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Beschreibung von Cod. Guelf. 500 Helmst.
geplant: Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 3: Cod. Guelf. 441 bis 615 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser.
Handschriftentitel: Kalendarium. Psalterium feriatum. Officium defunctorum
Entstehungsort: Hildesheim, Fraterhaus Lüchtenhof
Entstehungszeit: um 1500
Katalognummer: Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412418,T
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 168 Bl.
Format: 24 × 17 cm.
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 1168.
Lagenstruktur: IV+2 (10). 17 IV (146). III (152). 2 IV (168). Reklamanten, meist durch Beschnitt verloren oder fragmentiert.
Zustand: Viele Bl. infolge intensiver Benutzung am Fußsteg gebräunt und abgegriffen.
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 18 × 11 cm, einspaltig, 1r–152v 21 Zeilen, 153r–168v 28 Zeilen, Tintenliniierung.
Hände: Haupttext in regelmäßiger Textualis von zwei Händen,
  • Hand 1: 1r–10r, 153r–167v ;
  • Hand 2: 11r–152v;
  • Nachtrag 152v in Textualis von einer weiteren Hand;
  • 168r von einer weiteren Nachtragshand in Bastarda beschrieben.
Musiknotationen: Die Antiphonen und Versikel zu den Vesperpsalmen (107v–142v) und die Gesangsteile des Officium defunctorum (153r–162v) sind jeweils mit gotischer Choralnotation auf einem Fünfliniensystem mit c- und f-Schlüssel ausgestattet.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert, am Beginn der einzelnen Psalmen abwechselnd rote und blaue Lombarden über 2 Zeilen; am Beginn der einzelnen Psalmverse rote Satzmajuskeln in Unzialform. Am Beginn der notierten Antiphonen und Versikel (107v–142v, 153r–162v ) schwarze Cadellen mit roten konturbegleitenden Ornamenten in vegetabilen Formen. Gleichartige Gestaltung auch in Cod. Guelf. 540 Helmst. und Cod. Guelf. 551 Helmst.
  • Am Beginn der einzelnen Gliederungspsalmen gemäß der liturgischen Achtteilung des Psalterium feriatum (11r zu Ps 1, 29r zu Ps 26, 41r zu Ps 38, 52v zu Ps 52, 64r zu Ps 68, 79r zu Ps 80, 92r zu Ps 97 und 107v zu Ps 109) sorgfältig ausgeführte Fleuronnéeinitialen meist über 5 Zeilen, lediglich 11r über 6 Zeilen. Die Buchstabenkörper in Unzialform sind als litterae duplices in komplexem Kopfstempelschnitt von Rot und Blau geteilt, den Buchstaben umgibt ein Rahmen aus rotem Fadenwerk, der am rechten und unteren Rand zum Text lediglich mit kleinen Wellenlinien konturiert ist, am oberen und linken Außenrand hingegen von einer Reihe abwechselnd ungefüllter, ockerfarbener und grüner Perlen mit Fibrillenbesatz und gekrümmten Profilblättern (vielfach zwei achsialsymmetrisch gegenübergestellt) in roter Umrisszeichnung begleitet wird. Am linken Rand des Textspiegels ist bordürenartig ein Bündel von mehreren parallelen Fadenranken bis zur Unterkante des Textspiegels oder bis auf den Fußsteg geführt, von dem in regelmäßigen Abständen die Enden der jeweils äußersten Ranke nach links ausschwingen; die Bordüre ist ebenfalls mit den wechselnd gefärbten Perlen und Profilblättern besetzt. Die Zwickel des Rahmens und die Binnenfelder der Initialen zeigen vor einem grünen Hintergrund äußerst sorgfältig in roter (52v und 79r schwarzer) Umrisszeichnung ausgeführte Ranken mit vielfältig variierten vegetabilen Motiven: In den Zwickeln befinden sich meist diverse, je nach Raumangebot gekrümmte oder gerollte Tüten- oder Profilblätter, in den Binnenfeldern stets je zwei achsialsymmetrisch angeordnete große Blattmotive. In den meisten Fällen (29r, 41r, 52v, 64r, 92r, 107v, 141r ) handelt es sich um phantasievoll gebogene und geblähte großflächige akanthusartige Blätter mit gelappten und gezaddelten Rändern, es finden sich aber auch tief gespaltene und mehrfach gefingerte Fiederblätter (11r), schotenartige Profilblätter (79r) oder eine Knospenähre (93v). Alle Blätter sind geädert, die Kanten sind mit Strichelung zur Steigerung der plastischen Wirkung hervorgehoben. Die Initiale 79r ist offenbar von anderer Hand als die übrigen ausgeführt, der Hintergrund ist eher blass-olivgrün ausgeführt und die Bordüre fehlt. Zwei zusätzliche, kleinere Initialen mit rein blauen Buchstabenkörpern mit weißen Mustern über 3 Zeilen auf Bl. 93v (Ps 100) und 141r (Ps 143). — Die gesamte, qualitätvolle Initialgestaltung ist offenbar nordniederländischen Vorbildern verpflichtet, vor allem solchen aus der Region um Haarlem, Amsterdam und Utrecht, vgl. Korteweg Kriezels, 42–55 und 84–115. Sie wurden vermutlich über die Buchkultur der Devotio moderna nach Niedersachsen vermittelt, wo sie vor allem im Fraterhaus Lüchtenhof in Hildesheim angewendet und imitiert wurden, wie Cod. Guelf. 57 Helmst. zeigt. Eine gleichartige Initiale (allerdings ohne Perlenbesatz und Bordüre) in Cod. Guelf. 499.1 Helmst., 1r; mit gleicher Binnenfeldgestaltung, aber abweichendem Fleuronnée in Cod. Guelf. 551 Helmst.
