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Beschreibung von Cod. Guelf. 612 Helmst.
geplant: Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 3: Cod. Guelf. 441 bis 615 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser.
Handschriftentitel: Hugo Argentinensis
Entstehungsort: Tangermünde
Entstehungszeit: 1461
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Wasserzeichen: Dreiberg, darüber zweikonturige Stange, darüber zweikonturiges Kreuz: 151454, 151455 (beide 1461). Ochsenkopf mit Augen, darüber zweikonturige Stange, darüber Blume, darunter Beizeichen – Marke aus Schaft, zwei Kreuzsprossen und Dreieck (zwei Typen, nicht nachweisbar).
Umfang: 162 Bl.
Format: 20,5 × 14,5 cm
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 1162. Auf Bl. 4139 (mit Beginn von lib. 1 cap. 1) Tintenfoliierung des 15. Jh. in römischen Zahlen: ICXXXIX (teilweise durch Beschnitt fragmentiert), springt durch Blattverlust von XLVIII (Bl. 51) auf LII (Bl. 52).
Lagenstruktur: 4 VI (48). VI–3 (57). 8 VI (153). V–1 (162).
Seiteneinrichtung: 17–17,5 × 10–11 cm, Tabula zwei-, sonst einspaltig, 34–42 Zeilen.
Hände: Bastarda von der Hand des Schreibers Tilomannus Botho; die Überschriften der Bücher in Textualis als Auszeichnungsschrift.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, rote Lombarden, einige in Umrisszeichnung oder mit schlichten Verzierungen (Gesichter im Binnenfeld).
Spätere Ergänzungen: Zahlreiche Maniculae und Notavermerke des Rubrikators.
Einband:
  • Spätgotischer Holzdeckelband mit Halbbezug aus dunkelbraun gefärbtem Schafsleder (Fleischseite außen). Streicheisenlinien. Einzelstempel (nur HD) Rautengerank mit Besatz: EBDB s004063. Rosette, ein Blattkranz, sechsblättrig: EBDB s007888. Rosette, ein Blattkranz, siebenblättrig: EBDB s008048. Knospenstaude, Knospe oben abgerundet, mit Krause: EBDB s001443. Sämtlich aus der Werkstatt "Johannes von Brakel, Klus" (EBDB w000352). 3 Doppelbünde. Eine Riemenschließe verloren.
  • Nach der Entfernung des vorderen Teils des Codex einschließlich des VD (s. unten) VD erneuert: Holzdeckel mit offenbar zweitverwendetem Schafslederüberzug, mit dem HD durch einen neuen, ebenfalls schafsledernen Rückenüberzug verbunden (analoge Gestaltung wie bei Cod. Guelf. 213 Helmst.). Die Reparatur wurde zwischen 1764 und 1785 in der Werkstatt des Buchbinders Anton Friedrich Wirck in Helmstedt vorgenommen.
Zusatzmaterial: Fragment (hinteres Vorsatz und HS): Pergament, ein Bl., 28 × 20 cm, quer eingeheftet, eine Hälfte als Spiegel an den HD geklebt. Schriftraum: 26 × 16,5 cm, einspaltig, 15 Zeilen. Textualis, 14. Jh.Rubriziert, rote Lombarden und schwarz-rote Cadellen. Über jeder Textzeile ein Notensystem von 5 Notenlinien, f-Linie rot, c-Linie gelb, mit gotischer Choralnotation (Hufnagelnotation).Antiphonale officii (Proprium de sanctis). I*vHS und I*r: Antiphonen (CAO 3575, 1272, 5028, 4317, 4229, CANTUS 205826, CAO 2622, 3580, 3510, 4530, 2357, 5094 [auf Rasur nachgetragen], 7637), Responsorien (CAO 7579, 7395, 7575) und Versus (CAO 8170, 8130, 7997) zu den Tagzeiten S. Stephani. I*r: Antiphon CAO 6113 zu S. Johannis Evangelistae. Aus dem gleichen Band wie die Einbandmakulatur in Cod. Guelf. 502 Helmst. (nur VS, siehe dort).
Entstehung der Handschrift: Der Codex wurde 1461 von dem aus einer Gandersheimer Ratsfamilie stammenden Tilomannus Botho († 1497, siehe zu ihm ) während seiner Tätigkeit an der Lateinschule in Tangermünde geschrieben. Im gleichen Zeitraum stellte er dort auch den Band Göttingen, ULB, Cod. Ms. philol. 106 fertig (Göttingen 1, 23).
