd Land-Officirer nicht geschehen / sondern bloß eine Erinnerung: dieweil sie die Turbirung der Evangelischen Stände sub vtraque, wie jhnen ex officio gebührte / nicht verhindert / vnd dardurch diese Weitläufftigkeiten so weit kommen lassen / als solten sie sich biß zu Außtrag der Sachen / zu frieden stellen / schädtliche Practicken vnderlassen / vnnd sich in diese Sachen nicht einmischen. Wie köndte nun einer oder der ander mit Arrest beleget seyn? Sintemahl sie nicht allein in die Kirchen / Lustgärten / Hochheiten vnnd Pancketen freyen Zu vnnd Abgang hetten / sondern auch der Obriste Land-Hoffmeister / ohne Hinderung der Ständ ins Marggraffthumb Mähren auff den Landtag verreiset. Were jhnen also nicht mehr / als nur noxiae machinationes verbotten / vnnd darwider nothwendige Verordnung vorgenommen worden. (Art. 5.) Anlangend den fünfften Arricul würde vnd köndte nimmermehr bewiesen werden / daß jhnen jemals die Consilia vnnd Zusammenkünfften verbotten weren. Dann es were am Tag / daß der abgesandte Khaan / zu etlich mahlen in der Böhmischen Cantzley auff dem Prager Schloß bey gedachten Statthaltern Audientz gehabt / vnd sie darinnen zum öfftern beysammen gewesen / auch täglichen in Justitien-Sachen zusammen kommen mögen. (Art. 6.) Betreffend den sechsten Articul / so hätten bißhero die Ständ zum öfftern hoch beteutt / daß sie in Ansehung Jhr. Mayest. selbsteygenen Person / [55] oder auß Begierd zu Weiterung vnnd Vnfrieden / oder auß eyniger bösen Intention / keine Werbung anstellen wollen / sondern allein in Betrachtung der bösen vnnd diesem Landt feindtlichen Räthe / welche biß dato noch am Hoff in esse, sich aller schädtlichen vnnd feindtseligen Practicken / zu der Stände Ruin / vnnd forderst der Evangelischen Religion gäntzlichen Vndertrückung vnnd Außrottung gebrauchen thäten. Vnd dannenhero grosser Gefahr sich beförchtende / weren die Stände zu Erhaltung Jhrer Mayest. als Königs in Böhmen Reputation vnnd Authorität / dann der Stände sub vna vnd sub vtraque jhrer Religion vnnd Policey / eine Werbung von Kriegs-Volck zu Roß vnnd Fuß / de fensivè anzustellen / vorigem vnnd von Kayser Rudolpho approbirtem Gebrauch nach / vervrsachet worden. Were auch keinem von denen sub vna dardurch / weder Geistlicher noch Weltlicher Person / einziger Schad oder Gefahr darauß entstanden / sondern durch jhre Vorsichtigkeit aller Auffstandt vnnd Thätlichkeit deß gemeinen Mannes verhütet worden. Es suchten vnnd begehrten auch die Evangelische Stände nichts anders / dann allein die Erhaltung deß Mayestät-Brieffs vnd anderer heylsamen Ordnungen / das freye Exercitium jhrer Religion / vnd daß sie bey der Cron Privilegiis mit den jhrigen in Ruhe vnd Frieden gelassen / vnd vor dergleichen Trangsalen ins künfftig gesichert bleiben möchten. (Art. 7.) Das Gebott vnnd Verbott / welches gegen den Ständen praetendiret würde / were ohn Praejuditz der heylsamen Justitien / vnd Anmassung deß von Jhrer Mayest. bestellten Regiments geschehen. Dann weil das Collegium der Defensoren / wie im dritten Articul gemeldet / nothwendig hette müssen / den Religions-Feinden zu widerstehen / angestellet werden: Als hetten die Ständte auch ein willkührliche Contribution vnnd Anlag vnder sich auff gerichtet / so sie als freye Ständt / auß eygener Macht vnnd ihrem Vermögen wohlthun köndten vnd vorhin mehr geschehen. Sonsten weren vnnd blieben Jhrer May. Regalia in Regierung / Gebott vnd Verbott / in vorigem esse, darein die Evangelische Stände / als gehorsante Vnderthanen / einzugreiffen niemals gesonnen / viel weniger in dem Werck gewesen. (Art. 8.) Den achten Articul betreffendt / weren die Jesuiten abgeschaffet worden; Erstlichen ins gemein / daß sie gleichsamb die Incentores alles dieses Vnheyls / vnnd in der That in viel weg Perturbatores pacis publicae Religionem & Politiam concernentis gewesen / wie solches der Stände wider sie außgefertigtes Patent mit mehrerm bezeugete: Darinnen nahmhaffte Exempel der Frantzosen / Niderländer vnnd Venediger / darnach in specie in diesem Königreich begriffen: Daß also mit jhnen rechtmässig / auch in Krafft deß Mayestät-Brieffs / der niemand excipirte / verfahren worden. Dann je jhre auffrührische Predigten / vnud in Doctrina, Consiliis vnnd Actionibus geführt-vnnd practicirtes Axioma männiglichen bekandt; Haereticis non esse servandam fidem: Damit sie niemand als die Evangelischen meinten / vnd diesen Schluß zumachen im Brauch gehabt; weil der Bapst zu Rom den Mayestät-Brieff nit bekräfftiget / ergo, so seye die Weltliche Obrigkeit denselben zuhalten nit schuldig. Vnnd ob sie gleich in jhren Schrifften zum Schein ein anders vorgeben / so were es doch allein ad res licitas, dar für sie die Evangelische Religion gar nicht hielten / restringirt / vnnd ins gemein mit solchen aequivocationibus, distinctionibus & sub distinctionibus verfasset / daß sie vnzählige Außschlüpffhetten / wie die refutationes solcher jhrer Schrifften mit sich brächten. Verbis non opus esse, ipsa facta loqui, wie in der Cron Böheimb nur zuviel am Tag. 2. Dann auch jhre Tragoedien vnd Comaedien / so sie inodium der Evangelischen Stände Jährlichen gehalten hetten / solches außgewiesen / vnd genug zuverstehen gegeben / Fidem Evangelicam extirpandam esse. 3. Were im gantzen Königreich Böheimb bekandt / ihr vor Jahren leichtfertiges Blutdurstiges Beginnen zu Commothaw (bey Regierung Georg Poppels) darüber Auffruhr erreget vnd vnschuldig Blut vergossen worden. 4. Wie nicht weniger jhre Anstifftung vnnd Anfrischung bey Hoff / vnnd sonsten bey der lieben Obrigkeit / gegen den Evangelischen / wie ins gemein / also insonderheit: Zum Exempel were die Statt Commothaw / Briex / Glatz / da sie alles vbel angerichtek / vnnd fromme Christen betrengen helffen: Auch Vrsacher weren / daß Slawata die Deformation in Religione zu Newhauß angefangen / vnd jhn vnd andere von Subscription der Amnestia vnnd Vergleichung mit denen sub vna abhalten helffen. 5. Weren jhre offentliche außgangene Schmähschrifften in männiglichs Handen / sonderlichen Patris Ferdinandi Kolowrat vnnd Patris Lucae Fanini wider D. Helvicum Garthium, darinnen zum Fewer / Wasser / Schwerd vnnd Sträng alle Evangelische verdammet würden. Welches è Diametro dem Mayestät-Brieff zuwider lieffe / vnnd dahero auch wider sie ab Executione billich angefangen worden were. 6. Weren die Jesuiten ohne Consens der Stände in dieses Königreich Anno 1547 hochschädlicher Weiß eingeschoben / vnnd in der Dominicaner Münch Closter / so jhnen biß dato nit restituirt geführet worden. 7. Hetten sie sich vnderstanden durch Vorschub jhrer Patronen in dieser Cron Land-Güter zukauffen / vnd in die Landtaffel einverleyben zulassen: Da doch nit vor solche Patres, sondern vor die trewe Patrioten / gedachte Landtasffel auffgerichtet worden. 8. Hetten sie wider die alte Pragerische Vniversität ein Privilegium bey Hoff auf jhre new auffgerichte Jesuitische außbringen dörf [56] fen: da doch zwo Vniversitäten in einer Statt nit seyn könten; alles zu Despect vnnd Vndergang der Evangelischen Religion / vnd in effectu Zerlöcherung deß Mayestät-Brieffs. 9. Zugeschweigen deß Schreibens / so Pater Gregorius Rümer auß Passaw / an P. Rectorn Guilielmum Lamormaini zu Gräytz gethan / da er in jetztwehrenden turbis, vnnd jhrer ejection auß dem Königreich Böheimb / schreiben dörffte: Intelligo, scribi militem pro Caesare contra Bohemos. Si milite agatur, ego brevi benespero. Si ad compositionem ventum fuerit, timeo ne maneamus foris, si cut ex Venetia. Status certe nos non admittent, nisi vi coacti, &c. Item, Deus det nostris Principibus bonum animum. Nunquam eratmajoroccasio eripiendi Bohemis omnia Privilegia, quae sunt in detrimentum Religionis, literas Majestatis, & recuperandi templa. Item, hic tamen magno animo opus erit, quia status dicuntur scribere militem continuo. Vtinam cum Venetis sit pax, & ille miles, qui fuit Goriciae, huc veniat. Wann dieses auff Schulfüchß nicht zuviel wäre / so were es ja genug. In Summa wann gleich solche Special-Vrsachen in dieser Cron gegen jhnen nicht vorhanden weren / so wüste doch die gantze Welt wol / was für schädliche Leuth die Jesuiter weren. (Art. 9.) Den neundten Articul belangend / hetten etliche von den Statthaltern denen zum Schloß Carlstein vereydeten gehörigen Mannen vnnd Lehenleuten / solches in trewe Verwahrung zunehmen durch ein Schreiben anbefohlen. Welches gedachte Lehenleut den Ständen angezeiget / vnnd daß man jhnen die von Alters hero gebräuchliche Victualien nicht reychen wollen / sich beschwert. Weil dann Carlstein ein Landschloß / vnd so den Ständen immediate vnnd allein gehörig / darinnen die Cron vnd Lands-Privilegien asservirt würden / vbel versichert gewesen: in Betrachtung dessen / das Sinesantzky besagter massen de???teiret vnnd auß dem Land geflohen / der ander Burggraff aber auß dem Ritterstand / nemblich Adam Hussan von Haresow / sein habendes lus (Alters vnd grosser Vnvermöglichkeit halber) ex pacto besagtem Schmesantzky gantz vnd gar cedirt / vnnd hierinn kein Interesse gehabt hätte / weren die Stände dahin bewogen worden / jhr eygenes Schloß pro interim, einer ehrlichen Stands-Person zuvertrawen / doch mit vorbehalt einer künfftigen Bestellung eines Burggraffen daselbsten / welche allein dem König zu Böheimb auff vorgehende Berathschlagung vnnd Gutachten der Land-Officirer / wie vor Alters bräuchlich gewesen / gebührete / die Ständ sich auch derselben nicht auzumassen begehrten. (Art. 10.) Bey dem zehenden Articul würde bey den Ständen verhoffet / daß Jhre Mayest. den Mayestät-Brieff ins künfftig in mehrere Observantz kommen zulassen geneygt were. Wie dann an einem König vnnd Hohen Potentaten nichts rühmblicher / als das jenige / darzu er sich selbs verbunden / steiff vnnd fest zuhalten / vnnd niemand darwider etwas zuverstatten. Wie aber Jhre Mayest. bißhero von der Stände Widerwertigen hindergangen / vnnd was dahero für Eingriff / Trangsalen vnud Beschwerungen erfolget / das geben etliche wenig hernach gesetzte Exempla / vnnd könte alles mit mehrerm außgeführet werden. Erstlichen ob wol Jhre May. alle jhre Collaturen / nach erlangtem vnnd von jhr selbsten confirmirtem Mapestät-Brieff / dem Ertz-Bischoff auff gewisse conditiones, so demselben nicht zuwider waren / vbergeben / so hette doch derselbe gedachter Vbergab / dem Mayestät-Brieff vnd der Vergleichung stracks entgegen / alle Evangelische Priester abgeschafft / vnd den armen Leuthen Römisch-Catholische Priester auffgetrungen. welches in Jhrer May. Nahmen gebilliget vnnd gut geheissen worden. Zum andern weren Jhre Mayest. Vnderthanen hin vnnd wider auff den Herrschafften zur Bäpstischen Religion gezwungen worden: Als zu Grummaw vnnd anderswo: Darinnen aber ein solcher modus gehalten: Erstlich weren die Vnderthanen mit harren Drohworten angeloffen: Darnach mit schwerer Gefängnuß beleget worden: Hette das nicht helffen wollen / hetten die vornembste Innwohner etliche jhre Güter verkauffen / vnnd etliche eine Geltstraff erlegen müssen: Alles wider den klaren Buchstaben deß Mayestät-Brieffs. Zum dritten die Zerschleiffung der newerbawte Kirchen zu Clostergrab / so durch den Ertzbischoff de facto, ohne einige vorgangene Rechtliche Außvbung / vorgenommen / were von wegen Jhrer Mayest. gebilliget vnnd vorgeben worden / daß es auff derselben rechtmässigen Befelch geschehen seye. Da doch wann es vmb ein vngleichen Verstandt deß Mayestät-Brieffes zuthun gewesen were / zuförderst das vnpartheyische Recht / vermög Landtags Beschlusses An. 1609. mit Vnderlassung der thätlichen Niderreissung / darüber hette vorher gehen sollen. Zum vierdken ob wohl vermög deß Mayestät-Brieffs die jetzigen vnnd künfftigen Könige in Böheimb die Bestellung deß Evangelischen Religion-Wesens den Ständen gantz vnd gar anheimb gegeben / vnnd jhnen darbey nichts vorbehalten / so auch von jetziger Kayserl. Mayest. als Könige in Böheimb / vielfältig bekräfftiget worden: Jedoch dessen vngeachtet weren vnder Jhrer Mayest. Nahmen / auß Antrieb der Religions-Feinde vnnd etlicher schädlichen Räthe / an die Richter / so seither Ferdinandi I. Zeiten die Verwaltung vber die Stätte nur in Politischen Sachen / nemblichen die Zusammenkünfften der Bürgerschafft vnnd Handwercker / so wohl Jhrer Mayest. Fälligkeiten betreffend gehabt / vnnd noch biß Dato hetten / newe [57] Instructiones außgefertiget / vnd jhnen darinnen die Inspection vber die Kirchspiel auffgetragen worden / darüber sich die Kirchspiel zwar höchlichen beschwert / aber keine Restitution erlangen können. Zum fünfften / nach dem man auch zu Prag die Teutschen Kirchen / sonderlich auff der kleinen Seithen lang gern hette einziehen wollen / als wäre dem Kayser-Richter auß der Cantzeley anbefohlen worden / in Geheimb nachzufragen / auff wessen Grund vnnd Boden dieselbe auffgebawet seye / vnnd als Bericht einkommen / sie stünde zum Theyl auff der Statt / zum Theyl auff Apts zum Strohoff Grund vnnd Boden / wäre gedachtem Kayser-Richter weiter auffgetragen worden / dieselbe dem Apt zum besten sperren zulassen. So zwar verblieben / weil sich die Evangelischen Raths-Freundt starck darwider gesetzet / vnnd auß jhren Ampts-Büchern bewiesen / daß die Kirch auff deß Raths Grundt vnnd Boden erbawet seye: Aber gar nicht zuzweiffeln / da den schädlichen Räthen vnnd Officirern der Lufft länger were gelassen worden / die Sperrung vnnd endtlichen gäntzliche Einnaehmung besagter Kirchen / darzu doch ausser der Ständ vnnd anderer ehrlicher Leuth Anlag / viel Evangelische Chur-Fürsten vnnd Stände miltiglich gestewret hetten / nicht würde verblieben seyn. Zum sechsten / hette es ebenmässigen Anschlag mit der Kirchen in der alten Statt zu Prag / zum Bethlehem genennet / nehmen sollen. Dann nach dem die Collegiaten vnnd Professores der Pragerischen Vniversität als Collatores, die Stell deß verstorbenen Priesters mit einer andern tauglichen Person ersetzen wollen / hette man auß der Cantzley den Rath in besagter alten Statt angefrischet / sich einer frembden Collatur anzunehmen / vnnd darüber bey Hoff / als wann jhnen von den Professoribus in Bestellung eines newen Priesters Eintrag geschehe / sich zubeschweren. So dann geschehen / vnd darauff / ohn einigen eingenommenen Bericht / von Hoff anbefohlen worden / die Kirch biß zu Verhör vnd Außtrag der Sachen / sperren zulassen. Da sich doch nachmals auß der Fundation im Werck befunden / daß die Collatur gedachter Kirchen simpliciter den Professoribus zuständig / vnnd nur honoris causa nach deß Fundatoris hinderlassenen Anordnung / der damals regierende Bürgermeister in der alten Statt zu Installirung eines newen Priesters / ohn eynig sein votum, erbetten würde. Zum siebenden / weil auch endtlichen der Evangelischen Kirchen Feind tichten vnnd trachten von etlichen Jahren hero eynig vnnd allein dahin gerichtet gewesen / vnnd noch were / wie sie das Evangelische Religions-Wesen zerscheitern vnd letztlichen gar außtilgen möchten / vnnd aber wohl vermerckt / daß es durch kein ander Mittel / als Cassirung der Evangelischen Zusammenkünfften in puncto, Religionis, als darauff das Fundament der Conservation vnd Manutenentz bestünde / geschehen köndte / als hetten sie es endtlichen dahin gebracht. I. Erstlichen were im Namen Jhrer Kayser. Mayest. den Defensoribus categoricè die Zusammenkunfft vnnd Erforderung gewisser Personen darzu auß den Ständen / in den Craysen wohnhafft / verbotten worden. Nachmahls hette man ad partem mit theils Defensoren / sonderlich denen / die in officiis gewesen / gehandelt / von der Defension abzulassen / vnnd davon jhren Abschied zunehmen. Welche persuasion dann bey etlichen nicht wenig gewürcket. Ferrners hetten Jhre Mayest. durch den Rath in den Prager Stätten / denen Personen / so auß der Burgerschafft auff offentlichem Landtag zu Defensoren ordentlich erwöhlet / ernstlichen anbefehlen lassen / vnder den Defensoribus in Collegio nicht mehr zuerscheinen / solte auch der Rath selbsten keine Personen mehr auß ihrem Mittel abfertigen: Wie dann auch geschehen were. Dergleichen Verbott were in Jhrer Mayest. Nahmen / durch den Hoffrichter / in alle andere freye Königliche Stätt / bey Veränderung deß Raths geschehen; auch theils Stätt mit harter Bedrohung dahin gebracht worden / daß sie Reverß von sich geben müssen / niemand anders / als Jhre Mayest. vor jhren Defensoren zuerkennen. Welches in Politischen Sachen recht vnd billich / aber dißfalß wider den klaren Buchstaben deß Mayestät-Brieffs vnnd Landtags-Beschluß in puncto Religionis vorgenommen worden: darinnen außtrücklich befunden würde / daß der Defensoren Collegium perpetuirt, vnd auff die Posterität (ohn einigen deß Königs Eintrag) solte gebracht werden. Man wolte zwar allenthalben die Leuth bereden / daß es dißfals vmb die Religion gar nicht zuthun seye. Auß obigem vnd anderm aber were Sonnenklar / daß der Anfang / das Mittel vnnd End / von der Religion herrühre / dieselbe vornemblich betreffe / auch auff deren Vndertruckung vnnd Auffhebung alles hafften thäte. Dann daß man geschweige / in was terminis bey dem Bapst / Spanien vnnd anderswo / Hilffwider die Böhmen gesucht / were auß einem Kayserlichen Schreiben an den Graffen von Bucquoy die Intention wol abzunehmen / da er seine Reiß eylend fortzusetzen / mit denen Worten ermahnet würde; Praeclare de nobis, de Augusta domo nostra, de Religione & Republica mereberis, &c. 2. In Politischen Sachen hetten die Evangelischen Stände allezeit den kürtzern ziehen müssen / wo nicht anderer Gestalt / doch daß man jhre Sachen bey Recht 30. 40. auch wohl 50. Jahr auff gezogen / ehe sie zu einem Außspruch gedeyen können. Die Rosenbergischen Gütter köndten zum Exempel angezogen werden: Weil darauff den Anfall die Evangelischen Stände / vermög Peters von Rosenberg Testaments / zugewarten / hette man sich dahin anfangen zu bemühen / die von Schwanberg [58] durch wunderliche Renck davon zutringen / vnnd in der Römisch-Catholischen Händt einzuantworten / darzu auch allbereit ein guter Anfang gemacht worden. Doch würden diese vnd dergleichen Politische Gravamina hindan gesetzt / Gott vnd der Zeit befohlen. 3. Jhre Mayestät hetten sich zwar Anfangs zu gütlichen Mitteln vnnd Abordnung ansehnlicher Commissarien anerbotten / so auch vnderthänigst angenommen / vnd zu Jhrer May. fernern wolgefallen anheimb gestellet / vnd denselben mit Verlangen von den Ständen erwartet worden. Es wäre aber damit nichts zu Werck gerichtet / sondern Jhre May. hetten sich nachmals dahin erklärt / daß sie jhr Volck mustern / vnnd die Stände mit gewehrter Hand vberzichen lassen wolten. Dahero die Stände nothwendig jhr zugelassene Defension stärcken vnnd continuiren müssen: Da sonsten durch schleunige Fortsetzung vorgemelter Commission / vnnd da sonderlich vornehme weltliche Churfürsten sich gantz treweyferig interponiren wollen / die Waffen leichtlich hetten deponirt / vnnd alle Gefahr vnnd Blurvergiessen verhütet werden mögen. (Art. 11.) Berührend den eylfften Articul / daß die Aufforderung der Stätte bloß auff Pilsen vnnd Budweiß zudeuten / were zubeweisen / daß sie niemals / bevorab mit einer solchen Commination / welche nie vorgangen / auch nimmer erwiesen werden möchte / auffgefordert / sondern an sie nur begehrt worden / das frembde bey jhnen ligende Volck außzuschaffen / vnnd dardurch alles Mißtrawengegen den Ständen wegzunehmen / hetten auch die Innwohner gedachter Stätt freyen Zu-vnnd Außgang / vnnd weren nicht Feindtlich angegriffen worden. Im Gegentheil aber hette mann sich gegen jhnen zubeschweren / daß Budweiß der Stände Profiant-Meister / sampt einem andern vom Adel gefangen hielte: Pilsen sich befestigte / Geschütz auff die Wäll ziehe / vnnd wider eygenes zuschreiben vnnd Zusag handelte. Da aber vnder gedachter Aufforderung wolte verstanden werden der Königlichen Stätt mit dem Herrn vnd Ritterstand in puncto Religionis Vergleichung vnd Verbündnuß / solte männiglichen davon dieses wissen / daß die freye Königliche Stätte in Böheimb ein freyer vnnb also der dritte Stand in Böheimb seye / der zu allen Landtägen vnnd publicis consessibus vnnd consultationibus gehörig / auch von Alters hero zu jederzeit jhr liberum votum gehabt hetten. Weren demnach die Stätte ohn eynige Aufforderung freywillig zu den Obern zweyen Ständen getretten / vnnd alle jhre Consilia vnnd Actiones in puncto Religionis bißhero approbiren helffen / vngeachtet man sie von jhnen hinderlistiger Weiß zutrennen sich vnderstanden / darüber sich die Prager Stätt in der Apologia höchlich beklagten. (Art. 12.) Daß Jhrer Mayestät Herrschafften sollten von den Ständen eingenommen worden seyn / were durchauß nicht zubeweisen / sondern es blieben dieselbe allerseits in jhrem alten esse, vnder dem Gubernament der Böhmischen Cammer / giengen auch Jhrer Mayest. Gefäll vnnd Einkommen auff den Herrschafften / vnnd sonsten an Bierstewren / Zöllen / Vngelten vnnd dergleichen einen weg / wie den andern fort / ohn einige Verhinderung der Stände / darein Jhrer Mayest. zugreiffen niemanden keines wegs gebühren wolte. Ohne daß die Anno 1615. hinderstellige bewilligte Stewren zurück gehalten würden / zu Defendirung deß Landes / nach der bey gedachtem Landtag begriffenen Exception / so were auch nur bloß von Crumaw der Hauptmann Welser mit seinem außländischen Volck abgeschafft / auff dem Schloß aber regierete der vorgesetzte Hauptmann wie vorhin / were auch keine Guardi darein gelegt worden. Weiters wüste man von keinen Thätlichkeiten mehr / so die Stände begangen haben solten: Es were dann / daß es auff zwen Gefangene / Fabium Maximum Ponzons, vnd Iacob von Tepetze Hauptmann der Herrschafft Mielnick gemeynet seye. Deren Verbrechen were dieses / daß Ponzon wider den Mayestät-Brieff die armen Clostergraber hefftig beängstigen vnnd tribuliren helffen / flüchtig worden / vnd allerley schimpffliche / spöttische Bericht von dem Collegio der Defensorum in Schlesien gethan / da doch der Stände sub vtraque Sachen jhn gar nichts angangen / noch jhme zu expediren anbefohlen: Der Hauptmann von Mielnick aber hette in Religions-Sachen viel Vbels / auff der Herrschafft daselbsten / vnder den armen Vnderthanen stifften helffen / injuriosè von den Ständen geredet / auff jhre Citationes Nicht erschienen / noch sich verantworten wollen. Vnderdessen aber were die Herrschafft durch ein ehrliche Person nach Notthurfft bestellet / auch solches durch ein Schreiben der Kayserin gehorsambst angedeutet worden Vnnd dieses ist gewesen was die Böhmen auff die Klag-Puncten wider sie berichtet. (Böhmen bitten den Kayser kein Kriegs Dolck ins Königreich zuschicken.) Auff obgedachtes Schreiben / damit der Kayser jhnen die Musterung vnnd Fortzug seines Kriegs-Volcks zuwissen gethan / haben sie neben Vberschickung einer newen weitläufftigen Deduction-Schrifft (die grosse Böhmische Apology genannt) darinn sie die Vrsachen / dardurch die Händel in Böheimb jhren Anfang genommen erzehlet / dahin wir den Leser / weil sie absonderlich getruckt / vnnd dieses Orths einzurücken zu verdrießlich fallen würde / wollen verwiesen haben / also geantwortet: Die Directores hetten auß dem Kayserlichen Schreiben verstanden / daß Jhrer May. Kriegs-Bolck in Böhmen zusenden vorhabens were: Derowegen bitten sie J. May. wolte diese beygelegte Sachen wol erwegen / so würde sie darauß befinden / daß diese Defension nicht wider Jhr. Mayestät / sondern wegen derselben / vnnd deß gantzen Königreichs Beschützung fürgenommen / vnnd also gar vnnöthig were daß Jhre May. Kriegs-Volck in diß Königreich schickete: [59] Dann sie hetten alle in das frembde Volck / so wider die Lands-Ordnung vn̅ Landtagsschlüsse dieses Königreichs in Budweiß vnd Crumaw auffgehalten worden were / außzuschaffen begehret / were auch deßwegen vom Graffen von Thurn gar glimpfflich mit jhnen deßwegen tractirt worden; als auch die Crumawer solche jrem Bekehren statt gegeben / were selbigë weiter kein Leid widerfahren / auch von jhren der Stände Volck keines eingeleget worden. Daß aber mit den Budweisern da sie sich eines solchen geweigert vnd sich hierdurch für deß Landes Feind erzeiget etwas rauher gehandelt worden / were sich in solchë Fällen nit zuverwundern / jedoch were der Graff nit willens gewesen jnen solchen Schaden zuzufügë. Weil nun kein billichmässige Vrsachen vorhandë weren / daß allein den Budweisern zugefallen ein Kriegs-Volck in dieses Land gesendet würde / als wolten sie J. M. vnauffhörlich in aller Demuth bitten / dz sie in deß Königreichs Feinde schädlichen Rathschläge nit einwilligen wolten / insonderheit weil bißhero solche Vorsehung gethan worden seye / daß niemand vnder denen sub vna etwas betrangliches begegnet were. Wo aber von J. M. ein Kriegsvolck wider die Lands-Ordnung in das Königreich gebracht würde / stünden sie (Stände) in Sorgen / der gemeine Pöfel alle Clöster vnd Geistl. Ordenspersonen / vber welche bißhero sonderlicher Schutz gehalten worden / angreiffen dörffte / welches dan̅ jhnen zuverwehren vnmüglich were; dardurch v???elleicht viel vnschuldig Blut vergossen werdë möchte. Warfür aber nit sie (Stände) sondern der jenige / welcher ein frembdes Kriegsvolck in dieses Königreich geführet hette / Rechenschafft geben müste; Ja sie würden auch wider solches Kriegsvolck anderswo Hülff vn̅ Schutz suchen müssen. Weren aber doch nochmaln der Zuversicht / J. M. würden es / wegen etlicher Personen vnd bösen Rathgeber / welche alles Vbels / so hierauß erfolgen möchte Vrsächer weren / dahin nicht kommen lassen. Auff dieses Schreiben hat der Kayser auff (Raysers Antwort-Schreiben darinn er sich vber der Böhmë bedrohliche Schreiben beschweret.) nachfolgende Weiß geantwortet; Er hette abermals vber vorige die auff Ihne angeordnete getruckte Defension empfangen / vn̅ darauß vernommen daß seine Vätterliche Warnungen / Vermahnungen vnd Befehl bey jnë keine statt gefunden / sondern noch Bedrohungen geschehen / daß es nemblich zubesorgen were / daserne er Kriegs-Volck in Böhmen schickete / das gemeine Volck / die Clöster vnd Geistlichen anfallen möchte / welches sie dann nit verwehren könten / müsten aber dessen die jenigen / so solches frembden Kriegs-Volck Einführung Vrsächer wären / darfür Rechenschafft geben. Er wolle aber doch nit darfür halten / daß seine getrewe Vnderthanen solche vnchristliche Sachë vornehmen würden / weil sie sonderlich darzu kein Vrsach hetten / er hette jme auch niemals denselbigen einigen Schaden zuzufügen in den Sinn genommen / sondern allein die vnruhigë Beschädiger deß Vatterlandts bestraffen wollen / vnnd dasselbe mit keinem frembden / sondern mit jnnheimischem vnd in dem Königreich vnd dem Rö. Reich geworbenen Volck. Er hette zwar nichts mehr gewüntschet / als daß er eines solchen gevbriget seyn mögen / hette auch zu dem Endt sie bald Anfangs zum Frieden ermahnet / vnd kein Bolck geworben / biß sie selbsten vielmehr die Waffen / als die sanffmütige Mittel erwöhlet hetten. Weil es nun durch jhre Vervrsachung dahin kommen / daß er die Waffen an Handt nehmen müssen / würde jhme Gott solche Mittel verleyhë / daß er seine vnschuldige Geist-vn̅ Weltliche Vnderthanen beschützen werde können / insonderheit weil jre Handlungen aller Vernunfft / allë Rechten / Gewonheiten / auch der zwischen denen sub vna vnnd sub vtraque getroffenen Vereinigung vnd jhrem Mayestät-Brieff außtrucklich entgegen lieffen / vnd von keinem Verständigen könten gebilliget werden. Was sie von Bestraffung der Friedensstörer meldeten / were er auch gesinnet / könte aber keinen für einen solchen halten / der nit eines solchen vberwiesen were / dann so man anders damit verführe / würde wider deß Landes Privilegia vnd Ordnung gehandelt / welchs jhme als einem gerechten König / der auff die Lands-Ordnung vn̅ jre Freyheiten geschworen / zuthun nit geziemete. Was sie von anderwertlicher Hülff-Anruffung geschrieben / hetten sie schon albereit im Werck erwiesen / er were aber dessen versichert / daß kein Christliche Obrigkeit jhr vnchristliches Vornemen gut heissen würde / weil sie / wo sie es thäten / auch eben dergleichen von jhren Vnderthanen sich zubefahren hetten. (Widerantwort der Böhmischë Stände auff das Kayserliche den 9. Julii datirte Schreiben.) Auff dieses Kayserliche Schreiben haben die Böhmische Stände vnder dato den 19. Julii also geantwortet: Sie hetten nemblich ein Remedirung deß jenigen / was bißhero auß Anstifftung böser vnnd schädlicher Räthe / zu Verkleinerüg J. M. Hochheit vnd deß Königreichs Verderben vorgenommen worden / verhoffet; hetten aber auß dë Kays. Schreiben verstanden / daß J. May. etliche wenig Personen vnd schädliche Räthe mehr / als die gesambte trewe Stände vnnd deren auffrichtige Rathschläge achteten / ja deren Meynung vnnd trewhertzige Warnung / für Bedrohungen annemen. Dann daß sie gemeldet hetten / daß / wo von J. M. Kriegsvolck in das Königreich eingeführt werdë solte / es zubesorgen were / der gemeine Man̅ die Clöster vnd Geistliche anfallen möchte / da dan̅ für das vnschuldig vergossene Blut die jenige / so durch Einführung deß frembden Volcks solches vervrsachet hetten / Rechenschafft geben müsten / solches were auß auffrichtiger Liebe gegen J. K. M. vnd guter Affection gegen denen sub vna, daß sie nemblichen jhres Verderbens nicht begierlich seyen / sondern viel lieber in Christlicher Liebe vnd Einigkeit mit jhnen leben wolten / geschehen. Es hette aber diese jhre Meynung bey Jhrer May. keine statt gefunden / sondern würde jhnen vielmehr höchlich gedröhet / da sie sich doch versehen [60] hetten / Jhr May. würde durch andere Mittel dieses Wesen zu einem guten Außgang befördern / insonderheit weil dieselbe jhre (der Böhmen) Privilegia, Freyheiten / vnnd zwischen denen sub vna vnd sub vtraque auffgerichtete Vergleich nit vmbzustossen gemeinet / auch Commissarien die Sach zuvergleichen abordnen wolten. Dahero weren die Stände der Hoffnung gewesen / es würden dermal eines jhre Gravamina erlediget werden. Jetzo aber befinden sie daß solchem Erbieten zuwider Jhr May. in dem letzten Schreiben hinzu setzen lassen / sie seyen Willens nur die Verderber deß Vatterlandts mit jhrem Kriegs-Volck zubestraffen. Dieser Bedräwungen / welche abermahls auß Anstifftung böser Räthe hergeflossen / hetten sich die Stände nicht versehen / hetten auch nicht verdienet / daß sie vor jhre trewe Dienste / so sie Jhr. May. vnd dem hochlöblichen Hauß Oesterreich mit Darsetzung Guts vnd Bluts / in Glück vnd Vnglück bewiesen / einen solchen Lohn bekommen solten. Bitten derowegen sie nicht für Verderber deß Vatterlandts zuhalten / sondern für auffrichtige Böhmen / vn̅ Liebhaber der Göttlichen Warheit / J. K. M. getrewe Vnterthanen / Beschützer deß Vatterlandts wider alle Landtverderber / welche mit jhren bösen Rathschlägen Jhrer Mayest. vnd deß Königreichs Verderben suchten. Daß Jhre Mayest. aber mit keinem frembden sondern in diesem Königreich / Jhr. May. vnnd deß Röm. Reichs Landen geworbenen Volck sie (Stände) straffen wolten / könten sie darauß abnehmen / daß jhre Feinde den rechten Verstandt deß von Jh. May. vber die Landts-Ordnung geleisteten Eyds verkehren / vnd darauß erzwingen wolten / daß J. M. mit Kriegs-Macht / wo dieselbe nur in jhren vnd deß Reichs Landen geworben were / in dieses Königreich einzufallen wol befugt were. Dieses aber were dem Königlichen Eyd gantz zuwider / welcher nicht vermöchte / daß J. Mayest. mit einem im Reich geworbenë Volck die Stände bestraffen dörffte / sondern vielmehr daß dieselbe schuldig seyen alle Vnterthanen deß Böhmischen Königreichs bey jhren Privilegien Freyheiten vnd Rechten zuschützen / vnd das Königkeich in gutem Wolstand zuerhalten. Es litte auch ein solche Deutung die Landts-Ordnung nicht / sondern erklärete einen jeden / der mit einer Kriegsmacht das Königreich zuvberfallen im Sinn hette / für einen offentlichen Feind. Daß Jhr. May. gerne eines solchen gevbriget seyn mögen / weil es aber durch der Stände Vervrsachung dahinkommen / daß sie die Waffen an Handt nehmen müssen / die vnschuldige Geist-vn̅ Weltliche Vnderthanen zubeschützen / wolten sie (Stände) Jh. May. vergewissern / daß so dieselbe solcher schädlicher Leut Rathschläge hindan setzë / vnd dero getrewen Vnterthanen Wohlmeynen annemen woltë / so würde alles ohne Krieg leichtlich können geschlichtet werden. So were es auch vnnöthig die Geist-vnd Weltlichen Leute mit einer Kriegs-Macht zubeschirmen / sintemahl die Stände nicht gesinnet / jemand von denen sub vna, so friedlich mit jhnen zu leben begehrete / zubeschädigen. Daß Jhr. May. ferrner setzeten der Stände Vornehmen aller Vernunfft / allen Rechten / Gewonheiten / auch der zwischen denen sub vna vnd sub vtraque getroffenen Vereinigung vnnd jhrem Mayestät-Brieff außtrücklich entgegen lieffen / vnd von keinem Verständigen könten gebilliget werden / befinden sie (Stände) darauß / dz die gemelte böse Räth vnd jhre Feinde alles das jenige so sie selber wider Gott / J. K. M. jhr eygen Gewissen / Landtags-Abschied / Rechten / Lands-Ordnung / Vereinigungen zwischen denen sub vna vnd sub vtraque wider den Mayestätbrieff / Fried vnd Einigkeit gethan vnnd verwircket hetten / vnnd welches von niemandt köndte gebilliget werden / auff die getrewe Stände sub vtraque in verkehrtem Sinn deuten wolten. Wie aber solches nicht der Warheit / dem Mayestät-Brieff / Lands-Ordnung / Landtags-Schlüssen vn̅ auffgerichteten Vereinigung vbereinstimmete / geben sie J. H. May. vnd einem jeden Liebhaber der Warheit zuerkennen. Daß Jhre May. die Friedensstörer zubestraffen gesinnet / were wann selbige zuvor ordentlich gehört vberwiesen vnnd vervrtheilet worden weren / wolten sie abermals J. M. versichern / wann dieses den Ständen sub vtraque auff jhre mündlich vnd schrifftliche in gemeinen Land-Tägen vn̅ ausser denselben von vielen Jahren hero eingegebene Supplicationen / hette widerfahren mögen / daß sie ordentlich gehöret / vnnd nicht durch ein Schreiben / so vnder J. M. Namen / auß falschem Bericht der schädtlichen Räthe / zu Wien datiert / vnerhörter Sachen / wider Recht vnd Billigkeit vervrtheylet vnd jhnen der Mayestät-Brieff vnd andere Vereinigungen vnangefochten geblieben weren / hette dieses darauß erfolgte Vnheil wohl vermitten bleibe können. Weil aber die vnrechtmässige Vervrtheilung der rechtmässigen Verhör vorgangen / vnnd jhre Feinde sich mit solchen Bedräwungen verlauten lassen / daß sie nemblich jhre (der Stände) Richter seyn würden vnd etlichen die Köpffe springen solten / vnnd jhre Mayestät Brieff / Vereinigung / sc. zuverkehren vnd gar vmbzustossen sich bemühet / da doch erwehnter Mayestät-Brieff vnd Vereinigung alle die jenigen / so sie in jhrem Exercitio hindern wolten für Friedensstöter erkläret / vnd den Ständen Macht gebe / ohne einigen Rechtliche Proceß auff sie zugreiffen. Auß solchen Vrsachen hette sich nit gebühren wollen / daß die Stände mit dergleichen Friedësstörern vnd. J. M. vnd deß gantzen Landes Feinden / sich Rechtlich eingelassen / sondern weren billich mit der Execution zu künfftiger Warnung allen bösen Leuten mit jhnen verfahren / vnd hetten darmit wider jhre Privilegia nicht gehandelt / auch kein böses Exempel begangen. Beym Beschluß J. M. Schreiben würde gedacht / daß ob sie schon anderwertliche Hülff gesuchet / würde doch kein Christliche Obrigkeit der [61] Stände Vornehmen gut heissen / weil jhnen vnder solchem Schein eben dergleichen von jhren Vnderthanen widerfahren möchte. Aber es weren die Stände versichert / daß sie nichts vngebürlichs fürgenommen hetten / weren auch der Hoffnung / sie würden in solchem jhrem rechtmässigë Vornehmen von männiglichen vngehindert bleiben: So aber auff böser Rähte Anhetzung ein Einfall in das Königreich geschehen solte / so seyen die Stände der Hoffnung zu Gott / daß derselbe jhnen solche Hülff vnd Mittel an die Handt geben werde / daß sie dardurch der Religion vnd deß Vatterlands Feinden Widerstand thun möchten. Vnter dessen aber bitten sie Jhre Keyserliche Majestät / daß dieselbe solcher schädlicher Rähte sich entschlagen / vnd das auffrichtige vnd nötige Vorhaben seiner getrewen Vnderthanen jhme belieben lassen / vnd sie wider solche Friedensstörer / die all dieses. Vnheils Vrsacher weren beschützen wölle: Dann dardurch würde diesem Vnwesen abgeholffen / deß Königreichs Privilegia erhalten / Gott vnd dem gantzen Römischen Reich ein besonders Gefallen erwiesen / vnd Jhr. Majest. Keyserliche Cron dardurch bestättiget: So nun Jhr. Keyserl. Majest. nach dero Erbieten Jhre ansehenliche Commissarien alle Sach zuvergleichen / wie Sie ohne Zweiffel auch dessen von Chur Sachsen vnd Pfaltz erinnert worden / in das Königreich zu schicken willens were / würde leichtlich allem Vnheil wider abgeholffen werden. Da aber Jhr. Majestät den bösen schädlichen Rähten folgen / vnd hergegen der Stände vnd anderer fürnehmer Personë wolmeynende Rahtschläge hindan setzen würde / wolten sie vor Gott vnd aller Welt bezeugen / daß sie an dem Vbel / so darauß erfolgen solte / keine Schuldt hetten / sondern Jhre Keys. Majestät vnd die jenigen / so bißhero zu solchen gefährlichen Sachen gerahten / es verantworten müßten. (Oesterreichische Stände mahnen Keyser Matthiam vom Krieg ab.) Bey so beschaffenen dingen / vnd als die Stände in Oesterreich sahen / daß Keyser Matthias sich hette bewegen lassen / einen Krieg wider die Böhmen fürzunehmen / liessen sie eine bewegliche Abmahnungs Schrifft an jhn abgehen / dieses Innhalts: Belangendt den Auffstandt in Böheim were der Zeit noch schwer zu vrtheilen / weil ein vnd der ander Theil noch nicht zur Gnüge gehöret worden: Jhre Majest. aber derentwegen eine Inquisitions-Erkündigung anzustellen gewillet. Gesetzt aber / die sub Vtraque weren vberwiesen / vnd declarirte Rebellen / so befinde sich doch / daß Jhre Majestät / vn̅ dero Hauß Oesterreich nichts schädlichers / vnd daß mehr zu Abbruch dero Reputation gereichen köndte / möchte gerahten worden seyn / als daß sie die Waffen wider die Böhmen an Hand genommen. Dann ob gleich Jhre Majest. die gewisse Victorj in der Hand zu haben vermeineten / so gewinnen sie doch nur / was zuvor jhr were / dahero es auch kein Gewinn zu nennen were / zumal es vor der Victori deroselben vngeschmälert were vnd bliebe / hernacher aber verwüstet vnd verderbt derselben in die Hände komme. Ja sie verwüste durch grosses Werben vnd Einführung der Vngarm nicht allein jhr schönstes Königreich vnter allen Oesterreichischen Landen / deßgleichen mit Reichthumb vnd mächtigem Titul / auch weder der König in Hispanien / noch andere Potentaten in Europa sich nicht berühmen / oder zum Nothfall praevaliren köndten / sondern sie fügen auch andern Jhrer Majestät Landen solche Beschwer zu / daß sie sich dardurch aller Mittel zu jhrer eigenen / auch der Vngarischen vnd anderer Grentzen notwendiger Vnderhaltung gleichsamb allerdings entsetzten. Dann solcher gestalt hetten sie auß Böheim kein Einkommen / die Böhmische incorporirte Lande würden sich mit jhrer eigenen Defensions-Bestallung entschuldigen. Auß Vngarn hetten Jhre Majestät ohne das nicht so viel / daß sie ohne dero Erblanden Hülffe die Grentz versehen / geschweigend daß sie Jhre Königliche Residentz in derselben Cron haben möchten: Die Oesterreichische Land würden durch die Werbungen / Durchzüg / sc. gantz erschöpfft / vnd köndten Jhre Majest. deßwegen kein Landtag halten: Auß dem Römischen Reich were sich bey wehrender Vnruhe nichts zugetrösten / die Cammergüter vnd Gefäll weren bey solchem Krieg gesperret: hetten also Jhre Majestät wegen dieser Vnruhe auß allen jhren Landen nicht eines Hellerswerth Einkommen / viel weniger einiges Mittel zu dero oder der jhrigen notwendigen Vnderhalt / vnd zu notwendiger Versehung der Türckischen Grentz / oder Continuirung deß angefangenen Kriegs. Vor diesem were gleichwol der Credit gewesen / seye aber jetzo gegen Jhrer Majest. vnerschwinglichen Schulden Lasts / der Vnhelligkeit / der Länder Erschöpffung vnd grossen Schulden halber gefallen / vn̅ fiele täglich mehr / je länger solches Kriegswesen werete. Was sich auff Außländische Hülffen zu einem continuirenden Krieg zuverlassen / hette man schon längst vnd offt erfahren / daß es gar nichts außträgliches / darüber auch Keyser Maximilian geklagt / vnd hetten es Jhrer Majestät Vorfahren biß auff Dato empfunden. Es gebens auch die Vmbstände / daß Außländer mit dergleichen darleyhen entweder selbst nicht gefolgen köndten / oder doch zu Continuation deroselben / wie zu solchem Werck gehörte / wegë Schmälerung jhres Einkommens nicht verstehen wolten. Da nun Jhre Majest. mit einer Handvoll Geldts zu einem solchen Krieg sich einleyten liessen / hernacher aber mit der Außzahlung stecken blieben / so komme die gantze Bürde vnd Schulden Last endlich auff die Länder / die weren zuvor vertiefft / vnd durchs Kriegswesen verwüstet / vnd müßten also vnverschuldter weise zusampt Jhrer Majestät zu Grundt / vnd zu einem Fluch vnd Verderben vieler Ehrlichen Christenleut werdë / die also vmb das jhrige kämë. Ohne zweifel machten etliche jhren Anschlag / es würden Jhre Majestät bey den Böhmen durch verdiente Bestraffung sich erholen können / wie Keyser Rudolphus bey den Pöblischen vnd andern confiscirten Gütern [62] gethan: aber da were grosser Vnterschiedt / dann die hetten die Stände nicht angetroffen / sondern seye durch Recht erkandl worden / das were nicht mit Krieg zugangen / hette auch Jhre Majestät nichts gekostet: Bey jetzigem Auffstandt aber seyen mächtige Stände vnd ein grosser Adel interessirt / Jhrer Majest. Werbungen seyen schwer / vnd köndte kein so grosse Victoria den auffgeloffenen Vnkosten vnd Schaden erstatten: wie dann kein Victoria / sie sey wie sie wölle / einem Potentaten Geldt eintrüge / sondern gebe allein territorium vnd regalia, so dieses Orts ohne das Jhrer Majest. zustünde / das Gelt aber bliebe dem Volck / Befelchshabern / Ministris vnd Officirern. König Ferdinandus hette im Jahr 47. vn̅ 48. die Böhmen mehr als vorher kein König gethan / bezwungen / die meisten Geschlechter weren condemnirt gewesen / doch hette der Krieg mehr nicht erstattet / als die Victorj genutzet / dann die Ministri so vmb Jhre Majest. gewesen / hetten dardurch auffgenommen / Jhr. Majest. Schulden aber weren so weit vermehret worden / daß hernacher aller Gewinn den Böhmen wider zugestanden: Seydhero jhre Freyheiten die Keyserl. Majest. jhnen genommen / mehr vnd vber jhrer Vorältern Zeiten befestiget worden. Jhre Majestät hetten bißhero / als ein weiser Herr dero schweren Schulden-Last Jhr hoch angelegen seyn lassen / vnd in den jüngern Land Tag die benehmung der Außschuß zu dieser Berahtschlagung begehrt / welcher so hoch erwachsen / daß fast kein Mittel zur Abzahlung dessen zu erdencken / es were dann / daß beständige Ruhe vnd Frieden in dem Land einen Weg zeigeten. Solte nun Jhre Majest. sich in grosse Werbung einlassen / die Monatlich nit vnter 200000. Gülden sich belieffen / benebens die Länder sich täglich mehr erschöpfften / abödeten / an Mannschafft vnd Vermögen abnehmen / sonderlich aber die jenige / so vnter allen Jhr. Majest. Landen am meisten Schuldt hetten / vber sich nehmen solten vnd köndten: So würde hinfüro vnmüglich seyn auß der Last zukommen / vnd recht heissen mit dem güldenen Angel gefischet: darbey zubesorgen / daß alle Cammergüter / Stätte vnd Länder nicht endlichen in frembder Fürsten Hände / vnd gäntzlich vom Hauß Oesterreich hinweg kommen / dessen alles man vberhaben seyn köndte / wann Jhre M. ohne Waffen die Vnruhe zu dämpffen fürnehme. Nun were aber die eusserste Gefahr / so auß der Kriegswerbung Jhr. Majest. vnd dero Hauß Oesterreich zu besorgen / weit höher in Acht zunehmen: Dann zum Krieg weren allezeit die Vorschläge vnd Rähte Schein: vnd annehmlich / der Anfang leicht / das Mittel schwer vnd Mühsam / der Außgang vngewiß: Jhre Majest. weren hohes Alters / grossen Schwachheiten vnterworffen / bedörfften nur der Verschonung / vnd köndten das stetige Anlauffen / Sorg vnd Vnruhe / so bey solchen Kriegsvbungen vnvermeydlich / ohne Vermehrung dero Kranckheiten vnd Abkürtzung deß Lebens nicht außbleiben: Solte etwan mit Jhrer Majestät vnter wehrender dieser Vnruhe sich ein Fall zutragen / so were nichts gewissers / dann daß die Cron Böheim gantz vom Hauß Oesterreich wegkommen würde / dann schon von langen Jahren hero hetten beyde Religionen / sonderlich die Evangelische / so sich im Land mächtig befinden / vber die langsame Hoff-Expeditiones, schlechte Außrichtungë / Eingriff in die Freyheiten / vngleiche Außtheilung der Empter / beschwerliche Vrtheil / gefährliche Procedirung vnd Handlung in Land Tägen / Vbermütigkeit / Falschheit vnd Geitz der Regenten / Vermessenheit der Geistlichen / Verachtung vnd Vndertrückung der Evangelischen / ein groß Mißtrawen / heimliche Vngedult vnd Sorg der Privirung jhrer Gerechtigkeit in die Hertzen gefaßt / vber etliche in den Oesterreichischen vnnd Steyrischen Landen fürgeloffene scharpffe Handlungen sich erstreckt / vnd da sie bey jetziger Keys. Majest. Remedirung verl offt / verspüreten sie sich viel mehr durch die Ministros eingetriebë / als zuvor durch die Schärpffe Weyland Königs Ferdinandi: die ernstliche Handlung Ertzhertzogs Caroli / der vnversehene Einfall Ertzhertzogs Leopoldt / die verdächtige Handlung deß Königs Ferdinandi / Ertzhertzogs Maximiliani / vnd Alberti (die Mittler hetten seyn sollë) Kriegshülffe / aller deren Rähte Träwung vnd Partheyische Lästerung / hetten fast alles Vertrawen von jhren Hertzë abgewendet / vnd schiene / sie die Böhmen trachteren entweder auff eine Reformation oder Enderung. Dahero auff alle gütliche schleunige Vermittelung / ohne Wehr vnd Waffen bey Zeiten zu gedencken were. Auff die Designation vnd Crönung deß Königs Ferdinandi zu bawen were mißlich: dann schon vielmals in Vngarn / Böhmen vnd andern Ländern sich zugetragë / daß sie bey Lebzeiten eines regierenden Königs / Landsfürsten vnd Herrns benandte / erwöhlte vnd gecrönte Successores andern hetten weichen müssen / sc. Darumb alle Vrsachen zum Mißtrawen höchlich zuver hüten / damit man nicht das wenige / was newlich mit grosser Mühe vnd Sorg erworben / hernach mit leichtem Vbersehen dem gantzen Hauß Oesterreich verliere. Gleiches Nachdencken were auch bey der Victorj / Jhre Majest. vnd. Kön. W. brächten mit Hülff deß gantzen Hauses Oesterreich ein grosses Volck zusam̅en / darüber auch erfahrne Häupter gesetzt weren / solches würde ohne zweifel der Cron mercklichen Schaden zufügen. Solte aber Gott auff Jhr. Majest. seiten Vnglück verhängen / wie offt geschehe / so köndte die Gemeine weniger Maß halten / als ein Potentat / dörffte nicht allein in die Länder fallen / sondern es würde auch seinen Herren gantz verlieren / sich mit einem andern Herrn versichern / vnd es nimmer zu voriger Regierung kommë lassen. Were also ein hochgefährlich Wesen / es weren gleich die Böhmen vbermannet / oder nicht: Dann weren sie vbermannet / so geriethen sie in gefährliche Desperation / die were einem jeden Potentaten mit Fleiß zu vmbgehen / damit jhm nicht geschehe / wie Keyser Sigismundo / der nicht aller deß Papsts / deß Röm. Reichs / deß Ertzhertzogen Alberti vnd seiner Brüder zusammen gesetzten mächtigen Hülffen vnd Ernst [63] vom geringen Hauffen der Hussiten geschlagen worden: Oder wie es Balduino deß Ertzhertzogs Gottfridt von Bullion Bruder / der mit 1200. Mann den Colipho mit 29000. Mann geschlagen: Oder wie dem letzten Graffen Ludwig von Flandern / der da begundte einsmals seine widerspänstige Gentes zu Niderlegung der Waffen mit Gewalt zwingen vnd zubestraffen / bedröwete auch die Stätt / daß sie sich ergeben solten / doch dergestalt / woferrn sie die Waffen von sich legten / mit vnbedeckten Häuptern / gebogenen Knien / vnd ein jeder einen Strick vmb den Halß abbäthen / vnd sich auff Gnad vnd Vngnad ergeben / darüber sie in Desperation gerahten / vnd nur mit Fünff tausendt Mann / wie reysende Wölffe herauß den Grafen angefallë / vnd biß in 40000. Mann von seinem Volck erlegt. Dergleichen weren zu allen Zeiten vnzehlige Exempla in allen Landen / sonderlich auch in den Vngarischen Kriegen zu finden / daß mit wenigen grosse Menge der Feindt glücklich erlegt worden / vnd sich also grosse Potentaten jhrer Macht nicht zu vertrawen hetten: Darzu komme daß Jhrer Majestät Volck gemeiniglich vnbezahlet were / vnd dahero baldt zur Meuterey geriethe. Mann es sich nun verzehrte / vnd keine Bezahlung hoffen köndte / weren Jhre Majestät nicht allein mit jhren Diensten in der Noth nicht versichert / sondern dörffte sich so ein vnbezahltes Volck wol auff die ander Seyten begeben / wo sie jhre Bezahlung haben köndten / zu höchster Gefahr Jhrer Majestät. Were auch wol zu bedencken / da der arme Bawersmann / wann er durch die Soldaten vbel tractirt / deß Seinigen benommen / nichts mehr herzugeben / noch zu verlieren / vnd sein eusserstes außgestanden hette / auffstehen solte: So hette man sich nichts gewissers zu versehen / dann daß die nechst anreinende mit Böhmen eine Gelegenheit zum General Auffstandt in allen diesen Ländern / mit höchster Gefahr aller Ihr. Keyserl. Majest. getrewen Landschafften / geschweigend der Böhmen verursachen. Daß nun diese Sorg mit der Cron Böheim nicht zuverachten / weisen die vorige Zeiten vnd Läufften auß / da Böhmen zum dritten mahl von dem Hauß Oesterreich sich weg / vnd auff andere Häupter begeben / ein mahl nach Ableibung Königs Rudolphi deß Andern / im Jahr 1307. Das ander mahl nach Hertzog Friderichen deß Schönen / im Jahr 1309. da sie in die 120. Jahr bey den Graffen von Lützenburg verblieben: Das dritte mahl nach Königs Ladislai 1458. Vnd hette wenig gefehlet / daß nicht das vierte mahl nach König Ludwigs / Anno 1536. Todt / Jhrer Majestät Anherr / Keyser Ferdinandus / durch Sachsen vnd Bayern verdrungen worden: Darauß zu ersehen / wie leichtlich ein so schönes Königreich von einem solchen hohen Hauß köndte wegkommen / vnd wie schwer es widerumb zu erholen / auch zu der Zeit / da die Pacta, Sippschafften vnd das Geblüt / neben einer solchen Wahl / die doch auß dem Geschlecht nicht gienge / grossen Zutritt zur Succession bereiten köndte: bey diesen Zeiten aber / da die Praetension zum Königreich einig vnd allein auff die freye Wahl der Stände gestellt / vnd hinfüro nicht mehr an ein Hauß gebunden were / darein auch die vom Hauß Oesterreich regierende König durch Reverß gewilliget / vnd dardurch jhres habenden Rechts vnnd Zuspruchs sich gleichsamb begeben / würde auff solchen Verlust gleichsamb keine Hoffnung mehr seyn / wider darzu zukommen / weil die Cron solche Häupter finden möchte / die nicht allein kein andere Macht scheweten / sondern auch ein solchen Bissen jhrem Hauß nicht mehr würden entziehen lassen. Neben der Gefahr mit Böhmen / wer auch Gefahr mit Vngarn: Dann so bald die Römisch-Catholischen Jhr. Majestät wider die Böhmen würden Vngarn zuführen: würden die Vngarn / so dieses Vnwesen für eine Religions Sach hielten / auch auff seyn / vnd einander in die Haar fallen / factiones machen / den Siebenbürger an sich ziehen / vnd weil er mächtig / den Vngarn / wegen der Spraach Verwandtnuß / einerley Gebräuche / Reichthumb / vnd deß Regiments angenehm / deß Türcken halben / dessen Vasall er were / keiner Hinderung besorgete / der Palatinus aber wider jhn etwas fürzunehmen zu schwach were / sc. köndte das jenige / was nach König Ludwigs Todt geschehen / sich leichtlich auch jetzt zutragen / nämlichen daß der Siebenbürger zum König auffgeworffen vnd angenommen / auch die Cron Böheim vom Hauß Oesterreich weggenommen würde. Bey König Ferdinando were zwar noch der Vortheil gewesen / daß mit Hülff der reichen vnerschöpfften Länder vnd deß Reichs / vnd in Hoffnung der friedlichen Regierung man dem Siebenbürger dazumal vberlegen seyn können: dieser Zeit aber were die Böhmische Hülffe entgangen / die andern Länder gar zu sehr erschöpffet / deß Reichs Hülffen schlecht / die Cammergüter entblösset vnd gesperret / desto weniger Hoffnung der Recuperation zu fassen Vber das alles were wol zu bedencken / daß die Türckischen Gesandten noch nicht auß dem Land gereyset / die sehender Christlichen Länder Vneinigkeit / Kriegs-Confusion vnd Verderben mit Augen an / würden nach Constantinopel alles referiren / der Vernunfft nach jhrem König ins Spiel ziehen vnnd anreitzen / daß er diese Gelegenheiten die Christenheit anzugreiffen nicht auß Handen liesse. Mit was Christlichem Blutsvergiessen / Verderben vnd Verlust der Länder solches zugehen / vnd wie besorglich demselben sie gantz Tributaria vnd eygen werden möchte / were leicht zu erachten. Dessen Schuldt ob sie schon den Anfängern zuzumässen / würden doch Jhre Majestät vnd das Hauß Oesterreich vnnd Spanien wegen deß Kriegs ein grosse Bürde vnd Verdacht auff sich laden. Weitere Gefahr entstünde auch wegë Verlust deß Römis. Reichs: dan̅ der Verlust mit Böheim ziehe nach sich den Verlust deß Röm. Reichs: wie hergegen die erste vnd sicherste Staffel zum Reich [64] die Erlangung dieser Böhmischen Cron were / das erwiese Praxis der Römischen Succession / dann ausser eigenthumblichem anderm Einkommen / köndte sich ein Keyser von deß Reichs Einkommen schwerlich erhalten / wie Keyser Carl der Vierte zu sagen pflegte: ein Römischer Keyser müßte mit der Böhmen Vberfluß sein Tafel bedecken / vnd seine Hochheit zieren. Daß also Jhre Majestät / wann sie wolte die Cron mit Gewalt vnd Schwerdt angreiffen / jhre vnd deß gantzen Hauses Oesterreich Macht vn̅ Hochheit mit höchster Gefahr daran wagen müßte: welches keines Wegs zu rahten / sondern allzeit auff den sicheren Weg zu gehen / das were / daß Potentaten vnd Monarchen in allen grossen Rebellionë vnd mißlichen Handlungë der Zeit nachgeben solten: dann wann das Vnwesen gestillet / Landt vnd Leute erhalten / so were die Reputation durch weißliche Remedirung in kurtzem wider zu erholen: wo aber auch mit Gewalt Landt vnd Leute erhalten würden / da were die Reputation auch dahin / vnd nicht widerzubringen. Keyser Ludwig der Gottseelige were wegen der grossen Thaten seines Va???ters vnd Anherrn der höchsten Monarchen einer gewesen: da er aber wegen seines hohen Alters sich vnd seine gewaltige Landt vnd Leute durch ein einzigen / ehrgetzigen / vermessenen / vbermütigen vnd eigennützigen Mann Bernhardum Hispanum seinen Cämmerern / deme die Keyserin selbsten Vorschub gab / regieren liesse / vnd vngeachtet man sich gleich beschwerete / der Keyser doch sich dieses Menschen nicht kondte entschlagë: seynd die Leute auff???gestanden / vnd haben zuverstehen geben / daß sie diese schädliche Regierung nicht leyden köndten: da wolte der Keyser dieses Vnwesen mit Macht vnd grossem Kriegesvolck dämpffen / weil er aber gesehen / daß dardurch die Rebellion nur grösser vnd gefährlicher worden / also daß er sich gar der Entsetzung besorgen müssen / hette er den Bernhardum abgeschafft / auch die Keyserin / biß die Lande widerumb gestillet / von sich beyseits geschickt / vnd seine Regierung darauff so vernünfftig angestellt / daß männiglichen damit zu frieden gewesen / vnd were die Vnruhe damit für sich selbsten gestillet worden. Hette demnach die Keyserin wider zu sich genommen / vnd hinfüro sein Reich vnd Land in guter vnd beständiger Reputation behalten / dessen er sonsten wider seinen Willen were entsetzet worden. Der König in Böheim der Blinde genandt / vom Hauß Lützenburg / ein berühmbter dapfferer Heldt / hette stets Rheinländer vmb sich gehabt / mit denen er die Empter in Böheimb seines Gefallens besetzt / vn̅ sie in seinem Abwesen zu Statthaltern verordnet / die alles nach jhrem Gutdüncken angestellt hetten: darüber hetten sich die Böhmen beschweret / aber nichts erhalten können: derhalben die fürnembste Herrn auff gestanden / als Leipp / Wartenberg / Rosenstein / Landenstein vnd andere / die hetten Kriegsvolck geworben / dem König vnd der Königin deß Reichs Kleynodien genommen: vnd obwol der König auch viel Volcks gehabt / were er doch mit der Königin biß an die Grentz gewichen. Keyser Ludwig hette sich darein geschlagen / beyde Theil nach Eger erfordert / vnd zu Verhütung mehrer Weyterung die Differentz mit beyder Theilen Einwilligung dahin verglichen / daß erstlichen der König schweren müssen / die Rheinländer vnd Frembden / darunter ein Bischoff zu Mayntz / vnd ein Bischoff von Olentz / neben dem Cantzler gewesen / von sich zuthun / die Empter mit Böhmen zubesetzen / vnd in seiner Abwesenheit dieselben zu Statthaltern zu machen / auch in Gegenwart deß Keysers zu vollnziehen. Darnach hetten erst die Böhmen geschworen / dem König hinfüro allen Gehorsamb vnd Trew zu leysten: darauff sie den Cantzler / der vorhin den König / vnd fast die gantze Regierung in Händen gehabt / zu Prag in Berhafft genommen / darinnen er auch gestorben: König Johannes hette darauff glücklich / vnd mit mehrer Reputation / als zuvor nie / biß an sein Ende regieret. Dieser König were eines Römischen Keysers Sohn / Keyser Carlen deß Vierten Vatter / zweyer Römischen Keyser Anherr / einer Römischen Keyserin Branherr / einer der weisesten Potentaten vnd dapffersten Helden / so jemals regieret / vnd der von Freundschafft vnd Vermögen im gantzen Römischen Reich mächtig gewesen / doch hette er für rahtsamer gehalten / in wehrender Rebellion seiner Ständen die Reputation zu suspendiren vnd nachzugeben / als sein Recht mit dem Schwerdt gefährlich zuverfechten: dann es liesse sich mit mächtigen vnd resolvirten Ständen / wie mit kleinen Provincien nicht vmbgehen / die Erfahrenheit hette es zu allen Zeiten mit sich gebracht / daß welche Potentaten die Rebellion mit der Güte vnd Suspension der Reputation hetten hinzulegen versucht / vnd in dergleichen Gefährlichkeiten gewesen / jederzeit jhre Reputation wider erlangt / welche aber auß Respect der Repuation / mit Gewalt von dem Schwerdt solcher Anstöß sich hetten erwehren wöllen / hetten sich vmb die Reputation gebracht / vnd allzeit den kürtzern gezogen. Keyser Carl der Fünffte / ein Großmütiger vnd Siegreicher Monarch / hette den Petern von Toledo / Vice König zu Neapels / auff der Neapolitaner vielfältig beschweren vber sein Indiscretion / so er gegen den Adel gebraucht / nicht nach Raht deß Fürsten von Salerno / vnd Marggraffen von Geasto nach Spanien abfordern / in Meynung / es möchte Jhrer Majest. Reputation schmälern / wann sie den / welchen sie so hoch erhaben / von den Würden wider absetzen solte: Als er aber vermerckete / daß sich die Stände wegen jhrer Beschwerung an Franckreich wolten hencken / hette er lieber den Vice König nacher Spanien abfordern lassen / als in Gefahr vnd Verlust deß Königreichs gerahten wöllen. Dergleichen hette Keyser Carl mit Ferdinando Gonzaga / welchem der König sein gantzes Regiment in Italien vertrawet / auch gethan / als die Meyländer vnd Italiäner vber seinen grossen Geitz geklagt / hetten jhre Majestät vngeachtet Ferdinandus jhro den höchsten Dienst schon verwaltet / doch den Consalvum als [65] einen bescheydenen Herrn / nach Italien abgefertiget / ohne dessen Raht Ferdinandus nichts hette fürnehmen dörffen. Also hette Jhre Majest. mit Abstellung dero fürnehmen getrewen Diener für rahtsamer geachtet / dero Reputation zu suspendiren / als mit Gewalt der Stände B???willen zu legen. Hergegen als eben dieser mächtige Keyser nach erlangtem Triumph von Teutschland Anno 155???2. in der Berahtschlagung von ferrnerer Bestallung der Administration desselben / mehr dem Duca de Alba, welcher gerahten / daß der Keyser die Teutschen / so er schon gedemütiget hette / nimmer zu den vorigen Freyheiten solte kommen / sondern mit Ernst vnd Schärpff regieren lassen / als dem erfahrnen vnd vernünfftigen Obristen Castaldo / so zur Moderation / vnd der zur Freyheit geneigten Teutschë Nation etwas nachzugeben gerahten / gefolgt / hette der Keyser vnversehener Sachen allen Ruhm vnd Reputation / so er bißhero in den mächtigen Königreichen / als Franckreich / Italien / Teutschland vnd Spanien stattlich erhalten / mit seiner Flucht vor dem Mauritio gantz außgelescht vnd verloren: sintemal die Reichs Fürsten vnd Stände hernacher viel mehr Freyheiten / so wol in Religions-???als Weltlichen vnd Politischen Sachen bekommen / als sie nie begehrt hetten. Nichts köndte aber heller vnd lauterer seyn / als der Verlust mit Niderland / wie derselbe wegen etlicher beschwerlichen Newerungen mit der Inquisition / Bermehrungen der Bistthumben Anzahl / Einführung der Spanier / nach vielem vergeblichen Suppliciren entstanden. Vnd als König Philippus in der wichtigen Berahtschlagung wider deß Gometzii Wissen / vnd zu allem Glimpff vnd gnädigster Nachgebung gegebenem Rath / dem Duca di Alba, der seinem Gebrauch nach zur Schärpffe / Straff vnd Raach / vngehört der beschwerdten Theil / gefol???et / in nichts weichë / vnd mit dem Schwerdt die Reputation erhalten wöllen / hette er neben Verlust vnzehlicher Millionen Golds / vnd vermehrung seiner Schulden seine schöne erbliche Reich vnd stattliche Land / mit allen deren Einkommen verloren / vnd mit begebung der Königlichen Reputation / den Frieden seinen gewesenen Vnderthanen anerbieten / mit jhnen schliessen / vnnd sie für freye Stände erkennen müssen. Also bliebe wahr auß der Ehfahrenheit der Weltlichen Handlung / daß gemeiniglich welche grosse Potentaten in grossen Gefährlichkeiten / als Auffständen / Vnruhen vnd Rebellionen / wichen / die suspendirten zwar die Reputation auff ein kleine Zeit / aber die nicht weichen wolten / verlöhren dieselbe offt ewig. Darwider were dieser Einwurff: Das Haupt der Christenheit seye schuldig das Vnrecht zu straffen: were wol geredet / wann solche Straff ohne grosse Vngerechtigkeit / ohne grosse Beleydigung der Vnschuldigen / zu Verbesserung deß gemeinen Wesens abgehen köndte / aber wo der Vnschuldige durch solche Buß mehr litte / als der Schuldigen / da were besser hundert Sünder zu absolviren / als einen Gerechten zu verdammen. Jhre Majest, klagten vber dreyssig Personen / von denen sie offendirt / vnd viel Tausendt armer vnschuldiger Menschë verderbten sie mit dem ???rieg / Mord / Raub / Brand??? / man stehle / plündere / verwüste / schände / fluche vnd tractire vbel / die jenige so von Jhrer Majestät solten vertheydiget werdë / alle Justitien würden gesperret / alle Policeyen vmbgekehrt / die wahre Gottesforcht vnd der wahre Gottesdienst verschwinde / darob Jhre Majest, zu halten schuldig / die abschewlichsten Sünden / Laster vnd Grewel würden begangen / so ein Potentat außrotten solte / vnd die da den Fluch vnd Vermaledeyung vber Herrn / Land vnd Leute zögen. Das hiesse ja nicht vnrecht straffen / sondern vermehren: Es hiesse nicht Reputation / sondern Devastation: So were auch das keine Reputation zu nennen / mit Gewalt jemandt bezwingen vnd vndertrucken können / weil dergleichen Lob auch mit jedem vbermächtigen Erbfeind / Tyrannen vnd Vntugend samen gemein were: Aber das were deß Namens würdig / löblich vnd nicht gemein / mit Weißheit / Glimpff / ohne Gewalt vnd Zorn / einen Auffstandt oder Rebellion zu dämpffen / durch Vernunfft vnnd Ansehen die Waffen jhren Vnderthanen auß Händen nehmen / die Vnruhen stillen / Frieden verschaffen / die Leute zur Gebühr bringe / vnd darinnen mit Lieb vnd gutem Willen erhalten können. Non parvum negocium esse, sage König Ladislaus II. zu Vngarn / placare reg???um novitatis avidum. Dann gleich wie ein berühmbter guter Medicus einen schweren vngedultigen Pattenten mit fleissiger Wartung / gesunder Wohnung / subti lem vnd reinen Tranck / besser tractirte vnd vielmehr verschonete / als eines gesunden / vnd wo er es nicht thete / die Kranckheit mehr zunehme / der Medicus aber mehr Mühe / vnd weniger Ehr davon hette: Also were jede Rebellion / Auffstandt vnd dergleichen Vnruhe / ein Kranckheit in der Republica, wolte man sie mit der Schärffe dämpffen / so blase man das Fewer auff / vnd das brenne hernach stärcker. Aber mit auffrichtiger Weißheit / Moderation / vnd würcklicher guter Reformation würde alles zum besten gewendet: Vnd were der Waffen / oder außländischer Hülffe eben so wenig noth / als wan̅ der Medicus zu geschwinder Heylung sich auff frembde Specereyen / die er nicht vermög / noch auch allezeit haben könnë / verlassen wolte. Jhre Majest. hetten zu Antrettung dieser schönen Länder / den Frieden männiglich zugesagt: darauff verliessen sich alle Land / erfreweten sich vnd frolockten darüber / vnd empfinden / daß sie das hoch bedörfften: Jetzo aber / da Jhre Majest in allen dero Landen gross Werbungen anbefohlë / die jenigen bekriegen wolten / ein solch trefflich Königreich angreiffen / vnd jhre getrewe Landt auffs eusserste / ohne einig Verursachen / beschweren liessen: da köndte darauff anderst nichts folgen / als schweres Blutvergiessen / vnd Mißtrawen vnter den Christen / die Jhrer Majestät zu schützen / vnd vor Vnglück zuverwahren vertrawet weren: das stritte wider alle Reputation: dann kein Christen [66] blutbadt im Haupt der Christenheit verantwortlich / noch viel weniger solcher Christen / die Jhrer Keyserl. Majestät Regierung vnterworffen / vnd deroselben Leib / Schutz vnd Vnterhaltung anbefohlen vnd vertrawet weren: dahero man die löbliche Regenten vnd Potentaten Vätter deß Vatterlands nennete. Wann die Kinder vnterweilen vngehorsamb / mutwillig vnd böse weren / hawete man sie doch nicht zu todt / sondern damit sich der Vatter nicht selbst deß seinigen beraube / vnd darauß jhm grosse Rew vnd Hertzenleydt verursache / hawete er sie an das Ort / da er vermeynet / daß jhnen am allerwenigsten Schaden vnd Mangel bringen möchte: Also wann die Vnderthanen bißweilen auffstünden / vnd rebellirten / were solchs nicht mit deß Schwerts Schärpffe vnd Betrohungen / als gegen Frembden vnd Feinden / an derë Verlust denselben Potentaten nichts von dem seinigen e???ntgienge: sondern mit Vätterlichen Verweissungen / mit allerhandt weiser Verschonung / Cedirung vnd züchtigen wider zum Gehor??? sam zu bringen / damit er sich nicht selbsten deß seinigen / mit schwerer Verantwortung vnd Nachtheil seiner Nachkommen beraube. Dahero man von deß gierung / als deme wegen Erhaltung der Freyheit viel seiner Orientalischen Provincien rebellirt / ja die seine Gesandten / so sie darumb straffen wöllen / gar zu todt geschlagen / jhnen gleichwol die begehrte Freyheit mit Gnaden zugelassen / vnd also die Provincien bey seinem Reich erhalten / sc. diß Sprichwort in gemein auffgebracht: Romanosignoscendo crescere: Welches den Potentaten ein sehr grosses Lob ???vnd Reputation bringe. Derhalben were auch am allermeisten das Hauß Oesterreich so hoch gestiegen / daß es vber alle andere hohe Häusser mit Lindigkeit / Milte vnd Gütigkeit gemeiniglich regieret / dahero das Sprichwort kommen were: daß ein Oesterreichtsche Vngnad besser seye / als ein Sächsische Gnade. Weil ohne Zweifel bey dem Hauß Sachsen etwa vor Jahren die Schärpffe vnd genawe Bestraffung gemeiniglich der Gnade fürgezogen were. Weil dann Jhr. Majest. Herr Vatter Marimilian der Ander / vnter vielë andern schönen Exempeln der weisen glimpfflichen Reguln / da Hertzog Friderich zu Sachsen / der zu Gotha mit vielen vornehmen Leuten / wider den Keyser / Churfürstë vnd das gantze Römische Reich rebellirt / der Römischen Cron mit Gewalt nachstellet / solches offentlich an Tag zu geben nicht geschewet: nicht allem am Leben nicht gestrafft / sondern er hette jhn auch längst vor seinem Ende auß der Verhafftung gelassen / wann nicht das Reich vnd Hauß Sachsen selbst / wegen Beysorg allerhand Vnruh seine Verhafftung für besser befunden. Mit dergleichem friedlichen vnd löblichen Regieren hette er aller Menschen Liebnuß an sich gezogen / auch dahero was er gewolt / glücklich erhalten. Ja durch die sanffte vnd weise Regierung hette das Hauß Oesterreich bißhero das Römische Reich mit höchster Reputation gleichsamb erblich possedirt: Hergegen hassete vnd versiuchte man die Spanische Regierung / wegen deren grossen Schärpffe vnd gefaßten Reputation / daß alle der Freyheit liebhabende Völcker dieselbe fast für vnleydelich hielten / vngeachtet die Schuldt nicht der Herren / sondern der Diener seye / die jhnen dardurch ein grosses Ansehen vnd Respect vor andern zu erlangen vermeyneten: Aber eben damit all jhr Fürnchmen bey der gantzë Welt verdächtig vn̅ verhaft machtë. Schließlich würde man auch ohn allen Zweifel Jhrer M. einbilden / es würde wider Jhrer Majestät vnd deß Hauses Oesterreich Reputation / daß die Böhmë sich armirten / Jhre Majest. aber nicht. Darwider weren hicoben mit etlich Exempeln erwiesen / daß gewaltige Keyser vnd Potentatë darob kein Bedencken getragen / auch wo sie schon Kriegsvolck gehabt / dasselbe wider erlassen hettë. Vnd wer diese jetzige Zeit recht ansehe / der befinde / daß der Böhmë Armirung auß Forcht Keys. M. Offension / vnd daß sie den Land-Officirern vnd andern / die der Cron gedrohet hetten / sonderlich weil die Jesuiter sehr zur Raach antrieben / beschehen / vnd weil sie nicht traweten / vnd sich wider den Angriff versichern woltë / wie der Böhmë Schrifft vnd Schreiben offentlich außweisen. Aber Jhrer Majest. Armirung geschehe nicht auß Forcht der Böhmen / noch wegë jhrer eignen Person / oder Jhrer Länder Versicherung / sondern die Böhmen zum Gehorsam zu bringen: Also daß Jhr. Maiest. ohne alle Beschmälerung dero Reputation jhr Volck erlassen köndtë / dar durch die Land der Beschwer zu entladen / vnd die Böhmen sich nicht zu entschuldigen / sie hetten auß Forcht vnd Schew deß Keyserl. Kriegsvolcks jhr Obligen Keys. M. nicht anbringen dörffen. Dienete also die V???terlassung der Werbung viel mehr Jhrer Majestät Großmütigkeit zu bezeugen / vnd zuverstehen zu geben / daß sie Jhrer Vnderthanen Arma gleichsamb für nichts achteten / vnd jhr wol getraweten allein durch dero Keyserliche Authorität solche ohne Waffen niderzulegen / als wann sie mit jhren Vnderthanen fechten wolten. Solten nun Jhre M. wider so greiffliche Vrsachen mit der Werbung lassen fortfahrë / so würden sie groffes Mißtrawen nicht allein bey frembden / sondern auch bey jhren eignen Ländern erwecken / gleich samb were solche Werbung nicht allein auff Böheim / sondern auff jhre andere Oesterreichische Lande / oder Reformation angesehen / welches dero löblicher Vorältern bey jhren Ständen erhaltenem Vertrawen vnd Reputation sehr zuwider were. Weil dann durch diese beschchene Außführung männiglich vor Augen gestellet würde / daß Jhre Keys. Majest. Jhr vnd jhrem Hauß Oesterreich / dero Landen vnd Leuten nichts schädlichers / nichts gefährlichers / noch dero Reputation etwas widrigers vnd verderblichers möchte gerahten worden seyn / als die Böhmen zubekriegen: So were nunmehr gar leicht vber das / was bey der Sachen zuthun / sich allergnädigst zu resolviren / wann nur auff einigen finem gesehen würde / nämlich damit Jhrer Majest die Cron Böheim für sich vnd dero [67] Nachkommen in Friedt vnd Ruhe beständig erhalten werden möchte. Wann nun bey dem anfang deß Böhmischen Vnwesens alles so in diesem beweglichen Schreiben außgeführt / recht erwogen vnd zu Hertzen weren genommen worden / hette nicht allein der Keyser vnd seine Nachkommen ruhig bey dero Landt vnd Leuten verbleiben können / sondern es were auch der darauß erfolgte Jam̅er in Teutschlandt vermieten blieben: Aber die Friedensstörer vnd vngetrewe Rähte / so durch den Krieg jhre Authorität vnd Güter zuvermehren gedachten / hattë den Handel schon so weit gebracht / daß all solche trewhertzige Ermahn-vnd Erinnerungen nicht fruchten mochten. (Keyserlich Mandat an die Chur: vnd Fürstë vnd andere Stände deß Röm. Reichs / die Böhmische Werbungë abzustellen.) Als Jhre Keys. Majestät vernommen / daß die Böhmische Stände allenthalben im Reich vnd anderswo sich vmb Volck bewürben / haben sie die Chur-vnd Fürsten vnd andere Stände deß Römischen Reichs / sich dem Böhmischen Wesen nit einzumischen / oder denselbigen Ständen einige Werbung zu gestatten / den letzten Junij zu Wien datirten Patenten abmahnë lassen / dieses Innhalts: Es würde zweifels ohn männiglich jnner vnd ausserhalb dem Reich nunmehr genugsamb bekandt seyn / was in seinem Abwesen auffm Prager Schloß / den 23. Maij für eine Vnruhe sich erhaben / vnd was für Vnbillichkeit etlichë seinen Statthaltern vnd Officirern seye bewiesen worden. Weiler nun verständigt würde / daß diese Widerwärtige vnd solcher Vnruhe Vrsächer / vngeachtet alles zum offtermalen angebottenen Glimpffs vnd Sanfftmutigkeit / auch Trewhertziger Abmahnungs - Schreiben / in jhrem Intent eyferig fortführen / vnd zu Keyserlicher Hochheit vnd Jurisdiction Veracht-vnd Schmälerung / an allen Orten / auch im Römischen Reich vmb Kriegsvolck sich bewerbe: vnd aber solche Werbungen in den Reichs Satzungen / fürnämlich aber in dem Anno 1570. auffgerichteten Abschiedt verbotten / auch ohne sein / als deß Römischen Keysers vnd Oberhaupts Vorwisen vn̅ Anordnung geschehen: als wolte er hiemit ernstlich befohlen haben / daß sie in jhren Landen / Herrschafften / Stätten vnd Flecken keine Werbungen / Musterung oder Durchzüge ohne fürweissung Keyserlicher Patenten vnd Bewilligungen / fürgehen liessen. (Keyserliche Information wegen der Böhmischë Vnruhe.) Ferrner ist auch noch ein Keyserliche Information vber dem Böhmischen Auffstandt vmb diese Zeit außgangen / dieses Innhalts: Es hetten sich etliche Jhrer Keys. Majest. Vnderthanen so weit vermessen / daß sie in dero Residentz Schloß zu Prag / in die Böheimische Cantzeley / vnd zwar in die Rahtstuben / da der größte Respect vnd Sicherheit seyn solte mit / gewaffneter Hand kommë / vnd allda zween auß Jhr. Majest. Statthaltere / vnd einen Secretarium / ohne alle Anklag vnd Verhör angefallen / vnd zum Fenster hinauß gestürtzt: vnd als sie durch sonderbahre Gnade Gottes bey Leben blieben / mit Pistolen auff sie geschossen: vnd wann sie jhrem Furor nicht gewichen / vn̅ sich an andere Ort salvirt hetten / würden sie jhren Grimm vnd Zorn weiters an jhnen außgegossen haben: Vber diß hetten sie andern Jhrer Majest. Rähten vnd Dienern nachgestellt / jhnen alle jhre Güter genommen / vnd an jhren Ehren offentlich geschmähet. Nach dicsem hetten sie dreyssig Directore vnd Regenten auffgeworffen / das gantze Regiment an sich gezogë / das Schloß mit freimbdem Volck bewachen lassen / vnd die vorige Guardj in jhr Gelübd genommen: den Obristen Burggraffen in Arrest genommen / vnd in seinem Hauß verwachen lassen: allen anwesenden Rähten / wan̅ sie auch von Jhr. Majest. citirk würden / absolute, den andern Vnderthanen aber ins gemein ohne jhr Vorwissen auß der Statt nicht zu weichen gebotten: die Geistliche Collegia wider den Land-Tags-Schluß vnd zwischen denen sub, Vna vnd sub Vtraque auffgerichteten Vertrag / abgeschaffet / jhrer Güter entsetzt / vnd die Personë auff ewig auß dem Landt verbannet: durch allerhandt vngegründte Bericht nicht allein Jh. Majest. Vnderthanen / sondern auch Chur - vnd Fürsten wider dieselbe zuverhetzen sicht vnterstanden: Jhre außgegangene Apologj mit vielë vngeräumbten Sachen angefüllet: in Jhr. Majest. König vnd Lands Contribution gegriffen: die mit Bewilligung der Stände deputirte Stewer Einnehmer abgesetzt / vnd andere darzu verordnet: frembd Kriegsvolck / ohne Jhr. Majest. als Böhmischen Königs Wissen vnd Willen in das Königreich auffgenommen: die Vnderthanen mit Einquartierungen vnd vielerley Beschwerden belegt / ja gar jhnen sich stetigs in Bereitschafft zu halten gebotten: Jhr. Majest. Statt Crumaw / wie auch die Statt Budweiß auffgefordert: den Innwohnern Fewr vnd Schwerdt / vnd eusserstes Verderben / wo sie sich nicht ergeben würden gedröwet: die so es mit jhnen nicht halten wöllen / mit Gewalt auff Jhre re Seiten gezwungen: Jhrer Majestät wolmeynende Patent / durch welche sic zu Niderlegung der Waffen vermahnet worden / anzuschlagen verbotten: Jhrer Majestät trewe vnd vätterliche Vermahnungen vnd Anerbieten / aller Vnruhe ohne Kriegsvolck abzuhelffen / nicht geachtet: die Keyserliche Hoff-Post / so Jhrer Majest. vnd dero Chur: vnd Fürsten wichtige vnd geheime Sachen betrifft / etlich mal auffgefangen / vnd eröffnet: der Pässe gegen den Land-Gräntzen sich bemächtiget / vnd die selbe gesperret: vber vorige noch ein newe Defension der Apologj außgefertiget: den Vnderthanen grosse Anlagen vnd Contribution vffgelegt / vnd darzu Jhr. Majest. eigene Herrschafft: vnd Cammer Güter gezogen: gantz vermessen fürgeben / jhr Volck were zu Beschützung deß Lands angesehen / Jhrer Majestät aber / als jhres Königs vnnd Herrns / were ein frembdes Kriegsvolck / vnd lauffe desselben Werbung wider die Lands Ordnung / schwerer Protestation sich gebrauchende / im Fall solches Volck anziehen würde / daß alle Clöster vnd Geistliche in dem gantzen Landt von dem gemeinen Pöfel möchten vberfallen werden / welches sie dann nicht wehren köndten / auch daran nicht schuldig seyn wolten.
