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Beschreibung von Cod. Guelf. 319b Helmst.
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil II: Cod. Guelf. 277 bis 370 Helmst. Mit einem Anhang: Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, beschrieben von Bertram Lesser (im Erscheinen).
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung
Handschriftentitel: Statius. Coluccio Salutati
Entstehungsort: Padua
Entstehungszeit: 1454
Katalognummer:
  • Heinemann-Nr. 354
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412184,T
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Papier, im vorderen und hinteren Vorsatz Pergament.
  • Wasserzeichen: Dreiberg im Kreis: Briquet 11848 (1455, weiterer Typ nicht nachweisbar). Dreiberg im Kreis, darüber einkonturiges Kreuz: Briquet 11881 (1453), WZIS IT8430-PO-153421 (1452, weiterer Typ nicht nachweisbar).
Umfang: IX, 235, XII Bl.
Format: 28 × 20,5 cm
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern, zweifach: Zwei beschriebene Bl. in der ersten Lage, neu einsetzend mit dem Haupttext: 1–235, vorderes und hinteres Vorsatz ungez., in der ersten Lage nur zwei beschriebene Bl. gez., in der letzten Lage fünf Bl. ungez.
Lagenstruktur: II+1 (ungez.). II (2)! 24 V (235)! III+1 (ungez.). Reklamanten. Vorsatzkonstruktion: Vorn zwei, hinten drei Bifolia Papier, davon jeweils ein Bl. als Spiegel an den Deckel geklebt; als Schutzbl. vorn und hinten je ein Pergamentbl. eingefügt.
Seiteneinrichtung: 18,5–19 × 12–13 cm, einspaltig, 24 Zeilen.
Hände:
  • Haupttext: Sorgfältige, voll ausgebildete humanistische Minuskel von der gleichen Hand wie Cod. Guelf. 46, 334 und 335 Helmst.;
  • das Kommentarfragment der ersten Lage und der Nachtrag 77v–78r (6 Zeilen, ausgelassen durch Zeilensprung) von einer zweiten Hand in Bastarda.
  • Sämtliche Glossen in humanistischer Kursive (z. T. mit gotischen Zügen) von der gleichen Hand wie in Cod. Guelf. 44 Helmst., 45 Helmst. und 331–337 Helmst.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Der Codex weist durchgängig qualitätvolle ornamentale Initialen im typischen Paduaner Stil in Deckfarbenmalerei auf quadratischem Blattgold- oder Farbgrund mit schwarzer Konturlinie auf. Die Buchstabenkörper in Unzialform, außen in Purpur, nach innen aufgehellt, darin konturparallel verlaufendes Weißlinienfiligran mit kurzen geschwungenen Rankenausläufern, deren Enden mit Punkten oder kleinen blatt- bzw. blütenartigen Verzierungen besetzt sind, bei breiteren Buchstabenkörpern zusätzlich Ovale mit Kreuzschraffur. Die Buchstaben laufen in langstielige, stark gelappte dreigliedrige Blätter in Purpur, Rot, Dunkelgold, Hellbraun, Grün und Blau aus, die tütenartig umgeschlagen und gebogen sind und von dunklen Linienbündeln als Blattadern räumlich strukturiert werden. Blätter und Stiele sind an Ober- und Unterseite stets abweichend gefärbt. Am äußeren Rand des Buchstabens können die Blätter zu bordürenartigen Blattranken (ca. 15–20 cm) mit Manschettenbesatz verlängert werden, die aus mehreren langgezogenen lappigen, geschwungenen Blättern in den gleichen Farben mit Filigran aus Weißlinien und weißen Punktreihen zusammengesetzt sind. Die Bordüren werden von schwarz konturierten eindornigen Goldpollen begleitet. Das Binnenfeld ist gefüllt mit stets axialsymmetrisch angeordneten, stark geschwungenen oder eingerollten gelappten Dreiblättern, Tütenblättern und Halbpalmetten in den gleichen Farben wie oben vor einem meist tiefblauen Hintergrund mit vielfältigem vegetabilem Weißlinienfiligran. Gleichartige Initialen finden sich auch in Cod. Guelf. 