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Beschreibung von Göttingen, Staats- und Universitätsbibliothek, 8° Cod.Ms. theol. 215
Lukas Wolfinger: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen volkssprachigen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Lukas Wolfinger.
Handschriftentitel: Psalter (dt.)
Entstehungsort: Köln
Entstehungszeit: 15. Jh., 3. V.
Katalognummer: Meyer-Sign. Theol. 215
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Wasserzeichen: Wappen - drei Lilien (WZIS DE3270-theol215_4; ähnlich WZIS NL8370-PO-128440 – Middelburg/Seeland 1462); Wappen - drei Lilien (WZIS DE3270-theol215_13; ähnlich WZIS NL8370-PO-128441 – Middelburg/Seeland 1462); Buchstabe 'P' (WZIS DE3270-theol215_7; Varianten 1463-1468; genaueste Übereinstimmung mit WZIS DE2040-PO-115897 – Essen 1464); Buchstabe 'P' (WZIS DE3270-theol215_40; Varianten 1459-1471; genaueste Übereinstimmung mit WZIS DE4500-PO-115944 – Randerath 1464); Buchstabe 'P' (WZIS DE3270-theol215_16DE3270-theol215_16; Variante 1463); Buchstabe 'P' (WZIS DE3270-theol215_160; Varianten 1458-1467; genaueste Übereinstimmung mit WZIS NL0360-PO-112036 – Geldern 1458/59); Buchstabe 'P' (WZIS DE3270-theol215_130; Variante 1461); Ochsenkopf (WZIS DE3270-theol215_1; auf eingeklebtem Blatt mit Miniatur).
Umfang: I, 161, I Bl.
Format: 21,2-21,4 × 14,2-14,5 cm
8
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung (modern): 1-161; außerdem zumeist noch lageninterne Blattzählung in der ersten Lagenhälfte vorhanden (in römischen Zahlzeichen, nur die 10. Lage bzw. Bl. 110-115 mit arabischen Ziffern).
Lagenstruktur: Neben je einem modernen Vorsatz- und Nachsatzbl. setzt sich die Handschrift wie folgt zusammen: VI+1 (13). 12 VI (157). I+2 (161); an den Beginn der ersten Lage ist ein einzelnes Bl. angefügt (dieses scheint vom Wasserzeichen zum Rest der Handschrift zu passen; es handelt sich – soweit erkennbar – nämlich um WZIS: DE3270-theol215_40), auf das ein zweites Bl. mit der unten beschriebenen Miniatur aufgeklebt ist; zudem sind am Ende der Handschrift zwei einzelne Bl. (beschrieben) und ein Doppelbl. (leer; dasselbe Papier wie im beschriebenen Teil) zusammengeklebt und über letzteres eingebunden; am Ende der Lagen durchgehend Reklamanten.
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 13,4-15 × 7,7-8,7 cm; einspaltig, 20-24 Zeilen
Hände: ; Bastarda; gesamter Text von einer Hand; regelmäßig und vergleichsweise großzügig geschrieben, kaum Korrekturen, Glossen oder andere Nutzerspuren;
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    einfache, aber sorgfältige Ausstattung:
  • durchgehend rubriziert, rote Paragraphenzeichen; zudem sind Schriftzitate, nicht zuletzt die lateinischen Initien der Psalmen, teilw. rot unterstrichen;

  • rote Versalien und Lombarden bzw. Initialen; am Anfang von Kapiteln oder vergleichbaren Textabschnitten zudem mehrfarbige Initialen (rot, blau, gelb) mit schlichtem Dekor (im ersten Abschnitt vorrangig Ansätze von Knospen, Blättern oder Blüten; im zweiten Teil, d. h. ab 58r, sind die roten Initialen zumeist mit einfachen blauen Wellenlinien verziert); nur am Textbeginn auf 2r eine Fleuronnée-Initiale, flüchtig und in brauner Tinte ausgeführt, dann grob mit blauer, roter und gelber Farbe koloriert.

