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Beschreibung von Göttingen, Staats- und Universitätsbibliothek, 8° Cod.Ms. theol. 214
Lukas Wolfinger: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen volkssprachigen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Lukas Wolfinger.
Handschriftentitel: Psalter (dt.)
Entstehungsort: Rheinfranken (?)
Entstehungszeit: 15. Jh., 1. D. (?)
Katalognummer: Meyer-Sign. Theol. 214
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 270 Bl.
Format: 17,5-17,7 × 13-13,2 cm
8
Seitennummerierung: Tintenfoliierung (modern): 1-270; auf 7r-239r mittig am oberen Seitenrand überdies ma. Blattzählung in roter Tinte (I-CCXXXIII), wohl bereits bei der Anlage der Handschrift eingetragen; zudem in der ersten Hälfte der einzelnen Lagen vielfach lageninterne Blattzählung erhalten (auf den Recto-Seiten rechts unten; in der Form: ai, aii, aiii, aiiii, bi, bii, biii, ...).
Lagenstruktur: I (2). II (6). 3 IV (30). II (34). 12 IV (130). II+1 (135). 16 IV (263). IV-1 (270); das letzte Bl. der letzten Lage ist als VS an den Hinterdeckel angeklebt, somit nicht mehr Teil des Buchblocks und deshalb ungezählt; am Ende der Lagen durchgehend Reklamanten.
Zustand: Von den letzten sechs Bl. (265-270) sind jeweils die Teile außerhalb des Schriftraums weggeschnitten; außerdem auf 8r der Text ganzseitig radiert oder abgewaschen (?).
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 12 × 8 cm; einspaltig, durchgehend 19 Zeilen
Hände: ; gesamter Text von einer Hand in regelmäßiger, sorgfältiger und vergleichsweise großer Textualis geschrieben, wenige Korrekturen oder andere Nutzerspuren; Tintenlinierung;
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    sorgfältige Ausstattung:
  • durchgehend rubriziert;

  • Lombarden bzw. Initialen in roter und blauer Tinte (zumeist ein- bis zweizeilig; klein vorgeschrieben); am Beginn mancher Texteinheiten aufwendigere Zierinitialen in Blau, Rot, Lila, Weiß und Blattgold oder Goldtinte, mit üppigem Blattwerk bzw. Rankenleisten, welche die Seiten zum Teil oder zur Gänze rahmen (7r, 36r, 54v, 73r, 91r, 112v, 136r, 187r); im Binnenfeld dieser Initialen teilweise Wappen-Darstellungen (54v: in weißem/silbernem Schild ein kleinerer roter Schild; 73r: Schild, geteilt von Gold – mit einem weißen/silbernen Faden belegt – und Weiß/Silber; 91r: rotes [Tatzen-]Kreuz auf weißem/silbernem Schild, der an verflochtenen Stengeln dreier Blüten hängt; 136r: in der Mitte des Binnenfeldes ein silberner Schild, auf bzw. über den ein zu großer, nach links steigender roter Löwe gemalt ist); ab 193r dann nur mehr weniger aufwendige, aber gekonnt gestaltete Fleuronnée-Initialen in roter, blauer und normaler Tinte (193r, 196v, 200r, 204r, 210r, 217r, 244r).

Einband: Melierter heller Pappeinband des späten 18. oder 19. Jahrhunderts, am Rücken und an den Ecken mit dunkelrotem Leinen verstärkt; am Rücken überdies Papierschildchen mit der Göttinger Signatur Cod. MS. theol. 214. Diese ist mit Bleistift auch am unteren Rand des VS eingetragen, der aus dem mittelalterlichen Einband der Handschrift übernommen wurde; er trägt Rostflecken von den Nägeln der Schließen und Buckel; aufgeklebt sind auf ihm das bekannte Exlibris des Johann Michael von Loen (ex bibliotheca Iohann. Michaelis a Loen) sowie – darauf – ein Devotions-/Andachtsbild der Wallfahrtskirche Eberhardsklausen. Dieses zeigt eine Pietà, zu ihrer Rechten einen knieenden, zu ihrer Linken einen stehenden Engel oder Heiligen; in der Apside oder Nische dahinter hängen mehrere Votivgaben (Krücken, das Abbild eines Fußes und einer Hand); unter dem Bildnis die Worte Mater dolorosa in Eberhardi Clusa miraculis ac peregrinorum Visitatione Clarissima; auf dem VS zudem noch mehrere Einträge in Tinte (I.: der typische Erwerbungs- und Besitzvermerk Johann Michaels von Loen: Ex Musaeo Hiegeliano. ML. 1724 – ML dabei in Form eines Monogramms; darüber II.: Inhaltsangabe von der Hand Johann Michaels von Loen: Der Psalter von Latine in Deutsche gemachet; daneben ergänzt .s. (?) nitidiss.; mittig am unteren Seitenrand III.: Cod. foll. 270.-6 posteriores mutilae.- Accedit folium chartac. manu Gebaueri scriptum - 8/XI. 59. Mr). Der HS stammt gleichfalls noch aus der mittelalterlichen Handschrift und weist ebenfalls Rostlöcher/-flecken von den Nägeln der zwei Schließen und vier oder fünf Buckel auf; auf dem HS überdies eingetragen die alte Göttinger Signatur Cod. theolog. 157; Buchschnitt vergoldet und mit Karo-Muster überzogen (die Linien desselben jeweils doppelt gezogen).
