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Beschreibung von Halberstadt, Domschatz, Inv.-Nr. 472 (olim M 1)
Katalog der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften in Halberstadt. Verzeichnis der Bestände der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Domschatz zu Halberstadt, und des Historischen Archivs der Stadt Halberstadt, bearbeitet von P. Carmassi, Wiesbaden 2018
Handschriftentitel: Biblia sacra (Pars I)
Entstehungsort: Hamersleben
Entstehungszeit: 12. Jh. Letztes Drittel
Frühere Signatur: 1
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 281 Bl.
Format: 53 × 36 cm
Seitennummerierung: Alte Foliierung aus dem 17. Jh. (nur 1-20 = fol. 6r-25r). Moderne Foliierung (Bleistift).
Lagenstruktur: Lagen: IV+1 (9). 2 IV (25). II (29). 7 IV (85). III (91). 7 IV (147). IV-1 (154). 6 IV (202). IV-1 (209). IV (217). III (223). IV-1 (230). IV (238). IV-2 (244). I+1 (247). 2 IV (263). IV-1 (270). IV (278). III-3 (281). Lagenbezeichnung: römische Zahlen. Bei manchen Lagen auch der Vermerk cor(rexi?). Lücke zwischen 154 und 155, 224 und 225.
Zustand: Wachstropfen (157 mit Loch durch Brand). Risse und Löcher im Pergament. Gelegentlich Seitensteg oder Fußsteg abgeschnitten. An einigen Stellen Verstärkung der Risse mit Pergament- oder Papierstreifen. Fol. 9 (Fußsteg): Fragment aus einem Brevier (13. Jh.). Auch in Halberstadt, Historisches Stadtarchiv M 2 (HS).
Seiteneinrichtung: 41 × 27 cm. Zweispaltig. 42-47 Zeilen.
Hände: Carolino-Gothica. Kleinerer Schriftgrad für die Capitula. Korrekturen und Ergänzungen am Rande, meistens vom zweiten Schreiber. Gelegentlich stichometrische Angaben in den Explicits. Einige Rubriken im 14./15. Jh. ergänzt. 3r (Seitensteg): Noch im Mittelalter nachgetragene Namen der im Prologtext genannten biblischen Bücher. Liturgische Notizen (17. Jh.?): 6v (Kopfsteg): In septuagesima lectiones. 10v (Kopfsteg): Lectiones esto mihi. 14r (Fußsteg): Lectiones dominica Immolavi. 12r (Seitensteg): Dominica Reminiscere. 22v (Seitensteg): Lectiones Oculi. Von dieser Hand auch Titulus currens auf Kopfsteg (Praefatio-Genesis) und von anderer Hand auf dem Fußsteg (Genesis-Ende).
Musiknotationen: 272va: Adiastematische Neumen auf den Worten Cras Videbitis auxilium domini super vosCras egrediemini (II Par 20,17).
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert.