  • Auf 1v ganzseitige Miniatur (lavierte Federzeichnung; zudem Verwendung von Deckfarben; befindet sich auf eingeklebtem Papierblatt, das sich durch sein Wasserzeichen vom Rest der Handschrift unterscheidet; die Miniatur entstand offenbar unabhängig von der Handschrift; ob sie jedoch bereits im Hinblick auf diese angefertigt oder erst sekundär dafür verwendet wurde, ist unklar; offenbar jedoch von geübter Hand): in gemaltem braunem Bildrahmen auf gelbem Boden und vor blauem Hintergrund im Gebet knieend ein (Stifter-?)Paar, das von zwei Heiligen dahinter der im Strahlenkranz erscheinenden Gottesmutter mit Kind präsentiert wird; heraldisch rechts der Mann in dunkelbraunem (Pelz-?)Mantel mit (scharlach-)rotem Untergewand und schwarzen Schuhen vor der Hl. Katharina (diese mit Heiligenschein, Krone, weitem rotem Mantel, Schwert und Rad); die – vielleicht als schwanger dargestellte – Frau links daneben in rotem Mantel mit Hermelinfutter und -besatz, den Kopf mit Rise und Schleierhaube bekleidet vor Johannes dem Täufer (dieser mit Heiligenschein, Buch, Lamm und beigem Umhang über härenem Gewand). Vor den beiden Knieenden jeweils ihr Familien-Wappen; beim Mann: Vollwappen mit blauem Schild, darin gekreuzt ein Armbrustbolzen und ein Kleestängel, das Schildhaupt belegt mit einem schwarzen Balken, worauf nebeneinander drei goldene, sechsstrahlige Sterne; darüber Stechhelm mit blauer Helmdecke und einer Zimier, die gleichfalls den blauen Wappenschild mit gekreuztem Armbrustbolzen und Kleestängel zeigt, bekrönt von schwarzen Federn, die wiederum drei goldene, sechsstrahlige Sterne tragen; Wappen der Frau (nur Schild): drei goldene Löwen auf blauem Grund, nach rechts steigend, im Schildhaupt ein roter Turnierkragen, dreilätzig. Ober- und unterhalb der Miniatur – noch auf dem aufgeklebten Bl. – steht in roter Tinte geschrieben als Bilderläuterung: sent Caddrn (?), sent Johannis, Ewalt van bachrach vn Evegyn van Degelen sin elege huß vrawe stent he gemalt mit (?) erem [wappen?].

Einband: Spätmittelalterlicher Einband aus der so genannten Werkstatt 'Osterlamm quadratisch III' (EBDB w003760), die in der 2. H. des 15. Jhs. in Köln nachweisbar ist; braunes Leder auf Holzdeckeln (restauriert; alte Einbanddecke auf neues Leder aufgezogen); ehemals auf jedem Deckel fünf Metallbuckel, zudem zwei Metallschließen (Teile der metallenen Halterungen auf dem VD und HD noch vorhanden); Streicheisenlinien und Blindstempel: 1) Adler - heraldisch: Doppeladler - ohne Attribute, EBDB s029945; 2) Agnus Dei - ohne Kelch, stehend - Kreuzstab gerade, EBDB s029944 (?); 3) Löwe - mit Krone, EBDB s033075; 4.) Rosette - mit einem Blattkranz - sechsblättrig - Blätter kreisförmig, EBDB s029950; 5) Schrift - einzelne oder mehrere Wörter - Marien-Anruf - Ave, Schriftband, EBDB s029949; 6) Ornamente, geometrische - gedrehter Faden, EBDB s029948; 7) Ranke - Wellenranke - mit Laub und Blüten, EBDB s037746; 8) Blüte - Vierblatt - ohne Zwischenblätter, EBDB s037747; 9) Ornamente, geometrische - Quadratmuster, EBDB s037748; 10) Ornamente, geometrische - Sonderformen, EBDB s037749; am erneuerten VS des restaurierten Einbandes eingeklebt das Exlibris des Johann Michael von Loen (ex bibliotheca Iohann. Michaelis a Loen); zudem moderner Bleistifteintrag mit der Göttinger Signatur Cod. Ms. theol. 215; auf dem HS eingetragen die alte Göttinger Signatur Cod. theolog. 156; zur Falzverstärkung in der Lagenmitte Pergamentstreifen eingebunden (siehe Fragmente).
