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Beschreibung von Cod. Guelf. 331 Helmst.
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil II: Cod. Guelf. 277 bis 370 Helmst. Mit einem Anhang: Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, beschrieben von Bertram Lesser (im Erscheinen).
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung
Handschriftentitel: Seneca
Entstehungsort: Padua
Entstehungszeit: 1450–1460
Katalognummer:
  • Heinemann-Nr. 366
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412194,T
Beschreibstoff:
Umfang: V, 213, VIII Bl.
Format: 28 × 20,5 cm
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 1212, vorderes und hinteres Vorsatz ungez., in der letzten Lage drei leere Bl. ungez.; Zählfehler: Bl. 63 doppelt gez.
Lagenstruktur: II+1 (ungez.). 21 V (209)! III (212)! II+1 (ungez.). Reklamanten, vielfach durch Beschnitt fragmentiert. Vorsatzkonstruktion, identisch mit Cod. Guelf. 319b Helmst.: Vorn und hinten je zwei Bifolia Papier, davon je ein Bl. als Spiegel an den Deckel geklebt, als Schutzbl. vorn und hinten je ein Pergamentbl. eingefügt.
Seiteneinrichtung: 18,5 × 9 cm, einspaltig, 27 Zeilen.
Hände:
  • Haupttext: Sehr regelmäßige Gotico-Antiqua von einer Hand (auch in Cod. Guelf. 333 und 337 Helmst.);
  • Glossen von der gleichen Hand wie in Cod. Guelf. 319b Helmst.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Am Beginn der einzelnen Tragödien qualitätvolle Initialen in Deckfarbenmalerei, 1r auf quadratischem Blattgoldgrund; größere Redeteile und Chorlieder durch abwechselnd rote und blaue Lombarden, meist über 2–3 Zeilen, mit filigranen purpurnen Fadenranken eingeleitet. Der Buchschmuck ist identisch mit jenem in Cod. Guelf. 319b Helmst.
Einband: Renaissance-Einband aus der zweiten Hälfte des 16. Jh., Gestaltung identisch mit Cod. Guelf. 319b Helmst. Auf dem VD eine geprägte, mit brauner Tinte gefüllte Inskription in Capitalis quadrata SEN: TRAG: | MANVSCIP:[sic].
Entstehung der Handschrift: Zur Enstehung der Hs. vgl. bei Cod. Guelf. 319b Helmst.
Erwerb der Handschrift: Der Codex gelangte vermutlich als Geschenk des Herzogs Ernst Ludwig von Pommern-Wolgast an seinen Schwiegervater, Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg, in die Wolfenbütteler Hofbibliothek, wo er 1614 im Gesamtkatalog des Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 31 [27]) unter Nr. 7 der Comici et Tragici als Senecæ Tragœdiæ manuscriptæ in fol. entsprechend der Inskription auf dem VD nachgewiesen ist. — Seit 1618 in der Universitätsbibliothek Helmstedt, 1644 in deren Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 29r) als Tragœdiæ Senecæ In bretter, roth aufm Schnitt unter den Miscellanei MSSti in folio nachgewiesen; auf dem VS die entsprechende Signatur Misc. 9. Im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 259 genannt.
Inhalt:
  1. 1r–24r Lucius Annaeus Seneca: Hercules furens. Auf dem Kopfsteg 1r die Invokation Ieronimus; in marg. das durch Beschnitt fragmentierte 'Argumentum' (Hec prima tragedia Hercules furens dicitur quia ut … in hoc primo actu Juno Herculem instinguitur … ). 3r Verse 123/124 vom Glossator ergänzt, Verse 125–161 fehlen, 22v Verse 1221–1277 in marg. nachgetragen.
  2. 24r–43v Lucius Annaeus Seneca: Thyestes. Argumentum. 24r in marg. das durch Beschnitt fragmentierte 'Argumentum' (In hac tragedia secunda Thyestes dicitur materia huiusmodi est: Nam At[reus] et Thyestes fratres erant … ).
  3. 44r–56r Lucius Annaeus Seneca: Phoenissae. 44r in marg. das durch Beschnitt fragmentierte 'Argumentum' (In hac prima scena Edippus introducitur … ).
  4. 56r–78v Lucius Annaeus Seneca: Phaedra. 56r in marg. das durch Beschnitt fragmentierte 'Argumentum' (Hec tragedia Yppolitus dicitur cuius argumentum hoc est: Th[eseus] Egei filius uxorem nomine Phedram habuit … ). 69r fehlt Vers 758, 69v wurde Vers 777 vom Glossator nachgetragen.
