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Beschreibung von Cod. Guelf. 79 Gud. lat.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 11. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)

Sammelhandschrift

Limoges, Benediktinerabtei Saint Martial — um 1000/11. Jh., Anfang

Provenienz: Auf der Innenseite des VD: anno gratie. Mo. cc. xx. iii. ii. jdus iulii obijt philipus rex quadragesimo quarto regni sui anno. etatis sue quinquagesimo octavo Regnavit ludovicus filiu[sic] eius pro eo. xxxiiii annorum. L. Regnare cepit cum Philipo fratre suo qui ipso anno cingulum milicie a ludovico acceperat (Notiz zum Thronwechsel nach dem Tod Philipp Augusts II. von Frankreich 1223). Bischoff identifiziert die Schreiberhand aus dem 13. Jh. mit der des Bernardus Iterius, einem Limoger Bibliothekar aus St. Martial (1163–1225; Bischoff Mittelalterliche Studien, Bd. 3, 308). Itier war vermutlich für die Zusammenstellung dieser Schriften, die vermutlich unter Ademar von Chabannes (988–1034) in Limoges erstellt worden sind, verantwortlich (vgl. van Els Transmitting Knowledge, 472, Anm. 18). 1710 gelangte die Handschrift nach Wolfenbüttel (zur Sammlung Gude in Wolfenbüttel vgl. Lesser Ornamentum, 445–516).

Pergament — 97 Bl. — 28,4 × 18 cm

Lagen: Aus 8 Teilen zusammengesetzt: A Vorsatzblatt + 1r–20v, B 21r–28v, C 29r–38v, D 39r–58v, E 59r–62v, F 63r–77v, G 78r–93v, H 94r–97v (vereinfachte Aufteilung vgl. van Els Transmitting Knowledge, 471–472). Vorderes Schutzblatt (Pergament) nicht mitgezählt. VI (11). V-1 (20). IV (28). V (38). VI (50). IV (58). II (62). IV (70). IV-1 (77). 2 IV (93). II (97). Lagenbezeichnungen am unteren Blattrand: 12r II (Lagenanfang), 21r 1H mit darüber gezeichnetem Kreis, 39r und 51r Bezeichnungen in römischen Ziffern (aufgrund von Blattbeschnitt unkenntlich), 50v.I, 59r VII, 63r VIII, 71r VIIII, 86r XI (59r–86r von einer Hand). Moderne Tintenfoliierung. Frei eingelegter Pergamentfalz mit vorkarolingischer Minuskel (8. Jh., Norditalien). Der Streifen gehört zu einem Homiliar, dessen zugehörige Handschrift in späterer Zeit in Saint Martial in Limoges zu Bindezwecken zerteilt wurde. Zugehörig: Paris, BnF, lat. 2367, fol. 111; Paris, BnF, nouv. acq. lat. 2479 [4 Bl.] (CLA V, Nr. 553; Bischoff Katalog 3, Nr. 4277).

Roter Schafsledereinband (17. Jh.).

STIL UND EINORDNUNG

A. van Els gelang es, die vorliegende Handschrift als Autograph des ca. 988–1034 in St. Martial in Limoges als Schreiber und Lehrer tätigen Mönches Ademar von Chabannes zu identifizieren (weitere Ademar-Autographen in Limoger Schulhandschriften: Paris, BnF, lat. 7321 und Leiden, UB, Cod. VLO 15 (olim. Voss. lat. oct. 15); van Els Transmitting Knowledge, 466f., 471, 473, 498). Handschriften, die in diesem Zeitraum in Limoges entstanden, nachweislich oft unter der Mitwirkung Ademars, weisen einen Buchschmuck auf, der ältere Vorbilder desselben Skriptoriums aufgreift. Als Vorlage diente hierbei Paris, BnF, lat. 5 [1] und [2] (Erste Bibel von Saint Martial von Limoges), die um 1000 von einem Bonibertus geschrieben wurde, der sich im im Kolophon selbst nennt (zur Bibel vgl. Gaborit-Chopin Saint-Martial de Limoges, 42–52). Aufgrund der hier verwendeten Vielzahl von Initialtypen und Formen erscheinen die Limoger Handschriften um 1000 im Buchschmuck eher heterogen (eine Zusammenstellung der Handschriften bei Gaborit-Chopin Saint-Martial de Limoges, 53–58). Ein ähnlicher Initialtyp mit Endgeflechten und gleiche Farbpalette zeigt Paris, BnF, lat. 5321, 24r, Anfang 11. Jh. (Gaborit-Chopin Saint-Martial de Limoges, 206f.). Die ausgesparte Palmettenranke, ebenfalls in Anlehnung an die erste Limoger Bibel, kommt sehr häufig vor (vgl. Paris, BnF, lat. 5301, 270v, um 1000, Anfang 11. Jh.; Gaborit-Chopin Saint-Martial de Limoges, 206, Abb. 58). Die in der Wolfenbütteler Handschrift als Endmotive verwendeten Knospenfomen zeigt das Tropar Paris, BnF, lat. 1120, 106r, um 1029 (Gaborit-Chopin Saint-Martial de Limoges, 186f.).