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Dieses aber vnd anders / ob es J. M. vnd dero Königreich zum besten / wie sie fürgeben: oder aber nicht viel mehr zu Schmälerung Jhrer Keyserlichen vnd Königlichen Hochheit vnd Reputation / vnd deß gantzen Königreichs Verderben gereichen thu / wolte J. M. einem jeden Verständigen zu erkennen geben. Baldt hierauff ist noch ein Keyserliche Information vber dem Böhmischen Vnwesen publicirt wordë / so zwar etwas weitläufftiger / aber doch gleiches Innhalts mit der vorigen gewesen / darumb wir sie auch allhie einzubringen vmbgehen wöllen. Vnter wehrender bißhero erzehlter Schrifftwechselung vnd publicirung erstgedachter Keyserlichen Information / haben sich zwar Churfürst Johann Georg von Sachsen / vnd Pfaltzgraff Friederich Churfürst / sc. wie auch die Schlesische Fürsten vnd Stände / vnd andere hohe friedliebende Personen / die Strittigkeiten zwischen Keyserlicher Majest. vnd den Böhmischen Ständen / damit vnschuldig Blut vergiessen / vnd schädliche Landsverwüstungen vermieten blieben / vnd abgewendet werden möchte / ohne Kriegsverfassungen zuvergleichen / vnd deßwegen gütliche Handlung auzustellen / sich hefftig bemühet / aber wegen der bösen vnd friedhässigen Rahtgeber nichts fruchtbarliches außrichten können. Welche dann endlichen auch so weit fürgedrungen / daß der gantze Außschlag der Sachen auff die schärpffe deß Schwerts gesetzt / vnd dem Grafen von Dampier nach Böheim anzuziehen Befelch gegeben worden. Derselbe ist solchem nach mit in 6000. Mann (Graff von Dampier zeucht in Böhmen an.) so alles außerlesen Volck / vnd mehrertheils Reuter waren / auff gemeltes Königreich fortgeruckt / vnd erstlich für Landstein / welches ein fürnehmer Paß ins selbige Landt ist / angelanget / vnd solches auffgefordert. Demnach aber die Vbergebung von dem darinn ligenden Obristen abgeschlagen worden / hat ers wider verlassen / einë andern Eingang gesucht / vnd auff das Stättlein Bistritz zu [69] gerücket / selbiges eingenommë / vnd sich allda verschantzt. Darauff ist er etliche Tag hernach vor die Statt vnd Schloß Newhauß / welches Wilhelm Schlawatë zuständig / vnd von der Stände Volck mit drey Fahnen besetzt war / kommen. Wiewol er nun solches zu vberrumpeln / vnd mit leichter Mühe in seine Gewalt zubringen vermeynet / hat er doch starcken Widerstandt gefunden: derowegen er mit Brennen vnd Plündern in der Vorstatt vbel zu hausen angefangeu. Als nun die Zeitung von solchen dingen in dem Böhmischen Läger erschollen / ist der Graff von Thurn damit eylends von Budweiß auffgebrochen / vnd die Tampirischë biß auff Bistritz getrieben / die sich dann hinder einem Teich vnd Gehöltz wol verschantzet / vnd in guter Hut den Graffen von Bucquoy mit dem Succurß erwartet: welcher auch kurtz hernach mit etlich Tausend Mann ankommen. Als sich nun hier auff die Statt Newhauß beförchtet / der Graff von Dampier würde noch einen (Schreiben der Statt Newhauß / an Graffen von Dampier.) Versuch auff sie thun / haben sie ein Schreibë an jhn geschickt / dieses Innhalts: Sie weren deß Herrn Wilhelmi Schlawatae Vnderthanen / die niemals wider den Keyser gewesen / wolten auch noch forthin biß in den Todt jhme getrew vnd gehorsamb verbleiben: hetten derohalben nicht vermeynet / daß ein solche Grausamkeit an jhnen solte verübt werden. Die Schlüssel der Statt weren nicht zu jhren / sondern in der Besatzung Händen. Bäthen derowegen / jhrer mit solchen Feindseligkeiten zuverschonen / biß sie jhn / auff erlangte jhres Herrn Erklärung / anderst beantworten köndten. (Graffen von Dampier zweyter vergeblicher Anfall auff Newhauß.) Dessen aber vngeachtet / hat Graff Dampier den 5. Septemb. noch ein Anschlag auff die Statt gemacht / die Thor zu Nachtszeit bey einem schweren Gewitter mit Petarden gesprenget / vnd in die Statt eingefalle̅ / aber doch durch Mannliche Gegenwehr / mit ziemlichem Verlust wider hinauß geschlagen worden.
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Als er nun vermerckt / daß er diesem Ort / wegen (Graff von Dampier erobert Pilgram.) guter Besatzung / nicht leichtlich etwas anhaben köndte / hat er sich auff Pilgram gewendet / die Besatzung / so vom Graffen von Thurn dahin abgeordnet / vnter Wegens vberfallen / vnd theils nidergemacht / theils gefangen / vnd also darauff die Statt in seinen Gewalt gebracht / vnd besetzet. (Böhmen werden für Rebellen erklärt.) Baldt nach deß Graffen von Dampier Einfall in Böheim / ist ein Keyserlicher Commissarius / Kaan genandt / ankommen / der hat durch offene Patenta / im Namen der Keyserl. Majestät die Böhmische Evangelische Stände / sampt jhren Soldaten für Rebellen erklärt / auch das Schloß vnd Statt Polna eingenommen / die Bürgerschafft / so Evangelisch gewesen / auff das (Reyserische machen sich den Böhmen verdächtig / daß sie die Evangelische Religion außzurotten gesinnet.) Schloß erfordert / vnd sie allda durch Jesuiten zum Abfall zur Papistischen Religion bedröwlichen anmahnen lassen: sie haben aber alsbald vnerschrocken geantwortet / vnd sich erklärt / viel lieber jhr Leben / als jhre Evangelische Religion zuverlassen. Vnd dieser Proceß ist den Böhmen sehr verdächtig fürkommen / also daß sie gäntzlich darfür gehalten / jhre Widersacher vnnd die böse Rahtgeber am Keyserlichen Hoff giengen einig vnd allein damit vmb / daß sie die Stände vndertrucken / vnd die Evangelische Religion auß Böhmen außrotten wolten / hetten auch zu solchem End Jhre Majestät / Keyser Matthiam / doch vuter einem andern Schein vnd Deckmantel dahin beredet / daß er sie also mit Kriegsmacht vberzogen. (Deß Graffen von Bucquoy Beginnen / nach seiner Ankunfft in Böhmen.) Der Graff von Bucquoy / nachdem er in Böheim ankommen / hat erstlich das Stättlein Teutschen Broda (etwa 13. Meilen von Prag gegen den Mährischen Gräntzen abgelegen) eingenommen. Er hatte sich zwar verlauten lassen / er wolte sich mit Belägerungen der Stätte vnd anderer Oerter nicht lang auffhalten / sondern mit seinem Kriegsvolck stracks auff Prag zu rücken / vnd daselbst auff dem Laurentzenberg eine Festung oder Casteel auffbawen / vmb also darauß die Böhmen zubezwingen: Dann er war zu Wien beredt worden / als wann die Böhmische Stände keine versuchte Soldaten / sondern nur lauter vner fahren Landvolck hetten. Als er aber hernach / da er in Böheim angelangt / das Widerspiel vernommen / vnd jnnen worden / daß die Böhmen nicht allein wolversuchte vnd geübte Soldaten hetten / sondern auch mit einer starcken Armada seiner Ankunfft mit Verlangen erwarteten / hat er sich eines andern bedacht / vnd sich behutsamb in seinem Läger gehalten. Nachdem jhme auch angezeigt worden / was für grosse Grausamkeit mit mordë / plündern vnd abbrennen vieler schöner Flecken vnd Dörffer von den Dampierischen / sonderlich den Heyduckë an den armen vnschuldigen Vnderthanen verübet würde / hat er solches ernstlich verbotten / vnd (Böhmische Stände befestigen die Statt Prag.) Anfangs scharpffe Disciplin gehalten. In dessen ist den Böhmischë einer in die Hände kommen / bey deme sie den Abriß gefunden / wie auff dem Lorentzen Berg die Festung solte gebawet werden: Worauff sie solches furzukommen / auff alles gute Achtung gegeben / vnnd vmb der Statt Prag mehrer Versicherung willen hinder der Newstatt Schantzen vnnd Lauffgräben zu machen angeordnet. (Böhmische Stäude suchen Hülffe vnd Intercession bey Chur Sachsen / Pfaltz / vnd den Schlesischë Fürstë vnd Ständen.) Demnach nun also das Fewer mit aller Macht anfienge zu brennen / vnd die Stände den grossen Jammer / darinn allbereit das Königreich steckte / vor Augen sahen / haben sie sich zwar den Keyserischen / so gut sie geköndt / widersetzt / vnd etliche vnterschiedliche Scharmützel mit jhnen gethan: vnter dessen aber Chur Sachsen / dem Pfaltzgraffen vnd den Schlesischen Fürsten vnd Ständen diesen Einfall zuwissen gethan / deren Intercession vnd Hülffe zu jhrer Defension nochmaln angeruffen / wie auch König Ferdinandum / vnd Ertzhertzogen Maximilian vmb jhre Fürbitt ersucht / vnd dann Jhre Majestät den Keyser selbsten vmb (Böhmen ersuchen den Keyser vmb Stillstandt der Waffen / vnd Fortsetzung der gütlichen Tractation.) Stillstandt vnd fortsetzung einer gütlichen Tractation durch Schreiben gebeten / nachfolgenden Innhalts: Es würden die jenigen Wort (wegen besorgenden Einfalls deß gemeinen Pöfels in die Clöster / sc.) durch welche er were erzörnet worden / anderst als sie gemeynet / außgelegt: käme jhnen gar beschwerlich für / daß der Graff Dampier in Böheim eingefallen / vnd demselben Iohan-Eusebius Kainus mit etlich Tausendt Mann / vnd Keyserlichen Patenten gefolget seye: da sie doch seine getrewe Vnderthanen seyen vnd verbleiben wolten. Begehrten nichts mehr als den Frieden: derohalben solte er solchen Feindlichen Vberzug einstellen / auch solche Patenten wider sie vnd jhre Soldaten abschaffen: dem gütlichen Vertrag einen Fortgang machen: dann sie jhme / wo sie nur der Religion / vnd deren darzu gehörigen Privilegien versichert seyn köndten / allen Gehorsam erzeigen wolten. (Keyser Matthias erbeu??? sich der Böheimischen) Auff dieses Schreiben hat der Keyser den Böheimischen Ständen / den 6. Septembris / eine Antwort vberschicket / dieses nachgesetzten Innhalts: Weil alle seine Trewhertzige Abmahnungen (Begehren ein Genügë zuthu??? / woferrn sie jhr Volck beurlauben würden.) vergeblich abgeloffen / vnd die Stände den Anfang an den Kriegsverfassungen gemacht / dardurch seinen getrewen Vnderthanen nicht geringer Schaden zugestanden / als hette er notwendig solchem Vnheil zu wehren / Kriegsvolck in Böheim schicken müssen. Alles Vbels / so hier auß entstünde / weren sie Vrsach. Wann sie aber seine getrewe Vnderthanen seyn wolten / solten sie von jhrem Regiment abstehen / das Kriegsvolck beurlauben / sich zu Ruhe begeben / vnd seinen Edicten statt geben / so wolte er gewisse Personen ernennen / die die Sach vergleichen solten / sich auch auff Königs Ferdinandi / vnd der Churfürsten Intercession also verhalten / daß seine Güte vnd Miltigkeit der gantzen Welt bekandt würde. Er wolte auch kein Feind deß Vatterlands seyn / sondern die Stände bey jhren Privilegien erhalten / vnd die jenigen / denen Vnrecht geschehen / beschützen. Sonsten were seinem Kriegsvolck befohlen / daß sie seinen getrewen Vnderthanen kein Leydt zufügen solten. Die nun durch jhren Vngehorsamb in Vnglück kämen / hetten niemands [71] anders / als jhnen selbs die Schuldt zuzumessen. (Königs Ferdinandi Schreiben an die Böheimische Stände / wegen seiner begehrten Intercession.) Mit diesem Schreiben hat auch König Ferdinandus den Böhmischen Ständen / wegen der von jhme begehrten Intercession / nachfolgender weise geantwortet: Er hette so baldt von der Zeit an / als er von diesem gefährlichen Wesen etwas vernommen / auß besonderer Lieb vnd Affection gegen dem Königreich Böheim / nicht vnderlassen / auch deßwegen noch vnersuchet / Jhre Keyserliche Majest. dahin zuvermögen / daß diesem Vnwesen bey Zeitë Raht geschafft würde: wolte auch noch ferrner solche seine Intercession forttreiben / vnd bey Jhr. Keyserl. Majest. (wo sie nur selbsten jhnen nicht verhinderlich seyen / sondern zu seinen Vätterlichen Befehlen vnd Erklärungen sich bequemen würden) daß alle Vnruhe in der Güte beygelegt würde / außrichten. (Mährische Stände kom̅en nach Prag.) Vnter diesen gewechselten Schreiben / seynd der Mährischen Stände abgesandte zu Prag ankommen / vnd haben die Böhmen zum Frieden vermahnet / darneben vermeldet / daß das Marggraffthumb Mähren / ehe es von den Vrsachen dieser Vnruhe besser vnterrichtet / die begehrte Hülffe nicht leisten köndte / dar auff jhnen die grosse Böheimische Apologj / sich darinnen zu ersehen fürgelegt worden. (Schlesische Fürstë vnd Stände versprechen den Böhm??? Hülffe.) Die Schlesische Fürsten vnd Stände / weil sie auch von den Böhmen / neben der begehrten Intercession / vmb die / wegen jhrer Vnion schuldige Hülff angeruffen worden / haben eine Versamblung zu Breßlaw angestellt / vnd nach vielfältiger Berahtschlagung / beschlossen / daß / weil sie auch in jhrer Religions Vbungen ein gute Zeit hero von den Römisch-Catholischen hart angefochten / auff jeden begebenden Fall etlich Tausendt Mann zu Roß vnd Fuß geworben / vnd davon den Böhmë eine Anzahl zugeschickt werden solte. Doch haben sie bemeldte Hülffleystung gantz allein auff den Religions Puncten gesetzt / vnd auff die Maß vnd Weise / wie es die Vnion erforderte / allerdings conditionirt / vnd vorbehalten / so baldt beyderseits Religions Beschwerden abgeholffen / vnd de amplius non turbando Sicherung gemacht seyn würde / daß alsdann die Hülffe wider ab: vnd zurück geführet werden solte. (Vermahnë die Böhmë gütliche Mittel anzunehmen.) Doch ehe sie solche versprochene Kriegshülffe fort ???eschickt / haben sie nicht allein durch sonderliche Abgesandte bey den Böhmischen Ständen / daß sie moderata Consilia vnd billiche glimpffliche Mittel nicht auß schlagen solten / Anmahnung thun lassen / sondern auch an die Keyserliche Majestät (Schlesische Fürstë vnd Stände bringë jhre Religionsbeschwerdë beym Keyser an / vnd suchen / der Böhmischë Vnruhe in der Güte abzuhelffe̅.) ein anschenliche Legation abgefertiget / bey welcher der Hertzog zu Lignitz vn̅ Brieg / Herr Johann Christian / Obrister Hauptmann in Ober: vnd Nider Schlesien mit zwey hundert Personen gewesen / die bey Keys. Majest. jhre Beschwerden / welche sie nun ein gute Zeit hero in jhrer Religion erlitten / angebracht / vnd vmb Abhelffung deroselben demütig gebeten: darneben auch wegen der Böhmischen Vnruhe deroselben zu Gemüth geführet / was für grosse Gefahr bey solchen Empörungen zu beförchten / wie offtmals bey gantzë Königreichen vnd Fürstenthumben hierdurch die grösseste Enderung sich begeben / auch wol gantze Länder zu Grundt giengen / vnd was sonsten bey dergleichen Zerrüttungen für Vngemach / ja ensserste Noth Schuldige vnd Vnschuldige außstehen müsten / inmassen dann ein jeder Krieg nichts anders / als allerley Vnheil in Religions: vnd Prophan Sachen mit sich brächte / vnd köndte kein Jammer vn̅ Vnglück so groß seyn / daß nicht hiebey zuvers???üren: Derowegen gebetten / daß J. M. den allergelindesten Weg ergreiffen / vnd solche Mittel an die Handt nehmen wolte / dardurch alle Gefährlichkeit möchten vermitten / vnd die Länder zur Ruhe gesetzt werden. Bevorab / weil auch etliche Chur: vnd Fürstliche Häuser so innständig vmb gütliche Bergleichung anhielten. (Keyser Matthias befiehlt eine Versamblung zu Breßlaw zu halten.) Hier auff hat der Keyser eine Versamblung der Fürsten vnd Stände zu Breßlaw anzustellen befohlen / mit vermelden / daß er zu ferrnerer der Sachen Beschaffenheit Erkündigung / vnd Erklärung deß Böheimischë Vnwesens seine Commissarien abordnen wolte. Nachdem nun diese Versamblung jhren Anfang (Schlesier bitten nochmalen schrifftlich den Keyser / dem Böhmischë Vnwesen in der Güte abzuhelffë / mit vermeldung / daß sie sonsten / weil es eine Religionssach seye / jhnen mit Hülff beyspringen müßten.) genommen / haben alsbaldt die Fürsten vnd Stände / als sie den Anzug deß Keyserl. Volcks nach Böhmen vernommen / den 28. Augusti an den Keyser eine Bittschrifft abgehen lassen / dieses Innhalts: Jhrer Majest. wolten die Böheimische Vnruhe vielmehr durch glimpffliche Mittel / als durch Fortstellung der Kriegsmacht zu einem friedlichen Stand bringen: derohalben dero fortgeschicktes Kriegsvolck von den Böheimischen Grentzen zurück abfordern / vnd die jenige Intention ergreiffen / welche zur gütlichë Vergleichung ersprießlich seyen / vnd dardurch das entstandene vnwesen abgewendt / vn̅ alles zu einem erwünschten ruhigen Stand wider gebracht werdë möchte. Darnach / in Ansehung dieses fürnämlich die Religionssach betreffen thu / J. M. sie nicht verdenckë wolte / daß sie jhrer / in deren zwischen denen sub Vtraque in Böhmen / vnd denen Augspurgischen Confessions Verwandten Fürsten vnd Ständen in Schlesien auffgerichteten Vnion / in Puncto Religionis, so thewer vnd hochversprochenë Hülff (doch nicht wider J. M. Keyserl. vnd Königliche Person) numehr Folge leysten / vnd mit derselben (Keyser Matthias läßt den Schlesiern anmelden / daß das Böhmische Wesen kein Religionssach seye / vnd sie deßwegë auch derselbë sich nicht anzunehmë hetten.) sich gebühr-vnd verantwortlich erzeigen müssen. Auff diß hat der Keyser etliche Commissarien nach Breßlaw abgeordnet / die in seinem Namen den Fürsten vnd Ständen fürgebracht / was massen die Böhmische Vnruh auß keinen Religionssachë / sondern allein auß Politischë Excessen jhrë vrsprung genom̅en: derhalben auch selbige die mit den Fürstë vnd Ständë getroffene Vnion nit angienge / vnd hettë sie sich mit einziger Hülffleistung der jenigë / so solche Exceß verübt / nit anzunem̅en. Auff solches Keyserliche Anbringen haben die bemelte Fürsten vnd Stände jhre Meynung dem Keyser zugesendet / nämlich daß sie nicht anders (Schlesier erkennë das Böhmische Wesen für ein Religionssach.) befinden köndten / als daß dieses alles / was bißhero im Königreich Böhmen fürgeloffen / nichts anders / als die Religion vnd deroselben Turbirung anlangete / vnd daß sie sich dahero für [72] schuldig erkenneten / den Ständen sub Vtràque in Böhmen mit Hülff beyzuspringen. (Schlesier schicken den Böhmen die versprochene volck-Hülffe.) Vnter dessen haben sie die in jhrer mit den Böhmen auff gerichten Vnion benandte Volck-Hülffe nacher Böhmen fortgeschickt. Vnd durch ein gemein Außschreiben / daß sie zu solcher Hülffleystung den Böhmen verpflichtet / deducirt / dieses Innhalts: (Lassen deßwegen ein gemein Außschreiben ergehë.) Demnach Jhre Keys. Majest. bey Jhr. Fürstl. Gn. Johann Christian Hertzogen zur Lignitz vnd Brieg / eine Zusammenkunfft der sämptlichen Fürsten vnd Ständen / nach geendtem Fürsten-Recht zu halten / die Verordnung gethan / hette derselbe / als die Stände an grosser Anzahl sich eingestellt / durch dero Commissarien anbringen lassen: Vngeachtet wie hoch Jhr. Keyserl. Majestät Authorität vnd Hochheit durch Abstürtzung der zweyer Land Officirern vnd eines Secretarij offendirt worden / hetten sie doch an jhrer Vätterlichen Vorsorg gar nichts erwinden lassen / damit alle Kriegs Empörung abgewendet / vnd durch den ordentlichen Weg Rechtens diesem Vnwesen abgeholffen werden möchte / auch deßwegen den Ständen in Böheim durch offentliche Patenta angekündiget / daß sie bey jhren Privilegien vnd Majestätbrieff solten gelassen / vnd jhre Gravamina abgeschafft werden / derohalben sie vermahnet / von den Kriegsverfassungen abzustehen / vnd das geworbene Volck zubeurlauben / welches er gleichfals zu thun sich anerbotten. Aber die Stände hetten nicht allein dieses alles hindan gesetzt / trotzige vnd bedröwliche Antworten gegeben / sondern auch eyferig zu den Waffen gegriffen / vnd von Tag zu Tag mit mehrerm Volck sich gestärcket: also daß Jhre Majestät dannenhero verursachet worden / jhr geworbenes Kriegsvolck in Böhmen fortzuschicken / wiewol Jhr. Majest. daß sie dero Edicten Folge leysteten / die Waffen niderlegten / vnd von ferrnern Thätlichkeiten abstünden / die Stände nochmals ehe solch Volck fortmarschirt / ermahnen / Keyserliche Perdon / da sie solches thäten / offeriren / vnd außdrücklich daß sie zu keiner Tractation in Entstehung dessen einwilligen köndten / andeuten lassen. Darnach hette Jhre Keyserl. Majest. durch 18. Motiven angemeldet / sampt das Böhmische Wesen keine Religions Sach were / vnd also die mit den Fürsten vnd Ständen in Schlesien getroffene Vnion nicht angienge / derowegë den Fürsten vnd Ständen nicht gebürete / sich der jenigen / so solche Exceß verübet / weder auß der Vnion / noch jhren Eyds-Pflichten / mit einziger Hülffleystung anzunemmen. Nun hetten Fürsten vnd Stände diese Jhrer Keys. Majest. gethane Erinnerung in reiffe Berahtschlagung gezogen / vnd erinnerten sich darbey / was sie hiebevor durch Schrifften vnnd Gesandschafften Jhr. Keys. Majest. zu Gemüth führen lassen / was nemlich für grosse / offters auch vnwiderbringliche Gefahr bey solchen Empörungë zu beförchten / wie offtmals bey gantzen Königreichen vnnd Fürstenthumben hierunter die gröste Veränderungë sich begeben / auch wol gantze Länder zu Grund giengen / vnd was sonsten bey dergleichen Zerrütigkeiten für Verderb / Vngemach / ja eusserste Noth schuldige vnd vnschuldige außstehen müßten: Inmassen dann ein jeder Krieg nichts gewissers / als gäntzliche Verwüstung deß Lands / Zerrüttung deß Religion-vnd Prophan-Friedens / der Justitz / aller guten Constitutionen vnd Ordnungen / Zucht vnd Erbarkeit / auch deß Respects der Vnderthanen gegen Jhre Obrigkeit / Steckung aller Commercien vnd Handthierungen mit sich bringe / vnd köndte kein Jammer vnd Vnglück so groß seyn / das nicht hiebey zuverspüren: Derowegen dann Allervnderthänigst gebeten / Jhr. Keys. M. wolten den allergelindesten Weg ergreiffen / vnd solche Mittel an die Handt nehmen / dadurch alle Zerrüttung vnd Gefährligkeit möchten vermitten / vnd die Länder zu Ruhe gesetzt werden / bevor ab weil auch etliche hochansehenliche Churfürstliche Häuser so embsig vnd inständig vmb die gütliche Interposition anhielten / vnd deßwegen alles Fleisses sich bemüheten. Es hetten auch Fürsten vnd Stände nicht vnterlassen / durch Abgesandte bey den Böhmischë Ständen / daß sie moderata Consilia, vnnd billiche glimpffliche Mittel nicht außschlagen solten / fleissige Anmahnung zuthun. Nun aber were gleichwol nicht allein auß solcher Gesandten Relation / sondern auch auß etlichen zugeschickten Schreiben / auch mündlichen Berichten / die sie durch jhre vnterschiedliche abgeordnete Personen / im Mittel der Fürsten vnd Ständen thun lassen / so viel zuverspürë gewesen / daß sie sich dahin erklärt / daß sie Jhr. Keys. Majest. getrewe / gehorsame vnd beständige Vnderthanen seyn vnd verbleibë wolten / daß jhnen auch die Allergnädigste Keyserliche Resolution / darinnen Jhr. Keyserl. Majest. angedeutet / durch ansehenliche Commissarios diesem Vnwesen abhelffen zulassen / in aller Vnderthänigkeit gantz angenehm were / vnnd sie mit hertzlichem Verlangen darauff warteten / inmassen sie dann deßwegen an König Ferdinandum, so wol auch an den Ertzhertzogen Maximilian gantz beweglich geschrieben / vnd Jhre Keyserl. Majest. noch weiter zu solchen gütlichen Mitteln zubewegen gebeten: So hetten sie auch die von Chur: vnd Reichs Fürsten beschehene Interposition mit sonderm Danck beliebet / selbsten innständig durch jhre Gesandte darumb angehalten / wie nämlich die gütliche Tractata mit ehestem ins Werck gestellet vnnd effectuirt werden möchten: Daß sie aber von der auffgerichteten Defension / ehe sie der gütlichen Tractaten vnnd Mitteln / auch Abhelffung der Religions-Bedrangnuß vnnd deß Majestät-Brieffs genugsamb gesichert würden / nicht abstehen köndten / geschehe allein vmb der Fried: vnnd Religionhässigen Räthe willen / deren theils baldt Anfangs sich nicht allein von dem Majestät-Brieff / sondern auch von der Vergleichung mit denen sub Vna, auch der erfolgten Amnistia selbsten gantz außgeschlossen / vnnd dardurch wie sie gegen denen sub Vtraque vnnd dem Majestät-Brieff affectionirt, [73] mehr als gnugsam an Tag gegeben / theils sonsten an Vervnruhigung der Religionsverwandten ein hertzliches Gefallen getragen / auch wider die Religion je mehr vnd mehr zu practiciren nit vnderlassen: vnd ob wol von Jhrer Keys. Maj. angedeutet worden / mit glimpfflichen Mitteln zu verfahren vnd diesem Vnwesen vätterlich abzuhelffen / so weren doch solche dergestalt nicht zu verspüren gewesen / daß solche zu Abhelffung vnd Assecuration deß Religionwesens gerichtet / inmassen dann dergleichen in keinem Patent noch Außschreiben zu befindë: vielmehr müsten sie mit sonderm Kummer vnd Schmertzen vernehmen / daß J. Key. Maj. in diese Gedanckë gebracht würden / samb dieses keine Religions Sachen weren / daß auch die Zerschleiffung der newauffgebawten Kirchen zu Clostergrab / vn̅ die gefängliche Einziehüg der Vnderthanen zu Braunaw / dë Majestätbrieff nit angiengen / vnd daß J. Key. Mai. die Rebellen zum Gehorsam bringë wolten / in massen dann bey Jhrer Key. Maj. Erklärung die Stände für Rebellen erklärt werden wollen / da sie doch vor Gott vnd aller Welt bezeuget / daß sie Jhrer Keys. Maj. getrew zu seyn vnd zu verbleibë / auch bey derselben / wann jhnen nur gnugsame Assecuration in puncto Religionis erfolgete / vnd die schädliche Räthe abgeschafft würden / Gut vnd Blut zuzusetzen begierig weren: vnd daß auch in der Zeit das Keyserische Kriegsvolck gewaltsamer Weiß in das Königreich eingefallen / viel arme Leut vnschuldiger Weiß vmbs Leben gebracht / vnd also viel vnschuldig Christen Blut vergossen / darbey dan̅ auch der kleinesten Kinder / so an der Mütter Brüsten gelegen / nit verschonet / sondern dieselbë von einander gehawen vnd dë Müttern also vorgeworffen worden: wie sie dann auch viel Flecken vnd Dörffer in die Aschen geleget / vnd also mit Rauben / Morden / Plündern vnd Brennen / ohne Vnderscheid / was für Religionsverwandten solcher Schadë betroffen / feindseliger Weiß verfahrë worden / dardurch dan̅ keine gütliche Mittel in effectu, sondern endliche Ruin vnnd Verwüstung deß Königreichs Böheimb offentlich / mit Vertilgung vieler vnschuldiger Seelen zu vermercken. Vnd ob wol bey Jhrer Keys. Majest. die Böhmische Ständ vnder dato 29. Augusti alles vnderthänigsten Fleisses gebetten / weil sie deß liebë Friedens begierig weren / J. Key. M. wolten den Fortzug deß Kriegsvolcks allein inhibiren / alle feindselige Thätlichkeiten einstellen / obgedachte Erklärung cassiren / vnd die angedeutete gütliche Mittel durch die Interposition befördern lassen / so were doch solchem jhrem Bitten gar nicht statt gethan worden / sondern es befinde sich / daß alles noch in den höchsten Extremiteten beruhe / in dem Jhre Keys. Maj. dero Kriegs Macht wider zu rück zu fordern / oder ein beständigen Anstand zu machen / sich biß dato nit entschlossen / von jhnen den Ständen aber die Disarmirung einë Weg als den andern von erst erfolgen / vnd nachmalen wegen gütlichen Tractats vnnd Composition eine Resolution erwartet werdë solte / auch würde deß Religionwesens vnd deren Assecuration / in gleichem wegen der bösen Räthe das wenigste nicht gemeldet Hergegen aber hetten die Stände mit Originalien zu belegë / daß die Jesuiten in jren consiliis nit zum Frieden / sondern zum Krieg rathen theten / mit Vorgeben / jetzo were die gewünschte Zeit / das Königreich Böheimb vnnd die Länder zu vberziehen vnd sie vmb den Majestätbrieff vnd priuilegia zu bringen / sc. Welches Jhrer Key. Maj. Fürsten vnd Ständ Augspurgischer Confession darumb bey Anregu̅g deß ersten Puncts der Keyserlichen Proposition etwas weitläufftiger andeuten wollen / damit Jhre Key. Maj. vmb so viel desto beständigere Nachricht haben möchten / was die Stände in Böheim gleichwol auff dieses / daß Jhr Key. Maj. alle mögliche zu Glimpff vnd Güte gerichtete Mittel vorgeschlagen hette / vnd daß die Stände jhres Theils solche gar nicht eingehen wollen / vor vnd einwenden theten. Die gehorsamen Fürsten vnd Stände Augspurgischer Confession wolten zwar hertzlich wünschen / daß baldt Anfangs den Religions-Betrangnussen in Böheimb gebührlichen abgeholffen / die sub vtraq; bey dem Majestätbrieff vnd der Vergleichung sub vna geschützet / vnnd da je was zweiffelhafftigs gewesen / beyderseits an gehörige Ort zum versprechen gewiesen / vnnd nicht baldt ante sententiam mit der Execution / beydes in Zeschleiffung der Kirchen zu Clostergrab / vnd mit gefänglicher Einziehung der Vnderthanen zu Branaw were verfahren / vnd also zu solchen grossen Extremiteten von denen / die vielleicht nit gefallen hetten / daß beyderseits Religionsverwandten in Fried vnd Einigkeit beysammen wohnen solten / Vrsach gegeben worden. Weil es aber in diesen Zustand nunmehr gerathen / vnd demselben füglicher nicht / als durch die Anfangs von Jhrer Keys. Maj. vorgeschlagenen gütlichen Tractaten abzuhelffen / auch gantz vnmüglich schiene / wann man beyderseits auff den extremis beruhen / vnnd durch Kriegsmacht dieser Sachen ein Außschlag gegeben werden solte / daß nicht das Königreich Böheimb / vnd die incorporirte vnnd andere annahende Länder darüber gäntzlichen erschöpffet vnnd verderbet würden / auch als dann schuldige vnd vnschuldige zugleich leyden vnd vndergehen müsten: Als bitten diesem nach Jhr. Keyserl. Majest. die gehorsame Fürsten vnd Stände abermals / Jhr. Keys. Majest. wolten doch Jhre Keyserliche vnd Königliche Gnaden / Milte vnnd Sanfftinut nicht gantz verschliessen / die Vnschuld vieler Christen vnnd sonderlich derer Länder / die jederzeit in standhaffter Trewhertzigkeit / Gut vnd Blut / vnd alle das eusserste bey Jhr. Keys. Maj. vnd dero Vorfahren willig zugesetzet / aller gnädigst behertzigen / auch der Chur-vnd Reichs Fürsten trewe Intention in gnädigste Acht nemen / vnd zu solchen Mitteln sich bewegen lassen / die zu Ruhe Fried vnd Wolstandt der Länder nutzlich / zu Hinlegung dieses Vnwesens dienlich / vnd dardurch den Religionsbeschwerden gäntzlich abgeholffen werden möchte. Was nun den andern Punct in der Keyserlichen Proposition anlangte / darinnen Jhre Keys. [74] Majest. durch etliche Vrsachen die Fürsten vnd Stände Augspurgischer Confession anermahneten / daß vngeacht der zwischen den Ständen in Böhmen vnd Fürsten vnd Ständen in Schlesien auffgerichte Vnion / sie sich in dieses Vnwesen einzumischen / oder mit einiger Hülffleistung den Ständë zu willfahrë nit befugt weren: da setzten Fürsten vn̅ Stände in keinë Zweiffel / J. Key. Mai. würde ingedenck seyn / was sie deroselben / so baldt die Vnruhe in Böhmen erschollen / jhren Pflichten nach zu Gemüth geführet / nemlich daß vielfältig zu beweisen / daß auß schwerë Religions vnd Gewissenszwang / vnd sonderlich warüber Königliche vnd Keyserliche Priuilegia vnd Concessiones außgangen / endlich nichts anders in einem Land zu gewarten / als desselben endliche Zerrüttung / Verwüstung / grosse Empörungen / mutationes vnd der gäntzliche Vndergang / darneben so hetten Jhrer Keys. M. die gehorsamen Fürsten vnd Stände auch ferner durch viel Vmbstände zu erkennen gegeben / wie nemlich dieses Vnwesen auß der Religion seinen Anfang geschöpffet / vnd wie von Jahr zu Jahr die Beträngnuß vberhand genommen / daß endlich diese extrema darüber erwachsen / vnd dannenhero gehorsambst gebeten / Jhr. Keys. Maj. wolten aller gnädigst dahin sinnen / wie den Religionsverwandten in Böhmen vnd Schlesien / schleunige Satisfaction / vnd gnugsame Assecuration in puncto Religionis erfolgen / dardurch allen Beschwerlichkeiten abgeholffen vnd alles widerumb in guten Frieden vnd Wolstandt gesetzet werden möchte / vnd diese jhre trewhertzige Intention desto mehr zu erweisen / hetten an J. Keys. Maj. sie mit grossem Vnkosten eine Absendung geschlossen / vnd durch folche obgesetzte Petition ferner vrgiren / auch vmb gute Satisfaction zum fleissigsten anhalten lassen; wie sie dann in gleichem auch den Ständen in Böhmen / daß sie nemlichen schuldig weren / allen moderatis consiliis vnd mediis sich zu bequemen Erinnerungë gethan / alles zwar zu solchem End / damit in J. Key. Maj. Königreichen vnd Landen / vnder beyderseits Religionsverwandten aller Mißverstandt auffgehaben / hingegen gute Vertrawlichkeit erhalten / auch zu Jhrer Key. M. selb. sten vnd der Land gutem Auffnehmen vnd Wolstand / der Fried vnzerrüttelt bleibë / vn̅ die Einheimischen Empörungen gestillet werden möchten. Vnd damit Jhrer Keys. Majest. noch vmb so viel mehr klar gemacht würde / daß die in Böhmen entstandene Vnruhe auß nichts anders / als auß der Religion herrühre / vnd das Leut seyn müsten / die offters nur auß Neydt der Religion / an Vnruhe der Länder gleichsam ein Frolocken hetten / vnd solche wo sie wissen vnd könten / stifften vnd befördern helffen. Sie hetten ferrner Jhrer Keys. Majest. vnderschiedlich referiret / was es für einen Zustandt in Religions Sachen von etlich Jahren hero in Schlesien gehabt / vnnd wie schwere Beträngnuß die Augspurgische Confessionsverwandten erduldet hetten / vnd weil Jhr. Key. Majest. durch jhren Abgesandten sich gnädigst anerbieten lassen / vber der Länder Priuilegien zu halten / so hetten die gehorsamen Fürstë vnd Stände wol verhoffet / J. Key. M. würden deß Königreichs Böhmen vnd dieses Landes bey nechster Absendung vorgetragene Religions Beschwer / darfür erkant vnnd gnädigst befunden auch alles dahin gerichtet haben / daß zum ehisten solchem rath geschafft / vnd mit gewüriger Assecuration denselben were remediret worden / bevorab weil Jhrer Keys. M. allergn. bewust / in was Coniunction vnd Vnion in puncto turbatae Religionis die Stände in Böhmen sub vtraque mit den Fürsten vnnd Ständen in Schlesien verbunden / vnnd wie sie beysammen zu halten schuldig weren. Es befinden aber Fürsten vnd Stände erstlich auß der Keyserlichen Proposition / daß Jhrer Key. M. dieses wolte eingebildet werdë / als ob die Vnruhe in Böhmen gar nit auß der Religion herrühren könne / daß auch kein Offension erweißlich / vn̅ daß die Zerschleiffung der Kirchen zu Clostergrab / wie auch die Bestraffung der armë Leut zu Braunaw / vnd was dergleichen mehr were; den Majestätbrieff nicht angienge: dann vnd fürs ander in Jhrer Key. Maj. jüngsten der Fürsten vnd Stände Abgesandten auff die Religions Grauamina ertheilten Resolution / daß angeregte Grauamina keiner Importantz geachter / sondern dahin angesehen worden / als wann in denselben nichts wider Recht vnd Billichkeit geschehen were. So viel nun die erste Erwegung der Stande in Böhmen Praetension betreffe / were es gantz vnverneinlich vnd notorium, daß die Kirch zu Clostergrab allererst / da die armen Leute solche gantz auffgebawet / zerschleifft worden; in gleichem daß etliche Bürger zu Braunaw in gefängliche Hafft genommen / jhnen die Schlüssel in die Böheimische Cantzley einzulieffern befohlen worden: daß auch als die Defensores zusammen kommen / vnnd dieses Religionwerck berathschlagen wollen / man Jhre Keyserl. Maj beredet / samb dieses Werck wider Jhrer Keys. Maj. eygene Person vnd Hochheit angesehen / vnd dannenhero so hochbedräwliche Befelch an die Defensores außgegangen / inmassen dann die jenige / so der Religion zu wider / diese sondere Art hetten / daß sie auß Religions Sachen Rebellion vnd Politische Exceß der höchsten Obrigkeit einzubilden pflegten: daß auch wie der Rath der alten / newen / vnd kleinern Statt Prag selbsten gestünde / man die Defensores trennen wollen / in dem sie auß jhrem Mittel auff Erforderung der Defensoren niemanden abzuschicken anermahnet worden: daß man auch solche Instructiones gegeben / daß ohn den Keyserlichen Richter (zu welchem Ampt stets Römisch-Catholische gebraucht wordë) die sub vtraque nit zusammen kommen solten / vnd daß in jetziger Keyserlichen Proposition / die Zerschleiffung der Kirchen zu Clostergrab gebillichet / vnd für eine Religions Turbation nit wolte gehalten werden / ja daß man vorgeben dörffte / Keyser Rudolphus hette nicht macht gehabt / den Majestätbrieff zu geben / derselbe were vi & dolo außgewunden worden: daß auch die Stände in Böhmen klar von sich schrieben / samb sie die Originalia bey [75] Handen / in welchen die Jesuiten schreiben vnd rathen helffen / wie auch vorgedacht / jetzt were Zeit / das Königreich Böhmen zu vberziehen / sie vmb die Majestätbrieff / Freyheiten vnd priuilegia zu bringen: Endlich daß auch auff offentlichen Cantzeln die Religionsverwa̅dte zu wider dë Majestätbrieff / angetastet/vnnd allerhand Aufflagen vnd Schmähungen jhnen begegneten. Daß aber nun diese vn̅ andere Beschwerlichkeiten nichts anders als Religions turbationes vnnd Verfolgungen weren / hetten Fürsten vnnd Stände nach jhren Pflichten anders nit befinden können / vn̅ gebe jhnen mit wenig Kummer / daß solche schwere Verhinderungë der Religion / vn̅ derer freyen Vbung / von Jhrer Keys. Maj. Räthen nit wolten für Religions Sachen vn̅ Betrangnussen erkennet vnd gehalten werden: worauß dann erschiene / daß die Stände in Böheimb sub vtraque nit vnbillich jhren Betrang der Religion anzögen / vnd solche den Fried vnd Religionsgehässigen Räthen zu schrieben. Vnd könte nunmehr nicht verneinet werden / sondern es were klar vnd offenbar / das Kirchen zerschleiffen / vmb Auffrichtung der Kirchen vnd Vbung deß exercitii Religionis die Leut mit Gefängnuß zu straffen / die Schlüssel zu den Kirchen abzufordern / vnd dergleichen mehr / anders nichts als Religionsbeschwerungen weren: welches alles nunmehr auch dahero erweißlich / daß die Stände in Böhmen vor Gott / Jhrer Keys. Maj. vnd der gantzen Welt bethewreten / daß sie Jhrer Key. Maj. vnd gehorsame Vnderthanen verbleiben wolten / vnd bey derselben Gut vnd Blut zu zusetzen / wann jhnen nur Assecuration in puncto Religionis erfolgete. Dannenhero weil sie keine Weltliche vnd Politische Sachen vnd praetensiones vorgebë / sondern allein vmb Assecuration (die Jhrer Keys. Maj. zu vollziehen gar nit schwer) anhielten / hetten Jh. K. Maj. vmb so viel mehr zu erkennen / daß es den Ständen allein vmb die Religion vnd derselben Sicherung zuthun. Gleich vnd ebenmässige Beschaffenheit hette es fürs ander mit den Beschwerden / so Fürsten vnd Stände Augspurgischer Confession in puncto Religionis die Zeit hero erlitten / vnd fast bey allen Absendungen Jhrer Key. M. vorgetragen vnd vmb Remedirung gebetten / wie dann solcher Deductionen / Klagen vnd Schrifften der Schlesischen Expedition genugsamb zu befinden / vnd derowegen vnnöthig / solche allhie widerumb zu erholen. Vnd hetten Fürsten vnd Stände jederzeit der Zuversicht gelebet / daß demselben durch eine dem Majestätbrieff gemässe Resolution hette sollen abgeholffen werden. Daß nun aber diesen Religionsbeschwerden nit allein nit abgeholffen / sondern noch / was hinc inde für Turbationë ergangen / gebillichet wordë / were auß Jhrer Keys. May. newlich ergangener Resolution mit mehrerm zu befinden. Dan̅ fürs erste würde in solcher Resolution auff ein blosse Assertion deß Catholischen Parts / die Religions-Sachen für einë Politischen Exceß angenom̅en. Vors ander würde das gantz negociü Religionis nit auff den Buchstaben deß Majestätbrieffs fundiret / sondern auff Bericht der Com̅issarten / vnd auff Jhrer Key. Maj. darauff erfolgende Resolution. Da doch J. Keys. Maj. sich aller Befehl / Rescript / Commissionen / Resolutionen gantz begebë / vn̅ dieselbe annulliret. So were auch jederzeit für ein sonders Lands Grauamen gehalten worden / daß man commissiones angesetzet / nach Hoff berichtet / vnd darauff offters gantz beschwerliche Resolutiones außgebracht: welches auch Keyser Rudolphus abzustellen sich erkläret / in vnderschiedenen Resolutionen: wie in gleichem jetztregierende Keys. Maj. Vnd begreiffe der Majestätbrieff klar diese Wort; Auff daß niemanden hieran etwas verhinderliches seyn möge / so thun wir hiermit alle Befelch vnd Mandata gäntzlich auffheben vnd cassiren. Vnd widerumb: Wan̅ wider solchen Religionsfrieden vnd die Assecuration / einige Befelch oder etwas dergleichen / so dessen geringste Verhinderung vervrsachen möchte / außgienge / solte solches vnkräfftig seyn. Vors dritte würde auch für grausam erachtet / wann eines Orts Hauptmann / da er gleich Catholisch / Jhrer Keys. May. die Beschaffenheit (so doch den Religionszwang concernirte) berichtete / daß auch darauff schwere Execution erfolgete / die Leut ins Elend verjagt vnd verderbet würden. Fürs vierdte wolte der Majestätbrieff dahin gezogen werden / daß man sehen müste auff das ius patronatus, welches doch so hell vnd deutlich in dem Majestätbrieff aller Ort auffgehaben. Es wolte auch zum Fünfften ein Respect auff den loci ordinarium implicite eingeführet werden / welchen doch Fürsten vnd Stände Augspurgischer Confession niemalen das wenigste einraumen wollen. Endlichen würde auch auff der Catholischen Obrigkeit Bericht mehr / als auff den Majestätbrieff gesehë / da doch die Religions grauamina fürnemlich auff dem bestünden / daß der Majestätbrieff für recht vnd billich außgesetzt / daß aller Ort vnder Geistlicher vnd Weltlicher Obrigkeit Kirchen zu bawen den Vnderthanen Augspurgischer Confession zulässig / daß auch aller Orthen in Schlesien wegen der Religion die Leut / wie von Emptern / also auch von Bürger-vn̅ Meister Rechten nicht außzuschliessen / weil solches zu Vnterdruckung vnd Vertilgung der Augspurgischen Confessionverwandten gelangete / da doch selbigë der Majestätbrieffan allen Orten ein freyes exercitium jhrer Religion mit predigen vnd anderm Gottesdienst vnverhindert zu liesse. Vnd könten hiergegen keine priuilegia, welche vor dem Majestätbrieff die Catholischen außgebracht / angezogen werden / weil alle solche colores, die zur Turbation der Religion Augspurgischer Confession dieneten in dem Majestätbrieff gantz abgeschnitten / wie dann auch den jenigen / denen die Kirchen seithero dem ergangenen Majestätbrieff gesperret worden / solche billich widerumb eröffnet / vnd das Religionwesen in vorigen Stand gerichtet werden solte. Es würden aber diese Puncten in Jhrer Majest. Resolution vbergangen / vnd das gantze Religionwesen theils auff dilationes, theils auff vnzulässige commissiones, theils auff Par [76] theyische Bericht vnd auff solche Wege / dardurch den Religionsverwandten je mehr vnnd mehr Grauamina zugezogen würden / gerichtet. Vnd weil dann nun aller Welt bekant were / daß dieses alles / was bißhero angezogë vnd erzehlet worden / rechte Religions grauamina weren / vnd gantz vnverneinlich were / daß so wol in Böhmen / als in Schlesien / die Religion an vnderschiedenen Orthen hart angefochten worden / in jetziger Keyserlichen Resolution auch / gar nicht der gebettenen Assecuration / solche diesen Landen / oder den Ständen in Böhmen widerfahren zulassen / Meldung geschehe / darumb doch bey Jhrer Keys. Maj. Fürsten vnd Stände so fleissig angesucht / vnd in specie die Vntertruckung der Religion zu aller Notturfft außgeführet / so würde verhoffentlich J. Key. Maj. Fürsten vnd Stände nit verdencken / daß sie dieses praestirten vnd hielten / was sie den Ständen in Böhmen in der Vnion an Eydsstatt zugesagt / vnd auff so ansehenliche Jhrer Maj. Ratification verbunden worden / weil ein jeder vermög Göttlicher vnd Weltlicher Rechte / das jenige zu halten vnd fortzustellen schuldig / was er mit gutem Bedacht an Eydts statt / auch bey Trew vnd Glauben zugesagt; oder er hette im widrigen Fall anders nichts / als die gewisse Straff Gottes zu gewarten / deren die gehorsamen Fürsten vnd Stände sich fürsetzlich theilhafftig zu machen / darneben jhren Nahmen / Ehr vnnd Beständigkeit / in einmal bewilligten vn̅ beschlossenen Hülffen schmählich zu schwächen / jhnen keines Wegs gegen der Christenheit / dahin diese Conjunction weit vnd breit erschollen / auch der Posteritet ohn sondern bösen Nachklang / nit verantwortlichen seyn würde. Es wolten aber Fürsten vn̅ Stände Augspurgischer Confession / hiermit offentlich vor Gott Jhrer Key. Maj. vnd der gantzen Welt protestirt vnd bedinget haben / daß allein in puncto Religionis diese Hülff von jhnen gemeinet / vnd gar nicht wider Jhrer Majest. Person / sondern wider die Turbatores pacis publicae angesehen seye / vnnd daß diese Hülff außtrücklich nur dahin zu verstehen / daß Fürsten vnnd Stände hierdurch sich eines mehrern / als was die Vnion besagte / vnd darauff sie sich allein verbunden / vn̅ sonderlich dessen / was die Stände in Böhmen beschuldiget werden wolten / so weit solches die Religion nit angienge / gar nit angemasset haben wolten. Dannenhero Jhr Key. Majest. die Motiven / vnd sonderlich was bey der eylfften angegeben würde / auff Fürsten vnd Stände zu ziehen verhoffentlich nit Vrsach haben würden: So weren auch gegen J. Key. Maj. Fürsten vnd Stände Augspurgischer Confession vnderthänigst erbietig / so baldt den Ständen in Böheimb sub vtraq; vnd diesem Land ein billiche vnd gewisse Satisfaction vnd Assecuration in puncto Religionis amplius non turbandae, vnd den Majestätbrieff in seinen Articuln / Clausuln vnd Puncten / ohn einige Deutung / oder andere widrige Resolutiones vnverbrüchlich zu halten / beschehen würde / daß sie alsdann jhre Hülffer widerumb zu rück fordern wolten / sc. Dieser Erklärung der Schlesier / vnd der von jnen den Böhmischen Ständen geschicktë Hülff / hatte sich J. M. Keyser Matthias nit versehë / wëdete derhalbë alle Mittel an / die Schlesischen Fürsten vnd Stände Augspurgischer Confession wider auff ein andern Sinn zu bringen. Zu solchem End hat er im Wintermonat ein andere Zusammenkunfft zu Breßlaw anstellen lassen vnd durch seine Commissarien begeret / den angeregten / nach Böhmen geschickten Succurß / wider zu rück zu fordern / auch darbey durch vielfaltige Motiuen / daß selbige Händel keine Religions Sach weren / außgeführet / aber doch nichts außrichten können: dann die Schlesier blieben auff jrer vorigen Meynung / vnd gaben dem Keyser zu verstehen / daß sich jhre Hülff nicht weiter / als den Religions frieden vnnd Majestätbrieff zu erhalten erstreckte; baten darneben daß Jhre M. einen Stillstand vnd Suspension der Waffen biß zum Außschlag der Interposition anordnen wolten; mit vermelden / die gantze Sach bestünde nur auff Abhelffung der grauaminum vnd Assecuration de amplius non turbando. Darbey sie auch etliche Particulariteten / sie die Schlesier betreffend / als daß der Majestätbrieff bey jhnen auch disputiert / die Religionsverwandten von Officiis gestossen würden / vnd dergleichen mehr mit eingebracht. (Schlesien.) Weil sich nun hiermit das jenige / was dieses Jahr vber in Schlesien vorgangen endet / wollen wir jetzo auch selbige Landschafft ein wenig durchlauffen vnnd jhre Gelegenheit besehen. Es ist Schlesien oder die Schlesing eine herrliche Landschafft / stosset gegen Auffgang vnd Mitternacht an das Königreich Polen vnd Vngarn / von welchem Letzten es durch das Vngarische Gebürg / darbey die Jabeluncka / vnderscheiden wird: gegen Nidergang an Laußnitz vn̅ die Brandenburgische Marck: vnd gegen Mittag an Mähren vnd das Sudetische Gebürg / welches gleichsam / als mit einer Mawren / dieses Land von Böhmen abscheidet: wird auch sonstë das Böhmische-Riesen oder Schneegebürg genennet / weil es fast durchs gantze Jahr mit Schnee bedeckt ist. Die Länge deß Lands wird etwas vber 40. vnd die Breite auff 20. Teutsche Meilen geschätzet. Hat einen sanfften vnd gelinden Lufft / jedoch etwas kalt. Ist ein gut fruchtbar Land / weil es hin vnd wider mit vielen bequemen Wassern benetzet wirdt / darunder die vornembste sind die Oder / Olaw / Oelsa / Neuß / vnd Ostra. Es gibt auch an etlichen Orten viel Metall / als Golt / Silber / Eysen vnd Bley. Das gantze Landt wirdt abgetheilet in Obervnd Nider Schlesien; vnd diese zwar grentzet an Polen vnnd die Brandenburgische Marck: Jene aber an das Sudedische vnd Carpatische Gebürg. Heutiges Tags wirdt es in gemein abgetheilet in sechtzehen Fürstenthumb / nemlich in das Breßlawer / Schweidnitzer / Jawerer / Gloggawer / Sagener / Troppawer / Oppelner / Ratiborier / Teschener / Neysser / Lignitzer / Brieger / Münsterberger / Olsser / Jägerndörffer vnd Crossener. Vnder diesen haben das Brieger / Lignitzer / Olssener / Teschener Fürstenthumb annoch jhre Hertzogen. Das [77] Neysser aber ist von dem Bischoff Jaroslao auß Haß gegen seinem Bruder Henrico Barbato / dem Breßlawer Bisthumb auff ewig zugethan worden. Die Fürstenthumb Crossen vnd Jägerndorff erkennen die Brandenburgische Marggraffen für Jhre Herrn: Die vbrige Fürstëthumb sind zum theil durch Lehens Gerechtigkeit / zum theil auff andere Weiß den Königen in Böhmen