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Beschreibung von Cod. Guelf. 318 Helmst.
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil II: Cod. Guelf. 277 bis 370 Helmst. Mit einem Anhang: Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, beschrieben von Bertram Lesser (im Erscheinen).
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung
Handschriftentitel: Plinius minor
Entstehungsort: Philippsburg
Entstehungszeit: 1477
Katalognummer:
  • Heinemann-Nr. 352
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412183,T
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Ursprünglich Teil eines Mischbandes, in der UB Helmstedt unter den Handschriften eingeordnet; zu den abgelösten Inkunabeln s. unten. Wasserzeichen: Buchstabe P, gebrochen, zweikonturig, gespaltener Schaft, ohne Beizeichen, Querstrich über dem Schaft: WZIS DE4500-PO-108270, DE8100-PO-108274 (beide 1478). Buchstabe P, gebrochen, zweikonturig, gespaltener Schaft, darüber Kleeblatt, Querstrich über dem Schaft: Briquet 8660 (1474–1481, weiterer Typ nicht nachweisbar).
Umfang: 83 Bl.
Format: 29,5 × 21 cm
Seitennummerierung: Zeitgenössische Tintenfoliierung: 182, das erste, als Vorsatz dienende leere Bl. ungez.
Lagenstruktur: 6 VI (71)! V+1 (82). Reklamanten, außerdem Kustoden in den arabischen Ziffern 17 auf dem Fußsteg der ersten Rectoseite jeder Lage.
Seiteneinrichtung: 19,5 × 13 cm, einspaltig, 34–42 Zeilen.
Hände: Zwei Hände,
  • der Text in regelmäßiger Kanzleibastarda von der Hand des Schreibers Geor[g]ius Brentz; die Eingangsrubriken sind vielfach als litterae elongatae mit cadellenartig verzierten Oberlängen gestaltet.
  • Zahlreiche Marginalien von einer anderen, vermutlich späteren Hand, deren Schriftzüge bereits zur humanistischen Minuskel, teilweise auch zur Fraktur neigen.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Am Beginn der Bücher I–III und VIII einfache, aber sorgfältig ausgeführte rote Initialen in Unzialform mit hellrotem Fleuronnéebesatz:
  • 1r Initiale F über 7 Zeilen; um den roten Buchstabenkörper befindet sich ein Rahmen aus hellpurpurnen Fadenranken, der die offene Majuskel begrenzt; die Binnenfelder sind mit federgezeichneten hellpurpurnen vegetabilien Elementen wie gelappten Blattranken, Dreiblättern und Knospenähren gefüllt. Vom Buchstabenstamm erstrecken sich nach links auf den Bundsteg komplex gewundene und verschlungene Fadenranken, die aus einer am Buchstabenstamm befestigten, dreifach konturierten gelappten Palmette hervorwachsen.
  • 7v Initiale P über 9 Zeilen; im Binnenfeld befinden sich vor einem hellpurpurn schraffierten Hintergrund zwei große, gegenständig angeordnete Blattranken, ähnlich gestaltete, aber kleinere vegetabile Ranken füllen die zwickel zwischen dem Bogen der Majuskel und dem Fleuronnéerahmen. Der mit Punktverdickungen versehene Buchstabenstamm zerspleißt in mehrere lange Fadenranken, die sich nach unten auf den Seitensteg erstrecken, kürzere und filigranere Ranken wachsen nach links und oben aus einer komplexen Palmette hervor.
  • 16r Initiale N über 4 Zeilen, das Binnenfeld ist mit mehreren schräg angeordneten hellpurpurnen Knospenähren gefüllt; aus dem Buchstabenstamm erstrecken sich nach links und oben auf den Bund- und Kopfsteg zahlreiche Fadenranken.
  • 70v Initiale S über 4 Zeilen, die beiden Teile des Binnenfelds sind mit je einer halbierten hellpurpurnen Knospenähre gefüllt; aus dem mit Pnktverdickungen versehenen Buchstabenkörper erstreckt sich eine lange, vielfach verschlungene rote Ranke nach unten auf den Seitensteg, die ebenso wie die Kontur der Majuskel von mehreren dünnen hellpurpurnen Fadenranken begleitet wird.
