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Beschreibung von Cod. Guelf. 613 Helmst.
geplant: Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 3: Cod. Guelf. 441 bis 615 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser.
Handschriftentitel: Johannes Rode von Hamburg. Heinrich von Langenstein. St. Bernhards Lehre an eine Jungfrau
Entstehungsort: Südostniedersachsen (Augustiner-Chorfrauenstift Heiningen?)
Entstehungszeit: 15. Jh., 3. Viertel
Katalognummer: Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412383,T
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Aus zwei Teilen zusammengesetzt: I 1ra–48vb, II 49r–89v.
Umfang: 91 Bl.
Format: 21,5–22 × 14,5–16 cm
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 189, die beiden ersten leeren Bl. ungez.
Lagenstruktur: I (ungez.). 6 VI (72). VIII (88). I–1 (89). Bogensignaturen aus Minuskelbuchstabe und römischer Zahl (aIgVIII). Lagenmitte jeweils durch beschriebene Pergamentfalze verstärkt.
Zustand: Buchblock im oberen Bereich durch Rotschimmel geschädigt, Schwemmränder eines Wasserschadens.
Einband: Spätgotischer Koperteinband aus zwei ineinandergefalteten und am Rand vernähten Pergamentblättern, stark berieben, durch Wasser und Fraß beschädigt. Die Lagen sind mit Langstichheftung auf einen durchgehenden, doppelt gelegten Pergamentfalz geheftet, der an Kopf und Schwanz mit je zwei Langstichen am Umschlag befestigt ist. Eine Rückenverstärkung fehlt, ebenso ein Teil der von hinten nach vorn reichenden Umschlagklappe und der Wickelverschluss. Bindung und Einbandmontage sehr ähnlich mit dem vermutlich aus dem Augustiner-Chorfrauenstift Heiningen stammenden Cod. Guelf. 1129 Helmst.
Zusatzmaterial: 3 Fragmente, 1. Äußerer Umschlag: Pergament, ein an den Kanten umgeschlagenes Doppelbl. (nur am unteren Rand beschnitten), misst entfaltet noch ca. 27 x 40,5 cm. Schriftraum: ca. 20,5 x 12,5 cm, einspaltig, noch 19 Zeilen, Blindliniierung.Frühe Textualis (Gesangsteile in kleinerer Schrift abgesetzt), 13. Jh., 1. Hälfte. Rubriziert, rote und blaue Lombarden und Satzmajuskeln, auf der Innenseite eine rote Initiale in Unzialform mit konturbegleitendem Palmettenfleuronnée. Durch Gebrauch und Wassereinfluß Text stark abgerieben, nur noch teilweise erkennbar. Missale. VDr: Epistellesung I Cor 15,50-54 und Responsorium CAO 6417 (Votivmesse pro defunctis?); VDv: Epistellesung Iob 19,21-27; HDr–v: Litanei. 2. In den äußeren Umschlag kopfständig eingelegt: Pergament, ein Doppelbl., misst noch ca. 21,5 x 35,5 cm (am oberen Rand beschnitten), aus dem gleichen Band noch der doppelte Heftfalz. Schriftraum: 18,5 x 14,5 cm, einspaltig, nach 25 Zeilen.Carolino-Gothica, 12. Jh., 2. Hälfte. Über jeder Zeile adiastematische Neumen. Rubriziert, rote Lombarden. Antiphonale officii. VSr–v und HSr–v: Sanctorale. VS Antiphonen, Responsorien und Versikel zu Nicolai (6.12., CAO 7719a, 6679, 6679a, 6650, 6650a, 1651, 2652, 3329, 4711 und 4717) und Luciae (13.12., CAO 3639, 7206a, 7550, 7550a, 6789, 4178, 4267, 1703, 5110 und 1855). HS: Antiphonen, Responsorien und Versikel zu Agathae (5.2., CAO 6990, 5412, 6001, 3744, 5322, 7680, 3881, 5412, 7140a, 2975, 1557, 6760, 6760a, 4547, 3733, 2975, 1702, 4480, 4208 und 4958). Heftfalz: Temporale. Antiphonen, Responsorien und Versikel zur Dominica 3 quadragesimae (erkennbar CAO 6999, 7559a, 5424 und 6673). 3. Insgesamt 9 Pergamentfalze als Lagenverstärkung. Über jeder Zeile ein Notensystem, Gotische Choralnotation (Hufnagelnotation) auf fünf Linien, c-Linie rot, f-Linie gelb.Textualis, 14. Jh., 1. Hälfte. Antiphonale oder Graduale. Die erhaltenen Textfragmente reichen für eine Bestimmung nicht aus.
Entstehung der Handschrift: Der Codex dürfte im dritten Viertel des 15. Jh. in einem südostniedersächsischen Frauenkloster entstanden bzw. für ein solches angefertigt worden sein, zumal sich die Vorlage im Stift Sterburg befand (siehe unten). Eine nähere Lokalisierung ist mangels Besitz- oder Einkunftsvermerken nicht möglich, der charakteristische zusammengesetzte Koperteinband könnte aber auf die Herkunft aus dem Augustiner-Chorfrauenstift Heiningen hindeuten.