Zusatzmaterial:

Zwischen 270v und dem HS eingeklebt ein neueres Doppelbl. (Papier) mit einem Verzeichnis der in der Handschrift enthaltenen Texte, speziell der Psalmen; es handelt sich dabei wohl um das auf dem VS erwähnte folium chartac. manu Gebaueri scriptum - 8/XI. 59. Mr., also wohl ein von dem Göttinger Juristen bzw. Professor Georg Christian Gebauer (1690-1773) erstelltes Verzeichnis.

Entstehung der Handschrift: Nach der Schrift zu schließen, dürfte der Kodex aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts stammen; die Schreibsprache spricht für eine Entstehung im rheinfränkisch-hessischen Raum oder für eine Anfertigung durch eine Person aus demselben.
Provenienz der Handschrift:
  • Da die Handschrift von ihrem Format her jenen aus dem Augustiner-Eremitinnen-Konvent St. Maria zu Kamp bei Boppard ähnelt und dieselben bekannten Vorbesitzer hat wie jene (s. dazu im Folgenden), wäre denkbar, dass sie ebenfalls aus dem Vorbesitz dieses Kloster stammt (zu diesem Bopparder Konvent und seiner Bibliothek siehe Monschauer, Das Augustiner-Eremiten-Nonnenkloster St. Maria; das Eberhardsklausener Andachtsbild, das sich – wenigstens seit der Restaurierung des Einbandes – auf dem VS befindet, ist für die Provenienzfrage zwar nicht direkt aussagekräftig, verweist aber zumindest auf Kontakte zu einem Raum, in den sich auch die Beziehungen der Bopparder Schwestern erstreckten).
  • So wie die in Göttingen erhaltenen Codices aus Boppard gelangte nämlich auch die vorliegende Handschrift in den Besitz des gelehrten Arztes und Sammlers Johann Kraft Hiegell, der zuerst in Mainz und dann als kurtrierischer Leibarzt in Koblenz tätig war und neben zahlreichen anderen Sammlungen auch eine umfangreiche Bibliothek besaß (vgl. zu ihm etwa Jöcher, Allgemeines Gelehrten Lexicon, Ergbd. 2, Sp. 1998);
  • aus seiner Sammlung erwarb sie 1724 der gelehrte Büchersammler, Schriftsteller und Staatsmann Johann Michael von Loen (vgl. den entsprechenden Eintrag am VS; zu J. M. v. Loen s. etwa Elschenbroich, Loën, Johann Michael von, S. 47-49) – zusammen mit den Handschriften, die nachweislich aus dem Bopparder Konvent stammen.
Erwerb der Handschrift: Entweder direkt über J. M. von Loen oder über einen weiteren Vorbesitzer – das ist unklar – gelangte(n) die Handschrift(en) zu einem unbekannten Zeitpunkt an die UB Göttingen – offenbar jedoch noch vor 1773, dem Todesjahr von Georg Christian Gebauer, sofern dieser tatsächlich das beim HS eingeklebte Inhaltsverzeichnis anfertigte; auf 1v findet sich überdies der älteste Bibliotheksstempel der Georgia Augusta.
Inhalt:
  • Ir–Iv leer, auf Ir das übliche Bearbeitungsformular der Preuß. Akad. d. Wiss. in Berlin eingeklebt (Bearbeiter: Dr. Marie-Luise Dittrich; Nov. 1939), auf Iv die Handschriftenbeschreibung von W. Meyer; dem Bl. vorangeklebt zudem ein Bl. Japanpapier.