heimgefallen. Ohne die Fürstenthumb sind in Schlesien noch vier freye Herrschafften / nemblich Wartenberg / Melitsch / Plessen vnd Trachenberg. (Böhmen werden bezüchtiget daß sie den Türcken vmb Hülff angeruffen.) Wir gelangen nun wider auff den Verfolg der Böhmischen Händel. Vnder obgesetzten Handlungen in Schlesien ist von dë Böhmischen Ständen ein Geschrey erschollen / ob solten sie von dem Türckischë Keyser Hülff / vnd einen Einfall in Vngarn zu thun begeret haben. Jhre Vnschuldt nun darzu thun / liessen sie deßwegen zu Prag Patenten anschlagen / vnd zugleich auch an Jhre Durchl. den Churfürsten von Sachsen ein Schreiben abgehen / nach folgendes Inhalts; Sie weren zwar neben andern jhren Trübsalen vielfältig bey Jhrer Key. M. vnd andern Fürsten vnschuldig verlästert worden: Vber solches aber würde noch boßhafftig von jhren Widerwärtigen außgesprenget / als wenn sie deß Türcken Hülff angeruffen / vnd jhn in Hungarn einzufallen angereitzet hetten: Wie dann solcher Schreiben Copey dem Keyser vberschicket were. Sie bitten aber / er wolte diesen vnd andern calumniren keinen Glauben zustellen / dann es were auch jhrer Religion zu wider / mit dem Türckë zu correspondiren / oder Jhne zu der Christen verderben anzureitzen. Vnd wo je dergleichen Schreiben vorhanden / müste etwan Jhr Insigel von intercipierten Schreiben abgerissen / vnd also mißbrauchet seyn worden. Wie dann dergleichë bey Pilsen vorgangen / da Jhre Insigel von den Patenten abgerissen / vnd auff andere gehencket worden / mit welchë hernach die Pilßner im Reich Volck geworben. Es könte nicht anders seyn / jhre Widersacher hetten / wie in anderm / also auch in diesem jhr Müthlein gekühlet. Klagten endlich auch vber deß Keyserlichen Commissarien Caans Beginnen / als auß welchem / worauff dieses alles angesehen / vnd daß es nichts / als ein Religions Krieg were / gnugsam abzunemen. (Böhmen suchë Hülff bey den Holländern.) Es haben aber etliche darfür gehalten / daß weil dieser Zeit die Böhmische Stände bey Graff Moritzen vnd den Staten der vereinigten Niderlanden vmb Hülff angesucht / welche jnen auch in voller Versamlung gedachter Staten im Haag / an Gelt vnnd Volck / verwilliget worden / solches vielleicht anders vnnd vom Türcken außgeleget worden. Es wirdt aber hierin dem Leser sein iudicium gelassen. (Der Böhmischen Ständt Schreiben an den Keyser/) Bald hierauff / als die Keyserische mit Morden vnd Brennen vnd allerley Tyranney je länger je ärger gehauset haben die Stände / vnder dato den 25. Sept. wider ein Schreiben an Keys. Maj. abgehen lassen / dieses Inhalts; In was für einen Zustand das Königreich gerathen / vnd was das Keyserische Kriegsvolck für (das kriegsvolck wider abzufordern vnd den gütlichen Tractaten einen Fortgang zu machen.) Tyranney verübe / hetten sie Jhrer Maj. hiebevor angedeutet: Sie hetten auch vermeldet / daß sie die Friedens Tractaten annemen vnnd sich darzu bequemen wollen / wann sie nur Jhre Maj. ver???chern würde / daß sie vnder wehrender solcher Tractation ohne Gefahr seyn könten / vnd sich vor der Soldaten Vberfall nichts zu besorgen hetten. Inmittels aber ehe jhnë auff solche Schreiben Jhrer M. Antwort zu kommen / weren der Stände deß Marggraffthumbs Mähren Abgesandte zu Prag angelanget / vnd den Ständen vorgetragen / welcher massen die Stände deß Marggraffthumbs Mähren / als das vornembste Glied dieses Königreichs darumb Sorg getragen / vnd bey Jhrer Key. Maj. anhalten solten: damit Jhr. M. zu Gnaden bewogen / vnd diesem Königreich auß der Beschwernuß / darinnen es schwebete / geholffen werden könte. Diese der Mährischen Stände Vorsorg hetten sie danckbarlich angenommen: Selbige hetten jhnen zwar auch etwas Schuld gegeben / als wan̅ Sie / Böhmische Stände / die Keys. vnd Kön. Würde vnd Hochheit offendiren soltë oder wolten. Darauff gebë sie zur Antwort / daß jhnen solches niemalen in Sinn kommen: Allein was sie darzu gebracht / daß Sie etlicher Sachen vnvmbgänglicher Notturfft nach zu dem / was bißhero vorgangen / schreiten müssen / jedoch bey solchem allem J. M. Jhren allergnädigsten König vnd Herrn jederzeit außgenommen / were Jhrer M. zuvor zu mehrmalen zu Gemüth geführet worden / neben demütiger Bitt / J. Maj. Jhr allergnädigster Keyser / König vnd Herr verbleiben wolte; Wie sie dann auch jetzo annoch zubitten nit vnderliessen / wofern Sie (welches doch vnwissentlich / vber jhren Willen vnd Gedancken geschehen were) in diesen seltzamen Zerrüttungen Jhre Maj. offendirt / dieselbe solches nicht in Vngnaden sie entgelten lassen wolte. Weil sie dann nunmehr täglich vernemen vnd anhöreten / was für grosse Tyranney vnd Grausamkeit / an den Ständen vnd Inwohnern dieses Königreichs vnd jren armen Vnderthanen / ohne Vnderscheid / so wol denen sub vna, als denen sub vtraque, von bemeltem Jhrer Maj. Kriegsvolck verübet / auch für vnwiderbringlichen Schadë nit allein mit Schwerd / Plündern vnd Rauben / sondern auch mit dë Fewer (in dem allbereit ein grosse Anzahl Märckt vn̅ Dörffer verbrennet weren) zugefügt worden / also daß zu besorgen / wo fern nicht gute Handlung ins Mittel komme dieses Königreich gäntzlich würde verderben vnd vndergehen müssen: Beten sie deßwegen J. Key. Maj. in aller Demut / Sie wolten dieses Königreich vnd dessen Inwohner als J. M. jederzeit getrewe Vnderthanen / mit Gnaden anschawen / diesen Schaden / als jhr allergnädigster König / Herr vnd Vatter deß Vatterlandes zu Hertzë nehmen / vn̅ dero Kriegsvolck nit gestattë / gedachtes Königreich noch mehr zu verderben / vnd vnschuldig Christenblut zu vergiessen / sondern gnädigst anzubefehlë / dasselbe ohne Zufügung weitern Schadens auß diesem Königreich vnverzüglich abzufordern / vnder dessen [78] aber zu der Interposition / darumb Jhre Majest. von Chur-vnnd Fürsten deß Reichs angelangt / gnädigst zu bewilligen / vnd zu deroselben Vollziehung Jhre Churf. GG. zu ersuchen. Da nun von Jhrer Majest. durch Vermittelung Jhrer Churfürstl. Gnaden die Ständen dieses Königreichs wider alle Gefährligkeit / gewisse Versicherung / vnd in jhren Beschwerden gebührlichen Abhelffung erlangten: Sie alsdann Jhr allein zur Defension geworbenes Volck abdancken / auch von dem allgemeinen Auffbott vnd Direction abstehen wolten / sich in dessen zu Jhr. Maj. versehend / dieselbe würden dergleichen auch thun / vnnd dero Kriegsvolck abdancken lassen. (Keysers Antwort auff der Bohmen Schreiben darinn er) Hierauff hat Keyser Matthias also geantwortet: Ob er wol jhre Enschuldigung für vnkräfftig zu seyn erachte / vnd derselben solcher Gestalt nicht statt geben wolte: So hette er doch auß Erbärmbd vnd Mitleiden gegen dem Königreich / vnnd seiner armen vnschuldigen Vnderthanen / noch zuvor (sich erbeut sein Volck an ein gewiß Orth zu ordnen / daselbs abzuzahlen vnd der Tractation einen Fortgang zu machen / wo sie jhr volck auch abschaffen würden.) ehe jhm jhr Schreiben eingereichet worden / die Churfürsten von Mayntz / Pfaltz vnd Sachsen / auch den Hertzogen in Bayern zu Mitlern erbitten lassen / vnd wann er von selbigen eine Antwort erlange / Sie Böhmische Stände / auch gleichfalls gegen Jhm einen Gehorsam im Werck erweisen würden / wolte er auch auff Ort / Zeit vnd anders / so zur Tractation nöthig erfordert würde / bedacht seyn / vnd sie seiner Gnaden geniessen lassen / wo Sie Jhr Kriegsvolck / so Sie vor dem Seinigen geworben / abschaffen / von jhrem Regiment abstehen / vnd nach seinen Mandaten sich verhalten würden. Wann dieses geschehe / so wolte er sein Volck an einen gewissen Ort in Böheimb ordnen / da jhnen jhre Besoldung vnd andere Notturfft vmbs Gelt gereichet werden solte: Weil Er für vnbillich hielte / daß die Soldaten / zu deren Werbung Sie (die Böhmen) Vrsach
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geben hetten / seinen getrewen Vnderthanen in Mähren vnnd Oesterreich beschwerlich seyn solten. Wie Er dann die Churfürsten hiervon mit mehrerm berichtet / von welchen Sie alles vernemen würden. Verhoffete also / Sie würden in solchem Fall Jhme gehorsamen vnnd Jhnen selbs ferrnere Vngelegenheit nicht verursachen. (Böhmen schicken eine Legation an den Hertzog in Bayern.) Auff dieses Keyserliche Schreiben / haben die Böhmische Stände so baldt Jhre Abgesandte zu Hertzog Maximilian in Bayern geschicket / welche aber selbigen abwesend befundë / gleichwol bey den Räthen jhre Commission abgeleget / vnd dieselbige auff nachfolgende Weißvorgebracht: (Der Böh / mischen Legaten Vortrag bey den Bayerischen Räthen / wegen deß entstandenen Vnwesens.) Es würde ohne Zweiffel der Durchleuchtige Fürst in Bayern vernommen haben / was sich bißhero / wegen jhres exercitii Religionis zu getragen / vnd noch begebe. Weil aber hiervon vnderschiedliche Reden fielen / dardurch die vnwissenden leichtlich auff ein falschen Wahn könten gezogen werden / als wolten Sie Ihme den wahren Grund aller Sachen fürtragen: Der Religions Eyffer / so allen Menschen von Gott vnnd der Natur eingegeben / hette die Stände sub vtraque in Böheimb bewogen / daß sie / zu Vermeydung allerley Gefahr / vnnd vmb freyer Religions Vbung willen in Teutscher Spraach auch auff die Nachkommen zu bringen / den Keyserlichen Freyheits Brieff von Keyser Rudolpho empfangen; vnd solchen hette auch der jetzige Keyser Matthias consirmiret / vnnd mit einem Eydschwur / ob demselben zu halten / versprochen. Dahero weren sie --solches Jhres exercitii halben versichert worden: vnd hetten nicht gedacht / daß jemandt sich solchen Priuilegien widersetzen / oder auch die Vergleichung zwischen denen sub vna vnnd sub vtraque vmbzustossen vnderstehen würde / weil sonderlich in Jhren Reichs Constitutionen solches höchlich verbotten were. Nichts desto weniger hetten sich etliche / die sich eines solchen vnderstanden / befunden. Dieselbe hetten allbereit durch Jhre Practicken so viel verrichtet / daß wo nicht Gott solches sonderlich offenbahret / Jhre priuilegia zu Grundt gangen weren. Sintemal etliche der jenigen / welche der Keyser als Statthalter zu Prag hinderlassen / nicht allein weiters / als Jhnen gebühret / gegriffen / sondern auch durch Hülff der Jesuiten den Keyser auff jhre Seiten gebracht / also daß sie vnder seinem Titul vnd Nahmen alles thun / den Ständen sub vtraque den Acceß zu Jhme verschliessen / Jhre Klagen verkehren / vnd also außlegen dörffen / daß sie (die Stände sub vtraque) für eine gütige Antwort / schwere Bedrawungen bekommen. Vnd hetten die Jesuiten Jhre Machinationen ernstlich promoviret / auch nicht ruhen können / biß sie dieses Fewer angezündet. Auch hetten dieselbe nicht allein in jhren Predigten / sondern auch in andern jhren außgegangenen Büchern / Sie / (die Stände) geschmähet vnd geschänder; Jhre Religion gelästert / vnd für Ketzerey / die nicht an die H. Dreyfaltigkeit glaube: Das Wort Gottes vnd die Sacramenta nicht habe; Die Ehe nicht zulasse: wider alle Geistliche vnnd Weltliche Rechten mit Fewer vnd Schwerdt statuirte vnnd decernirte / gehalten: Die Stände auch selber für die ärgste Ketzer / welche man mit Fewer vnd Schwe d außrotten solte / außgeschryen. Ja sie hetten auch bey Jhren Anhängern / den hinderlassenen Keyserlichen Statthaltern / durch jhre Practicken die Sach dahin gebracht / daß sie nichts mehr ohne jhren (der Jesuiten) Rath vnnd Willen thun dörffen. Dahero dann viel Vngelegenheit im Königreich entstanden / welches auch viel auß den Römisch-Catholischen nicht approbiren vnd gut heissen können. Zu diesen Machinationen hetten Sie (die Stände) nicht länger zu sehen können: sondern solche abzuschaffen / vnnd das Königreich in ein bessern Standt zu bringen / auff solche Weiß / wie in Jhrer Apologia vermeldet / mit etlichen Personen procediret: Die Jesuiten aber ohne alle Beleydigung / mit jren bestë Sachen außziehen lassen. Vnd were dieses alles als gegen offentlichen Friedensstörern mit gutem Fug vnd Recht / nach Außweysung deß Majestät-Brieffs / auffgerichter Vergleichung / Landtags Beschluß / vnd deß Königreichs Constitutionen / geschehen. Sie weren zwar vngern zu solchen extremis kommen / aber vmb gemeiner Wolfahrt willen / solches zu thun gezwungen worden. Die angerichte Defension anlangend / were dieselbe gar nicht zu einiges friedliebenden Menschen / was Stands oder Religion er were / praeiuditz / viel weniger zu Keyserlicher Majestät Offension / sondern vielmehr zu deroselben vnd deß Vatterlandts Beschützung angesehen / damit den Zerstörern Jhres freyen exercitii Religionis begegnet / vnd die solcher Beschwerlichkeiten Vrsächer weren / nach Jhrem Verdienst gestraffet würden. Auff daß Sie also ruhig mit jhren Brüdern sub vna Gott vnd dem Keyser dienen möchten: weil fürnemlich auch jhre Feinde den Keyser dahin gebracht hetten / daß er ein grosses Kriegsheer in Böheimb geschicket / vnnd also Sie (die Stände) Jhre Freyheit / sich selbs vnd jhr Weib vnd Kinder zu beschützen vnd gezwungen hette. Weil nun hierauß offenbar were / daß jhnen Vrsach genug / also wider jhre vnd deß gemeinen Friedens Feinde vnnd derselben Instigatoren den Jesuitern zu procediren gegeben worden: Dieses Defensionwerck auch nicht wider den Keyser / sondern denselben / vnnd seine Majestät wider die Fridensstörer zu schützen vnnd dieselbige zu bestraffen angefangen were / wie solches auch der mehrertheil Stände sub vna selbsten erkennet / vnnd sich auch deßwegen in diesem mit jhnen vereiniget. Derhalben / werde Er / Hertzog / nicht zugeben / daß Sie (die Stände) also ohne jhren Verdienst bedränget vnnd verfolget werden: Bitten auch / daß Er / beydes in seinem Lande kein Kriegsvolck wider Böhmen werben lassen / vnnd auch keinem geworbenen [80] Durchzug gestatten: sondern Jhme die Stände befohlen seyn lassen / auch für selbige bey dem Keyser intercediren / vnd außrichten wolle / daß er die Stände bey jhren Priuilegien beschirmete / jhren Beschwerden abhülffe / vnd die Fridenszerstörer gebürlich straffte. Dann also würde aller Wolstandt im Königreich wider angerichtet / vnd Jhrer Keys. Maj. immerwehrendes Lob gesagt werden / sc. (Fürstliche Bayrische Ertlärung wegen der Böhmischë Vnruhe.) Hierauff hat nach mals der Hertzog in Bayern zu seiner Widerkunfft nachfolgender Weise antworten lassen: Der Proceß mit den hinderlassenen Keyserlichen Statthaltern vnd Räthen were gantz vnverantwortlich. Dann wann sie gleich / wie auch die Jesuiten / oder andere Römisch-Catholische / dem Majestät-Brieff / Landtag vn̅ Vereinigu̅g etwas zu wider gehandelt / so hette doch den Ständen sub vtraq; nicht gebühret / ichtwas wider sie zu decerniren / viel weniger al???er gewalthätige Hand / ohne ordentlichen Proceß / Verhör vnd Vrtheil / an sie zu legen. Stünde jhnen auch nicht zu die Geistliche Personen / so durch König Ferdmandum mit Bewilligung deß Landes eingeführet worden / die auch in offentlichem Truck bekenneten vnd defendirten / fidem aduersae religionis partibus seruandam esse, also plötzlich / auch vnbeklagt vnd vngehört / auß dem Königreich zu bannisiren / da doch so gar den Vbelthätern solche beneficia iuris naturalis vnbenommen seyen / vnd keine Execution an einem geschehe / er seye dann zuvor gehört vnd recht mässig condemnirt / wann gleich eine Sach an jhr selbs offenbar ist: zu geschweigen daß der Stände sub vtraq; meistes Fundament / dardurch sie den geführten Proceß defendirë wolten / daran hafftere / daß die Keyserliche Statthalter sich selbs zu Richtern gemacht / die Direction jhnen nicht gebühret hette: Den ordentlichë Weg
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deß Rechtens nicht gehalten: die Stände sub vtraque vnerhöret verurtheilet. Dann wann dieses vnrecht / vnd die Stände deßwegen rechtmässige Vrsach / wider sie sich auffzulehnë gehabt hetten: so folget es nothwendig / daß die Stände sub vtraque (da jhnen solch Recht gebühret) nicht eben solche oder grössere Exceß begehë: sondern der ordentlichen / natürlichen vnd bey allen Völckern bräuchlichen Wege halten / vnnd also procediren sollë / wie sie es in dem wider sie geführten Proceß erforderten / gemeinem Rechtë nach; quod quisq; iuris &c. Wie dann kein Richter darumb vnrecht vrtheilen solle / weil der ander vnrecht gehandelt; sondern er solte facto suo das vnrecht corrigiren / vnd an statt deß Vnrechten / recht thun. (Keyserlich Schreiben an den Churf. von Sachsen / sich in Vergleichung der Böhmischen Vnruhe gebrauchen zu lassen.) Obberührtes Keyserliches Schreiben an den Churfürsten zu Sachsen / die Interposition vnd gütliche Tractaten belangendt ist nachgesetzten Innhalts gewesen; Jhr Key. Maj. hette von Jhren vngehorsamen vnnd widerwärtigen Vnderthanen Schreiben empfangen / in welchen Sie sie etwas näher zum Gehorsam kommen befinde. Weil nun nichts anders mehr vbrig were / als daß Sie den mit Worten versprochenen Gehorsam auch mit der That selbsten erfülleten vnd sich also J. Maj. Gnaden theilhafftig macheten / daß Sie Vrsach hette der angebottenen Interposition statt zu geben: so wolte J. M. Jhme besagte Interposition nicht zu wider seyn lassen. Solches nun zu befürdern wolte J. M. hiermit / wie bey Jhme also auch bey Chur Mayntz vnd Pfaltz / wie ingleichem bey dem Hertzogen in Bayern angesuchet haben. Den Ort vnd Zeit aber der Zusammenkunfft zu bemelter Tractation / wie auch auff was Weiß vnd Weg solche Vergleichung geschehen solte / wolte J. M. so bald Sie von dem Gehorsam dero widerwärtigen Vnderthanen gnugsam versichert were / benennen. (Churfürstl. Sächsisch Schreiben an die Böhmen durch jhren gehorsam / die gütliche Tractation zu befördern.) Derhalben wolle Jh. Churfürstl. D. bemeldte Interposition neben den andern Chur vnd Fürsten auff sich nemen / vnd sich gefast machen / daß Sie auff künfftige ferrnere Erinnerung persönlich an das Ort solcher Vergleichung (dazu J. M. die Statt Pilsen für bequemlich hielte) sich begeben könte / vnd alles auff die Weiß / die J. M. Jhro zu wissen machen würde / abhandlen möchte. Damit also aller Vnruhe im Königreich Böheimb abgeholffen vnd der erwünschte Frieden wider gebracht würde. Als nun dieses Schreibë dem Churfürsten zukom̅en / hat dieselbe so bald die Böhmische Stände dessen berichtet / solcher gestalt: J. Maj. der Keyser were auff sein vnd anderer vnablässiges Anhalten nunmehr entschlossen / das Werck eines gütlichen Vertrags Jhme / Chur Mayntz / Pfaltz vnd dem Hertzogë in Bayern zu vbergeben / auch Ort / Zeit / Maß vnd Weiß solcher Tractation in kurtzem zu benennen. Diese deß Keysers Erinnerung were Jhme lieb vnd angenem gewesen / wolte sich auch gern zu solcher Vergleichung gebrauchen lassen. Weil aber der Keyser mit Benennung deß Orts / vnd Zeit noch etwas inhielte / hette er Jhne zu bitten nit vnderlassen / daß er doch zu Vermeydung allerley Gefahr / solches Werck befürdern wolte. Weil nun Er (Churfürst) verspürete / daß Jhr / der Böhmischen Stände Letztes / an den Keyser gethanes Schreiben nicht wenig die Sachen befürderte: als wolte Er Sie ermahnet haben / daß sie solchen jhren versprochenen Gehorsam würcklichen fortsetzen wolten. Damit also der Keyser begütiget vnd alles zu gutem Frieden vnd Ruhe wider gebracht werden möge. ( Widerantwort der Böhmë an Chur Sachsen darinn sie sich deß Keysers getrewe vnd gehorsame Vnderthanen bekennen / vnd den Churfürsten vmb Beförderung der Tractation bitten.) Auff dieses Schreiben haben die Böhmische Stände nachfolgender Weise geantwortet: Sie hetten mit Frewden vernommen daß auff Sein (Churfürsten) wie auch anderer Chur vnd Fürsten vielfältiges Ansuchen / der Keyser / der vorgeschlagenen Interposition statt zu geben entschlossen / auch Zeit vnd Orl dazu auffs förderlichst zu benennen Willens were: Bitten auch Gott daß er den Keyser also regieren wolle / damit alles ein guten Außgang erlange. Befinden aber in dem Keyserlichen an Jhne Churfürsten abgangenen Schreiben / so viel / daß erwehnte Interposition nicht ein freyes wilkürliches Werck / so auff Beweiß vnd Gegenbeweiß beruhet / vnd dahero Jhme als Interponentë zu judiciren billich heimgestellet werden solte / seyn wolte / vnd daß Jhre M. mit gäntzlicher Fortsetzung berührter Interposition biß zu würcklicher Jhrer (der Stände) Subjection vnd gehorsambst Versicherung noch inhielte. Nun bezeugeten sie vor Gott vnd Jhme (Churfürsten /) daß sie niemals anders Sinnes gewesen weren / auch noch nicht seyen / als daß sie sich für dem Keyser auffs eusserste demütigten / denselben für jhren König vnd Herren allein erkenneten / auch alles gegen Jhme thun wolten / was Vnderthanen gegen Jhrer Obrigkeit zu thun schuldig weren. Da aber vnder dem Schein schuldiger Demuth vnnd Gehorsamb von jhren Feinden (wie vermuthlich) ein anders gesuchet würde / daß Sie (die Stände) nemlich solche Thätligkeiten / die sie niemals verübet hetten / berewen solten / könten sie sich frembder Misset haten nicht theilhafftig machen / sondern hielten für billich / sich vielmehr der Gebühr nach / wegen Jhrer grauaminum gegen Jhren Religions Feinden zu gebrauchen / als daß sie sich einer solchen Submission / auch ohne vorhergangene Verhör / anmassen solten. Sie geben dißfals der Keys. Majest. keine Schuld / sondern vielmehr jhren Widersächern. Bitten demnach Jhne daß er solche Tractation befördern / vnd jhnen nichts aufftringen lassen wolle / dessen sie niemals schuldig worden. Sie hielten nicht darfür / daß die Statt Pilsen zu solcher Tractation tauglich were / were auch jhnen nicht zu rathen / daß sie sich dahin begeben / zum theil wegen der Inwohner daselbs / welche alle Römisch-Catholische vnd den Ständen sub vtraque nicht wenig auffsetzig / zum theil auch / weil in Abwesen der Stände die Statt Prag leichtlich vberfallen werden könte / sintemal der Feind nicht feyerte / sondern vnder dem Schein gütlicher Tractation in seinem Blutdürstigen Vorhaben täglich fortführe / vnd ein Ort vber das ander einneme vnd verwüste.
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Vnder andern Potentaten vnd hohen Personen (Sigismundus III. Rönig in Polen / sc. ermahnet die Böhmen die Waffen nider zulegen.) / so sich einen gütlichen Vergleich wegen der Böhmischen Vnruhe zu befördern bemühet / hat sich vmb diese Zeit auch der König in Polen Sigismundus III. finden lassen / in dem er an die Böhmische Stände nachfolgenden Innhalts Schreiben abgeschicket: Es gienge Jhme nemlich der betrübte Zustandt deß Königreichs Böhmen nicht wenig zu Hertzen / zweiffelte aber nicht Gott würde solche Auffrührer in kürtzerem nach jhrem Verdienst bestraffen. Er hette nimmermehr gedacht / daß die Stände wider jhren König vnd Keyser also widersetzlich vnd rebellisch sich erzeigen solten / daß sie nicht allein wider jhre ordentliche Obrigkeit einen Krieg anfangen / sondern auch alle Gnad vnnd Mittel zu einem gütlichen Vergleich verachten vnd in den Wind schlagen dörffen. Das grösseste Lob der Vnderthanen bestünde in beständiger Devotion gegen jhre Obrigkeit. Hingegen Auffruhr anfangen / der Obrigkeit Gebott sich widersetzen / getrewe vnnd gehorsame Vnderthanen beschädigen / was were es anders / als gemeinen Fried vnnd Ruhe zerstören / Trew vnnd Beständigkeit auffheben / vnd welches das allerärgste seye / Gott selbsten widerstehen wollen? Derohalben hetten Sie (Stände) als welche sich wider die Keyserl. vnd Königl. Majestät aufflehneten / wol zu betrachten / was sie theten / was sie für Anschläge führeten / vnd in was grosse Gefahr sie sich vnnd das Königreich stürtzeten. Dann die Inturien / so Fürstliche Digniteten verletzeten / würden gemeiniglich gar schwerlich außgesöhnet. Derowegen wolte er Sie ermahnet haben / daß sie also baldt von jhrem vbel angefangenen Krieg abliessen / deß Keysers Gnaden sich ergeben / vnnd also sich selbst / das gemeine Vatterlandt / vnd jhre Nachkommen in Wolstand brächten. Vnd diese Gelegenheit solten sie bey Zeiten / vnd ehe die Sachen gar adextrema kämen / in acht nemen. Sintemal die Gnad bey einer spaten Rew keinen Platz finde / sondern offtmals zu grösserer Straff Vrsach gebe. Wo nun Sie / dieser seiner Vermahnung keine Statt geben würden / würde Er auffgerichter Bundnuß vnnd Blutsfreundschafft wegen mit dem Römischen Keyser jhme mit Hülff wider sie bey springen. Wo sie aber von jhrem Vornehmen abstünden / wolte er jhnen jederzeit mit Königlichen Gunsten vnnd Gnaden gewogen seyn. (Böhmen Erklärung an den König in Polen / daß sie jhres Chüshalben wol befugt weren.) Auff dieses Schreiben haben die Böhmische Stände nachfolgender Weise geantwortet; Sie hetten auß seinem Schreiben verspüret / daß er wegen deß Böhmischen Wesens nicht recht berichtet were / vnd were dieses nicht zu verwundern: Weil Sie / die Stände / auch bey dem Keyser / Churfürsten / Fürsten / vnd andern Ständen deß Reichs / von jhren Widersachern also vnschuldig weren angegeben worden / daß wo kein besserer Bericht / von jhnen (Ständen) erfolget / sie leichtlich auch von denselben für Vngehorsame / Halßstärrige vnnd Rebellen weren erkläret worden. Vnnd diese Jhre falsche Angeber erregeten / so viel an jhnen were / (durch viel falsche Aufflagen / welche den Ständen niemals in Sinn kommen /) die gantze Christenheit wider sie: damit also das Königreich gäntzlich zerstöret / die Einigkeit durch den Majestät-Brieff vnnd die auffgerichte Vergleichung / zwischen denen sub vna vnd sub vtraque bestättiget / auffgehaben / vnnd jhre priuilegia zu nicht gemacht würden. Vnnd dieses hetten etliche zu thun / doch heimlich sich vnderstanden. Damit nun solches dem Keyser vnd sonsten jedermänniglichen offenbar würde / hetten Sie (Stände) eine Apologiam in Druck außgehen lassen / auch zum offtermalen demütig an den Keyser geschrieben / vnd gebetten / daß er solchen jhren Widersächern vnd falschen Angebern keinen Glauben zustellen wolte / dann sie Gott zum Zeugen nemen / daß sie dergleichen niemals in Sinn genommen. Was aber an den Friedensstörern vollbracht worden / were auß vnvermeidlicher Noht von den Ständen deß Königreichs geschehen: auff daß also die jenigen / welche gröblich mißhandelt hetten / auch ein harte Straffe außstünden. Sintemal sie die allerhöchste / zwischen dem König vnd den Ständen getroffene pacta, gebrochen / die Euangelische Kirchen / theils geschleiffet / theils versperret / from̅e Leut in Gefängnuß geworffen / die Stände vnschuldiger Weiß vnd vngehöret verdammet / vnnd welches das allergröste were den Zutritt zu K. Majest. solches zu klagen verschlossen: Ja endlich so weit kommen: daß sie alles wider die Gesetz deß Königreichs / vnder deß Königs Nahmen / zu höchster seiner Majestät Verkleinerung verrichtet. Daher es nicht zu verwundern / daß auß Göttlichem Eyffer die Stände die ärgsten auß jhnen also gestraffet. Daß aber Er ferner vermeldete / daß Sie (Stände) alle Gnad vnd Mittel zu einem gütlichen Vergleich außgeschlagen hetten: Da solte Er gewißlich glauben / daß die Stände eintzig vnd allein von dem Keyser bitten vnd begehreten / daß er durch Interposition der Chur- vnd Fürsten deß Reichs die Sach zu einem gütlichen Vertrag wolte gelangen lassen. Vber welchem / ob sie zwar Hoffnung bekommen / daß durch ein solche besagte Interposition / alles zu einem guten Ende würde gebracht werden; seye doch solches durch vnruhige Leut vnd böse Räth verhindert worden. Dahero dann nicht allein biß auff diesen Tag offtgedachte Interposition auffgeschoben / sondern auch noch dieses von jhren Widersachern practiciret würde / daß sie die Stände / vnder der Hoffnung einer zukünfftigen Tractation / sicher machten / vnder deß aber jhr geliebtes Vatterlandt mit einer feindlichen Armee vberzögen vnd alles mit Fewer vnd Schwerdt grewlich verderbeten / also daß Sie (Stände) auß vnvmbgänglicher Noth / auff die Hülff Gottes vnd die gute Sach sich verlassende / solchen feindlichen Waffen sich zu widersetzen gezwungen würden: doch also / daß sie allezeit Gott vnd den Keyser vmb [83] Frieden anruffeten / wie Er (König) auß einer beyligenden Copey eines / an den Keyser abgangenen / Schreibens sehen könte. Bitten derohalben / daß Er / nach seiner guten Zuneygung vnd Erbärmbd / so er zu diesem Königreich hette / für Sie / die Stände / bey dem Keyser bitten wolte: damit Jhr Begehren den erwünschten Zweck erlangen möchte. Da aber Jhre Feinde vnd Friedensstörer / hindangesetzt obgemeldter Interposition / vnd gütlichen Vertrags wie von andern / also auch von Jhme Hülff zu begeren den Keyser beredeten / hoffeten sie (Stände) Er würde jhne zu Vergleichung der Sachen selbsten anmahnen. (Ansuchen der Vnions Verwandten bey dem Keyser / der Böhmischë Vnruhe mit Gelindigkeit abzuhelffen.) Zu Anfang deß Octobris haben auch die vnierte Chur-Fürsten vnd Stände eine Zusammenkunfft zu Rothenburg an der Tauber gehalten / vnd von da auß wegen der Böhmischen Vnruhe ein Schreiben an den Keyser abgehen lassen / dieses Innhalts; Mit was Betrübnuß Sie das in Böheimb entstandene Vnwesen vernommen / vnd in was Sorgfältigkeit / daß dieses Fewer auch die vmbligenden Oerter anstecken möchte / sie gerathen weren / wolten sie nicht weitläufftig erzehlen. Weil die Natur vnd Erfahrung gnugsam zu erkennen gebe / was für eine Gabe Gottes der gemeine Frieden seye. Nun hetten sie zu Anfang dieser Vnruhe verhoffet / Er würde nicht zu geben / daß dieses Königreich mit einem solchen blutigen Krieg bedränget würde; sondern viel mehr solche Mittel an die Handt nemen / dardurch seine Authorität / der schuldige Gehorsam der Vnderthanen (als dazu noch auff diese Stund die Böhmen sich verbunden erkläreten) deßgleichen Ruhe vnd Friedt in dem Königreich erhalten werden möchte. Gestalt sie dann auch (daß Seine M. auff Erinnerungen zur Sanfftmuth vnd Gelindigkeit / von Chur- vnd Fürsten vnd andern Ständen geschehen / einen Commissarium in Böhmen abordnen wolte / der das Kriegsvolck / vor seiner Zukunfft / von aller Feindseligkeit abhalten solte) weren verständiget worden. Es weren aber / dessen vngeachtet / hierauff etliche Keyserische Obristen mit Kriegsvolck in Böheimb eingefallen / etliche Oerter eingenommen / vnd mit Fewer vnd Schwerdt solche Grausamkeit verübet / daß sie auch so gar der Weibspersonen vnd der jungen Kinder nicht verschonet / sondern also gehauset / daß dergleichen zuvor niemals vnder den Christen erhöret worden. Sie hielten zwar hierinn Sein K. M. für entschuldiget. Es würdens aber die jenigen schwerlich zu verantworten haben / welche zu Vnfrieden geneigt / mehr auff deß Keysers vnd deß gantzen Reichs Nutzen vnnd Wolfahrt sehende / zu solchem Anlaß / vnd Vrsach gegeben hätten. Dann es were der Zustandt jetziger Zeit in Böheimb also beschaffen / daß / wo nicht diesem Vnheyl bey Zeiten gewehret werde / es bey den Böhmen eine gäntzliche Desperation / vnd bey den vmbligenden Ständen ein allgemeinen Auffstandt vnd gefährliche Veränderung erwecken möchte. Er wüste wol / was auß Religions vnd andern Beschwerden / so jhnen nicht abgehelffen würde / für Vnheil erwachse. Weil nun die Stände in Böheimb von vielerley Beschwerden / damit sie vber jhren Religions Freyheiten bedränget würden / klaglen / verhofften sie / Er würde / so er dieselbe hören vnd erwegen / dabey auch die Beständigkeit in Seiner Devotion betrachten / würde Vrsach genug haben / Seine Vngnad fallen zu lassen / vnd den Frieden wider anzurichten / sonderlich weil auch viel Chur- vnd Fürsten zur Composition dieser Vnruhe sich gebrauchen zu lassen angebotten. Sie hetten gerne vernommen / daß zu solcher Composition Jhre Majest. sich wilfährig erzeiget hette / sintemal kein ander Mittel diesem Vbel abzuhelffen vorhanden were. Derhalben wollen sie Jhre Maj. bittlich ersuchet haben / daß die selbe die gütliche Tractation befürdern / gemeinen Wolstandt vnd Frieden wider anrichten / vnd das Kriegsvolck abschaffen wolte / damit also alles desto füglicher wider zur Ruhe gebracht / vnd nicht / in Vnderlassung solches beydes bey den Böhmischen vnnd Confae derirten / vnd dann auch bey allen Ständen deß Römischen Reichs / als wann die jenige / so vnwissend Jhrer Maj. (wie sie Vnirte es darfür hielten) zu dieser Vnruhe Anlaß gegeben / die Religion an allen Orthen im Römischen Reich außzurotten vorhetten / der Argwohn / vnd deßwegen auch erlaubte Gegenverfassung / erwecket würde. Were auch zu besorgen / daß nicht / in dem die Christen also jhr eygen Blut vndereinander vergiessen / dem Türcken zu einem Einfall Gelegenheit gegeben würde. Sie wolten aber verhoffen / Jhre Majest. würde es dahin nicht kommen lassen / sondern vielmehr solchen heylsamen Erinnerungen statt geben / damit das Königreich Böheimb vor endlicher Ruin erhalten / der Frieden widergebracht / vnd endlichen alles Mißtrawen im Reich / vnd der Euangelischen lang geklagte Grauamina abgeschafft werden möchten. ( Schreiben der vnierten Chur-Fürsten vnd Stände an Chur-Sachsen.) Mit diesem Schreiben haben besagte vnierte Chur-Fürsten vn̅ Stände auch eines an dë Churfürsten zu Sachsen abgefertiget / dieses Innhalts: Sie hetten sich deß Böhmischen betrübten Zustands halber zu Rothenburg versamlet / zu berathschlagen / durch was Mittel ferrnere Gefahr / so wol von diesem Königreich als von andern benachbarten Orthen abgewendet werden möchte. Nun hettë sie in solcher Erwegung die Hauptsach nicht anders verstehen können / als daß sie die Religion vnd das gemeine Euangelische Wesen betreffe / vnd dahero selbiges leichtlich in grosse Gefahr kommen könte. Deßwegen die Euangelische Stände de Reichs ein wachendes Aug zu halten hettë / daß nit durch Vntertruckung der Euang. Stände in Böhmë / der Religionsfriedë / welcher mit dë Böhmischë Majestätbrief ein grosse Gleich heit hette / weil der Jesuitë Meinung davon gnugsam bekant were / in gefahr gesetzet würde. So hetten sie darneben auch betrachtet was von dem Keyserlichen Kriegsvolck für ein starcker [84] Anfang mit allerley Feindseligkeiten / Brennen / Rauben / Blutvergiessen vnd grosser Tyranney an Weibs Personen vnnd gar an vnschuldigen Kindern allbereit gemacht worden / vnd daß dahero gütliche Mittel fast keine statt mehr finden möchten. Weil Sie sich aber darbey erinnert / mit was Eyffer vnd Sorgfalt / Er / die Keyserliche Majestät ermahnete / daß sie Jhro zu Verhütung ferrnern Land-vnd Leut Verderbens auch vnschuldigen Blutvergiessens / mehr die Gelindigkeit / als den schädlichen Krieg belieben lassen wolte: daß auch deßwegen J. M. eines gütlichen Vergleichs halben sich allbereit etwas erkläret: So hetten sie auch bey dieser Jhrer Versamlung ein Erinnerungs Schreiben an den Keyser abgehen lassen / vnnd Jhne darneben bitten wollen / daß er von solchen angefangenen Erinnerungen vnd Ersuchungen nicht nachlassen wolle. Dieweilen auch bey diesem Zustandt Er / so wol auch Theils auß Jhrem Mittel / Vrsach hetten der Nachbarschafft halben ein wachendes Aug zu haben / damit nicht durch Einfall oder Streiffung eines vnd deß andern Theils Kriegs-Volcks / oder durch Durchzüg vnd Musterplätz / Schaden geschehe / so wolte er jhnen sein Gutachten geben / durch was Mittel er vermeynte / daß solchem Vnheil vorzukommen were / vnnd ob er nicht für rathsamb halte / sich mit andern deß Ober Sächsischen Kreyses Fürsten vnd Ständen in solche Verfassung zustellen / damit auff jeden Fall man einander die hülffliche Handt bieten könne. Wie sie auch nicht zweiffelten Er bey solcher Interposition das gemeine Euangelische Wesen / vnd daß so wol den Böhmischen Ständen / als auch dem Reich selbsten an seiner Freyheit vnd Religion kein Nachtheil zugezogen würde / vnd sonderlich daß die Jesuiten / als dieser Vnruhe Anstiffter / auß dem Königreich verblieben / in acht nemen würde. Weil ferrner die drey Churf. Häuser Pfaltz / Sachsen vnd Brandenburg mit der Cron Böhmen in vhralten Verständnussen vnd Erbeinigung / auch Standts vnd Nachbarschafft halben v???r andern darbey interessirt weren / daß auch deß-vnd anderswegen der Churfürst von Brandenburg nicht allerdings vorbey gangen werde / vnd wurde alsdann / da alle drey Weltliche Churfürsten zugleich der Sachen sich mit annemen / so viel desto ansehenlicher seyn / worinnen er dann auch recht zu thun vn̅ dieses anzustellë werde wissen / sc. (Der ???nierten Schreiben an die Directores vnd Stände in Böhmen.) Ferrner haben bemelte Vnierte zu gleicher Zeit ein Schreiben an die Böhmische Stände vnd Directores abgesendet / also lautende; Sie hetten auß Jhren (Böhm. Stände) Schreiben den jetzigen Zustandt in Böhmen vernommen / vnd deßwegë / wie auch anderer Jhr Vnionswesen betreffenden Sachen halben diese Versamlung angesteller / vnd weil sie nichts vnderlassen wollen / was zu Verhütung ferrnern Blutvergiessens gereichen könte / als hetten sie auch an jhrem Ort dem Keyser zu Gemüth geführet / wie viel besser were / die Güte für die Hand zu nemen / als das Königreich in Verderben gerathen zu lassen: Wolten auch mit andern Euangelischen Ständen deß Reichs von solchen vnd andern / das Euange ische Wesen betreffenden Sachen communiciren: hetten sonsten zu jhnen (Böhm. Ständen) das Vertrawen / sie würden sich wie bißhero allezeit / also noch zu schuldigem Gehorsam gegen die Keys. M. als jhrem König vnd Herrn erklären / vnd darbey verharren / auch neben jhrer Verfassung vnd Beschützung deß Landes wider vnbillichen Gewalt deß mutwilligen Kriegsvolcks / allen Mitteln vnd Wegen / so viel ohne Nachtheil jhrer selbst vnd deß Königreichs Versicherung / immer seyn könte / zur Güte Raum vnd Platz zu geben / vnd also was zu Widerbringung deß Friedens dienë könte / nichts zu vnderlassen / gemeynet seyn. Dardurch werde ohne Zweiffel ferrnere Gefahr / so wol von diesem Königreich / als andern benachbarten Landen abgewendet werden. Solten aber wider Verhoffen hernach billiche Conditionen nicht statt haben / sondern in besagtem Königreich mit Blutvergiessen vnd andern Feindseligkeiten / sonderlich zu Vnterdruckung der Religion ferner verfahren werden / so wolten sie (vnierte) mit andern Chur-Fürsten vnd Ständen deß Reichs die Notturfft ???arunter ferner bedencken. Doch weren sie vrbietig die Musterplätz vnd Durchzüg / wider die (Böhmen) angeschen / in jhren Landen nach Mögligkeit zu verhindern / sc. (Der Vnierten Schreiben an den Nider Sächsischë Kreyß.) Es schickten auch gedachte Vnierte an den Nider Sächsischë Kreyß ein absonderliches Schreiben / dieses Inhalts; Man bemühete sich nit wenig gebe auch in offentlichen Schrifften vor / daß der jetzige Zustandt in Böhmen / auch seithero verübte Feindseligkeiten / mit Brennen vnd Blutvergiessen / so gar auch an Weibs Personen vnd vnschuldigen Kindern / die Religion nicht betreffen thete / sondern allein vmb den schuldigen Gehorsam / welchen J. Keys. Majest. zu leysten / den Euangelischen Ständen in Böhmen oblege / zuthun seye: Hingegen beklagten sich die Stände / daß ob wol sie bey Lebzeiten Keysers Rudolphi C. A. einen Religionfrieden oder Majestätbrieff erlangt / vnd derselbe zum höchsten bethewret / auch von der jetzigen Keys. Maj. Antritt seiner Königl. Regierung in Böheimb bekräfftigt worden / seye doch nach vnd nach durch vnfriedliche vnd durch die Jesuiten eingenommene Leut angefangen worden / denselben Majestät Brieff in Zweiffel zuziehen / auch darauff vnderschiedeliche / auß Zulassung deß Majestätbrieffs erbawete Kirchen / theils einzureissen / theils zu sperren / vnd ob sie wol solches bey Keys. Maj. offtmals geklagt / vnd vmb Abstellung solcher Trangsal gebettë / hetten sie doch nie nichts erlangen können / sondern darüber in Gefahr jhrer Ehren / auch Leibs vnd Leben wesetzet / vnd endlich durch die mit eingefallene Vngedult / zu den bewusten extremis, gegen denen Personen / die sie allbereit vor diesem / Krafft deß Majestätbrieffs / für Feindt des Evangelischen Religion / vnd deß Vatterlands / bey offentlich gemeinem Landtag erkläret / verursacht worden weren.
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Wann nun dieses vnnd anders / so sich in der Böhmischen Apology befinde recht betrachtet / auch darbey erwogen würde / wie es im Reich mit dem Religion-Frieden zugehe: So were darauß vnschwer der Außschlag zufinden / warumb es denen / welche sich von Jesuiten regieren liessen / vnd ohne das mehr auff Außländischer / als Jh. Kay. M. Wolfahrt / jhr absehen hetten / auch diese der Evangelischen Stände in Böhmen Trangsalen befördern helffen zuthun gewesen seye / wie sich dann Schreiben befinden / die vnder den Kayserlichen Namen außgangen / in welchen / daß es vm̅ die Religion zuthun / außtrücklich gestanden / ja von vornehmen Kayserlichen Räthen selbsten behauptet würde / dann Kayser Rudolph / weder einem künfftigen König in Böhmen / dem Hauß Oesterreich / noch auch Spanien selbsten vmb der am selben Königreich habenden praetension willen / durch den Mayestät-Brieff praejudicirn können / vnnd also derselbe vnkräfftig seye: Dahin dann auch der Jesuiten Schrifften vnd Lehren im Reich gerichtet weren / vnd alle andere Schriften vnnd Discurß lencketen sich wider den Religions Frieden im Reich. Dahero sie (Vnierte) der Böhmen Beschwerunge für ein Religion vnnd allgemeines Evangelischen Wesen hielten / vnnd weren der Meynung / daß wann die Böhmen durch Kriegs-Gewalt vmb jhre Religion vnd Freyheiten kommen solten / als dann die nechste Rewe die Evangelische Stände im Reich betreffen würde / alldieweil so vieler hitziger Leuth vnd sonderlich der Jesuiten schädtliche Rathschläg / noch jmmerzu auß deß Bapsts / Spanien vnd jhres Anhangs / stätigem Antrieb / den Vorgang hetten / daß also vmb solcher Gefahr willen bey diesem Böhmischen Wesen / allen getrewen Ständen zu wachen angesagt seyn will. Derhalben hetten sie (Vnierte) diese Versamblung angestellet / solchen gefährlichen Zustandt zu berathschlagen / da sie dann / in Erwegung / was endtlich auß diesem Vnwesen für Landverderben / vnd Blutvergiessen / vnnd auffs eusserst wol gar ein gemeiner Auffstandt erfolgen köndte / die Kay. May. schrifftlich dahin erinnert / wie allbereit von andern Chur-vnd Fürsten auch geschehen / daß sie Jhro hierinn die Gelindigkeit mehr als den Krieg vnnd vngewissen Außgang desselben / belieben lassen wolte. Vnnd wann auch von andern Evangelischen Ständen solche Erinnerung geschehen solten / es verhoffentlich viel fruchten würde / als hetten Sie (Vnierte) Sie (Fürsten vnd Stände deß Nider-Sächs. Crayß) ersuchen vnnd bitten wollen / gleichfalls J. K. M. zu gelinden Mitteln zuerjnnern / vnd demnach eins theils auß jhrem (Vnirten) Mittel / dem Fewer sehr nahe gesessen / vnnd jhnen also mit Einfällen / Durchzügen vnnd anderm leichtlich Gefahr vnnd Schaden zugefüget werden köndte / verstehen sie sich zu jhnen (Nider-Sächs. Chur. Fürsten vnnd Ständen) auff den Nothfall aller Hülff / vnd daß sie in jhren Landen vnd Gebieten keine wider die Böhm. Ständ angeschene Durchzüg vnnd Musterplätz gestatten / sondern dieselbe / wie sie an jhrem Ort / abwenden vnd verhindern werden. Wo auch kein gütlicher Vergleich geschaffet / sondern dieses Wesen den Winter vber continuiret / vnd auch viel frembdes Kriegs Volck vnder Jhrer May. Namen / wie verlaut zusammen gebracht werden soltte / damit nicht allein dem Königr. Böhmen / sondern auch den Evangelischen Ständen im Reich gedrohet würde / so were jhre Meynung daß man zeitlich diese Ding der Notthurfft nach erwegen / vnd wie auff alle Fäll Gegenverfassung vnd Defensions-Mittel angestellet / auch andere Evangelische Chur-Fürsten vnd Stände zu gleichmässigem Intent gebracht werden möchten / bedacht seyn solte / sc. Vnder diesen hin vnnd wider ergangenen Schreiben / hat beyder Theyl Kriegsvolck in Bömen nicht gefeyret / sondern die Sach ernstlich (Scharmützel zwischë dem Kayserischen vn̅ Bohmischë Kriegs-Volck vor Zaschlaw.) fortgetrieben / vnd das einmal angezündete vnnd auff geblasene Fewer tapffer fovieret. Selbiges ist erstlich vor Zaschlaw zusammen kommen / da es zu einem ernstlichen Treffen gerathen / in welchem / weil auch das grobe Geschütz gebrauchet wurde / ein zimbliche Anzal beyderseiths auff dem Platz geblieben / vnd weil die Böhmische damals stärcker waren / haben die Tampirischen jhnen weichen vnd in einen Wald sich begeben müssen / in welchem sie hernach zimblich Mangel gelitten / vnnd jhrer viel so nach Proviand gelauffen von den Bawren erfchlagen worden. (Graff von Campier erobert das Stättlein Gomnitz.) Als nun kurtz hierauff der Graff von Tampier / wider mit etlich Volck gestärcket / hat er sich an das Stättlein Gomnitz gemacht / vnd selbiges durch List eingenommen / der gestalt; Er hat erstlich dahin in 50. zu Pferd geschicket / die haben sich gestellet / als wann sie zu dem Böhmischen Volck gehöreten / vnnd im Nahmen deß Graffen von Thurn Proviand begehret. Nach dem nun die Bürger solche eingelassen / ist ein bestelter Hinderhalt nachgedrungen / vnnd also das Stättlein vberwältiget / geplündert vnnd ein grossen Vorrath von Proviand vnd andern Sachen bekommen / welches alles in das Kayserische Läger gebracht worden / deme es dieser Zeit zimblich rauh daher gangen / weil die Böhmen mit jrem Kriegs Volck / jhme vnfern davon fleissig auffgepasset / vnd sie / die Kayserischen / allein die Statt Pilgrä / das Gebirg vnd Wälde zu jhrem Vortheil jnnen hatten / darauß sie vnderweilen mit Streyffen vnd Plündern jhrem Mangel halffen. (Fünfftzig Böhmische Reuter zertrennen bey 300. Kayserische.) Vmb den 12. Octobris haben in fünfftzig Niderländische Reuter auß dem Böhmischen Läger / mit Bewilligung jhres Ritmeisters einen Anschlag auff dreyhundert Kayserische Reuter / welche sie in einem Wald außgespähet / gemacht: Haben sich in zwo Trouppen abgetheylet / deren der eine mit etlich Trompetern die Käyserischen hinderritten. Als nun der ander Trouppen von vornen her Lermen geplasen vnd Fewer gegeben / haben die von hinden her deßgleichen gethan / vnd also die Kayserische / welche vermeynet / es were ein grosser Nachtruck vorhanden / in die Flucht ge [86] brach / viel erlegt vnd gefangen / wie auch ein gute Beuth von Pferden vnd anderm erobert. (Graff von Tampier richtet ein eigene Armee für sich auff.) Vnlang hernach hat der Graff von Tampier / weil er sich dem Graffen von Bucquoy / als bestelten Feld-Obristen / nicht allerdings sub mittiren noch seinem Commando nachgeleben wollë / mit etlichen Befelchshabern sich nach Wien begeben / da er nachmahlen für sich eine besondere Armee auffgerichtet / welche in Ober-Oesterreich grossen Schaden gethan. (Ein Truppen Kayserisch Kriegesvolck vö Böhmischë zertrennet.) Zu Ende deß Monats Octobris hat etlich Böhmisch Kriegs-Volck ein Trouppen Kayserische / so mehrertheyls Hungarn gewesen / vnnd vmb Tabor mit Plündern vnd Rauben vbel gehauset / angetroffen / deren 45. gefangen auch etlich Pferd vnd Raub abgenommen. (Kayserische haben) Hierauff haben etliche Käyserische Compagnien zu Roß vnd Fuß mit einem Stück Geschütz welches mit Hagel geladen gewesen ein Böhmisches (ein vergeblichen Anschlag auff etlich Böhmisches Kriegsvolck.) Quartier früh in einem Nebel vnversehens vberfallë wollen / aber dasselbige mit Schiltwachten wol bestellet gefunden vnnd also empfangen worden / daß sie mit Verlust vieler Soldaten wider weichen müssen / auff der Böhmischen Seithen aber sindt auch bey 20. Mann vmbkommen. (Böhmen resolviren sich die Kayserische mit aller Macht anzugreiffen.) Weil nun bißhero die Böhmische Stände zu Niderlegung der Waffen zuforderst / ehe man zur Friedens-Tractation schreyten solte / ermahnet: Hingegen aber daß das Kayserische Kriegevolck / so lang / biß solche Tractation vollendet / im Landt verbleiben solte / ange deutet worden / selbiges auch vor vnnd ehe solche Disarmirung würcklichen erfolgete / von jhren Feindtseligkeiten nicht ablassen wolte / als haben sie beschlossen / jhren Feind mit aller Nacht anzugreiffen / vnnd sich keines Menschen Respect weiter abhalten zulassen.