Zusatzmaterial:

13 Fragmente bzw. schmale Streifen aus Pergament, jeweils ca. 20,5 x 0,5 cm, die bei der Bindung zur Falzverstärkung eingefügt wurden (noch in situ, zw. Bl. 7/8, 19/20, 31/32, 43/44, 55/56, 67/68, 79/80, 91/92, 103/104, 115/116, 127/128, 139/140 und 151/152); alle mit Text, außer viell. jenes zw. Bl. 103/104; zum Großteil oder sogar insgesamt stammen die Streifen wohl von demselben Blatt oder zumindest aus derselben Handschrift; sie enthalten lateinischen Text mit Glossierung (da die Fragmene quer zur Zeilenführung des Textes geschnitten sind und auf jedem Streifen demnach nur wenige Buchstaben von jeder Zeile stehen, kann ohne vorhergehende Auslösung und Zusammenfügung allfällig zusammengehörender Stücke keine Aussage über den Inhalt getroffen werden): Haupttext in regelmäßiger Textualis (2. H. 13. Jh.?); zudem Interlinear- und Randglossen in sehr kleiner, zarter Schrift.

Entstehung der Handschrift: Die Handschrift dürfte Anfang der 1460er Jahre (s. Wasserzeichen) angefertigt worden sein – und zwar in Köln; dafür spricht neben dem Einband aus einer Kölner Werkstatt und der ripuarischen Schreibsprache auch die für das 15. Jh. nachweisbare Geschichte, die gleichfalls eng mit dieser Stadt verbunden ist. Bei den auf der Miniatur auf 1v dargestellten Personen handelt es sich nämlich – so zumindest die Angabe der Bildbeischrift – um den Kölner Bürger Ewald von Bacharach den Jungen (zuerst nachweisbar ab ca. 1435, gest. 1463) und seine Frau Eva von Tegelen (zu beiden siehe Militzer, Die Gaffel Windeck, S. 41; von Interesse hinsichtlich der bildlichen Darstellung könnten auch die ebd. genannten Eltern der Eva/Evgyn van Tegelen, Johann und Katharina, sein; denkbar wäre nämlich eine Zweitverwendung der Miniatur; zumindest erscheint auffällig, dass die dargestellten Heiligen zu diesen sehr viel besser gepasst hätten, da sie ihre Namenspatrone waren).
Provenienz der Handschrift:
  • Wie bereits der Besitzvermerk auf 1r belegt, war eine Tochter der beiden, Elisabeth/Elsgyn, sowohl – die erste nachweisbare – Besitzerin der Handschrift als auch Schwester im Augustiner-Eremiten-Nonnenkloster St. Maria zu Kamp (Dit bvch is suster Elsgyn Ewals dochdee van Bahen wonaffdych in der clusen gen Bobart ober vnd man ni sal is nemen versagen zo lyen; zu Elisabeth/Elsgyn siehe Militzer, Die Gaffel Windeck, S. 41; Monschauer, Das Augustiner-Eremiten-Nonnenkloster St. Maria, S. 122 und S. 150). Über sie wird die Handschrift in den Konvent nach Boppard gelangt sein. Elsgyn hat den zitierten Besitzvermerk wohl selbst geschrieben, eine Annahme, die dadurch gestützt wird, dass die Bildbeischrift zum Bild der Eltern auf 1v von derselben – wohl ihrer – Hand stammt. Ob die Tochter die Handschrift bereits mit dem Bild von denselben erhielt (etwa als Teil der Ausstattung beim Klostereintritt oder als Geschenk danach) oder ob sie die Miniatur erst später einfügte oder einfügen ließ, ist unklar. Da die Handschrift am ehesten in den 1460er Jahren entstand (s. dazu die Wasserzeichen) und Ewald von Bacharach 1463 verstarb (vgl. Militzer, Die Gaffel Windeck, S. 41), wäre auch ein Zusammenhang des Bildes mit diesem Todesfall gut denkbar; sowohl in den Gebetstexten der Handschrift als auch in der bildlichen Darstellung und den Texten auf Ir-v ist jedenfalls eine Bezugnahme auf das Thema Eltern erkennbar. Sofern Eva von Tegelen in der Miniatur tatsächlich als Schwangere dargestellt ist (s. zur Miniatur), wäre auch noch die Anbetung der Gottesmutter mit dem Kind in das Themenfeld Elternschaft einzuordnen. Die Darstellung könnte damit auf die Geburt Elisabeths von Bacharach und auf die Gebete dafür zu beziehen sein (diese Beobachtung ist Dr. Patrizia Carmassi zu verdanken).
