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Beschreibung von Cod. Guelf. 75 a Helmst.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Johannes Chrysostomos, In Matthaeum Homiliae
Entstehungsort: Konstantinopel (?)
Entstehungszeit: um 600
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 186 Bl.
Format: 33 × 27 cm
Seitennummerierung: Neuere Tintenfoliierung.
Lagenstruktur: IV (8). IV-2 (14). 3 IV (38). III-1 (43). 10 IV (123). III (129). IV (137). IV-4 (141). IV(149). IV-4 (153). IV-2 (159). IV-3 (164). IV (172). IV-1 (179). IV-1 (186). Griechische Lagenbezeichnungen auf jedem ersten Recto unten links: Γ (15r), ΙΔ (100r), ΙΖ (108r), ΚΗ (180r). Vermerke Α (1r) und Β (9r) fehlen. Lagen ΙΕ und ΙΖ fehlen. Blattverluste.
Zustand: Guter Zustand, Pergament teils wellig. Auf den Haarseiten gelegentlich Tintenfraß.
Seiteneinrichtung: 23,5 × 19,5 cm, zweispaltig, 26 Zeilen.
Hände: Durchgängiger Text von einer Hand.
Maiuscola biblica. Falls Textverlust aufgrund von Tintenfraß vorhanden, auf den Blatträndern gelegentlich Textwiederholungen (vgl. 45v, 60, 50r; Majuskel, Hand des 10. Jahrhunderts[?]; (D. Harlfinger, Weitere Beispiele frühester Minuskel, in: I manoscritti greci tra riflessione e dibattito, hrsg. von G. Prato, Florenz 2000 [Papyrologica Florentina 31], Bd. 1, 153-156, Taf. 1-3a.; L. Perria, Graphis. Per una storia della scrittura greca libraria [secoli IV a.C. - XVI d.C.], Rom 2011, 68). Von derselben Hand zahlreiche lateinische Übersetzungen, marginal und interlinear. Zahlreiche Textverbesserungen (Leserlichkeit) von einer weiteren Hand.
Schrift: Textüberschriften in roter Unzialis.
Textüberschriften in roter Unzialis.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Zahlreiche unverzierte Initialen. Zwei Zierinitialen. Zahlreiche Schlusstitelverzierungen.
  • Schlusstitelverzierungen:

    Schlusstitel mit Coronides-Borten (Winkelborten: 18r, 43v, 62r - mit zwei gegenständigen Winkeln, 73r, 83r, 146v, 159r - rahmende Borte, 186r ; einfache Borten: 98r, 128v, 152v, 176v) und zusätzlichem Schlusstitelornament, wie gereihten Punktverzierungen mit angehängten Herzblättern (18r, 186r), eingefügten Fruchtständen mit eingerollten Trieben (18r, 43v, 62r, 73r, 83r, 146v, 159r, 176v, 186r Weinreben? - diese auch häufig als Eck- bzw. Endverzierungen der Borten) und Vögeln (62r, einen Fruchtstand flankierend). Die Borte als Wellenlinie mit Blüteneinsätzen. Winkelborten: 7-15,1 × 2,3-9 cm, einfache Borten: 1,5-3.
  • Initialen:

    147r und 33v verzierte, einzeilige Initialen. Als Buchstabenersatz (Ersatz der E-Haste) eine Wellenlinie mit Punktverzierung (33v), als Verzierung im Binnenfeld ein Kreuz mit Punktverzierungen an den Kreuzenden (147r). Zu einigen Textpassagen unverzierte Initialen mit mittig verstärkten Initialstämmen und dreieckig erweiterten Stammenden (mit stumpfer Seite nach außen; vgl. 10v). Die Initialen stehen als hängende Initialen frei vor dem jeweils zweiten Buchstaben des Wortes, halb aus dem Text auf den Blattrand gerückt.
  • Farben:

    Tintenfarbe und Details in Rot.
Einband: Mittelbrauner Ledereinband (18. Jahrhundert). Oben rechts (unter Rasur): Ex Fl. Darüber T. 21 (alte Helmstedter Signatur). Auf einem am Spiegel angeklebten Zettel: T. F. 21.
Geschichte der Handschrift: Die Wolfenbütteler Chrysostomos-Handschrift gilt als das älteste erhaltene griechische Manuskript mit Texten des Kirchenvaters und wurde von Nordenfalk nach Konstantinopel lokalisiert (Nordenfalk Zierbuchstaben, 119, 125 Anm. 3, 161, Taf. 25b und c). Tischendorf gibt die Handschrift in das 6. Jahrhundert (Novum Testamentum graece, hrsg. von C. Tischendorf, editio octava critica maior, IV., Leipzig 1894, 1174), Cavallo in das 7. (G. Cavallo, Ricerche sulla maiuscola biblica, Florenz 1967 [Studi e testi di papirologia 2], 106, Taf. 95). Die Wolfenbüttler Homilien-Sammlung zählt zu den wenigen erhaltenen griechischen Handschriften überhaupt, die vor 800 entstanden sind. Der Texttypus ist eine Rarität, da es sich in den meisten erhaltenen Fällen um Bibelhandschriften handelt. Der Text verweist auf eine Benutzung während des Mittelalters als Predigttext, vermutlich in Süditalien (bei den ausgewählten Homilien handelt es sich vorrangig um Predigten zu Anlässen des Kirchenjahres in vorösterlicher Zeit). Die Bildausstattung der Handschrift mit ihren Schlußtitelverzierungen und dem sparsamen Initialsschmuck vergesellschaftet sie mit ähnlich ausgestatteten spätantiken, griechischen Bibelhandschriften: Codex Sinaiticus, London, BL, Add. Ms. 43725, Sinai, Katharinenkloster; Leipzig, UB, Cod. gr. I; St. Petersburg, Russische Nationalbibliothek, Mitte 4. Jahrhundert. Codex Vaticanus, Rom, BAV, Vat. gr. 1209, 2. Hälfte 4. Jahrhundert. Codex Alexandrinus, London, BL, Ms. Royal 1. D. V-VIII, 1. Hälfte 5. Jahhrundert (vgl. Nordenfalk Zierbuchstaben, 97-116). Gemein ist diesen Handschriften die Verwendung von aufwendig verzierten Schlußtiteln. Es handelt sich um sogenannte Coronides-Borten, die sich in frühen griechischen Handschriften aus einfachen, den Textschluss (die Coronides) begleitenden Lesezeichen, hin zu aufwendiger gestalteten, häufig in der Form eines "einarmigen" Kreuzes angeordneten Zierleisten entwickelten. Sie wurden vom Schreiber in Schrifthaltung eher geschrieben, als gezeichnet (vgl. 18r, 62r und 176v). Eine dem Wolfenbüttler Codex äußerst ähnlich arbeitende Hand findet sich in der jüngsten, der erhaltenen Bibelhandschrift, dem Codex Alexandrinus (vgl. Nordenfalk Zierbuchstaben, fig. 25 - gleiche Borte). Ein spätes Beispiel aus dem 10. Jahrhundert gibt die griechische Bibel von León (Rom, BAV, Reg. gr. 1A). Wie in der Wolfenbütteler Chrysostomos-Hanschrift wurden auch im Codex Alexandrinus die "einarmigen" Kreuze bereits gegen Winkellösungen ausgetauscht (die Winkellösung findet anschließende häufig in griechischen Handschriften des 9. Jahrhunderts Verwendung, vgl. Paris, BnF, gr. 2389, Paris, BnF, gr. 510; 879-882; Rom, BAV, Vat. Pal. gr. 14; vgl. La Bible du Patrice Léon. Codex Reginensis Graecus 1. Commentaire codicologique, paléographique, philologique et artistique, hrsg. von P. Canart [Studi e Testi 463], Vatikan 2011, 195-272 [I. Hutter, The Decoration], 208). Den Titeln wurden, wie in Wolfenbüttel Fruchtstände und Vögel, gelegentlich Vasen, Kannen, Körbe oder Pflanzenstauden hinzugegeben (vgl. Nordenfalk Zierbuchstaben, fig. 26 und 27 - vermutlich Lebensbaummotive). Die bereits frei stehenden, bzw. hängenden Initialen zeigen einen Fortschritt in der Initialentwicklung, der sich bereits im 6. Jahrhundert in griechischen Handschriften, ausgehend von sogenannten stehenden, also auf der jeweiligen Textzeile ruhenden Initialen, vollzogen hat (Wechsel nach der Mitte des 6. Jahrhunderts; vgl. Nordenfalk Zierbuchstaben, 128). Mit der Wolfenbütteler E-Initiale auf 33v zeigt sich wieder eine äußert enge Parallele zum Codex Alexandrinus (vgl. 347v; Nordenfalk Zierbuchstaben, Taf. 25a - gleiche Haste). Im Pariser Octateuch (Paris, BnF, Coislin gr. 1, Konstantinopel [?], 6. Jahrhundert) liegen ähnlich kreisrunde, mittig verdickte Initialen wie in Wolfenbüttel vor (vgl. 33v mit Paris, 125v; Nordenfalk Zierbuchstaben, Taf. 33d; zu den Initialen vgl auch K. Krause, Die illustrierten Homilien des Johannes Chrysostomos in Byzanz, Wiesbaden 2004, 144 Anm. 900).
Provenienz der Handschrift: Frühe Provenienz unklar. Die lateinischen Übersetzungen von der Hand des 10. Jarhunderts zeigen, dass die Handschrift bereits früh in einem zweiprachigen Umfeld in Gebrauch war (Süditalien oder Nordostitalien, um Ravenna; vgl. Officia Divina, 98). Von Herzog Julius für die Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel erworben. 1588 im Catalogus Bibliothecae divi Julii ducis Brunsvicensis et Luneburgensis (Niedersächisches Landesarchiv - Staatsarchiv Wolfenbüttel, 1 Alt 22, 83, 22r-35v, hier 23r), von Elias Bodenburgk erwähnt: Ein schon alt buch auff Pergamen mit griechischen littern geschrieben und in dicken Brettern gebunden. Seit 1618 in der Universitätsbibliothek Helmstedt (vgl. Signatur Einband). 1815 gelangte die Handschrift in die Herzog August Bibliothek.
Inhalt:
  • 1r-186r Johannes Chrysostomos: In Matthaeum Homiliae. 17 von 90 Homillien der Kommentierung zu Matthäus: Homilia 33, 35-37, 41-43, 46, 73, 79, 80, 85-90 (PG 57-58; CPG 4424; Reihenfolge und Fehlstellen, vgl. Wolfenbüttel Helmst. 1, 102-103; vgl. D. Wuttke, , Telos als Explicit, in: Das Verhältnis der Humanisten zum Buch, hrsg. von F. Kraft, D. Wuttke, Boppard 1977, 47-62, hier Abb. 2; L. Reynhout, Formules Latines de Colophons, Turnhout 2006 [Bibliologia 25], 295-302).
  • 18r-19v Andreas Cretensis: Canon in mulieres unguiferentes. Odae 3-6 (unvollst., vgl. CPG 8219; D. Harlfinger, Pentekostarion charmosynon … , Rom 1983, 96-102; Text: E. R. Smothers, Four Greek hymns, in: Mélanges Joseph de Ghellinck S. J., in: Antiquité, Gembloux 1951 [Museum Lessianum Sect. hist. 13], 331-344.). Nachträge aus dem 8. Jahrhundert auf den Blatträndern.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