  • Rubriziert, am Beginn der Bücher IV–VII und der einzelnen Briefe rote Fleuronnéelombarden teils in Unzial-, teils in Frakturform, mit hellroten Fadenausläufern, Konturbegleitmotiven und vegetabilen Binnenfeldfüllungen.
Einband:
  • Spätgotischer Holzdeckelband, mit ungefärbtem, unverziertem Schweinsleder bezogen. Drei Doppelbünde. Mitgeheftetes Spiegelbl. vorn Pergament. Zwei Riemenschließen mit Stiftlager in Vogelkopfform, Schließenriemen und -haken verloren.
  • Bei der Auflösung des Mischbandes in Helmstedt gegen Ende des 18. Jh. (s. unten) blieb nur der ursprüngliche VD erhalten; der HD wurde abgenommen und durch einen spätgotischen Holzdeckel ersetzt. Dessen brauner Kalbslederbezug trägt Streicheisenlinien und die Einzelstempel Eichel: EBDB s004243. Laubstab ohne Astgabel, Blattansatz links: EBDB s005671. Rosette, zwei Blattkränze, fünfblättrig: EBDB s006811. Christusmonogramm mit Ornament: EBDB s008281. Akanthusstaude: EBDB s000872. Sämtlich der Werkstatt "Sülte-Schüler" aus dem gleichnamigen Augustiner-Chorherrenstift in Hildesheim (EBDB w000840) zugeschrieben. Da einige Stempel umgekehrt aufgebracht sind, war der Deckel möglicherweise makuliert. Gegenbleche und Reste von zwei Riemenschließen vorhanden, fünf Schonernägel verloren. Die Befestigung des neuen HD durch einen Rückenüberzug aus Leder mit zusätzlicher Pergamentverstärkung erinnert an das bei Cod. Guelf. 213 Helmst. angewandte Verfahren und wurde vermutlich in der Werkstatt des Buchbinders Anton Friedrich Wirck in Helmstedt vorgenommen.
Entstehung der Handschrift: Der Codex wurde 1477 von Georgius Brentz geschrieben und durch mehrere Inkunabeln zu einem Mischband ergänzt (s. unten). Auf dem VD findet sich oben rechts ein entsprechender Besitzvermerk in Fraktur mit brauner Tinte: Brentz. Bei Brentz dürfte es sich um den in der bischöflichen Residenz Philippsburg (ehemals Udenheim) tätigen Landschreiber des Bistums Speyer handeln, der als Verfasser des Berichtes über die Bundschuhverschwörung des Joß Fritz von 1502 in Untergrombach bekannt geworden ist; vgl.
  • A. Rosenkranz, Der Bundschuh. Die Erhebungen des südwestdeutschen Bauernstandes in den Jahren 1493–1517, Bd. 2: Quellen, Heidelberg 1927 (Schriften des Wissenschaftlichen Instituts der Elsaß-Lothringer im Reich an der Universität Frankfurt 15/2), 95–97 (Abdruck des Textes);
  • C. Ulbrich, Der Untergrombacher Bundschuh 1502, in: Bundschuh. Untergrombach 1502, das unruhige Reich und die Revolutionierbarkeit Europas, hrsg. von P. Blickle, Stuttgart 2004, 31–52, hier 44–48.
Provenienz der Handschrift: Laut den unten zitierten Notizen befand sich der Codex 1535 im Besitz von Brentz’ Enkel Adam Hueß. Später erwarb ihn vermutlich der Jurist Michael von Kaden jun. († 1561) während seiner Tätigkeit als Advokat und Prokurator der Reichsstadt Nürnberg am Reichskammergericht in Speyer zwischen 1540 und 1552; vgl. zu ihm W. Steinmann, Die juristische Fachbibliothek des Dr. Michael von Kaden (gest. 26.12.1561) nach den Beständen der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel und der ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, Prüfungsarbeit für den höheren Dienst an wissenschaftlichen Bibliotheken, Köln 1970 (masch.), 5–7.