  • Spätestens mit dem Nachlass Elsgyns wird die Handschrift in den Besitz des Klosters übergegangen sein, wo sie längere Zeit verblieb.
  • Um 1700 wurde sie gemeinsam mit anderen Handschriften des Bopparder Konvents vom Arzt und gelehrten Sammler Johann Kraft Hiegell erworben, der zuerst in Mainz und dann als kurtrierischer Leibarzt in Koblenz tätig war und neben zahlreichen anderen Sammlungen auch eine umfangreiche Bibliothek besaß (vgl. zu ihm etwa Jöcher, Allgemeines Gelehrten Lexicon, Ergbd. 2, Sp. 1998);
  • aus dessen Sammlung kaufte sie 1724 der gelehrte Büchersammler, Schriftsteller und Staatsmann Johann Michael von Loen (vgl. den entsprechenden Eintrag am VS; zu J. M. v. Loen s. etwa Elschenbroich, Loën, Johann Michael von, S. 47-49) – mit anderen des Bopparder Konvents.
Erwerb der Handschrift: Entweder direkt über ihn oder über einen weiteren Vorbesitzer, das ist nicht geklärt, gelangte(n) die Handschrift(en) zu einem unbekannten Zeitpunkt an die UB Göttingen – allerdings wohl noch im 18. oder beginnenden 19. Jh.; auf 2v findet sich jedenfalls der älteste Bibliotheksstempel der Georgia Augusta.
Inhalt:
  • Ir–Iv leer, auf Ir jedoch eingeklebt das Bearbeitungsformular der Preuß. Akad. d. Wiss. in Berlin (Bearbeiter: Dr. L. Pfannmüller; Dez. 1911) und auf Iv die Handschriftenbeschreibung von W. Meyer; an das Bl. angeklebt zudem der Nutzerbogen der SUB Göttingen.
  • 1r leer, abgesehen von Besitzvermerken und Titelangaben: oben mittig von mittelalterlicher Hand in roter Tinte der Eintrag: Dit bvch is suster Elsgyn Ewals dochdee van Bahen wonaffdych in der clusen gen Bobart ober vnd man ni sal is nemen versagen zo lyen; darunter von Johann Michael von Loen vermerkt: Ein uhralt teutsher Psalter/ estimat. R. 4 . 5 k. [Wert- bzw. Preisangabe]/ ex Musaeo Hiegeliano/ ML. 1724; darunter der älteste Besitzstempel der Göttinger Universitätsbibliothek (Ex bibliotheca acad. Georgiae Augustae).
  • 1v Miniatur ; ober- und unterhalb davon der schriftliche Eintrag: sent Caddrn (?), sent Johannis, Ewalt van Bachrach vn Evegyn van Degelen sin elege huß vrawe stent he gemalt mit (?) erem [wappen?].
