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Beschreibung von 4° Cod. Ms. theol. 293
Lukas Wolfinger: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen volkssprachigen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Lukas Wolfinger.
Handschriftentitel: Katechetisch-historischer Sammelband
Entstehungsort: Aalen
Entstehungszeit: 15. Jh., 3. V. bzw. 1467
Katalognummer: Meyer-Sign. Theol. 293
Beschreibstoff:
  • Papier.
  • Wasserzeichen: Turm (WZIS DE3270-theol293_A; Variante 1472); Horn (WZIS DE3270-theol293_51; Variante Aalen, 1453; ähnlich auch WZIS DE6300-PO-120323 - Öttingen, 1453); Horn (WZIS DE3270-theol293_9; Variante Aalen, 1455); Ochsenkopf (WZIS DE_3270-theol293_72; ähnlich WZIS DE2910-PO-59966 und WZIS DE2910-PO-59967 - beide Freiburg i. Br., 1468); Ochsenkopf (WZIS DE3270-theol293_92; ähnlich WZIS DE2910-PO-56746, Freiburg i. Br. 1468 und WZIS DE8085-PO-60072, Urach 1467); Ochsenkopf (WZIS DE3270-theol293_96; ähnlich WZIS DE6300-PO-69046, Öttingen 1466 und WZIS DE8085-PO-69047, Aalen 1466); Ochsenkopf (WZIS DE3270-theol293_106; ähnlich WZIS DE8085-PO-69042, Hohenrechberg 1464).
Umfang: V, 108,I Bl.
Format: 22,1 × 32,4 cm
4
Seitennummerierung: Moderne Bleistiftfoliierung: 1-106, zwei zuerst nicht foliierte leere Bl. nun als 70a und 70b bezeichnet; der ursprüngliche VS ist als Bl. A gezählt, das Vorsatz- und Nachsatzbl. hingegen sind ungezählt.
Lagenstruktur: Dem mittelalterlichen Buchblock sind vorne zwei moderne Vorsatzbl., auf denen zwei Briefe und die Handschriftenbeschreibung von Wilhelm Meyer aus dem Jahr 1893 befestigt sind, sowie der ursprüngliche VS vorangeklebt; danach folgen: 9 VI (106); nach der letzten Lage noch ein modernes Nachsatzbl.; durchgehend Reclamanten.
Zustand: Teilweise Insektenfraß sowie Wasserflecken entlang der Seitenränder; auf 106v ein kleines Papierfragment mit Resten mittelalterlicher Schrift zur Verklebung eines Lochs im Blatt verwendet.
Seiteneinrichtung: Unterschiedlich großer Schriftraum in den zwei Teilen der Handschrift;
  • auf 1r-70bv (Teil I) 21 × 15 cm, zweispaltig, 36 bis 40 Zeilen
  • ; auf 71r-106v (Teil II) 23 × 15 cm, zweispaltig, 32-35 Zeilen.
  • Hände: Haupttext von einer Hand in gleichmäßiger, geübter Bastarda geschrieben; an den Seitenrändern bisweilen fehlende Wörter nachgetragen; von einer anderen Hand stammen zwei Jahres-Berechnungen auf dem ehemaligen VS (Av) und auf 106v (s. dazu unter Einband); zudem hat ein weiterer Schreiber Randnotizen auf 101v und 104r eingetragen.
    Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
      Durchgängig rubriziert;
    • schlichte Initialen in roter Tinte.

    • Im Etymachietraktat auf 57va-70vb ist Platz gelassen für Illustrationen, die aber nicht ausgeführt sind. 'Die Kurze Bibel' ist auf den Seiten 71v bis 93r mit einem Stammbaum illustriert, der von Adam und Eva bis zu Jesus Christus reicht und neben schwarzer Tinte auch mit roter, blauer und gelber gestaltet ist. In diesen Stammbaum sind zwei Schemata eingefügt: I) der 12 Stämme Israels und der Landverteilung in Ios 21 (77v) sowie II) der Stadttore von Jerusalem (89r); auf 77r außerdem ein Kanonbogen, der Aufenthaltsorte des Volkes Israel auf seinem Weg aus der ägyptischen Gefangenschaft in das gelobte Land umfasst.

