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Beschreibung des Cod. Guelf. 12 Helmst.
Helmar Härtel, Bertram Lesser: Katalog der mittelalterlichen Helmstedter Handschriften. T. 1: Cod. Guelf. 1 bis 276 Helmst. Beschrieben von Helmar Härtel, Christian Heitzmann, Dieter Merzbacher, Bertram Lesser. Wiesbaden: Harrassowitz, 2012. S. 18-25.
Handschriftentitel: Johannes de Deo. Gregorius IX papa. Innocentius IV papa. Gregorius X papa. Nicolaus III papa
Entstehungsort: Italien und Frankreich
Entstehungszeit: 1270–1325
Beschreibstoff:
    Pergament
  • Aus fünf Teilen zusammengesetzt: I 1ra–4vb, II 5r–116v und 119r–242v, III 117r–118v, IV 243r–252v, V 253r–272v.
Umfang: 272 Bl.
Format: 41 × 24,5 cm.
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 1–272.
Lagenstruktur: II (4). 14 IV (116). I (118). 14 IV (230). VI (242). V (252). VI (264). IV (272).
Spätere Ergänzungen: Im gesamten Codex in marg., auf Kopf- und Fußsteg zahlreiche Nachträge mehrerer Hände, die bis ins 15. Jh. reichen.
Einband: Holzdeckel mit dunkelbraunem Lederüberzug, eingerissen, berieben, das obere Drittel des Rückenüberzuges fehlt. Streicheisenlinien. Einzelstempel Blüte, Vierblatt: EBDB s002005, EBDB s002036. Rosette: EBDB s006882. Schrift: EBDB s002521. Adler: EBDB s000049. Blume: EBDB s003676. Die Stempel werden der Werkstatt "Albert Schwab, Heidelberg" zugeschrieben (EBDB w000043). 4 Schließen (je eine am Ober- und Unterschnitt, zwei am Vorderschnitt) und je fünf Schonernägel auf den Deckeln entfernt. Buchblock beschnitten. Auf dem Vorderschnitt die Signatur D.
Zusatzmaterial:

Fragment: Pergament, jeweils 1 Bl. als VS und HS.

Format: 40,5 × 28 cm
, Schriftraum: 28 × 14 cm, zweispaltig, 40 Zeilen. Gothica textualis. 14. Jh., 1. Viertel. HS kopfständig eingeklebt. VSa Urbanus VI papa: Constitutio Significaverunt nobis. (Text setzt ein) … bus mandabatur eisdem quod de beneficio pertinente ad collationem ipsorum … — … abbatis et conventus preiudicium et gravamen. Quocirca discretioni vestre per apostolica scripta mandamus quatenus si vobis constiterit ita esse super eadem ecclesia imponatis silentium clerico sepedicto. Contradictores per censuram ecclesiasticam appellatione postposita compescendo quod si non omnis etc. Ungedruckt, dazu M. Bégou-Davia, Le Liber Sextus de Boniface VIII et les extravagantes des papes précédents, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Kanonistische Abteilung 90 (2004), 77–191, hier 93 Nr. 97, 98. VSb–HSb: Urbanus IV papa: Constitutio festi corporis Christi (1264). De reliquis et et veneratione sanctorum titulusTransiturus de mundo ad patrem … (Text bricht ab) … In hac itaque sacratissima [commemoratione] … — … (HD, Text setzt ein)[Huius memorialis con]tinuam debemus celebrare … (Text bricht ab) … tanti festi solemnitatem celebrantes. Et utinam [ … Datum apud Urbemveterem III idus Augusti, anno III°]. … Von einer Hand des späten 14. oder 15. Jh. glossiert.
Druck
  • Bullarium Romanum, Ausgabe Augustae Taurinorum, T. 3, 1858, 705–708;
  • Friedberg 2, 1174–1177 (als Clem. 3.16.un.).
Dazu
  • J. Guiraud, Les registres d'Urbain IV. (1261–1264), Bd. 2, Paris 1901: Registre ordinaire 1 Nr. 874.