  • 2r–134v Psalmen (dt.). >Hei hift sich an der dutsche selter den der edel koinnick Dauid seluer gode tzo loeue vnde tzo eren hait gemacht.< Selich is der man der neit aff in geinck in deim rade der boeser ind in deim wege der sunder … — … Louet in in der tymbalen waillndende, louet in in simbalen des sanges, alle geiste loft got. Zu dieser Psalmenübersetzung und der entsprechenden Handschriftengruppe s. Schöndorf, Die Tradition, S. 135; 2VL 7, Sp. 896, Nr. XXI; Walther, Die deutsche Bibelübersetzung, Bd. 3, Sp. 645 und Sp. 698, jeweils Nr. 29. Die Rubriken der Psalmen, die teilweise ähnlich sind wie in der Fassung Nr. 18 (vgl. ebd., S. 698), haben sehr unterschiedliche Bezugspunkte: Während sie im ersten Teil des Psalters insbesondere eine Einordnung in das biblische Geschehen bzw. in die Geschichte Davids vornehmen, beziehen sie sich in den späteren Teilen verstärkt auf das neutestamentliche Heilsgeschehen, die Funktion der einzelnen Psalmen in liturgischen Kontexten bzw. im Gebet oder auf den Zusammenhang zwischen einzelnen Psalmen. Die Gradualpsalmen (Ps 119-132) sind in den Rubriken als eigene Einheit ausgewiesen bzw. an ihrem Beginn als de XV grede vnser lieuen vrawen betitelt (119r) und dann in den Rubriken als Grad 1-15 durchgezählt (wobei fälschlich keine Nr. 14 gezählt ist, weshalb bereits Ps. 132 als 15. Grad erscheint; als 15 Grade Mariens oder 'Fünfzehn Psalmen Mariae' werden die Gradualpsalmen auch anderwärtig bezeichnet, siehe etwa Hagen, Die deutschen theologischen Handschriften, zur Handschrift Ms. theol. germ. 47, Bl. 109r—115v der Lübeckischen Stadtbibliothek). Zu Beginn stimmt der Text der Psalmenübersetzung mit dem einer Hamburger Handschrift überein, weicht dann aber davon ab (Hamburg, Staats- und Univ.-Bibl. in scrin. 162; vgl. Schöndorf, Die Tradition, S. 135).
  • 134v–144v Cantica (dt.).
    • (134v-135r) Canticum Isaiae: Confitebor tibi domine quia iratus es [Is 12,1-6] (dt.). >Confitebor<. Ich sal dir bichten here want du bist ertzurnt, bekeirt is din tzorn in troistes mich … — … conige Syoen vreuwe dich want der hilge Israhel der is grois midden in dir.
    • (135r-135v) Canticum Ezechiae: Ego dixi in dimidio [Is 38,10-20] (dt.). >Ego dixi<. Ich sprach in deim haluen mijnre dage ich sal gain tzo den partzen der hellen. … — … Got behalt mich vnd wir singen alle dage vns leuens den salmen in gotz huiss.
    • (135v-136v) Canticum Annae: Exultavit cor meum [1 Rg 2,1-10] (dt.). >Exultauit<. In gode vreude sich myn hertze ind myn horn is erhoget in gode … — … Got sal vrdelen de ende der erden in geuen sijme koeninge gewalt vnd erhoget den horn sins cristens.
    • (136v-137v) Canticum Moysis et Israelitarum: Cantemus domino [Ex 15,1-19] (dt.). >Cantemus domino<. Wir singen gode eirlichen iss hei erhauen, dat pert inde man warp hei in dat mer. … — … ind got leite ouer sij dat wasser des mers; Israhels kinder geingen druge durch dat middel des mers.
    • (137v-139r) Oratio Habacuc pro ignorantiis: Domine audivi [Hab 3,1-19] (dt.). >Domine audiui<. Here ich hoirte din heeringe ind intforte mich here din werck in midden den jaren … — … Got is myn stercke ind sal myn voisse setzen ass der hirtze ind de segeveichter sal mich leiden in de hoe singende den psalmen.
    • (139r-142r) Canticum Moysis de beneficiis: Audite celi que loquar [Dt 32,1-43] (dt.). >Desen louesanck machde Moses in der alder ee vnd reiff da mede zo gode. Audite celi<. Avdite celi. Hoirt ir hemele wat ich vch sagen, de erde de hoir de wort mijns mundes … — … ind sal brechen ere viande ind wirt genedich sins volcks lande.
    • (142r-142v) Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen: Benedicite omnia opera [Dan 3,57-88] (dt.). >Der drijer kinder sanck in deme oeuen. Benedicite omnia<. Louet got alle vns heren wercke, loift ind erhoit in vmber … — … Got du bist geloift in des hemels vestinge louelich in heirlich vnd vmber ind ewelichen.