106 Helmst., 331 Helmst., 332 Helmst., 333 Helmst., 334 Helmst., 335 Helmst., 336 Helmst., 337 Helmst., 7 Aug. 2°, 154 Gud. lat. und 188 Gud. lat. Sie sind charakteristisch für den Paduaner Illuminationsstil in der Mite des 15. Jh., vgl. z. B. München, BSB, Clm 6718 (München BSB Illuminierte Hss. 6,2, Katalogbd., 131 Nr. 116 und Tafelbd., 104 mit Abb. 201); Padua, Biblioteca Capitolare, Ms. B16, darin bes. die zwischen 1456 und 1459 vermutlich von dem Meister Giovanni Paterniano stammenden Initialen zu den liturgischen Nachträgen auf Bl. 280r u.ö., vgl. I manoscritti miniati della Biblioteca Capitolare di Padova, Bd. 1: I manoscritti medievali e protorinascimentali della chiesa padovana e di altra Provenienza, a cura di G. Mariani Canova, M. Minazzato e F. Toniolo, Padova 2014, 209–214 Nr. 25, bes. 213 mit Abb. (die dort gezeigte Initiale S ist weitgehend identisch mit derjenigen in Cod. Guelf. 331 Helmst., 1r); F. Toniolo, Word and image. Italian illumination in the manuscripts of the Marquard Gude's collection at the Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, in: Retter der Antike. Marquard Gude (1635–1689) auf der Suche nach den Klassikern, hrsg. von P. Carmassi, Wiesbaden 2016 (Wolfenbütteler Forschungen 147), 217–261. Im einzelnen finden sich:
  • 1r Initiale F über 6 Zeilen auf Blattgoldgrund; der obere Arm des Buchstabens ist leicht gebogen und durch einem senkrechten "Haarstrich" mit der Unterkante des Rahmens verbunden, wodurch das Binnenfeld vom Hintergrund abgegrenzt wird. Am Schnittpunkt des unteren Arms mit dem Buchstabenstamm befindet sich eine grüne Halbpalmette, aus der in den oberen und unteren Teil des Binnenfeldes je ein dunkelgolden gestieltes rotes Dreiblatt hineinwächst, das mit blauen (oben) und blau-grünen (unten) Seitenblättern besetzt ist. Aus dem oberen Ende des Stamms erstreckt sich auf den Bundsteg eine Blattranke, die aus drei langgestreckten, mit Manschetten verbundenen Dreiblättern in Grün, Blau und Braun (unten und oben) sowie Rot, Purpur und Blau (mittig) zusammengesetzt und von blattgoldbelegten eindornigen Goldpollen begleitet ist; einige Zwischenräume der Ranke sind zusätzlich mit Blattgold ausgelegt.
  • 16r Initiale I über 3 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der Buchstabenkörper endet rechts oben und unten in einer gelappten Halbpalmette in Rot und Purpur, links oben und unten in einer grünen Halbpalmette; das Blatt links oben ist zu einem Seitenausläufer vergrößert. Aus dem Buchstabenstamm wachsen links ein Seitenblatt in Purpur und Rot, rechts eines in Purpur und Grün hervor; der Raum zwischen Seitenblatt und Buchstabenstamm ist gleichsam als Binnenfeld tiefblau gefüllt mit Weißlinienfiligran.
  • 32r Initiale A über 4 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der unzial gebogene Aufstrich beginnt links unten in einer gelappten Halbpalmette in Rot und Purpur, und geht links oben in einen gekrümmten Deckstrich mit grüner Halbpalmette über, die jeweils zu kurzen Seitenausläufern gestreckt sind. Aus einer ebenfalls aus dem Aufstrich sprossenden grünen Halbpalmette wächst ins Binnenfeld ein langstieliges Dreiblatt in Rot und Dunkelgold, das sich um den Querstrich windet.