Einband: Renaissance-Einband (16. Jh., 3. Viertel) mit alaungegerbtem weißem Schweinslederbezug. Streicheisenlinien, Plattenstempel (VD Platte Justitia, HD Platte Lucretia) und Rollenstempel (Rolle Reformatoren, Rolle Sächsisches Wappen und Rolle Christuskind mit Putten) wie bei Cod. Guelf. 499.1 Helmst. 4 Doppelbünde. Rotschnitt. 2 Riemenschließen mit keilförmigem Stiftlager und Schließenhaken in Gabelform mit gravierten Dekorationsmotiven (Linienbündel, Fischgrat- und Rautenmuster). An VD und HD 2 x 4 umgreifende Eckbeschläge aus Messing in Form eines langgezogenen Drachenvierecks in Druchbrucharbeit mit je einem getriebenen Hohlbuckel, Punzierungen und gravierten achsialsymmetrisch angeordneten Ornamenten. Einband und Beschläge identisch bei Cod. Guelf. 499.1 Helmst.
Inhalt:
  1. 1r–10r Kalendarium. Liturgisches Standardkalendarium der Windesheimer Kongregation der Augustiner-Chorherren, vergl. mit dem Druck GW 5243 (ungez.). Angegeben sind Goldene Zahl (rot), Tagesbuchstaben (schwarz) und römische Tageszählung (rot). Folgende ordens- und klostertypische Feste sind bemerkenswert: 4.5. Monice matris beati Augustini, 5.6. Bonifacii et sociorum eius IX lectiones (Diözesanpatron Mainz), 15.6. Viti et Modesti martirum Solempne festum (Hauspatron Hilwartshausen), 22.7. Marie Magdalene Duplex festum, 26.7. Anne matris beate Marie Memoria (Fest in der Kongregation erst im letzten Jahrzehnt des 15. Jh. eingeführt, hier von anlegender Hand), 3.8. Invencio sancti Stephani Maius duplex (Hauspatron Hilwartshausen), 28.8. Augustini episcopi solempne festum ordinis, 4.9. Octava Augustini Duplex festum, 11.10. Translacio sancti Augustini Duplex festum. Die Festgrade weichen hier wie in den übrigen Windesheimer Kalendarien des niedersächsischen Raumes z. T. von den in den Niederlanden aufgelegten Drucken ab; Modifikationen finden sich auch bei den sehr ausführlichen Angaben zur Feier bestimmter Feste, wenn sie mit Sonntagen oder beweglichen Festen zusammenfallen. 1r in die Zeilen zum 7. bis 9. Januar drei chronographische Verse zur Epiphaniasoktav eingetragen: Post epy ter pri ter do cantabitur Alle[luia]
    Post festum stelle nova luna decemque dierum
    Inde sequens sabbatum iubet Alleluia tacendum
    . Der erste Vers fehlt in den einschlägigen Repertorien, vgl. aber Tournai, Musée du Grand Séminaire, cod. 12, 14r–19v (Beschreibung online), die beiden folgenden bei Walther I 14320 (der Hexameter mit modifiziertem Beginn). Die Verse an gleicher Stelle auch in Cod. Guelf. 540 Helmst., 1r, und 551 Helmst., 1r. 2r (Ende Februar) von anderer Hand eine Notiz nachgetragen: Notandum quod in diocesi Maguntinensi in anno bisextili et festum sancti Mathie apostoli celebratur in ecclesia dei secundum tenorem illius versus: Litera mutatur sed festum non variatur. Der Vers aus: Computus Magistri Jacobi. Een schoolboek voor tijdrekenkunde uit 1436, hrsg. von M. Gumbert-Hepp, Hilversum 1987 (Middeleeuwse studies en bronnen 7), 76. Zusätzlich von späteren Händen folgende nekrologische Notizen: 3v zum 8.5. Alheydis de Stochulum monialis obiit M D VI feria sexta in Hil[wartshusen]; 5v zum 13.7. Obiit Hermanna de Stochum monialis Anno domini 1530 (Stochum, heute Stöckheim bei Northeim); 6r zum 5.8. Obiit Appolonia Beidenfelt monialis anno domini 1530. – 10v leer.