    Einband: Dunkelbrauner Ledereinband; stark beschädigte mittelalterliche Einbanddecke bei Restaurierung über neue Pappdeckel gezogen; Streicheisenlinien sowie zwei Blindstempel einer unbekannten Werkstatt (Rosetten, jeweils mit einem Blattkranz und sechs rundovalen Blättern: EBDB s037755 und EBDB s037754); Abdrücke bzw. Spuren von fünf Metallbuckeln und von zwei Schließen; auf dem Rücken ein rotes Titelschildchen mit der Aufschrift Hans Geuss et alia; unten am Rücken zudem aufgeklebt ein Papierschildchen mit moderner Göttinger Signatur (Cod. MS. theol. 293); diese ist mit Bleistift auch eingetragen am oberen Rand des aktuellen VS (4° Cod. Ms. theol. 293); ebd. darunter aufgeklebt gedrucktes Formular mit der Angabe digitalisiert 2018 und dem handschriftlichen Vermerk 232; die moderne Signatur ist auch eingetragen auf dem ursprünglichen VS (nun fol. Av); ebd. links daneben die Erwerbungsnotiz Aus G.W. Zapfs bibliothek zu Augsburg. (1784) sowie mit Bleistift vermerkt die Ziffer 6, die sich offenkundig auf die entsprechende Nummer der Handschrift im Manuale der Göttinger Universitätsbibliothek bzw. auf den Auktionskatalog des letzten Vorbesitzers, Georg Wilhelm Zapf, bezieht (s. unter Herkunft); darunter in roter, teilweise oxidierter Tinte der spätmittelalterliche Eintrag: Dis tractat hat der erwirdig lerer maister Hans Geuͥsz zeteuͥtzsch gemachet vnd hat das gezogen vss andern bewaͤrten buͤchern der hailgen geschrifft vss dem von den hohen sinnen und Dinkelspühel vnd andern do er was ain beiycht vatter der durchleüchten hochgeboren fürstin fraw Elszen kayser Sigmunds dochder küng Albrechts herczzogen zů Österreich gemahel vnd küng Ladislaus můter vnd von ir bett vnd begerung hat er ander teützschü buͤcher auch gemachet anno XLVIIIo. Dieser Eintrag ist auch abgedruckt bei Dibelius Das Vaterunser, S. 168 sowie bei Graf Exemplarische Geschichten, S. 195; zu Johannes Geuß s. etwa 2VL 3, Sp. 34-36. Auf die am Ende genannte Jahreszahl nimmt eine Rechnung bzw. Subtraktion Bezug, die unter diesem Eintrag notiert ist. Darin werden von der Jahreszahl 1563 die Jahre bis 1448 subtrahiert - offenbar, um die Zeitspanne auszurechnen, die seit genannten Datum bis zum Jahr 1563 vergangen war: 1563-1448=115; die einzelnen Rechnungsposten sind dabei untereinander angeordnet. Eine analog gestaltete und von derselben Hand notierte Rechnung findet sich auch am Ende der Gmünder Chronik auf 106v (s. dazu beim Inhalt).