  • 47v Initiale T über 4 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der Buchstabenstamm endet links unten in einem roten, rechts unten in einem grünen Blatt, aus dem sich links ein langstieliges Dreiblatt in Dunkelgold und Grün, rechts eines in Dunkelgold und Rot axialsymmetrisch ins Binnenfeld erstrecken. Dieses wird von zwei senkrechten purpurnen "Haarstrichen" gebildet, die vom Deckstrich bis zur Unterkante des Rahmens reichen.
  • 65r Initiale P über 4 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der Buchstabenstamm endet links oben in einem gestielen, als Seitenausläufer nach oben gerichteten grünen Dreiblatt mit langer Mittelspitze. Am oberen Innenbogen des Buchstabens hängt eine rote Halbpalmette, aus der ein langstieliges Dreiblatt in Dunkelgold, Rot und Grün nach unten ins Binnenfeld wächst.
  • 81v Initiale N über 4 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der linke senkrechte Schenkel endet oben in einem gestielten, als Seitenausläufer nach oben gerichteten grünen Dreiblatt mit langgezogener Mittelspitze. Aus dem unteren Ende des Schenkels wächst waagerecht eine grüne Halbpalmette, aus der sich ein langstieliges Dreiblatt in Dunkelgold, Rot und Grün nach oben ins Binnenfeld erstreckt.
  • 102v Initiale A über 4 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der unzial gebogene Aufstrich beginnt links unten in einem kleinen roten Blatt und mündet in einen ebenfalls gekrümmten Deckstrich mit einem gestielten, als Seitenausläufer nach oben gerichteten grünen Dreiblatt mit langgezogener; der Abstrich beginnt rechts oben mit einem weiteren roten Blatt. Aus einer dunkelgoldenen Halbpalmette wächst ins Binnenfeld ein langstieliges Dreiblatt in Dunkelgold und Rot mit je einem grünem, rotgestielten Blatt an jeder Seite.
  • 120r Initiale U über 4 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der gerade Teil des Buchstabenstamms endet jeweils rechts unten und oben in je einem kleinen, grünen Blatt; der Buchstabe wird nach oben durch einen Deckstrich abgeschlossen, der links oben mit einem gestielten, als Seitenausläufer nach oben gerichteten grünen Dreiblatt mit langgezogener Mittelspitze abschließt. Aus einer senkrecht am Buchstabenstamm angebrachten grünen Halbpalmette erstreckt sich ins Binnenfeld ein gegabelter dunkelgoldener Stiel, der in zwei roten Dreiblättern endet; in der Stielgabelung wächst ein grünes Tütenblatt.
  • 136v Initiale A über 5 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der unzial gebogene Aufstrich beginnt links unten in einem roten Dreiblatt mit langgezogener Mittelspitze und mündet in einen Deckstrich mit einem langstieligen, als Seitenausläufer nach oben gerichteten grünen Dreiblatt; der Abstrich beginnt rechts oben mit einem kleinen grünen Blatt. Aus einer grünen Halbpalmette wachsen in den unteren Teil des Binnenfelds zwei Dreiblätter in Rot und Dunkelgold, während vom Scheitel eine rote Halbpalmette herabhängt, von der aus zwei Dreiblätter in Dunkelrot und Grün in den oberen Teil des Binnenfeldes ragen.
  • 156r Initiale O über 5 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der Buchstabenkörper ist außen ohne Blattbesatz. Aus einer am unteren Innenbogen angebrachten dunkelgoldenen Halbpalmette wachsen ins Binnenfeld zwei langgestreckte, axialsymmetrisch gewundene und stark gelappte Blätter, links in Grün und Rot, rechts in Rot und Grün gehalten.