Die beiden Spiegelbl. gehörten demnach zu einer vorbonifatianischen Extravagantensammlung, die vor 1298 (der Promulgation des Liber Sextus) zu datieren ist. Der gesamte freie Raum des VS ist mit großenteils schwer entzifferbaren Notizen mehrerer Hände des 14. und 15. Jh. bedeckt. Auf dem Fußsteg HS: 10 konzentrische Kreise, in denen Himmelsrichtungen, Jahreszeiten, Wettererscheinungen, Temperamente in Beziehung gesetzt sind.

Entstehung der Handschrift: Nach Ausweis der kodikologischen und paläographischen Daten weist der Codex eine komplexe Enstehungsgeschichte auf. Den umfangreichsten und wohl ältesten Teil der Hs. stellt die um 1270 in Oberitalien, vielleicht in Bologna selbst, geschriebene und illuminierte Abschrift des Liber extra (Teil II) dar, die ein unbekannter Besitzer nach Frankreich brachte. Dort wurden wenig später, wohl um 1280 bis spätestens 1290, die Teile III und IV eingeschoben bzw. angehängt. Die paläographisch einheitlich wirkende Grundschicht der Glossierung dieser drei Kompartimente deutet darauf hin, dass die Texte unmittelbar nach der Zusammensetzung in einem Zuge glossiert wurden. Teil V kam noch in Frankreich nach 1293 hinzu; das vermutlich jüngste Stück bildet Teil I zusammen mit dem die Teile II und III übergreifenden Nachtrag auf fol. 116ra–117ra. Zu den komplexen Datierungs- und Lokalisierungsfragen von Dekretalencodices siehe M. Bertram, Dekorierte Handschriften der Dekretalen Gregors IX. (Liber extra) aus der Sicht der Text- und Handschriftenforschung, in: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 35 (2008) 31–65. Wo die verschiedenen Nachträge zu den Glossen hinzugefügt wurden, ist hingegen nicht mehr zu ermitteln.
Provenienz der Handschrift: Wie die zahlreichen Textergänzungen zeigen, diente der Codex bis ins späte 15. Jh. hinein verschiedenen Besitzern als juristische Gebrauchshandschrift; aufgrund der Einbandstempel dürfte sich die Hs. damals im süddeutschen Raum befunden haben, wo sie neu eingebunden wurde.
Erwerb der Handschrift: Zu einen unbekannten Zeitpunkt durch Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg erworben, 1588 von Elias Bodenburgk in seinem Catalogus Bibliothecae Divi Julii Ducis Brunsvicensis et Luneburgensis (Niedersächsisches Landesarchiv - Staatsarchiv Wolfenbüttel, 1 Alt 22, 83, f. 22r–35v, hier 24v In quinto repositorio librorum Juris. in Folio verzeichnet: Decretales. 1613 von Liborius Otho im Katalog der Bibliotheca Julia (Cod. Guelf. A Extrav.) auf p. 123 unter den Juridica als Decretales in pergameno manuscripta mit der Signatur C 21 bezeichnet. 1618 in die Universität Helmstedt überführt, 1644 im Katalog der Helmstedter Universitätsbibliothek (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 24r) unter den Theologici in folio als Decretales Gregorij IX cum glossis marginalibus in membrana beschrieben; im Handschriftenverzeichnis von 1797 (HAB, BA III 52) unter Nr. 334 aufgeführt.
Bibliographie
Handschriftenteil: I
Entstehungsort: Frankreich
Entstehungszeit: um 1300
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 4 Bl.
Lagenstruktur: II (4).
Seiteneinrichtung:
  • 1ra–3vc Schriftraum: 35 × 20 cm, sechsspaltig, 65 Zeilen.
  • 4ra–vb Schriftraum: ca. 36 × 22 cm, zweispaltig, 84 Zeilen.
Hände: Frühe Textualis von 2 Händen,
  • Hand 1: 1ra–3vc;
  • Hand 2: 4ra–vb.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, rote Lombarden.
Spätere Ergänzungen: Im 14. und 15. Jh. von verschiedenen Händen mit Notizen ergänzt.
