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Beschreibung von Cod. Guelf. 72 Weiss.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Hieronymus, Epistulae
Entstehungsort: Weißenburg
Entstehungszeit: 9. Jh., 2. Jahrzehnt
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 99 Bl.
Format: 25,8 × 16,5 cm
Seitennummerierung: 1-10 neue Tintenfoliierung. 11-99 neue Bleistiftfoliierung.
Lagenstruktur: 3 IV (24). V (34). 8 IV+1 (99). Lagenbezeichnungen: B - N in roten Majuskeln mittig auf dem unteren Rand des letzten Lagenblattes.
Zustand: Guter Zustand. 8v neun Zeilen zu Beginn des neuen Textabschnittes unkenntlich gemacht.
Seiteneinrichtung: 21,5 × 13,5 cm, einspaltig, 39 Zeilen.
Hände: Karolingische Minuskel von mehreren Händenn
, Schrift mit zahlreichen insularen Abkürzungen sowie gleichzeitigen und jüngeren Korrekturen (Butzmann Weißenburg, 219).
Schrift: Textanfänge in kolorierten Holhlbuchstaben (1r) und in roter oder schwarzer Unzialis (ungleichmäßig verteilt). 37v in schwarzer Capitalis.
Textanfänge in kolorierten Holhlbuchstaben (1r) und in roter oder schwarzer Unzialis (ungleichmäßig verteilt). 37v in schwarzer Capitalis.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Zahlreiche Initialen. Eine Federprobe.
  • Initialen:

    Zu den Textanfängen zahlreiche verzierte und kolorierte Initialen (1,5-6,0). Davon 9 ohne Besatz und Füllmotive (6r, 33r, 54v, 56v, 65r, 65v, 54r, 84v, 86v). 5 Initialen von einer zweiten, schwächeren Hand im gleichen Stil (57r, 57v, 59r, 63r, 72r). Die Buchstabenstämme als kolorierte Hohlbuchstaben mit Schnallen oder als farbig grundierte Initialen (bei Flechtbandfüllung). Einige Initialen mit ausgesparten Randleisten. Als Füllmotive dienen das Flechtband (1r, 1v, 2v, 8v, 12r, 22v - als Motiv im Binnenfeld, 58v, 74v), die Seilschlinge (5r), Achterschlingen (10v, 14v), ein Flammenmuster (72r), der Mäander (10v) sowie mehrbahniges und einbahniges Zickzackband (12r, 15v, 37v, 54v, 61v). Häufiger eingefügt, einzelne gekernte Kreise (Augen; 10v). Im Besatz Vogelköpfe mit auffällig großen Augen (11v, 54v, 81v), Halbpalmetten oder einfache, palmettenartige Lappungen (49v, 66v - konturierte Lappungen, 76r, 2x 82r, 2x 84v, 85v, 92v) und fadenförmige, angehängte Verflechtungen (54v). Als Initialstammendungen einfach gestufte Blüten (37v), als Bogenersatz Fische (5r, 10v, 2x 58v, 61v, 76r). Von den unverzierten Initialen eine Q-Initiale als rechteckiger Rahmen mit Vogelkopf - in kolorierten Hohlbuchstaben: (Q)uid sit... (64r), eine M-Initiale als rahmende Kolonnade - (M)agnus... (65v) und eine Q-initiale mit unverzierten Fischen, deren Ende perspektivisch umgeschlagen erscheint (58v). 6 Initialen als Federinitialen (22v, 24r, 60r - mit einbeschriebener Raute, 82r, 78r und 79v - mit roter Punktrandung). 25r Federprobe am unteren Blattrand (D-Buchstabe und Flechtband).
  • Farben:

    Orange, Gelb und ausgespartes Pergament. Schwarze Grundierung.
Einband: Roter Ledereinband (Nigerziegenleder; Neubindung 1968).
Geschichte der Handschrift: Die Handschrift wird paläographisch von Bischoff nach Weißenburg lokalisiert und in das frühe 9. Jahrhundert gegeben. Butzmann hingegen favorisiert, bei gleicher Datierung, als Entstehungsort Süddeutschland (?) oder Norditalien (?). Der Buchschmuck spricht eindeutig für eine Lokalisierung nach Weißenburg. Äußerst enge Parallelen ergeben sich zu 3 Weiss. (u.a. sehr ähnliche Farbwahl und -auftrag, Verwendung von einzelnen gekernten Kreisen/Augen, Initialen in geometrischen Grundformen und architektonisch aufgefasst - vgl. 3 Weiss., 47r und 72 Weiss., 60r, 64r, 65v). Für eine etwas frühere Zeitstellung spricht die noch vorhandene Verwendung von Fischen und Federinitialen, die gestückelt wirkenden Palmetten und die volumigen, etwas unförmigen Fische (vgl. 10v, 49v und 66v), wie sie in 17 Weiss. vorkommen. Eine ähnliche Variante des Flammenmusters (72r) bietet 74 Weiss. (vgl. 123r). Über die Weißenburger Handschriften hinaus tritt das im Elsässischen (vgl. München, BSB, Clm 14082, Murbach, um 800; Bierbrauer Ill. Hss., Kat.Nr. 212) und im Bodenseeraum (vgl. Berlin, SBBPK, Fragment 139, Voll-Lektionar, Südwestdeutschland - Bodenseegebiet?, um 800; Fingernagel Ill. Hss. 4.–12. Jh., Kat.Nr. 126) bekannte Motiv des Mäanders auf (vgl. 10v). Das Motiv ist in bayerischen, süddeutschen Handschriften unbekannt (vgl. Bierbrauer Schuttern, 480) ist und sicherlich über Frankreich vermittelt wurden (vgl. Evangeliar aus Fleury, Autun, BM, S 3 (4), 10r, Flavigny (?), Bl. 6-24 - um 800, Bl. 25-247 - 2. Hälfte 8. Jh.; Maître, 13-16).
Provenienz der Handschrift: Kloster Weißenburg, Besitzeintrag. 1r Codex sanctorum Petri et Pauli apostolorum in Wissenburg. Wiener Liste 4° 6.
Inhalt:
Hieronymus: Epistulae (Butzmann Weißenburg, 221-223.; CSEL 54-56).
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

Bierbrauer Ill. Hss. K. Bierbrauer, Die vorkarolingischen und karolingischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek (Katalog der illuminierten Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München, Bd. 1), Wiesbaden 1990
Bierbrauer Schuttern K. und V. Bierbrauer, Schuttern in der Karolingerzeit. Das Evangeliar in London, British Library, Add. 47673, in: Herrschaft, Kirche, Kultur. Beiträge zur Geschichte des Mittelalters. Festschrift für Friedrich Prinz zu seinem 65. Geburtstag, hg. von Georg Jenal, Stuttgart 1993, 449-491
Bischoff Katalog 3 B. Bischoff, Katalog der festländischen Handschriften des neunten Jahrhunderts (mit Ausnahme der wisigotischen), Teil 3: Padua–Zwickau, aus dem Nachlass hrsg. von B. Ebersperger, Wiesbaden 2014
Butzmann Weißenburg H. Butzmann, Die Weissenburger Handschriften, Frankfurt/M. 1964 (Kataloge der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Die Neue Reihe 10)
CSEL Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum, Bd. 1–, Wien 1866–
Fingernagel Ill. Hss. 4.–12. Jh. Die illuminierten lateinischen Handschriften süd-, west- und nordeuropäischer Provenienzen der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz: 4.–12. Jahrhundert, beschrieben von A. Fingernagel, Teil 1: Textband, Teil 2: Abbildungen, Wiesbaden 1999 (Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. Kataloge der Handschriftenabteilung, Reihe 3: Illuminierte Handschriften 2)
Kurz 5/2 R. Kurz, Die handschriftliche Überlieferung der Werke des heiligen Augustinus, Bd. 5/2: Bundesrepublik Deutschland und Westberlin, Verzeichnis nach Bibliotheken, Wien 1979 (Veröffentlichungen der Kommission zur Herausgabe des Corpus der lateinischen Kirchenväter 10 = Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte 350)
Lesne E. Lesne, Histoire de la proprieté ecclésiatique en France, Lille 1938
Maître Catalogue des manuscrits d'Autun, Bibliothèque municipale et Société Éduenne, hrsg. von C. Maître, Brepols 2004.
Wolfenbüttel Weiss. Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 3: Die Weissenburger Handschriften, beschrieben von O. von Heinemann, in: Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 2 Teil 5, Wolfenbüttel 1903, 268–443

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