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Beschreibung von Cod. Guelf. 513 Helmst.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Lex Alamannorum
Entstehungsort: Oberitalien (Monza?)
Entstehungszeit: 8. Jh., Ende
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 29 Bl.
Format: 24,5 × 15,5 cm
Seitennummerierung: Neuere Tintenfoliierung
Lagenstruktur: IV-1 (7). III (13). IV (21). IV (29). Am Ende der ersten und der dritten Lage (7v und 21v) am unteren Blattrand mit Lagenbezeichnungen in schwarzen römischen Ziffern. Die Bezeichnung auf 7v mit gepunkteter Sternverzierung.
Zustand: Sämtliche Blätter an der voderen Ecke des Fußsteges beschädigt.
Seiteneinrichtung: 19,5-20 × 12,5-13,5 cm, einspaltig, 19 Zeilen.
Hände: Vorkarolingische Minuskel.
Schrift: Incipit in Capitalis, zeilenweise rot und schwarz wechselnd. Zählungen und Überschriften zu den Capitula in rubrizierter Unzialis.
Incipit in Capitalis, zeilenweise rot und schwarz wechselnd. Zählungen und Überschriften zu den Capitula in rubrizierter Unzialis.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Zahlreiche Initialen.
  • Initialen:

    Zu den Textanfängen der Capitula zahlreiche kolorierte Hohlbuchstaben und einige schwarze Federinitialen (5v, 6v, 20r, 21r, 23r, 25r) teils mit roter Punktrandung (1,0-12,1). Die Initialstämme an den Enden trichterförmig erweitert mit seitlichen Einrollungen, häufig mit gekernten Knospen und gereihten Perlansätzen (7r, 10r, 13v, 14v, 16r, 16v, 17r, 17v, 21v, 22v, 23r, 26r, 26v, 27r). Als Stammfüllungen dienen das ausgesparte, teils kolorierte Flechtband (3r, 5r, 6r, 8v, 15r, 18r, 21r, 21v, 22v, 24v, 27r), Achterschlingen (sehr häufig, vgl. 7r), das Seilband (5r, 6r, 10r, 13v, 15r, 15v, 20v, 23r, 26r, 27v), sichelförmige Fische mit spitzen Mäulern, gelegentlich mit angedeuteten Schuppen und häufig in Kombination mit Flechtband (3v, 6v, 7v, 8v, 10r, 14v, 15v, 17v, 20v, 21r, 21v, 22v, 25r, 26v, 27r, 28r, 28v), ausgesparte Stege mit Punktverzierung (6r, 10v), eine Auge (13v) und eine kleine Rosette (23v). Einige Initialen mit der Buchstabenform angepassten schwarzen, länglichen Paneelen vor farbigem Grund. Im Besatz ein Pferdekopf (3r), Tierköpfe mit spitzen Ohren (3r, 8r, 9r), gestielte Palmetten (3r), die Profilpalmette mit Spiralansätzen und gelegentlich eingefügten Augen (3r, 8r, 8v, 9r, 9v) und gereihten Perlen (3r). Den Buchstaben voll oder teilweise ersetzend Profilpalmetten (7v, 9v, 11r, 12r), Schlangen/Fabelwesen (8r, 17r, 24v - mit zwei Köpfen) und Fische (13r).

  • Farben:

    Oxidiertes Silber (3r), Mennige, Violett und Beige.
Einband: Papierband mit gebrochenem Rücken (18. oder frühes 19. Jahrhundert), überzogen mit Kiebitzpapier aus der Werkstatt des Buchbinders Anton Friedrich Wirck in Helmstedt.
Geschichte der Handschrift: Die frühe Rechtshandschrift Cod. Guelf. 513 Helmst. wurde nach Bischoff Panorama, 250 Anm. 132 für das wohl in Verbindung mit der Residenz König Pippins (781-810) Skriptorium in Monza vorgeschlagen. Lowe gibt die Westschweiz oder Norditalien als mögliche Entstehungsregionen an (vgl. CLA IX, Nr. 1382) Der Codex gehört zu einer Gruppe von dort entstandenen Handschriften, in deren Zentrum ein prächtiges Purpurlektionar aus Paris steht (Paris, BnF, lat. 9451; weiter Handschriften: Karlsruhe, BLB, Aug. perg. 261, St. Gallen, StiB, Cod. 108, St. Gallen, StiB, Cod. 227 und Wien, ÖNB, Cod. 1616; vgl. CLA IV, Nr. 580; VIII, Nr. 1111; VII, Nrn. 905, 930; X, Nr. 1503). An die Gruppe gliedern sich an und gehören in das Umfeld: München, BSB, Clm 6300, München, BSB, Clm 6286 und Karlsruhe, UB, Aug. perg. CCLIV (CLA IX, Nr. 1266; VIII, Nr. 1110; Nennung bei Holter Buchschmuck, 93, 94). In der Initialsausstattung sind die Achterschlinge (vgl. 7r), Fische und Vögel(köpfe; vgl. St. Gallen, StiB, Cod. 108) aber auch Tier- und Menschenköpfe (vgl. besonders Paris, BnF, lat. 9451) bestimmend. Fabelwesenköpfe und hinterlegte Schriftzüge lassen insulare Einflüsse erkennen (vgl. Karlsruhe, BLB, Aug. perg. CCLXI, 1v (Holter Buchschmuck, Abb. 27). Besonders enge Parallelen zur Wolfenbütteler Handschrift zeigen die beiden Codices aus St. Gallen StiB, Cod. 227, 3r (hier derselbe der I-Initiale aufgesetzte Pferdekopf, wie in Wolfenbüttel 3r) und StiB, Cod. 108 (hier ähnliche sichelförmige Fische). Wie von von Euw festgestellt, ergeben sich in der Schrift beider St. Galler Handschriften paläographische Bezüge zu rätischen Handschriften, wie dem Remedius-Sakramentar (St. Gallen, StiB, Cod. 348; von Euw Liber Viventium, 73). Diese Verwandtschaft zur rätischen Gruppe lässt sich für die Initialausstattung bestätigen. Wie die oberitalienischen Handschriften zeigen auch die rätischen den Buchstabenstamm abschließende, prägnante seitliche Einrollungen und insular geprägte Tierköpfe.
Provenienz der Handschrift: 1r Kopfsteg Lex Alamannorum. Vorsatzblatt mit Helmstedter Signatur J. 3. 4to. Aus dem Nachlass von M. Flacius am 24.04.1597 von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg erworben. 1618 aus Wolfenbüttel in die UB Helmstedt überführt. 1644 im Katalog der Helmstedter UB als Lex gentis Alamannorum instituta temporibus Lotharii. In membrana Vor und hinten defect ohne Band (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 26r).
Inhalt:
1r-29v Lex Alamannorum. 1r-2v Tabula. 3r-29v Text (Leges Alamannorum, hrsg. von J. Merkel, Hannover 1863 [MGH LL, 3], 1-83, hier 41-83, diese Hs. Sigle: B1; Leges Alamannorum, hrsg. von K. Lehmann, Hannover 1966 [MGH LL nat. Germ. 5/1], 36-157, hier 36-49, 63-155, diese Hs. Sigle: A 8; zum Text vgl. ausführlich Wolfenbüttel Helmst. 3 [in Vorb.]).
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

Bischoff Frühkarolingische Handschriften B. Bischoff, Frühkarolingische Handschriften und ihre Heimat, in: Scriptorium 22 (1968), 306–314
Bischoff Katalog 3 B. Bischoff, Katalog der festländischen Handschriften des neunten Jahrhunderts (mit Ausnahme der wisigotischen), Teil 3: Padua–Zwickau, aus dem Nachlass hrsg. von B. Ebersperger, Wiesbaden 2014
Bischoff Panorama B. Bischoff, Panorama der Handschriftenüberlieferung aus der Zeit Karls des Großen, in: Karl der Große. Lebenswerk und Nachleben, hrsg. von Dems., Bd. 2, Düsseldorf 1965, 233–254, hier zitiert nach dem Nachdruck, in: Ders., Mittelalterliche Studien. Ausgewählte Aufsätze zur Schriftkunde und Literaturgeschichte, Bd. 3, Stuttgart 1981, 5–38
CLA Codices Latini antiquiores. A Palaeographical Guide to Latin Manuscripts prior to the ninth century, hrsg. von E. A. Lowe, Bd. 1–12, Oxford 1934–1971
Hartmann M. Hartmann, Humanismus und Kirchenkritik. Matthias Flacius Illyricus als Erforscher des Mittelalters, Stuttgart 2001 (Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters 19)
Holter Buchschmuck K. Holter, Der Buchschmuck in Süddeutschland und Oberitalien, in: W. Braunfels/H. Schnitzler (Hg.), Karolingische Kunst, Düsseldorf 1965 (Karl der Große. Lebenswerk und Nachleben, Bd. 3), 76-114
Krämer S. Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, Bd. 1–3, München 1989–1990 (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Ergänzungsband 1)
Krusch B. Krusch, Die Lex Bajuvariorum. Textgeschichte, Handschriftenkritik und Entstehung, Berlin 1924
McKitterick R. McKitterick, The Anglo-Saxon missionaries in Germany: Reflections of the manuscript evidence, in: Dies., Books, Scribes, and Learning in the Frankish Kingdoms, 6th–9th Centuries, Aldershot u.a. 1994 (Collected studies series 452), Nr. IV, 291–329
McKitterick Carolingian World R. McKitterick, History and Memory in the Carolingian World, Cambridge 2004
Milde Library W. Milde, The Library at Wolfenbüttel, 1550–1618, in: The Modern Language Review 66 (1971), 101–112
von Euw Liber Viventium A. von Euw, Liber Viventium Fabariensis. Das karolingische Memorialbuch von Pfäfers in seiner liturgie- und kunstgeschichtlichen Bedeutung, Stuttgart 1989
Wolfenbüttel Helmst. O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)

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