Erwerb der Handschrift: Sofern dies zutrifft, wurde er am 12.4.1572 in die Bibliotheca Julia überführt worden sein und ist dort erstmals 1614 im Gesamtkatalog von Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 302 [297]) unter den Papalia miscellanea als Epistolæ Germanicæ Domini Johannis de Hamborch prioris Cartusiensis prope Stetinum. Conpleti descripti in vigilia Assumptionis Mariæ anno 1461. Ad Sorores beatæ Brigittæ Monasterii prope Revaliam. Ibidem von den Ghijstliken luden, Beghinen, die da heten proprietarii, die da etwas eigens hebben. Ist deutsch und Lateinisch durcheinander mit der Signatur Z 49 nachgewiesen. Seit 1618 in der Universitätsbibliothek Helmstedt, 1644 im Helmstedter Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 17v) als Epistolæ Iohannis de Hamborg monachi Cartusiensis in alter Sächsischer sprache. Van den geistlichen lyeden[sic] de de heten proprietarii unter den Theologici MSSti in quarto beschrieben; im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 644 genannt.
Bibliographie
Handschriftenteil: I
Entstehungszeit: 1461
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Wasserzeichen: Ochsenkopf mit Augen, darüber zweikonturige Stange, darüber zweikonturiges Kreuz, darüber Blume: 68904, 68905 (beide 1462).
Umfang: 50 Bl.
Format: 22 × 16 cm
Lagenstruktur: I (ungez.). 4 VI (48). Reklamanten.
Seiteneinrichtung: 15 × 10,5 cm, einspaltig, 26 Zeilen.
Hände: Sehr regelmäßige Bastarda von einer Hand.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, rote Lombarden.
Hauptsprache: Schreibsprache: Mittelniederdeutsch.
Inhalt:
  1. Ir–IIr leer, IIv Inhaltsangabe des 17. Jh.: Epistolæ Germanicæ domini Johannis de Hamborg Ad Venerabiles Sorores Ordinis S. Brigittæ Monasterii prope Revaliam. In alter sachsischer Sprach (vermutlich bei der Katalogisierung 1614 oder 1644 nachgetragen).
  2. 1r–46v Johannes Rode von Hamburg: Brief an die Birgittinerinnen bei Reval. Venerabilibus religiosisque sororibus conversacionis ac vite honestate conspicuis ordinis beate Brigitte monasterii prope Revaliam … Venerabiles domine sororesque in Christo karissime. Iuwer susterliker leve vnd gunstes to vnsern covente also gi vns entfangen … — … In deme Jare Christi vnses heren M CCCC XXV in der vasten iuwen entfoldigen sonen vorbenompt cartuser to Stettin. >Expliciunt epistole domini Johannis prioris cartusiensis prope Stettin<. Conpletum in vigilia Assumpcionis Marie Anno M CCCC LXI.
    Textgeschichte: Wahrscheinlich kopiert von dem im April 1461 im Birgittinerinnenkloster Marienwohlde (Holstein) geschriebenen Cod. Guelf. 704 Helmst., 143r–188r, der in den Besitz der Ermgard von Bülow, Priorin des Augustiner-Chorfrauenstifts Steterburg gelangt war.
    Ungedruckt.
    Literatur
    • F. Köhler, Der Kartäuserprior Johannes von Hamburg und die Schwestern des Brigittenklosters bei Reval, in: Revaler Beobachter vom 14. 10. 1892, Sonderdruck, 1–8 (pass. Hs. genannt);
    • R. Ohlbaum, Johann Rode aus Hamburg. Vom deutschen Geistesleben in Böhmen um 1400, Prag 1943 (Sudetendeutsches historisches Archiv 5), (IX, 92 Hs. genannt);
    • G. Schlegel, Johann Rode (1373–1439) 1. Leben und Werk eines Kartäusers, in: Liber amicorum James Hogg – Kartäuserforschung 1970–2006, hrsg. von M. Niederkorn-Bruck, Bd. 6 (Analecta Cartusiana 210/6), Salzburg 2008, 69–92 (78 Hs. genannt);
    • 2VL 8, 123–128 (127 Hs. genannt);
    • Das geistliche Schrifttum des Spätmittelalters, mit einem einführenden Essay von R. D. Schiewer und W. Williams-Krapp, Berlin, New York 2011 (Deutsches Literatur-Lexikon 2), 806–808 (808 Hs. genannt);
    • Handschriftencensus Nr. 6712.
    – 47r–48v leer.
Handschriftenteil: II
Entstehungszeit: 15. Jh., 3. Viertel
Beschreibstoff:
Umfang: 41 Bl.
Format: 21,5 × 14,5 cm
Lagenstruktur: 2 VI (72). VIII (88). I–1 (89).
Seiteneinrichtung: 15 × 9 cm, einspaltig, 26–29 Zeilen.
Hände: Sehr regelmäßige jüngere gotische Kursive von einer Hand.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, rote Lombarden.
