de :: en
Permalink: PURL

Suche

Anzeigen als: OAI :: XML :: Print

Beschreibung von Cod. Guelf. 371 Helmst.
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil III: Cod. Guelf. 371 bis 460 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser (in Vorbereitung).
Handschriftentitel: Vocabularius brevilogus
Entstehungsort: Braunschweig
Entstehungszeit: 1450–1455
Katalognummer:
  • Heinemann-Nr. 406
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412225,T
Beschreibstoff:
Umfang: 285, III Bl.
Format: 28 × 20,5 cm
Seitennummerierung: Tintenfoliierung modern: 1–284, Bl. 83 übersprungen, Zählfehler: Bl. 94 und Bl. 222 doppelt gez., die letzten drei leeren Bl. ungez. In den einzelnen Lagen originale Blattzählung, nur noch sporadisch erkennbar.
Lagenstruktur: 24 VI (284)! Reklamanten, vielfach durch Beschnitt verloren oder fragmentiert, Lagenmitte durch Pergamentfalze verstärkt.
Seiteneinrichtung: 21–22 × 14–15 cm, zweispaltig (Spalten 6,5–7 cm breit), 43–47 Zeilen.
Hände: Bastarda von einer Hand. Am Beginn der einzelnen Lemmata Versalien, in den ersten Zeilen der Spalten häufig litterae elongatae oder Cadellen.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert, am Beginn der einzelnen Abteilungen rote Lombarden, meist in Unzialform, einige auch figürlich verziert oder ausgestaltet, teilweise mit weißen Mustern im Buchstabenkörper.
  • 1ra rote Figureninitiale A über 12 Zeilen: Ein zweibeiniger Drache, dessen zu einem Knoten gewundener Schwanz in einer Glocke endet, wird von einem Krieger mit einer Lanze erstochen. Der Mann trägt ein rotes, eng anliegendes Untergewand, darüber einen weißen Waffenrock und einen Gurt mit Tasche, seinen Kopf bedeckt eine rote Mütze. 68va rote Figureninitiale E über 11 Zeilen, Buchstabe aus einem verschlungenen Gürtel gebildet; 101va Initiale I über 15 Zeilen mit dem Schriftzug Iohan im Buchstabenkörper; 112va Initiale K über 11 Zeilen mit einer ausgesparten Krone und einem belaubten Ast im Buchstabenkörper; 113rb Initiale L über 14 Zeilen mit einem Eichenzweig, zwei Jagdhundeköpfen und einem Ast mit Vogel im Buchstabenkörper. 125ra rote Figureninitiale M über 16 Zeilen: Zwei langhalsige, geflügelte, beinlose Drachen stecken ihre Köpfe in ein Gefäß. 143vb rote Figureninitiale O über 12 Zeilen aus zwei kreisförmig angeordneten zweifüßigen Drachen, deren Hälse und Schwänze miteinander verflochten sind. 151va rote Figureninitiale P über 20 Zeilen: Den Buchstabenstamm bildet ein nach rechts gewendeter Mann mit spitzem rotem Hut, einem langen gegürteten weißen Übergewand mit Gürteltasche, engen Beinlingen und Schnabelschuhen mit untergeschnallten Trippen schlingt sich den Schwanz eines roten, geflügelten vierfüßigen Drachen um den Hals, dem er zugleich die Rechte in den Rachen steckt. Der rückwärts gebogene Drachenkörper bildet den Kopf des Buchstabens. 264rb rote Figureninitiale H über 10 Zeilen: Ein roter geflügelter zweifüßiger Drache windet seinen Hals um einen mit ausgesparten Knospen verzierten Stamm; beides bildet den unzialen Majuskelbuchstaben. Die Initialen am Beginn der übrigen Alphabete meist in einfacherer Unzialform mit weißen, ornamental und teilweise figural ausgeführten Schaftaussparungen im Buchstabenkörper.
Einband: Spätgotischer Holzdeckelband mit braunem Schweinslederbezug. Streicheisenlinien. Fünf Doppelbünde. Zwei Riemenschließen mit Stiftlager in einfach geschwungener Gabelform und starken, identisch gestalteten Schließenhaken; die Gegenbleche zur Befestigung der Schließenriemen sind herzförmig. Auf dem VD Aufschrift Brevilogus manuscriptus.
Entstehung der Handschrift: Der Codex wurde wie der sehr nahestehende Cod. Guelf. 370 Helmst. im dritten Viertel des 15. Jh. in Braunschweig geschrieben. Die Lokalisierung ermöglicht vor allem der ungewöhnliche Buchschmuck, der in sehr ähnlicher, z. T. weitgehend identischer Form in dem 1469 in Braunschweig entstandenen Cod. Guelf. 523.3 Novi mit einer Abschrift des "Vocabularius Coenobita" zu finden ist.
Provenienz der Handschrift: Der fehlende Einkunftsvermerk und der Registraturvermerk des Bibliothekars Lonicer (s. unten) deuten darauf hin, dass sich der Codex möglicherweise im Augustiner-Chorfrauenstift Heiningen befunden haben könnte; beweisbar ist diese Hypothese aufgrund fehlender Kolophone oder Besitzvermerke jedoch nicht.
Erwerb der Handschrift: Sofern dies zutrifft, befindet sich der Codex seit dem 12.4.1572 in der Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel, 1r Registratureintrag von Johann Adam Lonicerus: Dictionarium latinum msc. in folio. Registrirt 1602 sub Lonicero (so auch in Cod. Guelf. 159 Helmst., 163 Helmst. und 370 Helmst.). 1614 von Liborius Otho im Katalog der Bibliotheca Julia (Cod. Guelf. A Extrav.) auf p. 16 (12) unter Nr. D 12 der Lexica et Dictionaria in folio als Brevilogus etiam manuscriptus beschrieben. 1618 aus Wolfenbüttel in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt, 1644 in deren Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 30r) als Dictionarium latinum, In bretter, schwartz unter den Miscellanei MSSti in folio nachgewiesen, auf dem VS entsprechende Helmstedter Signatur Misc. 56. Im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 286 genannt.