    Zusatzmaterial:

    Fragmente: Aus der Handschrift sind sechs Pergamentstreifen ausgelöst, die zur Falzverstärkung verwendet waren; sie werden in der Fragmentesammlung der SUB Göttingen aufbewahrt (bis zum Jahr 2018 unter der Faszikelnummer IV,7; seit der Neuordnung der Sammlung jedoch unter den Signaturen Fragm. Ms. 01695 bis Fragm. Ms. 01700). Sie stammen offenkundig von drei verschiedenen Pergamenturkunden. I: Einer der Fragmentstreifen gehörte zu einer Urkunde, die von Hans und Wilhelm von (Hohen-)Alfingen (Willhalm und Hans von Hochenahelfingen) ausgestellt wurde; es handelt sich hier wohl um jene beiden Adeligen dieses Namens, die in den 1440-1460er-Jahren nachweisbar sind; s. zu ihnen etwa folgende Urkunden: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg, Sign. B 389 U 2197 (1444); Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg, Sign. B389 Z 2188 (22.08.1445); Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg, Sign. B389 U 2189 (13.11.1448). II: Zwei weitere Pergamentsreifen waren Teil einer Urkunde, die wohl Güter- oder Geldgeschäfte betraf und von Hans Ott und seiner Frau Anna (ich obgenantter Hanns Ott vnd ich Anna sein elichu hawsfraw bzw. ich obgenantter Hanns Ott vnd ich Anna Wyczboltin) ausgestellt wurde für Hans Müller (Hannsen Muͥller); erhalten ist auch der Name eines Siegelzeugen, Ulrich von Roden (Vͦlrich von Rodens). Bei diesem handelt es sich wohl um den Aalener Bürger Ulrich von Roden, der um die 1440er-Jahre nachweisbar ist (s. etwa folgende Urkunde: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg, Sign. B 207 U 477; vom 25.05.1446) und die Urkunde als Vertreter der Stadt Aalen besiegelt haben könnte. Klaus Graf weist die drei Urkundenfragmente von I und II - durchaus plausibel, aber vielleicht nicht zwingend - der auch sonst nachweisbaren Hand eines Aalener Stadtschreibers zu, den er zudem als Schreiber der vorliegenden Handschrift identifiziert (Graf Exemplarische Geschichten, S. 197-198; in einer früheren Publikation hatte Graf suggeriert, dass es sich bei dem besagten Stadtschreiber um Heinrich von Rang gehandelt habe, diese These dann aber nicht mehr wiederholt; vgl. ebd. sowie Graf Eine Aalener Handschrift, S. 164; zu Heinrich von Rang s. 2VL 3, Sp. 865-867); III: Die drei übrigen Pergamentstreifen stammen von einem Schreiben, in dem von Unterredungen und schriftlicher Korrespondenz zwischen dem Markgrafen Albrecht (Achilles) von Brandenburg (marggrrave Albrecht von Branndburg), Heinrich (XI.) von Pappenheim (Heinrichen marschalck zu Pappennheim) und Rudolf (IV.) von Sulz ([Ru]dolf von Sultz) sowie den Reichsstädten Augsburg und Ulm bzw. deren Rat (mit vnnser guten freunde der von Augspurg, Vlmen vnd vnser ratsfreunden) berichtet wird. Das Schreiben war offenbar Teil einer Korrespondenz zwischen zwei Städten, als Empfänger liegt die Stadt Aalen nahe; Graf Exemplarische Geschichten, S. 196 nimmt an, dass es sich um ein Schreiben der Reichsstadt Nürnberg handelte und überlegt eine Einordnung in den Kontext der kaiserlichen Landfriedensbestrebungen von 1466.

    Brief: auf einem der beiden modernen Vorsatzbl. ist eingeklebt ein Schreiben von Klaus Graf (Schwäbisch Gmünd, 29.04.1982) an die Handschriftenabteilung der SUB Göttingen, enthaltend Dank für die Übersendung von Wasserzeichen-Durchreibungen zur vorliegenden Handschrift, zudem Ergebnisse aus der Analyse besagter Wasserzeichen und die Kopie eines Antwortschreibens aus dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart, das K. Graf auf seine Nachfrage zu den Wasserzeichen von selbigem erhalten hatte.