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Derohalben der Graff von Thurn dem Marggraffen von Jägerndorff (welcher das Schlesische Kriegsvolck führete) eylends zu ihme zustossen entbotte. (Rayserische waichë autz Böymen.) Als dieses die Kayserische vernommen / haben sie die Statt Pilgram vnd selbe Gegne verlassen / vnd auß dem Land auff die Gräntzen sich begebë / vnnd weil jhnen die Weiber vnnd anderer Troß verhinderlich / solche in Oesterreich in die Refier vmb Weidhofen / Schembs vnnd Weitrah mit ihrer erlangten Beute geschicket / von denen die Innwohner selbiger Orten viel Vberlasts erlitten. (Graff von Bucquoy kompt vor Newhauß.) Nach solchem ist der Graff von Bucquoy für die Statt Newhauß kommen / vnnd die Statt jhme zu öffnen begehret; als er aber nicht allein keine Antwort bekommen / sondern die Besatzung darinnen auch häfftig vnder sein Volck geschossen / hat er sich selbige Nacht in den Vorstatten vnnd im Feld behelffen müssen. Ob nun wohl etliche Obristen die Statt zur Presse zubeschiessen vnnd mit stürmender Handt zuerobern / gerathen / hat er doch / in Betrachtung / daß er mit Volck nicht genugsamb versehen / vnd auch dz die Böhmen zü Entsatz im Anzug weren / Kundtschafft einkom̅en / solches der Zeit nicht für rathsam̅ geachtet / sonder sich von dan̅en gemacht / vnnd seine Reiß auff Budweiß zugerichtet. (Graff von Bucquoy begibt sich nach Budweiß.) Es waren dieser Zeit durch stätiges Regenwetter die Wege vnnd Päß gar böß; derohalben als er zu Gomnitz zwo Meylen von Budweiß ankommen / hat er sein Volck daselbs still ligen vnd außruhen lassen. Nach etlichen Tagen ist er nach Budweiß auffgebrochen. Als er aber kaum für gedachtes Stättlein Gomnitz fürvber kommen / ist das Böhmische Kriegs-Volck auff vierzchentausend starck zu Roß vnd Fuß ankommen / vnd in die letzte Hauffen gesetzet. Da hat er so bald durch dreyhundert Mußquetirer / eine Brücken / die jhme die Böhmen ablauffen wollen eingenomen / vnd selbe abwerffen lassen / vn̅ also verhindert / daß die Böhmen jhr Geschütz nicht darüber bringen können. Hierauff hat er durch Hülff deß Freyherrn von Tieffenbach / Graffen von Kriechingen / vnd Graffen von Colalto vnnd anderer versuchten Obristen vnnd Defelchshaber / sein Volck in eine Schlachtordnung gebracht / vnd weil er durch einen Wald muste / 200. Mußquetierer zum Eingang desselben verordnet / welche die Böhmen mit stätigem schiessen / biß er sein Kriegsvolck hindurch ins offene Feld gebracht / auffgehalten. Als solches geschehen / ist endlich vor dem Walt das Treffen recht angangen / welches dann in die fünff Stunden lang gewehret biß letzlich die Nacht sie von einander geschieden. Durch welcher Hülff hernach der Graff von Bucquoy vollends in Budweiß durchkommen. In diesem Treffen ist vnder andern Graff von Griechingen der zum drittenmahl gantz Ritterlich / darzu ohne Rüstung mit seinen Mußquetierern in die Böhmische gesetzet / erschossen worden. Die Anzahl deren / so beyderseitten verwundet vnnd vmbkommen / hat man nicht eygentlich wissen können: In zweyhundert gefangene sind nach Prag geschicket worden / die hernach mehrentheils sich vnder gestellet vnnd zu der Böhmischen Stände Fähnlein geschworen. Bey diesem Wesen ist Graff Ernst von Mäßfeld / mit etlichem Kriegsvolck den Ständen zu dienen/in Böhmen ankommen. Dieser ist Graff Peter Ernsten von Manßfeld (welcher deß Königs in Hispanien Obrister Feld-Marckschalck / vnnd in den Niderlanden / wie auch hernach deß Hertzogthumbs Lützelburg vnd Graffschafft Chyni Gubernator gewesen / vnd jhm durch sein kapffere Dienst / die er von Jugend auff biß in das 63. Jahr seines Alters dem Hauß Oesterreich in Africa / Franckreich vnnd Niderland bewiesen / bey demselben ein grossen Ruhm gemacht) natürlicher Sohn gewesen. Ist erstlich in Vngarn zu seinem Brudern Graff Carl von Manßfeld / sich in Kriegen zu vben geschickt worden. Nach solchem hat er sich Anno 1608. im Elsässischen Krieg in Ertzhertzogs Leopoldi von Oesterreich Diensten für einen Kriegs-Obristen gebrauchen lassen. Weil jhm aber der Römisch-Catholischen Procediren nicht gefallen wollen/ist er auff der Evangelischen Seichen getretten / vnnd sich in der Vnierten Dienst begeben. Darnach hat er dem Hertzog in Saphoya in seinem wider die Spanier in Italien geführten Krieg gedienet. Nach dessen Bollendung ist er mit zwey tausent Mannen / so der Hertzog in Saphoya / Pfaltzgraff Friedrichen zu gutem/dieselben wo zu es jhme belieben würde / zugebrauchen / auff seinen Rosten gehalten / wider in Teutschland kommeu / vnd von den Obristen der Vnion / den Ständen in Böhmen zu Hülff geschicket worden: Die jhn dann den 20. Augusti deß 1618. Jahrs zu Prag zum General vber die Artilleria / vnnd zum Obristen vber ein Regiment zu Fuß von zwey in vier tausent starck / vnd so viel Reuterey / als er zusammen bringen konte / bestellet. (Ernst von Manßfeld belägert Pilsen.) Als nun selbiger solch Volck in müglicher Eyl zusammen gebracht / haben jhm die Stände darauff etlich Landvolck zugeben / vnnd jhn mit Geschütz vnnd anderer Nothturfft / ein Belägerung anzustellen / versehen / vnd also vor die Statt Pilsen rucken lassen. (Pilsen.) Es ist aber Pilsen ein lustige zimblich grosse Statt mit schönen gebäwen gezieret / liget auff einer Ebene vnd ist ein vornehmer Paß auß Böhmen in Teutschlandt: Hat sich den Hussiten vorzeiten standhafftig widersetzet / sonderlich als sie Anno 1433. 2. Monat vnnd 23. Tag von jhnen belägert gewesen / sind endtlich die Pilßner herauß gefallen / die Hussiten geschlagen vnnd von der Statt gejagt / auch jhnen ein Camel abgenommen / welches sie in die Statt gebracht. Deßwegë Kayser Sigisinundus wegen solcher jhrer Gegenwehr / der Statt ein Camel in jhrem Wappen zu führen erlaubet / wie sie dann dasselbige zu einem Siegzeichen vnd ewiger Gedächtnuß in S. Bartholomaei Kirchen ins Chor mahlen / vnnd folgende Schrifft / so annoch daselbst zusehen darunter machen lassen / deren Innhalt auff einer Taffel / so hiebevor in der Kirchen vber der
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Sacristey gehangen / außführlicher zulesen gewesen. Sub anno à Nativitate Domini 1433. Idus Iulias, haec Pelzna à crudelissimis Hussitis, Wiklefistis ac Thanboritis, vltra bimestre tempus grau???ssim???m sustinuit obsidionem, quorum exercitu quadrifariam posito, ac ex omniparte oppugnante, alacri virtute manuque potentes resistente ciuitate, illos spe potiundae ciuitatis quàm strenuè frustrata est. Sequenti deinde anno Idus Majas, quae fuit dies crastina S. Stanislai Deus omnipotens, constantia pro Religione facta benignissima clementia hostes impios cum maxima ignominia à nobis fugare dignatus est. Postquam execrabilem vrbis huius afflictionem, patres nostri depulsis hostibus plurimum consolati, ad maximum firmissinumque virtutis specimen nobis ac posteritati vim praebuerunt, virtuteque sua adepti, vt ciuitas nostra insigniis istis pro stemmate vteretur. Das ist: Im Jahr nach der Geburt deß HErrn 1433. den 25. Julii / hat dieses Pilsen von den grausamen Hussiten / Wiklefisten vnd Thaboriten / vder zwen Monat lang ein vberauß schwere Belägerung erlitten / deren Kriegsvolck an vier Orthen gestellet / von allen Seithen ein Angriff gethan / denen aber die Bürgerschafft mit frewdiger Tapfferkeit vnd gewechrter Hand mächtigen Widerstand gethan / vnd jhrer feschöpfften Hoffnung die Statt zuerobern / ritterlich beraubet. Folgenden Jahrs hernach den 15. Maii / so gewesen der Tag S. Stanislai / hat Gott der Allmächtige / nach dem für die Religion solche Standthafftigkeit an vnd auffgewendet worden / nach seiner milten Gütigkeit sie Gottlosen Fein [89] de mit grossen Schanden von vns ab vnd in die Flucht getrieben. Als haben wider erlittene Abschewliche Beträgnuß dieser Statt / vnsere Vätter / sich nach Abtreibung deß Feindes mercklich zugetrösten / damit wir ein sonder Beyspiel hetten / vnd jhrer Tugenten nimmermehr vergessen / vns vnd den Nachkommenden den Weg gebahnet / auch durch jhre gedachte Tugendt erlangt / daß vnsere Statt dieses gleichsamb zu einem Stamm Wappen führet vnd gebrauchet. (Vrsachen warumb Pilsen belägert.) Ob nun wohl die Pilsener anfänglich / als das biß dahero vermeldte Vnwesen in Böhmen angangen / bey den Ständen zustehen vnd in der Vnion derer sub vna vnd sub vtraque zuverharren sich erbotten / haben sie doch hernach / als ihnen von Kay. Mayest. Abmahnungs Schreiben zukommen / sich eines andern bedacht / vnnd sich gegen den Ständen erkläret / sie wolten der Kayserlichen Warnung vnnd Befehl nachgeleben / würden sie viel anfangen / so solten sie es verantworten. Wie nun die Stände vermercket / daß Pilsen von ihnen abtrünnig werden wolte / selbiges aber gleichwol den Paß auff Teutschlandt / von dannen sie aller Hülff / Munition / Gelt vnnd Volck erwarteten / innen hetten / haben sie beschlossen solche Statt zubelägern vnnd mit Gewalt wider auff jhre Seithen zuzwingen / derowegen den von Manßfeldt mit seinem vnderhabenden Volck darvor rücken lassen. Als aber die Pilßner solchen Ernst gesehen / haben sie auch eine Belägerung außzustehen sich gefast gemacht / vnnd die Stat desto besser zu beschützen / jhre schöne Vorstätte in Brandt gestecket. Demnach nun die Stände solches vernommen; haben sie von der Belägerung Pilsen alsbald abzulassen dem von Manßfeldt Befehl gegeben / welches auch also geschehen. Weil aber nach solchem Abzug die Pilßnerische Besatzung starcke Dräwwort wider die Evangelische außgestossen / haben die Landständ deß Pilßnerischen / so wohl auch anderer nahgelegener Cräyß selbst dem von Manßfeldt nach geschicket / vnnd ihn gebetten / er wolte zu jhrer Beschützung mit dem Kriegsvolck wider zurück kehren / vnd die Statt zu Friedhaltung vnnd Verhütung feindtlicher Attentaten bringen heffen. Worauff dann er / von Manßfeld / die Belägerung wider auffs new vorgenommen vnd dieselbe fortgetrieben. (Rayser bemühet sich die Belägerung der Statt Pilsen wider adzumendë.) Als nun in dessen der Kayser in Erfahrung gebracht / was die Böhmen / mit Pilsen vorgenommen / ist er häfftig darüber erzörnet worden / vnd weil eben damals deß Churfürsten von Sachsen Gesandter Jacob von Grünthal / der erstlich im hinreisen die Böhmen zum Gehorsam̅ vnd Frieden / vnd dann den Kayser zu einem gütlichen Vergleich vermögen solte / zu Hoff ankommen / hat er selbigen wider zurück in Böhmen / solche Belägerung abzuwenden geschicket / vnnd zugleich auch ein Schreiben an den Churfürsten abgehen lassen / dieses Inhalts: (Schreibet deßwegen) Nach dem er vernommen / daß die Böhmen seine gehorsame Statt Pilsen feindtlich belägert (1618. an dë Churfürsten zu Sachsen.) hetten / vnd aber solches dem vorhabenden gütlichen Vergleich / vnnd Anstandt der Waffen gar nicht fürträglich / auch dem jenigen / was sein Gesandter der von Grünthal in seinem durchreisen bey den Böhmen eingebracht vnnd verlassen hette gantz zu wider lauffe / als wer sein Gesinnen an jhne / er wolle die Belägerung der Statt Pilsen / auch anders / was mehrangerechtem gütlichen Vergleich verhinderlich seyn möchte / alsbald abwenden / vnnd jhme nicht zugegen seyn lassen daß er seinen Gesandten zu dem Ende wider in das Königreich Böhmen geschicket hette. (Hertzog Maximilian an Bayern mahnet die Böhmen vö der Belägerung Pilsen ab.) Mittler Zeit / als auch der Hertzog in Beyern deme schon zuvor die Böhmische Ständ / daß sie die Statt Pilsen keinerley Weiß zubeleydigen / so ferrn sie jhnen nit Vrsach darzu geben / gesinnet weren / in Schrifften zuverstehen gegeben / von der Belägerung Pilsen verständiget worden / hat er ingleichem die Stände durch ein Schreiben von solchem Beginnen abgemahnet / also lautendt: Sie hetten sich zwar erkläret / daß sie die Statt Pilsen oder dero Inwohner nicht beleydigen viel weniger belägern wolten / vnnd hette er auch vermeynet sie würden von solcher Ihrer Erklärung nicht abweichen / inmassen sich bemelte Statt allein dem Kayser als jhrer vorgesetzten Obrigkeit gehorsamb zu verbleiben erkläret / wie sie dann selbsten in allen jhren Brieffen für gehorsame trewe Vnderthanen berühmet / so hette er doch erfahren daß sie besagtes Pilsen starck belägert hetten. Weil nun solches ihrem Versprechen zuwider / vnd dardurch nichts als mehrer Vngemach vervrsachet würde / welches sie selbst zuverhüten gebeten hetten / zumal weil das Kayserliche Volck eine Zeithero / wie man berichtete zu Ruhe gestanden / vnnd die Statt Pilsen sich auff jhr Versprechen verlassen vnnd deßwegen zu einem solchen Gewalt sich nicht nach Notthurfft versehen hette: Als were sein ersuchen / sie wolten / zu Bezeugung jhres friedliebenden Gemüths gegen der Statt Pilsen weiter nichts thätliches vornehmen / vnnd jhr Kriegs-Volck davon abführen / so würden sie desto eher zu der bey Kays. May. gesuchten Außsöhnung Fried vnd Ruhe gelangen können. Im Fall sie aber also feindlichen wider die Statt Pilsen fortführen / müste man abnehmen / daß es nur auß Haß wider die Catholische Religion vnd vmb eine Beut zuerlangen bey jhren eygnen Patrioten zuthun fey / vnnd würde darauß eben dergleichen Nachdencken / welches sie fürwendeten / bey den Catholischen erwecket werden. (Der Böhmischen Stände Antwortschreiben an den Hertzog in Bayern / wegen der Belägerüg Pilsen.) Hierauff haben die Böhmische Stände auff solche Weise geantwortet: Sie hetten sich zwar etwas wegen der Statt Pilsen erkläret / aber darbey schon damahls angedeutet / was vor Feindtseligkeit sie allbereit erwiesen. Sie hetten jhnen niemals in Sinn genommen die Statt zubeschädigen oder zubelägern / wo sie nicht so hoch weren vervrsachet wordë. Bann als sie von jhrer gethanen Zusag / daß sie [90] mit jhnen / Ständen / in Freundtschafft bleiben wolten einmal abgewichen / hette sie sich so Feindselig erzeiget / daß sie alsbald Kriegsvolck geworben / viel Vnderthanen deß Königreichs zu sich in die Statt gezogen / mit demselben Volck herauß gefallen / den Vmbwohnenden mit wegführung deß Viehes vnnd plünderung der Gütter grossen Schaden gethan / vornehme Personen auß dem Ritterstandt gefangen genommen / deren Vnderthanen zu jhrer Huldigung gezwungen / der Stände Siegel von den Patenten gerissen / vnd vnder jhr Polet / zum Volckwerben ausser Landes mit der Stände Nahmen gestellet vnnd verfälschet / auch so mächtig worden / daß jhnen das auffgebottene landtvolck im Pilßner vnnd etlich andern Craysen / nicht hetten das Plündern vnd Außfallen wehren können / vnnd ob sie wohl vielfaltig abgemahnet worden / hetten sie doch je mehr vnd mehr Feindtschafft geübet / vnnd solche Dräwwort außgestossen / daß sie nothwendig einen Ernst gegen sie versuchen / sie von jhrem bösen Vorsatz zu einem bessern Sinn zubringen / vnd deß Vnglücks so die belegerte außstehen müsten zubefreyen. Darüber aber hetten sie sich trotziglich zur Belägerung selbsten bereytet / jhre schöne Vorstatt in Brandt gestecket vnnd sich auff jhren Widerstandt verlassen. Als sie / Stände / nun solches vernommen / hetten sie alsbald / auß guter Affection gegen der Statt / den Graffen von Manßfeld von der Belägerung abzulassen angemahnet / welcher auch solches also gethan vnd allberit das Geschütz drey Meylen / das Volck aber zwo Meylen von der Statt gebracht / vnd damit dem Hauptläger zugezogen were. Als die Pilßner diesen Abzug vermercket / hetten sie mit mehrer jren trotzigen Bedräwungen / samb sie das Landtvolck dem Graffen auch bald hinnach schicken wolten / vervrsachet / daß die Landtstände deß Pilßnerischen wie auch anderer nahend gelegener Craysen selbs dem Graffen nachgeschicket vnnd jhn hoch gebetten / er wolle vmb jhrer Beschützung willen mit dem Volck wider zurück kehren / vnnd die Statt Pilsen zu Friedhaltung bringen helffen. Worauff dann der Graff sich auff das new der Belägerung wider angemasset vnnd dieselbe bißhero continuiret. Vnderdessen aber hetten sie / Stände / die Statt zum güttlichen Accord vermahnet / welches aber noch nichts verfangen wollen / wißten also nicht ob die Schuld der Bürgerschafft / oder deß darinn ligenden Capitains were. Wolten aber nochmals den Belägerten ein gütliche Tractation / zu Verhütung Blutvergiessens vnd Verderbung der Statt / anbieten / ob sie vielleicht noch von jhrer vnnöthigen Feindtseligkeiten ablassen wolten. Auß dieser warhafften Erzehlung köndte er abnehmen / ob nicht die Pilßner selbsten an diesem jhrem Vnglück vnnd dem Schaden so selbigem Creyß zugefüget würde / Vrsach weren / vnd hetten sie / Stände / diese Belägerung niemals in Sinn genommen / auch die Eroberung nicht begehret / daferrn sie sich nur eines bessern bedacht vnnd die Friedens-Mittel angenommen hetten. Derhalben wolle er nicht gedencken / daß sie jhnen darumb / weil sie Jhr. Ray. Mayest. gehorsamb zuverbleiben sich erkläret / oder von der Catholischen Religion nicht absetzen wolten / oder auch vmb einer verhofften Beuth willen / Gewalt anthun wolten; Sondern er wolte sie für solche leuth halten / welche von dem Gehorsamb gegen Jhr. Kay. Mayest. das geringste nicht abweichen wolten / wann sie nicht durch jhr Gewissen vnnd Religions-Freyheit darzu gezwungen würden. Gleich so wenig begehrten sie der Statt Pilsen vmb der Catholischen Religion willen eynige Betrangnuß zuthun / daß sie gleich zu Anfang dieses Wesens sie in jhre Freundschafft auffgenömen hetten / sintemal auch fast alle andere der Catholischen Religion zugethane sich gutwillig zu jhrer Defension bekennet vnnd jhnen die Anlagen vnnd Contributionen hetten tragen helffen Hierinnen würden jhnen die Prager Stätt genugsamb Zeugnuß geben können / daß vnter so viel Clöstern vnd so grossen Gemein der Catholischen Bürgerschafft / niemals eynige Betrangnuß / (ausser den vnfriedfertigen Jesuiten) geschehen seye. So könte jhnen endtlich auch der Beute halben die Verderbung eines so ansehenlichen Glieds dieses Königreichs nit beygemessen werden / dann nunmehr die warhafften Vrsachen der Belägerung auß obiger Erzehlung abzunehmen weren. Derhalben were jhre Bitt / er wolte den jenigë / so einanders berichten wolten / keinen Glaubë geben / sondern jhnen zutrawen / daß sie alle Catholische / so mit jhnen in lieb vnd Fried zu leben begerten / für jhre Freunde hielten / vnnd sie für allem feindtlichem Gewalt auffs möglichste schützen / auch in jhrer freyen Religionsvbung nichts hintern wolten: Gleicher gestalt blieben sie so wol als die Pilßner / in Jhr. K. M. Gehorsamb beständig / vnd wünschten daß jeder män̅iglich mit auffrichtigem Gemüth Jhrer M. dienete / vnnd dieselbe mit solchen Trewen meynete. (Pilßner werden zu einem gütlichen Vertrag angemahnet.) In dem solche Schreiben hin vnd wider giengen / sind von den Directoren / einen gütlichë Vergleich mit der Statt zutreffen / nach folgende Personen / als Commissarien / dem von Manßfeld zugeordnet worden / nem̅lich die Freyherrn Henrich Burya vnd Henrich Laurentz Gebrüder / der Graf vö Guttenstein / auff Rissenberg / Kaut / Hostaun / vnd Schwrznie / vnd dann Jobst Adam Schientinger von Schienting / auff Kuttenplan / Christoph Widersperger / von Widersperg auff vnder Kamnitz / Vlrich Bechyne von Lazan / auff Tuschintzig / Heinrich Czernin von Chudienitz auff Schwiehoff / Ernfried Berbistorff v. Berbistorff Hauptmann / Joh. Getzbera von Koliwehory / mit diesem Befehl / daß sie mit vn̅ neben dem Obristë vnd mit jnen Georg Ebenberger Obristen leutenandt / den Bürgern vnd Inwohnern der Statt Pilsen / wie auch dem darin ligenden Hauptman̅ Felix Dornheim von Retz in Oesterreich vnd seinen Beselchshabern vnd Soldaten vorhaltë sol [91] ten; dieweil sie jhre eussersie Gefahr augenscheinlich sehen / deren sie sich / vmb der von jhnen selbst gegebenen gnugsamen Vrsachë willen / endtlichë nit entledigen könten / sondern in gäntzlichë Ruin der Statt / vnd jhrer aller Verderb gerathen würden / (welches sie jhnen doch nit gönnen theten) dz derowegen sie / Pilßner / neben gedachtem Hauptmann Dornheimb vnnd seinen Soldaten / auff folgende Conditiones sich gutwillig in einen Accord einlassen / die Statt eröffnen vnd vbergeben solten. Nemblich: (Articul zu einem Vertrag den Pilßnern vorgeschlagen.) Erstlich solten die Bürger vnd Inwohner der Statt Pilsen / Mann vnd Weibs Personen / jung vnd alt / so wol die jenigen / so vom Land vmb vermeinter Sicherheit willen dahinein sich begeben / Geistlich oder Weltlich / weder an jhren Ehren viel weniger an jhrem Leib vnd Leben nit verletzet noch beschädiget werden. Zum andern solte auch dem Hauptmann Felix Dornheim mit seinen Befelchshabern vnnd Knechten / mit Ober vnnd Vnderwehren / Sack vnd Pack / doch eingewickelten Fähnlein vnd gel???schten Lunten abzuziehen solcher gestalt verstattet werden / daß er alsbald von dannen vnd auß diesem Königreich / gegen das Bambergische Gebiet fortziehen solte / da er aber mit seinem Volck den Ständen dienen wolte / solte er mit der Besoldung vnd Vnder altung andern Capitainen gleich gehalten werden. Zu dritten solten die Pilßner dem von Manßfeld für den Sturmmonat / zu Befriedigung seiner Soldaten / so wohl auch zu etwas Ergetzung seines auffgewandten Kriegskostens / 60000. Gülden Reinisch / bares Gelts / oder aber durch andere dem von Manßfeld annembliche Mittel bezahlen vnd gut machen. Zum letsten solten sie zu der Stände / so wol jhrer selbst eigenen Sicherheit vnd Beschützung / vn̅ gar nit zu einiger Offension / 2. Fähnlein Knecht / Manßfeldisch Volck / in die Besatzung einzunehmen schuldig seyn / welche zusampt jhren Hauptleuten vnnd Befelchshabern in solcher Disciplin vnd Gehorsamb gehalten vnd jhre Proviand bezahlet werden solte / daß sich niemand darüber zubeklagen haben würde. Wann nun besagte Pilßner vnd der Hauptmann darinnen solche Conditiones erfüllet vnd allerdiengs ins Werck gerichtet haben würden / solte alsdann gemelter von Manßfeld / sein / wie auch das Land-vnd Crayßvolck / also bald von der Statt vnd auß selbigem Crayß gäntzlich abführen / vnnd ferner sie in keinerley weiß / weder mit Schiessen / Stürmen / Einfall oder Plündern / noch anderer gestalt nicht beschweren / sondern solte die Statt für sich / also auch an jhren Gütern / in-vnd ausserhalb derselben / in Fried vnd Ruhe hinführo von obgefagtern von Manßfeld / seinem vnd dem Crayßvolck / vnd männiglichen gelassen werden. Diesen Vergleich haben die Directores, wie auch der von Manßfeld vnderschrieben sub dato den 9. Novemb. S. N. 1618. (Pilßner wollen die) Diese angebottene Mittel aber zu einem Accord / wiewohl auch das geforderte Gelt deß (vorgeschlagene Mittel zum Vergleich nicht annehmen.) Sturmonats durch gestrichen worden / haben die Pilßner gäntzlich algeschlagen / vnerachtet schon ein zimbliche Lücken in die Mawer bey dem Barfüsser Kloster geschossen war. Derohalben der Schimpff wider angangen / vnnd haben die Manßfeldische / an einem andern Ort bey dem Prager Thor / mit 2. von Prag etliche Tag zuvor ankom̅enen Stücken / zwischen emeltem Thor vnd deß Kaysers Rudolphi auff die Mawer festgebawetem Hauß / eines lange̅ Spieß breite Lücken oder Breschen geschossen / also dz sie den 8. 18. Novemb. Sontag deß Morgents frühe Sturm zulauffen vermeynet / wo nicht die Belägerten mit grosser Geschwindigkeit die vorhergägene Nacht / vngeachtet dz Geschütz vnauffhörlich darauff loß gangen / dermassen mit Mist vnd mit Eysern Zacken versehenen Bawhöltzern die Lücken vermacht / daß / ob schon etliche der Manßfeldischen mit Hacken den Mist hinweg zu raumen bey der Nacht sich vnderstanden / haben sie doch wenig außrichten können. (Pilsen wird stgeürm???t.) Nichts destoweniger wurde der Sturm angestellet / vn̅ erwartete desselben das Kriegsvolck den 11. 21. Nov. von Morgens früh biß vmb 1. Vhren. Da ward nun erstlich beschlossen / die Belägerte auß dë Hauß / von dannen sie starck auff die Anlauffende hetten schiessen Können zuforderst wegzutreiben / derowegen alßbald selbiges vo̅ zweyen Battereyen her an beyden Ecken beschossen / vnd in 4. Stunden eine Bresche / auff der rechte̅ Hand bey 10. vnd auff der linckë vngefehr 5. Elen breit / gemacht wurde. Wiewol sie nun wegë deß dabey vorvberfliessenden Wassers (welches die Manßfeldischen zu jhrem Vortheil abgegraben hatten) zimlich vnbequem gewesen / wurde doch??? Sturin angefangen / da dan̅ die Soldaten erstlich durchs Wasser gewaten / so etlichen biß an die Knie / etlichen an den Leib vnd höher gangen / etlichen aber / so darinn erschossen worden gar zu tieff gewesen. Nachmals haben sie mit etlichë Leitern die Mawren erstiegen mit solcher Hertzhafftigkeit / daß sich weder die fordersten / noch die hindersten durch dz stetige Schiessen der Belägerten / vn̅ sonderlich da von dem Prager Thor / als das Volck im meisten Anlauffen / ein Mörser / so mit Hagel geladen loß gieng / vn̅ grossen Schaden thete: da von abschrecken lassen / doch würde den belägerten von vier Battereyen bald die vbrige Wehr mit schiessen (Pilsen von Manßfelgischen eingenommen.) auß den Stücken benommen / also daß zwo Compagnien / deren die auff der rechten Seithen Leutenant Fränckin / die auff der lincken Capitayn Schlammerßdorff geführt zum ersten hinauff kommen / denen sind alsbald Capitayn Liebenstein / Capitayn Frepont / Capitayn Romanesque / Capitayn Carpezo Obrister / Capitayn Heyden / Ritter deß Weissen Creutzes / Capitayn Krauß Quartiermeister / Capitayn Dettenborn mit jhren Compagnien gefolget. Weil nun diese sich in gnugsamer Anzal befunden / haben sie herauß entbotten / daß man keine mehr hinnach schicken solte. Darauff dann der Capit. Sadupsky / welcher [92] Landvolck geführet / heraussen blieben / vnd sampt deß Obristen von Manßfeldt fünff Compagnien deß nathfolgenden Tags bey der Bresche erwartet / vnnd damit von dem rothen Thurn vber dem Prager Thor mit schiessen jhnen nit sohart zugesetzet würde / hat gemelter Sadupsky bey Nacht die Brücken angezündet / in Meynung das Feuwer den Thurn auch ergreiffen solte. In dessen sind bey dem Barfüsser Closter die Manßfeldischen vnder Graff Hanß Georg von Solms auch starck angefallen / die hat Leutenant Kechler vnnd Helmstätter von Heydelberg zum ersten angeführt. Die vordersten hatten dieselbe Breschen auch erstiegen / jhre Fewerkugeln in die Statt geworffen / vnd wiewol die Belägerte mit schiessen Stein vnnd Pech werffen nit gefeyret / hetten sie sich doch in das Closter einlosieret / wann nicht hinder der Breschen / inwendig der Statt / einen langen Spieß tieffe / vnd mit grossen spitzigen Eysen belegte Gruben sie zurück gehalten hette. Vnd ob es schon da htenein zukommen vnmüglich gewesen / haben doch die Manßfeldischen / zu Beförderung der Sachen auff der andern Breschen / mit denen in der Statt allda gefochten / biß der Obriste nach Erkündigung der Sachen / sie von dannen abfordern lassen. Mitler Zeit haben auch am Lüttitzer Thor Capitain Tiesel / Cap. Mereschowsky / Cap. Lam̅inger mit jhrë Landtvolck tapffer Lermen gemacht / also daß / wo ein Frantzoß / so die Petarden anschrauben sollen / dasselbige recht verrichtet hette / die Belägerte an diesem Orth auch gnug zu wehren gehabt hetten. Ingleichem ist auch an den andern zweyen Posten geschehen. Die obgemelte Manßfeldische Compagnyen so das Hauß / da die erste Bresche war / eingenommen / haben von den Obern Zimmern auff die Belägerte (so sich in der Gassen stracks vor demselben Hauß / mit einer Brustwehr von Erden vnd Mist gemacht / bey sich habende ein Stück mit Hagel geladen / so eines Haupts groß getrieben / wol verschantzet) so starck geschossen / daß / weil sie sie vberhöhet / sie von dannen zurück auff den Marckt hinder etliche mit Erden außgefüllete Faß / zwischen welchen das Geschütz auff jetztgedachte Gassen vnnd Hauß gerichtet war / sich begeben müssen / von dannen sie aber den Manßfeldischen in jhrem Hauß mit schiessen tapffer zugesetzet. In der vorigen Schantzen wurde jhnen die Zeit so kurtz / daß sie auch besagtes Hagelgeschütz nit anwenden kunden / sondern selbiges ist durch einen Manßfeldischen Soldaten der vngefehr auff die Zündpfann geschossen / loß gangen / der dann auch felber von einem Stücklein Stein getroffen vnd auff dem Platz geblieben. In dem sich dieses verloffen / haben etliche von den in gedachtem Hauß sich befindenden Manßfeldischen Compagnien / mit Aerten / Beylen vnd Steinpicken / auff beydë Seithen der Gassen die Häuser durch graben / vngeacht deß Fewrs so vber vnd neben jhnen brandte / welches die Pilßner in ein Hauß hart an der Breschen eingeleget hatten / in Meynung das Fewer sich in das besagte Hauß darin sich die Manßfeldischen befunden erstreckë vnnd dieselbe entweders zurück treiben / oder gar verbrennen würde; aber das Fewer ist weiter nit kommen / sondern von sich selber vnnd durch ein Regen / so die folgende Nacht entstandë erlöschet. Von den eingenommenen Häusern sind endlich die Manßfeldische auff den Marck zugetrungen / das Geschütz vernagelt. Mitler weil haben die in der Statt / als sie sich vberwunden gesehen / mit dem schiessen nachgelassen / sich zum Barfüsser Closter begeben / vnd daselbst mit dem Obrist. Leutenant zu Parlamentiren angefangen vnnd vmb Stillstand gebeten / so jnen auch verwilligt wordë. Ehe sie sich ergeben ist vnter stätigem Trom̅eten (so zu beyden Theilen / von denen in der Statt aber dem Volck einen Muth vnd Hertz zumachë / geschehen) dromlen / pfeiffen / schiessen / Stein vnd Pechwerffen ein solch Zettergeschrey geführet worden / daß / weil auch zugleich etliche Häuser / wie vorgemelt gebrand / es grausam vnd erschröcklich gewesen / solches zu sehen vnd zuhören / vnd hat solches biß in die vierdte Stüd der Nacht gewehret; nach dem aber die Inwohner vmb Frieden gebetten / ist alsbald das Schiessen bey Hencken verbotten worden / darauff dann alles still vnd von dem Obrist. Wachtmeister Carpezo / auff deß Obristen Befehl alle Thor / Marckt vn̅ Gassen besetzet worden: Deß Morgens früh / weil die Besatzung gesehen / daß nunmehr die gantze Statt in deß von Manßfeld Gewalt were / haben sie sich mit jhrem Gewehr auff den Marckt verfüget / vnd alda weiters Bescheids erwartet. Die Bürger aber haben jhre Gewehr auff das Rathauß ablegen / auch die Schlüssel zun Thoren von sich geben müssen. Als nun der von Manßfeld in die Statt kommen / hat jme der Statt Soldaten Fenderich die Fahne alsobald eingewicklet vberantwortet / der jme aber doch dieselbe wider geschencket. Darauff ist von dem Obrist. Wachtmeister die Besatzung / an der Zahl 400. Mann / darunder deß Landvolckes 160. gewesen / mit eingewickelter Fahnë / vm̅gekehrten Mußqueten ohne Lunten vnd Spiel / doch mit Sack vnd Pack / auß der Statt geführet worden / dem Landtvolck aber darunder ist an der Porten Ober-vnd Vnderwehr abgenommen / vn̅ mit weiß Stäblin in den Händen fortgeschicket worden. Die vbrige geworbene Soldaten / weil jr Hauptmann Dornheimb 14. Tag vor der Eroberung / als er / wie nahe der Feind an die Statt geschantzet / besichtigen wollen / erschossen worden / sind von den Stattmeistern zu Pilsen vor der Pforten abgedancket worden / aber die meisten vnter jhnen haben sich bey den Manßfeldischen vndergestellet / etlich wenig haben den Fendrich begleitet / andere sind wider zu den jhrigen gekehret. Gleichfals ist auch die Statt Reuterey abgedancket worden. Den alten Galgen / welchen die Pilßner deß Zischkae Küchen / weil er sein Quartier / als er Pilsen belägert daselbs gehabt / zunennen / vnnd älter als die Evangelische Religion zu seyn zu rühmen pflegten / haben die Manßfeldischen abgerissen / vnd einen newen / mit vermelden / daß [93] gleich wie sich die Pilßner an dem vorigen der Belägerung Zischkae erinnert / also sie bey dem newen der Manßfeldischë Eroberung eingedenck seyn sollen / gebawet / an welchen alsobald der Pilßner Scharpsfrichter / auffgehenckt worden / weil er in wehrender Belägerung sich täglich an einë heimblichen Orth einer sonderlichen Kunst / die Manßfeldischen niderzuschiessen / gebraucht / in dem er alle Tag drey gewisse Schüß auff die jenigen / so er gesehen / vnnd treffen wollen / durch Mittel derselben haben können. Sonsten ist weiters den Bürgern kein Leyd geschehen / man hat aber niemand weder Geistl. noch Weltlich auß der Statt lassen wollen biß auff fernere Verordnung der Directorn / vnnd ob wohl die Franciscaner Mönch bald deß andern Tags nach der Eroberung vmb Erlaubnuß sich nach Bayern zubegeben / bey dem von Manßfeld anac???halten / ist jhnen doch solches abgeschlagen / vnnd versprochen worden / daß jhnen kein Vberlast geschehen solte. Nach solchem hat der von Manßfeld den 15. 25. Novemb. nach Verrichtung der Meß in S. Bartholomaei Kirchen ein Danck sagungs-Predigt halten lassen / deren Tert auß dem 118. Psal. vers. 24.25. gewesen also lautend: Diß ist der Tag den der HErr machet / last vns frewen vnnd fröhlich drinnen seyn. O HERR hilff / Q HERR laß wol gelingen. Vor der Predigt ist / Ein feste Burg ist vnser Gott / vnd darnach / Erhalt vns HErr bey deinem Wort / gesungen worden. Gleich darauff wurd alles Geschütz (darunder auch die so im Läger gewesen / vnnd nach der Eroberung in die Statt geführet worden) loß gebrennet / die Glocken in den Kirchen geleutet vnd von den Soldaten dreymahl frewden Schüß gethan worden. Demnach hat der Obrist ein stattlich Pancket gehalten / dabey sich auch der Stattmeister vnd etliche deß Raths befunden. (Pilßner müssen bey den Böhmischen Ständen ???uhalten schmeren.) Nach dessen Verrichtung muste die Statt /??? bey den Böhmischen Ständen sub vtraque hinfort zuhalten / folgender gestalt sich verpflichten: Nach dem wir von Ihr Gn. den Evangelischen Ständen dieses Königr. sub vtraque, ohne alle darzu gegebene Vrsach / vns in der Statt Pilsen eingesperret / hernach wegen etliches vngebührlichen Führnemens zur Belägerung der Statt kommen lassen / daß alsd???ann dieselbe / auß sonderbahrer Schickung Gottes / mit gewehrter Handt ist erobert vnd eingenommen worden / vnd wir die Einwohner gemelter Statt / nunmehr in Gewalt der Herrn Stände gerathen sind / auch in demselben verbleiben: Als schweren wir hiermit zu Gott dem Allmächtigen / daß wir nunmehr dieser Zeit / in allen vnsern Nothturfften vnnd fürfallenden Sachen auff Jhre Gn. die Stände sub vtraque, oder an statt ihrer auff die Herrn Directores vnd Landträthe (inmassen andere Königliche Stätt in Böhmen solches dieser Zeit ebener Massen thun) vnsern Respect vnd Auffsehen haben / interim aber vnnd biß auff anderweit / Jhr. Gn. der Herren Stände sub vtraque Verordnung / vns nach dem Wolgebornen Herrn / Herrn Ernsten Graffen zu Manßfeldt / Edlen Herrn zu Heldrungen / Jhrer Chur-vnnd Fürstl. Gnaden / vnd der samptlichen Vnierten Stände deß H. Röm. Reichs / wie ingleichem Jhrer Fürstl. Durchl. Hertzogen zu Saphoyen bestelten Kriegs-Obristen / vnd der löblichen dreyen Ständen in Böhmen General vber die Artolleria vnnd Obristen / oder auff die jenigen so vns von Jh. Gn. dem Herrn Graffen vorgestellet werden möchten (Jedoch aber nur so weit / als sich die Kriegs-Disciplin vnd Verwahrung der Statt erstrecken wird) reguliren / auff denselben oder seine Befelchshaber / zu förderst aber vnnd vor allen Dingen / auff J. Gn. vnnd die Herrn Stände sub vtraque, vnd die Herrn Directores vnnd Landt Räthe / für allen andern vnsern Respect haben / vnnd gegen denselben vns alles gebührlichen Gehorsambs erzeigen / benebens auch alle Stewren vnnd Contributionen / auch andere Anlagen / so allbereyt versessen / oder noch von den Herren Ständen beschlossen oder bewilliget werden möchten / willig vnd ohn allen Auffschub entrichten vnnd erlegen / auch sonsten alles das thun sollen vnnd wollen / was zu erhaltung Friedens / auch was getrewen Inwohnern deß Vatterlandts gebühret. Darzu helff vns Gott Vatter / Sohn vnnd H. Geist / die H. Dreyfaltigkeit Gottes / Amen. (Pilsen von dem von Manßfeld besetzet.) Nach dem nun dieses alles besagter massen vollendet / hat der von Manßfeld / als er die Statt mit sieben Compagnien zu Roß vnnd Fuß vnder Graff Hanß Georg von Solms besetzt / das vbrige Volck biß der Winter vorüber were / in Guarnison gelegt. (Schreiben der Böhmischen Stände an den Ray. wegen der vorgeschlagenen Interposition vnd Belägerung der Statt Pilsen.) Wegen der vorgeschlagenen Interposition auch Belägerung vnd Einnehmung der Statt Pilsen / haben die Böhmische Stände den 29. Novemb. ein Schreiben an den Kayser abgehen lassen / dieses Inhalts; Sie hetten der Hoffnung gelebet / es würden Jhre Kayserliche Wayestät mit jhrer aller vnderthänigsten Submission / wie sie in hiebevor abgangenen Schreiben Jhrer Mayest. sich vnderworffen / wol zufrieden seyn / vnnd durch die bewuste Interposition den Beschwernussen / darin dieses Königreich an jetzo schwebete / gnädigst abhelffen. So vernehmen sie doch auß Jhrer Mayest. Schreiben so viel / daß hierinn den Ständen dieses Königreichs vnerträgliche vnnd gefährliche Mittel vnnd Conditiones vorgeschlagen würden / nemblich wann sie in jhrem Werck jren Gehorsamb erwiesen / Wehr vnnd Waffen niderlegten / das Manßfeldische vnd ander geworbenes Volck / im Fall was mehrers vorhanden / oder sie dessen noch etwas gewärtig weren / auß dem Königreich schaffen / auch die Abdanckung deß vbrigen den Ständen zugehörigen Volcks würcklich vornehmen / von der Direction deß Landes Administration abstehen / vnd den Kayserlichen Patenten nachkommen würden / als dann Jhre Kay. M. die Verordnung thun wollen / daß deroselben geworbenes Volck an einem [94] gewissen Orth dieses Königreichs / alda jhnen die Notthurfft an Proviand dargeben werden möchte / verbleiben solte / welches dann sie mit betrübtem Gemüth vernommen / daß jhre Submission von jhren widerwertigen F???inden / bey Jhr Kayserl. Mayest. in Zweiffel gesetzet würde / auch das noch mehrers were / jhnen solche gefährliche Begehren / allein nur mit Fleiß zu dem End vorgeschlagen würden / damit diesem Vnheyl durch billiche Mittel / niemahls abgeholffen werden möchte / vnnd also die Widerwärtige hierdurch je länger je mehr jhren Willen an den Ständen dieses Königreichs vollbringen könten. Dann so viel den Gehorsamb vnnd Submission anlangete / zu welcher die Stände ermahnet würden / were Jhrer Mayest. vnd der gantzen Welt kund / daß sie sich der Vnderthänigkeit vnd Gehorsambs / damit sie Jhrer Kayserl. Mayest. als Jhrer von GOTT vorgesetzten Obrigkeit verbunden / niemahls entbrechen / sondern allezeit zu gebührlichem Gehorsamb sich bekennet / auch darinn beständig zuverbleiben gedächten / wann sie nur Remedirung jhrer Beschwerden erlangen möchten: Daß jhnen aber sicher vnd ohne Gefahr seyn solte / Wehr vnnd Waffen zu welchen sie / nicht wider Jhre Kayserl. Mayestät sondern wider jhre Feinde / zu Beschützung Jhrer vnnd deß Mayestät-Brieffs / das Exercitium Religionis betreffend / nothtrünglich greiffen müssen / niderzulegen / jhr Volck abzudancken / dargegen aber Jhrer Kayserl. Mayest. Volck im Landt verbleiben vnnd dasselbe proviantiren zulassen / solches könten sie nicht für rathsamb erachten. Dann ob wol zwar in Jhrer Kays. Mayestät Schreiben so viel zubefinden / wann sie die Wehr vnd Waffen niderlegten / das Volck auß dem Königreich abschafften / entgegen aber Jhrer Kayser. May. Volck darinnen lassen würden / daß von allem Gewalt vnd Thätlichkeit desselben J. May. Volcks / auch sonsten sie gar wohl gesichert seyn köndten; wann sie aber die grosse Tyranney vnnd Vngehorsamb dieses Volcks bedächten / auch vorige Jhrer Mayest. Schreiben / so wohl deren außgangene Patenta in acht nehmen / darinnen ebener massen solches angezogen würde / daß Jhr Mayest. solch Jhr Volck allein zu Beschützung dero getrewen Vnderthanen in dieses Königreich schicken thäten / so erschiene doch hierauß das widrige / nemblich daß solch Volck dieses Königreich mit Morb vnd Raub / Fewer vnd Schwerd / Plünderung der Kirchen / Wegführung der Leut ohn Vnderscheid der Religion / zum höchsten verderbet vnnd verwüstet / dahero zubesorgen / weil sie solches an jetzo zuthun nicht vnderliessen / da sie doch sehen / daß Gott sein Werck dermassen vertretten / vnnd den Ständen bey ordentlichem Mittel / jhren Feinden darmit zubegegnen / an die Hand geben thäte / daß sie es alsdann viel mehr thun würden / diesem Königreich Schaden zuzufügen vnnd jhre Boßheit zuvben / wann jhr Volck abgedanckt werden solte / welches sie dann ins künfftig / da es also geschehe / mit gutem Gewissen nicht verantworten köndten; so hetten sie auch ein newliches vnnd erschröckliches Exempel deß Passawischen Volcks vor Augen / welches sie billich von diesem Begehren abhielte: Dann als dasselbe ebener massen feindlich in dieses Königreich eingefallen / hette Kayser Rudolphus den Ständen zugesagt / vnnd sie dessen vergewissert / daß solch Volck niemanden Schaden / sondern dasselbe hinwiderumb also bald auß dem Landt zurück geführet werden solte. Es hette aber solch Volck keinen Gehorsamb leysten wollen / sondern were wider der Kayser. Mayest. Wissen vnnd Willen / je länger je mehr den Prager Städten zugeruckt / die kleine Statt Prag feindtseliger Weiß angefallen / vnnd darinnen mit Morden vnnd Rauben grawsamb gehauset / dessen biß auff den heutigen Tag Zeugen vnnd Gedächtnuß vorhanden weren: Solcher vnnd dergleichen Gefahr hetten die Stände zubesorgen / wann solch wütend Volck nach Abdanckung deß jhrigen / in diesem Königreich gelassen werden solte / vnnd sich die Stände auff niemandt dann zuverlassen hetten. So wolte jhnen ebener massen nicht gebühren / were auch nicht müglich noch sicher / ohne Bewilligung deß gantzen Landes / auch Vorwissen der Fürsten vnnd Stände in Schlesien / welche jhr Kriegs Volck nunmehr mit den Böhmen conjungirt / das Exercitium Religionis mit vnd neben jhnen vertheydigten vnd vor einen Mann stünden / solches einzugehen vnd zu solchen gefährlichen Conditionen / ehe vnd zuvor die Interposition vorgenommen / auch den Ständen dieses Königreichs / so wol den Fürsten vnnd Ständen in Schlesien / in jhren Beschwerungen nit abgeholffen würde / zuschreiten. Dannenhero Jhre May. Sie vnderthänigst bitten / dieselbe wolte von solchen Conditionen / so jhnen anzunehmen nit müglich weren / gnädigst ablassen / vnd sie bey Jhro entschuldiget halten / daß sie das jenige / so deß gantzen Königreichs vnnd anderer L???ander Gefahr ob sich trüge / nicht eingehen könten: Sondern Jhre Mayest. wolte viel lieber zu der begehrten Interposition / deren sie sich bißhero getröstet / vnnd vmb dieselbe nochmals bitten theten / gnädigst schreiten / vnnd solche Mittel vorschlagen / durch welche diesem gefährlichen / vnd nunmehr weitkommenden Werck glücklich vnnd auffs eheste abgeholffen werden möchte. Sie be???sinden aber / daß jhre Feinde solches nit allein mit diesen obangezogenen schweren Conditionen / sondern auch mit dem vertheydigë wolten / so in obgedachtem Jhrer Kay. Mayest. Antwortschreiben / welches sie an Sachsen gethan / so wol auch was als dann weiters J. K. M. an gedachte Churf. Gn. vnderm dato Wien den 9. Octobris zubefinden were / nemblich / daß J. May. jhre Feinde die Belägerung der Statt Pilsen / welche vnvmbgänglich auß nachfolgenden Vrsachen geschehen müssen / so sehr einbildeten vnnd darzu bewegen wolten / samb solches zu Berhinderung der begehrtë Interposition vnnd Vnderhandlung gereichen thäte / so aber gar nicht [95] diese Meynung hätte. Damit sie aber bey Jhrer Mayest. nicht in dem Verdacht gelassen würden / als wann sie deß Kriegs begierig / vnd gleichsamb mit fleiß gemelte Interposition verhindern wolten: So theten Jhrer Kays. May. Sie von Beschaffenheit der Sachen diesen warhafften Bericht / daß sie bald von Anfang dieses Wesens obgemelte Pilßner zum Frieden ermahnet / vnd an sie begert / nichts feindtliches vorzunchmen / dessen selbige dann auch durch Schreiben / demselben nachzukommen / vnd sich friedlich zuhalten anerbotten: Aber bald jhre Zusag gebrochen / vnnd ohne alle gegebene Vrsach wider die Stände sich feindtlich gesetzet / Volck geworben / vnnd dann benebens auch etlicher auß den Ständen eygene Vnderthanen zu jhnen in die Statt einzugehen gezwungen: mit welchem Volck sie alßdann auß der Statt Außfäll gethan / viel Viehes eingetrieben / vnnd den vmbligenden Benachbarten mit Plünderung ihrer Güter grossen Schaden zugefügt / etlicher frembder Herren vnnd Obrigkeiten Vuderthanen / daß sie jhnen die Vnderthänigkeit schweren müssen / darzu genöthiget / vnd letzlich sich auch diß vnderfangen / daß sie ansehenliche Rittermässige Personen auß den Ständen / im Außfallen gefänglich eingezogen vnd in die Statt geführet / von jhren Brieffen die Sigel abgerissen / zu erdichten Patenten auffgetruckt / darauff in jhrem der Stände Nahmen Volck werben lassen / vnd sich mit solchem also gestärckt / daß auch letztlich das Land-Volck / so im selben vnnd andern Craysen auffgemahnet worden / jhnen vnd jhren Außfällen vnd Plünderungen nit wehren können / vnnd ob wol die Stände sie nit einmal erinnert / daß sie das Land nicht verwüsten vnnd Plündern solten / hetten sie sich doch je länger je feindseliger erzeigt / vnd den Innwohnern desselben Crayses allerley Bedrohungen gethan. Von dessentwegen dann nothtringlich / zuvorauß aber zu Verwahrung deß gantzen Landes / auch auff embsiges bitten und anhalten der Innwohner desselben Crayfes / denen grosser Schad von ihnen Pilßnern zugefügt worden / hette die Sach etwas ernstlicher gegen jhnen vorgenommen werden müssen / der Hoffnung / sie sich hierauff etwas bedencken / vnnd von jhrem bösen Vornehmen abstehen würden / damit es letztlich nicht dar zu kommen dörffte / die Statt mit Gewalt zu ängstigen / sondern daß sie jhrer künfftigen Gefahr viel lieber entlediget werden möchten. Es hätte aber dieses alles bey jhnen nichts verfangen wollen / sondern sie hetten sich selber muthwillig zur Belägerung geschickt / die Vorstatt angezündet vnd sich auff jhre Macht verlassen / nach Erfahrung dessen / ob sie wol den Ständen mit Worten vnnd Wercken mehr als zuviel Vrsach gegeben / so hetten sie doch nichts desto weniger auß Mittleyden nicht vnderlassen / Graff Ernsten von Manßfeld drey vnter schiedliche Ordinantzen zuertheylen / daß er auß vielen Vrsachen von der Belägerung ablassen / vnnd jhnen Pilßnern keinen Schaden zufügen wolte: deme gemelter Graff nachkommen / von der Statt gantz abgezogen / vnd das Geschütz drey / dz Volck aber zwo Meil Wegs von der Statt zurück geführet / der Hoffnung die Pilßner sich friedlich verhalten / vnd kein weitere Vrsach zum Vnfrieden vnd vnvernehmen geben würden. Darauff sie aber widerumb Träwwort außgesprengt / mit Vorgeben sie dem von Manßfeld bald auch das Crayß-Volck nachschicken wolten / mit welchen Drohworten sie dann die Innwohner desselben Crayses bewegt / daß sie selber dem Graffen von Manßfeld hinwiderumb nachgeschickt / vnnd jhn gebetten / er wolle zu Beschützung ihrer vnd anderer / jhnen zu nechst angelegenen Crayß / damit sie nicht etwa mehrern Schaden vn̅ Gefahr außstehen dörfften / mit seinem Volck zurück kehren / vnd verhülfflich seyn / die Statt Pilsen zum Frieden zubringen: so der Graff gethan / vnd alsdann die Statt auffs new belägert / entzwischen aber hetten sie der Statt vnderschiedliche Mittel zum Accord vorgeschlagen / damit dieselbe nicht etwan zum gäntzlichen Verderb gerathen / vnd es dann auch zu weiterm Blutvergiessen kommen möchte: Sie aber weren in jhrem vornehmen fortgefahren / biß es darzu kommen / sintemahl sie wider alle der Ständ Zuversicht / bey jhrer Halßstarrigkeit verblieben / vnd kein billiche Mittel zu hindanlegung dieser Sachen / nicht eingehen wollen / daß der Graff von Manßfeld solche Statt einnehmen müssen / damit hierdurch den Schaden / welcher durch jhre Verwüstung demselben Crayß zugefüget worden / nicht weniger auch weiterer Gefahr / deren man sich vor jhnen beförchtet / zeitlich hette vorkommen werden mögen / jedoch aber hette der Graff jhrer Vermahnung nach sich also verhalten / daß auß der Bürgerschafft vnd andern der Statt / weder Geistlich noch Weltlich / so viel es jmmer müglich seyn können / niemanden an Leib vnd Gütern einiger Schaden widerfahren were / wie dann auff dato vnbewust / daß jemand nach Einnehmung der Statt geblieben seyn solte. Darauß dann Jh. Kay. May. nach Längs zuvernehmen hette / daß die Belägerung dieser Statt nicht vorsetzlicher Weiß oder ohne Vrsach / viel weniger zu dem Endt geschehen / daß hierdurch die Interposition gleichsamb gefallen vnd auffgehaben seyn solte / oder daß J. Kay. Mayest. die Stände im wenigsten etwas widerwertiges zufügen / vnnd Jhre May. etwan offendiren solten / sondern was hierinn vorgelauffen / solches vnvmbgänglich zu Vorkommung vieles Vbels / so Jhrer May. vnd dem gantzen Königreich hierauß hette erwachsen mögen / geschehen müssen. Dahero wolten Jhre May. sie in diesen Sachen gnädigst für entschuldigt halten / auch Jhro dieses nit verhinderlich seyn lassen / sondern die vielfältige grosse Bedrangnussen dero getrewë Vnverthanen / welche sie von J. May. Kriegs-Volck nun von langer Zeit hero erlitten / mit dero Gnaden-Augen anschawen / auch diß darbey behertzigen / was Christlichen Bluts die Zeithero / so den Allerhöchsten vmb Raach anruffen thete / were vergossen worden / benebens sich zu jhrer begehrtë [96] Bitte / wie ingleichem auch zu den Seufftzen vnd Flehen der trawrigen vnd vnschuldigen Leut / derer Schreyen vnd Klagen / das durch die Wolcken dringe / bewegen / dann auch jhr den getrewen Rath der Chur- vnd Fürsten deß Reichs gnädigst belieben lassen / vnd ferner nicht gestatten / daß solche Tyranney (sintemal solches wider Jhr May. vnd deß Hauses Oesterreich angeborne Güte vn̅ Miltigkeit lauffen thäte) an Christlichem Volck gevbet werden solte / sondern Jhre Kay. Mayest. wolten solches zu Hertzen fassen / dero getrewen Vnderthanen vnnd deß Königreichs Wolfahrt behertzigen / solches ferner nicht verwüsten vnnd vnschuldig Blut vergiessen lassen / sondern mit dero Kay. vnnd Kön. Gnaden sich wider zu jhnen lencken / dero Kriegs-Volck auß dem Königreich wider abfordern vnd abdancken lassen: Inmassen sie dann allbereit etlich tausent jhres Einheimischen Volcks abgedanckt / der Zuversicht / wie hievor also auch noch bittend / Jhre Kay. Mayest. würden die nun von langer Zeit hero begehrte Interposition / in Betrachtung / daß sie der Abdanckung nunmehr einen Anfang gemacht / vnverlängt vornehmen / jhnen vnd der Fürsten vnd Stände in Schlesien Beschwerungen abhelffen / vnd wie jetzo also auch ins künfftig / sie wider die Zerstörer deß gemeinen Friedens (welche an diesem allem schuldig weren / vnd von deren Händen dann die Rechenschafft deß vnschuldigen Bluts / so beyderseit in diesem Königreich bißhero vergossen worden / durch das gerechte Vrtheil Gottes abgefordert werden würde) versichern / die gegen jhren gefaste Vngnad / darzu jhre Feinde J. May. wider sie anleyteten / gnädigst fallen / jhre vorige vnd jetzige Submission gnädigst belieben lassen / hierdurch einen beständigen Frieden in diesem Königreich vnnd andern Landen auffrichten / vnd dann benebens auch jhr aller gnädigster Kayser / König vnnd Herr seyn vnnd verbleiben / sc. (Ernst von Manßfeld wird in die Aacht erkläret.) Ob nun wol die Böhmische Stände der Belägerung Pilsen vnd anders Beginnens halben weitläufftige Bericht thäten / wurde doch solches von jhren Widerparten nit geachtet / sondern darvber Ernst von Manßfeld / weil er sich dazu fürnemblich gebrauchen lassen von Kayser Matthia in die Aacht erkläret / welches hernach im Februario 1619. offentlich angeschlagen worden dieses Innhalts; Wir Matthias / sc. Entbieten allen / sc. Ob wol in Vnsern vnnd deß Reichs Satzungen vnderschiedlich versehen / daß niemands was Standes oder Wesens der sey / besonder vnd fürnemblich kein Obrister / Rittmeister / Hauptleuth / Befelchshaber vnnd gemeine Kriegsleut / auch alle die / so die Vergaderung / Zusammenlauffens oder Häuffens / auch anderer Werbung vnd Bestallung der Knecht / Anfänger vnd Auffwiegler seyn / vnnd sich hierzu gebrauchen lassen / einigen Krieg vnd vnfriedliche thätliche Handlung thun noch vornehmen / wider Vns oder einigen gehorsamen Stand deß H. Reichs / ohn Vnser oder seiner Obrigkeit Vorwissen vnnd Bewilligung / fürnemlich bey jetzigen geschwinden gefährlichen Zeiten / sich zu dienen nicht sollen bewegen lassen / wie dann endtlichen in dem Reichs-Abschied / vo̅ Anno 1559. damit hinfüro im H. Reich Teutscher Nation Ruhe / Fried vnd Einigkeit desto beständiger erhalten vnnd gehandhabet werden möge / die in vorigen Vnsern vnd deß H. Reichs Constitutionen gesetzte Poen dahin erweitert / daß die Vberfahrer solches Vnsers Kayserlichen Gebotts vnd gemeine deß H. Reichs Satzung / neben vnd vber die in demselbigen genandte Poen falle / in Vnsere vnd deß H. Reich Aacht ipso facto, auch ohne eynige ferrnere Erklärung / gefallen seyn sollen / alles mehrern Inhalts obgemelten Reichs Abschieds / so hernachmalen in den folgenden Reichs-Constitutionen de anno 1564. vnd 1566. widerholet vnd bestätiget worden. Ob Wir auch schon auß Vätterlicher Vorsorg vnd Neygung durch offentlich außgangene Patent vnd Mandaten / als von 6. Junii vnd 27. Octobris jüngstabgewichenen Jahrs / obvermelte Reichssatzungen / jedermänniglich nicht denen darin gesetzten Poenen zur Warnung / vnnd sich vor Schaden zu hüten vorgestellet / vnnd sich denselben in allem gemäß zuerzeigen auch darwider im wenigsten / bey Bermeydung mehrgedachter Straffen / zu handlen / ernstlichen befohlen vnnd aufferlegt; So ist doch Landtkündig / vnd Wir erfahren solches im Werck selbsten / daß Ernst von Manßfeld / nit allein vor diesem sich gelüsten lassen / ein nambhafftes Kriegsvolck / ohne Vnser Kayserlich Vorwissen vnd Bewilligung / auch einige in mehrgedachten Reichs-Constitutionen erforderte Condition vnd Requisiten / vnnd also solchen heylsamen Satzungen gantz vnnd gar zuwider / im H. Röm. Reich zuwerben / vnd mit höchstem Schaden der Obrigkeiten eygenthätlicher Weise durch zu führen / sondern noch vergangenen Jahrs abermaln viel Kriegsvolck geworben / vnd in Vnfer Königreich Böheimb / vnd also wider Vns vnnd Vnsere Vnderthanen geführt / daselbsten mit feindtlicher Belägerung / Einnehmung vnnd Rantzionirung Vnserer getrewen Statt Pilsen / vnd sonsten gantz verbottener Weise / wider jetztgedachte Vnsere Vnderthanen / vnd zu Handhabung desselben Königreichs geworben Volck verfahren. Dannenhero er dann / vermög obangezogener Reichs-Ordnungen / ohne einige ferrnere Erklärung ipso facto in die Straff Vnser vnd deß H. Reichs Aacht gefallen: Als declariren Wir mehrgedachten Ernst von Manßfeld / in Vnser Kays. May. vnd deß H. Reichs Aacht / wie vermeldet / mit der That vnnd ipso facto gefallen zu seyn. Denuncieren vnd verkünden jhn auch hiermit / auß Kayserlicher Macht / zu Schutz vnd Handhabung obbemelter Reichs-Constitutionen vnd Satzungen / in jetztbemeldte Aacht / setzë jhn auß dem Frieden in den Vnfrieden / vnnd erlauben seinen Leib / Haab vnnd Gut jedermäniglich / sc. (Landtag in Oesterreich.) Zu Außgang deß Octobris haben die Landstände in Oesterreich vnder der Enß / auff Kaysers Matthiae begehren einen Landtag zu Wien [97] gehalten / aber die Protestirende Ständ / weil sie auff jhre Gravamina, die sie in dem Majo zuvor dem Kayser schrifftlich vbergeben / noch kein Resolution erlanget / haben biß jhnen solche eingehändiget / zur Berathschlagung nit schreitë wollë. Gedachte jhre Gravamina haben sie auff solche Weiß vorgebracht / nemblichen; (Gravamina der Oesterreichischen Protestirenden Ständ so sie im Majo 1618. zu Wien dem Rayser vbergeben.) Weil es an dem daß der Nider Osterreichische Landtag solte gehalten werden / zu dessen mehrer Beförderung dienen könte / wann sie (Protestirende Stände) noch vor demselben jhre Gravamina vbergeben vnd derselben Erledigung suchten / deßwegen beten sie J. M. solches Anbringen nachfolgender massen vernehmen wolten. Es hetten J. M. als die der Augspurgischen Confession zugethane Ständ / zu Kayser Rudolphi Zeiten ex odio Religionis in Gewissens Sachen / jhren jhnen von Kayser Maximiliano 2. ertheilten Religions Freyheiten zuwider bedrenget worden / auch bey jhren Gerichten kein Gehör gehabt / vnd den effectum iustitiae nit erreichen können / zu solcher Beschwerden Remedirung / noch vber die dazumal außgangene Entschuldigungs Schrifft / warumb der Zug in Böhmen fürgenommen worden / auch diese Mittel erfunden / daß durch die den 19. Martii 1609. jhnen gegebene Königl. Handtschrifft vnd Insigel bekräfftigte Capitulations Resolution / solche jhre Freyheit der Religion erleutert vnnd bestettiget / darneben wie die Justitia jhnen wie jhren Mitgliedern ohne einige Partheyligkeit ertheylet werden solte / geordnet / auch hernach durch vnderschiedliche Decret zugesagt hetten / daß Jhr. Mayest. alles was sie in gedachter Resolution sich erbotten / in allen Clauseln vest zuhalten / vnnd das vbrige / so noch nicht vollnzogen / gleich fals zu verrichten / alles darumb / damit an der Stände Beschwerden ein Ende gemacht / Wolstand vnd auffnemen zu Erquickung deß fast gantz ruinierten Vatterlandts wider eingeführt vnd das alte Vertrawë / so zu Kaysers Maximiliani 2. Zeiten zwischen beyder Religions-Ständen gewesen wider ernewert werde. Sie würden aber doch so wohl in Religions als Justitien Sachen / von jhren Widrigen dermassen beschweret / daß fast kein einiger Punct in der Kayserlichen Capitulations Resolution vnd mündtlichen Vertröstungen zu findë / wider welchen sie nit bedrengt worden / welches sie J. May. auffs kürtzest vorbringen wolten. Anfänglich würde von jhren Gegentheylen die auff J. Kay. May. Befehl durch den Vngarischen Palatin. Georgen Graffen zu Turtzo im Februario 1610. alhie im Landhauß den sämptlichen Ständen intimirt vnd publicirte Capitulations Resolution für so geringschätzig geachtet / daß man bey denen Gerichten / nicht so wohl als auff andere sanctiones vnnd Principales constitutiones erkennen sondern selbige noch biß auff den heutigen Tag für nichts publicirt vnnd also für nichts gültig halten wolte. Welches ein solches Gravamen were / daß da es nicht remedirt werden solte / es eben so viel seyn würde / als wann Jhr. M. jhnen solche Resolution nie gegeben hetten / darauß dann vielfältige Beschwernussen erfolgen würden; damit nun solche verhütet würden / were das beste Mittel / daß solche Kays. vnnd Königliche Resolution allen Gerichten vnder vn̅ ob der Enß / wie andere Landtsfürstliche Constitutionen ehist intimirt / vnnd derselben nach zuleben ernstlich befohlen würde. Darnach begehrten sie daß J. M. das in solcher Resolution verheissene vnpartheyische Iudicium ehisten ersetzen / inmittels aber alle Executionen in denen / für solches Iudicium gehörigen Sachen einstellen wolte. Zum dritten begehrten sie daß keiner wider altes Herkommen wegen der Stol vnd Pfärrlichen Gerechtigkeit beschweret würde / dann solches vielfältig geschehe. Zum vierdten würden sie auch bey jhren Erbbegräbnussen nit gelassen. Zum fünfften würde im 9. Articul der König. Capitulations Resolution die Außschaffung der Vnderthanen der Religion halbe̅ nit allein auffgehaben / sondern auch Jahr vnd Tag zur Zustifft vnd Verkauffung deß jhrigen zugelassen / hierwider aber würde viel fältig gehandelt vnd die arme Leut der Religion halben vnbarmhertziger Weise bedränget / jhre Häuser vmb den halben Werth geschetzet / ja gar von Hauß vnd Hoff verjaget. Zum 6. bey dem 10. Articul hette der Proceß der Kirchen zu Hörnals / bey dem bemelten Vnpartheischen Iudicio entschieden werden sollen / welcher gestalt aber Freyherr Jörger vn̅ Albrecht Geyr für die Nider-Oesterreichische Regierung / erstlich zwar zur mündtlichen Verhör vnnd dann zur schrifftlichen Hauptsächlichen Verfahrung getrungen worden / vn̅ darüber eben so beschwerlicher Abschied ergangen / als man sich in die ser Sach noch bey der vor der Capitulations Resolution vorher gangenen Tractation / weil der mehrertheil Regenten Catholisch / vnd vnder den Doctoribus gar kein Evangelischer gewesen / besorgt. Zum 7. hette J. M. zugesagt die Stätte vnnd Märckte nicht beschweren zulassen; so were dargethan worden / daß die Stätt vnd Märckt zu Zeiten Kayser Ferdinandi vnd Maximiliani deß andern neben den Obern Ständen in den Religions Sachen zugelassen: were auch zugesagt worden / daß es auch hinführo bey solchem alten Gebrauch verbleiben solte. Weil aber die Stätte vnd Märckte / nicht allein in denen an die Evangelische Stände lautende Decreten mehrentheils außgelassen / auch vo̅ den Audientzen außgeschlossen weren / als begehrten sie daß mit jhnen hinfüro solcher vierdte Standt (als der mit jhnen ein Corpus bestellete) in Religions Sachen / mit jhrer Nothturfft auch anzuhören nicht außgeschlossen würde. So were auch diesem Punct anhängig / daß die von Stätten vnd Märckten sonsten in der Religions Freyheit nit bedränget würde̅ / welches aber bißhero viel fältig geschehen. Zum 8. würde im 12. Articul versprochen / die Stätte vnd Märckt / wegen Ersetzung der Bur [98] germeister / Richter vn̅ Rathsverwandtë / Statschreiber vnnd Auffnehmung der Bürger ohne Reverß bey jren Privilegien / alten Herkommen / vnd Gerechtigkeiten handzuhaben / darwider aber were vielfältig gehandelt worden. Zum 9. hetten sie auch die Zusag bekommen / daß der Hoffrath wider ersetzet werden solte / ob nun wol dasselbig offtmals begehret worden / bliebe doch dasselbig annoch anstehen. Zum 10. hetten sie auch die Vertröstung bekommen / daß in Ersetzung der Diensten die angesessene qualificirte Landleut / vnd die alten Geschlechter vor andern befördert / vnnd die Dienst vnd Aempter von beyden Religions-Verwandten / nach Tauglichkeit derselben ersetzet werden solten. Dieses aber were ingleichem bißhero wenig in acht genommen worden. Endlichen weil auch ausser der Capitulations Resolution J. M. versprochen / daß sie die Protestirende Stände bey jhren habenden Recht / Gerechtigkeit / alten Herkommen vnd Gebräuchen schützen wolten / sie aber befinden / daß sie nit allein in Genere, sondern auch viel jhrer Mitglieder in specie darwider höchlich beschweret / ja manchesmal gar Rechtloß gelassen / vnd zu wider J. Kay. Mayest. Resolution zu mündtlichem Verhören / welches grosse Gefahr auff sich trüge / deßwegen sie auch bey dem Land-Marschalcken Gericht vermög der Gerichts-Ordnung abgestellet weren. Weil nun dieses alles theils ex odio Religionis, theils auß nicht Public rung der Capitulations-Resolution / theils auß nicht Ersetzung deß Vnpartheyischen Iudicii vnd deß Hoffraths herfliessen / vnd vor Constituirung solcher keine beständige Besserung zuhoffen were: Als beten sie Jhre Kays. Mayest. sie wolte ohn allen ferrnern Verzug ihres Begehrens sie gewehren / vnnd sie also bey jhren habenden Religions vnd Politischen Freyheiten vnnd Gerechtigkeiten schützen / vnnd nicht gestatten / daß dero Königl. Zusage / Handtschrifft vnd Insigel durch jhre Gegentheil violiret würde / sc. (Rayserliche Resolution auff der Evangelischen Oesterreichischen Stände Gravamina.) Auff diese der Oesterreichischen Stände eingereichte Gravamina / hat der Kayser sub dato den 9. Novemb. 1618. folgender gestalt sich erkläret / nemblichen; J. Kay. May. hetten sich vieler Vrsachen halber vnd sonderlich wegen der ohne schweren Läuften vnnd andern Beschwerungen versehen / es würden Jhro die Ständt / zumal bey hievor empfangenen vnderschiedlichen Resolutionen / darinn grösten theyls praetendirten Beschwerden jhre gewisse Maß gegeben worden / verschonet / sonderlich aber / in dem Jhrer Kay. May vermög gedachter Resolution weiter zuthun / oder noch zur Zeit angebrachter massen zu vollziehen nicht obligen / in dieselbe nicht so starck / als hafftet der Mangel an Jhrer Kays. Mayest. gedrungen: sondern sich / was Jhre Mayest. so wol in vnd nach angetrettener Landtsfürstl. als auch bald darauff erfolgter Kayserl. Regierung dem gantzen Vatterlandt / auch jhnen den Ständen ins gemein vnnd absonderlich für hohe Gnad vnnd Gutthalen bewiesen / erinnert haben. Wie aber dem were / so wolten doch J. May. auff ein vnd andern Haupt-Puncten Bescheid wider fahren lassen / deß Versehens die supplicirende Stände würden darauß nicht allein J. M. auff richtige Intention verspüren / sondern sich auch zu derselben gehorsamblich bequemen. Den ersten Punct nun belangend wisten sich die Stande selbst zuerinnern / daß Jhre Mayest. sich zu einer weitern Publication Jhrer Resolution als die albereit geschehen / nicht verpflichtet / solches were auch gantz vnnöthig vnd gereichte zu Schmälerung der Kays. Mayest. Vnd da sich jemandts wider die Kayserl. Resolution beschweret befinde / solte er seine Zuflucht zu Jhrer Mayest. selbsten nehmen / so wolte die selbe jhm alle Billichkeit widerfahren lassen. Den andern Puncten belangend / würden sich die Stände zuerinnern wissen / daß Jhre May. solches Iudicium jhr nit zuwider seyn lassen / sondern erst in dem Jahr 1615. bey den Catholischen Ständen zu benennung der Personen zur Consultation / wie in angezogener Resolution begriffen / Anmahnung gethan hetten. Dieweil aber dieselbe bey jhrer eingewandten Entschuldigung biß dahero verblieben / so hette Jhre Mayest. deß Auffzugs keine Schuld / weiln / wie solches Iudicium zubestellen vnd die Proceß darbey zu observiren / vorhero berathschlaget werden solte / von beeden auß den Obern Politischen Ständen / jhren Religions-Verwandten vier / als zween von Herrn vnnd zween von Ritterstandts benandten Personen / mit Zuziehung eines Gelehrten jeglicher Religion: Vor Vollziehung aber dieses Jh. May. zu Bestellung dieses vnpartheyischen Gerichts nicht gelangen können. Eswolte aber Jh. M. die Catholische Stände nochmals erinnern / vnd in mittels verschaffen / daß die E. Ständ mit Exequirung der geklagten anhängigen Proceß nicht beschweret werden soltë / doch solten die Protestirende auch an keinem Orth vnder deß de facto procediren. In dem dritten Punct were Jhre May. auch keine Schuld zuzumessen / dann niemand / der sich gebührlich beklaget / Hülffloß gelassen worden / wolten aber doch daran seyn / daß ein rechte Moderation ehist gemacht werden solte. Im 4. hette Jh. May. die vnwidersprechliche Erbbegräbnussen bey jhren Recht vnd Herkommen verbleiben lassen / were auch darob gehalten worden: in dem jenigen aber so streitig / oder ob die Begräbnussen Erblich / zweilffelhafftig gemacht worden / hetten J. Mayest. zu billichem Entscheid deß Rechtens angewiesen / dabey sie es noch verbleiben liessen. Zum 5. wann von beschwerten Vnderthanen so Cathol. Landtleuten vnd Obrigkeiten zugehörig / solches an J. M. selbst gelangen würde / wolte sie solches abschaffen / vnnd einen jeglichen bey der zugelassenen Frist beschützen. Zum 6. wegen der Hörnalserischen Sachen / were solcher Lehens-Proceß in genere vmb die Völligkeit / vnnd gar nicht in specie vmb die Kir [99] chen oder derselben Oeffnung angestellet gewesen / dahero keines wegs in die Resolution oder vnpartheyische Gericht gezogen hette werden können: Sondern dem Rechten vnd Landsbrauch nach vor der Regierung hette außgeführet werde̅ müssen / welches auch durch ordentliche schrifftliche Verfahrung beschehen / vmb der beklagte Theyl selbsten zum Vrtheil geschlossen / derohalben Jh. Mayest. auch alhie zu nahe gangen werde. Es winden aber doch die Nieder Oesterreichischen Regierung ehist vernehmen / wessen sich Jhre Mayestät in diesen Lehens-Sachen resolvieret. Zum 7. weren die Stätte vnd Märckte als J. M. Cammergüter zu dem Respect vnnd Gehorsamb zuweisen / der jhnen allzeit obgelegen were / vnd daß sich die Stände derselbë weiters nichts anzunehmen / als J. M. Landtsfürstl. Recht vnd Hochheit erdulden möchte. Doch wo einer oder der ander Particular-Beschwerden erlitten / vnd solche billiger gestalt anbrechte / solte jhm Recht widerfahren. Im 9. den Hoffrath betreffend / wisten die Ständ / daß dessen Bestellung / weil der gesampten vier Ständ obligende Deliberation noch nit vorher gangen / an Jh. Mayest. bißhero nicht erwunden: Doch weil die Kayserl. Dignität mit der Landtsfürstl. Regierung vereinbaret were / vnd also ohne das ein bestelter Hoffrath vorhanden seye / darein jederzeit die Landsbräuchkündige Subjecta gezogen würden / für vnnöthig seye ein absonderlichen Hoffrath zubestellen / sonderlich weil der Oesterreichischen Resolution-Sachen schwerlich eine solche Meynung seyn köndte / darzu eines solchen stetigen Raths Mittel vonnöthen were. Zum andern da man der Regierung die tauglichsten Subiecta nicht entzöge / nicht wol mit den Personen an der Anzahl vnnd Beschaffenheit / wie zu einem solchen Hoffraths Collegio erfordert würde / auß den Landts Mittgliedern auffzukommen seye. Letztlichen were auch der Vncosten in Bedacht zunehmen. Doch aber wann die Stände vermeynten / es were jhnen hieran so viel gelegen / wolten J. May. nach Berathschlagung vnnd an die Handtgebung der Mittel solches bestellen. Im zehenden hetten Jhre Mayest. das wenigste nicht vnderlassen / so dero selben mit Billichkeit zugemuthet werden können / vnd köndte solches männiglich an dem abnehmen / daß fast keines eintzigen Raths Mittel im Landt / so wohl auch am Kayserlichen Hoff / darein J. K. May. wie auch zu den hohen Aemptern selbstë die Landleut Augsp. Confession nit befürdert hetten / auch solches zu thun täglich noch nit vnderliessen. Auß welchem allem zusehen / wie empfindtlich J. May. vorkömme / da die geclagte Gravamina dahin gedeutet würden / als hette Jhre May. biß anhero Jh. Kays. vnd Königl. nit vollziehen wollen: Es würden aber die Stände vnd jedermänniglich erkennen / daß J. M. in einem vnd anderm nichts zuzumessen / sc. (1618. Der Eva̅gelischen Oesterreichischen Stände Begehren an die Catholischen.) Als nun etliche Tag nach empfahung dieser Kayserlichen Resolution / die Kayserliche Landtags-Proposition den sämptlichen Ständen vorgetragen worden / haben die Evangelische den Catholischen / nach Abhörung gedachter Proposition / ein Schrifft vbergeben / vnd darinn begehret / sie solten sich erklären ob sie die Evangelische Ständ sampt jhren Glaubensgenossen bey Kaysers Maximiliani 2. Religions Concession; vnnd dann Kaysers Matthiae Capitulations Resolution vngehindert verbleiben zulassen / darwider weder einen noch den andern ferner nicht zu turbiren / weniger der Religion halber zuverfolgen / zum vnpartheyischen Judicio aber / wie auch zum Hoffrath / vngehindert deß Praelatenstandts anno 1612. vnbefugten Begehrens / Personen auß jhren Mitgliedern zubenennen / gesinnet weren. (Antwort der Catholischen Oesterreichischen Stände.) Hierauff haben sich die Catholischen Stände entschuldiget / daß sie in geringer Anzahl versamlet / vnnd die Stände jhres Mittels nicht alle zur Stelle weren / derhalben die wenig Anwesende die Wichtigkeit solcher Sachen nicht allein vber sich nehmen könten / wolten aber doch die vbrigen beschreiben / vnnd zu der Berathschlagung solcher Sachen schreiten. (Anderwer???lich Schreiben der Evang. Stände vnder der Enß / an die vnder Enserische Catholis. Ständ.) Nach Vberantwortung dieses Schreibens der Catholischen vnder Enserischen Stände / haben die Protestirende sub dato Wien den 4. Decemb. jhnen ein andere Schrifft vbersendet / darinnen sie fürnemblich etliche der Religion halber denen darüber erlangten Freyheiten zuwider / bißhero an jhnen verübte Gravamina vnd Bedrangnussen erzehlet vnd in specie anzeiget / auch endlich sich / daß weder sie noch jhre Mitglieder / keinen Catholischen Inwohner / weder mit Worten noch mit Wercken / wegen der Religion nicht anfeinden / weniger verfolgen oder verjagen / sondern jhnen alle Verträwlichkeit leysten wolten / mit diesem Anhang / wer vnter jhnen hierüber thete / daß derselbe vor keinen Bidersmann gehalten / von jhnen außgeschlossen / der Landsfreyheit priviert / vnd im Land nicht gedulter werden solte / erkläret. Hingegen aber begehret / daß / da die Catholische Stände ein gleichmässiges gegen jhnen sich zuerklären gesinnet weren / sie ein schrifftlichen Vergleich mit jhnen auffrichten solten: anderst könten sie (Protest. Stände) in keine Berathschlagung sich mit jhnen einlassen. (Antwort der Catholis. Ständ / so hierauff beschehen.) Hierauff haben die Catholische Stände den Evangelischen ein andere schrifftliche Antwort vberschicket / dieses Inhalts; Sie wisten nichts von dem was jhnen von etlichen Catholischen Ständen für Beschwerden begegnet sein solten; zu dem so betreffen die meisten Gravamina den Landsfürsten / vnd nicht die gesambte Catholische Ständ / derhalben da jchtes vnbefugtes vorgangen were / solches vor die ordentliche Recht / zu folgender Remedirung gewiesen werden solte. Das vnpartheyische Iudicium belangendt / weil biß dato von Anzal der Personen / Proceß vn̅ anderer Beschaffenheit / die Bestellung deß Iudicii angehend / nichts geschlossen / wisten sie noch zur [100] Zeit nicht / wie sie die Personen zu gedachtem Iudicio hetten vorschlagen sollen: Da aber solches richtig würde / wolten sie an jhnen nichts erwinden lassen / was zu würcklicher Fortstellung vonnöthen seyn würde. Diese Strittigkeiten alle kämen eintzig vnd allein durch das eingerissene Mißtrawen her / welches durch die Evangel???sche Ständt gegen den Catholischen gefast hätten. Sie die Catholische Ständte wollen bey jhrer Resolution / die sie Anno 1610. jhnen einhandigen lassen / verbleiben / vnd erklären sich noch darüber / daß sie die Evangelische Ständte vnd jhre Glaubensgenossen / wider die Capitulations Resolution nicht turbiren oder verfolgen wollen / hätten sich derhalben sie (Evangelische) aller guten auffrichtigen / Teutschen Nachbarlichen Vertrewlichkeit / Lieb vn̅ Freundschafft zu jhnen zuversehen. Demnach verhoffen sie / sie / die Evangelische alle Differentz vnd vngleiche Vermuhtung fallen lassen / jhren guthertzigen Worten keinen vngleichen Verstandt zumessen / vnd also / weil die Catholische so wol als die Protestirende jhr Schrifftliche Erklärungen jederzeit in acht genommen / ferrnere Vnderred-vnd Handlungen / bey diesem gefährlichen Vnwesen / vnderwegen lassen / vnd mit jhnen zur Berathschlagung J. K. M. vnd deß gantzen Vatterlandts Notthurfft schreiten / sc. (Widerantwort der Evangelischë Stände.) Mit dieser der Catholischen Ständte Antwort sind die Evangelische noch nicht zu frieden gewesen / sondern jnë wider Schrifftlich angedeutet / daß / da die Catholische es anderst so Teutsch / auffrichtig / Erbar vnd Bidermännisch mit jhnen es meyneten / wie sie gegen jhnen gesinnet / sie (Catholische) sich ebenmässig gegen den Evangelischen / als die Evangelische gegen jhnen gethan / ohne alle Terginersation cathegorice sich erklärten / daß sie die Evangelische bey allem dem / so sie jhnen (Catholischen) in jhrem Begehren specificiret / rühigen verbleiben lassen / vnd da sie es zuthun gesinnet / ein Schrifftlichs Assecurations Instrument (alldieweil jhre Mündliche Zusag bißhero ohne Effect verblieben) mit jhnen berathschlagen vnd auffrichten wolten / sc. Es wolten aber weder die Catholische Ständ / noch die Evangelische von jhrer einmahl gefasten Meynung vnnd Erklärung abweichen / wurden beyderseits viel Schrifften gewächselt (welche alle hieher zusetzen vnnöthig vnnd auch dem Leser zu langweilig würde) vnnd bliebe vnder solchem die vorhabende Berathschlagung anstehen. Weil nun mitler Zeit das Böhmische Kriegsvolck in Oesterreich einfiel / wie hernach sol vermeldet werden / ließ der Keyser einen Befehl an die Evangelische Stände abgehen / deß Innhalts; (Kay. Mat thias besielet den Ständen daß sie zur Berathschlagung schreiten sollen.) Daß weil der Feind nunmehr einen Einfall in das Ertzhertzogthumb Oesterreich gethan / die gesampte Stände / vngehindert der zwischen jhnen erwachsenen Strittigkeiten / förderlichst zur Berathschlagung deß Landts Notthurfft schreiten / vnnd also das gemeine dem Privatwesen vorziehen solten. Auff empfahung dieses Befehls / haben die (Antwort der Protestirenden Stände K. Matthiae vberreichet.) Protestirende Stände also geantwortet; Sie erkenneten sein Vätterliche Vorsorg für das Hertzogthumb / theten sich deßwegen bedancken / daß sie aber noch nicht zur Berathschlagung mit den Catholischen kommen könten / hetten sie / (Catholische) Schuld / weil sie von jnen kein deutliche Antwort auff jhr Begehren erlangen könten. Sintemaln das Bonum Publicum darinn bestünde / daß zuforderst vnder den Ständen die Einigkeit gepflantzet / vnnd das Mißtrawen auß dem Weg geram. iet würde. Damit aber jhnen die Schuld deß Verzugs darauß dem Vatterlandt Schaden zugezogen / nicht zugemessen würde / wolten sie jhre Meynung dieses Vnwesen zustillen / so sie in einer absonderlichen Versamblung berathschlaget / J. M. vortragen. Vnd anfänglich zwar hetten sie gäntzlich verhoffet / es würde Jhre Mayest. weil die Landtschafft deßwegen privilegiret / ohne der Stände Vorwissen kein Offensiv Krieg angefangen vnd die Waffen wider Böhmen ergriffen haben. Dann obwohl Jhre May. einen Landtag außgeschrieben / zu welchem sie auch neben andern erschienen / vnd ein gute Zeit / mit jhrer grossen Vngelegenheit dabey gewartet hetten / were doch kein Proposition oder Vortrag geschehen / auch einige Vrsach / warumb der Landtag angestellet / nicht angezeiget / sondern sie ohne einige Verrichtung wider heimb gelassen worden. Es were auch alles was von dem Böhmischen Krieg einkommen / jhnen gleichsamb als ein Geheimnuß verhalten / vnd darzu zu diesem Krieg fast lauter außländische Catholische Obristen bestellet worden / welches jhnen schmertzlich vorkäme / andern ein grosses Nachdencken machete / das Mißtrawen allerseits vervrsachete / welches vmb der / auff jhr billiges Begehren / von den Catholischen Ständen noch nicht erfolgte Antwort vermehret würde. Daß aber die Noth vnd Gefahr allbereit so weit eingerissen / daß die Böhmischen in jhr Vatterlandt Feindtlich eingefallen / etlicher Oerter vnnd sonderlich Zwethl sich bemächtiget / were jhnen sehr leyd zuvernehmen gewesen: trügen aber keinen Zweiffel / wann bey Zeiten / ehe es zu dem Krieg kommen / den Ständen zur Berathschlagung solches were vorgetragen worden / es würden solche Mittel vorgeschlagen worden seyn / welche zu Verhütung alles Vnheils mit J. M. guten Satisfaction gedienet hetten. Dann es hette die Erfahrung gegebë / daß was mit den Ständen berathschlaget worden / allezeit ein guten Außgang gehabt hette. Weil aber dieser Zeit Jhre Mayest. diesen Weg nicht gebrauchen wollen / vnnd weder der Chur-noch anderer Fürsten wolmeynende Gutachten verfangen lassen / so were genugsamb am Tag daß die jenige / welche mit den Waffen das Werck anzufangen gerathen / an allem diesem Vnheil schuldig weren / die auch billich wider / wie solches von dem Vatterlandt abzuwenden / Mittel an die Hand geben solten. Sie wolten Jhrer Mayest. den Krieg anzufangen nicht ge [101] rathen haben / sintemahl der Außgang desselben allezeit zweiffelhafftig / die errores in pugnando commissi irreparabiles, auch ein jeder Krieg nichts gewissers / als endtliche Verwüstung deß Landes / Zerrüttung der Gerechtigkeit vnd anderer guten Ordnungen / Stärckung aller Handlung / ja alles Vnglück nach sich zöge / auch die Victory mehr Schaden als Nutzen mit sich brächte. Diese jetzige Gefahr were ohne sondern mächtigen Widerstandt nit abzuwenden. Dann das Böhmische Kriegs Volck were so starck / daß es von den Kayserischen nicht zurück hette können gehalten werden / daß es nicht in Oesterreich eingebrochen / so würde auch dasselbe täglich je länger je mehr gest???rcket / daß zu besorgen / wann wider sie etwas Volck auffgebracht würde / sie dasselbe doch zerstrewen / mit grösserer Macht in das Land rücken / vnnd selbes gäntzlich verheeren möchten. Were zu wünschen daß die vorige Werbungen nicht weren vorgenommen worden / so würde das Königreich Böhmen vor Schaden erhalten / viel vnschuldiges Blutvergiessen / grosser Vncosten verhütet / vnnd der Verlust vieler tapfferer Soldaten / welche wider den Türcken hetten können gebrauchet werden / verm tten blieben seyn Köndten jetzundt nicht sehen wie diesem Vbel zu helffen / weil der nervus belli geschwächt / vnnd das Landt wegen deß Langwürigen Türcken Kriegs in grosse Schulden gestecket / auch die Kayserliche Kammergüter einen Krieg zuführen nicht erkläcklich / vber daß die Zeit / wegen der gegenwärtigen Gefahr / mit Werbungen auffzukommmen zu kurtz were. Damit aber doch in etwas die Gefahr abgewendet würde / vnnd die Landtschafft nicht in das eusserste Verderben / zumahl weil die Böhmen die jhnen abgenommene Sachen wider zuholen / vnnd vmb deß willen desto stärcker kommen weren / geriethe / were diß jhr Gutachten / daß ein Außschuß von den Ständen zu den Böhmen geschicket würde / der sie wegen dieses Einfals befragte / vnd daß sie das Land ferrner vnangefochten liessen sie vermahnete. Darnach were Jhr Rath / daß Jhre Mayest. einen General Conventstag in dero Königreich vnnd Länder außschrieben / vnnd wie zu dem erwünschten Frieden wider zugelangen berathschlachte. (Kaysers Matthiae Begehren an die Oesterreichische Stände ob der Enß.) Vmb diese Zeit haben die Oesterreichische Stände ob der Enß eine Schantz an der Thonaw auffgebawet / derselben auff allen Nothfall / sich zugebrauchen. Als sich nun hierüber Hertzog Maximilian in Bayern / wie auch das Bisthumb Passaw beschweret / hat der Kayser einen Abgesandten an gedachte Stände geschicket / vnd von jhnen begehren lassen: Erstlich die an der Thonaw auffgeworffene Schantzen wider niderzureissen / vnd den Strom nicht zusperren. 