Inhalt:
  • 1ra–3vc Index decretalium Gregorii IX papae. >Incipiunt inceptiones decretalium et rubrice libri primi<. Gregorius episcopus. Rex pacificus … — … Quamvis cause. Indignum est. >Expliciunt inceptiones decretalium et rubrice<. Verzeichnis aller Tituli und der Anfangsworte aller Capitula. Als Ergänzung zum Liber extra nachträglich hinzugefügt, ebenso 1r Fußsteg: Begriffserläuterung zu den Formen des votum.
  • 3vd Versus memoriales super titulos decretalium. Prima fides consti rescriptum consue postu … — … peniteat anima verbum regula iuris. >Hic est finis versuum super tytulos decretalium<. Nachtrag des 14. Jh. Walther I 14575.
  • 3vd Versus super decreto. >Incipiunt materie super decretum<. 5 Verse. Nachtrag des 14. Jh. Walther I 15325 (nur diese Hs.).
  • 3vd >Versus de terminis observandis<. 11 Verse. Nachtrag des 14. Jh. Walther I 14628.
  • 3v Notabilia. Nota quod sex concurrunt ad hoc quod quis possit penitenciam iniunctam remittere … — … quod est ei remissum. Folgt: Nota. Regula mors sexus hostis puer officialis, caucius instrueris suffragia plura mereris. Merkverse de absolutione, vgl. Kassel, UB, 4° Ms. iurid. 1, 339r; Mainz, StB, I 460, 170v; Uppsala, UB, C 226, 2v. Von einer Hand auf dem Fußsteg nachgetragen.
  • 4ra–4vb Johannes de Deo: Decretum abbreviatum. Liber decretorum distinctus est in tres partes, quarum prima vocatur distinctiones … — … in quinta de confirmatione et ieiunio. Et sic terminatur liber in tribus capitulis de contemptu sancto. >Explicit libellus in quo continetur sub planis et brevibus verbis tota vis decretorum omnes cause et cuiuslibet causa questiones et cuiuslibet questionis solutio regulariter determinata<. Folgt Nachtrag des 15. Jh.: Decretalium additiones.Si volueris scire utrum decretales … — … ordinentur et est Egidii.
Handschriftenteil: II
Entstehungsort: Oberitalien (Bologna?) und Nordfrankreich
Entstehungszeit: 1270–1280
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 236 Bl.
Seitennummerierung: Spätmittelalterliche Blattzählung nach Büchern: 1–60 (Liber I), 1–54 (Liber II), 1–55 (Liber III), 1–19 (Liber IIII), 1–150 (Liber V).
Lagenstruktur: 14 IV (116). 14 IV (230). VI (242).
Seiteneinrichtung:
  • Text Schriftraum: 21–22 × 13 cm, zweispaltig, 47 Zeilen.
  • Glosse Schriftraum: 32–38 × 22–24 cm, in Vier-Spalten-Klammerform (vgl. Powitz 84f.) angeordnet, Spaltenbreite und Zeilenzahl variiert (bis zu 106 Zeilen).
Hände: 3 Haupthände:
  • Text der Dekretalen in oberitalienischer Rotunda von einer Hand;
  • Grundschicht des Glossenapparates in sorgfältiger französischer Textualis von zwei Händen.
  • Nachträge zum Glossenapparat von verschiedenen Händen des späten 13. bis ins 15. Jh., die Zusatztexte des 15. Jh. auf fol. 242v von der gleichen Hand wie die Versus auf Bl. 3v, vermutlich von einem Vorbesitzer.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert, abwechselnd rote und blaue Lombarden mit filigranem, sorgfältig ausgeführtem Fadenwerk in der Gegenfarbe. Rotblaue Buchnummern als Kolumnentitel, darüber die Tituli der Dekretalen als lebende Seitentitel, vielfach durch Beschnitt verloren, z. T. im 15. Jh. nach Neubindung nachgetragen.
  • 5ra Dedikationsbild, 14zeilig: Papst Gregor IX. unter einer Doppelbogenarchitektur vor Goldgrund auf dem Thron, die rechte Hand im Segens- bzw. Redegestus erhoben; vor ihm ein Kleriker (Raimundus de Pennaforti), der ihm kniend ein Buch überreicht.