  • 176r Initiale P über 4 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der Buchstabenstamm endet links oben in einem gestielten, als Seitenausläufer nach oben gerichteten grünen Dreiblatt mit langgezogener Mittelspitze. Am unteren Innenbogen des Buchstabens liegen symmetrisch zwei grüne Halbpalmetten, zwischen denen zwei längliche rote, einander zugewandte Halbpalmetten stehen.
  • 192v Initiale N über 4 Zeilen auf goldfarbenem Grund, die linke senkrechte Haste endet oben in einem langstieligen, als Seitenausläufer nach oben gerichteten grünen Dreiblatt mit langgezogener Mittelspitze. Aus dem unteren Ende der Haste wächst waagerecht eine rote Halbpalmette, aus dem sich ein langstieliges Dreiblatt in Dunkelgold, Rot und Grün nach oben ins Binnenfeld erstreckt.
  • 211r Initiale M über 7 Zeilen auf Blattgoldgrund; der rechte, unzial gebogene Schenkel endet in einem kleinen grünen Dreiblatt. Aus dem Ende des linken Schenkels erstreckt sich auf Bund- und Kopfsteg eine Blattranke, die aus drei langgestreckten, mit Manschetten verbundenen Dreiblättern in Grün, Grau und Dunkelgold (unten und oben) sowie Rot, Purpur und Blau (mittig) zusammengesetzt und von blattgoldbelegten eindornigen Goldpollen begleitet ist. Aus dem unteren Ende der Haste des Buchstabens wächst nach links eine rote, nach rechts eine goldene Halbpalmette hervor, die das Binnenfeld begrenzen und als Ausgangspunkt für je ein langgezogenes, graugestieltes Blatt dienen, die sich nach links in Grün, Rot und Dunkelgold sowie nach rechts in Rot, Dunkelgold und Grün in die beiden Teile des Binnenfeldes erstrecken.
  • 215r Initiale A über 4 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der unzial gebogene Aufstrich beginnt links unten in einem kleinen roten Blatt und mündet in einen ebenfalls gekrümmten Deckstrich mit einem gestielten, als Seitenausläufer nach oben gerichteten grünen Dreiblatt mit langgezogener Mittelspitze; der Abstrich beginnt rechts oben mit einem weiteren roten Blatt. Hinter dem Querstrich liegt im Binnenfeld ein gewundener dunkelgoldener Stiel, der unten mit einem grünen Dreiblatt und oben mit zwei roten Halbpalmetten besetzt ist.
  • 219v Initiale I über 4 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der Buchstabenstamm endet rechts oben und unten jeweils in einer gelappten Halbpalmette in Blau mit purpurner Äderung, links oben in einer grünen und links unten in einer roten Halbpalmette; die linken Blätter sind zu kurzen Seitenausläufern mit langer Mittelspitze vergrößert. Aus dem Buchstabenstamm wachsen links eine Halbpalmette in Grün und rechts eine in Rot hervor, die ihrerseits die Basis für je zwei gestielte Dreiblätter in Purpurviolett und Blau (links) bzw. Blau und Grün (rechts) bilden.
  • 225r Initiale I über 5 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der Buchstabenstamm endet rechts oben und unten jeweils in einer gelappten Halbpalmette in Rot (oben) und Purpur (unten) bzw. links in zwei grünen Dreiblättern; das obere ist zu einem kurzen Seitenausläufer mit langer Mittelspitze vergrößert. Aus dem oberen rechten und linken unteren Blatt windet sich jeweils ein graublauer Stiel hervor, der mit einem endständigen roten (links) und grünen (rechts) Dreiblatt besetzt ist. Der Raum zwischen Seitenblättern und Buchstabenstamm ist gleichsam als Binnenfeld tiefblau gefüllt mit Weißlinienfiligran..