2. Die verhawene Päß im Freywaldt gegen Böhmen wider zueröffnen / damit der Graff von Bucquoy sampt seinem Volck in dasselbe Land sich reterirë könte. 3. Mit gemeltem Graffen gute Correspondentz zuhalten / vnnd jhr geworben Volck zu demselben zustossen. 4. Winterwahren vor die Knecht auch Kraut vnd Loth zulieffern. (Antwort der Oesterreichischen Stände ob der Enß auff dieses Begehren.) Auff dieses Begehren haben die Stände ein weitläufftige Entschuldigung gethan / kürtzlich dieses Inhalts; 1. Daß die Schantzen an der Thonaw auff vnmittelbarem Oesterreichischen Grundt vnnd Boden zu keines Menschen Beleydigung / sondern allein zu deß Landts nothwendiger Beschützung erbawet / so vor der Zeit auch also gebräuchlich gewesen. 2. Sey nicht Rathsamb / daß der verhawene Freywaldt eröffnet werde / weil der Böhmen Volck an den Grentzen / Bucquoy aber mit den seinen noch hinder den Böhmen lige / also J. May. die Eröffnung nicht nutzen könne / sondern vielmehr erst die Böhmen den Vortheil ersehen würden / in das Landt zufallen / die dann hernach nicht leicht darauß zubringen weren. 3. Sey die begehrte Correspondentz gefährlich / dann ob sie wohl darzu willig / so möchten doch den Böhmen dergleichen Schreiben ehe in die Händt kommen / darauß sie allerley zu jhrem Vortheil erklauben / vnnd deß Landes Gelegenheit zuerfahren mehr verhetzet würden / derwegen sie dann jhr geworben wenig Volck im Landt behalten / sich damit beschützen vnnd noch ein mehrers darzu werben müsten / weil ohne das das Landt-Volck schwürig vnnd dessen Auffstandt / sich selbsten zu schützen / zubesorgen. 4. Wolten sie die Winterwahren gern biß an die Grentz lieffern / daselbst aber solte sie der Graff von Bucquoy auff sein Gefahr abholen. Hiebevor ist vermeldet worden / daß / als das Kayserische Kriegs-Volck vernommen / daß die Böhmische Armada / willens sie mit Macht anzugreiffen / zusammen ziehe / sie / Kayserische / auff die Grentzen deß Böhmerlandes sich begeben / vnd den Troß mit jhrer Pagagy vnnd erlangten Beuth in Oesterreich geschicket hetten. (Böhmen fallen in Oesterreich vnder der Enß ein.) Demnach nun die Böhmen dessen Kundtschafft eingenommen / haben sie jhr Kriegs Volck in zween Hauffen abgetheylet / deren der eine vnder dem Graffen von Thurn vnnd Graffen von Schlick in Oesterreich gezogen / den auß Böhmen weggeführten Raub / wider zu erlangen / wie sie dann auch hie vnnd da viel davon bekommen. Der ander Hauffe hat den Kayserischen in Budweiß vnd Crumlaw (welche Stätt auff Anordnung deß Graffen von Bucquoy dieser Zeit starck befestiget worden) auff den Dienst gewartet / nichts desto weniger haben sich die Kayserische Proviand einzuholen her auß gewagt / vnderschiedliche Streiff vnd Einfäll in die Herrschafft Schwanberg gethan / etlich Flecken vnnd Dörffer zum theil geplündert / zum theil gar abgebra̅d / bißweilen aber sind sie von den Böhmen ereylet vnd tapffer gezwackt worden. (Graff von Schlick nimpt Zwethl vn̅ andere Ort) Mitler weil ist der Graff von Schlick erstlich mit dem Böhmischen vnnd theils Schlesischen Kriegs-Volck in vier tausent Mann starck zwo Meiln von Zwethl angelangt / vnnd in selbiger [102] Rester bey viertzig Wägen mit auß Vöhmen geführtem (in Oesterreich ein.) Gut beladen / sampt siebentzig tausent Reichstahler an Gelt vnd in tausent stück Vieh angetroffen / die Confoy geschlagen vnnd alles in seinen Gewalt gebracht. Vnd weil er vernommen / daß noch etlicher anderer Kayserischen Obristen Pagagy / mit einer zimblicheu Anzahl Soldaten in die Statt Zwethl einkommen / ist er in der Nacht dahin gezogen / die Thore mit Petarden gesprenget / vnnd also hinein kommen / darüber aber doch vnder andern der Obriste Caplier zu einem Fenster herauß vnder andern erschossen worden. Was sich zur Wehr gestelt ist todt geschlagen / was aber von Soldaten sich ergeben sind gefangen genommen / auch alle jhre Pagagy geplündert worden. Nach solchem hat gemelter Graff die Statt vnd Kloster mit einer Besatzung versehen / vnnd ist er / nach dem der Graff von Thurn so mit seinem Kriegs-Volck ein andern Weg gezogen / zu jhm gestossen / mit dem vbrigen Volck auff Hohenfurt gerucket / dasselbige / wie auch Weytrah vnd noch etlich andere Orth eingenommen vnnd besetzet. Vnder andern Beuthen haben sie zu Ledetsch ein grosse Mänge an Fewerkugeln / Pulver / Lunten / Kugeln vnd dergleichen / wie auch zwey stück Geschütz / welches alles in Budweiß sollen gebracht werden / auffgefangen / vnnd hat dieses Volck biß auff neun Meylen von Wien gestreiffet / deßwegen daselbst alle nothwendige Vorsehung zur Gegenwehr gethan worden. (Außschreiben deß Graffen vo̅ Thurn wegen deß Einfals in Oesterreich.) Wegen dieses Einfalls hat der Graff von Thurn ein sonderliches Schreiben an die Oesterreichische Stände abgeschicket dieses Inhalts; Es were Gott vnd allen vernünfftigen Menschen bekant / daß sie gezwungen worden in diese Landtschafft einzuziehen / weil die Blutdürstige Räth zu keinem Frieden helffen / sondern alles mit Krieg erfüllen / vnnd das Königreich Böhmen gar verderben wolten / dahero dieses Fewer / wo man nicht zeitlich wehrete / weiter einreissen würde. Sie hetten geschwind vnnd stillschweigend den Einzug müssen vornehmen / damit der Feindt deßwegen nicht were verwarnet worden. Derowegen were sein Bitt / es wolte solches niemand für Vbel auffnehmen / dann es dahin gemeynt / daß sie jhren Feinden / welche sich wider sie sambleten / in den Weg ziehen vnd sie zerstreuwen / hergegen jhnen Freunden alles gutes erzeigen / vnd sie vor allem Gewalt schützen wolten / es solte auch die Proviand / so jhnen zugeführet würde / wie sie sonsten im Lande gültig bezahlet / den Geistlichen auch / wiewohl sie zu jhrer der Böhmischen Stände Verfolgung geholffen / wo ferrn kein weitere Vrsach gegeben würde kein Leyd zugefüget werden. Die Vrsachen / warumb sie zun Waffen gegriffen / were ohn Noth weiters außzuführen / weil sie in jhrer Apology gnugsamb an Tag gegeben / auch den Schlesischen Fürsten vnnd Ständen vnd andern Chur-vnd Fürsten / welche jhnen nicht abstünden / bekant weren. Hiermit wolte er eine Salva Guardy etlichen Schlössern vnnd Märckten ertheilet haben / daß kein Soldat jemandt einigen Schaden zufüge / sondern alle Ehrerbietung vnnd Freundtlichkeit gegen männiglichen erzeige / vnd sich also verhalte / damit keine Klag vor jhn gebracht würde. Die Vbertretter solten ohne Barmhertzigkeit gestraffet werden / denselben wüntschete er / daß sie deß zeitlichen vnnd ewigen Segens beraubet würden / Sintemahl sie / Stände / anders nichts als jhrer Gewissen Freyheit / wie auch deß Mayestät-Brieffs vnd jhrer Privilegien Handthabung sucheten. (Kayser Matthias schreibt an Hertzog Joh. Christian zur Lignitz / wegen der Böhmen Einfall in Oesterreich.) Kayser Matthias aber / als er von dem Einfall der Böhmen in Oesterreich Bericht bekommen / hat er ein Schreiben an Hertzog Joh. Christian / zur Lignitz / sc. Oberhauptmann in Schlesien / abgefertiget / dieses lauts; Weil die Böhmische Vnruhe je länger je mehr einrisse / vnnd nicht allein das Kayserliche Kriegs-Volck angegiffen worden / sondern auch in Oesterreich ein Feindtlicher Einfall geschehen were / vnnd die Schlesische Hülff nicht allein zu solchem Einfall / sondern auch zu allerhandt Plünderung vnnd Verhergung geholffen vnnd sich an der Spitz befunden hette / so were genugsamb abzunehmen / daß der Krieg nicht defensivè, wie die Fürsten weren beredet worden / sondern fürnemblich offensivè von seinen auffrührischen Böhmen geführet würde. Er hette sich zu den Schlesiern nicht versehen / daß er von jhren besoldeten Leuthen solte bekrieget werden. Derohalben were sein Befehl / daß sie also bald jhre in Böhmen geschickte Hülff wider zurück forderten / von aller Feindthätlichkeit abstünden / seiner Gedult vnd Langmütigkeit sich nicht länger mißbrauchten / sondern vielmehr jhn wider die auffrührische Böhmen zu Hülff kämen. Dieses Schreiben ist den 30. Novembris datirt gewesen. Hierauff hat der Hertzog zur Lignitz de dato 5. Decembr. folgender gestalt geantwortet; (Hertzogs Joh. Christian zur Lignitz Antwort auff diß Kayserlich Schreiben.) Es were Jhre Mayest. schon vor diesem berichtet worden / mit was Beding die Schlesische Hülff in Böhmen were geschicket worden / nen???lichen damit der von Jhrer Mayest bestättigten Vnion / durch welche sie den Böhmischen Ständen sub vtraque verbunden / ein Genügen geschehen / vnnd die Religions Beschwerden beyder Länder dermal eins in Richtigkeit gebracht werden möchten. Dieses were noch jhre Meynung / vnd wolten sie auch jhr Kriegs-Volck solche nicht vberschreiten lassen. Was von der Schlesischen Hülff J. May. jhm zuwissen gethan hette / were jhm vnd den andern Fürsten vnd Ständen gantz vnwissendt / wolte aber der Sachen rechte Beschaffenheit erforschen / vnd hernach die Notturft in Obacht nehmen. (Hertzogs Joh. Christian zur Lignitz Schreiben) Nach solchem hat gemelter Hertzog daß an jhn geschickte Kayserliche Schreiben den Böhmen zugesendet / mit vermelden / er hette darauff nichts anders antworten können / weil er vor dem Ein [103] fall in Oesterreich vnd was dabey vorgangen keine ( an die Bömische St. wegen deß Einfalls in Oesterreich.) Wissenschafft gehabt / als daß er versprochen also bald der Sachen Beschaffenheit nachzuforschen. Hielte zwar vor vnnöthig zu widerholen / was sie / Böhmische Stände / jederzeit sich erkläret / was für Vrsachen der angenommenen Waffen sie angezogen / vnnd wie sie allein auff ein Defensionwerck alles anstellen wolten / so wol auff was Weiß vnd Weg sie / Schlefische Fürst. vnd Stände / sich mit jhnen vereiniget / weil solches genugsamb außgeführet worden: trawete auch den Böhmischen Ständen zu / daß sie kein andern Vorsatz / als die Freyheit der Religion / nach Außweisung Jhrer vom Kayser bestetigten Vnion / zuvertheydigen / haben / auch die Schlesische Hülff zu Offendirung der Kay. Mayest. oder deroselben Vnderthanen Beleydigung gebrauchen würden / weil jhme aber doch von dem Einfall in Oesterreich vnnd was sonsten dabey mit Zuziehung deß Schlesischen Volcks / per modum offensionis vorgangen / nichts wissend were / so solten sie jhme schleunig davon gründtlichen Bericht thun / damit er den Kayser deßwegen beantworten / vnnd auch den andern Protestirenden Ständen der Sachen rechte Beschaffenheit offenbaren könte. (Antwort der Böhmischen St. auff deß Hertzogs zur Lignitz Schreiben.) Auff dieses Schreiben haben die Böhmische Stände also geantwortet; Sie hetten nemblichen mit Verwunderung vernommen / wie der Einzug in Oesterreich von jhren Feinden vnd Widerwertigen bey der Kay. M. gedeutet werde. Sie bedanckten sich zu forderst gegen jme / Hertzogen vnd den andern Protestirenden mit Vnirten Ständen / daß sie auff nechst vergangenem Landtag nicht allein auff jhrer Meynung verblieben / sondern auch der Kayserlichen Commissarien Anbringen / mit welchem Sie sie zu einem andern bereden wollen / mit solchen beständigen Gründen abgeleynet / daß dardurch Jhrer Sachen Gerechtigkeit also erleutert worden / daß von männiglich solches gerühmet würde. Vnd dieses wolten sie auch den Chur: vnd Fürsten / wie auch andern Ständen deß Röm. Reichs höchlich loben; wüntscheten auch daß Gott solchen Eyffer vber die Wolfahrt der Christlichen Kirchen in Böhmen mit reichlichem Segen widergelten wolle. Sie hoffeten ferrner / Sie / Schlesis. Fürsten vnnd Stände / würden sich auch hinfort / etwas wider die vnder jhnen auffgerichte Vereinigung zu handlen / durch keinen Schein bewegen lassen. Was mit der Abtey Zwethl vorgangen / hetten sie zwar ein schrifftlichen Bericht an jhn / Hertzogen / abgehen lassen / könten aber auß seinë Schreiben abnehmen / daß ers bey dessen Abschickung noch nit empfangen. Es were aber die Sach also beschaffen; Jhre Generalen hetten ein lange Zeit zugesehen / wie der Feind neben vervbter schröcklicher Tyranney / ein grosses Gut / so er in Böhmen geraubet / nacher Oesterreich in die Clöster / vnnd sonderlich in das Stifft Zwethlgeführet / daselbstë seinen Vnderschleiff vnd allen Vortheil Proviand ins Läger zubringen gehabt / ingleichem auch Volck / mit grösserer Macht ins Königreich einzubrechen / gesamblet: Dahero jre Kriegs-Obristen nach Kriegesrecht nit anders thun können / als den Feindt diesen Vortheil abzunehmen vnnd dardurch das räuberische vnd mörderische Kriegs-Volck auß dem Königreich zubringen. Dan̅ die Vernunfft vnd rationes bellicae geben selber an daß man keine Gelegenheit / dem Feind Abbruch zuthun / versaumen / da fürnemblich auch derselbe alle Tractation auffschübe / vnd also deß Königreichs verderben suchete. Derowegen es jhnen desto weniger vbel gedeutet werden könte / daß sie den Fuß in Oesterreich ratione talionis gesetzet / der jenigen böses Vornehmen / so biß hero das Religion Wesen verhindert / auch Gelt vn̅ andere Hülffen zum Krieg hergeben / vnd viel Evangelische in Oesterreich / sich mit den Böhmischen Ständen zuvereinigen zurück gehalten / zu hintertreiben. Dan̅ es weren viel in Oesterreich / welche schon vorlängst in eine Confoederation mit den Böhmischen Ständen zutretten begehret / auch allbereit vor 4. Jahren Mittel vnd Gelegenheit darzu gesuchet / hetten aber darzu nicht gelangen können: Durch dieses Mittel aber were jhnen / solches zuthun / gute Gelegenheit an die Handt gegeben vnnd der Weg dazu gäntzlich eröffnet worden. Dieses weren also die warhafften Vrsachen deß Einzugs in Oesterreich / vnnd were derselbe gar nicht irgend jemandts zu beleydigen / oder die Kays. Mayest. zu offendiren / geschehen. Es würden zwar jhre Feindt sie hierüber zu verlästern nicht vnderlassen / sie getrösteten sich aber jhres guten Gewissens / vnnd hoffeten stätigs mehrern glücklichen Fortgang: Dann sie auch berichtet weren / daß die Währer den Obristen von Wallstein vnnd seinen Obristen Leutenant jhrer Kriegs Dienste entsetzet / vnd dieselbe zweyen Evangelischen Hauptleuten / als dem Herrn von Dietrichstein vnd dem von Schwenbeck vbergeben vnd selbige für jhre Obriste bestellet hetten / in Meynung also samptliche Conjunction mit jhnen / Böhm. St. vnd allen incorporirten Landen anzustellen. Von den Oesterreichern vnder vnd ob der Ens weren sie einer guten Antwort förderlichst gewärtig / daß jhre Obristen daran gar nicht Vbel gehandelt / daß sie das Schlesische Kriegs-Volck / als in einer gemeinen Sach / mit dem jhrigem conjungiret hetten / weren auch nicht auß den terminis defensionis geschritten / weil es billich vnnd rechtmässig / daß man dem Feind / auff was Weiß vnd Weg / wann man nur könte / Abbruch thete: So were auch nicht zu tadeln / daß sie gesinnet weren den allgemeinen Religions-Frieden in den incorporirten Landen zu stifften. (D. Jessenius wird loß gelassen.) Vmb diese Zeit ist Doct. Iessenius, von welchem droben vermeldet / daß / in dem er als ein Gesandter in Vngarn reysen wollen / er vnder [104] wegens gefangen vnnd nacher Wien geführet worden were / seiner Gefängnuß wider / gegen Loßlassung zweyer anderer Catholischer Herrn / so zu Prag gefangen lagen / erlassen worden. (Der Oester reichischen Evangelischen Stän de vnder der Enß Schreiben vnd Bedëcken an den Kayser wegë der Böhmen Einfa in Oesterreich.) Wie nun in dessen nach dem Einfall der Böhmen in Oesterreich Kayser Matthias zu Außgang deß Wintermonats selbigen Ständen / welche damals in starcker Anzahl beysamen waren / was massen das Böhmische Kriegs-Volck den Fuß je länger je mehr in Oesterreich setzete / vnd zubesorgen were / daß sie gar ein Winterläger darinnen zumachen vorhabens seyen / zu Gemuth führen: auch sie zugleich / daß sie die Wichtigkeit solches Wercks / vnnd wie etwa grösserm Vnheil mit guten Mittel vorkommen werden möchte / in reiffe Berathschlagung ziehen wolten / vermahnen vnnd darbey ansagen lassen / daß sie zu Berathschlagung vber die Landtags Proposition / vngehindert deren zwischen beyden Religionen erwachsenen Differentz / förderlichst schreiten / vnnd das Publicum dem privato vorziehen wolte: Haben darauff die Evangelische Stände deß Ertzhertzogthumbs Oesterreich vnder der Enß nachfolgender Gestalt geantwortet; Wie sie auß dem / was Jhre Mayest. bey jhnen anbringen lassen / Jhre Mayest. für dero Ertzhertzogthumb Oesterreich tragende Fürsorg zuspüren / also erkenneten sie sich schuldig / Jhrer Mayest. deßwegen allerdemütigst Danck zusagen. Vnnd hetten sie eins so wohl als das ander / vnnd neben den Catholischen Ständen in reiffe Berathschlagung zunehmen / zwar nicht vnderlassen können / wann sie auff jhr an Jhre Mayest. gestelltes billiches Begehren / so doch allein auff dem beruhete / daß die Catholische Stände sich gegen den Evangelischen erkläreten / ob sie gesonnen / sie vnnd jhre Glaubensgenossen / wider den Innhalt Kaysers Maximiliani jhnen gegebenen Religions Concession / vnnd Jhrer Kay. Mayest. mit dero Königl. Hand vnnd Insiegel gefertigten Capitulation vnd andern dero schrifft-vnd mündtlichen in der Mährischen Herren Interpositorn vnnd deß Königreichs Vngarn Palatini Attestaten begriffenen Resolutionen nicht zuängsten noch zu turbiren / weniger zuverfolgen / zu Ersetzung deß vnpartheyischen Iudicis aber sampt dem Hoffrath Personen jhres theils vor zuschlagen / vnd das jenige / so sie ohne das schon Anno 1610. mit klaren Worten rundt vnd Teutsch versprochen / würcklich zu vollziehen / vnd zuhalten / oder nicht / kein Antwort von jhnen bekommen hettë Weil sie aber Sie biß dato noch damit auffzögen / vnnd das publicum bonum eben darinn versierte / daß zuforderst vnder den Ständen im Landt die Einigkeit gepflantzet / das Mißtrawen vnnd Vnvertrawlichkeit auß dem Weg geraumet / hergegen das alte gute Vertrawen wider erhebet würde / als hetten sie sich mit vnnd neben jhnen noch zur Zeit biß auff Erfolgung dessen in keine Berathschlagung einlassen können / inmassen sie solches J. K. M. selbst angedeutet hetten. Damit aber die nothwendige / die Wolfahrt jhres Vatterlandes betreffende / Berathschlagung jhres Theils nicht gehindert / noch jhnen einige mora zugemessen werden möchte / als hetten sie Evangelische Stände / selbige absonderlich vnd alsbald vorzunehmen nicht vnderlassen / auch jhr Gutachten vnnd Wolmeinung Jhr Mayest. nachfolgendes kürtzlich anfügen wollen; Sie hetten zwar vnderthänigst verhofft gehabt / weil dieses Ertzhertzogthumb neben den andern Oesterreichischen Landen / vermög deß Inßbrückischen Libells von vndencklichen Zeiten dahin befreyet / daß kein Krieg offensivè ohneder Land Vorwissen eingewilliget / vnnd ohn vorgehende Berathschlagung vorgenommen werden solte / es würden Jhre Kayserl. Mayest. ehe sie wider die Böhmen die Waffen ergriffen / solches zuvor mit den gehorsambsten Ländern vnnd Ständen berathschlaget / jhnen die Vrsach / weil ohne Erheblichkeit kein Krieg anzufangen / vorgehalten / jhnen zeitlicher / in was terminis es mit dem gantzen Wesen für eine Beschaffenheit haben thete / gnädigst communicirt haben / so were doch solches biß dahero vnderlassen worden / vnnd ob zwar die verordnete dieses Landes / auff dem an den fünffzehenden Junii dieses Jahrs von Jhrer Kayserl. Mayest. geworbenen Kriegs-Volck erforderten Musterplatz / zugefertigte Decret in dero Antwort gnädigstangedeutet / daß sie / da Jhre Mayest. Je die Noth so groß befinden / vnnd sie dessen gnädigst erinnerten / die gehorsambsten Stände also bald beschreiben wolten / solches auch gleichwohl so viel gewürcket / daß Jhre Mayestät darauff einen Landtag außgeschrieben hette / zu welchem sie / Evangelische Stände / auch erschienen / vnnd ein gute Zeit / mit jhrer grossen Vngelegenheit zu Wien verblieben / vnd auff die Proposition gewartet hetten / so hette man sie doch weder wenig oder viel erinnert / weniger allda zuverbleiben ermahnet / sondern gantz ohne Proposition vnnd Vortrag / auch einige Verrichtung / so hiebevor nie geschehen / selbsten wider heimbziehen lassen: Vor jhnen auch alles / was vom Böhmischen Krieg einkommen / gleichsamb als ein Geheimbnuß verhalten / darzu zu diesem Krieg fast lauter Außländisch-vnnd Catholische Obristen bestellet / welches jhnen hochschmertzlich fallen / andern sonder Zweiffel ein grosses Nachdencken machen / das Mißtrawen allerseits vervrsachen / vnnd vmb deren auff jhr an die Catholische Ständte gestelltes billiches Begehren noch nicht erfolgten Erklärung willen / vermehren thäte. Daß aber die Noth vnd Gefahr (Jhrer Kayserl. Mayest. erst den 29. Novembr. jhnen gethanen Erinnerung nach) allbereit so groß vnnd das Vnheil so weit eingerissen / daß die Bömischen in jhr geliebtes Vatterlandt Feindtlich eingefallen / etlicher Oerther / sonderlich Zwethl / sich impatronirt / were jhnen sehr leyd zuvernehmen gewesen: Dann wie solchem Vbel [105] billich zeitlicher Rath geschafft vnnd vorgebogen werden sollen / also trügen sie keinen Zweiffel / wann Jhre Kay. M. dero Königreich vnd Länder dieses Wercks Wichtigkeit stracks in dem Anfang / vnd ehe es ad arma kommen / zu derselben Deliberation hette vortragen lassen / es würden solche Mittel von jhnen vorgeschlagen worden seyn / dardurch Jhrer Kayserl. Mayest. Satisfaction geschehen / vn̅ das Vbel abgewendet werden mögen / sintemal es die Erfahrung mit sich bringe / daß die mit dero Königreichen vnd Landen gepflogene Berathschlagungen allezeit jhren glücklichen Außgang erreichet / also daß / was sie gerathen / auch in die That zurichten müglichst geholffen / inmassen es Jhre Kays. Mayest. wann sie den vorigen Zeiten nachdächten / gnädigst befunden würde. So hette auch der im Jahr 1614. zu Lintz mit dero Königreichen vnd Landen gehaltene General-Convent gleichwol diesen würcklichen Effect gehabt / daß darauff die bestättigte Fridenstractation mit dem Türckischen Sultan / wider etlicher widerige gehabte Intention / glücklich erfolget / darneben auch Siebenbürgen bey der Christenheit biß auff dato erhalten worden. Weil aber Jhr Kayser. Mayest. in diesem jetzigen Böhmischen Wesen Jhro diesen Weg nit belieben lassen / vnd der Chur-Fürsten vnd Ständen / so zu friedlicher Accommodation dieses Handels wolmeynend gerathen / gegebene Gutachten nichts verfangen / vnnd nunmehr gleichsamb an dem / daß der Propheceyte Schaden im Werck erschienen / so were wohl zuermessen / daß den jenigen / so ohn tieffern Consideration / vnnd eines vnd deß andern reifferer Erwegung zur Schärpffe gerathen / vnd den Krieg vorzunehmen vrgirt hetten / alles darauß entstandene Vnheil zuzuschreiben / welche auch / wie an jetzo demselben wider zustewren / vnnd solcher vom Vatterlandt abzuwenden sey / billich Mittel vnnd Wege an die Handgeben solten. Sie / Evangelische Stände / jhres Theils / hetten wie Anfangs / also auch noch Jhrer Kayserl. Mayest. gehorsambste vnnd getrewe Vnderthanen zu diesem Kriegswesen nicht gerathen / in Betrachtung der Außgang allezeit zweyffelhafftig / vnd die errores in pugnando commissi irreparabiles, auch ein jeder Krieg nichts gewissers / als endtliche Verwüstung deß Landts Zerrüttüg der Justitien / aller guten Constitutionen vn̅ Ordnungen / Zucht / Erbarkeit / Sterckung aller Commercien vnd Handlungen nach sich ziehen / vnnd kein Vnglück so groß seyn könte / das beym Krieg nicht zuverspüren / so gar / daß auch die Victoria mehr Schaden / als Nutzen mit sich bringen thäte / also könten sie nicht befinden / wie diese jetzige Gefahr vnd Noth (wann es sonst andere dergleichen Bedencken nicht hette) ohn sondern mächtigen Widerstandt abzuwenden seye. Dann weil erstlich das Böhmische Kriegs-Volck so starck / daß es durch Jhrer Kays. Mayest. im Königreich Böheimb geweste Armada nicht zurück gehalten werden mögen / sich auch selbiges täglich je länger je mehr stärcken solte / so würde es gar wenig erkläcklich seyn / wann man gleich eine Anzahl zu Roß vnd Fuß werben wolte: Ja es were vielmehr darbey zubesorgen / daß die Böhmen nicht allein die gantze Werbung hindern / die Musterplätz auffschlagen / sondern auch darzu gereitzet werden möchten mit desto grösserer Macht herein zufallen / vnnd das gantze Landt zuverheeren vnnd zuverwüsten / vnnd were zu wüntschen / daß die vorige Werbungen nicht vorgenommen worden weren / so würde verhoffentlich das Königreich Böhmen noch Auffrecht stehen / vnd der so wol demselben / als auch diesem Landt / zugewachsene Schaden / vnnd viel vnschuldig Blutvergiessen / auch mercklicher Vnkosten / Verlust so vieler ehrlicher Soldaten / die im Nothfall gegen dem Erbfeindt hetten gebraucht werden mögen / vermitten blieben seyn / dieweil der nervus belli geschwächt / von dem guten Theyl deß Landes durch den Durchzug vnnd Musterung deß Kriegs-Volcks ersäugerten Vnderthanen die Ordinari Gaben nicht eingebracht worden / das Landt auch ohne das wegen der langgeführten Türckenkrieg in grossen Schuldë Last gerathen / Jhrer Kays. Mayest. Cammergüter zu Kriegsführung auch nicht erkläcklich / die Vngarische Gräntzen entblösset / die Reichs vnnd Crayßhülffen gesperret / Jhrer Kays. Mayest. Schulden / so ohne das groß / sich je mehr auff häuffeten / so sehen sie nicht / wie zu continuirendem Krieg oder weiterer Werbung / zumahlen es damit (weil die Zeit vnnd Gefahr keinen Auffschub litte) zu Spat seyn würde / einiges wegs zurathen sey. Damit aber gleichwohl die grosse Noth vnnd Verderben ein als den andern Weg angewendet / vnnd sie sampt jhren Weib vnnd Kindern nicht vollend gar in eusserstes Verderben durch deß Böhmischen Volcks feindtlichem Einfall / zumahl es sich auch / weil sie den jhnen abgenommenen Pagaschi nachtruckten / vnnd das jhrige wider zuholen begehrten / starck darzu ansehen liesse / gebracht werden möchte / so were jhres Erachtens der Zeit kein besser Mittel / als daß erstlich von den Ständen ein Außschuß von qualificirten Personen gemacht / vnd an die Böhmen abgeordnet würde / jhnen zu Gemüth zuführen / daß man verhofft hette / sie würden alter Freund vnnd Nachbarschafft halber diß Landt ohn alle gegebene Vrsach nicht angefallen haben / derowegen sie von ferrnern Attentaten abzumahnen. Anderten vnd weil den Sachen noch nicht auß dem Grundt geholffen / were jhr Rath vnd Wolmeynung / Jh. Kay. Mayest. solten die gehorsame Königreich vnd Länder dahin ermahnen / damit sie förderlichst jhre Außschüß verordnen / die auff einen von Jh. May. angestelten General-Conventstag erscheinen / dieses wichtige Werck reifflich zuberathschlagen / vnnd welcher Gestalt zu dem erwüntschten Frieden / welcher doch endtlichen tractiret werden müste / wider zugelangen [106] were / gutachtiglich eröffnen möchten. Welches Jhrer Kays. May. sie also gehorsamblich entdecken wollen / aller vnderthänigst bittende / weil es anders nicht / als auß der gehorsambsten Schuldigkeit / Lieb vnd Trew / damit Jhre Kay. Mayest. vnd dem Vatterlandt sie verpflichtet weren / hergeflossen / Jhre Kays. Mayest. mit Kayserlichem Willen vnnd Sanfftmuth solches auffnehmen wolten. Wolten sich sonsten nach Möglichkeit vnd Gelegenheit der Catholischen Ständen / von jhnen erwartenden Erklärungen / gehorsambst accommodiren / sc. Wie nun nach dem Einfall in Oesterreich der Kayser vermercket / daß das Fewer je länger je grösser würde / vnd seine Länder in nicht geringer Gefahr stünden / entschloß er sich die Beylegung aller entstandenen Mißhälligkeiten mit mehrerm Ernst vor die Hand zunehmen / vnnd ließ deßwegen gegen Außgang deß Christmonats noch ein Ermahnungs-Schreiben an die Böhmische Stände abgehen / dieses Inhalts; (Kaysers Matthiae Ermahnungs-Schreiben an die Böhmen zur gütlichen Tractation zuschicken.) Es were jhnen nicht vnwissend / wie Jhre M. jederzeit sich bemühet hette / den Friden so wol im Reich / als in seinen Erblanden zuerhalten. Vnd diese Jhre Sorgfältigkeit hette Gott gesegnet / daß von Zeit an Jhres Regiments biß daher alles glücklich vnd friedlich zugangen. Daß aber newlicher Zeit in dem Königreich Böheimb so grosse Vnruh entstanden / durch welche selbiges Landt vnnd die Innwohner zu grossem Schaden kommen / darüber hätte Jhre Mayestät grosses Mitleyden / hette auch solchem Vbel bey Zeiten vorkommen wollen / wie sie dann deßwegen durch sonderliche Patenta de dato den achtzehenden Junii vnd dann hernach durch andere Schreiben sie / Böhmische Stände / genugsamb vermahnet hetten: Aber ein Theyl auß jhnen hetten diese Vätterliche Vermahnung verworffen / vnnd vber die allbereit geworbene Anzahl Kriegs-Volck / noch einmal so viel werben / vnnd damit auff die Statt Budweiß rücken vnd sie beängstigen lassen / also daß Jhre Mayestät auch gezwungen worden / mit jhrem Volck anzuziehen / hette aber doch auff Jhr / der Stände Begehren / wie auch der Chur-vnnd Fürsten deß Römischen Reichs vnd Jhr. Mayest. Erbländer Vorbitt / die Churfürsten Pfaltz vnnd Sachsen / wie auch Chur Mayntz vnnd den Hertzog in Bayern durch Schreiben vnd Gesandten ersuchet / sich der Interposition in diesem Vnwesen zu vndernehmen / vnnd Jhrer Mayest. jhre Erklärung zuzuschicken. Daß nun bißhero gemelte Interposition nicht angefangen worden / hette an Jhrer May. nit gemangelt / sondern an den Interponenten selbst / deren etliche anfänglich / solche Interposition auff sich zunehmen / Bedenckens getragen / auch etliche vnder jhnen Persöhnlich zuerscheinen sich entschuldiget / sondern allein die Räthe abfertigen wollen / welches alles zu einem Auffschub gereichet. Derhalben hette Jhre M. mit den Interpositoren auffs new gehandelt / die Interposition ohne ferrnere Entschuldigung zuvbernehmen / wegen eines gewissen Orths vnnd Zeit sich selbsten zuvergleichen / vnd dieselbe ehist ins Werck zurichten / were demnach J. May. nichts liebers als daß sie ohne weitern Auffschub vor die Hand genommen würde. Vnd weil sie / Stände / die Fortstellung der Interposition / vnd Versicherung wider die Attentata deß Kayserischen Kriegs-Volcks begehret hetten / als hette Jhre Mayestät den Churfürsten zu Sachsen / daß derselbe sie / Stände / versichern solte / Jhr Kayserlich Wort gegeben / vnd jhre Gesandten zu jhm geschicket / auch die Conditionen / auff welche die Tractation angefangen werden sollen / mit zum theyl Hindansetzung der Kayserlichen Hochheit / jhm heimbgestellet. Nichts desto weniger hetten sie / Stände / vnder solcher Handtlung viel frembd Kriegs-Volck in das Landt geführet / die Statt Pilsen belägert / vnd endtlich / ob sie wol von solcher Belägerung abgemahnet worden / mit Sturm eingenommen: In das Ertzhertzogthumb Oesterreich eingefallen / die Statt Zwethl vnnd andere Orth eingenommen / Jhrer Mayest. Königreich vnnd Länder wider Sie auffzuwicklen sich vnderstanden / vnnd viel andere mehr vnziemliche Sachen vorgenommen. Doch der gantzen Welt zuerweisen / daß von Jhrer Mayest. kein Gütigkeit zu Erlangung deß Friedens gesparet worden: Vnd weil Jhre Mayest. nicht glauben köndten / daß solche Sachen mit jhrer aller Wissen vnnd Willen vorgangen / hette sie den Churfürsten von Sachsen den Stillstandt vnd suspensionem armorum auff ein gewisse Zeit / nach desselben belieben / bewilligt / (wie solches auch die Fürsten vnnd Stände in Schlesien vnd Mähren begehret /) vnnd deßwegen wie ingleichem zu Beförderung alles was zum Frieden dienlich den Herrn Adam von Wallstein zu jhm abgefertiget. Wolte auch im Werck erweisen / daß Jhrer Mayest. in dem / als wolte man die Stände jhrer Privilegien berauben / gantz vngütig geschehe. Derhalben würdë sie / Stände / da sie den Frieden begehrten / die Augen nunmehr eröffnen / Jh. M. Affection vnd die / so wohl von Jhro als von Jhren Vorfahren / jhnen geleystete Gutthaten erkennen / wie auch jhre Eydtspflicht vnd Schuldigkeit betrachten / die vnträgliche Contributionen / damit der arme Mann beleget / abschaffen / vnd zu allem was gemelter Churfürst jhnen vortragen würde / sich bequemen / damit also den Beschwernussen abgeholffen vnnd der Friede befördert würde. Da sie aber ferrner sich Jhrer Mayest. widersetzen vnnd also dervselben Landt vnnd Vnderthanen in mehrern Schaden bringen / vnd von weiterm Blutvergiessen nicht abstehen wolten / hoffete Jhre M. es würde Gott / als ein starcker Beschützer aller Obrigkeit vnd gerechter Richter Jhre May. nicht Hülffloß lassen / vnd müste Sie zu solchen Mitteln greiffen / die Sie bißhero zu [107] Verhütung mehrerit Schadens / annoch gemeydet. Wolte es aber vor Gott vnd der Welt bezeuget haben / daß sie an dem darauß folgenden Vnheil keine Schuld hetten. (In Mähren wirdt ein Landtag gehalten / darbey die Evangelische Stände jre Gravamina vbergeben.) Vnder solchem Zustand in Böhmen wurd in dem Marggraffthumb Mähren in der Statt Brünn ein Landtag gehalten / auff welchem die Evangelische Stände jhre Gravamina vorgeleget vnd vmb derselben Abschaffung gebetten / die haben folgender massen gelautet. Erstlich daß etlichen sub vtraque jhre Kirchen (da doch die Collatur jhr eygen vnd Erblich seye / vnd vnangeschen / sie derselben mit Recht nie ersetzet worden) von denen sub vna entzogen vnnd verpitschieret worden. 2. Daß etliche Herrn Innwohner sub vna, den sub vtraque Vnderthanen / wider jhre Privilegia vnd Donationes, auch alte Gebräuch / deren eins theils mit Vrtheil vnd Recht sind bekräfftiget worden / jhre Kirchen / Schulen vnd Häuser / auch andere Geistliche Einkommen entzögen / die Priester sub vtraque abschaffeten / vnd vertrieben / vnd an statt derselben auff die Pfarren andere Priester jhrer Religion mit Gewalt einsetzten / da doch an manchem solchen Orth / alle der Religion zugethane Leuth seyen / an manchem Orth auch nur etwann zwo Personen oder doch gar wenig derer sub vna daselbs gefunden würden. Daß viel Herrn vnd Obrigkeiten sub vna jhre Vnderthanen sub vtraque von jhrer häußlichen Nahrung / wann sie nit von jhrem Glauben tretten wolten / weg-vnd von dero Gründen abschaffeten / offtermals auch mit solchen Schlägen tyrannischer Weise tractierten / daß jhr viel der armen Leuth hierdurch vmb jhre Nahrung / Leib vnd Leben gebracht worden / massen dann allhier an vnderschiedlichen Orthen von den armen betrangten Leuthen grosse Klag / Weinen vnd Flehen gehöret würde. 4. So were dem Herrn Sigismund von Tieffenbach seine eygene Behausung / so er auffrichtig bezahlet / von dem Rath zu Olmütz eingezogen worden / nur darumb daß im selben Hauß / das wahre Wort Gottes durch ein Evangelischen Priester geprediget worden. 5. Seye man im Werck / der Zedlarin jhr Hauß einzuziehen / inmassen sie dann dasselbe albereit der Königlichen Cammer zugesprochen hetten / von dessentwegen / daß an den Feyertagen das Wort GOttes darinn geprediget worden / welches sie in jhrem Schreiben ein Vngebür nenneten / vnnd damit nun dergleichen jhnen / Ständen / auch nicht widerfahren möchten / bitten sie jhrer in diesem Fall zuberschonen. 6. Seye Andreas der Jünger von Puchheimb / als er zu Lechenberg in seiner Gemahlin Hauß predigen lassen / durch ernstliche Befehl nach dem Kayserlichen Hoff erfordert / vnnd daselbst durch den Obristen Cantzler vnd Paulum Michna auff etliche Interrogatoria gar streng befraget / letztlich auch darzu genöthiget worden daß er sich für Jhr. Kayserl. Mayest. eygene Person zustellen geloben müssen / hinführo aldort zu Lechenberg in seiner Gemahlin Behausung nit predigen zulassen / vnd als hernach in seinem Abwesen von der Frawen in gemeltem jhrem Hauß eine Predigt zuhalten angestellet worden / weren derowegen / wie er selber / so wol auch gedachte seine Fraw vor den Cardinal / als in dieser Sachen / von der Röm. Kay. M. verordneten Commissarien abermals nach Niclasburg erfordert / vnd jhnen daselbst das predigen gäntzlich mit Bedräwung verbotten / auch denen von Brünn befohlen worden / im Fall vber diß zu Lechenburg geprediget würde / daß sie den Prediger gefänglich einziehen lassen solten. 7. Derer sub vna Vnderthanen: Sintemal sie schuldig den Priestern sub vtraque den Zehenden abzuführen / so würde jhnen doch derselbe vorenthalten / vnd zu Richtigmachung dessen keine Hülffe erwiesen. 8. Daß meistentheils die Herrn Inwohner sub vna denen sub vtraque jhre Güter mit sampt den Collaturen nicht verkauffen wölten / da doch entgegen von denen sub vtraque ohne einigen dergleichen Vorbehalt solches nit geschehe / solte nun dasselbige nicht eingestellet werden / würden sie / Stände / genöthiget / zwischen jhnen selber ebener massen dergleichen anzuordnen / daß gleichfals niemandt der jrigen sein Gut denen sub vna mit der Collatur nicht verkauffen vnd veralieniren solte. 9. Daß die Herrn Innwohner sub vna vnd derselben zugethane Priester / nicht allein die abgestorbenen Vnderthanen / vnnd deß gemeinen Mannes / sondern auch der Herren vnnd Ritterstands Personen tödtliche Cörper / auff dero Gründen / viel weniger aber auff den Kirchhöffen zubegraben nicht gestatten wolten / sondern sie müsten offtmals die Leuth anderswohin / etliche Meyl wegs mit grossem Despect vnd Vncosten / auch darbey Gefahr der Inficirung / vnd sonderlich Sommers Zeiten führen lassen / vnnd würden zum öfftern die Todten-Cörper / hönischer vnnd spöttischer Weiß widerumb auß den Gräbern außgegraben / vnnd zerworffen / da doch den Feinden Christlichen Namens die Begräbnuß jhrer Todten / ja auch den vnvernünftigen Thieren / Hundt vnnd Rossen / viel lieber als vns Christen zugelassen würde / vnnd wann dieselbe einmahl in die Erden begraben / von dannen nicht wider außgegraben würden. 10. Sie erinnerten sich auch / daß jhnen Beschwerungen fürkommen / daß etliche Vnder-Amptleuth bey der Landtaffel sub vna, bey Verführung der Zeugen / die jenigen so der Evangelischen Religion zugethan / bey Leystung deß Juraments / daß sie bey der Mutter GOTTes vnnd allen Heyligen schweren solten / nöthigten / da doch solches allbereit mit dem Landtags-Beschluß verbotten seye / vnd ob wol sie / die Stände / auff dißmahl kein Exempel einführeten / weil die jenigen Leuthe / denen solches wol bewust / an [108] jetzo nicht gegenwärtig / so bitten sie / daß nichts desto weniger solches eingestellet würde / vnnd ins künfftig nicht mehr geschehe. 11. Den Stätten würde auch grosse Verhindernuß angethan / in dem sie ohne das deß Worts Gottes / auch deß Gebrauchs deß Hochwürdigen Abendtmals Christi / so wohl der Heyligen Tauff vnd anderer Gottes Dienst benommen / so würde jhnen vber diß noch ausser der Statt vber Feldt zugehen vnnd aldort jhren Gottes-Dienst zusuchen vnnd zu vben eingestellt / dann am Sonnabend pflegte man die Statt-Thor gar zeitlich zusperren / vnd auff den Sontag darnach gar langsamb auffzuthun / damit nur die Leuthe jhren Gottes-Dienst vber Feldt nicht besuchen könten / wardurch dann die krancken Leuthe in jhren grösten Nöthen deß Todtes grossen Trangsaal seyden müsten / in dem jhnen der Geistliche Trost an der Seelen benommen / wie auch den Kindern / weder in den Stätten noch Vorstätten die Heilige Tauff zugelassen würde / sondern sie müsten offtmals vber Feldt etlich Meyl Wegs mit grosser Gefahr deß Kindes / auch der Mutter Leib vnd Lebens sich der H. Tauff erholen. 12. Da aber jemandt sein Kindt einen Evangelischen Prediger vber Feld / es seye in- oder ausser der Statt / in seinem Hauß heimblicher Weißtauffen liesse / derselbe würde deßwegen mit schwerer Gefängnuß gestraffet / vnd anders nicht dann bey grosser Straff / nemblich bey Verlust alles seines Guts außgebürget / massen jhnen dann offentlich in gemein verbotten / keinen Evangelischen Prediger / weder inn- oder ausser der Statt in keine Wege / so viel den Gottes-Dienst anlange / zu sich zuberuffen / vnnd sich desselben zugebrauchen. 13. Im Fall eine Weibs Person sub vtraque verwittibet / dieselbe würde zu Heyrathen nicht zugelassen / biß sie erstlich zur Beicht gangen / jhre Religion verläugnete vnd zu denen sub vna trette. 14. So dörfften sie jhren Kindern keine Praeceptores, so der Evangelischen Religion zugethan / damit sie dieselben in der Lehr vnnd andern guten Tugenden vnderweisen möchten / halten / vnd wo solches jemandt thete / derselbe würde deßwegen mit langwüriger schwerer Gefängnuß gestraffet. 15. So würden auch viel ehrliche vnd wolverhaltene Leuthe sub vtraque, alles zum Verdruß vnd zu Spott der Evangelischen Religion / darzu genöthiget / daß in der Römischen Catholischë Kirchen / sie mit dem Secklein zu Einsamblung der Allmosen / zu jhrer sonderbahrer Verkleinerung: Wie ingleichem auch mit dem Stattknecht darzu angehalten / mit jhnen in der Procession vmbzugehen / die Fahnen zutragen vnnd auff die Erden nider zuknien. 16. Wann die Aempter in den Ständen besetzet würden / so pflegte die Ersetzung meistentheils mit denen sub vna, vnnd zu Zeiten auch gar vntauglichen Personen zugeschehen / vnnd würde selten einer der Evangelischen Religion zugethaner / da er gleich darzu wol qualificirt vnd eines ehrlichen Wandels vnd Verhaltens were / zu dergleichen Aemptern gebrauchet / da doch vermög jhnen / Ständen / gegebenen Versicherung / so auch in das Gedenckbuch einverleibt / in dem eine Gleichheit gehalten / vnd die Aempter mit beyderley Religions Personen ohne Vnderscheid ersetzer werden solten. 17. So würde auch den Evangelischen Priestern von denen sub vna, wie nicht weniger auch von den Priestern selbs / wann sie etwann einander auff dem Weg im Felde begegneten / oder aber sonst ohngefähr antreffen / allerley Verhinderung vnnd Widerdruß / entweder mit schlagen / Maultaschen / offentlichen nach schreyen / Steinwürffen / vnd letzlich daß sie die Netz vber die Weg zögen / vnd dieselben Priester darein jagten vnnd trieben / zugefügt / daß derowegen solches eingestellet werden solte / dieweil von denen sub vtraque der andern Parthey nichts dergleichen zuwider beschehe. (Antwort der Catholischen Stände in Mähren auff die von den Evangelischen vorgebrachte Gravamina.) Hierauff haben die Catholische Stände besagten Marggraffthumbs Mähren also geantwortet; 1. Was den ersten Articul / daß etlichen Innwohnern sub vtraque die Collaturen / ohne vorgehende rechtliche Erkantnuß entzogen vnd verpitschieret worden / belangete / dafern etwas dessen von jemandt auß den Herrn Innwohnern beschehen / sie solches nicht gut hiessen / solte auch künfftig nit mehr geschehen. 2. Daß den Vnderthanen Kirchen / Schulë / Häuser / Pfarrgefäll / wider jhre Privilegia weggenommen / die Priester sub vtraque abgeschafft / vnd außgejaget worden / belangend: So solten bemelte Vnderthanen / wo ferrn etliche auß jhnen / zu ichtem Recht hetten / dabey gelassen werden. 3. Belangend / daß jhrer theils der Herrn sub vna, jhre Vnderthanen wegen der Religion bedrängten / sie es gleichfals auch nicht gut hiessen / vnd solte künfftig niemand wegen der Religion geplaget werden: Doch / wo ferrn jemand einen seiner Vnderthanen / auff seinem Grund vnnd Boden nicht haben wolte / soll er denselben vor Außgang deß Jahrs nicht verstossen / vnnd in solcher Zeit vmb der Religion willen nicht bedrängen. 4. 5. Wegen der Häuser in der Statt Olmütz gelegen / daß eines von den Bürgern oder Rath daselbs / Herrn Sigmund von Tieffenbach entzogen sey / vnnd man auch in gleichem der Frauwen Annae Zedlarin jhre Behausung zu entziehen sich vnderstanden / nemblichen darumb / weil in solchen Häusern Evangelisch geprediget worden: Liessen sie sich Innwohner auß den Höhern dreyen Ständen bedüncken / daß sie sämptlich / weil es nicht sie / sondern eygentlich Jhrer Kayserlichen Mayestät zuersetzen zustünde / dasselbe an Jhr. Mayest. gelangen zulassen / vnd darumb demütiglich zubitten damit Jhr. Kay. May. vnverzüglich hierinn etwa Mittel verschaffen möchten / daß man sich hierin ersehen / vnd wo fern jemand Verkürtzerung vn̅ Vn [109] recht beschehen / dasselb alles zu Ersetzung gebracht würde. 6. In Sachë Herrn Andreae von Puchheim / woferrn selbiger merckete / daß jhme wider Privilegia vnd Articul / einigerley Verkürtzung geschehen / solches auch an sie / Stände / gelangen lassen würde / wolten sie sich seiner sämptlich in dieser Sachen annehmen: daß aber ein solcher Befelch von Jhrer Majestät / als ob man den Priester gefänglich einziehen solte / den Brünnern zukommë seye / darvon hette der meiste Theil keine Wissenschafft. 7. Wegen Verwaltung der Zehenden / den Priestern sub Vtraque gehörig / daß dieselben von einem jeglichen zu der Collatur / wo derselbe Zehende hin gehörig / verwaltet würde. 8. Wegen der Collaturen bey Verkanffung der Güter were zwischen jhnen kein solcher dergleichen Vertrag / daß sie sich mit den Collaturen verpflichten vnd verbindë solten / welches sie dann gleicher weise von den Evangelischen verhoffeten / daß also ein jeglicher bey seinem Erbe gefreyet verbliebe. 9. Wegen Begräbnuß der Todten / daß todte Cörper von jemandë solten außgegraben vnd erhebet worden seyn / trügen sie keine Wissenschafft / wie auch an den Bischoff zu Olmütz niemaln dergleichen angebracht worden / vnd wann auch solches von jemandt geschehen / were es gar nicht zu loben / welche aber jhre Erb Begräbnussen hetten / solten dieselben billich gelassen werden / die Vnderthanen auch / zu welchem Kirchspiel sie gehörten / solten auff den Kirchhöfen begraben werden. 10. Was Ablegung der Zeugnuß bey den Attestationen betreffe / darinnen solten sich die Vnter Amptleute Jhr. Majest. Receß vnd Landtags-Beschluß gemäß verhalten. 11. Keine Königliche Stätte solten Sonn-Abends / Sontags oder Feyertags nicht langsamer oder zeitlicher / als in Wochen Tagen / auff vnd zu geschlossen werden / daß deßwegë niemand Vrsach hette / sich zu beschweren. 12. Wo ferrn solches in der mässigung / wie von jhnen / Evangelischen Ständen begehrt worden / gebraucht werden würde / were solches den Ständen nicht zuwider / sondern wolten vielmehr darob seyn / daß sie keine Vrsach / sich zu beschwerë / haben würden. 13. Es were ein vnbilliches / vnd solte solches hinfüro nicht mehr geschehen. 14. Ein jeglicher möchte jhme / zu Vnterweissung seiner Kinder / seines Gefallens / Praeceptores halten. 15. Bey diesem befinden sie es bey sich / daß sie in dieser Sachen solten friedlich gelassen werden / doch daß gebührlicher Respect vnd Gehorsam bey dem Ampt gehalten würde. 16. Solte darbey bleiben / wie Jhre Keys. M. sich hierüber erklärt / daß also künfftig in die Gemein vnd Empter / taugliche vnd wolberüchtigte Personen / beyden Religionen zugethan in allen Stätten genommen vnd zugelassen würden. 17. Was aber die Geistlichë von beyden Theilen belangete / wann sie bey Zusammenkünfften einander betreffen / mit Schlägen / schimpfflichen Auff forderungen / auch anderer Gestalt einander schädlich vnd zuwider seyen / sc. Wer sich nun auß den Geistlichen / wie auch andern Leuten / dergleichen künfftig zuthun / Anlaß vnd Vrsach zugebë / vnderstehen würde / solte von seiner Obrigkeit darumb / andern zum Exempel / ernstlich gestraffet werden. Vnter diesem wehrenden Land Tag haben die Keyserliche Abgesandten die Mährische Stände in Gehorsamb gegen Jhr. Keyserl. Majest. zu erhalten: hingegen die Böhmen sie auff jhre seiten zu bringen / zum hefftigsten sich bemühet: Jedoch seynd sie damahls noch in Jhr. Majest. Devotion verblieben. (Der Landschafft Mähren Beschreibung.) Die Landschafft Mähren belangend / wird dieselbe vom Fluß Morava / zu Teutsch die Marhe / (wie etliche wöllen) also genennet: Andere sagen / dieser Fluß hette von dem Land den Namen. Die Marcomanner haben diß Land vor Zeitë bewohnet. Seine Grentzen erstrecken sich gegen Auffgang an Polen vnd Hungarn: Gegen Nidergang an das Königreich Böhmen: Gegen Mittnacht an Schlesien: vnd gegen Mittag an Oesterreich. Die gantze Landschafft hat viel Gebürg vnd Gehöltz / aber doch auch sehr schöne Felder / welche ein fett / fruchtbar Erdreich haben / so hat es auch guten Weinwachs darinn / viel besser als in Böhmen. Die Erde ist allenthalben gebawen / also das fast kein Weydt vbrig ist das Viehe darauff zu halten / als nur in den Einöden. Vnter andern ist sich vber diß sonderlich zuverwundern / daß auch Weyrauch vnd Myrrhen in diesem Lande gefunden wirdt / welches aber nicht wie anderswo auß den Bäumen schwitzet / sondern auß der Erden gegraben wirdt / insonderheit bey Gradisco: Ja es hat vor Zeiten Wenceßlaus von der Eychen / ein Landherr in Mähren / als er bey Sternberg einen Weyher oder Teich wöllen graben lassen / ein gantzen Menschlichen Cörper gefunden / welcher nichts als lauter Myrrhen gewesen. Sonst seynd die Innwohner mit der Sprach / Sitten vnd Gebräuchen den Böhmen fast gleich / doch aber ist die Teutsche Spraach vnter fürnemmen Leuten in Stätten vblich. Es gibt ziemlich viel Flüsse in dem Land / vnter welchen der fürnembste der obgemeldte Morava oder Marhe ist / welcher die Statt Olmütz vmblaufft / wendet sich hernach in Hungarn / vnd fällt (nachdem er von andern Wassern vermehret worden) endlich in die Thonaw. Der ander wirb genennet die Deins oder Theysa / welcher für Znaim: der dritte Igla / welcher für Iglaw vorüber fleußt: die vbrigen seynd Nigra / Suitta / Hava / Suarta vnd andere. Nicht weit von Olmütz / welches nach Prinn die fürnembste Statt in Mähren ist / entspringet die Oder / welche jhren Namen biß ins Meer behelt. Es ist vor Zeiten das Mährenland ein Königreich gewesen / welches noch viel andere Länder vnter sich vnd ein grossen Begriff gehabt / sein letzter [110] König hat geheissen Suatoplucus, der ist von dem Keyser Arnolpho vertrieben / vnd sein landt den vmbligendenVölckern Preiß gegeben / daher das jenige Theil / so heutigs Tags noch Mähren heißt / dem Königreich Böhmen zugethan worden. (Maltheser jagen dem Türcken eine gute Beuth ab.) Vmb diese Zeit haben die Maltheser Ritter ein nambaffte Victorj wider ein Türckische Schiff-Armada auff dem Mittländischen Meer erhaltë. Dann nachdem gedachte Türckische Armada denTribut / welchen Jährlich die landschafft Soria oder Syria dem Türckischen Keyser reichen muß / nach Constantinopel führen wöllen / scynd sie von den Malthesern vnter Wegs angegriffen worden / welche dann auch die Oberhandt erhaltë / etliche Schiff vnd darob in 35. Tonnen Golds erobert / viel gefangene Christen erlöset / vnd hergegen ein gute Anzahl Türcken zu Slaven gemacht. (Vnrube in den Pündten.) Vnter diesem Verlauff mit den Matcheser Rittern hat sich in den Pündten grosse Vnruhe mercken lassen / welche sich also angesponnen. Zu den Zeiten wehrendes Saphoischen vnd Venetianischen Kriegs in Italia / giengen die Werbungen der Kriegenden Theil in der Eydgenoßschafft starck fort / also daß die Schweitzer zu Hinderhaltung anderer Nationen / auff einer Tagsatzung deß Passes halben sich verglichen. Dessen aber vngeachtet / erhielte Petrus von Toledo Gubernator zu Meylandt / von etlichen Orten den Durchzug / für vier Tausendt Wallonen zu Fuß / vnd Tausendt Reysige / vnd brachte so viel zuwegen / daß sich viel auff die Spanische Seiten lencketen / vnd in der Statt Chur eine Corzespondentz sich mercken liesse. Darüber erhub sich in den gemeinen dreyen Pündten grosse Vnruhe / vnd zogen auß dem Gottes Pundt etliche Fahnen / zu welchen sich auch die von Meyenfeldt vnd Churwalden schlugen / nach Chur / vnterstunden sich auch andere zu solchem Auffbruch zuvermögen / sich gantz vnnd gar aller frembder Fürsten vnd Herzen zu müssigen / den geschwornen Bunds-Brieff / den Kesselbrieff vnnd Reforma sieiff zu halten / keinem Fürsten noch Herzen weder Paß / noch Verhör vor den Gemeinden zu geben / den Geistlich genandten beyder Religionen in Politischen Händeln alle Stimmen zuverbieten: die Practicanten vnd die jenigen welche Geschencke vnd Gaaben empfangen / auch dieselbe so wider das allgemeine Batterlandt gehandelt / durch jhre Verordnete zu suchen / sc. (Straffgericht zu Chur angestellt.) Diese Bündnerische Händel zu stillen bestissen sich Zürich / Bern / Glaris vnd Schaffhausen / vnd richteten so viel auß / daß die schwürige Bündner mit jhren Fahnen wider auß der Statt Chur nach Hauß zogen: Doch aber ward ein Straffgericht zu Chur angerichtet / vnd viel wider etlicher Burdsgenossen Verwilligung vorgenommen / wie dann sich desselbigen der Ober vnd der Zehen Gerichts Bundt höchlich beklaget: Jedoch entschuldiget sich das angestellte Straffgericht auch bey den Orten / Zürich / Bern / Glaris / Basel vnd Sckaffhausen / gabe alle Schuldt der Venetianischen Bundswerbung / vnd dahero erfolgter starcker Practicken / mit vermeldung / daß sie allein die Fehlbare / vnd sonderlich die / welche wider das Vatterlandt gefreffelt / zu straffen begehreten. Diesem nach hielten gemeine drey Bünde zu Tafas einen Bunds Tag / der endete sich aber mit grossem Zwispalt / vnnd war dardurch anders nichts als mehrere vnd gefährlichere Weitläufftigkeit zu besorgen / wie dann auch solches hernach im folgenden Sechszehen hundert vnd achtzehenden Jahr geschehen. (Newe Vnruhe in den Pündten. 1618.) Dann es regeten sich die vorige Bitterkeiten dermassen / daß auch die Engadiner wider etliche / so sie Spanisch gesinnete nenneten / erhuben / vnd im Junio Anno Sechszehenhundert vnd achtzehen mit fliegenden Fahnen für deß landhauptmanns Rudolph Planta Behausung zogen / vnd dieselbe neben etlichen andern Häusern in vnterschiedlichen Gemeinden schleiffeten / hernach sich von dannen gegen der Statt Chur wendeten / in Willens die Practicken halber Verdächtige zu vberfallen / vnd sie ohne alles verschonen zu straffen. Zu jhnen schlugen sich auch die vbrige drey Pündte / vnd hielten erstlich zu Chur einen Convent / hernach zu Tusis / dahin das Volck zusammen??? zoge. (Newes Straffgericht zu Tusis angeordnet.) In diesem Convent wurde / nachdem sie zuvor etliche gewisse Satzungen gemacht / wider ein new Straffgericht angeordnet / darzu ein jeder Pundt zwer vnd zwantzig Rechtsprecher / neun Auffseher / zween Kläger / ein Schreiber / vnd zween Ministros hergegeben / denen seynd auch neun Priester / die aber doch den Vrtheilen nicht beywohnen dörffen / zugethan worden. Diese alle haben schweren müssen / daß sie von keinem Fürsten Pensionen hetten: vnd wo jemandt mit Gaaben bestochen würde / daß sie solches dem Raht bona fide anzeigen wolten. (Erste Criminal Action wider Zambram.) Hierauff ist die erste Criminal Action wider Iohan Baptistam Zambram, so sür einen auß den fürnembsten der Hispanischen Faction gehalten ward / angestellet worden. Dieser / ob er wol vber siebenzig Jahr alt / vnd mit dem Podagra vbel geplagt gewesen / ist an die Tortur gethan / vnd peinlich abgefragt worden / vnd wiewol man anfänglich nichts auß jhme bringen können / hat er doch endlich / als er mit eigenen Handschrifften vnd eingenommener Kundschafft vderzeuget / bekennet: (Zambrae Bekanbenuß. Fuentes.) Daß er sampt seinen Mitgehülffen Raht vnd That darzu gegeben / daß die Vestung Fuentes (so der Gpanische Gubermator zu Meyland / Graff von Fuentes / an der Eräntz deß Veltlins / bey dem Außgang deß Flusses Adden / auff einem Bühel / Montechio genandt / nahend dem Comer See / Anno Sechszehen hundert vnd fünffe / auffbawen lassen / darauß nachmahls das Veltlin / Graffschafft Cleve / Wormbs / vnd mehr Lande vnd Orte / von Spanischen vnd Oesterreichischen den Grawpündnern abgenommen worden /) erbawet / auch da solcher Baw angefangen worden / vnd die gemeine drey Pündte / dieweil es wider [111] den Vertrag / der Anno Fünffzehenhundert ein vnd dreyssig mit Meyland auffgerichtet / mit gewehrter Handt hindern wöllen / habe er das Volck mit abmahnen vnd falschem Vorgeben abgehalten / auch den Meyländischen zugeschrieben / sie solten mit jhrem Werck fortfahren / er habe die Feinde / so dasselbe hindern wöllen / abwendig gemacht. Darnach bekennete er auch vnter andern / daß er neben andern Trewlosen Personen / zu höchster Verkleynerung der Landen Außländischen Fürsten / durch grosse Verheissungen Geldt vnd Gut abgenommen / sie aber doch betrogen / vnd keinem wederTrew noch Glauben gehalten. Derohalben (Zambra zum Todt verdampt.) ist vber jhn / als einen Verzähter deß Vatterlands das Vrtheil / daß er lebendig geviertheilet / sein Hauß geschleiffet / vnnd zwo Schmachseulen allda auffgericktet / vnd seine Güter confiscirt werden solten / gesprochen worden: doch aber in Ansehung seines hohen Alters / seiner neun Kindern vnd gantzen Freundschafft ist diese Straff gelindert / daß er enthauptet / das Hauß auch auffrecht gelassen worden: vnd haben seine Erben die Confiscation der Güter mit drey Tausendt Gülden außgelöset. (Ander Criminal Actiöwider Pompejum vnd Rudolphum Plan ten / vnd andere.) Diesem nach wurden Pompejus vnd Rudolphus Planten / Gebrüder / Johan̅ Antonius Giogier / vn̅ Lucius von Mont Landrichter / fürgenommen / welche / weil sie sich bey Zeitë auß dem Staub gemacht / vnd auff geschehene gebräuchliche Citation sich nicht eingestellet / wurden sie auff ewig auß dem Land verbannet / vnd dem jenigen / so jhrer einen lebendig lieffern würde / Tausendt Cronen / der aber ein Haupt von jhnen brächte / Fünff hundert Cronen versprochen. Vnd so jhrer einer in Pündten lebendig betretten würde / solte er ohn allen ferrnern Gerichts-Proceß / als ein Verzähter deß Vatterlands / durch den Scharpffrichter geviertheilet / vnd solche Theil an die offentliche Strassen auffgehencft werden. (Nicolaus Rusca zu Todt gepeiniget.) Auff solches wurde der Gerichts-Proceß mit Nicolao Rusta Ertz-Priester zu Sonders angestellet. Dieser als er das jenige / wessen man jhne beschuldigte / nicht gestehen wolte / ist er an die Tortur gebracht / vnd drey mahl auffgezogen worden: Aber er ist auff seiner Meynung beständig verblieben / vnd ohne Vnterlaß Gottes vnd der Menschen Barmhertzigkeit angeruffen. Vber zween Tag hernach / da er wider auffgezogen / vnd jhme das Angesicht / damit jhme niemands ein Zeichen geben köndte / bedeckt worden / ist er das zweyte mal an der Tortur todt gefunden worden / vnd waren die Zähne in die Zung eingebissen / daß das Blut darauß gangen. Doch aber wurde er / nicht mit geringer Mummelung beyderseits Religionsverwandten / von dem Scharpffrichter vntern Galgen begraben: Aber vber wenig Zeit hernach / Nachtszeit / in das Fabarienser Closter gebracht worden. Sein Alter erstreckte sich vber fünffzig Jahr / vnd war er stetigs mit dem Fieber geplagt / vmb welcher Vrsachen willen er auch zwo Fontanellen an den Armen gehabt / vnd deßwegen die Tortur nicht außstehen können. Sonsten hat er ein nüchtern Leben geführt / und die meiste Zeit seines Kirchen Ampts vnd Studierens abgewartet: Ist ein gelehrter Mann / vnd in der Hebraischen / Griechischen vnd Lateinischen Spraach wol erfahren gewesen. (Bischoff von Chur auß dem Land verbanner.) Vber etliche Tag nach diesem ist auch ein Straff-Vrtheil wider den Bischoff von Chur / der sich auch schon zuvor auß dem Weg gemacht / erfolget: welcher auch nach vielerley Beschuldigung auß dem landt auff ewig verbannet: seine eigene Güter (doch dem Bischthumb ohne Schaden) confiscirt: er selber der Bischofflichen Dignität entsetzt / vnd dem Capitul zu Chur / daß sie auff das ehiste einen andern Bischosf wehlen solten / anbefohlen / auch verordnet worden / daß so er in Pündten betrette würde / man jhn enthaupten solte. Deßgleichen wurde nandere mehr deß Landes verwiesen. Weil nun dieses Straffgeric??? ts Proceduren von vnterschiedliche. Orten nicht gebillichet noch gut geheissen worden: als haben die Häupter / Räthe / Richter vnd Gerichte gemeiner dreyer Pündten / zu Verglimpffung aller Handlungen etlichen jhren Bundsgenossen / nachfolgender massen / vnterm Dato den 14. Septemb. zugeschriebë / nämlich: (Straffgerichts Entschuldigüg bey den Bundsgenossen.) Es kompt vns fast von allen Orten her glaubwürdig für / welcher massen wir mit allerhandt Calumnien begossen / vnnd durch böse Zungen auff das höchste verschreyet werden / als ob wir wütender vnd Barbarischer weise vnderstanden / die Mässische Religion zu verfolgen / großmächtige Könige / Fürsten vnd Herrn in Verachtung zu halten / vnd getrewe Landkinder auß Factionischem Eyfer vnd Raachgierigkeit außzureutten / vnd andere vnlöbliche Ding zu üben. In welchem allem / wie vns vnrecht beschehen / wirdt euch Zweifels ohne auß vnsern Wercken nunmehr genugsamb bekandt seyn / vnd werden vns zu allen begebenden Gelegenheiten / vor gemeiner Eydgenoßschafft sämptlich / vnd auch hin vnnd wider sonderbahrlich vnserm zu euch tragenden Vertrawen gemäß wissen zu verantworten. Dann bey vnd vnter vns kein ander Vorhaben nicht ist / als die Ehre Gottes / vnd deß gemeinen Vatterlands Wolstandt / durch Mittel der lieben Gerechtigkeit / in Abstraffung der Lastern / Erhaltung der Tugendt / vnnd Verbesserung der eingerissenen Mißbräuchen / auffrichtiger weise fortzupflautzen / zu welchem vns die vnvermeidenliche Noth getrieben / weil durch trewlose Meineyd vnd Verrähterey / wir der Vatterländischë Freyheit schier weren beraubet. Ein Zeit lang hat man wol gesehen / wie vbei es zugangen / aber die mit solchen Sachen vmbgangen / haben jhnen mit Miet vnd Gaaben / vnd allerhandt Corruptionen ein solchen Anhang gemacht / daß man jhnë nicht zukom̅en mögen. Wie dann Pompejus Planta / seinem Bruder Rudolff [112] (welche die Rädleinsführer gewesen) mit eigener Handt zuschreibet / sie haben in vnsern Landen allewegen das mehr / wie sich die Sachen mit Aufführen / Straffgerichten vnd andern dingen zugetragen. Jedoch hat Gott endlich wöllen / daß die hohe Obrigkeit vnfern Landen / nämlich der gemeine Mann auß allen Gemeinden / in Anzahl wie einer jeden Gemeind gefällig gewesen / zusammen verfügt / vnd nach langer Vnterredung / löbliche Satzungen zu Erhaltung lang hergebrachter Freyheiten / auff Gefallen der Rähten vnnd Gemeinden / so noch Anheimisch / gestellet / vnd ein Straffgericht von frommen / dapffern / vnd keinem Fürsten mit Pensionen / noch in andere Weg verpflichteten Leuten gesetzt: welches ein ordentliche rechtmässige Procedur führet / durch die in Kundschafften / Brieffen / Handschrifften / Geschichten / Bergichten vnd allerhandt Bewährnussen / heiter an Tag gebracht / etlicher Bundsgenossen Verrähterey / durch welche die Fuentische abschewliche Festung / wider den Vertrag im 1531. Jahr mit Meyland auffgerichtet / gestifftet vnd fortgetrieben worden / mit Anzettlung desselbigen Baws / abhaltung vnserer Fahnen / die solchem wehren wöllen / vnd trewlosem Bericht / was in vnsern Rähten vnd Landen gehandelt worden. Sie haben mit jhrem Anhang vnd verderblichen Practicken / allen Obrigkeitlichen Gewalt an sich gezogen / grosse Miet vnd Gaben von einem Fürsten genommen / deß andern Bündnuß abzusagen / vnd dann widerumb mit dem so die Absagung empfangen / practicirt / vmb grosse Dignitäten vnd Salarien / solche Bündt wider zu machen / damit sie vns vnd auch Fürsten vnd Herren trewloser weise betrogen / die fürnembste Empter vnserer Landen haben sie mit frembder Fürsten vnd Herren Geldt besetzt / vnd ist alles in Civilischen vnd Criminalischen Sachen / bey jhnen vmb Geldt feyl gewesen / wie solches alles mehr dann genug erwiesen. Andere haben dann mehr / andere mindere Fähler begangen / da ein jeder seinem Verdienen nach / vnd etliche die der Strangen begehrt / mit sonderlichen Gnaden abgestraffet worden. Wo Imputationen gewesen / vnd aber Vnschuldt erfunden / da ist man allerdings ledig darvon kommen / vnd ist kein Partialität wegen deß Glaubens nirgendt gebraucht worden / dann die gröste Missethäter wider die man prorediren müssen / haben vnserer Evangelischen Reformation seyn sollen / seynd auch deroselbigen weit am meisten abgestrafft. Wir seynd in in Landen Religionssachen halben wol eins / lassen die zwo Religionen / Evangelisch vnd Mässisch frey / allerhandt Secten seynd verbotten. Die Rechtsprecher seynd von beyden Religionen / vnnd vrtheilen mit einander / nach Gott vnd der Billichkeit / vber Geistlich: vnd Weltliche Personen / deß einen vnnd andern Glaubens. Fürsten vnd Herren Gesandte haben ausserhalb jhrer Legation / durch Mittel vnserer corrumpirten Leuten in vnsern Sachen seltzam gekünstlet / daß man sie wegen der Observantz / so man billicher weise jhren Herren erzeigen soll / nicht lasset entgelten. Den Fürsten selbs haben wir vnsere Noth demütig geklagt / vnd jhnen wider allen Vngrundt / die Warheit vnserer Sachen zukommen lassen / wie wir an jetzo auch / gegen euch kurtz vnnd substantzlich thun: freundliches Fleisses bittende / wöllet solches bester Wolmeynung / wie es auch beschicht / von vns auffnehmen / vnd in ewere Guthertzigkeit vnablässig gegen vns continuiren / vnd in dem / daß wo vnserer Banditen einer / oder mehr / in eweren Gebieten möchten ergriffen werden / jhr dieselbigen gesänglich einzichen / vnd vns vberantworten wöllet / damit sie jhre gebührende Straff empfangen / vnnd wir der Hispanischen Anschlägen vnd Handlungen / mehrere Erfahrnuß haben mögen. (Versamblung der Endgenossen zu Baden.) Als nun in dessen der Bündner Bannisirte sich nacher Lucern begaben / vnd was grosses Vnrecht jhnen zu Tusis von dem Straffgericht begegnet were / klagten / wurde von der gantzen Eydgenoßschafft dieser Händel halben ein Tag zu Baden gehalten. (Baden.) Es ist aber Baden eine Statt an dem Fluß Limmat im Schweitzerland / ligende zwischen Zürich vnd Basel / ist ein lustiges Ort mit zweyen Schlössern / deren aber doch das eine zerstöret ist. Vnter dieser Statt hat das warme Wasser gar ein mächtigen Vrsprung / also daß es zu beyden Seyten deß Schiffreichen Wassers Limmat vnverhindert herfür dringet / vnd so heiß / daß es der Mensch im Vrsprung kaum erleyden mag. An diesem Ort halten dieser Zeit die Eydgenossen jhre Versamblungen / dann es sonderlich darzu bequemet ist / weil es mit schönen Gebäwen gezieret / mit stattlichen Herbergen versehen / der Ort an sich selbs lustig vnd gesundt: so bringen die darbey sich befindende warme Wasserquellen nicht allein ein besondere Ergötzlichkeit / sondern es kompt auch deßwegë ein grosse Anzahl Volcks auß vnterschiedlichen Landschafften dahin / vmb welches willen lie Benachbarte etwas zugewinnen / allerley Essenspeisen dahin bringen / daher allezeit ein grosser Vberfluß an allerhandt Sachen da zu finden ist: Es ist auch wol gelegen / daß die vmbligende fast in gleicher Zeit dahin reysen können. (Bannisirte Klagë das Straffgericht bey der Dersamblung zu Baden an.) Allda erschienen dißmal obgemelte Bannisirte / vnd beklagten sich höchlich vber das so jhnen von dem Straffgericht in Pündten widerfahrë / mit flehenlicher Bitte / es wolten die Eydgenossen / als jhre Bundsverwandten / welche nechst Gott jhre höchste Zuflucht weren / jhnen zu vnpartheyischen Rechten / vnd Restitution jhrer verlornen Güter verhelffen. (Entschuldigung der Abgesandten deß Straffgerichts.) Wider diese stelleten sich der dreyen Pündten Gesandte / nämlichen auß dem Obern Grawen Pundt Joachim von Montalto / Landrichter / auß dem Gotteshauß Pundt Gregorius Meyer / Statthalter zu Chur / vnd auß den Zehen Gerichten
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Pundt Rudolph von Salis Land Ammann in Schiers / vnd entschuldigten sich / daß die Pündtner auß höchster Notdurfft zu Erhaltung jhrer Freyheit gezwungen worden weren / ein solches Straffgericht anzustellen: es were niemandt vnrecht geschehen: Etlicher Tyrannische Thaten vnd Practicken weren zu hoch gestiegen / wie auß den verfaßten Processen / deren Copiam sie auffzuweissen vrbietig / genugsamb zu sehen. Den Bischoff belangend / vermeldeten sie / daß etliche Klag Puncten vber jhn ergangen / vnd da er auff zwo vnterschiedliche Citanonen nicht erschienen / ein Vrtheil darüber in contumacia gefället / vnd er seiner Bischofflichen Dignität vnd Würde entsetzet / auch mit Vrtheil dem Gotteshauß Pundt / als Cast-Vögten deß Bistthumbs Chur / das Thumb-Capitul / mit Vertröstung der Handhabung der löblichen Stifft Freyheiten / zu Erwöhlung eines andern tauglichen Bischoffs / zu halten aufferlegt worden / welches aber das bemeldte Thumb Capitul / nach höchster Dancksagung / der Trewhertzigen Vätterlichen Oblation / ohne Mitverwilligung deß Päpstlichen Nuncii zuthun sich verweygert / vnd einer Prolongation begehrt / die auch zugelassen worden were. Darauff hette man deß Bistthumbs Zugehördt inventirt / vnnd damit demselben nichts entzogen würde / Vorsehung gethan. Ein jegliches were auch in dem Bischofflichen Schloß Fürstenberg geschehen / vnnd allein sein deß Bischoffs eigenthumbliches Haab vnd Gut (dessen doch nicht eines Hellers werth gefunden worden) ohne einigen Abbruch deß Stiffts vnd der Kirchengütern confiscirt / also daß sie nichts / das der Billichkeit entgegen were / gehandelt zu haben vermeyneten. Darumb dann jhre liebe Eyds: vnd Bundsgenossen den gefaßten Vnwillen vnnd Mißtrawen fallen lassen / in Handhabung der Billichkeit vnd jhrer Freyheit beharrlich verbleiben / vnd jhren Widersachern vnd Verleumbdern kein Gehör geben wolten. (Pündner werden das Straffgericht abzustellen vermahnet.) Nach solcher weitläufftiger Anhörung beyder Partheyen / wurden die Pündnerische Abgesandte gantz ernstlich vermahnet / jhr Straffgericht abzustellen / den Beklagten zu vnpartheyischem Rechten zuverhelffen / vnd sie mit einem sicheren Geleydt zuversehen / vnd also jhrer Vorfahren Gewonheiten sich gemäß zu halten. Dieser Receß ist den Gemeinden in Pündten vberschicket / vnd darbey vermeldek worden / daß / da jhnen nicht solte gehorchet / vnd ein Neutral Gericht angestellet werden / so wolten sie auff solche Mittel bedacht seyn / dardurch sie eine Abstellung solches Vnwesens zuwegen bringen köndten. Wie es nun weiters mit diesen Händeln abgeloffen / soll an seinem Ort vermeldet werden. (Rhaetierlands oder Grawpündens Beschreibung.) Nun folget / was Rhaetia, darinn dieses alles was bißhero erzehlet / vorgangen / für eine Landschafft / vnd dessen Innwohner für Völeker seyen. Dieselbe nun seynd / auß viel bewehrter Scribenten Zeugnuß / ein sehr altes Volck / sintemal Anno 588. vor Christi Geburt die Thuscier / welche zwischen dem Alpengebürg vnnd dem Fluß Po??? in Italien gewohnet / vnd von den Galliern von dannen vertrieben worden / mit jhrem Obristen Rhaeto sich in das Alpgebürg nidergelassen / vnd sich / nach das Namen jhres Obristen / die Rhaetier genennet. Es hat aber vor zeiten Rhaetia ein grossen Begriff in sich gehalten / also daß die Römische Keyser solches in zwo Provintzen ab???heileten / dann es seynd nicht allein die Landschafften zwischen dem Alpgebürg / sondern auch das meiste Theil deß Schwabenlands / vnd ein Theil von Bayern vnter dem Namë Rhaetia begriffen gewesen. Sonsten ligt das rechte Rhaetierlandt zwischen dem Vrsprung deß Rheins / vnd begreifft ein grosse Gegend zwischen dem Alp: oder Hochgeb???rg in sich / gräntzet gegen Auffgang der Sonnen an die Graffschafft Tyrol: gegen Nidergang an das Schweitzerland: gegen Mittag an das Hertzogthumb Meyland: gegen Mittnacht an das Gebiet deß Römischen Königs. Vnd ob es wol allenthalben sehr gebürgicht ist / hat es doch viel lustige / fruchtbare vnd Volckreiche Thäler. Die Innwohner werden heutigs Tags von den Italiänern Grisoner genennet / vor Zeiten hat man sie Grawe geheissen / dahero sie noch von den Teutschen die Grawpündter genennet werden: Dann weil die Rhaetier nicht allein mit den Schweitzern vereiniget / sondern auch vnter sich selbsten von Alters hero mit Eyd vnd Pflichten zusammen verbunden seyn / werden sie die Grawpündter / oder die Grawen Bundsleuten / wie auch die Pündner geheissen. Sie werden aber in drey Pündte vnterscheiden. Der erste Bundt bekompt von der Gegend seinen Namen / in dem er der Obere / wie auch der Grawe Bundt genennet wirdt. Dieser ist bey Anfang deß Rheins / begreift auch in sich das Masaxer vnd Galancker Thal / so sich biß an Italien erstrecken / vnd noch andere sieben Thäler vber dem Alpgebürg / durch welche der Rhein vnd die Glener lauffen: Vnd wirdt das gantze Gebiet abgetheilet in neunzehen Gemeinden / vnter welchen sechs Teutsch / die andern aber alle Welscher Spraache seynd. Vnd ist dieser Bundt im Jahr 1424. vnter andern von dem Apt zu Disentis / Freyherrn von Retzuns / vnd Graffen von Masar (diese zwey letzte Geschlecht seynd abgangen / doch welche heutigs Tags das Schloß der alten Freyherrn innhaben / werden Herrn von Rhetzuns genennet / welchë Titul newlich die Herrn von Marmorea / vnd hernach die Plantae gehabt) zu Trontz wider frembdes Volck / Rauberey / vnd daß sie sich vnd jhre Leut nicht mehr auff frembde Gerichte / wie zuvor im Brauch gewesen / wolten laden lassen / gemacht worden: doch hat darbey der Apt das Römische Reich / dessen er ein Praelat war: Der Graff seine Herren von Meyland / vnd der Freyherr das Hauß Oesterreich vorbehalten. Dieses hat also geweret biß auff das Jahr Tausend vier hundert sieben vnd neuntzig / da sich dieser Pundt mit den vbrigen Schweitzern vereiniget / vnd ein ewige Bündnuß auffgerichtet.