  • 1r: Ganzseitiges Dedikationsbild. Miniatur, Deckfarbenmalerei. Doppelte Rahmung. Einfache rote Linie und Leistenrahmen, in farbige Kompartimente gegliedert. Der Patron der Stiftskirche in Hamersleben, Pancratius, dominiert mit seinem Goldnimbus die Mittelachse der Komposition. Als Jüngling ohne Bart und mit lockigen Haaren hält er in den Händen die Attribute von Palme und Schwert. Ein dünnes goldfarbenes Stirnband bezeichnet ihn als PANCRATIUS. Kleidung und Mantel sind reich verziert mit Goldsternen und -bordüren. Zusammen mit der elaborierten Mantelfibula verweisen sie auf die adelige Herkunft des jungen Märtyrers. Rechts und links von Pancratius reihen sich jeweils vier vertikale Register, die von farbigen Leisten gegliedert werden. Im oberen, breiteren Register erheben sich zwei Türme aus Stein mit Arkadenfenstern, verriegelten großen Türen und Spitzendach mit Bekrönung in Form einer Kugel. Sie entsprechen den Türmen des Kirchenmodells, das von den Stiftern im oberen Register auf der linken Seite des Bildes dem Heiligen dargeboten wird. Die beiden Figuren sind mit dem Bischof von Halberstadt Reinhard (1107-1123) und der Stifterin Mathilde oder ihrer Tochter Thietburg (aus der walbeckisch-bottendorfischen Familie) zu identifizieren: Peters, Günter, Das Augustinerchorherrenstift Hamersleben. Entstehung und soziales Umfeld einer doppelklösterlichen Regularkanonikergemeinschaft im hochmittelalterlichen Ostsachsen, in Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 52 (2006), S. 1-54, S. 18-27. Auf derselben Ebene auf der rechten Seite stehen zwei Kanoniker, Pancratius zugewandt, und weisen mit den Händen auf den Heiligen hin. In den drei weiteren Registern stehen jeweils drei Kanoniker zu jeder Seite in gleicher Haltung. Auf der linken Seite tragen vier davon liturgisches Ornat, einer hält zusätzlich einen Kelch und eine Manipel, in Gold gemalt. Im unteren Register liegen zwei weitere Kanoniker, einer auf jeder Seite, zu Füßen des Heiligen und halten mit der rechten Hand ein offenes Buch mit der Widmungsschrift. Die drei Kanoniker auf der rechten Seite halten in diesem Register ein zweites offenes Buch mit dem Beginn der Evangelientexte. In der Leiste über den Kanonikern auf der linken Seite wurden einige ihrer Namen, gelegentlich mit Attribut, noch im 12. Jh. geschrieben: Petrus praepositus, Godofridus, Thietmarus primus praepositus / Bernardus, Vulferus, Sifridus praepositus. Die chronologische Reihenfolge ist in jedem Register von innen nach außen. Auf der rechten Seite stellt die Inschrift Vernerus praepositus ein Nachtrag des 13. Jhs. dar. Farben: Rot, Blau, Grün, Braun, Ocker, Rosa, Weiß, Gold. Inschriften: Im offenen Buch zu Füßen des Pancratius: Oblatum munus tibi per te trinus et unus / sumat Pancrati quod conciliet deitati. Im offenen Buch auf der rechten Seite: Liber generationis. Fuit in diebus Herodis. Initium evangelii. In principio erat. Auf der selben Seite Besitzvermerk (15. Jh.): Liber monasterii beati Pancracii martyris In Hamersleve Halberstadensis dyocesis, und Federproben.
  • Historisierte Initialen. Schwarze und rote Federzeichnung. Laviert. Farben: Rot, Gelb, Grün, Hellbraun, Ocker. 170vb: E(t). Zu Beginn von III Rg. Ein viereckiger, aus zwei grünen Linien bestehender und an drei Seiten von einer Fadenranke gefüllter Rahmen, umrahmt die Initiale. Die Figuren des alten Königs David und des jungen Mädchens Abisag besetzen das Binnenfeld des Buchstabes (vgl. III Rg 1,1-4). Ihre Körper sind z.T. durch den in der Mitte geteilten horizontalen Balken des E gezeichnet. Auf der linken Seite liegt David, mit Krone und Szepter. Neben ihm steht Abisag mit langem offenem Haar, die Arme zum König gestreckt. 223va: O(sculetur). Zu Beginn von Ct. Von einem viereckigen Rahmen umrahmte Initiale. Im Binnenfeld, stehend, umarmen sich Braut und Bräutigam, als König und Königin dargestellt. Ihre Gesichter berühren sich. Die Frau hält mit der rechten Hand das Kinn des Mannes. Jeweils rechts und links stehen zwei Mädchen (filiae Hierusalem) mit erhobenen Händen. 264vb: C(onfortatus). Zu Beginn von II Par. Im Binnenfeld der Initiale steht der bärtige König Salomon, mit Krone und Szepter. Er trägt einen roten Mantel, in der Linken hält er eine Kugel.
