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Beschreibung von Göttingen, Staats- und Universitätsbibliothek, 8° Cod.Ms. hist. 540
Lukas Wolfinger: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen volkssprachigen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Lukas Wolfinger.

Münsterische Chroniken (nd.)

Papier — IV, 36, IV Bl. — 20,5-20,8 × 14-14,3 cm — Stadt oder Diözese Münster (?) — 15. Jh. (Mitte)? / 16. Jh. (3. V.)?

Wasserzeichen: Fisch (WZIS DE3270-hist540_11); Fisch (WZIS DE3270-hist540_22); die vom Motiv her ähnlichsten bekannten Wasserzeichen stammen aus den Jahren 1565-1566 (vgl. WZIS DE1335-PO-44418, WZIS DE1335-PO-44419 und WZIS DE6090-PO-44420 - letzteres Münster 1566). Lagen: Ursprünglich besaß die Handschrift offenkundig einen Koperteinband (Pergament), der vorne wie hinten von je zwei Vorsatz- bzw. Nachsatzbl. begleitet war. Als die Handschrift im 18. oder 19. Jh. einen neuen Pappeinband erhielt, wurden die beiden Hälften des Koperteinbandes getrennt und als Einzelblätter miteingebunden, überdies mit einem modernen Schmutzblatt davor und danach versehen. Sowohl die Pergamentblätter des alten Einbandes als auch die ursprünglichen Vorsatzblätter wurden bei der Foliierung der Handschrift in die Blattzählung miteinbezogen; deshalb lautet die Lagenformel: 3 VI (37!). Bleistiftfoliierung modern (1-40; dabei jedoch zwei leere Bl. nach Bl. 1 als Bl. 1a-b gezählt); Schriftraum: 10,5-11,3 × 15,7-16,2 cm, einspaltig, 32-33 Zeilen. Gesamter Text von einer Hand geschrieben; schleifenlose Bastarda, gleichmäßig aber anspruchslos geschrieben; am Rand bisweilen Hervorhebungen oder Anmerkungen - vermutlich von der Hand des Haupttextes (I.: 3v, 28v) sowie mindestens zwei späteren Händen (II.: 8v, 10v, 26v; III.: 10v, 11v, 13r, 13v-15r). Rubriziert; die Oberlängen von Buchstaben in der jeweils ersten Zeile einer Seite teilweise erheblich in die Länge gezogen; einfache Initialen bzw. Lombarden in Rot und Blau (2-zeilig), nur am Textbeginn auf 2r eine 4-zeilige Initiale in Rot mit Ansätzen zu schlichtem Fleuronnée.

Ursprünglich war die Handschrift nur mit einem Koperteinband versehen; im 18. oder 19. Jh. wurde sie in einen modernen, am Rücken und an den Ecken mit Leder verstärkten Pappeinband eingebunden, und zwar samt dem alten Pergamentumschlag (dieser bildet nun Bl. 1 und Bl. 40; das Pergamentstück ist zwar unbeschrieben, gleichwohl aber zweitverwendet, da es bereits als Beschreibstoff hergerichtet bzw. mit einer Linierung in zwei Spalten versehen ist; es ist quer zu dieser alten Linierung eingebunden); auf 1r, d. h. auf dem vorderen Pergamentblatt des alten Koperteinbandes, ist der ursprüngliche Titel Cronica Mon(asteriensia) vermerkt; darunter von der Hand des Jeremias David Reuß (1750-1837) der Eintrag Cronica s. gesta Episcoporum Monasteriensium; am unteren Seitenrand zudem mit Bleistift eingetragen die Zahl 15 (oder 13?); auf dem Rücken des modernen Pappeinbandes in Schwarz eingeprägt die Inhaltsangabe Cronica/ Episcop. Monaste/riensium sowie - darunter - die Angabe Mscpt.; ebd. zudem das Signaturenschildchen der SUB Göttingen (Cod. Ms. hist. 540); am modernen VS ist am linken oberen Seitenrand in Bleistift gleichfalls die moderne Signatur vermerkt (Cod. Ms. hist. 540); darunter eingeklebt das Formular Auch als Mikroform vorhanden unter Sign.: mit dem handschriftlichen Eintrag: 8° Cod. Ms. Hist. 540; darunter die Bleistift-Vermerke 35 beschriebene Bl. und 25. 01. 77; zudem ist mittig das Formular der Preuß. Akad. d. Wiss. eingeklebt (Bearbeiterin Dr. Marie-Luise Dittrich, Okt. 1939). Auf dem HS die ältere Göttinger Signatur Jnd. Mss. 276 (bei Ficker Die Münsterischen Chroniken, S. XIII - und damit im Jahr 1851 - wird als Signatur der Handschrift noch Mss. hist. n. 276 angegeben).