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Der ander Bundt wirdt geheissen der Gottshauß Bundt / wirdt darfür gehalten / daß er den Namen also wegen deß Bischthumbs Chur bekommen / welches darinn begriffen wirdt / beneben dem Pregell vnd Engadin / bey welchen die Inn vnd Athesis entspringen. Hat gleichfalls in sich neunzehen Gemeinden / darunter allein zwo der Teutschë / die vbrigë alle Chur Welscher Sprach / so sie Romanisch nennen / vnd von den Tuscanern herkom̅en ist / sich gebrauchen. Dieser Bundt ist erstlich von dem Bischoff von Chur / Johanne dem dritten gemacht worden. Der hat sich Anno 1419. sampt seinem Thumb Capitul / vnd der gantzen Statt mit den Zürchern auff 51. Jahr verbunden: Hernach aber mit dem Oberbundt sich vereiniget / vnd endlich auch im Jahr 1498. mit den Schweitzern in eine jmmerwehrende Bündnuß getretten. Den dritten Bundt nennet man den Zehen-Gerichts Bundt / der grentzet an die Graffschafft Tyrol / hat ein rauher Land / als die andern zween Bund. Wirdt in Zehen Gemein den abgetheilet / darunter zwo Teutscher / vier Chur Welscher vnd Teutscher / vnd vier Chur Welscher Spraach allein seynd. In diesem Bundtligt auch das Veltliner vnd Clevenser Thal sampt der Landschafft am Chumer See. Diese haben sich vnlangstvor dem Burgundischen Krieg Anno 1470. zusammen gethan / vnd eine Bündnuß vnter jhnen vffgerichtet / hernach sich auch zu den vorgesagten zweyen begeben / vnnd endlich sich mit der Cron Franckreich vereiniget. Vnd ob diese wol mit den Schweitzern keinen Bundt gemacht / leysten sie doch denselben / dieweil sie mit den vorgemeldten beyden Gesellschafftë in ewiger Bündnuß leben / alle Freundschafft vnd Trewe. Heutigs Tags seynd so wol die Rhaetier als die Schweitzer mit dem König in Franckreich in Bündnuß / demselben seynd sie in Kriegen bedienet / doch schicken die Rhaetier gemeinlich jhr Volck absonderlich vnter einem sonderlichen Obristen. (Schröcklicher Vntergang deß flecken Pluers.) Vnter obbemeltem Verlauff in Grawpündten hat sich in der Graffschafft Cleven ein plötzlicher vnd erschröcklicher Bergfall begeben / der in einem Augenblick den schönen Flecken Pluers mit dem daran ligenden Dorff Schilan vberfallen / vnd dieselben sampt allem was darinnen gewesen / erbärmlicher weise zerschmettert vnnd bedecket. Es ist dieser Flecken / wie auch bemeltes Dorff / so etwas mehr als ein halbe Stundt vom Stättlein Claven / vnten an dem Berg Conto gelegen / mit sehr schönen Kirchen / vielen herrlichen Pallästen / vnd köstlichen Gebäwen vnd Häusern gezieret gewesen / darinn die Innwohner / gleich in einem Irrdischen Paradeiß / in allerhandt Wollüsten sicher gelebet: Deren vnversehener Vndergang vns ein Exempel deß grausamen Zorns Gottes vber die Sünde vor Augen stellet / daß wir wissen sollen / wo wir nicht wahre Buß thun werden / es vns nicht besser ergehen / sondern eben solche / oder aber ein andere dergleichen Straffe vber vns ergehen solle / wie Christus selbsten Luc. am 13. Cap. solches dröwet. Besagter Vntergang aber hat sich also verhalten: Sambstags den 25. Augusti deß 1618. Jahrs hat es angefangen zu regnen / endlich ist plötzlich ein grosser Platzregen mit donnern vnnd blitzen entstanden / so biß auff den Donnerstag / als den 30. obgemeltes Monats geweret. Derselbe Tag ist hell vnd klar gewesen: aber die folgende Nacht ist wider ein Platzregen mit donnern vnnd blitzen kommen / so abermahls biß gegen Montag morgens (als den 3. Septembr.) geweret: vnd ist darauff wider den folgenden Dienstag schön Wetter gewesen. Denselben Tag / nach Mittags / hat auff der lincken Seiten deß Flusses Meyra / von dem Berg Conto / da man vor diesem die Lavetztzen gemacht / vnd noch die Gruben vnd Hölen daran zu sehen waren / nachdem schon vor Zehen Jahren etliche Riß an demselben Ort sich erzeiget / etwas Erdreichs anfangen her???mter zu fallen / so etliche Weinberg bey Schilan / gegen Cleven zu bedeckt. Weil aber an demselben Ort dergleichen herabfallen deß Erdreichs (welches daher kommen / daß das Wasser / so von den Wiesen auff dem Berg geflossen / nicht fleissig durch Canäl herab geleytet worden) zuvor mehr geschehen / haben die Innwohner zu Pluers / bevorab weil dieses vnter dem Flecken gegen Cleven zu sich begeben / dessen nicht geachtet. So haben auch die jenigen / die auff der Ebne Hew gemacht / vermerckt / daß die Erde vnter jhnen zitterte. Etliche schreiben / es habe sich den Tag zuvor ein vngewönlicher Gestanck mercken lassen. Vber diß seynd auch die Innwohner durch etliche benachbarte Bawern gewarnet worden / daß sie sich bey Zeiten mit jhren besten Sachen von dannen begeben solten / dann es were em Vnglück vorhanden: Sie aber haben solches verlacht / vnd die Bawern falsche Propheten geheissen / vnd für Leut welche fabulirten / oder voller Weins weren / gehalten. Vmb die Ave Marien Stundt seynd die Catholische in S. Cassiani Kirch / vnd die Reformirten (deren in Pluers vnd Schilan nicht vber 40. gewohnet) in einem sonderlichen Hauß jhr Gebet zuverrichten jusammen kommen / wie solches die Bawern auß dem Dorff Rongalia / so dazumahl von dar nach Hauß gangen / bezeuget. Als es nun Abend worden / vnd sich Tag vnd Nacht gescheiden / vnd jetzt der volle Mond am Himmel sich erzeiget / auch sonsten das Wetter hell vnd klar ohne einiges Gewölck war / siehe da geschahe gleichsam in einem Augenblick von dem Berg Conto dieser schröckliche vnd erbärmliche Fall / welcher nicht allein das Dorff Schilan / in welchem acht vnd siebentzig / sondern auch den schönen Flecken Pluers / in welchem hundert vnd fünff vnd zwantzig schöne Gebäw stunden / mit in Neunhundert vnd dreissig Personen vberfallen vnd zerschmettert / mit solchem krachen vnd praßlen / daß auch die Innwohner zu Cleven vermeynet / man schiesse ein Hauffen Stück Geschütz mit einander loß / vnd sahen auch allda Staub vnd Rauch mit Fewer
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vnd Schwefel vermischet / darvon gen Himmel auffsteigen. Durch diesen Fall wurde der Fluß Meyra an seinem Lauff gehindert / daß er bey zwo Stunden stehen bliebe / vnd einen Teich machte einer halben Welschen Weil lang / deßwegen die Clevenser nicht in geringer Forcht stunden / doch brach das Gewässer endlich mit Gewalt durch / vnd bekame wider seinen Gang / aber es bliebe ein See vngefehr einer vierthel Stundt lang. Etlich wenig Personen seynd mit dem Leben darvon kommen / nämlich ein Stummer Knab / welcher in einem Garten Pfirsing abbrechen wöllen / dem hat die grosse Bewegung die Schuhe von den Füssen genommen. Darnach einer mit Namen Frantz Forno / welcher mit einem Mäurer in seinen Keller / so aufferhalb deß Fleckens in einen Felsen gemacht war / gangen / vnd Wein zum Nacht Imbiß holen wöllen: Vnd dann einer mit Namen Johann Peter Wertemann / der mit seinem Gesind Häw zusammen zu machen auff einen Berg hinauß gangen war: vnd als er seine Haußthür zuzumachen vergessen / vnd deßwegen seine Tochter zurück schickte / ist dieselbe auch mit diesem Vnglück betroffen worden. Eingrosser Jammer war es / daß viel von den Innwohnern / welche sich in weitabgelegenen Orten lang auffgehalten / vnd allda jhr Gewerb getrieben / eben zu dieser Zeit gleich samb zu jhrem allgemeinen Vntergang wider kommen: vnd seynd vnter andern auch etliche Kauffleute / welche an diesem Ort gewohnet / vnd in der Bergomenser Meß in Italien gewesen / nicht zwar inn: sondern ausserhalb deß Fleckens / in dem sie solchem zueyleten / mit dem Berg Fall ergriffen / vnd erstecket worden. Deß andern Tags hernach seynd von den vmbligenden Orten Leute / die Todten vnnd das verfallene Gut außzugraben dahin geordnet worden / die haben oben auff den herunter gefallenen Erdreich zwey Mägdlein / deren das eine für deß Herrn Potestats oder Schultheissen / das ander für Joh. Antonij Galisonen Töchterlein erkennet worden / doch gantz todt gefunden / da sonsten alles in die Erden geschmissen vnd bedecket gewesen. Als man angefangen hat auffzugraben / seynd die erschlagene auff mancherley weise / worüber ein jeder mit dem plötzlichen Fall vbereylet worden / gefunden: Vnter andern wurde eine Magd / welche eine Henne / so sie gerupffet / in jhren Händen / vnd ein bissen Brods im Mund stecken hatte / herauß gezogen: Viel wurden nach etlichen Monaten allererst gefunden. Vnter den Grabenden aber seynd viel von wegen deß grossen Gestancks erkrancket / vnd gestorben. Etliche schreiben / man habe einen Stein gefunden / in welchen ein Hebraische Schrifft eingehawen gewesen / die Do. Theon Huber von Lucern also verteuscht: So spricht der HERR: Ist mein Wort nicht wie ein Fewer / vnd wie ein Pickel / der Felsen zerschlägt: Fliehet hinweg von Babylon / rette ein jeder sein Leben / niemandt schweig zu jhren Sünden / dann die Straff deß HERREN wirdt wider kommen / vnd wirdt jhnen vergelten jhre Boßheit. (Ableiben Ertzhertzoges Maximiliani von Oesterreich.) Den zweyten Novembr. ist Keysers Matthiae Herr Bruder / Ertzhertzog Maximilianus in Oesterreich / sc. seines Alters im sechtzigstë Jahr / nachdem er etlich wenig Tag kranck gelegen / mit Todt abgangen: welcher Todt / so wol den Evangelischë / als den Römisch Catholischen in Oesterreich vnd Böhmen nicht wenig trawrig gewesen: es hat sich auch die Keyserin / welche damals allbereits schon kranck gelegen / hefftig darüber bekümmert. Das Eingeweyde hat man zu seines Herrn Vatters Keysers Maximilian II. S. G. in S. Steffans Kirche zu Wien begraben: den Leichnam aber in einem schwartzen Kleyd / vnd weissen Mantel / darob deß Teutschen Ordens Creutz / angethan / nach Inßpruck in Tyrol geführet. Er ward geboren zu Newstatt in Oesterreich / im Jahr Christi 1588. den dreyzehenden Octobr. auff den Tag Maximiliani. Im Jahr 1585. ward er in Preussen zu Verwaltung der hohen Commenthur / vnd zum Teutschen Meister (Teutsches vnd Welscheslandes) erwöhlet. Nach Stephani Bathorei / Königs in Polen Tod / ward er mit Sigismundo König in Schweden (ein jeder von seiner Parthey) zum König in Polen erwöhlet. Das Reich tratte er zwar an / aber weil der ander von einem mächtigern Feindt erwöhlet / auch der Groß Cantzler deß Königreichs die Sach für den Schweden triebe / ward er nach vielen / hin vnd wider ergangenen Schlachten vnd Siegen / endlich bey Perschin gefangen / vnd in Polen hinweg geführet / doch bald darauff / als zu Bethonien Friede gemacht / wider auff freyen Fuß gestellt. Nach solchem im Jahr 1594. nam er das Regiment in Steyermarck vnd den angrentzenden Provintzien an / zerstörete der Türcken stärckeste Festung Bertein: vnd vber zwey Jahr hernach / als deß Keyserischen Kriegsheers vornembster Obrister / nam er dem Türcken Hatwan ab: bey Erlaw hielt er mit Amurathe dem dritten eine glückliche Schlacht: als aber seine Kriegsleute mehr dem Raub / als dem Sieg nachhängeten / mußte er sehen / daß diese herrliche Victorj von dem Feindt wider entzogen ward. Deßgleichen nam er Pappa eyn / vnd bemächtigte sich der Herr von Schwartzenburg durch seinen Rath mit besonderm Kriegs List der Vestung Raab. Im Jahr Sechszehen hundert tratt er die Regierung in Tyrol / Elsaß vnd Vnter Oesterreich an. Er war sonsten von Natur ein gantz friedfertiger / sanfftmütiger Fürst / an Sitten vnd Gebärden dem Keyser Maximiliano / seinem Herrn Vattern / gantz ähnlich vnd gleichförmig.
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(Keysers Matthiae Gemahlin gehet mit Todt ab.) Diesem ist baldt die Keyserin Anna / Keysers Matthiae Gemahl / Ertzhertzogs Ferdinandi in Oesterreich (welcher Keysers Ferdinandi deß Ersten Sohn war) Tochter / nachgefolget: Dann selbige den 14. Decembris zu Wien / zwischen neun vnd zehen Vhren vor Mittag / Tods verblichen / deren Leichnam / nachdem er drey Tag lang Schwartz angethan / zur rechten Seiten die Römische Cron / sampt dem Scepter vnd Reichs-Apffel / zur Lincken aber die Hungarische vnd Böheimische Cronen von Holtz formirt / vnd vergüldet / habende / von männiglichen können gesehen werden / in der Königin Closter begraben worden. Den 18. Novembris starb in Böhmen Freyherr Albertus Johannes von Smirsitzky / so mit einem Fräwlein von Hanaw verlobt war. Von Gelehrten Leuten giengë in diesem Jahr mit Tod ab der berühmbre Rechtsgelehrte Gotosfredus Antonii, Andreas Laurentius deß Königs in Franckreich Medicus, Ludovicus Gravius, Medic. Professor zu Heydelberg / vnd andere mehr. (Schröcklicher Comet wirdt am Himmel gesehen.) Vnter den Zerrüttungen / welche nicht allein allbereit in Böhmen in vollem Schwang gangë / sondern sich auch anderswo ziemlich blicken liessen / ist ein schröcklicher Comet Stern mit einem sehr langen brennenden Schwantz am Himmel erschienen / vnd fast in gantz Europa mit sonderlichem Schrecken gesehen worden. Der hat sich vmb den 26. Octobr. Alt. vnd 6. Novemb. Newen Calend. deß 1618. Jahrs erstlich sehen lassen / doch nicht allenthalben: dann an etlichë Orten an dem Ort / da der Comet hernach gestanden / fewerige Straalen etlich Tag zuvor gespüret worden. Er hat sich anfänglich im Zeichen deß Scorpions erzeigt / so im Asterismo der Wag gelegen / seinen Schwantz hat er gestreckt zwischen der Spi [117] ca Virginis vnd Arcturo dem Polo Septentrionali zu. Nachmaln ist er in das Zeichen der Wag geschritten / vnd hat seinen Lauff von der Ecliptica dem Topico Cancri zugenommen / von Osten nämlich oder Auffgang / gegen Westen oder Mitternacht zu / da er dann mit seinem brennenden Straal den Bootem oder Bärenhüter gantz durchschnitten / vnd denselben dem vndersten Fuß oder fördersten Wagenrad deß grossen Bären zu erstreckt. Ist allezeit bey klarem Himmel gegen Morgen zusehen gewesen. In den Böhmischen vnd Oesterreichischë Landen ist er anfänglich gantz röhtlich / anderswo aber in einer Saturnischen bleichrothen Farb erschienen / auch je mehr vnd mehr erblichen / biß er endlich gar nicht mehr können gesehen werden. Seine Straalen hat er allezeit gegen vnserm Vertici zu gerichtet / vnd seinem Lauff nach also gewendet / daß sie bey dem vndersten Fuß Vrsae majoris oder deß grossen Bären / oder fördersten Wagenradt hin / gegen Nord Westen / vnd also fort gegen Westen zu / biß in Sudwesten / sich in grosser Länge / in die 50. vnd mehr Grad hinauß erstreckt haben / vn̅ ist auß der schnellen Bewegung / wie auch andern Observationen leichtlich abzunehmen gewesen / daß er nicht sehr hoch / sondern in aërea & sublunari regione der Erden viel näher / als der Mond / gestanden. An etlichen Orten ist er in die 27. Tag / an etlichen Orten länger gesehen worden. Diese schröckliche Fackel hat der Allmächtige Gott für einen Bußprediger an die hohe Cantzel deß Himmels gestellt / damit die Menschen sehen möchten / wie Er sie wegen der Sünde zu straffen / vnd seine Zorn-Ruthen vber sie ergehen zulassen beschlossen / auff daß dardurch männiglichen vor Schaden gewarnet / vnd bey Zeiten noch in der Gnaden von Sünden abzustehen / vnd zu der Göttlichen Barmhertzigkeit zufliehen angemah [118] net würde. Dann weil die rohe vnd sichere Welt die ruffende Stimme deß Göttlichen Worts / so jhr zu aller Zeit fürgetragen vnnd angemeldet wirdt / verachtet vnd in den Wind schlägt / vnd dieselbe sich von Sünden nicht abschrecken lassen wil / sondern mehrertheils ohne Rew vnd Buß in den Tag hinein lebet / eben als wann Gott vmb jhre Boßheit nichts wüßte / oder derselben nicht nachfragte / so stellet dann dieser Allmächtige Gott vnd HERR solche Wunder vnnd Zeichen an der Sonn / Mond vnd Sternen vor Augen / vnd zündet manches helles Liecht in den Wölckë deß Himmels an / die Menschen vom Schlaff der Sünden auffzumundern / vnd für künfftigem Vnglück zu warnen / wie wir dessen / so wol in Heiliger Göttlicher Schrifft / als hin vnnd wider in Chronicken vielfältige Exempel finden / die wir kürtze halben an diesem Ort nicht einführen wöllen. Es ist freylich dieser Comet ein rechter Vorbott gewesen der künfftigen Straffen Gottes mit welchen hernach die sichere Welt heimgesucht vnd gezüchtiget worden. Ja die grosse Noth / Trübsaal vnnd Jammer / mit welchen nicht allein gantz Teutschlandt / sondern auch beynahe den gantzen Crayß der Erden / viel folgende Jahr hernach geplaget worden / können mit keinë Federn beschrieben / auch mit Menschen Zungen nicht außgesprochen werden. Es ist allzuviel (leyder) erfüllet worden / was die Altë von den Cometen gesagt: Es seye / nämlich / nie keiner erschienen / der nit groß Vnglück mit sich gebracht habe. Vnd Claudianus sagt von jhrer Würckung also: — Bella canunt, ignes subitosq; tumultus, Et clandestinis surgentia fraudibus arma, Civiles etiam motus cognataque bella Significant. Vnd Pontanus: Ventorum quoque certa dabunt tibi signa Cometae, Illi etiam belli motus, feraq; arma minantur, Magnorum & clades populorum & funera Regum. Das ist: Krieg / Auffruhr / Blutvergiessen viel / Dir ein Comet verkünden wil: Vnter den Leuten grosse Noht / Auch grosser Herrn vnd König Todt. Vom Standt / den dieser Comet gehabt / schreiben die alten Astrologi, daß er bedeute erstlich violenta & superba consilia, dissidia, proditiones & rebelliones, grausame vnnd vbermütige Rahtschläge / Vneinigkeit / Verrähterey vnd Auffruhr: Darnach latrocinia & subsessiones viarum, sollicitudiemq; & anxietatem animorum: Das ist: Rauberey / Vnsicherheit der Strassen / vnd grosse Angst vnd Schwermütigkeit vnter den Leuten. Zum dritten: Regum & Principum interitum, bella, pestem & morbos varios. Das ist: grosser Könige / Fürsten vnd Herrn Vntergang / Krieg / Pestilentz / vnd mancherley Kranckheiten. Endlich vnd zum vierdten / Religionis, Legum & Institutorum mutationem, novarumque rerum inexplebilem cupiditatem. Das ist: Beränderung der Religion / Gesetz vnd Weltlicher Ordnung / beneben einer vnerstättlichen Begierde zu allerhand Newerungen. Wann auch die Straalen ex domo carceris herfür gehen / deutet es auff eine violentam eruptionem oder gewaltige außbrechung vnd fortpflantzung einer Lehr / so zuvor gletchsamb als im Gefängnuß gehalten vnd gedrucket gewesen. Welcher gestalt nun dieses alles in den folgenden Zeiten wahr / vnd erfüllet wordë / ist aller Welt genugsamb bekandt. (Grosse Fewersbrunsten an vnterschiedlichen Orten.) Es haben sich baldt nach Anfang dieses 1618. Jahrs an vnterschiedlichen Orten grosse Fewersbrunsten erzeiget. Sonderlich seynd zu Constantinopel durch dergleichen eine in 380. Häuser / mit vnwiderbringlichem Schaden der Innwohner in die Aschen gelegt worden. Kurtz darauff ist die Statt Wittigaw in Böhmen meistentheils durch Fewersnoth verdorben. Deßgleichen ist den 28. Aprilis zu Prag in der Alten Statt bey einem Becker ein Fewer außkommen / dardurch 13. Häusser verbrunnen. Vmb solche Zeit ist auch zu Pariß im Pallast da man pflegt Gericht zu halten ein grosse Brunst auffgangen / vnd dardurch vber 200000. Gülden Schaden geschehen. So were auch in der Keyserlichen Burgk zu Wien bey nahe dergleichen vorgangen / wann nit das Fewer bey Zeiten / ehe es gar vberhandt genommen / were gedämpfft worden. Dergleichen Fewersbrunsten seynd vmb diese Zeit an andern Orten mehr fürgangen.

1619
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Zu Anfang deß 1619. Jahrs haben in 4000. (Böhmen haben einen vergeblichë Anschlag auff Crumlaw.) Böhmische einen Anschlag auff Crumlaw (so ein Paß in Oesterreich ist) gemacht / als sie aber heimlich vnd vnversehens dabey anzukommen vermeinet / haben sie befunden / daß jhr Fürhaben der darinn ligenden Keyserischen Besatzung / welches meistentheils Vngarn gewesen / verkundschafftet / in deme sie mit dem groben Geschütz dapffer empfangen wurden. Derhalben sie vnverrichter dingen wider zurückzogen. Hierzwischen ist der Graff von Bucquoy vber Tausendt starck auß Budweiß gefallen / ein Böhmisch Quartier anzugreiffen / als nun jhn das zurückziehende Böhmische Kriegsvolck angetroffen / hat selbiges etliche Stundt mit jhme scharmutziert / also daß beyderseits in fünff hundert auff der Wallstatt geblieben: endlich hat der Graff sich allgemach wider nach Budweiß reterirt: Ist also beyder Theil Anschlag zu nichts worden. (Böhmen werdë vom Graffen von Bucquoy geschlagen.) Baldt hernach seynd die Budweisischen wider außgefallen / einen nahegelegenen Meyerhoff geplündert / vnd angezündet. Als sie nun nach solchem mit der erlangten Beuth widerkehren wöllen / seynd sie von den Böhmischen vnter Wegs angefallen worden. Weil sie aber schon zuvor ein Hinderhalt bestellet / der sich in einem Waldt verhalten / haben sie die Böhmen zu demselben gelocket / hernacher jhnen also zugesetzt / daß deren bey dreyssig erschlagen / vnd auch so viel (vnter
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welchen deß Graffen von Hollachs Fähnrich / wie auch deß von Mansfeldt Wachtmeister gewesen) gefangen worden / die vbrigë haben mit der Flucht jhr Leben gefristet. Deßgleichen hat auch vmb selbe Zeit der Graff von Dampier etlich Volck dem Graffen von Thurn zugehörig angetroffen / selbiges zerstrewet / vnd etliche gefangen / worunter ein Rittmeister / vnd der Herr von Steinbach ein Rittmeister / gewesen. Auß dem letzten Keyserlichen Schreiben / dessen hiebevor erwehnung geschehen / ist zusehen / welcher gestalt dem Churfürsten von Sachsen / sich deß Vergleichs mit den Böhmen zu vnderfangen / vnd vnter dessen zwischen beyden Theilen einen Stillstandt der Waffen anzustellen / vom Keyser auffgetragen worden. (Churfürstë von Sachsen Vortrag an die Böhmen / wegen der Interposition vnd Stillstandt der Wassë.) Hierauff habë Jhre Churf. Gn. von Sachsen Herrn Jacob von Grünthal der Vrsachen halben zu den Ständen in Böheim abgefertiget / welcher seinen Vortrag bey den Directorn in nach folgenden Puncten gethan: Erstlich / daß Jhre Keys. Maiest. Suspension der Waffen auff zween Monat begehren lassen / vnd da man hierinn Bedencken trüge / köndte wol ein Monat passiert werden. 2. Solches wolte Jhr. Keys. Maj. dem Graffen von Bucquoy gleicher weiß zuthun befehlen / der müßte stracks pariren. 3. Den Composition Tag zu Eger den 20.10. Januarij zu halten. 4. Mayntz / Pfaltz / Sachsen vnd Bayern solten Interponenten seyn / weren vom Keyser zuerscheinen citirt / vnnd die Currier bereits fort den Tag jhnen zu insinuiren. 5. Ob sich schon nicht alle Interponenten einstellen würden / so köndten Pfaltz vnd Sachsen doch allein diß Werck für sich nehmen. 6. Der Keyser bitte selber vmb Frieden / wolte keinen Mann auß Italien oder Hispanien kommen lassen / ob er schon durch Schreiben / in diese Lande zu kommen / jhnen Anlaß gegeben. 7. Die Suspension der Waffen würde den Schlesiern nicht wol zuwider seyn. 8. Man müßte nur trawen / weil zumahl der Keyser sich selbs submittirte / vnd Recht leyden wolte / es solle vnd müßte alles gehalten werden / man gebe doch jetzo alles an die Hand / auch dem Reich den Anno 1613. versprochenë Composition-Tag. 9. Die Tractation dieser Seiten au außzuschlagen were gar nicht rahtsamb. 10. Ob zwar / wann der Keyser zur Tractation Böhmen schickte / es dahero von dieser Seiten schäle Augen geben möchte / so müßte man dieses Falls notwendig Interpretationem haben / sc. (Schreiben der Böhmen / an den Churfürstë zu Sachsen / wegen eines Stillstands.) Hierauff haben die Böhmische Stände besagten Gesandten / als sie jhn nach Gelegenheit der damaligen Beschaffenheit in Zehen Wochen lang auffhalten müssen / mit einem Schreiben wider abgefertiget / in welchem sie sich erstlich entschuldiget / daß sie nämlich nicht schuldig daran weren / daß der Gesandte so lang auffgehalten worden (dann er zehen Wochen lang in Böhmen verblieben /) sintemahl Jhre Conföderirte / deren Meynung sie auch hetten vernehmen müssen / jhnen zuweit entsessen / vnd hette solches nicht eher können vollnbracht werden. Darnach haben sie vermeldet / daß sie zwar in einen Stillstandt gern willigen wolten / wann sie nur wegen Haltung desselben / vnd also de indemnitare gnugsam köndten versichert seyn. Dann weil der Graff von Bucquoy ein Außländischer / vnd also den Rechten im Römischen Reich nicht vnterworffen / vnd wo er einen Exceß begienge / [120] nicht wol anzulangen were / wie er dann schon auff etliche Verbott dannoch mit Brennen fortgefahren. So hette der Graff von Dampier zu Zeiten der Oesterreichischë Vnruhe auch den Stillstand gebrochen / aber deßwegen ausser eines schlechten Verweises nicht gestrafft worden. Köndten deßwegen auff sein (Churfürstens) Versicherung allein nicht trawen / wolten Jhn demnach ersuchet haben / ferrners wie sie ein stärckere Versicherung / der Haltung deß Stillstands haben möchten / zu berahtschlagen. (Antwort deß Churfürsten von Sachsen / darinnen er Ort vnd Zeit / den gütlichen Vergleich anzustellen / benennet.) Hierauff hat der Churfürst von Sachsen also geantwortet: Es were jhme zwar nichts liebers gewesen / als daß sie jhme eher geantwortet hetten: Weil sie aber das jenige was sie selbsten so offtmals von dem Keyser gebetten / vnd von Chur: Fürsten / vnd den Incorporirten Ständen deß Königreichs were vorgeschlagen / vnd vor gut angesehen worden / noch ferrner hetten berahtschlagë wöllen / müßte er es also geschehen lassen / hoffete aber / er würde entschuldiget seyn an denen Vngelegenheiten / so inmittelst dieses Verzugs / welcher in Zehen oder eylff Wochen sich erstreckte / vorgeloffen. Dann wann damals / als der. Keyser in die Tractation verwilliget hette / selbige alsbaldt were vor die Hand genommen worden / so solte man numehr nahe bey dem Friedenszweck sich befindë. Weil aber annoch der Keyser solche Tractation fortgehen zulassen / die von jhm ernennete Chur: vnd Fürsten solche auff sich zunehmen / vnd sie die Stände mit jhren Conföderirten jhre Deputirten darzu zuschicken gesinnet weren: Als wolte er zu folchem den 14. Tag Aprilis / Alt. Cal. ernennet / vnd daß sie sich auff selbigen in der Statt Eger einstellen solten vermahnet haben / dann allda würden die Interponenten auff solche Zeit auch ankommen. Den Stillstandt betreffend / weil er jhre vorgeschlagene Conditionen zu demselben also beschaffen befinde / daß sie ferrnere Handlung / so hin vnd wider müßte fürgenommen werden / erforderten / zu welchem dann ziemliche Zeit gehörte / dardurch sich aber das Hauptwerck verzöge / Vnkosten vermehret / vnd andere Vngelegenheiten verursachet würden / als köndte die Handlung desselben auff den angesetzten Tag verschoben werden. Er hoffte aber / wann sie zu sammen kämen / es solte vielmehr plenaria depositio, als nur suspensio armorum gescholossen werden. (Böhmische Stände lassen das Auffbott auff den zwantzigstë Mann im gantzen Königreich ergehen.) Diese deß Chrufürsten Antwort wolte den Böhmen nicht gefallen / sondern liessen alsbaldt darauff den 27. Februarij ein Parent außgehen / in welchem sie erstlich einer Zusammenkunfft / welche auff dem Prager Schloß / Montags nach Judica angesetzt / meldung theten: Darnach daß vnter dem Landvolck den zwantzigste Mann: vnter dem Herrn vnd Ritter Stands Personen aber ein jeder nach seinem eussersten Vermögen / mit Rossen vnd Dienern sich in Bereitschafft halten solten / vermahneten / mit vermelden / weil der Churfürst hette jhnen zuwissen gethan / daß allererst auff dem Tag zu Eger der Stillstandt müßte abgehandelt werden / vnd aber der Feind in dem Königreich mit Brennen / Rauben vnd allerley Tyranney / vngeachtet deß Keysers Befelch vnd Verbott / fortführe / auch der Graff von Dampier auff ein newes mit vielem Kriegsvolck / ferrnern Schaden zuthun / einzufallen willens seye / vnd also jhre Feinde darnach trachtetë / wie sie die Stände deß Königreichs vmb Leib / Ehr / Majestätbrieff / Privilegien / Weib vnd Kinder bringen / vnd das Landt mit frembden Nationen ersetzen möchten: als were vonnöthen / daß sie jhre Sachen in guter Obacht hi???lten / vnd was zu jhrer vnd jhrer Privilegien Defension dienete / eusserstes Vermögens anstelleten. (Discurß von Beschaffenheit deß Böheimischë Interpositionwercks.) Mitlerweil ward von dem Böhmischen Interposition Werck das Böhmische Kriegswesen betreffende / von deroselben Frucht vnd Nutz / oder auch Verhinderung desselben allerhand discurirt / davon wir gewisser Vrsachen willen / nachfolgendes hiehero setzen wollen: Es hette sich nunmehr mit dem Böheimischen vnseligen Krieg so weit verlauffen / were auch mit brennen / rauben / vnd morden solch Landverderben geschehen / daß da nicht ohne längern Verzug Fried gemacht werden solte / vnnd noch viel mehr Jammer vnd Elend zu besorgë / billich männiglich nach billicher Pacification / vnd einem beständigë sichern Accord sich sehnen / vnd wer nur darbey etwas zu thun vermöchte / all seinen Verstandt vnd Kräfften dahin wenden solte / ne Respublica plus detrimenti caperet, & tandem praeda fieret exteris & barbaris: Hingegen wann man eigentlich auß allen Vmbständen / vnterschiedlichen documentis, vnd den Effecten selbsten deß Gegentheils Consilia vnd Actiones recht betrachtete / so würde sichs befinden / daß vnter dem Namen der Keyserlichen Majestät / sc. (welcher dißhero vielfältig vnd erschröcklich mißbraucht) zwar der Fried mit Worten fürgegeben vnd angebotten / im Werck aber nichts dann Krieg vnd vnterdruckung / so wol der Böhmischë Stände / als der Incorporirten vnd Erblanden practicirt vnd angezetteltwürde. Dann nachdem sich die in Böheim entstandene Vnruhe erhaben / vnd viel Chur: Fürsten vnd Stände deß Reichs / auch alle andere / welche es mit der Keys. M. dem Reich vn̅ den Ländern auffrecht / gut vn̅ trewlich gemeinet / zu lindern Mitteln vnd Wegë gerahten / vnd auff dem widrigen Fall die numehr / leyder / erfolgte Eventus prognostieirt hetten / so were man doch allwege damit vmbgangen / wie mit grossem Kriegsgewalt durchzudringen / vnd obgemelter Intent zu erhaltë seyn möchte: vnd obwol vor diesem die also benambte Interposition in genere eingewilliget worden / so hette man doch allein in puncto depositionis armoru̅, welche man von den Böhmë haben / die Keyserl. aber solche in Händë behalten / vnd in Land bleibë wöllen / sich etlich Monat auffgehalten / vnd in dessen mit Raub / Mord vnd Brand alles erfüllt: hernach zwar dem Churfürsten von Sachsen die Suspensionë armoru̅ heimgestellt / aber alles also geführt vnd dirigirt, als nit leichtlich in gütlicher bevorstehenden Handlung in altissima & in pace & in securitate zu geschehë pflegte / da man / so viel möglich / [121] den Interponenten Zeit vnd Orts / wie auch deß modi tractandi fürderlich zu vergleichen / oder je solches alles den Interponenten zu vertrawen / vnd so viel müglich alle ambages vnd Verhinderungen abzuschneiden / sich bemühete: In diesem Fall aber / da das Fewer allenthalben hoch außgeschlagen / gehe man mit der Löschung so langsam / verdeckt vnnd seltzam / daß wol durch dasselbe eher alles in die Aschen gelegt werden könte / als man nur dermal eins die Händ anschlagen möchte. Chur Mayntz hette sich zu Vndernehmung der Interposition categorice nie erklärt / sondern allezeit gewisse praesupposita, conditiones vnnd reseruata gesetzet: Bayern aber hette dieselbe zu etlich malen rund abgeschlagen: Chur Pfaltz hette der persönlichen Erscheinung halben allezeit Bedencken getragen: Chur Sachsen auff die selbe anders nicht bewilliget / dann wo auch die andere Chur-vnd Fürsten sich persönlich einstellen würden: Die Böhmisch-vnd Schlesischen Stände aberweren nie gefragt worden / ob sie auch mit solchen von der Keys. M. ernanten Interponenten zu Frieden / oder ob sie auch jhres Theils mehr andere darbey haben wolten: so wüste man auch nit / ob auff den Fall Mayntz vnd Bayern vorangedeuter Gestalt abgiengen / J. M. anderen statt andere benennen / oder Chur Pfaltz vnd Sachsen allein die Interposition vertrawen / vnnd ob auch solche beyde Churfürsten darauff gemeint seyn möchten / auff vnversehës Erfordern vn̅ Zuschreiben so gleich zu folgen vn̅ sich einzustellen. In dem auch ferrner der Assecuration halber oder ander Theils den Interponenten allerhand zugemuthet werden dörffte / gleich wie vor wenig Jahren in den Tractaten / zwischen Keyser Rudolphen vnd jetziger Key. Maj. auch geschehen. In so vngewissen terminis were bißhero das Interposition-Werck bestanden / darinnen versirte es noch biß auff diese Stundt / vnd ob man wol vermeynt es würde die letzte Absendung ins Reich deß Keyserlichen Hoffraths / Hegenmüllers / dasselbe mehr befördert haben / so were doch sein Anbringen vber die massen General gewesen / vnd hette so wenig erleutert vnd der Sachen geholffen / daß dardurch fast alles vngewisser vnd dunckeler gemacht worden: vber dieses / da es gleich hernach zu einem würcklichen Anfang mit der Chur-vnd Fürsten Interposition gelangen solte / so wüste man doch / was für Zeit / Vnkosten vnd Verlängerung darauff gehen würde. Sonderlich da die Handlung zu Eger vorgenommen werden solte / welcher Ort fast allen Interessenten vnd bevorab der Key. M. viel zu weit entlegen / vnnd sonderlich da Sachen vorsielen / welche Jhrer May. von den Interponenten oder dero Gesandten selbst persönlich vnd mündlich vorgetragen werden müsten / solches mit grosser Beschwerung zugehen würde / jetzo zu geschweigen / daß einmal die Churfürsten jetziger Zeit in der Person nit zusammen zu bringen / die Key. May. aber es felbsten darfür hielte / daß durch deroselben Räth vnd Gesandte nichts könte außgerichtet werden. Es könte auch gar leichtlich geschehen / daß die newlich zu Ober Wesel am Rhein deß Böhmischen Wesens halber beysammen gewesene Geistliche Chur-vnd Fürsten noch einen andern modum zu friedlicher Handlung vorschlagen dörfften / darauff noch mals / vnd ehe man sich desselben allenthalben mit einander vereinigte / noch mehr Zeit lauffen / vnd also solch Interpositionwerck auß dem Reich gantz vnnd gar hinderstellig gemacht werden möchte. Were also kein besserer vn̅ schleunigerer Weg / als welchen die Euangelische Ständt vnder der Ens der Keys. May. vorgeschlagen / dieselbe auch in euentum darzu sich willig erklärt / oder auch hiebevor in wichtigen Sachen mit Nutz practicirt worden / vnd welcher wegen deß gemeinen Interesse der Länder / als die die Flammen allbereit ergriffen vnvmbgänglich hochnöthigst / daß nemlich zum fordersten der Königreich vnd Länder Außschuß an einen bequemen Grentzorth in Mähren oder Oesterreich zusammen kommen / vnnd durch dieselbe der Fried tractirt vnnd versichert würde / damit man allerseits zu Ruhe kommen / vnd ins künfftig dergleichen Vnheil / Jammer vnd Landt Verderbens gevbriget seyn möchte. Zum Fall aber von den Königlichen Ländern / auch in proprio motu es nicht auff ein solchen Schlag gerichtet vnnd zum förderlichsten würcklich darzu gethan / sondern zugesehen würde / daß das Keyserische Volck / wie allbereit geschehen / sich stärcken / vnd sonderlich noch mehr frembd Volck in die Länder gebracht werden solte / welches man am Keyserlichen Hoff selbst starck vorgebe (da man jetzo vnder Jhrer Key. Maj. Nahmen / auch ohne derselben Vorwissen / alles thun könte / was Spanier / oder Bapst / oder auch die Jesuiter wolten / in dem auch in den wichtigen Sachen Jhrer Maj. eigene Handvnderschrifft nicht baldt mehr zu finden / sondern der Nahmen nur pflegte auffgedruckt zu werden / wie solches die Experientz vnd der Augenschein bezeugeten) so were nichts gewissers / man brauchte also zum Praetext die also genante Interposition / wie man wolte: dann daß nit allein die Böhmë / sondern auch die andern Länder alle sa???npt vnnd sonders in vnzweiffentlicher eusserster Gefahr der Religions Freyheit vnd aller jhrer zeitlichen vnd ewigen Wolfahrt sich befinden / vnnd darneben: daß da Trew vnd Schuldigkeit gegen dem Vatterlandt / auch Glaubens vnd Bundsgenossen nit gnugsam in acht genommen würden / es weder bey Gott noch der Posteritet verantwortet werden könte / auch die Rew einem vnd dem andern viel zu spat zu Hauß kommen würde. Es were noch kund / was von so vielen Jahren hero in den Königreichen vnd Ländern / wider die Euangelische Religion / hin vnd wider tentirt / vnd dahero ebenmässige Empörung Krieg vnd Blutvergiessen vervrsachet worden. Keyser Rudolphus hette eben darumb / daß er die Vngarn wider den gemachten Religions Frieden vberziehen wollen / Seine Königreich vnd Erblande verlohren. Solches Handels hette man so bald vergessen / vn̅ was damals die jetzige Key. Maj. mit Hülff der Länder [122] ins Werck gerichtet / oder müste alles vmbgekehret / vnd jetzo vnrecht seyn / was damals gut / nöthig vnd recht gewesen were: man hette in wenig Jahren hero / nach den erlangten Concessionen vnd Majestätbrieff mehr Beschwerung / Trangsal vnd Schimpff erdulden vnd außstehen müssen / als fast zuvor nie / da man solche vincula nicht gehabt hette / die grauamina in Vngarn / Böheim / Schlesien / Mähren vnnd Oesterreich auß einem Brunquell / weil man sich einen vnd andern Orts mit lären Worten abspeisen lassen. Es were zwar kaum glaublich / aber doch so offt von Wien geschrieben worden / daß der Cardinal von Dietrichstein / als er jüngst von dannen in Mähren zum Landtag gezogen / sich hette verlauten lassen / er müste mit Einbildung deß Friedens den Lutheranern das Maul auff sperren: deß Clesels langwierige praxis hette eben dergleichen Kunststücklein mit sich gebracht: man dörffte nit meynen / daß die Jesuiter von jhrer Art / vnnd jhre Natur ändern liessen / dann sie doch in jhren Schrifften jhre Intention gnugsam an Tag geben / wie hoch vnd zu was End vnd Zweck sied dem Bapst zu Rom so starck verbunden weren: Es were auch bekant / wie weit sie die cupiditas vindictae wider die Venediger / Schweden vnnd andere Potentaten vnnd Stände getrieben habe. Sie sagten vnnd schrieben selbsten / daß jetzo die rechte Zeit vnnd Gelegenheit / die Stände vmb die Religions Freyheit vnd pr???uilegia vnder das Joch zu bringen / so weren außführliche Discurs auch vornehmer Leut vorhanden / die vmbständlich zu erkennen geben / wie man nummehr mit Gewalt ein absolutum dominium in den Königreichen vnnd Landen einführen vnd behaupten solte: vnd gehörte solches alles in specie zu demonstriren an andere Ort. Jetzo / weil mit blosser Vertröstung der so lang auffgehaltenen Interposition man die Ständ irr mache / solte man nur darbey alle Vmbstände in vnd ausserhalb Reichs / vnnd wie vnder solchem Praetext so viel vnschuldig Blut vergossen / so grosser Barbarischer Muthwill geübet / Weiber vnd Töchter geschändet / Kinder an der Mutter Brüsten zerhawet würden / vnnd mit Raub vnd Brand viel Thonnen Golts Schaden geschehe / auch solches Land-Verderbens vber vnd wider Keyserlich Verbott noch kein End seyn wolte / betrachten. Wann auch gleich ein Anstandt / oder suspensio armorum bewilliget / liesse sich doch solch vnbändig vnd rauberisch Gesindlein im Zaum nicht halten / man wüste wol / wie es im Passawer Wesen vor etlichen Jahren hergangen. Ja wann gleich die Intercession jhren Fortgang hette / were darumb nicht gleich Frieden gemacht / inzwischen consummirten sich die betrangte verfolgte Stände / mit Vnderhaltung jhres zur Defension habenden Kriegs Volcks / vnder dessen aber erhielt vnnd stärckte sich der Gegentheil: Dann es were je genugsamb bewust / vnd rühmeten sie sich selbs / weren auch documenta vorhanden / wie eyferig gleich von Anfang dieses vnseligen Kriegs / vnnd noch auff diese Stund starcke Gelt vnnd Volck Hülffen / in vnd ausserhalb dem Reich in Italia / Franckreich / Spanien / Polen / den Niderlanden vnd anderswo gesucht / vnd noch bey den Reichs-Kreysen vrgiert vnd getrieben würde. Daß es aber allein vmb die Böhmen / vnnd zwar derer nur etliche wenig zu straffen zu thun / vnd die andern Länder vnd Euangelische Stände sicher vnnd ausser der Gefahr seyn solten / wie man die Leut beredete / das bezeugete allbereit der leydige Augenschein / in dem ohn Vnderscheidt alles / was nur der Feind antreffe / verheeret würde / vnd jetzo die Oesterreicher Ob vnd Vnder der Ens / nicht in geringerer Noth als die Böhmen sich befinden. So würde auch vnfehlbar die Mährer jhre Neutralitet mehr nit nutzen / als den Vlissem deß Polyphemi Zusag / daß er jhn zum letzten fressen wolle. Die Vngelegenheit komme nirgends anderstwo her / als daß man nicht in communi periculo communia consilia sonder vnderschiedliche Respect vnd vergebliche Hoffnung hette / oder etwan seinen Vortheil absonderlich vnd à part zu erlangen vermeynte / welches doch nur mit Worten vnnd keiner würcklichen Assecuration geschehe / auch mit gutem Gewissen nicht geschehen könte oder solte / daß man durch seiner Verwandten / Brüdern vnd Religionsgenossen Verderben vnd Vndergang seinen eygenen Nutzen suchen wolte / darbey auch kein Bestandt / sondern nur Gottes Fluch vnd Straff zu gewarten were. Vnd zwar daß dieses die Hauptvrsach sey / alles gegenwärtigen Vnheyls / das bezeugete Gegentheil selbsten dardurch kräftig vnd klärlich / in dem er auff mehr geklagte Separation vnnd Diuision der Länder sein gantzes Fundament / Trost vnd Hoffnung gesetzet hette. Würde sich demnach im Grund der Warheit finden / daß nechst Gott kein ander Mittel / in dieser gemeinen Noth / seyn wolte / als daß die Königreich vnd Länder sich vnverzüglich rechtschaffen vnd einmüthig conjungirten / vnd nit auff andere warteten oder sehen / die selbsten als Interponenten bey gleichem scopo vnd consiliis, sich noch nicht vergleichen können / sondern daß sie vie??? mehr alle mit einander für einen Mann stünden zugleich eine durchgehende innerliche Defension vnd Verfassung machten / vnd alsdann den Frieden der Gestalt tractireten / daß der Keys. Majest. als der höchsten Obrigkeit / Ehr / Hochheit vnnd Respect in acht genommen / vnnd der Fried also versichert würde / darmit das Hause vnd die Glieder darbey sich wol bef???den / vnnd dergleichen Vnruhe / Empörung vnnd Land Verderbnuß künfftig abgewendet werden möchte. Es were auch das Mittel besagter einmütigen Conjunction vnd Verfassung einen Weg als den andern nöthig / vnnd weder zu vnderlassen / noch länger auffzuschieben / wann gleich der Chur-vnd Fürsten deß Reichs mehrberührte Interposition noch fortgieng / vnd jhre Würcklichkeit endlich erreichen solte: Dann da solche Zusammensetzung der Länder noch vor / oder auch bey der Interpo [123] sition gemacht vnd zum Effect gebracht / so würde es nicht allein dieselbe Interpositionshandlung mercklich facilitiren / vnd zu mehrer Assecuration jhnen den Chur vnnd Fürsten den rechten Weg zeigen / sondern es würden alsdann auch sie selbsten zu Vollziehung vnd Handhab deß von jhnen erhandelten Friedens / daran alles gelegen / desto eher sich bewegen???ssen. Auff den eussersten Fall aber der zerschlagenen Gütigkeit vnd Continuation deß Kriegs / wurden auff solche Weiß gleichwol die Länder wider allen feindlichen Gewalt vnd Tyranney / sonderlich frembder Nation / bey Zeiten gefast vnd gesichert seyn. Hingegen aber / da man dergestalt / wie bißhero durch heimliche Practicken / zur Sicherheit gebracht / vnnd alles hangen vnd anstehen / oder durch vngewisse Vertröstung sich das Maul auffsperren liesse / so müste ein Landt nach dem andern in Kurtzem dem Gegentheil zum Raub vnd Spott werden / sc. In dem die Böhmen sich solcher Gestalt von newem / mit allem Ernst zur Defension vnd Widerstandt gegen den Keyserischen gefast machten / (Graff von Dampier erobert das Stättlem Grätz.) ist darauff der Graf von Dampier zu Anfang deß Mertzen mit seinem Kriegsvolck auff das Böhmische Stättlein Grätzen (so an einem Paß gegen dem Königreich gelegen / dem Herrn von Schwanberg gehörig) zugezogen. Als nu̅ die Besatzung / so in einem Fahnen Fußvolck bestanden / solchem vnversehenen Gewalt nit zu widerstehen getrawet / ist sie das Schloß gewichen / vnd darauß den Dampirischen die sich deß Stättleins bemächtiget / mit Schiessen hefftig zugesetzet. Weil nun der Graff von Dampier gesehen / daß er ohne das Schloß das Stättlein nicht halten könte / aber das Schloß zu beschiessen keine Stück hatte / hat er es plündern vnd anzünden lassen / hernach wider darvon gezogen. (Keyser Matthias gehet mit Todt ab.) Den 10. 20. Martij dieses lauffenden 1619. Jars hat Keyser Matthias / morgens zwischen 7. vnd 8. Vhren / zu Wien in Oesterreich / als sein Alter auff 62. Jahr vnd 15. Tag sich erstrecket / diese Welt gesegnet. Dessen Todt vmb so viel betrübter ???änniglichen gefallen / weil es eben zu der Zeit geschehen / als das Römische Reich in einem so gefährlichen Zustand steckete. Der Leichnam ist exenterirt / vnd das Gehirn wie auch die Lung sehr versehrt / das Hertz aber vnd die Leber gar frisch befunden worden. Man hat den Leichnam vom 11. 21. Martij an biß an den 15. 25. jederman sehen lassen / der ist auff einer Bünen von schwartzem Tuch bedecket / darüber ein schwartz güldë Stück gebreitet / geleget gewesen / vnder seinem Haupt / so mit einem schwartz Sammeten Paret bedecket / ist ein schwartz guldenes Polster / vnd neben dem Haupt auff der rechten Seiten die Römische Kron vnd Scepter / auff der Lincken aber die Böhmische vnd Vngarische Kronen / vnderhalb aber das güldene Flüß vnd ein schwartzer Degen vnd Dolchen auff güldenen Polstern gelegen. Der Leichnam ist mit einem Spanischen Kröß / sonsten gantz schwartz mit einem langen Mantel von Tuch angethan gewesen / ein Rosenkrantz vnnd ein gantz güldenes Crucifix in den Händen haltende: an den vier Ecken sindt vier grosse vnnd vmbher kleine weise Wachskertzen brennend auff silbernen Leuchtern gestanden. Von dannen wurde er den 15. 25. Martij deß Abends durch das Augustiner Closter / in das Königlich Jungfraw Kloster von den Cammerherrn getragen / in Begleitung der Clerisey / Ambassadorn / Keyserlichen Räthë / Oesterreichischë Ständen vnd Officirern. Folgenden Monat Aprilis ist die Begängnuß in gemeltem Jungfrawen Kloster mit gewohnlichen Ceremonien gehalten / vnd ein köstlich castrum doloris auffgerichtet woeden. Vnder andern ist auch seine Begängnuß zu Pariß in Franckreich sehr stattlich in vnser Frawen Kirchen gehalten worden / dabey viel Fürsten vnd Herrn / vnd Adelspersonen sich befunden / die Kirch ist allenthalben mit schwartzem Tuch / darauff schwartz Sammet / vnd auff dem selbigen deß Römischen Reichs Wappen / als der Keyserliche Adler gekrönt vergült gehangë / behängt: im Chor ist eine Capelle mit schwartzem Tuch vnnd Sammet vberzogen / darinn gleicher Gestalt das Keyserisch Wappen gehangen auff gerichtet worden / in welchem ein Sarck mit schwartzem Sammet / bedeckt / in der Mitte mit einem weisen Atlassen Creutz / nicht anders / als wann der todte Cörper darinn gelegen / gestanden. In selbigen Chor / wie auch in der gantzen Kirchen rund herumb haben ein vnsäglich Anzahl brennende Wachsliechter geschimmert / dabey ein Ertzbischoff die Meß gehalten / vnd der Bischoff von Angier eine Oration gethan / welches alles mit herrlichem musicirn vollendet wordë / es sind auch bey 400. Armen in Leyd gekleidet / vnnd jedem ein brennende Fackel von zwey Pfunden / daran das Keyserliche Wappen gehangen / beneben einem Almosen gegeben worden. Der gantze Actus hat von Morgens acht biß Nachmittag vmb zwey Vhren gewehret. Dieser Keyser Matthias / dessen Vatter Keyser Maximilianus der ander gewesen / ist geboren worden zu Wien / im Jahr nach Christi Geburt 1557. den 24. Hornung am Abendt deß Apostels Matthiae. Er hat sich in den Hungarischen Kriegen dapffer wieder den Türcken gebrauchet / selbigen bey Stulweissenburg mit grossem Verlust geschlagen / Nouigrad erobert: Bey Comorra den Türckischen Bassa in die Flucht getrieben / das Schloß zu Gran vnd Vicegrad bezwungen: Ofen mit grosser Gewalt / gleichwol aber vergeblich / gestürmet. Im Jar 1606. hat er sich mit dem Türckischen Keyser Heomate Mahomete verglichen / vnnd einen Stillstand auff zwantzig Jahr lang auffgerichtet. Im Jar 1608. bekam er Oesterreich vnd Mähren auß gutwilliger Abtrettung seines Bruders / ward auch zum Königreich Böhmen verordnet / vnd den 19. Nouembris selbigen Jahrs zu Preßburg zu einem König in Hungarn gekrönet. Im Jahr 1611. ward er zu Prag den 24. May zum Böhmischen König an der Zahl der vier vnd zwantzigste / vnd nach seines Bruders Rudolphi [124] Absterben im Jahr 1612. den 24. Junij zum Römischen Keyser in Teutschlandt / in der Zahl vom Keyser Julio Augusto der 121. (oder wie andere wollen / der 119.) von Carolo dem Grossen an der Zahl der 46. deß Oesterreichischen Stam̅ens der Eylffte König / gekrönet. Er hat sich verheuratet mit Anna der siebenden / Ertzhertzogin von Oesterreich sc. den 4. Decembr. 