  • 1r-6v Kalendar. >Hart mant hat xxx dage vnd der mane xxx dage<. Der VIII s. Stephan ein merteler … — … Siluestri ein babist und bichter. Mit roter Tinte hervorgehoben sind – neben üblichen Hochfesten – auch die Festtage der Hl. Nereus, Achilleus und Pankratius (3r; zum 12. Mai), Basilius (3v; zum 12. Juni), die irhebunge s. Mertin, Vdalrici episcopi (4r; zum 4. Juli), der Hl. Kilian und sine gesellen (4r; zum 8. Juli).
  • 7r–157r Psalmen (dt.) , Nr. 1-108: >Hie ist der pselter von latine in dutsche gemachet uf daz die vngelarten zu basz versten; diesen psalmen machte Dauid von dem heyligen geiste<. Beatus vor qui non a(abiit). Selig ist der man der nit ist gegangen in den rat der bosen … — … Der zů stůnt der rechten hant dez armen menschen daz er behielde uor den vienden mine sele. Hie sint uz diesze salme die man leset an den nachten der zijt. Auf die Rubriken folgen in der Regel zuerst die lat. Anfangsworte der Ps und dann der dt. Text. Die vorliegende Psalmenübersetzung ist "mit Schöndorfs Untergruppe c) um Cgm 182 der 9. Gruppe (die Hohenfurter Psalmenübersetzung u. ihre Zweige) bzw. mit Walthers 18. Psalter verwandt." (Wetzel, Deutsche Handschriften, S. 30); vgl. dazu und zur entsprechenden Handschriftengruppe Schöndorf, Die Tradition, S. 84, Gruppe 9c; 2VL 7, Sp. 894-895, Nr. XIV; Walther, Die deutsche Bibelübersetzung, Bd. 3, Sp. 479 und Sp. 485-493, jeweils Nr. 18. Der erste Teil stimmt dabei weitgehend mit einer weiteren rheinfränkisch-hessischen Psalmenhandschrift überein, die heute in Cologny liegt (Cologny, Fondation Martin Bodmer, Cod. Bodmer 36; siehe dazu Wetzel, Deutsche Handschriften, S. 27-31 sowie Digitalisat und Beschreibung bei e-codices); ein Textvergleich "von ca. 20 Textseiten (Ps. 1-12)", den Wetzel vornahm, ergab, dass "die beiden Hss. im Wortlaut fast ausnahmslos u. sehr genau übereinstimmen u. auch die selben Überschriften setzen. Der Dialekt zeigt ähnl. Tendenzen." Wetzel, Deutsche Handschriften, S. 31 schloss daraus, dass "eine gemeinsame Vorlage [...] mit Sicherheit anzusetzen" sei. Tatsächlich befinden sich auch die großen Zierinitialen in beiden Handschriften entsprechend der Achtteilung der Psalmen in der röm. Liturgie an den gleichen Stellen (bei Ps 1, 26, 38, 52, 68, 80, 97 – Matutin der 7 Wochentage – und bei Ps 109, dem Beginn der Sonntagsvesper); allerdings reicht die textliche Übereinstimmung zwischen beiden Codices nur bis Ps 64/65 bzw. Bl. 85/86 der Göttinger Handschrift, nach dieser Stelle folgt die Handschrift – zumindest auch – einer anderen Psalmenübersetzung; speziell auch der Text der Rubriken ist hier ein anderer; die einzelnen Psalmen werden darin in die Frömmigkeitspraxis eingeordnet, d. h. ihr jeweiliger Nutzen bzw. ihre jeweils ratsame Verwendung werden angegeben (vgl. etwa Ps 65: Wanne der mensche zu rade wel gan, so sal er dieszen salmen sprechen daz ieme got gude sinne gebe; Ps. 66: Diesen salmen sal man lesen von vnsirs herren martil vnd David machte; Ps. 67: Dieszen psalmen sal man lesen vor die viende, David machte in; Ps. 68: Dieszen salmen machte David vnd wanne der mensche bedrubit ist, so sal er diesen salmen lesen; Ps. 69: Wann der mensche wert gesucht von sinen vienden, so les er diesen salmen; den machte David; Ps. 70: Wenne der mensche gentzilichen getruwit in got so sal er wissen daz in got irloset von allen sime liden vnd sol dieszen salmen sprechen; den machte David; Ps. 71: Wanne der mensche zu gerichte get so sal er dieszen