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Beschreibung von Cod. Guelf. 81 Weiss.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 11. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)

Hieronymus, Martyrologium

Weißenburg, Benediktinerkloster — 8. Jh., 2. Hälfte (772)

Provenienz: 1r Benediktinerkloster Weißenburg, Besitzvermerk: Codex monasterii S. Petri in Wissenburg. Zeitangaben: Iuxta Eusebii chronicam anni mille v ccxxciii compotacio Grecorum seu Romanorum …. 1v … ab incarnatione Christi dcclxxii. Die Handschrift wurde von Heinrich Julius von Blum um 1665 an den aus Lucca stammenden Botaniker und Arzt Francesco Maria Fiorentini verliehen (ein Brief von Fiorentini an Heinrich Julius von Blum vom 1.1.1666 befindet sich in den Wolfenbütteler Bibliotheksakten). Erst zu einem späteren Zeitpunkt als die anderen Weißenburger Handschriften, am 4. Oktober 1692, gelangte die Handschrift nach Wolfenbüttel (Butzmann Weißenburg, 3–18, 242–244).

Pergament — 102 Bl. — 22 × 15,5 cm

Lagen: III (6). IV+1 (15). 8 IV (79). IV-1 (86). 2 IV (102). Am Ende der ersten beiden Lagen rechts unten die Buchstaben a (6v) und b (15v). Bl. 1–20 Tintenfoliierung. 21–102 neue Bleistiftfoliierung (vgl. Blattverlust zwischen Bl. 20/21). Blattverlust ohne Textverlust zwischen Bl. 80/81 und 20/21. Schriftraum: 19 × 11 cm, einspaltig, 20 Zeilen. Karolingische Minuskel von einer Hand. Dieselbe Hand auch in 24 Weiss., Adallandus-Gruppe. Zur Gruppe gehörig: 10 Weiss., 14 Weiss., 17 Weiss., 18 Weiss., 24 Weiss., 13 Weiss., 43 Weiss., 67 Weiss. (?). Ergänzungen und Randnotizen von weiteren, zum Teil zeitgleichen Händen (u.a. 1r–v), 1v, 2r und 102r Federproben (9. Jh.); Butzmann Weißenburg, 51–59). Incipits und Explicits in Zierschrift aus kolorierten Hohlbuchstaben. Die Textanfänge in roter Unzialis. Satzmajuskeln rot hinterlegt.

Roter Ledereinband (Nigerziegenleder; Neubindung 1969).

INHALT

1r–1v Zeitbestimmung (zum Text vgl. Butzmann Weißenburg, 243). 2r leer. 2v–3r Horologium (in Tabellenform). 3v Horologium (in fortlaufendem Text). 4r–6v Ostertafeln mit Weißenburger Annalen , für die Jahre 772–854 (erweitert von einer zweiten Hand rückwärts bis 763 und vorwärts bis 858; zu den Annalen, vgl. Acta SS, Nov. 2,1, XVII; A. Hofmeister, Weissenburger Aufzeichnungen vom Ende des 8. und Anfang des 9. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins 13, 492 mit Neuausgabe in Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins 73, 404–406). 7r–101r Hieronymus: Martyrologium Hieronymianum (Acta SS, Nov. 2,2, 1931). Dem Text beigefügt Notae Weissenburgensis (vgl. MGH SS 1, 111).

AUSSTATTUNG

1 Zierinitiale. 10 kleinere Initialen.

Initialen: Die Zierinitiale (7,0 cm) auf 7r als Randleisteninitiale mit Flechtbandfüllung (7r; Abb. 156). In den Flechtbandzwischenräumen gestreifter Grund. Die Zierschrift zu Beginn des Textes bestehend aus kolorierten Hohlbuchstaben und hohlen Federbuchstaben mit roter Punktrandung. Hier als Tituli und Füllornament zwischen den Wörtern verschiedene Blattformen (geschachtelte Herzblätter und eine Halbpalmette). Die Hohlbuchstaben und Federinitialen zu den Textanfängen in KL-Ligaturen (12r, 18v, 25r, 41r, 50v, 58r, 67v, 84r, 89v, 96r), teils kombiniert mit farbig unterlegten Initialen mit Flechtbandfüllung (12r, 40r, 49v, 58r). Im Besatz Halbpalmetten (7r), Vogelköpfe (7r, 41r) und ein Fabelwesenkopf (50v Hund?).

Farben:

Kolorierte Hohlbuchstaben. Initialen und Ornament in Dunkelgrün und Minium.