Inhalt:
1. 1ra–284vb Vocabularius brevilogus (redactio recentior).
  • (1ra–va) Prologus totius operis. A a a domine nescio loqui [Ier 1,6] licet illud verbum propheticum ab ipso propheta alio fine sit enarratum … — … non michi ex toto sed a quibus recipio imputabitur ita tamen ut pre omnibus et super omnia Ihesus Christus Marie filius benedicatur in seculo seculorum Amen.
  • (1va) Prologus nominum. Quoniam quidem presens collectio arti deservit grammatice que secundum quosdam in literam et sillabam et in oracionem dividitur … — … triplici alphabeto specialiter prosequendo scilicet nominum verborum ac parcium indeclinabilium.
  • (1va–238vb) Nomina. Aleph prima litera hebirorum[sic] vel hebraici alphabeti est et interpretatur doctrina … Alpha … A vero … Aaron … Ab … — … Zoticus … Zodoma … Zozomus … vitam inquam eternam nobis concedat qui sine fine vivit et regnat in secula seculorum Amen.
  • (238vb) Prologus verborum. Postquam determinatum est de nominibus quoad eorum significaciones nec non interpretaciones restat nunc dei iuvamine recitare de verbis … — … genus et coniugacio ipsius verbi agnoscitur facilius ipsius significatum et in flectio[sic] per tempora reperitur. >Sequitur de A<.
  • (239ra–278vb) Verba. Abarceo, -es, -ere id est prohibeo vel constringo s. a. Abdico … Abdo … — … Uxorare … Zelare … Zelator id est amator. Zimare significat pastam facere proprie sueren. Inde azimus.
  • (278vb) Prologus indeclinabilium. Expeditis dei gracia exposicionibus necnon interpretacionibus vocabulorum dictionum parcium declinabilium duplici alphabeto nunc dei clemencia restat tractare de exposicionibus parcium indeclinabilium … — … quantum igitur ad primum dicam de illa preposicione A unde sequitur A. >Sequitur de A<.
  • (278vb–284vb) Indeclinabilia. >Sequitur A<. A preposicio id est sine eciam est interiectio exclamantis … Absque … Aborsum … — … Utpute id est certe vel videlicet. Utrumque … Utinam … deus unus in essencia trinus in personis cui sit laus et gloria necnon sue intemerate virgini Marie matris[sic] sue benedicte nec non toti curie celesti per infinita secula seculorum Amen. Amen.
Die Lemmata mit niederdeutschen Interpretamenten sind jeweils am linken Rand der betreffenden Spalte durch ein rotes Notazeichen hervorgehoben. Am Schluss einiger Alphabete Schreibervermerke wie 97vb: Dat stont ezel vnd vart ker dy vmme myn lieue lutgard vnde kusse my voer myn gad. Hic nichil deficit nisi pulchra puella. (letzteres auch 118va und 176rb wiederholt). 188ra erläuternder Vers zum Lemma ru[p]tus, -a, -um: Nobilis est ruta que non est frigore ru[p]ta (Walther II 17000b).
Textgeschichte: Nach Ausweis der Parallelüberlieferung ist der "Vocabularius brevilogus" in zwei verschiedenen Fassungen überliefert. Die jüngere Redaktion, zu der auch diese Hs. gehört, weist modifizierte Prologe und eine größere Anzahl von nunmehr konsequent alphabetisierten Lemmata auf. Sie liegt außerdem vor in Cod. Guelf. 303 Helmst., 1ra–13vb und 15ra–410rb; 370 Helmst., 2ra–282ra; 446 Helmst., 12r–238r; 39.4 Aug. 2°, 1ra–337vb; 44.25 Aug. 2°, 1ra–271vb; 71.12 Aug. 2°, 1ra–281ra; ein Fragment in Cod. Guelf. 282 Helmst., 1ra–vb. Zur älteren Fassung vgl. Cod. Guelf. 400 Helmst., 1ra–218rb. In fast allen Abschriften finden sich auch mittelniederdeutsche Interpretamente; ihre Anzahl und Anordnung ist jedoch in keinem der Codices einheitlich.
Die Drucke der 1475 von Johannes Reuchlin redigierten Ausgabe der jüngeren Fassung sind nachgewiesen in
  • J. Benzing, Bibliographie der Schriften Johannes Reuchlins im 15. und 16. Jahrhundert, Bad Bocklet u. a. 1955 (Bibliotheca Bibliographica 18), 1–5;
  • GW M37895–M37947.
Literatur
  • K. Hamann, Mittheilungen aus dem Breviloquus Benthemianus, einem handschriftlichen lateinischen Glossar des 15. Jahrhunderts, 2 Bde., Hamburg 1879/1880 (Programm des Johanneums);
  • Goetz, 239–243;
  • W. Padberg, Der Vocabularius Breviloquus und seine Bedeutung für die Lexikographie des ausgehenden Mittelalters. Phil. Diss. Münster/Westf. 1909, Münster 1912;
  • Stegmüller RB 9733;
  • Grubmüller, 31–39;
  • 2VL 1, 1033f.
Bibliographie
Handschriftenteil: VS und HS
Entstehungsort: Niedersachsen
Entstehungszeit: 14. Jh.
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 2 Doppelbl.
Format: 28 × 20 cm
Seiteneinrichtung: 17 × 9 cm, einspaltig, 25 Zeilen.
Hände: Textualis von einer Hand.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert.
Spätere Ergänzungen: Einige Marginalien in jüngerer gotischer Kursive von gleichzeitigen und späteren Händen.
Inhalt:
1. VS, HS Alexander de Villa Dei: Doctrinale. Da die Doppelbl. nicht aus der Lagenmitte stammen, liegen hier vier nicht zusammenhängende Versgruppen vor, vgl. im Druck: Das Doctrinale des Alexander de Villa-Dei: Kritisch-exegetische Ausgabe mit Einleitung, Verzeichniss der Handschriften und Drucke nebst Registern hrsg. von D. Reichling, Berlin 1893 (Monumenta Germaniae paedagogica 12), hier 8f., Z. 27–52; 28–30, Z. 388–414; 110–113, Z. 1755–1774; 86f., Z. 1339–1364. Zum Text vgl. Glorieux Faculté 86–88 Nr. 23c; Walther I 17375; CALMA 1, 177 Nr. 6; 2VL 11, 59–61.