salmen lesen; den machte David; Ps. 72: Wanne der mensche gebichtet, so sol er dieszen salmen lesen, den machte David; Ps. 73: Wanne der mensche sich ist, so sal er diesen salmen lesen; den machte David; Ps. 74: Wanne der mensche bichten wil, so sal er diesen salmen lesen; den machte konige David; Ps. 75: Man sal dieszen salmen lesen durch frieden des landis vnd David machte in; Ps. 76: Wanne der mensch bedrubit ist so list er dieszen; den machte David; Ps. 77: Man sal dieszen salmen lesen got zu lobe daz er den menschen virnunft gebe godis willen zu irkennen; vnd David machte in). Die These Wetzels, wonach die Göttinger und die in Cologny liegende Handschrift, wenn sie schon nicht direkt voneinander abhängen, so doch zumindest eine gemeinsame Vorlage gehabt haben müssen, ist also zu modifizieren: Zumindest für den Teil ab Ps 65 hat der Göttinger Codex noch eine weitere Vorlage verwendet, der er beim Text der Psalmenübersetzung maßgeblich folgte. Hinzu kommt, dass in der Göttinger Handschrift der Abschnitt, der nur den Text der Psalmen (und entsprechend ihrer üblichen Nummernfolge) enthält, mit Ps 108 bzw. auf 157v endet, und zwar mit der Rubrik: Hie sint vz diesze salme die man leset an den nachten der zijt. (157r-159r) Ps 117. >Wanne der mensche betrubit ist so lese er dieszen salmen vnd horet zu den lengen prime zijt<. Confitemini. Lobit got, wan er ist gůt, wan sin irbermͤde ist eweg … — … Lobint got, wan er ist gůt, wan sin erbermde ist ewig. Die in der Handschrift danach noch folgenden Psalmen sind eingebettet in die Texte zu den Tagzeiten; da sie und Ps 117 vergleichbare Angaben zur frömmigkeitspraktischen Verwendung in den Rubriken aufweisen wie die vorangehenden Psalmen 65-108 (dasselbe gilt für die Cantica), wäre zu vermuten, dass die dort verwendete Vorlage auch für den darauffolgenden Teil benutzt wurde - wenigstens unter anderem.
  • 159r-225r Tagzeitengebete (dt.).
    • Mette von der Dreifaltigkeit. >Hie heibit sich an die metten von der driualdikeit vnsirs herre<. Domine labia mea. Herre dů ůff myn leppen vnd min munt sal kůdichen din lop … —
    • (162v-168r) Laudes. >Ps. ad laudes<. Dominus regnauit docorem[sic] [Ps 92] … — … Collecta. Herre got almechtige vadir vns dine gloubigen die diner almechtikeit sint vnder den gesene vnd beschirme vns [...] důrch alle die werlt der werlde, amen. Herre irhore vns.
    • (168r-175r) Prim. >Dicz ist die erste zit prim von deme dage<. Got hilf mir … — … Herre got dů der vns hat geheyszen kommen [...] vnd dar zů werden gerecheit vnsir gedenke vnd vnsir werg. P. Důrch vnsirn herren Ihesum Christum.
    • (175r-179r) Terz. >Die dage zijt der tercien<. Ere sij geseheit … — … Collecta. Herre da dů din almechtikeit alle meist dar ane růfest [...] zu diner gelobde vns deilhaft mechest des hiemelischen godis důrch vnsirn herren Ihesum Christum.
    • (179r-182v) Sext. >Dicz ist die sexte von dem dage<. Got hilf mir. Ere sie gesehit … — … Collecta. Herre Ihesu Criste des heiligen gotheit nit virhohi mochte werden [...] daz wir dich sehen an ende da du lebest vnd richest mit den vader in der einikeit dez heiligen geistes důrch alle die werlt der werlde amen.
    • (182v-186v) Non. >Dicz ist die none zijt von deme dag<. Got hilf mir. Ere sie … — … Collecta. Herre Ihesu Christe dem der vadir hat gegeben einen namen [...] mit deme wir behalden moge werden durch den selben herren Ihesum Christum, amen.
    • (186v-223v) Verspergebete nach den Wochentagen.