1611. (Zeichen vnd Wunder kur??? vor Keysers Matthiae Todt sich zugetragen.) Der Todt deß Keysers / vnd die / fast in gantz Europa / darauff erfolgende Vnruhe / ist ohne den schröcklichen Cometen / von welchem wir hiebevor Meldung gethan / noch durch viel andere mehr Zeichen vnd Wunder / welche / als Vorbotten der künfftigen grausamen Straffe Gottes / kurtz vorher geloffen vnd sich hin vnd wider erzeiget / angedeutet worden / dann; (Drey Regenbogen vnd drey Sonnen.) Erstlich haben sich drey Regenbogen vnd drey Sonnen sehen lassen. Vmb welche Zeit auch die Königin in Engelland Königs Jacobi Gemahl (Rönigin in Engelland gestorben.) Todts verfahren / die hernach den 13. May in der Königlichen Begräbnuß / in der Hauptkirchen zu Westmünster / mit gewöhnlichen Ceremonien begraben worden. Darnach hat das Wasser / so zu Sirto einer Statt in Ober Hungarn gelegen / allda im Jahr 1588. ein grosse Schlacht zwischen Christen vnd Türcken vorgangen / durchfleust / sich in Blut verwandelt / vn̅ ist dz Eyß darinnë gleichfals blutroth gewesen / welchs hin vnd wider verschicket worden. Bey Calis Malis ist das Meer gantz vngewöhnlicher Weiß auff einen Tag siebenmal abvnd zugeloffen. Zu Roschell in Franckreich hat man süß Wasser vnder dem Meerwasser gefunden. Den 19. 29. Januarij morgens zwischen 6. vnd 7. Vhren / hat sich ein grosses Erobeben / etwann zwo Meylen von Franckfurt am Mayn West-Nord begeben / welches sonderlich die Innwohner zu Königstein / Cronberg / Reiffenberg / vnnd der Refier mit Schrecken empfunden. Selbiger Zeit hat auch der Fluß Nidda so nahe dabey vnversehens das Wasser verlohren / also daß die Mühlen / so von demselbigen getrieben worden / bey etlich Stunden gantz still gestanden. In Polen sindt vieler / meistentheils aber der vornembsten Leut Häuser / mit seltzamen vnbekanten Characterë von mancherley / als rother / blawer vnnd gelber Farben bezeichnet gefunden worden / welche man auff keinerley Weiß vnd Weg außthun oder abkratzen mögen. Vnnd demnach ein vornehmer Polnischer Herr / so vber diese vngewöhnliche Sach vngedultig worden / ein Fenster / welches mit dergleichen Characteren bezeichnet war / hinweg thun ließ / haben sich dieselben also bald an der Thür sehen lassen / als nun selbige auff sein Geheiß verbrennet worden / sindt sie auff dem Tisch erschienen. Als er nun denselben auch mit Fewr verbrennen ließ / sind sie jme an seine Stirn kommen / vn̅ nit mehr mögen außgethan werden. (Beyde Churfürstë Pfaltz vnd Sachsen nemen nach Absterben) Nach Ableiben Keysers Matthiae / haben als baldt die Churfürsten / Pfaltz vnnd Sachsen die Reichsverwaltung / nach Innhalt der güldenen Bull / auff sich genommen / vnd deßwegen den 22. Martij deß 1619. Jahrs ein öffentlich Außschreicen (Keysers Matthiae das Dicariat deß Römischen Reichs auf sich.) an die Reichsstände abgehen lassen / darinn sie jhr Ampt vnd Gerechtigkeit erwiesen / jederman zu Fried vnd Ruhe auch nachbarlicher Ein???rächtigkeit in zeitwerender Vacantz deß Reichs / vermahnet: vnd da etwas Streittiges vorfiele / mans an sie gelangen lassen solte / angedeutet / mit Versprechung daß jederman Recht vnd Gerechtigkeit widerfahren solte. Ingleichem hat auch der Churfürst vo̅ Mayntz an König Ferdinandum als König in Böheimb vnd Mit Churfürsten / wie auch die andern Churfürsten Schreiben abgehen lassen / vnd jhnen einen Tag zur Wahl eines newen Keysers nemlichen auff Sambstag den 20. Julij newen Calenders angesetzet. (König Ferdinand nimpt die Regierung der Oesterreichischen Länder an.) In dessen hat König Ferdinand die Regierung vnd Administration der verlassenen Königreich vnd Länder / weil jhme solche von Ertzhertzog Alberto vbergeben worden / auff sich genommen. Die Plenipotentz von Ertzhertzog Alberto deßwegen vberreichet / war dieses Inhalts: Nemlichen / er hette dem Durchleuchtigsten Fürsten vn̅ Herrn / Herrn Ferdinanden dem andern König in Hungarn vnd Böhmen / sc. vollmächtigen Gewalt gegeben / daß so bald J. Key. Maj. auß diesem Leben abscheyden möchten / er ohne allen ferrnern Auffzug sich beyder Ertzhertzogthumb ob vnnd vnder der Enß würcklichen Besitz vnderfangen vnd von denselben die gewöhnliche Huldigung auffnemen möge / dem Gubernament deß Landes vorstehen / dasselbe regieren / auch mit desselben Einkommen / nach seinem Belieben / vnnd wie es deß Landes Nutzen erfordern würde / handlen. Welches alles bey Ertzhertzoglichen Worten vnd Glauben er ratificirt vnd approbirt haben wolte. Gebiere auch hierauff allen dieser besagten Länder Geistlich-vnd Weltlich-Hoh-vnnd Nideres Standts Innwohnern / daß sie Jh Kön. Würde in allem / was dieselbe in seinem Namen für-vnnd aufftragen würde / völligen Gehorsam leisteken. Diese Plenipotentz vnd Vollmacht hat König Ferdinand den 25. 15. Martij den Ständen deß Ertzhertzogthumbs Oesterreich vnder der Enß zu Wien / denen im Land ob der Enß aber den 4. Aprilis N. Cal. durch Commissarien ordentlicher Weiß vnd solenniter intimiren, vnd daß sie sich nach Innhalt derselben accommodiren wolten / sie vermahnen lassen. Hierauff haben die Nider Oesterreichische Stände gebeten / weiln das Werck wichtig vnnd von nöthen / daß die Stände in grösserer Anzahl zusammen kämen / jhnen Zeit / darüber sich zu berahtschlagen / zu vergönnen / vnd daß hierzwischen vnd vor der Huldigung das Kriegsvolck auß den Landen abgeschaffet / vnd jhren Beschwerden abgeholffen werden möchte. (Königs Ferdinand??? Schreiben an die Böheimische Statthalter.) In dessen schickete König Ferdinand auch ein Schreiben an die vor diesem von Keyser Matthia hinderlassene Statthalter in Böhmen dieses Inhalts; Weil der Allmächtige Gott Keyser Matthiam durch den zeitlichen Todt auß dieser Welt abge [125] fordert / vnnd also das völlige Regiment deß Königreichs Böheimb vnd der incorporierten Länder jhme zustunde vnd gebührete: Als liesse er zuförderst Sie / als die von hochgedachtem Keyser Matthia Christseeligsten Andenckens zu Statthaltern verordnet gewesen weren / bey solchem Ampt / biß auff ferrnere seine Verordnung verbleiben / vnnd wolte jhnen darneben befohlen haben / solchen betrübten Todtfall den andern Räthen vnd Officirern alsbald anzuzeigen / vnd die vornembste zu gebräuchlicher Klag zu vermahnen mit Andeutung / daß / wie er bey der Krönung den Ständen versprochen / er alle gemeine Land pr???legia bestättigen / vnd solche Confirmation vnd Bestättigung dem Obristen Burggraffen auffs chiste vbersenden / vnnd dahin bedacht seyn wolte / damit alles Vnwesen abgestellet / vnd das Königreich Böheim wider in Fried vnd Ruhe gesetzet / gu???e Einigkeit vnder den Vnderthanen angerichtet / vnnd Recht vnd Gerechtigkeit gehandhabet werden möge / wie sie dann we???tläufftiger von seinem Abgesandten solches vernemen würden. Gelebte also der Hoffnung / daß / weil er alles / so er den Ständen versprochen / zu bestättigen gesinnet were / sie auch hingegen jhr Eydt vnd Pflicht in acht nemen vnd jhme würckliche Vnderthänigkeit vnd Gehorsam leisten würden. (Königs Ferdinand Confirmation vber die Privilegien deß Königreichs Böheimb.) Baldt nach diesem Schreiben hat Jhr. Kön. Maj. eine Con???irmation vnd Bekräfftigung vber die Privilegien vnd Freyheiten deß Königreichs Böheimb außgehen lassen / also lautende: Wir Ferdinand / sc. Thun kundt mit diesem Brieff vor jedermänniglich / daß wir zugesagt haben / die Cron Böheimb zu erhalten vnd zu beschützen / alle Herrn / die Ritterschafft / Präger vnd andere Stätte / so wol die gantze Gemein angeregter Cron Böheimb / bey jhren Rechten / Ordnungen / Majestäten / Privilegien / Freyheiten / Außsatzungen vnd Landsbegnadiaungen vber die Religion vnd andere Politische Sachen / Item bey der Landsordnung / Landtags Beschlüssen / besonders aber die / so Anno 1608. vnnd 1610. geschehen / der zwischen beyden Partheyen sub vna vnd sub vtraque Vereinigung in bemeldtem Königreich / wie nit weniger der / zwischen den Ständen sub vtraque mit den Fürsten vnd Ständen in Schlesien / bey gemeinem Landtag Anno 1609. wegen der Religion auffgerichteten Conjunction / sintemal dieselbe wider die Catholische Religion sub vna nicht gemeynt seyn soll / auch allem billichen alten vnd andern gewöhnlichen guten Gebräuchen vnd Ordnungen / besonder aber hochlöblicher Gedächtnuß Königs Ottocari / König Johannis / Keyser Carls / König Wenceslai / Keysers Sigismundi / König Albrechts / König Ladislai / König Georgen / König Vladislai / Keysers Ferdinandi / Keyser Maximiliani / Keyser Rudolphi vnnd Keyser Matthias / Vnsers allergnädigsten Herrn Vetters vnnd Herrn Vatters / so wol alle von Jhrer Keyserlichen Majestät außgegangene vnnd gegebene Vergebungen ohne Widersprech vnnd allerhand Verhinderungen zuhalten / auch würcklich zu vollziehen vnnd zu beschützen; Item so haben wir auch zugesagt / niemand das Schloß Carlstein / die Cron vnnd allerhand Kleinodien deß Lands / die Landtafel / sampt denen Priuilegien / ausser Willen der Herrn vnd Räth der Ritterschafft deß Königreichs Böheimb vnd der Prager Stätte / so weit solche darzu berechtiget seyn / zu befehlen oder zuvertrawen. Item wir haben auch zugesagt / daß wir deß Königreichs Böheimb Ordnung vnnd alte Gewonheit erhalten wollen. Item / wir haben zugesagt / keine Außländer / Geistliches oder Weltliches Standes / ausser geborner Böhmen zu deß Lands / Hoff-Statt- oder Geistlichen Emptern zu gebrauchen / noch mit jhnen die Schlösser vnd Stätte der Kron Böheim zu besetzen / oder jhnen dieselbe zu vertrawen / vnd dieses sollen wir mit Rath thun / welches auch in den vmbligenden vnd dem Königreich Böheimb einverleibten Landen also gehalten werden soll / wie es bey Keyser Carls / vnd anderer König / vnd Vnserer Vorfahren Zeiten gehalten / vnd observiret worden ist. Item haben wir versprochen / keine Länder / Fürstenthumb / Stätt / Schlösser / Sitz vnd allerhandt Güter / so dem Königreich Böheimb gehörig / von der Kron zu veralieniren oder zu verändern / in keinerley Weg / noch durch einigerley Gestalt / sondern was von der Cron weggenommen vnd verändert worden / das sollen wir wider darzu bringen vnd außlösen. Item haben wir zugesagt / die Böhmische Müntz keines Wegs zu ringern oder zuschmälern / ohne Willen deß gantzen Landes / sondern Inhalt der Kron Böheimb Außsatzung vnd Priuilegien / wie recht ist / zu erhalten. Item haben wir Vns verbunden / weme Vnser Vorfahren / Keyser vnd Könige zu Böheimb was gegeben / vnd den Ständen einer oder mehr Personen / entweder auff Königlichen / Geistlichen oder Lehengütern verschrieben / daß Wir demselben nachkommen / vnnd es gäntzlich halten wollen / doch so weit es Königs Vladislai seeligster Gedächtnuß / allen Ständen deß Königreichs Böheimb / Gnad vnd Befreyung nicht zuwider seyn wird. Item haben Wir zugesagt / einen jeden Stand besonders bey seinen Rechten / Ordnung / Privilegien vnd Freyheiten / Außsetzungen / Gewohnheiten / Begnadigungen / so viel jeden Standt angehörig / zu erhalten. (Böhmen wollen Königs Ferdinandi Confirmation vber die Privilegien nit annemen / vnd was dessen Vrsach gewesen.) Wiewol nun König Ferdinand vermeynet / durch gedachte Schreiben vnd Confirmation der Privilegien die Böhmen zu stillen / vnd daß sie die Waffen niderlegen solten / sie zu bewegen / aber sie haben dem Handel nit trawen wollen / weil die jenige Persone̅ welche mehrerntheils dieser erbärmlichen Zerrüttung / so viel grossen Vnheils / Verderbens vnd Blutvergiessens in dem Königreich Böhmen Vrsächer waren / wider der gesampten Evangelischen Ständen gemachten einhelligen Schluß vnd alles Verhoffen / auff Anregung derer bey jhrer Maj. sich befindlichen Interessenten / in jhre vorige Officia gezogen / vnd in dieselbe Di [126] gnitäten restituirt: Ferrners dem Graffen von Bucquoy / den Böhmen allen Abbruch zu thun / ernstlich aufferlegt würde / auch dem Zufolg das feindselige Kriegsvolck im Land verbliebe / vnd mit Verderbung / Verhergung / Rauben / Brennen / Plündern vnd dergleichen immer fortführe / vnd von solchem auffzuhören noch keine Anzeigung vorhanden war: vnd vber diß fürters den Böhmischë Ständë von verträwlichen Orten Auiso vnd Warnungen einkommen / daß in vnd ausserhalb dem Römischen Reich / sonderlich aber in Italien vnd Niderlandt starcke Werbungen vnd Kriegspraeparationes im Werck / auch stracks nach Keysers Matthiae Todt vnderschiedliche Obristen von Wien mit Patenten vnd Bestallungen / Volck zu Roß vn̅ Fuß zu werben / abgereiset / also daß es das Ansehen hatte / man were nun gesinnet / den Krieg viel schärpffer / als zu Jhrer Key. May. Lebzeiten / fortzuführen. Darzu dann die Jesuitische Practicanten vnd Spanischen Informatores jhr Bestes theten / vnd den Böhmen die Laug fein scharpff zu machen / an sich nichts erwinden liessen. Welches dann auch die Evangelische Stände in Böhmen bewogen / daß sie obgedacht Anerbieten Königs Ferdinandi nit für gnugsam acceptiret / sondern sich gleichfalls mit grösserm Ernst zum Krieg gefast gemacht; vnd Patentë anschlagen lassen / Inhalts; Weil Gott der Allmächtig nach seinem geheimen Rath vnd Göttlichen Willen J. Key. M. als jhren König vnd Herrn von dieser Welt abgefordert / vnd aber die Feinde deß Königreichs Böheim solches durch Kriegsmacht fortführë zu verderben / zu dem Ende viel frembdes Kriegsvolck / vber das / so schon im Land / noch in vnderschiedlichë Landen geworben würden / als wolten alle drey Stände / als Liebhaber Gottes / vnd jhres Vatterlandes / ein gewisses Auffbott durch das gantze Königreich anordnen / vnd aller Zeit vnd Stund sich fertig halten / in Erwegung / solches zu allerhöchst vonnöthen were. (Schluß der Böhmen / so bey einer Friedens Tractation in acht zu nehmen.) Gleichwol aber haben in dessen auch die Stände nicht alle Hoffnung zur gütlichen Composition abgelegt / sondern immer in denen Gedancken gestanden / es würde die mehrangeregte Interposition (welche aber doch mit Keysers Matthiae ableiben gäntzlich verschwunden vnd zu nicht worden) nock jren Fortgang bekommen / wie sie dann auch zu dem End auff der hiebevor angeregten Versamlung zu Prag / davon allerhand Berathschlagung vorgenommen / vnd etliche gewisse Articul abgefasset / welche bey der Friedens Tractation solten in acht genommen / oder auffs wenigste deren etliche observirt / vnd in solcher Pacification eingeführet werden. Welche dan̅ nach folgende waren. 1. Daß dieser Einfall / so von frembden Kriegsvolck / welches noch mit Fewer vnd Schwerd gantz tyrannisch im Königreich wütete / gäntzlich Anleytung gegeben. Sonderlich anjetzo nach tödtlichem Abgang der Key. Maj. einen newen König zu erwehlen; vnd so es darzu komme daß Frieden gemacht würde / so solte versehen werden / daß von dem König oder Römischen Keyser / oder von einem andern dieser verloffenen Händel in Vngnaden ins künfftig nicht gedacht / noch deßwegen getrohet würde; vnd da es etwan geschehe / daß alle Stände Macht hetten / ein andern König zu erwehlen / vnd mit allen Kräfften dem Feindt Widerstand zu thun. 2. Daß die Verbündnuß deß Königreichs Böheimb / so es mit dem Hauß Oesterreich hette / gäntzlich auffgehaben würde / dieweil in so kurtzer Zeit von gedachtem Hauß Oesterreich / so viel feindliche Einfäll geschehen / mit höchster Verhergung deß Königreichs: Darauß nur erfolgen würde / daß auff diese Weiß das Hauß Oesterreich dem Königreich Böheimb mehr verbunden / vnd ein bessere Ordnung gehalten würden. 3. Alle Personen / insonderheit die von Lockwitz zu Lylin vnd Witzky / die sich von den Ständë abgesondert / auß dë Königreich gezogen / vn̅ jhr Vatterland verlassen / solten forthin nicht mehr in gedachtes Königreich eingelassen werden / auch jhre hinderlassene Güter den Ständen verbleiben. 4. Die vntrewe Personen vnd Zerstörer deß gemeinen Friedens / solten als deß Vatterlandts Verräther / am Leben gestrafft / jhre Güter aber / nach Vrtheil vnd Erkantnuß der Stände auch angelegt vnd verwendet werden. 5. Also auch die jenigen / welche hiebevor vnd im Anfang den Ständen beygestanden / aber nachmals sich von denselben gewendet / solten auß dem Reich außgeschlossen werden / vnd jhre Güter den Ständen heimfallen. 6. Die aber hin vnd wider gehuncken / vnd den Ständen nit auffrichtig beygestanden / solte man mit einer Geltstraff belegen / oder auch im Reich nit gedulden. 7. Was mit denen zuthun / deren etliche den Ständen beygefallen / vnnd jhre Leut wider den Feind geschickt / würde die Zeit geben. 8. Welche auß den Ständen gantz keine Soldaten wider den Feind deß Vatterlandes senden wollen / wie die zu bestraffen / könte berathschlaget werden. 9. Dteweil der Ertzbischoff vnd Abt zum Strohoff / vnd andere deß Vatterlands vntrewe Geistliche / auß dem Königreich / da sie doch niemands als jhr böses Gewissen verjagt / geflohen / solten sie nit mehr ins Reich gelassen / vnd zu jhren Stellen / sonderlich deß Ertzbischoffen / andere Personen vnd gebohrne Böhmen / verordnet werden. 10. Alle die / so den vorgangenen Practicken zugethan / darvon gewust vnd durch die Finger gesehen / solten forthin jhrer Dienst entsetzt seyn vnd zur Straff eine Summa Gelts zu Abzahlung der Soldaten erlegen. 11. Die Kirchen von denë vnder beyderley Gestalt erbawet / aber von denë sub vna nidergerissen / soltë von jnen sub vna widerumb erbawet werden. 12. Die Priester vnd Pfarrherrn sub vtraq; welche auß dem Königreich Böheimb / wie auch andere Herrn von den Geistlichen Gütern / Stätten / Märckten / Dörffern / außgetrieben / oder die Vnderthanen zum Glauben gezwungen worden / solten hinfüro mit dergleichen nit mehr beschweret werden / vnd so ein König in Böheimb sich sol [127] ches vnderstehen wolte / solte derselbe der Königlichen Kron verlustigt seyn. 13. Die Jesuiter solten keins Wegs ins Land wider eingenommen / sondern jhre Güter dem Vndern Consistorio vnnd die Kirch den München gegeben werden. 14. Die Budweiser solten wegen jhres grossen Verbrechens / für Zerstörer vnd vntrewe deß Vatterlands erkannt werden / vnd wider sie das gantze Reich auffstehen / vnd sie andern zum Exempel bestraffen / es were dann daß sie Gnad erlangten / alsdann solten sie zu Bezahlung deß geworbenen Kriegsvolcks vnd für die Pragerische Academiam, alle jhre Güter / Meyerhoff vnnd Dörffer der Ständen Disposition heimgefallen seyn / vnd daß den Ständen sub vtraque von da an in selbiger Statt / wie auch zu Pilsen / Häuser zu kauffen / Grund Recht zugebrauchen / wie auch Kirchen vnnd Pfarren zu bawen / erlaubt seyn solte. 15. Die Wechsel auß den Gütern Rotten vnnd Rottenhausen / so die von Schwanberg innen gehabt / vnnd bißhero Zinß zu der freyen Kirchen S. Bartholomaei in Pilsen gereicht / solten nicht mehr gereicht werden. 16. Die Zusammenkunfft der Creyß solten nach altem Brauch zugelassen werden. 17. Wie mans mit der Landständen Statuten / vnd Landtags Beschlüssen halten solte. 18. In den hohen Landgerichten solten sub vna vnd sub vtraque vermischt seyn / als der Burggraff sub vna, der Landhoffmeister sub vtraque, vnd also auch in andern Gerichten. 19. In solchen hohen Gerichten solte der Brauch / wie in andern gehalten werden / daß sie früh / zu gewisser S???und zusammen kommen / vnd die billiche Sachen expediren solten. 20. Die Hauptleut so wol deß Schlosses / als der dreyen Prager Stätten solten sub vtraq; seyn. 21. Die Hoffkammer auch sub vtraque. 22. In den Königlichen Stätten solten keine Richter seyn. 23. Der König solte nicht Macht haben den Landtherrn zu verbieten / daß sie Getreydt einkäuffen. 24. Wegen der Wahren / Märckt / Güterkauffen vnd bürgerlichen Handthierungen. 25. Item der rechten Maß / Gewicht / solte es gleich wie vor Alters gehalten werden. 26. Wie Contribution auff drey Regiment Knecht / nach dem Landtagschluß angesagt worden / also solte dieselbe wider auffgehaben werden. 27. Der Schluß / so vor drey Jahren / auff 5. Jahr zu contribuiren gemacht worden / solte auffgehaben seyn: Die Schulden aber könten auß der Ertzbischoffen vnd anderer Praelaten Gütern bezahlet werden / wie auch auß etlichen Königlichen Gütern / die nicht zum Tisch gehöreten. 28. Die dem Cardinal Clesel auß der gemeinen Contribution verheissene 20000. gülden solte man weiter nicht geben. 29. Daß in den Prager Stätten eine Academia / wie im Reich auffgerichtet werde. 30. Weil der newe Calender / so durch den Pabst angerichtet / grosse Vngelegenheit in der Christenheit vervrsachte / vnd bißweilen / wann in Böheimb Ostern / were im Reich Fastnacht / auff daß also mit den Evangelischen Reichs Fürsten in dieser Sachen mit eingestimmet würde / so hielten die sub vtraque man solte den newen Calender / vom Pabst eingeführet / verlassen. Ferrners sind nachfolgende Puncten abgefasset worden / darauff bey Auffrichtung hiebevor angeregten Stillstands zu gedencken seyn solte. 1. Erstlich werë die Directores der Kron Böheimb an statt jhrer Principalen nicht darwider / sondern wolten den Stillstand eingehen / wann sie mit hochansehenlichen Churfürstlichen Worten versichert würden / daß J. Churf. Gn. zu Sachsen bey dem Theil stehen wolte / der solchen Stillstand hielte wider den andern mithaltenden Theil / vnd alsdann wolten sie bey den Generalen Anordnung thun / daß solcher Stillstandt im Läger außgeruffen würde. 2. Solten Jhre Churf. Gn. von den Keyserischen ein schrifftliche Assecuration oder Reverß außbringen / vnd den Directoren in Handen lieffern / wie sie dann dergleichen bey jhren Generalen thun wolten. 3. Die Keyserische solten bey wehrendë Stillstand an denen Orten / auff dem Grund vnd Boden / allda sie jetzo im Königreich weren / vn̅ die Erweiterung jhrer Quartieren jhnen nicht verbotten würde / verbleiben / vnd weiter nit rucken; dargegen die Böhmische gleicher Gestalt an denen Orten / so sie in Oesterreich eingenommen / verbleiben solten / zu Rudolffsstatt aber / vnd also in Böheimb / als jhrem Landt jhnen die Quartier zu ändern frey stehen. 4. Solte klar außgenommen seyn / daß vnder wehrendem Stillstandt die Keyserischen / so jetzo vorhanden / oder noch zuziehen möchten / in den vmbligenden vnnd angrentzenden Landen / als Mähren / Schlesien / Laußnitz / Oesterreich / vnd andere angrentzende Oerter keinen Einfall thun / auch Schaden zufügen solten / darzu man dann auff der andern Seiten ebener massen bewilliget. 5. Den Obern vnd Nidernbefelchshabern / so wol dë gemeinen Soldatë solte bey höchster Strafverbotten werden / daß sie nicht bey den Lägern zusammen kommen / vnd einander besuchen solten / sintemal dardurch leicht Vrsach möchte gegeben werden / daß der Stillstandt möchte zu rück gehen. 6. Würde auch für eine Notturfft erachtet / daß alle die / es weren gleich Geistliche oder Weltliche / Manns- oder Weibspersonen / welche jetzo ausser dem Land verblieben / nach dem sie sich darauß begeben / oder auch die anfänglich bey dieser Sachen im Land nicht gewesen / sondern bey jhren Hoffdiensten in andern Ländern sich hetten finden lassen / nunmehr an denselbë Orthen ausser diesem Königreich / so lang der Stillstand wehren würde / verbleiben / vnd von dannen sich nit ins Land begeben solten / die aber / so heimblicher Weiß in das [128] Land einquartiert / solten bey höchster Straff wider darauß ziehen. 7. Die newe Bestallungen vnd frembde Hülffen / solten vnder dem Stillstandt beyderseits verbotten seyn / doch solte beyderseits frey stehen / die alten vor dem Stillstandt geworbenen Compagnien widerumb zu ergäntzen. 8. Nach Publicirung deß Stillstandes solten die Befestigungen beyderseits eingenommener Orten eingestellet wer???en 9. Weil durch Lermen leichtlich Vrsach gegeben werden könte / daß der Stillstand möchte auffgehaben werden / so achteten die Directoren für nöthig / bitten auch darumb demütigst / daß Jhr. Churf. Gn. vnder wehrendem Stillstandt / an einem gewissen Ort / zwischen beyden Lägern jhren Commissarium halten wolte / welcher mit beyderseits Generalen den täglichen Beschwerungen oder Klagen abhelffen möchten. Nach diesem haben die Böhmen noch ferrner / was sie zu dem gemeinen Wesen dienstlich zu seyn / vermeynt / berathschlaget / vnd vnder andern noch ferner nachfolgende Articul auffgesetzet; Erstlich solten die gesampten Evangelische Stände vnnd Vnderthanen im gantzen Königreich / sie weren vnder Catholischer oder Evangelischer Obrigkeit gesessen / deß von Keyser Rudolpho ertheilten Majestät Brieffs / deren zwischen beyden Theilen sub vna vnd sub vtraque auffgerichteten Vereinigungen / Landtags Beschlüssen / Keyserlichen vnd Königlichen darüber gegebenen Reversen vnnd Confirmationen geniessen. Es solte auch bey der zwischen den Ständen in Böhmen sub vtraque, vnnd den Fürsten vnd Ständen in Ober vnd Nider Schlesien Augspurgischer Confession Verwandten in puncto Religionis, geschlossenen / hoch bethewerten Conjunction / dem klaren Buchstaben nach / wie in allen andern Clausuln vnd Puncten / also auch insonderheit / daß die / so vnder Geistlicher Obrigkeit gesessen / befuget seyen / Kirchen vnd Schulen auff derselben Gründen zu bawen / gäntzlichen verbleiben: Dargegen aber alles / was von der Zeit an / es sey vom König oder denen sub vna, inn- oder ausserhalb der Landtage / darwider fürgenommen vnd anbefohlen worden / cassirt / auffgehaben / vnd zu ewigen Zeiten nichts mehr davon gehandelt werden soll. 2. Es solte bey Abschaffung der Jesuiten in Ewigkeit verbleiben / vnd vnder keinem Schein / einiges angenommenen frembden Ordens / widerumb eingeschoben: sondern dargegen jhre Fundation vnnd priuilegia, so sie entweder bey dem König oder andern Priuatpersonen erpracticiert / vnnd in die Landtaffel de facto einverleibet / bekommen / auß der Landtaffel wider außgethan / vnd alle jhre Collegia, Güter / Gefäll vnnd Einkommen / den Ständen zum Besten eingezogen werden. 3. Solte eine feste Bündnuß mit Vngarn / Oesterreich / Mähren / Schlesien / Ober vnd Nider Laußnitz auffgerichtet werden. 4. Es solte ein General Defensionwerck mit allen bewusten Ländern angerichtet werden. 5. Es solte ein freye Zusammenkunfft der Stände in den Kreysen / wie vor Alters bräuchlich gewesen / zugelassen werden. 6. Es solte eine Ernewerung der Erbvereinigungen mit den vmbligenden Chur vnnd Fürsten deß Reichs geschehen. 7. Es solte eine Excommunication gewisser Personen auß dem Land / so wol Abschaffung anderer auß den Emptern für gut vnd richtig gehalten werden. (Articul so die Directores zu deß Landes Notturfft beschlossen.) Beneben diesen sieben Puncten sind noch andere mehr / deß Königre???chs vnd der Länder Notthurft betreffende / beschlossen worden / nemlichen; 1. Dieweil dieses / daß Jhre Keys. Majest. auff allen deroselben Herrschafften die Collaturn dem Pragerischen Ertzbischoffe in seinen Gewalt vbergeben / damit er dieselben mit Priestern besetzen könne / öffentlich wider den Majestätbrieff vnd die beschehene Vereinigung lauffen thete / bevorauß aber an denen Orten / da die Vnderthanen der Religion sub vtraque zugethan / derhalben solte solche Vbergab auffgehaben werden / vnnd das Pragerische Consistorium auff die Pfarren sub vtraque auch dergleichen Priesterschafft der Religion zugethan einsetzen. 2. Demnach auch hiebevor durch den Majestätbrieff vnd durch die sub vna, vnd sub vtraque auffgerichte Vereinigung versehen worden / daß nicht nur allein die Vnderthanen auff Jh. Keys. Maj. Herrschafften / sondern auch andere / sie seyen gleich vnder Weltlicher oder Geistlicher Obrigkeit / diese Macht vnd Freyheit gehabt vnd noch hetten / jhnen auff jhren Vnkosten Kirchen vnd Schulen zum Gottesdienst zu erbawen / derowegen es auch also zu künfftigen ewigen Zeiten seyn vnd bleiben solte. Die Innwohner zu Klostergrab betreffend / dieweil jhnen der Prägerische Ertzbischoff jhre newerbawte Kirch gantz vnd gar niderreissen lassen / so ten dieselben die andere Kirchen in der Statt / so lang biß jhnen ein andere Kirch erbawet würde / zum Gottesdienst gebrauchen. 3. Die Braunawer solten gleichfalls zu künftigen Zeiten bey jhrer Kirchen friedlich gelassen werden. 4. Die Kirchen / so gleicher Gestalt nach ertheiltem Majestät Brieff in den Prager Stätten erbawet weren / nemlich auff eine auff der kleinen Seiten zur H. Dreyfaltigkeit genannt / die ander in der alten Statt Prag / beym Salvator / vnd die dritte auch in der alten Statt bey S. Simonis vnd Judae sampt der Capellen darbey / die solten auff eine Landtags Relation in die Landtaffel / als ein frey eygenthumblich Gut einverleibet werden / vnnd zu künfftigen ewigen Zeiten dem Theil sub vtraque, von deme sie erbawet seyen / zugehörig seyn. 5. Dieweil Keyser Rudolphus den Ständen sub vtraque in Böheimb die Pragerische Academiam, sampt aller Zugehör zu künfftigen stetswerenden Zeiten in jhre Gewalt gegeben / daß die Stände vnder anderm diese Macht haben möchten / daß sie zu solcher Academi / entweder noch [129] mehr Güter kauffen / oder aber die vbrigen in Besitzung habende / zu der Academi Nutz vnd Frommen verkauffen könten. 6. Daß auch in gleichem den Ständë sub vtraque frey stehen solte / in künfftigen Zeiten / bey gemeinen Landtägen entweder auß jhren eygenen Beutel / oder von derselben Vnderthanen ein gewisse Stewer zu Erhebung vnnd Erhaltung bemelter Academy vnd anderer Kirchen Notturfften zu verwilligen / welche Verwilligung auch zu jedem mahl in den Landtag mit eingebracht / vnd benebens das / was verwilliget werden würde / gleichfalls eben so wol / als andere Landstewer von den Defensoren eingefordert werden könte. 7. Daß die Königl. Maj. sc. oder Jhre Majest. sc. die Königin / noch auch der Theil sub vna keine Ordensleut mehr / vber diese / so anjetzo vorhanden / in das Königreich einführen solten. 8. Es solten auch die Commissarien / welche der König zum Landtag zu schicken pflegte / vnd die deß Königs Begehren den Ständen vortrügen / es seye nun der Obriste Cantzler / Praesident / vnnd die Königlichen Kammer Räth / oder jemands anders / bey Erwegung jhres Anbringens nicht verwarten / sondern von den Ständen einer Antwort gewärtig seyn. 9. So solten auch die Stände bey einem jeden Landtag / wann entweder alle Stände samptlich / oder ein jeder Standt absonderlich erwas berathschlagen theten / nach der Berathschlagung durch ein Person / auß jederm Stande / oder aber auch alle drey Stände durch ein einige Person / jhre Antwortvon sich geben könten / vnd deß Königs Räthe deß Hoff-vnd Cammer Rechtens solten sich von der Gemein nicht abtheilen / sondern bey derselben die Landtagssachen zu beraths schlagen seyn vnd bleiben. 10. Wessen sich die Stände bey dem Landtag einmal entschliessen / vnd was sie dem König auff seinen Vortrag zur Antwort geben vnnd verwilligen / darbey solte es bleiben / vnd nicht repliciret werden / wie es dann auch also in andern Ländern gehalten würde / vnnd woferrn etwas repliciret würde / dasselbe die Stände anzunemen nicht schuldig seyn sollen / sondern von einander ziehen köndten / vnd wofern nach jhrem hinweg verrreisen / von den vbrigen etwas geschlossen würde / solten die andern daran nicht gebunden seyn / vnnd solte kein Landtag länger als vierzehen Tag gehalten werden / es geschehe dann mit der Stände Bewilligung. 11. Wann der Obriste Cantzler deß Königreichs Böhmen dem König etwas vortragen würde / der Cantzler hierbey auch gegenwärtig seyn / vnd hiervon Wissenschafft haben könte. 12. Solten zur Cantzley Secretarien wolverhaltene Leut / der Euangelischen Religion sub vtraque zugethan / eingesetzet werden / wie es dann auch also in den vorigen Jahren bräuchlich gewesen. 13. Bey nechstkünfftigem Landtag zu erwegen vnd zum End zubringen / in waserley Gestalt / die Erbvereinigung mit jhren Churfürstlichen Gnaden vnd andern vmbligenden Ländern vernewert werden solten. 14. Wegen der jenigen Personen vnd trewlosen Kindern deß Vatterlands solte der in nechstverwichener zu sammenkunfft gemachte Schluß / daß nemblich ein Theil derselben nicht im Lande / vnd der ander in keinen Emptern mehr gelitten werden solten / bey seinem Valor verbleiben. 15. In den Prager Stätten solten keine Königliche Statthalter mehr gelitten werden. 16. In gleichem solten die Königliche Richter / so wol in den Prager / als auch in andern Stätten nicht mehr eingesetzet werden. 17. Vnnd demnach sich die Dirctores, wie dann auch die Obristen Stewer Einnemer / auff der Stände Befehl / auß vnvmbgänglicher Nohtturffe dieses Königreichs zu vertheidigen vnd das Kriegsvolck zu bezahlen / ein grosse Summa Gelts entlchnen / vnd sich in proprio verschreiben müssen / sollen derowegen zu Bezahlung dieser Schulden / vnd deroselben Verschreibungen außzulösen / auch zukünfftiger Abzahlung deß Kriegsvolcks / der jenigen Güter (deren etliche auß dem Land flüchtig worden / die andern aber noch drinnen verharreten / von welchen man Wissenschafft hette / vnnd die auch noch herfür gesucht werden möchten) welche zu diesem Vnheyl Vrsach geben / vnd J. Key. vn̅ Kön. M. darzu gebracht / daß dieses Königreichs priuilegia vnd Freyheit / nicht nur allein mit gewaltiger Bedrangnuß in der Religion / sondern auch in den Politischen Sachen gebrochen / vnd folgends darauff dieses Königreich / vnnd desselben Innwohner durch Kriegsmacht feindseeliger Weiß angegriffen / vnnd ein grosser Theil deß Lands mit Raub vnd Brand verheeret / vnd desselben Inwohner ermordet worden. 18. In gleichem solten auch die Königlichen Güter (ausser der Taffel Güter / welche jetziger Zeit nicht verkauffet werden könten) weil dieselben mit Schulden erkaufft / vnd jhrer viel auß den Ständen deßwegen / wie auch in andern Posten / von den Königen in Böheimb in gewaltige Bürgschafft eingefuhret worden weren / verkauffet werden / vnd was nach Bloßtzahlung der Directoren vnd Obristen Stewer Einnemer / wie auch nach Abzahlung deß Kriegsvoleks vbrig seyn würde / dasselbe zur Abzahlung der Königlichen Schulden vnd Loßzahlung der Bürgen / wie auch zu einer Ergetzung deren Inwohnern dieses Königreichs / welche von dem Königlichen Volck vn- Christlicher Weise mit Raub vnd Brand vmb jhre Güter gebracht / angewendet werden. 19. Solte es auch bey dem / was in dieser wo̅hrender Defension auß vnvmbgänglicher Notturfft von etlichë Klöstern vnd Geistlichkeiten versetzet / oder noch versetzet werden müste / verbleiben / vnnd dasselbe künfftig zu deß Landes Notthurfft / zu einem erblichen Eygenthumb verkauffet werden können. Hierbey doch dieses höchster Mögligkeit nach in acht zu nemen seyn würde / damit die Ordensleut jhren gebührlichen Vnderhalt haben könten. 20. Die Böhmische Kammer solte der Hoff [130] kammer nicht vnderworffen seyn / noch deroselben Anordnung ins Werck richten vnd vollziehen. 21. Den Präger Stätten solten die Stattmawren widerumb restituirt vnd die frembde vnderschiedliche Geistliche Rechte vnder jhre Jurisdiction gebracht werden. 22. Solten dieselben / wie auch die andern deß freyen dritten Stands sich gebrauchende Stätte / nicht mehr Königlicher Cammergüter (wie dann solcher Titul / in welcher Gestalt es nun beschehen seyn möchte / der Landtaffel einverleibet worden) gemelt werden. 23. Was von wegen dieser zweyer in diesem Königreich Böhmen gelegener Stätte / nemblich Budweiß vnd Pilsen / welche sich diesem Königreich / jhrem Vatterlandt vnd desselben Innwohnern / als offentliche Feinde vorgestellet / deß Lands Feinde vnd Verderber befördert / vnd auffenthalten / dannenhero vnd auß jhrer Verursachung / jhrer viel auß den Inwohnern dieses Königreichs in eusserste Verderbung gesetzet worden / für eine Verordnung zu machen sey / zu berathschlagen. 24. Den Prägern solte die andere Helffte von den Todsgefällen gelassen vnd restituiret werden / vn̅ sie hiervon die Stattmawrë außbessern lassen. 25. Die Statt Pilsen / Böheimisch Budweiß vnd Königgrätz / solten den Ständen sub vtraque in jhren Gewalt eingeraumet werden / vnd dieselben darinnen Zeughäuser auffrichten / vnnd die Munition / das Geschütz vnd andere Kriegsnothturfften (ohn welches diese angeorditete Defension nit bestehen könte) daselbst verwahret vnd behalten werden. 26. Dann endlichë zu erwegë / wem diese Zeughäuser solten anvertrawet vnd befohlen / deßgleichen woher vnnd in welcher Gestalt solche Munition vnd Geschütz / auch andere Zugehör zu wegen gebracht werden möchten. (Graff von Bucquoy lässet starck streiffen.) Mitlerweil hat der Graff von Bucquoy mit starckem Streiffen / Plündern / Brennen vnd dergleichen von Budweiß vn̅ Crumaw auß ein grossen Schreckë vnder das Landvolck gebracht. Solchem abzuwehrë ist der Böhmische Obriste Kinsky mit 1000. Reutern vn̅ in 500. Mußquetirern auff Polna gezogen / vnd als er in derselben Gegne bey 400. Heyducken angetroffen / hat er dieselbe mehrercheils erlegt / vnd jhnen viel Beuten abgenom̅en. (Kinsky ein Böhmischer Obrister schlägt etlich Königisch streiffend Kriegsvolck.) Baldt hernach als dem Kinsky verkundschafftet worden / daß wider bey 400. Königische auß Budweiß auff einen Streiff außgezogen / ist er jhnen mit 5. Compagnyen Reuter nachgesetzet. Wie nun die Königische solches vermercket / vnd gesehen / daß sie jhnen zu schwach weren / haben sie sich in das nechste Dorff begeben / darinn die Häuser eingenommen / vnnd bey drey Stunden sich dapffer darauß gewehret / biß endlich Graff Hans Georg von Solms mit einem Fähnlein Mußquetirern den Böhmen zu Hülff angelangt / die haben alsbald etlicbe Häuser angezündet / vnd also dardurch die Königischen / daß sie sich ergeben müssen / gezwungen / worauff dann in 140. sampt jhrem Hauptmann gefänglich angenommen worden; die vbrigen sindt mehrentheils vmbkommen. Auff der Böhmischen Seiten sind zwar nit so viel geblieben / doch aber an Pferden haben sie zimlichen Schaden gelitten. (Böhmen schlagen ein Läger vor Budweiß.) Damit nun die Böhmen dergleichen Außfäll vnnd Streiffen der Königischen auß Budweiß verhindern möchten / haben sie von fernem ein Läger darvor geschlagen. Gegen dem selbigë hat auch ausser der Statt der Graff von Bucquoy viel Schantzen vnnd Lauffgräben machen lassen / also daß beyde Parteyen einander mit Mußqueten erreichen können. Mit dieser Belägerung haben aber doch die Böhmen nicht viel außrichten / auch den Königischë das Streiffen nit abweren könnë. (Graff von Thurn ruckt in Mähren.) Demnach in dessen auff Erinnerung vn̅ Vermahnë der Böhmischen Stände vnd Directoren die Oesterreicher ob der Ens / wie auch die Ober vnd Nider Laußnitzer mit der Cron Böheimb sich vereiniget / vnd in allen Nothfällen einander beyzuspringen sich verpflichtet / mit der Marggraffschafft Mährë aber / weil daselbs der Cardinal von Dietrichstein / der Fürsten von Liechtenstein / vnd andere Catholische Stände / beneben etlichem Kriegsvolck den Evangelischen auff der Hauben waren / solche Co̅foederations Handlung zur Zeit nit zum End mochte gebracht werden: Als ist solche zu befördern vmb den 20. April. der Graff von Thurn / auß Befehl der Directorn / mit etlich tausend Mannen zu Roß vnd Fuß in selbige Landschafft gerucket. Anfänglich bat er die Statt Iglaw (an den Grentzen am Wasser Igla ligende) fast ohne Widerstand eingenommen vnd besetzet. Darauff ist er alsbald weiter ins Land hinein gerucket / vnd andere Ort mehr in seinen Gewalt gebracht / vnder welchen auch die Statt Znaymb gewesen. Auff der andern Seiten haben die Schlesier / nach dem sie das Fürstenthumb Troppaw besetzet / die zwey Stättlein Lipnitz vnd Renitz in Mähren eingenommen / vnd von dannen auff Olmütz zu gezogen / die sich bald ergeben. Als nun der Cardinal von Ditrichstein den Gewalt vnd daß kein gnugsame Hülff / das Böhmisch Kriegsvolck auß dem Landt zu halten / vorhanden verspüret / hat er dem Graffen von Thurn entbieten lassen / daß er zwar zur Bündnuß sich bequemen wolte / wann dieselbe nit wider Jh. May. König Ferdinandum angesehen were. Ingleichë haben andere Catholische Landherren / vnder denen auch der Fürst von Liechtenstein / jhre Gesandte (Fürst von Lobkowitz begeret von dem Graffen von Thurn zu wissen / warumb er in Mähren eingefallen. Graffen von Thurn Antwort auff deß Mährischë Landhauptman̅s Schreiben.) zum Graven von Thurn geschicket / vnnd sicher Geleid naher Prinn begehren lassen / damit sie sich daselbst wegen der Bündnuß mit ein ander vergleichen möchten. Vnder andern hat auch der Landhaupmann in Mähren der von Lobkowitz durch ein Schreiben von dem Graven von Thurn zu wissen begehret / auß was Vrsachen er also mit einem Kriegsvolck in Mähren eingefallen were. Hierauff hat der Graff von Thurn geantwortet: Er hette solches auß Befehl gethan / hette bey sich die gantze Ritterschafft deß Königreichs Böheimb / welche jhre Verwandte / Vettern / Ohmen / Schwäger vnd Brüder freundli [131] cher Gestalt vnd guter Meynung heim suchen / vnd sich bey den jenigen / so es mit jhnen auß getrewem Hertzen wol meynen / jhr Haab vnd Gut auch Leib vnd Leben zu zusetzen anerböten / nebë diesem aber gesinnet seyen / vber die jenigen / welche biß dahero die Einigkeit vnnd Confoederation gehindert / darzu auch / daß das Königreich Böhmen an vielen Orthen mit Raub / Fewer vnd Schwerdt verderbet worden Vorschub gethan hetten / zu klagen / mit ve???melden / daß sie die jenige / welche jhre Feinde weren / hasseten / vn̅ dieselbe nach höchstem Vermögen sieben vnnd reuttern wölten. Er / Landhauptmann / solte seine anvertrawete Verwaltung also versehen / daß er davon Ehr vnd Lob vnd deß Landes Danck erlangen möchte. (Mährische Euangeltsche Ständ kömmen zu Znaymb zusammen.) Vnder solcher Schrifftwechßlung sindt die Mährische Euangelische Stände zu Znaimb in zimlicher Anzahl ankommen / der Meynung von dannen nach Prinn auff den Landtag sich zu begeben. Weil aber der Graff von Thurn einen Anschlag / so der von Wallenstein gehabt / außkundschafftet / hat er die Stände vermahnet / sie solten jhre Reiß auff Prinn entweders einstellen / oder mit einer starcken Convoy sich dahin begeben. (Königische haben ein Anschlag vor auff Prinn.) Mit gedachtem Anschlag war es also beschaffen; der von Wallenstein ist mit seinem Regiment / so zu der Mährischen Stände Defension geworben worden / mit welchem er zuvor in der Statt Olmütz gelegen / auff gebrochen / in Willens sich auff die Vngarische Grentz / bey Schalitz vnd Lebar zu lägern / vnd allda der Vngarischen Hülff / welche jhm zu kommen sollen / den Paß in Mähren auffzuhalten. Zu jhm hatte auch noch der Graff von Dampier vnd der Oberste Nachot mit etlichem Mährerischen Volck stossen sollen / jhrem Anschlag nach / die Vngarische Hülff in Mähren zu bringen / vnnd sich folgends der Statt Olmütz vnd Prinn in wehrendem Landtag zu bemächtigen. Aber dieses Vorhaben. ist baldt zu Wasser worden: Dann vnderwegens bey der Obristen / nemlich deß von Wallenstein vnnd deß Obristen Nachot Volck meutenirt vnd meistentheils wider vmbgekehrt. Sonderlich haben die Nachotischen Reuter jhren Obristen vmbringet / vnd zu wissen begehret / von weme sie jhr Ordinantz hetten; als sie nu verstanden / daß solche vo̅ dem Landhauptmann in Mähren were / haben sie darwider protestiret / mit vermelden / sie weren nicht von jhme / sondern vom Landt vnnd dessen Ständen geworben vnd verpflichtet. Darauff sie dann auch nicht weiter fort gewolt / sondern sich mit jhrem Obristen Leutenant Stubenvoll in 1000. starck nacher Prinn gewendet / vnnd die gedachte Obristen mit wenig Volcks auß dem Landt ziehen lassen. Mit dem Obristen von Wallenstein ist es also bergangen; den 30. Aprilis Nachmittag befihlet er seinem Obristen Wachtmeister / er solte mit dem Fußvolck auffbrechen / allgemach fort marchiren / vnd ein Fähnlein Knecht in der Statt lassen / mit welchem er Obrister also bald wolte hernach kommen. Als nun deme zu Folg der Obriste Wachtmeister mit den Soldaten fortgezogen / der Obriste aber sich zu lang verweilet / ist dem Wachtmeister der Handel etwas seltzam vorkommen / zumal weil er kein Ordinantz vnnd Quartier gehabt: Derhalben er wider zu rück auff Olmütz gangen / in Willens die Nacht allda zu bleiben: Aber der Obriste hat jhn vbel empfangen / vnd jhn mit dem Rappier vom Pferdt gestochen / nachmals das Commando einem andern gegeben / vnd die Soldaten mit jhm fortgeschickt. Darauff deß Abendts zwischen 9. vnd 10. Vhren der Obriste mit 40. Mußquetirern zu dem Einnehmer kommen / die Schlüssel zur Cassa begehrt / vnd solche endlich mit blossem Degen vnd Betrohung deß Henckens herauß genöthiget / vnd 96000. Reichsthaler / so er in der Cassa gefunden / noch dieselbe Nacht / in Begleitung deß Fähnleins Soldaten von dannen geführet. Als solches die Stände erfahren / haben sie Commissarien vnnd zwey Cornet Reutter abgefertiget / mit Befehl die Soldaten wider zu rück zubringen / welche dann 6. Fähnlein erwischt / die allbereit wider im zurück reysen waren: mit den obrigen aber hat der von Wallenstein das Gelt nach Wien gebracht vnd es König Ferdinando vberliefert. (Landtag zu Prn.) Hierzwischen haben auff obige Verwarnung deß Graffen von Thurn / die Euangelische Stände den Obristen Schönlintzky mit 800. Reuttern zu jhnen genommen / vnd sind von Znaymb auff Prinn gezogen; daselbs sie sieben Cornet Teutsche Reutter im freyem Feld warten lassen / mit einem Cornet aber in die Statt gezogen. Als nun hierauff bey einer Stundt Rath gehalten worden / ruffete der Herr vo̅ Lundenburg zu einem Fenster herauß der Bürgerschafft zu vnd fragte / ob sie es mit den Euangelischen Ständen halten wolten. Da nun selbige einhellig ja gesprochen / wurde als bald Lermen geblasen / die Bürgerschafft zu jhrer Wehr vermahnet / vnd die Thor von denen in die Statt gebrachten Reutern eingenommen / worauff dann die Teutsche Reutter auch eingelassen worden. Wie nun die Thor also versperret vnd die Plätze vnd Gassen besetzet worden / sindt die Stände vnd die Bürgerschafft auff den Kolmarckt gangen vnnd alle vnder dem freyen Himmel zusammen geschworen. Solchem nach sind sie zum Cardinal von Dietrichstein gangen / vnd / weiln er General / jhn mit Worten / ob er vmb deß von Wallenstein vnd deß Nachot Anschlag Wissenschafft habe / gefraget / vnd darbey auch zugleich das Generalat Ampt abgefordert / darüber er dann sehr erschrocken / vn̅ gesagt / er hette von gedachtem Anschlag kein Wissen / was das General Ampt betreffe / wolte er gebetten haben / man solte etlich wenig Tag jhme Zeit lassen / so wolte er alsdann zu Verhütung eines Schimpffs / solches selbst resigniren. Ferrners ersuchte er die Stände bittlich / sie wolten kein Gewalt an jhm gebrauchen / er wolte sich gegen den Ständen gebührlich halten.