CPG Clavis patrum Graecorum, Bd. 1–6, hrsg. von M. Geerard und J. Noret, Turnhout 1974–2003 (Corpus Christianorum. Series Graeca)
Divina Officia P. Carmassi, Divina officia. Liturgie und Frömmigkeit im Mittelalter, Wiesbaden 2004 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 83)
Ebert F. A. Ebert, Bibliothecae Guelferbytanae Codices Graeci et Latini Classici, Leipzig 1827 (Zur Handschriftenkunde 2)
Griechische Handschriften Ausst.-Kat. Griechische Handschriften und Aldinen, bearb. von D. Harlfinger und M. Sicherl, Wolfenbüttel 1978 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 24)
Härtel Kostbarkeiten H. Härtel, Kostbarkeiten aus den Sammlungen der Herzog August Bibliothek. Eine Führung von der Spätantike bis zur Reformation. Ausgewählt und eingeleitet von H. Härtel, hrsg. von H. Schmidt-Glintzer, Wolfenbüttel 1999
Milde Mittelalterliche Handschriften der Herzog August Bibliothek, ausgewählt und erläutert von W. Milde, Frankfurt/M. 1972 (Kataloge der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Sonderbd. 1)
Nordenfalk Zierbuchstaben C. Nordenfalk, Die spätantiken Zierbuchstaben, Text- u. Tafelband, Stockholm 1970 (Die Bücherornamentik der Spätantike 2)
PG Patrologiae cursus completus. Series Graeca, Bd. 1–161, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1857–1866
Schönemann Merkwürdigkeiten 1 C. P. C. Schönemann, Merkwürdigkeiten der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Bd. 1: Hundert Merkwürdigkeiten der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Hannover 1849
Tewes B. Tewes, Die Handschriften der Schule von Luxeuil. Kunst und Ikonographie eines frühmittelalterlichen Skriptoriums (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 22), Wiesbaden 2011
Wolfenbüttel Helmst. O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Wolfenbüttel Helmst. 1 Katalog der mittelalterlichen Helmstedter Handschriften, Teil 1: Cod. Guelf. 1 bis 276 Helmst., beschrieben von H. Härtel, C. Heitzmann, D. Merzbacher, B. Lesser, Wiesbaden 2012

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