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Beschreibung von Göttingen, Staats- und Universitätsbibliothek, 8° Cod. Ms. philol. 224
Patrizia Carmassi: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen lateinischen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Patrizia Carmassi.
Handschriftentitel: Aelius Donatus
Entstehungsort: Norddeutschland (Niedersachsen)
Entstehungszeit: 14. Jh., 1. Hälfte
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: I, 88, I Bl.
Format: 16 × 11,5 cm
Seitennummerierung: Moderne Foliierung (Bleistift), nicht durchgehend ausgeführt.
Lagenstruktur: 8 IV (64), III (70), IV (78), III (84), II (88). Reklamanten. Moderne Lagenzählung 1-12 (Bleistift) zu Beginn der Lagen.
Zustand: Risse im Pergament, im Mittelalter gelegentlich zusammengenäht oder durch Papier und Pergamentstreifen restauriert.
Seiteneinrichtung: 16-20 Zeilen. 13 × 8,5 cm
Schrift:

Frühe Textualis

.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Rubriziert. Ohne Berücksichtigung der Ausläufer zwei bis drei Zeilen hohe Initialen in roter Tinte mit Punktverdickungen, Aussparungen und Besatzfleuronnée. Gelegentlich Gesichtszüge im Binnenfeld (1r, 68v). Einfache Lombarden. Cadellenartige Initialen, besonders in der oberen Schriftzeile. Kleine Anfangsbuchstaben gestrichelt. Paragraphenzeichen in roter Tinte. Isolierte Fälle, wo die Initialen nicht rubriziert wurden (fol. 63r).
  • 1r Initiale P mit über zehn Zeilen langen Buchstabenstamm mit ausgesparten kleeblattförmige Vierpässen. Besatzfleuronnée mit geometrischen und vegetabilen Motiven. Gesicht eines bärtigen Mannes im Binnenfeld.
  • 78r Ausläufer vom Buchstaben H in Form eines Drachenkopfes auf dem Fußsteg.
  • 88v

    auf der unteren Hälfte der Seite quer zu dem Schriftbild Zeichnung des Grammatikers Donatus, stehend, die rechte Hand gestreckt, in der linken Hand ein Buch haltend (15. Jh.). Inschrift über die Figur: m[a]g[iste]r donatus.