    • (142v-143r) Canticum Zachariae: Benedictus dominus deus [Lc 1,68-79] (dt.). >Zacharias pater Iohannes baptisti[sic] prophetauit hunc ympnunc[sic]. Benedick[sic]<. Jsrahels volck sij gesagent want hei wiste vnde machde erlosinge sins volcks … — … Luchte desen de da sitzent in der dusternisse ind in deim schemen des doitz tzo richten vnse voisse in den wech des freden.
    • (143r-143v) Canticum Mariae: Magnificat anima mea [Lc 1,46-55] (dt.). >Magnificat anima. Dit is vnser lieuer vrauwen loue sanck<. Myn sele verhoget got, ind myn sele vreuwet sich in gode myme heile … — … Also hei sprach zo vnsen vederen Abraham vnd sijnen gesleichten ewich.
    • (143v) Canticum Simeonis: Nunc dimittis [Lc 2,29-32] (dt.). >Impnus Simonis in tempela oracionis – nunc dimittis<. Nv lais here dinen kneicht in vreden na dinen worden, want din heil haint myn ougen gesein … — … Dat licht zo eynre offenbaringen der lude in tzo eren dins volcks Jsrahel.
    • (143v-144v) Te deum (dt.). >Laudes sanctorum Augustini et Ambrosii ad in vicem compelete – te deum laudamus<. Dich louen wir, dir here bichten wir, dich eynen ewigen vader eirt alle de erde … — … Ind ich here hain gehoft in dich, la mich nummer geschant werden.
    Siehe Schöndorf, Die Tradition, S. 135.
  • 144v-146v Athanasisches Glaubensbekenntnis (dt.). >Beatus Anastasius fecit hunc simbolum pro fide katholica. Intelligem<. Wer wil sin behalden deim is noit vur allen dingen dat hei haue vur allen dingen cristlichen geluben … — … Dit is der kirsten gelube. So wer des neit truwelichen noch steitlich geluft in mach neit behalden werden. (146v) Gloria patri (dt.). Ere sij deim vader, deim sone … — … vnd im inde allwege ind ewich in der ewicheit, amen.
  • 147r-148v Litanei (dt.).
    • (147r-148r) Anrufungslitanei. Here erbarme dich ouer vns, Crist erbarm dich ouer vns, Crist erhore vns … — … Alle heilge made vnde wedewn. Alle ir heilgen.
    • (148r-148v) Erlösungsbitten. Genedich sistu, verdrach vns here. Genedich sistu, erlose vns here … — … An dem dage des jungesten vrdels soe erlose vns here.
    • (148v-149r) Fürbitten. Wyr arm sunder bidden dich dat vns vrede vnde gesuntheit geues in dat du de kirstenheit erhorest … — … Bys vns here ein thurn der sterckden vur deim antzlitz des viantz. (149r) Here hore myn bede. myn roiffen kome tzo dir. [PsG 101,2] Oremus. (Responsorium).
      Auf 147r durch eine zweizeilige rote Lombarde hervorgehoben die Anrufung Alle ir hilge apostelen vnde Ewangelisten (viell. als Hinweis auf den Entstehungskontext der Handschrift – etwa das Kanonikerstift St. Aposteln in Köln – zu verstehen?).
  • 149r-150r Gebete (dt.).
    • (149r) Gebet für die Sünden. >Dese na geschreuen collecta bit vur de sunden.< Eerhere here vns des bidden wir dich vnse vleende bede … — … dat du vns mit in geues afflais ind frede du milder. Zum lat. Text siehe Corpvs orationvm, Nr. 2541.
    • (149r) Gebet für die Christenheit. >Dit bit vur alre hande noit der kirstenheit.< Almeichtiger ewiger got der truriger troist, der arbeider sterckde, zo dir komen der roiffen der bede … — … dat din barmhertzicheit bij in gewesen sij in eren. Zum lat. Text siehe Bruylant, Les Oraisons, Bd. 2, S. 217, Nr. 766 oder Corpvs orationvm, Nr. 3852.