Wolfenbüttel Gud., Nr. 4383. — Bischoff Mittelalterliche Studien, Bd. 3, 308. — Odelman Les prosules limousines de WolfenbüttelHaug Neue Ansätze, 103f. — Divina officia, Nr. 88 (A. Haug). — Bergmann/Stricker Glossenhandschriften, Nr. 977d. — van Els Transmitting Knowledge, 467, 471, 473, 498.

A

Limoges, Benediktinerabtei Saint Martial — um 1000

Schriftraum: 22,2 × 12,4 cm, einspaltig, 19 Zeilen. Karolingische Minuskel von zwei Händen. Satzmajuskeln, teils geringfügig verziert als Hohlbuchstaben, mit Punktverdickungen und ausgesparter Blattverzierung (5v). Neumen auf den unteren Blatträndern (5r, 10v und 15r) und interlinear.

INHALT

1r–20v Alleluia-Prosulae (Edition: Odelman Les prosules limousines de Wolfenbüttel; Literatur: Haug Neue Ansätze, 103f.; M.-N. Colette, und G. Iversen, La parole chantée. Invention poétique et musicale dans le Haut Moyen Âge occidental, Turnhout 2014, 197 Anm. 11 und 12; G. Iversen, Le son de la lyre des vertus. Sur la musique dans la poésie liturgique médiévale, in: La place de la musique dans la culture médiévale, hrsg. von O. Cullin, Turnhout 2007, 64, Anm. 17 und 18).

STIL UND EINORDNUNG

Der von Heinemann noch als lateinische Sequenzen bezeichnete Text, wurde bereits von Bischoff als beträchtlicher Schatz von Tropen des Limousiner Stils erkannt (Bischoff Mittelalterliche Studien, Bd. 3, 308). Die nur geringfügig verzierten Auszeichnungsschriften stehen der Initialornamentik in den Teilen D und F sehr nahe.

B

Limoges, Benediktinerabtei Saint Martial — 11. Jh., Anfang

Schriftraum: 24,0 × 13,0 cm, einspaltig, 36 Zeilen. Karolingische Minukel von einer Hand. Textüberschriften in roter oder schwarzer Capitalis Rustica. Zum Textbeginn auf 22r eine rote einzeilige Initialmajuskel mit ausgesparter Achterschlinge.

INHALT

21r–28v Muridac: Rudimenta Grammaticae (CLH 2, 667; Sharpe 1069; CC CM 40, XLVf. und 46–75 Z. 54; van Els Transmitting Knowledge, 467, 471, 473, 498).

AUSSTATTUNG

1 Initiale.

Initiale: 21r zum Textbeginn eine Flechtbandinitiale (9,0 cm). Dunkelkonturierter Initialstamm mit End- und Gliederungsgeflecht. Der Initialstamm gefüllt mit ausgespartem Flechtband und Palmettenranke. An den Endungen Knospen mit seitlich abgewinkelten Spitzblättern. Die Gründe der End- und Gliederungsgeflechte mit Punktfüllungen. In den freien Flächen des Binnenfeldes wurden zwei Tierköpfe (Fabelwesen) und ein Gesicht eingezeichnet (zeitgleiche Hand). Der Bogen der P-Initiale ist mit dem Initialstamm nicht direkt verbunden (oben in das Endgeflecht eingehakt).

Farben: Die Initiale ist mit schwarzer Feder gezeichnet und mit Rot nachgezeichnet und ausgefüllt worden.