Einband: Pappband mit Überzug aus hellbraunem Leder. Streicheisenlinien. Auf dem Rücken Verzierung mit Goldlinien zwischen den Bünden. Eingepresste Inhaltsangabe in goldenen Buchstaben: GRAMATICA LAT. MS. Im unteren Bereich modernes Signaturschild: Cod. Ms. philol. 224. Schnitt rot gefärbt und gesprenkelt). Spuren von einem verlorenen gotischen Holzeinband: Löcher durch Wurmfraß; Rostspuren einer verlorenen Mittelschließe (fol. 85-88). Auf dem VS handgeschriebene moderne Signatur (Bleistift) und eingeklebter Auszug aus dem Katalog Meyers über die Handschrift. Zwischen VS und fol. I vorgedrucktes Benutzungsverzeichnis mit Klebefilm befestigt. Auf den HS Angaben zur Benutzung (1980 und 2004) und ausradierte alte Signatur (Bleistift): Cod. philol. 123c.
Entstehung der Handschrift: Norddeutschland (Niedersachsen).
Provenienz der Handschrift: Provenienz unbekannt. Es handelt sich um ein Schulbuch, das in Format, Ausstattung und Inhalt etwa zeitgenössischen Produkten aus niedersächsischen Frauenklöstern, wie Cod. Guelf. 1168 Helmst., ähnelt.
Inhalt:
  • Ir-v leer.
  • 1r-39r Aelius Donatus: Ars minor. Partes orationis quot sunt … — … sunt similia.
    Edition:
    • L. Holz: Donat et la tradition de l'enseignement grammatical: étude sur l'Ars Donati et sa diffusion, Paris 1981, S. 585-602.
    • Donatus
    (1r) Auf dem Kopfsteg Aufruf des Schreibers in roter Tinte: >Assit principio spiritus alme meo Mater virtutum sensum mihi confer acutum<. (2v) Vor dem Abschnitt Magister nomen appellativum (II,15) hat eine zweite Hand mit roter Tinte die Verse geschrieben disce puer dum tempus habes evo puerili ne te … Vgl. Facetus, vv. 171-172: C. Schroeder: Der deutsche Facetus, Berlin 1911 (Palaestra. Untersuchungen zur europäischen Literatur 86), S. 26.
  • 39v-88r Formenlehre.
    • (40r-75r) Sub est prepositio serviens utrique casui … — … participium habet volens. Regelmäßige und unregelmäßige Verben von amo bis volo. Bis auf wenige Varianten übereinstimmend mit der Formenlehre im sog. spätmittelalterlichen Normaltext von Aelius Donatus, Ars minor: P. Schwenke: Die Donat- und Kalender-Type, Mainz 1903 (Veröffentlichungen der Gutenberg-Gesellschaft 2), S. 43, Kap. 26, Z. 1-S. 49, Kap. 37, Z. 35. Auf 40r-43r (bei Konjugation des Verbs amo) einige spätmittelalterliche mittelniederdeutsche Glossen, nachträglich radiert und unleserlich gemacht. Vgl. 43r, über amaret, mit UV-Lampe gelesen: Welde leve het werden. Vgl. volksprachliche Glossen auch in Cod. Guelf. 1004, 18r-19v, und Cod. Guelf. 1168 Helmst., fol. 30v-33v. Zu den mittelalterlichen Übersetzungen der Ars grammatica s. N. Henkel: Deutsche Übersetzungen lateinischer Schultexte. Ihre Verbreitung und Funktion im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, München 1988 (Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters 90), S. 237-239.
    • (75r-88r) Übungsworte und Definitionen (Namen, Pronomen, Adverbien, Verben). Darunter Memorialverse (fol. 83r-v). Felix puer sunt duo nomina … Baltea laxabis ad mensam quando meabis. Walther II Nr. 1927.
  • 88v Nachträge. Von drei verschiedenen Händen.
    • 1. Definitionen von anima und homo. Item anima dicitur ab animo, grece quod est ventum, latine ventum vere est animos ventum … Item anima dicitur ab a quod est sine … — … Item homo dicitur antropos. Vgl. Isidorus Hispalensis: Etymologiarum sive originum libri XX, ed. W.M. Lindsay, Oxford 1911, ND 1971, XI,1,4-7; Iohannes Ianuensis: : Catholicon. Auszug über die Seele, zitiert in J. J. Baebler: Beiträge zu einer Geschichte der lateinischen Grammatik im Mittelalter, Hildesheim 1971, S. 185-186.
    • 2. Dat Ihesus um quarto reliquis v semper habeto. Alexander de Villa Dei: Doctrinale. Kap. 1, v. 349: Siehe Reichling Doctrinale, S. 25.
    • 3. Lateinische Sprüche. Qui non dat quod amat, non accipit ille quod optat (Walther II Nr. 24391) und Qui dare vult aliis non debet dicere: vultis (Walther II Nr. 14012).
    • (IIr-v) leer.
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

Donatus Die Ars minor des Aelius Donatus. Lateinischer Text und kommentierte deutsche Übersetzung einer antiken Elementargrammatik aus dem 4. Jahrhundert nach Christus, hrsg. von A. Schönberger, Frankfurt/M. 2008 (Bibliotheca Romanica et Latina 6)
Göttingen 1 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 1: Universitäts-Bibliothek: Philologie, Literärgeschichte, Philosophie, Jurisprudenz, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)
Walther II H. Walther, Proverbia sententiaeque Latinitatis medii aevi, Bd. 1–6; P. G. Schmidt, Proverbia sententiaeque Latinitatis medii aevi. Nova series, Bd. 7–9, Göttingen 1963–1969, 1982–1986 (Carmina medii aevi posterioris Latina 2, 1–9)

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