  • 5ra, 5rb, 64va, 119ra, 173va, 193rb üppig kolorierte, spaltenbreite Spaltleisteninitialen mit Rankenzweigen oder großflächigen, mehrfarbigen Blättern auf Goldgrund, 11–39zeilig, die folgenden Buchstaben des jeweiligen Initialwortes am rechten Initialenfeld als Majuskelblock mit blauen Unzialmajuskeln mit rotem Fleuronnéebesatz angeordnet. Zusätzlich jeweils eine fünfzeilige Textinitiale zu Buch II bis IV auf goldenem oder blauem bzw. mehrfarbigem, deckweißgehöhten Feld. Das Illuminationsprogramm ist von hoher Qualität und ist wie der Dekretalentext selbst in Oberitalien, vielleicht in Bologna selbst, angefertigt worden.
Inhalt:
  • 5ra–115vd, 119ra–242vb Gregorius IX papa: Quinque Libri Decretalium cum glossa ordinaria Bernardi Parmensis de Botone. Zahlreiche Marginalien von der Hand späterer Benutzer.
    • (5ra–b) Promulgatio. Gregorius episcopus servus servorum dei dilectis filiis doctoribus et scolaribus universis Bononie commorantibus salutem et apostolicam benedictionem. Rex pacificus pia miseratione disposuit sibi subditos fore pudicos, pacificos et modestos
    • (5rb–64rb) Liber I.
    • (64va–115vb) Liber II.
    • (115vb) Versus. 4 Distichen, von vier Händen nachgetragen. Nachgewiesen: Darunter:
      Magnus in effectum baptismus corpus in esse
      Coniugium ligno meliori crisma ministro.
    • (119ra–173va) Liber III.
    • (173va–192vb) Liber IV.
    • (193ra–242va) Liber V.
    • (5ra–242va) Bernardus Parmensis de Botone: Glossa ordinaria. In huius libri principio quinque sunt precipue prenotanda … — … de iure vel de facto inducit supra de pactis pactiones. Die Glosse wurde in mehreren Schichten angelegt und repräsentiert eine Zwischenstufe: Ältere Autorennachträge, etwa zum Prooemium, stammen noch von anlegender Hand, ein Großteil der Nachträge, darunter der nach 1263 datierte letzte Autorenzusatz zu X 1.6.28 (20v, Fußsteg), wurde im 13. oder frühen 14. Jh. vorgenommen, vgl. dazu S. Kuttner, B. Smalley, The 'Glossa Ordinaria' to the Gregorian Decretals, English Historical Review 60 (1945), 97–105. Letzte Nachträge (173r als letzte Glosse zu Buch III: Tutius est dicere quod incurrat omnes penas predictas … ) wurden erst im 15. Jh. hinzugefügt.
    Druck (Text)
    (Text und Kommentar)
  • 242vb Index alphabeticus titulorum decretalium. Im 15. Jh. von der gleichen Hand nachgetragen, die für die zusätzliche Foliierung und die Nachträge im Text sowie auf Bl. 3v verantwortlich ist.
Handschriftenteil: III
Entstehungsort: Frankreich
Entstehungszeit: ca. 1280–1290
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 2 Bl.
Lagenstruktur: I (118).
Seiteneinrichtung:
  • 116ra–117ra Schriftraum: 33,5 × 21 cm, zweispaltig, 76 Zeilen.
  • 117va–118rb Glosse Schriftraum: 29,5 × 22 cm, in Vier-Spalten-Klammerform (vgl. Powitz 84f.) um die Miniaturen angeordnet, Spaltenbreite und Zeilenzahl variiert (bis zu 86 Zeilen).
Hände: Französische Textualis von 2 Händen,
  • Hand 1: 116ra–117ra;
  • 117va–118rb Glosse in sorgfältiger französischer Textualis von der gleichen Hand wie die erste Grundschicht der Glossierung von Teil II.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: 116ra–117ra rubriziert, rote Lombarden und Paragraphenzeichen. 117va–118rb am Textbeginn blaue Lombarde mit filigranem rotem Fadenwerk, abwechselnd rote und blaue Paragraphenzeichen; Dekoration identisch mit der der Glosse in Teil II.