      • (186v-192v) Vesper zum Sonntag. >Dicz ist die zit mit der vesper an deme sůndage vnd dieszen salmen sal man lesen vor die viende vnd machte David. Suntag<. Dixit dominus [Ps 109]. Der herre sprach zu mime herren sitze zů miner rechten hant … — … daz dů gebůtes daz wir ir arnen nach zů folgen daz dů gelobest. Důrch vnsirn herren Ihesům Cristům. Amen.
      • (192v-196r) Vesper zum Montag. >Dicz ist die wesper die man leset an den mandage. Dieszen salmen sal man lesen vor alle geleubigen selen, den machte David. Mantag<. Dilexi quoniam [Ps 114]. Ich han got geminnet wan der herre hat irhort die stimme myns gebedes … — … zu deme wege dez ewigen heiles, důrch vnsirn herren Jhesům Cristum, amen.
      • (196r-200r) Vesper zum Dienstag. >Dicz ist die wesper an dem dinstage. Wenne der mensch irfrauwit wirt so lese diesen salmen david dinstag<. Letatus sum [Ps 121]. Ich bin irfraůwit in den die mir gesaget sint … — … die dů gesetzest in die stedekeit diner minne durch vnsirn herren Ihesum Christum.
      • (200r-203v) Vesper zum Mittwoch. >Dicz ist mettewogen vesper. Mit diesem salmen sůllen wir got anrůfen vnd allen vnsirn werken wan wir nit virmogen an in. Dauid. Mitwoche.< Nisi dominus edificaverit [Ps 126]. Got hůde danne daz hůs so arbeident sie virgebins die es bůwint … — … dan behůt mit diner gabe důrch vnsirm herren Ihesum Cristum.
      • (203v-210r) Vesper zum Donnerstag. >Dicz ist die vesper an dem důnirstage. Dieszen salmen sal man lesen vor die dreůme daz sie got den mensche zu dem besten wende. Donerstag.< Memento domine David [Ps 131]. Herre gedenke Davidis vnd alle siner senftmůdikeit … — … vnd virliche vnz daz wir vnmezkliche an gůden werken andechtig sin, důrch vnsirn herren Ihesum Cristum.
      • (210r-216v) Vesper zum Freitag. >Dicz ist die zijt an dem fridag zu der vesper. Wanne der mensche bedrubit ist so lese er diesen salmen. Fritag.< Confitebor tibi domine [Ps 137]. Herre ich lobe dich von allem mime herczen … — … ane dime helfe mogen wir dir nit gevallen důrch vnsern herren Ihesum Cristum, amen.
      • (216v-223v) Vesper zum Samstag. >Dicz ist die vesper an deme samsdage; wanne der mensche stride so lese er diesen salmen. David. Samzstage vesper.< Benedictus [Ps 143]. Gelobit sij got min herre der da leret mine hende zu striden … — … der da lebet vnd richet mit dir in der ewykeit dez heiligen geystes dorch alle die werlte amen.
      • (223v-225r) Komplet. >Complete von dem dage psalmus.< Cum invocarem [Ps 4] … — auf dieses Psalmzitat folgen der Hinweis suche in der zal sowie weitere Verweise; … behalt vns almechtiger got vnd virlich vns daz ewyge lyecht dorch vnsir herren.
  • 225r-237v Cantica (dt.). >Hie gent an die cantica daz ist daz lop und gesang den die patriarchen und die propheten machtent da miede sie got lobetent<.
    • (225r-225v) Canticum Isaiae: Confitebor tibi domine quia iratus es [Is 12,1-6] (dt.). >Diesen mach Moyses Ps.< Confitebor tibi domine. Herre ich loben dich wan dů werest erzornet … — … vnd lobe got wan er ist groz mitten in dir heilig Israhel.
    • (225v-227r) Canticum Ezechiae: Ego dixi in dimidio [Is 38,10-20] (dt.). >Diesen machte Ezechias und den sal man vor seich dage lesen daz got den menschen behude.< Ego dixi in dimido. Ich sprach mitten in mynen dagen … — … Herre behalt mich vnd wir singen vnser lop in dem hůse godis alle vnsir lebetage.
    • (227r-228v) Canticum Annae: Exultavit cor meum [1 Rg 2,1-10] (dt.). >Diesen machte sancta anna unsir frawen muttir.< Exultauit cor meum. Min hercze hat sich erfraůwit in god und myn můt ist gehohet … — … vnde gebit daz kůnigriche, sime konige vnd erhoret die gewalt sines Cristes.