Provenienz der Handschrift: Bei seinem Eintritt ins Benediktinerkloster Clus 1462 brachte Botho diese beiden Codices in die Konventsbibliothek. Dort wurde die vorliegende Hs. mit einem oder mehreren Drucken zu einem Mischband zusammengebunden. In Clus selbst schrieb Botho ungeachtet der Belastung durch seine Ämter als Cantor und Prior noch an Cod. Guelf. 153 Helmst. und 1161 Helmst. mit.
Erwerb der Handschrift: Der Mischband wurde am 3.2.1624 mit der übrigen Konventsbibliothek in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt. Da er aufgrund der vorgebundenen Drucke zunächst nicht unter den Handschriften eingestellt war, fehlt er im Handschriftenkatalog der Helmstedter Universitätsbibliothek von 1644 (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°); da der älteste Helmstedter Bibliothekskatalog nicht erhalten ist, konnte der Inhalt der Drucke nicht mehr ermittelt werden. Nach der Auflösung des Überlieferungsverbundes ist die Hs. erstmals im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 580 als Compendium theologicæ veritatis per Eilomannum[sic] Bothen in Tangermundis ao. 1461. chart. 4° beschrieben.
Inhalt:
1. 1ra158v Hugo Argentinensis: Compendium theologicae veritatis.
  • (1ra3v) Tabula. >Incipit prologus in compendium theologice veritatis<. Liber primus de natura divinitatis. Quod deus est folio primo. Quod unus deus est folio secundo … — … De aureolis in commune[sic]. De aureolis in specie. Enumeracio gaudiorum celestium. >Et tantum de titulis<.
  • (3v158v) Textus. >Prologus in compendium theologice veritatis<. Veritatis theoloyce sublimitatis[sic] cum superni sit splendoris … — … quisque beatus secundum merita recipiat sine fine quod nobis prestat[sic] beata trinitas Amen. Explicit Compendium theoloyce veritatis per me Tilomannum Bothen in Tangermundis anno domini Millesimo quadringentesimo sexagesimo primo post Bartholomei pro quo deus benedictus in evum (Colophons 18054).
Textgliederung durch Kapitelüberschriften und Angabe der Bücher im Kolumnentitel. Die Kapitel lib. 1 cap. 31 (Bl. 24v), lib. 2 cap. 4–6 (Bl. 28v30r), cap. 46 (Bl. 58v) sind gekürzt. Nach Bl. 51v Textverlust; es fehlen etwa die Hälfte von lib. 2, cap. 57, cap. 58 und 59 ganz sowie der überwiegende Teil von cap. 60. Die Kapitel lib. 3 cap. 22–28 sowie cap. 30–34 sind zusammengezogen und jeweils leicht gekürzt, ebenso lib. 6 cap. 13 und 14 sowie 15 und 16 (Bl. 129v131r). Lib. 6 cap. 37 ist dagegen in zwei Kapitel geteilt. Auf Bl. 158r nach lib. 7, cap. 30 eine Bemerkung: tunc magister Andreas maxime infernus.
Textgeschichte: Auch in Cod. Guelf. 396 Helmst., 1ra56va; 679 Helmst., 1ra–191v; 681 Helmst., 1ra137rb; 1077 Helmst., 1ra90vb (unvollständig); 1256 Helmst., 8r–176r; 69.18 Aug. 2°, 1ra156vb; 23.28 Aug. 4°, 1ra–201r. Exzerpte: Cod. Guelf. 552 Helmst., 264r–268v, 271r–274v ; 702 Helmst., 100r138r; 44.3 Aug. 2°, 292v–295v. Nur Tabula: Cod. Guelf. 203 Helmst., 135ra-136ra; 71.10 Aug. 2°, 1r12r. Die sog. ‘ostfälische Klosterversion’ in Cod. Guelf. 138 Helmst., 1ra–225rb.
