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Beschreibung von Halberstadt, Historisches Stadtarchiv, M 301 (olim M 43)
Katalog der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften in Halberstadt. Verzeichnis der Bestände der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Domschatz zu Halberstadt, und des Historischen Archivs der Stadt Halberstadt, bearbeitet von P. Carmassi, Wiesbaden 2018
Handschriftentitel: Glossa ordinaria in Genesim
Entstehungsort: Hamersleben (?)
Entstehungszeit: 12. Jh. Ende
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 111 Bl.
Format: 20 × 12 cm
Seitennummerierung: Spätmittelalterliche Zählung der Genesis-Kapitel in roter Tinte am Seitensteg und Wiederholung der Zahl auf dem Kopfsteg jeder recto-Seite. Moderne Foliierung (Bleistift).
Lagenstruktur: IV (8). III+2 (16). IV+1 (25). 2 IV (41). III (47). 8 IV (111). Lagenbezeichnung X (71v) und XI (79v) am Ende der heutigen Lagen 9 und 10. Dadurch Bestätigung der Lücke von einer Lage zu Beginn des Codex, der 1r mit Kommentar zu Gn 1,5 anfängt. 22 ist ein hinzugefügter Pergamentstreifen, nur recto von erster Hand geschrieben.
Zustand: Gelegentlich Fußsteg abgeschnitten zur Gewinnung von Pergament. Die anfängliche Lücke ist schon in einem handgeschriebenen Katalog aus der Mitte des 19. Jhs. dokumentiert, der sich 1868 in der Gräflichen Bibliothek zu Wernigerode befand, heute Halle, Universitäts- und Landesbibliothek, Ms. Stolb.-Wern. Zl 20, vgl. Edition in: Manuscripta … Lieben Frauen Stifts-Bibliothek 58: "Msptm. Latin. membranaceum. Genesis dictis patrum explicata cap. 1 ist vorn etwas incomplet". Zur Geschichte der Bibliothek s. Förstemann, Ernst Wilhelm, Die Gräflich Stolbergische Bibliothek zu Wernigerode. Nordhausen 1866.
Seiteneinrichtung: 16 × 8 cm. 38 und 43 Zeilen.
Hände: Carolino-Gothica. Am Seitensteg von der Schreiberhand Angaben über die jeweils zitierten Autoren und die Art des Kommentars (s. u.) sowie Ergänzungen nach Kollation. Besonders raue Pergamentstellen wurden nicht beschriftet (z. B. 83r-v, 98v). Abkürzung H für enim. Gelegentlich spätmittelalterliche Anmerkungen und Nota bene am Rande.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert. Bibeltext rot unterstrichen.
  • 111r: Explicit in Unzialbuchstaben, rot gestrichelt: Explicit liber geneseos.
Einband: Mittelalterlicher Einband. Holzdeckel mit rot gefärbtem Ziegenleder bezogen. Streicheisenlinien. Eckbeschläge und fünf Buckel auf Vorder- und Rückseite. Spuren von zwei Schließen. Signatur- und Titelschild auf dem Rücken: 12. L. … Genesis dictis patrum explicata …
Zusatzmaterial: VS und HS: Zwei Blätter eines Antiphonars (12. Jh.), stark abgeschnitten, mit adiastematischen Neumen. VS: Offiziumgesangsstücke wahrscheinlich für die Dominica in quinquagesima. Vgl. CAO 7097a; 6112. Hier aber weitere Stücke, ebenfalls basierend auf Gn 17-21. HS: Offiziumsgesangsstücke für die Dominica in septuagesima: Vgl. CAO 3585, 6627, 4955, 3461, 4524, 5484, 3040, 2281.
Provenienz der Handschrift:
  • Aus der Bibliothek des Stiftes Unserer Lieben Frau zu Halberstadt.
  • Nach der Auflösung des Stiftes gingen im November 1814 die Bestände der Kapitelsbibliothek in den Besitz der Bibliothek des Königlichen Dom-Gymnasiums zu Halberstadt über. 1r: Moderne Inventarnummer mit blauem Buntstift (534).
  • Zuletzt in der Akademie der Wissenschaften in Eriwan (Armenien). Die Eriwan-Nummer für diese Handschrift war 301.