C

Limoges, Benediktinerabtei Saint Martial (?) — um 1000

Schriftraum: 22,5 × 15,8 cm, einspaltig, 28 Zeilen. Karolingische Minuskel Haupttext mit Glossentext von einer 2., zeitgleichen Hand. Kalenderüberschriften in roter Capitalis Rustica. Zahlreiche rot gezeichnete Tabellen 30r–v ganzseitig, 31r–37v auf der rechten Blatthälfte.

INHALT

29r–30v Boethius: De institutione musica (C. Meyer, Boèce. Traité de la musique, Turnhout 2004; CALMA 2, 430 Nr. 13). 29r–38v Martyrologium de circulo anno. 31r–37v Calendarium.

D

Limoges, Benediktinerabtei Saint Martial — um 1000

Schriftraum: 23,0 × 12,5 cm, einspaltig, 21–23 Zeilen. Karolingische Minuskel von einer Hand Zu den Versabschnitten 1–3 zeilige Initialmajuskeln, zum Teil verziert (s.u.). Die Überschriften in Capitalis Rustica. 43v rubriziert.

INHALT

39r–56r Beda Venerabilis: De arte metrica (CPL 1565; CC SL 123A, 81–141). 56r–58v Beda Venerabilis: De schematibus et tropis (Edition: CPL 1567; CC SL 123A, 142–151 Z. 149; CALMA 2, 176 Nr. 31).

AUSSTATTUNG

7 verzierte Initialmajuskeln.

Zu den Versanfängen verzierte, unkolorierte Initialmajuskeln (51v, 52v, 53v, 54r - 2x, 54v - 2x; 0,8–2,0 cm). Das ausgesparte Ornament mit federartig angelegten Profilpalmetten (vgl. 51v, 54r), gelängte Achterschlaufen (51v) und Punktverdickungen (52v).

E

Limoges, Benediktinerabtei Saint Martial — um 1000

Schriftraum: 21,4 × 11 cm, einspaltig, 37 Zeilen. Karolingische Minuskel von einer Hand.

INHALT

59r–61v Beda Venerabilis: Schematibus et tropis (CC SL 123A, 151 Z. 149–171). 61v–62v Gaius Marius Victorinus: De Arte grammatica. De accentibus (CPL 1543a; Keil, Bd. 6, 192, 14–193, 27).

F

Limoges, Benediktinerabtei Saint Martial — um 1000

Schriftraum: 24,0 × 17,0 cm, zweispaltig, 44 Zeilen. Karolingische Minuskel von einer Hand. Zu Beginn jeder Zeile der Anfangsbuchstabe in Capitalis Rustica. Die Versanfänge mit 1–3zeiligen Initialmajuskeln, einige verziert (s.u.). Incipits und Explicits in Capitalis Rustica.

INHALT

63r–77v Arator: De actibus apostolorum (CPL 1504).

AUSSTATTUNG

10 verzierte Initialmajuskeln.

Zu den Versanfängen verzierte, unkolorierte Initialmajuskeln (63v, 64r, 66r, 67v, 68r, 68v, 70r, 71v, 73r, 75v; 0,9–2,0 cm). Das ausgesparte Ornament mit federartig angelegten Profilpalmetten. Das ausgesparte Ornament wie in Teil D (39v–58v).

G

Limoges, Benediktinerabtei Saint Martial (?) — um 1000

Schriftraum: 23,9 × 15,5 cm, zweispaltig (78r–v einspaltig), 44 Zeilen. Karolingische Minuskel von einer Hand. Zu Beginn jeder Zeile der Anfangsbuchstabe in rubrizierter Capitalis Rustica.

INHALT

78r–89v Sedulius: Opera (CPL 1447–1449; CSEL 10 [2007]). 89v–93va Persius Flaccus, Aulus: Saturae (Edition: Aulus Persius Flaccus, Satiren, hrsg. von W. Kißel, Heidelberg 1990). 93vb Vita Persi (A. Persi Flacci et D. Iuni luvenalis Saturae, hrsg. von W.V. Clausen, Oxford 1968, 30–34).

H

Limoges, Benediktinerabtei Saint Martial (?) — um 1000

Schriftraum: 21,5 × 13,0 cm, einspaltig, 35 Zeilen. Karolingische Minuskel von einer Hand. Hervorgehobene Textabschnitte in Capitalis Rustica. Interlineare Neumen.

INHALT

94r–97v Brevierfragment. Officium beatae Valeriae Cemavicensis (teilweise mit Neumen).


Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Katalogisierung der illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel Teil I (6.–11. Jh.).
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