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Beschreibung von Cod. Guelf. 1045 Helmst.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Aurelius Augustinus, De vita et moribus clericorum suorum sermones II. Alcuinus Flaccus, Varia opera.
Entstehungsort: Fulda
Entstehungszeit: 9. Jh., 3. Viertel
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 59 Bl.
Format: 19 × 14,5 cm.
Seitennummerierung: Moderne Tintenfoliierung
Lagenstruktur: III+1 (8). I+1 (11). 6 IV (58)!. Zählung Bl. 1-58, letztes Blatt leer und ungez.
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 15-16 × 10,5-11 cm, einspaltig, 28 Zeilen.
Hände: Karolingische Minuskel mit insularen Merkmalen von einer Hand.
Schrift: Kapitelüberschriften, in roter Unzialis, Capitalis Rustica oder karolingischer Minuskel. Satzmajuskeln in Unzialis oder Capitalis Rustica, rot hinterlegt.
Kapitelüberschriften, in roter Unzialis, Capitalis Rustica oder karolingischer Minuskel. Satzmajuskeln in Unzialis oder Capitalis Rustica, rot hinterlegt.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Zahlreiche kleine Initialen.
  • Initialen:

    Zu den Textanfängen zahlreiche Initialen in Federzeichnung, als rot kolorierte Hohlinitialen (2r, 26r) oder als Gesichtsinitialen (13v, 15r, 15v, 22r, 23r, 23v, 28r, 30r). Maße: 0,8-4,6. Die Federinitialen mit roten Punktrandungen und zum Teil dreieckig erweiterten Abschlüssen mit seitlich eingerollten Fäden (vgl. 41r). Die Binnenfelder gefüllt mit dornenförmigen Blütenstempeln (32v, 33r, 34r, 41r, 43v, 44v, 46r), zahlreichen geometrisch-blasenförmig anmutenden oder lanzettförmigen, mit Stegen befestigten Blattformen (vgl. 17v) und teils unförmig ausgeführtem Flechtband (31v, 32r, 38v). Die Stämme der Hohlinitialen gefüllt mit gliedernden Segmenten (2r) und einem Zickzackverlauf (26r). Im Besatz kleine, an Fäden hängende Herzblätter mit Augen (15r, 39r, 50v, 57v) und angefügte Vogelköpfe mit kurzen Schnäbeln und spiralartig eingerolltem Nackenschopf (18v, 26r, 33v).
  • Farben: Als Füllfarbe Minium. Details (Gesichtsstrukturen und Ornament) in Tintenfarbe.