Inhalt:
  • 116ra–117ra Johannes Andreae: Summa de sponsalibus et matrimonio seu super IV libro decretalium. Christi nomen invocans ad honorem ipsius et reverendissimi patris mei domini archidiaconi Bononiensis. … Ego Johannes Andree parvus decretorum doctor summam brevissimam super quarto libro decretalium compilavi … — … unde quid dicant vide per te. Explicit compendium Iohannis Andree super quartum decretalium.
    Druck
    Der nach 1296 entstandene Text wurde nach der Zusammenführung von Teil II und III auf dem letzten, leeren Bl. von Teil II und der ersten leeren Rectoseite von Teil III nachgetragen. – 117rb leer.
  • 117va–118rb Raimundus (de Pennaforti ?): Lectura de arboribus consanguinitatis et affinitatis.
    • (117va–118ra) Expositio arboris consanguinitatis. Quia tractare intendimus de consanguinitate et eius gradibus et de arboris consanguinitatis expositione … — … ergo eadem ratione non committitur. Im Zentrum von 117v Arbor consanguinitatis: Als Präsentations- oder Umfassungsfigur mit breitem Gesicht ausgestattete gekrönte, männliche Gestalt, die mit beiden Händen das Stemma der Verwandtschaftsgrade ergreift (Schadt 208, 226, 229, 241, 243, jeweils Hs. genannt). Diesem entwachsen blaue und rötliche Ranken mit rotem und blauem Blattwerk auf Blattgoldgrund.
    • (118ra–b) Expositio arboris affinitatis. Affinitas est proximitas personarum carnali commixtione proveniens … — … sicut aperte innuit finis illius capituli Porro. Im Zentrum von 118r Arbor affinitatis: Zwei sich kreuzende Halbkreise zur Kennzeichnung des primum genus affinitatis, ein weiterer Halbkreis zur Verbindung der Außenzellen. Darüber ein Paar, rechts und links jeweils flankiert von einem stilisierten Baum, auf dem ein langschnäbliger Vogel (Kranich mit Stein im Schnabel als Sinnbild der Wachsamkeit) sitzt. Mann und Frau gekrönt und mit kostbaren, hermelinverbrämten Mänteln. Blattgoldhintergrund durch kleinteiliges Rankenwerk verziert (Schadt 231f. Hs. genannt).
    • (118v) leer.
    Textgeschichte: Beide Texte auch in Kassel, UB, 4° Ms. iurid. 1, 2k, 130r (mit weiterer Überlieferung). Dazu S. Kuttner, The Barcelona edition of St. Raymond's first treatise on Canon Law, in: ders., Studies in the history of medieval canon law, Aldershot 1990, 52–67.
Handschriftenteil: IV
Entstehungsort: Frankreich
Entstehungszeit: ca. 1280–1290
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 10 Bl.
Lagenstruktur: V (252).
Seiteneinrichtung:
  • 243r Schriftraum: 21 × 29,5 cm, vierspaltig, 68 Zeilen.
  • Dekretalentext Schriftraum: 19 × 12 cm, zweispaltig, 45 Zeilen.
  • Glosse Schriftraum: 32–38 × 22–24 cm, in Vier-Spalten-Klammerform (vgl. Powitz 84f.) angeordnet, Spaltenbreite und Zeilenzahl variiert (bis zu 85 Zeilen).
  • 251va–252va Schriftraum: 36 × 23 cm, zweispaltig, 72 Zeilen.
Hände: 5 Haupthände:
  • Text der Dekretalen (244ra–250rb) in französischer Textualis von einer Hand;
  • Grundschicht des Glossenapparates in kleinerer französischer Textualis von einer anderen Hand;
  • Nachträge zu den Dekretalen (250rb–251rb) und zweite Glossenschicht ab Bl. 247ra von einer dritten Hand in einer runder wirkenden Textualis.