    • (228v-230v) Canticum Moysis et Israelitarum: Cantemus domino [Ex 15,1-19] (dt.). >Diesen salmen sangen die kindere von israhel da sie Moyses fůrte dorch daz rode mer von egipten.< Cantemus domino gloriose. Wir sůllen gode singen erlichen … — … Abir die kindere von Israhel gingen drůcken mitten důrch daz mer.
    • (230v-233r) Oratio Habacuc pro ignorantiis: Domine audivi [Hab 3,1-19] (dt.). >Diesen salmen Abacuc machte der prophete Ps. dauid.< Domine audivi. Herre ich horte din gehorde und fochte mich … — … Und der vbirwinder fůret mich vbir myne hohe singende in dem lobe.
    • (233r-237v) Canticum Moysis de beneficiis: Audite celi que loquar [Dt 32,1-43] (dt.). >Diesen salmen machte Moyses gode zu lobe<. Audite celi. Ir hiemele horent waz ich sagen, daz ertrich hore die wort mynes můndes … — … Und gebit rache in ere viende vnd wirt gnedig dem lande sins volkis.
  • 237v-239r Sieben Bußpsalmen. >Diz sint die sieben salmen<.
    • (237r) Verweis auf Ps. 6, 31, 37, 50, 101 und 129. Domine ne in furore … — >Suche in der zal<.
    • (238r-239r) Ps. 142 (dt). >Dis ist der leste salmen von den sieben salmen die man leset vor die sunde.< Domine exaudi. Herre irhore myn gebet mit dynen oren … — … Und dode alle die myn sele betrůben wan ich bin dyn knecht. Während auf die ersten sechs Bußpsalem mit dem jeweiligen lateinischen Incipit sowie den Worten Suche in der zal nur verwiesen wird, folgt der Text des letzten (Ps. 142) zur Gänze.
  • 239v-243v Allerheiligenlitanei (dt.).
    • (239r-243r) >letania<. Herre irbarmde dich vbir vns … — … Crist irbarme dich vbir vns; pater noster.
    • Orationes.
      • (243r-243v) >Et … et oremus<. Dyne barmherczekeit komme vbir vns herre vnd din heil noch dyme worte. … — … vnd begene in diner trůwe herre her hore vns.
      • (243v) >oremus<. Got des eygen ist entlymen vnd erbarmen enphach vnsir beite … — … die irlose dyne erbermde dyner mildekeide.
      • (243v) >oremus<. Wir bieten dich herre daz du genedeclichen en phahest die bede diner kristenheide … — … vnd vns irloses von der bysze die wir umb sie er arnent dorch vnsirn herren Ihesum Christum.
  • 244r-253r Totenvigil (dt.) , mit 9 Lektionen. >Vigilie, psalmus, verba.< Herre mit dinen oren.
    • (244r-245r) Lektion 1. >Die erste letze<. Uerdrag mir herre wand myne dage nust en sint … — … Versus. Die doden sollent off stan die in den grebern sint sie sollent horen godes sones stymme und sollent sich fraůwen.
    • (245r-245v) Lektion 2. >die zweite letze.< Myne sele verdrůszet myns lebens, ich sal wydder mich laszen myne rede … — … Versus. Barmherziger vnd erbermder vnd gerechter herre. Gedenke daz wir gestůppe sin.
    • (246r-247r) Lektion 3. >Die dritte lecze<. Herre dine hende machten mich und geschůffen mich … — … In dem ewigen gehůgnisse sollent die gerechten sin vor boser gehorde sellent sie sich nit fůrten.
    • (247r-247v) Lektion 4. >die vierde letze<. Antworte mir wie grosze sůnde und missedat han ich … — … Versus. Daz leben vnd barmherczekeit hastu mir gegeben vnd dine bewisůnge hat behůt mynen geist.
    • (247v-248v) Lektion 5. >die V lecze.< Der mensche ist geborn von der fraůwen und lebit kůrtze zijt … — … Versus. Dir alleine han ich gesůndit herre, erbarme dich vber mich.
    • (248v-250r) Lektion 6. >die VI lecze<. Wer sal mir geben daz dů mich in der hellen beschirmes vnd verberges … — … Versus. Nit engip herre den dieren die selen die dir begehent vnd der armen selen willistů nie vergeszen in daz ende. Pater noster.