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Nach diesem sindt gedachte Stände zu dem Freyherrn Carl von Tscherotin gangen / vnd jhn auch / ob jhm der Anschlag wissend were / gefraget / vnd ob er sich wol deßwegen entschuldiget / haben sie jhm doch hart zugesprochen / vnnd ferners von jhm hinweg zu dem Fürsten von Liechtenstein sich begeben / der dann auch sich gegen jhnen entschuldiget / vnd den Ständen getrew zu seyn sich erbotten. Nach dem nun gedachter massen solches verrichter / hat man darauff den Rath vnnd die Bürgerschafft fürgefordert / vnd den Rath gefraget / warumb sie ohne Vorwiffen vnnd Willen der Stände 150. Soldaten geworbë vnd die Festung Spilberg besetzet? Auff welches selbiger zur Antwort geben / es were mit Willen der Gemeind geschehen. Selbige aber hat solches alsbald widersprochen vnd verneinet. Worauff also baldt die Soldaten von der Festung abgefordert / vnd nach dem sie der Rath abdancken müssen / in der Stände Gelübd genommen / vnd die Festung damit wider besetzet: die Schlüssel zur Festung / wie auch zu der Statt von dem Rath abgefordert / vnd dem Obristen Leutenant Stubenvol / der mit deß Nachots tausendt Reutern damals schon zu Prinn ankommen war / eingehändiget worden. Es manglete damals gar wenig / daß es nicht dem Bürgermeister vnd Stattschreiber / gleich wie den Keyserischen Officirern zu Prag geschehen / ergangen. Den folgenden Tag deß Abends wurden zwölff Personen von den Ständen zum Cardinal geschicket / welchen er daß er ohne der Stände Vorwissen von dannen nicht weichen wolte / angeloben müssen / vnd hat solches der Cardinal mit weinenden Augen gethan. Auff gleiche Weiß ist es mit Freyherren von Tscherotin hergangen / vnnd ist darauff ein jeder dieser beyden mit einem Cornet Reuter verwachet worden. Den folgenden Tag als den 4. May sindt die Stände wider zusammen kommen vnd beschlossen alle Empter zuverändern / newe Obristen zu bestellen / den Catholischen Rath abzusctzen / die Jesuiter außzuschaffen / vnd sich der Kirchen bey S. Jacob zu impatroniren / daselbs alsdann auff den nechsten Pfingstag geprediget werden solte. Hierauff wurden andere gemeine Sachen tractiert vnd den Oesterreichischen Abgesandten Audientz ertheilet. Auch haben die Böhmische Gesandte in dem Landhauß jhre Proposition gethan / dieses Innhalts; die Mährischen Stände solten sich mit den Böhmen vereinigen / das Kriegsvolck zu sammen stossen; Ferners berathschlagen was weiter beyden Ländern / auch andern Mitvereinigten dienstlich vnd zum Frieden bequem were Hierauff wurden sie beantwortet / sie solten auff diesen Vortrag schleunige vnd angeneme Antwort empfaben. (Jesuiter werden auß Mähren vertrieben.) Auff selbigen Tag / als dieser Vortrag geschahe / wurden dit Jesuiter auß Mähren außgeschaffet / vnd deßwegen ein Decret angeschlagen also lautende; Es were jhnen nicht allein von den Böhmischen Ständen / durch jhre Apology vnnd andere Schrifften vnd Beweiß zu erkennen geben worden / sondern auch zuvorhin gantz weltkündig / was beydes in besagtem Königreich Böhmen / vnnd dann auch in andern Landen vnnd Prouintzien / von den Jesuitern für Practiken angerichtet worden / also daß viel Potentaten vmb Leib vnd Leben gebracht / auch viel Krieg vnnd Blutvergiessen durch sie gestifftet weren. So hetten sie gleichfalls gewissen Bericht / daß von jhnen den Jesuitern zu diesen ietzigen Empörungen / durch welche die Marggraffschafft Mähren / nicht nur in gewaltige Schulden Last / sondern auch in das eusserste Verderben gebracht were / Vrsach gegeben worden seye. Hielten demnach gäntzlichen darfür / sie weren eben die jenigen / welche alle Rath-vnd Anschläge zu jhres Vatterlandes Verderben richteten / derhalben wolten sie einhelliglich beschlossen haben / daß mehrgedachte Jesuiten auß der Marggraffschafft Mähren auff ewig solten verbannet seyn. Wolten demnach jhnen allen aufferieget vnd befohlen haben / daß sie denen zu jhnen abgeordneten Commissarien also bald vnd vnverzüglich die Schlüssel zu den Kirchen vnd Collegien vberantworteten / sich auß dem Landt davon machten / vnd zu ewigen Zeiten / vnder was Schein es auch geschehen möchte / sich nicht mehr darinn betretten liessen. Wo nun hierüber einer im Land erdappet würde / solte derselbe ohne alle Gnad vnd Verhör am Leben gestraffet werden. Nach Publicirung dieses Decrets sind die Jesuiter auß Mähren außgezogen. Wie nun alsbaldt auff jhren Abzug zu Prinn in der Vorstatt ein grosse Fewersbrunst entstanden / durch welche vber hundert Häuser verderbet wurden / sindt als baldt die Jesuiter wegen eingelegten Fewers beschuldiget / jhnen 50. Reuter nachgeschicket vnd jhrer zwey vnnd dreissig wider zu rück gebracht worden. Als sie aber hernach nach gehabter Examinirung vnschuldig deßwegen erfunden wurden / hat man sie wider fortziehen lassen. (Jesuiter in Schlesien bandisire.) Den guten Herrn Jesuiten gieng es baldt hierauff in der Schlesien auch nit besser. Daselbs wurde den 24. Junij von Hertzog Johann Christian zur Lignitz / Obristen Hauptmann in Schlesien / ein Edict wider sie publicirt / dieses Innhalts; Er stellete in keinen Zweiffel / es würde Fürsten / Ständen vnnd Vnderthanen in Schlesien auß Erholung deß jenigen / was verwichener Zeit vnd insonderheit vom 12. Martij deß 1596. Jahrs an die damals regierende Keys. Maj. die Fürsten vnd Stände Augspurgischer Confession in Ober vnd Nider Schlesien / wegen der schädlichen Sect der Jesuiten / vnd deroselben arglistigen Practiken vnd vnseligen Anschläge / die sie wider alle gute Policeyen / Ordnungen / Verfassungen vnnd gemeinem Ruhe vnd Friedensstandt in allen Ländern / als es nunmehr weltkündig / zu verüben pflegten / mit stattlicher Deduction vnd beweglicher zu Gemüthführung / vnderthänigst zu dem Ende gelangen lassen / damit weil sie allbereit jhre Anschläg auff Schlesien / darinnen sich nemlich niderzulassen / vnnd einen festen Fuß zu setzen ge [133] richtet / sie dardurch endtlich zurück / vnnd so viel jmmer möglich / gäntzlich auß dem Land gehalten werden möchten / allerdings bekant vnnd vnvergessen seyn würde / wessen jhre löbliche Vorfahren / sich dazumahl mit zugleich deutlichem angegeben / nem̅lich wie sie bey Einnehmung derselben Sect allbereit jhrer selbst / vnnd jhrer Nachfahrn vnd der gantzen Posterität Verderben vnnd eussersten Vndergang vor jhren Augen hetten / vnd keines wegs weder gegen der Kays. Mayest. noch den benachbarten Landen / noch auch gegen der Posterität zuverantworten hetten / wann sie nicht bey Ihrer Kayserlichen Mayest. solchen jhren vorstehenden Jammer klagbar machen / vnd zur Abwendung solches vnleydenlichen Jochs vnnd Bedrangnuß alle Mittel vnd Weg vndersuchen solten. Wiewol aber nun GOTT vermittelst seiner Gnad vnd Barmhertzigkeit / damaliger Zeit Jhrer Kays. Mayest. Gemüth dahin regierer vnnd gelencket / daß sie solches alles zu Hertzen genommnen / vnd gleichwol dahin gerichtet / daß dieses Land von den vnruhigen Leuten dannoch befreyet geblieben: So were doch leyder nunmehr nicht allein am Tag / sondern auch höchlichen zubeklagen / demnach die Benachbarten deß Königreichs Böheimb der Leuthe nicht gevbriget seyn mögen / daß sie biß anhero mit jhrem vnauff hörlichen Practiciren vnnd Verfolgen / alles so ferrn getrieben vnd fortgebracht / daß kein anderer Effect / dann in vielen andern Ländern der Christenheit mit kläglichem Exempel geschehen / darauß erfolgen können / vnd nemblich alles in einem derselben Länder / so wol als dem andern / zu der Zerrüttung / wie sie an jetzo stünde / gedeyen müssen. Derowegen wie die Evangelische Stände der andern Länder solchem Vbel mit gäntzlicher Außschaffung so schädlicher Leute abzuhelffen gemeynet gewesen; Also hetten auch Fürsten vnnd Stände Augspurgtscher Confession in Schlesien solches zu Hertzen genommen / vnnd beneben jhres obangezogenes Exempel jhrer löblichen Vorfahren vor Augen gestellet / vnd sich miteinander dieses einhellichen Schlusses / auß erheblichen Vrsachen verglichen / sinteinahl wohl zuvermuthen / daß nit allein dergleichen Jesuiterische / auß andern Orthen außgeschaffte Leuth / nit weniger als sie voriger Zeit zu thun in Sinn genommen / auch in diesem jhrem Vatterland einzuschleichen sich bemüheten / sondern auch wol etliche jhre Favoriten vnd Patronen sich vnderstehen dörfften / jhnen Vnderschleiff vnnd Auffenthalt zugeben / das weder jhnen selbst noch den andern solches einigerley Weiß gestattet / sondern jhnenden Jesuiten vnnd jhren Anhängern / sich dieser Orth vnnd in diesem Landt Schlesien einigerley Weise betretten zulassen bey Leib vnnd Lebens Straff / den jeingen aber / die jhnen einigen Vnderschleiff gebenwürden / bey Verlust jhrer Ehren / Haab / Gut vnnd Vermögens solches abgeschafft vnd verbotten seyn solte. Wie nun aber solchem nach er gantz nicht zweiffelte / die Catholische Stände vnnd Innwohner dieses Landes / so zur Ruhe vnd Frieden geneygt weren / die Augspurgischen Confessions Verwandte Fürsten vnnd Stände hierunder so wenig / als dero Vorfahren voriger Zeit gethan hetten / zu verdencken Anlaß nehmen / vielmehr aber befinden würden / daß kein besserer Anfang / vnd Vorschub / zu wider Erlangung beständiger Ruhe vnd Friedens / auch auffrechten Teutschen Vertrawen genommen werden möchte / dann sich so viel möglich / der jenigen schädlichen Practicken vnd friedhässigen Anschläge zu entladen / vermittels welcher alle wolgefaste Ordnungen / Bande vnd nervi aller getrewen Verwandtnuß vnnd guten Vornehmens / so wol zwischen Obrigkeit vnd Vnderthanen / als auch den friedsamen Catholischen vnnd Evangelischen Ständen / ja das einige vinculum der menschlichë Societät / so in data fide & pactorum observanta bestünde / in allen Landen zerrüttet / durchlöchert vnd zertrennet würde / also hette jhm tragenden Ober Amptswegen / vnd zu desto gewisser Beförderung deß gemeinen Besten / friedtlichen Ruhestandts / vnd altem guten vernehmen / zwischen beyderseits Religions Verwandten Ständen / auff ersuchen der Augspurg. Conf. Fürsten vnnd St. anders nicht gebühren wollen / dann solchen jhren einhelligen Schluß hiermit zu männliches Wissenschafft zu publiciren / die Fürsten vnd Stände ersuchend vnnd ermahnend / den Seinigen aber endtlich befehlende / daß ein jedweder an seinem Orth die Anstellung verfüge / damit solchem Beschluß vnd Verordnung auff alle Begebenheit nachgelebet / vnd darwider auch das wenigste nicht verstattet oder nachgesehen würde / nicht weniger auch ein jeder / den es betreffe / sich für Schaden / Schimpff vnd Vnglück zuverwahren haben möchte. (Jesuiter auß Vngarn vertrieben.) In Vngarn hat den Jesuitern vmb diese Zeit auch kein guter Stern geleuchtet. Dann kurtz vor dieser Außbannung haben die Evangelische Stände in selbigem Königreich (so damals auch der Trangsalen / so sie biß dahin erlitten / sich selbsten / weil doch sonsten kein andere Hülff noch Rath / auff vielfaltiges anhalten / erfolgen wolte / zu erledigen gedachten) ein gleichen Schluß wider sie gemacht / vnd in dem deßwegen publicirten Patent viel Vnheil / so sie im Königreich gestifftet / in specie, daß durch jhre Practicken in Ober-Vngarn durch den Belgiojosa ein Christen Blutbad angerichtet / vnnd wider alle Ordnung vnd Freyheit in der Haupt Statt Caschaw grewlich tyrannisiret / die Evangelische Kirchen vnnd Schulen gesperret / die Priester vnd Schulmeister zusampt den Studenten verjagt / vnd andere mehr Vnthaten verübet / angezogen. (Mährer machen newe Obristë vber jhr Volck.) Vnder diesem Verlauff wurden an statt der vorigen Mährischen Obristen deß von Wallensteins vnd Nachots zween andere von den Ständen / nemblich Friederich von Tieffenbach vnd Ladislaw Well von Tscherotin / vber das Kriegs-Volck / so in 2000. Reuter vnd 3000. Fußknecht waren / bestellet. Demnach auch die Gefahr in Mähren je län [134] je grösser worden / haben die Stände Rathsamb befunden / auch ein Directorium anzustellen / darzu sie dann 24. qualificirte Personen verordnet / vnnd jhnen befohlen gegen den Verbrechern vnd Friedensstörern mit scharpffer Execution zuverfahren: Darauff sie auch in den Evangelischen Kirchen / welche jhnen die Papisten vor diesem abgenommen / Evangelisch predigen lassen. Darbey ward auch ein Edict gemacht / daß hinfüro kein geistlicher Praelat / vnnd sonderlich auch der Bischoff von Olmütz einig votum in offentlichen Politischen Zusammenkünfften haben / noch vnder die Stände gezehlet werden / sondern allein mit jhrer Vnderhaltung vergnüget / jhres Thuns abwarten solten. Vnd also ward es vmb selbige Zeit in Oesterreich ob der Enß mit den Geistlichen zuhalten auch beschlossen / welches den guten Herrn nit am besten gefiel. Solchem nach haben die Stände in Mähren an die Böhmische Directores ein Schreiben / vnder dato den II. Maii / abgehen lassen / dieses Innhalts; (Schreiben der Mährischen St. an die Bömische Directores wegen der Confoederation.) Sie hetten der Böhmischen Gesandten Vortrag / daß die Mährischen Stände sich mit der Cron Böheimb vnnd incorporirten Landen confoederiren / jhr Kriegs Volck mit dem Böhmischen conjungiren / vnnd dann einen Außschuß / von deß Landes Notthurfft ferrner zu tractiren / verordnen solten / vernommen / vnd gebührlich zu Gemüth gezogen / trügen vber dem kläglichen Zustandt deß Königreichs Böheimb / darinnen es nunmehr von geraumer Zeit hero schwebete / vnd mit Fewer / Schwerdt vnnd Brandt verderbet würde / ein hertzliches Mittleiden / ja sie vernehmen auch / daß auß Vervrfachung etlicher bösen vnnd vntrewen Patrioten / auch das Marggraffthumb Mähren nicht weniger Gefahr betretten wolte / ingleichem sie sich der jhnen Böhmischen Ständen / hiebevor gethanen Zusag erjnnerten / daß sie nemblich / wann es von der Interposition abkommen solte / auff diese Mittel vnnd Wege bedacht seynwolten / durch welche sie so wohl sich / als auch das Königreich Böheimb in gebürliche Sicherheit setzen könten. Derowegen erkenneten sie jhre Pflicht / mit welcher sie jhrem lieben Vatterlandt / so wol auch dem Königreich Böheimb (welchem das Marggraffthumb Mähren incorporirt / vnnd darinnen seine Güter hette) auch den Böhmischen Ständen in hoher Bluts freundtschafft verwandt / verobligirt vnd verbunden weren / erklärten sich derhalben offentlich / daß sie die obgedachte Vereynigung vnnd Conjunction / zu welcher vor der Zeit von Kayser. Matthia verwilliget worden / mit jhnen ohn allen Nachtheil der Privilegien eines vnnd deß andern Landts annehmen / zu demselben antretten / vnnd jhr Kriegs-Volck mit dem Böhmischen vereynigen wolten / also vnnd dergestalt / wer jhnen / Böhmischen / oder den Mährischen Schaden zufügte / daß bemelt jhr Kriegs-Volck mit gedachtem Böhmischen / solchen Feinden mit gantzer Macht Widerstandt thun / daß Königreich Böhmen / vnnd Marggraffthumb Mähren vor allen vnnd jeden Verderbern mit GOttes Hülff vertheydigen helffen solte. Jedoch sie dieses hiermit excipirten vnd jhrer Macht vorbehielten / daß sie einen Theil jhres angetretenen Kriegs Volcks zu Roß vnnd Fuß / erheischender Notthurfft nach / im Land / vmb desto besserer Versicherung willen / jhrer / jhrer Weiber / Kinder vnnd Güter hinderlassen köndten. Nichts desto weniger / damit diese Vnion vnnd Vereinigung vollkommenlich auff ein Orth gebracht vnnd bekräfftiget werden möchte / hetten sie auß jhrem Mittel die Wolgebornen Herren Wilhelmen von Ruppa / Obristen Cämmerer deß Marggraffthumb Mähren / Christoffen von Rschitzan auff Budiskowitz / Hansen Tscheinke von Obbranwitz / auff newen Syrowitz vnd Bistritz / Obristen Landtschreiber deß Marggraffthumbs Mähren / Henrich Modietzky von Gemnick; vnnd auß den Städten Abraham Kalckreutter von Znaimb vnnd Martin Leipold von Völauß erwöhlet / vnnd jhnen hierzu ein gewisse Vollmacht ertheylet / daß sie jnnerhalb viertzehen Tagen sich zu der Böhmischen Vereinigung / auch mit andern incorporirten vnnd Vnierten / an statt aller Stände vnd Inwohner deß Marggraffthumbs Mähren / in diese Vnion tretten / vnd was ferrner zu Auffrichtung eines beständigen sicheren Friedens diesen Landen ersprießlich seyn möchte / tractiren vnnd beschliessen könten / nit anders / als wie alle Stände deß Marggraffthumbs Mähren solches zuthun Macht haben möchten / sc. Hierauff hat König Ferdinandus auffs new grosse Kriegs-Bereitschafften angestellet. (Böhmisch Stände Schreiben an beyde Churfürstë Pfaltz vnd Sachsen.) Wie nun davon die Böhmische Stände berichtet worden / haben sie nachfolgenden Inhalts Schreiben an beyde Churfürsten Pfaltz vnnd Sachsen abgehen lassen; Nemblichen; wie sie allezeit in jhren obligenden Beschwerden jhre Zuflücht zu jhnen gehabt hetten / also könten sie auch an jetzo nit vnterlassen jhnen anzuzeigen / wie daß König Ferdinand an die von Kayser Matthia vor diesem verordnete vnd hinderlassene Statthalter vnd Landofficirer / vnnd sonderlich an den Burggraffen Adam von Sternberg geschrieben / vnnd dieselbe in jhren Aemptern biß zu ferrnerer Anordnung bestättiget / vnd anders dergleichen anbefohlen. Es were aber darauß nichts anders zuschliessen / dann daß Jhre Mayest. ausser vorgehender vollkommenlicher Erstattung der nothwendigen Requisiten / die Regierung anzutretten gesinnet were / in dem sie den jenigen / so all dieses Vnwesens vnnd Jammers in dem Königreich Vrsächer wären / wider alle Hoffnung vnd hindan gesetzet der Protestirenden Stände Schluß / bloß auff Anregung derer Interessenten / so sich bey Jhrer Mayest. befünden / jhre vorige Ampter vnnd Würden wider zu zustellen gemeynt seyen. Zu dem verbliebe das Kriegs-Volck noch im Landt / vnnd führe mit Verwüstung vnnd Ver [135] derbung deß Königreichs fort / so würden vber das in dem Reich vnnd anderswo / sonderlich in Italien vnnd Niderlandt noch grössere Kriegsbereitschafften gemacht vnnd von newem viel Kriegs-Volck geworben. Dieses vnnd anders dergleichen / so zu jhrem Verderben gerichtet were / hetten sie nicht vnterlassen können jhnen anzuzeigen / der Hoffnung sie würden jhnen / wie bißhero allezeit / jhre Wolfahrt lasse angelegen seyn / vnd nit zugeben / daß dieses hochbedrangte Königreich vnnd vornehme Chur Fürstenthumb ferrner angefochten werde. (Der Böhmischë Directoren Begehren an den Hertzogen in Bayern / wegen das wider sie anziehendë Kriegs-Volcks.) Etliche Tag nach Absendung dieser Schreiben haben die Böhmische Directoren an den Hertzogen in Bayern begehret / er solte dem frem̅den ankommenden Spanischen Kriegs-Volck / keinen Paß noch Durchzug durch sein Lande verstatten / n Ansehung / daß nicht allein der Cron Böhmen / vnnd denen Incorporirten vnnd jetzo von newem Vnierten Landen / sondern auch den Churfürsten vnnd Ständen deß Römischen Reichs / wie in gleichem seinem eigenen Fürstenthumb grosse Vnzelegenheiten vnd vergiessung vieles vnschuldigen Christenbluts solches vervrsachen möchte. (Antwort deß Hertzogen in Bayern auff der Böhmischë Directoren Begehren.) Dieses Begehren beantwortete der Hertzog in Bayern also; Wiewol er vor diesem die Kays. Mayest. gebetten / daß er der Durchzüge vberhebet vnnd seine Land damit verschonet werden möchten / hette er doch / auff inständiges Ansuchen Jhr. Kays. vnd der jetzo in Vngarn vnnd Böhmen regierenden Königl. Mayest. bevorab weil an denen Orthen / da der Durchzug zu geschehen pflegte / das Landt gantz offen were / also daß derselbige nicht wol ohne Kriegs-Gewalt köndte verhindert werden / zu dem weil mit gnugsamer Caution Leystung vnd anderem man sich den Reichs-Constitutionen gemäß verhaltë / auch anderwerts von Churfürsten vnd Ständen dergleichen beschehen / solches zubewilligen nit vmbgehen können. Er hette aber gleich Anfangs dieser Vnruhe vnd hernach jederzeit gewünschet / daß dieses Vnwesen beyzeiten beygelegt / vnnd so wohl sie / zu begehrtem Frieden vnnd Wohlstandt wider gelangen / als andere / so dieser Vnruhe vnd frembder Händel vnverschuldter Dingen entgelten müsten / vieler Vngelegenheiten vberhaben werden möchten. Vnnd solches könte noch geschehen / wann sie sich gegen jhrem vorgesetzten vnnd gewöhlten Haupt / König vnnd Herrn gehorsamblich vndergeben / auch das jenige / so gehorsamen vnnd friedlibenden Ständen vnnd Vnderthanen gebührete / thun würden. Als nun inmittels die Gefahr je länger je grösser würde / König Ferdinand die Böhmische Vnruhe mit Gewalt zu dämpffen gedachte / vnd vnder andern auch viel Vngarisch Volck nach den Oesterreichischen Landen anziehen liesse / haben selbige Evangelische Stände / zu Außgang deß Aprilis ein Schreiben an jhn abgehen lassen / dieses Innhalts; In was langwürigem Elendt vnd Bedrangnuß (Der Oester reichischen Stände Bitschrifft an König Ferdinand.) jhr geliebtes Vatterlandt gleich von der Zeit an / als die Böhmische Vnruhe angefangen / vnnd darauff die Kriegs Praeparation von Kayser Matthia darwider / zwar ohne getrewer Stände Rath vnnd Wissen / vorgenommen worden / gestecket / were ohne Zweiffel Jhr. Mayest genugsamb wissend. Es were aber gewiß / daß wohl in zwantzig oder dreyssig Jahren bey wehrendem Türcken-Krieg vnnd denen darzwischen entstandenen Empörungen / diesem Landt nicht so viel Schaden geschehen. Dann ob wohl bey selbigen Zeiten es ohne vielfaltige Beschwernussen nicht abgangen / so were doch das Landt in guter Vorsorg seines Landts-Fürsten gestanden / vnnd demselben allezeit ohne langen Verzug geholffen / in dem das Kriegs-Volck richtig bezahlet / die Durchzüge befördert / vnnd das Kriegs-Volck schleunig wider den Feindt angeführet worden / oder nach vollendtem Zug / wegen Bezahlung alle Nohtturfft vmbs Gelt an sich kauffen müssen. Jetzundt aber bey diesem vnglückseligen Kriege / lege das Volck nunmehr bey einem Jahr mit schlechter Bezahlung in dem Landt / vnnd weiln annoch kein Mittel diesem Vnheil abzuhelffen sich erzeigte / würde dardurch der arme Mann biß auff das eusserste außgesogen / vnnd sonsten von dem Kriegs-Volck solcher Mutwillen getrieben / daß nur daran zugedencken abschewlich were. Dieses alles hetten bißhero die Vnderthanen / auff von der verstorbenen Kays. Mayest. beschehene Vertröstung gedultig getragen / sich auch zu Jhrer Königl. Mayest. nach Antritt dieser Landen Administration / versehen / es würde solchem Vbel abgeholffen werden. Aber sie weren jetzo nicht ohne sondern Schmertzen innen worden / daß zu diesen vorigen harten Bedrangnussen auch hinzu käme / daß nicht allein in Vngarn / täglich vnder Jhrer Königl. Mayest. Nahmen / newe Werbungen vorgiengen / sondern auch die auff jhre Kosten auff den Turckischen Grentzen besoldete Besatzungen zu grosser Gefahr bësagter Grentzen vnd zu jhrem mehrern Schaden abgefordert würden. Was nun hierdurch dem Türcken vnnd andern Feinden für Gelegenheit / die vornembste Festungen vnd Vormawren der Statt Wien vnnd dieser Oesterreichischen Landen in seinen Gewalt zubringen / an die Handt gegeben werde / were leichtlich zuerachten. Derhalben könten sie nicht vnterlassen Jhre May. vmb GOTTES Barmhertzigkeit willen zu bitten / sie wolten Jhro deß Landes Gefahr vnnd Vndergang vor Augen stellen / vnnd Jhro nicht anders einbilden / als wann alle Vnderthanen Hohes vnnd Niders Standts Personen zu Jhren Füssen erbärmblichenligen / vnnd gantz flehenlich vmb Hülff vnnd Trost bitte / damit nicht allein kein Volck auß Hungarn vnnd anderen Orthen in dieses Landt gebracht / son [136] dern auch das allbereit darinn ligende abgeführet / vnnd deß Vatterlandts Verhergung / so sie in Praejuditz deß negsten Erb-Herren Ertz-Hertzogen Alberti nicht zulassen könten / verhütet / vnd also dieses Ertz-Hertzogsthumbs vnnd dessen Stände / die dergleichen nicht verschuldet / verschonet würde. Hiermit geschehe GOtt ein sonderliches Gefallen / auch gereichte solches Jhrer Mayest. vnnd dem Hauß Oesterreich zu vnsterblichem Lob vnd Ruhm. Hingegen aber in Verbleibung dessen so alles in solcher Verwirrung / Noth / vnnd Gefahr verbliebe / müsten sie solches dem Allerhöchsten befehlen / vnnd sich gleichsamb nach dem der Wind blasen möchte / richten. (Bedencken deß Herrn von Tschernembel die Böhmische Vnruhe zu componirn.) Diese Bitt- vnd Ermahnungs-Schrifft richtete so viel auß / als andere vorhero auch gethan hatten. So schickte auch der Herr võ Tschernembel Jhrer Königlichen Mayest. auff dero gnädigstes Begehren / ein wohlfundirtes räthliches Bedencken zu / in welchem er Jhrer Mayest. zu Anrichtung guten Friedens vnnd Wolstandts ein leichten geringen doch aber hochnützlichen Weg trewhertzig gewiesen / so aber doch auch auß Verhinderung vnrühiger Kriegssüchtiger Köpff ohne Frucht abgangen; Vnnd hat solche Schrifft / so den zwölfften Maii von Lintz auß datirt / also gelautet; Durchläuchtigster Großmächtigster König / &c. Auff E. Königl. Mayest. gnädigste Erforderung vn̅ meiner gehorsamen Vertröstung nach / hab ich noch heut 8. Tag zu E. M. mich verfügen follen: So haben mich die damals vnversehene Zeitung / von der Vngarn Anzug in Oesterreich / dardurch alle Weg zu Wasser vnd Land vnsicher gemacht / zurück auffgehalten. Weil es dann nochmalen kein Ansehen zur Sicherheit hat / sintemal von allen Orthen mehr frembd Volck denen Landen zunahet / da dann männiglich auff seine vnnd deß Vatterlandes Rettung zugedencken / vnnd nothwendige Vorsehung zuthun hat: Als hab ich für eine sonderliche Nothturfft geachtet / bey E. Königl. Mayest. meines Außbleibens halber dißmals mich gehorsamblich zuentschuldigen vnnd zubitten / solches bey so erheblichen Vrsachen in Vngnaden nicht zuvermercken. Damit aber gleichwohl an meiner gehorsamen Devotion gegen E. Mayest. vnd dero hochl. Hauß Oesterreich / bey jetzigem weit außsehenden gefährlichen Vnwesen nichts erwinde / wil ich deßwegen mein einfaltige Meynung in Vnderthänigkeit schrifft- vnnd fürtzlich melden. Wollen nun E. Mayest. auß diesem Vnheyl zu dero glückseligen Regierung bald vnnd leicht kommen / so bitte ich gehorsamblich / E. Kön. Mayest. machen sich der jenigen errorum, so bey Jhrer Kay. May. L. G. fürgangen / vnnd noch mehr Vnheils an sich zogen / nit theilhafftig. Erstlich / daß Jhre Kay. Mayest. nicht bald im Anfang deß Böhmischen Auffstandts / ehe sie das wenigste vor die Handt genommen / Außschuß auß allen denen Landen / zu Berathschlagung dieser Sachen / erfordert / dardurch man der Außländischen vnnd anderer hierzu nicht gehörigen vndienlichen Räthe vberhebt / wann man in denen terminis E. Mayest. löblichen Vor-Eltern Weiß vnd Form zu regieren / die Lande bey jhrem Gebrauch vnd Herkommen verblieben / vnnd allo das schwere Mißtrawen verhütet worden / es were alles zu bälderer vnnd beständiger Ruhe / ohn einige Interposition der Chur vnd Fürsten vnd zu solchem Blutvergiessen / Verderbung vnd Zerrüttlichkeit in allen Landen nit kommen / vnd Jhr. May. Hochheit Beschwer bald wider einzubringen vnd durch die Lande selbst stattlich hinauß zuführen gewesen. Der ander Error daß Jh. May. dero Vnderthanen zu jhrer Versicherung wider die jenigen / denen sie nicht trawen können / in die Hand genommene Sicherung vnnd arma defensiva stracks durch heimbliche vnnd offentliche Werbung / vnnd offensive Armirung niderlegen vnd demmen wollen / da doch Jhre Mayest. viel einen leichtern Weg vnnd Mittel durch die Lande finden mögen / daß die Böhmen ohn Jhrer Mayest. Armirung mit grosser Authorität hetten für sich selbs die Waffen einlegen müssen. Drittens daß Jh. Mayest. vnnd dero Hochlöblichen Hauß Oesterreich Reputation jederzeit mehr im Anfang / als hernach in medio oder vielmehr im Außgang vnnd eventu vornemblich gesucht wirdt. Dahero gemeiniglich alles so mit grosser Reputation angefangen / auff die letzt nicht ohne Schimpff fällt vnnd leer abgehet. Die Land haben Jhre Kayserl. Mayest. zeitlich auch trewlich gewarnet / weil es aber nicht verfangen wollen / so ist es endtl ch schwer zu remediren gewesen; Da aber nunmehr die Succession auff E. Königl. Mayestät gewachsen / haben dieselbe einen grossen Vortheil vnnd Gelegenheit der Sachen zuhelffen / wann sie nur der gemeldten Vberschung (ohn meine gehorsambste Maßgebung) sich nicht anmassen / oder Jhro dieselbe zueygnen / sondern dahin sehen / wie E. Mayest. förderlichen zu rühiger Regierung mit GOTTES Hülff gelangen / vnnd solche beständig auff dero Königliche Erben vnd Nachkommen / mit Liebnuß vnnd ohne Beschwer der Landen bringen / darinn die gantze Reputation E. Mayest. vnnd deß Hochlöblichen Hauses Oesterreich bestehet. Vnnd hergegen solte etwann durch Verhencknuß GOTTES diese Cron auß Desperation sich vmb einen andern Herren annehmen / ist leichtlich zuerachten / daß es vmb deß Hochlöblichen Hauses Oesterreich Hochheit würde geschehen seyn / wegen der Consequentz / so der Verlust dieser Cron nach sich ziehet: Darumb rathe E. Mayest. ich vnderthänigst / weil E. Mayest. in der Cron Böhmen legitimus successor vnnd gecrönter König seyn / die lassen die Administration der zwey Oesterreichischen Landen vnder vnd ob der Enß / die der Zeit E. Königl. Mayest. nicht gehören / dißmals an seinem Orth / vnd [137] jeders in seiner Landtschafft handeln / wie herkommen / löblich vnnd den Landts Fürsten selbst nützlich ist / vnnd warten einig vnnd allein der Böhmischen / weitaußsehenden vnnd hochwichtigen Sachen ab / biß solche zur Richtigkeit vnd beständigen Frieden / durch Göttliche Hülff gebracht / vor welcher doch die vmbligende Lande nicht sicher seyn / auch allen Vmbständen nach / es erfolge gleich Cession oder nicht / nicht huldigen / noch in andere Weg vnnd Gewalt / ohne schwere Conditionen vnnd Vorbehalt sich vertrawen köndten. Soll aber ein Hoffnung deß Böhmischen Friedens seyn / vnnd der Sachen ein Anfang gemacht werden / so ist das nägste / daß Ew. Königliche Mayest. als bald alle Werbungen inn vnd ausser deß Heiligen Römischen Reichs einstellen / zu Verhütung allgemeinen Auffstandes der Landen / alles Volck im Anzug auffhalten / vnnd zurück ziehen / das jenige Volck aber / so in Böhmen vnd Oesterreich mit grossem Schaden ligt / abdancken / abziehen / vnd sich daran nichts nit jrren lassen. Beschichts / so werden die Böhmen / weil alles nun mehr in gute Sicherheit gestellet / auch jhrem Volck abdancken / vnnd die Gelegenheit zu einem beständigen heilsamen Frieden selbst zeigen / damit E. Kön. M. zu glückseliger Regierung jhrer Cron vnnd deroselben einverleibten Landen schleunig vnnd bald gelangen. Geschicht es aber nicht / oder werden etwa E. Kön. May. mit den Sachen saumen vnnd langsamb vmbgehen / so bringt jeder Tag etwas neuwes / vnd macht den Frieden desto schwerer: Die Lande / ja das gantze Reich wird auffstehen / vnd ich trag die Beysorg / daß nicht ein General-Werck darauß entstehen möchte / mit grosser Confusion / Blutvergiessen vnd höchster Gefahr der gantzen werthen Christenheit / welche deß höchsten Monarchae Reputation an jenem Tag nicht wird erstaten können. Neben diesem wollen E. Mayest. kein Bedencken tragen / als bald auß Vngarn vnnd andern Landen Außschuß gnädigst zuerfordern / vnnd durch Schreiben die Vrsach anzudeuten / daß E. Kön. Mayest. zu Behauptung deß Friedens / von denen mediis Sie mit jnen gnädigst sich bereden wolten / doch sollen sie in einer vnd der andern Religion Verwandte schiedliche vnd taugliche Leut / deren Gott sey Danck in allen Landen kein Mangel ist / abordnen. Wann dieser Anfang gemacht / vnd nur darinn kein Zeit versaumet wirdt / hoffe ich zu Gott dem Allmächtigen / er werde alles zu einem gewünschten Ende / Ewer Mayest. vnnd dero hochlöblichen Hauß Oesterreich zu Erhaltung vnd Fortwachsung / forderst aber zu Beförderung seines Heiligen Namens Ehre gedeyen lassen. Dahero ich der Zeit von andern requisitis cõstituendis nicht melde / biß ich gehorsambst verstehe / was E. Königl. Mayest. als ein weiser hoher Potentat von diesen Praeparatoriis halten / E. Kön. Mayest. vnderthänigst vergewissend / daß dieses gantze Landt anderst nichts / als ein beständigen Frieden neben E. Königl. Mayest. bevorab vnsers gnädigsten Herrn Ertzhertzogen Alberti langwüriger Gesundtheit / Hochheit / neben meines Vatterlandts Wolfahrt / hertzlichen wüntschet / ich aber bitt vnderthänigst / da dieses mein gehorsambs vermeldten / vielleicht E. Kön. May. nicht nach dero Gefallen / mir etwas in Vngnaden vnd Fürstlichen Praesumption nichts zuvermercken / weil ich auß lauter schuldiger Pflicht geschrieben. (Oesterreiisch Evangelische Stände schicken z??? Graffen võ Thurn / vnd was jr Anbringen.) Demnach die Confoederation zwischen Mähren vnnd Böhmen richtig / brach Graff Henrich Matthes von Thurn mit seinem Kriegs-Volck, auff / zoge in Nider Oesterreich / vnnd bemächtigte sich alsbald etlicher Ort. Als nun die Stände hierdurch / weil sie bißhero lang mit selbigen Catholischen tractiret / aber zu keinem Vergleich kommen mögen / sich mit den Böhmen zuvereinigen gute Gelegenheit bekommen / haben sie solche nicht auß den Händen lassen wollen / sondern jhre Abgesandte / doch mit Vorwissen Königs Ferdinandi / zum Graffen von Thurn geschicket / mit Instruction; Erstlich zufragen warumb er mit so starcker Kriegs-Macht in diß vnschuldige Land gerücket / vnd auff jhre Güter das Kriegs-Volck quartirt / da sie doch wider Böhmen nichts gehandelt / begehrten derhalben / er solt dasselbe wider abführen. Zum andern / sie hetten zwar Schreiben von den Böhmischen Ständen empfangen / aber daß sie dieselbe nicht beantwortet / were Vrsach / daß die Catholische Nider Oesterreichische Ständ jhr Categorische Antwort auff der Evangelischen Begehren von einer Zeit zu der andern verschoben / vnderdeß stets verhofft worden / sie würden sich dermahl eins erklären: Nach dem aber kein Categorische Antwort mehr zuhoffen / so were jhnen IV. die begehrte Confoederation gar nicht zu wider / sonderlich weil Kayser Matthias Anno 1614. zu Budweiß den Ständen selbst ein Decret vbergeben / daß sie auff den Anno 1615. zu Prag angestelten General Landtag jhre Außschüß schicken / vnnd solcher Confoederation wegen mit einander vergleichen sollen: Auff welches sie / Stände / jetzundt jren Gesandten Macht geben / gedachte Confoederation würcklich zuschliessen / doch daß dieselbe nicht wider das Hauß Oesterreich / noch wider die Catholischen Stände vnd derselben Religion sey. Dieses Anbringen haben fünff auß dem Herren Stand / fünff auß dem Ritter- vnd fünff auß dem Bürgerstandt mit beyderseits gutem Vergnügen verrichtet. (Nider Oesterreichische Catholische St. schicken Gesandte zum Graffen võ Thurn vnd was deren Anbringë.) Hierauff kamen in das Läger zum Graffen von Thurn auch der Nider Oesterreichischen Catholischen Stände Abgesandten / deren Anbringen thete der Graff võ Bucheim dergestalt; Erstlich / die Catholischen Stände hetten niemaln wider jhne / Graffen / noch die Böhmischen Stände etwas vorgenommen / oder zuthun gesinnet gewesen / sondern jederzeit den Frieden trewlich gerathen. II. Bethen die Stände / Er / Graff / wolte das Volck von Zwethl vnnd Laba / (welche Orth dazumahl belägert waren) abführen. [138] III. Die begehrte Confoederation betreffende / weren sie mit den Evangelischen Ständen allerdings nicht verglichen / fählete aber nur noch an einem Puncten / der ehist solte erörtert werden / dahero solte er jhrer verschonen / vnd sie es nit entgelten lassen. (Graffen võ Thurn hier auff erfolgte Antwort.) Hierauff antwortete gedachter Graff / was die Böhmen bißhero gethan / darzu weren sie gezwungen worden / er wolte auch noch nicht gern ohne Vrsach wider jemandt etwas vornehmen / allein wann er jrgendt geworben Volck wiste vnnd finde / so ziehe er demselben nach. Sonsten were er allein zu Erhaltung Fried vnd Einigkeit / auch den betrangten zu Hülff zukommen in diß Landt gerucket. Seinen Feinden setzte er nach / vnd solten sie gar zu Jerusalem seyn. Zwischen den Catholischen vnnd Evangelischen müste eine Gleichheit seyn; Die Catholische müsten nicht mehr seyn / dann die Evangelische / die Catholische seyen so gut / als die Evangelische / vnnd die Evangelischen hinwiederumb so gut / Ehrlich vnnd redtlich / als die Catholische. Dann ob wohl die Catholischen ein Zeitlang hero wie das Oehl ob dem Wasser obgeschwommen / vnnd hergegen die Evangelische vndergedrucker / verachtet vnnd verfolget / so were es doch nicht recht gewesen / vnnd köndte man solches nicht lenger leyden. Derhalben müste ohne Vnderscheid der Religion ein Gleichheit gehalten werden / was ein Theyl hette / das müste dem andern auch gelten / damit also ein beständiger Frieden vnd Vereinigung gemacht / vnnd künfftig ein Landts-Fürst mit mehrerer Reputation regieren köndte / vnnd nicht durch etwa einen vnrühigen Kopff Verwirrung vnnd Vnheil in dem Landt angerichtet werde. Er herte sich einmahl GOTT ergeben vnnd befohlen / wolte auch denselben GOTT von Hertzen bitten / daß er sein Christliches / rechtmässiges vnd billiches Vorhaben befürdern / sein Lob erhalten / seine Arm stärcken / ein Mannliches Hertz vnnd Ritterlichen Muth verleyhen wolle. Er were nicht bedacht gegen einigen Orth etwas fürzunehmen / wann nicht Kriegs-Volck darinnen seye / vnnd man nicht Vrsach darzu gebe. Dann wo er kein Besatzung finde / oder man sich jhme nit widersetzen thue / da solte niemandt kein Haar gekrümmet werden. Mit diesem Bescheidt wurden der Catholischen Stände Abgesandten wider abgefertiget. (Relation der Nider Oesterreichischen Evang. St. an König Ferdinand. was sie beym Graven von Thurn verrichtet.) Die Evangelische Stände haben darauff wegen dessen / was sie bey dem Graffen von Thurn verrichtet / an König Ferdinandum nachfolgenden Bericht gethan; Es hetten jhre Gesandte in jhrer Relation sie berichtet / daß der Graff von Thurn selbige gleichsamb mit grosser Verwunderung angehöret / vnnd mit Alteration vnnd Betrübnuß vermeldet hette / die jhm vorgehaltene vnnd in der Instruction einkommene Frag / durch was Mittel die gütliche Composition vnd gütliche Accommodirung ins Werck zusetzen / frembd vorkommen / wisse auch nicht waser für ein Mittel vorschlagen köndte oder solte / in Betrachtung den Ständen in Böheimb ein solches Volck in das Landt geführet worden sey / welches mit Raub / Mord / Brand vnd andern Vnthaten so schröcklich grassirt / daß es auch dem Erbfeindt Christlichen Nahmens mehrers zuthun / oder grössers Frevels sich zugebrauchen vnmüglich / in dem sie deß Kindts in Mutterleib gantz nicht verschonet / etliche Weibs-Personen / auch deren Männer sie theyls nidergehawet / theyls an Händen vnnd Füssen binden lassen / vnnd diesem Spectacul zuzusehen gezwungen / geschändet / die Jungfrawen nothgezüchtiget / vnnd weder Wittiben / ja auch der Kindtbetterin darunder nicht verschonet: Zu dem hetten die Böhmen erfahren müssen / daß man noch mehr Außländisch Volck / bey welchë nichts bessers zuhoffen / erwarte / also daß sie nicht gedencken / oder jhnen einbilden köndten / wie ein Christliches Hertz in solche Gedancken gerathen solte / seine Mit- vnnd neben Christen so Vnerbärmlich / Vnchristlich vnnd Tyrannischer Weiß zuverfolgen / daß auch die von Natur den Menschen eingepflantzte Affection / die ein Creatur GOTTES gegen der andern hette / ja die Natur selbsten einen Abschew darüber habe vnnd billich haben solte / bevorab weil bey solchen kein Ansehen ein oder der andern Religion / ein oder andern Standts / ja auch der Gottes-Häuser selbsten nicht gehalten / sondern von jhnen alles geplündert / verheeret vnnd verderbet würde. Für das ander so hette man Nachrichtung / daß man sich auff alle Mittel vnnd Wege bemühete / das Werck der Confoederation / wie vormals / also auch jetzo zuverhindern / mit dem Anhang / da dieses nicht also solte remediret / das Vngarisch vnnd ander Volck abgeführet / keines mehr herbey gebracht / sondern das Außländische / an denen Orthen da es were gelassen / vnd die Confoederation befürdert werden / daß sie mit gleicher Müntz / wie gern sie es auch vnderliessen / bezahlen vnnd diesem Ding begegnen müßten / deßwegen auch begehrt / daß man sich hierüber also bald resolviren wolle / wo nicht so würden sie selbst gedrungen / eine Resolution vorzunehmen. So dann Jhre Mayest hierauß zuersehen / daß nicht allein das schöne Königreich Böheimb / sondern auch alle incorporirte Länder dardurch in Grund verheeret würden / die Böhmen auch / wie sie anders nicht verspüren köndten / jhr gantze Intention dahin gerichtet / wie diese Länder sämptlichen bey dem Hauß Oesterreich richtig verbleiben vnnd erhalten werden möchten. So bitten sie Jhre Königl. Mayest. Dieselbe wolte gnädigst in acht nehmen / erstlich Jhre selbst eigene Königliche Person / dann aber Jhrer Fürstl. Durchl. Ertz-Hertzogs Alberti / Jhres angehenden gnädigsten Herrn vnnd Landts Fürsten / wie nicht weniger deß gantzen Hauses Oesterreich [139] Hochheit vnnd Reputation / ingleichem auch der Catholischen / so hin vnnd wider in dem Ertz Herzogthumb wohneten / wie auch der Ständ in genere Catholisch vnnd Evangelisch / so diese Ruin nicht verschuldet / bey diesem Krieg nicht interessiret / noch Vrsach darzu gegeben hetten / alles bey sich zubehertzigen vnnd vmb der Barmhertzigkeit GOTTES willen / das Christen Blutbad / so vor dem Thron Christi / vnser aller Erlösers vnd Seligmachers am Jüngsten Gericht (da aller Hertzen Anschläg vnnd Gedancken offenbahr gemacht werden müsten) schwerlich zuverantworten / auff alle Wege / so jmmer müglichen / zuverhüten / vnd diese obangedeutete Mittel vorzunchmen / jhr gnädigst belieben zulassen. Dann da solches nicht geschehe / würde anders nicht als die endtliche Ruin der Länder zugewarten seyn / sie aber müsten zu Versicherung jhrer selbst eigenen Personen / wie auch zu Rettung jhrer Weib vnnd Kinder / auch Vnderthanen Leib vnnd Leben / ein verantwortliche nothwendige Defension (darüber sie gehorsambst vnnd solennissimè vor Jhrer Mayest. dem gantzen Hauß Oesterreich / ja vor GOTT vnnd aller Well protetierten) vornehmen / vnnd weil dieses Orths summum in mora periculum were / der Graff von Thurn auch auff eine Categorische Antwort tringe / als bitten sie gehorsambst / Jhre Mayestät wolte sich hierüber alsbald eigentlich erklären. (Graff von Thurn nimpt Laba ein.) Vnder dessen hat der Graff von Thurn der Statt Laba / (so erwann sieben Meylen von Wien abgelegen) weil dieselbe eine Königische Gvarnison eingenommen / mit solchem Ernst zugesetzet / daß sie sich endtlich ergeben / die darin ligende Soldaten / so etlich Hundert starck / vnd sich zwar tapffer gewehret / abgeführet / vnnd eine Besatzung von dem Böhmischen Volck darein / so lang biß die Nider Oesterreichischen Stände selber zu jhrer Defension etwas Volck geworben vnnd dieselbe besetzet / geleget worden. (Graff von Thurn belägert Wien.) Hierauff ist Graff Henrich Matthes von Thurn mit seinem Läger vnd beyhabenden Kriegesbereitschafften / in Meynung / die rechte Braut darumb der Tantz seyn solte zufinden / auffgebrochen / vnnd sich stracks auff die Statt Wien zuwendet. Als er nun den 2. Junii vor der Brücken bey den daselbst gemachten starcken Schantzen angelanget / ist er auß dem Weg / gegen den lincken Handt gegen dem Thonaw Strom abgeschlagë / vnnd eylendts einen Theil seines Kriegs Volcks / so sich darzu gar tapffer vnnd willig erzeigt / die Vberfahr bey dem Stättlein Fischet / so nahe an Wien gelegen / sampt den Schiffen vnnd Flötzen so jhme zu seinem Vorhaben gar wohl zu statten kamen / vnnd gute Beförderung gethan / einnehmen lassen / daselbs dann jnner drey Tagen all sein vnderhabendes Volck zu Roß vnnd Fuß sampt der Artillerey neben der Munition vnnd andern darzu gehörigen Bereitschafften vbergesetzet worden. Hierzwischen wurden in fünff Hundert newgeworbene Hungarn / so dem Gxaffen von Bucquoy zuziehen wolten / vnnd vnderwegens viel Schaden gethan vnd grossen Mutwillen vervbet hatten / von einer Compagny Böhmischer Reuter vnder dem Obristen Ladislao / angriffen vnnd nach einem harten Scharmützel zertrennet vnnd jhrer ein gute Anzahl erlegt. Den 6. Junii nahm der Graff von Thurn die Vorstat an Wien ein / dadurch alles in der Statt in grosse Forcht vnd Kleinmütigkeit geriethe / wie gemeiniglich bey dergleichen Feindtlichen Belägerungen zugeschehen pflegt / vn̅ wurden alsobald deßwegen auff Befehl J. M. Königs Ferdinandi die Thor gesperret / vnnd nur der rothe Thurn auffgemacht / damit man allerley Nothturfft vnd die armen Leuth / so noch etwas draussen zuholen vnnd in die Statt Flehen gehabt / hinein bringen köndte. Den 8. Junii haben die in Wien anwesende Stände / auff J. M. Kön. Ferdinandi Begehren so der new ankom̅enden Böhm. Gästgern wider loß gewesen were / jhre Gesanden abermal hinauß geschicket / vnd den Graffen von Thurn befragen lassen / warum̅ er mit einer solchë grossen Kriegs-Macht der Orthen ankommen / vnnd der Statt der gestalt Feindtlich zuzusetzen sich vnderfienge / da doch jhm vnd der Cron Böhmen von jhnen vnd der Statt Wien kein Leid geschehen / mit vermelden / wann gleich ein Mißhelligkeit vorhandë / solche doch wol durch billiche Mittel zu einer Vergleichung gebracht werden möchte. Hierauff hat jhnen der Graff gleiches Inhalts / wie bey der vorigen Absendung geschehen / geantwortet / nemblich: Es nehme jhn solcher Reden nicht wenig Wunder / in Bedenckung / den löblichen Ständen in Böhmen ein solches Volck (die Vngarn) ins Land geführet / vnd der Paß verstattet worden seye / welches mit Raub / Brand / Mord vnnd andern Vnthatë / so schrecklich gehauset / daß es auch den Erbfeindt Christliches Namens mehrers zuthun / oder sich grössers Frevels vnd Gewalts zugebrauchen vnmüglich / in dem sie so gar deß Kindes in Mutterleib nicht verschonet / die Ehelichen Weibs Personen auch (deren Männer sie theils nidergehawen / theils an Händen vnd Füssen binden lassen / vnd diesem Spectacul zuzusehen genötiget)vnd die Jungfrawen geschendet / ja auch der Kindtbetterin hierin nicht verschonet / wie dann dergleichen zu Benischaw vorgangen. Zu dem hetten die Böhmen erfahren müssen / daß man noch mehrers außländisch Kriegs-Volck / bey denen nichts bessers zuhoffen / erwarte / also sie nicht gedencken oder jhnen einbilden können / wie ein Christliches Hertz in solche Gedancken fallen vn̅ gerathen solte / seinen mit vnd neben Christen / so vnerbärmlich vnd vnchristlich tyrannischer Weiß zuverfolgen / dermassen vnnd der gestalt / daß auch die von Natur allen Menschen eingepflantzte Affection / die ein Creatur Gottes gegë dem andern hette / ja die Natur selbsten ein Abschew vnnd Entsetzung darüber habe / bevorab weil bey solchem kein Ansehen einer oder ander Religion / [140] ja auch der Gottes Häuser selbsten nit gehalten, sondern von jhnen alles geplündert vnd verderbet werde. Darnach habe man auch Nachrichtung / daß man sich auff alle Mittel vnnd Wege bemühe / das Werck der heylsamen Confoederation / wie vormahls / also auch jetzo zuverhindern / mit dem Anhang / daß das Vngarisch vnd ander Volck abgeführet / keines mehr herein gebracht; sondern das Außländisch Volck an denen Orthen / da es sey gelassen / oder sie jhnen mit gleicher Müntz / wie vngerne sie auch wolten / auß trungenlicher Noth / begegnen müsten. Deßwegen solte man sich hierüber alsobaldt resolviren / wo nicht / würde er getrungen werden / selbsten eine Resolution zunehmen. (Der Nider Oesterreich. Euangel. Stände Erleuteru̅g Kön. Ferdinando / wegen jhrer vorhabendë Defension vbergeben.) Inmittels sind die Evangelische Nider Oesterreichische zu Wien anwesende Stände / nach dem sie zu der Vereinigung mit den Böhmen eingewilliget / darmit vmbgangen / wie sie ein Defension Werck anrichten möchten. Darüber dann / wie auch anderer Puncten halben zwischen jhnen vnnd König Ferdinando vnderschiedtliche Schrifften gewächselt worden / Worauff endtlich gedachte Ständ den eylfften Junii Jhrer Mayest. eine Erläuterung die angeregte Defension vnd anders betreffendt / vberreichet / dieses Innhalts; Was Jhre Mayest. jhnen Schrifftlich vnnd hernach Mündtlich / durch Hans Vlrichen von Eggenberg vorhalten lassen / hetten sie vmbständlich gehorsambst vernommen / wollen auch darauff die gnädigst begehrte Erleuterung kürtzlich gehorsambst entdecken. Anlangendt daß Jhre Mayest. erstlich meldeten / sie hetten gnädigst begehrt / daß entweder die gesambten Oesterreichischen Landt Stände / oder so sie gesampt nicht zusammen kommen / beyder Religions Ständ absonderliche Gutachten / vber die wichtige Sach / so dieses Ertzhertzogthumb Oesterreich mercklichen angienge / förderlich geben wolten / so hette doch solches von jhnen der Augspurgischen Confession zugethanen Ständen / auff öffters ersuchen / nicht erfolgen wollen. Da berichteten sie Jhre Mayest. gehorsambst / daß wie sie stracks Anfangs / als dieser Böhmische Krieg / wider der Stände Freyheiten / ohn dero Rath / Wissen vnd Willen vorgenommen worden / vnd sie bey sich erwogen / was vor Vnheil darauß wann er continuirt werden solte / entstehen vnd so wol diesen / als andern benachbarten Landen zuwachsen möchte / vnd was Gestalt die in GOTT ruhende Kayserl. Mayest. durch so gefährlichen Krieg / darunder beyderseits Christenblut vnnd vieler Vnschuldigen zum Schaden vnnd eussersten Verderben versierte / der auch ohne merckliche grosse Geltmittel / so aber wegen ermangsenden Reichs vnnd Crayß-Hülffen / vnnd zuvor grossen Schulden Lasts / gesperreten Cammer-Gütern / außgesaugten Vnderthanen / vnd verderbten Länder nicht geführet werden köndte / mehr Schaden als Nutzen darbey zugewarten gehabt hetten / allerhöchst gedachter Kay. Mayest. Jhr trewhertziges Gutachten / so einig vnd allein zu ehister friedtlicher Accommodirung gerichtet gewesen / zwar zwischen den Catholischen Ständen vnnd jhnen eingefallenen Differentz / vnnd jhr der Catholischen vber der Evangelischen billiches Begehren / von Zeit zu Zeit auffgezogenen Categorischen Antwort / absonderlich vbergeben / zum öfftern sich gnädigster Effectuirung / aber vergeblich vnd ohne erfolgte Wircku̅g gebethen hetten / auch wie es jetzo leyder der Augëschein mit sich bringe / damahls besser dann jetzo / dadie Länder confoederirt / zuvor aber Neutral gewesen weren / geschehen können: Also hellen sie nach Ableiben Jhrer Kayserl. Mayest. gar nit vnderlassen / solche jhre gegebene Gutachten gegen Jhrer Königl. Mayest. gehorsambst zu widerholen / auch in jhrem Anbringen / einem höchstflehentlichen bitten / daß sie Jhro den darinn vorgeschlagenen Weg / gnädigst belieben zulassen / den Frieden dë Krieg / vn̅ die Güte der Schärpffen vorzuziehen geruhen wolten. Allermassen dann Jhre Mayest. auß jhren vbergebenen Schrifften gnädigst befinden würden / Sie könten auch / da sie gleich mitten vnd neben den Catholischen Ständen / so aber wegen der vorgangenen / durch selbiger mit der verzügigen Erklärung vnnd lang gebrauchte moram vervrsachte Separation nicht mehr seyn köndte / den Handel in Deliberation nehmen wolten / zu deß Vatterlandes Wolfahrt Conservirung / in dieser hochwichtigen Sachen / kein ander vnd besser Gutachten / als sie in vorigem gerathen / nemblich die Länder dahin zuvermahnen / daß sie förderlichst / so müglich / jhren Außschuß verordneten / welche auff einen angestelten General Convents Tag erscheinen / diß gantz wichtige Werck berathschlagen / vnnd welcher Gestalt zum Frieden zugelangen sey / gutächtlich eröffnen möchten / ersinnen / nochmals zum gehorsambsten bittende / Jhre Mayest. wolten solche so weit in Consideration ziehen / damit die gütige Hinlegung / zu deren sie Jhre Mayest. dero bekanten Sanfftmuth nach / gnädigst geneigt zu seyn / sie gehorsambst wisten / welche auch / wann sie auff gebührliche Weiß vnd Zeit vorgenomen würde / wie sie vernehmen / den Böhmen gar nicht zuentgegen / gehorsambst gerathener massen / ehist Fruchtbarlich erfolgete / die Königreich vnnd Länder wider erquicket vnnd in Wohlstandt gebracht werden möchten. Daß aber die Catholischen Stände mit jhrem Gutachten so lang zurück gehalten / vnnd noch keines vbergeben / das köndten sie nicht erdencken / da sie zu gütiger Accommodirung / so wohl als die Evangelische incliniret / warumb sie es vnterlassen / oder auß was Vrsachen sie daran verhindert worden wären. Es meldeten Jhre Königliche Mayest. vors ander / daß sie zu Werbung deß Vngarischen Kriegs-Volcks gleichsamb gezwungen worden / mit Vermeldung die Böhmen hetten alle gütliche Mittel außgeschlagen / vnd entgegen sich Vnfriedlich erzeigt: Da köndten sie es jhres Theils [141] nicht sehen / daß die Noth so groß gewesen / daß die Werbung eines so schädtlichen tyrannischen Volcks vorgenommen werden müssen / bevorab es ja in diesem Ertz- Hertzogthumb zwar mit Rauben / Morden vnnd andern abschewlichen Vnthaten vnnd Grewel an vielen Vndersassen vnnd Innwohnern deß Landts / darunder auch vornehmer Landts Mittglieder nicht verschonet / nicht anders / als wie der Feindt so schröcklich grassiret / gar nichts vnderlassen / aber wider das jhrem diesem jhrem Vatterlandt ligende Böhmische Volck nicht gebrauchet worden weren / vnd wolten sie zwar nicht widersprechen / daß die Böhmen auff Jhrer Mayest. jhnen zugeschicktes / vnnd vor diesem in Abschrifft communicirtes Schr???iben die gütige Mittel außgeschlagen / so gar auch Jhrer Mayest. Schreiben nicht angenommen hetten. Nun were jhnen zwar die Vrsach dessen nicht bewust / es hetten aber jhre Abgesandte vom Graffen von Thurn verstanden / daß es meistes die jhnen wider den von vorigen Kay. vnd Königl. wie auch von Kayser Matthia / dessen Schreiben anzunehmen sie sich nicht geweigert / observirten vorigen stylum, gebrauchte Intitulation vervrsacht hette / also daß sie der gehörten Meynung weren / wann das Werck recht angegriffen würde / es solte die lang gewüntschte Composition einen als den andern Weg nochmals erfolgen / zumaln der Graff gegen jhren Abgesandten expressè mit hoher Bethewrung bezeuget hette / daß der Böhmen scopus zu Conservirung deß Hauses Oesterreich vnd Widerbringung der Königreich vnd Länder Wolstand / dessen sich ein König vnd Landtsfürst zu seiner selbst eigenen Reputation vnd der Vnderthanen Trost zuerfrewen / gerichtet were. Daß aber drittens Jhre Mayest. vermeldeten / die durch das Vngarische Volck diesem Land zugefügte Schäden vnd Vberlast seye wider Jhr. Mayest. gnädigsten Willen / vnd offters widerholten Befelch geschehen / deßwegen sie auch nicht allein mit denen so Schaden gelitten / ein Vätterliches Mitleiden vn̅ an den Vbelthätern vngnädiges Mißfallen / sondern auch wider die selbe vnnd deren schuldige Häupter ernstliche scharpffe auch Lebens-Bestraffung vorzunehmen befohlen / vnd daß dergleichen weder im Königreich Böheimb / noch in einem andern Landt verstattet werden solte / ernstlich verbotten hette / da hielten sie Jhre Mayest. wie dieses Orths gehörete / wol für entschuldiget / hetten auch nie geweiffelt / daß Jhrer Mayest. leyd were / wann solche oder andere Schäden / oder Verderblichkeit diesem Ertzhertzogthumb in praejudicium jhres angehenden gnädigsten Erbherren vnnd Lands-Fürsten Ertzhertzogen Alberti / Ja zu Jhrer Mayest. als welcher nach Jhrer Durchleuchtigkeit Ius successionis immediatè zustehen thete / selbst eigenen künfftigen Nachtheil zugefüget würden / jhnen aber fiel dieses beschwerlich / daß theils jhrer Mitglieder (denen doch wissend / wie besagtes Volck in der Rebellion Ann. ein tausent sechs hundert fünff / eben vnder diesen Häuptern die jhnen vorgesetzt weren / im Land gehauset vnd tyrannisirt / etliche hundert Seelen gefangen in die Türckey geführt / in die ewige Dienstbarkeit verkaufft / vnnd in jhre Grewel zugeben nicht vnderlassen) zu Heraufführung desselben gerathen / vnnd sich zur Erhandtlung solches gebrauchen zulassen / keine Abschew getragen hetten. Was aber die anerbottene Bestraffung anlangete / stünde selbige zwar bey Jhrer Königl. Mayestät / were aber dem beleydigten Theyl darumb nicht darmit geholffen / wann einer oder der ander Vbelthäter am Leben gestrafft würde: So hette man auch nicht erfahren / daß man gegen die jenigen / so zu Prün vnnd anderswo / wie wissend gewesen / mit Morden / Plündern vnnd Rauben / so jämmerlich vnnd erbarmlich gehauset vnnd von jhnen noch stündtlich beschehe / mit Straff verfahren hette / sondern weren noch darzu gleich als wann sie es gar wol / dardurch sie in so vbelem Vorsatz gestärcket worden / getroffen hetten / Jhrer Mayest. vor der Burck fürgeführet worden / vnnd were zwar / wie gehöret / nicht vnbewust / daß Jhre Mayest. zu mehrmahlen ernstliche Befehl ergehen lassen / daß solche Vnthaten vnnd Verweissungen eingestellt / vnd gute Mannßzucht vnnd Kriegs-Disciplin vnder diesem vnnd anderm Kriegs-Volck erhalten würde / daß aber selbigem nicht nachgelebet woden / das bezeugeten der Vnderthanen vnnd deß gantzen Landes tägliche grosse Lamentationes, Weheklagen vnd fliessende Thränen / vnd bringe es der Augenschein deß ruinirten verhergt-vnnd verderbten Landes selbsten mit sich / hetten auch Jh. M. wol zuermessen / daß den Ständen / solche Beschwernussen / sonderlich weil auch die Soldaten an keinem Orth nichts bezahleten / außzustehen vnmüglich fallen thäte. Daß aber Jhre Mayest. gnädigst andeuteten / daß der Confoederation halber an J. Mayest. nie nichts weder von einem noch deß andern Königreichen oder Landtständen gebracht worden / wisten sie nicht / warumb es hette geschehen sollen / angesehen eben die Confoederation / so die benachbarte Lande mit dem Königreich Böheimb einzugehen entschlossen / schon vorlängst bey Kayser Matthia zu Budweiß Anno 1614. gesucht / von Jhrer Mayest. bewilliget / zu Capitulir-vnnd ins Wercksetzung selbiger Außschuß auß den La̅den Anno 1615. auff dem General Landtag zu Prag mit Vollmacht versehen zuschicken / begehet worden / dahero sie nicht new / vnd demnach widerumb anzubringen nicht nothwendig gewesen. Daß aber Jhrer Mayest. eingebildet werden möchte / dieselbe Confoederation were exspirirt vnnd erloschen / vnd würde ein newe gesucht / da finden sie nicht / wie solches statt haben könte / sintemahl der gesambten Länder Meynung gar nicht gewesen / von derselben / ob sie gleich damahls durch etliche Räthe vnnd andere Friedhässige hindertrieben vnnd verhindert worden / außzusetzen / sondern hetten die Intention / solche auff gelegenere Zeit auffzurichten / bey sich behalten: So hetten sie auch [142] in jhrer auff Jhrer Mayest. den 25. Martii den Ständen eingehändigte Proposition gethanen Antwort / Jhrer Mayest. anzudeuten nicht vnderlassen / daß vnder anderm so vor Leystung deß Homagii zuthun erfordert worden / auch diese Confoederation ins Werck gesetzet werden müste / hetten darneben außgeführt / auff was Conditiones sie gerichtet werden solte / daß sie nicht weder dem Lands Fürsten / noch dem Hauß Oesterreich / noch zu Vndertruckung der Catholischen Stände vnd jhrer Religion angesehen seye: Weren auch nochmals keines andern Sinnes / als bey vorstehender Tractation selbige auff bestimpte Zeit zu Prag / durch jhre dorthin Deputierte Abgesandte eben diese conditiones strictè in acht zunehmen: Dahero sie hoffeten / J. May. würden jhr vmb so viel desto weniger etwas widriges einbilden lassen. Die Abführung Jhrer Mayest. Kriegsvolck betreffend / vnnd daß Jhre Mayest. nicht sehen / wie solche / weil vom andern Theil / der gleichmässigen Abdanckung halber / niemahls ein einiges Gegenerbieten geschehen / Jhro allein könte auffgetragen werden / Jhro auch alle gütlliche Mittel wie jederzeit also noch sehr angenehm weren Da nun von den Ständen oder andern nur was zu Hinlegung dieser Zerrüttigkeit dienlich / vorgebracht würde / da hetten sie sich dessen zuerfrewen / sie hetten aber benebens nicht gesehen / daß denen nicht nur von jhnen / sondern auch von Churfürsten / Fürsten vnd Ständen deß Reichs / wie auch anderer Länder trewhertzig wohlmeynend / ohn Passion / auch ohne darbey Suchung einiges Interesse gegebene Gutachten / anderer weniger Privat-Consilien / die vielleicht darunder jhren eigenen Nutzen vnd Vortheil sucheten / theils sich offendirt befinden / vorgezogen worden weren / dann wie Jhrer Mayest. diß allein zu dem Ende vorgeschlagen worden weren: Also wolten sie da sie verspühret / daß es Jhrer Mayest. annehmblich were / verhoffentlich den andern Theyl darzu vemöcht / darneben Jhr. Mayest. Hochheit vnnd Reputation dermassen in acht genommen haben / daß J. M. damit zufrieden gewesen werë. Sie hetten auch fürs fünffte nie keinen Zweiffel getragen / daß Jhre Mayest. einige Vnderbrechung dero Königreich vnnd Länder Privilegien / sondern einig vnnd allein / daß Jhre Vnderthanen / bey dem / so jeglichem von Rechts / Gewonheit vnnd der Königreich vnd Länder Privilegien vnnd Freyheiten halber gebührete / rühig verbleiben möchten / entgegen alle Landverderbung / Krieg vnnd Blutvergiessen verhütet würde / suchten vnd begehrten: Doch wolten sie wünchen / daß von den Räthen vor diesem die Privilegia, Concessiones vnd Resolutiones auch also in acht genommen weren / so würde diß vor Augen schwebende Vnheil nicht erfolget seyn / hofften auch gäntzlich / wann Jhre Mayest. obbemelte Freyheiten bestätigten / daß sie es gäntzlich erhalten würden. Daß aber Jhr. Mayest. dahero nicht befinden / warumb sie zur Assecuration jhrer Personen / oder zu Rettung jhrer Weiber / Kinder vnnd Vnderthanen / Leib vnd Leben einige Defension vor die Handt zunehmen vervrsachet / da köndten sie Jhro nicht bergen / daß sie darzu nothtrünglich bewogen worden. Dann ob sie wohl selbst wißten / daß sie sich von Jhrer Mayest. weder in diesem noch anderm keiner Gefahr zubesorgen hetten / vnnd deßwegen keiner Defension bedörfftig weren: So würden aber Jhre Mayest. wann sie jhre wider die Vngarische vnnd andere im Landt ligende Soldatë eingereichte Beschwer-Schriften recht erwegen / gnädigst befinden / daß sie eben wider dieselbe / die jhnen vnnd jhren Vnderthanen so grossen Schaden zugefügt / geraubt / gemordt / geplündert / vnnd andere grewliche vnnd abschewliche Thaten getrieben / hin vnd wider im Landt Tyrannisch gehauset / auch da sie nur ein Geschrey vom Feind gespühret / die armen außgesaugten Leuth verlassen / vnnd mit dem Raub davon gezogen / sondern Jhrer Mayest. Befehl nicht gehorsamen wollen / vnd sich von jhnen fort vnnd fort / je länger sie im Landt gedultet würden / noch mehrers Landverderbens zubeförchten: So hetten sie ja anderst nicht thun können / dann sich wider solche / zu Rettung jhrer vnnd der jhrigen Leib / Leben / Ehr vnd Gut / eine Defension zuschliessen. Daß aber Jhre Mayest. meldeten / wann sie jhre Werbung einstelleten / daß sie das Vngarisch Volck nicht herauff führen lassen wolten / berichteten sie / daß solche nicht vmb die Vngarn allein / sondern auch wegen deß noch im Land ligenden / vnd noch mehr hineinziehenden Volcks / so ohn alle Ordnung vnnd Bezahlung den armen Leuten das jhrige nehmen vnnd verzehrten / nicht weniger deß Herrnlosen vnnd sich in dem Landt zusammenrottenden Gesindtleins / nothwendig für genommen werden müste / wolten anders die jenigen Mitglieder / so in jhren Häusern nicht allerdings verwahret / versichert seyn / so wisten sie also nicht / warumb eben jhnen ein so nothwendige verantwortliche Defension solte verwehret werden / da doch alle vmbligende Länder / da sie das Fewer angehen sehen / zeitlich geworben / vnnd auch da man noch verhofft / es solte die Vnruhe baldt gestillet werden / auch vor diesem also zuwerben jure naturae zugelassen gewesen / auch geworben hetten: Zu dem were offenbar / daß so wohl Geistliche als Weltliche Catholische / wie auch die Studenten / Privat-Personen vnnd Weltliche Kauffleuth / an jetzo im Landt zuwerben sich vnderfangen / da sie doch mit nothwendiger Defension sonsten gnugsamb versehen; solten nun die Evangel. Stände deterioris conditionis seyn / als sie / vnnd jhnen Ständen / welchen denen vber J. Kay. Mayest. Kriegs-Volck bestelten Obristen vnd Befelchshabern / so alle Catholisch vnd theils Außländer / zuvertrawen hochbedencklich fiel / die Defension verwehret werden wollen / wisten sie nit / wie sie solches verschuldet hetten. Betreffend sechstens daß Jhre May. zuwissen begehrte / ob solche jhre Defension / mit Jhrer M. [143] als welche sich dieser Zeit an statt jhres Vettern Ertzhertzogen Alberti jhres Landts- Fürsten zu Wien befinde / vorwisen vnnd Plenipotentz / deren sie sich gnädigst anerböthen / oder denen gesampten Ständen deß Ertzhertzogthumbs allein / oder aber nur von einem Theil derselben vorgenommen vnd ins Werck gesetzet werden solte. Da berichteten sie Jhre Mayest. was die Plenipotentz antreffe / daß sie jhr gehorsambst Bedencken in genere albereit angedeutet / aber vnderdessen were jhnen von Ertzhertzog Alberto einiges Schreiben / wie sonsten in dergleichen Fällen gebräuchlich / biß dato nicht zukommen: So würden sich Jhre Mayestät gnädigst erinnern / daß sie deroselben erst den achten Junii schrifft-vnnd mündtlich zuwissen gemacht / daß sie auff dem Landt die Defension vorzunehmen gesinnet: Wie aber negstmals protestirt / also protestirten sie nochmals / vnnd bezeugeten es mit jhren Adelichen Ehren / daß solche Defensionweder wider Jhre Mayest. noch Jhre Fürstl. Durchl. noch das Hauß Oesterreich / noch zu Vndertruckung der Catholischen / sondern einig vnd allein dahin gemeynt vnd angesehen / damit sie sich selbst / jhr Weib / Kinder vnnd Vnderthanen / wie auch jhr Ehr / Haab vnnd Güter / von denen im Land hin vnd wider ligenden vnnd durchreisenden / je mehr vnnd mehr ankommenden / grassirenden hochschädtlichen Kriegs-Volck / zulässiger Weiß retten / vnnd endtlichen Vndergang jhres Vatterlandts verhüten möchten. Weil dann Jhre May. vertröstet / wann sie die gehorsame Erklärung von jhnen hetten / so wolten sie jhre Sanfftmuth vnd Friedliebendes Gemüth sehen lassen / vnd der Liebe nach / so sie zu diesen Landen vnd dessen Ständen trügen / jhre Actiones anstellen vnd zu dirigiren wissen So bitten sie Jh. Kön. M. wolte sich zu keinem widrigen von andern bereden lassen / sondern der Länder trewhertziges Gutachten in accommodirung deß Böhmischen Vnwesens sich gebrauchen vnd die Actiones zu friedtlicher Composition gnädigst befördern. Vnd weil schließlichen bey jetzt vor der Statt ligendem Böhmischen Kriegs Volck nicht allein grosse Thewrung / sondern auch der Statt Wien merckliche vnnd höchstschädliche Vngelegenheit zubefahren / vnd die Vnsauberkeit / die bey den gesperrten Thorë sich samblete / ein grosse Infection vervrsachen möchte / so bäthen sie J. M. woltë auff Mittel bedacht seyn / wie solch Volck von dannen zubringen vnd zum Abzug zuvermögen sey. Vnder diesen Handlungen sind fast täglich Scharmützel vorgangen / von den Pasteyen in der Statt tapffer Fewer auff die Böhmische gegeben / vnnd damit viel hohe Häuser in der Vorstatt nidergeschossen vnd durchlöchert worden. Die Statt war zu Ankunfft deß Graffen von Thurn mit einer schlechten Besatzung versehen / darumb die Italianische Kauffleuth ein Cornet Reuter außstaffirten / die nechste Besatzungen vmb die Stat wurden auch hinein geholet / vnnd ein Regiment Studenten so sich freywillig darzu / ohne Sold / gebrauchen liessen außgerüstet / darüber der Graff von Altheimb zu einem Obristen verordnet wurde. Viel bemüheten sich wie sie die Sachen beylegen vnd eine Vergleichung mit dem Graffen von Thurn treffen möchten. Als aber also alles in höchster Vnruhe vnnd der Wiener Sachen sehr gefährlich vnd zweiffelhafftig stunden / wurde vnversehens der Graff von Thurn durch die Manßfeldische Niderlag / von deren wir hernach sagen wollen / von der Belägerung abgezogen / daß er vnverrichter Dingen sich wider nach Böhmen wenden muste. (Wien.) Es ist die Statt Wien die Hauptstatt in dem Ertzhertzogthu̅ Oesterreich. Ward vor d??? Geburt Christi von den Polen / Reussen vnnd Wenden erbawet vnnd bewohnet / nach denen die Boij / Senones vnnd andere gefolgt: Sie wirdt in Windischer Spraach Wydme genandt / vnnd bey den Türcken Betz / ist ein fast berühmbte Statt / an der Thonaw gelegen. Ist Anno Christi 464. von dem Heyligen Severino zum Christlichen Glauben gebracht / der auch Anno 466. ein Bistthumb alda auffgerichtet: Anno Christi 550. ist sie geschleiffet worden / vnd wüst gestanden biß auff das Jahr Christi 1150. da ward sie wider erbawet / war jederzeit der Römischen Kayser von dem Hauß Oesterreich beständige Wohnung. Ist wegen jhrer gewaltigen dicken Mawren / hohen vnd starcken Thürn / tieffen Wassergräben vnnd dicken Wall fast vnvberwindtlich / vnnd wird demnach billich für eine Festung vnd Auffenthalt der gantzen Christenheit wider den Türcken gehalten: Die Vorstätte sind weit vnd groß / die Bürgers Häuser auff das aller stattlichste erbawet / mit schönen Gemälden gezieret vnnd sehr hoch auffgeführet / alle Kirchen auß schönen Quaderstücken erbawet / vnnd mit gewaltigen Kunstreichen Seulen gezieret: Die Weinkeller in der gantzen Statt dermassen tieff vnnd groß / daß männiglich darfür helt / es sey diese Statt nicht weniger vnder die Erden hinnabwerts / als auch vber dieselbige vnnd in die Höhe gebauwet / die Gassen vnnd Strassen sind mit den aller härtesten Steinen gepflastert / also daß jhnen leichtlich kein Führ der schweren Last-Wägen schaden kan. Es hat ein treffliche hohe Schul alda / welche Anno 1239. Kayser Friederich gestifftet / die hat hernach Ertzhertzog Albertus im Jahr 1356. wider ernewert / auch sonsten viel an der Statt verbessert / selbiges aber ward durch die vnder den Studenten nachmahls entstandene Auffruhr samptlich wider vmbgekehret vnd verstöhret / Anno 1366. ward die Schul trefflich gemehret / durch Hertzog Rudolphum dem 4. Ertzhertzogë / zu welches Zeiten auch der herrliche Thurn vnd Schnecken am Münster auffgerichtet sind. Etliche melden / sie seye 2. Jahr eine Freystatt vnd vnder dem Reich gewesen / vnd Kay. Fridrich dë 2. vbergeben worden / seiner Trew vnd Dienste halbë / so er dem Römischen Reich erwiesen. Es haben auch die Kauffleut vnd Klämer vom Jahr 1200. sich nach
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vnd nach gen Wien verfüget / vnd angefangen zu handtieren / also daß es nunmehr darzu kommen / daß es für ein fast berühmbte Kauff-vnnd Handelsstatt weit vnnd breit / von Niderlag mancherley Güter gehalten wirbt. (Regiments Ordnung.) Es macht aber diese Statt am allermeisten berümbt die Türckische Belägerung / welche sie im Jahr 1529. mit sehr grosser Tapfferkeit vnnd Mannlicher Gegenwehr außgestanden / vnd der Türcken bey 80000. erleget. Es sind in der Statt täglich zwölff Magistratuz oder Räthe / die alle Sach verhören / vnd nach jhrem Rechten vnd Gesetzen schlichten / deren vier sind geistlich / als der erste deß Episcopi Officialis oder Bischoffs von Passaw / der ander deß Offcialis Episcopi oder Bischoffs zu Wien / der dritte deß Capituls der fürnembsten Kirchen / vnnd der vierdte der Rector der Vniversität. Die andere vier sind die Statt Räch / vnd dann die vier letstte ausserhalb der Statt / vnder welchen allen der jenige / so das Regiment genennet wird / vnnd bey welchem sich alle Inwohner deß Vnder Oesterreichs Rechtens münssen erholen / der fürnem̅ste ist: Den nechsten vnd fürnembsten nach diesem nennet man den Fiscum oder Cammer / vor welchem alle Rechnungen der Provintzen gelangen: Die vbrige sind diesen jetztgemelten vnderworffen / darff derowegen von denselbigen zu den beyden fürnembsten appelliren / als der Rath der Provintzen mit seinen Marschalcken / der Provintzen Ordinari oder verordnete / der Statt Rath mit seinem Bürgermeister / das Statt-Schultheissen Ampt / das Zollgericht / das Praetorium, der Kanffleuthe / so insonderheit der Handgraviat genennet wird. Es haben die Ertzhertzogen zu Oesterreich sehr grosse Freyheit / vnd ein ewig Lehen / dargegen kein Römischer Kayser / noch anderer Potentat / handeln darff / sind auch nit schuldig auff die Reichstäge zukommen / sie thun es dann gern. Was massen König Ferdinandt die Vollmacht / so er von Ertzhertzogen Alberto / wegen Vbernehmung deß Regiments in den Oesterreichischen Landen / empfangen / den Oesterreichischen Ständen vorgelegt / vnd darauff die Huldigung begehrt / vnd wie sich die Stände vnder der Enß darauff resolvirt / ist hiebevor gemeldet worden. (Oesterreich vndernehmen sich der Administration deß Landts.) Hierauff nun haben die Evangelische Stände deß Ertzhertzogthumbs Oesterreich zu solcher begehrten Huldigung / weil sie zu Königs Ferdinandi Regierung / wegen dessen so hiebevor in Steyermarck vorgangen / schlechten Lusten hatten / keines wegs verstehen wollen / auch sich deß Landes Administration vnd Regiments selbsten angemasset / mit vermelden / daß jhnen solches / Krafft alten Herkommens / so lang gebührete / biß sie einem künfftigen Herrn vnd Landts-Fürsten gehuldiget / vnnd jhnen von demselben jhre Privilegia bestättiget seyen. Als nun König Ferdinandt Ertzhertzog Albertum von diesen Dingen berichtet / ist selbiger damit (Ertzhertzogs Alberti Schreiben an die Oesterreich-Stände ob der Enß.) Vbel zufrieden gewesen / vnd den Ständen / nach dem er etliche Schrifften mit jhnen gewächselt / vnder dato den 5 Julii also zugeschrieben; Er were nicht allein von seinem Herrn Vettern König Ferdinando berichtet / sondern jhre selbst eygene Schreiben brächten es auch also mit/ [