Erwerb der Handschrift: Am 17.7.1567 erwarb Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg den Mischband; Iv der für die Bände aus Kadens Sammlung typische Eingangsvermerk von Sekretärshand: Aliis inserviendo consumor Julius D. B. & L. 17 Julii Anno etc. 1567. 1614 im Gesamtkatalog der Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel von Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 96 [92]) unter Nr. C 36 der Libri Historici in Folio folgendermaßen verzeichnet: Caii Plinii Secundi Novicomensis Oratoris incipientis: Frequenter hortatus es ut Epistolas si quas etc. manuscriptum Exemplar, sunt libri 7[sic] scriptum anno 1477. Ibidem Plutarchi Dicteria varia ad Traianum Caesarem num. 35 ad formam Valerii Maximi impressa cum primis litteris typographicis. Ibidem Francisci Petrarchae poëtae laureati de vera sapientia Dialogus primus et secundus. Ibidem Maximianus poëta. Ibidem Claudianus poëta. Ibidem Libri Joannis Boccatii de Certaldo de mulieribus claris ad Andream de Acciarolis de Florentia Altae Villae comitissam cum illustratis figuris Ulmae per Joannem Czainer de Reutlingen 1473. Ibidem Joannis Matthiae Tuberini Invectiva in perfidos Iudaeos territorio compellendos 1475. — Seit 1618 in der Universitätsbibliothek Helmstedt, 1644 im Handschriftenkatalog der Universitätsbibliothek (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 29v) unter den Miscellanei MSSti in folio ebenso ausführlich beschrieben (allerdings fehlt der letzte Druck); auf dem VS die entsprechende Helmstedter Signatur Misc. 18. Da im Handschriftenkatalog von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 353 nur noch der handschriftliche Teil des Mischbandes aufgenommen ist, wurden die Drucke mit dem ursprünglichen HD bereits in Helmstedt vom Bibliothekar P. J. Bruns aus dem Band herausgelöst und, wie dessen eigenhändige Nachträge in den Katalogen zeigen, entsprechend umgestellt. Vier Inkunabeln mit fünf Titeln des Mischbandes sind aktuell im Wolfenbütteler Bestand nachweisbar, hier in der ursprünglichen Reihenfolge: Lg 4° 155.1 (olim P 56.2° Helmst., vgl. BA III, 93, p. 11) = GW M34393, Lh 4° 253 (olim P 324.2° Helmst., vgl. BA III, 93, p. 188) = GW M21894, Lk 4° 11 (die originale Helmstedter Signatur ist nicht mehr zu ermitteln) = GW 4483 und 517.10 Theol. 2° (olim T 533.2° Helmst., vgl. BA III, 97, p. 86 = GW M47700. Alle Inkunabeln tragen den Besitzstempel der UB Helmstedt, die beiden ersten außerdem jenen der UB Göttingen, vgl. zu beiden bei Cod. Guelf. 299.2 Helmst. Das ausgelöste Exemplar des Claudiandrucks (olim P 325.2° Helmst., vgl. BA III, 93, p. 188 = GW 7070) fehlte in Helmstedt bereits 1835, vgl. die Angaben in der unfol. Akte BA III, 151; sein Verbleib konnte bislang nicht ermittelt werden.
Inhalt:
  1. 1r–82v Caius Plinius Caecilius Secundus: Epistulae cum glossa. Der Text gehört zur häufig überlieferten, sog. "Acht-Bücher-Fassung", worin die originalen Bücher VIII und X vollständig fehlen; die Sammlung ist durch die Angabe der Bücher auf dem Kopfsteg als lebende Seitentitel gegliedert, wobei die beiden letzten Bücher zusammen als Liber septimus bezeichnet werden. Der gesamte Text ist von anlegender Hand glossiert; die Scholien bieten hauptsächlich Inhaltszusammenfassungen und rhetorische Begriffe. Für die nicht ausgeführten griechischen Zitate ist ebenso wie im als Vorlage dienenden Druck im laufenden Text Raum ausgespart. Im einzelnen sind enthalten:
    • (1r–6v) Liber I. >Caii Plinii Secundi Novicomensis oratoris<. >C. Plinii S. Novicomensis liber primus explicit<. Enthält vollständig die Briefe I,1–24. – 7r leer.
