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Beschreibung von Cod. Guelf. 443 Helmst.
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil III: Cod. Guelf. 371 bis 460 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser (in Vorbereitung).
Handschriftentitel: Gregorius I papa
Entstehungsort: Lamspringe, Benediktinerinnenkloster
Entstehungszeit: 12. Jh., 4. Viertel
Katalognummer:
  • Heinemann-Nr. 478
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412317,T
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 132 Bl.
Format: 28 × 17,5 cm
Seitennummerierung: Tintenfoliierung modern: 1–132.
Lagenstruktur: 16 IV (128). III–2 (132). Lagenzählung auf dem Fußsteg der letzten Versoseite folgender Lagen: (8v): Ius, (32v): IIIIus, (40v): Vus, (48v): VIus, (64v): VIIIus und (80v): Xus, sonst durch Beschnitt verloren.
Seiteneinrichtung: 21 × 11,5 cm, 1v, 25rv, 49rv, 83rv und 114v zweispaltig (Spalten jeweils 6 cm breit), sonst einspaltig, 33 Zeilen. Bleiliniierung, Punkturen an den Blatträndern sichtbar.
Hände: Carolino-Gothica von einer Hand der sog. "Scriptrix-Gruppe", zu der auch Cod. Guelf. 447 Helmst., 482a Helmst. (1r–81v), Cod. Guelf. 510 Helmst., 511 Helmst., 519 Helmst., 718 Helmst. (10v–97r), 723 Helmst., 903 Helmst. (nur 1r–75r), 943 Helmst. und 1030 Helmst. gehören.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert, die Rubriken sind in Unzialis gemischt mit Capitalis rustica ausgeführt. Dazu als Auszeichnungsschrift in den ersten Textzeilen jeweils abwechselnd größere rote und grüne Unzialmajuskeln.
  • Am Beginn jedes Buches Spaltleisteninitialen mit weißem, rot konturiertem Leistenstamm (verziert mit wechselnd roten und grünen Punkten), genagelten Schnallen und roter Spaltfüllung, dazu Blattranken im Binnenfeld, deren vegetabile Elemente durch rote Strichelung plastisch hervorgehoben sind. Der Polstergrund der Initialen ist abschnittsweise wechselnd grün und blau hinterlegt, kleinere Felder auch goldfarben hervorgehoben, ebenso wie die Schnallen und einige der endständigen Knollenblätter. 2r Initiale S über 13 Zeilen mit grüner Spaltfüllung. Die Buchstabenenden sind als Hunde- bzw. Drachenköpfe gebildet, aus denen Ranken mit Halbpalmetten wachsen, die das Binnenfeld füllen und Palmetten bzw. akanthusartige Profilblätter als Endmotive aufweisen; zwei weitere, analog verzierte Ranken sind mit Schnallen direkt am Buchstabenkörper befestigt. 26r Initiale Q über 14 Zeilen, mit roter Spaltfüllung, Hintergrund des äußeren Rahmens blau, Binnenfeld grün und golden gefüllt (Polstergrund). Die schräg über die gesamte Breite des Textspiegels reichende ist als lanngestreckter zweifüßiger Drache mit rotgoldenen Konturen und grün-rot gepunktetem Leib gestaltet, dessen Schwanz in ein vegetabiles Ornament (fächerartiges Dreiblatt aus zwei Tütenblättern und einem zentralen Akanthusblatt) ausläuft. Der Hals des Fabelwesens ist in einem Knoten um den Buchstabenstamm geschlungen, aus dem Rachen des in das Binnenfeld gereckten Kopfes quillt eine doppelte, axialsymmetrisch angeordnete Ranke mit Halbpalmetten- und Knospenblättern, die das Binnenfeld füllt und links darüber hinausreicht. 