  • Acht- bis siebzehnzeilige Spaltleisteninitialen in roter Federzeichnung mit Ranken-, Flechtband-, Blüten-, Menschen- und Tierornamentik (Schlange, Hund, Vogel) meistens auf gelbem Grund. Auch als Ersatzmotiv und Ausläufer. Zahnmotiv, Punkte und Kreise als Stammfüllung. Gelegentlich Besatz- und Stammfüllungsmotive auch grün gezeichnet. Zum Teil unvollendet. Auszeichnungsschrift: Unzialis und Capitalis gemischt, in roter Farbe, oder rot/schwarz, rot/grün alternierend. Einfache Lombarden mit Serifen, häufig mit Punkten endend. 1va: F(rater). 4va: D(esiderii). 6va: I(n). 30vb: H(ec). 52rb: V(ocavit). 66vb: L(ocutus). 87rb: H(ec). 104vb: T(andem). 106ra: E(t). 118va: P(ost). 131va: I(n). 133rb: V(iginti). 135ra: F(uit). 190rb: F(actum). 207ra: I(ungat). 208ra: P(arabole). 219va: V(erba). 233ra: O(mnis). 249rb: A(dam).
  • Zeichnungen mit Blindgriffel am Rande: 135r (Seitensteg): Löwe. 148r (Seitensteg): Mensch.
Einband: Spätmittelalterlicher Einband: Holzdeckel mit braunem Schweinsleder bezogen. Streicheisenlinien und Einzelstempel. 1. Lilie, Mittelblatt rhombisch, unterer Abschluss lilienförmig (EBDB s002094 = Schwenke/Schunke Lilie 45, Blattwerk 234). 2. Kreis (EBDB s003472). Werkstatt: "Johannes Bernardi" (EBDB w000217). Ort: Braunschweig. Vgl. auch Halberstadt, Historisches Stadtarchiv, M 2. VD und HD jeweils 5 Metallbuckel. Pergamentstreifen, auf dem VD geklebt, mit der Inschrift (15. Jh.): Prima pars biblie. Rückenschild mit der Signatur M 1. Spuren von Blattweisern.
Entstehung der Handschrift: Die Handschrift stammt, wie Halberstadt, Historisches Stadtarchiv, M 2, aus dem Augustiner-Chorherrenstift St. Pancratius in Hamersleben. Vgl. Dedikationsbild mit Namen der Pröpste und Besitzvermerk fol. 1r. Die Datierung erfolgt aufgrund der genannten Pröpste, von denen der erste Thietmar († 1138), der letzte Bernardus ist, nachweisbar zwischen 1170 und 1175. Die Inschrift Vernerus praepositus bezieht sich auf einen der zwei Pröpste namens Werner, die zwischen 1220 und 1246 dokumentiert sind, und muss als Nachtrag gesehen werden. Aus stilistischen Gründen wird in der Forschung eine Datierung der Handschrift auf das 13. Jh. ausgeschlossen. Vgl. Kohl, Wilhelm - Persoons, Ernest - Weiler, Anton G. (Hgg.), Monasticon Windeshemense = Archives et Bibliothèques de Belgique 16 (Brüssel 1977), 2, S. 192; Zöllner, Walter, Die Urkunden und Besitzaufzeichnungen des Stifts Hamersleben (1108-1462) = Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte 17 (Leipzig 1979), S. 44-45; Cohen-Mushlin, Scriptoria, S. 23.
Provenienz der Handschrift: Zur Einverleibung in die Bibliothek des Domgymnasiums vgl. unter M 2. Zwei lose Fragmente in Berlin, Staatliche Museen – Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. KdZ 4480 und 4481. Dazu vgl. Braun-Niehr, Beate, Zwei Fragmente aus der Hamerslebener Bibel, in Heinrich der Löwe und seine Zeit 1, Kat.-Nr. G 48, S. 537-538; Ead.: Kat.-Nr. 10, in Roth, Michael (Hg.), Schrift als Bild (Berlin 2010), S. 28.