Einband: Halbledereinband mit Kiebitzpapierüberzug aus der Werkstatt des Buchbinders Anton Friedrich Wirck in Helmstedt (zweite Hälfte 18. Jahrhundert).
Inhalt:
  • 2r-11v Aurelius Augustinus: De vita et moribus clericorum suorum sermones II. Davor Bl. 1 Titelangabe; 2r-6r Sermo I; 6r-11v Sermo II (PL 39, 1568-1581; Sancti Aurelii Augustini Sermones selecti duodeviginti, hrsg. von D. C. Lambot, Utrecht 1950 [Stromata patristica et mediaevalia 1], 123–143 [mit dieser Hs., Sigle γ]; CPL 284; Kurz 5/1, 255-257).
  • 12r-47r Alcuinus Flaccus: De fide sanctae et individuae trinitatis (PL 101, 11D-58C, 1409C-1410C; CC CM 249, 5-147 [Sigle Wo1]; MGH Epp. 4, 414-416; Monumenta Alcuiniana, hrsg. von P. Jaffé, E. Dümmler und W. Wattenbach, Berlin 1873 [Bibliotheca rerum Germanicarum 6], 671–674, Nr. 191).
  • 47r-50v Alcuinus Flaccus: De trinitate ad Fredegisum quaestiones XXVIII (PL 101, 57D-64A; MGH Epp. 4 447f, Nr. 289; CC CM 249, 149-162 [Sigle Wo1].
  • 50v-58v Alcuinus Flaccus: De animae ratione ad Eulaliam virginem (PL 101, 639A-650D; Monumenta Alcuiniana, hrsg. von P. Jaffé, E. Dümmler und W. Wattenbach, Berlin 1873 [Bibliotheca rerum Germanicarum 6], 780-787 Nr. 243; MGH Epp. 4, 473-478 Nr. 309).
Geschichte der Handschrift: Die vorliegende Handschrift wurde von B. Bischoff paläographisch nach Fulda gegeben und in das 3. Viertel des 9. Jahrhunderts datiert (Bischoff Katalog 3, Nr. 7343). Sämtliche Ausstattungsformen von Helmst. 1045 sind fester Bestandteil des karolingischen Fuldaer Skriptoriums. Bereits in Handschriften aus dem frühen 9. Jahrhundert finden sich die einfachen Füllmotive der Hohlbuchstaben auf 26r und 2r (Zickzack und Stege, vgl. Fulda, Anfang 9. Jahrhundert: Basel, UB, F III 15a, 2r und 14v - Weiner, 126, 127, Taf. 3, 1 und 4; Basel, UB, F III 15c, Bl. 1-11, hier 1r - Weiner, 127, Taf. 4, 1). Anschließende Fuldaer Handschriften aus dem 1. Drittel des 9. Jahrhunderts und aus der Zeit des Abbatiates unter Hrabanus Maurus (822-842) zeigen die Gesichtsinitiale (Paris, BnF, lat. 1771, 10r: Weiner, Taf. 11,2), Herzblätter (Oxford, Bodleian Library, Ms. Laud lat. 102; Weiner, Taf. 34), Tierköpfe mit spiralartiger Einrollung der Hals- oder Kopfkontur (Nackenschopf - München, BSB, Clm 8113, 85r; Weiner, Taf. 12), blasenförmige Blattformen (Frankfurt, UB, Ms. Barth. 32, 24r; Weiner, Taf. 31) und dornenförmigen Blütenstempeln (Kassel, UB, Ms. theol. lat. 25, 2v und 5r, vgl. Weiner, Taf. 5). Die Ornamentik des Fuldaer Skriptoriums reiht sich in das Formenspektrum der anderen deutsch-insularen Schulen, Würzburg und Mainz, ein, so dass die genannten Füll- und Besatzmotive auch in weiteren Handschriften aus dieser Region vorkommen (zu den Motiven und Handschriften, vgl. Weiner, 91-94 - Blätter und Blüten, 96-98 - Tierköpfe, 87 - blasenartige Füllungen, 78-79 - Köpfe). Bei den in Wolfenbüttel so häufig verwendeten Gesichtsinitialen handelt es sich um einen bereits in spätantiken Handschriften vorkommenden Initialtypus, welcher vorrangig in vor- und frühkarolinischen, kontinentalen Handschriften weiter tradiert und nur gelegentlich in insularen Handschriften verwendet wurde (München, BSB, Clm 6436, 3r, 21v, Nordafrika oder Spanien, Anfang 6. Jahrhundert; vgl. Bierbrauer Ill. Hss., 13, Kat.Nr. 2, Abb. 5-6). Insularen Ursprungs hingegen sind die dornenförmigen Blütenstempel, sowie die daraus resultiernden Blattformen und die Tierköpfe (vgl. Durham, Cathedral Library, A. II. 17, 14v, 73v, Northumbrien, um 700). Ein früher Verbleib der Wolfenbütteler Handschrift im Kloster Fulda gilt als nicht gesichert (Gugel, 59).
Provenienz der Handschrift: Von Matthias Flacius frühestens 1556 erworben (Hartmann, 101). I*v auf dem Fußsteg die Signatur № 173 der flacianischen Bibliothek. Von seiner Hand vermutlich die Lagenzählung (vgl. oben), Unterstreichungen mit Rötel auf 44v-45r und der Eintrag auf 47r ›Hęc epistola non est impressa‹. Einträge auf dem Kopfsteg von 2r Sermones Augustini de moribus clericorum und Alchuinus de Trinitate, in membrana von der Hand eines Mitarbeiters der Centuriatoren. 1597 wurde die Handschrift von Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel erworben und 1618 in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt. Dort 1644 im Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°) unter den Theologici in quarto fälschlich als Retractatio Auustini in libro de Trinitate, in membrana geführt. VS die Helmstedter Signatur T. 4° 150b. Das Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 51) verzeichnet sie unter Nr. 490.
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

CC CM Corpus Christianorum. Continuatio mediaevalis, Bd. 1–, Turnhout 1971–
CPL Clavis patrum Latinorum, hrsg. von E. Dekkers, Steenbrugge u.a. 31995 (Corpus Christianorum. Series Latina)
Hartmann M. Hartmann, Humanismus und Kirchenkritik. Matthias Flacius Illyricus als Erforscher des Mittelalters, Stuttgart 2001 (Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters 19)
Kurz 5/1 R. Kurz, Die handschriftliche Überlieferung der Werke des heiligen Augustinus, Bd. 5/1: Bundesrepublik Deutschland und Westberlin, Werkverzeichnis, Wien 1976 (Veröffentlichungen der Kommission zur Herausgabe des Corpus der lateinischen Kirchenväter 9 = Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte 306)
MGH Epp. 4 Epistolae Karolini aevi II, hrsg. von E. Dümmler, Berlin 1895 (MGH Epistolae 5)
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
Weiner A. Weiner, Die Initialornamentik der deutsch-insularen Schulen im Bereich von Fulda, Würzburg und Mainz (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg, Bd. 43), Würzburg 1992

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