  5. 79r–97v Lucius Annaeus Seneca: Oedipus. 79r in marg. das durch Beschnitt fragmentierte 'Argumentum' ([In] hac prima scena Edippus et Iucasta[sic] introducuntur … ). 85v, 87r und 92r wurden die Verse 367/368, 431 und 769 vom Glossator nachgetragen, 87r fehlen die Verse 432–471.
  6. 97v–119v Lucius Annaeus Seneca: Troades. 97v fehlt das eigentliche Argumentum, vorhanden ist lediglich eine kurze Angabe zum ersten Akt.
  7. 119v–138v Lucius Annaeus Seneca: Medea. 119v in marg. das durch Beschnitt fragmentierte 'Argumentum' ([Hec] Tragedia que Medea dicitur huiuscemodi habet argumentum: Medea siquidem Aete regis Colchorum filia … ). 138v wurden die Verse 1012/13 vom Glossator in marg. ergänzt und die Verse 1014–1026 vom Schreiber in Bastarda nachgetragen.
  8. 138v–157r Lucius Annaeus Seneca: Agamemnon. 138v in marg. das durch Beschnitt fragmentierte 'Argumentum' ([Tra]gedia hec que Agamemnon dicitur huiuscemodi habet argumentum: Agamemnon siquidem ductor grecorum cum per decennium bellum gessisset … ).
  9. 157r–175r Ps.-Seneca: Octavia. 157r in marg. das durch Beschnitt fragmentierte 'Argumentum' (Hec Tragedia dicitur Octavia huiusmodi habens argument[um]: Claudius siquidem imperator uxorem habuit Messalinam … ).
  10. 175r–212v Ps.-Seneca: Hercules Oetaeus. >Deo gracias. Publii Annei Senece Explicit Hercules Oetheus. Finis tragediarum Senece. Deo gracias<. 175r in marg. das durch Beschnitt fragmentierte 'Argumentum' (Hec tragedia que decima et ultima est que dicitur Hercules Oetheus huiusmodi argumentum habet: Hercules siquidem [Jovis] filius cum multa et egregia facinora fecisset … ). Bl. 198r lautet Vers 1124 abweichend: Primam cutem concussit, abstulit costis iecur, Vers 1225 fehlt; 206r Verse 1674-1675 so kontrahiert: Compesce lacrimas inquit Iuno cur letum diem. – Die Reihenfolge der Tragödien und die Textfassung entsprechen der Handschriftenklasse A, Familie ε, dazu MacGregor. Manuscripts (s. oben), 1232; der Text weist jedoch zahlreiche Fehler auf, die vom Glossator korrigiert wurden. Bei den ebenfalls vom Glossator eingefügten Argumenten handelt es sich offenbar um gekürzte und modifizierte Fassungen der sog. Argumenta Lutatii, Druck: E. Franceschini, Glosse e commenti medievali a Seneca tragico, in: Ders., Studi e note di filologia latina medievale, Milano 1938 (Pubblicazioni della Università cattolica del Sacro Cuore, Ser. 4,30), 1–105, hier 36–39, 63–67. Die Angaben zum Inhalt der einzelnen Akte stehen nicht am Beginn der jeweiligen Tragödie, sondern einzeln vor jedem Akt selbst. Die Interlinearglossen und Scholien sind, soweit es sich nicht um Angaben der Sprecherrollen oder einfache Erläuterungen handelt, inhaltlich vom Kommentar des Nicolaus Trevetus beeinflußt, jedoch nicht mit diesem identisch und weichen im Wortlaut meist erheblich davon ab. Die meisten Marginalien wurden durch Beschnitt beim Binden fragmentiert. Die Verstrennung einiger Passagen, vor allem der Chorlieder, weicht von den Ausgaben ab.
    Textgeschichte: Die Tragödien auch in Cod. Guelf. 165 Gud lat., 1r–155v (Octavia fragmentarisch, Hercules Oetaeus fehlt); 205 Gud. lat., 1r–340v.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

V. Rose, Die Handschriften-Verzeichnisse der Königlichen Bibliotheken zu Berlin, Bd. 13: Verzeichniss der lateinischen Handschriften, Bd. 2: Die Handschriften der kurfürstlichen Bibliothek und der kurfürstlichen Lande, 1. Abteilung, Berlin 1901
Ebert F. A. Ebert, Bibliothecae Guelferbytanae Codices Graeci et Latini Classici, Leipzig 1827 (Die Bildung des Bibliothekars 2 = Zur Handschriftenkunde 2)
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)

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