Inhalt:
1r-281va Biblia sacra prologis aucta (Pars I). Einteilung des Textes in Kapitel.
  • (1r) Dedikationsbild.
  • (1v) Prolog. Frater Ambrosius tua. Stegmüller RB 284.
  • (4va) Prolog. Desiderii mei desideratas. Stegmüller RB 285.
  • (5ra) Capitula zu Gn.
  • (6va) Gn.
  • (29va) Capitula zu Ex.
  • (30vb) Ex.
  • (51va) Capitula zu Lv.
  • (52rb) Lv.
  • (66ra) Capitula zu Nm.
  • (66vb) Nm.
  • (85vb) Capitula zu Dt.
  • (87rb) Dt.
  • (104vb) Prolog. Tandem finito. Stegmüller RB 311.
  • (105ra) Capitula zu Ios.
  • (105v) leer.
  • (106ra) Ios.
  • (118ra) Capitula zu Idc.
  • (118rb) Idc.
  • (131vb) Rt.
  • (133rb) Prolog. Viginti et duas. Stegmüller RB 323.
  • (134va) Capitula zu I Rg.
  • (135ra) I Rg.
  • (154rb) Capitula zu II Rg. (unvollständig). Wegen Lücke (s.o.) endet mit Cap. XXXV.
  • (155ra) II Rg. Beginnt abrupt mit II Rg 2,1: //ait dominus ad eum Ascende … .
  • (170rb) Capitula zu III Rg.
  • (170va) III Rg.
  • (190ra) IV Rg.
  • (207ra) Prolog. Iungat epistola. Stegmüller RB 457.
  • (207rb) Capitula zu Prv.
  • (208ra) Prv.
  • (219ra) Capitula zu Ecl.
  • (219rb) Ecl.
  • (223rb) Ct. Wegen Lücke (s.o.) endet abrupt mit Ct 6,10: … et germinassent mala punica. Vox sinagoge//. Der Text ist mit Rubriken versehen, welche die typologische Bedeutung erläutern und die Dialoge kenntlich machen: Vox primitive ęcclesię, Vox adulescentularum, Vox ęcclesie, Vox sponsi, Vox dilecti mei, Vox sponse, Vox sinagoge, Vox ęcclesię de gentibus, Vox dilecti mei pulsantis.
  • (225ra) Sap. Beginnt mit Sap 1,6: //liberabit maledictum a labiis … .
  • (232vb) Prolog. Multorum nobis. Stegmüller RB 26,1.
  • (233ra) Sir.
  • (248ra) Prolog. Dabreiamin id est Paralipomenon … — … si aures surde sunt ceterorum. Hieronymus, Epistula 53, in CSEL 54, 8, S. 461, Z. 14-19 + Prolog In Septuaginta, in Biblia sacra iuxta vulgatam, S. 546-547.
  • (248va) Prolog. Eusebius Ieronimus Domnioni. Stegmüller RB 327.
  • (249ra) Capitula zu I Par.
  • (249ra) I Par.
  • (264rb) Capitula zu II Par.
  • (264vb) II Par.
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

V. Rose, Die Handschriften-Verzeichnisse der Königlichen Bibliotheken zu Berlin, Bd. 13: Verzeichniss der lateinischen Handschriften, Bd. 2: Die Handschriften der kurfürstlichen Bibliothek und der kurfürstlichen Lande, 1. Abteilung, Berlin 1901
EBDB Einbanddatenbank (http://www.hist-einband.de/, besonders die Sammlung Wolfenbüttel)
Schwenke/Schunke I. Schunke, Die Schwenke-Sammlung gotischer Stempel- und Einbanddurchreibungen nach Motiven geordnet und nach Werkstätten bestimmt und beschrieben, Bd. 1: Einzelstempel, Berlin 1979 (Beiträge zur Inkunabelkunde 3,7)
Stegmüller RB F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, Bd. 1–11, Madrid 1950–1980

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