  • 231r Initiale E über 5 Zeilen auf goldfarbenem Grund, der Buchstabenkörper ist außen ohne Blattbesatz. In der linken unteren bzw. rechten oberen Kehlung des Querbalkens befindet sich jeweils eine grüne Halbpalmette, aus dem jeweils ein dunkelgolden gestieltes rotes Dreiblatt so ins Binnenfeld hineinwächst, dass der Querbalken die Symmetrieachse bildet.
  • Am Beginn der Argumenta bzw. der Zwischenabschnitte abwechselnd rote und blaue Lombarden, meist über 2–3 Zeilen, mit filigranen purpurnen rektilinearen Fadenausläufern, die in dichten parallelen Bündeln schleierartig senkrecht im Binnenfeld oder parallel zu den Seiten der Buchstaben angeordnet und außen mit Reihen unregelmäßig geformter Perlen besetzt sind (Schleierfiligran).
Einband:
  • Einen Eindruck vom entfernten Originaleinband vermitteln die am gleichen Ort entstandenen Cod. Guelf. 7 Aug. 2° und 10.9 Aug. 4° mit einem spätgotischen Holzdeckelband mit braungefärbtem Schafslederbezug und Resten von je einer Schließe, vermutlich mit flachem Wulstlager in Schildform an Ober-, Unter- und Vorderschnitt, vgl. etwa bei Cod. Guelf. 17.21.3 Aug. 4°. —
  • Jetzt in einen Renaissance-Einband aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. gebunden. Holzdeckel mit alaungegerbtem weißem Schweinslederbezug, an den unteren Kanten beschädigt. Plattenstempel Wappen Pommern: EBDB p000965, der Werkstatt "Jakob Fritzsch" (EBDB w000475) zugeschrieben; zum Wappen selbst vgl. R. G. Werlich, Das neunfeldrige Wappen Herzog Bogislaws X. von Pommern, in: Land am Meer. Pommern im Spiegel seiner Geschichte. Roderich Schmidt zum 70. Geburtstag, hrsg. von W. Buchholz und G. Mangelsdorf, Köln u.a. 1995 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern 29), 307–334, bes. 327. Drei Rollenstempel: Fides – Spes – Charitas, Wellenmäander und Scherengittermotiv (alle nicht nachweisbar). Fünf Doppelbünde. Rotschnitt. Zwei Riemenschließen mit Stiftlager in Lanzettform, Schließenhaken und -lager mit gravierten Dekorationsmotiven (Kacheln, Linienbündel, Zierringe, ähnlich Adler Buchverschluss, 128 Abb. 7–03), Schließenhaken oben verloren, beide Gegenbleche entfernt. Auf dem VD eine geprägte, mit brauner Tinte gefüllte Inskription in Capitalis quadrata: THEB: STAT: | MANVSCRIP:. Einbandgestaltung identisch mit Cod. Guelf. 331–338 Helmst.
Entstehung der Handschrift: Nach Ausweis von Schriftmerkmalen und Illuminationen wie Cod. Guelf. 44 Helmst., 45 Helmst., 46 Helmst., 106 Helmst., 331–338 Helmst., 83.10 Aug. 2°, 10.9 Aug. 4° und 154 Gud. lat. in Oberitalien geschrieben, die charakteristischen Initialen verweisen auf die Region Veneto, konkret nach Padua. G. Billanovich vermutet im Glossator auch den Auftraggeber und ersten Besitzer der Codices, vgl. G. Billanovich, La tradizione del testo de Livio e le origini dell’umanesimo, Bd. 1,1, Padua 1981, 308 zu 44–46 Helmst: "probabilmente ricco e impegnato scolaro della nazione germanica all’università di Padova." Für die nordalpine Herkunft des Glossators spricht z. B. Cod. Guelf. 336 Helmst., 20v, wo er den Beginn von Ov. ars 2,126 vom fälschlich gesetzten I zur Interjektion Ach (statt korrekt a) korrigiert.
