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Beschreibung von Cod. Guelf. 68 Weiss.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Augustinus, Opera minora
Entstehungsort: Mainz
Entstehungszeit:
  • 9. Jh., 2. Viertel
  • 9. Jh., 3./4. Viertel
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 194 Bl.
Format: 24,5 × 17,5 cm
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung
Lagenstruktur: 5 IV (40). III (46). IV (54). II-1 (57).4 IV (89). III-1 (94). 7 IV (150). IV-1 (157. 2 III (168). IV (177). V-1 (186). V-2 (194). Lagenbezeichnungen in römischen Zahlen zum Ende jeder Lage auf der unteren Blattmitte. Die Handschrift ist in vier Teilen entstanden: A: 1-57, B: 58-94, C: 95-186, D: 187-194. Die mit 95-102 neu beginnende Lagenzählung (später radiert), belegt, dass Teil C zeitweilig gesondert aufbewahrt und Teil D vermutlich hinzugefügt wurde (andere Schrift, vgl. u.).
Zustand: Das erste und letzte Blatt mit Rostspuren und Löchern des letzten Weißenburger Einbandes.
Seiteneinrichtung: 19 × 12,5 cm, einspaltig, 28-29 Zeilen.
Hände: Karolingische Minuskel von mehreren Händen.
Bischoff Katalog 3, Nr. 7414 unterscheidet paläographisch zwei Entstehungszeiträume: 1-184, Mainz, 2. Viertel 9. Jahrhundert und 185-192, Mainz, 3./4. Viertel 9. Jarhundert. Zur weiteren Händescheidung vgl. Butzmann (Butzmann Weißenburg, 214-216).
Schrift: Teil A-D: Überschriften in roter Unzialis (Teil D anderer Duktus). Teil B: Explicitzeilen in schwarzer Capitalis. 133v unterer Blattrand rotes, unziales D mit dem Namen Benzelinus (Schreiber?).
Teil A-D: Überschriften in roter Unzialis (Teil D anderer Duktus). Teil B: Explicitzeilen in schwarzer Capitalis. 133v unterer Blattrand rotes, unziales D mit dem Namen Benzelinus (Schreiber?).
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    4 Initialen.
  • Initialen:

    Zu den Textanfängen auf 1v, 22v, 153v und 167v (Teile A-C, s.o.) jeweils eine verzierte kleine Initiale (2,2-4,2), davon zwei Federinitialen (153v und 167v). Die Initialstämme teils farbig gefüllt (1v, 22v und 167v) mit kräftiger dunkler Kontur. Die Endungen dreiecksförmig erweitert mit fadenförmig zugespitzten Ecken (vgl. 167v). Im Besatz Profilpalmetten mit doppelten Blattrandungen (153v), fadenförmig gebogenem Dorn am Blattansatz (vgl. 153v - abgeschabt oben am Initialstamm und 1v) und tropfenförmigen Kernen (153v), sowie eine gekernte Vierpassblüte (167v) und ein gedoppeltes Herzblatt (22v). An den Initialstamm angefügt ein Spiralpass mit Einsatz (1v). Als Füllelement dient das Seilband im Aussparungstypus (22v).
  • Farben: Tintenfarbe und Orange (teils abgedunkelt) als Füllfarbe.