  • Spätere Ergänzungen: 243r Tabula in sauberer Textualis des 14. oder 15. Jh.;
  • Text 251va–252va in regelmäßiger Textualis des späten 13. oder frühen 14. Jh.;
  • 243r–v, 253vb Zusatztexte des 15. Jh. von mindestens 2 Händen in flüchtiger Kursive.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert, abwechselnd rote und blaue Paragraphenzeichen und Lombarden mit filigranem, sorgfältig ausgeführtem Fadenwerk in der Gegenfarbe.
  • 244r Historisierte Initiale C über 7 Zeilen in blauem deckweißgemusterten Rahmen. Der rosabraune Buchstabenkörper trägt ein weißes Ornament; das mit Blattgold ausgelegte Binnenfeld dient als Bildhintergrund: Papst Innozenz IV. auf dem Thron; vor ihm wiederum ein Kleriker, der einen Rotulus überreicht. Der Goldrahmen der in Frankreich entstandenen Initiale endet in einem drachenartigen Wesen.
Inhalt:
  • 243ra–d Tituli decretalium. >De summa trinitate et fide catholica liber primus incipit<. De constitucionibus. De rescriptis. De consuetudine … — … De sentencia excommunicacionis. De verborum significacione. De regulis iuris. >Expliciunt tituli decretalium<. Darunter Versus memoriales (14. Jh.):
    Tot decretales noscas retinere rubricas
    Quadraginta tres primus, triginta secundus
    Sed quinquaginta dat tertius datque viginti
    Ac unum quartus sed dat quintus quandraginta
    Bis nonaginta bisque suabus sic carpe rubricas.
    Nach der Zusammenführung aller Teile des Codex im frühen 14. Jh. eingefügt. Auf dem Fußsteg 243rb datierter Nachtrag: 1487 Exaltatrix virtutum humilitas.
  • 243va Schema de generibus actionum. >Sequuntur divisiones actionum etc.< Omnis actio aut est realis, personalis, mixta … — … Istas actionum divisiones prosequitur imperator Iustinianus … adnumerantur. Systematisierung der actiones nach dem Zivilrecht.
  • 244ra–250rb Innocentius IV papa: Novellae constitutiones cum apparatu Bernardi Compostellani.
    • (244ra–251rb) Textus. >Nove decretales de rescriptis<. Innocentius quartus in concilio Lugdunensi. Cum in multis iuris articulis … — … per sollicitudinem et prudentiam comitis consulere supradicti. Insgesamt 39 Stücke. Es handelt sich dabei um die sog. "Sammlung von 37 Stücken" bestehend aus den Collectiones I und II sowie vier Zusätzen, von denen Quia cunctis und Dudum bereits in den Grundbestand von Collectio II eingefügt sind (247ra–248ra). Von einer zweiten Hand nachgetragen und glossiert wurden Dilecto und Grandi (250rb–va, 251ra–b ), zwischen die zwei weitere Extravaganten, Non solum und Perlectis (250va–251ra), eingeschoben sind, die zwar häufig in den Novellensammlungen mit abgeschrieben wurden, aber nie zum autorisierten Bestand gehörten (und auch nicht in den Liber Sextus übernommen wurden). Die Angaben von P. J. Kessler, Untersuchungen über die Novellengesetzgebung Papst Innozenz IV., in: Zeitschrift für Rechtsgeschichte, Kanonistische Abteilung 31 (1942), 142–320; 32 (1943), 300–383; 33 (1944), 56–128, zu dieser Hs. (Bd. 31, 257f.) sind daher nicht ganz zutreffend.
    • (243vb–251rb) Bernardus Compostellanus: Glossa. Nota quod infinitas in multis articulis … — … usque hec suspensiva est ab initio b. Die Glosse wurde von zwei Händen angelegt und enthält mindestens 2 Textschichten. Wie die Glossa ordinaria zum Liber extra repräsentiert sie eine Zwischenstufe; im Gegensatz zu dieser fehlen jedoch Ergänzungen des 14. oder gar 15. Jh.
  • 251va–252va Exceptiones contra sigillum vel litteras. Excipitur contra sigillum vel litteras si bulla sit falsa vel sigillum … — … Item si iudex sentenciam dictet et per alium legatur ut C. de sententia experiri L. I. >Explicit liber de exceptionibus<.