    Textgeschichte: Weitere Windesheimer Kalendare mit jeweils unterschiedlichen Beigaben in Cod. Guelf. 540 Helmst., 1r–13r; 551 Helmst., 1r–10r; 621 Helmst., 1r–13r; 1344 Helmst., 1r–11r; 1370 Helmst., 5r–23v.
  2. 11r–152v Psalterium feriatum canticis litaniisque adiectis secundum cursum Romanum ad usum congregationis WIndeshemensis CanAug.
    • (11r–146r) Psalterium feriatum. Gestaltung und Ausstattung mit Invitatorien, Antiphonen, Versikeln, Hymnen u.a. gemäß dem Gebrauch der Windesheimer Kongregation. Die Gliederung des eigentlichen Psalteriums entspricht wie im ältesten Windesheimer Brevierdruck (s. unten) der biblischen Abfolge der Psalmen sowie deren liturgischer Achtteilung: (11r–29r) Dominicis diebus: Ps 1–25 mit Invitatorium (CAO 1009), Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 4875 mit 8138, 1328, 1687 mit 8178, 1328, CANTUS 203911 mit CAO 8061 und 1328) und Laudes (CANTUS 202744, CAO 5177 und 1328). — (29r–41r) Feria secunda: Ps 26–37, angeschlossen 40v das Canticum Stegmüller RB 21g1, mit Invitatorium (CAO 1179 und Initium des Hymnus AH 51 Nr. 26), Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 2404, 1288, 3300, 4580, 2801, 4643 mit 8029, 8166 und CANTUS 800170) und Laudes (CAO 3773, 3359, 2169, 1918 und 3585, das Initium des Hymnus AH 51 Nr. 32 mit Versikel CAO 8181) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 1717). — (41r–52v) Feria tercia: Ps 38–51, angeschlossen 51v–52r Canticum Ezechie regis = Stegmüller RB 21g2 mit Invitatorium (CAO 1088) und Initium des Hymnus wie feria II, Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 5294, 4696, 2673, 1278, 3680, 2168, 8091 und 1328) und Laudes (CAO 4854, 4683, 4973, 2079 und 3232, Hymnus und Versikel wie feria II, nur anzitiert) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 2664). — (52v–64r) Feria quarta: Ps 52–67, angeschlossen 63r–64r das Canticum Stegmüller RB 21g3 mit Invitatorium (CAO 1087) und Initium des Hymnus wie feria II, Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 1549, 4568, CANTUS 204833, CAO 2089, 1196, 3230 mit 8011 und 1328) und Laudes (CAO 1390, 5115, 3557, 2414 und 1836, Hymnus und Versikel wie feria II, nur anzitiert) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 4684). — (64r–78v) Feria quinta: Ps 68–79, angeschlossen 77v–78v das Canticum Stegmüller RB 21g4 mit Invitatorium (CAO 1009) und Initium des Hymnus wie feria II, Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 2330, 2681, CANTUS 200140, CAO 2709, 3318, 4394 mit 8079 und 1328) und Laudes (CAO 5150, 2373, 3252, 3203 und 1762, Hymnus und Versikel wie feria II, nur anzitiert) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 3285). — (78v–92r) Feria sexta: Ps 80–96, angeschlossen 91r–92r das Canticum Stegmüller RB 21g5 mit Invitatorium (CAO 1066) und Initium des Hymnus wie feria II, Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 2814, 5219, 1733, 3387, 1721, 1764 mit 8104 und 1328) und Laudes (CAO 4678, 3309, 3182, 2326 und 3282, Hymnus und Versikel wie feria II, nur anzitiert) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 4270). — (92r–107r) Sabbatum: Ps 97–108, angeschlossen 104v–107r das [Canticum] Deuteronomii = Stegmüller RB 21g6 mit Invitatorium (CAO 1064) und Initium des Hymnus wie feria II, Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 4511, 1328, 3508, 1825, 1682, 5471, 1874, 8025 und 1328) und Laudes (CAO 1736, 1744, 3749, 2421 und 3218) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 3184). Alle Gesangsteile sind in kleinerer Schrift abgesetzt, Hymnen nur anzitiert. — (107v–110v) Dominicis diebus ad vesperas: Ps 109–113 mit den zugehörigen Vesperantiphonen (CAO 4853, 2865, 3251, 4971, 3960 und 1328) sowie (110v) der Ymnus [in dominicis diebus ad vesperas] (AH 51 Nr. 34, erste Strophe mit Notation). — (110v–111v) Feria II ad vesperas (pars I): Ps 114–116 mit den zugehörigen Vesperantiphonen (CAO 3319, 1944, 3586). — (111v–126v) Ps 117 und 118 für die kleinen Horen, gegliedert und ergänzt mit entsprechenden Kollekten, Invitatorien, Antiphonen und Versikeln. Folgende Hymnen sind ausgeschrieben, jeweils die erste Strophe mit Notation: (112v–113r) Ad primam (AH 51 Nr. 41); (118v–119r) Ad terciam ymnus (AH 50 Nr. 18); (121v) Ad sextam ymnus (AH 50 Nr. 19); (124r) Ad nonam ymnus (AH 50 Nr. 20). — (126v–127v) Feria II ad vesperas (pars II): Ps 119 und 120 mit den zugehörigen Vesperantiphonen (CAO 1824, 1536 und 1328) und (127v) dem Ymnus [in feria II ad vesperas] (AH 51 Nr. 35, erste Strophe mit Notation) mit Versikel (CAO 8018) sowie der Magnificatantiphon (CAO 3667). — (128r–130r) Feria III ad vesperas: Ps 121–125 mit den zugehörigen Vesperantiphonen (CAO 3229, 4473, 1279, 1735, 2839 und 1328) und (129v) dem Ymnus [in feria III ad vesperas] (AH 51 Nr. 36, erste Strophe mit Notation) mit Versikel (CAO 8018) sowie der Magnificatantiphon (CAO 3220). — (130r–132r Feria quarta ad vesperas: Ps 126–130 mit den zugehörigen Vesperantiphonen (CAO 3885, 1587, 1732, 2116, 4990 und 1329) und (132r) dem Ymnus [in feria IV ad vesperas] (AH 51 Nr. 37, erste Strophe mit Notation) mit Versikel (CAO 8018) sowie der Magnificatantiphon (CAO 4510). — (132v–136r) Feria V ad vesperas: Ps 131–136 mit den zugehörigen Vesperantiphonen (CAO 2713, 2537, 4139, 4567, 3151 und 1328) und (135v–136r) dem Ymnus [in feria V ad vesperas] (AH 51 Nr. 38, erste Strophe mit Notation) mit Versikel (CAO 8018) sowie der Magnificatantiphon (CAO 2149). — (136r–140v) Feria VI ad vesperas: Ps 137–142 mit den zugehörigen Vesperantiphonen (CAO 3215, 2367, 1197, 2328, 4316 und 1329) und (139v–140r) dem Ymnus [in feria VI ad vesperas] (AH 51 Nr. 39, erste Strophe mit Notation) mit Versikel (CAO 8018) sowie der Magnificatantiphon (CAO 5087). — (141r–144v Sabbato ad vesperas: Ps 143–147 mit den zugehörigen Vesperantiphonen (CAO 1720, 3204, 3583, 2148, 1734 und 1328) und (144r–v) dem Hymnus in sabbato ad vesperas (AH 50 Nr. 7) mit dem Versikel (CAO 8240). — (144v–146r) Ps 148–150 ad laudes in omnibus diebus.
    • (146r–v) Te deum. >Canticum<. Druck (u. a.): PL 86, 944A–D; Daniel 2, 276f. Nr. II. Zum Text vgl. CPL 650.
    • (146v–147v) >Canticum trium puerorum<. Stegmüller RB 21g7.
    • (147v) >Canticum Zacharie<. Stegmüller RB 21h1.