Druck
  • Bloomfield Nr. 6399 (Hs. genannt);
  • Stegmüller RS Nr. 368;
  • Mohan, 485;
  • Distelbrink, 104 Nr. 75;
  • Kaeppeli Nr. 1982 (S. 268 Hs. genannt);
  • G. Steer, Hugo Ripelin von Straßburg. Zur Rezeptions- und Wirkungsgeschichte des ‘Compendium theologicae veritatis’ im deutschen Spätmittelalter, Tübingen 1981 (Texte und Textgeschichte 2), 141 Nr. 449 (Hs. genannt);
  • 2VL 4, 252–266.
159r162v leer.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
Bloomfield M. W. Bloomfield, Incipits of Latin Works on the Virtues and Vices 1100–1500 A.D., Cambridge/Mass. 1979 (Publications of the Medieval Academy of America 88)
Bonaventurae opera Peltier S. R. E. Cardinalis S. Bonaventurae ex ordine minorum episcopi Albanensis eximii ecclesiae doctoris opera omnia … cura et studio A. C. Peltier, Bd. 1–15, Paris 1864–1871
CANTUS CANTUS: A Database for Latin Ecclesiastical Chant. Indices of chants in selected manuscripts and early printed sources of the liturgical Office (http://cantus.uwaterloo.ca//)
CAO R.-J. Hesbert, Corpus antiphonalium officii, Bd. 1–6, Rom 1963–1979 (Rerum ecclesiasticarum documenta. Series maior 7–12)
Colophons Colophons de manuscrits occidentaux des origines au XVIe siècle, Bd. 1–6, ed. par les Bénédictins du Bouveret, Fribourg/Schweiz 1965–1982 (Spicilegii Friburgensis subsidia 2–7)
Distelbrink B. Distelbrink, Bonaventurae scripta: authentica, dubia vel spuria critice recensita, Rom 1975 (Subsidia scientifica Franciscalia 5)
EBDB Einbanddatenbank (http://www.hist-einband.de/, besonders die Sammlung Wolfenbüttel)
Fasbender C. Fasbender, Von der Wiederkehr der Seelen Verstorbener. Untersuchungen zu Überlieferung und Rezeption eines Erfolgstextes Jakobs von Paradies. Mit einem Abdruck des Autographs, Heidelberg 2001 (Jenaer germanistische Forschungen N.F. 12)
Goetting 2 H. Goetting, Das Bistum Hildesheim, Bd. 2: Das Benediktiner(innen)kloster Brunshausen. Das Benediktinerinnenkloster St. Marien vor Gandersheim. Das Benediktinerkloster Clus. Das Franziskanerkloster Gandersheim, Berlin, New York 1974 (Germania Sacra N.F. 8)
Göttingen 1 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 1: Universitäts-Bibliothek: Philologie, Literärgeschichte, Philosophie, Jurisprudenz, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Herbst Klus H. Herbst, Das Benediktinerkloster Klus bei Gandersheim und die Bursfelder Reform, Leipzig, Berlin 1932 (Beiträge zur Kulturgeschichte des Mittelalters und der Renaissance 50)
Kaeppeli T. Kaeppeli, Scriptores ordinis praedicatorum, Bd. 1–4, Rom 1970–1993
Krämer S. Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, Bd. 1–3, München 1989–1990 (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Ergänzungsband 1)
Lesser Clus B. Lesser, Die Benediktiner von Clus und ihre Bücher. Exemplarische Analyse und Rekonstruktion der Konventsbibliothek, in: Zentrum oder Peripherie? Kulturtransfer in Hildesheim und im Raum Niedersachsen (12.–15. Jahrhundert), hrsg. von M. E. Müller und J. Reiche, Wiesbaden 2017 (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 32), 165–228
Lesser Johannes von Brakel B. Lesser, Johannes von Brakel – Buchbinder und Schreiber im Benediktinerkloster Clus, in: Wolfenbütteler Notizen zur Buchgeschichte 38 (2014), 77–122
Mohan G. E. Mohan, Initia operum Franciscalium (XIII–XV s.), St. Bonaventure/NY. 1975–1978 (Franciscan Studies 35, 37, 38)
RETM Repertorium edierter Texte des Mittelalters aus dem Bereich der Philosophie und angrenzender Gebiete, 2. Aufl., hrsg. von R. Schönberger u. a., Bd. 1–4, Berlin 2011
Stegmüller RS F. Stegmüller, Repertorium commentariorum in Sententias Petri Lombardi, Bd. 1–2, Würzburg 1947

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