    Entstehung der Handschrift: Bereits die personellen Bezüge, die in den Fragmenten erkennbar sind, sowie Interpolationen im letzten Text der Handschrift, der Gmünder Kaiserchronik, sprechen für eine Entstehung in oder um Aalen (vgl. Graf Exemplarische Geschichten, S. 196); die schwäbische Schreibsprache stützt diese Einordnung. Tatsächlch dürfte die Handschrift von einem Aalener Stadtsschreiber, der auch sonst nachweisbar ist, geschrieben worden sein (vgl. Graf Exemplarische Geschichten, S. 197-198), und zwar in zwei Teilen (I: Bl. 1-70; II: Bl.71-106); dafür sprechen mehrere Argumente: Erstens unterscheiden sich beide Abschnitte sowohl in den Motiven als auch in der Datierung der Wasserzeichen. Während die Wasserzeichen im ersten Teil (Turm und Hörner) ihre beste Entsprechung in den 1450er-Jahren finden, legen die Ochsenköpfe des zweiten Teils eine Datierung in den 1460er-Jahren nahe und tatsächlich besagt der Schreibervermerk am Ende der Handschrift bzw. des zweiten Teils auf 106v: geschriben anno [14]67°. Beide Teile unterscheiden sich auch in der Größe des Schriftspiegels und der Zeilenzahl sowie in ihrer thematischen Ausrichtung: Während der erste ersichtlich als Sammlung von gut zusammenpassenden katechetischen Schriften konzipiert ist, ist der zweite stärker historisch ausgerichtet. Leicht irreführend ist jene Notiz auf dem ehemaligen VS (Av), in der der Text der Handschrift oder Teile desselben als deutsche Übersetzung aus der Feder von Johannes Geuß bezeichnet und auf das Jahr 1448 datiert werden. Dabei könnte sich diese Datierung höchstens auf die Übesetzungsarbeit des Johannes Geuß, nicht aber auf die Anfertigung der Handschrift beziehen (das machen bereits die Datierung der Wasserzeichen der Handschrift und der Wortlaut der Notiz deutlich); allerdings verstarb Johannes Geuß als angeblicher Übersetzer bereits 1440 (zu Johannes Geuß, seinen Lebensdaten und seinem Werk s. etwa 2VL 3, Sp. 34-36). Da sich diese Notiz auf dem ehemaligen VS befindet, liegt die Vermutung nahe, dass sie erst nach der Bindung der Handschrift eingetragen wurde; diese Annahme wird dadurch bestätigt, dass das Papier des ehemaligen VS aufgrund seines Wasserzeichens auf die Zeit um 1472 zu datieren ist. Somit dürfte die Handschrift in zwei Phasen (1450er-Jahre und 1467) geschrieben und dann um 1470 gebunden worden sein. Auch der Nachtrag zum Kolophon auf 57rb, der von derselben Hand und in derselben oxidierten Tinte notiert wurde wie die Notiz zu Johannes Geuß auf dem alten VS, wird demnach erst um diese Zeit entstanden sein.
    Provenienz der Handschrift:
    • Vermutlich verblieb die Handschrift in der Folge weiterhin in Aalen.
    • Im 18. Jahrhundert gelangte sie nämlich in den Besitz des Historikers und Bibliographen Georg Wilhelm Zapf. Da dieser von 1765 bis 1770 als Kanzleischreiber in Aalen tätig war, dürfte er sie am ehesten dort erworben haben (zu Zapf siehe etwa Gier Art. Zapf, S. 941). Ob die Handschrift aus dem Besitz der Stadt, einer anderen Institution oder einer Privatperson an ihn kam, ist unbekannt; unklar ist auch, ob der Eintrag N.° 110 unten auf 1r, der wohl eine ältere Signatur darstellt, auf G. W. Zapf zurückgeht oder auf einen anderen Vorbesitzer.
    • 1784 verkaufte Zapf die Handschrift schließlich – gemeinsam mit mehreren anderen – an die Universitätsbibliothek Göttingen; vgl. dazu auch den Vermerk Aus G. W. Zapfs bibliothek (1784) auf 1r sowie den entsprechenden Eintrag in SUB Göttingen, Bibliotheksarchiv, Manuale zum Jahr 1784, S. 9: 6) Geistlich und moralische betrachtungen von Hanns Geuss beichtvater Elßen /(Elisabeth) K. Sigmunds Tochter u. Albrechten Herz. von Oesterreich Gemahlinn. 1448. (Cod. Chart.). Auf 1r findet sich der älteste Stempel der Universitätsbibliothek.