Provenienz der Handschrift:
  • Mit Cod. Guelf. 44–46 Helmst. und 331–338 Helmst. auf unbekanntem Wege in den Besitz des pommerschen Herzogshauses, vermutlich des Herzogs Ernst Ludwig von Pommern-Wolgast (1545–1592), Gründer der Schlossbibliothek in Wolgast, gelangt. Die Einbände entsprechen den auch sonst in der pommerschen Hofbibliothek gebräuchlichen, die stets das neunfeldrige Greifenwappen als Supralibros zeigen, vgl. dazu H. Blumenthal, Die Bibliotheken der Herzöge von Pommern, in: Baltische Studien NF 39 (1937), 183–230, hier 189–191, 200f. —
  • Diese Codices kamen wahrscheinlich als Geschenk des Pommernherzogs für seine welfischen Verwandten – Ernst Ludwig war der Schwiegersohn des Herzogs Julius von Braunschweig-Lüneburg – in die Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel. Dort ist dieser Codex 1614 im Gesamtkatalog des Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 23 [19]) unter Nr. 17 der Poëtae Graeci, Latini Gallici etc. als Statius manuscriptus in fol. aufgeführt (entspricht der Inskription auf dem VD). — Seit 1618 in der Universitätsbibliothek Helmstedt, 1644 in deren Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 29r) als Statii Papinii Thebaidos et Achilleidos Libri In bretter, roth aufm Schnitt unter den Miscellanei MSSti in folio nachgewiesen; auf dem VS die entsprechende Signatur Misc. 11. Im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 267 genannt.
Erwerb der Handschrift: Der Codex wurde 1810 in die Universitätsbibliothek Göttingen überführt und dort von Friedrich August Menke (1791–1872, nach einer Privatdozentur an der Georgia Augusta Gymnasiallehrer in Lüneburg und ab 1817 in seiner Heimatstadt Bremen) zusammen mit Cod. Guelf. 52 Gud. lat. ausgeliehen, und für seine Göttinger Dissertation (s. unten) benutzt. Die Ausleihe ist durch einen entsprechenden Leihschein dokumentiert (Göttingen, SUB, BA, B 25b:2, Promemoria der Göttinger Bibliothekskommission vom 9.10.1815, Anlage J, unfol.). Wie aus dem entsprechenden Registraturbuch der Herzoglichen Bibliothek hervorgeht (BA I, 5, fol. 51v), sandte Menke den Codex erst am 3.8.1818 nach Wolfenbüttel. Daher musste die Hs. nachträglich in die Helmstedter Aufstellung integriert werden und erhielt die bis heute gültige Buchstabensignatur.
Inhalt:
  1. 1r–2r Commentum in Statii Thebaida (Fragment). Jupiter et Io genuerunt Epafum is bellum Priscum is Danaum Egystum Agenorem … — … sed postea quando cogitat se futurum regem ipse superbit. Flatus id est superbia. Das Fragment beginnt mit einer knappen Genealogie der Labdakiden sowie der übrigen am Thebanerfeldzug beteiligten Feldherren und enthält Scholien zu Stat. Theb. 1,3–321, die in der mittelalterlichen Kommentartradition sonst nicht nachweisbar sind. Vgl.
    • R. D. Sweeney, Prolegomena to an Edition of the Scholia to Statius, Leiden 1969 (Mnemosyne Supplementum 8), 24 (Hs. genannt);
    • D. Anderson, Boccaccio's glosses on Statius, in: Studi sul Boccaccio 22 (1994), 2–134 (132 Hs. genannt);
    • V. de Angelis, I commenti medievali alla Tebaide di Stazio: Anselmo di Laon, Goffredo Babione, Ilario d’Orléans, in: Medieval and Renaissance Scholarship. Proceedings of the Second European Science Foundation Workshop on the Classical Tradition in the Middle Ages and the Renaissance, edited by N. Mann and B. Munk Olsen, Leiden u. a. 1997 (Mittellateinische Studien und Texte 21), 75–136;
    • Catalogus translationum et commentariorum. Medieval and Renaissance latin translations and commentaries. Annotated lists and guides, Bd. 13, hrsg. von G. Dinkova-Bruun, J. H. Gaisser und J. Hankins, Toronto 2020, 227f. (Hs. genannt, Sigle t).
