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L'Education perdue [Auszug]

1) L'Education perdue; in einem Aufzuge. Von dem Herrn Coypel entworffen, und den 23 Octobr. 1717 zum erstenmale aufgeführt.

Ein italiänischer Herr, Namens Lelio, hat aus seiner Ehe nicht mehr als ein einziges Kind, welches ein Sohn ist, den er bey einer Müllerin auf dem Lande in die Kost gegeben. Als er nach der Zeit Wittwer wird, will er diesen seinen Sohn, den er Mario nennen lassen, wieder zu sich nehmen, und da er eine Kette und das Portrait seiner Mutter, welches beydes er ihm um den Hals gehangen, als er ihn in die Kost gethan, nicht bey ihm findet, so fragt er die Müllerin nach der Ursache, die ihm denn sagt, daß sie das eine wie das andre verloren habe. Lelio glaubt ihr und nimt den Sohn, den sie ihm vorgestellt, und er für den seinen hält, mit. Auf seinem Rückwege findet er ein Kind an dem Ufer des Flusses, von dem Alter seines Sohnes, und das viel Artigkeit zeiget; er erbarmt sich über dieses
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Kind nimt es mit und läßt es mit seinem Sohne, unter dem Namen Lindori, zugleich erziehen. Bey dem Lindori schlägt die Erziehung sehr wohl an, und seine Aufführung ist ungemein sittsam, da hingegen Mario ein lüderlicher Wildfang wird. Lindori macht mit der Silvia, der Tochter des Pantalons, der sie mit dem Mario verheyrathen will, weil ihn Lelio darum angesprochen, Bekanntschaft. Ehe aber Pantalon seine Tochter den Mario zu heyrathen zwingen will, erkundiget er sich vorher bey dem Harlequin, dem Bedienten des Mario, wegen der Auf führung seines Herren. Harlequin, in einer Kleidung mit Bändern, ein spanisches Rohr unter dem Arme, und ein Reibeisen und Tabak in den Händen, spielt einen lächerlichen Petitmaiter, und erklärt dem Pantalon, daß sein Herr der glücklichste und zugleich der freyeste und lustigste junge Mensch von der Welt sey, der sich alle Tage neue Ergötzlich keiten, in der Oper, in der Komödie, vor dem Spieltische, im Wein hause, bey Frauenzimmern, zu machen wisse. Da Pantalon dieses hört, sagt er dem Lelio den Handel auf, und will seine Tochter dem Mario nicht geben. Unterdessen führt dieser den Lindori nebst zwey Frauenzimmern in die Oper, und wie sie wieder herauskommen, zwingt Mario den Lindori, den Degen zu ziehen. Mario wird von ihm ent waffnet, und Lindori schenkt ihm aus Grosmuth und aus Dankbarkeit das Leben, worauf aber Mario angehalten und in das Gefängniß ge bracht wird. Unterdessen kömmt der Bruder von der Amme an, und bringt einen Brief an den Lelio, in welchem sie ihm meldet, daß sie bey Annäherung ihres Todes ihr Gewissen zwinge, ihm zu entdecken, wie Mario ihr eigner Sohn sey, und daß der seinige in dem Flusse bey der Mühle umgekommen, weßwegen sie denn vorgegeben, daß die Halsschnur und das Portrait verloren gegangen wären. Da Lindori von der Halsschnur und dem Portrait reden höret, so zeigt er beydes vor, wird dadurch für den Sohn des Lelio erkannt und heyrathet die Silvia. Lelio will hierauf den Mario von sich stossen, Lindori aber bewegt seinen Vater, daß er ihn auf eben demselben Fusse, auf welchem Lindori vorher gewesen, bey sich behält.


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