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Beschreibung von Cod. Guelf. 67 Weiss.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 11. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)

Epiphanius Latinus, Interpretatio evangeliorum

Weißenburg, Benediktinerkloster — 9. Jh., 1. Drittel

Provenienz: Vorsatzblatt recto Benediktinerkloster Weißenburg, Besitzeinträge: Codex sanctorum Petri et Pauli apostolorum in Wissenburg. 1r Codex monasterii sanctorum Petri et Pauli apostolorum in Wißenburg. 2r Weißenburger Signaturenbuchstabe: .E. (14. Jh.). Die Handschrift gelangte über Heinrich Julius von Blum 1690 in den Besitz des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig. Wiener Liste 4°20 (Butzmann Weißenburg, 3–18).

Pergament — 112 Bl. — 23,5 × 15 cm

Lagen: 6 IV (32). IV-1 (39). 8 IV (103). IV+1 (112). Neuere Tintenfoliierung. Schriftraum: 19,2 × 12 cm, einspaltig, 27 Zeilen. Karolingische Minuskel von einer Hand. Adallandus-Gruppe (?), zugehörig: 10 Weiss., 13 Weiss., 14 Weiss., 17 Weiss., 18 Weiss., 24 Weiss., , 43 Weiss., 13 Weiss. und 81 Weiss. (Butzmann Weißenburg, 51–59). Die Handschrift ist bei W. Kleiber im Gruppenzusammenhang erwähnt (vgl. Kleiber Otfrid von Weißenburg, 127.), bei H. Butzmann fehlt sie. Incipits in 1–2zeiliger schwarzer Capitalis (1v, 2v), Kapitelzählungen in roten römischen Zahlen, Kapitelüberschriften in roter Unzialis. Zu zahlreichen Kapiteln 2–3zeilige rote Initialmajuskeln.

Roter Ledereinband (Nigerziegenleder; Neubindung 1966).

INHALT

Epiphanius Beneventanus: Interpretatio Evangelicorum (Sancti Epiphanii Episcopi Interpretatio Evangeliorum, hrsg. von A. Erikson, Lund 1939; CPL 914).

AUSSTATTUNG

Zahlreiche kolorierte Hohlbuchstaben.

Kolorierte Hohlbuchstaben: Zu den Kapitelanfängen zahlreiche kolorierte Hohlbuchstaben (1,5–3,5 cm) und 8 unverzierte, zum Teil mit Schnallen versehene Initialen (2v, 65v, 67r, 91r, 93v, 104r, 108v, 110v). Als Füllmotive dienen das Stufenband (35v, 39v, 58r, 60v, 71r, 84v), die Seilschlinge (37v, 58r, 60v, 71r, 84v), Flechtband (47v, 54v, 59r, 76v, 82v), einfaches Zickzackband (88r; Abb. 235), Dreiecksformen (51r, 54v, 68v, 73r, 88r) und Kreuzblüten (59r, 106). Im Besatz eine Halbpalmette (76v), zweilappige Halbpalmetten mit rückwärts gebogenen Einrollungen (54v, 58r, 59r, 60v, 68v, 71r, 73r, 88r, 106v; vgl. Abb. 230, 234, 235), schlanke Blättchen (31v, 33r, 96v, 102r; Abb. 233) und ein Herzblatt (76v). Als Initialstammendungen farbig gefüllte dreieckige Serifen mit spiralförmigen Einrollungen (vgl. 60v, 47v; vgl. Abb. 230) und einfach gestufte Blüten (76v, 80r).

Farben: Minium, Gelb und freigelassene Pergamentfarbe.

STIL UND EINORDNUNG

Die Handschrift wird von Butzmann Weißenburg, 213 nach Weißenburg gegeben und in die erste Hälfte des 9. Jh. datiert. Bischoff Katalog 3, Nr. 1389 schlägt die Gegend um Weißenburg vor, ohne Datierungsangabe. Enge Parallelen in der Ausstattung ergeben Vergleiche zu 3 Weiss., 72 Weiss., 10 Weiss. und 18 Weiss. So wurde die gleiche Farbpalette in den Handschriften 3 Weiss. und 72 Weiss. verwendet (auch 43 Weiss. besitzt ein ähnliches Farbspektrum). Sämtliche Füll- und Besatzmotive sowie die Initialformen finden in dieser Gruppe ihre Entsprechungen. Die Lokalisierung nach Weißenburg kann somit bestätigt werden, die Datierung ist auf das erste Drittel des 9. Jhs. zu präzisieren.

Wolfenbüttel Weiss., Nr. 4151 (Heinemann Nr.). — CLA IX, Nr. 1389. — Lesne, 707. — Butzmann Weißenburg, 213. — Kleiber Otfrid von Weißenburg, 123–128, 126 Anm. 579. — Krämer, Bd. 1,1.2, 824. — Bischoff Katalog 3, Nr. 1389. — P. Carmassi, Übergänge - Ornamente und Diagramme zwischen Text, Buchstabe und Bild in Handschriften des frühen Mittelalters, in: Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung 22,2 (2017), 408–430, hier 416. — Westphal Buchmalerei Weißenburg, 362.


Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Katalogisierung der illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel Teil I (6.–11. Jh.).
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