    • (149v) Gebet für Kranke. >Dit lis vur de seichen (?).< Almeichtiger ewiger got inde heil der gelubigen erhore vnss vmb din getruwe seichen … — … dat sij dir genade sagen in dijnre hilger cirstenheit. Zum lat. Text siehe Bruylant, Les Oraisons, Bd. 1, S. 186, Nr. 561 sowie Bd. 2, S. 228-229, Nr. 804 oder Corpvs orationvm, Nr. 4072.
    • (149v) Gebet für den Frieden. >Dit lijss vmbe vreden.< Got van dein hilge begerunge reichte rede vnd gereichte wercke sint. Gijff dinen kneichten den freden … — … ind de tzijt van dijnre beschirmungen guet werden. Zum lat. Text siehe Bruylant, Les Oraisons, Bd. 1, S. 184, Nr. 556 sowie Bd. 2, S. 63, Nr. 201 oder Corpvs orationvm, Nr. 1088.
    • (149v-150r) Gebet um Tränen für die Sünden. >Collecta vmbe trene vurde de sunden.< Almeichtiger alre mildester got, du de da geues dem durstenden volcke eynen born vss eyme steine … — … ind dat wir der sunden afflais intfain moissen na dijnre erbermde. Zum lat. Text siehe Bruylant, Les Oraisons, Bd. 1, S. 193-194, Nr. 586 sowie Bd. 2, S. 212, Nr. 752.
    • (150r) Gebet von allen Heiligen. >Van allen heilgen.< Unse kranckheit armode inde alle vnse noit sich an genedeklichen almeichtiger got … — … Ind all ouele de wir reicht ham verdeint van beden sent Marie vnde alre heilgen kere genediger van vns durch vnsen heren Iehsum Cristum dinen son der mit dir leift inde herrschet in der eynicheit des hilgen geistes got durch alle de werelt der werelde dat gewerde amen. Der Text des Gebets ist hier im Vergleich zur lat. Fassung bei Corpvs orationvm, Nr. 3133 um die Erwähnung Mariens, aller Heiligen und Christi sowie um die abschließende Gebetsformel erweitert.
      • (150r) Here hore myn gebet, myn roiffen kome tzo dir. [PsG 101 2] (Responsorium).
      • (150r) Alle gelubige selen moissen durch gotz barmhertzicheit rowen in freden dat gewerde. (lat.: Fidelium animæ per misericordiam Dei requiescant in pace).
  • 150r-157v Totenoffizium.
    • (150r-151r) Vesper. >Hei geit an de seil vesper<. Didden[sic] wir vur de gelubige doden; [V.] gijff in here de ewiche roe. [R.] In dat ewiche licht moisse in luchten. >desen … vers sal man sprechen na eicklichen psalmen zo vesperen in tzo vegilien.< Ich sal gevallen gode in deim lande der leuendiger [PsG 114 9] … — … in eynicheit des hilgen geistes got durch alle werelt der werelde dat wir in sij moissen rasten in freden amen.
    • (151r-156v) Vigil mit 9 Lektionen. >Hei so geit an de hilge vegilae<. Here got richte mynen wech an dii angesichte here mit dinem … — … der dach is ein dach des tzorns ind ein dach der vnselicheit inde jammers eyn groiss dach ind gar bitter so de hemele.
    • (157r) Laudes. >Hei geint an de laudes<. Here verdilge myn vnreichticheit … — … Van der portzen der hellen erlose here ere sele. (157r) Here, hore myn bede, myn roiffen dat kome zo dir. [PsG 101 2] Oremus, wir solen bidden. (Responsorium).
  • 157v-159v Gebete (dt.).
    • (157v) Gebet für Vater und Mutter. >Dese collecta bit vur vader in vur moder<. Got der vns geboit vader in moder zo eren … — … vergijff in eir sunden ind do mith sij sein in der vreuden der ewichen selicheit. Zum lat. Text siehe Bruylant, Les Oraisons, Bd. 1, S. 203, Nr. 620 und Bd. 2, S. 113-114, Nr. 407 oder Corpvs orationvm, Nr. 1903.