50r Initiale P über 16 Zeilen vor grün-blauem Polstergrund. Der Buchstabenstamm wächst aus dem Maul eines frontal gezeigten Löwenkopfes nach unten und bestaht aus zwei parallelen goldenen Randbändern, die am unteren Ende mit einem Flechtbandknoten abschließen und in zwei Ranken mit endständigen roten Knollenblättern auslaufen. Der Stamm ist mit einem friesartigen Ornament gefüllt, das aus schräggestellten roten Halbpalmetten und grünen Akanthusblättern in wechselnder Folge besteht. Der Kopf des Buchstabens besteht aus einer rot gefüllten Spaltleiste, in die ein hundeartiges Wesen, das sich am Buchstabenstamm auf den Hinterbeinen aufrichtet, seinen Kopf hineinstreckt. Aus dem Maul des Wesens wächst eine kurzgestielte Ranke, mit diversen Blattformen besetzte Ranke. 84r Initiale P über 16 Zeilen vor grün-blauem Polstergrund, Spaltfüllungen golden mit rotem Rautengitter. Der Kopf des P läuft in eine mit Halbpalmetten und Knollenblättern besetzte Ranke aus, die das Binnenfeld füllt. Ein Ausläufer windet sich bis zum unteren Ende der Initiale, auf ihm sitzt ein stilisierter Vogel, dessen Schnabel in die Randleiste beißt. Aus der oberen Gelenkstelle wächt eine kurze, nach außen gebogene Ranke mit einem nach unten gerichteten Hunde- oder Drachenkopf, aus dessen Maul ein zapfenartiges goldenes Gebilde hervorwächst, das mit einem rotem Gitternetz und grünen Punkten verziert ist. 114v Initiale Q über 9 Zeilen auf grünem Grund, Binnenfeld wechselnd grün und blau, Spaltfüllungen rot, Schnallen golden. Die als vegetabile Spaltleiste gebildete Cauda zwiegt eine goldene Spaltfüllung mit rotem rautengitter und läuft am Ende in eine stark gelappte Halbpalmette aus. Das Binnenfeld ist mit zwei axialsymmetrisch angeordneten Halbpalmettenranken gefüllt, deren Enden volutenartig eingerollt sind; beide sind an Schnallen befestigt. Derartige Spaltleisteninitialen mit wechselnd kolorierten Hintergründen und diversen vegetabilen Rankenformen sind charakteristisch für die Codices der "Scriptrix-Gruppe" (siehe oben). Die Motive der Initialen auf Bl. 26r und 84r werden in dem schlichter gestalteten Cod. Guelf. 519 Helmst., 1v und 77r aus der "Scriptrix-Gruppe "wiederholt, vgl. Härtel, 50.
Einband: Romanischer Holzdeckelband mit schlichtem Schafslederbezug. Gerader Rücken, Kanten bündig mit Buchblock, Lappenkapitale abgeschnitten. Drei Doppelbünde. Zwei Riemenschließen mit Ösenverschluss und zugehörige Dornen an der Kante des VD verloren (nur noch Gegenbleche auf dem HD). Auf dem VD weitgehend verblaßte und beschädigte Aufschrift: Incipit Gregorii [super] Iob exposicio. Weitgehend identische Einbände an den Lamspringer Hss. Cod. Guelf. 475 Helmst. (nachträglich bestempelt), 480 Helmst., 553 Helmst., 903 Helmst., 943 Helmst., 982 Helmst., 1113 Helmst. und 1196 Helmst.
Entstehung der Handschrift: Gegen Ende des 12. Jh. im Benediktinerinnenkloster Lamspringe geschrieben.
Erwerb der Handschrift: Am 10.4.1572 mit den übrigen Lamspringer Codices in die Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel überführt, 1588 von Eberhard Eggelinck im Verzeichnis der Pergamenthandschriften der Bibliotheca Julia (NLA – StA Wolfenbüttel, 1 Alt 22, 83, 22r–35v, hier 27r, als Expositiones super secunda parte de morabilibus Historiæ, Liber 6, 7, 8, 9 et 10, in Pergamein geschrieben in folio vnd brettern mit weißem Pergamein vbertzogen verzeichnet. 1614 im Gesamtkatalog von Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 297 [292]) unter den Papalia Miscellanea als Explicationes in Job de moralibus in membranis manuscr. mit der Signatur Y 42 nachgewiesen. Seit 1618 in der Universitätsbibliothek Helmstedt, 1644 im Helmstedter Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 7v) als Moralium in Iob pars II in membrana unter den Theologici in folio beschrieben; im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 168 genannt.