    Druck (abweichend)
    • Tractatus Universi Iuris Duce & Auspice Gregorio XIII. Pontifice Maximo in unum congesti … , Bd. 3: De iudiciis, pars 2, Venedig 1584, 104ra–105va.
    Literatur
    • Stintzing 287f.;
    • Schulte 2, 93;
    • L. Fowler-Magerl, Ordo iudiciorum vel ordo iudiciarius, Frankfurt/M. 1984 (Ius commune, Sonderhefte, 19: Repertorien zur Frühzeit der gelehrten Rechte), 216–218.
  • 252v Distinctiones. Prima divisio interdictorum … Omnia interdicta aut sunt prohibitoria … , restitutoria … , exhybitoria. Secunda divisio … Interdicta possessoria sunt tria, scilicet Adipiscende possessionis, Recuperande possessionis, Retinende possessionis … tertia divisio … Im 15. Jh. hinzugefügt.
Handschriftenteil: V
Entstehungsort: Frankreich
Entstehungszeit: 1293
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 20 Bl.
Lagenstruktur: VI (264). IV (272).
Seiteneinrichtung:
  • Text Schriftraum: 19–20 × 11–12 cm, zweispaltig, 22–42 Zeilen.
  • Glosse Schriftraum: 38 × 23 cm, in Vier-Spalten-Klammerform (vgl. Powitz 84f.) angeordnet, Spaltenbreite und Zeilenzahl variiert (bis zu 106 Zeilen).
Hände:
  • Text und Glosse von einer Hand in einer zur Rotunda neigenden Textualis, der Dekretalen in oberitalienischer Rotunda von einer Hand;
  • 270v–272v verschiedene Hände des 15. Jh. in Kursive und Bastarda.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert, abwechselnd rote und blaue Paragraphenzeichen und Lombarden mit filigranem, sorgfältig ausgeführtem Fadenwerk in der Gegenfarbe. Dekoration identisch mit Teil IV.
  • 253r Sechszeilige, historisierte Initiale G. Der sitzende Gregor X. im Bischofsornat, die Rechte zum Segen erhoben, in der Linken ein Buch. Im Buchstabengrund blaues Teppichmuster. Goldrahmen. Initiale sendet blau-goldene Ausläufer zwischen die neben dem Buchstabenfeld in Unzialis geschriebenen Wörter. Am Textrand Ranke, die in eine weisende Figur mündet. Zu Anfang der Glosse auf blau-rötlichem Grund vierzehnzeilige I-Initale als Fabelwesen, aus Menschenkopf und Schwanz gebildet. Außerdem elfzeilige rötliche F-Initiale mit Deckweißhöhungen im Buchstabenstamm auf blauem deckweißgehöhten Feld, in eine blaugoldene Ranke auslaufend. Diese begrenzt den Textspiegel unten und endet in goldenen und rosa Dornblättern. 264ra historisierte Initiale C über 8 Zeilen in rotem Rahmen, der auf eine Blattgoldauflage mit blauem, deckweißgemustertem Grund versehen ist. Der Buchstabenkörper ist purpur mit weißen Mustern, im rosa gefüllten, mit weißen Sternen bestreuten Binnenfeld sitzt Papst Nikolaus III. im Bischofsornat, die Rechte zum Segen erhoben, in der Linken ein Buch.
Inhalt:
  • 253ra–263vb Gregorius X papa: Constitutiones novissimae cum glossa Garsiae Hispani.
    • Textus. Gregorius episcopus … Dilectis filiis universitati magistrorum et scolarium Bononiensi salutem et apostolicam benedictionem. Cum nuper in generali concilio Lugdunensi et post quasdam constitutiones super certis articulis duximus … — … absolucionis beneficium obtinere.
    • Garsias Hispanus: Glossa. In nomine domini. Amen. Quoniam natura rerum introductum est ut plura sint negotia quam vocabula … — … alii incendiarii sunt excommunicandi xxiii q. ult. pessimam. >Expliciunt gloze ordinarie novarum constitutionum domini Gregorii pape a domino Gar compilate<. Die Schlußrubrik weicht von der Standardfassung (Expliciunt glose ordinarie novarum constitutionum domini Gregorii pape decimi a domino Garsia iuris civilis et canonici professore composite anno Domini mcclxxxii) ab; ob hier eine absichtliche Kürzung oder eine noch unbekannte Vorgängerfassung vorliegen, ist unbekannt.