    • (250r-250v) Lektion 7. >Die siebende letze<. Myn geist sal werden gemynnert myne dage gekůrtzet … — … Versus. Obe die in keyner schůlde en sint herre die pyne wirdig sint die vergip in mit der gnaden diner fenstekeit[sic].
    • (250v-251v) Lektion 8. >die VIII letz<. Myne hůyt hing zů myme gebeyne da myn fleisch verswunden was … — … Versus. Dů da an dem crůtze stůnde vnd den schecher růwende spede entphinge, wir bidden dich milder herre wesche yn abe ir sůnde.
    • (251v-253r) Lektion 9. >Die IX letze<. Brůdere sehent ich sagen ůch wir sollen alle of stan … — … Versus. Von der porten der helle erlose herre ire selen.
  • 253r-261v Gebete (dt.).
    • (253r) Gebet für Vater und Mutter. >Collecta vor vader vnd muder.< Got der uns geboit vader vnd muder zu eren … — … in den freůden der ewigen schohende. Zum lat. Text siehe Bruylant, Les Oraisons, Bd. 1, S. 203, Nr. 620 und Bd. 2, S. 113-114, Nr. 407 oder Corpvs orationvm, Nr. 1903.
    • (253r-253v) Gebet für Brüder und Schwestern. >Coll.< Got ein geber der genaden vnd ein mynner des mentslichen heiles wir bidden dine mildekeit … — … zu der geselschaft der ewigen selikeide verlihent zu kommene. Zum lat. Text siehe Bruylant, Les Oraisons, Bd. 1, S. 203, Nr. 623 und Bd. 2, S. 129, Nr. 465 (nur partiell entspricht der Fassung in dieser Handschrift hingegen Corpvs orationvm, Nr. 2205).
    • (253v) Gebet für Anniversarien. >Collecta<. Got der ablaesze herre gip dime knechte N. des iargezijt wir hůde begeen den stůil der erquickůnge selikeit der růwe clarheit des lichtes. Zum - weitgehend übereinstimmenden - lat. Text siehe Bruylant, Les Oraisons, Bd. 1, S. 199, Nr. 605-606 und Bd. 2, S. 72, Nr. 233 oder Corpvs orationvm, Nr. 1251.
    • (253v) Gebet für das Seelenheil von Männern. >Collecta<. Got des barmherczkeit keine zale en ist der entphae vnser gebet … — … vnd die geselleschaft in dem lande der heiligen. Zum lat. Text siehe Corpvs orationvm, Nr. 1177.
    • (253v-254r) Gebet für das Seelenheil von Frauen. >Collecta<. Wir bidden dich herre důrch dine mildekeit erbarme dich uber diner dinerynnen sele N … — … vnd secze sie in daz deil der ewegen behaldunge.
    • (254r) Gebet für alle Wohltäter. >Collecta<. Godes dez barmhertzkeit nit zale en ist entphahe gnedeclichen die bede vnser demůdekeit … — … gip ablaisz aller irer sůnden. Zum lat. Text siehe Corpvs orationvm, Nr. 1178.
    • (254r-254v) Gebet für alle Gläubigen. >Collecta<. Got aller geleůbigen ein mecher vnd ein loser vergip allen gleůbigen selen alle ire sůnde … — … Der da lebist vnd richest mit dem vader in eynekeit des heilgen geistes godes dorch alle die werlt der werlde. Amen. Zum lat. Text siehe siehe Bruylant, Les Oraisons, Bd. 1, S. 198, Nr. 601 und Bd. 2, S. 154, Nr. 567 oder Corpvs orationvm, Nr. 2684b; hier noch erweitert um die Anrufung Christi bzw. der Dreifaltigkeit am Ende.
    • (254v-257r) Gebet für die Seelen im Fegefeuer. >Diz gebet sal man sprechen vor eyne sele oder vor alle geleybegen selen dye da lygen in der groszen pyne des fegefures et cetera. pater noster<. Ich bedden dich vnd manen dich herre hyemelscher vadir in dem namen dyner aller hoesten gewalt … — … vnd brenge sye zu der geselleschafft aller heiligen vnd aller engeln amen.
    • (257r-261v) Gebet für die Seele einer Person und aller Gläubigen. >Man sal wiszen als dicke man dysz her nageschirben gebet sprechit so sal der mensche als dycke XV pater noster und XV ave maria dar zu sprechen und alle wege off synen knyeen und myt ganczer andacht.< Herre ich bydden dich durch dyne ewige almechtkeyt dorch dyne vederliche trůwe dorch dyne gotliche crafft … — … brenge sye in dye gesellschafft aller heylige vnd aller engel amen.