Einband: Rotbrauner Ledereinband (Nigerziegenleder; Neubindung 1968).
Geschichte der Handschrift: Bischoff Katalog 3, Nr. 7414 lokalisiert die vorliegende Augustinus-Handschrift paläographisch nach Mainz und datiert sie in das 2. Viertel des 9. Jahrhundert (zum Mainzer Skriptorium vgl. Weiner, 20-22; T. Licht, Handschriften im karolingischen Mainz, in: In Gold geschrieben. Zeugnisse frühmittelalterlicher Schriftkultur in Mainz, hrsg. von W. Wilhelmyund T. Licht, Ausstellung 24. März - 18. Juni 2017 im Dom- und Diözesanmuseum Mainz, Regensburg 2017, 75-84). Diese Zeitangabe gilt für den illuminierten Teil der Handschrift (Bl. 1-184; s.o.). Der relativ bescheidene Initialschmuck der Wolfenbütteler Handschrift bestätigt diese Einschätzung. Als charakteristisches "Leitmotiv" für die Mainzer Buchmalerei im 2. Viertel des 9. Jahrhunderts gilt das in 68 Weiss. vorhandene Profilblatt mit Dorn am Blattansatz (vgl. 1v), das seinen Ursprung in der touronischen Buchmalerei aus der Zeit unter Abt Alkuin (796-804) hat und bereits in Mainzer Handschriften aus dem 1. Viertel des 9. Jahrhunderts auftritt (vgl. Karlsruhe, BLB, Aug. perg. 107, 72r; zum Motiv vgl. K. Bierbrauer, Karolingische Buchmalerei des Maingebietes [Mainz, Würzburg], in: Das Frankfuter Konzil von 794. Kristallisationspunkt karolingischer Kultur, Teil II, Kultur und Theologie, hrsg. von R. Berndt, Mainz 1997 (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte, Bd. 80, 555-570, hier 566, 567 nach Weiner, 71-73). Weitere Motive wie das Seilband, das doppelte Herzblatt (22v) und die dunkle Kontur der Initialen gehören ebenfalls zum festen Bestandteil des Mainzer Skriptoriums (gute Vergleichsbeispiele geben die Mainzer Handschriften aus dem 1. Drittel/2. Viertel des 9. Jahrhunderts, wobei die Elemente in der Ausführung un Auswahl variieren: München, BSB, Clm 4451; Paris, BnF, lat. 10437; Rom, BAV, Pal. lat. 289 (mit Zusammenstellung weiterer Handschriften, vgl. J. F. Hanselmann, Der Codex Vat. pal. lat. 289. Ein Beitrag zum Mainzer Skriptorium im 9. Jahrhundert, in: Skriptorium [1987], Bd. 61,1, 78-86.); Freiburg/Schweiz, Franziskanerkloster, Ms. 70 (mit einer Zusammenstellung verwandter Handschriften, vgl. P. Ladner, Karolingische Sakramentarfragmente aus Freiburg in der Schweiz. Ein Beitrag zum Mainzer Skriptorium des 9. Jahrhunderts, in: Palaeographica diplomatica et archivistica. Studi in onore di Giulio Battelli, Rom 1979 [Storia e letteatura raccolta di studi e testi, Bd. 139], 99-104, Fig. 1 und 2). Im Bestand der Wolfenbütteler Bibliothek befindet sich mit 39 Weiss. eine weitere Mainzer Handschrift aus dem 9. Jahrhundert (Mainz und Fulda, 2. Viertel/Mitte 9. Jahrhundert, vgl. Bischoff Katalog 3, Nr. 7391).
Provenienz der Handschrift: Kloster Weißenburg, Besitzeintrag. 1r Codex monasterii in Wizenburg sanctorum Petri et Pauli in Wizenburg(durchgestrichen). 1v Codex sancti Petri in Wissenburg (dick schwarz übermalt).
Inhalt:
  • 1v-57v Augustinus: De nuptiis et concupiscentia ad valerium comitem (PL 44, 309-348; CSEL 42, 207-319; Kurz 5/1, 168).
  • 58r leer.
  • 58v-94v Augustinus: De catechizandis rudibus, Liber I (PL 40, 309-348; Kurz 5/1, 52; CC SL 46, 121-178; CPL 297).
  • 95r leer.
  • Augustinus: Sermo 71 (PL 38, 445–467; Rev. Bén. 75 (1965), 65-108).
  • 117r-145v Fulgentius Ruspensis: Ad Monimum, lib. 1. (PL 65, 153–178; CC SL 91, 1-64; CPL 814).
  • 145v-153r Augustinus: Sermo 82 (PL 38, 506-514).
  • 153r-165v Augustinus: Adversus iudaeos tractatus (PL 42, 51-64; CPL 315; Kurz 5/1, 147).
  • 165v-167v Augustinus. >Eiusdem de eodem contra Iudaeos sermo ((über Rasur).)<
  • 167v-187r Augustinus: De bono viduitatis (PL 40, 431-450; CSEL 41, 303-343).
  • 187r-192v Isidorus Hispalensis: Etymologiae, lib. 7, cap. 2–4. (PL 82, 264–272).
  • 192v-193v Gennadius: Libri ecclesiasticorum dogmatum (redactio 2), cap. 1-5 (PL 58, 979–982; CPL 958a).
  • 193v-194v Ps.-Hieronymus sive Ps.-Alcuinus: De septem sigillis (PL 101, 1169-1170; E. A. Matter, The Pseudo-Alcuinian "De septem sigillis". An Earl Latin Apocalypse Exegesis, in: Traditio 36 (1980), 113-116; RETM A2110-650).
  • 194v Probatio penne incausti.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

Bischoff Katalog 3 B. Bischoff, Katalog der festländischen Handschriften des neunten Jahrhunderts (mit Ausnahme der wisigotischen), Teil 3: Padua–Zwickau, aus dem Nachlass hrsg. von B. Ebersperger, Wiesbaden 2014
Butzmann Weißenburg H. Butzmann, Die Weissenburger Handschriften, Frankfurt/M. 1964 (Kataloge der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Die Neue Reihe 10)
CC SL Corpus Christianorum. Series Latina, Bd. 1–, Turnhout 1954–
CPL Clavis patrum Latinorum, hrsg. von E. Dekkers, Steenbrugge u.a. 31995 (Corpus Christianorum. Series Latina)
CSEL Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum, Bd. 1–, Wien 1866–
Kleiber Otfrid von Weißenburg W. Kleiber, Otfrid von Weißenburg. Untersuchungen zur handschriftlichen Überlieferung und Studien zum Aufbau des Evangelienbuches, Bern/München 1971 (Bibliotheca Germanica 14)
Kurz 5/1 R. Kurz, Die handschriftliche Überlieferung der Werke des heiligen Augustinus, Bd. 5/1: Bundesrepublik Deutschland und Westberlin, Werkverzeichnis, Wien 1976 (Veröffentlichungen der Kommission zur Herausgabe des Corpus der lateinischen Kirchenväter 9 = Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte 306)
Kurz 5/2 R. Kurz, Die handschriftliche Überlieferung der Werke des heiligen Augustinus, Bd. 5/2: Bundesrepublik Deutschland und Westberlin, Verzeichnis nach Bibliotheken, Wien 1979 (Veröffentlichungen der Kommission zur Herausgabe des Corpus der lateinischen Kirchenväter 10 = Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte 350)
Lesne E. Lesne, Histoire de la proprieté ecclésiatique en France, Lille 1938
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
RETM Repertorium edierter Texte des Mittelalters aus dem Bereich der Philosophie und angrenzender Gebiete, 2. Aufl., hrsg. von R. Schönberger u. a., Bd. 1–4, Berlin 2011
Weiner A. Weiner, Die Initialornamentik der deutsch-insularen Schulen im Bereich von Fulda, Würzburg und Mainz (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg, Bd. 43), Würzburg 1992
Wolfenbüttel Weiss. Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 3: Die Weissenburger Handschriften, beschrieben von O. von Heinemann, in: Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 2 Teil 5, Wolfenbüttel 1903, 268–443

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