    Druck (Text)
    • Mansi 24, Sp. 81–102.
    • Schulte 2, 161.
    • Díaz y Díaz Nr. 1365.
    • HQL 1, 377.
    • M. Bertram, Zur wissenschaftlichen Bearbeitung der Konstitutionen Gregors X., in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 53 (1973), 459–467.
  • 264ra–270rb Nicolaus III papa: Constitutiones II cum glossa Garsiae Hispani.
    • 'Cupientes'. Cupientes ecclesiarum vacationibus periculosis occurrere ac malignantium subterfugiis obviare … — … equitas canonum suadebit. datum Rome apus sanctum Petrum ydus decembris pontificatus nostri anno secundo.
    • (267rb–270rb) 'Coniurationum' (pars I). Dilecti filio V decano Masticonensis[sic] ecclesie. Coniurationum et conspirationum … — … mansuetudine reparandi. Datum Rome apud sanctum Petrum X Kalendas aprilis pontificatus nostri anno III°.
    • (264ra–270rb) Garsias Hispanus: Glossa. In nomine domini. Amen. Licet ad occurrendum ecclesiarum vacationibus essent multa remedia per canones adinventa … — … equitas canonum. Hanc equitatem colliges per iura allegata in glossa proxima. Gar. Expliciunt gloze magistri Garsie super decretalem Nicholai pape III. Datum anno domini M° CC° LXXXXIII° VI° kal. Feb.
    Die singuläre Schlussdatierung der Glosse des Garsias, die wohl in Analogie zu dem Kolophon zum Novissimae-Apparat (siehe oben) formuliert wurde, bezieht sich offenbar nicht auf den Text, sondern auf die vorliegende Abschrift. Dazu M. Bertram, Die Dekretalensammlung Papst Nikolaus’ III (1280), in: Zeitschrift für Rechtsgeschichte, Kanonistische Abteilung 90 (2004), 60–76, 64 mit Anm. 22 und 74 (Hs. genannt).
  • 270v–271v Distinctiones zum Strafrecht. Figura utilis continens omnia crimina tam capitalia quam non capitalia et penas eorundem. Figurae aus dem Corpus iuris civilis zu publica iudicia (ordentliche Strafgerichte) mit den entsprechenden Zuständigkeiten für Kapital- und Nichtkapitalverbrechen und dem Verweis auf entsprechende Gesetze (z. B. Lex Julia de adulteriis, Lex Pompeia de parricidiis, Lex Cornelia de sicariis et veneficis). Vgl. Corpus iuris civilis, hrsg. von P. Krueger und T. Mommsen, Berlin 1922. Folgt: Pene secundum Innocentium … capitales … non capitales …
  • 272ra-vb 13. Jh. Sammlung von Einzelfällen mit entsprechenden Verweisen auf das kanonische Recht. Num aliquid excommunicatus matrimonium contrahere possit … Misericordiam merui quia ignorans feti …

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  • Normdaten ergänzt oder korrigiert. (schassan, 2015-09-07)

Abgekürzt zitierte Literatur

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Schadt H. Schadt, Die Darstellungen der Arbores consanguinitatis und der Arbores affinitatis. Bildschemata in juristischen Handschriften, Tübingen 1982
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Stintzing J. A. R. von Stintzing, Geschichte der populären Literatur des römisch-kanonischen Rechts in Deutschland am Ende des fünfzehnten und im Anfang des sechszehnten Jahrhunderts, Leipzig 1867
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Walther II H. Walther, Proverbia sententiaeque Latinitatis medii aevi, Bd. 1–6; P. G. Schmidt, Proverbia sententiaeque Latinitatis medii aevi. Nova series, Bd. 7–9, Göttingen 1963–1969, 1982–1986 (Carmina medii aevi posterioris Latina 2, 1–9)

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