STIL UND EINORDNUNG

Das Martyrologium 81 Weiss. ist die frühste illuminierte Handschrifte aus dem Kloster Weißenburg. Seine Lokalisierung nach Weißenburg ist gesichert, da Butzmann die Schreiberhand auch in 24 Weiss. identifizieren konnte und somit eine paläographische Verbindung zur Adallandus-Gruppe besteht (Butzmann Weißenburg, 51–59; für eine Lokalisierung nach Maastricht aufgrund des hervorgehobenen Eintrags für Sankt Servatius in Maastricht auf 45v plädiert Lifshitz The name of the saint, 47, Anm. 11; Dank an D. Ganz, Cambridge für Hinweise bezgl. Datierung und Literatur). Der Text beinhaltet Angaben zur Entstehungszeit der Abschrift (1v, Textende mit Jahresangabe 772), die von einer zeitgleichen, anderen Hand, als derjenigen des Haupttextes stammen (Blatt ist in den Lagenverbund eingefügt). Die Ostertafel, die die Jahre 772–854 angibt, wurde von einer weiteren Hand rückwärts bis 763 (4r) und vorwärts bis 858 (6v) ergänzt. Am Rand dieser Tafel befinden sich annalistische Randnotizen von verschiedenen Händen, die sich mit Ereignissen bezüglich der Abtei Weißenburg befassen (Divina officia, 123, 125). Das anschließende Martyrologium des Hieronymus gibt in kalendarischer Reihenfolge zum Todesdatum des jeweiligen Heiligen auch den Ort des Geschehens an (vgl. J. Dubois, Les martyrologes du Moyen Âge latin, Turnhout 1978 [Typologie des sources du Moyen Âge occidental 26], 31 [unter der Signatur 23]; A. Hofmeister, Weissenburger Aufzeichnungen vom Ende des 8. und Anfang des 9. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 34 [1919], 401–421). H. Butzmann zählt die Handschrift zur sogenannten Adallandus-Gruppe und erkennt die Schrift in 24 Weiss. wieder (Butzmann Weißenburg, 242). In Anlehnung an die Nennung des Jahres 772 datiert er das Martyrologium in die zweite Hälfte des 8. Jh. B. Bischoff hingegen schlägt eine spätere Datierung vor ( 8./9. Jh. oder 9. Jh., Anfang; 9. Jh., 1. Viertel). Füll- und Besatzmotive sowie Initialformen der Handschrift mit Vogelköpfen (7r und 41r, vgl. 72 Weiss.) und dreieckig erweiterten Serifen (vgl. 67 Weiss.) entsprechen dem Weißenburger Skriptorium. Der kreisförmig ausgesparte Initialstamm auf 7r hat seine Parallelen in 24 Weiss., 181v und 14 Weiss., 27v (hier viereckig). Der Fabelwesenkopf als obere Initialstammendung mit herausgestreckter Zunge (50v) begegnet in einem eventuell in Weißenburg in der Zeit 783–793 unter Abt Erembertus entstandenen Psalter Rom, BAV, Pal. lat. 67, 14r, 23r (zur Handschrift vgl. C. Eggenberger, Eine frühkarolingische Dedicatio in der Lindisfarne-Tradition, in: Diversarum Artium Studia. Beiträge zu Kunstwissenschaft, Kunsttechnologie und ihren Randgebieten. Festschrift für Roosen-Runge zu, 70. Geburtstag, hrsg. von H. Engelhart und G. Kempter, Wiesbaden 1982, 19–32; Frankish Manuscripts, Nr. 32).

Wolfenbüttel Weiss., Nr. 4165 (Heinemann Nr.). — CLA IX, Nr. 1393. — Lesne, 706. — Butzmann Weißenburg, 242–244. — Holter Buchschmuck, 77. — Kleiber Otfrid von Weißenburg, 123–128, 126 Anm. 579. — J. Dubois, Les martyrologes du Moyen Âge latin, Turnhout 1978 (Typologie des sources du Moyen Âge occidental 26), 31 (unter der Signatur 23). — Cames, 19. — Krämer, Bd. 1,1.2, 824. — Bibliothèque monastique, 29, 32, 33, 50. — Divina officia, Nr. 17 (P. Carmassi). — Lifshitz The name of the saint, 46. — Bischoff Katalog 3, 512, Nr. 7422a. — Westphal Buchmalerei Weißenburg, 360, 362.


Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Katalogisierung der illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel Teil I (6.–11. Jh.).
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