    • (7v–15v) >Incipit secundus liber feliciter<. >Et sic est finis huius secundi libri deo gracias gracias<. Enthält vollständig die Briefe II,1–20.
    • (16r–26v) >Incipit tercius liber feliciter<. Enthält vollständig die Briefe III,1–21. Die Bll. 25v–26r sind ohne Textverlust freigelassen.
    • (26v–36v) >C. Plinii Se. Novicomensis liber Quartus incipit<. >Finis quarti libri<. Enthält vollständig die Briefe IV,1–30.
    • (37r–47r) >Liber C. Plinii epistolarum Quintus incipit<. >Finis quarti libri<. Enthält vollständig die Briefe V,1–21 in der modifizierten Abfolge V,1–8, 21, 15, 10–14, 16–20, 9. 39v ist ohne Textverlust freigelassen.
    • (47v–58v) >Liber sextus epistolarum Plinii incipit<. Enthält vollständig die Briefe VI,1–34.
    • (59r–70r) >C. Plinii Novicomensis liber septimus epistolarum incipit<. >C. Plinii Novicomensis liber septimus epistolarum explicit<. Enthält vollständig die Briefe VII,1–33.
    • (70r–82v) >Incipit octavus et ultimus liber feliciter<. >Georius Brentz<. Caii Plinii Secundi Novicomensis Oratoris facundissimi epistolarium liber Octavus explicit adiutorio dei M CCCC LXXVIIo. (Colophons 4977) Enthält mit Ausnahme von ep. IX,16 alle Briefe des Buches in nachstehender Abfolge: IX,1, 2, 6, 7, 9, 12, 17, 21, 24, 25, 30–32, 3–5, 8, 10, 11, 13–15,18–20, 22, 23, 26–29 und 33–40.
    Textgeschichte: Rubriken, Textgestalt, Mise-en-page, Kolophon und die vollständig fehlenden griechischen Stellen belegen, dass als Vorlage für den Schreiber ein Exemplar der von dem Ferrareser Humanisten Ludovicus Carbo besorgten und 1471 in Venedig gedruckten editio princeps (GW M34367, a2rn12v, vergl.) gedient haben muss. Eine Auswahl, die sog. "100-Briefe-Fassung", auch in Cod. Guelf. 11 Aug. 4°, 142r–174r.
    Ausgabe
    • C. Plini Caecili Secundi Epistularum libri decem recogn. brevique adnotatione critica instruxit R. A. B. Mynors, Oxford 1968.
    Literatur
    • D. Johnson, The Manuscripts of Pliny's Letters, in: Classical Philology 7 (1912), 66–75 (72 Hs. genannt).
  2. 82v Unter dem Text ist nachträglich folgendes notiert: Diß [sc.: die Abschrift] ist vff diesen Tag alt LVIII Jar, Nemblich Freytag nach Luce Evangeliste Im jar als man Zelt nach Cristi gepur[t] Dausent funffhundert dreyßig vnd funff Jare Darunter ein weiterer radierter Besitzvermerk: Adam Hueß Georg[en] Brentzen seligen dochter sons. Darunter in Fraktur: In dem Namen des Herren thut sich die welt meren.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

Briquet C. M. Briquet, Les Filigranes. Dictionnaire historique des marques du papier, Bd. 1–4, Leipzig 21923
Colophons Colophons de manuscrits occidentaux des origines au XVIe siècle, Bd. 1–6, ed. par les Bénédictins du Bouveret, Fribourg/Schweiz 1965–1982 (Spicilegii Friburgensis subsidia 2–7)
EBDB Einbanddatenbank (http://www.hist-einband.de/, besonders die Sammlung Wolfenbüttel)
Ebert F. A. Ebert, Bibliothecae Guelferbytanae Codices Graeci et Latini Classici, Leipzig 1827 (Die Bildung des Bibliothekars 2 = Zur Handschriftenkunde 2)
GW Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Bd. 1–, Leipzig 1925–1938, Stuttgart 1978–
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)

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