Inhalt:
  1. 1r Besitzvermerk (12./13. Jh.): Liber sancti Adriani in Lamesprigge, Inhaltsangabe (15. Jh., Bastarda): Job VI (Vermerke von dieser Hand auch in Cod. Guelf. 145 Helmst., VS; 204 Helmst.,1r; 447 Helmst., 5r; 475 Helmst., 1r; 480 Helmst., 1r; 482a Helmst., 1r; 504 Helmst., VS; 510 Helmst., 1r; 511 Helmst., 1r; 519 Helmst., 1r; 553 Helmst., 1r; 650 Helmst., 1r; 723 Helmst., 1r; 943 Helmst., 1r; 1012 Helmst., 1r; 1030 Helmst., 1r; 1034 Helmst., 1r; 1113 Helmst., 1r und 1196 Helmst., 1r).
  2. 1v132r Gregorius I papa: Moralia in Iob (pars II, Libri VI–X). Im einzelnen sind enthalten:
    • (1va2r) >Incipiunt capitula de moralibus beati Iob in secunda parte<. >Expliciunt capitula<.
    • (2r25r) >Incipit liber sextus et secunda pars de moralibus<. >Explicit liber sextus<.
    • (25rvb) >Incipiunt capitula in VII libro et in secunda parte<. >Expliciunt capitula<.
    • (25vb49r) >Incipit liber septimus de moralibus beati Iob in secunda parte<. >Explicit liber VII<.
    • (49rvb) >Incipiunt capitula in VIII libro in secunda parte<. >Expliciunt capitula<.
    • (49vb83r) >Incipit liber octavus de moralibus beati Iob in secunda parte<. >Explicit liber VIII<.
    • (1v83vb) >Incipiunt capitula in libro nono<. >Expliciunt capitula<.
    • (83vb113v) >Incipit liber nonus de moralibus beati Iob in secunda parte<. >Explicit liber VIIII<.
    • (114ra–b) >Incipiunt capitula in libro decimo et in secunda parte de moralibis beati Iob<. >Expliciunt capitula<.
    • (114rb132r) >Incipit liber decimus de moralibus beati Iob in secunda parte<. >Explicit liber decimus et secunda pars de moralibus beati Iob<.
    Die Kapitelzählung ist entsprechend den jeweils zweispaltig ausgeführten Tabulae jeweils marginal in rubrizierten römischen Zahlen ausgeworfen.
    Edition
    • PL 75, 729–952;
    • CC SL 154, 284–577 (XXIX Hs. genannt).
    Textgeschichte: Zu Parallelüberlieferung und Literatur vgl. bei Cod. Guelf. 385 Helmst., 2ra–265ra.
    132v leer.
Bibliographie
Handschriftenteil: VS und HS
Entstehungsort: Lamspringe, Benediktinerinnenkloster (?)
Entstehungszeit: 12. Jh., 2. Hälfte
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 2 Doppelbl.
Format: 28 × 17 cm
Zustand: Ein Einzelbl. misst jeweils noch ca. 16 x 12,5 cm (überklebt und randlich beschnitten).
Seiteneinrichtung: 13,5 × 12,5 cm, Zwei-Spalten-Klammerform (Textspalten 5 cm, Glossenspalten 5,5–6 cm breit), Text meist 15 Zeilen, Marginalglosse bis zu 40 Zeilen.
Hände: Carolino-Gothica von einer Hand.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Keinerlei Buchschmuck.
Inhalt:
1. VS, HS Apocalypsis cum commentario. Enthält auf dem VS Apc 9,11–15 und Apc 11,18–12,2, sowie auf dem HS Apc 9,18–20 und Apc 11,12–15. Der bislang unbekannte Kommentar verarbeitet u. a. die 1120–1129 verfassten 'Commentariorum in Apocalypsim libri XII' Ruperts von Deutz (Stegmüller RB 7581).