    • (148r) >Canticum beate Marie<. Stegmüller RB 21h2.
    • (148r) >Canticum Symeonis<. Stegmüller RB 21h3.
    • (148r–150r) Kyrie cum litaniis rogationibusque. >Item letania<. Die Namen der angerufenen Heiligen sind zweispaltig angeordnet. Die Litanei entspricht dem Windesheimer Brevier (GW 5240, h VIIrb–VIIIva) mit folgenden Ergänzungen: 148vb Sancte Line radiert und von anderer Hand ergänzt: Sancte Vite. Sancte Line (Vitus Hauspatron Hilwartshausen); 149rb auf dem Fußsteg ergänzt: Sancte Jodoce (möglicherweise Kapellen- oder Altarpatrozinium, in den Repertorien nicht nachweisbar).
    • (150r–151v) Preces minores. >Preces<.
    • (151v–152v) >Preces maiores<.
    Textgeschichte: Weitgehend identisch auch in Cod. Guelf. 540 Helmst., 13v–142v; abweichend (Te deum und Ps 118 sind gemäß der liturgischen Tagzeitenordnung und wie in den späteren Brevierdrucken zwischen Ps. 108 und 109 eingeschoben) in Cod. Guelf. 551 Helmst., 10v–135r.
    Alle Bestandteile textidentisch mit dem Psalterium feriatum des Brevierdrucks GW 5240, a Ira – i Ivb (in den späteren Drucken ist Ps 118 gemäß der liturgischen Tagzeitenordnung zwischen Ps 108 und Ps 109 eingeschoben).
  3. 152v >Suffragia de sancta Lucia<. In tua paciencia possedisti animam tuam Lucia sponsa Christi (CAO 3301) … — … ut sicut de beate Lucie festivitate gaudemus ita pie devocionis erudiamur affectu (Deshusses 784). Per. Der Text beinhaltet neben der eingangs zitierten Antiphon und dem Schlussgebet den Versikel CAO 8164. Von anderer Hand nachgetragen, vielleicht von einer Besitzerin des Psalters mit gleichem Namen.
  4. 153r–162v Officium defunctorum secundum usum congregationis Windeshemensis CanAug. Placebo domino in regione vivorum (CAO 4293) … — … Vix iustus salvabitur et iniquus condempnabitur ante tribunal iudicis in die iudicii (CAO 7091ab). Libera. Der Text des Windesheimer Totenoffiziums ist einschließlich der beiden zusätzlichen Versikel am Schluss identisch mit Cod. Guelf. 499.1 Helmst., 1r–16v; die Responsorien entsprechen wie dort Ottosen, 174: 25–44–47, 138–93–83, 40–79–18, sowie 143: 14–72–24, 68–57–82, 32–58–38.
    Textgeschichte: Zu Parallelüberlieferung und Druckausgaben vgl. Cod. Guelf. 483 Helmst., 86r–97v.
  5. 162v–167v Orationes de commendatione defunctorum. >In commemoracione defunctorum<. Die Textsammlung wiederholt die Litanei und die Fürbitten (vgl. oben, 148r–150r) und enthält im einzelnen folgende, durch Psalmverse, Antiphonen, Responsorien und Versikel ergänzte Gebete: CC Corp. orat. 3803; Deshusses 1415, 4071, 4077, 4059, 4073, 1437, 4075, 1403, 1401, 1399, 1402, 4072, 1398, 1409–1411, 1407, 1408, 1412, 1414, 1413, 2935, 1404 und 1437. Alle Gebetsformeln sind konsequent ins feminine grammatische Geschlecht transponiert. Der gesamte Abschnitt wurde aus dem sog. "Manuale Windeshemense" entnommen, der ungedruckte Text hier vergl. mit Cod. Guelf. 1028 Helmst., 81r119v, in z. T. abweichender Reihenfolge; dazu auch R. Th. M. van Dijk, De constituties der Windesheimse vrouwenkloosters vóór 1559. Bijdrage tot de institutionele geschiedenis van het kapittel van Windesheim, Nijmegen 1986 (Middeleeuwse studies 3), 221–227. In der ältesten Fassung des Windesheimer Breviers (GW 5240) fehlt dieser Abschnitt noch völlig, in den Fassungen ab 1499 (hier vergl. mit GW 5243, i IIvb–IIIva) ist er wesentlich kürzer und enthält nur die ersten 8 Orationen ohne Litanei.