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
CALMA C.A.L.M.A. Compendium auctorum latinorum medii aevi, hrsg. von M. Lapidge u. a., Bd. 1–, Firenze 1999–
Glorieux Faculté P. Glorieux, La Faculté des Arts et ses maîtres au XIIIe siècle, Paris 1971 (Etudes de philosophie médiévale 59)
Goetz G. Goetz, De glossariorum Latinorum origine et fatis, Leipzig 1923 (Corpus glossariorum latinorum 1)
Grubmüller K. Grubmüller, Vocabularius Ex quo: Untersuchungen zu lateinisch-deutschen Vokabularen des Spätmittelalters, München 1967 (Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters 17)
GW Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Bd. 1–, Leipzig 1925–1938, Stuttgart 1978–
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Stegmüller RB F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, Bd. 1–11, Madrid 1950–1980
Walther I H. Walther, Initia carminum ac versuum medii aevi posterioris Latinorum, Göttingen 1959 (Carmina medii aevi posterioris Latina 1)
Walther II H. Walther, Proverbia sententiaeque Latinitatis medii aevi, Bd. 1–6; P. G. Schmidt, Proverbia sententiaeque Latinitatis medii aevi. Nova series, Bd. 7–9, Göttingen 1963–1969, 1982–1986 (Carmina medii aevi posterioris Latina 2, 1–9)
WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)

  • Weitere Literaturnachweise im OPAC suchen.
  • Weitere Literaturnachweise suchen (ehem. Handschriftendokumentation)

Dieses Dokument steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz (CC BY-SA).

Für die Nutzung weiterer Daten wie Digitalisaten gelten gegebenenfalls andere Lizenzen. Vgl. die Copyright Information der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.