Hauptsprache: Schreibsprache: Mittelniederdeutsch.
Inhalt:
  1. 49r–72r Henricus de Langenstein: Tractatus de proprietariis religiosis (mndt. Übersetzung). >Van den gheystliken luden dede heten proprietarij Maria mater<. Dor der salicheit willen der iennen dede sunde begheren to vleende vppe dat se to de weghe der warheit kommen … — … des helpe vns alle de hilghe drevoldicheit de vader vnd de sone vnd de hilghe gheyst Amen.
    Textgeschichte: Hier liegt der bislang unbekannte einzige vollständige Überlieferungszeuge der mndt. Übersetzung des Werkes vor. Text- und Autoridentifikation nach der (unvollständigen) Parallelüberlieferung in der Hs. Strasbourg, BNU, Ms. 2106 (olim L germ. 182.8°), 364r–367r (A. Becker, Die deutschen Handschriften der kaiserlichen Universitäts- und Landesbibliothek zu Straßburg, Straßburg 1914 [Katalog der kaiserlichen Universitäts- und Landesbibliothek in Straßburg], 16).
    Literatur
    • T. Hohmann, Deutsche Texte unter dem Namen ‘Heinrich von Langenstein’ in: Würzburger Prosastudien II: Untersuchungen zur Literatur und Sprache des Mittelalters. Kurt Ruh zum 60. Geburtstag, hrsg. von P. Kesting, München 1975 (Medium aevum 31), 219–236, hier 230;
    • Hohmann, 413 Nr. 157;
    • 2VL 3, 763–773, hier 771;
    • CALMA 5, 439 Nr. 116.
  2. 72r–76r De quattuor notabilibus de quibus homines admirantur (mndt. Übersetzung). Quatuor sunt inter cetera de quibus mirantur homines. Veer dingh sunt so wunderlik dat sek de propheten der vorwundern … — … Dut sint de ver wunderlike dink dar van ghescreven is van vele lereren. Der Traktat behandelt in scholastischen Distinktionen vier Ausprägungen des Theodizee-Problems und ihre Widerlegung. Dabei handelt es sich offenbar um eine bislang unbekannte und nur hier nachgewiesene Übersetzung (die lateinischen Zwischenüberschriften sind meist beibehalten) des anonymen lateinischen Traktats in der Hs. Berlin, SBBPK, Ms. Magdeb. 76, 204ra–211rb (Berlin 4,2, 27). Ungedruckt.
  3. 76r–88v St. Bernhards Lehre an eine Jungfrau. >Dut ik eyn lere de Sunte Bernhardus lerde eynner Iuncfrowen<. Dit was to eynnen male eyn iuncfruwe de hedde Cristo gherne ghedenet vnd konde nicht wol ane lere komen … — … de dat vns dat alle ghesche
    des helpen vns de namen dre
    vader sone hilge geist
    orer gnade behone we aller meist
    .
    Textgeschichte: Auch in Cod. Guelf. 1136 Helmst., 265r–284r; 1155 Helmst., 130v–148v; 1189 Helmst., 1r–23v; 1233 Helmst., 353v–375r; 1240 Helmst., 109r–126r; 1245 Helmst., 62v–79v; 1246 Helmst., 172r–195r; 1025 Novi, 185v–203v. Die lateinische Fassung allein in Cod. Guelf. 1251 Helmst., 250r–263v.
    Ungedruckt. Der Text dürfte im südostniedersächsischen Raum in einem oder für ein Nonnenkloster entstanden sein, möglicherweise im Zisterzienserinnenkloster Wöltingerode, aus dessen Bibliothek die lateinische Fassung stammt, der nach Borchling 3, 30 (Hs. genannt) die Priorität zukommt.

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
Berlin 4,2 Die Manuscripta Magdeburgica der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Bd. 2: Ms. Magdeb. 76–168, beschrieben von U. Winter und K. Heydeck, Wiesbaden 2004 (Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz. Kataloge der Handschriftenabteilung, Reihe 1: Handschriften 4,2)
Borchling 3 C. Borchling, Mittelniederdeutsche Handschriften in Wolfenbüttel und einigen benachbarten Bibliotheken. Dritter Reisebericht, Göttingen 1902 (Nachrichten von der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse 1902, Beiheft)
CALMA C.A.L.M.A. Compendium auctorum latinorum medii aevi, hrsg. von M. Lapidge u. a., Bd. 1–, Firenze 1999–
CAO R.-J. Hesbert, Corpus antiphonalium officii, Bd. 1–6, Rom 1963–1979 (Rerum ecclesiasticarum documenta. Series maior 7–12)
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Hohmann T. Hohmann, Initienregister der Werke Heinrichs von Langenstein, in: Traditio 32 (1976), 399–426
Kruse Stiftsbibliotheken B.-J. Kruse, Stiftsbibliotheken und Kirchenschätze. Materielle Kultur in den Chorfrauenstiften Steterburg und Heiningen, Wiesbaden 2016 (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 28)
WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)

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