  2. 1r–209v Publius Papinius Statius: Thebais cum glossis argumentisque. >Incipit primus liber Statii Thebaydos<. >Explicit XIIus liber Statii Thebaydos deo gratias<. Mit Ausnahme des ersten Buches sind jeweils die metrischen Argumenta vorangestellt, vgl. A. Klotz, Die Argumente zur Thebais des Statius, in: Archiv für lateinische Lexicographie und Grammatik 15 (1884), 261–274 (mit kritischer Ausgabe).
    Textgeschichte: Auch in Cod. Guelf. 52 Gud lat., 1r–121v; 54 Gud. lat., 1r–145r; 146 Gud. lat., 2r–108v (unvollständig); 265.4 Extrav., 1r–102v (unvollständig).
    Der vorliegende Text ist reich interlinear und marginal glossiert; die Scholien weichen jedoch von denen der übrigen Wolfenbütteler Hss. und von den Kommentaren erheblich ab. Erste Interlinearglosse zu Fraternas: Eteclus = Polinicen. Vgl. dazu
    • P. M. Clogan, Medieval Glossed Manuscripts of the Thebaid, in: Manuscripta 11 (1967), 102–112 (111 Hs. genannt);
    • Sweeney. Prolegomena (s. oben), 31f. (Hs. genannt).
    Zum Text vgl. Schaller/Könsgen 3053 und Suppl.
  3. 209v–210r Argumenta metrica XII librorum Thebaidos.
    Solvitur in primo fratrum concordia libro
    Denegat et fedus repetitaque regna secundus
    … — …
    Ultimus Ogygias dat Thesea vincere Thebas
    Argian flentem memorat duodecimus[sic] et ignes
    >Deo gratias<. Die versifizierte Inhaltsangabe zu den zwölf Büchern enthält hier 16 Hexameter, da der Vers zu Buch VII fehlt und zu Buch VII–XII jeweils zwei Verse (entsprechend den beiden Fassungen der unten gen. Ausgabe) angeführt werden.
    Textgeschichte: In dieser Form auch in Berlin, SBBPK, Ms. Ham. 609, 23v (Berlin Hamilton, 291). Mit 12 Versen auch in Cod. Guelf. 146 Gud. lat., 108v.
    Edition
    • Publius Papinius Statius, recognovit G. Queck, Bd. 2: Thebais, Leipzig 1854, 3f.
    Vgl. dazu
    – 210v leer.
  4. 211r–234v Publius Papinius Statius: Achilleis cum glossis. >Incipit primus liber Stacii Achyleidos<. >Laus deo. Explicit quintus et ultimus liber Stacii Achylleidos deo gratias<. Am Schluss wie in anderen Codices der zusätzliche Vers: Aura silet puppis ad littora venit. Der gesamte Text ist interlinear und marginal glossiert; die Scholien weisen zahlreiche Übereinstimmungen zu denen in Cod. Guelf. 52 Gud lat. auf. Erste Interlinearglosse zu Eacidem: nepotem. Dazu Sweeney. Prolegomena (s. oben), 40, 46 (Hs. genannt).
    Textgeschichte: Die Gliederung in fünf Bücher bieten auch Cod. Guelf. 52 Gud lat., 122r–136r; 228 Gud. lat., 51r–74v; 13.10 Aug. 4°, 142r–157r; 301 Extrav., Teil II, 1r–16v (lib. III–V). In zwei Bücher gegliedert sind Cod. Guelf. 54 Gud. lat., 145r–162v; 292.2 Gud. lat., 6r–42r; ein Fragment in Cod. Guelf. 404.1 Novi (1,13).
    Zum Text vgl. Schaller/Könsgen 9789 und Suppl.