  • 261v-262v Acht Verse St. Bernhards (dt.). >Diz synt Sancte Bernharts verse zu dem psalter usque quo illumina oculos<. Herre her luchte mir myn augen daz ich nůmmer entslaffe in dem dode … — … wan dů herre hast geholffen vnd trostest mych. Druck: Stammler, Spätlese S. 13 f.; zu diesem Text und seiner reichen Überlieferung in deutscher und lateinischer Fassung vgl. etwa Wiederkehr, Das Hermetschwiler Gebetbuch, S. 105; Ochsenbein, Bernhard von Clairvaux, S. 213-218; Park, Johann Arndts Paradiesgärtlein, S. 128-129.
  • 262v-265v Gebete.
    • (262v-263r) >collecta<. Ewyger almechtiger got den dů dorch weynender trene und bede des koniges Ezechies syn zijt synes lebens hast erlenget … — … nach dyner barmherczekeit dynen noch zu folgen dorch ůnsirn herren Ihesum Christum.
    • (263r-265r) Gebet zum Hl. Erasmus. >Wer diz gebeit ynneclichen leist von herczen von sente Erasmůs alle sonetage vnd gebet eyn broit armen luden vnd borrent eyn licht eyns fingers lang der sal haben funff genaden von gode. Dye erste genade ist daz ym alle syn vigende nyt geschaden mogent. Dye ander ist daz ym czijtliche gůt nůmmer gebrechen sal. Dye dritte gnade ist daz er ane gewair růwe vnd lůtter bicht nyt ersterbet. Die virde gnade ist daz er ane godes licham vnd ane den heylichen oley nůmmer ersthirbet. Dye fůnffte gnade ist daz er von gode nummer gescheyden in wirt<. O heilige herre Erasmus merteler vnd byschoff als do dů dich gode opphertes an dem sonedage also nym ůnser opper vnd vns gebeyt … — … daz wer daz ewich leben mit dyr besiczen můssen liebe herre Ihesu Christu[sic] ewiclichen an ende. Amen.
    • (265r-265v) Vaterunser (dt.). Vader vnser der dů bist in dem hymeln, geheiligit wert dyn name … — … lose vns von ubele, amen.
    • (265v) Ave Maria (dt.). Gegruszet sist du Maria … — … gebenediet ist dye frucht dynes lybes Ihesus Cristus. Amen.
  • 265v-266r Apostolisches Glaubenbekenntnis (dt.). Ich geleuben in got vader almechtigen scheffer hyemels vnd der erden … — … ablasz der sůnden, vofferstendonge des fleysches vnd ewig leben, amen.
  • 266r-266v Salve Regina (dt.). >Salve regine mater<. Got grůsze dich kůnginne der barmherczicheit eyn leben und eyn sůszekeit … — … o du milde, o dů susze Maria. An das Salve Regina anschließend noch Versus. Nach dyner geburt bist du bleben eyne vnbeflecket mait, godes moide bede vor vns, amen.
  • 266v-268v Gebet an die Hl. Drei Könige. >Dis gebeit ist von den heiligen dryn koningen<. O ir heiligen dry koninge Melchior Iaspar vnde Baltasar ich beuelen mynen lip myn sele und myn ere in uwer hende … — … vnd verlye mir eyn seliges ende des gonne mir der vater vnd der der[sic] son vnd der heilige[sic], amen. >Auch sprich xxiiii pater noster her zu.< Orate pro scriptore.
  • 268v-270r Ave praeclara maris stella (dt.). Ich grůsze dich gerne meres sterne den heyden lůchtest du so verre, dů gotliche dirne … — … nach dyszem elende uns sy beka[nt] mit freuden des vater lant; amen. Siehe zu den dt. Übersetzungen dieser Sequenz 2VL 1, Sp. 568-570, hier Sp. 569, Nr. 6 und 2VL 11, Sp. 193-195, hier Sp. 193; Brinkmann, Ave praeclara; vollständige Übertragung, Verse und Versikel nicht abgesetzt, aber durch abwechselnd rote und blaue Lombarden markiert. (270v) leer.
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
Göttingen 2 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 2: Universitäts-Bibliothek: Geschichte, Karten, Naturwissenschaften, Theologie, Handschriften aus Lüneburg, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)

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