    Textgeschichte: In abweichender Reihenfolge auch in Cod. Guelf. 540 Helmst., 157r–167v.
  6. 168r Hymnus de BMV. AH 50 Nr. 241. Direkt im Anschluss De sancto Nicolao die Antiphon CAO 4052. – 168v leer.
Entstehung der Handschrift: Der Codex wurde nach Ausweis der Schriftmerkmale und des Buchschmucks um 1500 im Hildesheimer Fraterhaus Lüchtenhof geschrieben; die Datierung wird gestützt durch das von anlegender Hand eingetragene Annenfest im Kalendar (vgl. bei Cod. Guelf. 499.1 Helmst.).
Provenienz der Handschrift:
  • Er war vermutlich wie der eben genannte Band und Cod. Guelf. 551 Helmst. als Auftragsarbeit für das Augustiner-Chorfrauenstift Hilwartshausen bestimmt. Für diese Lokalisierung sprechen die Feste der Ordens-, Diözesan- und Hauspatrone in im Kalendar und in den Litaneien sowie die nekrologischen Nachträge. —
  • Der Codex befand sich mindestens seit 1578 im Besitz Wilhelms von Lysfelt, vgl. bei Cod. Guelf. 499.1 Helmst.
Erwerb der Handschrift: Seit dem 5.4.1587 in der Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel, 1r entsprechender Einkunftsvermerk: Presentiret Juliusfriedenstede bei der Heinrichsstadt zu Gotteslager den 5ten Aprilis Anno 1587 von Fritzlar einkomen, dahin es H. Erichen zu Braunschweig unehelicher Sohn auß dem Lande gebracht. 1588 von Eberhard Eggelinck im Verzeichnis der Pergamenthandschriften der Bibliotheca Julia (NLA – StA Wolfenbüttel, 1 Alt 22, 83, 22r–35v, hier 26v) zusammen mit Cod. Guelf. 540 Helmst. und 551 Helmst. als Psalterium Dauidis vff Pergamein in quarto vnd bretern mit weißem leder vbertzogen vnd Clausuren beschlagen gebunden, 3 Exemplaria verzeichnet. 1614 im Gesamtkatalog von Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 184 [159]) unter den Sacra Biblia et partes bibliorum als Psalterium manuscriptum in pergament new beschlagen mit der Signatur E 15 nachgewiesen. Seit 1618 in der Universitätsbibliothek Helmstedt, 1644 im Katalog der Helmstedter Universitätsbibliothek (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 9r) als Psalterium in membrana cum officio mortuorum roth aufm schnit unter den Theologici in folio beschrieben; im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 739 aufgeführt.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)

Abgekürzt zitierte Literatur

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CANTUS CANTUS: A Database for Latin Ecclesiastical Chant. Indices of chants in selected manuscripts and early printed sources of the liturgical Office (http://cantus.uwaterloo.ca//)
CAO R.-J. Hesbert, Corpus antiphonalium officii, Bd. 1–6, Rom 1963–1979 (Rerum ecclesiasticarum documenta. Series maior 7–12)
CC Corp. orat. Corpus orationum, Bd. 1–14, hrsg. von E. Moeller, J. M. Clément und B. Coppieters ’t Wallant, Turnhout 1992–2004 (Corpus Christianorum. Series Latina 160)
CPL Clavis patrum Latinorum, hrsg. von E. Dekkers, Steenbrugge u.a. 31995 (Corpus Christianorum. Series Latina)
Daniel H. A. Daniel, Thesaurus hymnologicus sive Hymnorum, canticorum, sequentiarum circa annum MD usitatarum collectio amplissima, Bd. 1–5, Leipzig 1855–1862
Deshusses J. Deshusses, Le sacramentaire Grégorien. Ses principales formes d'après les plus anciens manuscrits, 3 Bde., Fribourg 1971–1982 (Spicilegium Friburgense 16, 24, 28)
GW Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Bd. 1–, Leipzig 1925–1938, Stuttgart 1978–
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Niedersächsisches Klosterbuch Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810, 4 Bde., hrsg. von J. Dolle und D. Knochenhauer, Bielefeld 2012 (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen 56,1–4)
Ottosen K. Ottosen, The responsories and versicles of the latin office of the dead, Aarhus 1993
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
Stegmüller RB F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, Bd. 1–11, Madrid 1950–1980
Walther I H. Walther, Initia carminum ac versuum medii aevi posterioris Latinorum, Göttingen 1959 (Carmina medii aevi posterioris Latina 1)

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