    Inhalt:
    • 1r-2va Vaterunserauslegung. >Das ist das pater noster<. Vatter vnser etc; zů dem ersten sprechen wir vatter, nach der schöpfung mit der erlösung vnde mit der narung, die er vns beschaffen hat … — … byß an das ende hat got gehaissen die krone des ewigen lebens wenn Jeronimus sprichet, an gehaben gerecht sein ist nit genůg, volbringen gerechtikait ane ende die ist lons wert. Siehe dazu Richter Die deutsche Überlieferung, S. 52; Adam Katechetische Vaterunserauslegungen, S. 157-158, S. 242, Nr. 24, S. 227-228; Dibelius Das Vaterunser, S. 169-171; Druck (nach der vorliegenden Handschrift): ebd.
    • 2va-3vb Goldenes Ave Maria. >Das ist das guldinn aue Maria vnd hebt sich also an<. Ave got gruͤss dich raine magd gross lob vnd ere sy dir gesagt, dar vmb das du vns gebert den trost … — … Du bist die magd die Joseph sant zů opfer got gar vnuerbrant vnd syczest zů der rechten hand. Deo gratias. Zum Text und seiner Überlieferung siehe: 2VL 3, Sp. 80-84; Appelhans Untersuchungen, S. 49-51 (Nr. 30; mit dieser Hs.).
    • 4ra-10vb Beichtspiegel. Hie ist zemercken wie ain yeglicher seliger gůter cristan mensch bychten sol sein schuld vnd missetat nach dem als er begangen hat mit ganczem seinem lyb vnd sol also anfahen zesprechen. Ich sündiger mensch bekenn vnserm herren Jhesu Christo vnd auch meiner frawen sancta Maria vnd allen gottes hailgen das ich gesündet han … — … der ich auch gern zů ruͥwe vnd zů bůß käme ob ich bedencken möcht oder kuͥnd sie syend töttlich oder täglich so ruͥwend sie mich vnd seind mir alle laid von grund meines herczen, amen.
    • 11ra-56ra Heinrich von Langenstein: Erkenntnis der Sünde.
      • (11ra-11rb) Vorrede. >Das bůch haisst der erkanttnüss der sünden das ist mit der hailgen geschrifft beweysst vnd beschlossen<. Unser herre Ihesus Cristus der alle die welt mit seiner hand mit seiner erbarmherczikait vmbfangen hat der hat dem menschen der durch das besorglich mer diser welt kumerlichen schyffet vnd fert vil hilff vnd gelait berait … — … Dar vmb han ich mir gedaucht, in eren des durchleuͥchtigen hochgeborenen fuͥrsten meins gnedigesten herren herczog Albrechts zů Österreich ettlich stuͥck vrkuͥnd vnd krafft dissz schiffes der bůsz schreiben. In dem namen des vatters des suns vnd des hailgen gaistes.
      • (11rb-56r) Haupttext. >Was ist die bůsz<. Dar über anttwurt sanctus Ambrosius vnd sprichet also die bůß ist nit anders wann ain rauch des betrübten menschen da mit er sich straff in seinem herczen was er wider got begangen hat … — … da von sol ain yeglich mensch in seinen sünden nicht verzagen wie groß die sünd seind; gott der herre ist barmherczig vnd güttig amen.
      Zum Text und seiner Überlieferung siehe: 2VL 3, Sp. 768-769; Rudolf Heinrich von Langenstein; zudem Wiesinger Interdialektaler Transfer, S. 53-54 und S. 83; Edition: Rudolf Erchantnuzz.