Herkunft: Die Herkunft der Handschrift ist unbekannt, doch spricht eine Reihe von Indizien für eine Entstehung in der Diözese bzw. dem Hochstift Münster, wenn nicht in Münster selbst: Bereits thematisch ist ein Zusammenhang naheliegend. Darüber hinaus entstand die Vorlage des Textes, die lateinische Chronik des Florenz von Wevelinghoven, im Bistum Münster und die weitere Überlieferung der Münsterischen Chroniken konzentriert sich gleichfalls weitgehend auf diesen Raum. Die Schreibsprache (westfälisches Mittelniederdeutsch) fügt sich in diesen Befund ein. Die im Text vorhandenen Unterstreichungen bzw. Hervorhebungen, die vorrangig die Namen von Münster und Osnabrück, von Münsteraner Bischöfen (Ludger, Dodo) sowie die Grafen von Tecklenburg und Bentheim betreffen, können als ein weiteres Indiz für die Provenienz aus dem engeren oder weiteren Umkreis von Münster sprechen. Der Zeitpunkt der Entstehung ist unsicher. Einerseits macht die Handschrift "insgesamt einen mittelalterlichen Eindruck", würde sowohl von ihren äußeren Merkmalen (Schriftform, Ausstattung) als auch vom Sprachstand her sehr gut etwa in die Mitte des 15. Jahrhunderts passen. Andererseits sind ähnliche Wasserzeichen bislang nur für die 1550er- und 1560er nachgewiesen. Somit ist es entweder möglich, dass entsprechende Wasserzeichen - aufgrund fehlender Überlieferung oder mangelnder Erschließung - bislang einfach nicht nachgewiesen sind und die Handschrift doch aus der Zeit kurz nach dem Ende der Chronik (1424) stammt; oder aber es handelt sich "um den Reproduktionsversuch einer älteren Handschrift, wie er für Münster für die Jahre nach der Täuferherrschaft mehrfach bekannt ist." (Plessow Die umgeschriebene Geschichte, S. 195). — Die Handschrift wurde in der Folge intensiv benutzt, wie die verschiedenen Randbemerkungen und Nachträge sowie vor allem auch die am Rand neben dem Text eingetragenen Jahreszahlen zu einer Reihe von Ereignissen anzeigen, die von späteren Händen eingetragen und mehrfach auch korrigiert wurden. — Über welche Vorbesitzer und wann genau die Handschrift in die Universitätsbibliothek Göttingen gelangte, ist nicht nachvollziehbar; allerdings stammt der Eintrag Cronica s. gesta Episcoporum Monasteriensium auf 1r vom Göttinger Bibliothekar Jeremias David Reuß (an der Universitätsbibliothek tätig von 1789 bis 1837); zudem findet sich auf 2r bereits der älteste große Besitzstempel der UB Göttingen.

Plessow Die umgeschriebene Geschichte, S. 194-195 und S. 297-303. — Göttingen 2, S. 169. — Ficker Die Münsterischen Chroniken, S. XIII-XIV und S. 92-155. — Handschriftencensus.

2r-35r Münsterische Chroniken (niederdeutsch). Incipiunt gesta episcoporum Mona(steriensium). Hir begynnet eyn boeck geheyten Cronica offte katalogus episcoporum mymygarnordentium dat hoeldt ynne den staedt vnd doat leuent der bischope van mymygarnorde nu geheyten Monster yn dem seuenhundersten vnd twe vnde seuenstigen jaren na gods geboert … — … dat licham wart to Monster gevort vnd wart neden yn des biscopes saell bynnen der borch gelege, des anderen dages wart he yn den doem to Monster vo dat ouerste altaer vppe de nort syet begrauet. Edition (nach dieser Handschrift): Ficker Die Münsterischen Chroniken, S. XIII-XIV und S. 92-155; allgemein zum Text der Chronik und ihrer Überlieferung s. Plessow Die umgeschriebene Geschichte (hier S. 194-195 und S. 297-303 zum Text der vorliegenden Handschrift); Zapf Art. Münsterische Chroniken; 2VL, Bd. 2, Sp. 751-753, hier Sp. 752 und 2VL, Bd. 6, Sp. 791-793, hier speziell Sp. 792, Nr. 3.a.


Abgekürzt zitierte Literatur

Göttingen 2 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 2: Universitäts-Bibliothek: Geschichte, Karten, Naturwissenschaften, Theologie, Handschriften aus Lüneburg, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)
2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)
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