Inhalt:
  • 1r-111r Gilbertus Universalis: Glossa ordinaria in Genesim. Zu Beginn lückenhaft. Beginnt mit: Sed quia electorum lux temptatione non extinguitur … — … unde adimplebis me leticia cum vultu tuo. Amen. Explicit liber geneseos. Obwohl es sich um Bibelglossen handelt, ist der Text durchgehend in Form eines Kommentars ausgewählter Bibelverse aus allen 50 Buchkapiteln geschrieben. Die Randbemerkungen interlinearis, marginalis aus erster Hand weisen anscheinend auf die Stelle der Glosse in der Vorlage hin. Es ist anzunehmen, dass der Codex eine glossierte Bibelhandschrift als Vorlage hatte. Am Seitensteg werden folgende Autorennamen zur Identifikation der Zitate verzeichnet: Ambrosius, Alcuinus/Alquinus, Beda, Augustinus, Gregorius, Ieronymus, Iosephus, Origenes, Strabus, Ypolitus martyr, Ysidorus. Gelegentlich Angabe zum mehrfachen Schriftsinn (ad litteram, allegorice, istorice, moraliter, mystice) und Nennung der Titelwerke. 42r, 64v: Gregorius Moralia, 53v: Beda de mirabilibus mundi, 64v: Augustinus super Iohannem; 72v, 76r: Iosephus ad obsessos; 62r: Beda de templo. Der Text weicht gelegentlich von den gedruckten Versionen ab, z. B. bei Gn 1, Gn 2, zusätzliche Glossen aus Rupertus Tuitiensis: († 1129/30), Liber de divinis officiis. (CCCM 7).
    Edition
    • Vgl. PL 113, Sp. 72 A - 182 D.
    • Biblia latina cum glossa ordinaria. Facsimile Reprint of the Editio Princeps Adolph Rusch of Strassburg 1480/1481. Introduction by Karlfried Froehlich and Margaret T. Gibson (Turnhout 1992), 1, S. 10-111, mit Reproduktion des Layouts mit Marginal- und Interlinearglossen.
    Literatur
    • Gilbertus Universalis, Glossa ordinaria in Lamentationes Ieremie prophete. Prothemata et Liber I. A Critical Edition with an Introduction and a Translation by Alexander Andrée = Acta Universitatis Stockholmiensis 52 (Stockholm 2005), bes. S. 20-24, 49 über die Zuschreibung der Pentateuch-Glossen an Gilbertus Universalis.
  • 111r Nachtrag (Bastarda, 15. Jh.): Gebet in der Ich-Form an die Mutter Gottes: Memento obsecro dulcis mater et domina illius venerande stationis qua tuo tam beato filio astitisti … — … ante te Iesus Christus filius tuus dominus noster Amen. Folgt der Satz: Quomodo credis quod seipsam possit negare ei qui illam hoc modo iuxta crucem aggressus fuerit.
  • 111v Spätmittelalterliche Nachträge. Prodigus Ericus bonitatis formula virtus. Hexameter (Bastarda, 15. Jh.): Prodigus Ericus bonitatis formula virtus / Princeps Danorum truncator mergitur insons / Destruxit dominum quidam subversor adaugens / Penam dictatam subtili traditione / Aliud adi. (?) Merkverse für die Esto mihi-Intervalle im neunzehnjahrigen Zyklus. Bei Ericus handelt es sich um den ermordeten König von Dänemark Erik IV. Plogpenning (+ 1250). Vielleicht inspiriert durch Saxo grammaticus, Gesta Danorum. Edition: Bischoff, Bernhard, Ostertage und Intervalltafel, in Id., Mittelalterliche Studien (Stuttgart 1967), 2, S. 192-227, hier Nr. 13, S. 227; Kornrumpf, Gisela, Zwei Handschriften aus dem Halberstädter Liebfrauenstift mit deutscher und lateinischer Lieddichtung (St. Petersburg, RNB, Fond 955 op. 2 Nr 92 und 49), in Ganina, Natalija - Klein, Klaus - Squires, Catherine - Wolf, Jürgen (Hg.), Von mittelalterlichen und neuzeitlichen Beständen in russischen Bibliotheken und Archiven = Sonderschriften. Akademie Gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt 47 = Deutsch-russische Forschungen zur Buchgeschichte 3 (Erfurt 2016), S. 153-170. Es folgt ein neuzeitlicher z. T. fehlerhafter Transkriptionsversuch. Wie schon Schmidt bemerkte, sind die Verse auch in der Handschrift M 86 zu lesen, die sich zur Zeit in St. Petersburg befindet:
    • Schmidt (1878), S. 22, Anm. 1; S. 35-36
    • Mittelalterliche deutsche Handschriften, S. 194 (Neue Signatur: St. Petersburg, Russische Nationalbibliothek, F. 955, op. 2, Nr. 49).
    . Weitere spätmittelalterliche Federproben, u. a.: scholasticus.
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

CAO R.-J. Hesbert, Corpus antiphonalium officii, Bd. 1–6, Rom 1963–1979 (Rerum ecclesiasticarum documenta. Series maior 7–12)
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865

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