    • 56ra-57rb Marquard von Lindau: Dekalogerklärung. >Hie hebt an von den sünden in den hailigen gaist<. Item an dem ersten fraget der Junger: Ich beger das du mir ussleget die suͥnd in den hailgen gaist wann sie todsünd sein vnd das sie als schwer seind das sie nymmer werden vergeben wie vnd wa von das sy … — … wie das sie ob allen creaturen gerecht was so sie erst uff stůnd so viel sy nynder demüticlichen uff ire knye und dancket got seines richs, deo gratias; amen etc. Hie hat das bůch der bekantnuͥss der sünd ein ende, des hohen lerers maister Nyclaus Dinckelspühels. Unter das Kolophon später und wohl von derselben Hand, die auch die Notizen zur Autorschaft der Texte auf dem ehemaligen VS (Av) eintrug, hinzugefügt: vnd maister Hansen Geuͥssen. Zu dieser Dekalogerklärung und ihrer Überlieferung siehe: 2VL 6, Sp. 85-93, hier Sp. 88; zu Marquard von Lindau überdies Jahn Marquard von Lindau (hier Sp. 583 zur Dekalogerklärung).
    • 57va-70vb Etymachietraktat (dt.; Version A). Misit rex Saul appariatores septem ut rapent; David I°, regum VIII°. Das stet geschriben an der kuͥnig bůch das kuͥnig Saul santt uss syben die gewalt hetten den menschen ze tötten … — … das wir den also widersten vnd in tugenden zů nemen vnd uffgen des helff uns die hailig trinitas. Amen Ihesus maria etc. Zum Text und seiner Überlieferung siehe: 2VL 2, Sp. 636-639; Harris The Latin and German 'Etymachia'; zur vorliegenden Handschrift speziell S. 67; Edition: ebd.; im Text ist regelmäßig Platz gelassen für die Illustrationen des Etymachietraktats, doch sind diese nicht ausgeführt. (70ar-70bv) leer.
    • 71r-94v Die kurze Bibel. >Dis ist duͥ vorred der kurczen bibli duͥ der keren haisset etc.< Ich was betrachten die lengin der hailigen geschrifft vnd die klůgheit die daran liget vnd den fleisß der schůler vmb die lernung der hailgen leccien vnd red vnd aller maist vmb die versaumung die da werdent gehandelt an der grundvesti der waren sag … — … an dem dryzehenden jar ist er gemartert vnder dem selben kaiser der auch Petrum cruciget vnd enthauptet Paulum an ainem tag in einer statt vnder einem richter. Zum Text und seiner Überlieferung siehe: 2VL 11, Sp. 898-903, hier Sp. 900, Nr. II; Vollmer Deutsche Bibelauszüge, S. 32; Edition: ebd., S. 127-188 (Text der 'Kurzen Bibel II' mit Varianten der vorliegenden Handschrift); die Vorrede und eine weitere Textpassage sind nach der vorliegenden Handschrift überdies abgedruckt bei Vollmer Niederdeutsche Historienbibeln, S. 34-35, Nr. 1.a.-b.
    • 95ra-106va Gmünder (Kaiser-)Chronik (Kurzform). >ain kurczi cronick<. Die cronica ist gemachet in gottes namen den von Gmuͥnd in Augspurger Bistum gelegen vnd ist gemachet uff das aller kuͥrczest vss andern cronicam gezogen dar vmb das man von langer red wegen nit vrtruͥczig werde darinn zelesen … — … In dem gnaden richen jar ist obgottwil aller krieg raub nam vnd todsleg nyd vnd hass alles gebessert vnd gebüsset. Amen. geschriben anno 67°. Beim vorliegenden Text handelt es sich um die Kurzfassung des Werkes (Sigle A), in einer Sonderform der von Graf Exemplarische Geschichten, S. 160 als solche bezeichneten 'Gruppe X'. Zum Text, und seiner Überlieferung siehe insbesondere ebd. (zur vorliegenden Handschrift S. 159-160 und S. 193-201) sowie 2VL 3, Sp. 67-70.
    Bibliographie

    Abgekürzt zitierte Literatur

    2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
    EBDB Einbanddatenbank (http://www.hist-einband.de/, besonders die Sammlung Wolfenbüttel)
    Göttingen 2 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 2: Universitäts-Bibliothek: Geschichte, Karten, Naturwissenschaften, Theologie, Handschriften aus Lüneburg, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)
    WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)

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