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

Bertelsmeier-Kierst Audi filia C. Bertelsmeier-Kierst, Audi filia et vide. Frauenkonvente nach der monastischen Reform, in: Zwischen Vernunft und Gefühl. Weibliche Religiosität von der Antike bis heute, hrsg. von Ders., Frankfurt/M. u.a. 2010 (Kulturgeschichtliche Beiträge zum Mittelalter und der frühen Neuzeit 3), 61–90, hier nach dem ND in: Dies., Buchkultur und Überlieferung im kulturellen Kontext, hrsg. von T. Terrahe, R. Toepfer und J. Wolf, Berlin 2017 (Philologische Studien und Quellen 17), 255–286
Bertelsmeier-Kierst Handschriften C. Bertelsmeier-Kierst, Handschriften für Frauen und von Frauen. Buchkultur aus norddeutschen Frauenklöstern im 13. Jahrhundert, in: Die gelehrten Bräute Christi. Geistesleben und Bücher der Nonnen im Hochmittelalter. Mit einer Einführung von H. Härtel, hrsg. von H. Schmidt-Glintzer, Wiesbaden 2008 (Wolfenbütteler Hefte 22), 83–122
CC SL Corpus Christianorum. Series Latina, Bd. 1–, Turnhout 1954–
El-Kholi S. El-Kholi, Lektüre in Frauenkonventen des ostfränkisch-deutschen Reiches vom 8. Jahrhundert bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts, Würzburg 1997 (Epistemata 203)
Germania Benedictina Germania Benedictina, hrsg. von der Bayerischen Benediktiner-Akademie München in Verbindung mit dem Abt-Herwegen-Institut Maria Laach, Bd. 1–, St. Ottilien 1994–
Härtel H. Härtel, Geschrieben und gemalt. Gelehrte Bücher aus Frauenhand. Eine Klosterbibliothek sächsischer Benediktinerinnen des 12. Jahrhunderts, Wiesbaden 2006 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 86)
Härtel Lamspringe H. Härtel, Lamspringe. Ein mittelalterliches Skriptorium in einem Benediktinerinnenkloster, in: Kloster und Bildung im Mittelalter, hrsg. von N. Kruppa und J. Wilke, Göttingen 2006 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 218, Studien zur Germania sacra 28), 115–153
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Kat. Illuminierte Hs. HAB 1 Geplant: Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1, 6.-11. Jh., beschrieben von Stefanie Westphal
Krämer S. Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, Bd. 1–3, München 1989–1990 (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Ergänzungsband 1)
Müller Einflüsse M. E. Müller, Einflüsse aus West und Ost in der Hildesheimer und in der thüringisch-sächsischen Buchmalerei des 12. und 13. Jahrhunderts, in: Zentrum oder Peripherie? Kulturtransfer in Hildesheim und im Raum Niedersachsen (12.–15. Jahrhundert), hrsg. von ders. und J. Reiche, Wiesbaden 2017 (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 32), 305–366
Oldermann-Meier R. Oldermann-Meier, Der Kirchenschatz des ehemaligen Benediktinerinnenklosters Lamspringe. Zusammensetzung und Einziehung zur Zeit der lutherischen Reformation, in: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart 66 (1998), 111–146
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
Röckelein Klosterfrauen H. Röckelein, Schreibende Klosterfrauen – allgemeine Praxis oder Sonderfall?, in: Die gelehrten Bräute Christi. Geistesleben und Bücher der Nonnen im Hochmittelalter. Mit einer Einführung von H. Härtel, hrsg. von H. Schmidt-Glintzer, Wiesbaden 2008 (Wolfenbütteler Hefte 22), 15–38
Schönemann C. P. C. Schönemann, Zur Geschichte und Beschreibung der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, in: Serapeum 18 (1857), 65–91, 97–107
Stegmüller RB F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, Bd. 1–11, Madrid 1950–1980
Wolter-von dem Knesebeck Lamspringe H. Wolter-von dem Knesebeck, Lamspringe, ein unbekanntes Scriptorium des Hamersleben–Halberstädter Reformkreises zur Zeit Heinrichs des Löwen, in: Heinrich der Löwe und seine Zeit. Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125–1235. Katalog der Ausstellung Braunschweig 1995, Bd. 2: Essays, hrsg. von J. Luckhardt und F. Niehoff, München 1995, 468–477

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