    • (157v) Gebet für Brüder und Schwestern. >vur de broder inde susteren<. Got ein geuer der genaden ind eyn mynre des mynschlichen heils wir bidden din mildicheit … — … durch bede der seligen Marien der ewigen mageit zo der geselschaff der ewiger selicheit verleins zo komen. Zum lat. Text siehe Bruylant, Les Oraisons, Bd. 1, S. 203, Nr. 623 und Bd. 2, S. 129, Nr. 465 (nur partiell entspricht der Fassung in dieser Handschrift hingegen Corpvs orationvm, Nr. 2205).
    • (157v) Gebet für Anniversarien. >vur die jairgetzijde de man begeit<. Got erloser here gijff dijme kneichte … — … des ruwen clairheit des lichtes. Zum – weitgehend übereinstimmenden – lat. Text siehe Bruylant, Les Oraisons, Bd. 1, S. 199, Nr. 605-606 und Bd. 2, S. 72, Nr. 233 oder Corpvs orationvm, Nr. 1251.
    • (157v-158r) Gebet für das Seelenheil von Männern. >vur eyns mannes sele sprich<. Got der barmhertzicheit der geyne tzale in is intfae vnse gebet … — … vnd geselschaff in deim lande der hilgen. Zum lat. Text siehe Corpvs orationvm, Nr. 1177.
    • (158r) Gebet für das Seelenheil von Frauen. >vmb eynre vrauwen sele zo bidden zoe verloesen<. Uir bidden dich here durch dine mildicheit erbarm dich … — … inde setze sij in de deile der ewiger behaldingen.
    • (158r) Gebet für alle Wohltäter. >ditz vur alle de vns goit doin<. Got der barmhertzicheit ain tzail intfanck genedeklichen de bede … — … den du hais gegeuen de begeunge dins namen gijff afflais alle ere sunden. Zum lat. Text siehe Corpvs orationvm, Nr. 1178.
    • (158r-158v) Gebet für alle Gläubigen. >vur alle geluwige selen<. Got alre geluwiger ein mecher ind ein erloser der sunden, dat sij den afflais den sij altzijt wonschen … — … Du der da leifs vnde heirsches mit deim vader in eynicheit des hilgen geistes Got durch alle de werelt der werelde, dat werde wair in gotz namen amen. Amen. Zum lat. Text siehe Bruylant, Les Oraisons, Bd. 1, S. 198, Nr. 601 und Bd. 2, S. 154, Nr. 567 oder Corpvs orationvm, Nr. 2684b; dieser ist hier noch erweitert um die Anrufung Christi bzw. der Dreifaltigkeit am Ende. Leicht abgesetzt folgen darauf noch die Worte Dese sele vnde alle geluwige selen durch gotz barmhertzicheit moissen roeen in gotz freden, amen, amen (zum lat. Text s. oben bei 150r).
    • (158v-159r) Mariengebete.
      • (158v-159r) >So wer dit gebet spricht der sal gnade erweruen an vnser lieuer vrauwen van allen sijnen sunden mit vlisse<. O Maria blome alre junfrauwen koninckynnen der hilge engele hoffen der unstroistiger troist der vnseliger moder, der barmhertziger moder des leuendigen gotz son, erbarme dich … — … dat mir din barmhertzicheit bij sij in allen diesen dielen dijs vergencklichen leuens amen.
      • (159r-159v) >Ein ander gebet van Marien<. O Maria mageit, geit ich bidden dych durch dins lieuen kindes bloitz ind durch dins lieuen kindes wonden … — … So saltu Maria rose blome mich geleiden vp dat ich van dir noch van dijme lieuen kinde vnsine lieuen heren Ihesum Cristum nummer in werde gescheiden, dat werde wair in gotz namen, amen.
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

V. Rose, Die Handschriften-Verzeichnisse der Königlichen Bibliotheken zu Berlin, Bd. 13: Verzeichniss der lateinischen Handschriften, Bd. 2: Die Handschriften der kurfürstlichen Bibliothek und der kurfürstlichen Lande, 1. Abteilung, Berlin 1901
2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
EBDB Einbanddatenbank (http://www.hist-einband.de/, besonders die Sammlung Wolfenbüttel)
Göttingen 2 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 2: Universitäts-Bibliothek: Geschichte, Karten, Naturwissenschaften, Theologie, Handschriften aus Lüneburg, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)
WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)

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