  5. 235r–v Coluccio Salutati: Epitome Statii Achilleidos. >Epithoma Stacii Achilleidos edita per Collutium de Stagnano<.
    Primus semiferi matrem deducit ad antra
    Alter virgineo Pelidem celat amictu
    … — …
    Explicat et iussus moveat cum Grecia bellum
    Pelidesque suę narrat primorida vitae.
    Annis millenis quattuor centum adde quattuor quinquagenis duodecimo die mensis Septembris istum librumque finivi. Amen. (Colophons 6631). Kombiniert eine allgemeine Epitome mit den argumenta hexasticha zu allen 5 Büchern, durch Rubriken gegliedert. Zuschreibung unsicher, Verfasserangabe sonst nur noch in der inhaltlich insgesamt sehr nahestehenden Handschrift Leiden, UB, Gronov. 14, 189r–v (J. Geel, Catalogus librorum manuscriptorum qui inde ab anno 1741 bibliothecae Lugduno-Batavae accesserunt, Leiden 1852, 106).
    Textgeschichte: Die Parallelüberlieferung bei Jeudy. (s. unten), 171f., zu ergänzen durch Karlsruhe, BLB, Karlsruhe 445, 1r (Karlsruhe 4, 81).
    Edition
    • C. Jeudy, , Y.-F. Riou, L’Achilléide de Stace au Moyen Age. Abrégés et arguments, in: Revue d’histoire des textes 4 (1974), 143–180, hier 171–174 (Hs. genannt).
    Literatur
    • B. L. Ullman, The Humanism of Coluccio Salutati, Padua 1963 (Medioevo e umanesimo 4), 36 (Hs. genannt);
    • R. G. Witt, Hercules at the Crossroads. The Life, Works and Thought of Coluccio Salutati, Durham/NC 1983 (Duke Monographs in Medieval and Renaissance Studies 6), 434;
    • CALMA 2, 661 Nr. 13 (Hs. genannt).
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

Adler Buchverschluss G. Adler, Handbuch Buchverschluss und Buchbeschlag. Terminologie und Geschichte im deutschsprachigen Raum, in den Niederlanden und Italien vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart, Wiesbaden 2010
Berlin Hamilton Die lateinischen Handschriften der Sammlung Hamilton zu Berlin, beschrieben von H. Boese, Wiesbaden 1966
Briquet C. M. Briquet, Les Filigranes. Dictionnaire historique des marques du papier, Bd. 1–4, Leipzig 21923
CALMA C.A.L.M.A. Compendium auctorum latinorum medii aevi, hrsg. von M. Lapidge u. a., Bd. 1–, Firenze 1999–
Colophons Colophons de manuscrits occidentaux des origines au XVIe siècle, Bd. 1–6, ed. par les Bénédictins du Bouveret, Fribourg/Schweiz 1965–1982 (Spicilegii Friburgensis subsidia 2–7)
EBDB Einbanddatenbank (http://www.hist-einband.de/, besonders die Sammlung Wolfenbüttel)
Ebert F. A. Ebert, Bibliothecae Guelferbytanae Codices Graeci et Latini Classici, Leipzig 1827 (Die Bildung des Bibliothekars 2 = Zur Handschriftenkunde 2)
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Karlsruhe 4 W. Brambach, Die Handschriften der Grossherzoglich Badischen Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe, Bd. 4: Die Karlsruher Handschriften, Karlsruhe 1896
München BSB Illuminierte Hss. Katalog der illuminierten Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek in München, Bd. 1–, Wiesbaden 1980–
Schaller/Könsgen D. Schaller und E. Könsgen, Initia Carminum Latinorum saeculo undecimo antiquiorum, Göttingen 1977, Supplementbd. fortgeführt von Th. Klein, Göttingen 2005
Walther I H. Walther, Initia carminum ac versuum medii aevi posterioris Latinorum, Göttingen 1959 (Carmina medii aevi posterioris Latina 1)
WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)

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